

WANDEL IST WERT
Wie der Tiroler Tourismus Veränderung lebt

NEWS LETTER
SAISON: Tourismus im Wochentakt
Der wöchentliche Newsletter mit den wichtigsten Neuigkeiten und Infos für die Tiroler Tourismusbranche.

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INHALTSVERZEICHNIS
WANDEL IST WERT
4 Wandel als Chance Kommentar von LR Mario Gerber
5 Wo ein Wandel, da ein Weg
Editorial von Karin Seiler
6 Aktuelles
Neuigkeiten aus der Tiroler Tourismusbranche
8 F.acT Insights
Sommer im Wandel: Zahlen & Fakten
10 Interview
Neurowissenschaftler
Henning Beck im Gespräch
14 Marke im Fokus
Innsbrucks Weg zur neuen Marke
16 Wandel mit Chancen Tourismus im Zeichen des Klimawandels

Im „Moments Tirol“ hat die Marke Tirol ein neues Zuhause, das Shop mit Kulinarik verbindet.



24 Neue Werte, neuer Fokus Gäste und Gastgeber:innen im Wandel
32 Herausfordernde Zeiten Erfolgreich trotz wirtschaftlicher und politischer Instabilität
38 Moments Tirol Der neue Markenauftritt mitten in Innsbruck
41 Tirol Touristica 2026 Die Preisträger:innen im Porträt
50 Nachgefragt 15 Fragen an Sabine Wechselberger
IMPRESSUM
SAISON Tourismusmagazin, Nr. 1/2026 (75. Jahrgang)
Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: Tirol Werbung, Maria-Theresien-Straße 55, 6020 Innsbruck • Mit der Produktion beauftragt: TARGET GROUP Publishing GmbH, Brunecker Straße 1, 6020 Innsbruck • Chefredakteurin: Lisa Schwarzenauer, MA • Redaktion: Michaela Ehammer, Anna Füreder, Barbara Kluibenschädl, Rebecca Müller, Markus Wechner • Grafik: BA, Marco Lösch, marcoloesch.com, BA, Sebastian Platzer • Anzeigenverkauf: Wolfgang Mayr, wolfgang.mayr@target-group.at • Anschrift Verlag: Brunecker Straße 1, 6020 Innsbruck, Tel. 0512/ 58 6020, redaktion@target-group.at • Geschäftsführung Verlag: Michael Steinlechner
Die Informationen zur Offenlegung gemäß § 25 MedienG können unter der URL https://saison.tirol/info/impressum abgerufen werden.
Für diese Publikation wird Papier gemäß dem Umweltzeichen nach ISO Typ 1 (extern vergebene Umweltzeichen mit Überprüfung durch unabhängige Dritte, z. B.: Österreichisches Umweltzeichen, Blauer Engel, Nordic Swan, EU-Ecolabel) verwendet. Druckaufträge werden an qualifizierte Druckereien nach den Anforderungen einer ISO Typ I Umwelt zeichen-Richtlinie für Druckerzeugnisse vergeben, zertifiziert und entsprechend gekennzeichnet.

WANDEL ALS CHANCE

L iebe Tirolerinnen und Tiroler!
Der Tourismus in Tirol war immer dann besonders erfolgreich, wenn er den Wandel nicht als Bedrohung, sondern als Chance verstanden hat. Unsere Stärke liegt darin, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, mutig neue Wege zu gehen und aktiv zu gestalten. Gerade in einer Zeit, in der sich gesellschaftliche Bedürfnisse, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und klimatische Voraussetzungen spürbar verändern, braucht es diesen Blick nach vorne mehr denn je.
Die Ansprüche unserer Gäste entwickeln sich laufend weiter. Gesundheit, Regeneration, Naturerlebnis und authentische Begegnungen gewinnen an Bedeutung. Tirol bringt dafür beste Voraussetzungen mit – und das Herzstück unseres Tourismus sind unsere Familienbetriebe. Generationenübergreifend geführt, tief in der Region verwurzelt und mit echter Leidenschaft: Sie verkörpern jene Werte, die Tirol als Reiseziel einzigartig machen.
Wandel heißt auch, bestehende Strukturen zu hinterfragen und dort mutig Veränderungen anzustoßen, wo sie notwendig sind. Unser Ziel ist dabei klar: verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, die unsere Betriebe stärken und langfristig entlasten – damit unsere Familienbetriebe auch künftig das Rückgrat des Tiroler Tourismus bleiben. Erfolgreich kann Tourismus aber nur dann sein, wenn er ge meinsam gestaltet wird – mit der heimischen Wirt-
schaft, und vor allem mit den Menschen, die hier leben. Denn ohne die Tirolerinnen und Tiroler gibt es keinen Tiroler Tourismus. Ihre Gastfreundschaft, ihr Stolz auf die Heimat und ihre gelebte Verbundenheit mit der Region sind das, was unsere Gäste wirklich bewegt. Genau deshalb setzen wir auf den direkten Austausch – etwa mit dem „Tourismusforum on tour“, bei dem wir bewusst in die Regionen gehen, zuhören und gemeinsam diskutieren. Der Dialog mit der Bevölkerung vor Ort ist für mich dabei besonders wertvoll. Tourismus, der auf Akzeptanz und Mitgestaltung baut, ist nachhaltiger – und glaubwürdiger.
Wandel ist kein Gegensatz zu Tradition. Wer seine Wurzeln kennt, kann die Zukunft mit Selbstbewusstsein gestalten – und nirgendwo zeigt sich das so deutlich wie in unseren Tiroler Familienbetrieben!
Ihr

MARIO GERBER TOURISMUSLANDESRAT VON TIROL
WO EIN WANDEL, DA EIN WEG

Die aktuelle geopolitische Situation führt es uns deutlich vor Augen: Die Welt verändert sich rasant. Systeme und Institutionen, die bisher für Ordnung und Orientierung gesorgt haben, verlieren ihre stabilisierende Funktion. Selbst wenn die Konfliktherde weit entfernt liegen, wirken die Folgen in einer globalisierten Welt bis zu uns. Die Tourismusbranche ist dabei besonders betroffen, denn Krisen sorgen für Unsicherheit und Zurückhaltung bei den Reisenden. Stabilisiert sich die Situation wieder einigermaßen, ziehen Nachfrage und Buchungen quasi über Nacht an. Betriebe sind enorm gefordert, mit dieser Dynamik und Kurzfristigkeit umzugehen.
Dabei bewährt es sich, dass Tirols Tourismus stabil aufgestellt ist. Die Nahmärkte bilden ein starkes Fundament, das von einer breiten Zahl an Herkunftsländern ergänzt wird. Diversifikation macht robust – gerade in Zeiten hoher Volatilität. Daher ist eine fokussierte Internationalisierung ein Gebot der Stunde.
Gleichzeitig sind auch die Bedürfnisse der Gäste im Wandel begriffen – Stichwort Multioptionalität. „One size fits all“ hat schon längst ausgedient. Auch hier macht es sich bezahlt, dass das touristische Angebot in Tirol breit aufgestellt ist und unsere Familienbetriebe ihr Ohr am Gast haben. Wobei die Saisonen ohnehin verschwimmen. Der Klimawandel verändert die Rahmenbedingungen. Die Vielfalt unseres Landes und seines touristischen
Angebots macht es beispielsweise möglich, im Frühjahr vormittags Ski zu fahren und nachmittags zu golfen oder Rad zu fahren. Die starren Strukturen von Winter und Sommer lösen sich auf und ebnen den Weg in Richtung Ganzjahrestourismus.
A n dieser Stelle kommt auch das Future Lab der Tirol Werbung ins Spiel, das sich diesem Thema im Projekt „Attraktiver Ganzjahrestourismus“ widmet. Darüber hinaus sind weitere Themen, die den Wandel maßgeblich begleiten, in unserem Projektprogramm verankert – etwa Robotik in der Hotellerie oder wie sich Gastfreundschaft zukünftig verändert. Auch darauf müssen wir uns rechtzeitig vorbereiten.
Nur eines hat sich auch in Zeiten massiven Wandels nie geändert: die hohe Anpassungsfähigkeit des Tiroler Tourismus. Er hat in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte immer wieder bewiesen, dass er mit Veränderungen umgehen kann und diese erfolgreich meistert. Daher bin ich überzeugt, dass unsere Branche auch weiterhin auf einer Erfolgsspur wandelt – im Einklang mit unserem Lebensraum in Tirol.

KARIN SEILER , GESCHÄFTSFÜHRERIN TIROL WERBUNG
AKTUELLES AUS DEM TIROLER TOURISMUS
PREMIERE MIT STRAHLKRAFT

v. l.: Louisa Harisch, Christian Harisch (Obmann Kitzbühel Tourismus), Viktoria Veider-Walser (Geschäftsführerin Kitzbühel Tourismus), Kota Kaneko (Gewinner der Austrian Alpine Open 2026, JPN), Karin Seiler (Geschäftsführerin Tirol Werbung), Mario Gerber (Tourismus- und Wirtschaftslandesrat) und Klaus Winkler (Bürgermeister der Stadt Kitzbühel)
Von 25. bis 31. Mai fanden die Austrian Alpine Open zum ersten Mal in Kitzbühel statt. Der DP-World-Tour-Stopp lockte neben Weltklasse-Golfern wie Sepp Straka (Österreich) und Gewinner Kota Kaneko (Japan), auch 32.000 Zuseher:innen ins Tiroler Unterland. Zusätzlich wurde Tirol durch Live-Berichterstattung vom Golfplatz Kitzbühel-Schwarzsee-Reith in mehr als 170 Ländern auf der ganzen Welt als Destination für Naturund Sportbegeisterte präsentiert.
Sepp Straka beim Abschlag vom Starthaus am Hahnenkamm im Vorfeld des Turniers.

Die Tiroler Seilbahnen feiern heuer ihr 100-jähriges Jubiläum: Am 5. Juli 1926 wurde mit der Zugspitzbahn die erste Seilbahn Tirols eröffnet. Heute kann man sich Tirol nicht mehr ohne Seilbahnen vorstellen – nicht nur der Lebensqualität und Freizeitgestaltung wegen, sondern auch wegen des wirtschaftlichen Impacts. Bei der Tiroler Zugspitzbahn wird das Jubiläum mit der Neugestaltung des Erlebnismuseums und der Aufführung eines Theaterstücks über die Entstehung der Bahn und Hermann Stern, die treibende Kraft hinter dem damals als unmöglich geltenden Projekt, gefeiert.
GROSSES JUBILÄUM

v. l.: Reinhard Klier (Fachgruppenobmann der Tiroler Seilbahnen) und Franz Dengg (Geschäftsführer der Tiroler Zugspitzbahn)
WIRTSCHAFTSMOTOR TOURISMUS
Dass der Tourismus eine wesentliche wirtschaftliche Bedeutung für Tirol hat, liegt auf der Hand – wie groß diese ist, unterstreicht eine im Frühjahr präsentierte Studie der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) zum Tourismusjahr 2024/25: Die Gesamtwertschöpfung des Touris-
mus liegt bei 10,2 Milliarden Euro, mehr als jeder vierte Euro in Tirol wird im Zusammenhang mit Tourismus erwirtschaftet. Auch mehr als jeder vierte Arbeitsplatz ist mit der Branche verbunden, zusätzlich werden Steuern und Abgaben in Höhe von 6,3 Milliarden Euro ausgelöst
Sommer im Wandel
Der Sommertourismus hat sich in Tirol über die Jahrzehnte stark verändert: Die ursprünglich stärkere Saison wurde in den 1980ern deutlich vom Winter überholt, gewinnt aber seit einigen Jahren wieder zunehmend an Relevanz.
NÄCHTIGUNGSVERGLEICH
Tourismusjahr 2024/25
47 % der Nächtigungen im Sommer
DIE HERKUNFTSMÄRKTE
Deutschland ist mit einem Nächtigungsanteil von 58 % mit Abstand der wichtigste Quellmarkt für Tirol im Sommer. Erst weit dahinter folgen Österreich (10 %) , die Niederlande (8 %) sowie Schweiz und Liechtenstein (5 %) . Im Zehnjahresvergleich verloren vor allem die Märkte Frankreich (–25 %), UK (-24 %), die Schweiz (–18 %) und Italien (–13 %). Zuwächse gab es hingegen aus Tschechien (+57 %), Deutschland (+24 %), Luxemburg (+14 %) und den Niederlanden (+13 %).
% Deutschland
53 %
der Nächtigungen im Winter
Bis 1984 war der Sommer klar die wichtigere Saison, dann nahm der Winter Fahrt auf: 1987 war er erstmals die stärkere Saison in Tirol. Das Verhältnis der Saisonen verändert sich gerade wieder: Mit 53 % der Nächtigungen im Winter und 47 % der Nächtigungen im Sommer sind die Saisonen aktuell fast ausgeglichen.


DIE AUSLASTUNG
Der Sommer 2025 verzeichnet mit
63 Tagen
eine geringere Vollbelegung als der Winter mit 76 Tagen. Die prozentuale Auslastung lag im Sommer bei 34 %.

DIE WERTSCHÖPFUNG
42 %
Im Sommer 2025 wurde in Tirol eine direkte touristische Wertschöpfung von 2,6 Mrd. Euro generiert. Damit machte der Sommer 42 % der gesamten Wertschöpfung im Tourismusjahr 2024/25 aus.
BERGSPORT & LANDSCHAFT
Die Bergprofilstudie 2023/24 zeigt, dass Sommerurlaub in den Bergen sehr hohe Zufriedenheits- und Weiterempfehlungsraten hat – und dass „Wandern & Bergsteigen“ die mit Abstand wichtigste Aktivität für Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist. Neben dem Angebot an Wandermöglichkeiten – Tirol bietet über 24.000 Kilometer markierte Wander- und Bergwege, über 2.000 bewirtschaftete Almen und 574 Gipfel über 3.000 Meter – ist vor allem die Landschaft selbst relevant, wie eine Studie mit Wander:innen zeigt: Landschaft, Ausstattung und Nachhaltigkeit sind die drei entscheidenden Faktoren, die sowohl die Attraktivität einer Wanderdestination als auch die Bindung der Wander:innen an den Ort bestimmen.

QUELLEN: SILLER & FECKER (2024): HTTPS://WWW.FACT.TIROL/ARTIKEL/BERGPROFILSTUDIE-2023-24/ HOFMANN, HAPP & SCHOLL-GRISSEMANN (2024): HTTPS://WWW.FACT.TIROL/ARTIKEL/SPORTDESTINATIONEN-AUS-DER-SICHT-VON-BERGWANDERN/
Die Serie „F.acT Insights“ entsteht in Kooperation mit F.acT, dem Zentrum für Tourismus, Forschung und Medien, das eine gemeinsame Initiative der Universität Innsbruck und des MCI ist und den Austausch von Wissenschaft und Praxis im Tiroler Tourismus unterstützt. Mehr Infos: www.fact.tirol



„VERLERNEN ist oft schwieriger als Lernen“


Henning Beck, Neurowissenschaftler und Keynote-Speaker beim heurigen Tiroler Tourismusforum, über Individualisierung, Innovationsfreude, KI und die Zukunft des Tourismus.
Das Gespräch führten Stefan Kröll & Florian Neuner.
SAISON
Alles ist im Wandel. Welche großen Veränderungen und Herausforderungen erkennen Sie im Tourismus? HENNING BECK : Der größte Megatrend unserer Zeit ist die Individualisierung und Personalisierung. Wir sehen das bereits bei Social Media, Netflix oder Spotify – Menschen erwarten heute, dass Angebote passgenau auf sie zugeschnitten sind. Künstliche Intelligenz wird diesen Trend noch verstärken, weil sie das Versprechen trägt, noch zielgenauer und individueller zu liefern. Im Tourismus bedeutet das: Wer versteht, dass Reisen psychologisch gesehen immer ein Kontrast zum Alltag ist, hat einen entscheidenden Vorteil. Menschen mit einem sehr geregelten Alltag suchen Abwechslung und Roadtrips; Menschen mit einem hektischen Leben suchen Ruhe und Entschleunigung. Tourismus ist also auch ein Statement dazu, wie jemand sonst lebt. Wer das begreift und individuelle Serviceleistungen anbietet, die genau diesen Kontrast bedienen, wird auch in Zukunft erfolgreich sein. Menschen zahlen für guten Service – und sie zahlen immer mehr dafür.
Gibt es Methoden, mit denen sich Tourismusbetriebe leichter an ständigen Wandel anpassen können? Eine sehr wirkungsvolle Technik ist, gezielt Menschen von außerhalb zubefragen – also Personen, die nicht vom Fach sind. Sie bringen eine naive Perspektive mit und stellen Fragen, die man intern längst nicht mehr stellt. Das klingt einfach, ist aber hocheffektiv. Der Tourismus hat hier sogar einen strukturellen Vorteil gegenüber vielen anderen Branchen: Die Gäste kommen von irgendwoher und bringen automatisch neue Sichtweisen mit. Dieses Feedback ist ein unfassbarer Schatz. Andere Branchen müssen solche Außenperspektiven teuer einkaufen – im Tourismus zahlen die Leute dafür, zu kommen. Man muss diesen Schatz nur aktiv nutzen: ins Gespräch kommen, fragen, was sich Gäste wünschen und wie man es noch besser machen könnte. Tourismus ist immer auch eine Form von Kommunikation und somit keine Einbahnstraße.
Wird Innovation vom Gehirn nicht oft eher als Bedrohung denn als Chance wahrgenommen? Kann man Innovationsfreude trainieren? Man unterscheidet eigentlich weniger zwischen kreativen und unkreativen Menschen, sondern eher zwischen mutigeren und risikoaverseren. Wer mehr ausprobiert, bekommt mehr Feedback und lernt schneller, was funktioniert und was nicht.
ZUR PERSON
Der Neurowissenschaftler und Autor Henning Beck beschäftigt sich damit, wie wir denken, neue Ideen entwickeln und uns dabei von KI unterscheiden. Er publiziert in der WirtschaftsWoche und für brand eins und ist wöchentlicher Interviewgast beim Deutschlandfunk. In seinen Büchern schafft er einen verständlichen Zugang zur Welt der Hirnforschung. Beck ist außerdem Deutscher Meister im Science Slam und ein international gefragter Redner zu Themen wie „Neurobiologie und Kreativität“ und unterstützt Firmen, innovative Lern- und Arbeitswelten zu schaffen.
Das sind in der Regel auch die, die schneller auf neue Ideen kommen – nicht, weil sie alles durchdacht haben, sondern weil sie es austesten.
Das größte Hemmnis für Innovation ist übrigens nicht die Angst vor dem Scheitern – es ist die Bequemlichkeit. Menschen, denen es gut geht und die ihr Geschäftsmodell als funktionierend erleben, haben die wenigste Motivation zur Veränderung. Genau das ist das Risiko: Wenn man den richtigen Moment verpasst, weil man zu bequem war, wird die Krise erzwingen, was man freiwillig hätte tun sollen. Wenn die wirtschaftliche Basis es erlaubt, ein Investment einzugehen, sollte man das in der Regel auch tun.
Warum ist Verlernen oft schwieriger als Lernen? Das ist ein Phänomen von Gewohnheiten. Wenn Menschen über längere Zeit immer ähnliche Dinge tun, schleift sich das im Gehirn so ein, dass es vollautomatisch verarbeitet wird – in Regionen, die dem Bewusstsein gar nicht zugänglich sind. Man kann eine Gewohnheit nicht einfach abschalten; man muss sie aktiv mit etwas Neuem überschreiben.
„Never touch a running system“ klingt vernünftig, ist aber oft der Anfang vom Ende. Man braucht keine wöchentliche Revolution des Geschäftsmodells, aber eine permanente Neugier und die Bereitschaft, immer nach Verbesserungen zu suchen. Das Gute daran: Ist man einmal in dieser proaktiven, ideenreichen Geisteshaltung, wird sie zur neuen Gewohnheit. Es fällt dann immer leichter, je länger man dabeibleibt.
„Man kann eine Gewohnheit nicht einfach abschalten; man muss sie aktiv mit etwas Neuem überschreiben.“
Wie lange dauert es realistischerweise, bis neue Denk- und Handlungsroutinen stabil werden? Das hängt von der Art der Denkmuster ab, aber grundsätzlich reden wir bei tief greifenden Gewohnheiten eher von einigen Monaten – einem Vierteljahr bis einem halben Jahr –, in denen man intensiv an etwas Neuem arbeitet. Es geht nicht über Nacht. Der Vorteil: Wer es schafft und sich in diese neue Geisteshaltung hineintrainiert, dem fällt es danach sehr leicht, in diesem Modus zu bleiben. Je länger man dranbleibt, desto natürlicher wird es.
Erschweren externe Faktoren wie Klimarisiken oder globale Krisen diesen Anpassungsprozess? Im Gegenteil, sie erleichtern diesen eher. Je größer der Veränderungsdruck, desto größer wird auch die Bereitschaft, etwas zu tun. Wer erfolgreich ist und gutes Geld verdient, denkt in der Regel nicht über Innovationen nach. Veränderte Rahmenbedingungen – ob neue Reisemuster, andere Saisonalitäten oder wirtschaftlicher Druck – sind immer auch eine Chance, sich gegenüber dem Wettbewerb neu zu positionieren. Das Ziel ist nicht, die Rahmenbedingungen zu
„Wer versteht, dass Reisen psychologisch gesehen immer ein Kontrast zum Alltag ist, hat einen entscheidenden Vorteil.“
ändern, sondern besser mit ihnen umzugehen als die Konkurrenz. Alle stehen vor denselben Herausforderungen. Wer sie als Gestaltungsrahmen begreift, wird kreativer. Das zeigen auch Experimente: Wenn man Menschen zu vage auffordert, kreativ zu sein, passiert wenig. Gibt man ihnen einen klaren Rahmen, werden sie erfindungsreicher. Constraints fördern Kreativität.
Welche menschlichen Denkfähigkeiten werden im Zeitalter der KI wichtiger? Die Fähigkeit, vom Ende her zu denken: ein Ziel zu setzen und dann zu überlegen, wie man dorthin kommt. KI-Sprachmodelle funktionieren genau andersherum – sie optimieren ausgehend von vergangenen Daten das nächste Wort oder Bild. Sie kommen von der Vergangenheit in die Gegenwart. Das menschliche Denken hingegen arbeitet von der Zukunft in die Gegenwart: Wo will ich hin und was muss ich jetzt dafür tun? Das ist das strategische, unternehmerische Denken, das keine KI ersetzt. Hinzu kommen die Fähigkeit zur Selbstkritik – zu erkennen, dass ein Weg nicht funktioniert, und aktiv umzusteuern – sowie das Verstehen von Ursache-WirkungsZusammenhängen: Das fällt Sprachmodellen sehr schwer. In Umbruchsphasen sind genau das die entscheidenden Fähigkeiten.
Welchen abschließenden Tipp möchten Sie der Tourismusbranche für die Zukunft mitgeben? Tourismus ist eines der menschlichsten Grundbedürfnisse überhaupt. Menschen reisen seit 20.000 Jahren, dieses Geschäftsmodell ist nicht zerstörbar. Was sich verändert, ist die Art des Konsums und der Erwartungen.
Mein wichtigster Tipp: Vergessen Sie nie, dass Sie ein zutiefst menschliches Produkt anbieten. KI wird in Zukunft maßgeschneiderte Videos erstellen, Musik generieren, alles individuell produzieren; aber was sie nicht ersetzen kann, ist der individuelle menschliche Austausch, das Lesen von Menschen, das Verstehen ihrer Wünsche und das echte Eingehen auf ihre Bedürfnisse. Service ist das entscheidende Unterscheidungsmerkmal. Schlechter Service kann das beste Hotel ruinieren, guter Service kann ein einfaches Haus massiv aufwerten. Je digitaler die Welt wird, desto wertvoller wird das persönliche Zusammenkommen von Menschen. Das darf man niemals vergessen.

„Das Ziel ist nicht, die Rahmenbedingungen zu ändern, sondern besser mit ihnen umzugehen als die Konkurrenz.“
HENNING BECK
MARKE im Wandel

Mit „Inns’bruck Region“ wird das Verhältnis von Stadt und Umland markenstrategisch neu gefasst. Damit soll die Region als vielschichtiger Tourismusraum zwischen urbanem Leben und alpiner Weite sichtbar gemacht werden.
Text: Michaela Ehammer
Ru nd um Innsbruck spannt sich ein touristischer Raum über sechs Erlebnisräume und 40 Gemeinden – mit sehr unterschiedlichen Welten: urbane Kultur und alpine Landschaft, internationales Flair und regionale Verwurzelung, Dynamik und Entschleunigung. Zwischen Altstadtgassen und Hochgebirge liegen dabei oft nur wenige Minuten. Genau in dieser Vielfalt liegt eine der größten Stärken der Region Innsbruck, die sich von der Stadt über den Patscherkofel, das Westliche Mittelgebirge und das Mieminger Plateau bis ins Inntal rund um Telfs und ins Kühtai-Sellraintal erstreckt. Zugleich entsteht ein Balanceakt: Wie schafft man Zugehörigkeit über Gemeindegrenzen hinweg? Und wie vermittelt man im internationalen Wettbewerb, dass Innsbruck touristisch weit mehr ist als eine Landeshauptstadt?
DER WEG ZUR NEUEN MARKE
Diese Fragen standen im Zentrum eines mehrjährigen Strategieprozesses, den Innsbruck Tourismus, die Stadt Innsbruck und die Innsbruck Marketing GmbH 2023 gemeinsam starteten. Die Marke Inns ’ bruck wird bereits seit 2012 gemeinsam von den drei Partnern getragen – ihre strategische Weiterentwicklung konnte daher nur gemeinsam erfolgen. „Eigentlich waren es zwei Dinge, die parallel passiert sind“, sagt Barbara Plattner, Geschäftsführerin von Innsbruck Tourismus. „Einerseits haben wir untersucht, wie wir künftig als Marke auftreten – und gleichzeitig durch die Marktforschung gesehen, wo wir eigentlich stehen.“ Diese beiden Bausteine haben den Tourismus betroffen, zusätzlich wurde mit den Partnern auch das Design überarbeitet.
Z iel war es, die Tourismus-Marke, die für einen weit größeren Raum als Innsbruck steht, neu zu positionieren und gleichzeitig das Zugehörigkeitsgefühl in der Region zu stärken. Für Plattner war dabei früh klar, dass nachhaltiger Erfolg Weitblick verlangt: „Es ist wichtig, zu
investieren, wenn man erfolgreich ist. Sonst reagiert man nur, statt aktiv zu gestalten.“ Finanziert wurde das rund dreijährige Projekt von Innsbruck Tourismus und Innsbruck Marketing.
VIELFALT IM FOKUS
I m Verlauf des Prozesses kristallisierte sich heraus, wo die seit über zehn Jahren bestehende Marke „Inns ’ bruck“ an ihre Grenzen stößt: Als Stadt ist Innsbruck international stark verankert, doch Teile des Umlands bleiben im Markenbild oft im Hintergrund. Hochalpine Skigebiete, Täler und Plateaus sind zwar Teil der Region, werden aber nicht automatisch mitgedacht – weder bei den Gästen noch bei Einheimischen. „Auch viele Partnerbetriebe außerhalb der Stadt gaben an,

Dialogformate boten Raum für Austausch, neue Perspektiven und gemeinsame Zukunftsideen.
„Es ist wichtig, zu investieren, wenn man erfolgreich ist. Sonst reagiert man nur, statt aktiv zu gestalten.“
BARBARA PLATTNER, GESCHÄFTSFÜHRERIN VON INNSBRUCK TOURISMUS
dass sie zwar von der starken Dachmarke profitieren, sich damit aber nicht ausreichend repräsentiert fühlen“, so Plattner. Zwischen Workshops, Gesprächen und Befragungen zeigte sich, dass die bisherige Markenlogik die Vielfalt des Verbandsgebiets nur unzureichend abbildete. In der Markenpartnerschaft mit den Betrieben der Region sei in der Vergangenheit Potenzial ungenutzt geblie -
ben, so Plattner weiter. Deshalb wurde ein Auftritt gesucht, der die Strahlkraft der Stadt mit der Vielfalt des Umlands verbindet – und eine visuelle Sprache, die modern wirkt, ohne sich künstlicher Begriffe zu bedienen, und zugleich Bewährtes weiterführt. Nach einem internationalen Gestaltungswettbewerb wurden das neue Design für alle Markenpartner und die ergänzende touristische Markenarchitektur „Inns ’ bruck Region“ entwickelt. „Wir wollten damit sichtbar machen, dass unsere Region Stadt plus Land ist“, betont Plattner.
KEIN RADIKALER BRUCH
Die gestalterischen Leitplanken stehen seit der Präsentation im Frühjahr 2026 fest, jetzt beginnt die Verankerung im Alltag. „Sparsamkeit, Zweckmäßigkeit und Wiedererkennbarkeit spielen dabei eine zentrale Rolle“, so Plattner. Dieser Logik folgt auch die Umsetzung: Die neue Markenwelt werde nach und nach ausgerollt – über Social Media, digitale Kampagnen sowie durch die sukzessive Anpassung bestehender Materialien. Am Ende gehe es aber weniger um die Gestaltung als um die Identifikation: „Eine Marke entfaltet ihre Wirkung erst dann, wenn sie mitgetragen wird: von Hotels und Bergbahnen ebenso wie von Museen und Menschen, die sie im Alltag sichtbar machen“, betont Plattner.

BIRGT CHANCEN

Klimatische und gesellschaftliche Veränderungen sind längst auch im Tourismus angekommen. SAISON hat mit verschiedenen Expert:innen darüber gesprochen, wo die Branche aktuell steht – und wie es weitergehen kann.
Text: Rebecca Müller
Zu heiß, zu trocken – der Mai 2026 brach europaweit Rekorde, erste Hitzewellen gegen Ende des Monats inklusive. Der vergangene Winter war in Mitteleuropa, insbesondere in Österreich und Deutschland, niederschlagsarm und zu mild. „Das spüren vor allem die Gletscher, die rascher an Masse verlieren als vorausberechnet“, erklärt Glaziologin Andrea Fischer. Die warmen Frühlings- und Herbstmonate zählen für sie zu den markantesten klimatischen Veränderungen. „In diesen Jahreszeiten ist die Erwärmung stärker als in anderen. Im Winter nimmt die Schneedecke im Mittel ab, wobei das Schneedeckendargebot stärker schwankt als die Lufttemperatur.“
Diese Schwankungen bedeuten, dass wir immer wieder Jahre mit sehr viel und dann wieder Jahre mit sehr wenig Schnee erleben und erleben werden. Prinzipiell, betont die Forscherin, herrscht unter Expert:innen große Einigkeit darüber, dass Schneefälle und Tage mit einer Schneedecke weniger werden würden.
ENTSCHEIDUNGEN VON HEUTE
Trotz der Temperaturen, die aktuell leicht über den Werten errechneter Klimaszenarien lägen, ist für Andrea Fischer noch nicht klar, dass sich das Klima noch rasanter wandelt als bislang: „Es ist normal, dass Jahreswerte abweichen. Ob sich diese Abweichungen nach oben häufen und der Klimawandel wirklich schneller geht als gedacht, wird sich erst herausstellen.“

„In den nächsten 30 Jahren werden die Ostalpengletscher sehr klein werden. In 30 Jahren werden unsere Klimaentscheidungen von heute wirksam.“
ANDREA FISCHER , GLAZIOLOGIN

Die zu warmen Frühlings- und Herbstmonate setzen den Gletschern besonders zu, sie verlieren schneller an Masse als angenommen.
Klimaszenarien oder -modelle, erklärt Andrea Fischer, „denken“ 30, 40 Jahre voraus: „In den nächsten 30 Jahren werden die Ostalpengletscher sehr klein werden. In 30 Jahren werden unsere Klimaentscheidungen von heute wirksam.“ Auszugehen sei auch davon, dass die Temperaturen aufgrund der bisherigen Emissionen stärker steigen würden. „Schnee wird uns dann vielleicht weniger beschäftigen als Wasser und Ökosysteme.“
FLEXIBILITÄT IST GEFRAGT
A ndrea Fischer, die auch Vizepräsidentin des Interdisziplinären Instituts für Gebirgsforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Innsbruck ist, gibt auch zu bedenken, dass nicht nur der Klimawandel Veränderungen bringe: „Wir leben in unruhigen Zeiten und damit ist es wichtig, flexibel zu sein.“ Das aktuelle Klima würde die Möglichkeit bieten, die Sommersaison zu verlängern, für den Winter sieht sie einen Knackpunkt in den Energiekosten: „Geringere Kosten und eine kürzere Saison sind eine Option, ebenso wie ein Ausbau der Beschneiung zu höheren Kosten.“
Mit SINN und HALTUNG
Der Tourismus ist mitten im gesellschaftlichen Wandel. Das weiß auch Gernot Memmer, Managing Partner und Geschäftsführer bei Kohl & Partner. Der Spezialist für Strategie- und Produktentwicklung empfiehlt Destinationen, Regionen und Betrieben folgende Ansätze:

Mittendrin statt nur dabei
Nicht auf Wandel reagieren, sondern ihn bewusst gestalten und als kontinuierlichen Prozess begreifen. Tourismus ist heute mehr Teil der Gesellschaft als je zuvor.
Nutzen statt Nächtigungen
Menschen reisen bewusster, öfter und kürzer, mit stärkerem Fokus auf Sinn, Gesundheit und Nachhaltigkeit. Der Erfolg der Zukunft wird sich daher weniger an Nächtigungszahlen messen lassen, sondern an Qualität, Wertschöpfung und gesellschaftlichem Nutzen.
Lösung statt Problem
Tourismus muss Teil der Lösung werden – für Umwelt, Lebensräume und regionale Entwicklung. Dazu braucht es datenbasierte Entscheidungen, experimentierfreudige Kooperationen und inspirierende Produkte.
Haltung statt KI
Auf Betriebsebene geht es um Anpassungsfähigkeit – und um Haltung. Viele Gäste suchen heute nicht nur „Unterkunft“. Sie erwarten gelebte Nachhaltigkeit, gesunde Angebote und echte Gastfreundschaft. Gerade in KI-Zeiten keine Floskeln, sondern ehrliches Interesse. Digitale Tools übernehmen Routine, Menschen übernehmen Emotion.
Innovation statt Bedrohung
Wandel ist keine Bedrohung, sondern ein Rohstoff für Innovation. Tirol kann seine Identität neu und selbstbewusst erzählen – mit Sinn, Authentizität und einem klaren Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung.
Auch nach innen
Eine Unternehmenskultur, in der Mitarbeiter:innen Sinn und Wertschätzung finden. Das spürt am Ende auch der Gast.
Begegnungen statt Broschüren
Tirols Regionen brauchen ein klares Zukunftsbild – auch hier: mit Haltung! Was wollen wir vermitteln? Was wollen wir nicht sein? Wer es schafft, Sinn, Qualität und menschliche Nähe und Begegnungen zu verbinden, wird die Zukunft des Tourismus mitgestalten.
Botschafter:innen statt Schablonen
Die neue Generation erreicht man vor allem mit Wahrheit und passenden visuellen Reizen, und nicht mit polierten Kampagnen, die überall funktionieren könnten. Regionale Creator, Mitarbeitende, Gäste und Einheimische werden
Botschafter:innen und Teil der Geschichte. Plattformen wie TikTok oder Instagram sind keine Werbekanäle mehr, sondern Bühnen für Lebensgefühle.

Gäste sehnen sich nach Bewegung in unterschiedlichen Formen und dem Naturerlebnis.
Flexibilität, bewusste Entscheidungen und Vielfalt sind für Andrea Fischer nun entscheidend. Letzteres habe Tradition im Alpenraum: „Die Almwirtschaft ist das beste Beispiel: Auf verschiedenen Flächen in unterschiedlichen Höhenlagen wirtschaften zu können, ist ein großer Vorteil.“
CHANCEN NUTZEN, RISIKEN MINIMIEREN
„ Der Tiroler Tourismus war immer erfolgreich, wenn er Veränderungen früh erkannt und Chancen entschlossen genutzt hat“, glaubt Ralf Roth vom Institut für Outdoor Sport und Umweltforschung an der Sporthochschule Köln. Für ihn sind Klimaschutz und -anpassung auch keine Gegensätze zu touristischem Erfolg, sondern vielmehr Bausteine für eine nachhaltige Entwicklung. Auch angesichts der Veränderungen ist Roth überzeugt: „Tirol verfügt über beste Voraussetzungen, um seine Position als führende alpine Erlebnis-, Sport- und Urlaubsregion Europas weiter auszubauen.“
K limaanpassung, argumentiert Roth, bedeute vor allem, Chancen zu nutzen und Risiken zu minimieren. „Die erfolgreichsten Regionen werden jene sein, die Sommer und Winter als Ganzes denken und ihre Stärken ganzjährig erlebbar machen.“


„Die erfolgreichsten Regionen werden jene sein, die Sommer und Winter als Ganzes denken und ihre Stärken ganzjährig erlebbar machen.“
RALF ROTH , INSTITUT FÜR OUTDOOR SPORT UND UMWELTFORSCHUNG SPORTHOCHSCHULE KÖLN
QUALITÄT, NICHT BELIEBIGKEIT
Wie andere Expert:innen empfiehlt auch Ralf Roth eine qualitative und ganzheitliche Strategie: „Dazu gehören hochwertige Winterangebote ebenso wie ganzjährig innovative Angebote für Bewegung, Sport, Gesundheit und Naturerlebnisse.“ Voraussetzung dafür sei ein noch engeres Zusammenspiel
In Sachen Kulinarik erwarten Gäste hohe Qualität – und authentische Gerichte.
Sport, Natur und Community
Trailrunning kommt aus dem Berglauf und Ultralauf, hat sich heute aber mehr zu einem Naturerlebnis mit Gemeinschaftssinn entwickelt – dank Social Media und Gen Z. Tourismusexperte Gerhard Gstettner war mit seinem Team einer der Ersten, der den Sport mit Potenzial für den Ganzjahrestourismus nach Tirol geholt hat.

Beim Trailrunning geht es nicht nur um das Sportliche –auch das Naturerlebnis und das Gefühl von Gemeinschaft ziehen die Zielgruppe an.

Wie hat man Trailrunning nach Tirol „geholt“?
GERHARD GSTETTNER: Die ersten Schritte erfolgten vor allem über Events und touristische Produktentwicklung. Mit meinem damaligen Team beim TVB Pitztal waren wir dabei einer der First Mover. Mit dem Pitz Alpine Glacier Trail, eigenen Streckenkonzeptionen, Trail-Parcours und Kartenmaterial wurde das Thema früh touristisch aufgebaut und strukturiert entwickelt.
Wie gut ist die Infrastruktur in Tirol, welche Regionen sind besonders gut ausgestattet? Tirol hat für Trailrunning eine sehr gute Ausgangslage. Das bestehende Wegenetz bietet enormes Potenzial, ohne dass große neue Infrastruktur geschaffen werden muss. Entscheidend ist jedoch die Qualität der Strecken. Nicht jeder Wanderweg ist automatisch ein guter Trail. In Projekten wie im Pitztal, in Seefeld, Schröcken/Warth oder der Wildschönau durfte ich an solchen Konzepten mitarbeiten.
Welche Rolle wird Trailrunning im Tiroler Tourismus in Zukunft spielen? Trailrunning hat großes Potenzial im Ganzjahrestourismus. Die Zielgruppe gilt als outdooraffin, wetterfest und flexibel und ist dadurch besonders interessant für Randzeiten und Nebensaisonen. Trailrunning wird wahrscheinlich nicht der größte Markt im alpinen Sommertourismus werden, strategisch ist das Thema jedoch sehr spannend.
ZAHLEN, BITTE!
Um 231 % sind die Teilnehmerzahlen bei TrailrunningEvents zwischen 2010 und 2019 international gestiegen 9.000 Teilnehmer:innen waren heuer beim TrailrunningFestival in Innsbruck dabei.
Eine internationale Marktstudie unterstreicht das Potenzial: Der globale Trailrunning-Schuhmarkt soll von 4,79 Milliarden US-Dollar 2026 auf 9,46 Milliarden bis 2035 steigen .
Ausgezeichnet
Beim AlpenKlimaGipfel in der Tiroler Zugspitz Arena wurde am 23. Juni erstmals der Alps Future Award vergeben. Das waren die Finalisten:

SIEGERPROJEKT
KATEGORIE „TOURISMUS“
SIEGERPROJEKT
KATEGORIE „LEBENSRAUM TIROL“
HELIOPLANT® TIEFENBACHGLETSCHER SÖLDEN
(EHOCH2 GMBH, TIROL)
Ein neuartiges, baumförmiges PV-System, das sich durch Luftverwirbelungen dauerhaft selbst schneefrei hält. Seit 2023 läuft eine Testanlage am Tiefenbachgletscher (90 kWp). Bis Herbst 2026 folgt eine Anlage mit 6,3 MWp, die rund 35 Prozent des Strombedarfs der Bergbahnen Sölden abdeckt.
OLM NATURE ESCAPE: ENERGIEAUTARKER
NATURTOURISMUS
Eines der ersten nahezu energieautarken Eco-Aparthotels im Alpenraum, gelegen im Ahrntal: 1.200 PV-Module, 126 Erdwärmesonden und Wasserkraft erzeugen rund 600.000 kWh jährlich. Das Projekt überzeugt auch wirtschaftlich – mit einer Auslastung von 87,5 % , einem EBITDA von 23 % und 18 von 22 Mitarbeitenden aus der Region


DIE WEITEREN FINALISTEN
In der Kategorie „Lebensraum Tirol“ waren neben dem Siegerprojekt auch die Tiroler Versicherung mit mit dem Projekt „Energiewende im Gründerzeithaus: 78 % CO₂-Reduktion“ und Eurogast Grissemann mit dem Projekt „ Nachhaltige Lebensmittelzustellung mit E-LKW“ nominiert. In der Kategorie „Tourismus“ waren das Südtiroler Eggental mit „Eggental Taste Local – Regionale Kreisläufe neu gedacht“ und Allgäu Tourismus mit „Allgäu-Walser-Pass: Ein Code für alle Fälle“ weitere Finalisten.
Im Sommer punktet Tirol mit kühlen Höhenlagen, die auch in den heißesten Monaten für Bewegung und Regeneration genutzt werden können.


„Dort, wo Betriebe, Bewohner:innen und junge Generationen Zukunft
gemeinsam gestalten, wachsen Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit.“
RALF ROTH , INSTITUT FÜR OUTDOOR SPORT UND UMWELTFORSCHUNG SPORTHOCHSCHULE KÖLN
von Tourismus, Mobilität, Infrastruktur und regionaler Wirtschaft. Es gelte, auch in resiliente Infrastruktur und einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zu investieren. Entscheidend ist für Roth auch, die Menschen in den Regionen einzubinden: „Dort, wo Betriebe, Bewohner:innen und junge Generationen Zukunft gemeinsam gestalten, wachsen Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit.“
Dekarbonisierung, Ressourceneffizienz und nachhaltige Mobilität sieht er als Wettbewerbsfaktoren – hier will er touristische Regionen in Zukunft als Vorreiter sehen –, anstatt nur zu versuchen, mit
urbanen Lebensräumen mithalten zu können. Digitale Services, flexible Urlaubsmodelle und Energieeffizienz sollten Standard sein.
VERBINDUNG VON SOMMER UND WINTER
Für Ralf Roth hat Tirol beste Voraussetzungen, seine Position als „führenden alpinen Erlebnis-, Sportund Bewegungsraum Europas“ weiterzuentwickeln.
Den Wintersport, insbesondere den alpinen Skisport sieht er auch in Zukunft als „starkes Premiumprodukt“. Der Sommer in den Alpen wiederum habe den Vorteil, abseits hitzegeplagter urbaner Räume gute Bedingungen für Sport, Erholung und Regeneration bieten zu können. „Die Zukunft liegt nicht im Entweder-oder zwischen Sommer und Winter, sondern in der intelligenten Verbindung beider Stärken“, so Ralf Roth.
Die Chance in der Veränderung liegt für Ralf Roth also in einem qualitätvollen Ganzjahrestourismus, einer engen Zusammenarbeit mit den Menschen in den Regionen und in Investitionen in eine resiliente Infrastruktur. So sieht er die Zukunft Tirols aufgestellt: „Das Vermächtnis erfolgreicher Tourismusentwicklung liegt darin, wirtschaftlichen Erfolg, hohe Lebensqualität, Klimaschutz und Anpassungsfähigkeit so zu verbinden, dass auch kommende Generationen von starken alpinen Lebens-, Erlebnis- und Bewegungsräumen profitieren.“
Wintersport, vor allem Skisport, bleibt auch in Zukunft ein starkes Premiumprodukt.

MEHR BALANCE WENIGER TAMTAM,
Gesellschaftliche Veränderungen gehen auch mit veränderten Bedürfnissen einher – denen der Gäste, die Tirol als Urlaubsdestination wählen, und denen der Menschen, die im Tourismus arbeiten.
Text: Rebecca Müller
Wolf Lotter ist Autor, Mitgründer des digitalen Mediums brand eins und gilt als Vordenker auf dem Gebiet der Transformation von der Industrie- zur Wissensgesellschaft.
Aufgrund dieser Transformation befände sich die Gesellschaft, so Lotter, gerade in einer „intensiven Phase“. Die Mehrheit der Menschen in den ehemaligen Industriestaaten würde wissensbasierte Dienstleistungen, sogenannte Wissensarbeit, leisten, und damit verändern sich ihre Bedürfnisse: „Wer mit dem Kopf arbeitet, sucht Ruhe, Ausgleich, einen Gegenpol zum Alltag. Action ist out, Relaxen, Wellness, aber auch Privatsphäre im Urlaub werden immer wichtiger.“
Die Auswirkungen dieser Entwicklung, ist Lotter überzeugt, sehen wir – auch im Tourismus – bereits seit Jahrzehnten: „Die ganze Wellnessbewegung und die Retreat- und Yoga-Moden beruhen ja darauf.“
KLARE ANGEBOTE
Wer diesem Trend mit touristisch nachhaltigen Angeboten begegnen will, müsse das mit Qualität und Konsequenz tun, rät Wolf Lotter. Es brauche noch mehr Angebote der Ruhe und Entspannung. Aber

ZUR PERSON
Wolf Lotter ist Autor („Digital Erwachsen“, im Herbst 2026 erscheint „Ruhe! Das Ende der Unaufmerksamkeitsgesellschaft“), Mitgründer von brand eins und gilt als Vordenker auf dem Gebiet der Transformation von der Industriezur Wissensgesellschaft.
„Das ‚anything goes‘ ist vorbei.“
nicht nur in Betrieben, auch Destinationen müssten dieses Versprechen halten: „Man kann nicht an einem Ort ein Open-Air-Konzert abhalten und gleichzeitig Wellness veranstalten.“
Lange habe hier die Haltung vorgeherrscht: „Diesen Wellnesstrend, den nehmen wir auch noch mit.“ Lotter glaubt, eine gewisse Differenzierung sei „grundsätzlich okay“, aber: „Sie hat dort ihre Grenzen, wo die Vielfalt des einen der Nachteil der anderen ist. Kurz und gut: Das ‚anything goes‘ ist vorbei.“
WOLF LOTTER , AUTOR →
SO GEHT’S
Angebote und Veranstaltungen, die erfolgreich auf vorhandene Veränderungen reagieren:

Lang lebe Longevity

Das Alpin Resort Sacher in Seefeld hat sich ganz den Themen Longevity und Better Aging verschrieben. Das Angebot verspricht mehr als Wellness: Gesundheitsanalysen, individuelle Detox-Therapien und Regenerationsstrategien, eingebettet in den Luxus eines 5-Sterne-Hauses. Hervorgehoben wird die umliegende Natur, neben sanften Sportarten wie Yoga wird auch intensives Höhentraining angeboten.
Hotels für Entdecker:innen
Sportliche Entdeckungslust, Onlinereservierung, günstige Preise und Nachhaltigkeit: Das Gästesegment, dem diese Kriterien wichtig sind, bedient das Konzept der Explorer Hotels. 2010 eröffneten Jürnjakob Reisigl und Katja Leveringhaus das erste Haus im Allgäu, im Herbst 2026 soll Haus Nummer zwölf in Bayrischzell dazukommen. In Tirol gibt es die Hotels im Stubaital, in Kitzbühel sowie im Ötz- und im Zillertal. Die Passivhäuser sind explizit auf eine junge, sportliche und umweltbewusste Zielgruppe ausgerichtet. Spezialisierung als Erfolgsmodell.


Fasten auf höchstem Niveau
Auf ganzheitliche Gesundheit setzt man auch im Lanserhof. Hier wird ebenfalls mit medizinischer Expertise als Basis für buchbare Urlaubspakete im höheren Segment geworben. Teil des Konzepts ist eine individuell abgestimmte Fastenkur mit professioneller Diagnostik, einem dazugehörigen Bewegungsplan und einer extra dafür entwickelten Küche, der „Lanserhof Energy Cuisine“.
In den Explorer Hotels ist alles auf die aktive Zielgruppe ausgerichet – Möglichkeit zur Fahrradreparatur inklusive.


„Relaxen, Wellness, aber auch Privatsphäre im Urlaub werden immer wichtiger.“
WOLF LOTTER
QUALITÄT UND KONSEQUENZ
Für den Tiroler Tourismus sieht Wolf Lotter auf Basis seiner Analyse vorwiegend neue und sehr gute Chancen. Vor allem, weil dafür ein Qualitätsbewusstsein notwendig ist, das er zumindest in der heimischen Spitzenhotellerie bereits erkennt. Diese definiert er unter anderem mit Verlässlichkeit und der Abwesenheit von negativen Überraschungen vor Ort.
Wo er noch Verbesserungspotenzial ortet, ist in der Zusammenarbeit von Betrieben, Anbietern und den Gemeinden. „Vielleicht müssen alle Beteiligten wieder lernen, die Privatsphäre des anderen mehr zu achten. Das heißt: Weniger Tamtam im öffentlichen Bereich, mehr Respekt vor den Bedürfnissen der anderen“, schlägt Lotter vor. Kombiniert mit der sicheren Lage in Europa – im Kontrast zur volatilen globalen geopolitischen Situation – mache das den europäischen Markt attraktiv(er).

Tirol ist bekannt für seine Familienbetriebe. Auch die neue Gastgebergeneration hat Werte und Bedürfnisse.
AUCH GASTGEBER VERÄNDERN SICH
Verändert haben sich aber nicht nur die Bedürfnisse der Gäste, sondern auch jene der Gastgeber:innen. Die Zeiten, in denen das private Leben und zum Teil auch die eigene körperliche wie mentale Gesundheit der Führung des Betriebs untergeordnet wurde, sind vorbei. Immer mehr Familienbetriebe im Tiroler Tourismus werden zum Beispiel von Geschwistern übernommen. So können die Aufgaben und vor allem die Arbeitsbelastung aufgeteilt werden. Persönlichen Bedürfnissen wird mehr Raum gegeben.
Diesen Trend klar erkennen kann auch Anita Zehrer, die sich in ihrer Arbeit seit Jahren mit Betriebsübergaben von Familienunternehmen beschäftigt. Eine jüngere Generation würde Familienleben, Freizeit und mentale Gesundheit anders gewichten, meint Zehrer: „Es findet ein Wertewandel statt, der unter anderem darin resultiert, sich die Führung eines Betriebs zu teilen.“
BALANCE UND SPEZIALISIERUNG
Die Beweggründe, die Führung eines Tourismusbetriebs zu teilen, hätten vor allem mit dem Wunsch nach mehr Work-Life-Balance zu tun. Aber auch mit der veränderten Lebens- und Arbeitswelt. Es gehe nicht nur darum, Verantwortung zu teilen und klare Vertretungen bei Urlaub, Krankheit oder in bestimmten Familienphasen zu haben: „Geteilte
„Es findet ein Wertewandel statt, der unter anderem darin resultiert, sich die Führung eines Betriebs zu teilen.“
ANITA ZEHRER , MCI
Führung hilft zugleich, die wachsende Komplexität im Hinblick auf Digitalisierung und Regulierung zu bewältigen.“
Diese Art der Unternehmensführung würde auch eine Spezialisierung der Akteur:innen fördern, erklärt Anita Zehrer: „Wie zum Beispiel: Produkt, Markt, Finanzen auf der einen, und People-Themen auf der anderen Seite. So steigt die Professionalität und sogenannte Blindspots werden seltener.“ Das mache Unternehmen resilienter, weniger abhängig und später dann auch wieder „nachfolgefähiger“.
Zehrer glaubt auch, eine geteilte Führung würde nach außen positiv wirken. Sie signalisiere moderne Zusammenarbeit und steigere die Attraktivität als Arbeitgeber. „Gleichzeitig verteilt sich unternehmerisches, finanzielles und psychisches Risiko auf mehrere Schultern.“
GETEILTE FÜHRUNG:
TIPPS FÜR DIE PRAXIS
Anita Zehrer, Expertin für Familienunternehmen und Professorin am MCI, gibt Tipps, wie die geteilte Übernahme bzw. Führung eines Betriebs gelingen kann.
ZIELBILD ALS STARTPUNKT:
Wofür stehen wir, was gilt als Erfolg? Der Start gelingt am besten mit einem schriftlichen Zielbild.
REGELN:
Eine geteilte Führung braucht klare Rollen, definierte Entscheidungsrechte und Eskalationswege, gemeinsame Ziele sowie regelmäßige Abstimmung.

FIX:
Einen schlanken Entscheidungsmechanismus mit fixer Taktung (wöchentlich für das operative Geschäft, monatlich für die Strategie) festzulegen, ist ebenfalls wichtig.
ABGRENZUNGEN:
Pro Bereich eine eindeutige Primärverantwortung festlegen: Wer entscheidet was alleine, wofür braucht es die Zustimmung des/der anderen?
TRANSPARENZ:
Offen aus- und angesprochene Vereinbarungen zu Vergütung, Leistungsmessung, Konfliktlösung und möglichen Exits. Sonst drohen Reibungsverluste, Entscheidungsverzögerungen und Konflikte. Im Zweifelsfall: Coaches oder Mediator:innen können helfen, Konflikte rasch aufzulösen.
ZUSAMMENGEFASST:
Klarheit, schriftliche Regeln und kurze Schleifen machen geteilte Nachfolge alltagstauglich.
RAUM FÜR DAS EIGENE LEBEN BEWAHREN
Sabrina und Katrin Steindl sind die „Unterwirtinnen“. Gemeinsam haben die beiden Schwestern den Familienbetrieb übernommen. Im Interview mit SAISON erzählen sie von ihren Erfahrungen.

Sie haben den elterlichen Betrieb gemeinsam mit Ihrer Schwester übernommen – wie kam es dazu? SABRINA STEINDL: Für uns war immer klar, dass der Unterwirt emotional nie „einer allein“ gehören kann. Wir sind gemeinsam mit zwei weiteren Schwestern hier aufgewachsen. Direkt nach der Pflichtschule sind wir alle ausgeflogen –der Unterwirt blieb dabei immer unser Herzensort, das Zuhause einer großen Familie. Seit Generationen. Zwei von uns sind schließlich wieder hier gelandet. 2019 haben wir beschlossen, den Weg gemeinsam zu gehen.
Was war die Grundlage für diese Entscheidung? Unsere Eltern haben uns vorgelebt, wie viel Einsatz, Verantwortung und persönliche Identifikation ein Familienunternehmen verlangt. Gleichzeitig haben sie bewusst darauf geachtet, sich persönliche Freiräume, Beziehungen und eigene Leidenschaften zu erhalten. Darin lag für uns eine prägende Erkenntnis: Nicht die Intensität der Arbeit an sich ist herausfordernd, sondern ob es gelingt, neben der Verantwortung auch Raum für das eigene Leben zu bewahren.
Ist die Idee aufgegangen? Am Anfang war es eine Vermutung, heute ist es Gewissheit: Wir ergänzen uns als Geschäftspartnerinnen außergewöhnlich gut. Als Schwestern kennen wir einander in allen
SAISON :


Das denkmalgeschützte Gebäude wurde von den „Unterwirtinnen“ mit Liebe zum Detail eingerichtet.
Facetten – das ist im Alltag unglaublich wertvoll. Gleichzeitig glauben wir, dass ein Betrieb von unterschiedlichen Perspektiven lebt. Und wir glauben nicht an das Bild der Einzelkämpferin, die alles allein stemmen muss.
In der Praxis – wie teilen Sie die Arbeit auf? Natürlich überschneiden sich viele Bereiche, trotzdem haben wir klare Schwerpunkte. Ich verantworte den täglichen Betrieb – von operativen Abläufen und betriebswirtschaftlichen Kennzahlen über den gesamten Food-und-BeverageBereich bis hin zur Land- und Forstwirtschaft, die zum Unterwirt gehört. Katrin kümmert sich stärker um Strategie, Kommunikation, Marketing und den Hotelbetrieb.
Den Unterwirt in Ebbs gibt es seit 1490, seit 2019 wird er von den Schwestern Sabrina und Katrin Steindl geführt.


ZUR PERSON
Wichtige Entscheidungen versuchen wir dennoch gemeinsam zu treffen. Das braucht Abstimmung – aber genau daraus entstehen oft die besten Ideen. Und vielleicht das Wichtigste: Wir vertrauen einander. Nicht jede Entscheidung muss bis ins letzte Detail gemeinsam diskutiert werden.
Welche Tipps haben Sie für andere, die ebenfalls überlegen oder vorhaben, einen Betrieb gemeinsam zu führen? Man sollte sich zuerst ehrlich fragen: Können wir offen miteinander sprechen – auch dann, wenn es unangenehm wird? Klare Verantwortlichkeiten helfen enorm. Gleichzeitig darf nicht alles zu starr werden, damit die eigenen Entwicklungsräume veränderlich sind.
Wichtig ist auch, einander individuelle Erfolge zu gönnen und nicht permanent recht haben zu müssen. Daran müssen auch wir als Schwestern stetig feilen. Und vielleicht das Entscheidende: Man sollte nicht versuchen, alles exakt so weiterzuführen wie die Generation davor.
Sabrina Steindl: Absolvierte gastronomische und betriebswirtschaftliche Ausbildungen und studierte Geschichtswissenschaften sowie Betriebswirtschaft.
Ihre Schwester Katrin Steindl studierte Informationsdesign, arbeitete für einen internationalen Luxuskonzern, kuratierte unter anderem den Designsalon der Landesgalerie Linz und war später in der strategischen Markenkommunikation tätig.
„Wir glauben nicht an das Bild der Einzelkämpferin, die alles allein stemmen muss.“
SABRINA STEINDL

CHANCEN IN UNSICHEREN

ZEITEN
Der Tiroler Tourismus steht derzeit unter dem Eindruck mehrerer gleichzeitiger Entwicklungen: einer schwächeren Konjunktur in Europa, anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten und steigenden Kosten. Oliver Fritz vom WIFO und Thomas Reisenzahn von der Prodinger Tourismusberatung ordnen die Lage ein.
Text: Barbara Kluibenschädl

Lastmanagement –beispielsweise bei abendlichem Hochbetrieb in der Sauna später mit der Küche anzufangen, um Energiespitzen auszugleichen – ist eine Möglichkeit, im operativen Bereich zu sparen.

ZUR PERSON
Thomas Reisenzahn ist Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung und berät Betriebe zu Strategie, Positionierung und betriebswirtschaftlicher Entwicklung im Tourismus.
Wenn sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen weltweit verschieben, bleibt das auch für den Tourismus in Tirol nicht ohne Folgen. „Konjunktur, Inflation und Kostenentwicklung wirken direkt auf das Reiseverhalten der Gäste und auf die Entscheidungen der Betriebe“, sagt Oliver Fritz, Ökonom beim WIFO in Wien. In vielen europäischen Ländern wachse die Wirtschaft derzeit nur langsam oder stagniere sogar, gleichzeitig bleibe die Inflation im Alltag deutlich spürbar. Energie, Wohnen und Lebensmittel seien weiterhin teuer. „Die grundsätzliche Freude am Reisen ist deswegen zwar nicht verschwunden“, so Fritz, „aber die Leute überlegen viel genauer, wohin sie fahren und wie viel sie dafür ausgeben.“
„Die Kosten sind stärker gestiegen als die Preise.“
THOMAS REISENZAHN, GESCHÄFTSFÜHRER PRODINGER
TOURISMUSBERATUNG
Die anhaltende Inflation schlägt sich auch in den Preisen im Tourismus nieder. „Die Energiekosten sind seit der Pandemie bis Mitte 2025 um rund 44 Prozent gestiegen“, erklärt Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung. Gleichzeitig hätten auch Personal- und Wareneinsatz deutlich zugelegt. Viele Betriebe könnten diese Kostensteigerungen jedoch nur teilweise an die Gäste weitergeben. „Die Kosten sind stärker gestiegen als die Preise“, so Reisenzahn. Vor allem im mittleren Segment stoßen weitere Preiserhöhungen zunehmend an Grenzen.
„Konjunktur, Inflation und Kostenentwicklung wirken direkt auf das Reiseverhalten der Gäste und auf die Entscheidungen der Betriebe.“
OLIVER FRITZ, SENIOR ECONOMIST, WIFO
EFFIZIENZ ALS HEBEL
Die Antwort vieler Betriebe liegt deshalb im operativen Bereich. Energie sparen und Abläufe optimieren werden immer wichtiger. Eine Möglichkeit sei Lastmanagement: „Wenn die Gäste am Abend in die Sauna gehen und dort Hochbetrieb ist, versucht man, um Energiespitzen auszugleichen, mit der Küche später anzufangen“, erklärt Reisenzahn. Auch Wäscherei oder andere energieintensive Bereiche würden zeitlich abgestimmt, um Verbrauchsspitzen zu reduzieren. „Solche Lastenausgleiche bringen wirtschaftlich etwas und tun gleichzeitig der Umwelt gut“, sagt er. Parallel investieren viele Betriebe in Photovoltaik, Fernwärme, Biomasse oder Wassersparmaßnahmen. Aber auch kleine Maßnahmen würden Wirkung zeigen. Reisenzahn erzählt von einem Hotelier mit dem Motto „Bye-bye Standby“, der konsequent alle unnötigen Standby-Verbraucher im Betrieb entfernt habe.

ZUR PERSON
Oliver Fritz ist Senior Economist am WIFO in der Forschungsgruppe Regionalökonomie und räumliche Analyse. Seine Schwerpunkte liegen in der Tourismus- und Freizeitökonomie sowie in der regionalen Konjunkturbeobachtung und der Analyse wirtschaftspolitischer Maßnahmen.

Neben den Energie- und Personalkosten sind auch die Kosten für den Wareneinsatz deutlich gestiegen.
Umsätze im Österreich-Tourismus pro Nacht
(real vs. nominal)
Preissteigerungen im Ländervergleich seit Ende 2019
(Hotels und Restaurants)
Quelle: Statistik Austria, Uni Credit
Quelle:
Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten lassen die Treibstoffpreise steigen – Fliegen wird teurer.

S olche Maßnahmen seien entscheidend, wichtig sei aber auch eine klare Positionierung am Markt, sagt Reisenzahn – gerade um Preisdruck nach unten zu vermeiden. „Betriebe, die genau wissen, wer ihre Zielgruppe ist und wie sie diese ansprechen, haben die besseren Betriebsergebnisse.“ Dabei gehe es nicht nur um Marketing, sondern um die gesamte strategische Ausrichtung eines Betriebs – vom Produkt über die Preislogik bis hin zur Zielgruppenansprache.
INDIREKT, ABER DEUTLICH
Auch geopolitische Entwicklungen wirken in die Branche hinein. Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten beeinflussen die globalen Energiemärkte. „Das spürt man dann über die Öl- und Treibstoffpreise sehr unmittelbar“, so Fritz. Besonders Flugreisen werden dadurch teurer, gleichzeitig steigen die Unsicherheiten bei internationalen Buchungen.
Für Tirol ergeben sich daraus aber nicht nur Risiken. Der Ökonom sieht auch Chancen: „Wenn Flugreisen teurer werden, greifen Gäste stärker auf Auto- oder Bahnreisen zurück.“ Gerade Tirol
Hohe Energiepreise machen die Bahn für viele Reisende noch attraktiver.

„Wenn Flugreisen teurer werden, greifen Gäste stärker auf Autooder Bahnreisen zurück.“
OLIVER FRITZ,
SENIOR
ECONOMIST, WIFO
profitiere dabei von seiner starken Stellung in den Nahmärkten Deutschland, Niederlande, Italien und Schweiz. Fernmärkte wie Asien oder der Nahe Osten seien für Tirol insgesamt weniger entscheidend als für Städte wie Wien oder Salzburg. Einzelne Destinationen mit starker Abhängigkeit von arabischen Gästen würden die Entwicklung aber durchaus spüren.
WACHSTUM
NEU DENKEN
Neben Kosten- und Nachfrageentwicklung verschiebt sich auch der Blick auf Wachstum im Tourismus. Themen wie Overtourism, Klimawandel und saisonale Überlastung rücken stärker in den Vordergrund. Fritz plädiert deshalb dafür, weniger auf reine Nächtigungszahlen zu schauen und stärker auf Wertschöpfung: „Es geht darum, welche Art von Tourismus wir wollen und welchen Wert er schafft.“
Reisenzahn sieht beim Thema Overtourism vor allem die extreme Konzentration auf wenige Spitzenzeiten kritisch. „Wir haben eine irrsinnige Zuspitzung auf wenige Monate“, sagt er. Besonders Jänner und Feber seien massiv ausgelastet, während der März deutlich verloren habe. „Seit 2018 haben wir in Tirol im März rund 30 Prozent der Nächtigungen verloren.“ Für ihn brauche es deshalb stärkeres Denken in Ganzjahrestourismus und saisonaler Verteilung statt weiterer Verdichtung in wenigen Spitzenwochen.
TIROL ZUM
ER LEBEN
Das „Moments Tirol“ ist als Treffpunkt konzipiert.


Mit „Moments Tirol“ gibt es seit März einen ganz der Marke Tirol gewidmeten Ort im Innsbrucker Zentrum. Mit einer Kombination aus Kulinarik, Einkaufsmöglichkeiten und Veranstaltungen soll Tirol in seiner Vielfalt erlebbar gemacht werden – für Gäste wie Einheimische.
Text: Lisa Schwarzenauer

Im März eröffnete am Innsbrucker Franziskanerplatz das „Moments Tirol“, das die Marke Tirol anstelle der beiden bisher bestehenden Tirol Shops in der Maria-TheresienStraße und am Burggraben in der Landeshauptstadt sichtbar macht. Zum 25-jährigen Jubiläum des Tirol Shops wurde das Konzept komplett neu gedacht und für das Jahr 2026 interpretiert: Anstelle eines reinen Shop-Angebotes kombiniert der Standort die Kollektion des Tirol Shops und ausgewählte andere Produkte aus Tirol mit regionaler Kulinarik und einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm. Damit soll die Marke Tirol in all ihren Facetten erlebbar werden – und das nicht nur für Gäste, sondern auch für Einheimische.
TIROL AUF DER HAUT – UND DER ZUNGE
Das „Moments Tirol“ ist in zwei Bereiche unterteilt, die bei Bedarf – beispielsweise für Events – komplett voneinander getrennt werden können: die Gastrofläche mit Sitzgelegenheiten und einer großzügigen Bar sowie den Shop-Bereich. Dort findet sich neben Bekleidung und Souvenirs aus der Tirol Shop-Kollektion auch regionales Handwerk: Aktuell präsentieren Tiroler Handwerksbetriebe aus den Bereichen Drechslerei und Töpferei sowie regionale Seifenmanufakturen ihre Produkte in der Markenwelt, die auch eine Bühne für wechselnde Partner bieten soll.

Im „Moments Tirol“ trifft Tiroler Kulinarik auf regionale Produkte.
VIELSEITIGER TREFFPUNKT
Das „Moments Tirol“ bietet im Innenraum Platz für 45 Gäste, mit dem Gastgarten bietet es insgesamt Raum für 80 Besucher:innen . Neben zeitgenössischer Tiroler Kulinarik und regionalen Produkten können Besucher:innen über das Jahr verteilt verschiedene Veranstaltungen – alle mit TirolBezug – erleben. In Kooperation mit dem Musikbüro Tirol gehört beispielsweise der erste Montag im Monat lokalen Musiker:innen , einmal im Quartal wird die Markenwelt zum Schauplatz für Überraschendes aus Kunst und Handwerk. Bereits in Planung sind unter anderem Formate wie das „Moments Genusslabor“, das eine Bühne für regionale Produzent:innen bietet, Live-Podcasts und Talk-Formate mit inspirierenden Persönlichkeiten.
Tirol wird durch Elemente wie das klassische Rot und Holzschindeln auch im Design spürbar.

Um den kulinarischen Aspekt kümmert sich das Pächterduo Sonja Schütz und Tomas Raska. Sie und ihr Team bieten in Zusammenarbeit mit regionalen Produzent:innen und der Agrarmarketing Tirol modern interpretierte Tiroler Spezialitäten an: Auf der Karte finden sich beispielsweise hausgemachter Hefezopf mit Almbutter und Marmelade, Tatar vom Tiroler Almrind, Jausenplatten und Apfelstrudel.
GEFÜHL ALS DESIGN
Für die Gestaltung verantwortlich war das Büro Schmücking. Die Aufgabe bestand darin, Tirol als Ganzes räumlich erfahrbar zu machen. Statt auf bekannte Symbole zurückzugreifen, entschieden sich die Architekt:innen, mit Assoziationen wie dem Geruch von Gras auf einer Almwiese und der Wärme eines Kachelofens zu arbeiten und diese gestalterisch zu übersetzen. So entstand beispielsweise die zentrale, aus Betonfertigteilen gebaute „Felswand“ im Zentrum des Raumes, die mit unterschiedlichen Farbtönen und Oberflächen die geologischen Schichten Tirols aufgreift. Auch die traditionelle Stadelkultur und das ikonische Tirol-Rot wurden aufgegriffen, um den idealen Rahmen für eine zeitgemäße, moderne Markenwelt zu schaffen.

Neben Tiroler Handwerk findet sich auch die aktuelle Tirol Shop-Kollektion im Retail-Bereich.

AUSGEZEICHNET
Im Rahmen des Tiroler Tourismusforums wurden die Tirol Touristica Awards 2026 vergeben. Der Preis für das Lebenswerk ging heuer an den Tourismusvisionär Franz Tschiderer. Die Kristallwelten Wattens, Preisträger bei der ersten Ausgabe von Tirol Touristica 1996, bekamen 30 Jahre später den Jubiläumspreis. In der Nachwuchs-Kategorie durften heuer Madeleine Baruk (MCI) ihre Idee „AlpBox Tirol“ und Johann Leopold Bahr (MCI) sein Konzept „Dark Sky Tirol“ live am Tiroler Tourismusforum präsentieren.

Tourismustitan, Taktgeber, Tirol Touristica

PREISTRÄGER LEBENSWERK 2026
Schon in jungen Jahren sorgt Franz Tschiderer als Schlagzeuger der Band „Sparks“ für den richtigen Rhythmus, brennt als studierter Wirtschaftswissenschaftler später für den Tiroler Tourismus und wird so zum Taktgeber einer ganzen Branche. Der Tirol Touristica 2026 für das Lebenswerk geht an einen Visionär, den die renommierte Wochenzeitung „Die ZEIT“ bereits im Jahr 2017 mit dem Titel „Dr. Alpenkönig“ geadelt hat.
Text: Stefan Kröll und Florian Neuner
Der Weg in den Tourismus ist für den jungen Franz Tschiderer keineswegs vorgezeichnet. Obwohl er aus einer Serfauser HotelierDynastie stammt, zieht es ihn vorerst in die akademische Welt zum Wirtschaftsstudium an die renommierte Universität in St. Gallen. Auch nach dem Studium bleibt er in der Schweiz, wirkt drei Jahre lang als Forschungsassistent, schreibt wissenschaftliche Aufsätze, reist um die Welt und begeistert sich für die großen Resorts Nordamerikas, die den Wintertourismus neu definieren. Am Ende steht eine Dissertation über Destinationsentwicklung – und die Erkenntnis, dass die Alpen weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. „In den Siebzigerjahren gab es im Alpenraum keinen Innovationsdruck“, sagt Tschiderer heute. „Tourismus war ein Selbstläufer. Niemand machte sich Gedanken über den nächsten Winter hinaus.“
Was ihn in St. Gallen wirklich prägt, geht über wissenschaftliche Literatur hinaus, ist ein Denkansatz, der ihn ein Leben lang faszinieren wird: die Systemtheorie. Die Idee, dass ein komplexer Organismus nur dann funktioniert, wenn seine Teile aufeinander abgestimmt sind und ein gemeinsames Ziel verfolgt wird. Diese Theorie mit der touristischen Praxis zu verbinden, wird fortan zum Leitstern einer außergewöhnlichen Karriere. 1981 kehrt er mit seiner Dissertation zurück nach Serfaus. Das elterliche Hotel, das Bergdorf Serfaus, später die gesamte Region wird zu seinem Labor.
DER KINDERHOTEL-PIONIER
K ein klassischer Hotelier zu sein, ist für Franz Tschiderer kein Manko. Sein Intellekt, seine analytische Präzision, seine Eigenart neue Wege zu sehen, lassen ihn schnell ausgetretene Pfade verlassen. Während andere jeden Abend von Tisch zu Tisch flanieren, um ihre Gäste zu begrüßen, brennt er für die Frage: Wie entwickelt man ein Produkt, das wirklich funktioniert? Die Antwort findet der junge Familienvater unverhofft, auf Umwegen im Urlaub. Mit seiner
Schon bei der Band „Sparks“ wirkte Franz Tschiderer (hi. li. am Schlagzeug) im Hintergrund und gab von dort den Takt vor.

„Die dachten, ich spinne.“
FRANZ TSCHIDERER

Franz Tschiderer (M.) war schon in jungen Jahren unterwegs, um sich Inspiration zu holen.
Frau Sabine und der dreijährigen Tochter Michaela landet das Paar in einem Kurhotel in Kärnten. Das quirlige Kind passt so gar nicht in den beschaulichen Hotelalltag, die Tschiderers fühlen sich bald fehl am Platz. Diese banale Alltagsbeobachtung wird zum Schlüsselmoment, der die Ausrichtung des eigenen Betriebs revolutioniert.
Ein radikaler Kurswechsel ist die Folge. Das Hotel Löwen in Serfaus, bislang ein solides Haus ohne besondere Ausrichtung, verwandelt sich in ein Kinderparadies. Tschiderer erinnert sich: „Der Kindergarten wuchs auf zwei Stockwerke, die Zimmer wurden für Familien vergrößert, die Löwenbar zur Spielzone.“ Die Folge: Stammgäste wandern ab, langjährige Mitarbeiter:innen kündigen, im Dorf wird getuschelt. „Die dachten, ich spinne“, erzählt Tschiderer. Er galt als der Studierte, der keine Ahnung vom Bergdorf hat. Drei Jahre später wird der Kindergarten bereits zu klein. Das Tuscheln verebbt, der Erfolg gibt ihm recht. Tschiderer hatte nicht bloß eine Nische entdeckt, er hatte sein theoretisches Wissen als Hotelier genützt und seinen systemischen Ansatz in die unternehmerische Praxis transferiert. Sein Motto lautet: Die ganze Energie auf die Zielgruppe Familie zu bündeln und dabei kein Sowohl-alsauch, keine Kompromisse zu dulden. Im legendären „ZEIT“-Porträt von Florian Gasser aus dem Jahr 2017 kann man seine Überzeugung nachlesen: „Es gibt keine bessere Strategie, als die Kräfte zu bündeln, so wie es Clausewitz in ‚Vom Kriege‘ geschrieben hat.“
DER ARCHITEKT EINER ERFOLGSREGION
A ls Franz Tschiderer 1988 das Obmann-Amt des Tourismusverbandes Serfaus übernimmt, beginnt die zweite, größere Etappe seines Lebenswerks. Der systemtheoretische Ansatz, der das Hotel Löwen zum Kinderhotel gemacht hatte, sollte nun eine größere Einheit erfassen. Alle Leistungsträger – Hotels, Skischulen, Bergbahnen, Gastronomie – werden auf eine einzige Zielgruppe verpflichtet: Familien. Den kompromisslosen Erfolgsweg skizzieren Wegbegleiter:innen heute augenzwinkernd so: Wer nicht mitzog, wurde überstimmt. Wer mitzog, profitierte. I m Jahr 2005 vollendet Tschiderer schließlich sein Werk: Die drei eigenständigen Tourismusverbände Serfaus, Fiss und Ladis fusionieren. Er übernimmt die Führung des Gesamtverbandes und steht bald auch dem Tirol Tourism Board vor – dem obersten Tourismusgremium des Landes, mächtige Schnittstelle zur Politik. Längst gilt er als Erfolgsarchitekt einer Region, die europaweit zu einer der führenden Erfolgsdestinationen im Alpenraum aufgestiegen ist. Und als Mitbegründer des Verbandes der Tiroler Tourismusverbände auch als Taktgeber und Dirigent einer Branche, für die er sich nach wie vor leidenschaftlich engagiert. Den großen Auftritt suchte er dabei nie, bleibt im Hintergrund und zieht von dort wirkungsvoll die Fäden. Einmal mehr beweist er sich in der „ZEIT“ als Meister der Selbstanalyse: „Ein Regisseur kann mehr bewirken als ein Schauspieler.“

A ngesprochen auf sein Erfolgsgeheimnis beweist er auch heute noch analytische Klarheit. Eine Vision könne man nur umsetzen, wenn alle Kräfte zusammenwirken, dafür müsse man sorgen. „Das Führungsnetzwerk in unserer Region war immer stabil und ist es bis heute geblieben. Darum muss man kämpfen.“
VISIONÄR MIT BLICK NACH VORN
M it demselben klaren Blick, mit dem er einst das Potenzial der Familiendestination erkannte, richtet er auch heute seinen Fokus auf die Herausforderungen der Tourismuswirtschaft und benennt sie klar. Der Klimawandel verändere den Wintertourismus strukturell. „Die Nachfrage im Spätwinter trübt sich ein, die Lust auf Winterurlaub nimmt ab März merklich ab. Regionen, die darauf nicht reagieren, werden es schwer haben.“ Zudem sei die Hotellerie in einer schwierigen Situation, qualifiziertes Personal
Weil wir’s genießen: Franz Tschiderer und seine Frau Sabine

„Die Nachfrage im Spätwinter trübt sich ein, die Lust auf Winterurlaub nimmt ab März merklich ab. Regionen, die darauf nicht reagieren, werden es schwer haben.“
FRANZ TSCHIDERER
sei Mangelware, während die Betriebskosten – Energie, Strom, Rohstoffe – stark steigen. „Die Umsätze pro Bett sind real seit 2019 nahezu unverändert, die Wertschöpfung stagniert, die Rendite geht zurück“, sagt Tschiderer. „Das ist eine ernste Entwicklung.“ Umso mehr kämpft er für den Erhalt jenes Modells, das Tirol stark gemacht hat: das Tiroler Tourismusgesetz. Es sorgt dafür, dass die Erträge des Tourismus in den Regionen bleiben und dort reinvestiert werden – ein wirtschaftlicher Kreislauf, der Wohlstand schafft und die Akzeptanz in der Bevölkerung gerade in tourismusintensiven Regionen hochhält. „So können Tourismusverbände ihre Gestaltungskraft behalten und ihre Beiträge für die Lebens- und Freizeitqualität im Lebensraum voll entfalten“, ist Tschiderer überzeugt.
A m 1. Juli erhält Franz Tschiderer beim Tourismusforum Tirol den Tirol Touristica für sein Lebenswerk. Rückwirkend betrachtet mag sein Wirken einem Masterplan gefolgt sein. Er selbst würde das in seiner Zurückhaltung und Bescheidenheit verneinen. Vielleicht würde er sagen, er habe nur Dinge zu Ende gedacht. Tatsächlich haben sein Intellekt, sein fundiertes Wissen, seine scharfe Beobachtungsgabe gepaart mit Managementstärke tiefe Spuren hinterlassen. Auch wenn der Schlagzeuger der „Sparks“ längst aufgehört hat zu spielen, den Takt gibt Franz Tschiderer bei entscheidenden Weichenstellungen der Tourismusentwicklung noch immer an. Wie seit Jahrzehnten wirkt er auch heute noch im Hintergrund und wurde so zu einer überragenden Persönlichkeit der Branche – zu einem Tourismustitan, wie es ihn in Tirol nicht zweimal gibt.
Wo der Riese dem Wandel begegnet
Seit mehr als drei Jahrzehnten begeistern die Swarovski Kristallwelten in Wattens
Einheimische und Gäste gleichermaßen. Dafür wurden sie heuer mit dem Tirol Touristica Jubiläumsaward ausgezeichnet. Managing Director Stefan Isser über das Erfolgskonzept der steten Veränderung.

ZUR PERSON
Stefan Isser ist seit 2012 Managing Director der Swarovski Kristallwelten. Der gebürtige Innsbrucker und studierte Betriebswirt ist bereits seit 1999 für Swarovski tätig. Zuvor arbeitete er für die Tirol Werbung.
Unverändert wacht der Riese über die Swarovski Kristallwelten. Die Erlebniswelt um ihn herum hat sich aber stetig verändert: Neue Wunderkammern, erweiterte Gartenlandschaften und Kunstinstallationen internationaler Künstler:innen machten die Kristallwelten zu einer der erfolgreichsten Tourismusattraktionen Tirols mit mehr als 600.000 Besucher:innen jährlich. Dafür werden die Swarovski Kristallwelten heuer mit dem Tirol Touristica Jubiläumsaward ausgezeichnet – 30 Jahre n achdem sie den ersten Tirol Touristica Award gewonnen hatten. „31 Jahre Kristallwelten bedeuten, dass viele Tirolerinnen und Tiroler mit dem Riesen aufgewachsen sind“, sagt Stefan Isser, Managing Director der Swarovski Kristallwelten. „Er ist Ausflugsziel für Tiroler:innen und Destination für internationale Gäste geworden.“

KONTINUITÄT TROTZ WANDEL
Der Riese steht für etwas, das die Swarovski Kristallwelten seit ihrer Eröffnung prägt: die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden, ohne die eigene Identität zu verlieren. „Permanente Verwandlung ist Programm, sie ist in der DNA der Kristallwelten“, so Isser. Ziel sei es von Beginn an gewesen, Kristall mit allen Sinnen erlebbar zu machen. Veränderungen seien dabei jedoch nie Selbstzweck, betont Isser. Neue Ideen würden sorgfältig analysiert, letztlich brauche es aber auch den Mut, neue Wege auszuprobieren. „Hauptsache keine Fehler zu machen, ist die falsche Herangehensweise“, sagt er. Die Heraus-
Swarovski Kristallwelten
Zahlen & Fakten:
• 18 Millionen Besucher:innen seit der Eröffnung
• Über 600.000 Gäste jährlich
• 800.000 handgesetzte Kristalle in der Kristallwolke
• 7,5 Hektar Gartenanlage
• 107 Herkunftsländer bei Online-Ticketkäufen im Jahr 2025
Das Karussell entstand in Zusammenarbeit mit dem Künstler und Designer Jaime Hayon.

forderung bestehe darin, die Anziehungskraft des Kristalls immer wieder neu zu interpretieren, ohne den Kern der Marke aus den Augen zu verlieren.
AUSBAU UND NEUAUSRICHTUNG
Nach mehreren Erweiterungen folgte 2015 die bislang größte Veränderung der Kristallwelten. Neue Gartenwelten entstanden, der Spielturm wurde eröffnet, das Karussell kam hinzu und das Veranstaltungsangebot wurde deutlich erweitert. Damit öffneten sich die Kristallwelten stärker für Familien und neue Zielgruppen. Diese Ausrichtung auf Kinder als Zielgruppe wurde damals teilweise unterschiedlich bewertet. Die zentrale Frage lautete: „Wie schaut das Spielen der Zukunft aus?“ Die Entscheidung für den Spielturm habe sich schließlich als wichtiger Entwicklungsschritt erwiesen. Die neuen Angebote verlängerten die Aufenthaltsdauer deutlich und machten die Kristallwelten verstärkt zu einem Halb- oder Tagesausflug für Familien.

PREISTRÄGER
Swarovski Kristallwelten
Timeline:
1995: Eröffnung der Swarovski Kristallwelten in Wattens anlässlich des 100-jährigen Jubiläums von Swarovski; Gestaltung durch André Heller
1997: Begrüßung des 1-millionsten Besuchers
2003: Erste große Erweiterung auf rund 4.000 m²; 5-millionster Besucher
2007: Zweite große Erweiterung mit umfassender Neugestaltung der Wunderkammern
2011: 10-millionster Besucher
2015: Größte Transformation bisher; Investition von rund 34 Millionen Euro für neue Wunderkammern, Kristallwolke, Spielturm und erweiterte Gartenlandschaft
2019: 15-millionster Besucher; Auszeichnung mit dem Österreichischen Umweltzeichen
2025: 18-millionster Besucher; Gäste aus 107 Ländern; Shuttlebus wird elektrisch
IMMER WIEDER ÜBERRASCHEN
Stefan Isser selbst begleitete einen großen Teil dieser Entwicklung. Der Innsbrucker kam 1999 zu Swarovski und übernahm 2012 die Geschäftsführung der Kristallwelten. Besonders überrascht habe ihn die steigende Bedeutung von Veranstaltungen und Aktivierungsimpulsen. „Von einem Nice-to-have wurde das zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit“, erklärt Isser. Erlebnisse müssten heute „einzigartiger, digitaler und immersiver“ werden. Die Aufgabe bestehe deshalb darin, die Menschen immer wieder neu zu überraschen – etwa durch Kooperationen wie jene mit Circus Roncalli. Trotz aller Veränderungen bleibt eine Konstante: „Der Riese ist selbst zur Ikone geworden“, sagt Isser. „Er hält seine schützende Hand über die Kristallwelten.“ Während sich rund um ihn vieles verändert, bleibt er das Symbol einer Erlebniswelt, die sich immer wieder neu erfindet.
Chiharu Shiota schuf die Wunderkammer „Crystallizing Identity“, die von einer japanischen Legende inspiriert ist.
NOMINIERT FÜR DEN NACHWUCHSPREIS 2026
Bühne frei für junge Ideen
Wie könnte Tourismus aussehen, wenn junge Menschen ihn neu denken?
Der Tirol Touristica Nachwuchspreis fördert visionäre Konzepte von Studierenden, die den Tourismus von morgen innovativer, nachhaltiger und zeitgemäßer gestalten möchten.
Guter Tourismus lebt davon, sich ständig neu zu erfinden. Und wer verstehen will, welche Ideen ihn wirklich weiterbringen, sollte auch jene Perspektiven ernst nehmen, die nicht im Tagesgeschäft der Branche verhaftet sind. Genau hier setzt der Tirol Touristica Nachwuchspreis an: Studierende aller Tiroler Universitäten und Fachhochschulen sind eingeladen, innovative Ansätze für einen zukunftsfähigen Tourismus zu entwickeln und einzubringen.
MEHR ALS EIN PREISGELD
Aus allen Einreichungen wählt eine Jury die zwei überzeugendsten Projekte aus. Diese pitchen ihre Ansätze schließlich live beim Tiroler Tourismusforum, wo das Publikum per Live-Voting über den Sieg entscheidet. Das Preisgeld von 2.000 Euro, gestiftet von der Hypo Tirol, ist dabei nur ein Teil der Auszeichnung: Mindestens ebenso wertvoll sind die Bühne vor der Branche, das unmittelbare Feedback aus der Praxis und Kontakte, die weit über den Wettbewerb hinausreichen können.
Die Finalisten 2026
Heuer überzeugten zwei Projekte, die unterschiedlicher kaum sein könnten: regionaler Genuss auf der einen, ein unverbauter Sternenhimmel auf der anderen Seite.
Über Tirols Bergen zeigt sich der Nachthimmel noch in ungetrübter Dunkelheit und bildet damit die Grundlage für das innovative Tourismuskonzept von Johann Leopold Bahr.

Genuss mit Herkunft

Madeleine Baruk vom MCI verpackt Tirol in eine Kochbox. Das Prinzip erinnert an HelloFresh: Alle Zutaten für ein vollständiges Gericht sind bereits zusammengestellt. Die „AlpBox Tirol“ geht jedoch einen Schritt weiter. Über QR-Codes lässt sich jede Zutat bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgen. Wer den Speck im Gröstl kostet, erfährt, von welchem Hof er stammt, lernt die Menschen dahinter kennen und entdeckt, welche Angebote sie vor Ort bereithalten. So wird aus dem gemeinsamen Kochen ein authentisches Tirol-Erlebnis, das Gäste mit regionalen Produzenten, gelebter Kultur und heimischen Genusswelten verbindet. Und davon haben am Ende alle etwas: Produzenten gewinnen neue Absatzmöglichkeiten, Gastgeber ein emotionales Willkommens- oder Abschiedsgeschenk und die Region eine Möglichkeit, ihre kleinen Betriebe sichtbarer zu machen.



Hinter jedem Gemüse steckt ein Hof, ein Gesicht, eine Geschichte –die „AlpBox Tirol“ will genau das für Gäste sichtbar machen.
Tourismus nach
Sonnenuntergang
Johann Leopold Bahr – ebenfalls vom MCI –hat erkannt, dass Tirol über eine Ressource verfügt, die in weiten Teilen Europas längst der Lichtverschmutzung zum Opfer gefallen ist: einen Nachthimmel, an dem man tatsächlich noch Sterne zählen kann. Unter dem Namen „Dark Sky Tirol" entwickelte er ein Konzept, das genau diesen Schatz für Gäste erlebbar macht – mit geführten Beobachtungsabenden an geeigneten Standorten sowie Kombi-Angeboten rund um Astronomie und Naturerlebnis. Was den Ansatz besonders interessant macht: Es wird kaum zusätzliche Infrastruktur benötigt, und weil der Sternenhimmel keine Saison kennt, könnte das Konzept die ruhigeren Monate zwischen den Spitzenzeiten beleben.
AN … SABINE WECHSELBERGER
DIREKTORIN DER TOURISMUSSCHULE
VILLA BLANKA
DREI SCHÖNE ORTE AUF DER WELT (AUSSERHALB ÖSTERREICHS): die Strände Griechenlands, Abu Dhabi, Price Canyon in den USA
LETZTER URLAUB (WO UND WANN): Kreta 2025
DIE GRÖSSTEN TUGENDEN IM TOURISMUS SIND: Gastfreundschaft, Situationselastizität, ehrliche Dienstleistung
DIE GRÖSSTEN SÜNDEN IM TOURISMUS SIND: Mogelpackungen, Unfreundlichkeit, Ausverkauf
DIE BESTE IDEE IM TOURISMUS DER LETZTEN FÜNF JAHRE: Tirol als Radtourismusland
TOURISMUS IST ERFOLGREICH, WENN: Touristiker:innen an einem Strang ziehen/zusammenhalten
DIE TOURISMUSBRANCHE IST FÜR JUNGE MENSCHEN ATTRAKTIV, WENN: die Branche auch auf junge Menschen hört
DIE GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG FÜR DAS TOURISMUSLAND ÖSTERREICH IST: Aufrechterhaltung einer guten, authentischen Servicequalität durch echte Personen
AUF DIESE ERRUNGENSCHAFT IN MEINER ZEIT ALS DIREKTORIN DER VILLA BLANKA BIN ICH BESONDERS STOLZ: auf meine #villablankafamily

DIESEN JOB HÄTTE ICH GEMACHT, WENN ES MICH NICHT IN DEN TOURISMUS UND DEN BILDUNGSBEREICH GEZOGEN HÄTTE: Ich könnte mir nichts anderes vorstellen.
DAS HABE ICH IN DER ARBEIT MIT JUNGEN TOURISMUSTALENTEN ÜBER DIE BRANCHE UND MICH SELBST GELERNT: Am meisten erreicht man durch Vorleben und Vorbildwirkung.
DER BESTE RATSCHLAG, DEN ICH JE BEKOMMEN HABE, WAR: immer nach vorne schauen
DAS MOTIVIERT MICH AN EINEM SCHLECHTEN TAG: ein gutes Gespräch
SO ENTSPANNE ICH MICH IN MEINER FREIZEIT
AM BESTEN: mit meiner Familie und am Wasser
DAS WÜNSCHE ICH MIR FÜR DIE ZUKUNFT: Gesundheit und schöne Reisen
ZUR PERSON
Sabine Wechselberger ist im Zillertal aufgewachsen und absolvierte ein Studium der Wirtschaftspädagogik an der Universität Innsbruck. Sie war unter anderem im Hotel Kramerwirt und im Alpenhotel Zellerhof tätig. 1985 ist sie an die Villa Blanka gekommen, zunächst als Lehrerin, dann im Marketing und als Restaurantleiterin. Seit 2017 ist Wechselberger Direktorin der Tourismusschule Villa Blanka in Innsbruck.
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ERFOLGS REZEPTE

Amenities

Fokus auf Nachhaltigkeit

Digitalisierung
Kleine Schritte zum Erfolg





TIEFSTE PREISE & HÖCHSTE VIELFALT
GROSSGEBINDE & XL-PACKUNGEN







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ERFOLG S REZEPTE
ZUTATEN FÜR IHREN VORSPRUNG
Liebe Leser:innen,
die Zukunft der Tourismusbranche wird nicht durch einzelne große Entscheidungen geformt. Oft sind es viele kleine Weichenstellungen, die darüber entscheiden, wie erfolgreich ein Betrieb langfristig aufgestellt ist. Diese Ausgabe der ERFOLGS REZEPTE widmet sich genau dieser Thematik.
Im Bereich Food & Beverage verändert sich der Blick auf Bewährtes. Das Frühstücksbuffet ist längst mehr als die erste Mahlzeit des Tages. Es wird zur Visitenkarte eines Hauses, spiegelt Regionalität und Qualität wider und zeigt, wie sich Gästeerwartungen und wirtschaftliche Verantwortung miteinander verbinden lassen.
Nachhaltigkeit spielt bei den Verbrauchsgütern eine immer größere Rolle. Am Beispiel klassischer Hotel-Amenities wird sichtbar, wie sich Servicequalität, Ressourcenschonung und wirtschaftliche Überlegungen zunehmend miteinander verbinden. Was lange selbstverständlich war, wird heute vielerorts neu bewertet.
Im Bereich der Investitionsgüter zeigen wir sieben Zukunftsfelder auf, die von erneuerbarer Energie über Ressourceneffizienz bis hin zur Digitalisierung reichen. Sie verdeutlichen, wie Tourismusbetriebe ihre Infrastruktur Schritt für Schritt für kommende Anforderungen rüsten können.
Wie Zukunft gestaltet wird, zeigt sich aber nicht nur bei Technik und Ausstattung, sondern vor allem bei den Menschen. Der Generationswechsel zählt zu den größten Herausforderungen vieler Familienbetriebe. Aktuelle Forschungsergebnisse geben Einblicke, welche Faktoren eine erfolgreiche Betriebsnachfolge begünstigen und warum persönliche Werte, Vertrauen und Gestaltungsspielräume dabei eine zentrale Rolle spielen.
Was alle Beiträge dieser Ausgabe vereint, ist die Frage, wie Tourismusbetriebe heute Entscheidungen treffen können, die auch morgen noch tragen. Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre und viele Anregungen für Ihre persönlichen Erfolgsrezepte.
Die Redaktion
IMPRESSUM
Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: target group publishing gmbh, Brunecker Straße 1, 6020 Innsbruck, Tel. 0512/ 58 6020, redaktion@target-group.at, www.target-group.at • Redaktion: Markus Wechner, Michaela Ehammer, Barbara Kluibenschädl • Grafik: Marco Lösch, marcoloesch.com • Anzeigenverkauf: Manuela Peer (manuela.peer@target-group.at), Andrea Hausegger, Angela Suljic, Jacqueline Planegger • Geschäftsführung Verlag: Michael Steinlechner • Coverfoto: Adobe/ki • Druckerei: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H., Horn

Das Buffet als Visitenkarte
Während die meisten Gäste noch schlafen, beginnt hinter den Kulissen eines Hotels jener Teil des Tages, der später über Bewertungen, Weiterempfehlungen und manchmal sogar über die Buchungsentscheidung bestimmt. Denn kaum ein Bereich macht die Philosophie eines Hauses so sichtbar wie das Frühstücksbuffet.





Das Frühstück hat sich in den vergangenen Jahren vom Pflichtprogramm zum Aushängeschild entwickelt. Früher reichten Semmeln, Marmelade und ein paar Scheiben Käse und Wurst. Heute vergleichen Gäste Bauernbrot mit handgeschriebenen Herkunftsschildern, fotografieren regionale Spezialitäten für Instagram und diskutieren darüber, ob Hafer-, Mandeloder Kuhmilch im Kühlschrank stehen sollte.
AUS DER REGION
Besonders deutlich zeigt sich das bei der Regionalität. Kaum ein anderer Bereich bietet Gastgeber:innen so viele Möglichkeiten, ihre Herkunft sichtbar zu machen. Das beginnt beim Käse und beim Joghurt aus der Nachbargemeinde, führt über Speck und Eier vom

Mit Eiern vom Biobauernhof lässt sich beim Frühstück punkten.
Biobauernhof wenige Kilometer entfernt und endet bei Marmeladen, die vielleicht sogar in der eigenen Küche eingekocht werden. Für viele Gäste ist genau das zum eigentlichen Luxus geworden. Sie möchten nicht nur wissen, was auf dem Teller liegt, sondern auch, wer dahintersteht.

Wichtiger als die Menge ist die sorgfältige Auswahl.
QUALITÄT STATT QUANTITÄT
Gleichzeitig ist das Frühstück für viele Betriebe zu einem Balanceakt geworden. Die Erwartungen der Gäste steigen, die Kosten ebenfalls: Hochwertige Lebensmittel, Energie und Personal schlagen heute deutlich stärker zu Buche als noch vor wenigen Jahren. Ein gutes Frühstücksbuffet punktet deshalb längst nicht mehr bloß durch Menge, entscheidend ist vielmehr die sorgfältig zusammengestellte Auswahl. Statt einer Vielzahl industriell gefertigter Produkte rücken hausgemachte Alternativen in den Mittelpunkt, statt zehn verschiedener Gebäcksorten stehen vielleicht nur noch drei zur Auswahl – dafür selbst gebacken. Auch bei den Eierspeisen zeigt sich dieser Wandel. Was früher oft über Stunden in Warmhaltebehältern lag, wird heute vielerorts frisch zubereitet. Das spart Energie und kommt auch Geschmack und Konsistenz zugute.
FRÜHSTÜCK NACH MASS
Dazu kommt die Frage nach individuellen Bedürfnissen. Glutenfrei, laktosefrei, vegetarisch oder vegan: Was früher die Ausnahme war, gehört heute zum Alltag. Gäste erwarten nicht unbedingt ein eigenes Buffet für jede Ernährungsweise, wohl aber passende Alternativen. Die Herausforderung besteht also darin, aus vielen kleinen Sonderwünschen ein stimmiges Gesamtangebot zu machen.







Die Erwartungen der Gäste steigen, die Kosten ebenfalls.
WENIGER IST MEHR
Volle Platten bis zur letzten Minute galten lange als Zeichen guter Gastfreundschaft. Heute wird vielerorts umgedacht. Statt große Mengen vorzubereiten, setzen viele Betriebe auf kleinere Portionen, die dafür laufend frisch nachgelegt werden. Das Buffet wirkt dadurch oft hochwertiger, die Lebensmittel bleiben länger frisch und es landet weniger in der Tonne. Auch die Planung wird dadurch einfacher und genauer.


Auf individuelle Bedürfnisse müssen passende Alternativen folgen.



Das zweite Leben des Buffets
Was nach dem Frühstück übrig bleibt, muss nicht zwangsläufig im Müll landen. Viele Produkte lassen sich sinnvoll weiterverarbeiten – kreativ, nachhaltig und wirtschaftlich.
Aus Semmeln werden Brösel
Nicht jedes Gebäck findet am Frühstücksbuffet eine:n Abnehmer:in. Getrocknet und fein gemahlen wird übrig gebliebenes Brot zu hausgemachten Semmelbröseln für Schnitzel, Knödel oder Fleischlaibchen.

Aus Gemüse wird
Aufstrich
Übrig gebliebene Gurken, Paprika, Radieschen oder Kräuter lassen sich zu Aufstrichen, Kräuterölen oder Suppen weiterverarbeiten. So wird aus kleinen Restmengen ein neues Produkt mit Mehrwert.
Aus Kaffee wird Aroma
Kalter Filterkaffee eignet sich nicht nur zum Trinken. Er verleiht Saucen, geschmortem Fleisch oder Desserts eine feine Röstaromatik und kann so eine zweite Verwendung finden.
Aus Wurst wird Mittagessen
Was optisch nicht mehr aufs Buffet gehört, ist oft noch völlig einwandfrei. Wurst- und Käsereste können etwa in Aufläufen, Toasts oder Nudelgerichten für das Team weiterverwendet werden.
Aus Obst wird Mus Bananen mit braunen Punkten oder besonders reife Beeren müssen nicht aussortiert werden. Verarbeitet zu Smoothies, Fruchtmus oder Marmeladen landen sie am nächsten Tag wieder auf dem Frühstückstisch.

Barilla Al Bronzo: Pasta in Profiqualität
Innovative Mikrogravur macht Pasta zum leidenschaftlichen Star auf jedem Teller.
Wenn in professionellen Küchen über Pasta gesprochen wird, geht es längst nicht mehr nur um Geschmack. Entscheidend sind Textur, Performance im Service und Produkte, die auf der Karte echte Differenzierung ermöglichen.
Genau hier setzt die Premiumlinie Barilla Al Bronzo for Professionals an – entwickelt speziell für die Anforderungen moderner Gastronomiebetriebe.
Die Pasta entsteht durch ein exklusives Herstellungsverfahren mit patentierten, mikrogravierten Bronzeformen, die der Oberfläche eine besonders raue Struktur verleihen. Diese mikroskopisch feine Gravur sorgt dafür, dass Saucen optimal haften und Aromen intensiver getragen werden –ein Effekt, der sich sowohl im Tellerbild als auch im Mundgefühl zeigt.
Für Profiküchen bedeutet das einen klaren Vorteil: Die Pasta wird nicht mehr nur zum Träger der Sauce, sondern zum integralen Bestandteil des Gerichts. Selbst kräftige Saucen verbinden sich stabil mit der Oberfläche, während die Pasta ihren

Markus Niederkofler
charakteristischen Biss bewahrt. Gleichzeitig sorgt eine hochwertige Hartweizenmischung für robuste Textur, minimale Stärkeabgabe und eine zuverlässige „al dente“-Performance – auch unter Zeitdruck im Service.
Diese Kombination aus Technik und Rohstoffqualität verändert die Rolle der Pasta auf der Speisekarte. Statt bloßer Beilage wird sie zum kulinarischen Protagonisten. Gäste nehmen die besondere Struktur bewusst wahr, spüren die Wertigkeit und sind bereit, für diesen Qualitätsanspruch mehr zu bezahlen. Für Gastronom:innen eröffnet sich damit die Chance, profitable Premiumpastagerichte zu etablieren.
Dass diese Qualität auch von Spitzenköch:innen geschätzt wird, zeigt die Zusammenarbeit mit Sören Herzig. In seinem Wiener Restaurant demonstriert er eindrucksvoll,
wie sich die besondere Textur von Barilla Al Bronzo kulinarisch inszenieren lässt – etwa mit Linguine, Sake-Beurre-Blanc, Schnittlauchöl und Salzburger Störkaviar.
Auch der österreichische Spitzenkoch Markus Niederkofler betont den Stellenwert hochwertiger Pasta in der Profiküche: „Die raue Oberfläche durch das Bronzeverfahren macht am Teller einen echten Unterschied: Die Sauce haftet besser, der Biss wird griffiger und das Gericht wirkt insgesamt geschlossener.“
Barilla Al Bronzo zeigt damit, wie viel kulinarisches und wirtschaftliches Potenzial in Pasta steckt – für mehr Ausdruck auf dem Teller und mehr Wertschöpfung auf der Karte.






barillaforprofessionalsat@barilla.com www.barillaforprofessionals.com

Hotel-Amenities
auf
dem Prüfstand
Zwischen Gästekomfort und Verpackungsmüll:
Warum klassische HotelAmenities neu gedacht werden müssen.



Duschgel in Miniaturflakons, einzeln verpackte Schuhpflege-Sets, Duschhauben oder Kunststoff-Zahnputzbecher: Jahrzehntelang gehörten solche Amenities selbstverständlich zum Hotelzimmer. Sie standen für Komfort, Hygiene und internationale Qualitätsstandards – und galten zugleich als praktisch und kalkulierbar für den Betrieb.

Heute zeigt sich die Kehrseite: Millionen von Miniaturverpackungen werden jährlich entsorgt, obwohl ihr Inhalt oft nur teilweise genutzt wird. Was einst als Serviceversprechen galt, entwickelt sich zunehmend zu einem Ressourcen- und letztlich auch Imagefaktor.
REGULATORISCHER DRUCK
Auf europäischer Ebene werden bereits regulatorische Maßnahmen angestoßen. Mit der neuen EU-Verpackungsverordnung rücken Einwegverpackungen verstärkt in den Fokus. Bis 2030 sollen Einwegverpackungen schrittweise reduziert und durch Mehrweg- oder recyclingfähige Lösungen ersetzt werden.



Bei Hotel-Amenities wird immer stärker auf Mehrwegprodukte gesetzt.








































Millionen von Miniaturverpackungen werden jährlich entsorgt, obwohl ihr Inhalt oft nur teilweise genutzt wird.

Die iTS Kanal Services GmbH (ehemals Alpe Kanal) ist ein spezialisiertes Unternehmen für Kanal- und Rohrdienstleistungen in der Region. Mit langjähriger Erfahrung, modernster Technik und einem hochqualifizierten Team bieten wir unseren Kunden effiziente und nachhaltige Lösungen im Bereich der Abwasser- und Infrastrukturtechnik.



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• inkl. bis 1 Tonne Fett, jede weitere Tonne wird mit € 36,- verrechnet
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Drei Strategien für die Praxis
Eliminieren:
Amenities werden nicht mehr standardmäßig im Zimmer platziert, sondern nur bei Bedarf bereitgestellt.
Standardisieren:
Einheitliche Spender- und Nachfüllsysteme ersetzen eine Vielzahl einzelner Produkttypen und Verpackungen.
Kreisläufe bauen:
Refill-Konzepte, Mehrwegsysteme und Rücknahmelösungen mit Lieferanten reduzieren Verpackungsabfälle entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Nachhaltigkeit wird zunehmend Teil der Qualitätswahrnehmung.
Parallel dazu verändern sich die Erwartungen der Gäste. Nachhaltigkeit wird zunehmend Teil der Qualitätswahrnehmung – insbesondere im Geschäftsreiseund MICE-Segment. Auch Unternehmen berücksichtigen bei der Auswahl von Hotelpartnern verstärkt ESG-Kriterien. Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen wird damit zum klaren Wettbewerbsfaktor.
NEUE LÖSUNGEN
Die Branche reagiert bereits: Nachfüllbare Spendersysteme ersetzen zunehmend Miniaturprodukte für Shampoo, Duschgel oder Seife. Kunststoff-Zahnputzbecher weichen Alternativen aus Karton, Glas oder Mehrwegmaterialien. Duschhauben, Hygienebeutel und Schuhpflege-Sets werden reduziert oder nur noch auf Anfrage bereitgestellt.
Die Umstellung bringt dabei nicht nur ökologische Vorteile: Weniger Einwegverpackungen senken Einkaufs-, Lager- und Entsorgungskosten und reduzieren den Aufwand im Housekeeping. Zusätzlichen Mehrwert schaffen Betriebe, die ihre Maßnahmen transparent kommunizieren und als Teil ihres Qualitätsversprechens sichtbar machen.

Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen wird damit zum klaren Wettbewerbsfaktor.
FAFGA-Spezial-Ausgabe


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Fit für morgen
Nachhaltigkeit ist für Tourismusbetriebe längst mehr als eine Frage des Images. Wer nachhaltig investiert, kann davon langfristig profitieren.

INVESTITION IN ERDWÄRME
Heizung und Warmwasser zählen zu den größten Energieverbrauchern vieler Hotels, Pensionen und Freizeiteinrichtungen. Erdwärmepumpen nutzen die im Boden gespeicherte Wärme und können Gebäude ganzjährig mit Energie versorgen. In Verbindung mit moderner Gebäudetechnik lassen sich fossile Energieträger teilweise oder vollständig ersetzen. Gerade für Betriebe mit langfristiger Standortperspektive kann die Nutzung erneuerbarer Wärmequellen ein wichtiger Baustein einer zukunftsorientierten Energieversorgung sein.
Steigende Energiekosten, ein bewussterer Umgang mit Ressourcen und zunehmende Anforderungen an nachhaltiges Wirtschaften rücken Investitionen in moderne Technologien immer stärker in den Fokus. Dabei geht es nicht nur um Umwelt- und Klimaschutz. Viele Maßnahmen können dazu beitragen, den Energieund Ressourcenverbrauch zu senken, Abläufe effizienter zu gestalten und Betriebe langfristig zukunftsfähig aufzustellen. Solche Investitionen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Hier finden Sie sieben Bereiche, in die es sich zu investieren lohnt.
STROMERZEUGUNG MIT PHOTOVOLTAIK
Viele Tourismusbetriebe verfügen über Dachflächen, die sich für die Stromerzeugung mit Photovoltaik eignen. Der erzeugte Strom kann direkt im Betrieb genutzt werden und dadurch den Bedarf an extern bezogenem Strom reduzieren. Besonders interessant wird die Technologie in Kombination mit Batteriespeichern oder digitalen Energiemanagementsystemen. Dadurch kann ein größerer Anteil des selbst erzeugten Stroms vor Ort genutzt werden.
1. 2.

3.
ENERGIESPEICHERUNG UND -MANAGEMENT
Neben der Energieerzeugung gewinnt auch deren effizienter Einsatz an Bedeutung. Batteriespeicher ermöglichen es, selbst erzeugten Strom zwischenzuspeichern und zeitversetzt zu nutzen. Digitale Energiemanagementsysteme helfen dabei, Energieflüsse sichtbar zu machen und technische Anlagen gezielt zu steuern. Von Heizungsanlagen über Beleuchtungssysteme bis hin zu betrieblichen Prozessen können Verbräuche analysiert und Optimierungspotenziale identifiziert werden.

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4.
NACHHALTIGE MOBILITÄTSINFRASTRUKTUR
Mobilität spielt im Tourismus eine zentrale Rolle. Gleichzeitig wächst das Interesse vieler Gäste an klimafreundlichen Mobilitätsangeboten. Investitionen in Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, Fahrradabstellanlagen oder betriebliche Shuttle-Angebote können bestehende Dienstleistungen erweitern. Solche Maßnahmen ermöglichen es Betrieben, unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse ihrer Gäste zu berücksichtigen und ihr Angebot zeitgemäß weiterzuentwickeln.




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GEBÄUDE ENERGETISCH
MODERNISIEREN
Ein wesentlicher Teil des Energieverbrauchs wird durch die Gebäudehülle und die technische Ausstattung beeinflusst. Investitionen in Dämmung , Fenster, Lüftungssysteme oder energieeffiziente Beleuchtung können dazu beitragen, den Energiebedarf zu reduzieren. Besonders bei Bestandsgebäuden ergeben sich häufig Möglichkeiten, den Ressourcenverbrauch langfristig zu senken und gleichzeitig den Nutzungskomfort zu verbessern.


WASSER UND RESSOURCEN
EFFIZIENT NUTZEN

Auch der Umgang mit Wasser und Verbrauchsgütern gewinnt im Tourismus an Bedeutung. Moderne Armaturen, effiziente Wäschereitechnik , Regenwassernutzung oder intelligente Bewässerungssysteme können dazu beitragen, den Wasserverbrauch gezielt zu reduzieren. Darüber hinaus bieten Mehrwegsysteme , Abfalltrennung , bedarfsgerechte Beschaffung und die Vermeidung von Lebensmittelabfällen Möglichkeiten, Ressourcen effizienter einzusetzen. Viele dieser Maßnahmen lassen sich schrittweise umsetzen und in bestehende Betriebsabläufe integrieren.


DIGITALISIERUNG
FÜR MEHR EFFIZIENZ
Digitale Anwendungen können dabei unterstützen, Prozesse effizienter zu gestalten und Ressourcen gezielter einzusetzen. Digitale Gästeinformationen, automatisierte Abläufe oder digitale Verbrauchsanalysen reduzieren den administrativen Aufwand und schaffen Transparenz. Darüber hinaus liefern digitale Systeme wichtige Daten für betriebliche Entscheidungen und unterstützen das laufende Monitoring von Energie- und Ressourcenverbrauch.
INVESTITIONEN MIT BLICK AUF DIE ZUKUNFT
Nachhaltige Investitionen umfassen heute weit mehr als einzelne Umweltmaßnahmen. Sie betreffen die Energieversorgung , die Gebäudetechnik , die Mobilität , den Ressourceneinsatz und die Digitalisierung eines Betriebs. Für Tourismusbetriebe in Tirol sind diese Themen besonders relevant, da Natur, Landschaft und Infrastruktur wesentliche Grundlagen des touristischen Angebots bilden. Wer sich frühzeitig mit diesen Investitionsfeldern auseinandersetzt, schafft wichtige Voraussetzungen, um den eigenen Betrieb langfristig weiterzuentwickeln und auf künftige Anforderungen vorbereitet zu sein.



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Zwischen Tradition und
Selbstverwirklichung
Die Betriebsnachfolge zählt zu den wichtigsten Zukunftsfragen in den vielen familiengeführten Unternehmen im Tiroler Tourismus. Doch was bewegt junge Menschen dazu, einen Familienbetrieb zu übernehmen, und wie gelingt das auch?
Damit beschäftigt sich die 2026 veröffentlichte Studie „Was macht eine:n Nachfolger:in aus? Werte, Persönlichkeit und Absichten zur Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen“ von Marvin Assenmacher, Gundula Glowka, Anita Zehrer und Valerie Nickel vom Zentrum Familienunternehmen am MCI. Die Untersuchung liefert interessante Erkenntnisse
darüber, welche persönlichen Eigenschaften und Rahmenbedingungen eine erfolgreiche Nachfolge begünstigen.
WEIT MEHR ALS ZAHLEN
Lange Zeit wurde die Unternehmensnachfolge vor allem aus wirtschaftlicher Perspektive betrachtet. Die aktuelle Studie zeigt jedoch, dass persönliche Werte, psychologische Bedürfnisse und familiäre Beziehungen eine mindestens ebenso wichtige Rolle spielen. Die Forschenden führten hierzu Interviews mit zwölf Personen, die entweder vor einer Betriebsübernahme standen oder bereits aktiv im Familienunternehmen
tätig waren. Ziel war es, besser zu verstehen, welche Faktoren die Bereitschaft zur Nachfolge beeinflussen. Dabei wurde deutlich, dass die Entscheidung für die Übernahme eines Familienunternehmens selten allein aus wirtschaftlichen Überlegungen entsteht. Vielmehr geht es um persönliche Motivation, familiäre Verbundenheit und die Möglichkeit, eigene Ziele zu verwirklichen.
SELBSTBESTIMMUNG IM FOKUS
Zu den wichtigsten Ergebnissen der Studie gehört die Bedeutung individueller Werte. Besonders stark wirken laut den Forschenden Werte wie Selbstbestimmung, Leistung und Wohlwollen. Nachfolger:innen möchten Verantwortung übernehmen, gleichzeitig
aber auch eigene Ideen verwirklichen können. Sie suchen Gestaltungsspielräume und wollen den Betrieb aktiv weiterentwickeln. Die Übernahme wird dabei nicht als bloße Fortführung bestehender Strukturen verstanden, sondern als Chance, die Zukunft des Unternehmens mitzugestalten. Gerade für Familienbetriebe bedeutet das, der nächsten Generation ausreichend Freiraum für eigene Entscheidungen einzuräumen.
PERSÖNLICHKEIT IST ZENTRAL
Neben den persönlichen Werten spielen auch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale eine wichtige Rolle. Die Studie zeigt, dass insbesondere Offenheit für neue Erfahrungen und Gewissenhaftigkeit die Bereit-
Offenheit und Gewissenhaftigkeit fördern die Bereitschaft zur Unternehmensnachfolge.

Eine gute Nachfolgeplanung beginnt nicht erst mit der Übergabe.
schaft zur Unternehmensnachfolge fördern. Offenheit hilft dabei, neue Entwicklungen aufzugreifen und Veränderungen aktiv zu gestalten. Gewissenhaftigkeit wiederum unterstützt den verantwortungsvollen Umgang mit den vielfältigen Anforderungen einer Führungsposition. Die Branche befindet sich in einem ständigen Wandel – von Digitalisierung über Nachhaltigkeit bis hin zu neuen Gästebedürfnissen. Erfolgreiche Nachfolger:innen müssen daher Bewährtes erhalten und gleichzeitig offen für Innovationen bleiben.
MOTIVATION DURCH AUTONOMIE
Ein weiterer zentraler Aspekt der Untersuchung betrifft die psychologischen Grundbedürfnisse. Die Forschenden stützen sich dabei auf die Selbstbestimmungstheorie und zeigen, dass die Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit einen wesentlichen Einfluss auf die Nachfolgeabsicht haben. Junge Unternehmer:innen möchten das Gefühl haben, eigene Entscheidungen treffen zu können und den Betrieb tatsächlich gestalten zu dürfen. Gleichzeitig brauchen sie das Vertrauen, die notwendigen Fähigkeiten für diese Aufgabe zu besitzen, sowie die Unterstützung ihres familiären Umfelds. Werden diese Bedürfnisse erfüllt, steigt die intrinsische Motivation deutlich – und damit auch die Bereitschaft, langfristig Verantwortung für den Betrieb zu übernehmen.
FAMILIE ALS ENTSCHEIDENDER FAKTOR
Neben individuellen Eigenschaften spielt auch der sogenannte sozioemotionale Wohlstand eine wichtige Rolle. Darunter
Laut Studie wollen Nachfolger:innen Verantwortung übernehmen und auch eigene Ideen verwirklichen.

verstehen die Forschenden jene emotionalen Werte, die Familienunternehmen prägen: familiärer Zusammenhalt, Identifikation mit dem Betrieb, Verantwortung gegenüber früheren Generationen und der Wunsch, das Erbe zu bewahren. Gerade im Tiroler Tourismus, wo viele Betriebe seit Generationen familiengeführt sind, besitzen diese Faktoren großes Gewicht. Die Studie zeigt jedoch auch, dass familiäre Tradition allein nicht ausreicht. Erfolgreiche Nachfolgen gelingen vor allem dann, wenn familiäre Interessen und individuelle Ziele miteinander in Einklang gebracht werden.
BALANCE ALS SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG
Das vielleicht wichtigste Ergebnis der Untersuchung lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Erfolgreiche Generations-

wechsel entstehen dort, wo Tradition und persönliche Entfaltung gleichermaßen Platz haben. Nachfolger:innen möchten die Werte und die Geschichte eines Familienbetriebes weiterführen. Gleichzeitig wollen sie eigene Ideen einbringen und den Betrieb an neue Herausforderungen anpassen. Gelingt diese Balance, steigen die Chancen auf eine erfolgreiche und nachhaltige Übergabe deutlich. Für Tirols Tourismusbetriebe bedeutet das: Eine gute Nachfolgeplanung beginnt nicht erst mit der Übergabe. Sie beginnt dort, wo junge Menschen frühzeitig Verantwortung übernehmen dürfen, Vertrauen erhalten und ihre eigenen Zukunftsvorstellungen im Familienunternehmen verwirklichen können. Genau darin liegt eine der wichtigsten Voraussetzungen für den langfristigen Erfolg der nächsten Generation.
























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Kleine Tools, große Wirkung
Digitalisierung wird im Tourismus oft mit großen Softwareprojekten, komplexen Systemen oder teuren Plattformen verbunden. In der Praxis entstehen die größten Effekte jedoch häufig dort, wo kleine digitale Werkzeuge gezielt eingesetzt werden.
Der erste Eindruck zählt
Viele Betriebe unterschätzen, wie stark die Zeit vor der Ankunft das spätere Gästeerlebnis beeinflusst. Bereits einfache automatisierte Nachrichten können einen großen Unterschied machen. Dazu gehören Check-in-Informationen per E-Mail oder WhatsApp, Angebote für Zimmer-Upgrades oder Spa-Termine sowie regionale Tipps für den Aufenthalt. Entscheidend ist dabei weniger die Technik als der richtige Ton: effizient, aber persönlich. Gäste wünschen sich Orientierung statt anonymer Massenkommunikation.
Digitalisierung als Werkzeug
Erfolgreiche Tourismusbetriebe setzen nicht auf die eine große Lösung, sondern auf einen gut abgestimmten Werkzeugkasten aus kleinen digitalen Bausteinen. Schon einfache Maßnahmen können
Servicequalität, Effizienz und Umsatz spürbar verbessern. Entscheidend ist nicht die Komplexität eines Systems, sondern sein konkreter Nutzen im Alltag.
Reibung im Alltag reduzieren Im laufenden Betrieb geht es nicht darum, möglichst viele digitale Lösungen einzusetzen, sondern Abläufe einfacher zu gestalten. Digitale Gästemappen, QRCodes für Speisekarten oder Zusatzleistungen sowie einfache Aufgaben-Apps für Housekeeping und Service sorgen für weniger Rückfragen, klarere Prozesse und mehr Zeit für den direkten Gästekontakt.
Typische Fehler bei der Umsetzung Häufig werden zu viele Tools gleichzeitig eingesetzt, was zu unübersichtlichen Prozessen und doppelten Abläufen führt. Ebenso problematisch ist eine fehlende Einbindung der Mitarbeitenden. Werden neue Systeme ohne Praxisbezug eingeführt, bleiben sie im Alltag oft ungenutzt. Auch Automatisierung ohne persönliche Note kann negativ wirken. Zudem fehlt häufig eine klare Zielsetzung: Es wird digitalisiert, ohne festzulegen, welches konkrete Problem gelöst werden soll.
Feedback als Chance nutzen
Auch die Zeit nach dem Aufenthalt ist ein wichtiger Kontaktpunkt. Automatisierte Bewertungsanfragen, kurze, persönliche Dankesnachrichten oder gezielte Rückkehrangebote lassen sich mit geringem Aufwand umsetzen. Entscheidend ist, dass Rückmeldungen nicht nur gesammelt, sondern aktiv ausgewertet und genutzt werden.

Urlaub daheim in Österreich


Winterurlaub in Österreich

Wollen auch Sie Ihren Beherbergungsbetrieb oder Ihre Region in dieser Beilage präsentieren? Senden Sie Ihre Anfrage an manuela.peer@target-group.at.














Die nächste Ausgabe erscheint im Oktober 2026







In der Oktober-Ausgabe 2026 des ÖSV-Mitgliedermagazins SKI AUSTRIA (Au age 70.000 Stück) erscheint unsere Sonderbeilage „Urlaub daheim in Österreich“, in der wir unseren Leser:innen die besten Angebote präsentieren, um einen perfekten Winterurlaub daheim in Österreich zu verbringen.
Urlaub daheim in Österreich

