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Daniel Badraun - Mondläufer

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Daniel Badraun

MOND LÄUFER

Roman

DanielBadraun Mondläufer

DanielBadraun Mondläufer

Füreuchalle,dieihrPlatzinmeinemHerzenfindet

EineGeschichteinfünfTagenodereinemganzenLeben

UmmichherumviergraueWände.Bett,SchrankundTisch.

HinterderbrusthohenMauereinzerkratztesWaschbecken unddiegelblichschimmerndeKloschüssel.Mehristdanicht. AmgrauenBetonhängenPostkartenundNotizzettel,mit derZeitwurdenesimmermehr.WirgenießensonnigeTage inKroatienunddenkenandich.Danebeneinzerknitterter ArtikelausderRegionalzeitung.GerichtverhängteinemehrjährigeHaftstrafegegendenÖko-BomberAnatolK.Und weiterdrüben:HabengesterninJerusalemeineKerzefür dichangezündet.Undnatürlichauchfüruns,damitwirwiedergutnachHausekommen.MitmeinerGesundheitsteht esnichtzumBesten.

LorenahattemirvorneunMonatenvondiesemPlanerzählt,beiläufigundunverbindlich.FürmichwareskeineFrage,ehereineAufforderung.EingroßerKnall,dannwärealles anders.Sohatteichesmirvorgestellt.

DerDirektor,derdieLeutemitseinenTrickszumStaunenbrachte,etwamiteinemrekordverdächtigenVorspeisenbuffet,serviertaufeinembaumlangenBrettausLärchenholz, andessenGeruchichmichnochgenauerinnernkann,konntemichnichtmehrbeeindrucken.Schondamals,alserWodka,getrocknetes,dünngeschnittenesRentierfleischunddas dunkleKnäckebrotausFinnlandzuunsindieBergebrachte undineinemFestzeltauftragenließ,vermischtesichmein StolzmitMisstrauen.EinTaschenspieler,derjederzeitein Huhn,wennauchmanchmaleintotes,ausdemÄrmelzaubernkonnte.

Ichkanndasauch.ZumBeispieleineKindergeschichteerfinden.DreikleineSiouxspielenTagfürTagzusammen.Bis derKleinstefindet,erseinuneinRitter.DieFreundelassen

ihnlinksliegen.DerkleineRittermachtsichalleinaufden Weg.ErbestehtvieleAbenteuerundhilftamEndedenSioux beimKampfgegeneinenwütendenBüffel.Spätersitzenalle dreigemeinsamamLagerfeuerunderzählensichJagdgeschichten.Anzumerkenist,dassmanauchbeiKindergeschichtennichtmehr«Indianer»sagensollte.Besseristder Stammesname.

«Gehtdoch»,würdeTabeasagen,«dieGeschichte kannstduunserenKindernzumEinschlafenerzählen.»

«WirhabenkeineKinder»,rückeichdieRealitätzurecht.

«WoistdasProblem?»,fragtTabeaundversuchtmich zuküssen.

«DasProblemistdasLeben»,sagtZanoundstreicht überdasBlatt,dasvorihmliegt.«WasfüreineHerausforderung.»

«Nichtzubewältigen»,stimmeichzu.

«EinAnfangistleichterzählt»,sagtZano.

«BloßeinAnfang?»,frageich.

«Eskönnenauchmehreresein,dieineinLebenmünden.»

«WasistschoneinLeben?»

«Alles»,sagtZanobestimmt.

«Nichts»,entgegneich,«einHauch.»

«OdereinSturm?»

«Achwas.VielleichteineAbfolgevonStunden,Tagen, WochenundJahren,kaummehr.»

«Warummusstduimmerallesheruntermachenundbagatellisieren?»ZanoschütteltdenKopf.

«WarummusstduallemdiesesGewichtgeben?» WirschweigeneineWeile.

«LassunseinenTeetrinken»,sagtZanoschließlich.

Ichnicke.WährenderWasseraufsetztunddieKannevorwärmt,denkeichandieZeit,dievorbeiziehtundderman, mitetwasgutemWillen,dasWortSchicksalzuordnenkann. «DarjeelingoderAssam?»ZanohältmirzweiBlechdosenhin.

MeineFingerstocken.BeiderFragenachdemTeekann ichmichnichtentscheiden.Ichmussesauchnicht,dennich kannmirhierinderZellekeinenTeeaufgießen.

Immerwiederfrageichmich,wiemanübereinLeben schreibensoll,wiemitderLeereimKopfumzugehenist,wie mitdenStundenzwischendemEinschließenunddemLichterlöschen.

DerNameZanofielmirirgendwannzu.Zistderletzte BuchstabeimAlphabet.MeinAliegtamAnfang.Zwischen AnatolundZanofindetdasLebenstatt,gesammeltinMäppchenaufmeinemSchreibtisch.

ErsterTag:Samstag

DieSchmerzentreibenihnfrühausdemBett.Esistnoch dunkel.EigentlichhaterkeineEile.Erkönntegemütlich frühstücken,dochesfehltderAppetit.EinegroßeUnruhe hatihnerfasst.SopackterseineTascheundnimmtnacheinerschnellenDuscheundeinemhastigenKaffeedennächstenZug.ZusammenmitvielenAusflüglernkommteram HauptbahnhofZürichan.BergsteigerinnenundBergsteiger mitSeilen,EispickelnundHelmenandengroßenRucksäckenstehenbeimKiosk.EinPaarmitvollbeladenenTourenvelosundzweiRennradfahrergehenvorbei.

ImletztenOktoberhatteerzumerstenMalvondiesemRennengehört.Erhattesofortgewusst,dasserdabeiseinwollte, jamusste.AusNeugier,abervorallemausTrotz.Schonda hatteergespürt,dassetwasnichtstimmtemitseinenBeinen. AusdervagenIdeewurdeeinPlan.EinAbenteuermit demMountainbike,einAusbruchausdemAlltag,dieChance,sichundanderenetwaszubeweisen.ErschautesichimmerwiederdieHomepagedesOrganisatorsan,kauftesich eineSchweizerkarte,umdieRoutedesRennenseinzuzeichnen.EintausendKilometerzwischenBodenseeundGenfersee,vonRomanshornbisMontreux,dieüberallenurmöglichenPässeundÜbergängeführenwürden,meistabseitsvon StraßenunddurchabgelegeneGegendendesLandes.ErsuchteimInternetVideosundBildervonfrüherenRennen,las BerichtevonTeilnehmenden,diedieHärtederStreckebeschrieben,dieStrapazenfürKörperundWillen.Diesbestärkteihnnochmehr,dieHerausforderunganzunehmen.Erstelltesichvor,wieerunterwegswäre,wieeramAbendaneinem WaldrandseinLageraufschlüge,indieWeiteschauteund seinemüdenBeineimSchlafsackausstreckenwürde.

ErerzählteTinavonderTour.

«Dasistverrückt»,sagtesienur,«unddasindeinemAlter.»

DaschwiegerundbehieltdieDetailsfürsich.Später,also nachdemRennen,würdeerdavonerzählen,dieReiseganz genaubeschreiben.

EineerstepraktischeHürdetauchteauf,alseraufderSeite desVeranstalterserfuhr,dassersicheinenTrackerbesorgen musste,einGerät,dasseinegenauePositionwährenddes Rennensangab,damitüberprüftwerdenkonnte,obsichalle andievorgeschriebeneRoutehielten.ErstwollteereinengebrauchtenTrackerersteigern.Alsdasnichtklappte,kaufteer einneuesGerätundlegteesineinnochleeresSchrankfach, daserinsgeheim«meinExpeditionslager»nannte.

AlsdasAnmeldefensterimDezembergeöffnetwurdeund ersicheinschreibenwollte,merkteer,dasserzuerstdenTrackerstartenundaufderHomepagederHerstellerfirmaregistrierenmusste.FürdieInstallationdesGerätsbrauchteer mehrereAnläufe,dabeihoffteer,dassdiebegehrtenStartplätzeinderZwischenzeitnichtwegseinwürden.Endlichhatte erdenletztenCodedesGerätsimNetzeingegebenundsah, dassseineAnmeldungakzeptiertwordenwar.Richtigerleichtertwarererst,alsseinNamenacheinigenTagenaufder Startlisteerschien.

ErgehtdurchdieBahnhofshalle,vorbeianBiertrinkern,joggendenFrühaufsteherinnenundJugendgruppenaufdem WegzueinemTurnfestundsteigtindenIntercityRichtung Graubünden.DieZeitungistschnellausgelesen,esbleibtihm dieNaturvordemFenster.SeinHandyvibriertmehrmals, docherschautdieNachrichtennichtan.Stattdessenöffnet erdieKomoot-AppundstudierteineRoute,dieinder LinthebenedieEisenbahnliniekreuztundrechterHandin dieHöheführt.

UmneunUhrkommterinChuran.FürdieWeiterreise isteszufrüh.ErschlendertdieBahnhofstraßehinaufund tauchthinterdemPostplatzindieAltstadtein.Ziellosgeht erdurchdieGassen,abundzuwirfterseinemSpiegelbildin denSchaufensterneinenschnellenBlickzu,schütteltdann denKopf,dadasBilddiesesMannesnichtmitseinenEmpfindungenübereinstimmt.ErsiehtdiesegroßgewachseneErscheinung,diesensportlichgekleidetenMannmitdenleicht angegrautenHaarenunddergesundenHautfarbe,dieverrät, dassersichoftimFreienbewegt.DasGewichtderReisetaschescheintihmnichtsauszumachen.

AlsNächstesmachteersichGedankenüberdieAusrüstung undnahmsichvor,regelmäßigzutrainieren.DerWinterwar zäh,langeZeitwareskaltundnass.Erwargezwungen,im HausaufdemRuderergometeranseinerFitnesszuarbeiten. BeitrockenemWetterfuhrereinigeKilometer,dabeikamer abernichtrichtigaufTouren.OftschauteerVideosvonAlpenüberquerungen,vonUltracyclingrennenundBikepackingabenteuern.Dabeilernteer,dassBikepackingdieschlanke VersiondesRadreisensist,nichtzuvergleichenmitdenFahrtenaufdemvollgepacktenTourenvelo.BeimBikepacking werdenTaschendirektamRahmendesVelosbefestigt,diese sollennurdasNötigsteenthaltenundsoeffizienteresFahren ermöglichen.

EndlichwurdendieTagelänger,diekühlenWindeverzogensichunderfuhröfterslosundsuchtegezieltnachStreckenmitSteigungen.SokameraufetlicheTrainingskilometer,dieaberauchaneinandergereihtinkeinerleiRelationzur geplantenMonstertourstanden.DieHöhenmeterließensich zwarsehen,kamenabernichtandieÜbergängeheran,die vorihmliegenwürden.DieseUnzulänglichkeitenschober vonsich.NochhatteerZeit.Irgendwiewürdeesschonge-

hen.LieberalsmitdereigenenLeistungsfähigkeitbeschäftigte ersichmitStatistiken,schaute,werbeidenvorangegangenen AusgabendesRennenswogeschlafenhatteundwielangedie einzelnenTagesetappenwaren.

ImMaiplagteihneinstarkerHusten,derbeijederAnstrengungauftrat.ErverbrachtedieWochenendenzuHause aufdemSofa,trankTee,machtesicheinGemischausHonig undKnoblauchundhoffte,dassdieErkältungbaldwieder abklingenwürde.InseinemExpeditionsfachstapeltensichdie Dinge,dieeraufdieTourmitnehmenwollte.Erwogden SchlafsackunddieIsomatte,bestellteeinkleinesZelt,daer draußenschlafenwollte,undversuchte,dieSchlafutensilien platzsparendinderLenkerrolleunterzubringen.

EinenTeilderAusrüstungersteigerteeraufeinerInternetplattform.ZumAnzeigenderRoutekaufteerzweigebrauchteNavigationsgerätevonGarmin,zuspätbemerkteer,dass dieTeilenichtmiteinanderkompatibelwarenundnureines mitseinemHandyüberdieKomoot-Appverbundenwerden konnte.StundenlangsaßerüberderGebrauchsanweisung undbrachtesichdasNavigiereninkleinenSchrittenbei.Er brauchteeinigeAusfahrten,biserdaseineGerätinderPraxis anwendenkonnte.MehrGlückhatteerbeidenTaschen,da erwischteeraufAnhiebvierbrauchbareProdukte.

BeiseinemMountainbikeließereinenServicedurchführenunddieBremsbelägeauswechseln.GegenEndedesMonatskonnteerendlichwiederbeschwerdefreifahren.Ihm bliebennochzweiWochenbiszumStartdesRennens.

DieserMannimSchaufensteristArneFelixKreil.Undistes dochnicht,esisthöchstensseineHülle,dasBild,dasman vonaußensieht.NichtsichtbardieUngewissheit,derZweifel undeinegroßeMüdigkeit.

GernewürdesichKreilnochzueinemKaffeeindenGartendesRestaurantsCalandaamPostplatzsetzen.FrüherverbrachteerganzeNachmittageunterdenPlatanenandenrotenMetalltischen,derenFarbelangsamabblätterte.Stattin seinerWohnungfürdieanstehendenPrüfungenzulernen, ließersichzulangenDiskussionenbeiKaffeeundZigaretten hinreißen.GegenAbendtrankereinBieroderzwei.Wenn erdiemonatlichenZahlungenderElternguteinteilte,lag auchmaleinWurstsalatdrin.

DergekiesteVorplatzwurdeinderZwischenzeitineine durchgestylteLoungelandschaftverwandelt,diekaumErinnerungenhervorruft.Insgeheimisterfrohdarüber.

AufdemGästebettseinerWohnunglagenausgebreitetdie Dinge,vondenenerannahm,dassmansiefürdieeintausend KilometerquerdurchsLandbrauchenwürde.ZurProbebefestigteerdieTaschenamBikeundpacktemehrmalsum,bis erdasGefühlhatte,dassdiewichtigstenSachensofortgriffbereitwaren.

IndieRolleunterhalbdesLenkerskameneinSchlafsack, eineIsomatteundeinBiwaksack,derihnbeimSchlafendraußenvorWitterungseinflüssenschützensollte.Dererste Schlafsack,denerersteigerthatte,warzuvoluminösund passtenichtindieRolle.SomussteerineinemSportgeschäft einenzweitenkaufen.AmeinenEndederLenkerrolleblieb nochPlatzfürdieRegenhoseunddieRegenjacke.

DiezweiteTaschebefestigteerhintenanderSattelstütze. ZuunterstverstauteerdiekleinzusammengerollteDaunenjacke.IndenBergensolleskaltsein,hatteergehört.Ineine kleinePlastiktütepackteereineErsatzvelohose,eineUnterhose,einShirtausMerinowolle,eineMütze,Armlinge,BeinlingeundeinpaarErsatzsockenausWolle.Ineinezweite TütekameneinelangeUnterhoseundeinLangarmshirtso-

wieeineUnterhosezumSchlafen.GanzobenindieseTasche kameinLangarmtrikot.AufderTaschegabesGummibänder,damitwollteereinedünneJackebefestigen.

DiedritteTaschekaminsRahmendreieckundwurdemit mehrerenRiemenandenRohrenfestgemacht.EinNachteil war,dasserdafürdieFlaschenhalterentfernenmussteund dieFlascheneinenneuenPlatzbrauchten.Diesebefestigteer nunmiteinemspeziellenHalterhintenunterdemSattel.In derDreieckstascheverstauteerdieApotheke,eineRettungsdecke,eineWarnweste,einePumpe,zweiErsatzschläuche, eineStirnlampe,dasWerkzeug,eineinfachesSchloss,einTaschenbuchalsAblenkung,zweiSchachtelnmitMüsliriegeln undeinenBeutelmitGels,MagnesiumpulverundBrausetablettenfürdieGetränke.DazukamderWaschbeutelmit Zahnputzzeug,Seife,einemkleinenDeo,einerTubeSonnencreme,einerTubeSitzcremeundeinigenSchmerztabletten.

DievierteTaschewardiekleinste.DiesemontierteervorneaufdemOberrohr.IneinemwasserdichtenKlarsichtfach steckteseinHandy,daruntergabesPlatzfüreinVorder-und einRücklicht,einePowerbank,KopfhörerundallemöglichenKabel,umdieverschiedenenGeräteaufzuladen.

InderMittedesLenkersbefestigteerdieHalterungfür dasNavigationsgerät.IneinemVelogeschäfthatteersichein neuesGarminbesorgt,sodassdiegespeicherteRoutenunauf zweiGerätenverfügbarwar.DasErsatzgerätkamzudenKabelnindieTascheaufdemOberrohr.ErgänztwurdedieNavigationdurcheinenKilometerzählerrechtsamLenker.Vor demLenkeraufderRollegabesverschiedeneElastikbänder, hierkonnteerwährendderFahrtnasseKleidertrocknen. AufdieRollepackteereinekleineTaschemitdenLebensmittelnfürunterwegs.

FürdieDinge,dieerjederzeitgriffbereithabenmusste, hatteersicheineHüfttaschebestellt.ImSeitenfachbefanden

sichBargeld,KreditkartesowiederAusweisderKrankenkasse.HintenreichtederPlatzfüreinMultitool,einTaschenmesser,einNotizbuchsamtSchreibzeug,zweiEnergieriegel sowiePflasterundDesinfektionsmittelfürdenNotfall.

«WenndudeinLebenauchsogutplanenwürdest»,sagteTinaundließdenzweitenTeildesSatzesimRaumschweben.

ErschautaufdieUhr.BaldistesZeitfürdieWeiterreise.Er gehtzumBahnhofhinunter,kauftsicheinStückNusstorte undeinenKaffeeundsteigtindenZugRichtungEngadin. DieStreckederRhätischenBahnkenntKreilgut.Alserseine AusbildunginChurmachte,fuhrerjedenSamstagdirekt nachdemUnterrichtinsEngadinzuseinenElternundkehrteamSonntagabendwiederindieHauptstadtzurück.Er denktanjenenSamstagimDezember.InderNachtdavor fandeineStudentenpartyimSaaldesHotelsDreiKönige statt.AlsumzweiUhrSchlusswar,gingensieerstzueiner Freundin,kochtenSpaghetti,zogendannweiterzumAtelier einesKünstlersausseinemTal,trankenunddiskutierten,bis dasBahnhofbuffetöffneteundmandorteinFrühstückbekam.DanachholteerseinSchulzeug,standmitvielMühe eineStundeMatheundeineStundeDeutschdurchundabsolviertezumSchlussseineBahnenimSchwimmunterricht. DanachwarerhellwachundbereitfürdieFahrtinsWochenende.AmBahnhoftraferseinenFreundRomeo.

AmNachmittagvordemRennenfuhrermitdemZugnach Romanshorn.ErfreutesichaufdasAbenteuerundkonnte denStartkaumerwarten.SchonimDezemberhatteerein EinzelzimmerinderJugendherbergegebucht.InderNacht brauchteerseineRuhe,späterwürdeerkaummehrgenug Schlaffinden.VordemGebäudestandenmehrereMountain-

bikes,diemeistenwarenhochpreisigeModelle.SeinFeltsah danebenetwasschäbigaus.DasEincheckendauertekeine zweiMinuten.DasZimmerwarklein,aberzweckmäßig. ZweiBetten,einSchreibtisch,LavaboundgenügendSteckdosen.AufdemzweitenBettbreiteteerdieDingeaus,dieerin derNachtundamMorgenbrauchenwürde.Alsersicheingerichtethatte,fuhrerhinunterzumHafen.

Um18UhrtrafensichalleFahrerinnenundFahrerzum gemeinsamenBriefingineinemRestaurantamSee.ErbestellteeinePizzamitvielKäseundhörtedenAusführungendes Organisatorszu.DieSonnezogüberdenBodenseegegen Westen,diePizzaschmeckteunddieStimmungwargelöst. GutgelaunterzähltederOrganisatorvomRennen,wichtige InformationenhoberinernstemTonhervor.Eswurdeerwartet,dassmansichtäglichmeldet,auchBilderundkurze StatementsfürdieWebsitewarenerwünscht.Weilinder HöhezuvielSchneelag,würdeesimBernerOberlandeine Umleitunggeben.KameradenhilfekamanersterStelle,die Zeit,diemandabeiverliert,würdedenHelfendengutgeschrieben.VieleanseinemTischschienensichzukennen,sie warennichtdasersteMaldabei.SeinescheuenFragengingen imallgemeinenGeplauderunter.AlsdiePizzagegessenund bezahltwar,standeraufundfuhrumdenHafenherumzum Bahnhof.ImShopkaufteerzweiTafelnSchokoladeundeine weiterePowerbankfürzusätzlicheEnergie.

InderJugendherbergestellteerseinFeltindenFahrradkellerzudenanderenBikesundginginseinZimmer.Dort luderdieneuePowerbankundseinHandyaufundhörte sicheinenPodcastan.Dabeischlieferein.

DerZugfährtdurchsDomleschginRichtungThusis.Links eineBurg,rechtsdieGefängnisanlagemitdenhohenZäunen. Rodels-Realta.

DamalsgabesnochRaucherabteileimZug.Aufdem TischchenamFensterbrannteeineBaumkerze,dieRomeo mitgebrachthatte.SieaßenErdnüsse,Mandarinen,genehmigtensicheineZigaretteundgenossendenSchwindel,hervorgerufendurchdasseltenkonsumierteNikotin.Damals brauchteeswenigfüreinkleinesAbenteuer,füreinenAusbruchausdemAlltag.KurzvorderAnkunftinSamedan wuschsichKreilHändeundGesichtinderungeheiztenToilette,stecktesicheinPfefferminzbonbonindenMundund stiegwenigspäterausdemZug.Eswareiskalt,derVatersaß imWagen,drückteihmeinentrockenenKussaufdieWange undfuhrmitihmnachHause.

InderNachtvordemRennenwachteermehrfachauf.Als derWeckerum4.30Uhrklingelte,warerentsprechend müde.ImFrühstücksraumderJugendherbergeherrschtegespannteGeschäftigkeit.EinFahrernebenihmrührteein braunesPulverinseinMüsli,eineFahreringegenüberöffnete einkleinesFläschchen.«Zaubertrank»,sagtesielachend.Er spültezweiMagnesiumkapseln,diegutgegenKrämpfesein sollten,mitdemerstenKaffeehinunter.Eigentlichhatteer keinenAppetit,trotzdemzwangersich,zweiKäsebrotezu essen.MehrfachbesuchteerdieToilette,gingdannhinunter insZimmer,zogdieBettwäscheabundmachtediebeiden Trinkflaschenbereit.TinawünschteihmvielGlück,diesmit mehrerenEmoticons.UmhalbsechshatteerseineSachenin denrichtigenTaschenverstautundschobdasBikeausdem Haus.DasWetterhatteumgeschlagen,dunkleWolkenzogen überdieStadt.Regenwarangesagt.

DerStartwaruntenamRomanshornerHafen.Erstartete denTracker,schaltetedasNavigationsgerätein,luddieerste EtappeundstelltedenKilometerzähleraufnull.Kurznach

sechswareranderReiheundfuhrmitzweiweiterenFahrern indenkühlenMorgenhinein.

DieMutterwartete.DieGemüsesuppemitWürstchenstand aufdemHerd.TiefsogsiedieLuftein,alssieihnumarmte, sagteabernichts.

AnalldasdenktKreil,andievielenFahrten,anRomeo, dernichtmehrlebt,andenVater,dervorfünfJahrenstarb, undandieMutterimAltersheim.ErkenntjedeKurve,jede Brücke,unddieDunkelheitderTunnelsistihmvertraut.Das isteinfachso,sagtersich,dashatnichtsmitderVertrautheit derHeimatzutun.EsistreinerZufall,dasserdieseStrecke öfterszurückgelegthatalsandere.

KurzvorFilisurvibriertseinHandyerneut.Diesmal schautsichKreildieNachrichtan.SieistvonJeanDupresse, seinemVerleger.SeitmehrerenTagensitztDupresseihmim Nacken,weilerdenAbgabeterminverstreichenließ,densie fürdieTextedesgeplantenKurzgeschichtenbandesvereinbart hatten.

«WobleibendeineTexte,Felix?»,fragtderVerlegerund nenntihnwieimmerbeimzweitenVornameninAnlehnung aneineliterarischeFigur,derer,Kreil,ingewissemSinne ähnlichsei.

«Ichbindran»,schreibtKreil.

«Essiehtnichtsoaus.»

«Glaubstdu,dassdasSchreibensoeinfachist?»

«DasWartenistesauchnicht»,antwortetDupresse. KreilnimmtdenLaptopausderReisetascheundöffnet ihn.AufdemDesktopgibtesverschiedeneOrdnermitangefangenenTexten,dienochinderSchwebesind.Schonvor zweiWochenhatteerseinemVerlegerdiefertigenKurzgeschichtenversprochen.Längerkannerihnnichthinhalten. SoklickterdenOrdnermitderÜberschrift«Paris»anund

findetzweiTexteausderStadtseinerSehnsucht,einenvon derGaredeLyonundeinenvomMuséed’ Orsay,einemehemaligenBahnhof,derzumMuseumumfunktioniertwurde.

Paris,GaredeLyon

TinawollteunbedingtnachParisfahren,durchdieEinkaufsstraßenflanieren,aufdenEiffelturmsteigenundimQuartier Latinbummeln.IchhattebereitseinBildderStadtund konnteesmir,wieichTinabeiderAnkunftsagte,gutvorstellen,dienächstenTagehierimBahnhofzuverbringen,im RestaurantKaffeezutrinken,dieLeutezubeobachtenund dannobenimBahnhofshoteldieDirektübertragungender TourdeFranceanzuschauen.NacheinerWochewürdeich wiedernachHausefahrenundvonmeinemPariserzählen. «Spinner»,sagtesie,nahmmeineHandundzogmichin RichtungMetrostation.

Muséed’Orsay,EsplanadeValéryGiscardd’Estaing VonKunstgeschichteverstehenTinaundichnichtviel. WennwirdurcheinMuseumgehen,suchenwirunsereeigenenHöhepunktezusammen,dienichtunbedingtmitden spektakulärenundmeistbeachtetenBildernübereinstimmen müssen.NunalsoImpressionistenvonManetüberMonetbis zuBonnard.Gefreuthatmich,dassmanauchBildervon Hodler,GiovanniGiacomettiundCunoAmietfindenkonnte.TiefbeeindruckthabenTinadietraurigenSüdseefrauen vonPaulGauguin.DerMalerhatteaufdenInselnimPazifik dasParadiesnichtgefunden,auchnichtdasgroßeGlück,um dieinnereLeerezuverdrängen.SeinetropischeTraurigkeit spültunshinausaufdenQuaianderSeine.

KreilstarrtdasGewirrderBuchstabenaufseinemBildschirm nochmalsan,schicktdiezweiTexteseinemVerlegerund

schließtdasMailprogramm.DasHandystellterauflautlos undlegtesindieTasche,erhatkeineLustaufdieVorwürfe undForderungenvonDupresse.Ernimmtdenletzten SchluckvomkaltenKaffeeunddrücktdenBecherindenAbfallbehälter.ErschließtdenOrdnermitdenParis-Texten,zögertkurzundöffnetdanndenOrdnerdirektdaneben,in demsicheineeinzelneDateibefindet.

Esistkaltgeworden.JedeFarbeistausderLandschaftgewichen.AlsKellerdasVorbereitungszimmerimSchulhausLindenhofverlässt,jagtihndieBisedurchdieDämmerung,zerrt anseinemMantel,anseinerMappemitdenHeften,dieer fürmorgendurchsehenwill.ErstalserdieWagentürzuzieht, wirdesruhiger.DenMotorstarten,dieHeizungaufvolle Leistungstellen,dasRadioandrehen,aufdieWärmewarten, sichvonderMusikzudeckenlassen.

SpäterdasDorf.KellerdenktanwarmesEssen.Vielleicht hätteerTinaausderSchuleanrufensollen.«Tina»,hätteer sagenkönnen,«kochunswasGutesheuteAbend,dieses Sauwettermachtunheimlichhungrig.»

Tinahättedannhörbareingeatmetundgefragt:«Wobist dujetzt?»

«ImKopierraum.»

«ImKopierraum?Wirklich?»

«Ichbingleichfertig,ichkommebald.»

«Wannistbald?»DieSchärfeinihrerStimme.

«Nunfangnichtwiederdamitan.»

Ihmwäresofortklargeworden,dasssiedieseneinen Abendmeint,alssieamSchlussnurnochschrieundweinte undersichnachdemSchlagschweigendzurückzog.

ErkönnteTinaBlumenmitbringen.Allerdingshätteerin derStadtdarandenkenmüssen.BlumenausdemSupermarkt imDorf?Siewürdespitzbemerken,dasssiewohlnichtmehr

wertseialseinlieblosgehefteterStrauß,derschoneinige TagenebenderKassestandundkaummehrgekostethaben dürftealseinKohlkopf.AußerdemhaterkeineLust,wegen einesBlumenstraußesanstehenzumüssen,derdochnichtgeschätztwird.

EbentauchtdieEinfahrtzumSupermarktauf,schonist Kellervorbei,nachfünfhundertMeternfolgtdieEinfahrtzur Quartierstraße.

VorfünfundzwanzigJahren,alsdieHäusergebautwurden, hattenvieleFamilieneinenHund.JetztgibtesnurnocheinigealtersschwacheTiereimQuartier,diesichweigernzusterben.UndesgibtdiePaare,diesicheinenHundalsKinderersatzhalten.WenndieseHändchenhaltenddieStraße hinunterkommen,ruftKellerTinazusichansFenster.

«Lächerlich,findestdunichtauch?»

Tinalachtnicht.«EswareineschöneZeit.»

«EineschöneZeit,klar.»

«Unsfehltetwas,merkstdudasnicht?»

«Ichweißnichtsorecht … »EristaufderHut.

«Seitdamalshatsichvielesverändert.UnddieseGeschichte … »

«KommmirnichtwiedermitdieserGeschichte,Tina.»

WennsieKeller«dieseGeschichte»vorwirft,danngibt esnichtsmehrzusagen.

DieScheinwerferwandernüberdenZaunundanderFassadedesHausesentlang,dasGaragentoröffnetsich,ersteuert denWagenhineinunddasTorgehtzu.Ernimmtseine Mappeundsteigtaus.DankVerbindungstürundTorautomatikkommtermittrockenenFüßeninsHausundmuss nichtdurchdenwindigenGartengehen.DieWaschküche durchqueren,danndieSchuheaufdieAblagestellen,die HefteinsBürolegen,denMantelaufhängenunddieHausschuheanziehen.DiegleichenVerrichtungen.WiejedenTag.

«Tina,ichbinda!»

ImWohnzimmerliegtdieZeitungwieimmernebender Fernbedienung.KellerliebtdieseKonstantenimAlltag.Er schautaufdieUhr,nocheineViertelstundebiszurTagesschau,erüberfliegtkurzdieRegionalnachrichten.

«WasfüreinWindheute,hastdudasbemerkt?»

TinaistmeistirgendwoimHausbeschäftigt,wennKeller heimkommt.ErsetztsichjeweilsinsWohnzimmer,blättert dieZeitungdurch,kurzdaraufkommtsievorbeiundhaucht ihmeinenKussaufdieWange.«DubistmeinHauptgewinn,Schatz»,sagterdann,undsiefragtihnnachseinem Tag.Erwillwissen,waseszumAbendessengibt.«Überraschung»,flüstertsieundverschwindetinderKüche.Wenn dasKlapperndesGeschirrseinsetzt,stellterdenFernseher an.JedenfallswaresbiszumgroßenStreitso.Oderähnlich.

«Tina,hörstdumich?IchbinzuHause!»SeinRufverhallt.

KellersHändeanderFernbedienungsindfeucht.Erstellt denApparatan,umgleichwiederabzuschalten.Wosienur bleibt?InderKücheistsienicht,inihremNähzimmerauch nicht.Dannmusssiewohlobensein.AufdemTreppenabsatzbleibterkurzstehen,atmetdurch.DieSchlafzimmertür istnurangelehnt.Siestehtda,ineinemengen,elegantgeschnittenenKleid.

«Tina,wasmachstduda?»

Sieschrecktzusammenundstarrtihnan.Dannnimmtsie eineReisetaschevomBodenundkommtaufihnzu.

«Ichgehe,ArmonGregor.»SiesprichtseinebeidenNamenüberdeutlichaus,dabeischautsieihnmiternstenAugen an.«Ichkannnichtmehrhierbleiben.Dashier» – sie machteinegroßeHandbewegung,mitdersiealleseinbezieht, auchihn – «dasallesbringtmichum.»

«Wowillstduhin?»,fragterundseineHändewerdenzu Fäusten,nurkurz,dochsiehatesgesehenundzucktzurück. «Sagschon.»

EsklingeltuntenanderTür. «DasmussmeinTaxisein.»

KreildrücktaufSendenundklapptdenLaptopzu.DerZug kommtausdemAlbulatunnelundhältinSpinas.Aufder rechtenSeitesiehterdieSonnenschirmedesRestaurants.EinigeWanderersteigenaus,bleibeneinenMomentstehen undlassendieBergeaufsichwirken.Dannnehmensieihre Stöckeundmarschierenlos.Erblicktnocheinmalrüberzum RestaurantunddenktandieGeschichtevonTinaKeller. WelcheRollespieltes,obmanKelleroderKreilheißt?

DerZugfährtdurchdasValBever.WeitobenamHang istderPlatz,andemKreileinigeMalemitRomeoübernachtethatte.SiemachteneinFeuer,brieteneinschönesStück FleischamStockundkochtensichdanneinenGlühweingegendieKälte,dielangsamdasTalerfasste.Dannsaßensiein ihrenSchlafsäckenamFeuerunderzähltensichdieGeschichtevomMondläufer,derinVollmondnächtenimValBever derleuchtendenKugelhinterherjagt.DieErinnerunganRomeoistbitter,derFreundgingvielzufrüh,diesohnesichzu verabschieden,ohneumHilfezubitteninseinerNot.

EinmalübernachtetensieineinerBerghütte.AmAbend hattensiegutgegessenundeinenWeinausdemKellerdes Vatersgetrunken.EswardieNachtvordemNationalfeiertag, demerstenAugust.AmgegenüberliegendenHanghattendie TurnerHolzfüreinHöhenfeueraufgeschichtet.Inder NachtzündetenUnbekanntedenHolzstoßan,sodassdie Müheumsonstwar.RomeoundersollendieSaboteuregewesensein,munkeltemanimDorf.Kreilkannsichnichtmehr

erinnern,wasindieserNachtpassiertwar.UndRomeokann ernichtmehrfragen.

Kreilversucht,sichzukonzentrieren,willannichtsanderesdenken,nurandenTerminbeiStephanGross.InSamedansteigterausdemZug,gehtdurchdieUnterführungund bleibtvordemBahnhofsgebäudestehen.ErnimmtseinHandyausderTascheundsiehtdreiverpassteAnrufevonDupresse.Weilernichtsweiterzutunhat,alsirgendwelcheStraßenentlangzugehen,rufterzurück.

«Wasistlosmitdir,Felix?»

«Nichts.»EinMannmiteinemDeutschenSchäferhund gehtvorbei,nicktihmzu.DerMannkommtihmbekannt vor.

«DuantwortestwederaufmeineMails,nochbistdutelefonischerreichbar.»

«Ichwarunterwegs.Jetztrufeichjazurück.»

«DasistkeineAntwort.»

«Waswillstduwissen?»,fragtKreil.

«WannbekommeichdieweiterenTexte?»

«Ichbindran.»ErüberholteineFraumitKinderwagen. «EtwashabeichdirschonausdemZuggeschickt.»

«Dubistalsonochnichtfertig»,stelltDupressefest.

«Fast.BaldbekommstdudenRest»,sagterundbiegtin dieHauptstraßeein.«EtwasGeduld,dasistdochnichtzu vielverlangt,oder?»

«Schreibensolltenichtsoschwersein.»

DaistsichKreilnichtsosicher.

WennichalleininmeinerZellesitze,habeichZeit.Dann nehmeicheinesderMäppchenvomStapel,lesedieletzteSeitenochmalsdurchundschreibeweiter.Niemandundnichts lenktmichab.Dabinnurich,dasPapierundmeinKugelschreiber,denmirderDirektorgeschenkthat.

OberhalbvonSchönholzerswilenbefindetsicheineHöhle.

SiewirdBruderlochgenannt,weilhiervorlangerZeitMönchegewohnthabensollen.DerEingangliegtunterhalbeiner großenFeuerstellegleichamWaldrand.

EinGangführteinigeMeterindenBerghinein,rechts undlinkssindkleineRäume,dieZellenderMönche.

DieBrüderlebteneinbescheidenesundgottesfürchtiges Leben.SiebetetenfürgutesWetterundeinereicheErnte. AusDankbarkeitversorgtendieBauernfamilienderUmgebungsiemitdemNötigsten.DieMönchehatteneineBibel unddieKleider,diesieamLeibtrugen,mehrbrauchtensie nicht.PersönlicherBesitzwarverboten.

EinmalerhielteinBrudervoneinemWaldarbeiterTinte undPapiergeschenkt,denndieserkonntenichtsdamitanfangen.EigentlichhättederMönchdieGeschenkeabgeben müssen.DochweilereinManndesWorteswar,gruberin derNachteinLochindenBodenseinerZelleundversteckte seineSchätze.

Manchmal,wennalleanderenBrüderschliefen,holteer beidesherausundschriebmiteinemgespitztenHölzchen.Er wusste,dassergegendieRegelnverstieß,dochderDrangzu schreibenwarzugroß.

EinesNachtsaberwurdederMönchbeimSchreibenerwischt.

«Waswillstdu?Gottdienenoderschreiben?»,fragteihn derPrior.

«KannichnichtauchGottdienen,indemichschreibe?», antwortetederMönch.

«Dasgehtnicht,Bruder.Entwederdaseineoderdasandere.»

DastandderMönchwortlosaufundverließdieHöhle.Er wurdeniemehrinderGegendgesehen,dochmanerzählte sich,dasserseitdemalsGeschichtenerzählerdurchsLandzog.

Anatol Kranetz sitzt nach einem dilettantisch ausgeführten Bombenanschlag in seiner Zelle und stellt sich ein Leben außerhalb der Gefängnismauern vor. Er schreibt Geschichten von den Eltern, den Brüdern und der Freundin. Der Autor Arne Felix Kreil konsultiert nach einem abgebrochenen Mountainbike-Rennen den Hausarzt im Dorf seiner Kindheit. Zwischen den Untersuchungen und den Besuchen bei seiner Mutter im Altersheim schreibt er an seinen Kurzgeschichten. Für den geplanten Band hat er dem drängenden Verleger bislang nur Textanfänge geliefert. Zunehmend vermischen sich seine Geschichten mit denen von Anatol Kranetz.

«Mondläufer» ist ein fesselndes Vexierspiel und eine Hommage an die Macht der Fiktion.

ISBN 978-3-7296-5222-4

9 783729 652224

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Daniel Badraun - Mondläufer by Zytglogge - Issuu