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eh war 33 Jahre und voller Ideen , als ich das Theater der Jugend übernahm . Hedda Kage und lven Tiedemann , meine Vorgänger, hatten es von Norbert J. Mayer übernommen, eine sehr bewegte Zeit. Der wiederum hatte es als Märchenbühne übernommen. Mayer - da s war Grips, Grips, Grips . Alles wurde nachge spielt. Er verprellte das Publi kum, das herangezogen war. Das Theater war leer. Kagel Tiedemann hatten als Hauptkonzept dagegengesetzt: Theater als Erlebnis. Sie machten engagierte Stücke, zum Beispiel »BRAVO GIRL« von Werner Geifrig, eine ihrer bedeutendsten Aufführungen . Aber sie waren zu früh mit ihren Ideen. Sie haben um den Spielort Schauburg gekämpft und gedroht, wenn wir dieses Haus nicht bekommen, gehen wir , das war Erpressung, war der Anlaß zur Kündigung. Ich habe dann davon profitiert. Es ist wohl immer so, einer kämpft, der Nächste erntet. Und wieder: Der Nächste kämpft, der Übernächste erntet. Auch wir haben gekämpft, ums Geld, um Unabhängigkeit , um ein eigenes Ensemble . Denn ursprünglich hatte die Stadt beschlossen,

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Gespräch mit Jens Heümeye r (Jahrgang 1942) künstlerischer Leiter von 1975 bis 1980 , heute freiberuflicher Autor und Fotograf in Berlin

»Kleine Kinder sind verloren In großen Theatern«

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daß das Theater den Kammerspielen gehört, daß die Falcken berg-Schauspielschüler spielen. Zu dem Zeitpunkt, als ich das Theater der Jugend übernahm, war Hans -Reinhard Müller Intendant an den Kammerspielen und somit der Mann, der das Sagen hatte . Er engagierte die Theaterleiter, er unterzeichnete Verträge . Melchior Schedler, der ein Kindertheaterbuch geschrieben hatte, ein Handbuch, hatte sich um die Position des künstlerischen Leiters beworben. Müller hatte ihm die Stelle so gut wie zugesagt. Ich bekam indessen die sen Posten. Da gab es große Empfindlichkeiten, von denen ich nichts wußte.

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ans -Reinhard Müller kannte mich und meine Arbeit vom »Kinderspielclub Johannisplatz«, einem Kinder-

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Melchior Scltedler

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theater in Haidhausen. Ich war vorher in New York gewesen, beim »LaMaMa-Theater« und gründete »LaMaMa« in München. Wir waren eine Gruppe von Schauspielern, Dramaturgen und Autoren, machten ein Jahr lang Workshops , entdeckten Körpertheater neu. Daraus entwickelten wir das Kindertheater in Haidhausen. Kinder spielten für Kinder eigene Stoffe, eigene Problematiken. Ein Projekt, das auch von de r Stadt subventioniert wurde.

DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET  

Gudrun Lukasz-Aden DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET Vierzig Jahre Theater der Jugend, Vierzig Jahre Theater-Geschichte. Gestaltet und be...