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Gespräch mit Norbert J. Mayer (Jahrgang 1938), künstlerischer Leiter von 1969 bis 1973, heute Theaterpädagoge und Therapeut

»Brecht hätte seine helle Freude an uns gehabt«

o?. der Traditi~~ der MUNCHNER MARCHENBÜHNE wußte ich nicht viel und bin etwas naiv in die aufgestellten Lanzen hineingestolpert. Es hieß gleich, der Mayer hat was gegen Märchen. Es war kompliziert, da die Märchenvor stellungen noch hoch angesehen waren. Wir traten gegen die Verballhornung und die Verniedlichung an. Manche Märchen kann man gar nicht inszenieren, denn es sind akustische Märchen, fürs Ohr gedacht. Die erste große Schwierigkeit war, die Lehrer zu überzeugen, daß es auch andere gute, bessere Stücke gibt. Wir veranstalteten Lehrertreffen und wurden oft boykottiert. Und da war noch eine Sache, unter der ich zu leiden hatte: Der Autor Melchior Schedler hatte die Zusage, Nachfolger von Sigfrid Jobst zu werden, und plötzlich stand der wieder im Regen, auf der Straße. Ich erfuhr erst davon, nachdem ich da war. Ob ich den verwenden könnte, wurde ich gefragt, weil ihm ein Unrecht getan war. Der

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1973

hat dann seine ganze Wut auf mich projiziert und hat jedes Stück in "Theater heute« verrissen. Er klebte an mir wie Mehltau. eh war vorher auf der Filmakademie in Paris. August Everding machte mir das Angebot, die künstlerische Leitung für das Theater der Jugend zu übernehmen. Everding kannte mich über den Kulturreferen ten von Rendsburg, der wiederum kannte mich von meinen sozialkritischen Liedern her, Reinhard Mey, Hüsch, Degenhardt, Süverkrüp. Ich habe gesungen und Texte gemacht, war links engagiert, natürlich. In den 60er Jahren war ich Chefdramaturg am Erwachsenentheater in Osnabrück. Davon hatte ich die Nase voll , wegen des permanenten Stresses, kreativlos fertig zu werden, um das Abonnement zu befriedigen. Das Haus hatte drei Sparten, brachte 24 Stücke im Jahr heraus, alle zwei Wochen was Neues. Mich hat das Angebot von Everding interessiert, weil

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eh machte einen faulen Kompromiß mit »ASCHENBRÖDEL « von Aleksander Popovic, meine zweite Premie re , ein Flop. Es war ein modernisiertes Märchen, aber es war

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es eine Bühne war, in der fünf Stücke im Jahr herauskommen sollten, eine gute Möglichkeit, kreativ zu sein. Hinzu kam München, die renommierten Kammerspiele, die das Theater der Jugend übernommen hatten, das hat mich auch gereizt. •·

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DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET  

Gudrun Lukasz-Aden DER EINE KÄMPFT, DER NÄCHSTE ERNTET Vierzig Jahre Theater der Jugend, Vierzig Jahre Theater-Geschichte. Gestaltet und be...