ÖSTE KULT ISBN 978-961-237-971-1
Das Lehrbuch macht Studierende anhand exemplarischer Stationen mit der historischen Entwicklung sowie den sozialen und kulturellen Strukturen Österreichs bekannt. Ein differenziertes Bild des Landes soll dabei vermittelt werden, wobei Bilder und literarische Texte als Ausgangspunkte der jeweiligen Kapitel helfen. Das angebotene grundlegende und vernetzte Fakten- und Kontextwissen fördert nicht nur das Verständnis der Republik Österreich und seiner Gesellschaft, sondern auch ein allgemeines kulturelles Bewusstsein.
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JOHANN GEORG LUGHOFER, Studi-
um der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaften und Philosophie in Wien, Granada, Nizza und Exeter; 2004 Promotion über den Einfluss und das literarische Schaffen des österreichischen Exils in Mexiko. Lehrtätigkeiten 1999 an der Peking-Universität, 2002-2005 Universität Exeter, seit 2005 an
der Universität Ljubljana – dort 2009 Habilitation zum Assist. Prof. – nebenbei Lehraufträge bzw. Gastprofessuren an den Universitäten Maribor, Stellenbosch, Wien und Innsbruck. Forschungsinteresse: Exilliteratur, österreichische Literatur und Kultur, interkulturelle Literaturwissenschaft, Literatur im DaFUnterricht.
JOHANN GEORG LUGHOFER: ÖSTERREICH. GESCHICHTE, KULTUR UND GESELLSCHAFT IM SPIEGEL DER LITERATUR
9 789612 379711
JOHANN GEORG LUGHOFER
ÖSTERREICH. GESCHICHTE, KULTUR UND GESELLSCHAFT IM SPIEGEL DER LITERATUR LANDESKUNDE FÜR GERMANISTIKSTUDIERENDE
Oddelek za germanistiko z nederlandistiko in skandinavistiko Ljubljana 2017
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Johann Georg Lughofer
ÖSTERREICH. GESCHICHTE, KULTUR UND GESELLSCHAFT IM SPIEGEL DER LITERATUR Landeskunde für Germanistikstudierende
Ljubljana 2017
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ÖSTERREICH. GESCHICHTE, KULTUR UND GESELLSCHAFT IM SPIEGEL DER LITERATUR Landeskunde für Germanistikstudierende Avtor: Johann Georg Lughofer Recenzenta: Mira Miladinović Zalaznik, Irena Samide Lektor: Daniela Kirschstein Tehnično urejanje in prelom: Žiga Valetič Slike: Johann Georg Lughofer Slika na naslovnici: Stock photo © BrendanHunter © Univerza v Ljubljani, Filozofska fakulteta, 2017. Vse pravice pridržane. Založila: Znanstvena založba Filozofske fakultete Univerze v Ljubljani Izdal: Oddelek za germanistiko z nederlandistiko in skandinavistiko Za založbo: Roman Kuhar, dekan Filozofske fakultete Vodja Uredništva visokošolskih in drugih učbenikov: Janica Kalin Oblikovna zasnova: Jana Kuhar Naslovnica: VBG d. o. o. Tisk: Birografika Bori, d. o. o. Ljubljana, 2017 Prva izdaja Naklada: 250 izvodov Cena: 24,90 EUR
CIP - Kataložni zapis o publikaciji Narodna in univerzitetna knjižnica, Ljubljana 821.112.2(436).09(075.8) 930.85(436)(075.8) LUGHOFER, Johann Georg Österreich : Geschichte, Kultur und Gesellschaft im Spiegel der Literatur : Landeskunde für Germanistikstudierende / [besedilo, slike] Johann Georg Lughofer. - 1. izd. - Ljubljana : Znanstvena založba Filozofske fakultete, 2017 ISBN 978-961-237-971-1 292700928
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Inhalt
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Inhalt
Vorwort.............................................................................................................................................................. 7 1 Nationbuilding à la Habsburg......................................................................................................13 1.1 Zum Bild: Das Denkmal des Nationaldichters.................................................................13 1.2 Text: Franz Grillparzer: König Ottokars Glück und Ende (1825)...................................15 1.3 Kontext des Inhalts: Die langsame Herausbildung eines Territorialstaates �������23 1.4 Kontext der Produktion und Rezeption: Zensur trotz habsburgischen Mythos ��������28
2 Mars und Venus. Krieg und Frieden auf dem Weg zur »Großmacht« �������������39 2.1 Zum Bild: Eine österreichische Ikone..................................................................................39 2.2 Text: Bertha von Suttner: Die Waffen nieder! (1889).......................................................40 2.3 Kontext des Inhalts: Der – gar nicht so unmilitärische – Aufstieg des Habsburger Reiches zur Großmacht...................................................................................53 2.4 Kontext der Produktion und Rezeption: Eine intellektuelle Pionierin des 19. Jahrhunderts................................................................................................................66
3 Revolution und Völkerfrühling – das Jahr 1848................................................................71 3.1 Zum Bild: Der Rebell in Marmor...........................................................................................71 3.2 Text: Anastasius Grün: Spaziergänge eines Wiener Poeten (1831) – Auswahl aus der Gedichtsammlung...................................................................................72 3.3 Kontext des Inhalts: Biedermeier und 1848 ....................................................................87 3.4 Kontext der Produktion und Rezeption: Anton Alexander Graf von Auersperg alias Anastasius Grün, Geburtsort Ljubljana..............................................93
4 Der Untergang Kakaniens...............................................................................................................99 4.1 Zum Bild: Radetzky am Ring .................................................................................................99 4.2 Text: Joseph Roth: Radetzkymarsch (1932)....................................................................101 4.3 Kontext des Inhalts: Das Ende der Monarchie als kultureller Höhenflug �����������114 4.4 Kontext der Produktion und Rezeption: Joseph Roths Nostalgie nach dem Habsburgerreich im Kontext.....................................................................................123
5 Zwischenkriegszeit und Antisemitismus.............................................................................127 5.1 Zum Bild: Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer des Shoah am Judenplatz..........................................................................................................................127 5.2 Text: Franz Werfel: Eine blassblaue Frauenschrift (1941)...........................................128 5.3 Kontext des Inhalts: Österreich in der Zwischenkriegszeit.................................................137 5.4 Kontext der Produktion und Rezeption: Exil und Fragen der Schuld...................143
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Österreich. Geschichte, Kultur und Gesellschaft im Spiegel der Literatur
6 Exil, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg............................................................149 6.1 .Zum Bild: Alfred Hrdlickas Mahnmal gegen Krieg und Faschismus......................149 6.2.Text: Stefan Zweig: Die Schachnovelle (1942).................................................................151 6.3.Kontext des Inhalts: Nationalsozialismus in Österreich.............................................165 6.4.Kontext der Produktion und Rezeption: Das schwere Los des Exils......................169
7 1945 und danach................................................................................................................................175 7.1 Zum Bild: Der Wiener Heldenplatz....................................................................................175 7.2 Text: Thomas Bernhard: Heldenplatz (1988)..................................................................178 7.3 Kontext des Inhalts: Nach dem Zweiten Weltkrieg.....................................................187 7.4 Kontext der Produktion und Rezeption: Bernhards Aufarbeitung der Nazivergangenheit.................................................................................................................193
8 Kärntner SlowenInnen.....................................................................................................................201 8.1 Zum Bild: Denkmal am Peršman-Hof...............................................................................201 8.2 Text: Maja Haderlap: Engel des Vergessens (2011) .....................................................202 8.3 Kontext des Inhalts: Kärntner SlowenInnen .................................................................212 8.4 Kontext der Produktion und Rezeption: Maja Haderlaps Bestseller und das heutige Kärnten......................................................................................................219
9 Das gemeinsame Europa, ein Einwanderungskontinent..........................................221 9.1 Zum Bild: Kebab.......................................................................................................................221 9.2 Text: Vladimir Vertlib: Zwischenstationen (1999).........................................................222 9.3 Kontext des Inhalts: Einwanderungskontinent Europäische Union.....................231 9.4 Kontext der Produktion und Rezeption: Autor mit bewegter Kindheit...............235
10 Deutsch in Österreich....................................................................................................................239 10.1 Zum Bild: Dialekt im Internet............................................................................................239 10.2 Text: Austropop-Lieder in Auswahl.................................................................................240 10.3 Kontext des Inhalts: Österreichisches Deutsch..........................................................253 10.4 Kontext der Produktion und Rezeption: Dialekt als intimer Faktor der Populärkultur ...................................................................................................260
11 Die Alpen als Identitätsstifter..................................................................................... 263 11.1 Zum Bild: Die Kugy-Statue bei Trenta............................................................................263 11.2 Text: Julius Kugy: Aus dem Leben eines Bergsteigers (1925) ...............................264 11.3 Kontext des Inhalts: Alpen und Nationalverständnis. ............................................275 11.4 Kontext der Produktion und Rezeption: Der Erschließer der Julischen Alpen ������280
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Inhalt
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12 Das Wiener Kaffeehaus.................................................................................................................283 12.1 Zum Bild: Ein Denkmal fĂźr den Schnorrer im feinen Palais...................................283 12.2 Texte: Kaffeehausliteratur von Karl Kraus, Alfred Polgar, Peter Altenberg und Ernst Jandl.................................................................................................284 12.3 Kontext des Inhalts: Das Wiener Kaffeehaus...............................................................295 12.4 Kontext der Produktion und Rezeption:.......................................................................299
Literatur zur Vertiefung.......................................................................................................................303
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Vorwort
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Vorwort
Dieses Buch ist als kursbegleitendes, womöglich kurstragendes Lehrwerk für die universitäre Germanistik konzipiert. Dabei ist es für Institute mit hohem Sprachniveau der Studierenden wie beispielsweise in Slowenien gedacht. Das Lehr- und Lesebuch beruht auf einer Mischung verschiedener didaktischer Landeskundekonzepte. So bekennt es sich einerseits zur traditionellen Vermittlung der faktischen oder kognitiven Landeskunde, die insbesondere den Fokus auf die Geschichte, Literatur, Sprache, Gesellschaft und Kultur richtet, was sich als wichtige Grundlage für ein Germanistikstudium außerhalb der deutschsprachigen Länder erwiesen hat. Nebenbei fanden auch jüngere Ansätze der interkulturellen, der kommunikativen, der kulturwissenschaftlichen oder der diskursiven Landeskunde Eingang, insbesondere in den Anregungen und Fragestellungen am Ende jedes Kapitels, die in den Stunden diskutiert werden oder z. B. für ein Portfolio in schriftliche Stellungsnahmen münden können. Die Koppelung der unterschiedlichen didaktischen Konzepte ist sinnvoll, weil auch für das angestrebte übergeordnete Ziel einer Diskursfähigkeit im Sinne des Leipziger Landeskundetheoretikers Claus Altmayer – also der aktiven und mündigen »Teilhabe an den in der betreffenden Sprache geführten Diskurse« – minimales Wissen über manche historische Fakten und Hintergründe sowie interkulturelle Kompetenz gebraucht wird. Ausgangspunkt für jedes Kapitel ist dabei die Zusammenfassung eines zumeist kanonisierten literarischen Werks, mitunter mehrerer kürzerer Gedichte oder Lieder in originaler Länge, die je nach Vorstellung der Studierenden bzw. Lehrenden unterschiedlich genau gelesen werden können und Binnendifferenzierungen erlauben. Bei den Zusammenfassungen der Erzählungen und Romane wird Wert darauf gelegt, dass längere Zitate den Lesenden die Originaltexte näher bringen, auch wenn diese für eine kurze Übersicht zum Werk nicht notwendig sind. Wenn der Autor auch die Hoffnung nicht verbergen will, dass sich bei manchen Studierenden die Neugier regt und manche Bücher zur Gänze gelesen werden, wäre es doch illusorisch anzunehmen, dass in einem Universitätssemester all die besprochenen Werke durchstudiert werden können. Die gebotenen Zusammenfassungen, die möglichst wenig kommentierende und interpretierende Stellen beinhalten, sollen so einen Überblick, die ausführlichen Zitate einen tieferen Einblick in die Werke erlauben. Aus sprachdidaktischen Gründen wurde dabei auch bei älteren Texten die neue Rechtschreibung verwendet – und damit die
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Österreich. Geschichte, Kultur und Gesellschaft im Spiegel der Literatur
Originalversion angepasst. Zugunsten der Lesbarkeit des Lehrbuches sind in Fußnoten manche Worterklärungen und Kontexterläuterungen für Studierende zu finden. Die Verwendung geschlechtsneutraler Bezeichnungen wurde dem jeweiligen historischen und sozialen Kontext angepasst. Wenn es sich auch zumeist um kanonisierte und in ihrer Bedeutung wenig umstrittene literarische Werke handelt, ist jede Auswahl auch subjektiv und punktuell. Doch in diesem Fall sollte sie genauso exemplarisch und übergreifend sein. Ein leitender Gedanke bei der Selektion war das zu erwartende Interesse der Studierenden und ein gewisser Lokalbezug in Slowenien. Dabei muss betont werden, dass die Literatur nicht als Geschichtsschreibung begriffen werden darf, die außerliterarische Realitäten konkret und explizit nachzeichnet. Sogar das im Titel aufscheinende Bild des Spiegels muss problematisiert werden, Literatur bildet nicht Realität in einem anderen Medium ab. Literarische Texte sind nicht bloß Dokumentationen des Vergangenen. Literatur ist eine Ästhetisierung von Impressionen, Beobachtungen und Fragestellungen, die mehrdeutig ist und in einer eigenen sich selbst reflektierenden und bedeutungstragenden Sprache operiert. Trotz allem sind gerade literarische Texte oftmals wertvolle Zugänge zum Verständnis anderer Zeiten und Kulturen. Manche dieser Texte gewannen sogar selbst zentrale Bedeutung für das kollektive Gedächtnis und formen die Sicht auf die Vergangenheit mit, wie beispielsweise die Arbeiten von Franz Grillparzer, Joseph Roth oder Maja Haderlap. Dieses Lehrbuch soll – insbesondere für Germanistikstudierende – zum sinnvoll vernetzten Fakten- und Kontextwissen führen, das eine Teilnahme an einem allgemeinen sowie akademischen Diskurs ermöglicht und ein kulturelles Bewusstsein stärkt. So versucht es neben historischem Grundwissen auch mehr Wissen zu einzelnen, für die Germanistik wichtigen AutorInnen, Werken und Epochen aufzubauen. Dabei werden zentrale LiteratInnen und Intellektuelle erwähnt, wenn auch nicht immer näher auf sie eingegangen wird. Doch mit bereits vorhandenem germanistischen Wissen kann hier angeknüpft werden bzw. können sich die Studierenden später im Studium an Namen erinnern, wenn diese erneut auftauchen. Bei den Personen werden zumindest bei der ersten Nennung Geburts- und Sterbedaten angegeben, die nur zur laufenden zeitlichen Orientierung bei der Lektüre und keinesfalls zur Memorierung gedacht sind. (Bei Kaisern und Königen werden die gleichen Daten angegeben – und nicht wie in der Geschichtsschreibung üblich die Regierungszeit.) Das Lehrwerk verzichtet auf die typischen Aufzählungen der bedeutenden Architekten des Barocks, der Maler des Biedermeiers etc. So ist es natürlich möglich, dass jemand den Namen seines österreichischen Lieblingsarchitekten, -musikers oder -malers vermisst. Auf enzyklopädisches Wissen wurde so weit wie möglich verzichtet: die Bundesländer mit ihren Hauptstädten, höchsten Bergen
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und größten Flüssen oder geologische Zonen finden ebenso wenig Erwähnung wie alle aufeinanderfolgenden Kaiser oder Regierungen der Republik. Dieses und ähnliches tabellarisches Wissen ist nicht nur schnell und leicht nachzuschlagen, sondern neigt auch ganz besonders dazu, nur kurz auswendig gelernt und schnell vergessen zu werden. Solche Aufzählungen sind also nicht nur eine wenig spannende Lektüre, sondern auch für didaktische Ziele zwecklos. Ebenso fehlt die Auseinandersetzung mit vermeintlich aktuellen Bevölkerungsstatistiken oder einzelnen Medien, da diese besonders schnell veralten. Auch auf die problematische Vermittlung des Wissens zur österreichischen Lebensart oder Informationen zu typischen Gerichten und Getränken wurde verzichtet, denn diese unterstützt zumeist eine falsche Vorstellung von einer einheitlichen Kultur des Landes. Gleichwohl können solche Themen in den Kontaktstunden eines Seminars behandelt und diskutiert werden. Als kursbegleitendes Werk ist die Lektüre für zuhause geeignet, bietet so Raum für andere Kursinhalte und kann durch lebendige intermediale Kontaktstunden ergänzt werden. Das neu angelesene Wissen soll natürlich in den Unterrichtsstunden fruchtbar gemacht werden; in den Kontaktstunden können nicht nur die Fragen weiterbearbeitet werden, sondern auch spielerisch prüfend der Inhalt wiederholt werden. Eine zumeist erfolgreiche und unterhaltende Möglichkeit dabei ist es, die Studierenden um die Ausarbeitung je einer oder mehrerer »Quizfragen« auf einzelnen Zetteln zu bitten, die dann in der Logik einer Tombola beantwortet werden. Die 12 Kapitel sollen eine semesterlange Lehrveranstaltung ohne Zeitdruck begleiten. Die historischen Überblicksdarstellungen ausgehend von literarischen Werken und den Kontexten der Produktion und Rezeption versuchen, ein vernetztes Wissen zur österreichischen Geschichte und Kultur behutsam aufzubauen und weisen auf die Bezüge explizit in Fußnoten hin. Bewusst soll die Geschichtsdarstellung nicht allzu chronologisch sein und die Vorstellung einer kontinuierlichen »großen Erzählung« unterstützen, sondern in punktuellen Beleuchtungen erfahrbar werden. Einheitlichkeit und Vollständigkeit kann keine Landeskundedarstellung bieten. Statt eines linearen Narrativ soll dieses Buch die Verwobenheit und Mehrdimensionalität der Geschichte, Gesellschaft und Kultur aufzeigen. So ist es auch nicht unbedingt notwendig, das Buch von vorne bis hinten in der angegebenen Reihenfolge durchzuarbeiten, doch es empfiehlt sich. Historisches Wissen bleibt dabei im Mittelpunkt. Es ist eine altbekannte Weisheit, man kann ein Land und seine Kulturen nur begreifen, wenn man seine Vergangenheit kennt. Dass dabei manche widersprüchliche Aspekte auftauchen, lässt sich nicht vermeiden. So stehen sich schon allgemein zwei Betrachtungen der österreichische Geschichte gegenüber – einerseits die Geschichte
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Österreich. Geschichte, Kultur und Gesellschaft im Spiegel der Literatur
des Gebiets der heutigen Republik, andererseits – und gebräuchlicher – die Geschichte der Habsburgermonarchie als staatlicher Vorgänger. Beide Modelle haben ihre Schwierigkeiten, dieses Werk wählt aufgrund des Interesses der Germanistik das zweite, das auch an österreichischen Schulen Verwendung findet. Dabei soll natürlich keine weitere Nation unter Österreich subsumiert werden. Die frühere Geschichte wird explizit nicht unter der Perspektive einer modernen Staatlichkeit präsentiert. Des Weiteren stellt der lehrveranstaltungsorientierte Ausgangspunkt einer Beschäftigung allein mit Österreich, seiner Sprache und seiner Literatur schon ein Problem dar. In DACH-betonten Landeskundekonzepten für Deutsch als Fremdsprache will man gerade die intrakulturelle Diversität, die Plurizentrik und die Überlappungen zwischen den deutschsprachigen Staaten hervorheben, und nicht die einzelnen Länder getrennt behandeln. Die Fragestellung tritt schon bei der Idee einer österreichischen Literatur klar zutage: Literatur aus Österreich Besonderheiten zu attestieren gilt schon lange Zeit als rutschiges Pflaster. Üblicherweise wurde und wird sie auch in deutsche Literaturgeschichten kommentarlos einbezogen. Doch der Bezug der österreichischen Literatur zu einem eigenen Staat darf ebenso wenig vergessen werden. Der bekannte Wiener Germanist Wendelin Schmidt-Dengler (1942–2008) schreibt in diesem Sinne zur österreichischen Literatur der Zwischenkriegszeit: »Dass es in Österreich andere historische Zäsuren gab als in Deutschland, sollte den Verfassern jeder gesellschaftsbezogenen Literaturgeschichte zu denken geben. So fehlen Daten wie 1927, 1934 und 1938 so gut wie ganz, dass für Österreich das Jahr 1933 etwas anderes bedeutet als für Deutschland, wird ebenso unterschlagen.« Die österreichische Literatur sollte also nicht bedenkenlos der deutschen Literatur zugeschlagen werden, wenn auch Nationalliteraturen letztlich sowieso problematische Kategorien sind. Ob für die Literatur oder für eine Gesellschaft: Fragen des nationalen Wesens werden im deutschsprachigen Raum schon lange kaum mehr gestellt. Und auch die Wahrnehmung einer österreichischen Identität hat an Bedeutung verloren. Heute fühlen sich die meisten ÖsterreicherInnen klar als eigenständige Nation; viele können mit dem Nationsbegriff wenig anfangen. Nationen und Staaten sind als kulturelle Einheiten strittig. Wenn wir uns aber trotzdem diesem Gefüge als Thema zuwenden, stoßen wir also auf manche Fragestellungen, die im Buch hoffentlich zur Genüge diskutiert werden – sei es bei der multikulturellen Gesellschaft der vergangenen »Vielvölkerstaaten«, bei der mehrsprachigen Zusammensetzung Kärntens oder der heterogenen Gesellschaft heute. So wird hier versucht, die wichtigsten neueren Forschungsansätze und –ergebnisse der Geistes- und Sozialwissenschaften wie Perspektiven der Transkulturalität oder der Konstruiertheit der Nationen zumindest anzusprechen, wenn
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auch hier keine ausführlichen Auseinandersetzungen mit modernen Forschungsthesen geboten werden sollen. Nur vereinzelt werden wissenschaftliche Thesen angesprochen oder vorgestellt. Uns sollte beispielsweise klar werden, dass Nationen wie auch Österreich weder natürliche Einheiten sind, noch rational begründbar. Vom amerikanischen Autor und Journalisten William Pfaff (1828– 2015) stammt diesbezüglich der bekannte Witz, »that a nation is a people united by a common dislike of its neighbours and a common mistake about its orignis«. In den 90er Jahren wurde das Konzept des Gedächtnisorts, lieu de mémoire, populär. Der Begriff wurde ursprünglich auf spezifische Orte wie die Geburtshäuser berühmter Menschen bezogen, aber bald abstrakter interpretiert, das heißt, als historischer »Gemeinplatz«. Heute meint Gedächtnisort jede Erscheinung – egal ob Name, Ort, Buch, Begriff oder Slogan –, welche die Aufmerksamkeit auf einen Aspekt der Vergangenheit lenkt. Manche der hier behandelten Bücher können als Gedächtnisorte in Bezug auf unsere Themen begriffen werden – genau wie die abgebildeten Denkmäler oder Bauwerke. Bei all dem kann immerwährendes neutrales Wissen nur tendenziell geboten werden. Auch dieses Lehrwerk kann sich dem herrschenden Geist nicht entziehen. Die Geisteswissenschaften neigen – wie der Frankfurter Mediävistikprofessor Klaus von See (1927–2013) es bezüglich der Germanistik ausdrückte – zum »fortdauernden Bedürfnis..., dem jeweiligen politisch-gesellschaftlichen Zeitgeist zu dienen«. Das Buch entspricht so der heute mitunter von der Europäischen Union und den globalisierten Wirtschaftsverhältnissen mitbestimmten Idee einer transkulturellen und heterogenen Gesellschaft. Auf eine nationale Geschichtsschreibung mit Heldentum und chauvinistischen Anklängen soll gerne verzichtet werden. Ein Übersichtswerk dieser Art muss sich immer zu Lücken bekennen. Es ist kein vollständiges Nachschlagewerk, sondern eine erste Einführung und Grundlage für Germanistikstudierende zum Thema. Hinweise für weitere und vertiefende Lektüren – akademische Werke zum wissenschaftlichen Kontext, Fachund Sachbücher zu Österreich sowie zu den einzelnen Kapiteln, welche auch für die Verfassung des Werks herangezogen wurden, – finden sich für interessierte Leserinnen und Leser im Literaturverzeichnis. Gedankt sei dem Wissenschaftlichen Verlag der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana/Znanstvena založba Filozofske fakultete Univerze v Ljubljani dafür, dass er diese Publikation finanziell und technisch ermöglicht hat. Für die ersten Rezensionen danke ich Prof. Dr. Mira Miladinović Zalaznik und Assist. Prof. Dr. Irena Samide, für die kritische bzw. korrigerende Lektüre vor allem Dr. Daniela Kirschstein, sowie Mag. Alexander Rath und Karmen Stavec. Auch meinen
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Österreich. Geschichte, Kultur und Gesellschaft im Spiegel der Literatur
Studierenden, die mich immer wieder mit Fragen forderten und mit ihren neuen Perspektiven und Fragestellungen anregten, sowie vielen KollegInnen, die mich in den letzten fünfzehn Jahren meiner universitären Unterrichtstätigkeit mit ihrem Wissen bereichert haben, gebührt herzlicher Dank. Den aktuellen Studierenden sei mit dem Büchlein eine interessante Lektüre gewünscht, die ihnen vor allem wichtige Inhalte näherbringt und hoffentlich auch ein wenig unterhält. Der Verfasser Ljubljana, im November 2016
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Nationbuilding à la Habsburg
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1 Nationbuilding à la Habsburg
1.1 Zum Bild: Das Denkmal des Nationaldichters Der oft als Nationaldichter angesehene Franz Grillparzer (1791–1872) schrieb im 19. Jahrhundert eine große Zahl von Werken, vor allem Dramen, welche für die Herausbildung einer österreichischen Identität von großer Bedeutung waren bzw. dafür verwendet wurden – dies insbesondere nach 1945, als man ein unabhängiges Österreich, das sich von Deutschland klar unterscheidet, hervorstreichen wollte.1 Grillparzer diente dabei als literarischer Zeuge der Sonderentwicklung Österreichs. Nach der österreichischen Abkoppelung von der deutschen Geschichte, die mit der deutschen Reichsgründung von 1871 untermauert worden war,2 benötigte man in der Habsburger Monarchie ebenso einen Klassiker, um 1 Vgl. Kapitel VII.III. 2 Vgl. Kapitel II.III.
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der Universität Ljubljana – dort 2009 Habilitation zum Assist. Prof. – nebenbei Lehraufträge bzw. Gastprofessuren an den Universitäten Maribor, Stellenbosch, Wien und Innsbruck. Forschungsinteresse: Exilliteratur, österreichische Literatur und Kultur, interkulturelle Literaturwissenschaft, Literatur im DaFUnterricht.
JOHANN GEORG LUGHOFER: ÖSTERREICH. GESCHICHTE, KULTUR UND GESELLSCHAFT IM SPIEGEL DER LITERATUR
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ÖSTERREICH. GESCHICHTE, KULTUR UND GESELLSCHAFT IM SPIEGEL DER LITERATUR LANDESKUNDE FÜR GERMANISTIKSTUDIERENDE
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