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Sebastian Henn 1989 in Winterthur geboren. Nach einer langweiligen Jugend im T össtal noch langweiligeres Studium der Germanistik in Zürich. An der Queen Mary University in London dann zum Glück Drehbuchschreiben gelernt. Bisher zehn Theaterstücke und Drehbücher zur Veröffentlichung gebracht, verdächtigerweise immer mit sich selbst als Regisseur. Mit «Röstibeef» erstmals einen Roman verfasst, basierend auf Gekritzel aus seiner Jugend.
«Ich kapiere die Vorteile einer positiven Sichtweise, aber mich stört, dass wir so gesehen alle praktisch immer Glück haben, und so fühle ich mich nicht. Gerade diesen Frühsommer fühlte ich mich im Gegenteil sehr oft so, als klebte das Pech an mir wie ein frisch ausgespuckter Kaugummi an einer Schuhsohle. Und dass ich mich dazwischen kurz für den grössten Glückspilz hielt, war vermutlich nur dazu da, die Fallhöhe zum nächsten Tiefpunkt zu steigern. Aber ja, sehen wirs positiv: Dieser Frühsommer war ein Abenteuer, wilder als alles, was ich davor erlebt hatte.» Sebastian Henns Romandebüt «Röstibeef» ist eine Geschichte über echte Freundschaft, Zugehörigkeit und Selbstbewusstsein. Sowie ein Liebesbrief an die Jugend, irgendwie die Schweiz und natürlich den Hip-Hop.
Sebastian Henn
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Sebastian Henn
Ein Aussenseiter zu sein, ist hart genug. Doch zu allem Übel lebt der fünfzehnjährige JJ auch noch in einer ausgesprochen beschaulichen Deutschschweizer Landidylle. Er würde sich wie ein kompletter Verlierer fühlen, wären da nicht sein bester Freund OG und ihre gemeinsame Leidenschaft, der Hip-Hop. Als die beiden jedoch auf die dumme Idee kommen, einen berühmten Genfer Rapper zu beleidigen, setzen sie eine Kettenreaktion in Gang, die bald schon höchste Regierungskreise erreicht.
Roman
www.sebastianhenn.ch
ISBN 978-3-7296-5228-6
9 783729 652286
Zytglogge_Cover_Roestibeef_final.indd 1-3,5
05.08.26 09:19
Autor und Verlag danken für die Unterstützung :
Der Zytglogge Verlag in der Schwabe Verlagsgruppe AG wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2026 – 2028 unterstützt.
© 2026 Zytglogge Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel Alle Rechte vorbehalten Lektorat : Thomas Gierl Korrektorat : Baer & Wendel, Fürstenberg/Havel Coverbild : Sebastian Henn Umschlaggestaltung : Weiß-Freiburg GmbH, Freiburg i. Br. Layout/Satz : rdz IMA GmbH, Bonn Druck : CPI books GmbH, Leck Herstellerinformation : Zytglogge Verlag, Schwabe Verlagsgruppe AG, St. Alban-Vorstadt 76, CH-4052 Basel, info@zytglogge.ch Verantwortliche Person gem. Art. 16 GPSR : Schwabe Verlag GmbH, Marienstraße 28, D-10117 Berlin, info@schwabeverlag.de ISBN : 978-3-7296-5228-6 www.zytglogge.ch
Sebastian Henn
Röstibeef Roman
Für meine Homies
Inhalt
Lektionen fürs Leben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Der Tag der Tags . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Die Schwachen nimmts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Wähle deine Battles weise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Die Mutter aller Scheissideen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Niederlage auf der ganzen Linie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Schnecken stecken ein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
53
Das Dilemma der Coolness . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Zuoberst schlägt der Blitz ein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Schön den Ball flach halten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
72
Operation «Wurzel des Übels» . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
79
Die Lektion der toten Meerschweinchen . . . . . . . . . . . . . .
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Gewalt ist eine Lösung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
88
Der Battle auf dem Berg – Teil I . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Der Battle auf dem Berg – Teil II . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Der Battle auf dem Berg – Teil III . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Entzweie und herrsche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111 Kenne deine Feinde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Die Wege der Alphas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 Homies helfen Homies . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134 In der Gegend der Gegner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140 Die Kraft der Schnulzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 Wer zündelt, den knallts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151 Kenne deine Freunde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158 Der Weg aus dem Schneckenloch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163 Der Battletrack des Grauens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168 Der Battle auf der Burg – Teil I . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177 Der Battle auf der Burg – Teil II . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 Der Battle auf der Burg – Teil III . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191 Das Cap des Königs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 198 Die höchsten Weihen des Hip-Hop . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 203 Playlist aller in «Röstibeef» erwähnten Lieder . . . . . 213
Lektionen fürs Leben Je älter man wird, desto mehr dämmert es einem, dass niemand einen Plan hat. Schon gar nicht die Erwachsenen. Ich bin nur noch nicht sicher, ob sie ihren Durchblick vortäuschen oder ihn sich tatsächlich einbilden. Die Erwachsenen geben manchmal so Weisheiten von sich, und lange glaubt man, die haben etwas kapiert. Zum Beispiel: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Sie tun so, als wäre das ermutigend. Du hast es in der Hand, ob da ein Weg ist oder nicht. In Wirklichkeit ist es aber gar nicht ermutigend, sondern eine Unterstellung: Schuld an deinen Problemen mit den Hausaufgaben ist nicht die haarsträubende französische Rechtschreibung, sondern du selbst. Dass es keineswegs überall, wo ein Wille ist, auch einen Weg hat, lernte ich auf die harte Tour. Vor zehn Jahren, als ich fünf und OG acht war. Es begann wie so oft damit, dass ihm begeistert eine Idee kam. Wir sassen damals auf unseren Tretautos und blickten von der Hügelkuppe unserer Siedlung zur Tiefgarage hinab. Deren Einfahrt ist so eine geschwungene Linkskurve und führt zwischen zwei immer höher werdenden Betonmauern von der Quartierstrasse zum Garagentor hinunter. Diese Rampe ist ziemlich breit, breiter als das Garagentor selbst, und eigentlich recht trostlos. Meist liegt etwas verwehtes Laub in den Ecken, und manchmal steht beim Wasserhahn links am Tor ein Eimer, von dem niemand weiss, wem er gehört. Darüber hinaus ist da nur Beton. Unsere Siedlung steht aber leider in einem Dorf mitten in einer Landschaft, die die Erwachsenen unermüdlich loben. «Geht nach draussen spielen!», kriegt man immer verständnislos an den Kopf geworfen. Und wenn man dann seinen Spielstand speichert, nach draussen geht und sich zum Spielen trotz all der blühen-
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den Natur die Betonwüste der Garageneinfahrt aussucht, schlägt die Verständnislosigkeit in Empörung um und die Tiefgarage wird als Spielfläche ausgezont. Offiziell ist es zu gefährlich, wegen den Autos, aber sind wir mal ehrlich. Es gibt einen guten Grund, weshalb die Garage eine erstklassige Spielfläche darstellt. Wir hatten nämlich diese kleinen Rutschautos für Kinder. Die Dinger haben keine Pedalen, die Idee ist, dass man sich rechts und links mit den Füssen abstösst. Weil man auf dem Sitz aber schon recht breitbeinig ist und mit den Sohlen knapp auf den Boden kommt, kriegt man überhaupt keine Kraft hin beim Abstossen und folglich kaum Tempo. Rückblickend checke ich, dass das auch genau das Kalkül der Erwachsenen war: Das Fahrzeugdesign sollte uns ausbremsen. Beruhigt von dieser absichtlichen Fehlkonstruktion hielten es die Erfinder offenbar auch nicht mehr für nötig, eine Bremse einzubauen. Aber sie hatten ihre Rechnung ohne den eisernen Willen kleiner Kinder gemacht. Wenn man mit Abstossen auf keinen grünen Zweig kommt, braucht man halt einen Abhang. Hier kommt dann aber eben die fehlende Bremse ins Spiel. Hügel gibt es bei uns viele, aber die Strassen da sind steil und kurvenreich, das Bremsen mit den Schuhsohlen störanfällig: Wenn man zu spät damit loslegt, litzt es dir die Füsse nach hinten und alles, was dir dann übrigbleibt, ist, in die Wiese zu steuern und zu hoffen, dass du dir beim unkontrollierten Abrollen den Hügel hinab nichts brichst. Es war deshalb lobenswerte Vernunft, dass wir die Tiefgarage zur bevorzugten Rutschauto-Rennstrecke erkoren hatten: Wenig und langsamer Verkehr, übersichtliche Verhältnisse und die Rampe geht in eine geräumige Fläche über, auf der man ohne Bremsen den Schwung der Abfahrt gemütlich in Runden auslaufen lassen kann.
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Man muss nur das Garagentor aufkriegen. Normalerweise, indem man wartet, bis ein Auto durchkommt, und danach jedes Mal die Lichtschranke unterbricht, wenn das Tor wieder schliessen will. Das hatten wir an diesem Tag geschafft und so sassen wir nun eben nach einigen gut gelaufenen Abfahrten stolz an der Startlinie, als OG die Idee kam. «Dieses Mal fahre ich mit geschlossenen Augen runter.» Er sagte es beiläufig, liess aber dennoch keinen Zweifel, dass wir es hier mit einem Geistesblitz zu tun hatten. Ich schluckte leer. «Echt?» Zur Antwort schloss OG feierlich die Augen und setzte sein Rutschauto mit einem beherzten Stoss in Fahrt. Ich sah ihm nach, wie er rasant schneller wurde. Seinem Rücken war kein Wimpernzucken anzusehen. Souverän bog er in die Einfahrt ein und ratterte in die Garage. Jetzt war ich allein auf dem Hügel. Ich holte tief Luft. Es war klar, was zu tun war. Mit einem kurzen Schnauben atmete ich die Luft wieder aus, kniff die Augen zusammen und fuhr los. Ohne Sicht kommt man sich viel schneller vor als mit, und innert kurzer Zeit war ich komplett unsicher, wo auf der Strecke ich mich befinde und wann ich dementsprechend einlenken muss. Das Tretauto rüttelte wie gestört, und ich kam zum Schluss, dass ich bestimmt drauf und dran war, die Kurve zu verpassen, also riss ich das Steuer herum und raste auf die Zielgerade vor dem Garagentor. Leider hatte ich meine Position falsch eingeschätzt und zu früh eingelenkt. Knapp einen Meter links von der Garagenöffnung knallte ich frontal in die Wand. OG an der Lichtschranke schaute mir fassungslos zu: Ich hatte tatsächlich nicht einmal geblinzelt. Das war ein starker Wille, dem aber auf sehr einprägsame Weise kein Weg gegenüberstand. Weisheit widerlegt. OG hatte damals die Augen schon nach wenigen Metern wieder
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geöffnet. Er sagte, ich hätte auch merken müssen, dass es eine Scheissidee war. Aber dass es eine Scheissidee war, wusste ich eigentlich von Anfang an. Darum ging es ja nicht. Es war jedenfalls wirklich blöd, überall Blut und ein riesiges Theater. Der Wasserhahn in der Wand hatte mir den Schädel so tief eingeschlagen, dass der Chirurg ihn mit einem Metallplättchen wieder einebnen musste. OG sagt, seither habe ich einen Sprung in der Schüssel, aber einen gutartigen. Mein Onkel Rolf hatte nämlich mal einen Tumor. OG sagte, Rolf müsse wohl sterben. Es war aber ein falscher Alarm, denn scheints gibt es zwei Sorten Tumore, die bösartigen und die gutartigen. Onkel Rolf hatte einen gutartigen und lebte weiter. Und so ist es mit einem ganzen Haufen Dinge im Leben: Sie sind erst mal ordentliche Kacke, aber dann entpuppen sie sich als gutartig und du kapierst nichts mehr. Plötzlich reden alle von Glück, obwohl die Kacke einfach nicht die schlimmstmögliche ist, aber immer noch Kacke. Und das ist doch jedes Mal so. Irgendjemand hat einen Unfall und egal, was passiert ist, heisst es dann: Er hat richtig Glück gehabt. Als Kinder im Skilager nahmen sie uns mal mit aufs Eis zum Curlingspielen. Ein saublödes Spiel, eigentlich Boccia, aber die Kugeln sind 20-Kilo-Steine mit Henkeln, und seit mal irgendein Schlaumeier ein Schlupfloch in der Nicht-anfassen-Regel entdeckt hat, müssen alle ständig das Eis schrubben wie gestört. Der Kassierer gab uns so Schlarpen und erzählte, mit denen rutsche man eben nicht aus. Am Arsch. Steffi Merz hatte das Pech, als erste beschuht zu werden. Sie wiegte sich in völlig falscher Sicherheit, stellte sich schüchtern lächelnd auf die Eisbahn und aus dem Nichts rutschten ihr mit solcher Wucht die Füsse nach hinten weg, dass sie nicht mal schützend ihre Hände ausstrecken konnte, bevor es sie kopfvoran aufs Eis schletzte. Ich kann mich nur noch an das Blutbad erinnern, das sie auf der weissen Eisbahn
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anrichtete, aber OG schwört, er habe gesehen, wie sich Steffi beim Sturz aufs Kinn dermassen auf die Zunge gebissen hat, dass ihre Schneidezähne unten wieder herauskamen. Er schärfte das im Lagerhaus auch allen ein, und die Kinder nickten und waren sich einig: Die hat richtig Glück gehabt. Um ein Haar wäre die Zunge für immer ab gewesen. Alle anderen Kinder sind unverletzt nach Hause gekommen, doch Steffi Merz hat Glück gehabt. Ich kapiere die Vorteile einer positiven Sichtweise, aber mich stört, dass wir so gesehen alle praktisch immer Glück haben, und so fühle ich mich nicht. Gerade diesen Frühsommer fühlte ich mich im Gegenteil sehr oft so, als klebte das Pech an mir wie ein frisch ausgespuckter Kaugummi an einer Schuhsohle. Und dass ich mich dazwischen kurz für den grössten Glückspilz hielt, war vermutlich nur dazu da, die Fallhöhe zum nächsten Tiefpunkt zu steigern. Aber ja, sehen wirs positiv: Dieser Frühsommer war ein Abenteuer, wilder als alles, was ich davor erlebt hatte.
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Der Tag der Tags Zehn Jahre nach der verhängnisvollen Idee an der Garageneinfahrt sitzen OG und JJ wieder auf einer Hügelkuppe und schauen hinunter; der Ältere zufrieden, der Jüngere in Gedanken versunken. Den Hügel in der Siedlung haben sie mittlerweile durch einen höheren ausserhalb und die Rutschautos durch Töffli ersetzt. Darüber hinaus kann JJ keine Fortschritte feststellen. Gut, sie sind gewachsen. Aber OG nicht nur in die Höhe, sondern auch besorgniserregend in die Breite und JJ dafür von beidem zu wenig. Es sind die Nullerjahre und die gegenwärtige Mode kommt JJ daher nicht gelegen. Die beiden tragen übergrosse Hosen und XXL-Shirts, was bei OG ganz gut rüberkommt, aber JJ sieht aus wie geschrumpft. «Warum tragen wir eigentlich so riesige Kleider?», fragte JJ einmal. «Wenn ich nicht aufpasse, rutscht mir der Kragen von den Schultern an die Knöchel.» «Das ist wegen der Armut in der Bronx», erklärte OG. «Dort müssen Kleider jahrelang halten. Deshalb berücksichtigten die Eltern beim Einkauf, dass ihre Jugendlichen noch grösser werden. Und fett, denn es sind die USA. Aber dann haben diese Jugendlichen Hip-Hop erfunden, und alle wollten sein wie sie. ‹Moment›, sagten die Jugendlichen, ‹wir finden unsere Kleider scheisse. Das ist nur, weil wir uns nichts Angemessenes leisten können.› Aber es war zu spät. Also taten sie so, als hätten sie das von Anfang an geplant, und wurden stolz auf ihren Style. Seither ist das cool, und deswegen tragen wir heute Hosen, die ständig runterrutschen.» OG gefällt seine bewundernswerte Gabe, jedes Rätsel überzeugend herunterzubrechen. Wenn nur seine Lehrer in der
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Schule einen Hauch von diesem Talent hätten, denkt er immer. Sie haben neben ihrer Aussichtsbank parkiert und sich auf den Töfflisitzen umgedreht, die Füsse auf den Gepäckträgern. Die Bank wäre wahrscheinlich bequemer, aber so machen sie nun mal Pause, wenn sie mit den Töffli unterwegs sind. Unter OGs Gewicht verdrückt sich sein Töffliständer nach und nach in die Wiese. Aber selbst darin erscheint er JJ souverän. Es gelingt ihm scheinbar mühelos, das Absinken auszubalancieren, während er entspannt die Aussicht geniesst. Vor ihnen erstreckt sich das Mittelland bis zum bläulichen Horizont der Alpen. Es ist ein warmer Tag im Juni, und unterhalb des Aussichtspunktes, im Dorf, liegen kompakte Altpapierbündel vor getrimmten Buchsbaumhecken. In der Ferne hört man einen Rasenmäher, und die Luft surrt vor Insekten. JJ wedelt einen Schmetterling aus dem Weg. Die Beschaulichkeit hängt ihm zum Hals heraus. Ihre Aussichtsbank haben sie ursprünglich auf der Suche nach dem perfekten Ort zum Kiffen entdeckt. «Der perfekte Ort zum Kiffen hat drei Eigenschaften», sagte OG zum Auftakt der Suche und wünschte sich ein Flipchart. «Erstens, man überblickt die Situation, wird aber selber nicht gesehen und wenn, dann nur von weit weg. Zweitens, man merkt es mit ausreichend Vorlauf, falls jemand kommt. Und drittens, es hat eine Bank mit einer fetten Aussicht.» Die Idee war, dass man sich an dem Ort vollständig entspannen kann und das Eintauchen in die Aussicht dem Rausch ordentlich Schub verleiht. Leider ist weder OG noch JJ so recht warm geworden mit Kiffen. Entgegen ihren grossen Erwartungen, genährt von ihren Lieblingsfilmen, wurden sie davon einfach leicht belämmert. So verlor sich das mit dem Kiffen allmählich wieder, aber keiner sprach es an, denn sie fühlten sich ein bisschen, als hätten sie versagt. Was blieb, war die gefundene
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Bank, neben der sie sich jetzt statt Joints erleichtert wieder Capri-Sonnen reinziehen. «Das ist Leben», sagt OG genüsslich mit dem Blick nach Süden. JJ versucht, ebenso cool an seiner Quetschlimo zu nuckeln, nimmt dazu eine Hand von der Packung und schaut in die Ferne. Seit bald einem Jahr ist er am neuen Gymnasium. Trotzdem ist er kaum in seiner Klasse angekommen. Es ist sowieso schon hart, Erstklässler zu sein, aber wenn man aussieht wie ein Minuszweitklässler, wirds nicht einfacher. Neulich im Zug hatte die Kontrolleurin ihm nicht glauben wollen, dass er fünfzehn ist. Erst als er das Abo mit seiner Identitätskarte untermalte, lachte sie ihn aus und rief, er sehe aus wie zwölf. Für die Mädchen an der Schule ist er sowieso Luft. Bei manchen der Jungs würde er sich das auch wünschen. Aber immerhin sind seine Noten in Ordnung. OG hat da deutlich mehr Mühe. JJ kann sich das nicht recht erklären, aber irgendwo musste OG einen Anschluss verpasst haben. Er ist einmal sitzengeblieben und musste jetzt auch noch das zehnte Schuljahr anhängen. Trotzdem hat er immer noch nichts für danach. Arme Sau, denkt JJ, der brütet sicher über noch schwereren Gedanken als ich. «Hast du dich mal gefragt, warum wir eigentlich Boxershorts tragen?» Die Frage reisst JJ aus seinen Überlegungen. «Hä?» «Unsere Hosen sind ja blickdicht», fügt OG hinzu. Verdammt, wieso, denkt JJ fieberhaft, denn ihm fehlt das Selbstvertrauen, um so eine Frage nicht ernst zu nehmen. «Weil man bei diesen Baggiejeans sonst unsere Arschritzen sehen könnte?» «Guter Punkt, aber alle tragen ja Unterhosen, unabhängig von den Hosen.» «Dann weiss ichs nicht.»
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«Das ging mir genauso. Aber letzthin unter der Dusche hatte ich eine Idee. Weisst du, was ich gemacht habe?» JJ zieht eine Augenbraue hoch. «Ich kann mir schon denken, was du letzthin unter der Dusche gemacht hast.» «Idiot. Nein, jetzt pass auf: Ich habe gefurzt.» JJ zieht auch noch die andere Augenbraue hoch und blinzelt. «Alter Schwede!», fährt OG unbeirrt fort, «du glaubst nicht, wie das stinkt. Und man ist völlig ausgeliefert. War eine Scheissidee. Da kapierte ich: Unterhosen sind Filter für unsere Fürze. Deshalb sind sie aus so feiner Baumwolle.» «Verstehe.» JJ nickt nachdenklich. So ist das also. «Heisst das etwa –» «Genau. Deshalb also sagt mein grosser Bruder immer, Frauen mit Tangas sind heiss, aber gefährlich.» Das hat JJ nicht gemeint, aber die Erkenntnis fasziniert und beängstigt ihn zugleich: Darauf wäre er nie gekommen. Zum Glück hat er OG. Er hat JJ alles beigebracht. Und dank ihm sind die beiden Hip-Hopper. «HipHop», sagt OG immer, «besteht aus den heiligen drei Disziplinen Tanz, Graffiti und Rap.» Am schwierigsten ist das mit dem Tanz. Dabei haben sie darin ursprünglich ihre grössten Hoffnungen gesteckt. «Alter, ich habs», sagte OG am Anfang, und seine Augen leuchteten wie immer, wenn ihn die Genialität seiner Ideen selber umhaut: «Breakdance.» Er artikulierte das Wort wie eine Zauberformel. «Das wollen die Ladies.» JJ fiel es wie Schuppen von den Augen: «Na klar.» Sie sahen sich all die Videos an und stellten konzentriert fest, dass die Frauen im Publikum nach einer gelungenen Tanzeinlage völlig durchdrehten vor Begeisterung und ihre Caps und Schuhe auf die Tanzfläche schleuderten. Das wollten sie auch. Aber sie schlugen umgehend an einer akrobati-
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schen Decke an, für deren Durchbrechung sie bis heute eher aussichtslos trainieren. Vielleicht liegt ihr Talent anderswo. OG saugt die letzten Tropfen aus seiner Safttüte, hält dann plötzlich inne und lässt sie sinken. JJ sieht eine Idee kommen. «Weisst du was? Ich denke, unsere Bank ist bereit», verkündet OG feierlich. «Bereit für was?» «Bereit, von uns getaggt zu werden.» Seit Langem arbeiten sie an ihren Tags. Es ist gar nicht so einfach, denn Tags müssen cool aussehen, aber auch blitzschnell gehen. In der Theorie peitscht man einen Tag aus dem Nichts an die Wand wie Zorro sein Z, nur um dann sofort wieder unterzutauchen, seine Kapuze ins Gesicht zu ziehen und unter den aufgeschreckten Blicken der Polizei zu verschwinden. Die Bank mag bereit sein, aber ist es OG? Beim Üben beisst er sich vor Konzentration immer noch auf die Zunge, kneift ein Auge zu und krakelt langsam mit dem Filzstift der Vorzeichnung entlang. Doch um schön fliessende Linien zu erhalten, müsste man mit Schwung taggen, und dass sie immer noch beim Filzstift sind, ist ja auch eine Niederlage. Zuerst haben sie mit Spraydosen aus dem Baumarkt experimentiert, aber die haben durchs Papier hindurch den Tisch versaut und wurden sofort konfisziert. Dann wollten sie einen Tagging-Stift, wie sie ihn in einem Magazin gesehen hatten, aber so was gabs nirgends. Das traurige Rennen um die Rolle ihres Graffiti-Ausrüsters gewann am Ende eine Papeterie, und deshalb haben sie jetzt eben Filzstifte, aber immerhin steht da warnend «permanent» drauf. Vielleicht finden das nicht alle so furchteinflössend wie JJ, aber er hat diesbezüglich ein kleines Trauma. Im Kindergarten gab es ein Missverständnis, da schärfte ihm Frau Zurbrigg
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ein, sehr vorsichtig zu sein mit seinem Filzstift, denn der gehe nie mehr raus. «Nie nie?», fragte klein JJ mit Grauen. «Nie nie», bestätigte die Kindergärtnerin todernst und liess ihn mit dem Stift allein. So also macht man Tattoos, dachte JJ, und da fiel ihm ein, wie regelmässig er sich beim Malen die Hände vollschmierte. Die Angst kroch in ihm hoch, aber es gab kein Zurück. Danach schwitzte er jedes Mal Blut und Wasser, wenn er einen Filzstift benutzte, und wie leichtfertig alle anderen mit der Gefahr umgingen, bestärkte ihn in seinem Lebensgefühl, der Feigste von allen zu sein. Erst Jahre später dämmerte ihm, dass Frau Zurbrigg ein wenig verallgemeinert haben musste. Aber bis dahin hatte sich der Horror bereits so tief verwurzelt, dass ihn auch das neue Wissen über seine Grundlosigkeit nie mehr ganz zu tilgen vermochte. Nie nie. OG stellt seine Capri-Sonne auf die Bank und überlegt, wo sein Tag am besten hinkommt. JJ dreht unwohl sein Cap in den Händen. «Ich weiss nicht, die Bank gehört ja nicht uns.» «Sie gehört der Gemeinde, und wir sind Teil der Gemeinde», sagt OG ohne aufzusehen. «Ausserdem sind wir sicher die besten Nutzer dieser Bank, ausser uns ist nie jemand hier.» «Wir nutzen sie nicht, wir sitzen daneben.» «Und sowieso, was macht schon ein Tag? Schau mal hier: ‹M+D›, das Herz ist tief eingekerbt. Das zerstört die Lackschicht, das Regenwasser dringt ein, das Holz quillt auf, und die Bank wird Kompost. Und für was? Ich wette, M und D lieben sich schon lange nicht mehr, aber OG wird immer OG bleiben. Und wir sind Gangster. Die sind halt ab und zu kriminell.» JJ möchte die Gesetzlosigkeit auch leben, aber er sucht weiter nach einer Ausrede. Da kommt OG erst recht in Fahrt,
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um dem Jüngeren das Vorbild abzugeben, das er sucht: «Komm schon, JJ, sei nicht immer so verflucht nett. Scheiss auf Rücksicht! Scheiss auf Anstand! Scheiss auf alles!» OG hat sich für den Ausruf auf die Bank gestellt und vor JJs geistigem Auge steht er auf einem Felsen in der Brandung, die glitzernde Gischt einer mächtigen Welle fliegt hinter ihm hoch und zwei Delfine springen durchs Bild. In Wirklichkeit fegt lediglich eine Windböe über OG hinweg und bläst seine leere Capri-Sonne von der Bank den Hang hinunter. «Deine Capri-Sonne!», ruft JJ. «Fuck!», entfährt es OG, und er hastet der Packung hinterher. Schwer schnaufend kommt er zurück und verstaut den eingefangenen Abfall in der Seitentasche seines Rucksacks. «So. Die entsorgen wir zu Hause», murmelt er zu sich selbst, um sich von dem Schreck zu erholen. «Wo war ich stehengeblieben?» «‹Scheiss auf alles›.» «Genau! Und deshalb wird diese Bank jetzt ein für alle Mal markiert.» Mit einem vorahnungsvollen Plopp nimmt OG den Filzstiftdeckel ab und malt seinen Tag in die obere Ecke der Lehne. Dann betrachten beide schweigend das Werk. «Ziemlich … dicht, irgendwie», sagt JJ nach einer Weile. «Ich hab noch nie aufrecht getaggt. Die Blätter zum drauf Üben sind immer gelegen.» «Vielleicht mit den schnellen Strichen, wie im Handbuch?» «So ist nun mal mein Tag: Er ist fett, sieht klasse aus, aber nach Lehrbuch kackt er ab. Weisst du, was das heisst?» «Was?» «Er ist wie ich. Und das ist auch genau die Idee von Tags, sie sollen du selbst sein, verstehst du?»
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Sie schauen den Tag wieder schweigend an. Es ist schwer bestreitbar, dass er misslungen ist. OG schlurft zu seinem Töffli und packt den Stift in den Rucksack. JJ steht allein vor der Bank. Er holt tief Luft. Es ist klar, was zu tun ist. Er zückt seinen Filzstift und malt seinen Tag in die andere Ecke der Lehne. OG kommt zurück und inspiziert den Vandalismus. «Etwas klein geraten», schliesst er und klopft JJ auf die Schulter. Sie betrachten ihre Bank und spüren, wie bei deren Anblick statt des erhofften Stolzes die Scham in ihnen aufsteigt. «Wenigstens sind wir jetzt Verbrecher.»
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Die Schwachen nimmts Um die Geschichte dieses Frühsommers zu erzählen, muss ich zuerst mal was klarstellen. Meine grösste Schwäche sind Mädchen. Und ich meine das nicht so Casanova-Style, ich habe eine Schwäche für Mädchen. Ich meine, bei den Mädchen kacke ich so richtig ab. Ich vermisse die Zeit, als sie uns egal waren. In der Primarschule war alles so einfach: Die Mädchen und die Jungs fanden sich gegenseitig doof und hingen glücklich untereinander ab. Aber plötzlich hat der Wind gedreht, und es wurde verdammt wichtig, was die Mädchen von einem denken. Dabei kapiert gar niemand, was die Mädchen überhaupt denken. Sie haben irgendwie ihre eigene Welt aufgebaut, die ganz anders läuft als unsere. Nur etwas gibt es, das ist sonnenklar: Es kommt auf die Grösse an. Die Mädchen haben verschiedene Geschmäcker, manche stehen auf Skater, manche auf Typen in einer Band und manche sogar auf Nerds. Aber keine steht auf Kleine. Sie behaupten vielleicht, sie stehen auf, was weiss ich, Südländer, aber wenn dann Giacomo De Gasperi aus der Parallelklasse kommt, schütteln sie den erhobenen Zeigefinger. Denn das ist alles nur Beigemüse der Hauptanforderung: gross sein. Und das ist der Dampfhammer, denn zu einem Skater, einem Typen in einer Band oder einem Nerd kann man sich halbwegs mausern, aber man kann nicht durch Willen wachsen. Man muss sich also irgendwie arrangieren, aber wie, das ist eine harte Suche. Und so geht es bestimmt allen, die unter der Augenhöhe der Mädchen zurückgeblieben sind. In der Primarschule wurde der kleine Giacomo von den Mädchen «Giaggi De Gaggi» gerufen, und er parierte sauber mit genauso blöden Spitznamen. Aber wie pariert man Achtlosigkeit? Die Mädchen sind ja sämtlichen Jungs gegenüber erst
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mal achtlos, das ist also eine verbreitete Knacknuss. Manche Jungs werden fies, und ab und zu funktioniert das tatsächlich, und eins der Mädchen beginnt, um Anerkennung zu kämpfen. Aber auch für diese Strategie muss man gross sein, ohne ist man einfach ein Giftzwerg. Ich bin nicht der Typ für so was, aber ich verstehe den Drang, den Mädchen lieber negativ aufzufallen als gar nicht. Denn ich sitze in der Unsichtbarkeit und bin so ausgeklügelt auf die wenigen Begegnungen mit Mädchen vorbereitet, dass es bestimmt schiefgeht. Alle meine im Kopf bereitgelegten Szenarien und schlagfertigen Reaktionen schmeissen sich selber in den Müll, sobald das erste Mädchen den Mund aufmacht und etwas ziemlich Normales sagt, das für mich trotzdem wieder unvorhersehbar war. Letzten Winter hatte ich so was wie einen Flirt mit Angelina Baumann. «Sag mir zwei Wahrheiten und eine Lüge über dich», forderte sie mich auf, und ich wurde nervös, denn ich wusste: Dieses Spielchen gehört in die Kategorie von Flaschendrehen und dergleichen. Zuerst die Taktik: An welcher Stelle platziere ich die Lüge? Gleich zu Beginn ist auffällig, am Schluss ist lahm, in der Mitte erwartbar, aber gerade deshalb vielleicht schlau? Umgekehrte Psychologie, klar. Somit brauche ich zuerst eine Wahrheit, und das Wichtigste bei dem Spiel ist, sich mit allen Aussagen gut darzustellen. Ich brauchte also drei tolle Eigenschaften von mir, eine davon zur Lüge verkehrt. Um die perfekte Antwort zu finden, musste ich Zeit schinden. Doch während ich schwitzend Füllwörter stammelte und versuchte, dabei cool zu grinsen, sah ich mit wachsender Panik, wie Angelina ihren Beschluss, mich ausnahmsweise mal zu bemerken, je länger, je mehr bereute. Also entschied ich, abzukürzen und die erstbeste tolle Wahrheit rauszuhauen, die mir in den Sinn kam: Dass ich ein grosser Hip-Hop-Fan bin. «Ich bin ein grosser –»
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Sebastian Henn 1989 in Winterthur geboren. Nach einer langweiligen Jugend im T össtal noch langweiligeres Studium der Germanistik in Zürich. An der Queen Mary University in London dann zum Glück Drehbuchschreiben gelernt. Bisher zehn Theaterstücke und Drehbücher zur Veröffentlichung gebracht, verdächtigerweise immer mit sich selbst als Regisseur. Mit «Röstibeef» erstmals einen Roman verfasst, basierend auf Gekritzel aus seiner Jugend.
«Ich kapiere die Vorteile einer positiven Sichtweise, aber mich stört, dass wir so gesehen alle praktisch immer Glück haben, und so fühle ich mich nicht. Gerade diesen Frühsommer fühlte ich mich im Gegenteil sehr oft so, als klebte das Pech an mir wie ein frisch ausgespuckter Kaugummi an einer Schuhsohle. Und dass ich mich dazwischen kurz für den grössten Glückspilz hielt, war vermutlich nur dazu da, die Fallhöhe zum nächsten Tiefpunkt zu steigern. Aber ja, sehen wirs positiv: Dieser Frühsommer war ein Abenteuer, wilder als alles, was ich davor erlebt hatte.» Sebastian Henns Romandebüt «Röstibeef» ist eine Geschichte über echte Freundschaft, Zugehörigkeit und Selbstbewusstsein. Sowie ein Liebesbrief an die Jugend, irgendwie die Schweiz und natürlich den Hip-Hop.
Sebastian Henn
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Sebastian Henn
Ein Aussenseiter zu sein, ist hart genug. Doch zu allem Übel lebt der fünfzehnjährige JJ auch noch in einer ausgesprochen beschaulichen Deutschschweizer Landidylle. Er würde sich wie ein kompletter Verlierer fühlen, wären da nicht sein bester Freund OG und ihre gemeinsame Leidenschaft, der Hip-Hop. Als die beiden jedoch auf die dumme Idee kommen, einen berühmten Genfer Rapper zu beleidigen, setzen sie eine Kettenreaktion in Gang, die bald schon höchste Regierungskreise erreicht.
Roman
www.sebastianhenn.ch
ISBN 978-3-7296-5228-6
9 783729 652286
Zytglogge_Cover_Roestibeef_final.indd 1-3,5
05.08.26 09:19