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Das Naturmagazin

Ausgabe Nr. 8 6. Jahrgang 05/2019

grenzenlose NATUR

Foto: Nils Willems

Leben am Wildfluss Respektvolles Miteinander von Mensch & Natur Seite 2

Natur auf Tour Unsere Veranstaltungen 2019

Foto: Thomas Tetzner

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Leben am Wildfluss

Besucherlenkung und Monitoring für die Gebirgsflüsse Der Wildfluss Tiroler Lech schlängelt sich mit seinem türkisblauen Wasser vorbei an Dörfern durch sein Tal. Große Umlagerungsstrecken, weite Auwaldbereiche und Seitentäler, die als Rückzugsorte dienen, machen den Naturpark Tiroler Lech aus. Aufgrund der Vielfalt an natürlichen Lebensräumen haben viele seltene und geschützte Pflanzen- und Tierarten hier einen der letzten Orte ihres Vorkommens. Bezaubernde Landschaften und außergewöhnliche Artenvielfalt – das alles bietet der Naturpark Tiroler Lech, Foto: Fun Rafting Friedle der in seiner Gesamtheit Naturschutz- und Natura 2000-Gebiet ist. Die Schönheit und Wildheit des Naturparks Tiroler Lech zieht immer mehr Besucher an, die ihn nutzen und genießen möchten.

INFO Lead-Partner: Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. Projektpartner: Landratsamt Bad TölzWolfratshausen, Naturpark Karwendel, Naturpark Tiroler Lech

Aber nicht nur der Tiroler Lech wirkt auf die Besucher wie ein Magnet. Auch die Flüsse Ammer, Iller, Isar, Loisach und Tiroler Achen, sowie deren Nebenflüsse wie zum Beispiel der Rißbach, ziehen die Besucher in ihren Bann.

Angelockt von der atemberaubenden Schönheit dieser Landschaften besuchen auch zahlreiche Sport- und Naturbegeisterte diese Gebiete, um sich beim Wandern, Radfahren, Raften oder bloßen Bewundern der Landschaften zu erholen und neue Kraft zu tanken. Jedoch reagieren bedrohte Arten, wie der Flussregenpfeifer oder die Deutsche Tamariske sehr sensibel auf Störungen. Daher stellt man sich in diesen Gebieten gemeinsam die Frage: Wie kann Freizeittourismus stattfinden und trotzdem der Artenschutz aufrechterhalten werden? Das Interreg-Projekt „Leben am Wildfluss“ setzt sich genau mit dieser Problematik auseinander und will damit grenzüberschreitend die Voraussetzungen für ein harmonisches Miteinander von Mensch und Natur schaffen. Um das Ziel zu erreichen, wird der Naturpark Tiroler Lech im Rahmen des Interreg-Projekts „Leben am Wildfluss“ ein neues Besucherlenkungskonzept erarbeiten. Auch die Ein- und Ausstiegsstellen für Wildwassersportler entlang des Wildflusses Lech sollen beschildert und somit gut sichtbar gemacht werden. Außerdem wird der Bestand von Flussregenpfeifern, Flussuferläufern, Gefleckten Schnarrschrecken, Türks Dornschrecken und Kiesbank-Grashüpfern im Auge behalten und aufgenommen. Zusammen streben wir ein harmonisches Miteinander zwischen Mensch und Natur an unseren Flüssen an.

Projektzeitraum: 01.01.2018 bis 31.12.2020 Projektumfang: 338.435,00 € Projektgebiet: Iller, Lech, Loisach, Ammer, Isar, Tiroler Achen, Nebenflüsse (z.B. Rißbach) Das auf drei Jahre angesetzte Projekt wird durch das grenzüberschreitende Förderprogramm der EU INTERREG Österreich-Bayern 2014-2020 aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung gefördert. 2

Flussregenpfeifer

Foto: Felix Lassacher


Neues aus der Geschäftsstelle Marlene Salchner wird Naturpark-Geschäftsführerin Mit Beginn dieses Jahres hat Mag. Marlene Salchner das Amt der Geschäftsführung übernommen. Ganz neu im Team ist Yvonne Markl, MSc., die seit Februar 2019 als stellvertretende Geschäftsführerin amtiert und sich unter anderem um die Öffentlichkeitsarbeit des LIFE Lech-Projekts kümmert. Die Schutzgebiete Ehrwalder Becken, Wasenmöser und Vilsalpsee werden nach wie vor von Mag. Caroline Winklmair betreut. Sie nimmt auch weiterhin ihre Aufgabe als Biberbeauftragte wahr.

Die drei Tirolerinnen bringen mit den biologischen Schwerpunkten Ökologie, Botanik und Zoologie jeweils ihre Fachgebiete in das Team ein. Für Bestandsaufnahmen oder in ihrer Funktion als Bergwanderführerinnen kann man sie gelegentlich auch im Freien antreffen.

Das neue Team: Caroline, Marlene und Yvonne.  Foto: Michael Bloss

Wildwassersport im Naturpark Tiroler Lech Geschützte Pflanzen und Tierarten: Rücksichtnahme und Verhaltenstipps Der Naturpark Tiroler Lech ist die letzte naturnahe Wildflusslandschaft der Nordalpen. Wegen seiner Strukturvielfalt ist er Heimat vieler seltener und geschützter Pflanzen- und Tierarten wie beispielsweise dem Flussregenpfeifer oder der Deutschen Tamariske. Sie haben spezielle Überlebensstrategien entwickelt und einige reagieren sehr sensibel auf Störungen!

Verhaltenstipps: Der Tiroler Lech ist von Steeg bis Weißenbach befahrbar. Es sind folgende jahres- und tageszeitlichen Beschränkungen auf der Wildwasserstrecke zu beachten: ▪ Befahrbar von • 01.05. – 30.09. • 09:00 – 19:00 Uhr (nur für kommerzielles Rafting) ▪ Rafting privat verboten! ▪ Paddelsport privat frei ▪ Bitte nur die im Plan vermerkten Ein- und Ausstiegsstellen verwenden. ▪ Bitte keine Zwischenstopps auf zentralen Schotterflächen. ▪ Bitte Schotterflächen nicht betreten. Sie sind Heimat und Rückzugsgebiet für seltene Pflanzen und Tiere. ▪ Bitte zur Laichzeit der Fische (September bis April) nicht mit den Booten auf den Schotterflächen im Fluss scheren. ▪ Europäischer Notruf: 112

ein- & aUsstiegsstellen

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Naturparkhaus | Elmen

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Steeg/Walchen – Styrolerhof

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bach – Stockacher Brücke

Tourismusinformation

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bach – Sportplatz

Bus-Haltestelle

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Elbigenalp/Obergiblen – Schwimmbad

Parkplatz

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Elmen – Naturparkhaus

Grillplatz

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Elmen/Martinau – Brücke nach Vorderhornbach

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Stanzach – Brücke nach Vorderhornbach

Naturparkgrenzen

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forchach – Hängebrücke

Lech-Radweg

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forchach – Johannesbrücke

Lechweg

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Ehenbichl – Riedener Brücke

Straße

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Karte: duarf 91 | kdg 3


Natur auf Tour Veranstaltungen 2019 Freitag, 31. Mai 2019 DIE MAGIE DER BLÜTE

Foto: Hubert Salzburger

Wozu in die Tropen reisen, wenn man in der Heimat unentwegt über unbeachtete Wunder am Wegesrand stolpert? Auch bei uns scheinen der Formen- und Farbenvielfalt der Blüten keine Grenzen gesetzt. Haben Sie sich schon einmal gefragt, - warum das Lungenkraut rote und blaue Blüten hat? - warum es der Hohlzahn gar so bunt treibt? - warum der Diptam in Flammen aufgeht – ­ohne dabei zu verbrennen? Ein überaus bunter Bogen spannt sich von den unscheinbaren Blüten einer Mistel bis herauf zu den prächtigen heimischen Orchideen mit raffinierten Bestäubungsmechanismen. Beginn: 19:30 Uhr; Dauer: ca. 1,5 Stunden; Ort: Elmen, Naturparkhaus Klimmbrücke; Referent: Hubert Salzburger Samstag, 01. Juni 2019 AUF DER SPUR DER BLÜTEN

Foto: Yvonne Markl

Gemeinsam machen wir eine Entdeckungsreise durch die heimische Pflanzenvielfalt. Dabei gehen wir dem Rätsel der Blüten auf den Grund und staunen über große und kleine Wunder am Wegesrand. Beginn: 09:30 Uhr; Treffpunkt: Mühl, Stuibenfälle (Richtung Planseewerk, Parkplatz am Umspannwerk E-Werke); Dauer: 2 Stunden; Ausrüstung: wettergerechte Kleidung, festes Schuhwerk, Regen-/Sonnenschutz, Getränk; Referent: Hubert Salzburger; Anmeldung: bis 16:00 Uhr am Vortag der Veranstaltung Samstag, 22. Juni 2019 HEILKRÄUTER IM LECHTAL

Foto: Yvonne Markl 4

Erleben Sie einen abwechslungsreichen Kräutervormittag im oberen Lechtal! Die Führung durch den Heilpflanzengarten und Blick in die Kräuterwelt „Lechmed“ mit Heilpflanzenschule und Wurzelbrennerei zeigen, wie sehr Josef Wildanger mit den Kräutern verwurzelt ist. Beginn: 09:30 Uhr; Dauer: 2 Stunden; Treffpunkt: Steeg, Lechmed (Hägerau 9, A-6655 Steeg); Ausrüstung: wettergerechte Kleidung, festes Schuhwerk, Regen-/ Sonnenschutz, Getränk; Referent: Josef Wildanger; Anmeldung: bis 16:00 Uhr am Vortag der Veranstaltung

Samstag, 29. Juni 2019

Ersatztermin bei Schlechtwetter: Samstag, 06. Juli 2019 ZU DEN QUELLEN DES LECHS

Vielen ist der Lech als breiter Gebirgsfluss bekannt. Doch wo nimmt der letzte Wildfluss der nördlichen Alpen seinen Anfang? Unterhalb der Roten Wand liegen die Quellen des Lechs. Walter Stoll und Emil Haueis, beide Natur- und Bergwanderführer, begleiten die Teilnehmer auf einem Streifzug durch diese eindrucksvolle Bergwelt. Trittsicherheit erforderlich! Beginn: 07:30 Uhr; Dauer: ganztägig; Treffpunkt: Reutte, Isserplatz; Zustiegsmöglichkeiten entlang der Strecke; Ausrüstung: wettergerechte Kleidung, festes Schuhwerk, Regen-/Sonnenschutz, Getränk und Jause, evtl. Wanderstöcke; Anmeldung: bis 16:00 Uhr am Vortag der Veranstaltung; Kosten: ca. 40,00 € (Busfahrt) Samstag, 10. August 2019 AUF SCHMUGGLERPFADEN – GESCHICHTE, GEOLOGIE, TIER- UND PFLANZENWELT RUND UM HINTERHORNBACH ENTDECKEN

Das Grenzgebiet bei Hinterhornbach ist bekannt für seine ehemaligen Schmugglerpfade. Im Schutz der Nacht wurden diverse Gebrauchsgüter ins Allgäu und zurück nach Tirol transportiert. Nicht nur wegen den Geschichten über den abenteuerlichen Schleichhandel ist Hinterhornbach bekannt. Auch die Geologie sowie die Tier- und Pflanzenwelt glänzen in weiteren Hauptrollen. Die Exkursion endet im Bereich der Sennhütte Petersbergalm. Beginn: 09:30 Uhr; Dauer: ca. 3 Stunden; Treffpunkt: Hinterhornbach, Parkplatz an der Gufelbrücke; Ausrüstung: wettergerechte Kleidung, festes Schuhwerk, Regen-/Sonnenschutz, Getränk; Referentin: Sarah Lechleitner, Natur- und Bergwanderführerin; Anmeldung: bis 16:00 Uhr am Vortag der Veranstaltung Samstag, 14. September 2019 DEN WALD ERLEBEN

Der Wald sichert unseren Lebensraum, sorgt für Wohlbefinden, liefert uns nachhaltig den wertvollen Rohstoff Holz, ist eine wunderbare Lebensgemeinschaft. Und ist manchmal auch Gefährdungen ausgesetzt. In einer Waldbegehung in Häselgehr mit einem Forstmann bietet sich eine gute Gelegenheit, etwas tiefer in den Wald einzutauchen, die Natur zu erleben und Wissenswertes über den Wald in Erfahrung zu bringen.


Beginn: 08:30 Uhr; Dauer: ca. 3 Stunden; Treffpunkt: Häselgehr, Parkplatz bei Pfarrkirche; Ausrüstung: wettergerechte Kleidung, festes Schuhwerk, Regen-/ Sonnenschutz, Getränk; Referent: DI Josef Walch, Leiter der Bezirksforstinspektion; Anmeldung: bis 16:00 Uhr am Vortag der Veranstaltung Samstag, 28. September 2019 WENN DIE HIRSCHE RÖHREN …

… beginnt ein herbstliches Naturschauspiel der besonderen Art. Zu Beginn der Dämmerung kann man die röhrenden Schreie bereits von weitem hören. Bei dieser Tour können die Teilnehmer den König des Waldes beim „Röhren hören“ und das Wild ungestört beobachten. Beginn: 16:30 Uhr; Dauer: ca. 3 Stunden; Treffpunkt: Stanzach, Parkplatz beim Fußballplatz; Ausrüstung: Fernglas oder Spektiv, warme Kleidung; Referent: Walter Stoll, Naturparkführer, Bergwanderführer und Jäger; Anmeldung: bis 16:00 Uhr am Vortag der Veranstaltung Freitag, 04. Oktober 2019 FISCHE IM LECH

Die spannende Unterwasserwelt bleibt vielen verborgen. Doch unter der Wasseroberfläche herrscht eine enorme Vielfalt an verschiedenen Lebewesen, die untereinander und mit ihrer Umwelt auf spannende Art und Weise interagieren. Fische spielen im komplexen Ökosystem „Fluss“ eine entscheidende Rolle. In diesem Vortrag lernen Sie Fischarten kennen, die sich im Lech tummeln. Faszinierende fischökologische Zusammenhänge unserer Flusslebensräume und die Bedeutung intakter Gewässerlebensräume werden auch thematisiert. Beginn: 19:30 Uhr; Dauer: 1,5 Stunden; Ort: Naturparkhaus Klimmbrücke; Referent: Zacharias Schähle, Leiter der Landesgeschäftsstelle des Tiroler Fischereiverbandes Samstag, 05. Oktober 2019 4. NATURPARK-LAUF IM LECHTAL – LAUFEND LANDSCHAFT GENIESSEN

Bei diesem Lauf durchquert man eines der Herzstücke des Lechtals – der „letzte Wilde“ ist dabei Ihr ständiger Begleiter. Hoch oben auf der Klimmbrücke befindet sich die Verwaltung des Naturparks Tiroler Lech, die durch ihre ­architektonisch einmalige Bauweise einfach nicht zu übersehen ist und somit auch den Dreh- und Angelpunkt dieses Events bildet. Infos / Anmeldung: www.sv-elmen.at

Freitag, 11. Oktober 2019 VIELFALT DER FARBEN, FORMEN UND DES VERHALTENS – DIE BUNTE WELT DER INSEKTEN VON DER WEITEN WELT BIS INS ENGE LECHTAL

Mit weit über einer Million bekannter Arten sind Insekten die artenreichste, vielfältigste und wohl auch ökologisch bedeutendste Gruppe von Lebewesen auf dem Planeten. Der Vortrag spannt einen weiten Bogen von den Tropen bis ins Lechtal und gibt in launischer Art, begleitet mit prächtigen Bildern, eine Einführung in die Vielfalt der Erscheinungen und des Verhaltens der Insekten bis hin zu Themen wie „Sex auf sechs Beinen“ und „Entomophagie“ – Insekten auf dem Speiseteller der Zukunft. Beginn: 19:30 Uhr; Dauer: 1,5 Stunden; Ort: Naturparkhaus Klimmbrücke; Referent: Univ.-Doz. Mag. Dr. Armin Landmann

Foto: Josef Walch

Freitag, 29. November 2019 DER LECH IM GEBIRGE – LECHKIESEL ERZÄHLEN EINE GEOLOGISCHE HEIMATGESCHICHTE

„Atolle, Riffe, Riesenmuscheln, Wüsten oder Saurier!“ Das sind keine Ankündigungen aus einem Reisekatalog. Am Lech werden solche Ereignisse lebendig. Die Gesteine auf den Kiesbänken erzählen eine besondere geologische Heimatgeschichte. Die Besiedlung und die Wirtschaft hängen eng mit den geologischen Besonderheiten zusammen: Die Landwirtschaft, der Holzreichtum, der Tourismus, die Hochwässer oder die Lawinengefahren. Seit Jahrhunderten setzten sich die Lechtalerinnen und Lechtaler erfolgreich mit ihrem Tal auseinander. Lassen Sie sich überraschen, wie aus der Sicht eines Geologen die Menschen und ihr Tal gesehen werden. Beginn: 19:30 Uhr; Dauer: 1,5 Stunden; Ort: Naturparkhaus Klimmbrücke; Referent: Peter Nasemann

Foto: Anton Vorauer

INFO Adresse: Naturparkhaus Klimmbrücke: Klimm 2, A-6644 Elmen Anmeldungen unter: https://veranstaltungen.naturpark-tiroler-lech. at/events

Foto: Lukas Ginther 5


Artenschutz life!

Maßnahmenprogramm in der Umsetzung

LIFE Lech Baumaßnahme VORHER  Foto: Baubezirksamt Reutte

LIFE Lech Baumaßnahme NACHHER  Foto: Baubezirksamt Reutte

ZAHLEN & FA K T E N

Im Rahmen des LIFE Projektes „Dynamic River System Lech“ werden Flussverbauungen aus dem 20. Jahrhundert abgetragen, um sich dem ursprünglichen Landschaftsbild des Lechs wieder anzunähern. Diese Eingriffe sollen die Flussdynamik verbessern und damit einer Absenkung des Grundwasserspiegels entgegenwirken. Bedeutsam sind diese Maßnahmen aber auch insbesondere für den Artenschutz. Es werden Lebensräume gefördert, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bieten. Die weitläufigen Kiesbänke oder die regelmäßig überschwemmten Uferbereiche sind charakteristisch für den Wildfluss Lech. Neben den Umbauarbeiten werden aber auch gezielte Schutzmaßnahmen für bedrohte Arten umgesetzt wie etwa für den Steinkrebs, die ­Deutsche Tamariske oder die Kreuzkröte. Das Wald-Wiesenvögelchen steht genauso im Fokus des Projektes. Der geschützte Schmetterling kommt zum Beispiel in lichten Wäldern oder auf Pfeifengraswiesen vor, wie man sie bei Musau findet. Um seinen Bestand zu unterstützen sollen dort zwei Hektar Wald gegen Weidegebiet eingetauscht werden. Dadurch kann es wieder zu einem genetischen Austausch zwischen Populationen kommen und es entsteht ein großer, zusammenhängender Lebensraum.

Wald-Wiesenvögelchen

Foto: Kurt Lechner

Ebenso Teil der Artenschutzmaßnahmen ist der Zwergrohrkolben. Diese Pionierpflanze ist gegenüber anderen Arten relativ konkurrenzschwach, weshalb sie neu geschaffene Sand- oder Kiesbänke, wie sie durch Überflutungen entstehen, bevorzugt besiedelt. Da diese Pflanze so spezialisiert ist, wäre sie am Tiroler Lech beinahe verloren gegangen. Durch aktiven Artenschutz konnte der derzeitige Bestand überhaupt erst gesichert werden. Die Jungpflanzen des Zwergrohrkolbens werden im Rahmen des LIFE Lech-Projektes an der Universität Innsbruck herangezogen und an geeigneten Standorten am Lech eingesetzt.

Projektnummer: LIFE15 NAT/AT/000167 Projektzeitraum: 01.09.2016 bis 31.12.2021 Budget: 6.093.220 € EU-Förderung: 3.655.932 € Projektleitung: Bundeswasserbauverwaltung Tirol, Baubezirksamt Reutte Partner: Wasserwirtschaftsamt Kempten Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Umweltschutz

Zwergrohrkolben 6

Foto: Felix Lassacher


Abenteuer Wildfluss

INFOBOX

Ausstellung im Naturparkhaus Klimmbrücke Die Kraft des Wassers bringt Bewegung ins Spiel und verändert die Flusslandschaft immer wieder aufs Neue.

Foto: Theresa Preindl

Wasser, Steine und Wälder – das sind die Bausteine der Wildflusslandschaft Tiroler Lech.

Bewegen – genau das möchte auch unsere Ausstellung: Schon wenn man herein kommt, steht man mitten in der Flusslandschaft. Die vielfältigen Lebensräume mit ihren Tieren und Pflanzen sind eindrucksvoll abgebildet. Zwei Lupen am Boden lassen uns genauer in die Lebensräume Kiesbank und Feuchtauwald sehen. Mit dem Naturparkquiz kann man sein Wissen über die Wildflusslandschaft Lech spielerisch testen und spannende Suchaufgaben lösen. Ein kurzer Informationsfilm zeigt auf unterhaltsame Weise Wissenswertes zum Naturpark Tiroler Lech. Wer Lust auf mehr hat, kann die Wildflusslandschaft Tiroler Lech hautnah bei einem unserer drei Wandertipps erleben.

Adresse: Naturparkhaus Klimmbrücke (Klimm 2, A-6644 Elmen) Öffnungszeiten: Mai bis Ende September: täglich von 10:00 – 16:00 Uhr Oktober bis Ende April: geöffnet, wenn das Büro besetzt ist (auf Anfrage) Tel.: + 43 6 64 4 16 84 66 oder + 43 6 64 41 6 84 65 E-Mail: info@naturpark-tiroler-lech.at Eintritt frei.

Naturausstellung „Der Letzte Wilde“ Erleben – Staunen – Verstehen

Begeben Sie sich auf Dschungelsafari, beobachten Szenen aus vergangenen Zeiten und folgen Sie dem Flusslauf wie ein Vogel. Die Naturausstellung möchte vor allem eines: Ihre Neugier wecken und Sie vom Lech von der Quelle bis zum Fall begeistern. An neun interaktiven Erlebnisstationen, die den Schotterinseln im Lech nachempfunden sind, können Sie selbst spannende Rätsel rund um die letzte Wildflusslandschaft lösen. Besuchen sich auch das Erlebnismuseum „Dem Ritter auf der Spur“. Machen Sie sich auf zu einer spannenden Zeitreise und erleben Sie Geschichte hautnah. Foto: Katharina Ziegler

INFO Adresse: Besucherzentrum Burgenwelt Ehrenberg (Klause 1, A-6600 Reutte) Öffnungszeiten: Mai – Ende Oktober: täglich 09:00 – 18:00 Uhr (letzter Einlass: 17:00 Uhr) Dezember – Ende April: täglich 10:00 – 17:00 Uhr (letzter Einlass: 16:00 Uhr) November geschlossen Tel.: +43 56 72 6 20 07 E-Mail: info@ehrenberg.at

Foto: Yvonne Markl 7


Radtour –

LECHRADWEG VON STEEG BIS REUTTE

Natur „erfahren“ – mit dem Fahrrad in der Naturparkregion

Foto: Francesca Wolf

CHARAKTER: Der Lechradweg führt auf einer leichten und abwechslungsreichen Strecke von Steeg entlang des Lechs nach Reutte. Er ist größtenteils asphaltiert, teilweise geschottert. Entlang des Weges führen insgesamt ca. 190 unbeschwerliche Höhenmeter bergauf und ca. 450 Höhenmeter bergab. Deshalb wird er als „Genussradwanderweg“ auch Familien mit Kindern und Gruppen empfohlen. Zahlreiche Rastplätze laden zum Verweilen ein. BESTE ZEIT: Frühjahr – Herbst

Foto: Otto Walch

ROUTENBESCHREIBUNG: Wir starten unsere Radtour in Steeg, der „obersten“ Naturparkgemeinde. Flussabwärts durchradeln wir die Gemeinden Holzgau, Bach, Elbigenalp, Häselgehr, Elmen, Vorderhornbach, Stanzach, Forchach, Weißenbach am Lech, Höfen und Lechaschau, bis wir schließlich in der Marktgemeinde Reutte unser Ziel, den Bahnhof Reutte, erreichen. Im oberen Abschnitt wechseln wir einige Male die Uferseite des Lechs. Von Häselgehr bis Lechaschau bleiben wir auf seiner orographisch linken Seite. Der Lechradweg von Steeg nach Reutte ist beschildert bzw. markiert.

Die Geschichte einer Brücke und ihres Hauses: Auf ihr thront das Naturparkaus Klimmbrücke! Mit dessen Bau wurde 2013 begonnen, 2014 konnte es offiziell eröffnet werden. Das Erscheinungsbild und auch die Länge der Klimmbrücke änderten sich im Laufe der Zeit maßgeblich. Bis 2005 war die Brücke nur halb so lang und das Flussbett des Lechs nur halb so breit. Ein gewaltiges Hochwasser riss Grund und Boden am orographisch rechten Ufer (Prallufer) mit, sodass sich eine neue Uferböschung weiter landeinwärts bildete. Anstatt den Lech wieder mithilfe von Längsverbauungen in sein altes Flussbett zu zwingen, ließ man ihn gewähren: Die Brücke wurde um das Doppelte verlängert. „Der Lech hat nun wieder mehr Raum“ – eine Art des natürlichen Hochwasserschutzes! Tafeln an der Brücke veranschaulichen eindrucksvoll ihre Geschichte in Wort und Bild.

Busse auf der Strecke zwischen Reutte und Steeg bieten die Möglichkeit der Fahrradmitnahme. Foto: Otto Walch

INFO Route: • Bushaltestelle „Steeg Dorf“ • am Lech entlang • Bushaltestelle „Reutte Bahnhof (Steig C)“

So gelangt man wieder bequem zurück zu seinem Ausgangspunkt, ohne erneut in die Pedale treten zu müssen.

Grad: leicht Dauer: 4:30 h Distanz: 52 km Höhenunterschied: 260 m

Karte: VVA | Vorarlberger Verlagsanstalt GmbH 8


Porträt einer Biberbeauftragten

Caroline Winklmair: seit Sommer 2017 eine von sechs in Tirol Biber galten bei uns im Naturpark Tiroler Lech lange Zeit als ausgestorben. Kannst du uns etwas über ihre Geschichte erzählen? Ursprünglich war der Biber in ganz Europa – mit Ausnahme von Island und Irland – beheimatet. Jedoch galt er im 19. Jahrhundert in Europa fast flächendeckend als ausgerottet. Grund dafür war die intensive Bejagung. Man nutzte seinen Pelz, sein Fleisch und ein Sekret namens „Bibergeil“ als Wunderheilmittel. Um 1990 kehrte der Biber wieder in seine alte Heimat zurück. Einzelne Tiere wanderten von Bayern nach Tirol und siedelten sich an. Heute ist der Biber eine geschützte Tierart. Auch seine Baue und Dämme sind geschützt. Womit beschäftigt sich eine Biberbeauftragte? Eine der Grundlagen für ein erfolgreiches Biber­ management ist die Kenntnis zum Vorkommen des Bibers. Die Biberreviere werden jährlich kontrolliert und dokumentiert. Um das Wissen über den Biber weiter zu geben und die Akzeptanz in der Bevölkerung zu stärken, finden beispielsweise Exkursionen und Vorträge statt. Da sich die Lebensweise des Bibers und die Ansprüche der Menschen nicht immer decken, kann es hin und wieder zu Konflikten kommen. Hier sind Biberbeauftragte Ansprechpartner, um gemeinsam vor Ort Lösungen zu finden. Was fasziniert dich am Biber? Am Bauch des Bibers finden sich pro Quadratzentimeter bis zu 23.000 Haare. Die feinen Härchen sind miteinander verhakt, sodass sich ein wärmender Luftpolster bilden kann. Somit lässt ihn sein Fell weder frieren noch nass werden. Eine perfekte Anpassung an ein Leben im und am Wasser. Außerdem pflegt er ein reges Sozialleben. Eine Biberfamilie besetzt ein Revier und besteht meist aus fünf Mitgliedern. Die Elterntiere bleiben ein Leben lang zusammen. Sind die Jungtiere zwei Jahre alt, müssen sie die Familienidylle verlassen. Das stellt sicher, dass ihr Lebensraum nicht übernutzt wird und genügend Nahrung vorhanden ist. Mein persönliches Highlight war das Beobachten einer vierköpfigen Biberfamilie beim Schwimmen. Welche Biberspuren kann man am Gewässer finden? Die auffälligsten Spuren sind meist Fraßspuren, v.a. im Winter. Auch Dämme und Baue kann man entdecken. Warum fällt der Biber Bäume und baut Dämme? Der Biber ist ein Vegetarier. Im Winter bleiben ihm fast ausschließlich die Rinde und Knospen der Ufergehölze. Da er nicht klettern kann, muss er den Baum fällen, um an seine Nahrung zu

gelangen. Im Herbst sammelt er zahlreiche Äste und Zweige, um sie vor seinem Bau unter Wasser als Vorrat anzulegen. Dämme baut der Biber nur dann, wenn der Wasserstand stark schwankt oder nicht ausreichend hoch ist. Der Eingang zum Biberbau befindet sich unter Wasser. Ein ausreichend hoher Wasserstand schützt den Bau vor Eindringlingen. Ein durch den Damm erhöhter Wasserstand erleichtert es dem Biber auch zu seiner Nahrung zu schwimmen und „geerntete“ Äste abzutransportieren. Warum braucht es deiner Meinung nach ein Bibermanagement?

Foto: Yvonne Markl

In den etwa 180 Jahren, in denen der Biber hierzulande als ausgestorben galt, haben sich unsere Gewässer stark verändert: Der Mensch verengte und begradigte Flüsse sowie Bäche. Dadurch verschwanden große Auwaldbereiche. Heute säumen meist nur mehr schmale Gehölzstreifen die Ufer der Gewässer. Durch die lange Abwesenheit des Bibers haben sich der Biber und der Mensch „aus den Augen verloren“. Damit ein möglichst reibungsloses Zusammenleben gefördert werden kann, braucht es ein Bibermanagement. Welche Maßnahmen können gesetzt werden, um ein Miteinander von Biber und Mensch zu ermöglichen?

Foto: Anton Vorauer

Ist die Sicherheit des Menschen gefährdet (zum Beispiel umsturzgefährdeter Baum an einem Weg) oder können erhebliche Schäden entstehen, gibt es für Betroffene folgende Möglichkeiten: Böschungsschutz bei untergrabenen Uferbereichen, Dammdrainagen oder Elektrozäune an Biberdämmen sowie Einzelbaumschutz durch Anstrich oder Umzäunung. Was auch hilft – Nichts tun: Gefällte Biberbäume sollten nicht oder so spät als möglich weggeräumt werden, da sie dem Biber als Nahrung dienen. So ist er nicht gezwungen, einen weiteren Baum zu fällen. Hier möchte ich noch anfügen, dass 90 Prozent der Konflikte weniger als 10 Meter vom Gewässer entfernt auftreten. Deshalb können „Freihaltestreifen“ zwischen Gewässern und genutzten Flächen Konflikten vorbeugen. Was wünschst du dir für die Zukunft als Biberbeauftragte? Bibermanagement ist eine relativ junge Disziplin im Naturschutz. Es berücksichtigt nicht nur den Biber selbst und die rechtlichen Grundlagen, sondern auch die Vielzahl unterschiedlicher Interessen der Menschen. Deshalb wünsche ich mir eine gute Gesprächsbasis und gegenseitiges Verständnis. Nur gemeinsam können konstruktive Lösungen entstehen, denn sowohl der Biber als auch der Mensch sind Landschaftsgestalter.

Foto: Caroline Winklmair 9


Der Riedener See mit Niedermoor.  Foto: Mario Posch

Die Faszination der Moore

Von Irrlichtern, Moorleichen und Böden, in denen man zu versinken droht MOOR – ein Begriff, den wohl viele von uns mit Unheimlichem verbinden. Nicht verwunderlich: Die meisten haben keine Möglichkeit mehr, ein intaktes Moor zu erleben. Denn Moore wurden in Mitteleuropa fast vollständig zerstört.

Was ist ein „ Moor“?

Torfmoos

Foto: Christina Kollnig

Ein Moor ist ein vom Wasser geprägter Lebensraum. Nur in diesem Feuchtgebietstyp wird ein besonderes Naturprodukt gebildet und angehäuft, nämlich Torf. Eine von vielen Definitionen lautet: „Moore sind Torflagerstätten mit der den Torf bildenden Pflanzendecke“ (Overbeck, 1975).

Tor f – der Stof f aus dem die Moore sind!

Impressum Herausgeber: Naturpark Tiroler Lech, Klimm 2, A-6644 Elmen www.naturpark-tiroler-lech.at Verleger: Allgäuer Zeitungsverlag GmbH Inhalt verantwortlich: Marlene Salchner Anzeigen verantwortlich: Christian Schneider Redaktion: Yvonne Markl, Caroline Winklmair, Marlene Salchner Koordination: Regina Berkmiller Layout: Gregor Guggemos Technische Gesamtherstellung: Allgäuer Zeitungsverlag GmbH 10

Ohne Torf kein Moor! Torf besteht aus den Überresten abgestorbener Moorpflanzen bzw. ihrer toten Teile. Für die Torfbildung sind die feuchten bis nassen Bodenbedingungen sehr wichtig. Sie bewirken einen Mangel an Sauerstoff und verhindern so eine vollständige Zersetzung des Pflanzenmaterials. Die wenig zersetzten Pflanzenreste häufen sich als Torf unter den lebenden Moorpflanzen an. Die ständige Torfanhäufung lässt Moore in die Höhe „wachsen“ – etwa 1 mm pro Jahr. Die ersten Torfe wurden vor ca. 10.000 Jahren gebildet.

Tor fmoose – die „ Moormacher“! Torfmoose (Sphagnum) sind Torfbildende Pflanzen und somit bedeutend für die Moorentstehung. In den großen Speicherzellen können sie mehr als das 30-fache ihrer Trockenmasse an Wasser speichern – ein Grund dafür, dass Moore wie ein Schwamm in der Landschaft wirken. Auch schaffen Torfmoose saure Bodenverhältnisse, indem sie Wasserstoffionen abgeben und somit Konkurrenten im Wuchs behindern.

Moor t ypen – das Wasser macht den Unterschied! Ohne Wasser kein Moor! Moore werden vom Wasser „ernährt“ – es liefert den Moorpflanzen Nährstoffe für ihr Wachstum. Nach der Herkunft des Wassers unterscheidet man zwei Haupt-Moortypen. Niedermoore werden hauptsächlich von Mineralbodenwasser (Grund- oder Oberflächenwasser) gespeist und sind deshalb mehr oder weniger gut mit Nährstoffen versorgt. Hochmoore werden ausschließlich von Niederschlagswasser ernährt. Regenwasser enthält kaum gelöste Mineralstoffe, sodass dieser Moortyp extrem nährstoffarm ist.

Versinken im Moor? Stellenweise riskierst du nasse Füße oder ein einsinken bis zu den Oberschenkeln. Völlig versinken kannst du jedoch nicht! Der weiche Torfschlamm besitzt nämlich eine höhere Dichte als der menschliche Körper. Doch was ist mit all den Moorleichen? Diese Menschen sind meist im Moor geopfert, hingerichtet oder bestattet worden. Der Tod durch Versinken ist eine reine Phantasievorstellung. Die meisten Moorleichen sind gewaltsam unter die Mooroberfläche gedrückt, mit Gewichten beschwert oder mit Torfstücken überschichtet worden. Der Luftabschluss trug dazu bei, dass die Moorleichen oft erstaunlich gut erhalten sind.

Irrlichter im Moor? Es gibt sie wirklich! Irrlichter zu beobachten, ist jedoch ein Glücksfall: Sie treten nur in kaum entwässerten Mooren auf, zudem unvorhersehbar und kurzzeitig. Bei der Zersetzung organischer Substanzen entstehen leicht brennbare Gase, die sich im Moorboden anreichern. Entweichen die Gase und kommen mit dem Sauerstoff der Luft in Kontakt, entzünden sie sich spontan.


Der geschützte Landschaftsteil Wasenmöser Moore und ihre Bedeutung für Pflanze, Tier und Mensch Die Wasenmöser sind ein besonderes Schutzgebiet für besondere Bewohner. Moorschutz bedeutet somit auch Artenschutz… und noch vieles mehr!

Kurzsteckbrief: • Lage: Im Gebiet der Gemeinde Heiterwang • Größe: 10,3 ha • Schutzgebiet: Geschützter Landschaftsteil • Unter Schutz: seit 1987

Die Wasenmöser – ein Mosaik unterschiedlicher Vegetationst ypen Die Vegetation der Wasenmöser weist verschiedene Typen auf. Ein Großteil des Schutzgebietes ist von Mooren geprägt. Im zentralen Teil findet sich noch ein typisches aufgewölbtes Hochmoor, das ausschließlich von Regenwasser gespeist wird. Ursprünglich waren die gesamten Wasenmöser diesem Vegetationstyp zuzuordnen. Heute ist es eines von wenigen noch erhaltenen Hochmooren in den Tallagen des Außerferns. An das Hochmoor grenzt ein Zwischenmoor, das durch den menschlichen Einfluss entstanden ist. Durch Torfstich wurde das Gelände abgesenkt, wodurch dieser Bereich neben dem Regenwasser auch von Grundwasser beeinflusst wird. Ein Teil des Moores ist mit Latsche und Spirke bewachsen.

Der Sonnentau – ein Moor-Spezialist mit „tierischem“ Appetit „Eingebettet“ in Torfmoospolster findet man häufig den Rundblättrigen Sonnentau (Drosera rotundifolia) oder den Langblättrigen Sonnentau (Drosera anglica). Beide sind perfekt an die nassen, nährstoffarmen und sauren Torfböden des Moors angepasst – sie sind nämlich fleischfressende Pflanzen. Auf der Oberseite ihrer Blätter sitzen lange, rötliche Tentakel, an deren Spitze Tröpfchen wie Morgentau glitzern – daher der Name „Sonnentau“. Diese Tröpfchen sind klebrig und enthalten Verdauungsenzyme. Bleibt ein kleines Insekt auf den Blättern haften, biegen sich die Tentakel über die „Beute“ und verdauen diese. Die verdauten Stoffe werden schließlich über die Köpfchen der Tentakel aufgenommen. Mit dieser Strategie des Insektenfangs hat sich der Sonnentau eine neue Stickstoffquelle erschlossen – eine Anpassung an die Nährstoffarmut des Moorbodens.

Die Gerandete Jagdspinne – eine wahrliche Größe Die Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus), die auch in Hochmooren zu finden ist, ist eine sehr auffällige Spinnenart. Einerseits sind dafür die gelben oder weißen Längsstreifen über die Körperflanken verantwortlich. Andererseits ist ihre Größe nicht zu unterschätzen: Die Weibchen erreichen eine Körperlänge von 15 bis 22 mm! Die Gerandete Jagdspinne ist in der Lage, sich mit ihrer dichten Behaarung auf der Wasseroberfläche zu bewegen und sogar zu tauchen. Als Jäger konstruiert sie kein Fangnetz, sondern erbeutet aktiv Insekten, Kaulquappen und sogar kleine Fische.

Gerandete Jagdspinne

Foto: Christina Kollnig

Der Mensch und die Wasenmöser – eine Geschichte von Nutzung und Schutz Die Wasenmöser wurden schon frühzeitig vom Menschen beeinflusst. Bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts wurden Wasen, also Torf, gestochen – deshalb auch der Name „Wasenmöser“. Der Torf wurde als Brennmaterial für den privaten Haushalt verwendet. Dies verlor jedoch immer mehr an Bedeutung und wurde schließlich ganz aufgegeben. Heute zeugen noch die Spuren des Torfstichs von dieser Nutzungsform. Für die Landwirtschaft wurden Entwässerungsversuche unternommen, was Einfluss auf die moortypische Vegetation hatte und zum Teil jetzt noch hat. Heute werden einige Flächen des Schutzgebietes über den sogenannten Vertragsnaturschutz erhalten und gepflegt. Dabei wird mit dem Grundeigentümer bzw. Landnutzer ein Vertrag abgeschlossen, der bestimmte Auflagen enthält. Zu diesen gehört beispielsweise der Verzicht auf Torfabbau oder auf Düngung. Auch die händische Entfernung aufkommender Gehölze kann eine Maßnahme zum Erhalt der wertvollen Moorflächen sein. Werden die Auflagen eingehalten, erhält der Förderwerber für die laufende Förderperiode eine jährliche Prämie.

SonnentauFoto: Caroline Winklmair

INFO Der Schutz der Moore – eine mehrfacher Gewinn! • Moorschutz = Landschaftsschutz! Moore prägen das charakteristische Landschaftsbild vieler Regionen. • Moorschutz = Artenschutz! Moore sind Heimat für einzigartige und stark gefährdete Arten, die nur durch den Schutz ihres Lebensraums eine Zukunft haben. • Moorschutz = Hochwasserschutz! Moore wirken wie ein Schwamm als Wasserspeicher. Dadurch werden Hochwasserspitzen abgeschwächt. • Moorschutz = Klimaschutz! Intakte, wachsende Moore entziehen der Atmosphäre Kohlendioxid und lagern den Kohlenstoff in Form von Torf dauerhaft ein. Dadurch wirken sie der Klimaerwärmung entgegen. Auch wir können zum Moorschutz beitragen! • Verzicht auf torfhaltige Blumen- und Pflanzerde: Torf gehört ins Moor, für den Blumentopf gibt es Alternativen! • Umsetzung von Pflegemaßnahmen: Vertragsnaturschutz ist eine Chance für Mensch und Natur! • Einverständnis mit Renaturierungsprojekten: Eine Wiedervernässung soll den natürlichen Zustand so weit als möglich wiederherstellen! 11


im n e m m o k l l i w h c i »Herzl ke!« c ü r b m m i l K s u a h N a t u r pa r k

Foto: Francesca Wolf

Wer den Lech entlang fährt kommt automatisch am Naturparkhaus Klimmbrücke vorbei. Der Name verspricht bereits einen außergewöhnlichen Standort. Über dem Tiroler Lech und auf der Klimmbrücke ist es Sitz der Naturparkverwaltung, Heimat der Ausstellung „Abenteuer Wildfluss“ und Ausgangspunkt für Naturführungen.

ÖFFNUNGSZEITEN: Mai bis Ende September: täglich von 10:00 – 16:00 Uhr Oktober bis Ende April: Montag – Freitag geöffnet, wenn das Büro besetzt ist (auf Anfrage)

KONTAKT: Naturparkhaus Klimmbrücke · Klimm 2 · A-6644 Elmen E-Mail: info@naturpark-tiroler-lech.at · Telefon: +43 (0) 6 64 4 16 84 66 oder +43 (0) 6 64 4 16 84 65 www.naturpark-tiroler-lech.at

»Spiel und Spaß im Naturpark-Spielplatz«

Foto: Laura Zeh

Der Naturpark-Spielplatz lädt zum Spielen, Verweilen, Jausnen und Entspannen ein. Er wartet mit Besonderheiten, wie dem Naturpark-Labyrinth, einem lebendigen Irrgarten aus Weidenzweigen vom Lech, auf. Im Outdoor-Infobereich erhält man Informationen rund um den Naturpark. Öffnungszeiten öffentliche WC-Anlagen im Nebengebäude: • Mai bis Ende September 10:00 – 18:00 Uhr

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Naturpark Magazin 2019  

Naturpark Tiroler Lech

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Naturpark Tiroler Lech

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