Issuu on Google+

1.80 Euro Juli 2011 | 90 Cent für den Verkäufer

bodo Das Straßenmagazin

12 | Wohnen wie Peter Lustig | Ein Besuch auf dem Wagenplatz 28 | Velo-City Ruhrgebiet | Fahrradschnellstraße statt Ruhrschleichweg? 14 | Sexsteuer | Dortmund bittet Schwule zur Kasse 21 | 22 Verlosungen | z.B. Juicy Beats 2011 – Das Open-Air-Festival

1


02 EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser, herzlich willkommen zu unserem Juli-Heft!

Und auch die neue Zuwanderung nach Dortmund

Während die August-bodo als Themenheft „Wasser“

ist weiterhin Thema: Am Montag, dem 18. Juli

40 Seiten lang Abkühlung bieten wird, ist diese

moderiere ich eine Podiumsdiskussion im sweet-

Juli-Ausgabe erneut ein buntes Heft mit Themen,

sixteen Kino im Depot. Gemeinsam mit Planer-

die von Theater bis Kirmes reichen, von alternativen

laden, Mieterverein, Auslandsgesellschaft und

Wohnformen bis zum ungewollten Leben auf der

weiteren Organisationen zeigen wir den Dokumen-

Straße. Und von Utopien wie einer Fahrradschnell-

tarfilm „Im Ghetto – Die Roma von Stolipinowo“.

straße entlang der A40 bis zu Skandalen wie der

Im Anschluss diskutieren Regisseur Andreas Kraus,

„Vergnügungssteuer“ der Stadt Dortmund.

Orhan Jasarovski vom Landesverband der Sinti und

Sollten Sie zu unseren frühen LeserInnen gehören, möchte ich die Einladung zu unserer dreitägigen

Roma NRW, Tülin Kabis-Staubauch (Planerladen e.V.) und Rainer Stücker (Mieterverein Dortmund). Der Eintritt ist frei.

Kunstveranstaltung im Dortmunder Stadtgarten erneuern: Vom 1. bis zum 3. Juli findet „Unbe-

Wir freuen uns, Sie bei diesen Veranstaltungen

haust – 100 Zelte Kunst“ auf der Wiese am Rat-

und bei unseren Buchständen in Unna, in Bottrop

haus statt. Am Freitag eröffnet Schauspieldirektor

und in Düsseldorf oder in unserem Buchladen zu

Kay Voges um 17 Uhr die Zeltstadt mit 100 von

treffen, wir freuen uns aber auch über Ihre Leser-

Künstlern gestalteten Zelten. Am Freitag Abend

post zu diesen Themen, zu unserer Arbeit und zu

und den gesamten Samstag hindurch spielen

unserem Magazin.

Bands, gibt es eine Lesebühne, Performances, Interviews. Am Sonntag ist jedeR eingeladen, ab 12 Uhr mit uns im Stadtgarten zu brunchen. Ab 14 Uhr versteigern wir die Zeltkunstwerke.

Und ein kurzer Hinweis zum Schluss: Eine Mail oder Postkarte lohnt sich diesmal ganz besonders. Wir verlosen jeden Monat vor allem hochwertige Eintrittskarten und Gutscheine, aber im Juli haben wir

Ein weiterer spannender Termin ist am 7. Juli das

mit der Dortmunder Stadtsilhouette auf Leinwand

Alternative Medienfestival in der Rotunde des alten

der Firma RuhrGepäck etwas Bleibendes für ihre

Bahnhofs in Bochum. Gemeinsam mit der Bochumer

Wohnzimmerwand abzugeben. Machen Sie mit!

Stadt- und Studierendenzeitung bsz, der alternativen Internet-Plattform bo-alternativ, dem Asta der Ruhruni, dem Regionalblog Ruhrbarone und vielen

Viele Grüße von bodo, Bastian Pütter – redaktion@bodoev.de

anderen Organisationen werden wir ab 15 Uhr dabei sein. Um 20 Uhr darf ich mit Anne Roth, Stefan Laurin und Martin Budich zum Thema „Öffentlichkeit selber machen“ aufs Podium. Zwei Tage später, am Samstag den 9. Juli, finden Sie uns in unserer „alten Heimat“ am Springerplatz in Bochum beim Westendfest. Besuchen Sie uns!

IMPRESSUM

2

BODO E.V. – SO ERREICHEN SIE UNS

Herausgeber und Verleger:

Autoren:

Redaktions- und Anzeigenschluss:

Vereinssitz:

bodos Bücher | Modernes Antiquariat:

bodo e.V.

Franziska Cress, Volker Dornemann (vd), Pe-

für die August-Ausgabe 10.07.2011

Mallinckrodtstraße 270 | 44147 Dortmund

Mallinckrodtstraße 270 | 44147 Dortmund

Mallinckrodtstraße 270 | 44147 Dortmund

ter Erik Hillenbach (perik), Wolfgang Kienast

Anzeigen:

Post: Postfach 10 05 43 | 44005 Dortmund

Mo. – Fr. 11 – 18 Uhr

Postanschrift:

(wk), Maike, Nina Mühlmann (nm), Bastian

Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 7

Internet:

Second-Hand-Laden Dortmund:

Postfach 100543 | 44005 Dortmund

Pütter (bp), Marcus Preis (mp), Rosi, Benedikt

gültig ab 01.03.2009

www.bodoev.de | www.facebook.com/bodoev

Brunhilde Dörscheln | troedel@bodoev.de

Redaktionsleitung und V.i.S.d.P.:

von Randow (bvr), Dr. Birgit Rumpel (biru),

Vertriebe:

Vorstand:

0231 – 98 22 97 96

Bastian Pütter | redaktion@bodoev.de

Barbara Underberg (bu), Meike Wieland (mw)

Mallinckrodtstraße 274 | 44135 Dortmund

Nicole Hölter | Brunhilde Dörscheln |

Mallinckrodtstraße 274 | 44147 Dortmund

0231 – 98 22 98 18 | Fax 88 22 527

Fotos: Claudia Siekarski (S.2,3,4,5,7,8,9,10,

0231 – 98 22 97 96

Andre Noll | vorstand@bodoev.de

Di. – Do. 10 – 17 Uhr

Redaktionsanschrift:

12,14,15,16,18,21,30,34,35,36,38,39), Daniel

Stühmeyerstraße 33 | 44787 Bochum

Geschäftsleitung | Verwaltung:

Verkäufercafé Dortmund:

Mallinckrodtstraße 270 | 44147 Dortmund

Sadrowski (S.19), Bastian Pütter (S.3,6,7,11),

Tanja Walter | verein@bodoev.de

Mallinckrodtstraße 274 | 44147 Dortmund

Veranstaltungskalender:

Uwe Steinbrich, pixelio.de (S.28)

Der Abdruck von Veranstaltungshinweisen ist kos-

0231 – 98 22 97 96 | Fax 88 22 527

Mo. u. Fr. 10 – 13 Uhr | Di. – Do. 11 – 18 Uhr

Benedikt von Randow (bvr) | info@bodoev.de

Titelbild: Claudia Siekarski

tenfrei, aber ohne Gewähr. Für unaufgefordert ein-

Redaktion | Öffentlichkeitsarbeit:

Anlaufstelle Bochum:

engel und agenten | info@bodoev.de

Zeichnungen und Cartoon: Volker Dornemann

gesandte Fotos oder Manuskripte wird keine Haftung

Bastian Pütter | redaktion@bodoev.de

Stühmeyerstraße 33 | 44787 Bochum

Layout und Produktion:

Druck: Gebr. Lensing GmbH & Co. KG.

übernommen. Das Recht auf Kürzung bleibt vorbehal-

0231 – 98 22 98 18 | Fax 88 22 527

Mo. u. Fr. 14 – 17 Uhr | Di. u. Do. 11 – 18 Uhr

Andre Noll | Büro für Kommunikationsdesign

Auflage | Erscheinungsweise:

ten. Abdruck und Vervielfältigung von redaktionellen

Transporte | Haushaltsauflösungen:

Spendenkonten:

0231 – 106 38 31 | info@lookatnoll.de

11.000 Exemplare

Beiträgen und Anzeigen bedürfen der ausdrückli-

Michael Tipp | transport@bodoev.de

Stadtsparkasse Dortmund

Anzeigenleitung:

Bochum, Dortmund und Umgebung

chen Genehmigung der Redaktion. Leserbriefe und

0231 – 88 22 825 | Fax 88 22 527

BLZ: 440 501 99, Kto. 104 83 76

Bastian Pütter | redaktion@bodoev.de

namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht

bodos Bücher online:

Sparkasse Bochum

0231 – 98 22 98 18 | Fax 88 22 527

unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Gordon Smith | 0231 – 88 22 833

BLZ: 430 500 01, Kto. 10 406 254


03

INHALT

02 Editorial | Impressum 04 Menschen Barbara Kleyboldt, Rüdiger Trappmann von Dr. Birgit Rumpel „Gedichte sind langweilig. Freies Theater ist suspekt. In die Nordstadt trauen wir uns nicht.“ Mit derselben Energie, die sie in ihrer Theaterar-

Unser Titelbild der Juli-Ausgabe:

beit zeigen, kämpfen Kleyboldt und Trappmann gegen diese drei Vor-

Wohnen wie Peter Lustig (siehe S.8).

urteile an. Alles Quatsch – das wissen jedenfalls diejenigen, die einen

Foto: Claudia Siekarski

Dichterabend im Roto-Theater erlebt haben. 06 Neues von bodo 07 Maikes Verkäufertagebuch 08 Straßenleben Wohnen

wie Peter Lustig von Marcus Preis

„Ich kann mir nicht vorstellen, in einer überteuerten Stadtwohnung zu leben, wo ich nur auf graue Wände gucke. Hier öffne ich morgens die Tür und kann direkt draußen in der Natur meinen Kaffee trinken. Das ist schon eine hohe Lebensqualität.“ Sagt Doreen über ihr Leben auf dem Wagenplatz. 11 Verkäufergeschichten Atila von Bastian Pütter

21 Veranstaltungskalender | Verlosungen | CD-Tipps | von Benedikt von Randow

Wie man sich einen Obdachlosen nicht vorstellt: Atila kommt aus Brasilien, hat studiert und von Straßenmusik gelebt, und sein liebster Platz ist immer noch der Lesesaal der Bibliothek. 12 Zum Haare raufen Back

to the Eighties von Nina Mühlmann

kommt was ins Rollen von Wolfgang Kienast

Die Vision einer Fahrradschnellstraße durchs Ruhrgebiet: Breit, kreuzungsKonkurrenz zum „Ruhrschleichweg“. 32 Kreuzworträtsel | Sudoku

durch die Nordstadt von Barbara Underberg

Annette Kritzlers „Borsigplatz-VerFührungen“ laden zur Besichtigung eines Stadtteils ein, der ein einziges Vorurteil zu sein scheint. Und dazu, dieses

33 Eselsohr Samurai von Volker Dornemann 34 Porträt Kirmesarchitektin

Sabine Marek von Marcus Preis

500 Beschicker und tausende Fahrzeuge – Die Planung der Cranger Kirmes

Bild zu korrigieren.

ist ein Puzzlespiel, bei dem es um jeden Zentimeter geht. Sabine Marek

13 Wilde Kräuter Rotklee von Wolfgang Kienast Diesmal über Ehec-Verschörungstheorien, darüber, dass „Bild“ keine Zeitung ist, und mit einem Auflaufrezept mit Rotklee.

löst es auch in diesem Jahr mit Maßband und Computer. 36 Neues von Rosi | von bodo-Verkäuferin Rosi 37 Literatur Ruhrbarone

14 Soziale Reportage Sexsteuer von Franziska Cress

3 – Männerwelten gelesen von Bastian Pütter

Der Dortmunder Straßenstrich und damit die angebliche „Zuwanderung

Von der Krise des Zeitungsjournalismus frustrierte Journalisten wan-

von Zuhältern und Kriminellen“ sind Geschichte. Was fehlt: 80.000 Euro

dern ins Internet aus, etablieren Deutschlands bekanntestes Regional-

Sexsteuer-Einnahmen. Und das bei den eh schon leeren Kassen. Eine neue

blog und kehren mit einem Hochglanzmagazin triumphal zurück in die

Geldquelle: Schwule Szeneeinrichtungen.

Gutenberg-Galaxis.

18 Der Kommentar Blickwechsel

in Dortmund? von Bastian Pütter

38 bodo geht aus Café

zur alten Post besucht von Meike Wieland

Ihre Diplomarbeit schrieb Remona Tingelhoff über „Soziales Leben in Kaf-

18 News | Skotts Seitenhieb 19

28 Reportage Da

frei und allein was die Durchschnittsgeschwindigkeit angeht als echte

Die Achtziger sind zurück. Schon wieder. 12 Kultur Touren

20 Kinotipp Schlafkrankheit im endstation.kino

feehäusern”. Auf die Theorie folgte die Praxis: In ihrem Café in Königsborn

Ein Jahr danach

gibt es neben Frühstück und selbstgebackenen Kuchenkreationen auch

Gedenken an die Opfer der Duisburger Loveparade

Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und Flohmärkte.

20 Gebrauchsanweisung Der

28

Mensch als solcher von Peter Erik Hillenbach

14

39 Leserbriefe | Cartoon

11

04

34

3


04 MENSCHEN | von Dr. Birgit Rumpel | Fotos: Claudia Siekarski

Barbara Kleyboldt und Rüdiger Trappmann Theater muss sein

Ein freies Theater wie das Roto-Theater zu betreiben gehört zu den Knochenjobs in der Kreativwirtschaft. Neben viel Engagement, Talent und Durchhaltevermögen braucht man dafür eine weitere Eigenschaft: Besessenheit. Ein geräumiger Hinterhof in der Dortmunder Nordstadt. Knallrote Klapptische und -bänke werden von üppigen Hortensien umrahmt, dezente Lichterketten lassen etwas von der abendlichen Stimmung erahnen, die einen erwartet, wenn das Roto-Theater seine Pforte öffnet. Diese liegt etwas versteckt in der Ecke und trägt noch den schmiedeeisernen Schriftzug des Unternehmens, das hier früher ansässig war. Den aufwändigen Umbau zum Theater mit 80 Plätzen haben die Betreiber Barbara Kleyboldt und Rüdiger Trappmann 2002 in Eigenregie bewerkstelligt. Damit haben sie sich einen Traum erfüllt, der ihr gemeinsames Leben ausmacht: den Traum vom eigenen Theater. „Wir müssen das machen.“ Kennengelernt haben sie sich in der Theaterschule, die Rüdiger Trappmann in Köln leitete. Er war ihr Lehrer, sie die lernbegierige Schauspielschülerin, die schon mit 16 – von den Eltern unbemerkt – Unterricht nahm. „Ich wusste mit sechs Jahren, dass ich Schauspielerin werden wollte, aber meine Eltern bestanden darauf, dass ich eine ,richtige‘ Ausbildung mache.“ Also verließ sie das Gymnasium ohne Abitur und wurde Schreinerin. Ihren eigenen Berufswunsch erfüllte sie sich heimlich, setzte den Schauspielunterricht fort und spielte neben ihrem bodenständigen Beruf abends und an den Wochenenden Theater. Später folgte eine Ausbildung zur Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin. 1996 wechselten beide in Trappmanns Heimat Dortmund, wo sie die Theaterschule „La Bouche“ gründeten. Aus den Schülerinnen und Schülern, die hier eine 2,5-jährigen Ausbildung durchliefen, rekrutierten sie das heutige Ensemble des RotoTheaters. „Man muss eine gemeinsame Sprache sprechen, deshalb war es uns so wichtig, unsere Leute selbst ausgebildet zu haben“, erklärt Regisseur und Intendant Trappmann. „Wir arbeiten lieber mit erlebnisfähigen Laienschauspielern als mit Profis, die zwar das Handwerk beherrschen, aber vor lauter Routine die Begeisterung vermissen lassen“, ergänzt Barbara Kleyboldt.

4


05

Die Theaterschule gibt es mittlerweile nicht mehr,

Nicht nur aus Marketinggründen haben Kleyboldt/

Theater ohne finanzielle Unterstützung auskom-

denn das wäre neben dem Theater nicht zu schaf-

Trappmann eine Nische besetzt, mit der sie sich von

men, dann gab es die erste Förderung der Stadt

fen. 150 Aufführungen gibt es pro Jahr, und das ist

anderen Theatern abheben. Die unbedingte Liebe

Dortmund. Seit 2010 gehört das Theater zu den

nur die Spitze des Eisbergs. Alle weiteren Arbeiten,

zur Literatur ließ sie neben Musikabenden und En-

freien Kulturstätten, die das Kulturbüro mit der

die der Theaterbetrieb erfordert, leisten sie selbst.

semblestücken eine umfangreiche Reihe von Dich-

Zentrenförderung unterstützt. Das schafft eine

Von der Buchhaltung bis zur Requisite liegt alles in

terabenden entwickeln. Goethe, Heine, von Droste-

gewisse Erleichterung, führt aber nicht dazu, dass

den Händen des theaterbesessenen Paares. „Dieses

Hülshoff, Tucholsky, Hesse, Rilke – eine Auswahl

das Theaterduo sein Arbeitspensum zurückfährt.

Theater ist unser Leben.“

der Klassiker, die sie auf die Bühne ihres Literatur-

Derzeit sind zwei neue Programme in Vorberei-

Theaters bringen, mit Dichtertexten aus mehreren

tung: Im Oktober startet der Udo Jürgens-Abend,

Hier verwirklichen sie ihre Idee von Theater, nicht

Jahrhunderten und von völlig unterschiedlichen Au-

für Januar 2012 ist mit dem Ensemble die Premi-

nur, was das Programm angeht. „Ich fand es immer

toren, die oft schwer zu lesen, geschweige denn frei

ere der Komödie „Ein ungleiches Paar“ von Neil

schrecklich, wenn es bei Theater- und Opernbesu-

zu sprechen sind. Dass Barbara Kleyboldt auch kom-

Simon geplant.

chen nur teure, wabbelige Häppchen gab. Theater

plizierte Goethetexte beim Joggen oder Fitnesstrai-

macht hungrig, man braucht ja nicht nur geistige

ning verinnerlicht, könnte darüber hinwegtäuschen,

Mit derselben Energie, die sie in ihrer Theaterar-

Nahrung,“ beschreibt Kleyboldt den Grund, warum

dass dies harte Arbeit ist. „Ich muss so unglaublich

beit zeigen, kämpfen Kleyboldt und Trappmann ge-

es im Roto-Theater zur Pause die schon legendäre

fleißig sein, sonst ist das nicht zu schaffen.“ Der

gen drei Vorurteile an: „Gedichte sind langweilig.

Tomatensuppe gibt, frisch zubereitet von Rüdiger

Sport ist nicht nur Ablenkung vom anstrengenden

Freies Theater ist suspekt. In die Nordstadt trauen

Trappmann und begleitet von Fladenbrot aus der

Theateralltag. „Es gehört zu meiner Arbeit, dass ich

wir uns nicht.“ Alles Quatsch – das wissen jeden-

Nordstadt. Auf die persönliche Atmosphäre legen

mich fit halte und in Form bleibe, sonst würde ich

falls diejenigen, die einen Dichterabend im Roto-

beide großen Wert. „Schon wenn die Besucher her-

die zwei Stunden auf der Bühne gar nicht schaffen.

Theater erlebt haben. (biru)

einkommen, muss alles stimmen, das beginnt mit

Und schließlich muss ich ja auch in meine Kostüme

der Freundlichkeit an der Kasse und an der Bar. In

hineinpassen,“ sagt die gertenschlanke, durchtrai-

INFO

unserem Theater wird man wahrgenommen und ist

nierte Schauspielerin.

Roto-Theater

nicht nur eine Nummer“, beschreibt Trappmann die

Gneisenaustraße 30

Atmosphäre, die an einem kleinen Haus natürlich

Ein langer Atem ist in jeder Hinsicht nötig, um ein

44147 Dortmund

eher herzustellen ist.

Theater zu betreiben. Bis 2009 musste das Roto-

www.rototheater.de

5


06

NEUES VON BODO | www.bodoev.de | www.facebook.com/bodoev

Mit einem Abonnement helfen Sie, unsere Arbeit für Menschen in sozialen Notlagen

Alternatives Medienfestival

bodo-Verkäufer werden

Bochum: Öffentlichkeit selber machen! Das ist

Aller Anfang ist schwer. Wir freuen uns, vor allem

das Motto des Alternativen Medienfestivals, das

in Dortmund zur Zeit regelmäßig neue Verkäufer-

am 7. Juli um 15 Uhr in der Rotunde des alten

ausweise ausstellen zu können.

finanziell abzusichern.

BODO-PRAXIS-ABO Ja, ich möchte das bodo Straßenmagazin für meinen Wartebereich abonnieren. Praxis Straße Plz, Ort

Praxis-Förder-Abo Ich überweise 60 Euro jährlich auf das Konto Nr. 1048376, Sparkasse Dortmund, BLZ 44050199. Bitte senden Sie mir eine Spendenbescheinigung.

Praxis-Standard-Abo

Bochumer Bahnhofs beginnt.

Menschen in Not kommen zu uns, weil sie versu-

Die Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung bsz,

chen wollen, ihr Leben wieder selbst in die Hand

das Journalistenblog Ruhrbarone, die Internetplatt-

zu nehmen. Ein legaler Zuverdienst, eine Arbeit auf

form bo-alternativ und der Asta der Ruhruni ha-

Augenhöhe, die Vorteile einer Gemeinschaft und der

Ich überweise 28 Euro jährlich auf das

ben ein Festival organisiert, das den Bogen spannt

Zugang zu unseren weiteren Angeboten sind für im-

Konto Nr. 1048376, Sparkasse Dortmund,

„zwischen politischen und kulturellen Initiativen,

mer mehr Menschen auf der Straße ein Grund, bei

BLZ 44050199. Bitte senden Sie mir eine

selbstorganisierten Medienprojekten sowie allen,

uns vorbeizuschauen.

Spendenbescheinigung.

die sich dafür interessieren“.

Ort, Datum Unterschrift

BODO-FÖRDER-ABO

zur Zeit noch anders aus. Trotz unserer wirklich

Pütter mit Anne Roth, Stefan Laurin und Martin

schönen Anlaufstelle mit Verkäufercafé und Klei-

Budich auf dem Podium sitzen. Der Soziologe

derkammer finden viele Menschen, auf die unser

Gottfried Oy wird über Alternativmedien spre-

Angebot passt, noch nicht zu uns. Wir haben uns

chen, es gibt Workshops von Rolf von Raden (Pres-

deshalb entschlossen, aktiver auf die „Menschen

searbeit für politisch Aktive) und David Schraven

am Rand“ zuzugehen.

(Macht und Filz im Ruhrgebiet). Ein umfangrei-

Ja, ich möchte bodo durch ein Förder-Abo in

ches Begleitprogramm mit Info- und Buchständen

Höhe von mindestens 60 Euro jährlich unter-

von Amnesty bis bodo und ein Bühnenprogramm

stützen. Ich erhalte 12 Ausgaben frei Haus

mit Kabarett, Literatur und Musik mit anschlie-

und eine Zuwendungsbescheinigung.

ßender Party runden den Tag ab. Wir freuen uns auf viele Besucher.

Name

Mehr unter: www.medienfestival-bochum.de

Straße Plz, Ort

„Tief im Westen“, in Bochum und Herne sieht es

Um 20 Uhr wird bodo-Redaktionsleiter Bastian

Mit unserem Anteil der Spenden, die der Cellist Thomas Beckmann bei seinem Benefizkonzert für die Bochumer Wohnungslosenhilfe im letzten Jahr erspielte, haben wir einen Flyer erstellt, der dafür wirbt, den Pappbecher gegen einen Verkäuferausweis einzutauschen und den sprichwörtlichen Euro mit dem Verkauf unseres Straßenmagazins zu verdienen.

ANZEIGE

Ich bin einverstanden, dass bodo e.V. jährlich

Euro (mindestens 60 Euro) von

meinem Konto abgebucht.

bodo schafft Chancen

Konto Nr. Institut BLZ Ich überweise

Euro (mindestens

60 Euro) jährlich auf das Konto Nr. 10406254, Sparkasse Bochum, BLZ430 50001 Ort, Datum Unterschrift

bodo e.V. Mallinckrodtstraße 270 | 44147 Dortmund

6

Vereinsregister Dortmund: Nr. 4514

Haushaltsauflösungen Transporte und Umzugshilfen transport@bodoev.de | 0231 – 88 22 825


MAIKES VERKÄUFERTAGEBUCH

bodos Bücher

07

Roma: Filme und Diskussionen

Hallo, alle bodo-Freaks!

13. Mai Seit Anfang Mai war der Lebensmittelmarkt in Huckarde zu, wegen Renovierung und Neueinrichtung. Und heute war Neuer-

bodo schafft Arbeitsplätze mit der Annahme,

Am 21. Juni zeigte bodo gemeinsam mit ekamina,

öffnung des Lebensmittelmarkts mit „neuem

Sortierung, Bewertung und dem Verkauf von

der Reihe unseres Redakteurs Wolfgang Kienast,

alten Namen“. Denn der Lebensmittelinhaber

Buchspenden.

und dem Internationalen Frauenfilmfestival den

hat diesen Laden an den neuen Marktinhaber

Dokumentarfilm „Hotel Rai“.

übergeben. Da war ein Andrang!

rend der Öffnungszeiten unseres Buchladens in

„Hotel Paradies“, so die deutsche Übersetzung des

18. Mai Mist, heute kein Zeitungsverkauf,

Dortmund (Mallinckrodtstraße 270, Mo. bis Fr. von

Filmtitels, berichtet über ein bulgarisches Plat-

sondern Arbeitsamt war angesagt. Darum

11 bis 18 Uhr) oder in der Anlaufstelle in Bochum

tenbau-Ghetto für Roma, das dem Stadtteil Stoli-

war ich früh hin, die „Wege“ beim Amt erle-

(Stühmeyerstraße 33, Mo. und Fr. von 14 bis 17 Uhr,

pinowo ähnelt, aus dem ein Teil der Dortmunder

digen und wieder ab nach Hause.

Di. und Do. von 11 bis 18 Uhr) entgegen.

Zuwanderer kommt.

Wir nehmen Ihre aussortierten Bücher gerne wäh-

Damit Ihre Buchspenden effektiv zur Finanzierung der von uns geschaffenen Stellen beitragen können, finden Sie Belletristik, Fach-, Sach- und Kinderbücher in unserem Buchladen und in unserem Amazon-Onlineshop. Seltenes und Antiquarisches bieten wir über Buchportale wie ZVAB und Booklooker an. Doch unsere Bücher sind auch „mobil“: Am 7. Juli sind wir beim Alternativen Medienfestival in der Bochumer Rotunde und am 9. Juli beim Westendfest auf dem Springerplatz. Am 17. Juli finden Sie uns in der Stadt- und Landesbibliothek Bottrop und am 30. und 31. Juli auf der Düsseldorfer Büchermeile.

25. Mai Da es ja langsam zum Ende des

Im restlos gefüllten Keller des Sissikingkong am

Monats zugeht, sind wir, mein Bekannter

Dortmunder Hafen diskutierte im Anschluss Festi-

und ich, zum Ruhrpark hingefahren und ha-

val-Kuratorin Betty Schiel mit Marina Samra, die

ben einen Einkaufsbummel gemacht.

bulgarische Frauen in der Beratungsstelle Westhoffstraße betreut, dem Nordstadt-Vermieter Christian Schmitt und einem engagierten Publikum. Aufgrund der großen Nachfrage werden wir uns um eine weitere Aufführung bemühen. Doch zunächst beteiligen wir uns an einer weiteren Veranstaltung: Am 18. Juli um 18 Uhr zeigt das sweetsixteen Kino im Dortmunder Depot den Film „Im Ghetto – Die Roma von Stolipinowo“. Im Anschluss werden wir unter anderem mit dem Regisseur Andreas Kraus und Roma-Vertretern diskutieren. Die Veranstaltung ist eine Kooperation u.a. mit dem Planerladen e.V.,

31. Mai Schitt Darmerreger! Möchte gerne wieder mal ‘ne Salatgurke oder Tomaten kaufen. Nur: Wenn man sich nicht mit diesem Darmerreger anstecken möchte, dann lässt man es sein mit dem Gemüsekauf.

1. Juni Ach, du Schitte: neuer Monat, neue Zeitungen. Aber erst die Verkäuferversammlung, auf der es oft hoch her geht. Was soll‘s, wenn es Probleme gibt, werden die eben gelöst. Eure Bodoline, Maike

Bezent e.V. und der Alevitischen Gemeinde NRW. ANZEIGEN

Größte Auswahl an ethisch und ökologisch korrekten Klamotten für Männer und Frauen in Dortmund!

7


08 STRASSENLEBEN | von Marcus Preis | Fotos: Claudia Siekarski

Wohnen wie Peter Lustig Ein Besuch auf dem Wagenplatz Neben engagierten Debatten über die Rest-

bisschen einfacher, an Holzbauwagen zu kom-

laufzeiten der Atomkraftwerke und dem lauten

men als heute.“

Aufschrei der Konzerne findet ein öffentlicher Diskurs über unseren Umgang mit Energie

Entlang einer Bahnlinie ist ihr in einem Garten

kaum statt. Gerade unter diesem Aspekt ist es

ein Wagen aufgefallen, der vor sich hin rottete.

spannend, Menschen zu begegnen, die für sich

„Ich hab einfach ganz naiv gefragt, hatte Glück

selbst Alternativen suchen und sich für eine

und habe ihn für 50 D-Mark bekommen. Er war

besondere Lebensform entschieden haben, un-

zwar total grottig und ich musste ihn total neu

abhängig von steigenden Energiepreisen.

aufbauen. Mit einem Trecker haben wir ihn dann auf den Platz gebracht.“ Neugierig dürfen wir

Wir sind unterwegs irgendwo in NRW und wollen

einen Blick in den Wagen werfen: Es gibt einen

Doreen und Lars besuchen. Sie leben in einer

Gasherd, in der Mitte steht einen Ofen, viele

Wagenburg. Das Areal liegt versteckt abseits der

kleine Bilder hängen an der Wand. Das Sonnen-

Straße. Als wir den verwilderten Weg, der dorthin

licht blinzelt durch die Fenster eines kleinen Er-

führt, entlanggehen, ist es, als würden wir

kers, den sie selbst angebaut hat, gerade mal

eine fremde, verbotene Welt betreten.

groß genug für eine kleine Sitzbank. Über dem „Wohnbereich“ gibt es einen Aufbau, in dem sich

Der warme Frühling hat die Vege-

ein Hochbett befindet.

tation ordentlich sprießen lassen, zwischen wild wachsenden

„Ich hab einfach Lust auf eine etwas andere

Büschen und Bäumen inmitten

Wohn- und Lebensform. Ich finde es total an-

kniehoher Gräser finden wir das

genehm, keine Nachbarn zu haben, die kontrol-

Zentrum des Wagenplatzes: Ne-

lieren, ob die Fußmatte gerade liegt oder nicht.

ben einem auffallend großen

Wenn ich über eine Alternative nachdenke, wird

Bauwagen in der Mitte stehen

es auch schon schwierig. Nach 15 Jahren wünsch‘

Bierbänke und andere Sitzgelegen-

ich mir auch mal ein anderes Raumgefühl. Doch

heiten. Doreen und zwei Hunde be-

es ist auch ein Geldfaktor. Ich kann mir nicht vor-

grüßen uns dort. Das Gebell verrät Lars,

stellen, in einer überteuerten Stadtwohnung zu

dass wir da sind, und er kommt dazu. Inmit-

leben, wo ich nur auf graue Wände gucke. Hier

ten der üppigen Flora haben die Bewohner mit

öffne ich morgens die Tür und kann direkt drau-

Hilfe von Holzspänen schmale Wege angelegt,

ßen in der Natur meinen Kaffee trinken. Das ist

über einen dieser Pfade führt uns Doreen zu ih-

schon eine hohe Lebensqualität.“ Mit ihrem Wa-

rem Bereich. Erst jetzt entdecken wir nach und

gen, mit dem sie schon mehrfach „durch die Ge-

nach die anderen bunten Holzwagen. Ein alter

gend gezogen ist“, würde Doreen allerdings nicht

Anhänger ohne Aufbau bildet eine Art Veranda,

nochmal umziehen. Das kann man sich auch kaum

auf der wir Platz nehmen.

vorstellen, über die Jahre ist er total zugewachsen und das Fahrgestell sieht nicht so aus, als ob

Doreen lebt schon über 15 Jahre im Bauwagen.

es noch einen Transport überleben würde. „Wenn

Damals war sie als Umweltaktivistin bundesweit

ich wegziehe, dann werde ich auch nicht mehr in

unterwegs, lernte zum Beispiel in Hamburg ei-

einem Wagen wohnen.“

nige Bauwagenbewohner kennen und war sofort

8

von dieser Lebensform begeistert. „Ich habe

Lars lebt seit zehn Jahren hier. Inspiriert wurde er

dort viele Freunde gefunden, und bald war für

damals auch durch einen längeren Aufenthalt in

mich klar, dass ich auch so leben möchte.“ Dore-

Indien: „In den indischen Dörfern leben die Leute

en erinnert sich: „Ich habe am Wagenplatz un-

größtenteils auf der Straße, man hat nur kleine

weit meines damaligen Wohnorts gefragt, ob ich

Häuser ohne Fenster, in denen zum Schutz Frauen

einziehen könnte, musste mir aber noch einen

und Kinder schlafen, die Männer schlafen draußen

eigenen Wagen suchen. Damals war es noch ein

vor den Hütten.“


09

9


10

Da diese Wagenburg nicht an das öffentliche Strom-

Manche Bewohner haben schmale Beete oder ein

und Wassernetz angeschlossen ist, hat jeder Bewoh-

kleines Gewächshaus angelegt. „Im Gegensatz

ner ein oder mehrere Solarmodule installiert. Lars

zu mir hat Lars ein grünes Händchen.“ Aber es

besitzt sogar ein kleines Windrad. In der Nachbar-

ist nicht ganz einfach, bei dem Wildwuchs ein

schaft gibt es einen Wasserhahn, wo man sich mit

paar Kulturen anzulegen. Erschwert wird die

frischem Trinkwasser versorgen kann. Einmal in der

Hobbybotanik durch zahlreiche Wühlmäuse und

Woche treffen sich alle Bewohner, je nach Witterung

Maulwürfe. „Seit sechs Jahren verpflanze ich

im oder vor dem Gemeinschaftswagen zum Plenum,

ständig meinen Apfelbaum, weil die Tiere immer

um wichtige Dinge zu besprechen. Wenn zum Bei-

wieder das Wurzelwerk angreifen. Ein paar Sa-

spiel jemand neu einziehen möchte, muss er sich

chen gehen aber gut hier und es ist ein netter

zunächst der gesamten Gruppe vorstellen. Sobald

Zeitvertreib.“

aber nur ein Bewohner sein Veto einlegt, ist ihm der Einzug in die Wagenburg verwehrt.

„Man kriegt das Leben und die Jahreszeiten ganz anders mit“, beschreibt Lars seine Motivation,

10

Andere Gruppenaktivitäten wie gemeinsames

in der Wagenburg zu leben. Alles ist sehr direkt,

Kochen ergeben sich von alleine. Es gibt auch

auch im Umgang mit den Ressourcen. Selbst wäh-

regelmäßig eine sogenannte Volksküche, wo

rend des trockenen Frühlings hat er Wasser in

dann auch Leute von außen kommen können.

mehreren Regentonnen gesammelt. Eine Auffang-

„Wir sind hier gemeldet, der Briefkasten ist am

tonne am Dach und ein Schlauch fungieren als

Weg, wer gerade da lang läuft, holt die Post.“ Die

Dusche. „Warmwasser gibt es in dem Sinn nicht,

Meinungen innerhalb der Gemeinschaft darüber, ob

im Winter erhitzt man es zum Waschen auf dem

man den Anschluss an das allgemeine Strom- und

Ofen. Das Problem, das die Bundesregierung bei

Wassernetz anstreben sollte, gehen weit auseinan-

den erneuerbaren Energien gerade sieht, dass

der. Der Platz ist zwar städtisches Gelände und man

Wind und Sonne nicht immer da sind, kennen wir

hat einen Pachtvertrag, doch fürchten die Bewoh-

schon länger.“ Ein breites Grinsen durchzieht sein

ner, durch Erregung einer größeren Aufmerksamkeit

Gesicht. „Man teilt sich hier Energie und Wasser

ihr Inseldasein zu gefährden. Dazu kommt die wach-

einfach bewusster ein und muss schauen, wann

sende Angst vor rechtsradikalen Übergriffen, die

und für was man den zur Verfügung stehenden

immer wieder im Plenum thematisiert wird.

Strom nutzt. (mp)


VERKÄUFERPORTRÄT | von Bastian Pütter | Foto: Bastian Pütter

11

Atila, Dortmund Seit 15 Jahren gehören das Straßenmagazin und seine Verkäufer zum Straßenbild in Bochum, Dortmund und Umgebung. Viele haben feste Verkaufsplätze und einen eigenen Kundenstamm. Manche sind schon seit Jahren bei uns, andere nur auf der Durchreise. Für alle jedoch ist der Verkauf des Straßenmagazins eine Arbeit, die Halt gibt und Selbstbewusstsein schafft. bodo stellt regelmäßig einen Verkäufer vor.

»Ich bin ein Überlebenskünstler!« Das erste, was derjenige lernt, der mit Menschen

um nicht abgeschlossen, aber seine Lieblingsplätze

Doch Obdachlosigkeit zu idealisieren liegt ihm fern.

auf der Straße zu tun hat, ist, dass es ihn nicht

bleiben die Lesesäle der Bibliotheken. „Wenn man

„Jahrelang habe ich unter der Kanalbrücke in Dorst-

gibt, den Obdachlosen. Das Bild des Berbers mit

lange auf der Straße lebt, muss man aufpassen, dass

feld geschlafen. Das ist hart im Winter. Da kommt

Einkaufswagen und verfilztem Bart hat vielleicht

man nicht verblödet. Ich habe immer versucht, et-

dann nachts die Polizei und guckt, ob du noch lebst.

noch nie gestimmt, weil es allein eine Oberflä-

was zu tun. Heute bin ich bei Mathematik.“

Ich hab Ytong-Steine ins Feuer gelegt, bis sie heiß

che beschreibt und nie den Menschen. Heute gibt

waren und hab sie dann in den Schlafsack gepackt.

es diesen Typ nicht einmal mehr, nur noch sein

Zwischenzeitlich war Atila Verkäufer bei der Ham-

Das muss man wissen. Aber viele trinken Doppelkorn

Klischee. Wir treffen ständig auf Leute, die ein-

burger Straßenzeitung Hinz&Kunzt, aber sein Geld

und sterben.“ Atila grübelt kurz und lacht dann:

zigartig sind, und doch irritiert Atila noch ein

hat er hauptsächlich mit Straßenmusik verdient.

„Ich bin ein Überlebenskünstler!“

bisschen mehr als die anderen.

Auch als wir miteinander reden, greift er hin und wieder zur Gitarre – und spricht von seinen guten

Heute hat er bei der Caritas in Unna ein Dach über

„Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medi-

Erfahrungen mit Menschen, die sich immer wieder

dem Kopf und ist viel in der Tagesstätte für Woh-

zin, / Und leider auch Theologie / Durchaus stu-

für ihn eingesetzt haben. „Ich war 20 Jahre auf der

nungslose, in der Christoph Janiak für uns Zeitungen

diert, mit heißem Bemühn. / Da steh ich nun, ich

Straße und hatte keine Angst. Als ich viel Straßen-

an unsere Unnaer Verkäufer ausgibt. Und eine eige-

armer Tor! / Und bin so klug als wie zuvor“, zitiert

musik gemacht habe, saß ich absichtlich mit den

ne Wohnung kann er sich inzwischen auch vorstel-

Atila aus dem „Faust“ und lacht: „Schreib das, und

Rücken zu den Menschen. Ganz ungeschützt. Das

len. Vielleicht in Dortmund: „Dann könnte ich mor-

dass ich ein ewiger Student bin.“

war dann schon ein Markenzeichen. Und nie hat mir

gens an der Uni die bodo verkaufen, in der Mensa

jemand etwas getan.“ Im Gegenteil: „Die Leute ha-

günstig essen und dann bis abends im Lesesaal sein.

ben mir immer geholfen.“

Der ist bis nachts geöffnet.“ (bp)

Atila kommt aus Brasilien. Er erzählt eine lange, spannende Geschichte von der Arbeit bei einer Ölfirma, einer überstürzten Abreise mit dem Schiff nach Genua, verlorenen Traveller-Schecks und einer

ANZEIGE

abenteuerlichen Einreise nach Deutschland im Kofferraum eines Autos in der Zeit von Anwerbestopp und Deutschem Herbst. „Es wurden keine Gastarbeiter aufgenommen und so wurde ich Student. Mein Abitur wurde nicht anerkannt, aber ich konnte ans Studienkolleg.“ Atila begann in Kiel ein Ingenieurstudium, schließlich studierte er in Hamburg Philosophie – und lebte auf der Straße. „Es ist verrückt, alle, mit denen ich studiert habe, ob Perser oder Ägypter, wurden abgeschoben, mir haben sie schließlich sogar einen Pass gegeben.“ ,Du willst ja nur deine Freiheit, die kannst du haben‘, hätte man ihm gesagt. Zwar hat er sein Studi-

11


12

ZUM HAARE RAUFEN | von Nina Mühlmann

KULTUR | von Barbara Underberg | Foto: Claudia Siekarski

Selber gucken, wie’s da ist Touren durch die Dortmunder Nordstadt Back to the Eighties

Auch die BVB Tigers, ein Fanclub aus Belgien,

zwischen Hafen, Nordmarkt und Borsigplatz. Ur-

waren schon hier. In der Nordstadt, da wo 1909

sprünglich hatte sie Buchbinderin gelernt, fand

Als ich Mitte Zwanzig war und es hip fand, mich

der Ballspielverein Borussia im „Wildschütz“

nach der Ausbildung keinen Job, war dann am

im Siebziger-Jahre-Look zu kleiden, hatte meine

das Licht der Welt erblickte. Heute ist dort die

Fließband gelandet. Um schnell festzustellen,

Mutter mich schon gewarnt, dass sich ihr Schick-

Pommesbude Rot-Weiß, an der die geschichts-

dass es das nicht gewesen sein kann. So machte

sal wiederholen würde: „Die Zeit kommt und du

und geschichtenträchtige Tour „Weiße Wiese“

sie doch noch Abitur, ging an die Uni und be-

wirst erfahren, wie furchtbar es ist, wenn junge

selbstverständlich vorbeiführt. Auf diesem

schäftigte sich dort mit Industriekultur und Tou-

Leute sich freiwillig so kleiden, wie du als Kind

Rasen haben sie angefangen, damals, direkt

rismus. Schon während des Studiums machte sie

angezogen wurdest!“ Nun ist es also endlich

am Borsigplatz.

Führungen im Schiffshebewerk Henrichenburg. „Da wusste ich dann, das ist meins.“

soweit: Ich bin Mitte Dreißig und der AchtzigerJahre-Look steht im Streetlife ganz oben. In einem Selbstbewusstsein, als würden sie über internationales Modeparkett stolzieren, begegnen mir junge Frauen à la „Girls just wanna have fun“ und zurecht gemachte Computernerds à la Bill Gates täglich auf der Straße. Sie tragen Karottenjeans, Strickkleider mit Schulterpolstern und große, schwarz gerahmte Brillen, durch die sie aufgesetzt dümmlich dreinschauen. Irgendwie fehlt aber noch das Super Special, das es vollends Achtziger macht: selbstklebende Pickel. Das ist es überhaupt, was ich über die Achtziger Jahre sagen kann: Der Pickel am A... der Geschichte. Das einzig Gute war, dass es noch keine Handys gab. Mobiltelefone in der Größe von Tennisschlägern schon, die waren wohlhabenden Geschäftsleuten vorbehalten. Heutzutage ist jeder busy, mobil und ständig telefonisch erreichbar. Via Flat – der Flatulenz unserer Zeit – zerstreuen wir Infos und Tratsch in alle Winde. In den Achtzigern waren piepende Elektrogeräte Ärzten, Pflegepersonal und Feuerwehrleuten vorbehalten, wohlgemerkt in ihren Bereitschaftsdiensten! Rufbereitschaft für jedermann, gering oder gar nicht bezahlt. Wir brabbeln und sabbeln in unsere Handys, immer mehr gar in sogenannte iPhones. Die halten aber nicht, was sie versprechen: die Ich-Aufwertung (engl.: i = Ich) durch ein Telefon! „Hallo McFly, jemand zu Hause?“, denke ich mir da, wenn mir wieder mal jemand stolz so ein Teil unter die Nase hält. Das Ding ist doch der reinste StasiApparat, dabei ist die DDR doch seit den Achtzigern abgeschafft! Um es mal mit den Worten meines lieben Kollegen Torsten Sträter zu sagen: „Früher hat meine Mutter immer gesagt, ich soll nicht mit Fingern auf Glasflächen rumschnippsen, heute ist das das hippste von der Welt.“ Wenn ich über all das nachdenke, kriege ich von ganz alleine Pickel. Wenn ich jetzt meine Handy-Flat kündige und so telefon- und ichlos durch die Straßen flaniere, bin ich viel mehr Achtziger, als ich eigentlich sein will. (nm)

12

Annette Kritzler leitet diese und viele andere Touren durch die Nordstadt. Die Geographin lebt

Annette Kritzler fühlt sich in der Nordstadt ausge-

seit mehr als zwanzig Jahren im Dortmunder Nor-

sprochen wohl und geriet deswegen immer wieder

den. In derselben Wohnung in der vierten Eta-

in Erklärungsnot. Weil viele denken, im Stadtteil

ge eines liebevoll gepflegten Jugendstilhauses

der Gestrandeten und Gestrauchelten stolpert

um die Ecke vom Borsigplatz. Aufgewachsen ist

der unbescholtene Bürger direkt hinter der S-

sie in Brechten, noch viel weiter im Norden von

Bahnlinie über eine Schnapsflasche, rutscht aus

Dortmund, wo es mehr Bauernhöfe als Pommes-

auf gebrauchten Kondomen, um kopfüber in der

buden gibt. Auf Dauer war das nichts für sie, da-

Heroinspritze zu landen. Das brachte Kritzler zu

her suchte Annette Kritzler ein multikulturelles

der Erkenntnis: „Die Nordstadt ist viel, viel schö-

Umfeld und eine günstige Miete. Beides fand sie

ner als die meisten annehmen. Daher muss man


13

WILDE KRÄUTER | von Wolfgang Kienast

wildkraeuter.bodo/07_rotklee/ Als Freund der Alliteration hätte mir

als wirtschaftlich notwendig erachtete

Gurken-Grippe gut gefallen. Doch die

Nahkampf um möglichst geringe Pro-

sie einladen, sich das hier anzugucken.“ Das war die

Springer-Boulevardisten,

weni-

duktionskosten Hauptursache für einen

Gründungsidee der „Borsigplatz-VerFührungen“. Seit

ger einfallsreich als üblich, titelten

Ausbruch ist, business as usual also,

fünf Jahren können sich Nordstadttouristen dem

schlicht wie schlecht „Horror-Keim“.

wird man im Netz noch Jahre später eine

Stadtteil historisch, fußballerisch, künstlerisch,

Wenige Tage nach Tatverdacht wurde

Reihe weit unterhaltsamerer Hypothesen

gastronomisch oder religiös nähern.

die Gurke aus der Haft entlassen. In-

finden. Meine derzeitige Hitliste: Aliens

zwischen steht, bei ebenfalls vager Be-

(Platz 5). Die Amis mit Bill Gates (Platz

weislage, die Sprosse am Pranger.

4). Ein Gülle-Dschihad wegen Osama

Bei der Tour „Glaubensvielfalt“ lernen die Teilnehmer drei Gotteshäuser kennen, eine evangelische Kirche, eine russisch-orthodoxe Kirche und eine Moschee. „Viele Moscheen sind sehr besucherfreundlich. Aber oft haben die Menschen Schwellenängste und nutzen lieber eine geführte Tour“, ist Kritzlers Erfahrung. Sie will Parallelen und Unterschiede zwischen den Religionen zeigen. So hat die Lutherkirche zum Beispiel eine besonders enge Verbindung zu Hoesch. In der russisch-orthodoxen Kirche spielt die Ikonographie eine große Rolle, und weil das Einzugsgebiet so groß ist, kommen fünfhundert Gläubige zur Ostermesse. In der Moschee gibt es keinerlei Bilder, dafür digitale Uhren, die die Gebetszeiten anzeigen. Die Ausrichtung nach Mekka, die vielen Teppiche, die Trennung von Männern und Frauen im Gottesdienst, das Kopftuch, um all dies geht es bei der Moscheebesichtigung.

weit

„Splatter-Sprossen“ würde ich jetzt gern in der Zeitung lesen. Aber die Bild ist ja gar keine Zeitung. Sie ist, wie Hans-Jürgen Arlt, Ex-DGB-Pressesprecher, und der ehe-

(Platz 3). Die Atomindustrie, um von Fukushima abzulenken (Silber). Mit Vorsatz in Kondensstreifen gemischte Chemie (Gold bei den Verschwörungstheorien).

malige FR-Chefredakteur Wolfgang Storz in

Fragen Sie nicht, was das mit Rotklee zu

ihrer Studie „Drucksache Bild“ belegen und

tun hat. Ich weiß, dass er vor Ehec nicht

Sie in der Mai-bodo als Kurzmeldung lesen

schützt, in diversen Varianten jedoch

konnten, eher ein Marketinginstrument für

schmeckt und so immerhin die Laune bes-

gesellschaftspolitische Kampagnen als ein

sern hilft. Nahezu alle Teile des Schmet-

journalistisches Produkt. Man könnte sich

terlingsblütlers finden in der Kräuterküche

lustig machen, lässt es freilich besser blei-

Verwendung. Ich schätze einen Auflauf

ben, wenn sich herausstellt, dass die laut

mit seinen eiweißhaltigen Blättern sehr,

Eigenwerbung individuell meinungsbilden-

sie stehen während der gesamten Vegeta-

de Instanz in Wahrheit eine Kampagnen-

tionsperiode zur Verfügung.

schleuder ist.

Man benötigt 1 kg Kartoffeln (geschält,

Zurück zum tödlichen Keim. Zahlreiche Men-

in dünne Scheiben geschnitten), 100 g

schen sind gestorben, etliche Existenzen

Rotkleeblätter, 1 rote Zwiebel fein ge-

„Die Moscheen haben enge Bindungen an ihre Quar-

zumindest gefährdet. Das ist ernst. Sie mer-

hackt, 1/2 l Milch und 1/8 l Sahne, Salz,

tiere, dort gibt es zum Beispiel eigene Fußball-

ken, kurz vor Redaktionsschluss belegt Ehec

Pfeffer, etwas Mehl und Butter.

clubs“, erzählt die Geographin. Sie berichtet vom

noch einen vorderen Rang in der öffentli-

jährlichen interreligiösen Fußballturnier im Hoesch-

chen Wahrnehmung. Wäre es nicht so, fände

park, bei dem Pfarrer gegen Imame kicken. Kritzler

der Erreger aus der Koli-Familie hier nicht

spricht ein paar Brocken Türkisch und macht neben

statt. Glaubt man Martin Voss, sieht das

ihren Führungen auch Seminare für Moscheelotsen,

jedoch schon wieder anders aus, wenn Sie

denen sie museumspädagogisches Know-how ver-

diese Kolumne lesen. Herr Voss ist Leiter der

mittelt. So läuft das in der Nordstadt. Einfach mal

Katastrophenforschungsstelle im sozialwis-

selber gucken.

senschaftlichen Institut der Uni Kiel. Seine Untersuchungen haben ergeben, dass jedes

Die Touren dauern in der Regel zwei Stunden und

Desaster nach sechs Wochen zur Randnotiz

kosten pro Person zehn Euro. Die festen Termine

schrumpft. Timeout für Ehec.

stehen auf der Internetseite, für Gruppen ab acht Personen bieten Annette Kritzler und ihre Kollegin auch individuelle Führungen an. (bu)

Das Internet hat ein längeres Gedächtnis als seine User. Sollte sich herausstellen, dass wieder einmal

INFO

Eine flache Auflaufform buttern. Mit einer ersten Kartoffelschicht auslegen, darauf eine Schicht Klee mit Zwiebel gemischt und dann wieder Kartoffeln geben. Jede Schicht salzen und pfeffern. Milch und Sahne mit dem Mehl verrühren, kurz aufwallen lassen und über Klee und Kartoffeln gießen. Im vorgeheizten Ofen bei etwa 200 Grad eine Stunde backen. Der deftige Auflauf passt zu weißem, festem Fisch, Heilbutt beispielsweise, gibt aber auch eine prima vegetarische Hauptmahlzeit ab. Guten Appetit. (wk)

der allgemein

www.borsigplatz-verfuehrung.de

13


14 SOZIALE REPORTAGE | von Franziska Cress | Fotos: Claudia Siekarski

Sexsteuer Dortmund bittet Schwule zur Kasse

Der Dortmunder Straßenstrich und damit die angebliche „Zuwanderung von Zuhältern und Kriminellen“ (Dr. Hetmeier, SPD) sind Geschichte. Was fehlt: 80.000 Euro Sexsteuer-Einnahmen. Und das bei den eh schon leeren Kassen. Eine neue Geldquelle: die Schwulen. Am 15. Juli 2010 wurde in Dortmund die „Vergnügungssteuersatzung für die Einräumung der Gelegenheit von sexuellen Vergnügungen und das Angebot sexueller Handlungen“ verabschiedet. Hauptziel der Steuer ist natürlich das Auffüllen der Kassen – nach Kämmerer Jörg Stüdemann aber vor allem auch „die Verhinderung der unkontrollierten Ausweitung der Prostitution“. Dementsprechend groß war die Überraschung bei Betreibern von schwulen Szeneeinrichtungen in Dortmund, als das Steueramt auch bei ihnen klopfte. Im Gegensatz zu Bordellen findet hier zwar in der Regel kein Sex gegen Entgelt statt, aber das Vorhandensein von Räumen, die zu Sex unter Fremden einladen, reicht aus. Die Sexsteuer ist im Prinzip eine Pauschalsteuer, die sich an der Raumgröße der Veranstaltungsstätten orientiert. Pro angefangene zehn Quadratmeter „sex-geeigneten Raums“ sind am Tag vier Euro zu entrichten. Die Ermittlung der Flächen erfolgt meist willkürlich durch Begehungen mit Angestellten des Steueramts. Was tatsächlich als Veranstaltungsfläche betrachtet wird, obliegt in einigen Fällen schlicht der schmutzigen Fantasie des jeweiligen Steuerbeamten. Für viele Wirte in der Schwulenszene bedroht die Sexsteuer die Existenz. Die neuen Abgaben sollen in der Theorie durch Preiserhöhungen an das Klientel weitergegeben werden. In der Realität heißt das aber weniger Kundschaft, wegfallende Öffnungstage, verminderte Wettbewerbsfähigkeit, sinkender Umsatz und damit finanzieller Ruin oder aber Abwanderung. Nach Köln. Bevor es zu spät ist.

14


15

Dortmunds Straßenstrich ist Geschichte. Jetzt fehlen 80.000 Euro in der Haushaltskasse. Das Geld will sich die Stadt dort holen, wo der geringste Widerstand zu erwarten ist.

Um die neu aufgekommene Problematik zu diskutieren, fanden sich Anfang

Richard Scherff, der Betreiber des Jumbo Centers, einer Schwulen-Sauna,

des Jahres betroffene Szenewirte zusammen, um in einem Offenen Brief an

gehört auch zu den Unterzeichnern des Offenen Briefs und ist der erste in

die Stadt zu appellieren. Daraufhin richtete die Stadt Dortmund Ende Januar

Dortmund, der gerichtlich gegen die Erhebung der Steuer vorgehen muss. Er

einen Runden Tisch ein, der Plattform für einen Diskurs sein und Betroffenen

hat vor einigen Jahren mit seinem Mann das Jumbo Center übernommen. Das

die Möglichkeit bieten sollte, ihre Situation zu erklären. Teilnehmer waren

Center erstreckt sich über 2.000 Quadratmeter und bietet seinem Publikum

Dortmunder Gastronomiebetriebe, u.a. der Boots-Club, das Heimes sowie In-

neben unterschiedlichen Saunen, Hamam, Theken-/Restaurantbereich und

teressenvertretungen wie das Kommunikationscentrum Ruhr und SLADO e.V.

Schwimmbad auch Rückzugsräume für spontane traute Zweisamkeit. Richard

Diese wurden von der Stadt gebeten, im Rahmen eines Arbeitskreises einen

erklärt, dass solche geschützten Bereiche in Saunen oder Clubs für Schwule

Bericht zu erstellen, der die Ratsmitglieder über die aktuelle Lage informiert

wichtig sind. An vielen Orten sind sie immer noch Ziel von Anfeindungen und

und eine Satzungsänderung in die Wege leiten sollte.

Übergriffen. Deshalb haben sich in der Szene Clubs mit besonderen Räumen etabliert, die bei Bedarf genutzt werden können. Im Jumbo Center gibt es

Für wesentlich halten die Szenewirte die Tatsache, dass in ihren Lokalen

einen vom Rest der Sauna abgetrennten Bereich mit einzelnen Rückzugs-

bewusst keine Prostitution stattfindet. Während Bordelle hierüber weitere

möglichkeiten. Richard zahlt monatlich knapp 3.000 Euro – nur Sexsteuer.

Einnahmen verzeichnen, verdienen die Schwulen-Clubs nicht am Sex ihrer

Hinzu kommen noch Gewerbe- und Einkommensteuer.

Besucher. Weiterhin heißt es: „Die Sexsteuer wurde im August beschlossen und die betroffene Szene erst im Oktober informiert, und erst viel später

Dagegen klagt er, denn er kann nachweisen, dass es sich hier um Beträge handelt,

wurde durch eine Begehung eine Bemessungsgrundlage über die Höhe die

die existenzbedrohend sind. Trotz einer Eintrittserhöhung von zwei Euro ist sein

Sexsteuer festgestellt. Eine rückwirkende Besteuerung von August bis De-

Umsatz nicht gestiegen, sondern seit Einführung der Sexsteuer eher gesunken.

zember sehen wir grundsätzlich als nicht möglich an“. Die schwindelnde Höhe der Abgabe liegt daran, dass nicht nur die Fläche der Die Koordinationsstelle für Schwule, Lesben und Transidente der Stadt Dort-

Sauna berechnet wird, auf der tatsächlich sexuelle Kontakte stattfinden, son-

mund ließ Mitte Juni noch verlauten, die Verwaltung beschäftige sich mit

dern auch ein gro��er Teil des Ruhebereichs mit Sofas und Kamin im oberen Teil

dem Thema. Zu diesem Zeitpunkt lag jedoch bereits eine Email der SPD-

des Gebäudes. Hier finden zwar keinerlei sexuelle Aktivitäten statt, doch das

Ratsfraktion vor, die die betroffenen Szenewirte informiert, dass eine Sat-

kann sich das Steueramt beim besten Willen nicht vorstellen. Richard sah sich

zungsänderung ihrerseits abgelehnt wurde. Damit wird es für die Betrof-

kürzlich gezwungen, alle Angestellten, also einer Vollzeit-, einer Teilzeitstelle

fenen nahezu unmöglich, eine Änderung durchzusetzen. Die CDU hat noch

und drei Geringverdienerstellen zu kündigen. „Das ist sehr willkürlich. Wenn

nicht reagiert, bisher gibt es lediglich Unterstützung von der FDP und das

ich höre, dass ähnliche Läden keine Anbahnung zahlen müssen, dann macht

Angebot der Grünen, einen entsprechenden Antrag im Rat einzureichen.

mich das schon sehr sauer und traurig.“ Er und sein Mann sind durch die neue

15


16

¬ „Was die Stadt da macht, ist im Grunde Zuhälterei.“ – Rainer Ballay kritisiert die Sexsteuer.

Steuer gezwungen, von ursprünglich sieben Tagen die Woche nur noch an den

Ballay, der Kontakte in die Schwulenszene Dortmunds unterhält, weiß auch,

meistbesuchten drei Tagen zu öffnen. Das bedeutet zwar weniger Abgaben,

dass die Szene in den letzten 20 Jahren immer kleiner geworden ist. Die Gas-

allerdings auch weniger Einnahmen: „Normalerweise müsste umsatzabhängig

tronomen wandern ab, bevorzugt nach Köln. Je kleiner die Szene wird, desto

berechnet werden. Wenn ich an drei Tagen der Woche geöffnet habe und pro

weniger lohnt es sich hier, für schwule Läden zu eröffnen. Er beobachtet die-

Tag ca. 300 Euro einnehme, davon aber allein schon – im besten Fall – 150 Euro

se Entwicklung schon länger: „Das funktioniert nicht nach dem Lückenprinzip.

Sexsteuer abgehen, gehe ich auf Dauer schlichtweg pleite. Irgendwie muss

Wenn du als Schwuler in Dortmund wohnst und am Wochenende vielleicht zwei,

ich auch Pacht und Nebenkosten bezahlen. Die Steuer sollte gerecht gemacht

drei Lokalitäten hast, die du besuchen kannst, die aber dann wegen der Sexsteu-

werden, wenn das bezahlbar wäre, würden wir nicht klagen.“

er plötzlich auch noch jeweils sechs Euro Eintritt kosten, dann überlegst du dir zweimal, ob du deinen Abend nicht lieber gleich in Köln verbringst.“

Das Jumbo Center ist grundsätzlich bereit, Abgaben zu leisten: „Das ist ja nicht so, als würden wir da kein Verständnis für haben. Die Kassen sind leer

Für die Szenewirte heißt es nun warten. Entweder auf die Insolvenz, den Um-

und irgendwo muss das Geld ja herkommen – es kann aber nicht sein, dass

zugswagen oder ein Wunder. An letzterem zweifeln die meisten. Die Resignati-

Läden durch diese Besteuerung pleite gehen. Das macht die Szene kaputt

on überwiegt. „Irgendwann hat man nicht mehr die Kraft, ständig zu kämpfen“,

und wirft ein schlechtes Licht auf Dortmund und das ist wirklich schade.

hört man von Besuchern des Heimes, bei denen die Sexsteuer nahezu jeden

Das Heimes muss umziehen, die Burgwall-Sauna hat schon zu, gerüchteweise

Tag Thema ist. Allgegenwärtig ist das Gefühl, unerwünscht zu sein. Während

hört man von zwei anderen, die wohl schließen werden.“

Schwule und Lesben seit Jahren für gesellschaftliche Toleranz kämpfen müssen, teilweise sogar mit Fördergeldern der Stadt, entzieht diese nun ihren Schutz-

Auch Rainer Ballay, der im Internet das HIV-Infonetzwerk „Zukunftsprojek-

räumen die finanzielle Grundlage und verdrängt sie aus der Dortmunder Öffent-

te“ ins Leben gerufen hat, sieht die Einführung der Sexsteuer kritisch: „Was

lichkeit. Mit Hinweis auf eben diese Förderungen nimmt die SPD-Ratsfraktion

die Stadt da macht, ist im Grunde Zuhälterei.“ Gefährlich wird es ihm zufolge

den Szenewirten auch gleich den Wind aus den Segeln. Abschließend heißt

dann, wenn gerade eine der Gruppen, die eine gewisse Form von Schutz be-

es in ihrer Ablehnung der Satzungsänderung: „Dortmund ist und bleibt eine

nötigt, ihre sicheren Räume verliert und zurückgedrängt wird auf freie Flä-

weltoffene Stadt. In den letzten Jahren haben wir viele Hilfestellungen für die

chen wie Parks oder Rastplätze, wo nicht nur die Anzahl der gewalttätigen

schwul-lesbische Szene auf die Beine gestellt. Wir möchten beispielhaft an den

Übergriffe auf Schwule beispielsweise durch Neonazis steigt, sondern auch

Gesundheitsladen pudelwohl oder das Jugendcafé Sunrise erinnern. Weitere

die Anzahl der HIV-Neuinfektionen. Mit der Schließung von schwulen Saunen

Erleichterungen für die Betreiber von schwulen Szeneeinrichtungen oder sogar

fällt ein großer und gewichtiger Teil der Anlaufpunkte für Präventionsarbeit

das Aufheben der gesamten Satzung halten wir für nicht vertretbar.“

weg. Rainer macht sich Sorgen um das abrupte Ende der Aids-Hilfe in einer

16

der am meisten betroffenen Gruppen. „Wenn man bedenkt, dass Herr Sierau

Überall sehen die Betroffenen arge Konsequenzen im gesellschaftlichen

auf dem CSD 2010 noch davon sprach, Dortmund schwulenfreundlicher ma-

Kontext. Ballay: „Es findet ein Rückschritt statt. Wenn die schwule Szene

chen zu wollen, ist die Überraschung selbst unter den Zynikern jetzt groß.

vertrieben wird, bedeutet das, dass damit Sexualität stückweise wieder zum

Klar, die Haushaltskassen sind leer. Das Erheben der Sexsteuer lässt jedoch

Tabu gemacht wird. Damit bleibt die Konfrontation mit leider immer noch

den Eindruck entstehen, die Stadt hole das Geld nicht da, wo es tatsächlich

aktuellen Problemen und Themen aus, die dringend der öffentlichen Ausein-

vorhanden ist, sondern da, wo der geringste Widerstand zu erwarten ist.“

andersetzung bedürfen. Willkommen in den 60ern.“ Franziska Cress


ANZEIGE

17


18

DER KOMMENTAR | von Bastian Pütter

Blickwechsel in Dortmund?

NEWS | von Bastian Pütter

Obdachlose sterben 30 Jahre früher

Richter verbieten Obdachlosenheim

Kirchentag gegen Roma-Abschiebungen

der lokalen Berichterstattung in Dortmund.

Menschen ohne Obdach sterben

Der Diakonie Duisburg ist gesetz-

Der Evangelische Kirchentag in

Nachdem jahrelang die offensichtliche Zu-

im Schnitt drei Jahrzehnte vor

lich untersagt, ein Obdachlosen-

Dresden hat sich gegen die Ab-

wanderung aus Rumänien und Bulgarien ig-

Menschen mit Zugang zu nor-

heim zu eröffnen. Das Verwal-

schiebung von Roma in den Ko-

noriert worden war, erlebte Dortmund seit

maler medizinischer Versorgung.

tungsgericht Düsseldorf hat der

sovo ausgesprochen. Rund 10.000

Februar eine kampagnenartige Zuspitzung,

Zu diesem Schluss kommt der

Klage einer Hauseigentümerin

„geduldete“ Roma sind durch das

in der vor allem über bulgarische Roma

Rechtsmediziner Klaus Püschel

stattgegeben und damit die Er-

Rückübernahmeabkommen mit der

einseitig und oft sachlich falsch berichtet

aus Hamburg. Das Durchschnitts-

richtung eines Übergangsheims

Republik Kosovo unmittelbar von

wurde. Mit einer teilweise rassistischen

alter von wohnsitzlosen Men-

für Obdachlose untersagt.

Abschiebungen bedroht. Viele der

Gleichsetzung von Roma und Tätern wurden

schen liege bei 46,5 Jahren, gut

Die Klägerin, die in unmittelba-

Betroffenen leben und arbeiten

unzureichend recherchierte Berichte über

30 Jahre unter dem von medizi-

rer Nachbarschaft des geplanten

seit fast 20 Jahren in Deutsch-

vermeintliche „Ekelhäuser“, Prostitution

nisch gut versorgten Bürgern.

Übergangsheims ein Haus be-

land, nachdem sie Anfang der

und Menschenhandel geschrieben.

Die meisten Obdachlosen litten

sitzt, befürchtet eine „Entwer-

1990er Jahre vor Bürgerkrieg, Ver-

an Krankheiten, die gut zu be-

tung des Stadtteils“ durch die

folgung und Pogromen aus dem

handeln gewesen wären. Rund

Bewohner des Obdachlosenheims.

ehemaligen

32 Prozent der verstorbenen

Die Bewohner seien „in der Regel

Deutschland geflohen waren. Ihre

Wohnungslosen werden tot in

arbeitslose, überwiegend sucht-

Kinder sind in Deutschland gebo-

den Unterkünften gefunden, je-

oder psychisch kranke Männer“.

ren und aufgewachsen, gehen hier

der Vierte stirbt in einer Klinik,

Das Umfeld stelle hingegen ein

zur Schule, machen Abitur oder

rund jeder Fünfte beendet sein

geordnetes Wohngebiet dar, das

eine Ausbildung. Nun sollen sie in

Leben „im öffentlichen Raum“,

durch das Übergangsheim „gra-

ein Land zurückgeschickt werden,

also auf der Straße, in Parkan-

vierend entwertet“ würde.

dessen Sprache die Kinder nie ge-

lagen, unter Brücken.

Der Geschäftsführer des Diakonie-

lernt haben. Das UN-Flüchtlings-

Ärztliche Behandlungen würden

werks Duisburg, Sieghard Schil-

hilfswerk und Pro Asyl warnen vor

oft erst in Anspruch genommen,

ling, ist geschockt über das Urteil

einer zwangsweisen Rückführung

Seit der Straßenstrich geschlossen ist,

wenn „nichts mehr geht“. In

und die Begründung: „Dieses Ur-

in das Kosovo. Als „humanitä-

zeigt sich, wie falsch die vermeintlichen

den Ablaufplänen von Kranken-

teil ist ein Skandal, weil es Men-

re Katastrophe“ bezeichnet der

Wahrheiten der Debatte waren: Die Zu-

häusern seien Obdachlose nicht

schen, die in prekären Verhältnis-

Menschenrechtskommissar

wanderergruppe ist noch da – und sie ist

vorgesehen – sie würden oft

sen leben, das Recht auf Wohnen

Europarats,

nicht im Ansatz so homogen wie behaup-

„auf die Straße entlassen“.

in einem normalen Umfeld ver-

berg, die Lebensbedingungen der

wehrt und die gesellschaftliche

aus Deutschland abgeschobenen

Eingliederung behindert.“

Roma im Kosovo.

Die letzten Monate waren ein Tiefpunkt in

Differenzierungen und Pressemitteilungen von Nordstadtakteuren oder Leserbriefe, die sich nicht mit der vorgegebenen Linie deckten, fanden keinen Raum in den Lokalzeitungen. Der Planerladen e.V. sah sich schließlich genötigt, mit einer Plakataktion, in der Banner an der Mallinckrodtstraße gespannt wurden, wenigstens einen Fototermin zu erzwingen. Die Aufforderung zum Blickwechsel verhallte in den Redaktionen ungehört.

tet. Von Anfang an besteht sie nicht allein aus „Menschenhändlern“, sondern aus Menschen, die hier Arbeit und eine Perspektive suchen. Kriminell sind zuerst die Handlungen der sexuellen Ausbeuter, der Schwarzarbeitgeber, der Matratzenvermieter, darauf haben wir und Akteure wie der Planerladen vergeblich hingewiesen. Inzwischen besteht Anlass zur Hoffnung, dass sich das Blatt wendet. Die Nordstadt-SPD hat zu ihrem alten Feindbild, den Trinkern am Nordmarkt zurückgefunden. Die lange unterdrückten Wahrheiten und Positionen kommen in den Zeitungen Stück für Stück zu Wort. Plötzlich erfährt man von Menschen, die ihre Kinder gerne in die Schule schicken, die deutsch lernen wollen und davon, dass die „Ekelhäuser“ viel älter als die jüngste Zuwanderung sind. Und nicht zuletzt auch, dass man mit denen, die da kommen, einfach reden kann. (bp)

18

SKOTTS SEITENHIEB

Jugoslawien

Thomas

nach

des

Hammar-


19

Foto: Daniel Sadrowski (aus der Serie „Nach der Loveparade“ – www.danielsadrowski.de)

Ein Jahr danach

Am 24. Juli 2011 jährt sich der Tag der Duisburger Loveparade-Katastrophe zum ersten Mal. Der Tag, der ein Fest sein sollte, lässt 21 Tote und viele Hundert traumatisierte Opfer, Angehörige und Hinterbliebene zurück. Und er hinterlässt eine zutiefst blamierte, tief gespaltene und noch immer handlungsunfähige Stadt. Seit der denkwürdigen Pressekonferenz am Tag nach der Katastrophe werden die Opfer verhöhnt durch immer neue Peinlichkeiten, Vertuschungen, Unschuldsbekundungen, aber auch durch ihre politische Instrumentalisierung durch diejenigen, die für sie sprechen wollen. Das Benennen von Schuldigen allein lindert das Leid der Opfer nicht. Doch die kollektive Verantwortungslosigkeit der Verantwortlichen verlängert es. Die Stadtverwaltung spricht konsequent vom „Loveparade-Unglück“ und noch auf dem Mahnmal, das Ende Juni eingeweiht wurde, ist das Sterben formuliert wie bei jenen, die sich in Gefahr begeben: „…und fanden den Tod…“. 19


20 GEBRAUCHSANWEISUNG FÜR DAS RUHRGEBIET | von Peter Erik Hillenbach

KINOTIPP | von endstation.kino

Der Mensch als solcher Hier lesen Sie die kürzeste Beschreibung unseres merkwürdigen Völkchens: So tickt der Ruhrgebietler wirklich. Oder?

endstation.kino & bodo präsentieren: Schlafkrankheit

Die große Mehrheit der Ruhrgebietler ist ge-

alte Spätaussiedlerin. Samstags treffen wir

Seit 20 Jahren leben Ebbo und Vera Velten

nauso okay oder langweiliger Mainstream,

uns im Baumarkt, weil 26er-Knetmuffen im

in Afrika. Ebbo leitet ein Schlafkrankheits-

hat die gleichen Visionen vom Leasingauto

Angebot sind, und verwahren unsere Schät-

projekt. Vera fühlt sich in Kamerun zuneh-

oder All-Inclusive-Urlaub wie der Rest der

ze in Kellern, Schuppen und Garagen. Wir

mend verloren. Man beschließt die Abreise.

Republik. Wir gehen, falls vorhanden, zur

sind Frickler, Sammler, Bastler und Bewah-

Je näher diese rückt, desto mehr wächst

Arbeit wie jeder in Deutschland, ziehen

rer, weggeschmissen wird nix.

Ebbos Angst vor der Rückkehr in ein Land,

hübsche Schühchen an und schicken unsere Kinder zum Gymnasium.

das ihm fremd geworden ist. In zwanzig Metern Anstandsabstand von der Bude, die wir Bude nennen, obwohl

Trotzdem sind wir irgendwie anders: Wir

doch groß Trinkhalle drübersteht, trinken

werden vor allem als Klischee wahrgenom-

wir unser Export und labern Stuss. Wir

men und glauben womöglich manchmal

wählen immer noch zähneknirschend SPD,

selbst an dieses Bild. Nicht nur, dass alle

auch wenn die Grünen in den Universi-

Leute im Ruhrgebiet grundsätzlich so aus-

tätsvierteln mittlerweile selbstbewusst an

sehen, als würden ihnen Aldi-Klamotten wie

der 15-Prozent-Tür klopfen (geschrieben

angegossen passen. Nicht nur, dass wir die

im Sommer 2009, Anm. d. Autors), und

Nachbarin jahrelang „Tante“ nannten, weil

manchmal wirkt es, als verliefen die Grä-

Schnitt: Alex Nzila, ein junger französischer

es wenig Fluktuation in der Zechensiedlung

ben zwischen den Generationen höchstens

Mediziner mit kongolesischen Wurzeln, reist

gab und man sich über Generationen kann-

zwischen Skat und Skaten, zwischen Grillen

nach Kamerun, um das Schlafkrankheits-

te. Wir definieren uns ja immer noch über

und Graffiti. Ansonsten bleiben wir Mensch

projekt zu überprüfen. Schon lange hat er

unsere Dörfer und kommen zunächst einmal

und alles ist paletti, und wenn der Sommer-

den Kontinent nicht mehr betreten. Wie ein

aus Sodingen, Weitmar, Rheinhausen, Buer,

abend kommt, summen wir gemeinsam den

Phantom entzieht sich Ebbo unter dubiosen

Saarn, Frohnhausen, Hillerheide, Eisenheim

Klassiker „Summertime im Pott“:

Umständen seinem Gutachter.

Schrebbagaatn

Ulrich Köhlers Filme untersuchen mit subti-

und Hörde. Und erst dann aus Duisburg, Essen, Bochum, Dortmund.

Und dat Lehm is eimfach Gesprochen wird gebeugtes Hochdeutsch mit polnisch-westfälisch-italo-türkischem Einschlag. Wir feiern Weihnachten und das Beschneidungsfest mit dem Kollegen Mehmet Ali und seiner Frau Zerah von nebenan, er repariert unser Auto, wir übersetzen ihm den Wisch von der Ausländerbehörde, und „Schejß Tierken, kennen kein Deitsch!“, schimpft bei uns in der Siedlung nur die

Frosch am hüppen Und der Kotten nah bei Dein Vadder grillt Unnti Mudder am kochen Kein Hasch, lieber ’n Pilsken in Dortmund-Kley

lem Humor und feinem Gespür die deutsche Mittelstandseele und entwickeln aus der genauen Beobachtung einen starken Sog. Mit Schlafkrankheit verlässt er den Schauplatz seiner ersten Filme und macht einen neuen Schritt: Er (de)platziert seine deutschen und französischen Protagonisten nach Kamerun. „Die Geschichte des Arztes in Schlafkrankheit (…) nimmt Elemente aus der klassischen angelsächsischen Erzählliteratur auf. Es grüßt der im Dschungel versackte Mr. Kurtz aus Joseph

Buddha sagt zwar: „Das Gegenteil einer gro-

Conrads Heart of Darkness herüber; ebenso

ßen Wahrheit ist auch wahr.“ Aber ich kann

könnte man an die Weißen denken, die sich bei

mir nicht helfen, die Klischees sind schon

Somerset Maugham oder Jack London mit gin-

verdammt nah dran. (perik)

haltigen Longdrinks abfüllen, die zu Apathie, Lähmung, Stillstand führen. An dieser medizinisch nicht dingfest zu machenden, metaphorischen Form der Schlafkrankheit leiden nur die Kolonisatoren...“ (Sabine Horst / epd film)

INFO Auszug aus der „Gebrauchsanweisung für das Ruhrgebiet“ (Piper Verlag, 2009). Peter Erik Hillenbach ist ein Dortmunder

20

Do 21.7. bis Di 26.7. u. Do 28.7. um 19.30 Uhr Fr 29.7. bis Mi 03.8. um 21.15 Uhr So 31.7. nur um 17.45 Uhr!

Journalist und Autor, der lokale Restau-

Endstation Kino im Bahnhof Langendreer

rantführer („Dortmund geht aus!“, „Dort-

Wallbaumweg 108, 44894 Bochum

mund genießt“) verantwortet und gern im

Telefon 0234 – 68 71 620

Klinikviertel wohnt.

www.endstation-kino.de


VERANSTALTUNGEN JULI 2011 | VERLOSUNGEN | CD-TIPPS | zusammengestellt von Benedikt von Randow

21

Juicy Beats 2011 Das Open-Air-Festival für Electronic- und Independent-Music Samstag, den 30. Juli von 12 bis 04 Uhr im Westfalenpark Dortmund bodo verlost 5 x 2 Festival-Karten

Auch diesmal gibt es wieder Bücher und Karten für tolle Veranstaltungen zu gewinnen. Senden Sie uns eine Email mit dem Betreff „bodo-Verlosung“ und der Angabe Ihres Wunschgewinns an: redaktion@bodoev.de Oder schicken Sie uns eine frankierte Postkarte mit Ihrem Wunsch, Absender und Telefonnummer an: bodo e.V., Postfach 100 543, 44005 Dortmund Unter allen Emails und eingesandten Postkarten entscheidet das Losverfahren. Alle Gewinner werden rechtzeitig telefonisch oder per Email benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. 08.07. | GrooveInstinkt Party | Hafenliebe, Dortmund | 2 x 2 Karten 09.07. | Unter den Tribünen | Signal Iduna Park, Dortmund | 5 x 2 Karten 15.07. | Die gekaufte Braut | Theater im Theater im Depot, Dortmund | 3 x 2 Karten 30.07. | Juicy Beats Festival | Westfalenpark, Dortmund | 5 x 2 Karten 21.07. – 03.08. | Schlafkrankheit | endstation.kino, Bochum | 1 x 2 Karten Stadtsilhouette Dortmund | RuhrGepäck | 1 Druck auf Leinwand 160 x 40 cm Printding 3 – Männerwelten | Ruhrbarone | 2 Exemplare Café zur alten Post | Markt Königsborn 1 | 59425 Unna | 1 Kuchengutschein für 2 Personen Viel Glück, wünscht Ihr bodo-Team!

21


22 VERANSTALTUNGEN JULI 2011

FR 01 | 07 – SO | 03 | 07 | 11 Ruhrpottkarneval | Geierabend Open Air 2011 Ein „Hochsommer für die Lachmuskeln“ kündigt sich beim Sommer-Open-Air des Geierabend im Biergarten von Tante Amanda in Dortmund-Westerfilde an. Von Freitag bis Sonntag bringt das Ensemble die schönsten Nummern der letzten Session und viele Klassiker

01 – 03 | 07 | 11 Geierabend Open Air 2011

01 | 07 | 11 Gretchen Parlato

FR 01 | 07 – DI 30 | 08 | 11

SA 02 | 07 | 11

auf die Bühne. Das zweistündige Best Of-Programm bietet Comedy, Kabarett, Satire und Musik in bester GeierManier: Beim freizügigen Nonnen-Trio, bei den prekären Überlebenskünstlern „Wemser und Missgeburt“ oder dem unbeholfenen YouTube-Sender „Radio Heimatlos“ kann

Ausstellung | RuhrHochDeutsch: 110 Jahre Kabarett!

Theater | Die Geierwally

noch einmal kräftig mitgegeiert werden. Mit dem wuch-

Humor ist, wenn man trotzdem lacht – Generationen

Das Thema des schrillen Originals von Walter Bockmay-

tigsten Auftritt geht der Präsident im Kostüm der Pop-

von Dichtern, Zeichnern, Tänzern und Sängern haben

er, das im Tiroler Ötztal spielt, und aller späteren Adap-

Diva Beth Ditto (Gossip) ins Rennen. Passend zur BVB-

auf dieser schlichten Feststellung gründend die Strö-

tionen ist ein emanzipatorisches: Darf ein Vater seine

Glanzsaison ist eine brandneue Nummer der „Zwei vonne

mungen, Konventionen, Moden und Herrschenden ihrer

Tochter zu einer Heirat mit einem Mann zwingen, den

Südtribühne“ geplant, bei der die heimliche Hymne „Boah

Zeit hinterfragt. Das Deutsche Kabarettarchiv datiert

sie nicht liebt? Das ist der ernste Hintergrund einer Ko-

ey Borussia“ nicht fehlen darf. Im Anschluss an die Vor-

die Geburtsstunde des Kabaretts in Deutschland auf den

mödie, einer köstlichen Persiflage, die sich urkomischer

stellungen am Freitag und Samstag wird wieder bei einer

Januar 1901. Ein Rückblick auf eine 110jährige Geschich-

Klischees bedient. „Trappmanns Inszenierung lebt von

Rock'n'Roll-Party bis in die Nacht gefeiert.

te, beginnend im Kaiserreich, über die erste deutsche

der Situationskomik und Überraschungsmomenten.

Tante Amanda, Dortmund, 19 Uhr (Sonntag 18 Uhr)

Republik, diese abgelöst durch 12 Jahre braunen Terror,

Zwei Stunden Lachen und gut Laune sind garantiert.

gefolgt von Restauration und Kaltem Krieg, 68ern, „De-

Ein heiterer Theaterabend.“ (WR)

mokratie wagen“, Einheit und Globalisierung. Spannen-

Roto Theater, Dortmund, 19.30 Uhr (auch 22.07.)

FR 01 | 07 – SO 03 | 07 | 11 Mischmasch | Boulevardfest Herne

de, für Kabarettisten dankbare Zeiten, und nicht immer ungefährlich. Parallel zur Ausstellung gibt es auch in

Kinder | Internationales Kinderfest

Neuer Termin, neues Konzept, bewährter Ort. In diesem

diesem Jahr wieder drei Monate lang ein kunterbuntes

Auch in diesem Jahr wird der Saal im Wohnheim des

Sommer erfindet sich das Boulevardfest Herne neu. Be-

Kabarett-Programm im Spiegelzelt am Dortmunder U.

Hardenberghauses zur bunten Kinderoase. Mit Olym-

reits am ersten Juliwochenende wird die beliebte Ver-

Weitere Informationen unter: www.ruhrhochdeutsch.de

piade, T-Shirt-Malen, Gesichtssilhouetten-Malen, Tor-

anstaltung – abgekoppelt vom Herner Winzerfest und

U, Dortmund

wand-Schießen und vielem mehr, werden kleinere wie

dem Nightlight-Dinner – auf dem Robert-Brauner-Platz veranstaltet. Das Motto: „Tränengelacht 2011“. Die Idee dahinter: Mit „Tegtmeiers Erben“, den regelmäßigen Auftritten bekannter Comedians in den Flottmann-

größere Kinder zu Spaß und Spiel eingeladen. Ihre

FR 01 | 07 | 11 Musik | Gretchen Parlato

Eltern und Verwandte können bei Kaffee und Kuchen einen fantastischen Familien-Mittag mit ihnen zusammen verbringen. Preise und Trostpreise gibt es auch zu

Hallen, dem Kulturzentrum sowie dem Mondpalast in

Gretchen Parlato ist ein neuer Stern am Himmel des

gewinnen. Der Eintritt ist frei.

Wanne-Eickel ist Herne als „Bühne“ für das gespro-

Vocal Jazz: Herbie Hancock attestierte ihr eine „fast

Hardenberghaus, Bochum, 11 Uhr

chene Wort bekannt. Von Kurzauftritten bekannter

magische Verbindung zur Musik“, Jazz-Legende Wayne

Comedians bis zum Dichterwettstreit, von Blues-Show

Shorter vergleicht die Vokal-Künstlerin mit Frank Sinatra

bis zu akustischen Klängen, von Feuerwerk bis Zauber-

und auch Fachmagazine wie „Jazz Thing“ zeigen sich tief

Merrill Nisker, so Peaches bürgerlicher Name, ist eine

kunst: Es dürfen Tränen gelacht werden. Ein besonderes

beeindruckt: „Sie balanciert virtuos zwischen Disziplin

kanadisch-stämmige Sängerin und Musikerin und lebt in

Highlight wird am Samstag um 21 Uhr bestimmt Burger

und Improvisation, verfügt über ein famoses Timing, rei-

Berlin. Bevor sie ihre Karriere als Peaches begann, star-

Queen, die Combo, bei der Hennes Bender, Ralf Weber,

tet treffsicher über jeden Groove, assimiliert sämtliche

tete Nisker in der Band The Hit. Sie ist eine begnadete

Volker Naves und Moses W. das humoristische Erbe der

umher fliegenden Harmoniekörnchen und rhythmisiert

Performerin und widersetzt sich in ihren bombastischen

einzigartigen Rockband Queen feiern.

mit geradezu sensationellem Instinkt jeden Song”.

Shows immer wieder geschlechtsspezifischen Rollen-

City, Herne, 16 Uhr

domicil, Dortmund, 21 Uhr

mustern. Ihre Bühnenshows sind skurril und farbenfroh

Musik | Peaches

CD-TIPP

SMOOVE & TURELL | Eccentric Audio (Jalapeno / Roughtrade) „Ich wollte eine greifbare Retro-Atmosphäre auf hochwertigen HipHop-Beats erschaffen“, beschrieb DJ und Soundtüftler Smoove sein Anliegen schon beim ersten Album „Antique Soul“. Nun auf der zweiten Platte gehen die Künstler ihren Weg mit viel Funk‘n‘Soul unbeirrt weiter. Der Opener „Higher“, ein fetter Northern-Soul-Stomper geht gleich so mächtig ab, dass man sich fragt, wo wollen die Jungs denn überhaupt noch hin. Aber gleich mit dem zweiten Song wird der Zuhörer dann wieder ein wenig runter gefahren: „Slow down, you're moving too fast“, heißt es da und groovt sich entspannt ins Ohr. Spätestens jetzt wird auch wieder klar, warum Produzent Smoove so gerne mit dem Sänger Turell zusammenarbeitet. Dessen Stimme passt einfach bombig in diesen 70iesRetro-Style, erinnert zuweilen an den großen Curtis Mayfield, aber auch, um einen aktuellen Vergleich zu ziehen, an Aloe Blacc. Betrachtet man das Album als Ganzes, so könnte man auch annehmen, Earth, Wind & Fire wäre wieder am Start. So ähnlich würde sich eine Wiederauferstehung der legendären Disco-Funk-Combo wahrscheinlich anhören. Das ist vielleicht auch der einzige, aber auch größte Kritikpunkt an diese Platte: Sie ist schon sehr Retro und für meinen Geschmack insgesamt ein wenig zu stark in den 70ern verhaftet. (BvR) 22


01 | 07 – 30 | 08 | 11 RuhrHochDeutsch

02 | 07 | 11 Boulevardfest Herne – Burger Queen

02 | 07 | 11 The Big 4

und voll von provokativer Sexualmetaphorik. Ihr erstes

das Publikum mit ihrem ganz speziellen Mix aus Akkor-

Album „The Teaches of Peaches“ erschien 2000. Sie hat

deon, Klarinette, Bouzouki und Melodica. Mehr Infos

FR 08 | 07 | 11

Remixe für Daft Punk, Le Tigre und Basement Jaxx ge-

gibt es unter www.tayfabandista.org.

macht und mit Künstlern wie Pink, Iggy Pop und Chilly

Kulturhaus Taranta Babu, Dortmund, 19.30 Uhr

Gonzales zusammengearbeitet. Schauspielhaus, Bochum, 21.30 Uhr

BODO VERLOSUNG | GrooveInstinkt Party Die schwedische Band Devilicious startet ihre Europatour also bei dieser Rock-Party in der Hafenliebe in Dortmund

Salongeschichten | Architektur der 1920er Jahre

und mit im Gepäck haben sie

Mit dem U-Turm, der Präsidentensiedlung, dem heuti-

ihre brandneue Debüt-Platte

gen Fachhochschul-Bau und nicht zuletzt dem Gebäu-

„The Asylum Gospels“. Das

Gelsenkirchen erwartet die Invasion der Rockgiganten.

de des Museum für Kunst und Kulturgeschichte selbst

Quartett aus Göteborg mixt

Am 2. Juli kreuzen die legendären „Big 4“ des Trash

besitzt Dortmund einige herausragende Beispiele der

Metal und Stonerrock, ge-

Metal, die in den 80er Jahren die Musikszene aufmisch-

Architektur der 1920er Jahre. An diesen und weiteren

tragen von der kraftvollen

ten, ihre Gitarren in der Arena auf Schalke. Metallica,

Architekturbeispielen lässt sich Typisches, Innovati-

und melodiösen Stimme von Mikael Jacobsson und wird

Slayer, Megadeth und Anthrax werden bei ihrem ersten

ves und Wegweisendes der modernen Architektur zwi-

in Insiderkreisen schon hoch gehandelt. Opener des

gemeinsamen Auftritt in Deutschland den Puls der Fans

schen den Weltkriegen erkennen.

Abends sind die Kölner Neurotic Circuit, die u.a. auch

bestimmt zum Rasen bringen. Sechs Stunden dauert der

Museum für Kunst und Kulturgeschichte, DO, 14.30 Uhr

schon im Vorprogramm von Stonewall Noise Orchestra

Musik | The Big 4

historische Metal Battle, dessen Höhepunkt sicherlich die komplette Metallica-Performance von 120 Minuten

ihren psychedelischen Southernrock, der einen Bogen Musik | Blutigerfelsenstern

zwischen Härte und Melodik spannt, präsentiert haben.

ist. Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich kann es kaum er-

Blutigerfelsenstern, oder kurz bf, ist eine experimen-

Bei der anschließenden Party legt das GrooveInstinkt-

warten: „Wer hätte geglaubt, dass die Big 4 des Thrash

telle, elektrifizierte Ein-Mann-Kapelle. Das ist nicht der

DJ-Team noch seine Lieblinge aus den Bereichen Stoner

Metal nach 25 Jahren größer denn je sind und jetzt auch

Junge mit der Gitarre, nicht der Multiinstrumentalist, der

über Rock bis Metalcore auf.

noch zusammen auftreten? Was für ein Wahnsinn!“

mit jeder Extremität zwei Instrumente bedient, nicht das

Hafenliebe, Dortmund, 21.30 Uhr

Arena auf Schalke, Gelsenkirchen, 17 Uhr

Bleichgesicht hinterm Laptop. Blutigerfelsenstern ist

bodo verlost 2 x 2 Karten.

eine Kategorie für sich. Wer über ausreichend Phantasie

Teilnahmebedingungen auf Seite 21.

MO 04 | 07 – MI 13 | 07 | 11 Film & mehr | ueber Mut Festival

verfügt, sich die Einstürzenden Neubauten als One-ManBand vorzustellen, kommt der Sache vermutlich recht

Musik | WDR Big Band & Lee Konitz

nah. Blutigerfelsenstern bietet eine Achterbahnfahrt

Es gibt Legenden und Pioniere, Lee Konitz ist beides.

Dem Mutigen gehört die Welt. Das ist ein schöner Satz, der

irrwitziger Ideen, plündert und brandschatzt unterwegs

Mit einer Verbeugung vor dem einflussreichen Altsaxo-

aber offen lässt, welche Welt gemeint ist. Die Welt, so wie

Gitarrenrock, Noise und Folklore. Wenn, wie schon oft

phonisten kommt die WDR Big Band in die Flottmann-

sie ist? Oder die Welt, wie sie sein könnte? Die zehn Filme

behauptet, Rockmusik tot ist, ist vor allem das Danach

Hallen. In den 50er Jahren leitete Konitz mit Miles

des Festivals „ueber Mut“ belegen, dass Mut stets der Mut

spannend. Hier wird eine mögliche Antwort gegeben.

Davis den Cool Jazz ein und gilt seitdem als Schlüs-

zur Veränderung des Bestehenden ist. Mut setzt voraus,

Sissikingkong, Dortmund, 20 Uhr

selfigur jener Epoche, obwohl er deren Stilistik längst

dass man die Gegebenheiten kritisch betrachtet und für sich bestimmt: Etwas muss sich ändern. In den Filmen stehen Menschen im Mittelpunkt, die sich leidenschaftlich für ihren Traum von Veränderung einsetzen. ueber Mut ist das

überschritten hat. In einer jüngst erschienenen Ausga-

DO 07 | 07 | 11 Lesung | Armin Rohde

be der Süddeutschen Zeitung gibt sich Konitz als der „langsamste Saxophonist des Jazz“. Dies hat nichts mit seinem Alter zu tun – trotz seiner 83 Jahre ist er aus-

bundesweite Filmfestival der Aktion Mensch.

Vielleicht ist dieses Buch („Größenwahn und Lampen-

gesprochen vital – sondern mit der reifen Erkenntnis,

endstation.kino, Bochum

fieber“) nicht die Wahrheit über Schauspieler, aber ganz

dass die Essenz der Musik in der Reduktion liegt. In die-

sicher ist es die Wahrheit über den Theater- und Film-

ser Produktion der WDR Big Band wird sich Lee Konitz

schauspieler Armin Rohde. Was ist und was macht ei-

im Spiel zwischen seinem Trio und dem orchestralen

gentlich ein Schauspieler? Anders gesagt: „Ein Dachde-

Klang der renommierten Big-Band bewegen.

cker deckt Dächer, ein Automechaniker repariert Autos,

Flottmann-Hallen, Herne, 20 Uhr

DI 05 | 07 | 11 Musik | Bandista Nach der Funkhaus Europa-Party in Mülheim und

ein Auftragskiller bringt Leute um, ein Seiltänzer macht

Kemnade International 2010 sind aber auch Bandista

Gleichgewichtsübungen und versucht, nicht runter zu

aus Istanbul schon lange kein Geheimtipp mehr. Sechs

fallen. Aber was macht eigentlich ein Schauspieler? Au-

Ob Tarantino, Feuilleton oder MTV: Japanische Anima-

Internationalisten, politisch am kritischen Puls der

ßer natürlich Rotwein trinken, Freudenhäuser besuchen,

tionsfilme haben seit den 1970er Jahren einen festen

Zeit und mit neuer Platte. Ihren abwechslungsreichen

lange schlafen und sich auf roten Teppichen feiern zu

Platz in der deutschen und europäischen Medienland-

und fetzigen Stil könnte man vielleicht mit Balkan,

lassen?“ Anhand vieler Fragen, die seine Karriere be-

schaft. Anime hat sich als künstlerischer Ausdruck an

Klezmer, Ska & Anatolian Folk mit politisch motivier-

gleitet haben, erzählt Armin Rohde anekdotenreich und

der Grenze von Film, Bildender Kunst und Popkultur eta-

ten und engagierten Texten umschreiben. Ihre Bühnen-

unterhaltsam seinen Weg vom Arbeitersohn zum Filmstar

bliert. Sehgewohnheiten und Vorbehalte gegenüber den

show ist immer auch ein situationistisches Experiment,

und gewährt gleichzeitig einen außergewöhnlichen Blick

Ausdrucksmöglichkeiten von Zeichentrickfilmen haben

ein Wechsel zwischen Wut und Verzückung, kraftvoll

hinter die Kulissen des Schauspielerberufs.

sich durch ihren Einfluss grundlegend verändert. Die

und mitreißend. Neben Gitarre und Bass begeistern sie

Schauspielhaus, Bochum, 19.30 Uhr

Ausstellung „Proto Anime Cut – Räume und Visionen im

Ausstellungseröffnung | Proto Anime Cut

23


24 VERANSTALTUNGEN JULI 2011

japanischen Animationsfilm“ des Hartware MedienKunstVerein (HMKV) präsentiert ab dem 9. Juli bis zum 9. Oktober im Dortmunder U Originalzeichnungen der wichtigsten Regisseure und Illustratoren von japanischen Animationsfilmen. Zahlreiche Hintergrundmalereien, Storyboards, Skizzen und Inspirationsquellen geben Einblick in die Arbeitsweise der erfolgreichsten Animationskünstler der letzten

07 | 07 | 11 Armin Rohde

08 | 07 | 11 WDR Big Band & Lee Konitz

zwei Jahrzehnte. Ergänzt werden die Exponate durch die entsprechenden Filmausschnitte. HMKV im U, Dortmund, 10 Uhr

man alles da, was so zum Grillen gebraucht wird, und

Musik | Radio_Depot

es können ebenso die rohen Fleischwaren an der The-

Die „Radio_Depot"-Konzerte heißen so, weil sie funktio-

ke erworben werden, doch das war's dann auch schon:

nieren wie eine Radio-Show, nur ein bisschen anders. Die

„selbst ist der Gast“. Das schlägt sich – anders als bei

Musik spielt da, wo die Lautsprecher stehen. Klänge und

den Getränken, die weiterhin am Platz serviert werden

Geräusche aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft:

Dass im Dortmunder Westfalenstadion (Signal Iduna

– natürlich auf den Preis nieder. Die noch günstigere Va-

brandneue Originalwerke, Schätze aus den Archiven

Park) ordentlich auf den Tribünen gefeiert wird, ist

riante ist allerdings, das Grillgut gleich selbstinitiativ

der Avantgarde, das Knistern historischer Aufnahmen

nichts Neues. Eine Party allerdings,

vom eigenen Metzger zu holen und mitzubringen. Dazu

werden zu hören sein. Der Zuhörer darf entspannt Platz

die im gesamten Stadion „Unter den

gibt‘s drinnen großen Sport auf der Großbildleinwand:

nehmen, die Augen schließen und einfach nur lauschen.

Tribünen“ steigt, ist bis jetzt noch nie

Die Viertelfinalspiele der Frauen-Fußball-WM 2011.

Theater im Depot, Dortmund, 18 Uhr

da gewesen. Selbst vor den „heiligen“

subrosa, Dortmund, 18 Uhr

SA 09 | 07 | 11 BODO VERLOSUNG | Unter den Tribünen

Umkleidekabinen des BVB wird nicht Halt gemacht. Unter dem Motto „Wir rocken Dortmund!“ treten am 9. Juli ab 21 Uhr die bekanntesten Dortmunder

SO 10 | 07 | 11

MI 13 | 07 | 11 Theater | Lingua Szena – Molto sensibile

Kindertheater | Reisefieber

„Das Theaterprojekt Lingua Szena untersucht die lei-

DJs und Partyformate zusammen mit internationalen

Endlich geht der Traum des Mädchens Nanti Saya in Er-

denschaftliche Hingabe und die unendliche Tiefe

Stargästen (wie z.B. DJ Mehdi aus Paris) zu einer langen

füllung: eine Reise in das Land der tausend Inseln. Auf

der Gefühle, die uns hinreißen, vernichten und uns

Nacht an. Auf zehn Bühnen garantieren regionale Grö-

der Insel der Vögel will sie Bintang Kecil („Kleiner Stern“)

trotzdem als Menschen ausmachen. Die Reise geht in

ßen wie DJ Firestarter, Ante Perry, Philipp Bückle, Klaus

freilassen, ihren kleinen Vogel, der dort zuhause ist. Ein

verschiedene Zeiten und Länder, in denen wir unsere

Fiehe, die Family Affair DJs Lefty & Martini und Funk

poetisches Stück über die Sehnsucht nach der Fremde und

Vorbilder gefunden haben, Vorbilder, die unser Leben

Fatal vom Cosmotopia oder das VISIONS DJ-Team zusam-

die Lust am Klang der Worte für Kinder ab 5 Jahren.

mehr bestimmen, als wir denken. Wir sammelten un-

men mit Gästen wie DJ Larse & Mike Litt (1LIVE), Thees

Werkstadt, Witten, 15 Uhr

sere Bilder, wir füllten sie mit Leben und jetzt freuen wir uns auf die Zuschauer.“ (Regisseurin Beáta Nagy)

Uhlmann (Tomte) oder Flo (Sportfreunde Stiller) ein abwechslungsreiches Programm quer durch die Musikstile.

Literatur | Caroline Keufen und Thomas Eicher

Lingua Szena ist ein Projekt des Projektfabrik e.V. der

Dabei soll für jeden Geschmack etwas dabei sein: Von

Der literarische Spaziergang mit Caroline Keufen und

ARGE Bochum und des IFAK e.V. mit der Unterstützung

Elektro, House und Trash-Pop über 80er-Jahre-Nostalgie

Thomas Eicher führt nach Skandinavien und zugleich zu-

des Europäischen Sozialfonds Xenos.

und Funk'n'Soul bis hin zu Indie, Alternative-Rock und

rück in die Frühzeit von Bergbau und Eisenverhüttung. Er

Bahnhof Langendreer, Bochum, 19 Uhr (auch 14.07.)

Heavy Metal bieten 20 DJs auf zehn Bühnen den Tanz-

bringt die Zuhörer nach Falun in Schweden, einem Ort,

willigen eine umfassende Musikauswahl.

der im 19. Jahrhundert deutsche Literaturgeschichte ge-

Signal Iduna Park, Dortmund, 21 Uhr

schrieben hat. Es ist die Zeit der Romantik, die Zeit der

New York hat immer noch diese Anziehungskraft: Glitter,

bodo verlost 5 x 2 Karten.

Entstehung des englischen Gartens in Brünninghausen,

Dreck und Wolkenkratzer, das will man gesehen haben.

Teilnahmebedingungen auf Seite 21.

eine Zeit der Industrialisierung und der politischen Um-

Petra „Petrina“ Engelke zeigt alles her. In Momentauf-

brüche in Deutschland. Mit und nach Texten von Hugo v.

nahmen hält sie seit einigen Jahren fest, was in New

Hofmannsthal, E.T.A. Hoffmann, August F.E. Langbein,

York passiert. Sie findet Raubvögel in Manhattan, Re-

„No Service“ lautet das Motto beim Sommerfest auf der

Novalis und den Brüdern Grimm.

genschirme in der Waschmaschine, Riesenspinnen in der

hübschen Außenterrasse in der Hafenschänke. Zwar hat

Torhaus Rombergpark, Dortmund, 11 Uhr (auch 15 Uhr)

U-Bahn, Schwarzwälder Kirsch in Chinatown, Goldgräber

Mischmasch | Bring your own Barbecue

Bild & Text | Moment: New York

CD-TIPP

DIVERSE | early morning breaks vol 03 (Peacelounge Rec.) Chill-Out-Compilations gibt es ohne Ende; auch heute noch. Alles fing Mitte der 90er mit den Cafe-del-Mar-Samplern, die spätestens als auch Pop-Göttin Madonna sich öffentlich dazu bekannte, zu einem regelrechten ChillOut-Boom führten. Dabei sind diese Zusammenstellungen, die ursprünglich den Sonnenuntergang und -aufgang in San Antonio auf Ibiza beschallten, oft sehr seicht und bisweilen übertrieben kitschig. In der Folgezeit gab es bald mehr solche Compilations, als der Markt verkraften sollte. Trotzdem hat sich ein Musikgenre damals durchgesetzt und bis heute stabilisiert. Entspannte, positive Elektro-Grooves (gerne mit schwelgerischen Frauenstimmen), die nicht wehtun und problemlos jederzeit nebenher laufen können. Gerade Geschäftsleute, die viel am Rechner sitzen, lieben diesen Stuff. Und warum erzähle ich das ganze? Weil die „early morning breaks“ genau an „Cafe del Mar“ anknüpfen. Mit sehr viel Liebe haben Mark Hartmann und Christian Arndt ihre positiven, warmherzigen Tracks auf zwei CDs zusammengestellt. Die erste CD ist schon sehr typisch und bisweilen auch ein wenig zu süßlich, CD 2 etwas deep-housiger angesiedelt, gefällt mir da besser. Insgesamt kann man bei der Angebotsvielfalt an Chill-Out-Zeug bei Bedarf gerne zu dieser Scheibe hier greifen; die läuft wirklich geschmeidig und angenehm durch. (BvR) 24


09 | 07 – 09 | 10 | 11 Proto Anime Cut

13 + 14 | 07 | 11 Lingua Szena – Molto sensibile

am Strand in Brooklyn. Zu ihren Schnappschüssen lässt

eher Singer/Songwriter mit einer Vorliebe für Blues ist,

sie eine wilde Mischung aus Literatur, Journalismus und

stellt sich dabei nicht wirklich. Seine selbst komponierten

Das Motto ist Programm: Mehr als 40 Forschungsinstitu-

Tirade auf das Publikum einprasseln, durchbrochen von

Songs sind so überzeugend wie authentisch. Sie sind un-

te des Ruhrgebiets präsentieren innovative Entwicklun-

Anekdoten und FAQ. Der Eintritt ist frei.

sentimental, kunstvoll und doch voller Herzenstöne.

gen in zentralen Zukunftsfeldern. Workshops, Vorträge,

Galerie Chrom, Bochum, 20 Uhr

subrosa, Dortmund, 20 Uhr

Filme und Diskussionsrunden laden die Besucher zum

Wissenswelten | Regionales verankert, global vernetzt

Dialog und zum Mitdenken ein. In interaktiven Themen-

(auch am 15.07. bei Heimatdesign, Dortmund)

DO 14 | 07 | 11

16 | 07 | 11 Flo Mega & The Ruffcats

FR 15 | 07 | 11

landschaften von Arbeitswelt bis Technologie zeigt die

Poesie & Politik | Alaa Khaled

übergreifende Kooperationen und regionale Projekte mit

Wissensmetropole Ruhr, wo ihre Stärken liegen. Länder-

„Nachdem sich die Demonstrationen aufgelöst haben und

internationaler Strahlkraft stehen im Mittelpunkt.

Allan Tepper schrieb im Good Times Magazin über den im

die Menschen in ihre Häuser zurückgekehrt sind, verwan-

DASA, Dortmund, 14.30 Uhr

unterfränkischen Spessart beheimateten Bernd: „Rinser

delt sich die Revolution in ein unsichtbares, flüchtiges

ist in Deutschland ein Unikum, denn er klingt wie ein

Wesen. Du wachst morgens auf und suchst nach etwas Ver-

waschechter Amerikaner – authentisch, gefühlvoll und

lorenem; du läufst durch die Straßen und versuchst, noch

Ringelnatz war ein Abenteurer in seinem Leben, mit

mit vielen Ideen.“ Und der Rolling Stone meint: „Es ist et-

einmal das Echo der Slogans zu vernehmen, die die Plätze

überschäumender Phantasie ausgestattet, ein Dichter,

was Weites in dieser versiert gespielten und gebrochen ro-

erfüllt hatten.“ Der Schriftsteller Alaa Khaled erzählt in

der in den kleinsten Dingen des Lebens das Größte sah.

mantischen Musik, die zum Beispiel Willy De Ville in ähn-

„Die Revolution, ein flüchtiges Wesen“ davon, wie er die

Vorwiegend beschreibt er das Leben, die Freude und die

licher Weise hätte einfallen können.“ Die Frage, ob er in

ägyptische Revolution literarisch verarbeitet.

Nöte des „kleinen Mannes“. Seine Verse sind oft skurril,

erster Linie Bluesmann mit einer Vorliebe für Poesie oder

Bahnhof Langendreer, Bochum, 19 Uhr

voll überraschender Pointen, aber auch von tiefer Melan-

Musik | Bernd Rinser

Theater | Der große Ringelnatz Abend

ANZEIGE

25


26 VERANSTALTUNGEN JULI 2011

cholie geprägt. Zwei Schauspieler erzählen an diesem Abend im Dialog sein Leben und rezitieren und spielen unbekannte wie bekannte Gedichte, so wie Ringelnatz es tat, als er 1909 im Münchener Simplicissimus zum ersten Mal auftrat. Ein unterhaltsamer Abend voll des Witzes und der Ironie, aber auch der Melancholie eines Ringelnatz. 16 | 07 | 11 Boris

Roto Theater, Dortmund, 19.30 Uhr

21 – 24 | 07 | 11 Bochum Total 2011

BODO Verlosung | Die gekaufte Braut Joe, kauziger Alleingänger, engagiert bei einem Escort-

Musik | DJ-Picknick mit Le Pop

gen bis zur kostenlosen Tanzstunde. Folgende Bands und

Service die etwas naive Renée, um sie seinem Vater Ivan

Wenn bei den „Summersounds 2011“ auf der Tremo-

Künstler werden unter anderem begrüßt: Jupiter Jones,

als Verlobte vorzustellen. Das

nia Wiese – umsonst & draußen – das Le Pop DJ-Team

Bosse, Carpark North, Frida Gold, Thomas Godoj, Itchy

Verhältnis von Joe und seiner

hinter den Plattentellern steht, kündigt sich eine fran-

Poopzkid, Bodie Bill, Killerpilze, Andreas Bourani, Die

Schwester Carrie zu ihrem

kophile Edition der DJ-Picknicks an. Das Kölner Duo ist

Rakede, Boyhitscar, Boppin B, M. Walking on the Water,

Vater, der kurzfristig einen

verantwortlich für die gleichnamige Compilation-Reihe

Kraftclub, Pamela Falcon, Zero Gravitation, Kellermensch

Besuch ankündigt, ist ge-

mit frischen französischen Popsounds und feiert selbige

und Artig. In den Umbaupausen an den großen Bühnen

spannt. Schon im Vorfeld des

mit regelmäßigen Partys im Stadtgarten und tourt durch

werden auch in diesem Jahr auf der Wortschatz-Bühne

Besuchs kommt es zwischen Joe, der abgeklärten, dem

die Clubs der Republik. Mit inzwischen 75.000 verkauften

Kleinkunst und Lesungen geboten. In Koop mit boSKop

Alkohol zuneigenden Carrie und der nervös-redseligen

Compilations wurde das Indielabel Le Pop zur internatio-

kommen u.a. Ben Redelings, Dieselknecht, Der Obel,

Renée zu Verwicklungen. Als Ivan und seine Frau Phyllis

nalen Drehscheibe der neuen französischen Songschule.

Schementhemen, Ulli Engelbrecht und 1Live-Wellenchef

zu Besuch antreten, sind stürmische Auseinandersetzun-

Tremonia Wiese, Dortmund, 16 Uhr

Jochen Rausch zu Wort. Natürlich wird am Sonntag auch wieder die beliebte Abschlussparty im Riff gefeiert. Zu-

gen und pointenreiche Wortgefechte programmiert. Renée läuft als Schwiegertochter zur Höchstform auf – und

Musik | Russian Circles & Boris

dem gibt es diesmal als Finale aber auch in der coolen Lo-

tappt dabei in etliche Fettnäpfchen. Dass es ihr gelingt,

Boris gelten als „die japanischen Drone-Sludge-Rock

cation Rotunde eine Swing Party, für die „Lindypott“, die

dem grantigen Ivan Paroli zu bieten, überrascht alle.

Lords“. Sie verfolgen ihre Fähigkeit des außergewöhn-

Lindyhopper des Ruhrgebiets, verantwortlich zeichnen.

Theater im Depot, Dortmund, 20 Uhr

lichen Designs und das Erorten klanglicher Grenzen, das

Weitere Infos unter www.bochum-total.de.

bodo verlost 3 x 2 Karten.

sich abwechselt mit 70ties Fuzz Acid Rock mit harten,

Bermuda3eck, Bochum, 17 Uhr

Teilnahmebedingungen auf Seite 21.

krachigen Garagen-Punk Riffs, Songstrukturen mit Popappeal oder dunkle mystische Psychedelic-Eskapaden.

FR 22 | 07 | 11

SA 16 | 07 | 11

Russian Circles nennt sich das Post-Rock-Trio aus Chica-

Musik | Flo Mega & The Ruffcats

gepaart mit einer guten Portion Metal verschrieben hat.

Edel Pop und Indie Rock verschmelzen im Herzen des

FZW, Dortmund, 20 Uhr

Ruhrpotts zu einer homogenen Masse, ausgewählt und

go, das sich modernen, rein instrumentalen Rocksounds

Flo Mega ist das beste Beispiel dafür, dass R’n’B und Soul

aufgelegt von DJ Ulla Plöpp (BO-YS, Bhf. Langendreer).

aus Deutschland mittlerweile einen exzellenten Klang haben. Vorbei die Zeiten, als man ein wenig altbacken Ray Charles und Otis Redding imitierte: Soul made in Germany ist heute die Sprache einer urbanen Jugend.

Party | Pop`o´Pop

DO 21 | 07 – SO 24 | 07 | 11 Musik | Bochum Total 2011

Was hier so knackig klingt, ist schon lange keine Jungfrau mehr im Musikbusiness. Schon bei anderen bekannten schwulen Partyformaten bewies Ulla Plöpp guten

Flo Megas unvergleichliche Stimme erinnert mit eksta-

An diesem Wochenende wird sich die Bochumer Innen-

Geschmack und wird auch im FZW die Männerherzen zum

tischem Reibeisen mal an James Brown, dann wieder

stadt wieder in ein gigantisches Festivalgelände verwan-

Kochen bringen. Doch die Hauptbotschaft ist wohl: „Dort-

kippt er in einen Sopran in bester Curtis Mayfield-Manier,

deln. Vier Tage volles Programm, mehr als 60 Bands und

mund hat nun endlich auch wieder eine Gay-Party!“

bleibt dabei aber immer er selbst, ein Original. Support:

Künstler vom regionalen Newcomer bis zum internationa-

FZW, Dortmund, 23 Uhr

Dickes B! – Funky Rap & Freestyle im Live-Akustikset.

len Top-Act, vier Bühnen und das alles bei freiem Eintritt.

Das Konzert findet im Rahmen des Musikfestivals „Funk-

Dies gilt auch für das rund 40 Termine umfassende Be-

haus Europa: Odyssee“ umsonst und draußen statt.

gleitprogramm, welches erneut unter dem Titel „Offstage“

Kaum eine andere südamerikanische Musiknation explo-

Freilichtbühne, Wattenscheid, 19.30 Uhr

präsentiert wird. Von etlichen Clubkonzerten über Lesun-

diert derzeit so vor Kreativität wie Kolumbien. Im Zentrum

Musik | Bomba Estéreo

COMIC-TIPP

ANDREAS DIERSSEN | Die besten Zeiten (Carlsen Comics) Diese „graphic comic novel“ ist wirklich eine Überraschung. Eher unspektakuläre Schwarz-Weiß-Zeichnungen versprechen nicht gerade einen Lustgewinn. Aber beginnt man erst einmal, so wird es doch ein lustvolles Lesevergnügen. Die skurrile Story saugt einen wirklich rein und nimmt einen mit auf eine schräge, mal ernstere, mal lustigere Reise durch eine ganz reale Welt, mit Schauplätzen, die jeder kennt. Fast schon ein wenig, wie der große Will Eisner es auch vermag. Doch Dierßens Comic-Novelle ist mehr ein gezeichneter Episodenfilm. Ein Roadmovie ohne Bewegung, das zu einem Porträt des Großstadtlebens irgendwo in Deutschland wird. Dabei fühlt man sich auch gerne mal an Woody Allen, den „Film noir“ oder Robert Altmans „Short Cuts“ erinnert. Durch die Erzählweise musste ich aber auch an „Das Gespenst der Freiheit“ von Luis Bunuel denken. Eine kleine, alltägliche Geschichte beginnt, andere Charaktere tauchen im Hintergrund auf, und auf einmal wird deren Story angerissen und weitergeführt und so weiter. Als Kritikpunkt muss man wohl einwerfen, dass das Vergnügen schnell vorbei ist. Nach einer halben Stunde ist man locker durch mit dem Werk. Aber da das Ganze so krude ist, will man diesen Trip sofort noch mal mitgehen. Schon allein deswegen, weil es keine wirklichen Auflösungen gibt und vieles im Raum stehen bleibt. (BvR) 26


22 | 07 | 11 Bomba Estéreo

23 | 07 | 11 DJ-Picknick mit Frank Popp

des brodelnden Hexenkessels agiert Bomba Estéreo, jene

mer Schauspielpreis 2010), lesen und spielen Szenen,

Band, die das National-Genre Cumbia für eine neue Gene-

die von Anziehung und Abstoßung, von Welterklärungen

Adressen | Bochum (0234)

ration auf Vordermann bringt. Sie koppeln die Cumbia und

und Jenseitsreisen, von Überschreitungen, Fremderfah-

Bahnhof Langendreer, Wallbaumweg 108, 687 16 10

die afro-karibische Champeta allerdings mit aufgekratzten

rungen und Verwandlungen handeln. Der Eintritt ist frei.

Christuskirche, An der Christuskirche 1, 338 74 62

Electronica-Effekten, psychedelischen Trance-Loops, Hip-

Ruhr-Uni, Bochum, 18.30 Uhr

Hop- und House-Beats sowie Reggaetón, Dancehall und Rock. Support: Chupacabras Sound System – Fetter LatinHipHop. Das Konzert findet im Rahmen des Musikfestivals „Funkhaus Europa: Odyssee“ umsonst und draußen statt. Freilichtbühne, Wattenscheid, 19.30 Uhr

SA 23 | 07 | 11 Musik | DJ-Picknick mit Frank Popp

30 | 07 | 11 Balkantronika

Endstation Kino, Wallbaumweg 108, 687 16 20 Eve Bar, Königsallee 15, 333 354 45 Freilichtbühne Wattenscheid, Parkstraße, 61 03-0

SA 30 | 07 | 11

HalloDu-Theater, Lothringer Str. 36c, 87 65 6 Jahrhunderthalle, Gahlensche Str. 15, 369 31 00

BODO VERLOSUNG | Juicy Beats Festival

Kulturhaus Oskar, Oskar-Hoffmann-Straße 25

Das Juicy Beats Festival, das nun schon zum 16. Mal im

Kulturrat Bochum, Lothringer Straße 36, 862 012

Dortmunder Westfalenpark stattfindet, ist wirklich eins

Museum, Kortumstraße 147, 51 60 00

der schönsten Freiluft-Musik-Feste in NRW: Bei Tage ein wunderbar entspanntes

Mus. Zentrum der RUB, Universitätsstr. 150, 322 28 36 Prinz-Regent-Theater, Prinz-Regent-Str. 50 – 60, 77 11 17 Riff, Konrad-Adenauer-Platz 3, 150 01 RuhrCongress, Stadionring 20, 610 30

Eine groovige Mischung aus Soul und Funk der 60s und

Musikfest und nach Sonnen-

70s mit modernen Rhythmen der Club-Kultur sind Trade-

untergang ein wilder, bun-

Stadthalle Wattenscheid, Saarlandstraße 40, 610 30

mark von Frank Popp. Mit seiner Hit-Single „Hip Teens

ter, riesengroßer Freiluft-

Thealozzi, Pestalozzistraße 21, 175 90

Don‘t Wear Blue Jeans“ und seinen legendären DJ-Sets

Club. Von High Noon am Samstagmittag bis in die frühen

Varieté et Cetera, Herner Straße 299, 130 03

u.a. in dem schwer vermissten Düsseldorfer Unique-Club

Morgenstunden des Sonntags wird mit 40 Bands und 100

Zauberkasten, Lothringer Straße 36c, 86 62 35

hat er sich ein internationales Renommee verschafft.

DJs auf 20 Bühnen wieder ein fettes und abwechslungs-

Bei den Summersounds DJ-Picknicks (umsonst & drau-

reiches Programm aus den Bereichen Elektronic- und

ßen) steht er an den Plattentellern im Hoeschpark und

Independent-Music geboten. Als „Top-Acts“ werden in

serviert Rare Grooves und Indie-Tunes.

diesem Jahr benannt: Boys Noize, The Notwist, K.I.Z,

Adressen | Dortmund (0231)

Hoeschpark, Dortmund, 16 Uhr

Gisbert zu Knyphausen, The Thermals, Ce‘Cile, Bonapar-

Auslandsgesellschaft, Steinstraße 48, 838 00 00

te, Quantic and his Combo Bárbaro, Schlachthof Bronx,

Cabaret Queue, Hermannstraße 74, 41 31 46

Prinz Pi, Roman Flügel, FM Belfast, Saalschutz, DJ Dixon,

DASA, Friedrich-Henkel-Weg 1 – 25, 90 71 24 79

Tube & Berger, Frittenbude DJ-Team und Beth Ditto, die

Dietrich-Keuning-Haus, Leopoldstr. 50 – 58, 502 51 45

SO 24 | 07 | 11 Mischmasch | Picknicker

Frontfrau von Gossip auf Solopfaden. Aber natürlich sind

Schauspielhaus, Königsallee 15, 333 30

Zeche, Prinz-Regent-Straße 50-60, 977 23 17 Zeche Lothringen, Lothringer Straße 36c, 876 56 Zwischenfall, Alte Bahnhofstraße 214, 28 76 50

domicil, Hansastraße 7 – 11, 862 90 30 Fletch Bizzel, Humboldtstraße 45, 14 25 25

Jeder, der Spaß an Kleinkunst und Schlemmen in gro-

auch die Lokalmatadoren und Freunde des Festivals wie

ßer Runde hat, ist eingeladen, am 24. Juli ab 11 Uhr

z.B. Carsten Helmich, Ingo Sänger, DJ Dixon, Ante Perry,

mit seiner Picknickdecke und sonstigem Utensil zu den

Klaus Fiehe, Herb LF, Gärtner der Lüste, Funktronix und

Galerie Torhaus, Haupteingang Rombergpark, 50 23 194

Wiesen vor dem Haus Witten zu kommen. Hier werden

Funk Fatal wieder mit von der Party. So bietet sich dem

Konzerthaus, Brückstraße 21, 22 69 62 00

alle Decken zu einer riesengroßen Picknickdecke zusam-

Festivalbesucher ein abwechslungsreiches Spektakel von

Museum f. Kunst u. Kulturgesch., Hansastr. 3, 502 55 22

menlegt. Dazu gibt es jede Menge Kleinkünstler (Schau-

Electro, Techno, House und Urban Beats über Reggae,

Piano Musiktheater, Lütgendortmunder Str. 43, 604 206

spieler, Singer-Songwriter, Zauberer, Slammer, etc.), die

Dub Step, Drum‘n‘Bass, Indierock und Funk‘n‘Soul bis hin

zwischen den Decken auftreten. Für diejenigen, die kei-

zu Chill Out, Poetry Slam und Kurzfilmprogrammen.

ne Lust haben, ihr Essen durch die Gegend zu tragen,

Westfalenpark, Dortmund, 12 bis 04 Uhr

gibt es vor Ort kleine Stände, die alle mit Kaffee, kühlen

bodo verlost 5 x 2 Karten.

Getränken und gegrillten Köstlichkeiten versorgen.

Teilnahmebedingungen auf Seite 21. Musik | Balkantronika & Schwarz-Rot Atemgold 09

Theater | Religiöse Attraktion

FZW, Ritterstraße 20, 17 78 20

Rasthaus Fink, Nordmarkt 8, 999 876 25 Reinoldikirche, Ostenhellweg 1, 52 37 33 Schauspielhaus, Hiltropwall, 502 55 47 Sissikingkong, Landwehrstraße 17, 728 25 78 Strobels, Strobelallee 50, 999 50 60 Subrosa, Gneisenaustraße 56, 82 08 07 SweetSixteen Kino im Depot, Immermannstr. 29, 910 66 23

Witten, ab 11 Uhr

MO 25 | 07 | 11

F.-Henßler-Haus, Geschw.-Scholl-Str. 33 – 37, 502 34 72

Balkantronika trifft auf Schwarz-Rot Atemgold 09. Hierbei ist keine Stilmischung zu abenteuerlich, um Traditionen mit zeitgenössischer Urbanität aufzuladen. Eine uner-

Die szenische Lesung „Über Gang-Arten-Bildung“ auf der

müdliche Überquerung musikalischer Barrikaden auf der

Theater im Depot, Immermannstraße 29, 98 21 20 U, Leonie–Reygers-Terrasse, 50 247 23 Westfallenhallen, Rheinlanddamm 200, 120 40 Westfalenpark, An der Buschmühle 3, 35 02 61 00 Zeche Zollern, Grubenweg 5, 696 12 11

Bühne des Theaters im Musischen Zentrums der RUB bil-

Suche nach unentdecktem Terrain. Support: Friedemann

Adressen | Herne (02323)

det den Auftakt zur internationalen Tagung „Modes and

Weise, „Der geistige Führer der deutschen Satiropopsze-

Flottmann-Hallen, Flottmannstr. 94, 16 29 52

Models of Religious Attraction“ (25. – 28. Juli 2011).

ne“. Das Konzert findet im Rahmen des Musikfestivals

Mondpalast, Wilhelmstraße 26, 58 89 99

Zwei Mitglieder des Ensembles des Bochumer Schau-

„Funkhaus Europa: Odyssee“ umsonst und draußen statt.

spielhauses, Nadja Robiné und Marco Massafra (Bochu-

Freilichtbühne, Wattenscheid, 19.30 Uhr

Adressen | Witten (02302) Saalbau, Bergerstraße 25, 581 24 24 Werkstadt, Mannesmannstraße 2, 94 89 40

Der Druck dieser Seite wurde ermöglicht durch Spenden der Besucher des Geierabend 2011.

27


28 DIE REPORTAGE | von Wolfgang Kienast | Fotos: Uwe Steinbrich (pixelio.de) · Claudia Siekarski

Modern, urban, mobil per Rad im Ruhrgebiet: Sie ist berühmt, berüchtigt, kultverdächtig und immer dann, wenn man es besonders eilig hat, verstopft. Die A40. Zwischen all den bereits erdachten Plänen, die Strecke zu entlasten, hätte auch ein Sisyphus seine Erfüllung finden können. Von Ausbau bis Zufahrtsregelung wurde getüftelt, der Stau blieb. Ende Mai informierte der Regionalverband Ruhr (RVR) die Öffentlichkeit über einen neuen Vorschlag. Und der war tatsächlich anders. Er betrifft nicht den Ruhrschleichweg an sich, nicht den ohnehin kollabierenden ÖPNV als mögliche Lösung des Problems, er sieht das Fahrrad im Mittelpunkt urbaner Mobilität. Eine Fahrradschnellstraße, wie sie in Holland längst etabliert, in Deutschland dagegen noch Science Fiction ist, soll in Zukunft Dortmund mit Duisburg verbinden. Wer sich gelegentlich und erholungsuchend aufs Rad setzt, der weiß um das gut ausgebaute Streckennetz im Revier. Die Wege verlaufen meist abseits der Stadtzentren, führen durch Wiesen und Wälder, oft entlang von Flüssen und Kanälen. Sie zeigen Einheimischen und staunenden Touristen gleichermaßen, wie grün der Pott ist. „Den Freizeitradler haben wir mit diesem Projekt aber nicht im Tatsache: Staupendler auf deutschen Autobahnen

Visier”, erläutert Jens Hapke, Sprecher beim RVR. „Uns interessiert der Pendler. Wir sind überzeugt, dass jemand, der sich aus beruflichen Gründen im Ruhrgebiet bewegt, eine Alternative zum Stau auf der A40 willkommen heißen wird. Der ÖPNV ist am Rande seiner Kapazität, die Autobahnen sind dicht. Ein weiterer Ausbau dürfte unausführbar sein. Wir müssen ein neues Konzept anbieten.” Was ein täglich ausgebremster Autofahrer als individuell zeitraubende Belastung erlebt, haben diverse Studien längst unterfüttert. Mehr als durchschnittliche dreißig Kilometer pro Stunde sind im Revier mit dem PKW selten zu machen. Geschwindigkeit? Hexerei. Immerhin 25 km/h sind bereits heute mit den verstärkt auf den Markt drängenden Pedelecs, Fahrrädern mit Elektro-Hilfsmotor, möglich. Die technische Entwicklung verspricht Luft nach oben. Bei Entfernungen bis zu fünf Kilometern ist unter den gegenwärtigen Bedingungen ein Radfahrer per se im Vorteil. Aktionsradius und Durchschnittsgeschwindigkeit könnten, die Erfahrungen aus dem

28


29

Da kommt was ins Rollen Nachbarland belegen es, selbst für untrainierte Gelegenheitsradler mittels einer Fahrradschnellstraße deutlich erhöht werden. Einer Autobahn vergleichbar, böte sie einen kreuzungsfreien Verkehr auf denkbar steigungsarmer Trasse. Als Strecke kämen Dammkronen stillgelegter Bahnlinien in Frage. Zwischen Duisburg und Essen wird mit der Alten Rheinischen Bahn eine solche bereits genutzt. Der Plan, den vorhandenen Radweg über Essen hinaus bis nach Dortmund zu verlängern, wird vor allem von Winfried Sagolla vorangetrieben. Er arbeitet als Mobilitätsplaner für die Stadt Dortmund. Leider fehlen in seinem Bezirk derartige Bahndämme, was die Baukosten nach oben treiben dürfte. Doch Herr Hapke ist optimistisch, dass Lösungen gefunden werden. „Das wird in enger Abstimmung zwischen dem RVR und den beteiligten Kommunen passieren”, sagt er. „Zunächst werden wir eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, die im wesentlichen drei Punkte betrifft. Streckenführung, Kosten und Potenzial. Die gewonnenen empirischen Daten sind Grundlage der Feinplanung. Allerdings werden noch mindestens zehn Jahre ins Land gehen, bis wir mit der Umsetzung beginnen können.”

Vorbild: Fahrrad-Schnellstraße in den Niederlanden

Seit der RVR mit dem Plan an die Öffentlichkeit getreten ist, wird das Vorhaben lebhaft diskutiert. Vor allem im Netz, wo sich auch Widerspruch zeigt. Denn der Ruhrgebietsbewohner ist skeptisch, kennt seine Planungspappenheimer, hat schon manches Leuchtturmprojekt mehr oder weniger sanft verglimmen sehen. Auch sollte nicht vergessen werden, dass der ADAC AutoDeutschland wohl mit stabiler Mehrheit regieren dürfte, träte der Club als Partei bei Wahlen an. So fragt sich ein „Mippes” beispielsweise, ob es nicht sinnvoller wäre, gleich zu Fuß zu gehen. Man brauche dann noch weniger Platz und könne auf schädliche Prozesse der Fahrradproduktion verzichten. Blogger Thomas Schweres fühlt sich in den Steinzeitkommunismus zurückversetzt. Er fürchtet, Radfahren könne Vorschrift werden, da kaum jemand freiwillig in den Sattel steige. Doch gerade in diesem Punkt scheint sich Grundlegendes zu ändern. Auf der einen Seite

29


30

gibt es die rationalen Argumente: ein absehbares Ende fossiler Energiequellen, die Dringlichkeit, CO²-Emissionen zurückzufahren, der erlebbare Kollaps vorhandener Verkehrsinfrastruktur. Auf der anderen Seite erfährt das Rad derzeit so etwas wie einen emotionalen Boom. Unabhängig voneinander und aus teils sehr unterschiedlichen Beweggründen machen immer mehr Einzelpersonen oder Initiativen das Fahrrad zu ihrem Thema. Es entsteht, und nicht nur im Ruhrgebiet, nicht nur in Deutschland, eine Bewegung mit Bewegung. Jemand, der vieles von dem zusammenbringt, ist Albert Hölzle. Er arbeitet im „Netzwerk für Logistik und Verkehr“ an der Uni Duisburg-Essen. Als Teilnehmer der „Mobilitätskonferenz Ruhrgebiet“ in Bochum fragte er sich, warum er als Normalbürger und kleiner Uniangestellter von den dort behandelten Themen später im Alltag nichts mehr wahrgenommen hat. Allein fühlt er sich nicht. „Zahlreiche Bürger wollen etwas bewegen, sitzen aber nicht in entsprechenden Zirkeln und Foren.” Also begann er, (Internet-) Adressen zu sammeln und Kontakte aufzubauen. Auf dieser Basis gründeten er und eine Freundin, an derselben Universität bei der „Initiative für Nachhaltigkeit“ beschäftigt, die Plattform VeloCityRuhr. Das war im Sommer letzten Jahres. Ihre Seite ist Informationsquelle, Kontaktbörse, Terminkalender und mehr. Visionär: Albert Hölzle in seiner BikeKitchen

Die

„Arbeitsgemeinschaft

fahrradfreundliche

Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V.“ ist verlinkt, der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) und die „European Cyclists Federation“. Man findet Forschungsergebnisse ebenso wie

Verleihadressen,

Selbsthilfewerkstätten,

Tipps zum Kauf von Gebrauchträdern und das Datum der nächsten Critical Mass. Über diese vergnügliche Form gemeinsamer innerstädtischer Radtouren berichtete bodo bereits im Januar 2011. Zur Erinnerung: laut § 15, StVO, gelten Gruppen ab 15 Fahrern als geschlossener Verband im Fahrverkehr und genießen dann gleiche Rechte wie ein sehr, sehr großes Auto. Mit Albert Hölzle ist bodo in der Dortmunder BikeKitchen, Bornstraße 138, verabredet. Seit April existiert dort dieser neue Typ selbstverwalteter Fahrradwerkstatt. Hier kann man schrauben, kochen, abhängen und Fahrradpolo spielen. Es gibt eine Küche im Haus und eine Garage im Hinterhof. Jeden Montag wird drinnen

30


ANZEIGEN

vegan gekocht, draußen repariert. An der Garage wird Herr Hölzle sofort von einer multikulturellen Kinderbande belagert. Er soll an ihren Rädern die Reifen aufpumpen und Bremsen justieren. Dabei lernen sie, dass das runde Gummiding Mantel heißt und dass sich darunter ein Schlauch verbirgt. Die BikeKitchen wird nicht mit dem Anspruch betrieben, Menschen mit Migrationshintergrund Deutsch beizubringen; das passiert ganz nebenbei. Am späteren Nachmittag kommen weitere Radaktivisten zu Besuch. Rolf Meinecke, der die Critical Mass nach Dortmund gebracht hat, Ines FrickeGroenewold vom ADFC Herne, Rad-Ästhet Alex Kopja von Cycle Chic Essen („Beim Radfahren in der Stadt geht es nicht um die Geschwindigkeit per se. Es geht um das Lebensgefühl, unterwegs zu sein. Durch den Verkehr der Autos zu fahren mit der Gelassenheit des Überlegenen.“) und Gernot Mühge vom internationalen Cycling Film Festival, das im Herbst wieder in Bochum stattfinden soll. „Mit unseren Aktionen folgen wir keinem abstrakten Konzept“, erklärt Meinecke. „Wir wollen ganz konkret nachhaltige Mobilität fördern. Es ist großartig, dass Albert eine Ebene darüber aufbaut. So weiß man, dass man kein Sonderfall ist und dass sich in anderen Städten ähnliches tut. Das erzeugt ein überregionales Gefühl.“ Kaum zu glauben, dass in der BikeKitchen eine Gruppe zusammensitzt, Mitglieder einer Bewegung, die mittelfristig dem Alltagsverkehr in Ballungsräumen ein anderes Gesicht geben könnte. Alle sind so entspannt. Die Idee einer Fahrradschnellstraße im Ruhrgebiet gefällt hier. „Natürlich wollen wir keineswegs alles aufs Rad verla-

bodo bei facebook aktuell informativ unterhaltsam

gern”, sagt Albert Hölzle. „Aber es ist ausreichend Potenzial vorhanden, die Städte wirklich zu entlasten. Im Gegensatz zum Bau von Autobahnen. Die werden ja nicht in die Landschaft gesetzt, um Staus zu verhindern, auch wenn das manchmal so verkauft wird. Mit jeder neuen Autobahn will und wird man nichts anderes erreichen, als wieder nur neuen Verkehr zu generieren.“ (wk)

INFO velocityruhr.net

31


32

RÄTSEL

Rätsel-Lösung: NELKE

bodo schafft Chancen

bodos Bücher Mallinckrodtstraße 270 | 44147 Dortmund 120 qm Modernes Antiquariat Mo. bis Fr. 11 bis 18 Uhr | 0231 – 982 297 96 bodos Bücher online Belletristik | Sach- und Fachbücher | Raritäten »Bücher schaffen Stellen«

In Kooperation mit www.sudoku-aktuell.de

www.bodoev.de

32


33

ESELSOHR | von Volker Dornemann

Die Statussymbole eines Samurai wa-

Samurai in ihrer damaligen Form

ren seine Schwerter, die er stets bei

gibt es heute nicht mehr. Mit der

sich trug: Das Katana (Langschwert)

Industrialisierung Japans, dem Ein-

und das Wakizashi (Kurzschwert).

tritt ins moderne Zeitalter, in dem

Während das Langschwert sich vor

auch die Fürstentümer verschwan-

allem in offener Feldschlacht oder

den, wurden ihre Dienste überflüs-

Nicht nur in unserer Gegend, also

sen Samurai bezeichnete man als „Ro-

auch in Zweikämpfen im Freien be-

sig. Ihre Kampfkünste jedoch wer-

in Europa, gab es früher Ritter,

nin“. In der Regel boten diese Ronin

währte, lag der Vorteil des Wakizashi

den heute noch gepflegt und leben

sondern in so manch anderer Re-

ihre Dienste wieder anderen Herren

beim Einsatz in kleineren Räumen

in verschiedenen Kampfsportarten

gion der Welt ebenfalls. Bekannt

an, denn ihr kriegerisches Können war

oder engen Gassen, bei denen man

fort. Am bekanntesten ist wohl das

sind vor allem die japanischen Sa-

schließlich gefragt.

mit dem Langschwert leicht „an-

„Kendo“ (Weg des Schwertes). Wei-

ecken“ könnte.

tere Schwertkampfkünste, die heu-

murai. So mancher Samurai wählte jedoch

te noch betrieben werden, sind das

Wie auch unsere Ritter, gehörten die

den Freitod, bevor er von

„Iaido“ (Weg des Schwertziehens)

Samurai zum Adelsstand und stan-

seinem Fürsten verstoßen

und das „Batto Jutsu“.

den somit über dem gewöhnlichen

wurde, denn der Begriff

Volk. Sie waren ebenfalls Krieger

Ehre spielte für einen Sa-

Samurai sind zu einer Legende ge-

und dienten in der Regel einem hö-

murai eine so große Rol-

worden. Ihre Beliebtheit zeigt

heren Fürsten. Aus ihrer Eigenschaft

le, dass der Erhalt dieser

sich nicht nur in der auch

als „Diener“ dieser Fürsten leitet

Ehre ihm sein Leben wert

heute noch praktizierten

sich auch das Wort ab: Samurai,

war. Eine weitere Rol-

Schwertkampfkunst, son-

ursprünglich Saburai, kommt vom

le spielte dabei jedoch

dern auch in immer wie-

japanischen Verb „saberu“ her, was

auch, dass die Schan-

der erzählten Geschich-

„dienen“, „unterstützen“ bedeutet.

de, die er z.B. durch

ten in Romanen, Mangas

Ihr Dienst lag vor allem in ihrer Ei-

Versagen auf sich ge-

und Filmen. (vd)

genschaft als Krieger und Beschüt-

zogen hatte, sich au-

zer des Fürsten.

tomatisch

auf

seine

ganze Familie übertrug. Es gab allerdings auch Samurai, die

Mit seinem Freitod, Sep-

keinem Fürsten dienten, etwa weil der

puku genannt, konnte er

Fürst starb oder der Fürst ihn entließ

wenigstens die Ehre seiner

bzw. verstieß. Einen solchen herrenlo-

Familie retten.

Bodoyasha, der berühmtberüchtigte Krieger, macht einen Spaziergang am Fujiyama. Doch die Idylle ist trügerisch – ein Kappa, ein japanischer Wasserkobold, schummelt 10 Fehler in die Szene. Finde alle und werde japanischer Rätselkaiser!

Jacke gebunden ist, fehlt ein Stück. der Schleife der Schnur, die über die winkel zeigt nach unten und 10) an verbunden, 9) Bodoyashas Mundzwei Nähte am Ärmel sind zu einer seiner Haarspitzen ist kürzer, 8) Kette fehlt ein Zahn 7) und eine ein U-Boot auf, 6) an Bodoyashas fehlt eine Raute, 5) im See taucht ist zu spitz, 4) auf dem Schwertgriff er einen Ohrring, 3) der Berggipfel fehlt 2) und am anderen Ohr trägt 1) Bodoyashas hinteres Ohrspitze Fehlersuchbild – Lösung:

33


34 DAS PORTRÄT | von Marcus Preis | Fotos: Claudia Siekarski

Ein riesiges Puzzlespiel Sabine Marek – die Kirmesarchitektin von Crange

Es sind viele Geschichten, die sich rund um

Vorbereitungsphase. Zuerst erfolgt die öffent-

ein so großes Volksfest wie die Cranger Kir-

liche Ausschreibung der Veranstaltung. Alle

mes erzählen lassen. Eine davon ist die von

Schaustellerbetriebe müssen sich jedes Jahr

Sabine Marek. Sie ist keine Schaustellerin,

erneut bis zum Fristende für einen Standplatz

dennoch hat sie das ganze Jahr über Kirmes

auf dem Volksfest bewerben. Über 2.000 Bewer-

im Kopf. Eigens für sie hat die Pressesprecherin

bungsunterlagen jährlich landen bereits unmit-

der Stadt Herne, Jutta Daniel, liebevoll eine

telbar nach der letzten Kirmes auf Sabine Mareks

neue Berufsbezeichnung ins Leben gerufen:

Schreibtisch. Diese werden von ihr gesichtet und

die Kirmesarchitektin.

nach Branchen sortiert. Eine Vergabekommission entscheidet, welche Betriebe aufgrund ihrer Attraktivität zugelassen werden und wer eine Absage bekommt. Im Schnitt erhalten 500 einen Vertrag; jede der 1.500 Absagen muss mit einer individuellen und ausführliche Begründung versehen werden, um Einsprüchen oder juristischen Klageverfahren seitens einzelner Schausteller vorzubeugen. Nun beginnt Kirmesarchitektin Marek in enger Absprache mit dem Amtsleiter ihren Vergnügungsplatz zu kreieren. Am Computer werden Schablonen adäquat zur benötigten Fläche der Schaustellerbetriebe hin und her geschoben, sie überlegt, welche Betriebe optisch zusammen passen und wie eine bestmögliche Positionierung der Karussells sowie der Reihengeschäfte erreicht werden kann. Als Marek vor 14 Jahren für diesen Job vorgeschlagen wurde, musste sie noch jedes Geschäft mit Bleistift und Lineal auf einen maßstabsgetreuen Papierplan einzeichnen: „Als Sach-

Es sind nur noch wenige Wochen, dann verwan-

bearbeiterin mit normaler Verwaltungsausbildung

Planung ist das A und O. Der logisti-

delt sich in Herne wieder ein ganzer Stadtteil

bin ich damals ins kalte Wasser gesprungen und

sche Aufwand, den 110.000 qm großen

in den größten Rummelplatz nördlich des Weiß-

erst langsam in diese besondere Aufgabe hinein

Kirmesplatz zu organisieren, ist riesig.

wurstäquators. Für die zahlreichen Karussells,

gewachsen.“

Ausschank-, Imbiss- und Ausspielungsbetriebe ¬

steht am Rhein-Herne-Kanal eine Freifläche

Ihre Begeisterung für die Cranger Kirmes hat die

Für einen Plausch mit den Schaustel-

von 110.000 Quadratmetern zur Verfügung. Ein

gebürtige Wanne-Eickelerin jedoch schon aus Kin-

lern muss Zeit sein. Seit 14 Jahren ist

riesiger logistischer Aufwand muss schon lange

dertagen mitgebracht: „Mit meinem Bruder war ich

Sabine Marek mit Begeisterung die

im Vorfeld betrieben werden, damit kein Cha-

jeden Tag dort und kannte alle Karussells.“ Auch

„Kirmesarchitektin“.

os entsteht, wenn die ersten Schausteller mit

heute probiert die sympathische Mitvierzigerin

ihrem Fuhrpark das Gelände erreichen. Im Ord-

noch gerne die wilden Fahrneuheiten aus.

nungsamt der Stadt Herne ist ein eigener Bereich nur für die Organisation und Abwicklung

Im Frühjahr müssen alle infrastrukturellen Maß-

der Cranger Kirmes zuständig. Mit an vorderster

nahmen organisiert werden. Dazu gehören zum

Front steht Marktmeisterin Sabine Marek. Wäh-

Beispiel die Versorgung mit Strom und Wasser,

rend des gesamten Jahres ist sie mit der Pla-

nicht nur auf dem Festgelände, sondern auch auf

nung und Durchführung beschäftigt.

den Stellflächen für die Wohnwagen: „In diesem Jahr suchen wir noch einen neuen Abstellplatz

34

Kaum sind die letzten Wohnwagen der vergan-

für die Packwagen. Durch einen Neubau steht das

genen Kirmes verschwunden, beginnt die neue

alte Gelände dafür nicht mehr zur Verfügung.“


35

35


36 32

NEUES VON ROSI | von bodo-Verkäuferin Rosi

Mitte Juli ist es dann endlich soweit. Dann

Wenn die Kirmes dann eröffnet ist, fällt der

verlässt Sabine Marek voller Vorfreude ihren

größte Stress ab. Doch auch dann ist sie stets

Schreibtisch im Ordnungsamt und zieht in das

Ansprechpartnerin. Es ist unübersehbar, wie

Schulgebäude in Crange, das in dieser Zeit zum

viel Freude ihr diese Arbeit macht. Beson-

Kirmesbüro umfunktioniert wird. Mit Hilfe von

ders spürbar wird das bei einem Besuch ihrer

Maßband und Kreide wird die Fläche jedes Ge-

Backstageführungen. Während der Spielzeit

schäftes auf dem Asphalt markiert. Aufgrund

ermöglicht sie interessierten Kirmesbesu-

der dichten Bebauung stellt sich erst jetzt her-

chern einen Blick hinter die Kulissen. Eine

aus, ob alles zusammen passen wird wie vorher

Aufgabe, die ihr sehr am Herzen liegt, um

am Computer festgelegt. Da geht es um jeden

dem teilweise immer noch schlechten Image

heute ist ein wunderschöner Tag, die Luft ist

Zentimeter. Dann werden die Stromverteiler-

der Branche entgegenzuwirken: „Ich kann

warm und wir sitzen draußen und trinken Kaf-

kästen aufgebaut und die Wasseranschlüsse

hier sehr schön vermitteln, wie ein Kirmes-

fee. Ich versuche, ein paar Zeilen zusammen zu

montiert, bevor schließlich die ersten Schau-

betrieb funktioniert, wie Schausteller leben

bekommen. Der Anfang ist immer etwas schwie-

stellerfahrzeuge anrollen.

und dass diese ganz normale mittelständi-

rig, aber wenn ich ein paar Zeilen geschrieben

sche Unternehmer sind.“

habe, geht es wie von selbst.

Ab dieser Zeit ist Sabine Marek täglich zwölf

Hallo liebe Leserinnen und Leser!

Heute haben wir Blumen in Kästen gepflanzt

Stunden auf dem Platz. Sie legt fest, wo jeder

Kaum ist die letzte Rakete des Abschlussfeu-

einzelne Wohnwagen, Packwagen sowie die

erwerks verglüht, beginnt noch mitten in der

Zugfahrzeuge abgestellt werden dürfen. Eine

Nacht die Demontage der Fahrgeschäfte. Da

Mammutaufgabe, wenn man bedenkt, dass es

die Straßen auf Crange relativ eng sind, muss

sich bei 500 Beschickern um mehrere tausend

auch der Beginn der Abbauphase organisiert

Fahrzeuge handelt. Viele Schausteller set-

werden. In Absprache mit den Schaustellern,

Am zweiten Juni war Männertag. Mit frischen Bröt-

zen direkt von der Rheinkirmes in Düsseldorf

wer welche Packwagen direkt benötigt, legt

chen und heißem Kaffee werden die Männer ge-

nach Crange um. Kaum ist diese vorbei, rollen

sie am letzten Spieltag fest, in welcher Rei-

weckt. Das ist doch etwas, oder? Anschließend wird

die schweren Lkws im Minutentakt an. Stän-

henfolge die Schausteller mit ihren Fahrzeu-

dann mit der Familie oder mit Kumpels gefeiert.

dig klingelt ihr Handy, das Funkgerät hat sie

gen auf den Platz auffahren dürfen. Dieses

pausenlos in der Hand. Jeder möchte seinen

Spektakel gleicht regelrecht einer Parade!

Wohnwagen am liebsten direkt am Geschäft

Resümierend geht sie zusammen mit ihren

platzieren. Damit kein Chaos entsteht, muss

Kollegen ein letztes Mal über den Platz. Und

Marek manchmal hart durchgreifen. „Ich ver-

dann ist endlich Urlaub. Und wenn sie wieder

suche zuerst, großen Betrieben mit vielen

kommt, ist der Schreibtisch voller bunter Be-

Angestellten sowie Familienbetrieben mit

werbungsfotos und das Puzzlespiel beginnt

Kindern zu ermöglichen, dass die Wohnwagen

von neuem. (mp)

und als kleine Rabatte außen am Geländer aufgehangen. Wenn wir uns draußen hinsetzen, ergibt sich ein wunderbares Bild. Man erfreut sich über die bunte Blumenpracht.

Ich lese immer gern im Bett. Aber glauben Sie, dass ich lange lese? Da sorgt schon jemand dafür, dass es nicht lange wird. Dann kommt mein Kater angeschlichen, legt sich neben mich und schnurrt mir einen vor. Dann wird er gestreichelt und ich schlafe dabei ein. Und schon komme ich nicht mehr zum Lesen. Aber das wissen ja alle Tierhalter.

möglichst nah am Geschäft positioniert wer-

Was sagen Sie zu dem EHEC-Erreger? Alles soll-

den können.“ Auch Kühlwagen müssen direkt

te man meiden. Ich esse schon kein Gemüse

berücksichtigt werden. „Schon die Gestaltung

INFO

und Obst mehr. Man hat ja vor der Ansteckung

der Kirmes ist ein Puzzlespiel, doch die Unter-

Cranger Kirmes 2011

Angst. Also kauft man sich nur noch Obst und

bringung aller Fahrzeuge noch viel mehr.“

vom 4. bis zum 14. August

Gemüse in Gläsern. Wollen wir hoffen, dass man bald ein Gegenmittel findet. Ich sage tschüss, bis zum nächsten Mal, Ihre Rosi.

ANZEIGE

36


19 37

LITERATUR | gelesen von Bastian Pütter

Ruhrbarone Printding 3 Männerwelten

Ruhrbarone 3 Männerwelten Klartext Verlag 122 Seiten, 8,95 Euro bodo verlost 2 Exemplare (s.S. 21)

Auf dieser Seite stellen wir sonst ak-

zufällig wirkenden Textauswahl litt.

auf den Straßenstrich in Dortmund.

eine Übung in Demut für jeden Kul-

tuelle Bücher vor, die uns gefallen.

Es war eben selbstgemacht, und am

Und die Schweine reden über sie,

turjournalisten. Und für alle anderen

Und hier beginnt die Verwirrung. Das

besten lernt man bei der Arbeit.

wie sie über ein Stück seelenloses

ein großes Glück. Verdammt noch mal,

„Printding“ der Ruhrbarone kostet

Fleisch reden würden, das man mie-

können die schreiben! Und noch ein

zwar so viel wie ein Taschenbuch, ist

Ergebnis ist das soeben erschiene-

ten kann. … Gaby lohne sich, sagen

„verdammt“: Auch wenn in diesen öst-

aber ein Hochglanzmagazin. Und es

ne Printding 3, bei dem fast alles

die Schweine.“

lichen Dörfern der vermeintlichen Me-

wird noch komplizierter.

stimmt. Eine thematische Klammer

tropole so viel zum Fürchten und zum

hält das Ganze zusammen, das Lay-

Und, Entschuldigung: Das, was da

Schämen ist – solange hier Leute wie

Fangen wir vorne an: Ende 2007 ent-

out ist großartig, die Texte und Fo-

Carsten Marc Pfeffer über das Bo-

Arne Nobel, Voges und Wallfisch sind

scheiden Journalisten aus dem Ruhr-

toreportagen von durchgehend hoher

chumer Rottstr5Theater und Perik

und andere, die so über sie schreiben

gebiet, dass etwas fehlt. Zwischen

Qualität, und auch wo sich im zweiten

Hillenbach über die neuen Helden

können, dann ist dieses Ruhrgebiet

Lokaljournalismus

Landesthe-

Teil die Männergeschichten zu großen

des Schauspiel Dortmund machen, ist

ein verdammt guter Ort. (bp)

men fehlt die Ruhrgebietssicht auf

Kultur- und Auslandsreportagen wei-

die Dinge, es fehlen die verblichenen

ten, wirkt nichts willkürlich.

und

ANZEIGE

Szenemagazine wie Marabo oder auch die taz nrw. Und es fehlt ein Ort für

Seemanns-, Prostituierten- und Be-

die freien, subjektiven Texte, für den

ziehungsgeschichten, Reportagen aus

Schreibstil des New Journalism. Die

Afghanistan,

Lösung ist der Weg ins Internet.

Irland und den USA, Politisches über

Frankreich,

Ägypten,

das Frauenduo an der Landespitze Inzwischen sind die Ruhrbarone wohl

oder die Polizeigewerkschaft, Fotore-

Deutschlands bekanntestes Regional-

portagen.

blog, hier ist Platz für Investigatives, für Polemiken, für Texte, die sich den

Nur einige Höhepunkte: Martin Kayshs

Textsorten-Schubladen entziehen und

Erinnerungen an die Heimerziehung

keinen Platz finden in den Zeitungen,

der 1970er Jahre ist große Litera-

bei denen die Autoren ihre Brotjobs

tur! Printding-Chefredakteur Bastian

haben. „Wir können nicht aufhören zu

Schlange und Patrick Joswig, zusam-

schreiben“, hat Mitbegründer Stefan

men die „Wattenscheider Schule“, lie-

Laurin einmal gesagt.

fern eine ihrer fassungslos machenden Gonzo-Reportagen: Ihr Text über ei-

Im letzten Jahr dann der zweite cross-

nen Besuch in einer „Herzenskrieger-

mediale Sprung: Die ins Netz ausge-

Gruppe“, in der Männer lernen sollen,

wanderten Printjournalisten gehen

wieder Männer zu sein, ist Literatur

in Druck. Die irrwitzige Idee, ausge-

mit dem Hunter S. Thompson-Effekt:

rechnet im Ruhrgebiet ein Edelmaga-

Oh mein Gott, das ist alles wahr! (Be-

zin mit langen, im weitesten Sinne

bildert übrigens von unserem Illustra-

journalistischen Texte, auf einen gar

tor Volker Dornemann.)

nicht vorhandenen Markt zu werfen, war ambitioniert, aber erstaunlich er-

Ruhrbarone-Gründer David Schraven

folgreich. Und dass, obwohl das erste

kämpft sich voller Wut durch die In-

Printding unter Kinderkrankheiten wie

ternetseite „hinter-hornbach“, in der

einem fehlenden Lektorat, Schwierig-

Freier Erfahrungen auf dem Dortmun-

keiten im Vertrieb und einer zum Teil

der Strich austauschen: „Gaby geht 37


38 BODO GEHT AUS | von Meike Wieland | Fotos: Claudia Siekarski

Wer dem Namen nach im Café zur alten Post Beamte, Schalter und Pakete erwartet, hat sich geirrt. In dem Lokal am alten Marktplatz, das früher einmal die Post des Viertels war, trifft man sich heute, um selbstgebackenen Kuchen zu schlemmen, zu tratschen oder das Kulturprogramm zu genießen. Es ist ein Ort des Austauschs, nicht nur für Ortsansässige.

Café zur alten Post | Unna Vergangenheit hat Zukunft bevoll mit antiken Raritäten eingerichtet. Alte

Es ist beeindruckend, wie Frau Tingelhoff ihre

Nähmaschinentische werden auch zum Verkauf

Idee in Eigenregie in die Tat umsetzt. Die Gleich-

angeboten. In einer Vitrine sind Spieluhren und

stellungsbeauftragte der Stadt Unna hat sie dafür

Hummelfiguren ausgestellt. Gleichzeitig gibt es

in der Aktion „Stark für Unna – Frauenportraits”

moderne Dekoaccessoires, frische Blumen und

ausgezeichnet. Sie hat es geschafft, die alte Post

Zeichnungen einer lokalen Künstlerin.

in einen Ort der geselligen Gemütlichkeit zu verwandeln. Oder mit den Worten von Frau Tingel-

Das kulturelle Angebot ist sehr vielseitig. Regel-

hoff: „Das Kaffeehaus versteht sich heute genau-

mäßig gibt es Lesungen, Konzerte, Ausstellungen,

so wie früher als Medium, um Gemeinschaft und

Taschenmärkte und im Sommer auch Flohmärkte im

Kommunikation zu fördern.“ (mw)

Außenbereich. Ab und an wird die Aktion „Bei Verzehr ein Buch geschenkt” angeboten. Für Freunde

bodo verlost einen Kuchen-Gutschein für zwei

der „leichten Literatur” sind ausgewählte Bücher

Personen (siehe S.21).

von der Leipziger Buchmesse zum Verkauf ausgestellt. Das Café zur alten Post ist also ein Rundum-

Café zur alten Post

programm, und es steht auch nicht nur Kuchen auf

Markt Königsborn 1 | 59425 Unna

Wer das Café betritt, wird zunächst die imposante

der Karte. Die Frühstücksangebote, mit einladen-

Telefon 02303 – 96 34 95

Kuchenvitrine bemerken, dann wird man von der

den Namen wie Sonnenaufgang, Carpe Diem und

Mi. bis Sa. 9 bis 12 und 14.30 bis 18.30 Uhr

Eigentümerin Remona Tingelhoff herzlich begrüßt.

Lebensart, gibt es für jeden Geldbeuten, von 3,60

So. 14.30 bis 18.30 Uhr | Mo. und Di. Ruhetag

Sie betreibt das Café in Eigenregie und präsentiert

Euro bis 11,90 Euro. Für Morgenmuffel steht sogar

gerne ihre selbstgebackenen Kuchenkreationen.

eine gleichnamige Kreation auf der Karte. Große

Frau Tingelhoff, studierte Sozialpädagogin, ist

Eisbecher kosten um die fünf Euro. Zudem werden

sehr kommunikativ und stets interessiert an ihrem

diverse Suppen für 3,90 Euro angeboten.

Publikum. Die Eröffnung des Cafés war Teil ihrer Diplomarbeit zum Thema „Soziales Leben in Kaf-

Frau Tengelhoff öffnet ihr Café für angemelde-

feehäusern”. Ihre selbsternannte Aufgabe war es

te Gruppen auch an Ruhetagen. Das Café liegt

in Königsborn, einem Unnaer Viertel mit höherem

direkt an den Radtouren U5 sowie R35 und ist

Altersanteil einen Treffpunkt für Austausch und

vom Kamener Kreuz über die Kamener Straße zu

Geselligkeit zu schaffen.

erreichen. ,,Oft finden Radler oder Autobahnreisende, die auf der Suche nach einer Alter-

38

Ich stelle in der Tat fest, dass das Publikum um

native zu den großen Fastfoodketten sind, den

mich herum älterer Generation ist und auch Ilse

Weg in mein Café“, erzählt Frau Tengelhoff.

und Uschi anwesend sind, die gerne „wie immer“

Über diese Begegnungen freue sie sich immer

Frankfurter Kranz bestellen. Das fügt sich sehr

sehr, denn sie ist stets interessiert an den Ge-

gut ein in die Möblierung des Lokals. Es ist lie-

schichten der Reisenden.

ANZEIGE


39

LESERSEITE

bodo dankt:

Sparkasse Bochum

Dr. Josef Balzer, Alexander Barbian-Steinfort, Michael Buddenberg, Helmut Buscha, Christian Chammings, Angelika Engelberg, Paul Engelen, Fabian Fluhme, Rolf Geers, Matthias Grigo, Grünbau GmbH, Britta Richter, Manfred Kater, Almuth Keller, Jutta Kemper, Helga Koester-Wais, Birgit Kuehn, Otfried Ladwig, Nicola Steinstrass, Wulfhild Tank, Felix Zulechner, Ingeborg Schumacher, Brigitte Sonntag, Gabriele Steinbrecher, Gabriela Schaefer, Hermann Schroeder, Christoph Roeper, Susanne Mildner, Barbara Meyer, Ute Michler, Ludwig Seitz, Bärbel Bals, Kerstin Bals, Karl Bonbardt, Das Grafikhaus/O. Schäfer, Ralf Finke, Michael Stange, Nicole Goralski, Jörg Gruda, Erika Janssen, Marlis Lange, Arne Malmsheimer, Wolfgang Neuhaus, Ursula Remer, Daniela Schmitz, Nadja Schramm, Rainer Stücker, Thomas Terbeck, Linda Wotzlaw, Heinz Schildheuer, Thomas Schröder, Snezka Barle, Ute Börner, Bernd Ewers, Regina Höbel, Sandra und Friedrich Laker, Heike Pannitz, Frank Siewert, Ilona Zarnowski, Rainer Biel, Udo Bormann, R. Dammer, Anita Diehn-Driessler, Christine Ferreau, Udo Greif, Rüdiger Haag, Elsbeth Heiart,

In diesem Monat verlosen wir etwas besonderes: Jens Christof Micheel, Inhaber von „RuhrGepäck“ in der Berswordthalle, stellt eine Dortmunder Stadtsilhouette auf Leinwand (160 x 40 cm) zur Verfügung. Der Ladenpreis beträgt 159 Euro, es können auch andere Farbkombinationen gewählt werden. Einfach eine Mail oder Postkarte an bodo schicken!

Astrid Kaspar, Annette Krtizler, Ursula Machatschek, Lieselotte Markgraf, Thorsten Matern, Jutta Meklenborg, Marlies und Eberhard Piclum, Sandra Rettemeyer,

LESERBRIEF Dortmund gegen Rechts und gegen Roma?

such, hier bei uns in Dortmund zu starten, anders aussehen

Dortmund ist mit einem breiten Bündnis gegen Rechts be-

als beschrieben?

kannt und das ist auch gut so. Es ist dankens- und begrüßens-

Es ist praktisch, für jede Straftat und für jedes verkomme-

wert, dass sich so viele Dortmunder schützend vor diejenigen

ne Haus „die Roma“ verantwortlich zu machen. Abgesehen

und M. Dietz, Klaus-M. Kinzel, Annegret Malessa, Else

stellen, die von Faschisten – in welcher Form auch immer,

davon, dass dies äußerst pauschal und diskriminierend ist,

Stockert, Christine Weber, Monika Bender, Petra Ben-

diskriminiert, angegriffen oder gar vertrieben werden.

weiß jeder, dass mit Auftauchen der Roma nicht alle anderen

der, Eberhard Garburg, Jutta Haring, Lieselotte Koch,

Um so erschreckender ist der inzwischen seit längerem öf-

hier lebenden Nationen, die Deutschen eingeschlossen, kol-

Katrin Lichtenstein, Ulrike Märkel, Gerd Pelzer, Rena-

fentliche Umgang mit den Menschen, die zur Gruppe der

lektiv ein „ordentliches“ Leben führen und keine Straftaten

te Krökel, Klaus Kwetkat, Stefan Meyer, Carsten klink,

Roma zählen. Öffentlich deshalb, weil seit Monaten in Medi-

mehr begehen. Aber „einen Schuldigen zu haben“ lenkt von

Thomas Olschowny, Daniela Gerull, Dieter Schibilski,

en, auf Versammlungen und auch durch Institutionen diese

den differenzierten Problemen ab, arm in benachteiligten

Martin Scholz, Karl-Heinz Schwieger, Barbara Bokel,

Menschen kollektiv und weitgehend unwidersprochen diskri-

Wohngebieten leben zu müssen, und ist damit bequem.

Sandra Wortmann, Annabell Preusler, Birgitt Kuhl-

miniert, angegriffen und vertrieben werden.

Diese Tradition der mit dieser Haltung einhergehenden

mann, Dieter Zawodniak, Elisabeth Heymann-Roeder,

Hier in Dortmund und in den anderen Städten leben Roma

Vertreibung hat Tradition und wird in dem RN-Artikel vom

unter elendsten Verhältnissen, in Abrisshäusern, in leer

9.3.2011 deutlich, der über den Versuch einer Deutschen be-

stehenden Häusern ohne Wasser und Strom, übernachten in

richtet, mit vor der Haustür abgelegten abgetrennten Pferde-

Autos, oder sind obdachlos auf der Straße, immer in Gefahr,

beinen „Zigeuner“ zum Weiterziehen zu veranlassen. Sicher-

vertrieben zu werden.

lich ein ungelenker Versuch, das zu betreiben, was offenbar

Auch in Bulgarien sind Roma unerwünscht und wurden im

viele denken. So, wie auch mit allen anderen Formen der Ver-

Jentgens, Annette Duee, Herbert Schwittay, Birgitta

Stadtteil Stolipinovo der Stadt Plovdiv zusammengepfercht

treibung, ist das Problem nicht zu lösen. Helmut Szymanski

Goetz, Oliver Stiller, Carsten Piel, Joern Asshoff, Vol-

und ghettoisiert – ohne Perspektive, Arbeit finden zu kön-

ker Schaika, Erika Maletz, Else Marie Bork, Peter Lass-

nen und den Lebensunterhalt sicherstellen zu können. Wen

Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

lop, Christina Kolivopoulos, Jutta und Wido Wagner,

wundert es, wenn sie versuchen, in den etablierten Ländern

bodo e.V. | Postfach 100543 | 44005 Dortmund

Marianne Linnenbank, Klara Lahmann

der EU ein besseres Auskommen zu finden. Wie kann ihr Ver-

oder eMail an: redaktion@bodoev.de

Inge Schaub, Dorothea Bomnüter, Petra Bloch, Ina und Arno Georg, Edith Link, Annemarie Meiling, Christain Scheer, Roswitha Wolf, Ulrike Bornemann, Hans-Georg Schwinn, Isabell Bikowski-Gauchel, Peter Buning, A.

Friederike Jansen, Dirk Schmiedeskamp, Sebastian Poschadel, Sabine Raddatz, Jochen Otto Ley, Petra Danielsen-Hardt, Petra Schaeckermann, Doris Buderus, Heike Koetter, Silke Harborth, Helma Wiemann, Hildegard Reinitz, Dolf Mehring, Harald Gering, Dorothee Pischke, Timo Zimmermann, Ute Soth-Dykgers, Anne

CARTOON | Idee und Zeichnung: Volker Dornemann

39


40


bodo Juli 2011