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September 09 www.dermonat.li

zusammenarbeit: Enger Grenzraum mit grossem Potenzial

finanzplatz: Geld anlegen und dabei Gutes tun

alpenschutz: Die CIPRA – ein bedeutender Imageträger


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I n h a lt | E d i t o r i a l

Ein Blick ins Schaufenster der anderen 3

Die WIGA, die Werdenberger Industrie- und Gewerbeausstellung, öffnet in wenigen Tagen ihre Tore. Alternierend mit der Liechtensteinischen Industrie-, Gewerbe- und HanDer Rhein scheint immer noch delsausstellung (LIHGA) jedes eine Hürde für die Zusammenarbeit zu sein zweite Jahr durchgeführt, bietet sie für uns Liechtensteiner die Möglichkeit, einen Blick ins Schaufenster der Nachbarn zu werfen. Werdenberg und Liechtenstein – eigentlich ist man sich recht nahe, aber der Rhein scheint nach wie vor nicht nur eine natürliche Grenze zu sein, P a n o r a m a  4 sondern ein echtes Hindernis für die regionale Zusammenar regionale zusammenarbeit beit. Es fehlt nicht an Ideen, das Enger Grenzraum mit grossem Potenzial 6 Gemeinsame mehr zu betonen, forschung mehr Kooperationen zu wagen – Elektro-Sportwagen mit 260 PS 10 aber an der Ausführung hapert K o p f d e s M o n at s es doch manchmal. Die WIGA Jasmin Meier-Federer: öffnet vielfältige Möglichkeiten, Zwei Länder zum Pendeln 12 Günther Meier wieder einmal etwas genauer F i n a n z p l at z Chefredaktor «Der Monat» hinzuschauen, was unsere Nach Geld anlegen und dabei Gutes tun 14 barn an Bekanntem und Unbe k u n s t d e n k m ä l e r kanntem alles zu bieten haben. Vielleicht gibt es Mühlsteine mahlen wieder – sogar neue Impulse für die Zusammenarbeit über die Mühle in Balzers 16 den Rhein. zeitgeschehen

29. September 1934: 1. Briefmarken-Ausstellung in Vaduz

alpenschutz

Die CIPRA – ein bedeutender Imageträger

u m w e lt

Die Alpen auf der Suche nach dem Glück

briefmarken

Künftig bleibt die Spucke weg

wirtschaft

SPF heisst Super-Plastisches-Formen

17 18 20 22

Impressum: 4. Jahrgang, Nr. 42, September 2009, 18 000 Exemplare Herausgeber: Alpenland Verlag AG, Feld­kircher Strasse 13, FL-9494 Schaan, Tel. +423 239 50 30, Fax +423 239 50 31, office@alpenlandverlag.li Redaktion: Günther Meier, Tel. +423 380 09 30, Fax +423 380 09 31, redaktion@dermonat.li Anzeigen: Tel. +423 239 50 23, Fax +423 239 50 51, annoncen@dermonat.li Gestaltung: Barbara Schmed, Gutenberg AG Satz und Druck: Gutenberg AG, FL-9494 Schaan papier: PlanoJet, 100 g/m², FSC-zertifiziert ONLINE: «Der Monat» im Internet: www.dermonat.li Titelbild: Liechtenstein und Werdenberg – eine Region, aber zwei Wirtschaftsräume. (Foto: Marco Nescher)

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I n t e r n at i o n a l e T a g u n g Überlebensstrategien für den Kapitalismus

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r ä t s e l - s pa s s 

S c h l u s s p u n k t 

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september 2009


Pa n o r a m a

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Foto: Marco Nescher

Die Regierung bemühte sich in den letzten Jahren, Liechtenstein nicht als Banken- und Dienstleistungsstaat darzustellen, sondern als Land mit hoher Industriedichte. Angefangen hat diese Umstellung mit der Publikation der Volkswirtschaft­ lichen Gesamtrechnung, die für den Produktionssektor den höheren Anteil an das Bruttoinlandprodukt (BIP) errechnete als für den Finanzdienstleistungssektor. In einem Working Paper über «Struktur und Dynamik der Kleinstvolkswirtschaft Liechtenstein» untersuchte die Konjunkturforschungsstelle Liechtenstein den Struktur­ wandel der Wirtschaft anhand der Beschäftigungsentwicklung. Die KOFL kommt zum Schluss, dass die beiden Wirtschaftssektoren in den vergangenen 25 Jahren die Plätze getauscht haben. Waren 1982 noch 55,1 Prozent in der Produktion beschäftigt,­ so sank deren Anteil an der Gesamtbeschäftigung bis 2006 auf 43,7 Prozent ab. Umgekehrt im Dienstleistungssektor, wo 1982 ein Anteil von 42,4 Prozent registriert wurde, der sich bis Ende 2006 auf 55,1 Prozent erhöhte. Die aufstrebende und die abnehmende Kurve kreuzten sich bereits im Jahr 1999 bei 49 Prozent.

Schafe, Ziegen und Schweine Liechtenstein ist nur noch am Rande ein Agrarland. Doch die Vielfalt der Landwirtschaft zeigt sich nicht zuletzt in der Nutztierhaltung. Die neueste Landwirtschaftsstatistik, die den Tierbestand im Jahr 2007 umfasst, gibt einen diesbezüglichen Überblick. ■  Rindvieh

6029 Stück

■  Pferde

277

■  Esel und Maultiere

164

■  Schafe

3683

■  Ziegen

319

■  Schweine

1735

■  Nutzhühner

12 060

■  Bienenvölker

1079

Foto: WIGAB AG

Strukturwandel der Wirtschaft Liechtensteins

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Wirtschaftsfenster des Werdenbergs Über 200 Aussteller werden vom 5. bis zum 13. September ihre Produkte und Dienstleistungen an der Werdenberger Industrie- und Gewerbeausstellung (WIGA) dem Publikum präsentieren. Die Besucher können damit einen Blick in das breit gefächerte Wirtschaftsfenster der Region Werdenberg werfen. Das Herz der Ausstellung soll die Sonderschau «Energie» mit 21 Ausstellern bilden. Im Mittelpunkt der Informationen stehen die Themen Energiegewinnung und Bewirtschaftung des häuslichen Umfeldes mit Einsparungs- und Sanierungsmöglichkeiten. Die Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs NTB, die über ein Institut für Energiesysteme verfügt, hat das Patronat der Sonderschau übernommen.

Psychologische Faktoren als Erfolgsrezept Der Mensch fällt seine Entscheidungen nicht nur aus rein rationalen Erwägungen. Die LGT hat sich das «Bauchgefühl» der Anleger zunutze ­gemacht. Mit Erfolg, wie die zehnjährige Aufwärtsentwicklung des Anlagefonds LGT Equity Fund Global Sector Trends beweist. Seit über einem Jahrzehnt beschäftigt sich die LGT Capital Management mit der systematischen Beurteilung von psychologisch beeinflussten Marktentwicklungen. Laut LGT hat der Fonds in den vergangenen zehn Jahren eine Outperformance von über 37 Prozent gegenüber seiner Benchmark MSCI World erzielt. Kein Wunder, dass die LGT den erfolgreichen Anlagefonds als das «Flaggschiff» ihrer gesamten Fondsfamilie bezeichnet. september 2009


Nicht nur aus ökologischen Erwägungen hat das Alpenrheintal in den letzten Jahren starke Beachtung gefunden, die Region zwischen Chur und Bodensee gilt auch als aufstrebendes Wirtschafts­ gebiet. Die Konjunkturforschungsstelle Liechtenstein (KOFL) startet deshalb gemeinsam mit der Forschungsstelle für Wirtschaftspolitik der HTW Chur das «Wirtschaftspolitische Seminar Alpenrhein». Das Seminar verfolgt das Ziel, die Diskussion unter den Ökonomen über aktuelle wirtschaftspolitische Themen zu fördern und die Vernetzung in der Region zu erleichtern. Die Startveranstaltung vom 1. September ist dem Thema «Ursachen der Finanzmarktkrise und Einschätzung der Reformbestrebungen» gewidmet.

Hotel des Jahres steht in Bad Ragaz Alljährlich erhält ein Hotel in der Schweiz den Titel «Hotel des Jahres». Diesmal fiel die Wahl auf den «Quellenhof» und «Hof» in Bad Ragaz, neu unter der Bezeichnung Grand Resort Bad Ragaz. Mit vielen Millionen wurde der Hotelkomplex erweitert und mit eindrücklichen Neubauten ergänzt. Das neue «Hotel des Jahres» besticht durch seine Innovationskraft. Der Präsident von «hotelleriesuisse», Guglielmo Brentel, bezeichnete das Grand Resort Bad Ragaz bei der Neueröffnung als «wahren Leuchtturm für die Schweizer Hotellerie».

Tag des Denkmals im Lawenakraftwerk

Foto: Marco Nescher

Die Landesdenkmalpflege bietet zusammen mit den Liechtensteinischen Kraftwerken (LKW) am Denkmaltag 2009 einen interessanten Einblick in das Lawenakraftwerk in Triesen. Am 5. September, von 10 bis 17 Uhr, kann das Gebäude, in dem sich auch ein Museum befindet, besichtigt werden. Das Lawenakraftwerk wurde 1927 in Betrieb genommen. Für damalige Verhältnisse war das Kraftwerk gross­ zügig dimensioniert: Zwei Wasserturbinen, von denen jede eine Leistung von 350 kW erbringen konnte, wurden eingebaut. Das Wasser bezieht das Kraftwerk aus dem Lawenatal, einem Einzugsgebiet von knapp 5 km2.

Foto: Marco Nescher

Das Alpenrheintal als Wirtschaftsregion

Der Fussballverband feiert 75-jähriges Bestehen Das Jubiläumsalter von 75 Jahren erreicht dieses Jahr der Liechtensteinische Fussballverband (LFV). Über das ganze Jahr verstreut finden Jubiläumsanlässe statt, in deren Mittelpunkt die Geburtstagsgala vom 11. September stehen soll. Erwartet werden FIFA-Präsident ­Joseph Blatter und Uefa-Präsident Michel Platini. Es ist zu hoffen, dass der LFV von den Funktionärsgästen nicht ähnlich enttäuscht wird wie von den sportlichen Gästen. Der Fussballverband wollte den Freunden des Fussballs ein besonderes Geschenk machen und verpflichtete die Nationalmannschaft Portugals am 12. August zu einem Freundschaftsspiel. Doch Superstar Cristiano Ronaldo, auf den alle gehofft hatten, kam nicht. Der Star, dessen Beine angeblich mit 100 Millionen Euro versichert sein sollen, fehlte nach offizieller Version wegen Grippe. Der Liechtensteinische Fussballverband wurde 1934 durch die Fussballvereine von ­Schaan, Balzers, Triesen und Vaduz gegründet. Später wurden auch der USV Eschen/Mauren, der FC Ruggell und der FC Triesenberg als Mitglieder aufgenommen. Das Jahr 1974 wird als Meilenstein der Verbandsgeschichte bezeichnet, weil damals die Aufnahme in den Weltfussballverband FIFA und in den Europäischen Fussballverband UEFA erfolgte. Das erste offizielle Länderspiel fand aber erst einige Zeit später statt. Am 9. März 1982 trat Liechtensteins Nationalteam gegen die Schweiz an – und schlug sich mit der 0:1-Niederlage tapfer. Über den Fussballverband ist der Fussball Liechtensteins in das schweizerische Fussball­ geschehen integriert. Seit 1933 können liechtensteinische Fussballvereine an den Schweizer Meisterschaften teilnehmen.


regionale zusammenarbeit

6

Enger Grenzraum Abenteuerspielplatz mit grossem rund um denPotenzial Walensee

7 Von Günther Meier

Mit der Werdenberger Industrie- und Gewerbeausstellung (WIGA), präsentiert die liechtensteinische Nachbarschaft ihre wirtschaftliche Vielfalt. Ein Blick auf die Wirtschaftsregion Liechtenstein-Werdenberg zeigt, dass die Region noch Potenzial für die Zukunft hat.

Ob WIGA Werdenberg oder LIHGA Liechtenstein – immer wenn die Ausstellung im Frühherbst stattfindet, werden erste Bilanzen über das Wirtschaftsjahr gezogen. In diesem Jahr, dem Jahr der Finanz- und Wirtschaftskrise, kommt diesen Bilanzen eine besondere Bedeutung zu. Wie hat die Region den wirtschaftlichen Rückgang bewältigt? Ist ein Aufschwung bereits sichtbar? Wie sieht die Zu­kunft aus? Vorerst herrscht noch Optimismus vor. Der St. Galler Regierungsrat Josef Keller liess keine Zweifel in der Publikation «Rheintal und Wirtschaft» offen: «Obwohl das Rheintal von der aktuellen Krise aufgrund der Exportflaute besonders stark betroffen ist, bleibe ich bei meiner Einschätzung: Der Wirtschaftsraum Rheintal verfügt innerhalb der St. Galler Wirtschaftsregionen nach wie vor über hervorragendes Potenzial. Die Branchenstruktur zeigt: Es sind Der Rhein blieb die vor allem Firmen des MaschinenVerbindung der beidseitigen und Fahrzeugbaus, der Metallindustrie und der Elektrotechnik, Talentwicklung, blieb aber die sich im St. Galler Rheintal auch die Trennungslinie niedergelassen haben. Zahlreiche innovative Produkte der zwischen den Ländern Rheintaler Hightech-Unternehmen aus den Bereichen Präzisionstechnologie oder Mikro- und Nanotechnologie werden auf dem Weltmarkt auch in Zukunft eine führende Rolle spielen.» Auch Martin Meyer, der Wirtschaftsminister Liechtensteins, gibt sich optimistisch, was den Standort Liechtenstein betrifft (siehe Kästchen auf Seite 8), weil Rahmenbedingungen und Grundlagen vorhanden sind: «Eine wichtige Voraussetzung für die rasante Entwicklung Liechtensteins war, dass ein liberales Selbstverständnis

gepflegt wurde: Tüchtigkeit, Fleiss, Qualitätsbewusstsein, wenig staatliche Eingriffe, Leistungsbereitschaft, Erfindungsgeist, Strebsamkeit bildeten das Fundament. Dann stellt sich das Unternehmertum von alleine ein, sofern der Erfolg und die Leistung nicht umgehend durch den Staat in Form von Steuern und Regulierungen bestraft wird.»

Der Rhein – Trennung und Verbindung

Liechtenstein und Werdenberg inklusive das weitere Rheintal – eigentlich eine zusammenhängende Region entlang des Rheins. Oder doch nicht ganz? Wer den Talraum von oben betrachtet, sieht eine Flusslandschaft, deren frühere Siedlungen sich aus Respekt vor dem unberechenbaren Rhein an die Berghänge schmiegen. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg breiteten sich die Wirtschaftsbauten aus, siedelten näher an den gebändigten Strom, suchten die Nähe zur parallel verlaufenden Autobahn. Der Rhein blieb die Verbindung der beidseitigen Talentwicklung, blieb aber auch die Trennungslinie zwischen den Ländern. Die unterschiedliche Integra­ tionspolitik in Richtung Europa illustriert diese Trennung auf besondere Weise, obwohl die Vereinbarung abgeschlossen wurde, dass Liechtenstein dem EWR beitreten und gleichzeitig die Zollunion mit der Schweiz beibehalten könne. Zwar gibt es Bestrebungen, das Trennende durch Zusammenarbeit zu überwinden, doch diese Initiativen sind nicht durchwegs von Erfolg gekrönt. So wurde 2003 der Verein Liechtenstein – Werdenberg gegründet. Ziele des Vereins sind laut Statuten «das Zusammenwachsen der Region in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht sowie die Nutzung von Syner-


Foto: Marco Nescher

und den kleineren Partner in Der Rhein verbindet und trennt die Wirtschaftsregion das schweizerische WirtschaftsLiechtenstein – Werdenberg. gebiet integrierte. Dass es damals, im Vorfeld des Vertragsabschlusses, zu heftigem Widerstand in der Werdenberger Bevölkerung gegen eine offene Grenze zu Liechtenstein kam, war nach den kursierenden Schmugglergeschichten einigermassen verständlich. Schwerer verständlich sind die jüngsten Diskussionen um die «Zollhäuschen am Rhein» im Zusammenhang mit dem Schengen-Beitritt der Schweiz. Dass die Bürokraten in Brüssel über die tatsächlichen Verhältnisse über den gemeinsamen Wirtschaftsraum und die seit 1923 offene Grenze wenig Ahnung haben, verwundert nicht. Aber dass die EU an der schweizerisch-liechtensteinischen Grenze eine neue Grenze forderte, wo das Schengen-Abkommen doch die Grenzen in Europa beseitigen soll, kann nicht nachvollzogen werden. Es scheint auch kein Glanzstück der schweizerischen Aussenpolitik zu sein, dass die Eine Region, aber zwei Schweiz gegenüber der EU die seit Jahrzehnten be Wirtschaftsräume stehende Integration Liechtensteins in den schwei Solche hat es in der Geschichte zerischen Wirtschaftsraum nicht klarmachen immer wieder gegeben. Ein Beispiel ist der 1923 ab- konnte. Die Schengen-Kameras auf den Rheinbrügeschlossene Zollvertrag zwischen Liechtenstein cken sind zwar diskret angebracht worden und beund der Schweiz, der die Zollgrenze zwischen den hindern die freie Fahrt nicht, aber weisen stumm beiden Ländern verschwinden liess, dem Fürsten- auf das kräftemässige Ungleichgewicht zwischen tum Liechtenstein den Schweizer Franken brachte der EU und dem Zwergstaat Liechtenstein hin.

gien in den angesprochenen Gebieten und die Schaffung einer Region mit einer starken inneren und äusseren Identität». Der Freundschaftsverein scheint nach der spektakulären Gründungsversammlung, die nicht in irgendeinem «Stübli» einer Landbeiz stattfand, sondern auf der Holzbrücke Vaduz – Sevelen, eher dezent im Hintergrund zu wirken. Der letzte auf der Webseite veröffentlichte Jahresbericht stammt aus dem Jahr 2005, der anlässlich der Generalversammlung an der WIGA von Präsident Paul Schlegel vorgetragen wurde. Tour de Suisse und Schwingfest in Liechtenstein hatten das Vereinsgeschehen seit der Gründung dominiert, doch die hehren Ziele blieben unverändert: «Wir wollen gemeinsam etwas Positives erreichen und Menschen verbinden.» Nicht allein Europa dürfe der Tempomacher sein, sondern «wir selber müssen jetzt und heute den Mut haben für neuzeitliche grenzverbindende Lösungsansätze.»

september 2009


K a p i t e lt i t e l ( v a r i e r t i m m e r )

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Titel titel titel Abenteuerspielplatz Titel rundtitel umtitel den Walensee

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Zuversicht dank hoher Wirt- schaftskraft

Neuzeitliche grenzverbindende Lösungsansätze, wie sie der Verein Liechtenstein – Werdenberg propagiert, sind im Zusammenhang mit der geplanten regionalen S-Bahn zu sehen. Der Businessplan-Wettbewerb der Hochschule Liechtenstein wird über die Partnerschaft mit der Interstaatlichen Hochschule für Technik Buchs NTB auch in der Region Werdenberg-Rheintal sowie Vorarlberg angeboten. Ein Forschungsprojekt an der Hochschule Liechtenstein über Raum-, Siedlungs- und Verkehrsentwicklung umfasst nicht

nur Liechtenstein, sondern das Alpenrheintal in seiner Gesamtheit. Die Konjunkturforschungsstelle Liechtenstein lancierte ein «Wirtschaftspolitisches Seminar Alpenrhein», dessen erste Durchführung dem auch in der Region Liechtenstein – Werdenberg aktuellen Thema «Ursachen der Finanzmarktkrise und Einschätzung der Reformbestrebungen» gewidmet ist. Wie sagte doch der St. Galler Wirtschaftsminister Josef Keller? Obwohl das Rheintal von der Exportflaute von der Wirtschaftskrise besonders stark betroffen sei, verfüge die Wirtschaftsregion Rheintal über ein her| vorragendes Potenzial!

Wirtschaftsstandort Liechtenstein – wohin? ■  Wirtschaftsstandort Liechtenstein – quo vadis? Wohin führt dein Weg? Aus heutiger Sicht weiss ich nicht abschliessend, wohin der Liechtensteiner Wirtschaftsstandort gehen wird. Ich weiss aber, dass vor zweihundert Jahren Liechtenstein ein Bauernstaat war. Ein Billig-Lohn-Land, stark in der Textilherstellung, sonst bäuerlich geprägt. Hätte damals einer voraussagen können, wohin der „Wirtschaftsstandort Liechtenstein“ geht? Nein. Man kann bloss im Nachhinein eine gewisse Logik in der Entwicklung erkennen. Und doch haben Politiker die Entwicklung unseres Landes von einer anfangs bäuerlich geprägten Selbstversorgung über erste Industrialisierungsschübe hin zu einem hoch industrialisierten Land geprägt. Dies war möglich, weil Visionen, Überzeugungen und ein hohes Mass an Flexibilität gelebt wurden. Die Rahmenbedingungen, die vor 70 Jahren den Grundstein unseres Erfolges gelegt haben, waren aber nie in Stein gegossen, sondern es wurde immer wieder den veränderten Bedingungen Rechnung getragen und wenn nötig auch mutig Reformen angepackt. ■  Wenn wir uns die derzeitige Weltwirtschaftskrise und auch die Auswirkungen auf die liechtensteinische Wirtschaft genauer anschauen, wird klar, dass wir auch heute vor grossen Herausforderungen stehen. ■  Liechtenstein hat in den letzten Jahren enorm von der Globalisierung profitiert. Von 2001 bis 2007 ist die Zahl der in Liechtenstein tätigen Unternehmen von 2906 auf 3495 angestiegen. Dies entspricht einer Zunahme um 20 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Beschäftigten von 28'858 auf 32'842 gestiegen. Dies entspricht 13.8 Prozent. ■  Eine wichtige Voraussetzung für die rasante Entwicklung Liechtensteins war, dass ein liberales Selbstverständnis gepflegt wurde: Tüchtigkeit, Fleiss, Qualitätsbewusstsein, wenig staatliche Eingriffe, Leistungsbereitschaft, Erfindungsgeist, Strebsamkeit bildeten das Fundament. Dann stellt sich das Unternehmertum von alleine ein, sofern der Erfolg und die Leistung nicht umgehend durch den Staat in Form von Steuern und Regulierungen bestraft wird. Wachstum und Wohlstand sind die Früchte eines freiheitlichen Staates. Das – und hier wage ich doch eine Prognose – hatte die letzten zweihundert Jahre Gültigkeit und wird auch in Zukunft so bleiben. Regierungschef-Stellvertreter und Wirtschaftsminister Martin Meyer


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 Gegendarstellung Im Gegensatz zu den Ausführungen des Artikels von Dr. Günther Boss zum Verhältnis von Staat und Kirche hat die Leitung des Erzbistums Vaduz seit dessen Errichtung gegenüber den staatlichen Instanzen des Fürstentums Liechtenstein stets ausdrücklich eine vertragliche Regelung des Verhältnisses von Staat und Kirche gewünscht (Konkordat). Belegt ist dies u.a. im publizierten Referat des Erzbischofs von Vaduz beim Symposium des LiechtensteinInstituts zu Staat und Kirche (März 1999).

Im Gegensatz zu den Ausführungen des Artikels hatten die Vertreter des Erzbistums Vaduz keine Möglichkeit, «massgeblich» am Entwurf der Regierung Hasler zur Neuordnung des Verhältnisses Staat und Kirche «mitzuarbeiten». Die Texte wurden allein von staatlicher Seite erstellt. Seitens des Erzbistums Vaduz wurden die Einwände von Anfang an mündlich und schriftlich den Handen ­­ des Regierungschefs artikuliert. • Dr. Markus Walser, Generalvikar des Erzbistums Vaduz


Forschung

Elektro-Sportwagen mit 260 PS

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Dass Forschung nicht im Elfenbeinturm einer Universität be-

Von Max Stöck

trieben werden muss, dafür liefert die Hochschule für Technik in Buchs NTB ein Beispiel. Studenten bauten einen Sportwagen auf reinen Elektroantrieb um.

Wir wollen nicht gerne auf unsere Mobilität verzichten, die derzeit stark an den Konsum fossiler Energie gebunden ist. Ein Ersatz der fossilen durch erneuerbare Energien drängt sich eigentlich auf. Die Praxis zeigt jedoch, dass Ein Sportwagen mit Elektro- beim Kauf eines Autos dieser Vorsatz sehr schnell in Vergesantrieb, umgebaut von senheit gerät. Für eine hohe DyStudenten der Hochschule namik benzingetriebener Fahrzeuge wird sehr bereitwillig viel für Technik in Buchs Geld ausgegeben. Genau hier setzt das Konzept einer aussergewöhnlichen Abschlussarbeit an der NTB an. Vier Bachelor-Diplomanden der Interstaatlichen Hochschule für Technik Buchs NTB rüsteten in nur­­­­­­ neun Monaten in Kooperation mit der Firma Brusa Elektronik AG aus Sennwald einen Sportwagen auf reinen Elektroantrieb um. Dabei setzten sie beim Antrieb und beim Akku neue Massstäbe.

Die Überlegenheit elektrogetriebener Fahrzeuge

Der Gründer der Firma Brusa Elektronik AG, Josef Brusa, hat mit seinem Team während der letzten 20 Jahre konsequent an der ­Vision «Mobilität mit erneuerbaren Energien» gearbeitet. Nach seinem erfolgreichen Studium an der Hochschule NTB baute er Solarfahrzeuge und gewann mehrere internationale Preise. Heute kaufen

Zur Person Prof. Dr.-Ing. Max Stöck ist Dozent an der Interstaatlichen Hochschule für Technik Buchs NTB, an welcher Liechtenstein seit ihrer Gründung beteiligt ist.

viele Automobilfirmen die besten Komponenten zum Betrieb von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen bei diesem Unternehmen. Deshalb ­entstand bei der Firma Brusa der Wunsch, ihre hochwertigen Komponenten im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Hochschule NTB in ­einen Sportwagen einzubauen. Damit soll gezeigt werden, dass elektrogetriebene Fahrzeuge hinsichtlich Dynamik sehr gut mit benzingetriebenen Fahrzeugen konkurrieren können. Dabei ist der elektrisch angetriebene Sportwagen hinsichtlich Energieeffizienz den benzingetriebenen Fahrzeugen deutlich überlegen. Für nur 15 kWh je 100 km bezahlt man bei 20 Rp/kWh lediglich drei Franken. Diese Energiemenge entspricht 1,5 Litern Benzin. Wenn man damit wie bei unserem Fahrzeug innerhalb von weniger als fünf Sekunden auf 100 km/h beschleunigen kann, zeigt das deutlich die Überlegenheit elektrogetriebener Fahrzeuge. In unserer Region lässt sich mit einer 30 Quadratmeter Photovoltaik-Anlage der Strom für eine Fahrleistung von 15'000 km pro Jahr bereitstellen. Bei der Umrüstung des Sportwagens – eines Spy­ders – waren besondere technische Herausforderungen zu bewältigen: Der Akku sollte eine Lebensdauer von mindestens 200'000 km aufweisen und zwei Elektromotoren von je 95 kW sollten mit einem ­besonders leisen und leichten Ge­triebe jeweils ein Hinterrad antreiben. Der Akku ist aus 108 LiPo-Zellen zu je 40 Ah aufgebaut. Dies ergibt eine Betriebsspannung von 400 V. Die Temperatur und die Spannung jeder einzelnen Zelle werden während des ­Ladevorganges und während des Einsatzes dauernd überwacht. Ein gleichmässiger Ladezustand wird


Erneuerbare Energien und effiziente Energienutzung sind Schwerpunkte der Hoch-

Foto: Marco Nescher

schule für Technik.

ordnung kennt man normalerweise nur bei Benzin­motoren. Mit zwei baugleichen Stirnrad­ getrieben lässt sich so eine sehr kompakte Antriebs­einheit realisieren. Innerhalb von neun Monaten wurde im Rahmen der Abschlussarbeit des Bachelor-Studiums von vier Absolventen der Sportwagen Spyder auf einen Elektro­ antrieb umgebaut. Nach weiteren Optimierungen der Firma Brusa wurde er Anfang 2009 zum Stras­ senverkehr zugelassen. Damit steht ein eindrück­ liches Beispiel eines hochdynamischen Fahrzeuges zur Verfügung, welches sehr effizient mit erneu­er­ baren Energien betrieben werden kann. Diese ­Arbeit wurde von den ersten Absolventen des ­Bachelor-Studiums realisiert. Damit wird ersichtlich, dass die Qualität des Bachelor-Studiums an der NTB sichergestellt ist.

über alle Zellen hinweg sichergestellt. Die einzelnen Zellen werden bedarfsgerecht mit Luft gekühlt. Die überschüssige Wärme wird über einen Luft-Wasser-Wärmetauscher an den Kühlkreislauf des Autos abgegeben. Das Lademanagement stellt sicher, dass der Akku nie zu hoch geladen oder zu tief entladen wird. Die Summe dieser Massnahmen gewährt eine lange Lebensdauer. Dabei sind die Anforderungen an die elektrische Sicherheit sehr hoch, liefert doch der Akku 400 Volt Gleichspannung bei mehreren Hundert Ampere. Der Akku kann innerhalb von­ 10 Minuten geladen werden. Bei einem Bedarf von 16 kWh braucht es dazu allerdings einen sehr leistungsstarken Elektroanschluss. Mit einem gewöhnlichen Hausanschluss braucht es eine Ladezeit von Reichweite wird verlängert einer Stunde für eine Fahrdistanz von 30 km. Dieses Fahrzeug besitzt gegen Antriebstechnologie ohne wärtig eine Reichweite von 125 km pro Akku­la­ Schaltung dung. Im Durchschnitt liegen 90 % unserer tägli Von der Firma Brusa standen chen Fahrleistungen unter 100 km. Zur Erwei­te­ zwei hoch effiziente Elektromotoren zu je 95 kW rung der Reichweite wird gegenwärtig an einem zur Verfügung. Je ein Hinterrad wird von einem sogenannten Range-Extender gearbeitet. Ein BenElektromotor angetrieben. Bei einer gesamten zinmotor mit einer Leistung von 20 kW treibt ­Antriebsleistung von 190 kW wird ein Drehmo- ­einen Generator an. Die Einheit kann im optimament von 1050 Nm je Hinterrad bereitgestellt. Die len Betriebspunkt des Benzinmotors betrieben Motoren benötigen lediglich ein einstufiges Unter- werden. Der Verbrauch wird bei etwa 2 Litern setzungsgetriebe. Wegen der Dynamik des Elektro- ­Ben­zin je 100 km Fahrleistung liegen. Sobald der motors erübrigt sich ein Schaltgetriebe. Das Ge- Akku einen bestimmten Ladezustand unterschreiwicht des Getriebes wurde auf 17 kg reduziert und tet, wird der Range-Extender dazugeschaltet. Die die Vorgabe damit um 3 kg unterboten. In der NTB wird auch in Zukunft weitere wichtige Bei­ ­Abschlussarbeit wurde eine sehr kompakte V-An- träge im Bereich der erneuerbaren Energien und | ordnung der Elektromotoren gefunden. Eine V-An- effizienten Energienutzung leisten.  september 2009


K o p f d e s M o n at s

Individuell und einzigartig – so will sich Federer Augenoptik in Buchs präsentieren. Durch das Geschäft selbst, durch den Service und die Auswahl der Brillen aus der Hand der gefragtesten Designer. So präsentierte sich das Geschäft jeweils auch an der WerdenberDie WIGA war immer ein Erlebnis für mich ger Industrie- und Handelsausstellung. Diesmal nimmt Fede- als Ausstellerin, diesmal gehe ich als Gast rer Augenoptik nicht teil an der WIGA. «Die WIGA war immer ein Erlebnis für gerrecht verzichten muss, wer zur Liechtensteinemich», blickt Jasmin Meier-Federer zurück, die am rin auf dem Papier werden möchte. «Für mich ist Federer-Stand die bekannten Kunden begrüsste Pendeln zwischen Liechtenstein und der Schweiz und neugierige potenzielle Kunden mit Charme kein Übergang von einem Land in das andere, für und Kompetenz beriet. «Wir ha- mich ist mein Lebensraum eine einzige Region», ben beschlossen, uns anders zu gibt Jasmin Meier-Federer zu verstehen. Dass sie präsentieren, nicht mehr an die- sich in beiden Ländern genau gleich bewegen kann, ser Ausstellung», begründet Jas- hat sie während jener Zeit bewiesen, als Federer Aumin Meier-Federer, die mit ih- genoptik in Triesen ein Zweiggeschäft hatte. Ganz rem Mann Walter Meier das re- selbstverständlich hat sie damals in der Wirtschaftsnommierte Unternehmen führt, kammer Liechtenstein mitgemacht, und zwar aktiv, die Entscheidung. Wenn von der als Vorstandsmitglied in der Sektion Handel. «Eine WIGA die Rede ist, dann werden tolle Zeit», findet sie im Rückblick, denn damals Jasmin Meier-Federer die regionale Zusammenarbeit wurde die Werbekampagne «Einkaufland LiechWohnsitz in Mauren, und der Austausch über die tenstein» ins Leben gerufen, aktiv an der VerbesseGeschäft in Buchs Rhein-Grenze beschworen. Für rung der Einkaufsmöglichkeiten in Liechtenstein die einen ist Werdenberg ein gearbeitet. Dass ihr Mann Walter Meier zur gleiStück nahes Ausland, das man nicht so genau kennt, chen Zeit in einem ähnlich gelagerten Gremium für andere wiederum ist Liechtenstein ein Nachbar, der Buchser Geschäfte sass, habe zu befruchtenden aber letztlich doch auch Ausland. Nicht so für Jas- Diskussionen geführt, meint sie, die auf beiden Seimin Meier-Federer, die in beiden Ländern zu Hau- ten auf fruchtbaren Boden stiessen.Die erfolgreiche se ist. Ihren Wohnsitz hat sie in Mauren, das Ge- Geschäftsfrau, die Wurzeln in Liechtenstein und in schäft ist in Buchs. Einen Teil ihrer Kindheit ver- der Schweiz geschlagen hat, wird immer wieder brachte sie in Liechtenstein, weil ihr Vater in der ­gefragt, was das Geheimnis ihres Erfolges sei. «Man Balzers AG arbeitete. Als sie ein Schulmädchen war, muss tun, was einen selbst begeistert. Und diese zog die Familie wieder nach Buchs. Seit 1980 wohnt ­Begeisterung muss man weitertragen. Die BegeisteJasmin Meier-Federer mit ihrem Mann in Liechten- rung soll andere anstecken.» Wichtig ist für sie auch, stein. Wenn sie ihr Herz fragt, kann sie sich als dass nicht nur die Arbeit verrichtet wird: «Das Herz Schweizerin und als Liechtensteinerin bezeichnen. muss mit dabei sein.» Geht Jasmin Meier-Federer Geht es aber nach dem Pass, dann bleibt nur die zur WIGA, auch ohne Geschäftsstand? «Natürlich schweizerische Staatsbürgerschaft. Gesetzlich wür- werde ich hingehen», sagt sie und fügt hinzu, «aber de der Einbürgerung in Liechtenstein nichts im nicht mehr als Ausstellerin, sondern als Gast.» Wer Wege stehen, das Hindernis ist die liechtensteini- einmal einen Stand an einer Ausstellung gehabt sche Bestimmung, dass auf das angestammte Bür- habe, der wisse zu schätzen, was dahinter stecke. | Foto: Jasmin Meier-Federer

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Jasmin Meier-Federer Zwei Länder zum Pendeln

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F i n a n z p l at z

Geld anlegen und dabei Gutes tun

14 15 Von Pietro Leone

Als oberstes Ziel beim Geld anlegen gilt im Allgemeinen die Wertvermehrung. Wer würde jedoch nicht gerne sein Vermögen gewinnbringend investieren und nebenbei noch Gutes für die Menschheit tun? Die NEUE BANK AG verbindet in der Vermögensverwaltung ökonomischen Erfolg mit Nachhaltigkeit.

Seit geraumer Zeit tauchen Werbebotschaften von Finanzanbietern auf, die mit Schlagwörtern wie Nachhaltigkeit, Solarenergie oder Wasserkraft ihre neuen Produkte anpreisen. Berechtigt stellt man sich die Frage, ob mit nach­hal­tigen Anlageinstrumenten ein neuer Modetrend eingeläutet wurde. Mit Blick auf Mitte der Neun­ zigerjahre, als erst ein paar wenige nachhaltige ­Anlagefonds für ökologische und soziale Bedürfnisse zur Verfügung standen, hat sich mittlerweile eine regelrechte Industrie entwickelt. Wer sich auskennt und genau hinschaut, stellt rasch fest, ob es den Anbietern lediglich um Generierung neuer ­Erträge oder um den eigentlichen Grundgedanken der Nachhaltigkeit geht.

also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben.»

Das magische Viereck

Die Anfänge des nachhaltigen Investierens oder im Fachjargon auch Socially ­Responsible Investments, kurz SRI, genannt, liegen hingegen im Amerika des frühen 20. Jahrhunderts. Schon die Glaubensgemeinschaft der Quäker hat Investitionen in die Bereiche Tabak und Glücksspiele ausgeschlossen, da sich diese nicht mit ihrer Weltanschauung in Einklang bringen liessen. Solche sozialverantwortlichen Anlagen setzten sich immer mehr durch und mündeten 1994 im heute noch aktuellen, auf den drei Säulen Ökonomie, Definition Nachhaltigkeit Ökologie und Soziales aufbauenden Nachhaltig Schauen wir uns das Thema der keitskonzept. Eine SRI-Kapitalanlage muss somit Nachhaltigkeit doch etwas genauer an. Obwohl nicht nur die ökonomische Sicht in Form einer Nachhaltigkeit mancherorts bereits als «Gummi- ­f inanziellen Rendite erfüllen, sondern auch in Einbegriff» abgetan wird, unter dem man sich aller- klang mit der ökologischen, sozialen und kulturellei vorstellen kann, ist es genau diese immer wieder len Sicht erfolgen. Somit wird der klassischen in neuen Worten beschriebene ­Kapitalanlage, bestehend aus Liquidität, Rendite Formulierung, die sie in vielen und Risiko eine weitere Komponente in Form der Auch im Bankwesen Bereichen einsetzbar und ver- Nachhaltigkeit beigemischt. gilt: Nicht alles, was ständlich macht. Bereits im 16. Performancevergleich nach Nachhaltigkeit tönt, Jahrhundert wurde der Begriff­ Mit diesen Erkenntnissen versein der Forstwirtschaft verwendet, ist auch nachhaltig bevor er dann im Jahre 1713 in hen und der Tatsache, dass die NEUE BANK AG­ einer Publikation zur Waldnut- als unabhängige Vermögensverwalterin und ohne zung eingesetzt wurde. Eine sehr treffende Bezeich- eigene Produkte eine weltweite Instrumentenpanung vom «Deutschen Rat für Nachhaltigkeit» lau- lette zur Auswahl hatte, erleichterten uns die Enttet wie folgt: «Nachhaltige Entwicklung heisst, Um- scheidung, unsere professionellen Lösungsansätze weltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen einem breiteren Publikum anzubieten. Vorab wollund wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berück- ten wir jedoch noch wissenschaftlich belegen, wie sichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet sich dieser Investitionsprozess auf die Wertent-


Nachhaltige Entwicklung heisst, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen.

Foto: Neue Bank

einer entsprechenden Bewertung versehen. Beim Sozialrating soll beispielsweise festgestellt werden, wie das Unternehmen mit Mit­ arbeitern, Kunden oder Lieferanten umgeht und­ ob die Unternehmensführung nach nachhaltigen Grundsätzen umgesetzt wird. Mittels Bewertung des Umweltverhaltens betrachten wir einerseits die Materialwahl und Betriebsstoffe bei den Produkten und ­andererseits ob und wie stark die Umwelt dabei ­belastet wird. Auch sind u.a. die Management­ prozesse sowie der Betrieb und die Produktion in Bezug auf das ökologische Verhalten für die Punktvergabe entscheidend. Durch Anwendung dieses Prozesses stellen wir sicher, dass sich in den Wertschriftendepots «Primus-Ethik» unserer Kunden ­lediglich Unternehmen befinden, die diesen Grundsätzen entsprechen. Obwohl sich das Anlageuniversum durch die zu erfüllenden Kriterien stark verkleinert, stehen uns nach wie vor genügend ­Anlagemöglichkeiten zur Verfügung, die den Aufbau eines breit diversifizierten Portfolios ermög­ lichen. Diese offene Architektur lässt zudem zu, individuelle Kundenbedürfnisse speziell zu berück­ sichtigen. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass nachhaltiges Investieren nicht nur­ für gemeinnützige Institutionen, sondern für jedermann zweckmässig ist. Geld verantwortungsvoll anlegen, bedeutet, Mehrwerte für sich und die gesamte Menschheit zu schaffen. Die Zeit ist reif, wichtige Entscheide nicht mehr dem Zufall zu überlassen, sondern aktiv zu begleiten. Aber auch hier gilt: Nicht alles, was nach Nachhaltigkeit tönt, ist auch nachhaltig. Darum prüfe genau, wer sich | bindet! 

wicklung auswirken würde. In einer durch uns­ in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Studie wurde der positive Zusammenhang zwischen ökonomischem Erfolg in Form einer Überrendite gegenüber der Benchmark und Nachhaltigkeit belegt, was uns in unserem Handeln noch mehr bestätigte. Die Erkenntnisse zeigten auf, dass sich die nachhaltigen Anlagen in einem Aufwärtstrend (Bullenmarkt) überproportional und in einem Abschwung (Bärenmarkt) praktisch gleich wie der Weltaktienindex entwickelten. Unser Nachhaltigkeitsteam hat in intensiven Diskussionen einen Ansatz entwickelt, der den Analyseprozess vom weltweiten Anlageuniversum bis hin zur Investition regelt. Ausgeschlossen werden Unternehmen, die eine der nachfolgenden Kriterien erfüllen: Atomenergie, Waffen oder Rüstung, Tabak und Rauchwaren, Grüne Gentechnik (genmanipulierte Nahrungsmittel), Verletzungen der Menschen- und Arbeitsrechte.

SRI-Positivkriterien

Nach Ausschluss der «negativen» Unternehmen werden die Verbleibenden auf ökologische und soziale Kriterien hin untersucht und mit

Zur Person Pietro Leone ist Mitglied der Geschäftsleitung bei der NEUE BANK AG in Vaduz. Er ist für den Bereich Kunden zuständig, welcher die Anlageberatung und Vermögensverwaltung beinhaltet. www.neuebankag.li

september 2009


K UNSTDEN K MÄLER

Mühlsteine mahlen wieder Die Mühle in Balzers

Foto: Marco Nescher

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Der Mahlbetrieb in der alten

Brot bildete in früheren Zeiten Mühle in Balzers wurde 1965 eineines der Hauptnahrungsmittel. gestellt, nach einer Renovierung Zu einem Gutshof gehörte desaber 1994 wieder aufgenommen. halb eine Mühle, die aus dem Getreide das erforderliche Mehl lieferte. Mühlen sind in unserer Gegend fast vollständig aus den Dörfern verschwunden. Eine Ausnahme ist Balzers, wo eine stillgelegte Mühle renoviert wurde und seit 1994 wieder ihren Dienst tut. Wahrscheinlich steht die Mühle genau dort, wo sich schon im 9. Jahrhundert eine Mühle befand. Das churrätische Reichsgutsurbar von 842 erwähnt drei Mühlen auf dem heutigen Gemeindegebiet von Balzers, eine zum Hof «Meilis» gehörende Mühle und zwei Mühlen beim Hof «Palazoles». Es ist nicht auszuschliessen, dass schon die Römer am heutigen Mühleplatz eine Mühle betrieben, weil sich der Standort für die Nutzung der Wasserkraft gut eignet. Auch für die Herstellung von Strom diente einst der Mühlebach. Die Mühle Balzers war der erste Gebäudekomplex in der Gemeinde Balzers,

Das Buch zum Thema Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Cornelia Hermann: Das Oberland. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. 2007

september 2009

der im Jahr 1918 mit selbst erzeugter Elektrizität versorgt wurde. Auf dem Mühle-Areal stehen ein Wohnhaus und zwei durch einen Zwischentrakt verbundene Wirtschaftsgebäude, wovon eines die Mühle enthält. Im Buch über die Kunstdenkmäler Liechtensteins wird das Gebäude der heutigen Mühle in das Jahr 1837 datiert, ein Mühlegebäude als stützungsloser zweigeschossiger Saalbau unter Krüppelwalmdach. Weiter heisst es dort in der Beschreibung: «Die Decke über dem Mahlraum ist in einem liegenden Hängewerk-Dachstuhl aufgehängt. Der Mahlgangraum weist über dem hölzernen Mühlenboden eine Galerie auf. Das Mahlwerk bestand ursprünglich aus vier Steinmahlgängen, von denen heute noch drei erhalten sind. 1944 war ein Steinmalgang durch einen Walzenstuhl, Maschinenfabrik Bühler, Uzwil, mit zwei stählernen Walzen und Antrieb mittels Riemenscheibenwelle ersetzt worden. Der südliche Mahlgang zeigt barocke Verzierungen und die geschnitzte Jahreszahl 1858 am Trichter. Der mittlere Mahlgang ist biedermeierlich verziert. Der Siebkasten stammt aus neuerer Zeit. Der nördliche Mahlgang, mit zierlich gebautem klassiszistischem Stuhl, verfügt über einen Sechskantsichter.» Der Mühlebetrieb setzt heute ganz auf biologische Produktion. Das Angebot der Mühle umfasst hochwertige Produkte wie Vollkornmehl und Halbweissmehl aus Weizen, Vollkornmehl und Halbweissmehl aus Dinkel, Vollkornmehl aus Roggen, dazu Maismehl und Maisgriess. Ein Wort noch zu den beiden anderen Gebäuden auf dem Mühle-Areal: Die Stallscheune beherbergte in früheren Zeiten das Wohnhaus und die Mühle unter einem Dach. Bis zum Bau des Wohnhauses in den Jahren 1898/99 hatte der Müller seine Wohnung in diesem Gebäude. Das Wohnhaus, das damals nach den Plänen von Ing. Karl Schädler gebaut wurde, wird als typisches Bürgerhaus der Jahrhundertwende bezeichnet. Das dreigeschossige Haus hat ein Satteldach und weist charakteristische | Züge des spätklassizistischen Stils auf.


zeitgeschehen

29. September 1934 1. Briefmarken-Ausstellung in Vaduz

Foto: Landesarchiv

Grosses Aufsehen erregte vor 75 Jahren die 1. Liechtensteinische Briefmarken-Ausstellung, die gleichzeitig mit der Liech-­ tensteinischen Landesausstellung vom 29. September bis zum 15. Ok-­ tober 1934 durchgeführt wurde. Erstmals konnten an dieser Ausstellung die Sammlungen des Post-­ museums in grösserem Umfange der Öffentlichkeit gezeigt werden. Zur Ausstellung erschien der «Vaduzer-Block», ein BriefmarkenBogen mit einer einzigen Briefmarke mit der für die damaligen Verhältnisse hohen Wertstufe von 5 Franken. Die 7788 herausgegebenen Blocks, die am unteren Rand die Aufschrift «Liechtensteinische Landesausstellung 1934 Vaduz» tragen, waren rasch ausverkauft und wurden zu begehrten, aber auch sehr teuren Sammlerstücken. An der 1. Liechtensteinischen Briefmarken-Ausstellung beteiligten sich 34 Aussteller – wie es damals hiess «aus aller Welt». Für die Briefmarken-Ausstellung wurde mit einem Sonderstempel geworben. Unter einer zweifach gestreiften flatternden Fahne stand der Text «Besucht die Liechtensteinische Landesausstellung Vaduz 29. September bis 15. Oktober.» Der Werbestempel – in Vaduz und Schaan in Blau, in Triesenberg in Rot – gelangte ab dem 2. August 1934 zum Einsatz. Aber erst am 6. August bemerkte jemand, dass im Wort «Ausstellung» ein «s» fehlte. Dieses Missgeschick veranlasste die Post, die Stempel zurückzuziehen und in richtiger Schreibweise wieder einzusetzen, was eine Woche später der Fall war. Die Landesausstellung 1934 war die zweite Ausstellung dieser Art in unserem Land. Die 1. Landesausstellung, die eine Leistungsschau des ein­ heimischen Gewerbes und der Landwirtschaft sein sollte, hatte 1895 ihre Tore für die Bevölkerung ­geöffnet. In den zwei Ausstellungshallen war die Ausstellung in vier Sparten gegliedert: Vieh-, Pferdeund Schweinezucht, landwirtschaftliche Produkte,

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gewerbliche Produkte und VerEingang zur Landesausstellung 1934 in Vaduz, in der erstmals schiedenes. Die Berichte über die eine Briefmarken-Ausstellung Landesausstellung 1895 schrieben durchgeführt wurde. von einem grossen Erfolg. Über 10'000 Besucher wurden gezählt, was bei der damaligen Wohnbevölkerung von rund 7800 Personen eine beachtliche Zahl ist. Auch das Gemeinschaftsgefühl kam nicht zu kurz, wie berich­tet wurde: «An den Sonntagen entwickelten sich in den Festhallen eigentliche Volksfeste, zu deren Hochstimmung verschiedene Harmoniemusiken und Orchester noch wesentlich dazu beitrugen.» Briefmarken waren 1895 bei der Landesausstellung noch keine dabei, weil die ersten liechtensteinischen Briefmarken erst 1912 herausgegeben wurden. Nach der 1. Briefmarken-Ausstellung 1934 folgte zwei Jahre später bereits die nächste Präsentation einheimischer und ausländischer Briefmarken. Im Zusammenhang mit der Ausstellung 1936 erfolgte auch die Eröffnung des Postmuseums, das der Landtag bereits 1930 beschlossen hatte. Die Briefmarken bildeten zu jener Zeit einen wichtigen Einnahmeposten für den Staat. 1930 nahm der Staat 366'000 Fr. aus dem Briefmarken-Geschäft ein, im Jahre 1936 waren es bereits 501'000 Fr. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stiegen die Briefmarken-Erlöse stetig an und erreichten etwa einen | Viertel der gesamten Landeseinnahmen.»  september 2009


ALPENSCHUTZ

Foto: Marco Nescher

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Die CIPRA – ein bedeutender Imageträger

Die CIPRA setzt sich für den internationalen Schutz der Alpenwelt ein.

Liechtenstein ist ein Land, dessen gesamte Landesfläche im Alpenraum liegt. Die Alpen sind für Land und Bevölkerung von existenzieller und prägender Bedeutung, weil sie als ­Lebens-, Wirtschafts- und Kulturraum zur Verfügung stehen. Dass die CIPRA, die Internationale Alpenschutzkommission, ihren Sitz in Liechtenstein hat, darf für den Kleinstaat Liechtenstein als Glücksfall bezeichnet werden. Allerdings kann bei einem Blick auf die Landkarte nicht übersehen werden, dass das Land ungefähr in der Mitte des Alpenbogens liegt, der sich über 1100 Kilometer Länge über acht Staaten erstreckt. Rund 14 Millionen Menschen leben im Alpenraum, in diesem ökologisch sensiblen Stück Erde, das durch die inten­ sive Nutzung stark beansprucht wird – für viele ­besorgte Alpenbewohner gilt der Alpenraum bereits als gefährdet und benötigt durch vielfältige Massnahmen in ganz verschiedenen Bereichen dringend Schutz vor irreparablen Schäden. Erstmals seit 2002 hält die CIPRA ihre Jahresfachtagung wieder in Liechtenstein ab, die sich dem aktuellen Thema «Wachstum auf ­Teufel komm raus?» widmet. Die «vermeintliche Logik des Wachstums» stosse zunehmend an Grenzen, gibt sich die CIPRA überzeugt. Die Wirtschafts­

krise erhöhe die Dringlichkeit für neues Denken und Handeln. «Mehr vom Bisherigen hat keine ­Zukunft, ökonomisch nicht und ökologisch nicht», betont die CIPRA. Die Jahresfachtagung in Liechtenstein biete den erforderlichen Nährboden für neue Ideen, für Zufriedenheit, Auskommen und Lebensqualität im Alpenraum. Sollte diese Jahresfachtagung weitreichende Beschlüsse fassen, die von den Alpenstaaten auch umgesetzt werden, könnte der Name Liechtenstein positiv in den Bemühungen zum Schutz des Alpenraumes aufscheinen. Das Image Liechtensteins, in den letzten Jahren international nicht durchwegs auf der positiven Seite, würde davon zweifellos profitieren. Dass der Alpenbogen ein sensibles und kompliziertes Gebilde ist, wird auch auf der politischen Seite erkennbar. Die meist sehr unterschiedlichen Interessen der acht Alpenländer machen gemeinsame Anstrengungen zum Schutz der Alpen nicht einfach. Die CIPRA weiss aus leidvollen Erfahrungen um diese Schwierigkeiten. So wurde die Internationale Alpenschutzkommission schon 1952 gegründet, aber erst 39 Jahre später unterzeichneten die Umweltminister der Alpenländer das von der CIPRA lancierte «Übereinkommen zum Schutz der Alpen». Liechtenstein hat sich zum Alpenschutz bekannt, ist seit 1994 Vertragspartei der Alpenkonvention und unterzeichnete die da­ zugehörenden Protokolle zu Themen wie Raumplanung und nachhaltige Entwicklung. Die Jahresfachtagung 2009 könnte oder sollte ein Anstoss ­dafür sein, dass sich Liechtenstein mehr mit der ­CIPRA befasst. Der CIPRA-Sitz in Liechtenstein trage zur positiven Darstellung Liechtensteins im Ausland bei, hielt die Regierung 1983 fest, als die CIPRA ihren Sitz nach Liechtenstein verlegte. In der Zwischenzeit ist viel über das Image Liechtensteins diskutiert worden, ohne das Potenzial der CIPRA zu nutzen. Die CIPRA ist zu einer beacht­ lichen ­Organisation herangewachsen – obwohl sie vom Standortland nur bescheiden unterstützt wird. ­Siehe auch Beitrag von CIPRA-Geschäftsführer | Andreas Götz auf den Seiten 20+21. 


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UMWELT

Die Alpen auf der Suche Abenteuerspielplatz nach Glück rund dem um den Walensee

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Dieses Jahr findet die grosse internationale Tagung der CIPRA in Liechten-

Von Andreas Götz

stein statt. Das war 2002 letztmals der Fall und wird 2016 wieder so sein. Im

Die Teilnehmenden erwartet ein vielfältiges Programm mit Vorträgen, Workshops und Exkursionen. Auf dem Programm stehen ­Grössen wie etwa der berühmte Franz Josef Radermacher vom Club of Rome oder Unser heutiges Wohlstands- der Historiker Daniele Ganser und Wachstumsmodell nebst einer Vielzahl von Referentinnen und Referenten aus allen ist stark revisionsbedürftig Alpenländern. Wichtig sind aber auch Begegnung und der Austausch. Deshalb gibt es Workshops, Exkursionen und dazwischen immer wieder viel Freiraum für Diskussionen.

Wachstum oder Glück? Die Logik des Wachstums stösst zunehmend an Grenzen. Klimaproblematik und Peak Oil sind prominente Beispiele dafür. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise erhöht die Dringlichkeit für neues Denken und Handeln. Die CIPRAJahresfachtagung 2009 bietet Nährboden für neue Ideen, Zufriedenheit, Auskommen und Lebensqualität im Alpenraum. Dem Streben nach steigendem Wohlstand kommt in unserem Kulturkreis hohe Bedeutung zu. Vielleicht ist es gar Teil der mensch-

CIPRA Jahresfachtagung Die Jahrsfachtagung widmet sich dem Thema: «Wachstum auf Teufel komm raus? Die Alpen auf der Suche nach dem Glück.» Vom 17. bis 19. September 2009 im Gemeindehaus Gamprin. Das ausführliche Programm ist auf www.cipra.org zu finden. Der Autor des Beitrags, Andreas Götz, ist Geschäftsführer von CIPRA International.

lichen Natur. Jedenfalls entwickelte es sich von einem persönlichen Anliegen zunehmend zu einem politischen Postulat: Der moderne Staat muss für wachsenden Wohlstand sorgen, das wachsende ­Sozialprodukt ist die magische Kennziffer. Dies hatte gute Gründe. Es ging darum, der Mangelwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg zu entkommen und Europa zu befrieden. Wir folgten dabei einem Wohlstandsmodell, das steigende ökologische Belastungen in Kauf nimmt. Dies führt vermehrt zu sozialen, politischen und ökonomischen Problemen. Denn der Wohlstand der industrialisierten Welt ist auf billiger Natur aufgebaut und auf der Ohnmacht und Leidensfähigkeit der Menschen in der sogenannten Dritten Welt. Der moderne Staat unternimmt fast alles, um eine möglichst ungehinderte Naturbeanspruchung zu gewährleisten, in Form von billiger Energie, billigen Rohstoffen, billiger Entsorgung, billiger Mobilität, grosszügiger Raumerschliessung und billiger technologischer Grossrisiken und Subventionen bis hin zu militärischen Interventionen im Dienste des Zugangs zu billigen Ressourcen. Dazu kommen Importbeschränkungen und Importzölle, Exportsubventionen und subventionierte Exportrisiko- und Investitionsgarantien. Dadurch werden etwa Entwicklungsländer vom Zugang zu unseren Märkten abgeschottet. Kein Wunder also, dass die ökologischen Gefährdungen und die ökonomischen Unterschiede weltweit weiterhin zunehmen. Es wird eng auf unserem Planeten und es stellt sich die Frage: Können all ­diese Knappheitsprobleme konstruktiv und friedlich gelöst werden, oder entladen sie sich zunehmend in Konflikten? Ausgerechnet jetzt, wo Demokratie und Marktwirtschaft besonders gefragt

Fotos: Marco Nescher

Zentrum steht die Frage nach den Grenzen des Wachstums.


Die CIPRA widmet ihre Veranstaltung ist gratis. Vertieft Jahresfachtagung 2009 dem wird das Tagungsthema am FreiThema: Die Alpen auf der Suche tag. Der bekannte Basler Historinach dem Glück. ker Daniele Ganser stellt die Frage nach unserer Fähigkeit, mit Knappheiten bei existenziellen Ressourcen friedlich und konstruktiv umzugehen. Er stellt diese Problematik am Beispiel des Erdöls dar: «Peak Oil. Wachstum in Zeiten ­begrenzter Ressourcen». Danach vertieft sich die Tagung immer mehr in Themen der Alpen: Weshalb sind die Randregionen in den Alpen in Zeiten des Wachstums geschrumpft und was waren die Folgen? Wie sieht eine Raumplanung der Zukunft­ aus, ist Schrumpfung ein Planungsauftrag? Wie ­sehen Erfolgszenarien im Tourismus aus, wenn der Alpentourismus schrumpft? Freier Eintritt zum Auftakt Wichtige Themen werden auch Das erste Referat im Gemeinde- in den Workshops am Freitagnachmittag behanhaus in Gamprin am Donnerstagabend, 17. Sep- delt. Und am Samstag gibt es dann unter anderem tember, um 18 Uhr, ist dieser grundlegenden Frage eine Diskussionsrunde mit Vertretern aus Politik gewidmet: «Globalisierung, Wachstum, Entwick- und Wirtschaft, also aus der Ecke, die sozusagen lung: Welche Zukunft haben wir?». Referent ist das von Amtes wegen dazu verpflichtet ist, Wachstum berühmte Mitglied des Club of Rome, Franz Josef zu fördern und zu garantieren. Den Abschluss | Radermacher. Die Teilnahme an diesem Teil der ­machen dann Exkursionen in Liechtenstein.

­ ären, geraten sie in die Defensive. Das demokraw tisch-marktwirtschaftliche Modell wird durch das autoritär-marktwirtschaftliche Modell herausgefordert, wie es etwa China vorexerziert. Gleichzeitig verlieren gemäss neueren Umfragen die Demokratie und ihre Institutionen dramatisch an Glaubwürdigkeit und Zustimmung in der Bevölkerung. Gleiches gilt für die Marktwirtschaft angesichts­ der Missstände auf den Finanzmärkten und der ­dadurch ausgelösten Wirtschaftskrise. Keine Frage: Unser heutiges Wohlstands- und Wachstumsmodell ist stark revisionsbedürftig. Die Dynamik dieses Modells, aber auch die Vorstellungen und Ansätze zu seiner Revision haben auf die Alpen grosse Auswirkungen und müssen deshalb sorgfältig analysiert werden.

september 2009


BRIEFMAR K EN

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Künftig bleibt die Spucke weg

23 Von Günther Meier

Ein historisches Ereignis für Liechtensteins Philatelie und gleich auch noch eine Weltneuheit. Das sind die ersten Selbstklebebriefmarken, die in Liechtenstein gedruckt wurden und am 7. September zur Ausgabe gelangen.

In der Fachwelt fand die erste Briefmarke, die vollständig in Liechtenstein selbst hergestellt wurde, von der Idee bis zum Druck, ­grosse Beachtung. «Präsentation einer Weltneuheit in Liechtenstein» lautete im MaDie Selbstklebe-Brief- gazin «Die Briefmarke» der Titel. Über eine «bahnbrechende Neumarken sind kein Abziehbild, heit» berichtete das Fachblatt sondern ein vollwertiges «Philatelie» und über den «Einstieg ­in die Königsdisziplin» inforPostwertzeichen, auch mierte die Deutsche Briefmarkenfür Sammler Revue ihre fachkundige Leserschaft. Norbert Hasler, Bereichsleiter Philatelie der Liechtenstein Post AG, zeigt sich zufrieden mit der Resonanz, die von der Fachwelt über die ersten Selbstklebe-Briefmarken aus aller Welt zurückkam. Und Remi Nescher, Geschäftsführer der Gutenberg AG, staunt über die Reak-

tionen aus der Fachpresse und deren positive Würdigungen des ersten Briefmarken-Drucks in Liechtenstein. Wie die privaten Benutzer der Briefmarken reagieren werden, wird sich nach dem 7. September zeigen. An diesem Datum erscheint die Serie «Schmetterlinge» mit vier Wertstufen, die den Posttarifen für die Beförderungen von Briefpost im Inland und Ausland entsprechen. Die Innovation gegenüber den bisherigen Ausgaben besteht darin, dass sich die Briefmarkenbogen nicht von den üblichen Bogen unterscheiden – die Briefmarken aber dennoch selbstklebend sind. Wer seine Briefe mit den schönen Schmetterlingen frankiert, braucht keine Spucke mehr. Das Abschlecken der Briefmarke ­entfällt ebenso wie das oft umständliche Befeuchten des Klebstoffs mit einem Schwämmchen. Nos­talgiker mögen das Wegfallen des über Jahrzehnte liebgewordenen Brauchs des Abschleckens bedauern, doch können sie getröstet werden, denn dieses Brauchtum wird nur sehr langsam verschwinden. Vielleicht bleibt sogar ein kleiner Rest zurück, denn die Philatelie Liechtenstein hat beschlossen, vorerst nur die Dauerbriefmarken selbstklebend drucken zu lassen, die Sondermarken aber weiterhin mit dem herkömmlichen Gummi zu versehen.


Erstmals sind die «Botschafter des Kleinstaates Liechtenstein» als Selbstklebe-Briefmarken erhältlich.

Foto: Marco Nescher

Herstellung in Liechtenstein, erste Selbstklebe-Briefmarken mit echter Perforation und Schlitzung und vor allem der erste Briefmarken-Druck in der eigenen Firma. «Es war immer schon das Bestreben der Gutenberg AG, Briefmarken drucken zu können», erklärt Remi Nescher. Dass es gleich eine Weltneuheit geworden sei, unterstreiche das Qualitätsbewusstsein des Unternehmens und der Mitarbeiter.

Aufstieg in die «Königsklasse der Druckereien»

Mit der «bahnbrechenden Neuheit» ist es der Philatelie Liechtenstein und der Druckerei Gutenberg AG gelungen, eine SelbstklebeBriefmarke mit echter Perforation zu entwickeln. Die Briefmarken lassen sich einfach vom Bogen lösen, obwohl sie kein Abziehbild sind, sondern ein vollwertiges Postwertzeichen, das die Sammler im warmen Wasserbad leicht von den Briefen lösen können. Die Marken können als ganze Bogen, in Streifen und Viererblocks oder einzeln gekauft werden, womit sich diese Möglichkeiten nicht von den bisherigen Ausgaben unterscheiden. Die Fachpresse lobt Norbert Hasler, dem es gelungen sei, eine Lösung zu finden, die den Postkunden ebenso zweckdienlich sei wie den Sammlern, die ja häufig die schönen Briefmarken Liechtensteins in verschiedenen Varianten wie Streifen oder Blocks beziehe. Der Druckerei Gutenberg sei mit dem Briefmarken-Druck als Selbst-­ klebemodell der Einstieg in die «Königsklasse der Druckereien» gelungen, freut sich Remi Nescher. Für die Gutenberg AG bedeutet der 7. September 2009 ein historisches Datum in der über 80-jährigen Firmengeschichte: Erstmals eine Briefmarken-

In Zukunft selbstklebende Dauermarken

Die Erfahrungen mit dem ersten Briefmarken-Druck bewerten alle Beteiligten als sehr positiv, obwohl die Investition mit einem Ri­ siko verbunden war. Aufgrund der knappen Zeit fand die erste Testproduktion im Lieferwerk nur wenige Tage vor der definitiven Inbetriebnahme in Schaan statt. Ausführlicher noch als bei anderen heiklen Aufträgen mussten Sicherheitsverträge mit den beteiligten Mitarbeitern abgeschlossen und besondere­ Sicherheitsvorkehren in der Druckerei eingebaut werden. Das Unternehmen «Weltneuheit» hat sich gelohnt, wie Norbert Hasler von der Philatelie Liechtenstein bestätigt. Die positive Re­ sonanz der Fachwelt hat ihn ermutigt, künftig die Dauermarken in Selbstklebeform herauszugeben. Wenn am 16. November die nächsten Briefmarken über die Themen «Zeitgenössische Architektur», die «Marke Liechtenstein» und «Weihnachten 2009» auf den Markt kommen, sind wieder solche darunter, bei deren Gebrauch | auf die Spucke verzichtet werden kann.  september 2009


WIRTSCHAFT

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SPF heisst Super-Plastisches-Formen

25 Von Günther Meier

Aluminium ist ein leicht formbares Metall, das heute überall Verwendung findet. Ein innovatives Unternehmen in Liechtenstein hat ein altes Verfahren weiterentwickelt, um die kompliziertesten Teile zu formen, die von der ­Motorblock-Abdeckung bis zur Stereo-Anlage reichen.

Die Autobauer eines bekannten Herstellers deutscher Premiummarken staunten nicht schlecht. Das liechtensteinische Unternehmen Alu SPF AG, untergebracht in einer unscheinbaren Bude im ­Schaaner Industriegebiet, prä­sen­tierte nach nur vier Wochen den Prototypen eines Motoranbauteils, an dem die Autobauer selbst während mehr als eineinhalb Jahren herumgepröbelt hatten, ohne das angestrebte Werkstück zur allgemeinen Zufrie­den­heit herstellen zu können. Christoph Pirchl erschien ihnen wie Daniel Düsentrieb, der kniffligste Aufgaben lösen konnte. Der Ingenieur aus ­Schaan hatte hoch gepokert, das Spiel gewonnen – und den Einstieg als neuer Zulieferer für den ­renommierten Autobauer im Sack. Unternehmerisches Denken, das ein gewisses kalkuliertes Risiko einschliesst, scheint Christoph Pirchl in seinen Genen zu haben. Wo ­andere das Wagnis mit grosser

Wahrscheinlichkeit gescheut hätten, erblickte er eine Herausforderung, die mit besonderer Intensität reizte. Die Idee für die Gründung einer neuen Firma entstand auf der Rückfahrt von einem deutschen Unternehmen, das Christoph Pirchl zusammen mit seinem Arbeitskollegen Roman Herstelle im Auftrag seines Arbeitgebers aufgesucht hatte. Als die beiden Inge­nieure in Liechtenstein aus dem Auto kletterten, waren sie sich einig: Ein eigenes Unternehmen wird gegründet, das neue Wege beschreitet in der Um- und Verformung von Metall, insbesondere von Aluminium, das in der Leichtbauweise der Autos zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Gründung des Unternehmens ALU-SPF AG folgte 2004. Als Erstes suchten sie einen potenziellen Kunden im ­Kabinenbau auf. Dieser war von der Idee sogleich begeistert und erteilte ihnen den ersten Auftrag. In nur vier Monaten bauten die zwei eine Presse zur Herstellung des Bauteils, kons­ truierten das Werkzeug, bestellten das Material und begannen zu produzieren. Schon das fünfte Versuchsteil gelang und der Auftrag konnte pünktlich ausgeliefert werden.

Vom Motorblock bis zur Stereo-­ Anlage

Heute zählt das Unternehmen bereits ein Dutzend Mitarbeiter. Der Firmenname «ALU-­SPF» ist gleichsam Programm: Alu steht für das leicht formbare Aluminium, SPF sind die Anfangsbuchstaben der Haupttätigkeit «Super-Plastisches-Formen». Ge­formt werden inzwischen alle möglichen Teile, die vor allem in der Autoindustrie und im Seilbahnbau Verwendung finden. So stammen die Abdeckungen für die Türautomatik bei neuen Seilbahngondeln meist aus der Schaaner


Alu-Verformung auf selbst entwickelten Maschinen

Foto: Marco Nescher

mit selbst gebauten Werkzeugen.

Werkstatt, sogar die Eckbleche der Seilbahn auf den Zuckerhut in Rio de Janeiro stammen aus Liechtenstein. Auch kompliziert geformte Motorabdeck­un­ gen, die den Motorraum schön aufgeräumt aus­ sehen lassen, sind das Werk der beiden Ingenieure, ebenso Designteile für Möbel, Auf dem Konstruktions- Gehäuse für Steuerungen und computer erscheinen Trägerplatten für Elektronikteile, die möglichst leicht gebaut und die kompliziertesten Modelle dennoch sehr beständig sein in 3D-Darstellung müssen. Inmitten der Produktpalette, die ursprünglich schwergewichtig auf Fahrzeuge ausgerichtet war, stechen Designer-Modelle hervor, die etwa als Abdeckungen für hochwertige Stereo-­ Anlagen dienen. Schmunzeln bei den Besuchern ruft ein anderes Stück hervor – der Schmuckhelm für eine Paradeuniform österreichischer Feuerwehren, in perfektem Leichtbau und verziert mit verschnörkeltem Schmuck. Bei ALU-SPF ist kaum etwas unmöglich. Was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass alle Maschinen und Werkzeuge von den beiden Ingenieuren selbst entwickelt und gebaut wurden. Es gibt wenige Firmen in Europa, die mit ­einem ähnlichen Verfahren komplizierte Alu-­Tei-­ le herstellen. Entsprechend weit gestreut ist nach ­wenigen Jahren der Kundenkreis, ohne dass das Unternehmen gross Werbung machen musste. Christoph Pirchl gibt sich damit aber nicht zufrieden, sondern sucht ständig nach neuen Einsatzmöglichkeiten für das Aluminium, das im Unter-

schied zu Kunststoff nicht altert und sich zudem leicht dem Recyc­ ling zuführen lässt. Wenn heute neue Modelle erprobt werden, gehen die Ingenieure allerdings weniger forsch ans Werk als bei der ersten Auftragspräsentation. Da werden Machbarkeitsanalysen gemacht, auf dem Konstruktionscomputer erscheinen die kompliziertesten Modelle in 3D-Darstellung. Viele Versuche haben überdies die Gewissheit erbracht, mit welcher Temperatur und Geschwindigkeit sich das Metall mit den selbst gebauten Werkzeugen am besten formen lässt. Um zu veranschaulichen, wie eng Erfolg und Misserfolg bei dieser Art der Verformung zusammenliegen, erwähnt Christoph Pirchl einen Kaugummi: Wer eine Blase formen will, muss behutsam mit der Kaumasse umgehen, ansonsten platzt das Kunstwerk!

Wasserstrahlschneiden in 3D Ein zweiter Produktionsbereich, der ursprünglich nur für den Werkzeugbau und den Feinschliff der geformten Modelle geplant war, entwickelt sich zunehmend zur eigenständigen Linie: Das 3D-Wasserstrahlschneiden! Mit dem Wasserstrahl können die Formen millimetergenau geschnitten werden, die oft sehr komplizierte Strukturen aufweisen. Andere Unternehmen aus einer inzwischen weiten Region kommen zu ALU-SPF, um ihre Prototypen im 3D-Verfahren schneiden zu lassen. Auch in diesem Sektor weht der Gründergeist der beiden Ingenieure – es gibt fast nichts, was nicht gemacht werden könnte. Zudem ist man sehr flexibel, bietet den Kunden eine rasche Lieferung an, ermöglicht in der Regel sogar Korrekturen an den Prototypen an Ort und Stelle. www.alu-spf.li | september 2009


INTERNATIONALE TAGUNG

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Überlebensstrategien Abenteuerspielplatz für den Kapitalismus rund um den Walensee

27 Von Günther Meier

Der Liechtenstein-Dialog der Regierung wurde ersatzlos gestrichen, aber Liechtenstein bleibt international im Gespräch. Wirtschaftswissenschaftler diskutieren an der Gottfried von Haberler-Konferenz die Frage, ob der Kapitalismus überleben kann.

Die Welt erlebt derzeit eine turbulente Phase. Die Finanzkrise hat sich zur globalen Wirtschaftskrise ausgeweitet, einzelne Staaten werfen Milliarden in Konjunktur- und Stützungsprogramme für ihre VolkswirtDie Wahrnehmung der Gott- schaften und in Unternehmen, um die drohenden Konkurse abfried von Haberler-Konferenz zuwenden. Neigt sich der Kapitaim In- und Ausland nimmt lismus dem Ende zu, der die Gier der Finanzmärkte und deren immer stärker zu Protagonisten ungehemmt förderte? Folgen die Staaten falschen Fährten, wenn sie Milliarden an Steuergeldern für Programme und Stützungen einsetzen, deren Wirkungen angezweifelt werden? Ist die Weltund Wirtschaftsordnung aus den Fugen geraten und zeichnen sich harte Zeiten ab, in deren Mittelpunkt noch mehr staatliche Regulierungen stehen? Fragen über Fragen, auch grundsätzlicher Art, während die Antworten noch stark auf aktuelle Gegebenheiten ausgerichtet sind. Wissenschaftler und Wirtschaftsfachleute versuchten bei jeder Krise, welche die Welt ganz oder teilweise erschütterte, die Ursachen zu ergründen, Massnahmen zur Gesundung vorzuschlagen und Theorien zur Verhinde-

Gottfried von Haberler-Konferenz «Can Capitalism Survive?» lautet der Titel der 5. Gottfried von Haberler-Konferenz, die am 25. September 2009 in Vaduz stattfindet. Internationale Referenten aus Wirtschaft und Wissenschaft gehen der interessanten Frage nach, ob der Kapitalismus überleben könne. Organisiert wird die internationale Tagung vom Think Tank «European Center of Austrian Economics Foundation» (ECAEF), an deren Spitze Prinz Philipp und Prinz Michael von Liechtenstein stehen.

rung weiterer Krisen zu entwickeln. Auch bei der jetzigen Finanz- und Wirtschaftskrise haben Diskussionen und Debatten über Ursachen und Folgen sozusagen Hochkonjunktur.

Freies Unternehmertum und freie Marktwirtschaft

Die Internationale Gottfried von Haberler-Konferenz, die am 25. September 2009 zum fünften Mal in Vaduz durchgeführt wird, beschäftigt sich unter dem Titel «Can Capitalism Survive?» mit den aktuellen Fragestellungen. Kann der Kapitalismus tatsächlich überleben? Prinz Michael von Liechtenstein, einer der Gründer des European Center of Austrian Economics (ECAEF), das die internationale Konferenz durchführt, meint dazu: «Unabhängig vom Wort Kapitalismus können wir nur hoffen, dass freies Unternehmertum und freie Marktwirtschaft überleben werden. Eine freie Marktwirtschaft wird immer wieder Rückschläge erhalten, wobei dann die Kritik laut wird. Langfristig aber bewirkt eine freie Marktwirtschaft einen ständigen Fortschritt für die Gesellschaft. Die Alternative dazu wäre der Sozialismus, bei dem aus Sicherheitsdenken heraus Freiheit an den Staat abgegeben wird. Dies jedoch führt zu einer Stag­ nation. Daher glaube ich, dass immer wieder zu einem System der freien Marktwirtschaft und des freien Unternehmertums zurückgefunden wird.» Das ECAEF folgt den Spuren der «Österreichischen Schule der Nationalökonomie», die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Hintergrund gerückt wurde, seit einigen Jahren aber eine Art Renaissance erlebt. Bekanntester Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie war Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek,


Schon die fünfte Auflage erlebt die internationale Gottfried von Haberler-Konferenz am 25. September in Vaduz.

Foto: Volksblatt

dessen Wirtschaftstheorien auch Gottfried von Haberler beeinflusste – sozusagen ein «halber Liechtensteiner», dessen Familie von Fürst Johann II. im 19. Jahrhundert die liechtensteinische Staatsbürgerschaft erhielt und in den Freiherrenstand erhoben wurde. Wie andere Wissenschaftler verliess Gottfried von Haberler in den 1930er-Jahren Wien und lehrte von 1936 bis 1971 als Professor an der Harvard-Universität in den USA. Sein Hauptwerk «Prosperity and Depression», das 1937 erschien und in alle Weltsprachen übersetzt wurde, prägte während Jahrzehnten die konjunkturtheoretischen Diskussionen.

Verständnis für den handelnden Menschen

Erhalten die Überlegungen von Gottfried von Haberler und generell die Austria-Schule der Nationalökonomie neuen Aufwind durch die aktuelle Wirtschaftskrise? «Wichtig ist», unterstreicht Prinz Michael von Liechtenstein, «die Ursachen der Krise zu verstehen und sie so zu überwinden.» Er warnt aber gleichzeitig davor, sich auf einzelne Modelle zu versteifen: «Ob einzelne volkswirtschaftliche Schulen dadurch Aufwind erhalten, ist dabei neben­ sächlich. Es ist meines Ermessens auch gefährlich, volkswirtschaftliche Gesetze aufzustellen. Als einen Vorteil der Österreichischen Schule der Nationalökonomie sehe ich den pragmatischen Ansatz und das Verständnis für den handelnden Menschen im wirtschaftlichen Kontext! Sicher können Erkenntnisse der Österreichischen Schule der Nationalöko-

nomie auch zur Überwindung der aktuellen Wirtschaftskrise beitragen.» Im vergangenen Jahr befassten sich die Wirtschaftswissenschaftler mit den Auswirkungen der Energiepolitik und mit den ­Debatten um den Klimawandel, denen sie in einem kritischen Ansatz die Werte des freien Wettbewerbs nach dem Modell der Österreichischen Schule der Nationalökonomie gegenüberstellten. Haben die Diskussionen über Energiepolitik und Klimawandel sowie die früheren Konferenzen die erhoffte Resonanz erbracht? Prinz Michael von Liechtenstein gibt sich opti­ mistisch: «Die Wahrnehmung der Gottfried von Haberler-Konferenz im In- und Ausland nimmt immer stärker zu. Wir versuchen, die Ideen von ECAEF, also Eigenverantwortung, persönliche Freiheit, freie Marktwirtschaft und ein sinnvolles Minimum an staatlichem Eingriff, hinauszutragen. Und zwar mit Fokus auf Studenten im akademischen Umfeld, Politik, Medien und Unternehmer. Unsere Konferenzen sind keine rein akademischen Veranstaltungen, vielmehr versuchen wir, anwendbare Lösungen für aktuelle Probleme zu diskutie| ren und zu finden.» september 2009


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LIHGA und WIGA sind wichtige Daten in unserem Kalender, denn einmal kommen die Nachbarn herüber, das ­a ndere Jahr gehen wir zu den Nachbarn hinüber. Blicke in das ­Wirtschaftsschaufenster der Nachbarn, die dem gleichen Wirtschafts- und Währungsraum an­ge­hören, aber dennoch etwas­ Die Energiebrücke ist ein gelungenes Beispiel innovativer, anders sind, wirken inspirierend, können aufgrund der Konkur- zukunftsgerichteter Energiepolitik renzsituation neue Impulse auslösen oder auch neue Partnerschaften entstehen lassen. Der Rhein ist die Grenze und zugleich auch die Verbindung zu den Nachbarn, die dieses Jahr ihre Werdenberger Industrie- und Gewerbeausstellung dem Thema «Energie» gewidmet haben. Gleichsam als Vorläufer zur Energie-Schau konnten wir zusammen mit unseren Nachbarn im April die «Energiebrücke Schaan-Buchs» ihren Bestimmungen übergeben. Fussgänger, Radfahrer und Skater, ob Pendler oder Freizeitsportler, können seither, ungehindert vom übrigen Verkehr, den Rhein überqueren. Über die neue Brücke, die zudem ein gelungenes Beispiel moderner Architektur ist, fliesst aber auch die ­Abwärme aus der Verbrennung des regionalen Kehrichts, zu dessen Aufkommen die liechtensteinischen Haushalte einen nicht unbeträchtliMartin Meyer chen Teil beitragen. Aus der Sicht der EnergiepoliRegierungschef-Stellvertreter tik Liechtensteins ist die Energiebrücke ein wichdes Fürstentums Liechtenstein tiger Bestandteil. Liechtensteinische Unternehmen werden mit Hilfe des Dampfes mit Energie versorgt, die als Nebenprodukt der Kehrichtverbrennung praktisch gratis anfällt. Die Energie ihrerseits weist die in der heutigen Zeit besonders wichtige Besonderheit auf, dass sie keine Schadstoffe ­enthält. Die Schadstoff-Komponente ist grundsätzlich von grosser Bedeutung, enthält aber für Liechtenstein noch einen weiteren Trumpf. Weil der Prozessdampf aus der Kehrichtverbrennung einen Teil des Erdgases und des Erdöls in den Abnehmerunternehmen­ ersetzt, verringert sich der Kohlendioxid-Ausstoss nach den vorliegenden Berechnungen jährlich um etwa 20 000 Tonnen. Wenn wir die weltweiten Schadstoff-Probleme ­betrachten, so können wir damit nicht viel bewirken. Aber wir können unsere Energieversorgung und die Nutzung der Ressourcen so einrichten, dass wir beispielhaft wirken. Dass wir das in enger Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn tun, setzt dem Projekt ein | Krönchen auf, das mich besonders freut. Foto: Presseamt

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Der Monat | September 2009