Skip to main content

Anzeiger für das Nordquartier 2026/09

Page 1

nzeiger JAHR

1926

da steht, was geht

FÜR DAS NORDQUARTIER

–2 0 2

E

6

Bern, 30. September 2026, Nr. 9

Quartierzeitung für Altenberg, Beundenfeld, Breitenrain, Löchligut, Lorraine, Spitalacker, Wankdorf, Wyler und Wylergut | 100. Jahrgang, 16 600 Exemplare

Kontakt: Web: www.afdn.ch Mail: info@afdn.ch Phone: 031 351 35 13

EIN BÄNKLI, DAS FÜR UNMUT SORGT 3

EINBLICKE IN STIFTUNGSTÄTIGKEIT 14

Idyllisch gelegen: Die Gewächshäuser von Diaconis am Aarehang. FRANZ GERTSCH UND DIE LORRAINE 15

Bild: Jean-Claude Galli

SCHÄNZLISTRASSE

Ballungszentrum für Medizinal- und Altersangebote PINGPONG: FERNÖSTLICHE KULINARIK 17

Die nächste AfdNAusgabe erscheint am 28. Oktober 2026 ORTAL DAS QUARTIER-P www.afdn.ch

Tertianum Viktoria, Hirslanden-Salem, Kardiologische Gemeinschaftspraxis, Spitex, Gelenkzentrum Bern, Sarepta, ­Pallia­tive Care, Diaconis, Oranienburg, Neurozentrum und andere mehr– wer vom oberen Kursaal-Eingang die Schänzlistrasse ­entlangläuft, stellt fest, dass rechterseits quasi jedes Gebäude etwas mit Gesundheit, Pflege oder Wohnen im Alter zu tun hat. Am Anfang dieser Entwicklung stand das Krankenhaus «Salem». Bei einem Gang durch die Schänzli­ strasse am südlichen Rand des Nord­ quartiers ist es augenfällig: Auf der Länge von gut einem Kilometer reihen sich bei den ungeraden Hausnummern Einrichtungen aus dem Medizin-, ­Pflege- und Altersbetreuungsbereich.

Das im Volksmund schlicht als­ artiges Ballungszentrum für Medizi­ «Salem» ­bezeichnete Krankenhaus nal- und Altersangebote entstanden – (heute ­Hirslanden-Salem-Spital) steht ein Panoptikum von Gesundheit, am ­Ursprung dieser Entwicklung, ent­ Leben und der Endlichkeit. Unsere standen aus Vernunft und religiöser ­Reportage zeigt Einblicke in eine der Barmherzigkeit. Im Laufe der Zeit ist speziellsten Strassen von Bern. AB SEITE 8 hier nunmehr ein schweizweit einzig­

y a D y l i Fam

Kostenlos & Ohne Anmel dung

Die Online-Zeitung Journal B sagt, was Bern bewegt! www.journal-b.ch

Samstag, 10. Oktober 2026 10 – 17 Uhr bei Curling Bern www.curlingbern.ch

seit 1908 im Nordquartier

Druckerei Läderach AG Beundenfeldstrasse 17 3013 Bern Telefon 031 331 61 26 www.laedera.ch Ihre Kontaktstelle für Kleininserate im Anzeiger für das Nordquartier


PUBLIREPORTAGE

Stadtberner Solarstrom im Quartier gemeinsam nutzen Alle können sich anschliessen Die Sonne scheint über der Stadt Bern, es entsteht ökologischer Strom – und alle können davon profitieren: Egal, ob sie Solarstrom der eigenen Photovoltaik (PV)-Anlage verkaufen oder als Mieter:in direkt aus der Nachbarschaft beziehen. Möglich macht dies Energie Wasser Bern (ewb) mit seinen neuen lokalen Elektrizitätsgemeinschaften (LEG). Mit dem Produkt ewb.LEG sorgt der Berner Energieversorger dafür, dass im gleichen Quartier alle den dort entstehenden Solarstrom nutzen können. Damit fördert Energie Wasser Bern den Ausbau der Solarenergie und stärkt die lokale Stromproduktion.

Wie funktioniert es? Ab jetzt kann sich auf der Plattform LEGhub anmelden, wer in der Stadt Bern lokalen Solarstrom aus dem Quartier beziehen oder umgekehrt Strom der eigenen PV-Anlage verkaufen will. Damit können alle die Energiewende vor Ort aktiv mitgestalten. Geben Interessierte im LEGhub im Reiter «LEG finden» ihre Adresse ein, finden sie die passende ewb.LEG. Der Beitritt ist für Bezüger:innen von Solarstrom kostenlos. Für Produzent:innen übernimmt ewb die Anmeldegebühr im Jahr 2026. Das Produkt ewb.LEG deckt das ganze Stadtgebiet ab: Mieter:innen, Liegenschaftsbesitzer:innen sowie Unternehmen können als Produzent:innen oder Bezüger:innen von lokalem Solarstrom teilnehmen. Energie Wasser Bern kümmert sich um die Zusammenführung von Produzent:innen und Bezüger:innen sowie um die Abrechnung.

Welche Vorteile hat das Angebot? Vom neuen Produkt ewb.LEG profitieren beide Parteien: Bezüger:innen beziehen lokale und klimafreundliche Energie und ihnen wird ein Rabatt von 20 Prozent auf dem Netznutzungstarif gewährt. Produzent:innen erhalten in der ewb.LEG eine höhere Abnahmevergütung; gleichzeitig verbessert sich die Wirtschaftlichkeit ihrer Solaranlage. Das fördert zusätzliche Investitionen in PV-Anlagen auf dem Stadtgebiet und unterstützt den Solarausbau. Bis Ende 2027 bezahlen Bezüger:innen für lokal produzierten Solarstrom aus der ewb.LEG 13.1 Rappen pro Kilowattstunde, während Produzent:innen für die Einspeisung 12.0 Rappen pro Kilowattstunde erhalten – und damit mehr als die bereits attraktive Abnahmevergütung von Energie Wasser Bern.

Mehr Informationen finden Sie auf der Website von Energie Wasser Bern: ewb.ch/LEG


3

FOKUS

Bern, 30. September 2026

SITZBANK STATT GÜTERUMSCHLAG

Eine Notwendigkeit oder fehlende Nähe zur Realität?

MONATSFRAGE

An der Moserstrasse verschwinden drei Abstellplätze für Autos auf dem Trottoir. Jahrelang dienten diese einer Textilreinigung, deren Kundschaft und Lieferanten sowie anderen Gewerbetreibenden als Parkmöglichkeit für kurzen Warenumschlag. Obschon es nie offizielle Parkplätze waren, bemängelt der Geschäftsinhaber fehlendes Verständnis der Behörden. Martin Jost

Soll die Sitzbank wieder weg oder bleiben?

A

Ihre Antworte an: info@afdn.ch oder Anzeiger Nordquartier, Postfach 9314, 3001 Bern

m letzten Montag im August sind sie gekommen. Vier Mitarbeiten­ de der Stadt Bern in Arbeitskleidung. Ihr Ziel: Moserstrasse Nummer 42. Dort, wo Yannick Koella die Textil­ reinigung «Alles rein!» betreibt. Ihr Auftrag: Die bereits installierte Sitz­ bank musste gedreht werden, dieses Mal nicht mehr mit Blickrichtung auf die Strasse. Die Behörden der Stadt wollen die bestehende Parkordnung umsetzen. Das bedeutet in diesem Fall, dass anstelle von Parkiermög­ lichkeiten – auch für Lieferwagen, welche die lokalen Geschäfte belie­ fern – nebst der Sitzbank zusätzliche Velo-Parkplätze geschaffen wurden. Jetzt hat Yannick Koella freie Sicht auf Eingang und Schaufenster seines Geschäfts. Wenn er sich denn auf die Bank setzten würde. Was eher nicht sein wird, er ärgert sich nämlich über die Umgestaltung. Obschon diese rechtens ist, wie Gemeinderat Mat­ thias Aebischer, Direktor für Tief­ bau, Verkehr und Stadtgrün/TVS, festhält: «Entgegen den Äusserun­ gen von Herrn Koella gab es vor sei­ nem Geschäft nie Kurzzeitparkplät­ ze. Es wurde einfach wild parkiert.»

fragt werden. In diesem Fall hätte man bestimmt einen Kompromiss gefunden, beispielsweise, dass einer der drei Plätze für den Güterum­ schlag bestehen bleibt.» Der Haltung von Matthias Aebischer, dass die Kunden die Hemden halt ein paar Meter zu Fuss tragen müssen, kann Koella nicht viel abgewinnen, denn zur Kundschaft gehörten auch älte­ re Menschen und nicht alle seien gut zu Fuss. «Es werden auch Duvets, Teppiche und Matratzen zur Reini­ gung gebracht und abgeholt.» Er schätzt, dass rund die Hälfte der Kundschaft per Auto gekommen sei und befürchtet nun Umsatzein­ bussen, wenn diese künftig in Ge­ schäfte mit Parkmöglichkeiten aus­ weichen. Yannick Koella kritisiert an der Umgestaltung, dass sie einseitig ausgelegt sei. Viel mehr würde er eine Lösung mit einem echten Mehr­ wert für alle begrüssen. Er sieht sich in seiner Meinung bestätigt durch Äusserungen von anderen Gewerbe­ treibenden und von Teilen der Kund­ schaft; gemäss denen habe vorher eine pragmatische Situation bestan­ den.

Ohne Alternative? Der Betreiber der Textilreinigung weiss, dass es nie offizielle Parkplät­ ze waren, kann die Art des Vorgehens der Stadt trotzdem nicht nachvollzie­ hen: «Es ist ein sehr breites Trottoir. Ich habe nie vernommen, dass die Autos, die hier nur kurz parkten, ge­ stört haben.» Er vermisst die gemein­ same Suche nach Alternativen und betont, dass er die Bemühungen, ver­ mehrt Velo-Parkplätze anzulegen, nachvollziehen kann, aber: «Das Ge­ werbe sollte ebenso berücksichtigt und nach seinen Bedürfnissen ge­

Abbau von Parkplätzen Die Reinigung wird auch frequen­ tiert von Lieferanten mit teilweise schweren Lasten und entsprechen­ den Fahrzeugen. Gemäss Koella parken diese nun oft gegenüber auf der anderen Strassenseite, danach werde die Ware über die stark fre­ quentierte Moserstrasse getragen. Zudem würden vermehrt Fahrzeu­ ge vor der Einfahrt zur kleinen Mo­ serstrasse geparkt und versperren diese, sagt der Unternehmer; damit widerspricht er der Aussage von Matthias Aebischer, wonach dies vor

Freie Sicht auf die Fassade, nachdem die Sitzbank gedreht wurde.

Fotos: mj

allem vorher so gewesen sei. Darü­ ber gibt es keine Statistik; über die Anzahl zugelassener Personenwa­ gen hingegen schon. Diese zeigt, dass sich die Anzahl von Privatau­ tos über eine längere Zeit auf einem ähnlichen Niveau bewegt. Trotzdem hat sich die Stadt zum Ziel gesetzt, das Parkplatzangebot zu reduzieren. «In den letzten zehn Jahren wurden knapp 2000 Parkplätze aufgeho­ ben», bestätigt der Direktor des TVS, «die Stadt Bern verfügt jedoch nach wie vor über genügend Parkiermög­ lichkeiten.» Die Frage der Gleichbehandlung Die Reduktion begründet er unter anderem mit der Schaffung von Be­ gegnungszonen oder mit erhöhter Sicherheit auf Velorouten. Er ist überzeugt, dass die Massnahmen der Stadt die richtigen sind, verweist auf den ständig wachsenden Anteil des Veloverkehrs und auf die Schaf­ fung der Voraussetzungen, damit die Menschen freiwillig auf Velo oder ÖV umsteigen. «Wir heben nur Parkplätze auf, wenn wir einen Grund dazu haben.» Einen solchen Grund sucht Yannick Koella im Fall der Moserstrasse vergeblich. «Die Leute, die auf ein Auto angewiesen sind, werden das weiterhin sein. Aus weniger Parkplätzen ergibt sich nicht weniger Verkehr, es entsteht vor allem eine Umlagerung.» Er sieht sich nicht als edler Vorkämp­ fer für eine gute Sache. Aber er ist froh, dass er sich bemerkbar ge­ macht hat, und wünscht sich, dass das betroffene Gewerbe künftig stärker in vergleichbare Massnah­ men einbezogen wird. Die Zusiche­ rung der städtischen Politik, ihr Handeln nach dem Wohlergehen

Möchte lieber einen Abstellplatz als eine Sitzbank: Yannick Koella vor seinem Geschäft an der Moserstrasse.

der Bevölkerung auszurichten, darf getrost so stehen bleiben. Das gilt auch für die Aussage von Matthias Aebischer, wonach alle gleich be­ handelt werden. Trotzdem dürfen Fragen gestellt werden. Beispiels­ weise die, ob in dieser Angelegen­ heit etwas der Umsetzung zuliebe getan wurde, weil der Aufwand und der absehbare Widerstand klein wa­ ren. Oder auch die Frage nach der Umsetzung anderer Gesetze; zum Beispiel das Verbot von Gesichtsver­ hüllungen, etwa im Umfeld von Fussballspielen oder Demonstra­ tionen. Widerrechtlich auch das, ­genauso wie unberechtigtes Parkie­ ren. Aber mit einem weitaus höhe­ ren Gefahrenpotenzial. https://www.alles-rein.ch/filiale-breitenrain

Keine Möglichkeit mehr zum Warenumschlag: Moserstrasse 42 nach der Umgestaltung.


4

QUARTIER-MIX

Bern, 30. September 2026

REF. KIRCHGEMEINDE BERN NORD

Gut leben im Alter – auch mit kleiner Rente Informationsanlass zu Ergänzungsleistungen und günstigen Angeboten im Nordquartier

A

m Dienstag, 27. Oktober, wird der Anlass «Gut leben im Alter – auch mit kleiner Rente» im Quartier­ zentrum Bern Nord stattfinden. Mit dabei sind neben der Quartierarbeit Bern Nord und Alter Stadt Bern auch Pro Senectute, Infotime, die Pfar­ rei St. Marien, die Kornhausbiblio­ thek Breitenrain und die reformier­ te Kirchgemeinde Bern Nord. Der Anlass wird aus zwei Teilen ­bestehen. Im ersten Teil wird es um das Thema Ergänzungsleistungen gehen. Geplant ist, den Anlass in ein­ facher Sprache und mit viel Raum für Fragen und Diskussionen zu gestalten. Wichtige Ziele des Organi­sa­t ionskomitees sind – neben Informationen zu den Ergänzungs­ leistungen – das Schamgefühl, das viele Menschen bei diesem und ähn­ lichen Themen zu finanziellen Un­ terstützungsleistungen empfinden, durch die Tischgespräche zu durch­ brechen und den Teilnehmenden vermitteln zu können, dass jeder

Mensch das Recht auf Unterstüt­ zung hat, wenn es finanziell nicht reicht. Ausserdem sollen adminis­ trative Entlastungsmöglichkeiten und Unterstützungshilfen aufge­ zeigt werden, um zur Gesuchstel­ lung zu motivieren. Im zweiten Teil können die Teilneh­ menden bei Kaffee und Kuchen ver­ schiedene «Marktstände» besuchen, an denen ausgewählte kostenlose oder kostengünstige Angebote von verschiedenen Institutionen im Nordquartier präsentiert werden, die in erster Linie ältere Menschen ansprechen. Altersarmut in der Schweiz Die Schweiz gehört zu den wohlha­ bendsten Ländern der Welt. Trotz Altersvorsorgesystem können längst nicht alle Menschen ihre Pension fi­ nanziell sorgenfrei verbringen. Al­ tersarmut ist deshalb ein wichtiges gesellschaftliches Thema. Beson­ ders betroffen sind Menschen, die

QUARTIERANLASS

GUT LEBEN IM ALTER –

auch mit kleiner Rente

C

M

Y

CM

MY

Mandana Trucco

während ihres Erwerbslebens nur wenig verdient (Working poor), Teil­ zeit gearbeitet oder längere Erwerbs­ unterbrüche gehabt haben. Das Schweizer Altersvorsorgesys­ tem basiert auf mehreren Säulen. Die AHV bildet dabei die erste Säu­ le und soll den Existenzbedarf im Alter sichern. Die berufliche Vorsor­ ge ergänzt die AHV, während die private Vorsorge die finanzielle Si­ tuation zusätzlich verbessern kann. In der Praxis reicht das Einkommen aus diesen Quellen jedoch für viele Menschen nicht aus. Seit dem Jahr 1966 gibt es in der Schweiz die Er­ gänzungsleistungen (EL). Diese sind eine staatliche Leistung, die Personen mit einer AHV- oder IVRente finanziell unterstützt, wenn deren Einkommen und Vermögen nicht ausreichen, um den mini­ malen Lebensbedarf zu decken. A nspruch auf EL besteht unter ­ ­bestimmten gesetzlichen Voraus­ setzungen. Das Armutsrisiko hängt stark von der beruflichen Vorsorge ab. Wer im Erwerbsleben wenig oder gar nicht in die 2. Säule einzahlen konnte, hat im Alter oft nur die AHV-Rente als Haupteinkommen. Frauen sind auf­ grund ihrer Erwerbsbiografien be­ sonders gefährdet, da sie öfters Teil­ zeit arbeiten, Erwerbsunterbrüche wegen Kinderbetreuung oder Pfle­ ge von Angehörigen aufweisen so­ wie tiefere Löhne erhalten. Auch al­ lein lebende Personen haben ein höheres Risiko, weil sie ihre Fixkos­ ten nicht mit einem Partner oder ei­ ner Partnerin teilen können. Ein zu­ sätzlicher Faktor ist zudem das Alter. Ab 75 Jahren setzt eine verstärkte Prekarisierung ein, unter anderem weil häufiger allein gelebt wird und Kosten für Betreuung und Pflege zu­ nehmen.

CY

CMY

K

DIENSTAG 27. Oktober 2026, 14–16 Uhr Quartierzentrum Bern Nord Wylerringstrasse 58, 3014 Bern

Ergänzungsleistungen verstehen, Angebote im Quartier entdecken, Fragen stellen.

Kostenlos & ohne Anmeldung vorbeikommen

Barrierefrei zugänglich

Katholische Kirche Region Bern

Pfarrei St. Marien Bern Bern-West Pfarreien St. Antonius | St. Mauritius

Altersarmut ist somit nicht ein in­ dividuelles Problem, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe. Ein rei­ ches Land wie die Schweiz muss sich daran messen lassen, ob ältere Men­ schen nach einem langen Arbeits­ leben ihren Lebensabend in Würde und mit einer angemessenen finan­ ziellen Sicherheit verbringen kön­ nen. Ein erster Schritt in diese ­R ichtung ist es, verständliche Infor­ mationen zu den Unterstützungs­ angeboten anzubieten und auf­z u­ zeigen, welche Institutionen bei Anmeldungen helfen können. https://www.bern-nord.refbern.ch

CARTE BLANCHE FÜR… …RÖFES BUNTE WELT

DER ALTE MANN UND DAS SOFA Das Alter ist nichts für Feiglinge. Es knackt, es zwickt, und manches läuft nicht mehr wie früher - aber Jammern verändert wenig. Solange das meiste noch seinen Dienst tut, kann man dem Leben ruhig weiter ins Gesicht lachen. Doch da ist noch diese andere, leise Gefahr: die Trägheit! Das Sofa lockt wie ein gemütlicher Hafen in einem Fischerdorf, bequemer als jede Kneipe, in der wir einst mit Kumpels bei einem Bier fröhlich Geschichten erzählten, schimpften und prahlten, bis der Tisch sich bog. Heute döst das Abenteuer meist im kümmerlichen Schatten des Fernsehlichts. Ja, das Sofa: ein alter Kahn, festgezurrt im Hafen unseres Alltags. Von dort aus bestaunen wir die fröhlichen Segelschiffe der anderen, wie sie aufbrechen zu Nächten voller Lachen, zu Ufern, die wir früher selbst suchten. Während wir, satt und selbstgefällig, unsere Lebenslust, auf dem Sofa verpennend, langsam einkochen lassen. Darum: Hebe den Arsch, auch wenn ̓s knarrt. Mach es wie Hemingways alter Mann: Stich wieder in See. Kämpfe nicht gegen das Alter, sondern um deine Würde, um deine Lebendigkeit. Denn eines ist sicher: Auf dem Sofa kann man schlecht am Leben teilnehmen. Aber man kann es dort verschlafen.

Rolf Julmy lebt seit 25 Jahren im Nordquartier, ist Fussballfan, besucht regelmässig die Heimspiele des FC Breitenrain sowie zwecks Erfrischung diverse favorisierte Gaststätten. Zudem staunt er immer wieder über die stetig auftretenden Banalitäten des Alltags, die er zuweilen in Worte fasst: https://röfesblog.my.canva.site/

GUTE PRÄSENZ: 031 529 85 01


Bern, 30. September 2026

QUARTIER-MOMENTUM

5

An der Stauffacherstrasse 9a geht es aktuell ziemlich «Auf und Ab». Samstag, 19. Sept. 2026, 14.10 Uhr Bild: Monika Oesch


diaconis Barock um Zwei Einladung zum öffentlichen Konzert Dienstag, 6. Oktober 2026, 14.00 – 14.45 Uhr Wohnen & Pflege Oranienburg, Kapelle Schänzlistrasse 15, 3013 Bern In musikalische Welten eintauchen und Nachwuchstalente entdecken – dazu lädt die Veranstaltung «Barock um Zwei» ein. Studierende der Hochschule der Künste Bern bringen die Kapelle zum Klingen. Eintritt frei, Kollekte zugunsten des Stipendienfonds der Hochschule der Künste Bern und palliative bern. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Diaconis • Wohnen & Pflege • Schänzlistrasse 15 • 3013 Bern 031 337 77 00 • info@diaconis.ch • www.diaconis.ch

INSEL

Biotechnologie im Herzen der Hauptstadt

Als stolzer Hotelsponsor des FC Breitenrain fiebern wir bei jedem Spiel mit. Unser Direktor Daniel Siegenthaler gibt seinen Spiel-Tipp ab! 3. Oktober 2026

Wankdorf Stadion

siteminsel

3:2

FC Breitenrain - FC Bavois Wir drücken die Daumen und wünschen viel Erfolg!

cslbehring.ch


Bern, 30. September 2026

BERNEXPO 1 Rock-und-Metal-Open-Air neu auf Allmend Das Summerside Festival zügelt nach Bern. Vom 8. bis 10. Juli 2027 soll das Rock-und-Metal-Open-Air auf dem Bernexpo-Areal steigen. ­Offiziell verkündete das Festival den Standortwechsel Ende August. «Wir glauben fest daran, dass dies der richtige Schritt in die Zukunft ist», schreiben die Verantwortlichen auf Instagram. «Wir können es kaum erwarten, bis es mit dem hei­ ssesten Festival des Sommes weiter­ geht.» Das Summerside Festival soll sich in Bern langfristig etablieren. Das Areal biete ideale Bedingungen und Raum zum Wachsen, heisst es wei­ ter. Auch die Bernexpo freut sich: Das Festival passe bestens ins städt­ ische Programm und unser Kon­ zept. (aus BZ vom 31. August 2026)

BERNEXPO 2 Stellenabbau angekündigt Trotz oder gerade wegen der neuen Festhalle ist bei der Bernexpo Feuer im Dach. Der Chef-Posten ist nach dem abrupten Abgang von Tom Win­ ter noch bis Ende Oktober verwaist. Danach übernimmt Roger Schnegg, aktuell CEO von Swiss Olympic. In der Zwischenzeit greift der Verwal­ tungsrat ein, Bernexpo baut aus Spargründen 6 von 110 Stellen ab. «Weitere Stellen werden nach der Überprüfung folgen», wie es von Bernexpo auf Anfrage der «Haupt­ stadt» heisst. Der Verwaltungsrat be­ gründet den Abbau mit einer «um­ fassenden Überprüfung von Organisation, Prozessen und Ange­ bot» nach dem ersten vollständigen Betriebsjahr der neuen Festhalle. (aus Hauptstadt.be-Brief vom 10. September 2026)

MARC LÜTHI Nicht nur eine One-Man-Show Beim SCB waren Sie eine Art OneMan-Show. Nun müssen Sie sich mit Verbandspolitik herumschlagen. Wie wollen Sie das angehen? Es war nie eine One-Man-Show, schon gar nicht gegen Ende. Wir hat­ ten klar festgelegt, dass einer hin­ steht und den Kopf hinhält, wenn es nicht läuft. Da ich nicht gerade zu den Leisen gehöre, fiel diese Rolle auf mich. Als CEO hast du Kompe­ tenzen und führst das operative Ge­ schäft. Diese habe ich genutzt. Bei strategischen Fragen, beispielswei­ se bei Trainerentlassungen, war es aber nie mein alleiniger Entscheid. Im Organisationsreglement war klar

7

QUARTIER-SPLITTER festgehalten, dass der Verwaltungs­ rat den Trainer anstellt und entlässt. Den einen oder anderen Coach, bei dem ihr als Journalisten gedacht habt: «Jetzt spinnt er wieder», hätte ich selbst schon früher entlassen. (aus Interview mit Marc Lüthi, SonntagsZeitung vom 13. September 2026)

HALTESTELLEN Hindernisfrei umgestaltet Seit Anfang letzter Woche werden die Haltekanten der Haltestellen Breitfeld (stadteinwärts), beim Wy­ lerbad und an vier anderen Orten baulich angepasst. An allen Stand­ orten werden die Haltekanten er­ höht, damit den Fahrgästen ein ni­ veaugleicher Ein- und Ausstieg in die Busse zur Verfügung steht. Da­ von profitieren insbesondere Rei­ sende mit Rollstuhl oder Rollator so­ wie Personen mit Kinderwagen oder Gepäck. Dafür sind Terrain- und Be­ lagsarbeiten sowie der Einbau neu­ er Haltekantensteine erforderlich. Letztere ermöglichen es den Bus­ sen, mit möglichst geringem Ab­ stand an die Haltekante heranzu­ fahren. Die Arbeiten dauern je nach Stand­ ort bis spätestens Ende November 2026. Der öffentliche Verkehr fährt während der gesamten Bauzeit nach Fahrplan. Auch der Fuss-, Velo- und motorisierte Individualverkehr bleibt grundsätzlich gewährleistet. (aus Gemeinderats-Info vom 14. September 2026)

ALTENBERG Nachkredit für Turnhallensanierung Der Gemeinderat beantragt dem Stadtrat einen Nachkredit von 390 000 Franken zum Baukredit für die Teilsanierung der Turnhalle Al­ tenberg. Im Oktober 2025 musste die Turnhalle wegen statischer Mängel am Dachtragwerk kurzfristig ge­ sperrt werden. Ingenieurabklärun­ gen im Rahmen der geplanten Sa­ nierung hatten eine erhebliche Überbelastung der Dachkonstrukti­ on ergeben. Die als Sofortmassnah­ me erforderliche Verstärkung des Dachtragwerks war im 2024 vom Stadtrat bewilligten Kredit von rund 3 Millionen Franken nicht enthal­ ten. Deshalb ist ein Nachkredit er­ forderlich. (aus Gemeinderats-Info vom 17. September 2026)

WANKDORF Plädoyer für Autobahn-Anschluss Die kantonale Bau- und Verkehrsdi­ rektorin, Evi Allemann (SP), spricht sich für den umstrittenen Ausbau

des Autobahn-Anschlusses Wank­ dorf – auch Spaghettiteller genannt – aus. Sie halte das für «ein gelunge­ nes Projekt» und hoffe, «dass der An­ schluss Wankdorf bald realisiert werden kann», hält sie in einem In­ terview mit BUND/BZ fest. Damit stellt sich Allemann wie schon ihr Vorgänger Christoph Neu­ haus (SVP) gegen die Berner Stadt­ regierung, die den geplanten Aus­ bau kritisiert und weiterhin Beschwerde führt gegen die Plange­ nehmigung durch die Bundesbehör­ den. Am gleichen Strick wie die Stadt zieht Allemann hingegen beim so­ genannten Bypass Bern-Ost. Zwi­ schen dem Ostring und Muri soll die Autobahn unter den Boden. Doch das Departement von Bundesrat Al­ bert Rösti (SVP) plant, das Vorhaben auf die sehr lange Bank zu schieben. Evi Allemann will sich dafür einset­ zen, dass der Bypass bis 2055 reali­ siert wird. (aus Hauptstadt.be-Brief vom 17. September 2026)

BOHNENBLUST Ein Rave in der Bäckerei Und (fast) zum Schluss ein Rückblick auf eine spezielle Party: Sandro Bür­ gi ist der Mann, der dafür sorgen muss, dass bei BSC YB die Kasse klingelt. Chief Revenue Officer, so nennt man das heute. Unter dem La­ bel Lagooon organisiert er als Hob­ by Raves – Partys mit wummernden Bässen und elektronischer Musik. Am Samstag vor einer Woche war es wieder so weit. Der Anlass startete bereits um 15.30 Uhr im Verkaufslo­ kal der Bäckerei Bohnenblust an der Moserstrasse, wo DJs bis um 21 Uhr auflegten. Ab 20 Uhr begann dann im Barbière am Breitenrainplatz die zweite Schicht. Wie ein Augenschein um 23 Uhr zeigte, lockte der Anlass ­v iele

September DAS GAB ZU REDEN

Tanzfreudige an. Im Aussenbereich des Lokals gönnte sich das Partyvolk eine Pause, und drinnen herrschten enge Platzverhältnisse. (aus BZ-Loubegaffer vom 22. September 2026)

BAR 99 Betrieb schon am Mittag In der Bar 99 an der Moserstrasse (vorher Breitsch-Bar) hat die Wirtin Blerina Halili eine Kooperation ge­ startet: Gemeinsam mit Saigon Pearl werden vietnamesische Sandwiches aufgetischt. Saigon Pearl war früher im «Zum Kuckuck» an der Genfer­ gasse und hat nun im Breitsch sein Quartier aufgeschlagen. Für alle Be­ teiligten ein Gewinn: So wird das Lokal schon am Mittag genutzt und für die Gäste gibt es knusprige Ba­ guettes mit frischer Füllung. (aus Hauptstadt.be vom 23. September 2026)

HIER WERBEN: 031 529 85 01

Schwaar Immobilien Die Immobilien-Begleiter

Zu kaufen gesucht: Mehrfamilienhäuser Bauland Einfamilienhäuser

Schwaar-Immobilien.ch | 079 822 15 15


8

HINTERGRUND

Bern, 30. September 2026

DIE MEDIZIN- UND ALTERSMEILE

Warum es an der Schänzlistrasse von Ärzten und Pflegepersonal wimmelt Am südlichen Rand des Nordquartiers ist seit dem späten 19. Jahrhundert und dem Bau des Sa-lem-Spitals ein einzigartiges Ballungszentrum für Medizinalund Altersangebote entstanden. Text und Bilder: Jean-Claude Galli


Bern, 30. September 2026

9

HINTERGRUND

Blick aufwärts Richtung Schänzlistrasse.

Blick Richtung Altenberg mit Diaconis Gewächshäusern.

B

auf Stadt und Alpen oberhalb des Al­ tenbergs ist aus Kostengründen bald den «Mehrbesseren» vorbehalten. Wohlhabende Bürger und Fabrikan­ ten lassen sich hier bis in die Zeit der Belle Epoque standesgemässe Häu­ ser wie die «Villa Schänzlihalde» von 1911 errichten, in der sich seit 1945 das erwähnte «Beau-Site» befindet.

ei einem Gang durch die Schänz­ richtet die Patriziertochter und Pie­ listrasse ist es augenfällig: Auf tistin Sophie von Wurstemberger an der Länge von rund einem Kilome­ der Aarbergergasse 26 eine Kranken­ ter befinden sich an den ungeraden stube und kümmert sich mit ihren Hausnummern Einrichtungen aus adeligen Freundinnen um schwer dem Medizin- und Altersbereich, kranke Patienten. Sie stellen eine begonnen beim Diaconis-Pfle­ Magd ein, etwas später kommen die geheim im Haus Oranienburg an Diakonissen dazu. Die Vorurteile ge­ der Nummer 15 bis zur Altersresi­ genüber den «Betschwestern» ver­ denz Tertianum fliegen rasch, der Viktoria an der Bedarf an Bei­ «Zum Verständnis Nummer 65 bei stand und Hilfe der Brücke zum ist gross. Der ist ein Blick in die Zeit Kursaal. Eine ­baldige ­Umzug um 1840 nötig.» der Stube an die Ebene weiter un­ Brunngasse und ten setzt sich das Bild an der Schänzlihalde mit Spe­ später in dje Nydegglaube verbessert zialpraxen und der Klinik Beau-Site die prekäre Raumsituation nur vorü­ fort, die wie das Salem-Spital heute bergehend. zur Hirslanden-Gruppe gehört. Die Bevölkerung wächst unge­ Das im Volksmund schlicht «Salem» bremst. Gleichzeitig ist die Sicher­ genannte Krankenhaus steht am Ur­ heitslage stabil, ein Gang über die sprung dieser Entwicklung, die zu Schutz bietende Stadtbegrenzung ist einer schweizweit einzigartigen möglich. Die Ideallösung für den Dichte geführt hat. Zur Erklärung ist Platzmangel bietet sich ausserhalb ein Blick in die Zeit um 1840 nötig. der Aareschlaufe mit der grossflä­ Die Altstadt quillt damals aus allen chigen Erschliessung von Bauland. Wichtige Verkehrsbauten begünsti­ gen diese Bewegung, so der Alten­ bergsteg 1834 und die «Rote Brücke» 1858. Endgültig erschlossen wird das Gebiet um den Viktoriaplatz 1898 mit dem Bau der Korn­hausbrücke. Zeitgleich zum Bau der «Roten Brü­ cke» löst die Eröffnung des Bahnhofs im Wylerfeld einen Entwicklungs­ boom von der westlichen Flanke des Nordquartiers her aus – der heutige «Breitsch» wird zum perfekten Bo­ den für Neuinvestitionen. Eingang Salem

Nähten. Geheizt wird mit Holz, die Luftqualität ist schlecht, das Ab­ wasser versickert ungefiltert, Krank­ heiten werden oft falsch oder gar nicht behandelt. Raus aus der Stadt Ein Gegenmittel sind Vernunft und religiöse Barmherzigkeit. 1844 er­

Dass gerade die nördlichen Hänge und Plateaus oberhalb der Aare be­ gehrt sind, erklärt sich aus der ge­ sellschaftlichen Entwicklung. Unten am Fluss, mit Tendenz zu schattigen, feuchten Stellen, siedeln sich Indus­ trie und Gewerbe samt Arbeiter­ quartieren an – so die Matte als da­ maliger Lebensort der ärmeren Schichten, Überschwemmungen in­ begriffen. Die erhöhte Lage mit stär­ kerer Sonneneinstrahlung und Blick

Die Maxime der Zeit Dass das «Salem» ebenfalls hier ­erbaut wird, ist nicht nur der Gunst der Stunde und – je nach Sicht­ weise – Gottes Willen zu verdanken, sondern entspricht der damaligen

­Sanatoriums-Maxime. Überall in der Schweiz und in Europa entste­ hen in dieser Zeit an ähnlichen Stel­ len solche Einrichtungen. Spitäler werden vorzugsweise an erhöhten sonnigen und ruhigen Lagen im Grünen abseits der städtischen Emissionen installiert. Trotzdem ist eine gewisse Nähe für den spedi­ tiven Warentransport nötig. Die damals noch Schanzenberg ge­ ­ nannte Zone liegt perfekt für solche Ansiedlungen. Der Begriff «Schan­ ze» ist militärischer Natur. Bis Mit­ te des 19. Jahrhunderts werden kon­ krete Pläne verfolgt, die grosse

Diakonissen-Haupthaus Neuwartheim, Schänzlistrasse 43.


10

HINTERGRUND

Bern, 30. September 2026

Haus Lindeneck, Schänzlistrasse 47.

Beginn der Meile Schänzlistrasse, Haus 65A. Eingang Tertianum Viktoria, Schänzlistrasse 65.

Neurozentrum Bern Haus Ulmenberg, Schänzlistrasse 45.

Raucherzone Salem, aussen.

Oranienburg an der Schänzlistrasse 15.

Diakonissen-Relief, Schänzlistrasse 43.

Reformierte Kirche, Schänzlistrasse 27.

Belvoir, Schänzlistrasse 21.

Bundesratsvillen Richtung Altenberg.

Spitex Bern, Schänzlistrasse 57.

Diaconis-Parkanlage, Weg der Stille.


Bern, 30. September 2026w

HINTERGRUND

Edouard Davinet – der ­A rchitekt ent­ wirft auch das Grandhotel Giess­ bach oder das Victoria-Jungfrau In­ terlaken – an der Stelle des Tertianum Viktoria an der Schänzlistrasse 65 die Pension ­V ictoria, die sich auf 1855 heiratet Sophie von Wurstem­ Sanato­r iumsgäste spezialisiert. Für berger Johann Friedrich Dändliker. die Pflege sind anfangs ebenfalls die Er ist ebenfalls überzeugter Pietist mit Diakonissen zuständig. Eine Grup­ viel Geschäfts- und Praxissinn und pe von B ­ eleg­ä rzten übernimmt den führt das Diakoniewerk nach ihrem bald zum Viktoriaspital ausgebau­ Tod 1878 mit ihrer Freundin Jenny ten Betrieb in den 1880er-Jahren und Schnell weiter. setzt um die Jahr­ 1888 wird das hu nder t wende «Dürrenmatts das Institut der «Salem» als Dia­ Ba r m her z igen konissen- und ‹Verdacht› spielt mass­ Schwestern von Ausbildungsspi­ geblich im ‹Salem›.» tal eingeweiht – Ingenbohl für die namensgebend Führung ein. ist der biblische Ort. Dass Dändliker 1958 wird das «Victoria» abgebro­ das Projekt realisieren kann, ist der chen und durch einen Neubau des finanziellen Unterstützung seines Tessiners Bruno Brunoni ersetzt, Freundes- und ­Gönnerkreises aus ­i nklusive der römisch-katholischen dem Berner Bürgertum zu verdan­ Kapelle an der Schänzlistrasse 63 – ken. Um die Jahrhundertwende das evangelisch-reformierte «Pen­ stirbt Dändliker, und Jenny Schnell, dant» an der Nummer 27 von Hans die er 1880 geheiratet hat, führt das Bracher und Willy Frey stammt von Werk bis zu ihrem Tod 1916 weiter. 1949/50. Eine Führungskrise endet 1922 mit der Einsetzung der ersten Oberin Davinet baut zwischen 1904 und und einem Pfarrer als neuem Haus­ 1906 nebst dem Haupthaus auch vater. Die baldige Anerkennung der eine Jugendstil-Dependance an der Pflegeausbildung durch das Schwei­ Sonnenbergstrasse 14, die 1973 sa­ zerische Rote Kreuz ist entschei­ niert wird. 1990 schliesst das Klos­ dend, um später auch freie Schwes­ ter Ingenbohl das Viktoriaspital aus tern, die keine Diakonissen werden wirtschaftlichen Gründen und rich­ wollen, ausbilden zu können. tet ein Alters- und Pflegeheim ein. 2004 macht dieses weltweit Schlag­ Friedrich Dürrenmatt und die Kirche zeilen, als Papst Johannes Paul II. 1951 bekommt das Spital ein litera­ dort während seines Bern-Besuches risches Denkmal. Der fiktive Krimi übernachtet. Zwischen 2009 bis 2017 «Der Verdacht» von Friedrich entstehen im Schänzlihaus an der ­Dürrenmatt spielt massgeblich im Nummer 63 und in der Sonnenberg«Salem». Dass Dürrenmatt diesen Dependance Alterswohnungen. Schauplatz wählt, basiert auf per­ 2020 übernimmt die Tertianum sönlichen Gründen. Sein Vater Gruppe vom Institut Ingenbohl Reinhold entscheidet sich 1935, Ko­ sämtliche Aktien. nolfingen zu verlassen und die Pfarrstelle im «Salem» anzutreten, Leben, Show und Tod wo er auch Seelsorger der Diakonis­ Der dritte wichtige «Player» in der ört­ sen wird. Die Familie zieht in die lichen Entwicklung ist der Kursaal. Stadt, was bei Friedrich im Teen­ 1860 lässt der Grosshändler Emanu­ ageralter Verzweiflung auslöst. el Lanz als erste ständige Liegen­ schaft eine Sommerwirtschaft im In jüngerer Zeit signifikant für die «Laubsägeli»-Stil errichten. 1873/74 Entwicklung sind die Eröffnung der folgen ein Musikpavillon, eine Stütz­ Station für Palliative Therapie 1995 mauer zur Erweiterung der Terrasse in der Oranienburg und die Inbe­ und ein Saalanbau mit Unterhal­ triebnahme der Villa Sarepta an der tungsbühne. Vor dem Bau der Korn­ Schänzlistrasse Nummer 19 als hausbrücke ist kurzzeitig sogar ein ­Seniorenresidenz 1998. 2002 verkauft Seilbahnprojekt vom Waisenhaus­ das Diakonissenhaus das ­«Salem» platz her ein Thema. 1903 gründet an die Hirslanden-Gruppe, 2011 folgt eine Gruppe von Berner Hoteliers und die Neuausrichtung der Stiftung un­ Geschäftsleuten die «Kursaal- und ter dem Namen Diaconis. 2026 setzt Sommerkasino-Gesellschaft Schänz­ sich die Entwicklung mit dem Einzug li», um den Betrieb zu professionali­ des Hospizes Mon Soleil an der sieren und Überbauungspläne für ein Schänzli­strasse 15 fort. Villenquartier zu verhindern.

11

Kaserne hier anzusiedeln, um die strategisch günstige Lage zu nutzen, bevor die grössere Freifläche des heutigen ­Kasernenareals den Aus­ schlag zum Bau von 1878 gibt.

Doch liefert der «Salem»-Bau 1888 nur einen Teil der Begründung für das heutige Bild. Denn das Terrain ist damals schon vorbereitet. Bereits 20 Jahre früher, 1868, errichtet ­Horace

Seit der Ansiedlung des Viktoriaund Salem-Spitals gibt es bei Patien­ ten und Sanatoriumsgästen sowie ihren Besuchern ein intensives ­Bedürfnis nach Ablenkung, um die

Villa Sarepta, Schänzlistrasse 19.

oftmals düsteren Gedanken zu ­z erstreuen. Wo Kranke und Kur­ bedürftige sind, ist das Vergnügen nie weit. Dies zeigt als Muster­ beispiel der Roman «Anne Bäbi Jowäger» von Jeremias Gotthelf über die Heilbadkultur. Das «Kur» im ­Namen des Kursaals kommt nicht von ungefähr. Und ironischerweise wird der Saal im Ersten Weltkrieg auch als Kriegslazarett genutzt. Banal, aber wahr: Zum Gesundwer­ den sind nicht nur ärztliche Eingrif­ fe und Pflege hilfreich. Und vom Krankenbett über die Tanzfläche bis zum Traualtar ist der Weg oft kürzer als gedacht. Idealerweise ist das «Beau-Site» bis heute auch auf Geburtshilfe spezialisiert. Deutli­ cher ausgedrückt: Auf der ganzen

Länge zwischen Schönburg und Kunstgewerbeschule wird an der Schänzli­strasse und der Schänzli­ halde ein Rundum-Paket von der Wiege bis zur Bahre angeboten, kompakt in Fussnähe, entstanden aus einer Wechsel- und Sogwirkung seit Ende des 19. Jahrhunderts. Wo schon ein Arzt ist, lässt sich gern ein zweiter nieder, eine Praxis und ein Pflegebett bleiben selten lange al­ lein. Expertinnen und Experten ver­ sammeln sich meist dort, wo bereits Know-how und Infrastruktur vor­ handen sind. Die Medizin- und ­A ltersmeile im «Breitsch» ist ein helles wie dunkles Panoptikum ­ des Lebens und des T ­ odes. Und ein Geschäft, bei dem wöchentlich ­M illionen von Schweizer Franken umgesetzt werden.


Die Zeitung, die Sie gerade in Händen halten, ist im Nord­ quartier das meistgelesene und beliebteste Medium mit ­journalistischem Inhalt. Zur Unterstützung unseres Teams ­suchen wir eine/n

QUARTIER-FUCHS oder -FÜCHSIN Als stolzer Hotelsponsor des FC Breitenrain fiebern wir bei jedem Spiel mit. Unser Direktor Daniel Siegenthaler gibt seinen Spiel-Tipp ab! 17. Oktober 2026

2:0

FC Breitenrain - FC Amical Saint-Prex Wir drücken die Daumen und wünschen viel Erfolg!

als Freelance-Mitarbeiter/-in, der/die motiviert ist, den Anzeiger für das Nordquartier noch besser zu vermarkten und dabei vor allem die Quartierläden sowie das lokale Gewerbe im Fokus zu haben. Sie – sind im Nordquartier heimisch oder haben einen starken Bezug dazu; – sind kontaktfreudig (Direktkontakt und Telefon); – haben Verkaufserfahrung oder scheuen sich nicht, sich dies anzueignen; – schätzen den Kontakt zu unterschiedlichen Menschen/ Branchen; – haben Eigeninitiative sowie Durchsetzungs- und Erfolgswillen; – sind gewohnt, selbständig und zeitlich flexibel zu arbeiten; – erfreuen sich an einem regelmässigen Nebenverdienst auf Provisionsbasis. Wenn Sie sich angesprochen fühlen, dann sollten Sie ein ­Treffen mit uns nicht auf die lange Bank schieben. Schreiben Sie uns kurz, wer Sie sind und was Sie anspornt, um bei uns quartierstreunend mitzumachen. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme: info@afdn.ch oder blickpunktNORD GmbH, Postfach 9314, 3001 Bern.

Dis Lager – iz ou ir Dose!


FUSSBALLCLUB OFFIZIELLE CLUBSEITE 09/2026 Und es werde Licht auf dem «Spitz» Im Dezember 2026 kommt es zur Ersetzung der bestehenden Halogenbeleuchtung. Die Erleichterung ist Claudio A. Engeloch deutlich anzumerken. «Freude herrscht, dass die ‚Krux mit Lux‘ endlich ein Ende findet», sagt der Präsident des FC Breitenrain. Denn nun ist es amtlich. «Die bestehende Halogenbeleuchtung des Stadions wird durch eine moderne LED-Beleuchtung ersetzt. Dadurch wird eine deutlich bessere und gleichmässigere Ausleuchtung des Spielfelds erreicht», wie die Stadt auf Anfrage mitteilt. Weiter schreibt sie: «Gleichzeitig lässt sich der beleuchtete Bereich präziser abgrenzen, wodurch die Blendung ausserhalb des Spielfelds reduziert und Streulicht minimiert wird. Mit dieser Modernisierungsmassnahme kön-

nen zudem die Betriebskosten gesenkt werden. LED-Leuchten benötigen rund 70 Prozent weniger Strom als die bisher eingesetzten Halogenleuchten. Des Weiteren verbessert sich die Lichtqualität, wodurch sowohl die Sicherheit der Spielerinnen und Spieler als auch der Komfort für die Zuschauenden erhöht wird. Mit der Umsetzung des Beleuchtungs-Projekts können die Anforderungen an die Spielfeldbeleuchtung für Partien der 1. Liga erfüllt werden. Der Umbau ist für Anfang Dezember 2026 geplant.» Damit gelangt ein zehn Jahre dauernder Arbeitsprozess zum Ziel, der alle Beteiligten viel Geduld kostete. Bereits 2013 genügte die Gleich-

Newsportal Ajour ist neuer Trikotsponsor für das «Eis» Gassmann egangiert sich auf dem «Spitz» Seit der laufenden Saison ist das Bieler Medienunternehmen Gassmann auf dem «Spitz» stark präsent. «Ajour – Deine Region dans ta poche», verkündet der Speaker jeweils bei den Heimspielen der ersten Mannschaft. Dazu ist der Schriftzug

«Ajour» per Werbebanner sowie auf der Vorderseite der Trikots zu sehen. Mit ihrem 2022 im Seeland lancierten Newsportal expandiert die GassmannGruppe ab Oktober auch in die Bundesstadt, wo sie durch die Übernahme von TeleBärn und Radio Bern1

mässigkeit des Lichtfalls bei Abendspielen den Anforderungen der 1. Liga nicht mehr. Damals zeigte sich der Verband noch kulant. 2022 beeinflusste der Lichtaspekt bekanntlich auch die Aufstiegsambitionen in die Challenge League. Die ersten Unterlagen über eine mögliche Umrüstung datieren von 2016. «Sie füllen mittlerweile ganze Bundesordner», wie Engeloch sagt. Dazwischen lagen diverse Sitzungen – auch bei der Präsidialdirektion im Erlacherhof – sowie zahlreiche epische Mailwechsel.

Insbesondere zwischen 2023 und 2025, als es immer wieder zu Verzögerungen kam. «Im Mai 2025 zeigte dann eine vom Club initiierte Prüfung des Spezialunternehmens SITECO, dass eine Umsetzung möglich wäre und erst noch wesentlich billiger ist, als angenommen», so Engeloch. Ende Mai 2026 wurde das Baugesuch schliesslich eingegeben. Und weil nach der Publikation Ende Juni keine Einsprachen mehr eingingen, erfolgt der Umbau nun definitiv im Dezember.

«KURZ & SPITZ»

Erfolgreicher Frauenfussballtag Nach der Premiere 2025 wurde auch die zweite Ausgabe des Berner Frauenfussballtages auf dem «Spitz» am 13. September ein voller Erfolg. Vor über 3000 Fans schlugen die YB Frauen im Hauptspiel den FC St. Gallen deutlich mit 4:1. Einen Videorückblick gibt es auf der YBWebsite oder bei YouTube.

Luca Santor neu im Fanionteam Ab sofort gehört Luca Santor zum Kader der ersten Mannschaft. Das 19-jährige Mittelfeld-Talent wurde bei YB ausgebildet. Im letzten Winter wechselte Santor als Profi nach Slowenien. Nach dem Abstieg seines Teams kehrt er nun nach Bern zurück. bereits im audiovisuellen Bereich präsent ist. Geplant ist nun ein umfassender Redaktions-Hub. Damit soll gemäss AjourChefredaktor Werner De Schepper in Zukunft eine «vollwertige Alternative» zu bestehenden NewsAngeboten wie jenen von Tamedia möglich werden. Das Engagement von Gassmann im Fussballbereich ist kein Zufall. Die Gruppe ist seit Frühling 2026 im alleinigen Besitz von Stefan Niedermaier. Der Berner IT-Unternehmer war zwischen 2005 und 2010 CEO von YB.

Zwei Fachkräfte gesucht «Breitsch» sucht eine Fachkraft für das Talentmanagement und einen Coach Developer für die fachliche und methodische Weiterentwicklung der Trainerinnen und Trainer. Weitere Infos online.

Mehr News und Infos auf fcbreitenrain.ch

Burkhalter

BREITENRAIN


14

QUARTIER-MAGAZIN

Bern, 30. September 2026

STIFTUNG MARIE GLATTHARD-HERREN

Hoffnung und Unterstützung direkt im Quartier Seit 1991 bietet die Stiftung Marie Glatthard-Herren älteren Menschen in herausfordernden Situationen Unterstützung. Geschäftsführerin Diana Schmutz gab uns Einblicke in ihr spannendes Tätigkeitsfeld. Bianka Balmer

«D

ie Stiftung Marie GlatthardHerren bezweckt, dass älte­ re und minderbemittelte Menschen ein geruhsames Leben führen kön­ nen.» Die Einleitung auf der Web­site machte uns neugierig, mehr ­darüber zu erfahren. Ein Zuhause für ältere Menschen: die Vision von Maurice Glatthard Am 4. Juli 1991 verstarb der 91-jäh­ rige, ledige Tapezierer Maurice Edouard Glatthard. Er hinterliess nicht nur eine Liegenschaft am Tal­ weg 5 (heute Lorrainestrasse 71), die er selbst bewohnte, sondern auch ein Vermächtnis. In seinem Testa­ ment verfügte er, dass sein gesamtes Vermögen in eine Stiftung fliessen soll – benannt nach seiner Gross­ mutter Marie Glatthard-Herren. Den tiefen Sinn dahinter hielt er handschriftlich fest: «Mein Wunsch ist, dass ältere, minderbemittelte Menschen ein ruhiges, zufriedenes Leben führen können.» Das Fundament für die Zukunft leg­ te er mit seinem Halbbruder Roland Glatthard als erstem Stiftungsrats­ präsidenten. Dieser holte den Treu­ händer Urs Seiler ins Boot – jenen Mann, bei dem ich Jahre später mei­ ne Ausbildung absolvieren durfte. Auch wenn Roland Glatthard 2016 verstarb, bleibt die Familie tief ver­ wurzelt: Mit Florian Auderset, dem Grossneffen des Stifters, prägt bis heute ein Familienmitglied die Ge­ schicke im Stiftungsrat. Heute lenken drei Stiftungsräte ge­ meinsam mit mir als Geschäftsfüh­ rerin die Organisation. Im Hinter­ grund halten uns zwei engagierte Teilzeitmitarbeiterinnen im Treu­ handbüro den Rücken frei. Der ge­ samte administrative Aufwand bün­ delt sich zu einem Vollzeitpensum, während die Mitglieder des Stif­

tungsrats ihre Arbeit vollständig eh­ renamtlich und mit grossem Herz­ blut leisten. Liebe Diana, wer ist die Frau, die heute die Fäden der Stiftung in den Händen hält? Da mich das Interesse an kaufmän­ nischen Abläufen bereits in der Schulzeit begleitete, war es klar, dass ich eine kaufmännische Lehre ab­ solvieren würde. Mein Lehrbetrieb, ein kleines Treuhand- und Liegen­ schaftsbüro in der Stadt Bern, ver­ waltete bereits damals die Stiftung Marie Glatthard-Herren. Im Anschluss an meine Lehre zog es mich für einige Jahre in die Ferne, um mich beruflich wie persönlich weiterzuentwickeln. Seit sieben Jah­ ren arbeite ich nun wieder in mei­ nem damaligen Büro und wurde 2022 Geschäftsführerin der Stiftung Marie Glatthard-Herren. Privat engagierte ich mich schon vor meiner Rückkehr als Beiständin. Aus sozialer Überzeugung setze ich mich besonders gerne für ältere Menschen ein. Die sich daraus erge­ bende gemeinnützige, sinnstiftende und abwechslungsreiche Tätigkeit schätze ich sehr. Durch meine Er­ fahrung unter anderem als Beistän­ din konnte ich so auch mithelfen, die Stiftung weiterzuentwickeln. Vorher drehte sich die Stiftungsar­ beit vor allem um die Verwaltung der eigenen Liegenschaften. Dies ist zwar heute immer noch ein grosser Bestandteil unserer Arbeit, jedoch waren wir in den letzten Jahren ver­ mehrt auch bei der direkten admi­ nistrativen und finanziellen Unter­ stützung für ältere Leute tätig. So begleiten wir immer mehr Men­ schen in ihrem letzten Lebensab­ schnitt.

Urs Seiler, Stiftungsratspräsident, und Diana Schmutz, MGH-Geschäftsführerin. Bilder: zVg

Auch in meiner Freizeit bin ich ger­ ne aktiv und lebhaft mit Leuten un­ terwegs – sei es bei meinen Hobbys Tanzen, Velo- und Skifahren oder bei einem Restaurantbesuch mit Freun­ den und der Familie. Bei mir läuft immer etwas, da ich gerne Menschen und Projekte bewege (lächelt). Welche Dienstleistungen bietet die Stiftung an? Im Zentrum steht die Vermietung unserer altersgerechten und barrie­ refreien Wohnungen. Darüber hin­ aus unterstützen wir ältere Men­ schen dabei, möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in den eige­ nen vier Wänden zu führen – auch abseits unserer Liegenschaften. Ein wichtiges Standbein ist dabei die Immobilienverwaltung sowie der Immobilienverkauf. In den letzten Jahren durften wir vermehrt ältere Ehepaare begleiten, die uns ihr Wohneigentum anvertraut haben. So stellen wir sicher, dass sie so lan­ ge wie gesundheitlich möglich in ih­ rem vertrauten Zuhause bleiben können. Ergänzend beraten wir Senior:innen in administrativen wie auch finanziellen Angelegenheiten und unterstützen sie einfühlsam beim Aufsetzen von Vorsorgeaufträ­ gen und Testamenten. Wie lange dauert es von der ersten Anfrage bis zur konkreten Hilfe? Eine schnelle Rückmeldung ist uns wichtig. Die konkrete Umsetzung hängt jedoch von individuellen Fak­ toren ab, da wir keine Lösungen von der Stange bieten. Jedes Gesuch wird von uns genauestens geprüft, ein­ schliesslich einer Analyse der finan­ ziellen Situation. Diese Gründlich­ keit sind wir unserem Stiftungszweck schuldig: Wir wollen sicherstellen, dass unsere Hilfe wirksam und ge­ recht bei den Menschen ankommt, die sie wirklich brauchen. Wie sieht das finanzielle Modell der Stiftung aus? Das ist die grosse Besonderheit: Un­ sere Stiftung finanziert sich in ers­ ter Linie selbst. Neben den Liegen­ schaften mit vergünstigten, altersgerechten Mieten besitzen und bewirtschaften wir auch Immobili­ en zu marktüblichen Konditionen. Durch diese Erträge tragen wir uns wirtschaftlich eigenständig. Die Spenden, die wir erhalten, fielen bisher eher klein aus und machen nur einen Bruchteil unseres Budgets aus. Allein von diesen Zuwendun­ gen könnten wir aktuell nicht exis­

Diana Schmutz (links) und Josefine ­Lopez – seit 17 Jahren Bewohnerin.

tieren. Dennoch helfen uns Spenden und zusätzliche Liegenschaftsman­ date enorm dabei, unseren Zweck weiterhin mit stetigen Verbesserun­ gen zu erfüllen. So können wir lang­ fristig noch mehr bezahlbaren Wohnraum für ältere Menschen in der Stadt Bern sichern. Ein Blick nach vorn: Was sind eure Pläne und Wünsche für die ­Zukunft? Die Wohnungsnot trifft ältere Gene­ rationen besonders hart. Durch die vielen Leersanierungen in Bern ist die Nachfrage nach bezahlbaren Zwei- und Zweieinhalb-ZimmerWohnungen riesig. Oft ist das der perfekte nächste Schritt, wenn das eigene Haus zu gross wird, die Selbstständigkeit aber erhalten blei­ ben soll. Die Suche nach passenden Liegenschaften hat für uns deshalb hohe Priorität. Ein weiteres Herzensprojekt ist die Begleitung von Wohneigen­t ü ­mer:in­ nen: Wir kaufen ihre Häuser oder Wohnungen zu fairen Preisen ab, da­ mit sie so lange darin wohnen blei­ ben können, wie es ihr Wunsch ist und ihre Gesundheit erlaubt. Am Ende geht es uns immer um massge­ schneiderte Lösungen. Wir möchten die Menschen dazu animieren, das Thema Vorsorge rechtzeitig anzupa­ cken – für ein gutes, geregeltes und rundum zufriedenes Älterwerden. Was liegt euch zum Schluss noch besonders am Herzen? Wir wünschen uns von Herzen, dass ältere Menschen ihr gewohntes Zu­ hause so lange wie möglich behal­ ten können. Das gesamte Drumhe­ rum lässt sich stets nach den individuellen Vorstellungen der Be­ troffenen gestalten. Uns ist es wich­ tig, zu zeigen: Es ist ein schönes ­Gefühl, die eigenen Angelegenhei­ ten frühzeitig geregelt zu haben. Wer seine Wünsche rechtzeitig anpackt, schafft sich den Freiraum, das Leben im Alter einfach unbeschwert zu ­geniessen. Liebe Diana, vielen Dank für dieses spannende Interview und eure tolle Arbeit! Wir wünschen euch alles Gute! https://www.stiftung-mgh.ch


15

QUARTIER-MAGAZIN

Bern, 30. September 2026

KUNSTMUSEUM BERN

Franz Gertsch – die Lorrainejahre Die aktuelle Bern-Retrospektive zeigt, wie Franz Gertsch der internationale Durchbruch in den 1970ern auf dem Gassner-Areal gelang. Jean-Claude Galli

Franz Gertsch.

Das Atelier von Franz Gertsch im Gassner-Areal in der Lorraine.

B

is Januar 2027 läuft im Kunstmuseum Bern die Retrospektive «Franz Gertsch. Blow-Up (Part 1)», der zweite Teil ist bis Ende Februar im Museum Franz Gertsch in Burgdorf zu sehen. Die Ausstellung in Bern konzentriert sich auf die Malerei und umfasst knapp 40 Gemälde von den realistischen Anfängen über Werke der Jugend- und Musikszene bis zu Porträt- und Naturbildern aus dem Spätwerk. Dabei wird deutlich, wie entscheidend Gertschs Schaffensjahre in der Lorraine für seine Weltkarriere sind.

Bild: Jürg Bernhardt

Beginn der Ära mit grossformatigen und realistischen Gemälden, die auf meist eigenen Fotografien basieren.

ternationalen Durchbruch als Fotorealismus-Pionier.

1969 malt er nach seiner ebenfalls in Bern gezeigten Pop-Art-Ära und einer längeren psychischen Krise innerhalb von sechs Tagen einen farbigen Reiter im Galopp mit gezücktem Säbel. Gertsch gibt dem Gemälde den prägnanten Titel «Huaa …!» und die Nummer 1 in seinem Werkverzeichnis. Frühere Arbeiten lässt er unter seinem strengen Auge fortan nicht mehr gelten. «Huaa …!» entsteht nach einem Standfoto aus dem britischen Antikriegsfilm «The Charge of the Light Brigade» von 1968 und markiert den

Erleuchtung am Uferweg «Medici», benannt nach der BaufirAttitüden werden Form Jean-Christoph Ammann, der frü- ma und deren Schriftzug auf der rothere Assistent von Harald Szeemann weissen Abschrankung, entsteht auf in der Kunsthalle Bern, übernimmt zusammengenähten Bettlaken im 1968 das Kunstmuseum Luzern und riesigen Dachgeschoss der früheren ist einer der ersten und wichtigsten Brauerei Gassner, das Gertsch 1971 Gertsch-Förderer. Er ist von Werken mietet. Mit der Übernahme durch wie «Huaa …!» fasziniert, treibt fi- die Gurten Bier AG wird der Braubenanzielle Mittel auf, damit sich trieb 1968 stillgelegt. Am Uferweg Gertsch voll auf die Malerei konzen- entstehen ab 1971 weitere monutrieren kann, und ermöglicht ihm mentale Bilder wie «Aelggi Alp» oder 1972 die erste das ebenfalls in E i n z elau sstelBern präsentier«Die Lorraine als lung in Luzern. te «Maria mit Kindern» mit Bei einer vorgänwichtige Station für Ehegigen BesichtiGertsch’s Weltkarriere.» Gertschs gung der Räumfrau Maria und lichkeiten lernt den vier gemeinGertsch den jungen Künstlerkolle- samen Kindern, von denen Silvia gen Luciano Castelli und seine vier heute selbst eine bekannte KünstleFreunde kennen, die er fotografiert rin ist. In der Lorraine kommt es und im Bild «Medici» festhält. Es auch zu turbulenten Feiern und Bewird vom bekannten deutschen gegnungen. Verbürgt ist so ein AteSammler Peter Ludwig gekauft, löst lierbesuch von LSD-«Guru» Timoan der ebenfalls 1972 stattfindenden thy Leary auf Einladung von «documenta 5» in Kassel Begeiste- Gertschs Freund, dem Autor Sergius rung aus und sorgt für Gertschs in- Golowin. Dass Gertsch in diesen

Medici. Bild: Dominique Uldry / © Franz Gertsch AG

Atelieransicht.

Fotograf unbekannt

Saintes-Maries. Bild: Dominique Uldry / © Franz Gertsch AG

Bild: B.P. Staehli

umfangreichen Dimensionen arbeitet, hat auch einen profanen Grund. Als er das Kunstmuseum Luzern zur Vorbereitung seiner Ausstellung erstmals besucht, erschrickt er ob der Grösse der zu bespielenden Räume. «Oh Gott, wie viele Laufmeter Wand waren innerhalb eines Jahres zu bewältigen», sagt er in einem späteren Interview. Die Schwarze Sara und die Kinder Im Mai 1971 reist Gertsch in den französischen Wallfahrtsort Saintes-Maries-de-la-Mer. Nach den dort gemachten Fotos mit spielenden Kindern am Strand entstehen drei römisch nummerierte Gemälde. Sie sind eine weitere Zäsur. 1972 entdeckt Gertsch in einem Geschäft für Malbedarf in New York «Cotton Duck Nr. 10». Dieses Material wird ursprünglich für Segel hergestellt und ist bei US-Künstlern dieser Zeit beliebt. Das ungrundierte Gewebe lässt jedoch kaum Korrekturen zu und erfordert noch mehr Sorgfalt als die Bettlaken. «Jeder Tupfer war der Bogenschuss eines Zen-Meisters, das Slow Painting nahm seinen Anfang», wie Gertsch es rückblickend beschreibt. Um das zweite Bild aus der Saintes-Maries-Reihe entsteht später eine Kunst-Tragödie. Es wird 2008 als Teil einer Privatsammlung bei einem Lagerbrand in Detroit zerstört. Gertsch nimmt das Sujet 2013 in einem Holzschnitt wieder auf. 1974 verlässt der Künstler Bern und lebt mit seiner Familie dank eines Stipendiums eineinhalb Jahre in Berlin. 1976 folgt der Umzug aufs Land nach Rüschegg in ein altes Bauernhaus, wo er bis zu seinem Tod 2022 lebt. Im Gantrischgebiet konzentriert sich Gertsch auf Porträts, Naturgemälde und Holzschnitte. Diese Schaffenszeit wird umfangreich in Burgdorf gezeigt. www.kunstmuseumbern.ch/Gertsch www.museum-franzgertsch.ch/de


16

QUARTIER-MAGAZIN miteinander geschieht und nicht auf Kosten anderer. Würdest du dich selber spontan unterwegs befragen lassen? Und falls ja, wie wäre der Einstieg in deine persönliche Geschichte? Gute Frage. Ich denke, es käme sehr fest auf den Moment, meine Laune und die Energie vom Gespräch an. Ich denke schon, dass ich mal hören würde, was dieser Typ von mir will. Dann würde ich mich von meinem Bauchgefühl leiten lassen. Den spannendsten Einstieg finde ich, auf das Hier und Jetzt einzugehen: Wo bin ich, was mache ich, was geistert mir gerade durch den Kopf?

Donat Hofer.

D

Bild: Fabian Hugo (fabianhugo.ch)

onat Hofer dürfte vielen im ger nach Menschen, die genug Nordquartier aus der SRF-­ ­offen sind, ihre Lebensgeschichte Doku «Donat auf Achse» bekannt zu erzählen? sein. Mit einem Oldtimer tourt er Wir wollten von Anfang an auf Zu­ mit Tontechniker und Kameramann fallsbegegnungen setzen. Jedoch kreuz und quer durch die Schweiz wussten wir nicht, wie gut das funk­ und befragt sehr spontan Menschen tioniert und wie viel diese Begeg­ nach deren Lebensgeschichten. Die­ nungen hergeben. So haben wir mit se Interviews sind oft tiefer greifen­ jeder neuen Staffel diesem Element de M ­ omentaufnahmen, die einen mehr Gewicht und Vertrauen ge­ sehr oft berührt, schmunzelnd bzw. schenkt. Für die dritte Staffel (2026) sprachlos zurücklassen. haben wir uns dazu entschieden, voll auf Zufälle zu setzen. Nichts ist Donat hat seine Kindheit und Jugend geplant oder inszeniert, alle Begeg­ in Bern verbracht – er wuchs im nungen sind zufällig entstanden, oft Breitsch auf und liebt das Quartier auch die Route. über alles – und lebt heute mit sei­ ner kleinen Familie in Zürich. Wenn Welche dieser Geschichten hat er nicht gerade Menschen befragt, dich besonders berührt? liebt er seine Liebsten, den Breitsch, Nebst den grossen Schicksalen sind schöne Sätze, Meer, Bälleschlagen, es oft die leisen Geschichten, die kurze Sätze, Musik und alles, was mich berühren. Etwa die Geschich­ dazugehört. te einer Frau, die mir erzählt, wie ihr Vater ihr einst verbot, ihren Ausbil­ Donat, die Doku-Reihe «Donat auf dungswunsch zu verwirklichen – Achse» war deine Idee. Wie hast aus Angst, seine Tochter könnte ei­ du sie dem Sender verkauft, dass nes Tages besser ausgebildet sein als du den Zuschlag erhalten hast? er selbst. In dieser Begegnung habe Zusammen mit meiner Produzentin ich ihren Schmerz gespürt. Aber Vanessa Nikisch und der inhaltli­ auch ihre Liebe zu ihren Kindern, chen Leiterin Anita Richner haben denen sie heute jene Freiheit ermög­ wir «Auf Achse» kreiert. Inspiriert licht, die ihr selbst verwehrt blieb. haben mich Sendungen wie «­ Grüezi Deutschland», «Müslüm» und na­ Welche liess dich herzhaft lachen? türlich «Reporter». Unser Konzept Die herzhaften Lacher gibt es immer war eine Mischung aus Talk und Re­ wieder. Oft sind sie ein Ventil, um portage, das hat SRF überzeugt. Spannung abzubauen. Lachen ver­ bindet und entspannt – gerade in­ Sind die Interviews wirklich immer mitten schwerer Geschichten kann so spontan oder sucht ihr oft ländas guttun. Entscheidend ist, dass es

Du hast Betriebsökonomie ­studiert, danach Psychologie und wurdest später Journalist, Reporter und ­Moderator bei SRF. Das Leben hat dich in komplett unterschiedliche Bereiche geführt; wie kam es dazu? Ich bin froh, dass mich das Leben in unterschiedliche Bereiche geführt hat. Anders geht es für mich nicht. Ich habe meine Zeit gebraucht, um mich selbst und meine Instrumente besser kennenzulernen. Und ir­ gendwie hört das auch nicht auf. Ich glaube, das Suchen gehört zu mir. Du bist im Breitenrain aufgewachsen. Welche Erinnerungen ans Quartier prägen dich bis heute? Jedes Mal, wenn ich in den Breitsch zurückkomme, fühlt es sich wie Heimkommen an. Ich liebe dieses Quartier, die Häuser, die Ruhe, die Energie. Für mich fühlt sich der Breitsch geerdet an. Es war ein Pri­ vileg, hier aufzuwachsen. Der Breitsch war unser Dorf. Ich erinnere mich an ein Konzert von Stiller Haas, damals noch völlig unbekannt. Es war ein Strassenfest: ein paar Familien, ein paar Bänke und eine kleine Bühne. Und darauf ein grosser, wilder Mann: Endo. Wo hast du dich besonders gerne aufgehalten? Der Schützenwegspielplatz war un­ ser Wohnzimmer – vor allem im Winter das Hockeyfeld. Ich habe den Gummibärli-Cup mit ins Leben ge­ rufen. Gibts den eigentlich noch? Unser Team hiess Pic-Pac-Pinguin, ich war die Nummer 99. Viel Liebe an Chäspu, Kaa und Ürsu, die sich mit so viel Hingabe uns Kindern an­ genommen haben. Da kommt mir ein guter Satz in den Sinn, den ich mir selbst als Vater immer wieder mahnend vortragen muss: «Dein Alltag ist seine/ihre Kindheit.» Unvergessen bleibt auch das Röiber u Poli nach den Kindertheater-Auf­ führungen im Herbst. Den Geruch von Schminke, Wienerli, Glühwein

Bern, 30. September 2026

CORINNAS QUARTIER TALK mit DONAT HOFER

gemischt mit der abendlichen Herbstluft werde ich nie vergessen. So schmeckt Breitsch. Wenn du – nehmen wir an, du ­würdest in die Werbebranche wechseln (;-)) – deinen Kindheitsort in wenigen Sätzen beschreiben solltest, wie wären diese? Ich würde auf die Werbekampagne pfeifen. Lieber zitiere ich Berner Texter:innen. Sie haben genug Tref­ fendes über Bern und unsere Gemü­ ter geschrieben. Wenn Krust rappt: «O i ha bestimmt ä Stei a di Stadt bitreit», versteht ein kindlicher Teil in mir das so, dass wir Bern gemeinsam geschaffen haben und wir es bis heute am Leben hal­ ten. Jede und jeder. Ein schöner Ge­ danke. Oder nochmals Krust: «I bi niä der Typ gsi für di grossä Distanzä – drum wohni ir Länggass, bis si z Wankdorf usem Bodä stanzä.» ­Diese Zeilen ha­ ben mich geprägt. Sie gehören für mich untrennbar zu meinem Auf­ wachsen in Bern. «Viu Liebi für di Krust.» Und zu guter Letzt: Welche Frage wurde dir noch nie gestellt und wie wäre deine Antwort hierauf? Das SRF-Format «Reporter» hat dein Leben geprägt. Jahrelang hast du die Sendung im Fernsehen geschaut und geliebt. Irgendwann hast du dir den Traum in den Kopf gesetzt, selbst einmal einen «Reporter» zu drehen. Dieser erste Film wurde zu deinem Türöffner bei SRF und legte den Grundstein für deine weitere Lauf­ bahn. Später wurdest du Teil der «Reporter»-Redaktion. Nun hat SRF kommuniziert, dass «Reporter» we­ gen Sparmassnahmen vor dem Aus steht. Wie fühlt sich das an? Meine Antwort: schmerzhaft. Danke, Donat, für deine Zeit und ­deine spontanen Antworten.  w ww.srf.ch/play/tv  Donat auf Achse


Bern, 30. September 2026

17

EINKEHR

Eine Asia-Oase mitten im Niemandsland Auch wer kein «Landi»-Fan ist, darf sich diese Adresse ruhig merken: Im «Pingpong» an der Wankdorffeldstrasse werden seit diesem Mai Köstlichkeiten aus Fernost serviert. Jean-Claude Galli

EI N

RESTAURANT PINGPONG

HR E K

B

EI

ZE

N IM

QUAR

TIE

R

INFOS Küche: sehr gefälliger Querschnitt durch die asiatische Wunderwelt Service: Selfservice Supreme Ambiente: Der Baumarkt-Charme ist schnell vergessen. Preise: günstig (Speisen) bis mittel (Getränke) Adresse: Wankdorffeldstrasse 90, 3014 Bern, Telefon 076 478 04 92 Aussenansicht.

L

assen Sie sich bloss nicht vom Gebäude und der näheren Um­ gebung abschrecken. Schon als die Migros unter ihrer Marke «Do it + Garden» noch an der Wankdorffeld­ strasse vertreten war, mussten Äs­ theten und Liebhaberinnen gepfleg­ ter Architektur darben. Und seit der Übernahme der Räumlichkeiten durch die «Landi» sind Hülle und Interieur nicht wirklich schöner ge­ worden. Selbst die Dekor-Enten aus Holz zum halben Preis helfen da wenig. Doch nun kommt der Clou, nämlich eine echte Entdeckung in dieser Einöde. «Pingpong» heisst das Zauberwort und sicher hören auch Sie wie wir schon das KlickKlack auf der grünen Tischplatte von weitem an Ihr Ohr dringen. Im Ernst: Verändert hat sich durch den Rückzug der Migros nicht nur die Mieterschaft der Ladenfläche, son­ dern auch jene des Restaurants. Ge­ pachtet wurde es neu von einer gu­ ten alten Bekannten in der Berner Gastro-Szene, von Engie Moser. Sie stammt aus Malaysia und dirigier­ te zuvor jahrelang die «Plattform»Lokale der Familie Gfeller an der «Front» und noch früher das «Chi­ na Imperial» an derselben Adresse. Zusammen mit Salomo Yi führt sie seit Mai 2026 das «Pingpong» mit ei­ nem Sampling von Hits der asiati­ schen Küche. Das scheint Puristen vielleicht etwas zuviel des Guten, doch schweigen auch sie spätestens nach dem ersten Bissen Fried Rice. Sitzgelegenheiten gibt es nicht nur im Innern rund um die Küche, son­ dern auch auf Hochstühlen im vor­ deren Teil der Laderampe. Bestellt wird unkompliziert am Tresen, in ei­

Bilder:Jean-Claude Galli

ner Kühlvitrine stehen Getränke griffbereit, darunter eine schöne Auswahl an asiatischen Bieren vom japanischen Asahi aus der Präfektur Tokio bis zum chinesischen Tsing­ tao aus der Provinz Shandong, ge­ braut seit 1903, ursprünglich von deutschen Auswanderern. A propos Deutschland: In den 1980er-Jahren faszinierte uns der damals populä­ re Doppel-Weltmeister Jörg Ross­ kopf, der mit seinem Vorhand-Top­ spin brillierte und die Phalanx der chinesischen Spitzenspieler kurz­ zeitig leicht ins Wanken brachte. Doch ist Tischtennis wie vieles im Sportkosmos eine Erfindung der Bri­ ten und das lautmalerische PingPong seit 1901 urheberrechtlich von der bekannten Spielerfinder-Firma Parker Brothers, heute Hasbro, ge­ schützt. Tischtennis ist ein Destillat aus dem normalen Tennis und drau­ ssen wie drinnen auf relativ kleiner Fläche möglich – ideal angesichts der häufigen Regengüsse zwischen Lizard Point und Dunnet Head. 1952 wurde der Japaner Hiroji Satō als ers­ ter Asiate Weltmeister. Seither domi­ niert dieser Kontinent das internati­ onale Ranking, wobei aktuell die Chinesen die Nase vorn haben. Vorspeisen und Rückhandkonter Die Sportart ist im Lokal auch op­ tisch präsent. Einerseits auf einem Werbeplakat beim Eingang, zwei­ tens mit einem Plexiglaskasten vol­ ler Bälle, der die Geschirrrückgabe anzeigt. Für uns eine heimliche Re­ miniszenz an Rosskopfs Rückhand­ konter, die sein Spiel noch unbere­ chenbarer machten. Als sanfter kulinarischer Einstieg bietet sich eine Schale Edamame an, zur Vor­

speise empfehlen wir Korean Fried Chicken und Dumplings mit Poulet oder Tofu. Nach der Bestellung keh­ ren wir mit einem Pager ausgerüstet zu unserem Tisch auf der Rampe zu­ rück, um die «Landi»-Kundschaft zu studieren. Doch schon bald klingelt und vibriert der Pager wie ein Schwarm Hornissen und wir eilen nach drinnen, wo Moser gerade die Hauptgänge finalisiert: ein Pad Thai mit Tofu sowie eine Schale Bibim­ bap, dieses wunderbaren Reisge­ richt mit Rind, Gemüse und Ei.

Öffnungszeiten: analog der «Landi»; Montag bis Freitag 8 bis 18.30 Uhr, Samstag 8 bis 17 Uhr  w ww.pingpong-bern.ch brennend interessieren, wie sich das rote Curry und die Ramen-Suppe mit Schweinefleisch machen. Oder das Teriyaki-Poulet, die SataySpiess­chen und die Frühlingsrollen. Sogar Dessert-Liebhaber kommen nicht zu kurz: Für sie gibt es japani­ sche Mochis und den in Thailand weitverbreiteten Klassiker Mango Sticky Rice.

Tanz auf dem Vulkan Glücklicherweise dürfen wir von uns behaupten, über eine gewisse Asien-Reiseerfahrung zu verfügen. Zuletzt grüssten wir aus Thailand und Taiwan und bald soll es nach Vi­ etnam und auf die südkoreanische Vulkaninsel Jeju gehen. Deshalb massen wir uns auch an, die Quali­ tät der im Restaurant Pingpong ser­ vierten Speisen einigermassen ein­ ordnen und beurteilen zu können. Und für beide Teller würden wir in der Tat noch einmal zurückkom­ men, Architektur und Interieur hin oder her. Doch würde uns dann auch

Auffallend ist bei unserem Besuch die hohe Kadenz an Take-away-­ Bestellungen. Für den Verzehr zu ­Hause empfehlen wir Paaren ein ge­ pflegtes Tischgespräch. Singles hin­ gegen dürfen sich dazu gerne das 2025 erschienene Comedy-Drama «Marty Supreme» über den von ­T imothée Chalamet dargestellten US-Tennisspieler Marty Reisman (sic!) anschauen, der im Film aus rechtlichen Gründen auf den klin­ genden Namen Marty Mauser hört. Und über den heutigen Bundestrai­ ner Jörg Rosskopf gibt es den Dokfilm «Die Chinesen Europas» auf Apple TV.

Pad Thai.

Bibimbap.


Wir sind eine steuerbefreite gemeinnützige Stiftung und • vermieten Wohnungen an ältere und minderbemittelte

Personen in unseren eigenen sechs Mehrfamilienhäusern

• suchen für den Stiftungszweck weitere Mehrfamilienhäuser • mieten Wohnungen und verbilligen sie auf EL-Niveau • freuen uns über Schenkungen, Spenden, Vermächtnisse

Highend-Audio mit vernünftigem «High Preis-/Leistungsverhältnis End Audio mit vernünftigem Preis-Leistungsverhältnis» Gerne bin ich nach Vereinbarung für Hörtermine verfügbar unter: Gerne bin ich nachjederzeit Vereinbarung jederzeit

für Hörtermine verfügbar unter: ulrich.steiner@revolutionaudiopure.com oder Whatsapp 079 460 64 74 ulrich.steiner@revolutionaudiopure.com oder Whatsapp 079 460 64 74 revolutionaudiopure.com revolutionaudiopure.com | Kyburgstrasse 9 | 3013 Bern Kyburgstrasse 9 3013 Bern

und setzen sie sinnvoll ein (z.B. 13. AHV-Rente die Sie nicht zwingend benötigen).

Für Anfragen und Auskünfte:

Sexualisierte Gewalt? Häusliche Gewalt? Wir sind für Sie da.

Stiftung Marie Glatthard-Herren

Diana Schmutz, Geschäftsführerin Blumenbergstrasse 16 3013 Bern Telefon 031 335 19 29 info@stiftung-mgh.ch www.stiftung-mgh.ch IBAN CH84 0630 0016 6541 0350 1

www.stiftung-gegen-gewalt.ch

FUSSBALLCLUB HEIMSPIELE

PROMOTION LEAGUE – SA 3.10.2026, 15.30 UHR

IM

OKTOBER

FRAUEN 2. LIGA – SA 10.10.2026, 15.45 UHR

FC BAVOIS

FC B.W. OBERBURG

FC AMICAL SAINT-PREX

FC NIDAU

PROMOTION LEAGUE – SA 17.10.2026, 15.30 UHR

FRAUEN 2. LIGA – SA 24.10.2026, 15.45 UHR

PROMOTION LEAGUE – SA 31.10.2026, 15.30 UHR

FC BASEL U21

HERREN 2. LIGA – SA 3.10.2026, 18.15 UHR

FC WEISSENSTEIN

HERREN 2. LIGA – SA 17.10.2026, 18.15 UHR

FC FRUTIGEN

SV MEIRINGEN Burkhalter

Konzept & Layout: heyday.ch / Bild: Res Blatter

HERREN 2. LIGA – SA 31.10.2026, 18.15 UHR

BREITENRAIN FC Breitenrain druckt mit


19

QUARTIER-MAGAZIN

-CHÖPF R E

E

ine Freundin erzählte mir von Jesper Juul, einem dänischen Er­ ziehungstherapeuten. Als ich wieder einmal am Ende mit meinen Ner­ ven war, lieh ich das Buch «Die vier Grundwerte» in der Bibliothek. Es war so einfach zu lesen. Augenhö­ he, nichts von «versagt». Ich kann’s immer wieder probieren, wenn ich in meinen Augen gescheitert bin. Das half mir mega viel. Auch beim Kennenlernen der eigenen Gren­ zen, auch den Kindern Grenzen set­ zen, ohne Rabenmutter zu sein. Und wie bei der Flugmaske: Ich kann nie­ mandem helfen, wenn ich selber kei­ ne Luft habe. Ich lernte, zu mir zu schauen. Denn ich war schon oft sehr erschöpft ge­ wesen. Ich wollte ja mit meiner Familie das Leben geniessen und nicht immer im Ausnahmezustand sein. Weg vom Überlebensmodus! Ich entdeckte, dass es in der Schweiz eine Ausbil­ dung zur Familien- und Paarberate­ rin nach Jester Juul gab. Ich bewarb mich «sur dossier». Das heisst ohne Gymer oder Grundausbildung. Ich war Pflegeassistentin und hatte die Erfahrung als Mutter. Ich gab mir viel Mühe für die Bewerbung, wurde auf­ genommen und machte die vierjäh­ rige Ausbildung bei familylab. Meine Mutter, mein Brüetsch und seine Frau boten mir an, die Kinder zu hü­ ten, und ich ging einmal im Monat

«Bergwelt».

für vier Tage nach Glarus. Es wurde eine mega intensive Zeit. Auseinan­ dersetzung mit der eigenen Ge­ schichte und Herkunft. Danach hin­ aus, Beratungstätigkeit. Es hat sich voll ausgezahlt. Für mich als Mensch, als Alma. Mich kennenlernen, Wün­ sche, Bedürfnisse, Grenzen, was möchte ich mit meinen Kindern. Was wir seit Generationen mitbekommen haben, hinterfragen. Wie will ich ­leben? Die Ausbildung war teuer, ich schrieb Stiftungen an. Ich bekam ­v iele Absagen, aber auch Zusagen. Vor dem Schulischen hatte ich Angst. In Irland hatte ich kein Wort Deutsch gesprochen. Mein erstes deutsches Wort in der Schweiz war dann Erd­ nussbutter, weil ich die so gerne ­hatte.

dern. Hilfe im Sinne eines Aussen­ blicks und Hinweise, wie Muster verändert werden können. Man kann jeden Tag neu anfangen. Oft kommen Eltern zu mir, wenn sie herausgefor­ dert sind. Die Kinder schwingen das Fähnlein. Sie spüren, wenn etwas nicht stimmt oder nicht authentisch ist. Sagen wir zum Kind «Jetzt nicht, später», beginnt es zu quengeln. Wenn wir kommunizieren, dass wir jetzt zehn Minuten für uns selber brauchen, erkennt das Kind ein Ge­ genüber. Das gibt Schnauf in die Si­ tuation. Wenn wir den Kindern etwas vorspielen, lernen sie, dass die Ge­ fühle nicht gelebt und gezeigt werden dürfen. Es kommen auch Einzelper­ sonen zu mir, die Dynamiken verän­ dern und Muster aufbrechen möch­ ten.

Ich wusste, ich musste Berichte und Arbeiten schreiben. Dank der Kultur­ Häreluege braucht mega viel Mut, legi konnte ich vergünstigt den aber Wägluege kann schwerwiegen­ Deutschkurs «einfach besser» besu­ de Folgen haben und braucht viel chen. Das gab mir mega viel Sicher­ mehr Energie. Häreluege kann die heit. Dank der Stiftungen und dank Dinge einfacher machen. Übung be­ meiner Familie und meinem Willen kommen darin, die eigenen Schwä­ habe ich die Ausbildung gestemmt. chen in Stärken zu verwandeln. Sechzig Prozent in der Gastro, die Kinder, die Ausbildung und Leis­ Die letzten fünfzehn Jahre waren in­ tungssport – es war viel. Ich machte tensiv. Viel Arbeit, die Kinder, die bei Wettkämpfen mit. Kurz vor dem Ausbildung, meine Persönlichkeits­ Ausbildungsabschluss hörte ich auf entwicklung. Seit etwa zwei Jahren damit. In jenen Jahren machte ich ist Erntezeit. Im Familienleben, per­ lauter Dinge, die mich freuten. Ich sönlich und im Beruf. wollte nirgends kürzertreten. Ich wollte mich nicht durch die klassi­ Ich arbeitete auch angestellt als Fa­ sche Frauenrolle einschränken las­ milienbegleiterin. Ich ging zu den sen. Das brauchte sehr viel Disziplin Leuten nach Hause, intensive Ge­ und Zeitmanagement. Jetzt ist die fei­ schichten und Schicksale, aber sehr ne Zeit des Lebens gekommen, ich wertvolle Zusammenarbeit. Meist muss nicht mehr alles haben. Ich ma­ von der KESB aus. Auch dort ging es che noch Sport, meditiere am Mor­ darum, Muster im Familienzusam­ gen, gehe hinaus in die Natur, male menleben aufzubrechen. Die Angst, gern. Die Kinder ihnen könnten die Kinder weg­ sind nun viel äl­ «Dank der Kulturlegi ter, ich kann neu genommen wer­ entdecken, was den, schwingt bei konnte ich vergünstigt ich mit meiner Eltern mit Deutschkurs beuchen.» vielen Zeit machen will. und hemmt viele Düreschnuufe. bis heute, sich Die Tochter spielt Fussball, ich dach­ Unterstützung durch Beratung zu ho­ te, ich könne zum Frauenfussball ge­ len. Ich wünsche mir, dass das geän­ hen. Da sagte sie: «Nenei, sonst dert werden kann, zum Wohl aller. machst du wieder so viel und bist öf­ Die Besuche in meiner Praxis jetzt ters gereizt.» Es war gut, von ihr zu sind freiwillig. Wobei auch Familien­ hören, dass ich jetzt viel entspannter beratung leider kostet, Leute mit der unterwegs bin. Kulturlegi bezahlen aber weniger. Die Beratungsstellen sind alle überlastet, Ich habe mir eine Teilselbständigkeit krasse Wartelisten, die zeigen, wie nö­ als Familien-, Paar- und Einzelbera­ tig das Angebot ist. Toll fände ich eine terin aufgebaut, was mich sehr freut. Zusammenarbeit mit Stiftungen, da­ Mein Wunsch ist, dass die Leute die mit die Ratsuchenden günstiger kom­ Scham abbauen können und sich Un­ men könnten und ich trotzdem etwas terstützung holen, um etwas zu än­ verdiene. Ich bin dran.

18

Im ersten Teil des Porträts erzählte Alma Jucker von ihrer frühen Kindheit in Irland, von der Schulzeit hier in der Schweiz, von ersten Erfahrungen in der Erwerbsarbeitswelt und vom Mutterwerden und Muttersein. Der Weg führt nun weiter, die leidenschaftliche Boxerin bildet sich zur Therapeutin aus und eröffnet eine eigene Praxis.

GE

«Man kann jeden Tag neu anfangen»

QUART I

ALMA JUCKER (2. TEIL)

6

Bern, 30. September 2026

FO

«Tea time».

L

Bilder: zVg

«Irland».

Ich male so gerne. Einmal im Monat gehe ich zu einer Frau, die den glei­ chen Stil anbietet, den ich in der Schule hasste – und jetzt liebe. Ich habe viele Träume, an denen ich arbeite. Mein grösster Wunsch im Moment ist, so arbeiten zu können, wie ich es mir wünsche in meinem Berufsfeld. Und mit den Kindern zu reisen, die Welt anschauen. Malen, lesen, entdecken. Viel davon lebe ich schon. In der Natur sein. Ein Ziel war, Autofahren zu lernen. Das habe ich erreicht. Super! Weiterhin frei bestimmen zu können, das ist mein Traum, und den lebe ich. Ein kleines Häuschen wäre auch nicht schlecht. Irgendwann will ich aufs Land … moyberatungen.ch Aufgezeichnet von Katrin Bärtschi

Dies ist der 2. Teil des «QuartierChopfs» mit Alma Jucker. Der 1. Teil erschien in der Ausgabe vom 26. August 2026.


220

FOKUS SOZIOKULTUR

Bern, Bern,30. 30.September September 2026

TOJ | NEWGRAFFITI

Berlin trifft Bern Was passiert, wenn junge Menschen aus Berlin und Bern aufeinandertreffen, ihre Ideen mitbringen und gemeinsam kreativ werden? Im August 2026 war eine Gruppe junger Kulturschaffender aus Berlin zu Gast in Bern. Die Zusammenarbeit von Gangway – Strassensozialarbeit Berlin und dem Trägerverein für die offene Jugendarbeit der Stadt Bern (TOJ) verband Jugendarbeit, Kultur und internationale Begegnung – und wurde zu einer Woche voller neuer Kontakte, gemeinsamer Erlebnisse und beeindruckender Kunst. Pit Ackermann wortung. Kultur wurde so zu einem Raum für Beteiligung, Selbstwirk­ samkeit und gegenseitiges Ver­ ständnis. Bern erleben Natürlich sollte auch das gemeinsa­ me Erleben nicht zu kurz kommen. Neben den kreativen Tagen im new­ graffiti wurde Bern erkundet. Die Gruppe wanderte, verbrachte Zeit in der Natur und genoss die Aare. Gera­ de diese gemeinsamen Erlebnisse ausserhalb der künstlerischen Arbeit schufen Raum für Gespräche und Be­ gegnungen.

Junge Kulturschaffende aus Berlin.

I

m newgraffiti trafen junge Kul­ turschaffende aus Berlin auf jun­ ge Kulturschaffende aus Bern. Begegnungen, die bleiben Schnell wurde aus dem gegenseiti­ gen Kennenlernen ein gemeinsamer kreativer Prozess. Es wurde ge­ schrieben, getanzt, gefilmt, produ­ ziert und gestaltet. Dabei brachten alle ihre eigenen Erfahrungen und Fähigkeiten ein. Gerade darin lag die Stärke des ­Austauschs: Die Jugendlichen muss­ ten nicht zuerst die gleiche Sprache, Herkunft oder Lebensgeschichte ha­ ben. Gemeinsame Interessen und die Lust am kreativen Arbeiten reich­ ten aus, um miteinander in Kontakt zu kommen. Aus den Begegnungen entstanden neue Freundschaften und Verbindungen zwischen jungen Menschen aus zwei Städten. Gemeinsam kreativ In den verschiedenen Kunstdiszi­ plinen entstand während der zehn Tage eine beeindruckende Vielfalt. Es wurden Songs geschrieben und aufgenommen, Beats produziert, Tanzperformances entwickelt, Vi­ deos gedreht und Graffiti gestaltet. Berliner und Berner Kulturschaffen­ de arbeiteten dabei nicht nebenein­ ander, sondern miteinander. Die Jugendlichen konnten ihre eige­ nen Ideen einbringen und selbst ent­ scheiden, welche künstlerischen Wege sie verfolgen wollten. So wur­

Bild: Bielo Vasquez

de aus einzelnen Fähigkeiten etwas Gemeinsames. Für die offene Ju­ gendarbeit ist genau das zentral: Junge Menschen erleben, dass ihre Perspektiven zählen und dass sie selbst etwas gestalten und sichtbar machen können. Berlin und Bern Der Austausch war gleichzeitig mehr als ein Kulturprojekt. Für die sozia­ le Arbeit bietet eine internationale Begegnung die Möglichkeit, den ei­ genen Blick zu erweitern. Wie erle­ ben junge Menschen ihren Alltag in Berlin? Was beschäftigt Jugendliche in Bern? Welche Gemeinsamkeiten gibt es, und wo unterscheiden sich die beiden Städte? Gangway – Strassensozialarbeit Ber­ lin bringt langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen im öf­ fentlichen Raum und in internatio­ nalen Kulturprojekten mit. Der Trä­ gerverein für offene Jugendarbeit der Stadt Bern konnte diese Perspek­ tive mit den Erfahrungen der offe­ nen Jugendarbeit in Bern verbinden. Im gemeinsamen Arbeiten entstand dadurch auch ein fachlicher Aus­ tausch zwischen den beiden Organi­ sationen. Demokratie wurde dabei nicht nur besprochen, sondern im Projekt­ alltag gelebt. Die Jugendlichen ­gestalteten Teile des Programms mit, trafen gemeinsame Entschei­ dungen und übernahmen Verant­

Ein Teil der entstandenen Arbeiten wurde schliesslich auch öffentlich gezeigt: Die Gruppe hatte einen ge­ meinsamen Auftritt im Rahmen der Sommerbühne auf der Schützen­ matte. Viel wichtiger als dieser ein­ zelne Anlass war jedoch das, was während der gesamten Begegnung entstanden ist: ein Netzwerk junger Menschen, neue künstlerische ­Ideen und Verbindungen zwischen Berlin und Bern.

«Der Austausch war ein voller Erfolg und soll weiterbestehen.» Es geht weiter Der Austausch war ein voller Erfolg – und soll keine einmalige Begegnung bleiben. Für 2027 ist der Gegenbe­ such in Berlin geplant. Dann sollen junge Kulturschaffende aus Bern nach Berlin reisen, die neu entstan­ denen Kontakte vertiefen, gemein­ sam weiterarbeiten und die Stadt aus der Perspektive ihrer jungen Men­ schen kennenlernen. Die Zusammenarbeit von Gangway und dem Trägerverein für offene ­Jugendarbeit der Stadt Bern zeigt, was internationale Jugendarbeit und Kultur gemeinsam möglich ma­ chen können: neue Perspektiven, kreative Freiräume und Verbindun­ gen, die über Grenzen hinweg be­ stehen bleiben. Trägerverein für offene Jugendarbeit der Stadt Bern (TOJ) newgraffiti  www.toj.ch

Der DIALOG ist die offizielle Quartierkommission des Stadtteils V, Breitenrain-Lorraine. Die Kommission vertritt gegenüber dem Gemeinderat, der Verwaltung und Verantwortlichen von Grossprojekten die Anliegen der ansässigen Bevölkerung.

Allerlei Gäste In Arbeitsgruppen zu Verkehrsfragen, zur Quartierentwicklung, zu den Allmenden und zur steten Verbesserung der eigenen Kommunikation kniet sich der DIALOG in verschiedenste Themen rein und gleicht sie in den Vereinsversammlungen mit seinen Delegierten ab. Ohne Impulse von aussen sind all diese Arbeiten gar nicht möglich, sie halten den DIALOG auf Trab. Wichtig in diesem Zusammenspiel sind darum auch Gäste, die ihre Themen einbringen – seien es Leute aus der Verwaltung, die neue Projekte vorstellen, die unseren Stadtteil betreffen, oder seien es Quartierbewohner:innen, die ihre Beobachtungen einbringen, auf Missstände aufmerksam machen oder um Unterstützung bei ihren Anliegen bitten. Hie und da kommen auch Vertreter:innen privat verantworteter Grossprojekte vorbei oder laden uns zur Mitwirkung bei sich ein – wichtige Austausche, die uns alle weiterbringen sollen. In der nächsten Vereinsversammlung – am 14. Oktober um 19.45 Uhr im Quartierzentrum an der Wyleringstrasse 58 – dürfen wir Melanie Mettler, die Finanzdirektorin der Stadt Bern, die auch für das Personalwesen, die Informatik und die Immobilien der Stadt zuständig ist, bei uns begrüssen. Vielleicht eine gute Gelegenheit für Dich, bei uns vorbeizuschauen und Fragen zu stellen, sind unsere Zusammenkünfte doch öffentlich. So oder so freuen wir uns, von Dir zu hören. Deine Anliegen sind uns wichtig. Und gemeinsam erhalten wir als Stadtteil mehr Gewicht!

Kontakt : info@dialognord.ch www.dialognord.ch


21

DIES&DAS

Bern, 30. September 2026

CIRCUS MONTI

Poetischer Mix aus Theater und Akrobatik Der Circus Monti ist wieder da und lädt mit der neuen Inszenierung «Poussière d’étoiles» auf eine artistische Reise ­z wischen Gelächter, Staunen und Missverständnissen. mgt/cae

I

n seinem Zelt, umgeben von fla­ ckernden Lichtern und duften­ dem Rauch, verspricht ein schrulli­ ger Wahrsager, die Geheimnisse des Schicksals zu enthüllen. Mit seiner Kristallkugel richtet er den Blick zu den Sternen und in die Herzen der Menschen – und wagt nichts Gerin­ geres, als deren Zukunft vorherzu­ sagen. Von chaotischer Magie … Doch seine masslosen Ambitionen bringen alles aus dem Gleichge­ wicht: Akrobatische Darbietungen misslingen, artistische Choreogra­ fien zerfallen, und selbst die verblüf­ fendsten Zaubertricks gehen schief. Ungeschickt und doch voller Hinga­ be verleiht er dem Ensemble eine ganz eigene, chaotische Magie – und manövriert sich damit noch tiefer in Schwierigkeiten. Am Ende bleibt ihm nur der Weg zurück, um das Vertrauen seiner Mitmenschen zu­ rückzugewinnen. So kann er doch noch reüssieren und alle in seinen Bann ziehen.

… zur artistischen Brillianz Die neue Monti-Inszenierung «Poussière d’étoiles» entfaltet sich als artistische Reise zwischen Ge­ lächter, Staunen und Missverständ­ nissen. In Momenten wahrer Anmut wird spürbar, dass gerade im Schei­ tern eine besondere Kraft liegt: Misserfolge verwandeln sich in ­reine Circuspoesie und lassen etwas Wun­ derbares entstehen. «In Doppelrolle» Wie bei Monti üblich, begeistern die 14 Künstlerinnen und Künstler auch dieses Jahr doppelt: Einerseits in

BESUCHSGRUPPE

i­hren Spezialdisziplinen wie Jong­ lage, Roue Cyr, Kontorsion, Hand­ stand, Russischer Barren, Fangstuhl, Vertikalseil, Strapaten und Komik. Andererseits schlüpfen sie in Rollen, spielen Figuren, um gemeinsam als gesamtes, einheitliches Ensemble die einzelnen Darbietungen in Gruppennummern geschickt zu ver­ knüpfen und zu verbinden. Für Kon­ zept und Regie zeichnen die beiden kanadischen Circusschaffenden ­Itzel Viruega und Jérémie Robert verantwortlich www.circus-monti.ch

TICKETS ZU GEWINNEN Wir verlosen 3 × 2 Tickets für die CircusMonti-Vorstellung vom 14. Oktober 2026. Senden Sie eine E-Mail oder eine Karte mit dem Betreff «Monti 2026». Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Nur die Gewinner erhalten Feedback info@afdn.ch oder Anzeiger Nordquartier, Postfach, 3001 Bern.

CURLING BERN

Zeit schenken – Freude bereiten

Spiel, Spass Es sind oft die kleinen Dinge, die viel bewirken. Zum Beispiel ein persönlicher und Curling Besuch, der Abwechslung in den Alltag bringt. Was macht die Besuchsgruppe? Die Freiwilligen der Besuchsgruppe gratulieren Pfarreiangehörigen von St. Marien zu besonderen Geburtsta­ gen. Ab dem 80. Geburtstag verschi­ cken sie eine persönliche Geburts­ tagskarte. Bei älteren Jubilarinnen und Jubilaren – zum Beispiel zum 85., 90. oder 91. Geburtstag und darüber hinaus – bringen sie auf Wunsch zu­ sätzlich ein kleines Geschenk vorbei und verbinden dies mit einem Be­ such. Eine kleine Geste, die viel bewirken kann Ein persönlicher Besuch bringt Freude, Abwechslung und ein herz­ liches Gespräch in den Alltag. Gera­ de für ältere oder weniger mobile Menschen ist es schön zu spüren: Ich werde wahrgenommen, ich bin nicht vergessen und ich gehöre zur Ge­ meinschaft. Die freiwilligen Mitar­ beitenden erleben bei ihren Besu­ chen viele schöne und bereichernde Begegnungen. Es wird erzählt, ge­ lacht und manche Erinnerung ge­

Gabriela Pfau

teilt. Dabei entstehen oft wertvolle persönliche Kontakte. Die Gesprä­ che und persönlichen Informatio­ nen werden selbstverständlich ver­ traulich behandelt. Haben auch Sie Freude an Begegnungen? Wollen Sie in unserer Besuchsgrup­ pe mitmachen und älteren Men­ schen eine Freude bereiten? Wir freuen uns über Freiwillige, die zu unserer Besuchsgruppe stossen: Wenn Sie gerne mit älteren Men­ schen ins Gespräch kommen und Freude daran haben, ein wenig Zeit zu schenken, sind Sie herzlich will­ kommen. Ein kurzer Besuch, ein of­ fenes Ohr und ein herzliches Ge­ spräch – manchmal braucht es gar nicht mehr, um jemandem eine gro­ sse Freude zu bereiten. Melden Sie sich doch ganz unver­ bindlich bei mir: Gabriela Pfau, Sozialarbeiterin St. Marien gabriela.pfau@kathbern.ch 031 330 89 80

Curling Bern lädt ein, zum Family-Day. Am Samstag, 10. Oktober, ist es wieder soweit. cae Komm vorbei und verbringe ein paar tolle Stunden mit deiner Familie und Freunden. Der Family-Day von Curling Bern bietet jede Menge Spass für Gross und Klein. Ob Curling, Spiele oder le­ ckere Verpflegung – da ist für jeden und jede etwas dabei. So die kosten­ losen Curling-Lektionen für Klein und Gross, das Bogenschiessen, die Bastel- und Malecke, der BalanceParcours, das Curling-Quiz und vie­ les mehr. Auch Personen ohne Kids sind herzlich willkommen. Der Anlass in der Curlinghalle Bern (Mingerstrasse 16) dauert von 10.00 bis 17.00 Uhr und ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Mitbringen sollte man lediglich war­ me Kleidung und saubere Schuhe für die Curlinglektion. https://www.curlingbern.ch

DIE GELBE SPALTE IM da steht, was geht

Polizei 117 Feuerwehr / Ölwehr 118 Sanität 144 Dargebotene Hand 143 Pro Juventute, Telefonhilfe für Kinder und Jugendliche 147 Vergiftungsnotfälle 145 ACS/TCS Strassenhilfe 140 REGA 1414 Air Glacier 1415 aha! Allergiezentrum 031 359 90 00 Alzheimervereinigung Bern 031 312 04 10 Anonyme Alkoholiker 031 311 05 01 Apothekennotruf 0900 98 99 00 AugenCentrum Zytglogge 031 311 58 33 Berner Gesundheit, Fachstelle für Suchtprobleme 031 370 70 70 Beratungsstelle Ehe, Partnerschaft, Familie der ref. Kirchen 031 311 19 72 Betax/Tixi 031 990 30 90 Blaues Kreuz 031 311 11 56 City-Notfall 031 326 20 00 Contact Bern 031 378 22 22 Einsatzzentrale Kapo 031 634 41 11 EWB Pikettdienst 031 321 31 11 Familientreff 031 351 51 41 Frauenhaus-Bern/ AppElle 031 533 03 03 Gesundheitsdienst Stadt Bern 031 321 68 27 Home Instead Seniorendienst 031 370 80 70 Hirslanden Salem-Spital 031 337 60 00 – 24h-Notfallzentrum 031 335 35 35 – Psychiatrischer Dienst 031 337 80 60 Inselspital 031 632 21 11 – Notfallzentrum Erwachsene 031 632 24 02 – Notfallzentrum Kinderkliniken 031 632 92 77 INFRA 031 311 17 95 Kindernotaufnahme KINOSCH 031 381 77 81 Klinik Beau-Site 031 335 33 33 – 24h-Notfallzentrum 031 335 30 30 Medbase Bern Bahnhof 031 335 50 00 MedPhone/Notfallarzt 0900 57 67 47 Mieter/-innenverband Bern 0848 844 844 Pro Senectute 031 359 03 03 RailService SBB 0900 300 300 Schulmedizinischer Dienst 031 321 59 59 Selbsthilfe BE 0848 33 99 00 Spitex 031 388 50 50 Spitex Region Bern Nord 031 300 31 00 Tierarzt Notfall Stadt Bern 0900 00 25 25 Tierklinik Bern 031 684 23 15 – Nacht, Sonn- und Feiertage 0900 900 960 VCS Pannenhilfe 0800 845 945


22 Sudoku leicht

RÄTSEL-SPASS Sudoku mittel

Bern, 30. September 2026

Sudoku schwer

Auflösungen der letzten Ausgabe Sudoku

leicht

mittel

So lösen Sie Sudoku: Füllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen von 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3 x 3-Blöcke nur ein Mal vorkommen. GEWINNEN SIE Senden Sie das Lösungswort an wettbewerb@afdn.ch oder per Postkarte an Anzeiger Nordquartier, Postfach, 3001 Bern. Die Gewinner:innen eines der 5 Einkaufsgutscheide à 20 Franken vom Wankdorf Center werden persönlich benachrichtigt. Es wird keine Korrespondenz geführt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Schwedenrätsel

schwer

Schwedenrätsel: Festzelt


QUARTIER-MAGAZIN

Bern, 30. September 2026

23

THEMENWOCHE ALLERHEILIGEN

Grusel, Musik und Begegnungen Eine Geisterbahn im Kirchgemeindehaus, tanzende biblische Figuren in der Kirche und eine Ausstellung über Menschen in prekären Arbeitswelten: Mit der Themenwoche «Von Heiligen und Geistern» nähern sich die Kirchgemeinde Bern-Nord und die Pfarrei St. Marien der dunklen Jahreszeit aus unterschiedlichen Perspektiven. Karin Meier

I

m Kirchgemeindehaus Johannes stapeln sich Kürbisse, Spinnwe­ ben und alte Bettlaken. Ein Licht­ techniker testet den Nebel, irgend­ wo klappt ein Sargdeckel zu: Es ist wieder Zeit für die Quartiergeister­ bahn. Sie findet bereits zum dritten Mal statt. Für die jüngeren Kinder beginnt sie am Nachmittag mit ei­ ner entschärften Version, später am Abend wird es intensiver. Wem es zu viel wird, kann sich hinausbeglei­ ten lassen. Kaum irgendwo zeigt sich die Quar­ tierarbeit der Kirchgemeinde so un­ mittelbar wie hier. Rund 15 Freiwil­ lige helfen bei den Vorbereitungen und während des Anlasses mit. Sie bauen die Kulissen auf, bedienen die Kasse und kümmern sich um Verpflegung. Einige bringen Mate­ rial von zu Hause mit, andere ver­ kleiden sich als Hexe oder Monster und tauchen unvermittelt zwischen den Gängen auf. Zum Team gehört überdies ein professioneller Licht­ techniker. «Vor allem das gemein­ same Vorbereiten verbindet», sagt Pfarrerin Sonja Gerber. «Mitarbei­ tende und Freiwillige werden zu ei­ nem Team.» Wo das Quartier zusammenkommt Die grosse Nachfrage hat dazu ge­ führt, dass die Geisterbahn länger geöffnet bleibt als früher. Schlange­ stehen dürfte aber weiterhin Teil des Erlebnisses bleiben. Das ist auch ge­ wollt: Schon beim Anstehen kommt man miteinander ins Gespräch, lan­ ge bevor drinnen der erste Geist wartet. So wird das Warten zum Teil des Quartiertreffs. So selbstverständlich die Geister­ bahn inzwischen zum Quartier ge­ hört, so ungewöhnlich ist ihre Ver­ bindung mit der Kirche. Eine Geisterbahn, organisiert von einer

Allerheiligen neu entdeckt Wer heute an «Heilige» denkt, hat meist Figuren aus der Kirchenge­ schichte vor Augen. Die Ausstellung «Alltagsheilige. Wer in diesem Land die Arbeit macht» des Künstlers Da­ niel Lienhard dreht diese Vorstel­ lung um. Sie zeigt Statuen von Hei­ ligen, die als Menschen aus prekären Arbeitswelten inszeniert werden – etwa als Fernfahrer, Kassiererin oder Verpackerin. «Die Bilder stel­ len die Frage, wer in unserer Gesell­ schaft gesehen wird und wer nicht», sagt Pfarrerin Mirjam Wey. Sie hat­ te die Wanderausstellung entdeckt und war so begeistert, dass sie sie ins Nordquartier holte. Zur Vernissage spricht der Sozialwissenschaftler Carlo Knöpfel. Beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst zu Allerhei­ ligen wird die Frage weiter disku­ tiert: Was ist uns eigentlich heilig?

VOM FILMABEND BIS ZUM KONZERT

Für die Gruseleffekte sorgen – mit viel Herzblut – ein Team von Freiwilligen und ein Lichttechniker.

Kirche? Für die Verantwortlichen war diese Irritation Anlass, genauer hinzuschauen. Was verbindet den populären Brauch mit den christli­ chen Traditionen rund um Allerhei­ ligen und Allerseelen? Und wie lässt sich in einer Kirche über Tod, End­ lichkeit und das Unheimliche spre­ chen, ohne dass es gleich ernst und belehrend wird? Aus diesen Fragen entstand die The­ menwoche «Von Heiligen und Geis­

Teil des Erlebnisses: Wer auf die Geisterbahn will, muss anstehen.

Bilder: Herbert Knecht

tern», mit der die Kirchgemeinde Bern-Nord und die Pfarrei St. Mari­ en vom 23. Oktober bis 1. November ins Quartier einladen. «Sie will kei­ ne fertigen Antworten liefern, son­ dern sich dem Dunklen spielerisch, musikalisch, sinnlich und lustvoll nähern», sagt Sozialarbeiterin Mo­ nika Clemann. Eine biblische Geschichte in Bewegung Wie das aussehen kann, zeigt der Gottesdienst «Unheimliches in En Dor». Im Mittelpunkt steht die bib­ lische Geschichte von König Saul, der eine Totenbeschwörerin auf­ sucht, um den Geist des verstorbe­ nen Propheten Samuel aufzurufen. Vier Tänzerinnen der Gruppe «Tanz­ garten» übernehmen einen Teil der Erzählung und nutzen dafür den ganzen Kirchenraum als Bühne. Die Musik reicht vom «Danse macabre» bis zum Soundtrack von «Ghostbus­ ters». «Damit entsteht eine Ge­ schichte, die man nicht nur hört, sondern sinnlich miterlebt», sagt Sonja Gerber.

Die Themenwoche der Kirchgemeinde Bern-Nord und der Pfarrei St. Marien verbindet Grusel, Musik und Begegnung und richtet sich an Menschen jeden Alters. Den Auftakt der Themenwoche macht am Freitag, 23. Oktober, Tim Burtons «The Nightmare Before Christmas». Tags darauf verwandelt sich das Kirchgemeindehaus in die Quartiergeisterbahn. Der Sonntag beginnt mit dem szenischen Gottesdienst «Unheimliches in En Dor» mit der Tanzgruppe «Tanzgarten», am Abend folgt das Konzert «Geistertanz und Götterruf» mit Sopran, Trompete und Orgel. Weiter geht es am 30. Oktober in der Pfarrei St. Marien mit dem Sofagespräch «Halloween, zwischen Kultur und Kommerz». Das Gruselfest soll dabei historisch und kulturell beleuchtet werden, auch kontroverse Stimmen sind vorgesehen. Am Tag darauf wird im Kirchgemeindehaus mit der Vernissage die Ausstellung «Alltagsheilige» eröffnet. Den Abschluss der Themenwoche bilden am 1. November der ökumenische Gottesdienst zu Allerheiligen in der Johanneskirche und die Gedenkfeier für Verstorbene in der Marienkirche. Die Ausstellung kann hingegen noch bis Ende Monat besucht werden. Die Anlässe sind kostenlos und ohne Anmeldung zugänglich. Für die Geisterbahn wird ein kleiner Unkostenbeitrag erhoben.


24

KIRCHLICHE AGENDA

Bern, 30. September 2026

kirchen bern nord

GESCHENK

IDEE

mitten im Leben

Gottesdienste feiern

Eine Karte, die begeistert:

Die Wankdorf CenterGeschenkkarte

Oktober Sonntag, 4. Oktober Marienkirche Ökumenischer Gottesdienst mit Kommunion. Andreas 9.30 Uhr Abebe, André Flury, François Comment (Orgel) Sonntag, 11. Oktober Johanneskirche Martin Ferrazzini, Vera Friedli (Orgel). Kirchenkaffee 9.30 Uhr Marienkirche 9.30 Uhr

Pater Anderson, Michal Kromer, François Comment (Orgel)

Sonntag, 18. Oktober Johanneskirche Andreas Abebe, Jürg Bernet (Musik). Kirchenkaffee 9.30 Uhr Marienkirche 9.30 Uhr

Josef Willa, Vera Friedli (Orgel). Pfarreicafé

Sonntag, 25. Oktober Johanneskirche Szenischer Gottesdienst mit Tanz, Musik und Begeg9.30 Uhr nung. Sonja Gerber, Tanzgruppe «Tanzgarten», Vera Friedli (Orgel). Kirchenkaffee Marienkirche 9.30 Uhr

Mit Chinderchile. André Flury, Chinderchileteam, Hyunjoo Kim (Orgel). Anschliessend Kirchgemeindeversammlung

Reformierte Kirchgemeinde Bern-Nord Wylerstrasse 5, 3014 Bern, 031 331 40 37, bern-nord.refbern.ch Katholische Pfarrei St. Marien Wylerstrasse 24, 3014 Bern, 031 330 89 89, marienbern.ch

Die Karte kann mit einem eigenen Bild persönlich gestaltet werden und ist in allen Geschäften einlösbar.


Bern, 30. September 2026

OKTOBER Freitag, 2., 20 Uhr «Almas Lied – Fantasia Op. 9» Erzähltheater mit Danièle Klapproth Muazzin und Regula Brunner, Kollekte Samstag, 3., 10–12 Uhr Märitkafi, Kaffee, Gipfeli, Begegnung Samstag, 3., 9–13 Uhr Libera Terra Markt, Bioprodukte aus mafia-freier Landwirtschaft Samstag, 3., ab 10.30 Uhr Musikmatinée: Raquel Bernal, Gitarre und Gesang Samstag, 3., 20 Uhr «Almas Lied – Fantasia Op. 9» Erzähltheater mit Danièle Klapproth Muazzin und Regula Brunner, Kollekte Sonntag, 4., ab 12.30 Uhr Kutüsch (Kurdisch Türkisch Schweizerischer Kulturverein) Montag, 5., ab 18.30 Uhr Frauenbeiz, Anmeldung info@frauenbeiz.ch Mittwoch, 7., 19 Uhr Veganes Mittwuch-Znacht, Anmeldung: 076 477 10 29 Donnerstag, 8., 20 Uhr Jazz im Breitsch: «Racine, Spoerri, Solimine – Favourite Songs» Freitag, 9., ab 19 Uhr Äthiopisches Essen, Anmeldungen: 076 457 72 43 Samstag, 10., 10–12 Uhr Märitkafi, Kaffee, Gipfeli, Begegnung Sonntag, 11., ab 12.30 Uhr Kutüsch Montag, 12., 19–21 Uhr Stricken für alle Mittwoch, 14., ab 19 Uhr Mittwuch-Znacht Donnerstag, 15., ab 19 Uhr «Farid – Zürich oder irgendwo», Filmabend mit Regisseur Pino Esposito über den Schriftsteller Farid Dhamrah, anschl. 20.30 Uhr Benefiz-Pastaessen Samstag, 17., 10–12 Uhr Märitkafi, Kaffee, Gipfeli, Begegnung Sonntag, 18., ab 12.30 Uhr Kutüsch Dienstag, 20., 17–19 Uhr Büchertausch, Bücher bringen, tauschen, schmöckern, kaufen, Kollekte Mittwoch, 21., ab 19 Uhr Mittwuch-Znacht Freitag, 23., ab 19 Uhr Äthiopisches Essen, Anmeldungen: 076 457 72 43 Samstag, 24., 10–12 Uhr Märitkafi, Kaffee, Gipfeli, Begegnung Samstag, 24., 17–22 Uhr Fineboy Fest represents: Afro Buffet Party, siehe Flyer Sonntag, 25., ab 12.30 Uhr Kutüsch Montag, 26., 19–21 Uhr Stricken für alle Mittwoch, 28., ab 19 Uhr Indisches Mittwuch-Znacht mit Singh Pal Donnerstag, 29., bis Samstag, 31.10. BREITSCH-FILMTAGE: Friede, Freude, ­Cinéma, Bar ab 18.30 Uhr Donnerstag, 29., 19.15 Uhr «El Presidente», von Heidi Speconga 2015, mit René Lechleiter Freitag, 30., 19.15 Uhr «Tausend-Schönchen» von Vera Chytilova 1966, mit Marie Caffari Samstag, 31., 19.15 Uhr «DJ Ahmet» von Georgi M. Unkovski 2025, mit Alexander Hunziker Deine Anmeldung fürs Essen erleichtert unsere Planung. Infos: www.breitsch-traeff.ch

25

VERANSTALTUNGEN

Ausstellung Quartierzentrum Bern Nord, getragen vom Verein Wylerhuus Wylerringstrasse 58, 3014 Bern www.qznord.ch | info@qznord.ch Liebe Besucher:innen Am Standort Wylerringstrasse 58 betreibt der Verein Wylerhuus das Quartierzentrum Bern Nord. Raumvermietungen, Verkauf ­Tageskarten, Nähatelier sowie Information und Beratung gehören zu unseren Dienstleistungen fürs Quartier. Wir freuen uns auf euren Besuch.

Sekretariat | 031 331 59 55 P. Meinen| Hausverwaltung/Raumvermietung Öffnungszeiten Sekretariat und Information Montag und Freitag: 13–17 Uhr

SBB-Tageskarten | 031 331 59 55 Verkauf direkt vor Ort und Bezahlung in bar, mit TWINT oder Karte. Aufgrund des ­administrativen Aufwands wird eine Servicegebühr von Fr. 2.– pro Tageskarte erhoben. Montag und Freitag: 13–17 Uhr

21. Oktober bis 11. Dezember 2026

Öffnungszeiten Bernapark Museum, MI – SO, 14.00 –17.00 Uhr

Gruppenausstellung Fotografie und Skulptur im Dialog Gabriela Feldmann, Brigitte Hunziker, Eugen Perez

Die Pflanzen- und Blumenportraits von Gabriela Feldmann haben einen ganz persönlichen Charakter. Die gesammelten Holzstücke von Brigitte Hunziker verwandeln sich in Holzwesen, ohne ihren Charakter zu verlieren. Eugen Perrez Fotografien fangen den Moment ein, wohlwissend, dass er nie wieder derselbe sein wird. Die Fotografin Gabriela Feldmann, die Holzsammlerin Brigitte Hunziker und der Fotograf Eugen Perez haben etwas gemeinsam, die Liebe zur Natur.

Wir laden Sie herzlich zur öffentlichen Vernissage der Künstler:innen ein: Dienstag, 27. Oktober 2026, von 17.30/18.00 bis 20.00 Uhr. Kommen Sie vorbei und entdecken Sie die faszinierenden Werke dieser talentierten Künstler:innen! Bernapark Museum - Kunstraum Thomas Demarmels Bernapark 23, 3066 Stettlen

Nähatelier | 076 367 77 61 S. Salvati | Leitung Freitag: 9–12 und 14–17 Uhr

Quartierarbeit | 078 208 92 59 N. Müller | Leitung Quartierzentrum und Quartierarbeiterin nina.mueller@vbgbern.ch

Hotel Jardin, Bern Militärstrasse 38, 3014 Bern Telefon 031 333 01 17, www.hotel-jardin.ch

BoGa Botanischer Garten Bern, Altenbergrain 21, 3013 Bern, Telefon 031 684 49 45, www.boga.unibe.ch

Hirslanden Bern Hirslanden Bern AG, Salem-Spital Schänzlistrasse 39, 3013 Bern Telefon 031 337 60 00, salem-spital@hirslanden.ch

La Cappella Allmendstrasse 24, 3014 Bern Telefon 031 332 80 22, www.la-cappella.ch

cinedolcevita Seniorenkino Bern, CINEABC, Moserstrasse 24, Tram 9, Haltestelle Breitenrain- oder Viktoriaplatz, Eintritt Fr. 13.–. BEKB|BCBE-Kunden erhalten eine Vergünstigung von Fr. 5.– gegen Vorweisung des Kinogutscheines. Gutscheine erhältlich bei den BEKB|BCBE-Nieder­ lassungen Bundesplatz und Breitenrain

Kulturmuseum Bern Schützenweg 22, 3014 Bern Telefon 079 357 95 08, www.kulturmuseum.ch

Kirchenkino im Nordquartier Markuskirche, Tellstrasse 33, 3014 Bern www.refbern.ch

BERN

ALLMEND

BIS 18. OKTOBER

CIRCUS-MONTI.CH

CIRCUSRESTAURANT JEWEILS VOR DER ABENDVORSTELLUNG AB 18:00 UHR


26

da steht, was geht

… UND AUSSERDEM

nzeiger FÜR DAS NORDQUARTIER

Quartierzeitung für Altenberg, Beundenfeld, Breitenrain, Löchligut, Lorraine, Spitalacker, Wankdorf, Wyler und Wylergut | 98. Jahrgang, 16 600 Exemplare

Web: www.afdn.ch Mail: info@afdn.ch Phone: 031 351 35 13

IMPRESSUM

16 600 Ex., WEMF beglaubigt

Kontaktkoordinaten:

Anzeiger für das Nordquartier, Postfach, 3001 Bern Telefon 031 351 35 13, www.afdn.ch, info@afdn.ch

TEXT

Claudio A. Engeloch

Verlagsleitung:

1

Redaktion:

Claudio A. Engeloch (engeloch@a-fdn.ch)

Freelance-Mitarbeit: Bianka Balmer (bianka.balmer@gmx.ch) Bildlegende TEXT 1 Katrin Bärtschi (katrin.baertschi@bluewin.ch) Vortitel T Jean-Claude Galli i (jean-claude.galli@fluestertuete.ch) t e LeadMartin Jost (martin_jost6@bluewin.ch) TEXT 1 TextClaudia Langenegger SEITE XX (info@reporterin.ch) Die nächste AfdNCorinna Elena Marti (cem1@bluewin.ch) Ausgabe erscheint am 27. März 2024 Redaktionsschluss: R-PORTAL DAS QUARTIE

anzeigen@afdn.ch

Anzeigeschluss:

Montag, 12.00 Uhr

Druck:

Bild: ???

l

Montag, 12.00 Uhr

www.afdn.ch Anzeigen:

Layout, Produktion:

Für Senioren, merkur medien ag, 4900 Langenthal die Unterstützung Medien- und Printunternehmen

seit 1908 im Nordquartier

brauchen. Zeitungspapier wird umweltDZB, Druckzentrum Bern AG, Unser schonend hergestellt und enthält Wir sind von wenigen bis 24 Stunden für Sie Telefon 031 349 49 49 einen hohen Altpapieranteil.

Druckerei Läderach AG Beundenfeldstrasse 17 3013 Bern Telefon 031 331 61 26 www.laedera.ch

Die Online-Zeitung Vertrieb: Post CH Netz AG Journal B sagt,

da. Von Krankenkassen anerkannt. Kostenlose Beratung.

was Bern bewegt! Kontaktstelle Anlaufstelle Quartier: Ihre Druckerei Läderach AG, BeundenfeldTel 031 370 80 70 für Kleininserate www.homeinstead.ch im Anzeiger 17, 3013 Bern, strasse Tel. 031 331 61 26, www.journal-b.ch für das Nordquartier druckerei@laedera.ch

Copyright:

geb. Dagmar Jiřina Kleinová 12.4.1948 Praha – 21.9.2026 Bern

Daniel, Manuela, Livio & Nicola Stolina Lukáš & Rita Machata Patrick Kwasi & Sowah Neequaye Ivana Crockett & Familie

Herausgeber: blickpunktNord GmbH Postfach 9314, 3001 Bern 1

Dascha Silfverberg Unerwartet ist unsere Mutter, Grossmutter, Schwiegermutter, Pflegemutter, Ehefrau und Schwester von uns gegangen.

Kontakt:

TEXT Auflage:

Bern, 30. September 2026

Die Abdankung findet am Sonntag 18.10.2026 um 14 Uhr im Berner Lorrainequartier statt. Wir bitten um Anmeldung bis 10.10.2026 an dascha1810@machata.ch oder via www.contact.machata.ch oder an Daschas bisherige E-Mail-Adresse. Weitere Details folgen.

© für alle Inhalte: Verlag blickpunktNord GmbH

Wir stehen Ihnen bei

Bern und Region

031 333 88 00 egli-ag.ch Breitenrainplatz 42, 3014 Bern

Reto Zumstein Geschäftsleiter Bestatter mit eidg. FA

Beat Burkhard Bestatter mit eidg. FA Thanatopraxie

Die eigene Bestattung planen … ein bisschen Mut braucht das schon. Ist aber entlastend für Ihre Familie! das andere Bestattungsunternehmen

Nick Wülfert | Sacha Hänni | Alessandro Ardu

031 332 44 44 Bern-Mittelland 032 325 44 44 Biel-Seeland 033 223 44 44 Thun-Oberland www.aurora-bestattungen.ch


9.10. & 10.10.2026

WANKDORF MÄRIT Mach mit beim Märit-Lotto & -Wettbewerb Infos zum Märit:

Mit über 45 Marktständen


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Anzeiger für das Nordquartier 2026/09 by ADi AG Agentur für Digitales - Issuu