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24.7. bis 16.8.2009

Programm KINO | MUSIK | THEATER | KABARETT | KUNST


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Vorwort | Überblick | Kino | Musik | Konzert | Theater | Kabarett | Kunst | Service & Info

Liebe Festivalgäste,

Editorial

zum dritten Mal präsentiert sich Würzburg als heimliche Hafenstadt mit einem ebenso innovativen wie exquisiten Kulturfestival – dem dritten Würzburger Hafensommer. Über drei Wochen werden zahlreiche Konzerte, Kino- und Theaterabende Besucher aus Stadt, Region und zunehmend auch darüber hinaus in ihren Bann ziehen und die besondere Atmosphäre des Alten Hafens spüren lassen. Die einmalige Lage der Bühne auf dem Wasser im Hafenbecken des Alten Hafens macht den besonderen Reiz dieses Kulturfestivals aus. Die Nähe zu Kulturinstitutionen wie dem Kulturspeicher mit seinem bedeutenden Museum, dem Berufsverband Bildender Künstler mit seiner Galerie und dem Künstlerhaus, dem Kunstverein mit seinem Kunstschiff „Arte Noah“, dem tanzSpeicher, dem Theater Bockshorn, dem Kino CinemaxX macht aus diesem Areal eine moderne und ambitionierte Kulturmeile. Dabei scheint die weitere Entwicklung des Areals auch heute noch nicht am Ende angelangt zu sein: Mit der Skulptur „Bella Donna“ des Künstlers und Würzburger Kulturpreisträgers Herbert Mehler auf der Spitze der Mole wurde erst kürzlich der Auftakt zum neuen Skulpturenufer gesetzt, und mit der alten Viehauktionshalle, der sog. „Frankenhalle“, kommt vielleicht schon bald eine weitere Kulturstätte hinzu, die ihre Besucher begeistern wird. Der Hafensommer profiliert sich in seinem dritten Jahr bereits weit überregional: Zahlreiche national und international tätige Künstler kommen nach Würzburg, die

hier noch nicht zu erleben waren, ja sogar oftmals nur an ausgewählten Orten zu Gast sind. Der Bayerische Rundfunk ist bereits auf dieses neue Festival aufmerksam geworden und präsentiert als neuer Medienpartner das Festival. Er zeichnet außerdem mehrere Konzerte auf, die zu einem späteren Zeitpunkt in Bayern 2 übertragen werden. Auch Würzburger Künstler und Kultureinrichtungen setzen wieder eigene Akzente und tragen so zu einem Programm mit großer Qualität und Vielseitigkeit bei. Der erste (24. Juli) und letzte Tag (16. August) garantieren durch ihren freien Eintritt allen Interessierten volle Teilhabe an diesem Kulturfestival. Dies verdanken wir zahlreichen Sponsoren, darunter eine ganze Reihe neuer Förderer – trotz Wirtschaftskrise ein bemerkenswertes Zeichen und Ausdruck der besonderen Anerkennung und Wertschätzung für ein ebenso populäres wie anspruchsvolles Programm. Allen Förderern und Sponsoren gilt unser ausdrücklicher Dank. Dem Festivalteam mit dem künstlerischen Leiter Jürgen Königer und den Organisatoren mit Johannes Engels, Ole Kruse und Matthias Strobel an der Spitze danken wir für eine ebenso professionelle wie engagierte Vorbereitung. Allen Besuchern wünschen wir faszinierende Konzerte und Aufführungen! Georg Rosenthal, Oberbürgermeister Muchtar Al Ghusain, Kulturreferent

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Vorwort

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er Würzburger Hafensommer ist eine fast vierwöchige Veranstaltungsreihe im Sommer und garantiert ein vielfältiges, abenteuerliches und unterhaltsames Menü an Programminhalten – und das alles auf dem Main, auf einer im Wasser verankerten Bühne im Alten Hafen. Das Festival ist ein Sammelbecken für unterschiedliche kulturelle Strömungen und Bewegungen sowie spannende Sounds aus der ganzen Welt. In jedem Sommer öffnet sich hier die Hafenbühne für heiße Neuentdeckungen, für arrivierte und renommierte Künstlerpersönlichkeiten sowie neue und einzigartige Projekte, die in der Luft liegen. Die auftretenden Künstler sind ein aufregendes Zeugnis für die Chancen und Herausforderungen eines interkulturellen Zusammenwachsens abseits von ängstlicher Abgrenzung oder konventioneller Heimeligkeit. Wahrnehmungen ändern sich, Verhältnisse ändern sich: Der so genannte gesellschaftliche Paradigmenwechsel wird gerade zuletzt immer mehr zur Realität. Die Welt, in der wir leben, verändert sich nicht erst durch aktuelle Krisen und Verwerfungen, sondern seit vielen Jahren durch wirtschaftliche und politische Umbrüche, insbesondere auch durch die technologische Weiterentwicklung. Vieles erscheint in Folge unsicher, ist nicht mehr so, wie es war, und wird auch nicht mehr mehr so sein, wie es war. Kurzfristiges quartalsorientiertes Denken wird glücklicherweise jüngst immer mehr ad absurdum geführt und hat in kulturellen Zusammenhängen weniger denn je

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einen berechtigten Stellenwert. Wer nicht konsequent in Nachhaltigkeit und Qualität investiert, hat auf lange Sicht kaum eine Perspektive. Eine kulturelle Veranstaltungsreihe, die der Aktualität verpflichtet ist, kann und wird diesen inhaltlichen Wandel wahrnehmen und im besten Falle reflektieren. Diese Reihe an Veranstaltungen stellt Zusammenhänge her, verweist auf Bekanntes und Abgelegenes, ist offen für Neues, lässt Luft, ordnet ein und schafft Bezüge. Der Würzburger Hafensommer ist und wird eine feste Größe der urbanen Kultur im regionalen und überregionalen Kontext: Ein kultureller Standort mit breitem Spektrum, vielen Facetten und individuellem Image – im Mittelpunkt der außergewöhnlichen, kunst-ummantelten Location des Alten Hafens. Eine Veranstaltungsreihe wie der dritte Würzburger Hafensommer wäre nicht denkbar ohne den großen Einsatz von Kollegen, Sponsoren, Förderern, Sympathisanten und Freunden. Mein ausdrücklicher Dank geht aus diesem Grund an all die genannten Partner, insbesondere aber auch an alle Künstler, die uns auf der Hafenbühne auf- und anregende Sommerabende bieten und zu guter Letzt, aber im Grunde zuallererst an alle Besucher, die mit ihrem Interesse, ihrer Offenheit, ihrer Begeisterung das Programm zum Leben bringen und damit diesen Würzburger Hafensommer so einzigartig machen. Jürgen Königer, künstlerischer Leiter Würzburger Hafensommer


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Infos & Tickets Information

• Einlass/Kasse

• Info-Telefon: 0931/36-2009

An allen Veranstaltungstagen Einlass 1 Stunde vor Veranstaltungsbeginn (außer Eröffnung: 18.00 Uhr)

6. Juli bis 23. Juli: Mo. – Do. 8.30 Uhr – 12.00 Uhr und 14.00 Uhr – 16.00 Uhr, Fr. 8.30 Uhr – 12.00 Uhr 24. Juli bis 16. August: Mo. – So. 10.00 Uhr – 1 Stunde nach Veranstaltungsbeginn

• website: www.hafensommer-wuerzburg.de

Eintrittskarten

Kasse 1: Veitshöchheimer Straße zwischen Kulturspeicher und ehem. Hauptzollamt

Kasse 2: Fußweg zwischen Heizkraftwerk und Main (vom Alten Kranen zum Alten Hafen in 5 Minuten!)

gibt es an der Abendkasse und im Vorverkauf Eintrittspreise der Veranstaltungen: siehe Übersicht (Seite 6+7) und Programmpunkte an den Veranstaltungstagen

Ausweichspielstätten

• Vorverkauf

Veitshöchheimer Straße 5a, 97080 Würzburg (www.cinemaxx.de/wuerzburg)

Vorverkauf ab 30. Juni Tourist-Information: Falkenhaus am Markt, Tel.:0931/372398 (Vorverkauf zzgl. Vorverkaufsgebühr)

• Einlasskarten Eröffnung Sparda-Bank-Classic-Night Einlasskarten erforderlich aufgrund der begrenzten Platzkapazität! Erhältlich solange Vorrat reicht ab 6. Juli: Tourist-Information Falkenhaus am Markt, Sparda-Bank Würzburg (nur für Kunden der Sparda-Bank), Theaterkasse Mainfranken Theater

CinemaxX Würzburg

Posthalle Würzburg Bahnhofsplatz 2, 97070 Würzburg (http://posthalle.de) Bei sehr ungünstiger Witterung finden die Veranstaltungen in der Posthalle Würzburg (Filme: CinemaxX Würzburg) statt. Ausnahme: Wetterverschlechterungen während eines Programmpunktes. Die Entscheidung über eine Verlegung wird spätestens am Veranstaltungstag um 14:00 Uhr getroffen. Bitte informieren Sie sich über InfoTelefon, Website oder Tagespresse.

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31|JULI|09

17|JULI|09 F R E I T A G

21.00 Uhr | Konzert:

Geoff Muldaur (USA)

60s Hipster Roots: Folk, Blues und Folk-Rock Ort: das boot (Hafensommer Kick-off) Eintritt: 10.- € | ➔ Seite 11

24|JULI|09 F R E I T A G

19.30 Uhr

HAFENSOMMER-ERÖFFNUNG: Sparda-Bank-Classic-Night Classic meets Jazz Eintritt: frei. Einlasskarten erforderlich (begrenzte Platzkapazität) | ➔ Seite 13

25|JULI|09 S A M S T A G

20.30 Uhr | Konzert:

Police in Dub (JA, D)

Synchronicity! – Riddims der Popgeschichte Eintritt: 14.-/11.- € | ➔ Seite 15

26|JULI|09 S O N N T A G

20.00 Uhr | Doppel-Konzert:

No Restrictions vs. Panzerballett Rock & Soul-Battle Eintritt: 14.-/11.- € | ➔ Seite 16

28|JULI|09 D I E N S T A G

20.00 Uhr | Theater:

Die Dreigroschenoper

von Bertolt Brecht mit Musik von Kurt Weill Eintritt: 17.-/14.- € | ➔ Seite 19

29|JULI|09 M I T T W O C H

20.00 Uhr | Theater:

Die Dreigroschenoper

von Bertolt Brecht mit Musik von Kurt Weill Eintritt: 17.-/14.- € | ➔ Seite 19

30|JULI|09 D O N N E R S T A G

21.30 Uhr | Kino:

Mamma Mia! (GB, USA 2008) Happening der Trashkultur Eintritt: 7.-/6.- € | ➔ Seite 21

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F R E I T A G

20.30 Uhr | Konzert:

Hendrix Project - Doran, Stucky, Studer, Tacuma (CH, USA) 40. Jahrestag – Hendrix in Woodstock Eintritt: 22.-/19.- € | ➔ Seite 22 open end (ab 24 Uhr): Hafensommerclub im ‚boot‘

01|AUGUST|09 S A M S T A G

20.00 Uhr | Konzert

Sophie Hunger (CH)

Geisterhafte Kraft – ungeheure Intensität im Anschluss Kino:

Der Freund (CH 2008)

Tod, Trauer, Liebe und Humor Eintritt zusammen: 22.-/19.- € | ➔ Seite 24

02|AUGUST|09 S O N N T A G

20.30 Uhr | Konzert:

jbbg (Europa, USA)

Electric poetry & lo-fi cookies on the edge of tomorrow! Eintritt: 19.-/16.- € | ➔ Seite 27

04|AUGUST|09 D I E N S T A G

21.30 Uhr | Kino:

The International (USA, D, GB 2008) Sie kontrollieren dein Geld ... Eintritt: 7.-/6.- € | ➔ Seite 29

05|AUGUST|09 M I T T W O C H

20.00 Uhr | Doppelkonzert:

Askese & Ekstase Iva Bittová (USA, CZ) Gelebte Freiheit

Sväng (FIN)

Harmonica Tribe Eintritt: 22.-/19.- € | ➔ Seite 30


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06|AUGUST|09 D O N N E R S T A G

13|AUGUST|09 D O N N E R S T A G

20.00 Uhr |Doppelkonzert:

20.00 Uhr | Konzert:

Don’t miss the Jazz-Dance

Die lautstarken Trompeten der Hoffnung im Anschlauss Kino:

Pop Kultur global – eins Tom Tornado Club Edition (Wü, USA) Tango Crash (RA, CH, D)

Tango-Revolution Eintritt: 12.-/9.- € | ➔ Seite 32 open end (ab 24 Uhr): Hafensommerclub im ‚boot‘

07|AUGUST|09 F R E I T A G

20.30 Uhr | Konzert:

zehnder kraah (CH)

Wer auf dem Kopf steht, ... Eintritt: 17.-/14.- € | ➔ Seite 35

08|AUGUST|09 S A M S T A G

20.30 Uhr | Konzert:

Värttinä (FIN)

Women of the North: from virgins to witches, maids Eintritt: 19.-/16.- € | ➔ Seite 37

09|AUGUST|09 S O N N T A G

20.30 Uhr | Konzert:

Soha (F)

Singende Nomadin mit afrikanischen Wurzeln Eintritt: 19.-/16.- € | ➔ Seite 38

11 | A U G U S T | 0 9 D I E N S T A G

21.30 Uhr | Kino:

Die Wolke (D 2006)

Gefühlvoll, spannend, traurig, mitreißend Eintritt: 7.-/6.- € | ➔ Seite 41

12|AUGUST|09 M I T T W O C H

20.00 Uhr | Doppelkonzert:

Pop Kultur global – zwei Karo (Würzburg) Elektrisierende Lichtgestalt … singt

Karandila jun. (BG)

Gucha (BG, D, YU, A 2006) Augenzwinkernde Liebesgeschichte Eintritt: 17.-/14.- € | ➔ Seite 45

14|AUGUST|09 F R E I T A G

20.30 Uhr | Kabarett:

Matthias Brodowy (D)

Pointen-Ballistik ... bis es Euch gefällt ... Eintritt: 17.-/14.- € | ➔ Seite 47

15|AUGUST|09 S A M S T A G

20.30 Uhr | Konzert:

PeterLicht (D)

Oh, Pop-Kultur, was wärst du ohne deine Mythen, deine Licht-Gestalten? Eintritt:19.-/16.- Euro € | ➔ Seite 49

16|AUGUST|09 ab 12.00 Uhr

S O N N T A G

HAFENSOMMER-FINALE: 12.00 – 14.00 Uhr

20 Jahre Kunstverein Würzburg

Festveranstaltung im Alten Hafen ab 13.00 Steckerlfisch vom Holzkohlegrill 14.00 – 16.45 Uhr Sparda-Bank präsentiert:

Sparda Talentschmiede 17.00 – 18.00 Uhr

Hugo For Sale

18.30 – 19.30 Uhr

Big Bang Orchester

(Klaus Kreuzeder / Michael Schmitt) 20.00 – 21.30 Uhr

floorJIVERS

21.45 – 22.20 Uhr

Hjatalin (IS)

WVV on Fire: Tanguda drums, dance & fire

Eintritt: 12.-/9.- € | ➔ Seite 42 open end (ab 24 Uhr): Hafensommerclub im ‚boot‘

Eintritt: frei | ➔ Seite 50

Strangely beautiful & pure pop brilliance – epic!

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Zur Verfügung gestellt vom Kulturspeicher Würzburg und dem DesignbüroDrasdoDüsseldorf

Verkehrsanbindung:

Das Hafensommer-Festivalgelände liegt am Alten Hafen - direkt am Main in der Nähe von Kulturspeicher und Congress-Centrum. Parken: In unmittelbarer Nähe des Areals befindet sich das Parkhaus „Alter Hafen“. Einige Meter weiter finden Sie das Parkhaus „Congress-Centrum“ und Parkmöglichkeiten auf der Talavera.

ÖPNV: Von der Innenstadt aus ist der Alte Hafen mit den Straßenbahnlinien 2 und 4, von der Residenz aus mit der Busline 9 und vom Hauptbahnhof aus entweder zu Fuß (circa 10 Minuten Fußweg) oder mit den Buslinien 9, 11, 13, 19, 22 und 27 erreichbar. Nutzen Sie die öffentlichen Verkehrsmittel und die Angebote der DB Regio. http://www.wvv.de/ http://www.regio-unterfranken.de

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Team Hafensommer Veranstalter - Impressum Kulturreferat der Stadt Würzburg Fachbereich Kultur Rückermainstraße 2 97070 Würzburg Tel.: 0931/37-2210 Fax: 0931/37-3399 kulturamt@stadt.wuerzburg.de

Team Hafensommer Festivalleitung Leitung: Muchtar Al Ghusain (Kulturreferent) Künstlerische Leitung: Jürgen Königer Geschäftsführung: Johannes Engels (Fachbereichsleiter Kulturverwaltung) Organisatorische Leitung: Ole Kruse (stellv. Fachbereichsleiter Kulturverwaltung) PR/Öffentlichkeitsarbeit/Marketing/Programmförderung/Kommunikation: Jürgen Königer Technische Leitung: Matthias Strobel (tamavera Veranstaltungsservice) Künstlerbetreuung: Hilde Guggenmos Kassenleitung: Angelika Zacher

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Gastronomie: Restaurant Lumen am Alten Hafen (http://www.lumen-wuerzburg.de), das boot (http://das-boot.com)

Programmheft Redaktion: Jürgen Königer Weitere Autoren: Jutta Sommerbauer, Karl Bruckmaier, Ken Hunt, Peter Kemper, Ulrich Kriest, Ulrich Steinmetzger Layout und Produktion: MorgenWelt, Würzburg (www.morgenweltmedia.de) Anzeigen: MorgenWelt, Würzburg Auflage: 20.000 Druck: Stürtz GmbH, Würzburg

Plakatmotiv Fotos: Hilde Guggenmos, Rudi Merkl Corporate Design: iconomic Werbeagentur GmbH (http://iconomic.de) Webentwicklung: rockenstein AG (www@rockenstein.de) Bühnenbau: VERANTEC GmbH (http://verantec.de) Ton- und Lichttechnik: Robin Masters (http://robin-masters.de)


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➔ siehe auch Magazin Seite 52

Geoff Muldaur (USA)

Präsentiert mit freundlicher Unterstützung: das boot, Würzburg

60s Hipster Roots: Folk, Blues und Folk-Rock

Freitag, 17. Juli, 21 Uhr, das boot (Alter Hafen) Hafensommer Kick-off mit einer Musikerpersönlichkeit der Newport- und Woodstock- Generation. Muldaur ist eine der großen geschichtsträchtigen Stimmen der Folk-, Blues- und Folk-Rock-Szenerien der akustischen Bohème und Gegenkultur der amerikanischen Ostküste (siehe auch Bob Dylan, Joan Baez u. a.). Im „Summer of Love“ stand er zudem mit den Doors auf der Bühne des berühmten Fillmore in San Francisco. In den 60er und 70er Jahren veröffentlichte er – zum Teil in Zusammenarbeit mit dem legendären Produzenten Joe Boyd (Pink Floyd, Bob Dylan etc.), mit dem er unlängst auf Lesereise war („White Bicycles“) – etliche hochgradig einflussreiche Aufnahmen, als Mitglied der Jim Kweskin Jug Band und The Paul Butterfield‘s Better Days sowie in Zusammenarbeit mit Maria Muldaur und Persönlichkeiten wie Bonnie Raitt, Bob Dylan, Jerry Garcia etc.

Muldaur verlässt in den 80ern peu à peu das Business als Interpret und Performer, ohne jedoch das Schreiben von Musik aufzugeben, insbesondere Musik für Film und Fernsehen. Seine Fassung des Klassikers „Brazil“ wird zu einem Favoriten der britischen Monty-Python-Truppe und erlangt als Titelsong des gleichnamigen Films von Terry Gilliam Kultstatus. Er wird Manager (und Produzent) des Hannibal-Labels von Joe Boyd und ein erfolgreicher Programmierer von Computer-Software. Nach fast 20 Jahren Abstinenz ist Muldaur zurück auf die Bühnen ge-

kehrt, mit seiner magischen Stimme und der einzigartigen Annäherung an amerikanische Roots-Musik – souverän, intensiv und eindringlich. Sein Comeback ruft ein überaus positives Echo hervor, denn Muldaur ist im Laufe der Jahre zu einem Künstler gereift, dessen fundierte Kenntnisse und souveräne Interpretation ihm ein hohes Maß an künstlerischer Autorität verleihen. Auftritte gab es in jüngster Zeit z. B. im Lincoln Center in New York City, dem Getty Art Center in Los Angeles, der Royal Festival Hall in London sowie auf Folk and Blues Festivals in Newport (RI), Edmonton (Kanada), Dublin (Irland), San Francisco CA, Bergen and Notodden (Norwegen), um nur einige zu nennen. Zuletzt hat er für die neue CD von B.B. King (einem Idol aus seiner Jugend) die Bläserarrangements geschrieben und produziert. „There are only three white blues singers – Geoff Muldaur is at least two of them.“ (Richard Thompson) „Someone I‘ve always admired from afar.“ (John Cale) “[Geoff‘s] the female Carolyn Hester.“ (Bob Dylan) „I was immediately taken with Geoff Muldaur‘s rich soulful voice, masterful phrasing and guitar playing when I first heard him.“ (Lucinda Williams) „Geoff Muldaur was and is one of my musical heroes. When I listen to him sing and play, I can hear the coal mine, the cotton field, and last, but certainly foremost, the boy‘s boarding school.“ (Loudon Wainwright III) www.geoffmuldaur.com Eintritt: 10,- €

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Legenden und Entdeckungen. Musik auf Bayern 2 Anspruchsvoll, entspannt, weltoffen. Konzertmitschnitte an Feiertagen, immer um 15.05 Uhr Calexico 15. August 2009, Mariä Himmelfahrt Mitschnitt vom 11. August 2009, Nürnberg, Serenadenhof

Ulrich Tukur & die Rhythmus Boys 3. Oktober 2009, Tag der Deutschen Einheit Mitschnitt vom 11. Juli 2009, Nürnberg, Kulturzelt im Park

Sophie Hunger 1. November 2009, Allerheiligen Mitschnitt vom 1. August 2009, Würzburg, Hafensommer

Würzburg 90,0 MHz

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Sparda-Bank-Classic-Night

Präsentiert mit freundlicher Unterstützung: Sparda-Bank, Nürnberg/Würzburg

Hafensommer-Eröffnung: Classic meets Jazz Eintritt frei!

Freitag, 24. Juli, 19:30 Uhr Am 24. Juli 2009 beginnt der dritte Würzburger Hafensommer mit einem großen sommerabendlichen Open-Air-Eröffnungskonzert. Die „Sparda-Bank-Classic-Night“ steht dieses Jahr unter dem Motto „Classic meets Jazz“. Im ersten Konzertteil erklingen populäre Meisterwerke der Romantik (u. a. von Grieg, Tschaikowsky und Lehár), und der zweite Konzertteil ist der Musik des Jazz und Bossanova gewidmet. Das Philharmonische Orchester Würzburg wird geleitet von seinem 1. Kapellmeister Viktor Åslund; die Gesangssolistin im ersten Konzertteil ist Silke Evers, Ensemblemitglied am Mainfranken Theater, und für den zweiten Konzertteil konnte der renommierte JazzSänger Peter Getz, Sohn der Jazz-Ikone Stan Getz, gewonnen werden. Er wird Ausschnitte aus seinem neuen Album „Bossamysoul“ vorstellen.

mit dem glutvollen Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms. Der zweite Teil des abendlichen Konzerts ist dann der Musik des Jazz und des Bossanova gewidmet. Berühmte Standards wie „Mona Lisa“, „Skylark“ oder „The Girl from Ipanema“ werden von einem nicht minder berühmten Jazzsänger, dem Schweden Peter Getz, interpretiert. Getz ist der Sohn der legendären Jazz-Ikone Stan Getz, und er wird in diesem Konzert Ausschnitte aus seinem jüngst erschienenen Album „Bossamysoul“ präsentieren. Das Philharmonische Orchester Würzburg wird für diesen Programmteil um vier Jazzmusiker erweitert; die Leitung hat wieder Viktor Åslund.

Das Programm des Klassik-Teils beginnt mit einem Musikstück des hier nahezu unbekannten schwedischen Komponisten Hugo Emil Alfvén mit dem Titel „Festspel“, geschrieben 1907 zur Eröffnung des Opernhauses in Stockholm. Danach folgen Ausschnitte aus der berühmten Schauspielmusik zu „Peer Gynt“ von Edvard Grieg, denen sich wiederum ein Reigen bekannter Melodien aus Tschaikowskys populärstem Ballett „Der Nussknacker“ sowie Ausschnitte aus Franz Lehárs Operette „Giuditta“ und einer französischen Operette „Les filles de Cádix“ von Leo Delibes anschließen. Beendet wird der erste Konzertteil

www.wuerzburger-philharmoniker.de www.myspace.com/petergetzmusic

Einlasskarten erforderlich aufgrund der begrenzten Platzkapazität! Solange Vorrat reicht erhältlich: Falkenhaus, Sparda-Bank Filiale (nur für Kunden der Sparda-Bank), Mainfranken Theater und Abendkasse – Eintritt frei!

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FRIZZ Kino mit Monkey Island quer.indd 1

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16.12.2008 14:47:02 Uhr


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Police in Dub „dubXanne (backed by okada)“ (JA, D)

Synchronicity! – Riddims der Popgeschichte

Samstag, 25. Juli, 20:30 Uhr Coole relaxte Grooves, die sich unwiderstehlich in die Gehörgänge bohren – dieser packende Sommernacht-Sound-Cocktail wird das Hafenbecken zum Bass-Meer hochschaukeln. Fans von Police (und ihren Killer-Grooves), Reggae/Dub, Jan Delay, ON-U (Adrian Sherwood), African Head Charge, Seeed, Steel Pulse, Scientist werden an diesem Abend voll auf ihre Kosten kommen! Hinter dem Projekt ‚verstecken‘ sich musikalische Biographien, die u. a. Bootsy Collins, Moloko, De La Soul (Chaka Khan) oder ganz aktuell Peter Fox und Eased („Dellé“) von Seeed produziert oder begleitet haben.

Zusammen mit den „Talking Heads“ ist „The Police“ die erfolgreichste und einflussreichste Rockformation der Post-Punk- bzw. New-Wave-Bewegung der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre (zuvor wirkten Sting, Summers und Copland mit Künstlern/Bands wie Zoot Money, Soft Machine, Animals, Kevin Coyne, Tim Rose, Gong, Curved Air, Chris Cutler von Henry Cow u. a.). Ihr Sound profitierte vor allem von der Sound-Ästhetik einer entscheidenden kulturellen Säule des britischen Kolonialerbes: Jamaika. Weitere Inspirationen kamen später auch von afrikanischer Musik und Jazz. Nach dem ersten Auftritt in Würzburg vor ziemlich genau 30 Jahren – als Vorgruppe und Begleitmusiker von Eberhard Schöner in

Präsentiert mit freundlicher Unterstützung: comacs GmbH, Würzburg

der Kürnachtalhalle Lengfeld! – sind „The Police“ back in town, als ein hochkarätiges Pop & Dub-Showcase, das komplett auf Police-Songs basiert: satte Bässe, dynamische Sound-System-Atmosphäre und „Synchronicity!“ Parallel zu dem erfolgreichen Spektakel der Police-Reunion-Tour von 2008 köchelte und vollendete das Hamburger Label Echo Beach in Zusammenarbeit mit der Kölner Band Okada sowie dem Management von Police ein lang geplantes Rezept: das unfassbare Potenzial der abstrahierten Reggae/Dub-Elemente von Police durch den King-Tubbyesken Dub-Wolf gedreht. So versammelt dubXanne mit magischer Pop-Sensibilität alte Helden und neue Talente, tieffliegende Echos und waghalsige Breaks auf den bekanntesten heimlichen Riddims und KillerBasslines der Popgeschichte. „Das Album gehört zum Besten, was je in Deutschland unter dem Label ‚Dub‘ produziert wurde.“ (Riddim) „Darauf darf Sting jetzt aber wirklich einmal stolz sein.“ (Die Welt) „Nun gibt es zum ersten Mal überhaupt Dub-Versionen (...) der sphärischen, aber auch sehr deepen Klangreise.“ (Rolling Stone) www.myspace.com/policeindub www.myspace.com/okadaallstars www.de.wikipedia.org/wiki/The_Police www.de.wikipedia.org/wiki/Dub Eintritt: 14,-/11,- €

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Immer mehr Menschen wollen sich etwas Gutes tun...

Doppelkonzert Rock & Soul-Battle: No Restrictions vs. Panzerballett Zwei Bands kapern mit schwerem Geschütz das Hafenbecken, sozialisiert durch Groove und Beat, ausgestattet mit unterschiedlichen Taktiken und Strategien – nomen est omen.

Sonntag, 26. Juli, 20 Uhr

No Restrictions (Würzburg) Die No Restrictions aus dem Umfeld des Würzburger Musikerstammtischs plündern mit Lust und Laune als Soul-Piraten die Bodenschätze der Black Music von Dr. John, Wilson Pickett und Jimi Hendrix über James Brown und Stevie Wonder bis zu The Temptations und The Meters. Hemmungslos klauen sie alles, was im weiten Land der schwarzen Musik der 60er bis 80er Jahre nicht niet- und nagelfest ist – aber nur, wenn es groovt und funkt! Hier geht es um Soul & Funk-Power, die die Stimmung zum Sieden und das Publikum zum Kochen bringt.

Willkommen in der Welt des Naturkaufhauses. Wir erwarten Sie! Rückermainstraße 1 97082 Würzburg Telefon (0931)1 29 55 www.naturkaufhaus.de 16

Alle Bandmitglieder können auf eine bewegte Geschichte zurückblicken (Gigs mit Größen der Soul- und Bluesszene, auf nationalen und internationalen Bühnen). Es treibt sie immer wieder auf Konzertreisen, z. B. nach Frankreich, wo sie inzwischen wohl bekannter sind als in Würzburg, oder auch zu Gastspielen bei div. amerikanischen Einrichtungen wie dem Amerika-Haus in Frankfurt, in US-ArmyClubs oder der Radiostation AFN. – No Restrictions! No Mercy! ... Soul- und Funk-Beschuss bis zur Kapitulation.


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„What a night! (...) Beste Stimmung ohne Einschränkungen ließ (...) die Würzburger Band „No Restriction“ bei ihrem Live-Gig aufkommen (...). Mit seinen 20 Lenzen bestach Sebastian Fischer, virtuos wie ein alter Hase, an der E-Gitarre und holte beim Hendrix-Klassiker ‚Hey Joe‘ mit den Zähnen und dem Wah-Wah-Pedal ekstatische Töne aus den Saiten. Der um einige Jahrzehnte ältere Gerd Hart zog mit seinem ‚schwarzen‘ Gesang das Publikum in seinen Bann.“ (Ostsee-Zeitung, Stralsund) www.no-restrictions.de

Panzerballett (München) Filigran-brachial – so lässt sich die musikalische Bandbreite und Funktionsweise der Combo Panzerballett beschreiben. Ohne Mühe werden hier scheinbar unüberwindliche Grenzen überschritten, klingt es doch auf Anhieb sicher tollkühn, ausgerechnet Jazz und Metal zu fusionieren. Der Versuch, „die Geschmeidigkeit und das Schwebende des Balletts mit der Kraft und dem Krachen eines Panzers zu verbinden“, bringt jazzoide Strukturen auch einem jungen rock-affinen Publikum näher. Die Musiker sind und waren in Konservatorien und im Bundesjazzorchester ebenso beheimatet wie bei Doldingers Passport oder in Speedcore- und Metalbands. Für die CD „Starke Stücke“(ACT) konzentrierte sich Panzerballett auf Anregung des renommierten Musik-Impresarios Siggi Loch nicht nur auf Eigenkompositionen, sondern wagte sich auch an Standards – aus Rock wie Jazz versteht sich. So findet man Henry Mancinis „Pink Panther“ neben dem Deep-Purple-Kracher „Smoke On The Water“, dem AC/DC-Hit „Thunderstruck“ oder dem

Präsentiert mit freundlicher Unterstützung: Stürtz GmbH, Würzburg

Welterfolg „Paranoid“ der Hard-Rock-Band Black Sabbath. Auch Joe Zawinuls „Birdland“ wird von Zehrfeld und seinen Mannen ebenso kunstvoll zersägt wie verfremdet und auf völlig eigene Art neu zusammengesetzt wie „Wind of Change“ von den Scorpions. In Zehrfelds Eigenkompositionen und Bearbeitungen bekannter Stücke werden Jazz, Funk und Metal auf kunstvolle, innovative Weise fusioniert: nach dem Motto „Warum einfach, wenn es auch schwer geht?“ Filigran ineinander verzahnte Funk-Grooves treffen auf brachial harte, rhythmisch komplexe Riffs und Jazzimprovisationen. Mehr denn je gilt für dieses Metalballett die Devise: Headbangen mit Köpfchen! „Die Band verbindet die rhythmischen Staccato-Attacken und wummernden Gitarren-Sounds des Metal mit jazzigen Grooves und mit Soli auf höchstem Niveau. Das klingt umwerfend.“ (Spiegel) „Bizarre Intelligenz, bissig aufbrausender Humor (...). Der schönste CD-Wahnsinn des Frühjahrs.“ (FAZ) „Dem Sound nach ist das Heavy Metal, dargeboten als heftig verzinkter Prog Rock mit Jazz-Einsprengseln. Also definitiv nichts für Jazz-Puristen! In der wachsenden Panzerballett-Fangemeinde finden sich daher Rockfans mit Komplexitätstoleranz ebenso wie Jazzhörer ohne Metall-Allergie.“ (Jazzthing) www.myspace.com/panzerballett www.panzerballett.de Eintritt Doppel-Konzert: 14,-/11,- €

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Sparkassen-Finanzgruppe

Unsere Kulturförderung: Gut für die Sinne. Gut für Deutschland. Gut für Mainfranken.

Kunst und Kultur sind für die gesellschaftliche Entwicklung entscheidend. Sie setzen Kreativität frei und fördern die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem. Die Philosophie der SparkassenFinanzgruppe ist es, vor Ort, regional und national in einer Vielzahl von Projekten Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Mit jährlichen Zuwendungen von über 120 Mio. Euro sind die Sparkassen der größte nichtstaatliche Kulturförderer Deutschlands. www.gut-fuer-deutschland.de

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Die Dreigroschenoper

„Und der Haifisch, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht!“ – ein Theaterstück mit Musik, mit Text von Bert Brecht und Musik von Kurt Weill

Dienstag, 28. Juli, und Mittwoch 29. Juli, 20 Uhr Unter der Regie von Hermann und Erhard Drexler zelebrieren Sänger, Schauspieler und eine kleine, aber feine Dreigroschen-Band das hohe Lied von der sexuellen Hörigkeit und der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens. In einer Zeit, die längst vergangen ist, schrieb Bert Brecht seine wüste Moritat von Mackie Messer, seinen Huren und Spießgesellen im Kampf gegen die Eifersucht und das Establishment. Nicht zuletzt dank der unsterblichen Songs von Kurt Weill halten sich dabei die zynische Durchschlagkraft der BrechtTexte einerseits und der hohe Spaßfaktor des schrägen Musikspektakels andererseits die Waage. „Denn wozu lebt der Mensch, indem er stündlich den Menschen peinigt, auszieht, anfällt, abwürgt und frisst ...?“

Sie heißt Dreigroschenoper, „weil die Oper so prunkvoll gedacht war, wie nur Bettler sie erträumen, und weil sie so billig sein sollte, dass Bettler sie bezahlen können“ (Brecht). The Beggars’ Opera, aufgeführt 1728, von John Gay (Text) und Christoph Pepusch (Musik), war die literarische Vorlage für dieses Theaterstück; 1926 entdeckte Elisabeth Hauptmann Presseberichte über die erfolgreiche Wiederaufnahme der Beggar’s Opera in England, übersetzte sie und arbeitete mit Brecht an dem Textbuch. Das ‚Theaterstück mit Musik‘ wurde 1928 in Berlin uraufgeführt; die Proben hatten unter etlichen Schwierig-

Präsentiert mit freundlicher Unterstützung: Theater am Neunerplatz, Würzburg

keiten gelitten, wobei Bert Brecht kurz vor Schluss die Regie übernehmen musste. Nur er glaubte noch an eine Aufführung! Und – es wurde das erfolgreichste deutsche Theaterstück des 20. Jahrhunderts. Nach einigen sehr gelungenen Vorstellungen im Theater am Neunerplatz geht die Produktion jetzt an die frische Luft, mit zwei OpenAir-Vorstellungen im Rahmen des Hafensommers. Regie: Hermann u. Erhard Drexler Musikalische Leitung: Gerhard Schäfer und Uta Tischer Es singen und spielen: Karin Amrhein, Carolin Barczyk, Achim Beck, Wolfram Bieber, Andreas v. d. Berg, Hermann Drexler, Sebastian Eicke, Charlotte Emigholz, Markus Fäth, Bettina v. Hindte, Valerie Krupp, Heike Mix, Stefan Oberauer, Gerhard Schäfer, Uta Tischer u. a. „Mackie Messer und kein Ende. Ob das am 111. Geburtstag Bertolt Brechts liegt oder an der thematischen Nähe zur momentanen Wirtschaftskrise sei dahingestellt, die ‚Dreigroschenoper‘ ist jedenfalls nicht kleinzukriegen.“ (mainpost.de) „Die Regie-führenden Drexler-Brüder Erhard und Hermann (Letzterer gibt auch den Mackie) Drexler lassen ihre Figuren (...) mit draller Leidenschaft agieren, lassen sie ihre Gefühle ausleben. Das verpasst den (...) Charakteren die volle Durchschlagskraft.“ (Neun7) www.de.wikipedia.org/wiki/Bertolt_Brecht www.de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Weill www.de.wikipedia.org/wiki/Dreigroschenoper Eintritt: 17.-/14.- €

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Rau, rebellisch, verträumt und von riskanter Lebenslust. Jimi Hendrix gilt nicht nur als der einflussreichste Gitarrist der Rockmusik – sein früher Tod wirkt bis heute als Lehrstück einer bis zur Selbstzerstörung beschleunigten Existenz.

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Mamma Mia!

Bonbonfarbenes Happening der Trashkultur (Phyllida Lloyd, GB/USA 2008, 109 Min, FSK: ab 0)

Donnerstag, 30. Juli, 21:30 Uhr „Mamma Mia!“ ist eine anglo-amerikanische Musikfilmkomödie, basierend auf dem gleichnamigen Jukebox-Musical. Eine Mutter, eine Tochter, drei mögliche Väter und eine unvergessliche Hochzeit – Mamma mia!

Die Songs der vielleicht erfolgreichsten Popband aller Zeiten haben das Musical „Mamma Mia!“ zu einem weltweiten Erfolg katapultiert, das nun mit exquisiter Besetzung auch den Weg in die Kinos gefunden hat. Ein musikalisches Filmereignis, das nicht zuletzt mit ABBAKlängen von Müttern und Töchtern erzählt und dabei von vergangenen Romanzen und neuer Liebe schwärmt. Um Hochzeit zu feiern, alte Freunde zu entdecken und neue Familien zu gründen, hat sich ein beeindruckendes Ensemble mit Stars wie Pierce Brosnan, Colin Firth und Julie Walters auf einer idyllischen Mittelmeerinsel versammelt – angeführt von Oscarpreisträgerin Meryl Streep. “Dass in Mamma Mia! die touristische Bewirtschaftung der ABBA-Mythologie nicht außer Kontrolle gerät, ist allein Meryl Streep zu verdanken. Sie gönnt sich manchen derben Spaß und genießt es sichtlich, einmal die FifthAvenue-Uniform abzulegen und in einem Jeans-Overall herumzulaufen. Aber sie nimmt ihre Rolle ernst und wagt sich schließlich sogar an eine große Arie: ‚The Winner Takes It All‘ bekommt hier eine Emphase, die mit dem Schönklang von ABBA nichts mehr zu tun hat.“ (FAZ)

„Mamma Mia! ist charmant, witzig, romantisch und mit viel Ironie inszeniert, was alles noch mal deutlich auflockert. Die malerische Mittelmeerkulisse verführt zum Träumen und am Ende klingen einem noch lange die besten Popsongs aller Zeiten im Gehörgang nach. Das Finale ist furios und obwohl man zwischendurch (leicht boshaft) das Ganze mit dem Titel Spice Girls meets Hellaswood versehen könnte, möchte man noch lange sitzen bleiben.“ (moviemaze.de) „Löcher im Drehbuch? Schlichte Dialoge? Egal! Die Kinoversion des Musical-Hits ‚Mamma Mia!‘ ist genauso wie die ABBA-Lieder, auf denen sie basiert: manchmal peinlich, immer ein Riesenspaß, stets gut gelaunt – ein perfekter Film für den Sommer.“ (spiegel.de) „Man muss sich auch einsehen in die Allgegenwart der Trashkultur in diesem Film, deren Machtübernahme in allen Lebensbereichen das postume Comeback erst möglich gemacht hat. Doch wenn schon Trash, dann wenigstens diesen: Meryl Streep singt ABBA, wie sie auf der Bühne Brecht gesungen hat: als leicht angesoulte Mutter Courage. Auf den Originalplatten gibt es keinen Anflug von Soul. Die von Björn und Benny überwachten exzellenten Arrangements tragen – wer hätte es gedacht – nun auch den stümperhaftesten Gesang.“ (Frankfurter Rundschau) www.movies.universal-pictures-internationalgermany.de/mammamia www.moviemaze.de/filme/2308/mamma-mia.html Eintritt: 7.-/6.- €

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Hendrix Project – Doran, Stucky, Studer, Tacuma (CH, USA) 40. Jahrestag – Hendrix in Woodstock Freitag, 31. Juli, 20:30 Uhr Jimi Hendrix revolutionierte mit seinem Gitarrenspiel in den 60er Jahren die Musikwelt. Dass Hendrix’ Musik nach wie vor aktuell und spannend ist, zeigt das Projekt des schweizerisch-irischen Gitarristen Christy Doran. „Hendrix in Woodstock“ dokumentiert dieses geschichtsträchtige Konzert – die Soloversion der amerikanischen Nationalhymne ist inzwischen ein Klassiker der Rockmusik – nicht retrospektiv, sondern arrangiert die Musik von Hendrix neu und entwickelt sie mit einer kongenialen Besetzung weiter. Wenn Erika Stucky „Voodoo Chile“ ins Mikrophon röhrt und Christy Doran dazu seine Gitarre wimmern lässt, Fredy Studer einen harten Beat trommelt und Jamaaladeen Tacuma auf dem Bass einen funkigen Groove darunter legt – dann bleibt kein Auge trocken.

Schon in den 90er Jahren initiierte Doran (OM, Dom Um Romao, Jasper van‘t Hof, Norma Winstone, Trilok Gurtu, John Surman, Stephan Wittwer, Bobby Previte, Marilyn Mazur, Annie Whitehead, Louis Sclavis, Carla Bley, Albert Mangelsdorff, Charlie Mariano, Manfred Schoof, Iréne Schweizer, Wolfgang Dauner, Fernando Saunders, Sonny Sharrock, Eberhard Weber, Jim Black, Tom Cora, Guy Klucevsek u. v. a.) ein Hendrix-Projekt, das zuletzt nach einer mehrjährigen Pause wieder aufgenommen wurde.

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➔ siehe auch Magazin Seite 53 Anstelle von Phil Minton übernahm Erika Stucky die Vocals. Stucky hat sich in den vergangenen Jahren als eigenständige und originelle Stimme weltweit einen Namen gemacht – die beiden letzten Jahre auch beim Hafensommer! Schon auf dem Album „Lovebites“ stellte sie mit ihrer Version von „If 6 was 9“ ihren persönlichen Bezug zu Hendrix dar (Kindheit im Hippie-Umfeld der 60er Jahre von San Francisco). Vor allem die Essenz der Hendrixschen Lyrics wird gerade von Stucky auf dramatische und pfiffige Weise freigelegt – und damit ganz neu hörbar. Am Schlagzeug Fredy Studer, „ohne Zweifel einer der innovativsten Drummer Europas“ (Fachzeitschrift „Drums & Percussion“) und langjähriger Weggefährte von Doran. Seine Spielerfahrungen sind so vielseitig wie seine Freelance-Aktivitäten mit Musikern von „A“ wie Abercrombie bis „Z“ wie Zorn. Am Bass schließlich steht mit Jamaaladeen Tacuma einer der weltweit führenden und stilbildenden Bassisten (langjähriger Sideman von Ornette Coleman – schon als 19-Jähriger –, James Blood Ulmer, Kip Hanrahan, Carla Bley, Linda Sharrock ...). „Vieles klingt original, und doch ist alles anders. Jimi lebt und geht (...) auf Tournee!“ (Die Zeit) „Interessanter werden Tributes immer dann, wenn die Jünger nicht einfach die Noten nachspielen, sondern im Geiste des Meisters handeln (...) ein aberwitziges Feuerwerk musikalischer Sounds und Geräusche, von denen Jimi mangels entsprechender Technik nur träumen konnte, besonders in dem frenetischen Instrumentalbreak von ‚Manic Depression‘ (...) vor allem Dorans Gitarrenarbeit macht die Jazzanteile in Hendrix‘ Musik deutlich: Was da auf dem Griffbrett passiert, ist eben doch weit mehr als die im Hardrock dominierenden Quart- und

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Quintakkorde, dazu dank fortgeschrittener Verstärkerund Mischtechnik weit angenehmer zu hören als viele der soundtechnisch grenzwertigen Live-Aufnahmen des Originals. Gesamtnote: Sehr gut!“ (Axel Cordes) „Die Band erweist sich in jedem Augenblick dem musikalischen Genie gewachsen, stimmlich wie instrumental. Vieles klingt wie beim Original, doch alles ist anders (...). Zumeist sind es aber die kleinen Abweichungen von der Vorlage, Brüche oder Unterbrechungen, die Doran, Stucky, Studer, Tacuma von den meisten Hendrix-Epigonen unterscheiden (...) lässt der Schweizer auch gewisse Anleihen bei John Scofield durchklingen, einem Jazz-Gitarristen, dessen Blues ohne Hendrix nicht denkbar wäre und der zu den wenigen zählen darf, die Hendrix eine unverminderte Aktualität gegeben haben.“ (Frankfurter Rundschau) „So wird die Musik entstaubt, ohne ihr Kraft und Urwüchsigkeit zu nehmen.“ (Oberösterreichische Nachrichten) www.myspace.com/christydoran Eintritt: 22.-/19.- €

open end

(ab 24 Uhr): Hafensommerclub im „boot“ (Sommerfest Midlife Club). Eintritt frei für alle Konzertbesucher!

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Sophie Hunger (CH)

Geisterhafte Kraft – ungeheure Intensität

Samstag, 1. August, 20:00 Uhr Noch vor zwei Jahren prophezeite die renommierte französische Tageszeitung Libération, dass Hunger „nicht lange das bestgehütete Geheimnis der Schweiz bleiben wird“. Und dies scheint sich nun zu erfüllen. Mit ihrer beeindruckenden Präsenz und der charismatischen, betörenden Stimme sorgt Hunger mittlerweile europaweit für Aufsehen und standing ovations als die Neuentdeckung zwischen folkiger Singer-/SongwriterTradition, atmosphärischem Jazz, Indie-Pop und balladeskem Soul. Ihr aktuelles Album „Monday’s Ghost“ lässt gestandene Acts im Windschatten stehen – außergewöhnliche Musik: intensiv, widerspenstig und betörend, eine Kombination von Integrität und Reife, die immer noch überrascht.

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Sophie Hungers musikalischer Werdegang liest sich wie ein modernes Märchen. Vor zwei Jahren war sie – Tochter eines Diplomaten und einer Politikerin aus Bern, die einen Teil ihrer Kindheit in London, Teheran und Bonn verbrachte – noch nahezu unbekannt. Mit zahlreichen renommierten Musikern wie Stephan Eicher oder etwa dem Trompeter Erik Truffaz hat sie unterdessen auf der Bühne gestanden. Richtig wachgeküsst wurde Sophie von der Muse mit 23 Jahren, als sie ihren ersten eigenen Song komponierte. So unglaublich es klingt, aber schon ein paar Monate später hatte die frischgebackene Songschreiberin genügend selbstverfasstes Material beisammen, um ihr charmant ungeschliffen klingendes erstes Album aufzunehmen: „Sketches on Sea“. Ihr aktu-


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Kino: Der Freund

Bayern 2 schneidet das Konzert mit. Sendetermin: 1. November 2009, 15.05 Uhr auf Bayern 2.

elles Studioalbum „Monday’s Ghost“ wurde von Marcello Giuliani produziert, der bereits mit Größen wie Étienne Daho, Jane Birkin, Henri Salvador und Erik Truffaz arbeitete und katapultierte sich sogleich auf den ersten Platz der Schweizer Album-Charts. Die Musik ist auf außergewöhnliche Weise intensiv, widerspenstig und betörend; eine Kombination von Integrität und Reife, die immer noch überrascht. Die neuen Songs erzählen keine Geschichten im herkömmlichen Sinne, sondern reflektieren Impressionen. Mit Scharfsinn betrachtet Sophie Hunger sich selbst und alles, was sie umgibt. Sophie Hunger hebt sich aus dem anschwellenden Meer der jungen Songschreiberinnen hervor. Sie ist keine neue Norah Jones und will es auch gar nicht sein. Eine musikalisch-geistige Verwandtschaft besteht da schon sehr viel eher zur Kanadierin Feist, und offenbar trifft sie mittlerweile nicht nur den Nerv der Schweizer. „Europas vielleicht vielversprechendstes Songwriter-Talent.“ (Blue Rhythm). „Sophie Hungers Singen wirkt wie ein sirenenhafter Zauber und bleibt als solcher sprachlich schwer zu fassen.“ (Neue Zürcher Zeitung) „Sie verleibt sich die Sprache ein, kostet jede Silbe aus, haucht ihren Songs eine Zärtlichkeit und einen Zorn ein, der keinen unberührt lässt.“ (FAZ) „Magierin am Mikrofon (...) Solche Konzerte sind selten. Jene Ausnahme-Abende zu schaffen, in denen alle im Saal das rauschhafte Bewusstsein eint, dabei zu sein.“ (Mobil)

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„Darf man von Berufung sprechen, wenn die Musik so wunderschön ist (...) Atemberaubendes Konzert.“ (Musikexpress) „Die gute Hexe, die sich auch auf der Bühne nicht den klassischen Frauenformaten fügt, welche die Popgeschichte mittlerweile so zur Verfügung stellt. Sie ist keine Rebellin, aber vor ihrer Höflichkeit sollte man sich in Acht nehmen. Sie ist keine zarte Folk-Fee, die den BeschützerInstinkt des Publikums weckt ...“ (Frankfurter Rundschau) „Excellent“. (Le Monde) www.myspace.com/sophiehunger www.citylightsforever.ch Eintritt inkl. Kino: 22.-/19.- €

➔ im Anschluss Kino:

Der Freund

(Micha Lewinsky, CH 2008, 87 Min, FSK: ab 14) Präsentiert wird das Konzert zusammen mit dem kürzlich angelaufenen und schon vielfach prämierten Film „Der Freund“ (für die Schweiz im Oscar-Rennen, Zürcher Filmpreis, Schweizer Filmpreis 2008 „Bester Spiefilm“, Prämierung beim Int. Filmwochenende Würzburg 2009 ...) Micha Lewinsky („Sternenberg“, „Herr Goldstein“) hat einen wunderbar melancholischen Film gedreht, der in ungewohnt leichter Weise große Themen vereint: Tod, Trauer, Liebe und Humor. Kurz: Eine Tragikomödie mit Tiefgang und wunderschöner Musik und Präsenz von Sophie Hunger. www.derfreund.ch

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➔ siehe auch Magazin Seite 55

jbbg (Europa, USA)

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electric poetry & lo-fi cookies on the edge of tomorrow!

Sonntag, 2. August, 20:30 Uhr Die Band verbindet die Coolness elektronischer Clubsounds und Grooves mit der Power und Kultiviertheit einer 17-köpfigen Band (zudem als besonderer Gast: die Berliner Theremin-Virtuosin Barbara Buchholz). jbbg steht für einen orchestralen Haufen, der ungewohnte Freiheiten zulässt und neues musikalisches Terrain besetzt. De facto ist jbbg eine große Band mit einem außergewöhnlichen und unverwechselbaren Klangkörper und einer wagemutigen Bandbreite an Einflüssen und Prägungen, von Big-Band-Traditionen zu elektronischen Bausteinen bis hin zu einer PostRock-Sensibilität, die beispielsweise Notwist zur Ehre gereichen würde (Saxofonist Enders kommt aus diesem Umfeld). Gil Evans hätte wahrlich seine Freude an dieser vitalen individuellen Klangwelt.

Gerade mit ihrer neuen Produktion „Electric Poetry & LoFi Cookies“ besetzt die Band neues musikalisches Terrain. Komponiert und produziert von den beiden Bandleadern verbindet jbbg komplexe Jazzgrooves, Sci-Fi-Elektrosounds und sensible Klanggeflechte mit weiten melodischen Bögen, einfühlsam-virtuosen Soli und Ausflügen in Tango Nuevo und afrikanische Musik. Am Theremin, diesem einzigartigen Instrument aus der Frühzeit der elektronischen Musik, steuert Barbara Buchholz optisch und akustisch unerhörte Klangingredienzen bei. Eine besondere Entdeckung ist zudem Bandleader Schaffer als sensibler und ausdrucksstarker Vokalist. jbbg symbolisiert ei-

nen Neuanfang im virtuellen Zeitalter und doch zugleich auch Kontinuität auf dem Boden der modernen Jazz-Geschichte. Diese Produktion klingt nun aber so gar nicht nach lupenreinem Jazz, dem Hörer werden etwa gepfefferte Electro-Beats entgegengeschleudert und die Bläser legen sich darüber wie entgeisterte Ambient-Schwaden. In einem anderen Track verleiht die Theremin-Meisterin Buchholz der 18-köpfigen Meute Flügel. Den beiden visionären Leitern gelingt mit ihrer reformierten Big Band, was in der Politik unmöglich erscheint. Sie erweisen sich als Diplomaten, ohne sich aus der Affäre zu ziehen. Und sie können sich nach mehreren Seiten orientieren, ohne nach Kompromissen suchen zu müssen. So verabschieden sie sich von Jazz-Klischees, verzichten jedoch nicht auf die Vorzüge. In der Orchestration kann man unglaublich schöne Farben herausarbeiten und gegeneinander stellen. Das Ergebnis ist nichts weniger als ein musikhistorisches Scharnier, auf dem sich eine Tür in die Zukunft öffnet. „Music for the head, the heart and the foot ...“ (Colin Towns) „Durchhaltevermögen und der kompromisslose Abschied vom einstigen Bigband-Mief katapultierte die jbbg verdientermaßen in die Oberliga großer europäischer Jazzorchester.“ (Jazzthing) www.myspace.com/jazzbigbandgraz www.jazzbigbandgraz.com Eintritt: 19.-/16.- €

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The International

Sie kontrollieren dein Geld ... und lassen uns alle dafür bezahlen (Tom Tykwer, USA/D/GB 2008, 118 Min, FSK: ab 16)

Dienstag, 4. August, 21:30 Uhr Tom Tykwers rasanter Thriller „The International“ war der diesjährige Eröffnungsfilm der Berlinale und ist unbeabsichtigt der erste Film zur aktuellen Finanzkrise. Im Mittelpunkt steht die Entschlossenheit von Interpol-Agent Salinger (Clive Owen) und der New Yorker Staatsanwältin Whitman (Naomi Watts), eine der mächtigsten Banken der Welt zu Fall zu bringen. Während sie eine Reihe illegaler Aktivitäten aufdecken, folgen sie der Spur des Geldes von Berlin nach Mailand, New York und Istanbul und befinden sich mitten in einer hochriskanten Hetzjagd rund um den Globus: Ihre Zielpersonen machen vor nichts halt – nicht einmal vor Mord, um auch weiterhin Terroranschläge und Kriege finanzieren zu können.

Tom Tykwer führte Regie bei diesem atemberaubend spannenden Action-Thriller mit internationaler Besetzung (Owen, Watts, Mueller-Stahl etc.), gedreht im Studio Babelsberg in Potsdam sowie an den oben genannten Originalschauplätzen. Im September 2007, also vor der Initialzündung der so genannten Finanzkrise (Causa Subprimekrise, Lehman Brothers Inc. und die Folgen) begannen die Dreharbeiten zu Tykwers aktuellem Projekt „The International“ im korrupten Netzwerk der Welt der internationalen Hochfinanz, bei dem Tykwer erstmals mit einem Hollywood-Studio (Sony/Columbia Pictures) zusammenarbeitete.

„Tykwer gehört jener jüngeren Cineasten-Generation an, die in den vergangenen Jahren geholfen hat, den deutschen Film auch international zu rehabilitieren (...). ‚The International‘ ist ein Genrefilm made in Germany, der es mit Hollywood aufnehmen kann. Sein Held Louis Salinger (Clive Owen) wirkt wie ein Wiedergänger – halb James Bond, halb Philip Marlowe. Ihm zur Seite: Naomi Watts, Armin Mueller-Stahl und Ulrich Thomsen. Erzählt wird die Geschichte skrupelloser Geschäftemacher (...). Vom Berliner Hauptbahnhof aus führt Salingers Recherche über Paris, Mailand und New York nach Istanbul. Im Zentrum steht eine aufwendig choreografierte Schießerei im New Yorker Guggenheimmuseum.“ (zeit.de) „Im Schatten der Finanzkrise überkommt viele Menschen ein Gefühl der Machtlosigkeit. Werden die Geschicke ihres Landes überhaupt noch vom demokratischen System, den gewählten Parteien und Politikern bestimmt? Oder sind die eigentlichen Strippenzieher international agierende Banken, die im Verborgenen Macht und Einfluss ausüben? (...) Tom Tykwer orientiert sich in seinem Film ästhetisch wie inhaltlich am Genre des Polit-Thrillers und an Klassikern wie ‚French Connection‘ oder ‚Die drei Tage des Condor‘, auch wenn er das Gattungsmuster an die heutige Zeit und das aktuelle gesellschaftliche Klima anpasst. Tykwers Hauptinteresse ist es, die genretypischen Motive des Thrillers der alten Schule aufzugreifen und mit einer modernen Erzählweise zu verbinden.“ (filmstarts.de) www.sonypictures.de/landing/ the-international Eintritt: 7.-/6.- €

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➔ siehe auch Magazin Seite 59

Doppelkonzert Askese und Ekstase

Präsentiert mit freundlicher Unterstützung: Agentur Hummel + Lang, Würzburg

Mittwoch, 5. August, 20 Uhr

Iva Bittová (USA, CZ) Gelebte Freiheit

Seit mehr als 20 Jahren ist Bittová im Rampenlicht, singt und spielt auf ihrer Geige, meist gleichzeitig, und hat eine unglaubliche Präsenz auf der Bühne. Endlich auch wieder in Würzburg! Im Grunde eine Pionierin im Avant-Folk (dem asketischen Stil, der gerade in den letzen Jahren immer mehr Musiker auch aus dem Popbereich anzieht, von Björk bis hin zu Devendra Banhart), geht sie unbeirrbar ihren Weg, mischt mährische Roots (Geigenklänge, die sie noch von ihrem Vater im Roma-Umfeld gelernt hat) mit so heterogenen Einflüssen wie Jazz, Avantgarde, Rock und klassischem Songwriting, im Vordergrund stets ihre variable, zarte bis durchdringende Stimme. Eine wahrhaftig authentische Künstlerin mit einer ganz eigenen musikalischen Identität – und eine unglaublich mitreißende Performerin.

Iva Bittová gehört zu den profiliertesten Persönlichkeiten einer aktuellen und fast grenzenlosen Musik. Sie ist eine Klangkünstlerin und -poetin und kreiert ureigene, sinnliche und zugleich unerhörte Musik. Ihr Gesang ist mal melodiös, mal lautmalerisch, mal atemberaubend, bisweilen unterstützt durch eine starke performance-artige Körpersprache. Seit vielen Jahren verblüfft und begeistert die Künstlerin ihr Publikum in Europa, Japan und in den USA. Auch in Musikerkreisen genießt die Musikerin einen

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Ruf, der seinesgleichen sucht. Das spiegelt sich wider in den unterschiedlichsten musikalischen Bereichen und Kollaborationen: z. B. mit Pavel Fajt, Lelky (girl chorus), Škampa Quartet, Jirí Stivín, Emil Viklický, Košická filharmonie, Hubl Greiner/The Blech, DJ Javas, Fred Frith (ein bemerkenswerter Auftritt im Kinofilm „Step across the Border“), Tom Cora, Phil Milton, David Moss, BangOnACan All Stars, Hamit Drake, David Krakauer, Don Byron, George Mraz, Netherlands Blazers Ensemble u. v. a. Im Februar 2010 wird sie im Festspielhaus St. Pölten auftreten, im Rahmen der Reihe „Festival New York presents: Bill Frisell meets Iva Bittová“. „Da macht man große Augen und große Ohren, spitzt letztere bis in den leisesten Laut an, lässt sich mitreißen von mancher musikalischer Melancholie und hinreißen von ihrem musikalischen Kammermusiktheater“ (Jazzzeitung.de) „Iva Bittová ist eine Performancekünstlerin zwischen Laurie Anderson und Ella Fitzgerald. Vielen ist sie bekannt aus dem Film ‚Step across the border‘ (...). Ein Ohrenschmaus!“ (kuprosauwald.org) „Iva Bittová is an extraordinary artist. Raw and refined, passionate and contained, she has the soul of a gypsy, the voice of a troubadour, and the mind of a genius.“ (NPR/ All Things Considered) www.bittova.com www.myspace.com/ivabittovadvd


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Sväng (FIN)

Präsentiert mit freundlicher Unterstützung: Patisserie Walter GmbH, Kleinheubach

Harmonica Tribe

Der Londoner Evening Standard schrieb im Februar 2008: „It is probably save to say they are the world leading mouth-organ ensemble.“ Die finnische Harmonica Tribe überzeugt mittlerweile weltweit mit einem höchst unterhaltsamen, abwechslungsreichen und anspruchsvollen Programm – nahezu artistischer Virtuosität und einer fesselnden Bühnenperformance, die sprachlos macht und das Gegenteil von Akademismus verkörpert. Nordische Tanzgrooves, slawische Melancholie, Ragtime, Blues und Balkanrhythmen, schwedische Polkas und samische Joiken – all das fließt in das atemberaubende Musikerlebnis ein, das die vier Herren bieten.

„Man könnte meinen, in der Musik sei alles schon einmal da gewesen. Bis man Sväng entdeckt. Sväng, das sind Eero Turkka, Eero Grundström, Pasi Leino und Jouko Kyhälä, und ihre Namen verweisen unverkennbar nach Finnland, wo man milde Sommer und klirrende Kälte kennt, jedermann ein Holzhaus mit Sauna am See besitzt, Wodka trinkt und Tango tanzt, schwermütige Filme sieht, eine seltsame Sprache spricht - und Mundharmonika spielt (...). Alle vier Musiker sind Multi-Instrumentalisten mit einem breit gefächerten Interesse an Klassik, Rock, Jazz, Weltmusik und Folk. Doch auf ‚Jarruta‘, ihrem zweiten Album, entströmt jeder Ton einer Mundharmonika. Und wohl nur Fachleute wissen, wie viele verschiedene Arten dieses Instruments existieren (...). Mit Bob Dylan fand das Instrument seinen Eingang in den Folkrock, Ennio Morricone machte sie zum unvergesslichen Bestand-

teil der Filmgeschichte (‚Spiel mir das Lied vom Tod‘), doch in einer so facettenreichen Spielweise wie hier war sie wohl selten zu hören.“ (Michael Frost, cdkritik.de) In ihrer Heimat Shooting Stars, hierzulande noch Geheimtipp, reißen die Auftritte des vierkehligen Chores aus tiefen Bass-, Akkord- und zwei Sopran-Mundharmonikas (diatonische ebenso wie chromatische Modelle) das Publikum so mit, dass die Fangemeinde stetig wächst, zuletzt spektakulär am Neujahrstag vor einem Millionenpublikum in Jool Hollands legendärer Show zum Jahreswechsel 2008 auf BBC 2. Die „Harmonica Tribe“ hat es auf diesen für Finnland zwar typischen, jedoch gar nicht so häufig genutzten Instrumenten zu solcher Faszination gebracht, dass man nur genauso gebannt wie verzückt lauschen kann. „Tango, skandinavischer Folk, Swing oder Balkaneskes (...). Das Wunderbarste allerdings ist, dass es Klänge zu erleben gibt, wie man sie nie zuvor je zu Gehör bekommen hat ...“ (Jazzdimensions) „Wenn Eero Turkka, Jouko Kyhälä, Eero Grundström und Pasi Leino auf der Bühne stehen, geht jedenfalls die Post ab. Ihre Mission ist die Harmonika, genau genommen die Harmonetta, eine Kreuzung aus Akkordeon und Mundharmonika. Der Sound der dadurch entsteht, ist ein außergewöhnlicher Mix aus traditionellen Folk-Motiven, Swing, Tango und Blues. Einzigartig.“ (Die Presse) www.myspace.com/svangharmonica www.svang.fi Eintritt Doppelkonzert: 22,-/19,- €

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· moderner Gesellschaftstanz · Salsa · Tango Argentino · Disco Fox · Jazz-Dance · Dance 4 Kids · Hip Hop

Doppelkonzert: Pop Kultur global – eins Donnerstag, 6. August, 20 Uhr

Tom Tornado Club Edition (Wü, USA) Don‘t miss the Jazz-Dance High Quality Dancefloor Jazz – Rhythmus und Groove der Extraklasse im Geiste von Paul van Dyck oder Erik Truffaz. Das Projekt eines der jungen wilden Piano-Talente: Tom Jahn aus Würzburg, der in diesem Zusammenhang auch schon mit Kahil El‘Zabar, einer amerikanische Jazz-Legende (Cannonball Adderley, Lester Bowie, Dizzy Gillespie, Nina Simone, Archie Shepp, Paul Simon und Stevie Wonder) zusammengearbeitet hat. Zwei Drums, Bass, zwei Sax und Fender Rhodes – special guests: aus New York der Saxophone-Kolossus Ben Kraef und als Sängerin Irmi Haager. Immer im Topf der kochenden Housebeats gurgelnd, sprudelt die Tom Tornado Club Edition im Gebräu von NuJazz und Electronic Beats, Bassdrum, Breaks, nicht endend wollende Crescendi, Implosionen, Explosionen, Saxophonsoli, Elektro-Eskapaden, rasende Riffs vom Fender Rhodes, gurgelnder Subbass ...

T(h)om(as) Jahn begann seine musikalischen Aktivitäten bereits in der Schulzeit und spielte ab 1995 in diversen Hiphop- und Soulbands im niederbayerischen Raum. Nach klassischem Unterricht bei G. Willeitner von 1992

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bis 1997 begann er 1999 sein Jazzstudium am RichardStrauss-Konservatorium in München bei Leonid Chizhik und Tizian Jost sowie bei Paulo Cardoso. Es folgten Kompositions- und Kontrapunktstudium bei Thomas Zoller, ebenso Ensemble- und Bigband-Leitung sowie klassisches Studium bei Yusuko Matsuda und Eva-Maria May. Jahn war Mitglied des Landesjugendjazzorchesters Bayern unter Harald Rüschenbaum. 2003 folgte der Wechsel an die Musikhochschule Würzburg, wo er 2006 sein Konzertdiplom bei Tine Schneider mit Auszeichnung ablegte. Er ist auch als Schauspieler in mehreren Ensembles und als Maler und Grafiker aktiv. Tom Jahn spielte bisher mit Claudia Koreck, LaBrassBanda, Mistaa und Soularis, mit Marco Tambourini in Italien, Brad Lealy, Leszek Zadlo, Mario Schönhofer, Rufus Martin, Patrick Scales, Peter O Mara und mit Raivo Tafenau und Sofia Rubina in Estland und Litauen. Mit diversen eigenen Projekten wie Das Börk Trio, Bobbycar, The Tom Tornado Dreamband u. a. bewegt er sich in den unterschiedlichsten musikalischen Gefilden. www.myspace.com/clubedition

Tango Crash (RA, CH, D) Tango-Revolution

„Gotan Project“ und ähnliche Projekte haben den Tango in den letzten Jahren in die Jetzt-Zeit transformiert. Auch Tango Crash, eine Formation um den Argentinier Daniel Almada, gehörten zu den frühen Pionieren dieser Bewegung – offensichtlich so überzeugend, dass der im letzten Jahr verstorbene Joe Zawinul sich zu hymnischen Lobpreisungen für das 2003 erschienene erste Album hinreißen ließ. Mittlerweile sind sie mit ihrer neuen CD „Bailá Querida“ in der Bestenlis-

te der deutschen Schallplattenkritik gelandet (3/2008) und haben ihre eigene gefestigte Identität in der Tango-Szene gefunden. Die ironische Zweideutigkeit des Titels und des Covers sind ein deutliches Zeichen, dass Klischees mit der Musik von Tango Crash nur sehr wenig gemein haben. Tango Crash ist wie das Ende und Anfang des Tangos zugleich.

Die Basis ist immer der Tango, den die Band mit jazzigen Elementen, elektronischen Sounds und Beats und anderen Einflüssen auf ganz eigene Art verarbeitet, ohne zu tief in Downbeat-Gefälligkeit oder Tango-Melancholie à la Gotan zu verfallen. Tango Crash kreiert einen neuen und innovativen Sound, der die starke Identität der Band zeigt und ungewöhnliche Wege in der Verbindung von Tango und (elektronischen) Impulsen der Zeit geht. Tango Crash mischt das risikofreudige Feeling des Jazz mit den dunklen Farben des Tango sowie den besonderen Einsatz von elektronischen Sounds und Samples wie bei einem guten Cocktail zu einem hochprozentigen aber süffigen Gebräu. Die Live-Besetzung in Würzburg: Neben Daniel Almada (bandleader, keyboards, computer) sind das Würzburger Urgestein Martin Klingeberg (trumpet, efx), Christian Gerber (bandoneon) und Gregor Hilbe (drums – siehe auch jbbg am 2.8.!) auf der Bühne. www.myspace.com/tangocrash www.tangocrash.com Eintritt Doppelkonzert: 12,-/9,- €

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(ab 24 Uhr): Hafensommerclub im boot: Eintritt frei für alle Konzertbesucher!

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zehnder kraah (CH)

Wer auf dem Kopf steht, der hat den Himmel als Abgrund unter sich

Freitag, 7. August, 20:30 Uhr Christian Zehnder ist ein Stimmakrobat im weiten Spannungsfeld von Melodie und Humor, Geist und Gefühl und hat sich in den vergangenen Jahren vor allem auch mit dem international renommierten und mehrfach ausgezeichneten Duo „Stimmhorn“ einen Namen gemacht. Er gilt als einer der außergewöhnlichsten und vielschichtigsten Stimmkünstler weltweit und kommuniziert in seinen Gesängen und Kompositionen über alle Sprachgrenzen hinweg. Als einer der wenigen Vertreter des europäischen Obertongesangs schafft Zehnder unerhört kühne Klangarchitekturen ohne jede Sentimentalität und artifizielle Verspannung und bringt neue Impulse in eine lange verklärte und okkupierte Vokaltechnik (siehe die Kino-Doku „Heimatklänge“ von „Accordion Tribe“-Regisseur Schwietert – Stucky, Zehnder, Nolder).

Das Trio kraah zelebriert „Rabenlieder“ mit Musikern, die einen ganz neuen Sound in Zehnders Musik zaubern und seiner Stimme eine neue Heimat geben. Die instrumentalen Kontrapunkte und Kommentare des Trios beginnen mit persönlichen und helvetischen Querbezügen beinahe poppig und enden mit zeitgemäßer Orchestermusik. Der Rabe singt nicht vom Tod, er singt von der Liebe – ganz im Gegensatz zu seinem Ruf. Hebt sich ein Rabenschwarm in den Himmel, vernimmt man ein heiseres „kraah kraah“. Raben beherrschen ein außerordentlich grosses Stimmenspektrum, auch wenn es nur selten und

kaum hörbar genutzt wird. Daraus ergibt sich eine Analogie zur menschlichen Stimme, die das Potenzial des Kehlkopforgans und die damit verbundenen Resonanzräume kaum ausschöpft und so ein grossartiges Register unbespielt lässt. Zehnder arbeitet zudem als Schauspielmusiker und Komponist im Theater, liefert Kompositionsaufträge für Film, Fernsehen und Radio und hat Lehraufträge für Obertongesang, Stimmtechnik und Chor im In- und Ausland. Highlights zuletzt: KKL Luzern, Mozartsaal Wien, Cité de la Musique Paris, MaerzMusik Berlin, Philharmonie Liège – „Heimatklänge“ (Berlinale 07), Artist in Residence „Stimmen 08“ mit den Projekten „Kraah Trio“, „Wetterleuchten“, „Am Zyt schynt d‘Sunne”. „Der Entwurf von Zehnders vokaler Klangarchitektur ist kühn, weil er ohne jede Sentimentalität und artifizielle Verspannung auskommt. Ein großer Stimmkünstler unserer Zeit entwirft nicht weniger als eine ideologiefreie Volksmusik der Zukunft, für die der Kanon der tradierten Idiome nur noch den Wert einer universalen Bibliothek besitzt.“ (Jazzthing, Wolf Kampmann) „Was als Jodeln beginnt, entwickelt sich bei ihm zu einem Popsong, Obertongesang und Opernarie gehen nahtlos ineinander über, Lautmalereien grooven mit dem Kontrabaß um die Wette und dramatische Kehlkopflaute werden von einem wütenden Streichquartett umspielt ...“ (WDR 5, Anna Bianca Krause) www.myspace.com/christianzehnder www.zehndermusic.ch Eintritt: 17.-/14.- €

➔ siehe auch Magazin Seite 61

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Värttinä (FIN)

Präsentiert mit freundlicher Unterstützung: Schopf Computersysteme, Würzburg

Women of the North: from virgins to witches, from maids to murderers

Samstag, 8. August, 20:30 Uhr Värttinä ist in den letzten beiden Jahrzehnten nicht zuletzt durch furiose Auftritte zu einer der weltweit erfolgreichsten finnischen Bands geworden – im Niemandsland von zeitgenössischem Folk und Pop mit einem einzigartigen Vokal- und Instrumental-Stil, der nicht nur in Finnland seinesgleichen sucht. In der Heimat sind ihre Veröffentlichungen vergoldet und haben mittlerweile Platin-Status. Die letzte Studio-Produktion erschien auf Peter Gabriel‘s Real Word, einem Label mit höchster Reputation im Bereich World Music/Pop, und erreichte Platz 5 in den World Music Charts Europe. Värttinä wurden 2003 vom amerikanischen Magazin Utne Reader neben Musikern wie Tom Waits, dem Architekten Shigeru Ban und dem Installationskünstler Matthew Barney unter die 40 bedeutendsten Künstler der Welt gewählt.

Verwoben werden alte finnische Runen-Poesie und eigenwillige finno-ugrische Vokalharmonien zu einem energischen und kraftvollen, fast schon provokanten Gesangstil. Die Stimmen der Frontfrauen und Sängerinnen und die einzigartigen Harmonien strahlen eine eigentümliche Anziehungskraft aus. Wegweisend sind die musikalischen Fähigkeiten und die vielschichtige Dynamik der Band – traditionelles und modernes Instrumentarium, komplexe und ungewöhnliche Rhythmen, klassische und innovative Kompositionen und Arrangements sind gleichermaßen präsent. Gemeinsam mit dem indischen

Filmmusik-Komponisten AR Rahman komponierten Värttinä den Soundtrack für das Musical „The Lord of the Rings“, dessen Uraufführung 2006 in Toronto und Europa-Premiere 2007 in London stattfanden. Mittlerweile können Värttinä ihr 25-jähriges Bandjubiläum feiern, die Band hat sich zudem wieder einmal neu entwickelt, aus den über 20 Musikern der Anfangsjahre ist nun aktuell ein Sextett geworden. „Female voices at the front, boys at the back! Blessed by the no-nonsense and sometimes shocking lyrics of the ancient traditional sagas of blood, sweat and a lot of tears, the confrontational style of singing and song-writing won the music-world over ...“ (Real World). „An unbeatable ‚world-beat‘ combination: traditional music, given a contemporary twist and a post-modern point of view.“ (Rolling Stone) „An extraordinary collision of Finnish harmonies and inyer-face percussion (imagine Le Mystere De Voix Bulgares jamming with Public Enemy).“ (MOJO) „Earthy and Exuberant“ (NY Times) „Delicious knock-em-dead folk tunes, dangerous four part harmonies, judicious sounds of squeezebox and cracking rock rhythms.“ (Tokyo Classified) www.myspace.com/varttina www.varttina.com Eintritt: 19.-/16.- €

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SOHA (F)

D‘ici et d‘ailleurs – Singende Nomadin aus Marseille mit afrikanischen Wurzeln

Sonntag, 9. August, 20:30 Uhr Shooting Star SOHA ist überall und nirgends zu Hause. Mit „D‘ici et d‘ailleurs“ („Von hier und anderswo“) ist ihr vielseitiges Debütalbum (Verkäufe in ihrem Heimatland Frankreich bereits sechsstellig) sehr treffend betitelt. Die Mutter (gebürtige Nubierin) brachte der Tochter schon früh traditionelle algerische Lieder bei. Die Eltern gehörten vor dem Umzug nach Frankreich zu den nicht sesshaften Sahrawi in der West-Sahara. Dieser familiäre Background ist wohl die Ursache für Sohas nomadische Lebenshaltung, ihren Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit sowie das feurige Temperament. Ungekünstelt, frisch und spontan verkörpert sie mit ihrer kräftigen markanten Stimme die unterschiedlichsten kulturellen und ethnischen Einflüsse und verdichtet sie zum originären SOHA-Sound: jamaikanischer Reggae, französischer Chanson, kubanische Rhythmen, spanischer Hüftschwung genau wie kapverdische Morna.

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Soha ist mit diesen prägenden Einflüssen aufgewachsen, was sie vor allem ihren Brüdern und Schwestern verdankt: Als Jüngste von acht Geschwistern erblickte sie in einer Wohnsiedlung im nördlichen Teil von Marseille das Licht der Welt. Während einige Geschwister auf Disco, Funk und Soul standen, führte ihre ältere Schwester sie an das Chanson heran. Brel, Aznavour, Lavilliers und Cabrel waren ihre ersten Idole. Angeregt von deren Chansons begann Soha bereits im Kindesalter selbst mit dem


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Präsentiert mit freundlicher Unterstützung: Kieser Training, Würzburg

Bayern 2 schneidet das Konzert mit.

Singen. Soha wagte später den Schritt auf die Bühne und machte sich in der Region nach und nach einen Namen. Trotz einiger Angebote weigerte sich die Nachwuchskünstlerin strikt, Jobs als Backing-Sängerin anzunehmen. Sie wusste, dass es sich dabei für Frauen nur allzu oft um eine Sackgasse handelt, aus der sie nicht mehr herauskommen. In einer Branche, die immer noch von Männern dominiert wird, hatte sie es sich in den Kopf gesetzt, es aus eigener Kraft als Solistin zu schaffen. Ihre Courage und innere Stärke kamen Soha dabei zupass: „Ich musste mich selbst beweisen, wollte nicht klein beigeben. Daher kommt auch mein Name, der im Jamaikanischen wie ‚so what‘ [na und?] ausgesprochen wird.“ Mit ihrer Beharrlichkeit gelang es Soha schließlich, sich als Performerin zu behaupten. Mit Hilfe des Jazz tauchte Soha in eine weitere Klangwelt ein, die Stimme klang plötzlich reifer, und ganz allmählich vervollständigte sich so ihre Künstlerpersönlichkeit. Einen weiteren großen Schritt nach vorn machte Soha, als sie die Musik von Celia Cruz und afro-kubanische Aufnahmen von 1930 bis 1950 kennenlernte. In ihnen fand sie eine Quelle neuer Energie, den Auslöser für ein neues Projekt: ihr eigenes. So viel Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen verdienen Respekt. „Wo sie ist, geht die Sonne auf. Soha erhellt nicht nur den französischen Pophimmel, auch hierzulande ist die Botschaft der musikalischen Neuentdeckung angekommen. Zahlreiche geduldig wartende Fans bekommen kei-

ne Karten mehr, das Tollhaus ist ausverkauft. Eine mehr als respektable Leistung für eine Künstlerin, die gerade einmal ein Album veröffentlicht hat (...). Drinnen gleicht die Atmosphäre dem, was beim Fußball ‚Hexenkessel‘ heißt (...). Soha bringt an diesem Konzertabend tollen Pop und karibisch inspirierte Musik zusammen, vermischt das groovige Trio Ragga, Reggae und Hip Hop zu einem explosiven Gebräu, schwebt nicht nur in der luftigen Coverversion von Serge Gainsbourgs ‚Les Petits Papiers‘ in französischen Sphären. Soha vereint alle Einflüsse, die ihr Leben bislang mitbestimmt haben, und entwirft gemeinsam mit ihrer vierköpfigen Band eine gleichsam lässige, zauberhafte, kraftvolle und mitreißende Klanglandschaft.“ (Badische Neuste Nachrichten) „Diese Frau war die absolute Sensation des ‚popdeurope‘ 2008 ...“ (Tagesspiegel Berlin) „Kein Song gleicht dem anderen, aber in jedem spürt man die künstlerische Energie von Soha, das Bestreben, ihren ganz eigenen Ausdruck zu finden.“ (mopo.de) „Cette perle noire va vite se faire une place au soleil dans le monde de la musique. La chaleur de son Afrique d‘origine (...) des mélodies ensorcelantes (...) un charisme évident.“ (Le Parisien) www.myspace.com/sohamusic www.soha.fr Eintritt: 19.-/16.- €

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Die Wolke

Gefühlvoll, spannend, traurig, mitreißend (Gregor Schnitzler, D 2006, 102 Min, FSK: ab 12)

Dienstag, 11. August, 21:30 Uhr „Die Wolke“ ist eine dramatische Liebesgeschichte und die packende Verfilmung des preisgekrönten Bestsellers von Gudrun Pausewang (Ravensburger Buchverlag). Der Film wurde mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet, erhielt den Bayerischen Filmpreis 2006 und wurde nominiert für den Deutschen Filmpreis 2007. Gedreht wurde u. a. in der Umgebung von Fulda. Die Hauptrollen des Dramas spielen Paula Kalenberg (eindrucksvoll!), Franz Dinda, Hans-Laurin Beyerling und Richy Müller. Regie: Gregor Schnitzler („Was tun, wenn‘s brennt“, „Soloalbum“).

Der Film zeigt eine nukleare Katastrophe mitten in Deutschland: Bei einem Störfall im nahe gelegenen Kernkraftwerk (Schweinfurt?) wurde eine erhebliche Menge an Radioaktivität freigesetzt – Panik, Chaos und Anarchie breiten sich aus, die Menschen versuchen vor der radioaktiven Wolke zu fliehen. Gefangen in diesem nuklearen Albtraum ist Hannah (Paula Kalenberg). Sie nimmt das Publikum mit auf ihre Odyssee, bei der sie – plötzlich völlig auf sich alleine gestellt – versucht, dem Horror zu entkommen und ihre große Liebe Elmar (Franz Dinda) zu finden. Eine bewegende, einfühlsam inszenierte Geschichte über die Hoffnung wider alle Vernunft, den unbändigen Willen zu leben und eine Liebe, die auch noch vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe versucht, alle Widerstände zu überwinden.

„Die Wolke ist ein Film, dem man sich nicht entziehen kann – gerade weil er kein reißerischer Film ist. Statt im genreüblichen Katastrophen-Voyeurismus zu schwelgen, zeichnet er mit feinem Strich ein eindringliches Bild der menschlichen Folgen, die ein atomares Großunglück hinterlässt (...). Film und Buch führen das ungeheuerliche Geschehen am Schicksal eines mutigen jungen Mädchens vor. Hannah, die sich gerade verliebt hat, wird von der Reaktorkatastrophe überrollt. Sie wird zum Opfer, aber sie überlebt (...). Stoff nicht zuletzt für eine kontroverse, aktuelle Diskussion. Denn das Thema Kernkraft gewinnt gegenwärtig wieder an Brisanz.“ (Auszug aus dem Filmheft – Kulturfiliale, Vera Conrad und die Autoren Regine Jabin und Ulrich Steller) „Kernenergie für die ganze Welt? Das fordern ausgerechnet die Marktradikalen, die so viele Länder ins Verderben gestürzt haben.“ (Grandseigneur Erhard Eppler in der SZ – http://www.sueddeutsche.de/politik/900/302896/text) „Schnitzler erfasst ganz und gar, wie ein solcher GAU auf die Bevölkerung wirkt und wie der Kampf ums Überleben aus Menschen Unmenschen macht. Und dennoch zeigt er inmitten des Elends und der Gefahr auch Akte des Humanismus, die uns klarmachen, dass die Spezies Mensch ihres Rufes zum Trotz doch einen guten Kern besitzt. ‚Die Wolke‘ ist herausragendes deutsches Kino: gefühlvoll, spannend, traurig, mitreißend. Fazit: herausragendes Drama, dicht inszeniert.“ (Movieman.de) www.die-wolke.com Eintritt: 7.-/6.- €

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Doppelkonzert: Pop Kultur global – zwei Mittwoch, 12. August, 20 Uhr

Karo (Wü) Elektrisierende Lichtgestalt ... singt Karo ist eine Lichtgestalt am Würzburger SingerSongwriter-Firmament (Preis für Junge Kultur Würzburg 2009). Seit einigen Jahren bastelt sie an ihren magischen Lo-Fi-Songs über die großen Themen der Popmusik: Liebe und Verlust. Sie schlägt Wellen in Medien wie myspace, Zündfunk (Bayern 2), on3-radio (Startrampe) etc. und sorgt mittlerweile gar im Ausland für Furore. Die intuitiven Songs pendeln zwischen Festhalten und Loslassen, sind intim und emotional, bisweilen spröde und fragil, erzeugen nicht selten ein bewegendes Gänsehaut-Feeling. Musikalisch wird Karo bisweilen mit Namen wie Marianne Faithfull und Kim Gordon/ Sonic Youth, Feist oder PJ Harvey in Verbindung gebracht, aber Karo ... singt. Und erklärt die Welt auf ihre ganz eigene Art und Weise.

„... so wie uns Karo elektrisiert hat, als wir sie vor einigen Monaten zum ersten Mal singen gehört haben. Als wir nicht glauben konnten, dass mitten in Bayern, damals noch Schweinfurt, eine junge Künstlerin in ihrer Mietshaus-Studentenwohnung solche Songs aufnimmt und sich damit anfangs nicht mal auf die Bühne getraut hat (...) wie Karo alles allein macht. Schreiben, singen, spielen und produzieren (...). Ein ebensolcher (Produzent) stand

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übrigens bei einem Karo-Auftritt mit geschlossenen Augen da und hat sichtlich mehr als genossen, was er da gehört hat. So geschehen erst vor ein paar Wochen beim on3radio-Festival im Münchner Funkhaus. Von wem ich spreche? David Sitek von TV On The Radio, unter anderem Produzent von Scarlett Johanssons Debüt-Album (...) Ich sage so etwas wirklich nicht oft, aber Karos Album ‚Sing Out, Heart‘ raubt mir den Atem. Unfassbar, welche Atmosphäre sie in ihren Songs erzeugt, die ganz spärlich instrumentiert sind, um den nötigen Raum zu lassen für Karos wohl überzeugendstes Merkmal: ihre Wahnsinns-Stimme. Gottseidank ist Karos Kreativität nicht abhängig vom Geld der großen Plattenfirmen. Karo tut, weil sie tut und nicht anders kann.“ (on3-radio – Album der Woche) „Denn wo Karo auftritt, hinterlässt sie meist leuchtende Augen und offene Münder. Wenn sie auf der Bühne steht, ganz alleine mit E-Gitarre, und loslegt, dann wird es fast immer mucksmäuschenstill im Publikum.“ (Mainpost) www.myspace.com/karosings www.singoutheart.de

Hjaltalin (IS)

Strangely beautiful & pure pop brilliance – epic! Die Band ist eine von Islands neuesten Kleinoden aus der unerschöpflichen Schatzkiste dieser kleinen Insel im hohen Norden. Zauberhafter Kammerpop in der Nachbarschaft von The Divine Comedy, Sigur Ros und Arcade Fire (Icelandic Music Awards 2008: „Best Songwriter“: Högni Egilsson, und „Brightest Hope“). Beim jährlichen Eurosonic Festival in Groningen war das „Kammer-Pop-Orchester“ zuletzt einer der am meisten gefeierten Live-Acts bzw. die Festivalentdeckung.

„So klängen Arcade Fire, hätten sie ihren Wohnsitz in Island, ein Faible für seltsame Instrumente – und ein wenig mehr Freude am Leben.“ schwärmte z. B. Daniel Koch im Musikmagazin „Intro“.

Hjaltalin kommen aus Reykjavik. Außerhalb ihrer Heimat waren Live-Auftritte bisher eher noch eine Seltenheit, sie spielten allerdings bereits mit Bands und Künstlern wie Bloc Party und Jens Lekman ebenso wie auf dem Iceland Airwaves Festival. Ihr Debütalbum „Sleepdrunk Seasons“ wurde von Benny Hemm und Gunni Tynes von MÙM produziert und konnte in ihrer Heimat und Skandinavien schon große Erfolge verbuchen. Mit ihren acht Bandmitgliedern kann man sie weder als kleines Orchester noch als mutierte und groß-gewachsene Rockband oder sonst was bezeichnen. Neben Bass, Gitarre und Schlagzeug sind Fagott (großartig!), Piano, Akkordeon, Klarinette, Cello und Violine im Repertoire, vervollständigt vom unverwechselbaren Klang von Högnis und Siggas Stimmen! Das Wetter ließ sie sich um einen Ofen versammeln und im Sinne der altbekannten, wenngleich vergessenen Hausmusik die Tristesse in verspielte, bunte und fabelhaft tönende Bilder verwandeln. „This is playful, frisky music that sounds like an endless summer night among friends, sliding from euphoria to melancholy and back again, lush with longing and promise.“ (Guardian) www.myspace.com/hjaltalinband Eintritt Doppel-Konzert: 12,-/9,- €

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(ab 24 Uhr): Hafensommerclub im boot: Eintritt frei für alle Konzertbesucher!

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➔ siehe auch Magazin Seite 64

Karandila jun. (BG)

Die lautstarken Trompeten der Hoffnung

Donnerstag, 13. August, 20 Uhr „The New Kids on The Brass Block“ könnte man die international Aufsehen erregende Junior-Ausgabe der Balkan-Brass-Band–Klassiker Karandila nennen. Nicht erst seit dem Auftritt mit Hubert von Goisern für dessen Projekt „Goisern goes East“ sind Karandila aus Sliven in Bulgarien der überzeugende Beweis, dass Gypsy-Brass vom Balkan nicht nur für Spontaneität, Ekstase und Chaos steht, sondern auch für Disziplin, Komplexität und Akkuratesse, ohne Tanzbarkeit und Wildheit einzubüßen. Karandila „senior“ sind als eine Brass-Band bekannt, die nicht nur World-Musik-Fans, Partyfreaks (und seit ihrem Album „Revolution“ auch AntiglobalistInnen), sondern auch Jazz-Aficionados überzeugt. Doch die nächste Generation sitzt schon in den Startlöchern und steht für die Fortsetzung der unbändigen Brass-Band-Revolution.

Zwischen sieben und 17 Jahre alt sind Karandila junior und können, angeführt von Karandila-Mastermind und Cheftrompeter Angel Tichaliev, ihren Vätern und Groß-

vätern bereits das Wasser reichen. Der Roma-Musiker Tichaliev kämpft mit diesem Projekt gegen die Armut – mit Musik. Noch fehlt es einer in privater Initiative errichteten Musikschule an vielem: an Instrumenten oder an Geld für Lehrpersonal. Aber der Kopf des Blechbläser-Orchesters Karandila gibt jeden Tag 15 Jugendlichen Musikunterricht: Klassiker der balkanischen Roma-Musik wie etwa „Djelem Djelem“ und ähnliche Lieder mit Gän-

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Kino: Gucha

sehaut-Garantie. Den Besuchern wird Hören und Sehen vergehen, wenn die Brass-Kids mit ihren Choucheks und Tshiftetelis Endorphine, Serotonine und allerhand anderes Zeugs durch die Gefäße des Publikums jagen. Diese originäre Band aus dem Roma-Umfeld von Sliven hat nichts mit der mittlerweile inflationären musikalischen Stangenware zu tun, die sich mit „Balkan“ tituliert und fröhlich eklektizistisch die unverstandenen Stile plündert. Im Schulterschluss mit dem beeindruckenden Balkan Fever Festival Wien präsentieren wir diese jungen Wilden, die an einem hoffentlich lauen Sommerabend die Hafentreppe zum Beben bringen. „Manche Stücke erinnerten schon eher an den Tanz wild gewordener Hummeln - Speed unlimited! Apropos Tanz: Als seriöser Kritiker versuchte ich mich dagegen zu erwehren. Aber gegen diesen ‚Kinderkreuzzug‘ hatte ich keine Chance, ich musste einfach das Tanzbein schwingen.“ (kleinundkunst.at) www.balkanfever.at www.myspace.com/karandila Eintritt inkl. Kino: 17.-/14.- €

➔ im Anschluss Kino:

Gucha

(BG, D, YU, A 2006) „Gucha“ ist eine augenzwinkernde Liebesgeschichte, die sich – die Namen Juliana und Romeo deuten es an – an klassischen Vorbildern orientiert. Produziert wurde der Film u. a. von Cannes- und Venedig-Gewinner Emir Kusturica, Schöpfer von Klassikern wie „Schwarze Katze, Weißer Kater“. Den skurril-lakonischen Ton seines Lehrers trifft Regisseur Dušan Milic mit Leichtig-

Präsentiert mit freundlicher Unterstützung: wuevita.de, Sommerhausen

keit. „Gucha“ ist eine Liebeserklärung an die musikalischen Traditionen des Balkans. Wie der gesamte Film vom überbordenden Gypsy-Brass-Soundtrack lebt, so ist auch die Verbindung zwischen Film und Realität ein zusätzliches Spannungselement. Fünf Mal hintereinander hieß der Gewinner in Gucha Boban Markovic – ausgezeichnet für Virtuosität und Innovationskraft gleichermaßen. Und im Film spielt sein Sohn Marko den jungen Musiker, der unbedingt diese Auszeichnung gewinnen möchte. „Rund eine halbe Million Menschen strömen jährlich nach Gucha zur Weltmeisterschaft der Blechblasmusik, dem größten Trompeten-Event weltweit: Es ist ein serbisches Woodstock, eine Love Parade mit Pauken und Trompeten. ‚Gucha‘ ist aber auch der Titel des neuen Spielfilms des Kusturica-Schülers Dušan Milic: eine Liebeserklärung an die musikalischen Traditionen des Balkans. Gypsy-Sound ist heute der führende Trend in der Weltmusik, nachdem Erfolgsregisseur Emir Kusturica den Weg bereitet hatte. In ‚Gucha‘ konnte man Balkan-Brass, Gypsy Grooves, Bucovina-Dub vom Feinsten hören, lange bevor sich die Musik im westlichen Mainstream einrichtete. Und meistens haben die Roma die Nase vorn. ‚Weiße Musiker‘, sagt Milic‚ ‚spielen sehr streng. Sie sind sehr darauf trainiert, als Einheit und sehr kraftvoll zu spielen. Romas dagegen spielen ihre Sachen eher soulig, groovig, funkig. Mit mehr Improvisationen und solchen Sachen.‘“ (3sat.de/kulturzeit) www.myspace.com/guchafilm www.gucha.kinowelt.de

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Matthias Brodowy (D)

Pointen-Ballistik ... bis es euch gefällt

Freitag, 14. August, 20:30 Uhr Seit fast einem Jahrzehnt als Solist und Vertreter gehobenen Blödsinns hat Brodowy mittlerweile fünf Soloprogramme geschrieben und auf die Bühne gebracht. Brodowy führt den Zuschauer zurück in die wunderbaren 70er Jahre, in der er im Blockflötenensemble im Advent ganze Seniorenheime tyrannisierte. Er demonstriert eindrücklich, wie Deutschland heute den Grand Prix in Sachen Chanson gewinnen könnte und erklärt als beamteter Bauchwegtrainer, warum wir uns Übergewicht angesichts der Wirtschaftskrise nicht mehr leisten können. Eine temporeiche One-Man-Show, ein Parforceritt mit lauten und leisen Tönen, Kabarett und Comedy in einem Boot und jede Menge Musik.

Man nennt ihn auch den Lucky Luke der Bühne: Er ist der Mann, der schneller spricht als sein Schatten. Temporeiche Wortwindungen sind das Markenzeichen des hannoverschen Kabarettisten. Brodowy schlägt sich voller Elan durch den abstrusen Alltag des Landes. Auf seinen Streifzügen begegnen ihm hyperaktive Kleinaktionäre und dicke Damen auf Rolltreppen, die schuld sind an der Rezession. Er setzt sich an die Tasten, die das Leben in Schwarz und Weiß teilen, und singt an gegen die ewige politische Korrektheit. Seine Waffe ist das Mundwerk, seine Munition das Wort, sein As im Ärmel die Musik. Kabarett? Comedy? Brodowy! Entdeckt wurde der 33-Jährige durch Kabarett-Altmeister Hanns Dieter Hüsch, der ihm im Frühjahr 1999 den Kabarettpreis „Das schwarze Schaf“ verlieh. Es folgten

weitere Auszeichnungen, darunter der „Prix Pantheon 2000“, das „Sprungbrett“ des Deutschen Handelsblattes und in Anbetracht seiner musikalischen Fähigkeiten das „Emser Pastillchen für zwei Stimmbänder“. Für seine Radio-Comedy-Serie „Kochen mit WOK“ wurde er 2002 mit dem „fn comedy-award“ ausgezeichnet. Im Fernsehen war er u. a. zu Gast bei Ottfried Fischer im Bayerischen Rundfunk, bei den WDR-„Mitternachtsspitzen“, beim 3sat-Zeltfestival und beim rbb-Kleinkunstfestival in den Berliner Wühlmäusen. „Ein Vertreter des poetischen Kabaretts, das dennoch die harten Fakten nicht ausklammert. Ein begnadeter Schnellsprecher, der ebenso virtuos die Tasten seines Pianos betätigte.“ (Lübecker Nachrichten) „Brodowy ist politisch, offensiv, überzeugte durch die Vielfalt seiner Themen und seine Musikalität.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) „Matthias Brodowy ist ein Meister verbaler Komik.“ (Darmstädter Echo) „Brodowy besticht durch größte Vielseitigkeit als selbstironischer intelligenter Musiker und Kabarettist.“ (Die Welt) „Brodowy setzt auf Augenzwinkern statt Schenkelklopfen. Das alles ist frech auf hohem Niveau.“ (Hannoversche Allgemeine Zeitung) „Brodowy ist ein gewiefter Pointen-Ballistiker, der seine satirisch zugespitzten Spaß-Projektile mitten in die trübsten Gehirnschmalzareale seines Publikums lenkt.“ (Göttinger Tageblatt) „Das Publikum liebt ihn.“ (Wolfsburger Allgemeine Zeitung) www.brodowy.com Eintritt: 17.-/14.- €

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PeterLicht (D)

Oh, Pop-Kultur, was wärst du ohne deine Mythen, deine Licht-Gestalten?

Samstag, 15. August, 20:30 Uhr „PeterLicht - Musiker, Schriftsteller, Phantom. Der Mann, der die Unsichtbarkeit perfektioniert hat. Eine Kunstfigur ... wird mit jedem Album ein bisschen berühmter. Als Meinrad Jungblut landete der Musiker den Sommerhit 2000: „Sonnendeck‘. 2007 las PeterLicht ‚Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends‘ beim Bachmann-Wettbewerb ...“ (Bayern 2). „Wo der Kapitalismus aufhört, fängt die Liebe an“, sagt PeterLicht, nebenbei und keineswegs staatstragend. Und den Kapitalismus, den alten Schlawiner, der uns lange genug auf der Tasche gelegen hat: Den hat PeterLicht ja schon verabschiedet, mit viel Winken, Tränen und Lalü-Lala, auf seiner Platte „Lieder vom Ende des Kapitalismus“, die wir komischerweise immer noch hören. Es gibt gute Gründe, warum PeterLicht, dieser Lexikalist der Leidenschaften, dieser Flaneur des Entflammbaren, sein viertes ordentliches Album nicht „Liebeslieder“ oder so ähnlich genannt hat, sondern „Melancholie und Gesellschaft“ – unter anderem, weil er seinen mündigen Zuhörern niemals vorgaukeln würde, alles wäre so einfach.

Die Musik tanzt auf eine Art, die viele vielleicht als leise Massage spüren, die aber genauso gut etwas Klarkaltes, wolkenlos Deutliches hat. Ein regnendes Klavier, Gitarren wie das Stroh, in das man sich mit großem Anlauf hineinschmeißt, ein bisschen stachlig, ein bisschen flauschig. Die zum Zyklus gekreiselten ersten paar Sekunden von

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Patti Smiths „Because The Night“, die wohlprononcierte Dramatik, Wanderlieder aus Porzellan, Musik für leere Ballsäle und ein Orchester mit Glockenspiel. Und wer findet, dass das alles für eine PeterLicht-Platte zu wenig verspult klingt, der muss nun doch die Augen aufmachen und sehen, dass „Melancholie und Gesellschaft“ ein transzendentes Moment hat wie bisher kein anderes Werk im Licht-Kanon. „Jeder Gedanke schien mir nur noch der Beweis seines Gegenteils zu sein“, schreibt PeterLicht, und dass er schreibt: Prosa, Songs, ganze Bücher, dass er beim Bachmann-Preis liest und auf Kunstbühnen inszeniert wird, dass er seine Musik live aufführt und im Jahr 2007 verstärkt von Indie-Clubs übers große Theaterschiff bis zum Melt!-Festival in allen Formaten gerockt und gepoppt hat, das ist alles bekannt. Wer PeterLicht dank „Sonnendeck“ aus dem Jahr 2000/2001 als One-Hit-Wonder betrachtete, wurde spätestens vom überwältigenden Publikums- und Kritikererfolg eines Besseren belehrt. „Selbst in seinen Texten folgte PeterLicht dem Prinzip einer humorvollen Zerstreuung und anarchischen Wendigkeit, innerhalb derer kein Gedanke und keine Beobachtung davor sicher waren, ausgetestet und angerissen, ironisiert oder poetisiert zu werden. Ob nun mit fragmentierter Systemkritik, versprengten Utopieresten oder launigen Gebäudebeschimpfungen, der Wortkünstler PeterLicht sprang zwischen großer Geste, subversiver Zeitdiagnostik und schillerndem Detail hin und her, um Befindlichkeiten und Ängste zu konstatieren, ohne gravitätische Repräsentationsmodelle zu bedienen.“ (Thomas Melle)

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„Was der Multiinstrumentalist mit elektronischen und analogen Mitteln an Melodien und Popappeal auffährt, dürfte sich auch im gleichgeschalteten Musikmainstream durchsetzen.“ (kulturnews.de) „Findet man Harmonien, Melodien und Songstrukturen, die in der hiesigen Poplandschaft ungewöhnlich sind? Selten. Das gilt auch für PeterLicht‘s Texte. Seine Pamphlete verpackt er geschickt in verschachtelte, manchmal etwas anstrengende, oft aber überwältigende Poesie. ‚Ich denke / also bin ich / bin ich nicht! / und kauf’ mir was‘. Der gesichtslose Herr aus Köln wird immer sympathischer. Musikalisch wie textlich.“ (blogs.taz.de/popblog) „Wenngleich es scheint, als habe der Künstler die Lust an der Negation verloren, gibt es auch auf dem vierten Album noch ein wenig Politisierung: ‚Marketing‘ beklagt in grandioser Atemlosigkeit die Glätte und Unwiderständigkeit im Neoliberalismus, in dem das unverbindliche Dauergrinsen zum selbstverständlichen mimischen Selbstpräsentationsmodus geworden ist. In ihm wird einer Zeit nachgetrauert, in der es zwar auch schlimm stand, der Feind aber wenigstens noch erkennbar war.“ (Spex) www.myspace.com/peterlichtmusic www.peterlicht.de Eintritt: 19.-/16.- €

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Hafensommer-Finale Sonntag, 16. August, ab 12 Uhr, Eintritt frei!

20 Jahre Kunstverein Würzburg e.V. Festveranstaltung im Alten Hafen, 12 bis 14 Uhr Finissage: Kathrin Haaßengier: Objekt, Installation | Sabine Kirste: Malerei. Zur Finissage werden zwei Stücke für Streichquartett uraufgeführt, die eigens von Gerd Vierkötter (Hamburg) für die Finissage komponiert wurden.

Steckerlfisch vom Holzkohlegrill, ab 13 Uhr Ein Teil des Erlöses wird vom Restaurant Lumen an eine soziale Einrichtung in Würzburg gespendet. Sparda-Bank präsentiert:

Sparda Talentschmiede 14 bis 16:45 Uhr Zum ersten Mal beim Würzburger Hafensommer präsentiert die Sparda-Bank Höhepunkte der Festivals Umsonst & Draussen (U&D) und Straßenmusikfestival (STRAMU). Die besten Beiträge von „3 Songs“ des U&D 2009, mit ausschließlich eigenen Texten und eigener Musik, wechseln sich ab mit Gewinnern des Sparda-Nachwuchsförderpreises beim Straßenmusikfestival. Moderiert wird die

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Sparda Talentschmiede vom Würzburger Musiker und Kulturförderpreisträger Dennis Schütze.

Abendprogramm: Hugo For Sale 17 bis 18 Uhr „Handgemachte“ Rockmusik mit jahrelanger Banderfahrung. Die Klassifizierung Rock ist nicht allzu streng aufzufassen, beinhaltet das Repertoire der Blues-RockCombo doch Roots aus Blues, Boogie und Funk. Das LiveErlebnis der eigentümlichen und eigenwilligen Art nach dem Motto: Blues ist, wenn man trotzdem lacht. Zitate aus fränkischen Presseerzeugnissen: „Bluesrock, bei dem das Stillsitzen schwerfällt“ „Da paßt bei aller Gaudi und Spielfreude wirklich die Harmonie und das Feeling.“ „Nichts wird einfach nachgespielt, die eigene Interpretation steht voll im Vordergrund.“ „Die Musiker bringen satten Blues, getragen von der kraftvollen, rauchigen Stimme von Hugo Gündling.“ www.myspace.com/hugonibus

Big Bang Orchester 18:30 bis 19:30 Uhr Mit dem fränkischen Multiinstrumentalisten Michael Schmitt (Violine / Gitarre) hat Klaus Kreuzeder, der be-


Vorwort | Überblick | Kino | Musik | Konzert | Theater | Kabarett | Kunst | Service & Info

kannte Münchner Saxophonist im Rollstuhl (Aera, Sting, Stevie Wonder, Al Jarreau, Blechschaden ...), nun einen kongenialen, virtuosen Duo-Partner an seiner Seite. Beide Musiker verbindet eine ausgelassene Spielfreude jenseits aller stilistischen Grenzen. Das Duo macht mit seinen selbst komponierten Stücken eine Weltmusik im wörtlichen Sinne und verbindet Rhythm & Blues, Rock, Jazz, Soul, sowie klassische und ethnische Einflüsse zu einem eigenen unverwechselbaren Sound. Der Einsatz moderner elektronischer Technik, gepaart mit freiem, spontanem Zusammenspiel auf Gitarre, Violine und Saxophon, schafft einen Klangkörper, der oft dem eines kleinen Orchesters nahe kommt. www.trick-music.de

floorJIVERS 20 bis 21:30 Uhr Die floorJIVERS nennen ihre Music ‚Electrolounge‘. Unter diesem Oberbegriff bearbeiten sie ein weites musikalisches Feld zwischen elektronischen Klängen, Nu-Jazz, Funk, House, Dub und relaxten Lounge-Tunes und sind dabei sowohl in der analogen als auch in der digitalen Musikwelt zu Hause – Fender Rhodes, Wurlitzer, Trumpet, Saxofon, Turntables, Organ, Guitar, Loops ... „Völlig entspannt und virtuos entfalten die floorJIVERS einen Klangteppich, mit dem man ein schönes Stück durch Zeit und Raum fliegen kann (...) Wenn die floorJIVERS aufspielen, dann wird das Leben leichter. Im besten Fall hebt der geneigte Zuhörer sogar ein wenig ab, im Geiste, versteht sich. Bandchef und Saxophonist Bernd Delbrügge, Trompeter Ebasa Der Meister, Fender-Rhodes-

Pianist Easy Rhodes und Dr. Green, turntables und electronics, knüpfen raffinierte Klangteppiche. Und wer sich drauf einlässt, der fliegt mit.“ (Kölner Stadtanzeiger) www.floorjivers.de

WVV on Fire: Tanguda drums, dance & fire 21:45 bis 22:20 Uhr Tanguda ist ein gigantisches Spektakel aus Tanz, Artistik, Performance-Art, live gespielten Powerdrums, atemberaubender Pyrotechnik und heißen Flammen. Der Name ist ein Wortspiel mit dem Wort Tangale. Die 35 Mitglieder des Ensembles kommen aus Ghana, Gambia, Senegal, Brasilien, Russland, Ägypten, Polen, Italien, Deutschland und Österreich. Der eigenständige Style von Kulisse und Kostümen wirkt trashig, verbunden mit einer großen Portion traditioneller afrikanischer und südamerikanischer Phantasie. Das Feuer verbindet dabei die einzelnen Sequenzen als spannungserhöhende Attraktion. Die technisch anspruchsvolle Inszenierung mit zahlreichen Gasflammenprojektoren und Flammenwänden, elektronischen Feuertrommeln und digital gezündeter Pyrotechnik ist eine der Hauptattraktionen des Spektakels. Die artistischen Elemente umfassen außer der Feuerartistik auch eine einzigartige Vertikaltuchnummer als „pas de deux“ in Schwindel erregender Höhe.

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[magazin]

Geoff Muldaur So klingen Freunde

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nverhofft geht manchmal im Leben eine Tür auf – und jemand wie Geoff Muldaur tritt ein in dein Leben. Oder Kevin Coyne. Oder Dan Reeder. Oder Robert Forster, Elliott Sharp, David Grubbs, Mykel Board, Amiri Baraka – egal. Menschen jedenfalls, deren Kunst einen berührt hat, lange bevor man die Person kennen lernen darf. Aber bloß keine falschen Erwartungen dann: Sie alle sind only human, mögen vielleicht Spargel, verabscheuen dafür Knödel, lieben Fußball oder die alte Pinakothek und hassen George Bush. Da wird dann der Schritt gemacht vom Fan zum Freund: Schön, dass es dich gibt. So ist es auch mit Geoff, einem inzwischen soigniert wirkenden älteren Herren, den man gar nicht mit den turbulenten, schwindelerregenden, wilden und lustigen Geschichten in Verbindungen bringen mag, die man von ihm gelesen oder gehört hat: ach, die 60er Jahre. Ach, die verdrogten 70er. Ach, die drögen 80er. Und was war in den 90ern? Doch wenn er so strahlt, weil er gerade für B.B. King die Bläser arrangieren darf, wenn er von der Kunst eines Ed Rusha oder eines Botticelli schwärmt, wenn

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➔ zum Konzert auf Seite 11

von Karl Bruckmaier

Pop-Autor (u. a. Süddeutsche Zeitung), Radio-DJ (u. a. Bayern 2) und immer wieder auch Regisseur/Produzent (u. a. Intermedium) und gelegentlich auch Übersetzer (u. a. Suhrkamp) aus München (www.le-musterkoffer.de)

er von der aktuellen LP seiner Tochter erzählt, wenn er schließlich seine Gitarre zur Hand nimmt und zu singen und zu spielen anfängt, dann spielt die Vergangenheit keine Rolle mehr, dann ist er ganz bei uns, dann hören wir mit klopfendem Herzen zu, dieser Stimme, die wie zwei Blues-Sänger klingt, wie zwei Country-Schmeichler, diesen geschickten, immer einfallsreichen Fingern, diesem Timing, dieser Lust am Geschichtenerzählen... Bei einem Dylan-Konzert oder als ich noch Miles Davis live erleben durfte, da hat es sich auch eingestellt, dieses Glücksgefühl, dieselbe Luft atmen zu dürfen wie ein ganz Großer, dieses Wissen, etwas Kostbares, Seltenes zu erleben, etwas, das ganz schnell für immer verschwunden sein kann: Hier sind es, auf höchstem könnerischen Niveau zum Vortrag gebracht, jene Klänge, aus denen Popmusik sich seit fünf oder sechs Jahrzehnten immer wieder rekombiniert. Und so nahe wie bei einem Konzert von Geoff Muldaur werden Sie diesem großen Glück nie wieder kommen ...


[magazin]

Jimi Hendrix

Matsch und Heiligenschein

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er an Woodstock denkt, denkt unweigerlich an Jimi Hendrix. Wer an Jimi Hendrix denkt, denkt an „The Star Spangled Banner“, an jene brachiale Verfremdung der amerikanischen Nationalhymne, die noch heute die Gemüter erhitzt. War es ein politisches Manifest? Eine Protestaktion gegen den Vietnamkrieg? Ein lärmender Abgesang auf den American Way of Life? Oder wollte Hendrix, der als ehemaliger Soldat durchaus patriotische Gefühle hegte, hier vielleicht nur die neuen Ausdrucksmöglichkeiten, die ihm die elektrische Gitarre bot, an einer allseits vertrauten Melodie demonstrieren? Hatte also die Auswahl der Hymne für den Woodstock-Auftritt primär musikalische Gründe? Wie bei kaum einem anderen Idol der Rockgeschichte durchmischen sich im Fall Jimi Hendrix Mythen und Tatsachen. Das gilt nicht zuletzt für seinen Woodstock-Auftritt: Hendrix’ Star-Spangled-Banner-Version wird inzwischen auch als „Herrschaft des Feedbacks“, ja als „globales Maschinengewehr“ interpretiert (zit. n. Frank Schäfer

➔ zum Konzert auf Seite 22

2002, S. 119). Dabei hatte der vermeintliche Globalisierungsgegner an jenem frühen Montagmorgen des 18. August 1969 mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Doch die Missverständnisse begannen schon viel früher. Sie schreiben sich noch heute in unserer Erinnerung als die medialen Konstruktionen einer vielschichtigen Figur fort, die selbst oft genug widersprüchliche Angaben zu ihrem Leben gemacht hat. Er war ganz Image, dieser Hendrix. Er hatte krauses Haar, das überall von seinem Kopf abstand wie ein grotesker struppiger Heiligenschein, und er war sehr cool, er hatte ein langsames Grinsen drauf und sprach unheimlich gedehnt. Er wußte genau, was er tat. Er war ein unheimlich großprotziger Showman.“ (Der britische Rockjournalist Nik Cohn, zit. n. Herfurtner 1980) Diese Zeilen versammeln all jene Klischees, die jahrelang das Bild des bedeutendsten Gitarristen der Rockgeschichte bestimmten. Seine exhibitionistischen Attitüden auf der Bühne, sein feedbackschwangeres Gitarrenspiel in ➔ den unmöglichsten Posen,

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[magazin] von Dr. phil. Peter Kemper. Peter Kemper ist Publizist, Rundfunk- und Fernsehjournalist und einer der hauptverantwortlichen Leiter des Deutschen Jazzfestivals Frankfurt. Journalist: Mitarbeiter beim Hessischen Rundfunk (Leiter des ‚Abendstudios‘, Leitung der täglichen hr2-Gesprächssendung ‚Doppel-Kopf‘). Seit 1981 regelmäßige Mitarbeit im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Musikkritiker für Rock, Pop und Jazz. Autor: Reclam, Suhrkamp, Fischer ... Zahlreiche Buchveröffentlichungen zu Themen der Alltags- und Jugendkultur , z. B. Herausgeber der dreibändigen Textsammlung Rock-Klassiker (Stuttgart 2003). Zuletzt erschienen: Der Aufstand des Ohrs – die neue Lust am Hören (Göttingen 2006) und die Suhrkamp BasisBiographien John Lennon (2007), Jimi Hendrix (2009).

hinter dem Kopf, zwischen den Beinen, auf dem Boden liegend, mit Zähnen und Zunge, das Instrument als brennendes Kultopfer in Monterey – überspannte Symbolik dieser Art prägte das zwiespältige Image von Jimi Hendrix. Dabei war er ein musikalischer Revolutionär: Sein Konzept der „orchestralen Gitarre“, seine Sound-Paintings und Studioexperimente – dokumentiert in 560 offiziellen Konzerten und mehr als 500 Studioaufnahmen – sind bis heute wegweisend und haben neue Maßstäbe in der Rockmusik gesetzt.

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eben seiner Griffbrett-Genialität verfügte Jimi Hendrix über eine intuitive Intelligenz und eine seltene sinnliche Strahlkraft. Vom Management und der Rockpresse schnell zum „wild man of pop“ stilisiert, von den Fans zum psychedelischen Prediger und Drogenpropheten verklärt, bündeln sich bis heute in seiner Person die turbulenten sechziger Jahre: rau, rebellisch, zerrissen, zugleich verträumt und vom naiven Glauben an die bewusstseinserweiternde Kraft der Rockmusik beseelt. Seine virtuose Verwirbelung mentaler Bilder durch Farben, Formen und Klänge galt als Versprechen einer neuen Freiheit – wie nebulös diese auch sein mochte. Man träumte den Traum vom Regenbogen als Brücke in die Zukunft – und das Woodstock-Festival im August 1969 wurde zur utopischen Spielwiese dieser Gegenkultur. Jimi Hendrix war als Topact des dreitägigen OpenAir-Spektakels vom 15. bis 17. August 1969 gebucht. Schon Wochen zuvor hatte er sich in einem riesigen Haus in Shokan, 15 Kilometer von Woodstock entfernt, eingemietet, um mit dem Sextett Gypsy, Sun & Rainbows eine neue Band-Idee zu entwickeln. Ihm schwebte das Konzept einer „electric church music“ vor, das sich nur mit einem größeren Ensemble verwirklichen ließe. Doch die Proben gestalteten sich schwierig: Was locker wirken sollte, klang oft schlampig. Die Musik schwankte zwischen

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energetischem Free Rock und hilflosem Dilettantismus.

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u diesem Zeitpunkt war Hendrix an einem dramatischen Wendepunkt seines Lebens angelangt: Künstlerisch ziellos, ohne einen stabilen Bandzusammenhang, von seinem Management bevormundet, trotz zahlloser Liebesbeziehungen ohne emotionalen Halt, war er gezwungen, sich neu zu erfinden. So plante er, ein paar Songs nur mit akustischer Gitarre und Perkussion zu spielen. Dieser für sein Selbstverständnis als „elektronischer Gitarrengott“ revolutionäre Plan wurde aber von seinem Management und den Festivalveranstaltern sabotiert. Zudem wollte Hendrix unbedingt die lockere Sessionatmosphäre der vorangegangenen Proben und den spontanen Gemeinschaftsgeist der neuen Formation auf die Bühne retten. Doch von all diesen musikalischen und gruppendynamischen Innovationen war dann weder vor Ort noch im berühmten Woodstock-Film oder der begleitenden Schallplattenveröffentlichung viel zu hören: Man hatte die unerhörten Rhythmen und Klangfarben einfach weggemischt. Stattdessen dominierte in den Medien einmal mehr das muskulöse Trio-Spiel. Obwohl er nach seiner Performance vor Erschöpfung einen Zusammenbruch erlitt und trotz triumphaler Außenwirkung mit dem musikalischen Ergebnis seines Auftritts kaum zufrieden war, schrieb er nur wenige Tage nach dem Festival eine Hommage zur Selbstermutigung: „Fünfhunderttausend Heiligenscheine überstrahlten den Matsch und die Geschichte / Wir badeten in Gottes Freudentränen und tranken davon / Und endlich einmal war die Wahrheit für niemanden mehr ein Rätsel.“ (zit. n. Cross 2006, S. 287) (mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Suhrkamp Verlags; aus „Jimi Hendrix – Suhrkamp BasisBioghaphie“, (FFM 2009)


[magazin]

JBBG

➔ zum Konzert auf Seite 27

Klangsignale aus dem Zwischenreich

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ig Bands haben inzwischen als imposante Schwellkörper des Jazz die Aura des Angestaubten. Sie schmecken nach Konservatorium, sind schwer zusammenzuhalten und ein bisschen aus der Zeit. Aktuell Spannendes wächst nur, wenn konservative Kostümierungen abgelegt werden. Weil sie das tun, sind die Grazer so weit vorn. „Trancefactor“ heißt konsequent ihr erstes Stück, denn diese Musik zelebriert ein weiches Schweben, punktgenau angetrieben von Grooves, gebündelt in satten Bläsergesängen und vorangetrieben von Schlagzeuger Gregor Hilbe. Im Bühnenhintergrund fließen Live-Bilder ineinander, vorn steht Barbara Buchholz und zaubert mit ihren Fingern zwischen den Antennen des Theremins. Es ist das seltsamste Instrument der Musikgeschichte, weil man es spielt, ohne es zu berühren. Um 1920 hat es ein russischer Geheimdienstingenieur erfunden. Nach singender Säge klingt es oder wie ein ungeschickter Synthesizer – Signale aus irgendeinem Zwischenreich. Tatsächlich, diese Band steht dazwischen und macht sich dort breit aus Prinzip. Ungewöhnliche Addi-

tionen der Elemente sorgen für diese Reformation eines Genres, in dem plötzlich erstaunlich große Brötchen gebacken werden. „Vor ein paar Tagen ... in der Zukunft“, heißt das nächste Stück. „The Smile of Smiles“, ein richtiger Song nach einem Text von William Blake, könnte in einer gerechten Welt ein Hit sein. Es folgen raffinierte Spiele mit neuem Tango, afrikanischen Mustern und schlussendlich, transkribiert in Spoken Word-Poesie auf wabernden Klangflächen, Simon and Garfunkels „Sound of Silence“. Noch so eine Geschichte, die einfach weitergeht, wenn sie so in einen Jungbrunnen getaucht wird. ➔

von Dr. Ulrich Steinmetzger, Lektor und Publizist

aus Halle. Seit Jahren als freier Lektor, Literatur- und Musikkritiker tätig. Er schreibt u. a. für die Leipziger Volkszeitung, die Mitteldeutsche Zeitung, die Sächsische Zeitung und den Rheinischen Merkur, außerdem für die Musikmagazine Jazzthing, Jazzpodium, Sonic u. a. Mitarbeit in der Jury zum MDR-Literaturpreis und in der Jury für den Literaturpreis des Landes Thüringen.

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[magazin] legt, einen gigantischen Fluss vollkommen unverbrauchter Ideen, ein kurzweiliges Abheben in und von großem Format. Gewissermaßen am anderen Ende des Spektrums setzt man in Graz auf höchste Disziplin, die Druckwelle des Opulenten, Electronics, Beats, Samples und Vokalisen. Auf kraftmeiersche Solos verzichtet man zu Gunsten einer visionären Dramaturgie jenseits der Klischees. Vitale Arrangements von genauester Finesse geben dem Orchester die Agilität einer kleinen Band, ohne auf die kraftvollen Vorteile der Mannschaftsstärke zu verzichten. Das eine tun und das andere nicht lassen.

Opulent in steter Bewegung Dass auch insgesamt die Geschichte der Bigband, dieses schwer im Zaum zu haltenden Schwellkörpers, neben den von Musikschulen, Jazzhistorie und Sendeanstalten gespurten Bahnen weitergeht, beweist die parallel erscheinende neue CD der Jazz Bigband Graz. Sie ist mindestens genauso zu feiern. 2005 hatte die von Saxofonist Heinrich von Kalnein und Trompeter Horst-Michael Schaffer geleitete Mannschaft mit dem amerikanischen Schlagzeuger John Hollenbeck und „Joys & Desires“ einen nicht nur in der Branche bejubelten Geniestreich vorge-

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Diese Musik ist zeitgemäß und clubtauglich, facetten-, klangfarben- und fantasievoll. Auf „Electric Poetry & Lo-Fi-Cookies“ hört man Theremin, Spoken Word Poesie, Satzgesang und den Schlagzeuger Gregor Hilbe, der nicht nur trommelt, sondern via Laptop mit der Band verbunden ist, RhythmusMuster einfängt und sie begleitend zurückspielt. Man hört Rock und jazzfernes Schwelgen, kurz: Man hört das Neue, dem man sich in diesem Fall erstaunlich unangestrengt hingeben kann. (mit freundlicher Genehmigung vom Autor, Auszüge aus Mitteldeutsche Zeitung und Leipziger Volkszeitung)


[magazin]

Ein Quadratmeter Deutschland Eine schwimmende Kunstinstallation

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er Offenheit und Vielfalt, die die Institution Hafensommer als buntes Kulturfestival und Open-Air in Würzburg repräsentiert, wird ein ironisch witziger Kontrapunkt entgegengesetzt: eine ein Quadratmeter „große“ schwimmende Insel neben der Bühne, besetzt mit den Insignien deutscher Spießbürgerlichkeit. Musizierende Gartenzwerge bevölkern die Insel, die akkurat mit Kunstrasen ausgelegt ist. Ein

umlaufender Miniaturholzlattenzaun grenzt das Territorium zum Wasser hin ab. Über eine Solargartenleuchte mit Dämmerungssensor wird die Szenerie in den Abendstunden illuminiert. Im Kontext mit der großen Hafensommerbühne, in dem die Zwergeninsel steht, werden so Themen wie Offenheit - Abgrenzung, Vielfalt - Einfalt, Kreativität - Ordnungssinn u.s.w. visualisiert. Und nicht zuletzt die Kinder werden ihre Freude an der Insel haben.

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Lyonel Feininger, Kopf in Architektur, 1917, Öl auf Leinwand, 96 x 80 cm, Deutsche Bank AG, Frankfurt am Main

maler

Paul Klee, Burghügel, 1929, Aquarell auf Grundierung auf Leinwand auf Keilrahmen, Kunsthaus Zürich

LYONEL FEININGER freunde am PAUL KLEE

© VG Bild-Kunst Bonn 2009 für Lyonel Feininger und Paul Klee Eine Kooperation mit dem Gustav-Lübcke-Museum Hamm

18. Juni - 6. September 2009

bauhaus

Museum im Kulturspeicher Würzburg Städtische Kunstsammlung des 19., 20. und 21. Jahrhunderts mit Nachlass Emy Roeder et mit dem ezeichnKonkrete Sammlung Peter Kunst in Europa nach 1945 auC.sgRuppert.

chen s i r e y a B Veitshöchheimer Str. 5 Öffnungszeiten preis s m 97080 Würzburg u e s u Dienstag 13 - 18 Uhr M Tel. 09 31- 3 22 25-0 58

Fax 09 31- 3 22 25-18 www.kulturspeicher.de

Mittwoch 11 - 18 Uhr Donnerstag 11 - 19 Uhr Freitag, Samstag, Sonntag 11 - 18 Uhr Montag geschlossen


[magazin] Ken Hunt ist Autor, Rundfunk-Journalist, Übersetzer, Herausgeber und Gelegenheitstexter mit Wohnsitz London

Iva Bittová

Ken Hunt über ein Superchamäleon

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ie heißt es so schön: „Vertrauen Sie mir. Ich weiß, wovon ich rede.“ Also, bitte, vertrauen Sie mir: Iva Bittová steht für ein ganz besonderes, ein unwiederholbares musikalisches Erlebnis. Klingt hochtrabend, mag sein, ist aber vor allem: wahr. Was Iva Bittová zu bieten hat, geht über die Musik hinaus. Es ist: sinnlich und erdverbunden und erotisch und ... ach, schauen, erleben, fühlen Sie doch selbst. Hören allein genügt nämlich nicht, wir verfügen schließlich über sechs und mehr Sinne, und die Bittová wirklich erleben heißt: sie auch zu sehen, wie sie auf der Bühne ihrer Musik eine Gestalt verleiht, wie sie ihren ganzen Körper einbringt. So wie sie auf jede nur erdenkliche Art ihre Stimme „ins Spiel“ bringt, so nutzt sie auch jeden Zentimeter ihrer Violine, um dieser Töne und Klänge zu entlocken, nutzt sie die Bühne, um all ihre Vorstellungen in ihre Vorstellung zu packen. Schauen Sie nur, wie sie geht, wie sie schreitet, wie sie stolziert, welche Grimassen sie schneiden kann oder wie zart sie gurrt, quiekt, flirtet. Sie lebt ihre Fantasien aus auf der Bühne. Oder kämpft, bewaffnet mit ihrem Violinbogen, mit lästigen Mücken, echt oder eingebildet. Alles schon passiert. Iva Bittovás totales Theater – sei es ihre Musik oder ihr Spiel – ruht auf dem Fundament ihres Könnens, ihrer Inspiration, ihrer Erdung im Augenblick und kann doch jederzeit jede Gestalt annehmen, jede Maske, jede Identität. Doch ist diese Ausnahmekünstlerin gleichzeitig auch eine braunäugige Dohle, also diebisch, mopst das Krächzen des Sittichs

➔ zum Konzert auf Seite 30 genauso wie das Gebabbel Ihres kleinen Babyleins. Muss man gesehen haben. Sonst hat man es nicht gesehen. In ihrer Heimat Tschechien ist Iva Bittová längst eine Ikone – wir müssen uns da nicht so anstellen. Wir wissen alle, dass sie in ihrer langen Karriere schon tausend und eine Person gewesen ist. Wir dürfen sie ruhig Superchamäleon nennen. Eine Frau, die schon selber aussucht, wer und was sie gerade darzustellen beliebt. Eine Frau, deren Musiksprache keine Vergleiche mehr braucht, sondern für sich selbst (be)steht. Aber bis es soweit ist, dass Sie und ich einfach mit den Fingern schnipsen oder mit der Maus klicken und schon – kawumm – steht das Gesamtkunstwerk Iva Bittová zu unseren Diensten, schon laufen für uns alle Filme von Miloš Forman ab oder es räkeln sich alle Mucha-Mädchen vor unseren Augen (und dazu stehen alle Köstlichkeiten der tschechischen Küche auf dem Tisch, hmmmm!), bis zu diesem fernen Moment müssen wir – um Louis Armstrong kräftig aus dem Zusammenhang zu reißen – uns schon alle Zeit der Welt, alle Echtzeit der Welt nehmen, um etwas so Schönes und Wunderbares wie einen Abend mit Iva Bittová zu erleben. Und: Keine Angst, es tut nicht weh. Ich weiß, wovon ich rede. (Adaptiert von einem Originaltext aus Iva Bittová & Bang On A Can All Stars – Superchamäleon DVD, Indies Scope Records 2006) Übersetzung: Karl Bruckmaier, Pop-Autor, Radio-DJ und Gelegenheitsregisseur und -übersetzer aus München

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Kunstschiff ARTE NOAH

20 Jahre Kunstverein Würzburg e.V.

16. August 2009, 12.00 Uhr: Festveranstaltung im Alten Hafen

im Alten Hafen Veitshöchheimer Str. 5 Tel. ARTE NOAH: 0171.5454325 � Öffnungszeiten Di – So 15.00–18.00 Uhr Mo geschlossen � Kunstverein Würzburg e.V. Postfach 11 09 37 97035 Würzburg

Aktuelle Ausstellung auf der ARTE NOAH | 21.06.–16.08.09 Kathrin Haaßengier: Objekt, Installation | Sabine Kirste: Malerei Finissage: 16. August 2009 | Zur Finissage werden zwei Stücke für Streichquartett uraufgeführt, die eigens zur Ausstellung von Gerd Vierkötter (Hamburg) komponiert wurden. �� www.kunstverein-wuerzburg.de

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[magazin]

Christian Zehnder

➔ zum Konzert auf Seite 35

Voll im Rabentrend – Der Schweizer Obertonsänger und das »innere Tier«

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as macht von sich reden, wenn der Vogel aus einem pfeift, krächzt?“, fragt Christan Zehnder im Booklet seines neuen Albums. Natürlich heißt es „Kraah“. (...) Wer die Musik von Stimmhorn kennt und Christian Zehnder schon einmal auf der Bühne gesehen hat, wird beim Anblick des Covers von Kraah vielleicht erschrecken oder zumindest irritiert sein. Auf dem dunkelblau-schwarzen Cover wirkt Zehnder wie ein Bruder im Geiste Peter Heppners (Sänger der Band Wolfsheim), man erwartet dräuenden Dark Wave mit deutlich apokalyptischem Akzent. Zehnder lacht wieder, räumt aber sogleich ein: „Viel zu dunkel! In der Schweiz, wo das Artwork ursprünglich entwickelt wurde, ist das Cover viel leuchtender, das muss bei der nächsten Pressung korrigiert werden. Andererseits ging es mir schon um die Diabolik und das Mystische, die Magie und das Dunkle – alles Begriffe, die mit dem Raben assoziiert werden. So wollte ich auch die Stimme gebrauchen.“

„Kraah“ ist zwar das erste Soloalbum von Christian Zehnder, entwickelte sich aber in enger Zusammenarbeit mit dem österreichischen Bassisten Georg Breitschmid und dem schweizer Perkussionisten Thomas Weiss. Das Trio wird durch eine ganze Reihe von Gastmusikern wie den bekannten Volksmusiker Noldi Alder, den Klarinettisten Don Li, ein Streicherensemble und Anton Bruhin, der die „Trümpi“ (=Maultrommel) spielt, ergänzt. Auf die Frage, was denn das Kraah Trio (so nennt es Zehnder selbst) kann, was Stimmhorn nicht konnte, antwortet er: „Man kann sich ja in einen Erfolg auch selber einschließen. Der Erfolg von Stimmhorn ist noch immer unglaublich, aber wir sitzen auch etwas fest. Ich wollte mich befreien, auch mal andere Wege gehen können. Auf der anderen Seite habe ich mit dem Kraah Trio ganz andere Möglichkeiten, meine Stimmarbeit, meine Experimente in der Musik auszuloten. Das neue Projekt, bei dem ich als Leader fungiere, ist viel heterogener, grenzt an die Neue Musik und wird nur von meiner Stimme ➔

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24. Juli 2009, 19.30 Uhr: „Classic meets Jazz“ Eröffnungskonzert des 3. Würzburger Hafensommers mit dem Philharmonischen Orchester Würzburg

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[magazin] zusammengehalten. Ich habe mit dem Trio die Chance, in viele Türen hineinzuschauen. Deshalb ist die Musik des Trios auch um Einiges zugänglicher.“ „Zugänglich“ ist der passende Begriff, denn die zehn Tracks von „Kraah“ umfassen einen faszinierend heterogenen Klangkosmos zwischen Tango-Momenten („Wat Ju No“) und reggaefizierten Santana-Erinnerungen („Hotten Totten“), ein überraschend jazziges Spiel mit Klangfarben, durchzogen von einem warmen, pulsierenden Groove: Man höre nur einmal das wunderbare „Ade“ mit dem druckvollen Bass von Breitschmid und der von Alder gespielten Violine. Das Stück „Oh Raura“ erinnert zunächst an Ralph Towner, später dann eher an „Hotel California“ der Eagles, nur, dass deren Sänger Glen Frey keinen Obertongesang drauf hatte und Zehnders Rhythmen nicht ganz so stumpf wie bei den Kaliforniern ausfallen. Im Gespräch erzählt Zehnder von der Kunst, mit seiner Musik und ihrer konzertanten Aufführung emotionale Räume zu öffnen. Er nutzt nach eigener Aussage die Musik, um in verschiedene Stimmungen und Welten hineinzuschauen, um verschiedene Stile und Stilmomente zusammenfügen, dabei aber Zuhause und im eigenen Kopf zu bleiben. Im direkten Vergleich mit der ausladenden, weltumspannenden Bewegung, die Kraah insgesamt auszeichnet, weil die Stücke in sich auch nicht geschlossen sind, sondern auch noch in verschiedenste Richtungen ihre Fühler ausstrecken, erscheint Stimmhorn tatsächlich „viel autarker und auch alpiner“ (Zehnder). Und auch etwas spröder. Dass der erste Track „Åne Däne“ daran erinnert, wie zuletzt die Stimmhorn-Konzerte eröffnet wurden, hat allerdings einen guten Grund: „Die Gitarre zu Beginn war bereits ein Resultat der Arbeit an Kraah, die Musik, die ich schreibe, schwingt immer zwischen den Projekten. Das ist gar nicht zu vermeiden, weil ich in beiden Gruppen ja stilbildend bin. Und ich bin, wer ich bin. Ich habe meinen ganz persönlichen Stil, den kann ich nicht einfach ändern. Die Arbeit der beiden Gruppen befruchtet sich wechselseitig und ergänzt sich. Deshalb

ist auch das ‚Kraah‘ Trio nicht das nächste Projekt nach Stimmhorn, sondern ein weiteres Projekt neben Stimmhorn. Für mich war der Schritt ohnehin nicht so groß. Wenn ich mit anderen Musikern zusammenkomme, passiert eben auch andere Musik. Wenn ich z.B. mit Balthasar [Streiff] spiele, landen wir immer sehr schnell bei einer artifiziellen Klanglichkeit. Aber ich habe auch in kompositorischer Hinsicht viel darüber nachgedacht, wie ‚Kraah‘ klingen könnte. Es sollte sich schon abheben von dem, was Stimmhorn macht.“ In Stefan Schwieterts umwerfender Musikdokumentation „Heimatklänge“ (just auf DVD sowie als Soundtrack auf CD erschienen) spielt Christian Zehnder neben Erika Stucky und dem innovativen Volksmusiker Noldi Alder eine Hauptrolle. Zehnder ist in diesem Kontext derjenige Musiker, der sich als Zürcher mit einer klassischen Gesangsausbildung dem alpinen Raum mit seinen Klängen gewissermaßen von außen nähert. Auch auf „Kraah“ ist Alder zu hören. Wie kam es dazu? „Die Schweizer Szene ist einigermaßen überschaubar. Wer sich in irgendeiner Form mit heimischer Musik beschäftigt, kennt einander. Dass Noldi Alder auf der CD mitwirken würde, war schon vor den Dreharbeiten zu ‚Heimatklänge‘ klar, aber der Film hat uns dann noch mehr zusammengebracht. Noldi ist einer der Erneuerer der Schweizer Volksmusik aus dem Traditionellen heraus. Ich selbst bin ja kein Volksmusiker.“ Auf „Stifeli“ werden uns dagegen sehr originelle Flötentöne beigebracht. Besser gesagt: Blockflötentöne, gespielt von Christoph Marthaler, der lange Jahre sehr erfolgreich am Zürcher Schauspielhaus wirkte und seit einigen Jahren wieder als freier Regisseur arbeitet. Tatsächlich hat der Mann Blockflöte studiert! Irre, was es alles gibt! „Ich kenne Christoph Marthaler schon sehr lange“, sagt Zehnder. „Ich habe viel im Theater gearbeitet und bin mit dem Darstellerischen verbunden, was man ja auch bei Stimmhorn-Konzerten spüren konnte. Das Darstellerische war eigentlich eine Erweiterung des Kompositorischen. ➔

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[magazin] Das deutschsprachige Theater ist ja nicht sehr musikalisch, da ist Marthaler ganz wunderbar. Meine Wurzeln und meine Inspiration kommen eben vom Theater.“ (...) Alpine Musiken haben in den vergangenen Jahren immer wieder durch ihre Originalität und ihre erstaunliche Vitalität überrascht. „Die Musik reagiert auf das enge Denken und die Bequemlichkeit, was in der Schweiz doch verbreitet ist. Musik ist subversiv und sucht gerade deshalb eine bestimmte Offenheit. Ich finde allerdings, die Schweiz war immer sehr weltoffen. Wir sind ein multikulturelles Land mit vier Sprachen. Die alpine Welt wurde durch die Engländer entdeckt. Es gibt in der Schweizer Kultur sehr viele unterschiedliche Einflüsse. Und was das Schöne ist im Gegensatz etwa zu Deutschland: Wir haben unseren Blues. Das ist eine sehr gute Grundlage für Gemeinsames. Die urtümliche Schweizer Musik ist dem Blues sehr verwandt. Wobei es nicht darum geht, unseren Blues mit dem amerikanischen Blues zu verwechseln. Wir haben ja unsere eigenen Tonleitern.“ (...) „Ich glaube, im Grund genommen bin ich schon ein Erzähler. Das ist etwas, was ich stärker spüre. Ich erzähle Geschichten, ich evoziere Geschichten. In diese Richtung möchte ich weiter gehen. Ich bin an einer Mischung aus Kausal-Logischem und ganz Offenem interessiert. Wie im Jazz: Thema und Improvisation. Wie das dann mit der Sprache konkret aussehen wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich erzähle eigentlich am liebsten. Ich komme ja zur Musik, weil ich etwas erzählen möchte.“ Ulrich Kriest (Auszug aus der Titelstory über Christian Zehnder in Jazzthetik 11/2008)

Ulrich Kriest ist freier Autor und Übersetzer (Schwerpunkt

Film und Musik), u .a. für Jazzthetik, filmzentrale.com, Meier (das Stadtmagazin für das Rhein-Neckar-Dreieck – Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg), Stuttgarter Zeitung u. a.

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Bulgarien: Die lautstarken Trompeten der Hoffnung Der Roma-Musiker Tichaliev kämpft gegen die Armut – mit Musik. Noch fehlt es der Musikschule an vielem: An Instrumenten, an Geld für Lehrpersonal.

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adeschdas Rhythmus ist die Hast und Hektik derjenigen, die Tag für Tag ihr Überleben sichern müssen. Doch wenn Nachmittags um Sechs in dem kleinen knallgelb gestrichenen Zimmer die Blechbläser erklingen, lässt sich erahnen, dass in dem Viertel hinter dem Bahnhof auch ein anderer Ton herrschen könnte. Auf Bulgarisch heißt Nadeschda Hoffnung. Die macht sich flugs aus dem Staub, hat man das Roma-Viertel der Stadt Sliven erst betreten. Nadeschda, das sind enge, staubige Straßen mit Schlaglöchern. Geruch von Abfall und Aas. Häuschen, die, kaum gebaut, schon wieder zu klein sind für die Großfamilien, verschachteltes Stückwerk mit waghalsigen Vorbauten, halbfertigen Dächern, notdürftig gezimmerten Türen und Fenstern. Mitten drin im ständigen Strom an Menschen, schreienden Kindern und kläffenden Hunden steht Angel Tichaliev, ruhig und gelassen. Der Musiker, selbst ein Rom, lebt schon zu lange in Nadeschda, als dass der Irrsinn einen besonderen Eindruck auf ihn machen könnte. Vergangenen Herbst hat Tichaliev mit Ziegeln ein Stück Zukunft gebaut, eine private Initiative gegen die Hoffnungslosigkeit. Einen Monat dauerte es, dann war das Zimmer fertig: Ein Anbau an sein Haus, ausgestattet mit nichts als einem Dutzend Plastikstühlen und einer Wandtafel. Zwei Engländer, sozial engagierte Musikliebhaber, gaben ihm Geld, der Rest kam aus seiner eigenen Tasche. Nun erteilt der Kopf des Blechbläser-Orchesters „Karandila“ jeden Tag um sechs Uhr nachmittags 15 jungen Burschen Musikunterricht. Musikstunden, Roma-Style.


[magazin] Jutta Sommerbauer aus Wien

studierte Politikwissenschaft, Gender Studies und Zeitgeschichte in Wien und Huddersfield (GB) und arbeitete an der Universität Veliko Tarnovo (Bulgarien), wo sie zahlreiche AutorInnenbesuche, Kulturveranstaltungen und Konferenzen organisierte. Am Südosteuropäischen Medienzentrum (Sofia) erlangte sie den Abschluss im postgradualen Master-Studium „Medien und Interkulturelle Kommunikation“. Sie ist zudem Autorin (diverse Veröffentlichungen in unterschiedlichen Verlagen) und freie Journalistin und berichtet in diesem Zusammenhang regelmäßig über Bulgarien.

➔ zum Konzert auf Seite 44 Als Tichaliev ins Zimmer kommt, wartet ein Großteil der Truppe schon auf ihn. Unpünktlichkeit ist seinen Schülern fremd, sagt Tichaliev. „Sie kommen zu früh. Sie haben keine Geduld.“ Reihum im Kreis sitzen die Kinder auf den billigen Plastikstühlen, der Jüngste acht, der Älteste 16 Jahre alt, und stimmen ihre Instrumenten ein: Tuba, Trompeten, Klarinetten, Trommeln. Es ist schrecklich laut. „Ruhe“, weist Tichaliev die Jungs zurecht. Und augenblicklich ist es still. Mit seinem „Jugendorchester“, so nennt er es, spricht der bärtige Mann mit dem schwarzen Käppi auf Romanes. Und auf sein Kommando beginnt der Nachwuchs zu spielen: Klassiker der balkanischen Roma-Musik wie etwa „Djelem Djelem“, Lieder mit Gänsehaut-Garantie.

Die Kapelle als Fenster zur Welt Ein Großteil der bulgarischen Roma lebt in abgegrenzten Vierteln wie Nadeschda eines ist: Umgeben von Mauern, zwischen Industriebetrieben, häufig an den Ausfallstraßen der Städte. Die soziale Lage hier ist trist: Hohe Arbeitslosigkeit, schlechte medizinische Versorgung, eine um vieles höhere Analphabetenrate als im bulgarischen Durchschnitt. „Unsere Kinder sollen zumindest eine Fähigkeit erwerben“, sagt Tichaeliev nach der Probe. „Es geht um ihre Zukunft.“ Deshalb möchte er sie professionell unterrichten und gute Musiker, nicht nur solche, die – wie sonst üblich – auf Hochzeiten spielen, aus ihnen machen: Noten lesen sollen sie können. Ein breites Repertoire beherrschen. Damit sie für ein richtiges Musikerleben gewappnet sind.

Für Tichaliev war die Musik zeitlebens das Fenster zur Welt. Und die weite Welt reicht bis an die Wände des gelben Zimmers: Konzertplakate von Auftritten „Karandilas“ in Spanien, Belgien, Österreich; Aufnahmen mit Stars wie Goran Bregovic und Ivo Papazov. „Ich werde von hier nicht mehr weggehen“, sagt Tichaliev, der das Musizieren von seinem Vater und später bei einer Militärkapelle gelernt hat. Aber die Jungen vielleicht schon. „Durch die Musik werden sie Kontakt mit vielen Leuten haben auf der Welt, das wird ihr Leben bereichern.“ Noch fehlt es der Musikschule an vielem: An Instrumenten, an Geld für Lehrpersonal. Die musikalischen Roma – für Tichaliev ist das kein Vorurteil. „Die Kinder werden musikalisch geboren“, ist er felsenfest überzeugt. In seinen Worten bekommt die ausweglos anmutende Situation der Minderheit fast poetische Züge. Der Allmächtige selbst stecke hinter der Misere, meint Tichaliev. „Er hat uns kein Land gegeben, sondern die Musik.“ Und auf die haben sich die Kinder ganz eingeschossen. Keine anderen Interessen hätten sie, beteuern die Jungen, ihre Instrumente stolz in den Händen haltend. Man wünscht es ihnen von Herzen: dass sie einmal Erfolg haben, dass sie zu Trägern der Hoffnung werden. Nadeschda hätte es bitter nötig. Jutta Sommerbauer (mit freundlicher Genehmigung der Autorin, Auszug aus diepresse.com)

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