P.b.b. | VERLAGSORT: 6020 INNSBRUCK | 10Z038387M
TOURISMUSMAGAZIN • #1/22 • JUNI 2022
W I R M Ü S S E N R E D E N Warum Dialog jetzt wichtig ist.
åftang:*
* Auf gut Zillertalerisch. Passt immer.
INHALT
INHALTSVERZEICHNIS SA I S ON
DIALOG 22
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4 Lektionen aus der Krise Kommentar von LH Günther Platter
5 Ergebnisorientierter
Dialog Editorial von Karin Seiler
6 Ohne Dialog keine
Demokratie Politikberater Thomas Hofer über die gesellschaftliche Bedeutung von Dialog
10 Ausgezeichnete Konzepte Die Preisträger des Tirol Touristica 2022
12 Wir müssen reden!
Welche Themen brennen denen unter den Nägeln, die im Tiroler Tourismus tätig sind oder die touristische Entwicklung beobachten?
18 Diskutieren, aber richtig Kommunikationsexperte Kambiz Poostchi erklärt, wie Dialog funktioniert
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22 Keine Alleingänge
Die Menschen mit nehmen? Zwei Beispiele zeigen, wie das geht.
28 Reden ist Gold
Welche Rolle Dialog im Tiroler Weg spielt
46 Es ist kompliziert ...
Was eine Paartherapeutin über die Beziehung zwischen Tourismus und Bevölkerung zu sagen hat
50 Schlusspunkt
Berühmte Dialoge
Die SAISON wöchentlich als Newsletter:
saison.tirol/ newsletter
© MARTIN ALLINGER FORMAPHOTOGRAPHY, FRANZ OSS, SHUTTERSTOCK.COM
32 Die Fehler der anderen Beim Umgang mit Fehlern trennt sich die Spreu vom Weizen
„Es treffen Menschen auf Menschen, nicht Kontrahenten. Man muss respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen.“ K AMBIZ POOSTCHI, KOMMUNIK ATIONSEXPERTE
38 Unerwünschte
Nebenwirkungen Wie lässt sich ein kons truktiver Austausch auf Social Media fördern?
42 E s ist Zeit für eine
Entziehungskur Essay von Markus Spillmann
IMPRESSUM SAISON Tourismusmagazin, Nr. 1/2022 (71. Jahrgang) Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: Tirol Werbung, Maria-T heresien-Straße 55, 6020 Innsbruck • Mit der Produktion beauftragt: TARGET GROUP Publishing GmbH, Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck • Chefredakteur: Matthias Krapf, MA • Redaktion: Daniel Feichtner, Mag. Susanne Gurschler, Mag. Simon Leitner, Esther Pirchner, Lisa Schwarzenauer, MA Fotografen: Franz Oss, Axel Springer • Grafik: BA, Sebastian Platzer • Anzeigenverkauf: Wolfgang Mayr, w.mayr@target-group.at • Anschrift Verlag: Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck, Tel. 0512/5 8 6020, Fax DW -2820, redaktion@target-group.at • Geschäftsführung Verlag: Mag. Andreas Eisendle, Michael Steinlechner, Matthias Krapf, MA • Druck: eds.group, EuroDruckservice GmbH, 94036 Passau Die Informationen zur Offenlegung gemäß § 25 MedienG können unter der URL https://saison.tirol/info/impressum abgerufen werden.
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KOMMENTAR
LEKTIONEN AUS DER KRISE Liebe Tirolerinnen und Tiroler!
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Lasst uns diese zentralen Themen gemeinsam anpacken und konsequent umsetzen, damit unser Tourismus nicht nur weiter reüssieren kann, sondern vor allem auch in Tirol wieder als das betrachtet wird, was er ist: ein unersetzbarer Wirtschafts- und Wohlstandsmotor für unser Land. Die neue Landestourismusdirektorin hat bereits ihre volle Unterstützung für diese Vorhaben zugesagt. Ich freue mich sehr, dass mit Karin Seiler erstmals eine Frau an der Spitze der Tirol Werbung steht, und auch, dass eine so gute Übergabe geschaffen werden konnte. Florian Phleps hat die Tirol Werbung in den vergangenen Jahren nicht nur zu einem modernen Haus der Kommunikation umgebaut, sondern diese auch mit ruhiger und kompetenter Hand durch die Krise geführt. Dafür danke ich ihm und wünsche Karin Seiler das Allerbeste für ihre neue Aufgabe! Ihr
GÜNTHER PLATTER, L ANDESHAUPTMANN VON TIROL
© AXEL SPRINGER
ie vergangenen zwei Jahre haben uns viel abverlangt. Neben den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen wurde einiges, was wir bis dato als selbstverständlich erachtet haben, auf den Kopf gestellt: von der Zwanglosigkeit eines persönlichen Treffens bis hin zur Möglichkeit, sich frei bewegen zu können – die Pandemie hat vieles ordentlich durcheinandergewirbelt. Und just in dem Moment, wo wir alle gehofft hatten, dass es wieder bergauf geht, schockieren uns die Bilder eines Krieges mitten in Europa. Die Folgen davon sind bereits jetzt deutlich spürbar, und dennoch dürfen wir unsere Zuversicht nicht über Bord werfen! Ohne die globalen Geschehnisse auszublenden, gilt es jetzt mehr denn je, unser Augenmerk auch auf das zu richten, was hier und was gut ist: Wir dürfen in einem wahrlich starken Land leben und arbeiten. Mit Blick auf den Tiroler Tourismus bin ich sehr froh, dass unser Land auch international nichts an Anziehungskraft verloren hat, sodass wir die jüngste Wintersaison mit einem durchaus soliden Ergebnis abschließen konnten. Dies ist angesichts der mehr als herausfordernden Rahmenbedingungen keine Selbstverständlichkeit, und es gebührt allen, die ihren Beitrag dazu geleistet haben, ein außerordentlicher Dank! Das neue Strategiepapier „Tiroler Weg“ gibt nun die Leitlinien für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Branchenentwicklung vor, die noch mehr als zuvor unter Beachtung begrenzter räumlicher Ressourcen, effizienter Mobilitätslösungen und diesem besonderen alpinen Lebensgefühl erarbeitet wurden – neben der Mitarbeiterzufriedenheit, Regionalität und Nachhaltigkeit spielt künftig auch die Einbindung der Bevölkerung eine zentrale Rolle.
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EDITORIAL
ERGEBNISORIENTIERTER DIALOG
© BLICKFANG PHOTOGRAPHIE
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or einigen Tagen habe ich die Geschäftsführung der Tirol Werbung übernommen und erfülle diese Funktion mit großer Freude und Motivation. Ich bin damit auf vertrautem Terrain unterwegs, da ich von Januar 2012 bis Dezember 2015 bereits als Marketingleiterin in der Tirol Werbung tätig war. Gleichzeitig schwingen in diesem Job für mich Dankbarkeit und Respekt mit. Dankbarkeit, weil ich eine Branche repräsentieren darf, die trotz der großen Herausforderungen wie Pandemie und Co. weiterhin ein wichtiger Motor für unser Land ist. Respekt, weil wesentliche Aufgaben vor uns liegen – insbesondere die Umsetzung der Tourismusstrategie „Tiroler Weg“. Tirol ist eine der ältesten und erfolgreichsten Destinationen weltweit. Dies hat nicht nur mit unternehmerischem Mut, innovativen Ideen und dem Engagement der Familienbetriebe zu tun, sondern ist auch ein Produkt jahrzehntelanger tourismuspolitischer Entwicklung. Die Branche hat sich in ihrer weit über 100-jährigen Geschichte laufend an die Ansprüche der Einheimischen, der Gäste und der sensiblen Bergnatur angepasst. Seit Beginn der touristischen Entwicklung in Tirol war und ist es das Ziel, die positive Kraft dieses Wirtschaftszweiges möglichst allen zugute kommen zu lassen. Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft trägt heute zweifelsfrei sehr viel zur hohen Lebensqualität im Land bei. Gleichzeitig nehmen die Tirolerinnen und Tiroler den Mehrwert des Tourismus für sie persönlich immer weniger wahr. Trotz vielfältigen Freizeitangebots, hochwertiger und stets gewarteter Infrastruktur und zahlreicher Kultur- und Sportveranstaltungen hat die Branche in Teilen der Bevölkerung ein Imageproblem. Damit fehlt auch die Wertschätzung gegenüber touristischen Initiativen sowie teilweise gegenüber den Gästen. Es erinnert an
eine Beziehung, in der sich die Partner auseinandergelebt haben. Deshalb gilt es, der Belebung dieser Beziehung sowie des gegenseitigen Respekts von Einheimischen und Gästen wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Dafür braucht es einen ergebnisorientierten Dialog. Denn Kommunikation ist wichtig, um die verschiedenen Interessen zu erfahren und einzubeziehen. Ebenso wichtig ist allerdings auch die Umsetzung. Mit dem Tiroler Weg haben wir einen Leitfaden, der konkrete Maßnahmen und zu erreichende Ziele nennt. Diese gilt es, mit klar definierten Teams und zugewiesenen Verantwortlichkeiten zu verfolgen. Nur so wird uns der Erfolg gelingen – egal, ob es um qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das Wachstum von nachhaltigem Reisen oder um das Ansehen des Tourismus in der Bevölkerung geht.
KARIN SEILER, GESCHÄFTSFÜHRERIN TIROL WERBUNG
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DIALOG
ZUR PERSON Thomas Hofer ist einer der bekanntesten Politikberater Österreichs und unter anderem regelmäßig zu Gast in der ZIB.
© JEFF MANGIONE / KURIER / PICTUREDESK.COM
I N T E R V I E W
OHNE DIALOG
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Politikberater Thomas Hofer im Gespräch über die gesellschaftliche Bedeutung von Dialog und darüber, warum wir in einer Demokratie niemals ohne auskommen können. Das Gespräch führte Lisa Schwarzenauer.
SAISON:
KEINE DEMOKRATIE Herr Hofer, warum müssen wir als Gesellschaft einen Dialog – oder eher Dialoge – führen? THOMAS HOFER: Weil ansonsten die gemeinsame Basis verloren geht und damit der für eine Gesellschaft so zentrale Grundkonsens. Derzeit gibt es leider die Entwicklung, dass wir nicht einmal mehr grundlegende Fakten außer Streit stellen können, dass selbst wissenschaftliche Erkenntnisse nichts zählen. Jeder zimmert sich so seine eigene, oft faktenbefreite Welt und sucht auch nur mehr nach die eigene Meinung bestärkenden Informationen. So kann’s nur schwer Dialog geben. Gibt es Themen, die nie zur Debatte stehen dürfen – zum Beispiel Grundrechte –, oder muss in einer Demokratie über alles geredet werden? Reden darf man schon auch darüber, und auch die demokratisch legitimierten Vertreterinnen und Vertreter haben zuletzt schon den Fehler gemacht,
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DIALOG
„WIR BEWEGEN UNS HIN ZU EINER ‚EMOKRATIE‘, IN DER JEDES THEMA NUR MEHR ÜBER DIE PURE EMOTION ABGEHANDELT WIRD.“ alles vorauszusetzen und Prinzipien nicht mehr zu erklären. Aber abstimmen kann man zum Beispiel nicht über alles. Da herrscht dann schon auch ein eher eigenartiges Verständnis von „direkter Demokratie“. Über Menschenrechte kann man etwa nicht abstimmen. Und genauso ist es falsch, grundsätzlich davon auszugehen, dass immer die Mehrheit „recht“ hat. Die Gesellschaft wirkt so polarisiert und zersplittert wie nie. Ist in diesem Klima ganz grundsätzlich überhaupt ein Dialog möglich im Sinne eines offenen, respektvollen Meinungsaustauschs mit dem Ziel, eine gemeinsame Lösung zu finden? Es wird immer schwerer, auch weil wir uns hin zu einer „Emokratie“ bewegen, in der jedes Thema nur mehr über die pure Emotion abgehandelt wird. In diese Emotion verpackt ist oft auch die Abneigung gegenüber anderen. Und das ist gefährlich, denn um die Sache geht es dabei nicht mehr. Ein Blick in die USA zeigt uns, wozu das führen kann. Da kann dann ein Donald Trump alles behaupten – und auch wenn das den objektiven Fakten diametral widerspricht, glauben es ihm genügend Menschen. Eben weil sie emotionalisiert und einfach rein auf der Gefühlsebene unterwegs sind.
Kann es zu spät sein, um noch in einen Dialog zu treten? Kann man zum Beispiel Querdenker und ähnliche Gruppen noch erreichen, oder sind die Fronten zu verfahren? Derzeit scheint es schon so, als seien diverse Gruppen für den demokratischen Prozess verloren. Die Frage ist, wie klein diese Gruppe gehalten werden kann. Denn alle wird man nie erreichen. Aber für den großen noch erreichbaren Rest ist es wichtig, dass emotional alle Seiten abrüsten. Es bringt auch nichts, wie es schon in Wahlkämpfen passiert ist, eine Gruppe als „Modernisierungsverlierer“ und „gesellschaftliche Absteiger“ zu disqualifizieren. Dass das auch eine emotionale Reaktion nach sich zieht, ist kein Wunder. Und so etwas trägt dann eben noch einmal zur Polarisierung bei. Wenn ein Gespräch zum Scheitern verurteilt ist: Ist es besser, es gleich bleiben zu lassen oder sich trotzdem darauf einzulassen? Die Frage ist, mit welcher Zielsetzung man in ein Gespräch geht. Oft wird es unrealistisch sein, das Gegenüber völlig umzudrehen. Diese Alles-oder-nichts-Situationen sind tatsächlich schwer lösbar. Wenn man sich aber realistischere Ziele setzt und nicht gleich den argumentativen Triumph auf allen Ebenen anstrebt, ist es vielleicht auch einfacher, im Gespräch zu bleiben. Wie steht es generell um die Gesprächskultur in Österreich? Die Aggression ist noch nicht so weit verbreitet wie etwa in den USA, wo die Mitte zur Minderheit zu werden droht. Aber natürlich sind der aufgeheizte politische Diskurs, die zunehmenden auch persönlichen Attacken und dazu schon auch die Zersplitterung der medialen Landschaft inklusive der eigenartigerweise „sozial“ genannten neuen Medien schon eine Mischung, die eben Gesprächsunkultur fördert.
Fallen Ihnen Beispiele ein, wo der gesellschaftliche Dialog aktuell gut funktioniert? Das gelingt wohl noch am ehesten auf kommunaler Ebene. Als Beispiel sei die Energiewende genannt mit auch oft umstrittenen, erneuerbaren Projekten. Da gelingt es schon auch, Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber halt beileibe auch nicht immer. Wo gibt es im Tourismus Gesprächsbedarf? Ich bin jetzt nicht der Tourismusexperte, aber natürlich hat die Pandemie gezeigt, wie verwundbar dieser Pfeiler der heimischen Wirtschaft ist. Auch hier darf man nicht vergessen, wie unterschiedlich die Positionierung mancher Regionen ist und wie heterogen auch die Interessen innerhalb der Branche. Finden diese notwendigen Dialoge statt? Falls nicht: Warum? Die Notwendigkeit wird vielleicht schon gesehen, aber der Konflikt wird einerseits vorgelebt – der Kompromiss hat auch nicht immer die beste Nachred’ – und dann werden eben etwa in den „sozialen“ Netzwerken auch offensives Verhalten und Sprache eher belohnt. Da bräuchte es eigentlich andere Anreize. Welche Fehler hat die Branche in Sachen Kommunikation in den letzten Jahren gemacht? So pauschal lässt sich das nicht sagen. Natürlich war in einzelnen, wenigen Bereichen die ignorante Haltung gegenüber der Pandemie etwas, das dann der ganzen Branche zum Schaden gereichte. Das ist zwar unfair, aber in der Simplifizierung oft die Folge. Ich denke, dass es generell gelingen muss, Österreich als Urlaubsland mit einzigartigen Attributen aufzuladen. Aber einen Konsens herzustellen, welche das sein sollen, wird wohl auch kein einfacher Dialog innerhalb der Branche. Vielen Dank für das Gespräch.
© IMARK STRATEGY ADVISORS/POPP
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Dialog für die Praxis Im April fand der Auftakt zur vom Tyrol Tourism Board initiierten Dialogreihe „Ökosystem Tourismus – Tiroler Weg im Dialog“ statt. Das Ziel: Ein offener Austausch der Branche mit gesellschaftlich relevanten Institutionen und Playern. Nachdem bereits im Vorjahr die Neuauflage des Tiroler Weges mit dem Fokus auf einer verantwortungsvollen Tourismusentwicklung präsentiert wurde, gelte es jetzt, diesen Schritt für Schritt umzusetzen, betont Mario Gerber, Vorsitzender des Tyrol Tourism Board (TTB). Dazu wurde das Dialogforum Ökosystem Tourismus ins Leben gerufen: Bei regelmäßigen Treffen wird der Austausch mit Vertretern heimischer Institutionen, Körperschaften und Tiroler Persönlichkeiten gefördert, um relevante Themen gemeinsam und im Sinne der Gesellschaft zu reflektieren. „Wechselseitiges Erkunden“ „Nur ein offener und kritisch geführter Diskurs zum Tiroler Weg kann zu einem breit getragenen Verständnis und Unterstützung beitragen. Unser Forum steht ganz im Zeichen des Dialogs und damit dem wechselseitigen Erkunden von Sichtweisen und Meinungen“, so Gerber. Die Ergebnisse der in den nächsten Monaten regelmäßig stattfindenden Dialogrunden sollen dem Tyrol Tourism Board als Grundlage für zukünftige Weichenstellungen dienen.
DIALOG
AUSGEZEICHNETE KONZEPTE Viktoria Fahringer gibt ihr Wissen weiter, unter anderem an Schüler der HLW/FW Kufstein.
Mit Hauben sind sie bereits gekrönt, jetzt können sich Peter Fankhauser und Viktoria Fahringer auch über den Tirol Touristica Award freuen. Der Preis legt besonderes Augenmerk auf Nachhaltigkeit. Text: Theresa Kleinheinz
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n einer nachhaltigen Entwicklung führt auch im Tourismus kein Weg vorbei. Die Tirol Werbung hat das zum Anlass genommen, herausragende Projekte auf dem Gebiet der ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit mit dem 1996 ins Leben gerufenen Tirol Touristica Award auszuzeichnen. Erstmals verliehen wurde der neu konzipierte Preis am 24. Mai im Congresspark Igls im Rahmen des Tourismusforums.
RUNDUM EINZIGARTIG
Vom Garten direkt auf den Teller kommt das Gemüse in Peter Fankhausers Restaurant Guat’z Essen, die restlichen Zutaten stammen aus der Region. Mit diesem im deutschsprachigen Alpenraum einzigartigen Konzept konnte der 44-jährige Zillertaler Fachjury und Bevölkerung überzeugen. Fankhausers PermakulturRestaurant in Stumm darf sich zudem
mit drei Hauben das zweitbeste rein vegetarische Restaurant Österreichs nennen.
VIELES NEU
Kurze bis keine Transportwege, qualitativ hochwertige Lebensmittel aus dem eigenen Anbau und barrierefreie Zugänge zum Restaurant – durch diese Merkmale zeichnet sich das Siegerprojekt unter anderem aus. Attribute wie diese waren für die Vergabe des Tirol Touristica maßgeblich. Orientiert hat man sich beim Kriterienkatalog an der Tourismusstrategie des Landes. Der sogenannte Tiroler Weg gibt die vier Leitlinien Lebensund Erholungsraum, Nachhaltigkeit und Regionalität, Familienunternehmen und Gastgeberqualität sowie Kompetenz und Innovationsführerschaft vor. Ob die Kriterien erfüllt wurden, beurteilte eine fachkundige Expertenjury, darunter unter anderem Tirol-WerbungChefin Karin Seiler und Lisa Weddig,
© ARTDIRECTION4U ADVERTISING GMBH/JULIAN HÖCK, KIRCHGASSNER PHOTOGRAPHY
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Geschäftsführerin der Österreich Werbung. Neben der Fachjury stimmte beim Hauptpreis auch die Bevölkerung mittels Onlinevoting mit.
NÄCHSTE GENERATION
Neu ist auch der Nachwuchspreis, mit dem junge, aufstrebende, innovative Persönlichkeiten im Tourismus prämiert werden. Als Erste darf sich die Kufsteinerin Viktoria Fahringer freuen. Mit gerade einmal 20 Jahren übernahm sie das Hotel ihrer Eltern. Aus dem Tiroler Hof wurde so das Boutiquehotel Viktorias Home mit luxuriösen Appartements, die auf Langzeitaufenthalte ausgerichtet sind. Ihre Leidenschaft fürs Kochen kreativer Gerichte gibt die junge Unterländerin nicht nur an Lehrlinge weiter. In
Viktorias Kochschule können Hobbyköche von der mit einer Haube ausgezeichneten Gastronomin lernen. Wer Viktoria Fahringer und Peter Fankhauser nachfolgt und die nächsten Trophäen mit nach Hause nimmt, wird sich schon 2023 zeigen, denn die Preise werden nicht wie bisher alle zwei Jahre, sondern jährlich vergeben.
Das Gemüse in Peter Fankhausers Guat’z Essen stammt aus der hauseigenen Permakultur. Der Begriff kommt von „Permanent (agri)culture“, was „dauerhafte Kultivierung“ bedeutet.
Gebraut für HopfenGourmets. Urtypisch Zipfer. Hopfen-Liebhaber schmecken in unserem Pils so vieles: Die Kraft des Mühlviertels, das Geschick unseres Braumeisters – und vor allem die Noten von 4 Sorten Naturhopfen, besonders fein abgestimmt, durchgehend zart hopfig und … urtypisch.
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WIR MÜSSEN
REDE Gesprächsbedarf besteht, darüber sind sich viele einig. Welche Themen brennen denen unter den Nägeln, die im Tiroler Tourismus tätig sind oder die touristische Entwicklung beobachten? Wir haben Menschen gefragt, die etwas zu sagen haben, und eine ganze Reihe von Denkanstößen erhalten. Reden wir darüber! Text: Esther Pirchner
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N! ABER WORÜBER?
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ÜBER ZUKUNFTSPLANUNG „Es wird für Personen und Unternehmen immer schwieriger, die Zukunft zu planen. In dieser schnelllebigen Zeit mit permanenten Veränderungen ist es fast unmöglich, Schritt zu halten und speziell in mehreren Bereichen auf dem aktuellen Stand zu sein.“ Joschi Sailer, Hotelier, Hotel Sailer, Innsbruck
ÜBER QUALITÄT „Der Tiroler Tourismus braucht mehr Qualität statt Quantität und neue Angebote für die Gesundheit. Das Angebot und die Preise müssen markant und nachhaltig steigen. Nur so können wir die aktuellen Herausforderungen Nachhaltigkeit, Fachkräftemangel und mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung angehen und lösen.“ Manfred Pletzer, Unternehmer, Pletzer Gruppe – Immobilien, Tourismus, Industrie
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ÜBER DEN UMGANG MIT DER NATUR „In der ,Saison‘ fällt mir auf, dass für unser Land im Sommer stets der nachhaltige und sorgsame Umgang mit der Natur eingefordert und beworben wird. Im Winter ist dann aber nur noch von den Pistenkilometerrekorden und neu errichteten Seilbahnen zu lesen. Das passt nicht zusammen! Hat Covid-19 zu einem Umdenken geführt? Oder heißt HOCHFAHREN weiterhin ungebremstes Wachstum? Die letzten Aussagen der Seilbahnbetreiber und vieler Hoteliers sprechen wohl für das Zweite.“ Paul Steger, Vorsitzender Sektion Zillertal, Österreichischer Alpenverein
ÜBER ARCHITEKTUR „Touristische Architektur umfasst ein weites Feld von Beherbergungsbetrieben über Restaurants bis hin zu Infrastrukturbauten für Aufstiegshilfen aller Art. Vermehrt müssen solche Bauaufgaben hohe architektonische Ansprüche erfüllen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Daher wird auch in touristischen Ballungszentren von der Region geprägte Architektur in zeitgemäßer Formensprache vermehrt realisiert, da immer mehr Gäste der bisher vorherrschenden ‚Massenware im alpinen Stil‘ und der ‚rein technisch konzipierten Hüllen‘ überdrüssig geworden sind. Originalität und Einmaligkeit sind angesagt, wofür in Tirol bereits etliche gelungene Beispiele zu finden sind.“ Johann Obermoser, Architekt, Innsbruck
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ÜBER TOURISMUSWERBUNG „Touristische Werbung und Kommunikationsbotschaften sind immer in der Gefahr austauschbar und belanglos zu sein. Kampagnen, die mutlos sind, wirken nicht. Dank mutiger, visionärer Kampagnen und Aktionen hat Tirol bereits in den 1980er-Jahren die Marke Tirol international zum Glänzen gebracht. Erinnern wir uns an die Kampagne ‚Starkes Land‘ oder den Slogan ‚Herz der Alpen‘ – was für ein geniales Branding. Persönlich würde ich mir wieder mehr Mut zum Anecken und zur Originalität wünschen.“ Wolfgang Ainetter, Kommunikationsberater und Autor, bis 2021 Kommunikationschef im deutschen Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
ÜBER KULTUR „Tirol konzentriert sich bei allen Absichtsbekundungen in Richtung Kultur immer noch auf den Sport (in den Bergen). Vielleicht weil er mehr Kohle bringt? Vielleicht weil die Berge unser Kapital sind und nicht das Theater oder Museum? Der Innsbrucker Kulturstrategie-Prozess zeigt auf, dass es noch ein weiter Weg ist zur Kulturstadt. Vielleicht sollte Innsbruck ein bisschen mehr an die eigenen BewohnerInnen und StadtbenutzerInnen denken. Es wäre auch für Gäste spannend, wenn die Kultur lebt und nicht fürs Image kreiert wird. Kurz: Nicht fürs Image leben wir ...“ Beatrix Rettenbacher, Designerin und eine Hälfte der Weiberwirtschaft, Konzept und Gestaltung | Text und Textiles, die für den Kulturstrategie-Prozess der Stadt Innsbruck den Claim KULTUR STADTT DER BERGE kreiert hat
© PRIVAT, KITZBUEHEL TOURISMUS, TIROL WERBUNG/FRANZ OSS
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ÜBER WERTSCHÄTZUNG „Wertschätzung – ein Wort, das gerade jetzt im Tourismusbereich eine so wichtige Bedeutung hat. Haben Mitarbeiter nicht die gleiche Wertschätzung wie der Gast verdient? Wo steht der Tourismus ohne das geschätzte Personal? Sind sie nicht das Aushängeschild eines jeden Betriebes? Welche Lösungen gibt es, um den Mangel an Personal zu beheben? Darüber müssen wir reden. Es betrifft uns alle.“ Simone Schuler Maurer, Appartement Maurer (Oetz), als erster Betrieb Österreichs mit dem Prädikat „5 Edelweiß“ ausgezeichnet
ÜBER WANDEL „Reden wir über Entscheidungen, die absolut dringlich geworden sind. Reden wir über die Strukturen im Tourismus, über mehr Toleranz und die Integration der nächsten Generation in die Gestaltung unseres Lebensraumes. Reden wir über die Zukunft. Über eine neue Anständigkeit – über unsere Potenziale, über Verbindendes. Was wir verbessern können. Wo wir gemeinsam hinwollen. Und dann packen wir es an. Reden wir über den Wertewandel, der sich bereits vor der Pandemie angekündigt hat. Reden wir darüber, wie wir ihn in die Destinationsentwicklung integrieren. Reden wir also über Transformation, über echten Change, auch wenn es eigener Verhaltensänderungen bedarf.“ Viktoria Veider-Walser, Geschäftsführerin Kitzbühel Tourismus
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I T E U R K E
ABER RICHTIG
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In der Theorie ist es einfach, einen Dialog zu führen: Es braucht mindestens zwei Personen oder Parteien, die miteinander reden – fertig. In der Praxis sieht die Sache aber etwas komplexer aus: Kommunikationsexperte Kambiz Poostchi erklärt, wie Dialog funktioniert. Text: Lisa Schwarzenauer
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ie wichtig es ist, zu reden und gemeinsam Lösungen zu finden, zeigt sich immer wieder auf verschiedenen Ebenen: Egal ob in politischen Kreisen, in Unternehmen oder in der Familie – nur wenn miteinander gesprochen wird, lassen sich Probleme vermeiden oder lösen. Und das ist schon der erste Punkt, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet: Es geht nur miteinander, nicht gegeneinander. „Kommunikation ist aktuell sehr geprägt von Streit und Kampf“, sagt Kambiz Poostchi, der Kommunikationstrainings und Workshops mit Unternehmen durchführt. Man sehe das regelmäßig in den Medien bei Diskussionen und Wahlkämpfen, wo es vor allem darum geht, die eigene Meinung durchzuboxen und als Gewinner vom Feld zu gehen. „Wenn man konstruktiv und gemeinsam Lösungen finden will, eignet sich diese Form der Kommunikation absolut nicht.“
KEIN PLATZ FÜR EGOISMUS
Dafür brauche es vor allem eines: ein gemeinsames, übergeordnetes Interesse, das alle Beteiligten verfolgen. „Es muss allen klar sein, dass es nicht um die
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ZUR PERSON Kambiz Poostchi ist Architekt und Unternehmensberater. Sein Schwerpunkt liegt auf systemischer Unternehmens- und Organisationsentwicklung, Coaching und Teamtraining, Mediation und systemischer Kommunikation.
Befindlichkeiten einzelner Personen oder Interessengruppen geht, sondern um ein größeres gemeinsames Ziel“, erklärt Poostchi. Das sei das Fundament für einen erfolgreichen, zielführenden Dialog. In Folge gehe es nicht darum, divergierende Standpunkte zu vertreten, sondern alle Ideen, Kompetenzen und Perspektiven miteinzubeziehen. „Man muss offen sein dafür, von und mit anderen zu lernen – es geht um den kollektiven Austausch, was ja auch die eigentliche Bedeutung von Dialog ist. Schafft man das, entsteht am Ende etwas, das mehr ist als die Summe der Einzelbeiträge“, betont der Experte.
AUF AUGENHÖHE
Damit dieser Austausch funktioniert, sind Geduld, Aufmerksamkeit und Empathie nötig. „Man sollte zuhören, um zu verstehen, und nicht zuhören, um zu entgegnen. Gleichzeitig muss man sich als Sprecher bewusst sein, dass man nicht
nur Verantwortung dafür trägt, was man sagt, sondern auch dafür, was bei den Zuhörern ankommt“, so Poostchi. Es reicht nicht, nur die eigene Meinung vorzutragen: „Als Sprecher muss man versuchen, die Bedürfnisse der Zuhörer zu erkennen und die Inhalte daran anzupassen, und sie nicht mit Informationen erschlagen oder verhungern lassen, weil man nur aus der eigenen Perspektive handelt.“ Das setzt nicht nur Empathie, sondern auch Offenheit und Respekt voraus. „Es treffen Menschen auf Menschen, nicht Kontrahenten. Man muss wertschätzend miteinander umgehen, die Menschenwürde hochhalten und nicht andere bloßstellen oder verletzen“, betont der Kommunikationsexperte. „Das ist etwas, das wir wirklich lernen müssen.“
TIME-OUT
Auch mit den besten Absichten kann es vorkommen, dass ein Gespräch ins Stocken kommt oder es Unstimmigkeiten
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DIALOG
DIE DIALOG-CHECKLISTE • gemeinsames, übergeordnetes Ziel • Ego und Eigeninteresse hintanstellen • kollektiver Austausch, kein Kampf der Ideen • Bereitschaft, aktiv zuzuhören, nachzufragen und zu verstehen • Offenheit für andere Meinungen und Perspektiven • eigene Inhalte zielgruppengerecht vermitteln zwischen den Teilnehmern gibt – das bedeute allerdings nicht, dass ein Dialog deshalb scheitern muss. „Es kann passieren, dass man sich verkrampft und nichts mehr weitergeht oder dass sich das Gespräch mehr in Richtung Streitkultur entwickelt, und da ist es das Beste, zu unterbrechen“, empfiehlt Poostchi. Idealerweise gibt es gerade bei größeren Gesprächsrunden einen Moderator, der den Überblick behält und erkennt, wenn es eine Pause braucht. Hier könne oft schon eine Viertelstunde reichen, in der man die Situation auflockern und sich wieder auf die Gemeinsamkeiten besinnen könne, manchmal sei aber auch eine Vertagung sinnvoll. Wichtig sei in jedem Fall, dass man im Zweifelsfall nicht zu lange mit dem Abbruch warte: „Es ist sinnvoller, zu unterbrechen, als Gefahr zu laufen, dass Verletzungen passieren und Aussagen getroffen werden, die man nicht mehr zurücknehmen kann.“
• unterbrechen, bevor es zu persönlichen Verletzungen kommt • Geduld
„ES IST SINNVOLLER, ZU UNTERBRECHEN, ALS GEFAHR ZU LAUFEN, DASS VERLETZUNGEN PASSIEREN.“ KAMBIZ POOSTCHI, KOMMUNIK ATIONSEXPERTE
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KEINE ALLEINGÄNGE
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Es gibt verschiedene Arten und Möglichkeiten für Unternehmen und Organisationen, die Be völkerung in bestimmte Prozesse miteinzubinden. Auch in Tirol funktioniert das vielerorts schon gut. Das zeigen zwei Beispiele aus Tourismus und Wirtschaft. Text: Simon Leitner
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s ist nicht immer leicht, über seinen eigenen Schatten zu springen. Dies gilt auch für Unternehmen und Organisationen, die aus Angst vor möglichen Konsequenzen oftmals nur widerwillig auf Anregungen von „außen“ reagieren – oder diese sogar gänzlich ignorieren. Gerade in den Bereichen Tourismus und Wirtschaft, die eng mit dem Alltag vieler Menschen verknüpft sind, ist es heutzutage jedoch fast unumgänglich, die Bevölkerung in gewissen Angelegenheiten einzubinden, will man deren Rückhalt nicht verlieren. Dass dies gelingen kann, beweisen der Tourismusverband Wilder Kaiser und Zillertal Bier – jeweils auf ihre ganz eigene Weise.
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MITEINANDER REDEN Bereits seit 2017 erörtert der TVB Wilder Kaiser Mittel und Wege, um die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung bei touristischen Entscheidungen besser berücksichtigen zu können. „Damals haben wir gemerkt, dass aufgrund der starken Zunahme des Sommertourismus in unserer Region ein sozialer Druck entsteht, mit dem wir umgehen müssen“, erläutert Lukas Krösslhuber, der Geschäftsführer des Tourismusverbands. Themen wie Overtourism und Tourismusgesinnung seien in jenem Jahr, vor
In der Folge wurde in Kooperation mit den vier Gemeinden der Region das Projekt „Lebensqualität am Wilden Kaiser“ ins Leben gerufen, im Zuge dessen verschiedene Formen der Partizipation für die in dem Gebiet lebenden und arbeitenden Menschen realisiert wurden. Insbesondere kamen dabei Foren und Workshops zum Einsatz, wobei man neben „offeneren“ Treffen auch gezielt in spezifischeren Konstellationen über den Tourismus, und was dieser für die Region leisten kann, diskutieren
„WIR MÜSSEN NICHT NUR SCHAUEN, DASS MENSCHEN IM TOURISMUS ARBEITEN WOLLEN, SONDERN AUCH DEN EINHEIMISCHEN VERMITTELN, DASS IHNEN DAS WAS BRINGT.“ LUKAS KRÖSSLHUBER, GESCHÄFTSFÜHRER T VB WILDER K AISER
allem aufgrund der negativen Olympiaabstimmung in Tirol, an die Oberfläche getreten, wodurch jene Argumente, die bisher das Wachstum in der Branche gerechtfertigt hätten – insbesondere die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie regionale Wertschöpfung durch Gäste –, von anderen Aspekten überlagert worden wären. „Und dem“, so Krösslhuber, „mussten wir natürlich Rechnung tragen.“
wollte – unter anderem etwa mit Menschen unter 25 oder mit Mitgliedern von Vereinen, die jeweils aus ihrer eigenen Perspektive Ideen und Vorschläge eingebracht haben.
DER EINZIGE WEG
Über das Feedback dieser Bürgerbeteiligung, die mit Newslettern und Onlineveranstaltungen mittlerweile auch Eingang in die digitale Sphäre gefunden hat, gibt sich der TVB mehr als zufrieden. Gerade zu Beginn, so Krösslhuber, hätten sich viele Menschen dankbar gezeigt, endlich auch einmal ihre Meinung zum Tourismus, von dem sie ja im Positiven wie im Negativen betroffen seien, artikulieren zu können: „Sie hatten das Gefühl, gehört und auch ernst genommen zu werden – ohne gleich erklärt zu bekommen, warum ihre Meinung denn die falsche sei.“ Nicht nur aufgrund dieser positiven Rückmeldungen wolle man weiterhin an diesem Weg festhalten – Krösslhuber sieht die Einbindung der Bevölkerung generell als eine Art Grundvoraussetzung für erfolgreichen Tourismus: „Wir müssen nicht nur schauen, dass Menschen im Tourismus arbeiten wollen, sondern auch den Einheimischen vermitteln, dass ihnen das was bringt. Dafür müssen wir wissen, was die Bedürfnisse sind und wo der Schuh drückt. Und das gelingt nur, wenn man ständig miteinander redet.“
© TVB WILDER KAISER, TVB WILDER KAISER/ROLAND DEFRANCESCO, STERNMANUFAKTUR
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Alle sind gefragt: Im Rahmen des Projekts „Lebensqualität am Wilden Kaiser“ bittet der TVB Wilder Kaiser auch die örtliche Bevölkerung um ihre Meinung. In Workshops, Foren und Diskussionsrunden wird unter anderem darüber debattiert, was der Tourismus für die Region leisten kann.
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wedl.com
Unsere Spezialität sind besondere Wünsche. Wir sind Deine erste Anlaufstelle für Großhandels-Produkte und ausgewählte Feinkost. WEDL garantiert höchste Qualität und beste Zutaten für kulinarische Köstlichkeiten.
WEDL. DEIN GENUSSHÄNDLER.
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ZUSAMMEN ARBEITEN Etwas anders gelagert ist die Angelegenheit bei Zillertal Bier. Zwar wird auch in der in Zell am Ziller beheimateten Brauerei Wert auf Dialog gelegt, dies manifestiert sich allerdings insbesondere in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. „Wir vertreiben unsere Bierspezialitäten ganz bewusst ausschließlich in Tirol, damit sie optimal frisch sind“, erklärt Zillertal-Bier-Geschäftsführer Martin Lechner. „Und damit diese Wertschöpfungskette rund um unseren Betrieb auch funktioniert, haben wir für uns Regeln festgelegt, alle Rohstoffe so nah wie möglich zu beziehen.“ Allerdings sei nicht alles in der Region zu bekommen: Während man beispielsweise die Hefe selbst züchte, müsse man das Getreide unter anderem aus dem Wiener Becken ankaufen. Vor rund sieben Jahren hat das Unternehmen jedoch damit begonnen, eine alte Tiroler Gerstensorte, die sogenannte Fisser Imperial Gerste, wiederzubeleben und als Basis für zwei Bierspezialitäten zu verwenden. Lechner zufolge habe es einiges an Zeit und Mühen erfordert, bis die autochthone Getreideart tatsächlich zum Brauen geeignet war, am Ende sei es jedoch gelungen – mithilfe modernster Technik und in Kooperation mit lokalen Partnern, darunter die Genbank des Landes Tirol, die Saatbaugenossenschaft und heimische Landwirte. Mittlerweile bauten mehr als 50 Tiroler Bauern auf etwa 70 Hektar die Fisser Imperial Gerste an, wobei der Ertrag bei rund 200 Tonnen jährlich liege. „Inzwischen haben sich auch andere Betriebe, wie
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„WIR HABEN FÜR UNS REGELN FESTGELEGT, ALLE ROHSTOFFE SO NAH WIE MÖGLICH ZU BEZIEHEN.“ MARTIN LECHNER, GESCHÄFTSFÜHRER ZILLERTAL BIER
die Bäckerei Ruetz, drangehängt, das Ganze ist also eine schöne regionale Geschichte geworden“, so der Zillertal-Bier-Chef.
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REGIONALE PARTNER
Mit Tiroler Bauern und Partnern im Rahmen dieses Projektes zusammenzuarbeiten, sei von Beginn an ein wichtiges Anliegen für ihn gewesen, sagt Lechner. Und auch jetzt unterstütze man sie, wo man nur könne: „Wir zahlen unseren Bauern einen stolzen Preis, ungefähr das Fünffache von dem, was am Weltmarkt üblich ist. Zudem haben wir einen eigenen Anbauberater, der sie in allen Belangen rund um den Anbau unterstützt – etwa wann der optimale Aussaatzeitpunkt ist oder wie die Felder am besten bestellt werden können, um die Hektarerträge ohne Einsatz von Spritzmitteln zu steigern.“ Die Forcierung lokaler Rohstoffe sowie die damit einhergehende enge Kooperation mit heimischen Partnern will die Brauerei in Zukunft weiter ausbauen, sie experimentiert schon mit neuen Produkten, die ausschließlich mit in Tirol angebauten Getreidesorten hergestellt werden sollen. Diese Fokussierung auf Regionalität ist zwar mit gewissen Kosten verbunden, Lechner zufolge aber der richtige Weg für sein Unternehmen: „Meine Frau und ich führen unseren Betrieb bereits in der 16. Generation. Von unseren Vorgängern haben wir gelernt, dass wir in der Region eingebunden sind, wir haben den Regionalitätsgedanken also schon längst verinnerlicht. Und das wollen wir auch zeigen.“
VERGESSENES KORN
Vor über 100 Jahren noch weit verbreitet, geriet die Fisser Imperial Gerste im Laufe der Jahre zunehmend in Vergessenheit – bis sich einige Pioniere am Oberen Gericht dazu entschlossen, die robuste Sorte zu reaktivieren. Die Suche nach geeignetem Saatgut gestaltete sich nicht leicht, schließlich wurde man jedoch in der Genbank des Landes Tirol fündig. Das nur noch spärlich vorhandene Saatgut wurde im Anschluss gemeinsam mit der Saatbaugenossenschaft in Flaurling vermehrt, sodass mittlerweile wieder mehr als 50 Bauern in Tirol diese Getreideart anbauen.
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REDEN IST
GOLD Als Teil des Tiroler Wegs, der Touris musstrategie des Landes Tirol, nimmt der Dialog eine zentrale Rolle ein. Er soll auf vielen Ebenen wirksam werden und Pauschalurteilen über den Tourismus entgegenwirken. Text: Esther Pirchner
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urchs Reden kommen die Leute zusammen“ – eine Binsenweisheit, und doch erleben wir immer wieder den Wert eines Gesprächs in komplexen und manchmal schwierigen Situationen. Tirol und der hiesige Tourismus bilden da keine Ausnahme. „Es ist eigentlich simpel“, antwortet Patricio Hetfleisch, Leiter Marketing und Kommunikation der Tirol Werbung, auf die Frage, warum es den Tiroler Tourismus Dialog braucht. „Der Tourismus und die Tiroler Bevölkerung befinden sich in einer kritischen Phase.“ Es gebe Spannungen und Risse, viele machten sich Sorgen darüber, wie die Tourismuswirtschaft mit Ressourcen, der Natur und damit mit der Basis für die Zukunft des Landes umgehe. Und nicht selten werde der Nutzen des Tourismus für die Allgemeinheit nicht oder zu wenig wahrgenommen. Als Beispiel nennt Hetfleisch den regionalen und überregionalen öffentlichen Verkehr, in den der Tiroler Tourismus „konstant hohe Millionenbeträge“ investiert. Das kommt allen Einheimischen zugute, wird aber von diesen kaum gesehen.
DETAILREICH STATT PAUSCHAL
Kritik ernst zu nehmen, zuzuhören, die Probleme dahinter zu orten und diese aufzuarbeiten, ist ein wichtiger Gesprächsansatz. Dazu, so meint Hetfleisch, sei es nötig, die vielen verschiedenen Facetten des Tourismus zu betrachten und im Kleinen zu beginnen. „Oft wird pauschal über den Tourismus diskutiert und geurteilt“, meint er, „und darüber vergessen, dass es viele Teilaspekte gibt, die man bearbeiten kann.“ Verkehr, Beherbergung, Versorgung und Freizeiterleben sind Punkte, an denen man ansetzen kann, um Verbesserungen zu erreichen. Damit in Verbindung steht der zweite wichtige Aspekt des Dialogs, der Blick in die Zukunft: Immer mehr Menschen wollen reisend die Welt erkunden und haben auch immer öfter die Möglichkeit dazu. Zugleich sind die Ressourcen begrenzt. „Tirol ist einer der schönsten und schon jetzt meistbereisten Flecken der Erde.“ Gerade an einem solchen Ort müssten Overtourism und daraus folgende Einschränkungen der Lebensqualität vermieden werden. Auch wenn es darum geht, den Tourismus vor Fehlentwicklungen zu schützen, ist der Dialog ein guter Weg.
WER SPRICHT MIT WEM?
Als ein aktuelles Problem ortet Patricio Hetfleisch den fehlenden Dialog zwischen verschiedenen
Gruppen – plakativ gesagt zwischen Touristikern und dem Rest der Bevölkerung –, sogar dann, wenn es innerhalb dieser Kreise genügend Austausch gibt. Die Lösung liegt aber nicht in klassischen Bürgerbeteiligungsverfahren, bei denen in großen Foren alle miteinander diskutieren. Stattdessen ist daran gedacht, diejenigen anzusprechen, die zu ganz bestimmten Themen etwas zu sagen haben. „Wir wollen Menschen miteinbeziehen, die von positiven wie negativen Aspekten des Tourismus betroffen sind, und dabei genau darauf achten, wen wir an welcher Stelle zum Dialog einladen.“ Große Themenblöcke sollen in kleinere Bausteine aufgeteilt und diese in einem dreistufigen Prozess bearbeitet werden.
EIN PROZESS IN DREI PHASEN
In der ersten Phase wird erforscht, wie das gesamtheitliche touristische Bild aussieht. „Welche Wertschöpfungskette ist vorhanden? Wer ist an welchem Punkt beteiligt? Wo entstehen relevante Themen?“, umreißt Hetfleisch einige Fragestellungen. In der zweiten Phase wird gezielt das Gespräch mit Stakeholdern und der Bevölkerung gesucht, die von bestimmten Themen betroffen sind. Nicht alle Ergebnisse aus diesem Abschnitt können innerhalb des Prozesses bearbeitet werden, manche werden auch an die politischen Entscheidungsträger weitergegeben. Schließlich sollen in einer dritten Phase Maßnahmen umgesetzt werden und in weiterer Folge eine „positive Tourismusgesinnung in der Tiroler Bevölkerung verankert“ werden.
LANGFRISTIGER WANDEL
Parallel zu den drei Phasen sind acht Projekte geplant, in denen grundsätzliche Fragestellungen aufgearbeitet werden. Gedacht ist etwa an ein Tourism Science Media Center, eine Handbuch-Serie und Trainings zur nachhaltigen Tourismuspraxis. Insgesamt ist das „strategische Werkzeug“ Tiroler Weg und mit ihm der Tiroler Tourismus Dialog auf fünf Jahre ausgelegt, der Effekt reicht jedoch weit darüber hinaus. Auch weil Ziele angestrebt werden, die „nachhaltig implementiert gehören“, geht Patricio Hetfleisch davon aus, dass sie eine langfristige Wirksamkeit entfalten werden. „Es ist eine sehr ernst gemeinte Initiative, die die Resilienz und die Weiterentwicklung des Tiroler Tourismus“ gewährleisten soll.
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DIE FEELER DER ANDERN Der Weg zum Erfolg ist nie geradlinig. Je höher die Gipfel sind, die man erreicht, desto mehr Fehltritte können am Weg geschehen. Keine Branche und kein Unternehmen schafft es ohne Fehler an die Spitze. Doch der Umgang mit diesen ist es, an dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Text: Daniel Feichtner
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aran, dass der Tourismus Tirol geprägt hat wie kein anderer Wirtschaftszweig, gibt es keine Zweifel. Als eines der ersten Länder weltweit gelang es dem „Tourismusland Nummer eins“, den Fremdenverkehr beständig zu monetarisieren und weiterzuentwickeln, um daran weit über die einst erahnten wirtschaftlichen Potenziale hinauszuwachsen. Heute berührt die Branche nahezu alle Bereiche in Tirol – von der Wirtschaft an sich über die Arbeitswelt und die Infrastruktur bis hin zum privaten Leben der Tiroler. Als solch omnipräsente Realität wirft der Tourismus viel Licht, aber manchmal auch Schatten. Teile der Bevölkerung betrachten die wirtschaftliche Triebfeder ihres Landes zusehend
differenziert. Themen wie Umwelt- und Klimaschutz traten ebenso in den Vordergrund wie regionale Preisentwicklung, Overtourism und mehr. Für manche Tiroler ist also nicht alles Gold, was glänzt. Allein ist der Tourismus damit nicht, wie ein Blick in andere Branchen zeigt. Denn, ganz salopp gesagt, fallen dort, wo gehobelt wird, auch Späne. So wäre es illusorisch, anzunehmen, einem Unternehmen oder gar einer ganzen Branche würde der Aufstieg ohne jede Fehlentwicklung gelingen. Dass das die Fehler, die am Weg an die Spitze passieren, nicht rechtfertigt, ist klar. Doch schlussendlich kommt es darauf an, wie mit dem Geschehenen umgegangen wird. Das machen andere vor – im Negativen wie im Positiven.
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SCHEIN & SEIN Das Image der Mineralölindustrie kann spätestens seit den 1990ern bestenfalls als „angeschlagen“ bezeichnet werden. Ölkatastrophen, dubiose Geschäftspraktiken, der Klimawandel und mehr haben sie in Verruf gebracht. Das veranlasste British Petrol Anfang der Jahrtausendwende zu einer Imageoffensive. Ein an ein Sonnenrad angelehntes Logo sollte Energie in allen Formen repräsentieren, das Akronym „bp“ bald synonym mit „beyond petrol“ (jenseits von Erdöl) stehen und eine über 200 Millionen Dollar schwere Kampagne der Öffentlichkeit ein völlig neues Unternehmen vorstellen. Kurzfristig zeigten diese Maßnahmen Wirkung. Die öffentli che Wahrnehmung von bp als umweltbewusstem Unternehmen stieg. Dazu trugen auch Investitionen in alternative Energieträger bei. Das Budget belief sich 2008 dafür auf 1,5 Milliarden Dollar – während parallel allerdings 20 Milliarden in Erdöl investiert wurden. Auch andere Vorsätze hielten nicht lange. Noch während bp kräftig Negativschlag zeilen für den Deepwater-Horizon-Vorfall im Golf von Mexiko sammelte, stampfte der Energiekon zern 2011 nach 35 Jahren seine Solardivision ein, obwohl diese zu den Marktführern zählte. 2012 ereilte mehrere Biotreibstoffprojekte das gleiche Schicksal. Das aggressive Rebranding half bp ohne Zweifel für zwei Jahrzehnte, seine Marktführer position zu verteidigen. Ohne den Worten Taten folgen zu lassen, war die Imageinvestition jedoch in etwa so nachhaltig wie die fossile Brennstoffindustrie selbst, und so sieht sie sich heute mehr im Kreuzfeuer der Kritik denn je.
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PROBLEM & LÖSUNG Unverschuldet einem PR-Desaster gegenüber sah sich der US-Phar makonzern Johnson & Johnson 1982. Ein bis heute unbekannter Täter schmuggelte in Chicago mit Cyanid präparierte Kapseln in mehrere Flaschen des rezeptfrei erhältlichen Schmerzmittels Tylenol. Sieben Menschen starben an dem vergifteten Medikament. Johnson & Johnsons Marktanteil fiel daraufhin von 35 auf 8 Prozent. Doch der Pharmakonzern reagierte schnell – und vor allem offen. Anstatt zu beruhigen und den Schutz des wertvollen Markennamens in den Vordergrund zu stellen, eskalierte der Konzern die Situation aus eigenem Antrieb. Sobald die Verbindung zwischen den Todesfällen und dem Medikament ersichtlich wurde, stellte der Konzern die Produktion der Kapseln ein, startete eine groß angelegte Rückrufaktion und trat selbst an die Medien heran, um die Bevölke rung zu informieren und zu warnen. Weniger als ein Jahr später war Johnson & Johnson wieder US-Marktführer und Tylenol, in dessen Marketing vor dem Vorfall Unsummen investiert worden war, zurück in den Regalen, diesmal mit manipuliersicheren Siegeln versehen, wie sie heute nahezu überall üblich sind. Neben der zielgerichteten Problemlösung war es so vor allem das Priorisieren des öffentlichen Interesses vor dem Schutz der eigenen Investition, das schlussendlich Johnson & Johnson ebenso wie seine lukrative Marke gerettet haben dürfte.
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EINGESTÄNDNIS Die Smartphone-Welt trennt sich seit jeher in zwei Lager. Doch während die Loyalität der iOS-Jünger gegenüber dem Exklusivhersteller Apple zwangs läufig außer Frage steht, wird im Android-Segment regelmäßig um die Spit ze gerungen. 2016 kam die eigentlich etablierte Position des Platzhirschs Samsung schwer ins Wanken, als sich Berichte häuften, denen zufolge das neue Flaggschiffmodell Note 7 spontan Feuer fangen würde. Zehn Tage später leitete der südkoreanische Konzern eine frei willige, weltweite Rückrufaktion für die Telefone in die Wege – inklusive breiter medialer Berichterstattung. Diese Maßnahme half, sich von weiteren Vorfällen mit in Brand geratenen Telefonen zu distanzieren. Denn Benutzer, deren Telefone nach dem Rückruf in Flammen aufgingen, hatten sich offen bar bewusst dazu entschieden, das Angebot nicht zu nutzen. Gut einen Monat nach den ersten Vorfällen kündigte Samsung zu dem an, die Produktion des betroffenen Modells nicht wieder aufzunehmen, und übernahm die volle Verantwortung – auch wenn das Problem offenbar nicht beim Konzern selbst lag, sondern bei den Herstellern der Batterien. Diese nannte Samsung selbst bewusst nicht namentlich und verzichtete auch darauf, rechtliche Schritte einzuleiten. Anstatt des Fingerzeigs entschied sich Samsung, das Thema ad acta zu legen, und schaffte es so, den Fehlschlag relativ zügig hinter sich zu lassen und seine Marktposition auch trotz des Debakels erfolgreich zu verteidigen.
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KURSKORREKTUREN Kaum ein Großunternehmen hat mehr Erfahrung mit PR-Krisen ge sammelt als McDonald’s. Von der berühmten Klage wegen zu heißem Kaffee über Styroporverpackungen und Regenwaldrodungen bis hin zur Übergewichtsepidemie und aktuell den Dumpinglöhnen findet sich der Konzern regelmäßig in der Kritik. Dennoch ist es dem Fastfoodgiganten gelungen, seine Popularität aufrechtzuerhalten. Ermöglicht hat das eine gut durch dachte Strategie. Anstatt Kritik grundsätzlich mit Dementi zu be gegnen, beweist der Konzern immer wieder ein offenes Ohr, verbunden mit Flexibilität, schneller Reaktion und dem Willen zur Innovation. Styropor ist vor Jahrzehnten Papier gewichen, das bald durch „Graspapier“ ersetzt werden soll. Fleisch bezieht der Konzern in Europa zu einem großen Teil aus dem jeweiligen Land und hat mittler weile Fleischersatzprodukte in das Angebot integriert. Und als der Film „Super Size Me“ 2004 heftige Kritik an dem Unternehmen übte, stellte es im selben Jahr seine Menüoptionen um. All diese imageorientierten Initiativen werden natürlich kommuniziert – allerdings in der Regel nicht ohne, dass Kampagnen handfeste und ersichtliche Maßnahmen zugrunde liegen. Dabei dürfte man sich bei McDonald’s durchaus bewusst sein, dass der Konzern viele seiner Kritiker nie zu seinen Kunden zählen wird. Das muss er aber auch nicht. Dank der Spitzenposition genügt es, mit ständigen Kurskorrekturen dem Zeitgeist und dem moralischen Kompass der breiten Masse ausreichend gerecht zu werden, um deren Gunst nicht zu verlieren.
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SUPER-GAU Die Mutter aller PR-Krisen erlebte Volkswagen Ende 2015 mit dem Abgasskandal. Von der Ma nipulation waren weltweit mehr als elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Als „Diesel Gate“ öffentlich wurde, fielen VWs Aktien um mehr als 60 Prozent – und das noch bevor der Konzern zu Milliardenstrafen verurteilt wurde. Volkswagen reagierte schnell und radikal. CEO Martin Winterkorn nahm fünf Tage nach Publikwerden des Skandals den Hut. An seine Stelle trat Porsche-Chef Matthias Müller, der ausreichend Distanz zu den Vorfällen hatte. Der ihm direkt unterstehende Managementstab wurde halbiert, wodurch „effizienter und schneller bessere Entscheidungen“ getroffen werden sollten. Zudem wurden Managementboni gekürzt – eine Maßnahme, die Geld einsparte, aber vor allem Öffentlichkeitswirkung hatte. Zur Kompensation der unmittelbaren finanziellen Einbußen baute VW zudem weltweit 30.000 Stellen ab – allerdings ohne Entlassungen, die den Konzern zusätzlich in ein schlechtes Licht gerückt hätten. Finanziell abgesichert und unter neuer Führung machte sich VW daran, den Skandal in
der öffentlichen Wahrnehmung so schnell wie möglich hinter sich zu lassen. Dazu beschleunigte der Konzern seine E-Mobilitätsstrategie drastisch. Mit 16 geplanten Elektrofahrzeugfabriken, 30 neuen elektrischen Fahrzeugmodellen und 9.000 neu geschaffenen Stellen verkündete man, sich an die Elektroantriebs-Weltspitze katapultie ren und bis 2030 rund ein Drittel des Konzernum satzes auf diesen Sektor verlagern zu wollen. Wohl nur diesem „Restructure, Reduce, Redevelop, Rebrand” getauften Maßnahmenpaket hat VW es zu verdanken, dass es weniger als zwölf Monate nach Bekanntwerden des Skandals gelang, die an Toyota und General Motors verlorene Marktführerposition zurückzuerobern. Hätte der Konzern nicht so schnell und entschieden reagiert, nicht volle Verantwortung übernommen und nicht die Flucht nach vorne in die Innovation gewagt, wäre das ohne Zweifel nicht geglückt.
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UNERWÜNSCHTE
NEBENWIRKUNGEN
Aggressive Kommentare, überhitzte Debatten – die Gesprächskultur im Netz scheint vergiftet. Wie lässt sich Hate Speech ausbremsen und ein konstruktiver Austausch auf Social Media fördern? Text: Susanne Gurschler
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ZUR PERSON Svenja Schäfer studierte Medienmanagement in Hannover und Kommunikationswissenschaft in Mainz, wo sie 2020 promovierte. Sie ist Oberassistentin (post doc) in der Political Communication Research Group des Instituts für Publizistikund Kommunikationswissenschaft der Uni Wien. In aktuellen Forschungsprojekten befasst sie sich mit der Wirkung von Hate-Speech auf soziale Dynamiken und der (Nicht-)Nutzung von Nachrichten in Krisenzeiten.
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b Facebook, Instagram, TikTok, YouTube oder Pinterest – Social Media ist im Marketing zu einem zentralen Kommunikationsinstrument geworden. Dazu kommen Bewertungsportale wie Booking, Trivago, Holidaycheck und Co., die im Tourismus heute eine wichtige Rolle spielen. Mit der zunehmenden Bedeutung der Onlinekommunikation rücken auch deren negative Begleiterscheinungen in den Fokus: Debatten werden auf Social-Media-Kanälen rasch aggressiv. Wenn man falsch (re)agiert, kann man einen Shitstorm auslösen. Was können Tourismusbetriebe tun, um einen für alle Beteiligten konstruktiven Dialog mit ihrer Community zu führen? Die Kommunikationswissenschaftlerin Svenja Schäfer ordnet das Phänomen Hate-Speech ein und die Internetexpertin Ingrid Brodnig gibt fünf Tipps für eine gesunde Diskussionskultur auf Social Media. „Kommunikation auf Social-Media-Plattformen ist generell aggressiver als die Kommunikation im Alltag“, erklärt Svenja Schäfer vom Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien. Das hängt mit mehreren Faktoren zusammen: Das Internet ist anonymer. Viele Nutzer treten ohne Klarnamen auf. Und es fehlt der Austausch face to face, von Angesicht zu Angesicht. Zudem werde Kommunikation meist von einem
bestimmten Typus dominiert, so Schäfer: „Wissenschaftliche Studien zeigen, dass in Österreich nur circa zehn Prozent der Internetnutzer überhaupt in den sozialen Medien kommentieren. Diese Gruppe hat einen höheren Männeranteil und extremere politische Einstellungen als der Durchschnitt der Bevölkerung.“
DYNAMISCHE SPIRALE
Ihr grundsätzlich aggressiveres Auftreten erhöhe das Konfliktpotenzial und lasse eine Situation schneller eskalieren. Das wiederum bewirkt, dass gemäßigte Personen und weniger streitlustige Menschen sich aus Debatten zurückziehen und den Aggressiveren das Feld überlassen. Eine dynamische Spirale entsteht, die dazu führt, dass Aggressive präsenter sind als Nichtaggressive. Prinzipiell gilt: Um Hate-Speech vorzubeugen und vergiftenden Gesprächen möglichst wenig Raum zu geben, sollten Plattformbetreiber den Diskurs aktiv lenken. „Wissenschaftliche Studien zeigen, dass für ein konstruktives Gesprächsklima eine Netiquette und eine regelmäßige Moderation essenziell sind“, so Schäfer. Werden bestimmte Regeln vorgegeben und diejenigen abgemahnt, die sie verletzen, dann wirkt das korrigierend. Das bestärkt die gemäßigten User, Kritik und Dialog wertschätzend zu gestalten.
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FÜNF TIPPS
Die Digitalexpertin Ingrid Brodnig gibt fünf Tipps für eine produktive Debattenkultur auf Social Media.
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COMMUNITY AUFBAUEN
Wer auf Social Media unterwegs ist, egal in welchem Medium, sollte sich eine eigene Community aufbauen und den Austausch mit ihr kontinuierlich pflegen. Dazu gehört, auf Postings wertschätzend zu reagieren und zu zeigen, dass man an Kommunikation und konstruktiver Diskussion interessiert ist. Häufig ist es leider so, dass negative Kommentare mehr Aufmerksamkeit generieren als positive. Dabei sollte man seine Aufmerksamkeit vorrangig auf die positiven Interaktionen legen. Fühlen sich User als Teil der Community, stehen sie einem bei aggressiven Meldungen, wütenden Kommentaren oder ungerechtfertigten Angriffen zur Seite, zum Beispiel, indem sie ihre eigenen Erfahrungen einbringen. Das wiederum gibt Rückendeckung und erhöht die eigene Glaubwürdigkeit.
SACHLICH BLEIBEN
Wichtig ist, zwischen (berechtigter) Kritik und Aggression zu unterscheiden. Kritik fühlt sich zwar unangenehm an, aber sinnvoll ist, sich ihr freundlich und konstruktiv zu stellen. Auf Kritik daher immer möglichst konkret eingehen, nachfragen, Lösungen anbieten – wenn es sich um ein komplexes Thema handelt, auch anbieten, das Problem direkt über Privatnachricht, Mail oder Telefon zu klären. Manchmal wirkt ein Kommentar erhitzt und man kann durch eine sachliche, zuvorkommende Reaktion auch sehr viel Emotion rausnehmen. Hat sich ein Follower eingeschossen, gar auf ein bestimmtes Thema fokussiert, das eigentlich nichts mit dem Betreiber der Site zu tun hat, muss man nicht auf alles antworten oder kann auch noch mal auf das eigentliche Thema hinweisen. Wenn ein Posting wirklich beleidigend wird, ist es
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KLARE BOTSCHAFT
Bevor es auf Social Media aktiv wird, sollte man klar definieren, was man vermitteln will, welche Botschaft, Message – was also das (gefühlte) Alleinstellungsmerkmal meines Angebots, meiner Einrichtung ist. Auf dieses baut man die Kommunikation auf, sodass die User ein Bild bekommen und mich positiv mit dieser Message verbinden. Der professionelle Auftritt auf Social Media braucht also eine Kernbotschaft, um die sich alles dreht. Sie zieht jene Leute an, die genau das suchen, genau an diesem Angebot interessiert sind. Damit baut man sich eine positiv gestimmte Community auf.
#3 angemessen, dieses zu entfernen – man kann aber auch probieren, vor dem Löschen oder Blockieren um einen sachlichen Umgangston zu bitten. Damit sehen auch die Mitlesenden, dass die Person nicht konstruktiv agiert, und können das Geschehen einordnen. Oberste Prämisse: immer ruhig und sachlich bleiben, nicht auf eine persönliche oder gar emotionale Ebene einsteigen! Dafür ist es immer gut, bereits im Vorfeld die Tonalität festzulegen, in der man auf Social Media kommunizieren möchte, passend zur Zielgruppe und zum Alleinstellungsmerkmal. Sich daran zu halten, zeigt den Mitlesenden, dass man in jeder Situation konstruktiv-professionell und souverän reagiert. Auch eine definierte Netiquette hilft einem bei der Argumentation. Die Rahmenbedingungen sind festgelegt, die rote Linie für alle fixiert.
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#4
SONDERFALL REVIEWS
Negative Reviews stellen Dienstleister vor große Herausforderungen. Manchmal gibt es nur einen Stern, weil den User ein kleines Detail gestört hat. Bei manchen stellt sich die Frage, ob sie das Unternehmen wirklich besucht haben oder diesem gar schaden wollen. Dazu kommen FakeRezensionen. Solche Verstöße immer sofort an die Betreiberplattform melden. Diese löschen solche missbräuchlichen Verwendungen aber leider nicht immer und nicht immer sofort. Wichtig: Verläufe, Kommunikation etc. dokumentieren. Schlimmstenfalls lassen sich auch Rechtsanwälte einschalten. Auch bei negativen Reviews gilt: Wer eine starke Community aufgebaut hat, hält eine negative Bewertung leichter aus. Daher sollte man die Community pflegen, auf positives Feedback reagieren, Kritik ernst nehmen, Ungerechtfertigtes als solches benennen – dabei stets bedenken, dass das Unternehmen selbst in der Auslage steht. Im Ton immer sachlich und verbindlich bleiben.
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GUTE BETREUUNG
Drei Punkte sind wesentlich bei der Kommunikation über Social Media: Es braucht social-media-affine Mitarbeiter, guten Content und konstruktiven Dialog! Die Betreuung des Social-Media-Kanals, der Social-Media-Kanäle sollten Menschen übernehmen, die ein Händchen dafür haben. Wer sich keine professionelle Social-Media-Betreuung von außen holt, sollte in die eigenen Leute investieren. Sie identifizieren sich mit dem Unternehmen und kommen oft auch authentisch rüber. Es muss ausreichend Zeit für Social Media zur Verfügung stehen. Interne und externe Fortbildungen helfen, professionellen Content zu erstellen: Welcher Content erzählt, was ich erzählen will? Ein Redaktionsplan schafft den nötigen Überblick, um regelmäßig Inhalte zu erstellen. Viele Kanäle, zum Beispiel Facebook, sind mittlerweile sehr werbelastig. Daher ist wichtig, sich zu überlegen: Brauche ich diese Werbung? Bringt sie das, was ich mir erhoffe? Man kann auf Social Media viel Geld verpulvern, ohne Mehrwert zu generieren. Es lohnt sich hier, klare Ziele zu setzen – etwa wie viele Zugriffe oder Buchungen ein Inserat lukrieren soll – und das Erreichen dieser Ziele zu überprüfen. Man muss nicht auf jeder Plattform dabei sein, sinnvoll ist aber eine digitale Präsenz, also dass man für Interessierte gut auffindbar ist und beim Erstkontakt ein positives Bild rüberkommt.
ZUR PERSON
Die österreichische Journalistin und Publizistin Ingrid Brodnig hat sich auf digitale Themen spezialisiert und zahlreiche Bücher dazu veröffentlicht, zuletzt ist erschienen: „Einspruch! Verschwörungsmythen und Fake News kontern – in der Familie, im Freundeskreis und online“, mit Marie-Pascale Gafinen, Brandstätter Verlag 2021.
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ES IST ZEIT FÜR EINE
E N ZIEHU K U Warum ich das rauschhafte Gegacker in den sozialen Medien meide – eine Polemik
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Von Markus Spillmann
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T UNGSR Markus Spillmann
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estatten: Ich bin ein Informations-Junkie. Süchtig nach Nachrichten, nach Antworten auf das Was, Wo und Warum – hier, dort, überall. Seit Jahrzehnten geht das schon so, tagein, tagaus. Früher rein analog und terrestrisch, heute mit dem Smartphone, am Tablet oder via Smartwatch. Ich bin so gesehen eine Idealbesetzung auf der Bühne des noch jungen digitalen Zeitalters: Egal, wann ich mich wo befinde, via soziale Medien bin ich verbunden mit allem und jedem. Ich bin immer erreichbar und kann erreichen, gefragt und ungefragt. Facebook, Twitter, Instagram und Co. sind zum unumstrittenen Dreh- und Angelpunkt meines Lebens geworden. Damit bin ich kein Einzelfall, sondern einer von zig Milliarden, denen es gleich geht. Wetten Ihnen auch? Wir alle hängen an den pulsierenden Arterien, die Daten aller Art durch das Netz pumpen, vorbei an sämtlichen Filterstationen und Kontrollsystemen direkt in unser Hirn. Und dieses verändert sich mit steigendem Konsum und kraft der immer raffinierteren technischen Hilfsmittel, allen voran dem Smartphone. Angeblich werden Kinder, die auf Autobahnraststätten vergessen gehen, erst nach einer halben Stunde Weiterfahrt vermisst. Beim eigenen Handy soll es weniger als zwei Minuten dauern. Babys können noch nicht viel, wenn auf diese Welt gepurzelt. Swipen aber beherrschen sie im Nu.
Nicht, dass ich mir dessen nicht bewusst wäre. Es widert mich an, mehr denn je … – und trotzdem tauche ich immer wieder ein in die verschiedenen digitalen Plapper- und Besserwisserwelten. Ein Klick und ich bin wieder in Bann gezogen von diesem kolossalen, menschlichen Irrtum: dass unser aller Geltungsbedürfnis per se einen Wert darstellt. Die nüchterne Erkenntnis lautet: Es tut es nicht. Mindestens in den allermeisten Fällen. Es mag in den sozialen Netzwerken kluge Gedanken, Wissen, Information und so etwas wie Orientierung geben. Anderes aber hat schon längst das Zepter übernommen: Absonderlichkeiten, Narzissmus, Hass.
UNENDLICH GROSSE ECHOKAMMER
Es gab schon früher solche Treffpunkte, das ist richtig. Das heimtückische Gerücht, der dümmliche Ausländerwitz oder das bösartige Getratsche aber blieben in der Regel folgenlos, weil die Verbreitung auf den mittelalterlichen Marktplätzen, in den Waschküchen der Neuzeit oder am Stammtisch im Dorfbeisl höchst begrenzt war. Heute aber ist die Echokammer unendlich groß, und es findet sich im digitalen Orkus immer jemand, der liked und shared, egal, wie absurd, niederträchtig oder unwahr das Gepostete auch sein mag. Der deutsche Altkanzler Helmut Schmidt hat 2007 in einer Talkshow schwerwiegende, soziokulturelle Veränderungen der digitalisierten Gesellschaft für das 21. Jahrhundert prognostiziert, sprach von „Menschenmassen, die über Fernsehen und Internet hysterisierbar“ würden, von „Massenreaktionen“ bis hin zu einem „clash of cultures“. Gespenstisch, mit welcher Klarsicht der damals schon fast 90-Jährige eine ihm noch völlig unbekannte Entwicklung vorwegnahm.
Wir alle hängen an den pulsierenden Arterien, die Daten aller Art durch das Netz pumpen, vorbei an sämtlichen Filterstationen und Kontrollsystemen direkt in unser Hirn.
LEGALE DROGE
Soziale Medien sind eine Droge, wenn auch eine legale. Sie machen abhängig, sie verändern unser Bewusstsein, sie nehmen Einfluss auf das neuronale System selbst von Ungeborenen, und sie sind ein perfekt funktionierendes Geschäftsmodell: Mit jedem Klick verrate ich meine Präferenzen, ich bin quasi eine von zig Milliarden Goldadern in diesen digitalen Minen, deren Erfinder nicht nur die alleinigen Schürfrechte besitzen, sondern auch darüber entscheiden, was ich wo sehen, teilen und konsumieren darf. In China etwas weniger als in Tirol, versteht sich.
PERPETUUM MOBILE
Mit den sozialen Medien wurde ein Perpetuum mobile der Empörungskultur geschaffen. Das dort Ausgetauschte gleicht dem rauschhaften Gegacker eines Hühnerstalls, mit sehr ähnlichen Konsequenzen. Eine unerwünschte Nebenwirkung der
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industrialisierten Massenhaltung von Geflügel ist das sogenannte Federpicken. Eine Art Verhaltensstörung, hervorgerufen durch die Überforderung der Tiere durch schlechte Lebensbedingungen. Hühner reißen ihren Artgenossen aus Stress einzelne Federn aus. Die Folge sind kahle Stellen und blutende Wunden. Gar nicht so selten wird das gepickte Huhn dann von der ganzen Herde so lange mit den Schnäbeln malträtiert, bis es verblutet. Zu viele Menschen irrlichtern durchs Netz. Vielleicht bleibt es beim verbalen Federpicken eines Einzelnen. Vielleicht auch nicht, und andere fühlen sich legitimiert, munter mitzutun – hallo Shitstorm! Betroffene werden im schlimmsten Fall so in die Enge getrieben, dass am Ende Existenzen oder sogar Leben zerstört sind. Mit Meinungsfreiheit hat das alles wenig zu tun, sehr wohl aber mit Verantwortungslosigkeit.
RESILIENZ DES EINZELNEN
Schon klar, wir alle stehen unter Druck. Eben waren wir noch frustriert über Einschränkungen unserer Freiheitsgrade angesichts der Pandemie. Nun sind wir in Sorge über die Zukunft angesichts eines neuen Krieges in Europa. Die Resilienz des Einzelnen und der Gesellschaft lag schon höher, aber alles kann man solchen Krisen auch nicht in die Schuhe schieben. Die Stimmung auf den diversen Kanälen war schon vorher explosiv, eine krude Mischung aus Selbstbezogenheit und Rudelverhalten. Einerseits legen wir, wie keine Gesellschaft vor uns, allergrößten Wert auf unsere Individualität. Wir verbieten uns jede Einmischung von außen. Pochen jederzeit und immer auf unser Selbstbestimmungsrecht. Das „Ich“ steht im Zentrum. Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung, Selbstständigkeit werden zu regelrechten Kampfparolen. Andererseits liegt es eben auch in der Natur des Menschen, sich selbst meist nicht genug zu sein. Wir wollen gelobt und bewun-
Markus Spillmann hat während mehr als einem Vierteljahrhundert als Journalist und Medienmanager gearbeitet, zuletzt als Leiter Publizistik und Chefredakteur der „Neuen Zürcher Zeitung“. Seit 2015 begleitet er bei KMES PARTNER als unabhängiger Berater Unternehmen, Körperschaften und Führungskräfte in herausfordernden Situationen an der Schnittstelle zwischen Politik, Öffentlichkeit und Wirtschaft. Daneben lehrt er an verschiedenen Hochschulen Journalismus und berät als Mitglied einer außerparlamentarischen Expertenkommission die Schweizer Regierung in Medienfragen.
dert werden, heischen nach Beifall. Beides lässt sich in den sozialen Medien wunderbar verwirklichen. Beim Zimmern unserer eigenen Realitäten und Wahrheiten können wir dabei auf die fleißige Unterstützung digitaler Helferlein zählen: Algorithmen, die aus unserem Nutzungsverhalten im Netz ableiten, was uns gefallen könnte. Sie kreieren jene „Bubbles“, die uns das Gefühl geben, die Welt drehe sich nur um uns, unsere Bedürfnisse und unsere Leidenschaften. So entstehen viele kleine, parallele und geschlossene Entitäten, völlig überzeugt von der eigenen Deutungshoheit. Dadurch verlieren wir Stück für Stück den letzten Rest einer menschlich ohnehin raren Gabe: klüger zu werden, Einsicht zu zeigen. Nicht, dass wir dazu im analogen Austausch bedeutend fähiger wären. Jetzt aber, meist auch noch verborgen hinter mehr oder weniger originellen Nicknames, suhlen wir uns in der Bestätigung unzähliger Follower und Liker. Ein Nachdenken über die eigene Haltung drängt sich nicht mehr auf. Es sind immer die anderen, die falsch abgebogen sind. Ich gebe zu, darauf habe ich immer weniger Lust. Selbst nie verlegen um ein klares Wort, scheue ich inzwischen davor zurück, im Netz meine Meinung kundzutun. Ich debattiere gerne, aber ich ziehe es vor, es von Angesicht zu Angesicht zu tun. Der Diskurs im Netz lässt sich kaum mehr steuern, zu machtvoll ist die Logik des digitalen Herdentriebs. Die virtuelle Welt laugt aus. Es ist Zeit für eine Entziehungskur.
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INTERVIEW
Dr. Ulrike Paul
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KOMPLIZIERT … Das Verhältnis zwischen dem Tiroler Tourismus und der Tiroler Bevölkerung war schon mal besser. Bei manchen Themen scheinen die Fronten verhärtet, doch noch ist nichts verloren – zumindest nicht nach Ansicht einer Paartherapeutin, die für uns diese ganz besondere Beziehung beleuchtet hat. Das Gespräch führte Simon Leitner.
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ZUR PERSON
Frau Paul, ist die Be„MAN IST DERMASSEN IN ALTEN Zumindest nicht, wenn man sich der Unterstütziehung zwischen dem MUSTERN VERHAFTET, DASS zung eines breiten Teils Tiroler Tourismus und der MAN AM JEWEILIGEN GEGENÜBER der Bevölkerung sicher Tiroler Bevölkerung noch zu retten? ULRIKE PAUL: sein will. Ich gehe davon NUR NOCH DIE SCHLECHTEN In meinen Augen, ja. aus, dass die Branche SEITEN SIEHT.“ Da es sich dabei um noch stärker als bisher eine sehr lange Bezieauf Themen wie Nachhung handelt, gibt es haltigkeit und Qualieine gute Basis, auf der man aufbauen tät setzen muss, also auf jene Trends, kann. Andererseits ist die gemeinsame die auch für die Menschen in Tirol und Geschichte, wie in vielen langjährigen der Welt zunehmend wichtiger werden. Partnerschaften, natürlich auch von Weitermachen wie bisher geht jedenfalls Konflikten geprägt. Es gibt offensichtlich nicht. bereits seit einiger Zeit Interessendifferenzen, und die sind im Zuge der Klima- Wie lässt sich die Beziehung wieder kitten? krise und der Coronapandemie noch mal Zuallererst muss man die Perspektiven deutlich zutage getreten. wieder geraderücken. Man ist dermaßen in alten Mustern verhaftet, dass man Welche Probleme meinen Sie konkret? Ich am jeweiligen Gegenüber nur noch die bin natürlich keine Touristikerin, aber schlechten Seiten sieht. Viele Menschen als gebürtige Tirolerin, die seit Jahren im beklagen etwa die negativen AuswirLand lebt, glaube ich, dass es im Touris- kungen bestimmter Ausprägungen des mus künftig kein bedingungsloses „Hö- Tourismus, ignorieren dabei aber die her, schneller, weiter“ mehr geben kann. Tatsache, dass dieser auch viel Gutes
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Dr. Ulrike Paul ist Psychologin, systemische Einzel-, Paar- und Familientherapeutin, Sexualpädagogin und -therapeutin sowie Sachverständige für psychotherapeutische Diagnostik und psychische Folgeschäden. Als gebürtige Tirolerin, die seit Jahren im Land lebt und arbeitet, erlebt sie die Beziehung zwischen Tiroler Tourismus und Bevölkerung nicht nur hautnah mit, sondern ist gewissermaßen auch Teil davon.
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DIALOG
für Land und Leute getan hat – von der Schaffung von Arbeitsplätzen bis hin zur Stärkung lokaler Infrastruktur. In Partnerschaften ist es ja oft so, dass man das, was der jeweils andere für einen tut und in die Beziehung einbringt, nach einiger Zeit nicht mehr sieht, weil man sich bereits daran gewöhnt hat. Diese positiven Aspekte muss man sich und dem anderen wieder ins Gedächtnis rufen. Wie kann das gelingen? Über richtige Kommunikation. Daran hapert es nämlich auch: Wenn zwei Partner unzufrieden sind und sich trotz mehrfacher Aussprache nichts zu ändern scheint, fühlen sich beide missverstanden, vom jeweils anderen nicht ernst genommen, als ob man nicht mehr wirklich zum anderen durchdringe. Wenn jede Diskussion in der gleichen Sackgasse endet, hört man irgendwann aus Frust ganz auf, miteinander zu reden. Wie findet man aus dieser Sackgasse heraus? Beide Seiten müssen wieder das Gefühl bekommen – und es der jeweils anderen vermitteln –, dass man einander zuhört, dass Respekt und Wertschätzung herrschen. Der Tourismus kann beispielsweise die Sorgen der Bevölkerung nicht einfach abtun, sondern muss zeigen, dass er Bedenken nicht nur wahr-, sondern auch ernst nimmt und was dagegen unternimmt. Es braucht Erfolgserlebnisse, um für den anderen wieder glaubwürdig und überprüfbar zu werden. Nur so kann man das Vertrauen zueinander erneuern, was wiederum die Grundlage für einen Dialog auf Augenhöhe und die Artikulation von möglichen Differenzen ist. Und wie kann man Konflikte schließlich überwinden? Viele Auseinandersetzungen lassen sich nicht so ohne Weiteres einer
„WENN JEDE DISKUSSION IN DER GLEICHEN SACKGASSE ENDET, HÖRT MAN IRGENDWANN AUS FRUST GANZ AUF, MITEINANDER ZU REDEN.“
einfachen Lösung zuführen, nicht immer ist ein Kompromiss möglich. Aber das muss auch nicht unbedingt sein, denn es geht nicht um eine oberflächliche Scheinbefriedung, sondern vielmehr darum, sich Konflikten bewusst zu werden und diese offen auszutragen. Wenn es in einer Partnerschaft Unvereinbarkeiten gibt, muss man darüber reden und Lösungen suchen, nicht einfach alles unter einen Teppich kehren, weitermachen wie bisher und so tun, als sei alles in Ordnung. Das ist nämlich ganz charakteristisch für uns Menschen: Das Vertraute scheint uns immer sicherer, auch wenn es offensichtlich dysfunktional ist. Wie können der Tourismus und die Bevölkerung wieder zueinander finden? Ich glaube, beide müssen sich schlichtweg wieder darüber klar werden, was sie miteinander verbindet und was sie voneinander haben. Dass der Tourismus und die Bevölkerung sich gegenseitig brauchen, steht für mich außer Frage. Deshalb glaube ich, dass es sich für beide Seiten lohnen würde, an der Beziehung zu arbeiten – auch wenn es vielleicht manchmal kompliziert sein mag. Vielen Dank für das Gespräch.
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BERÜHMTE DIALOGE
WER
HAT DAS GESAGT? 2
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„Stellen Sie sich vor, Mister Jo war ein Erpresser.“
„Und weißt du, wie die einen äh Quarterpounder mit Käse in Paris nennen?“
„Nein!“
„Die nennen ihn nicht einen Quarterpounder mit Käse?“ „Nein, Mann, die haben das metrische System, die wissen gar nicht, was ein Viertelpfünder ist.“
„Doch!“ „Ohh!“
„Wie nenn’ die ihn?“ „Die nenn’ ihn den ‚Royal mit Käse‘.“
„Und wir haben bei ihm eine Liste der Leute gefunden, die von ihm erpresst worden sind.“ „Nein!“
„‚Royal mit Käse‘?“ „Doch!“
„So ist es!“
„Ohh!“
„Wie nennen die einen Big Mac?“ „Big Mac ist ein Big Mac, aber die nennen ihn ‚Le Big Mace‘.“ „‚Le Big Mace‘? – Wie nenn’ die einen Whopper?“ „Keine Ahnung, im Burger King war ich nich’.“
„Und ich bin heute hier, weil Sie auf dieser Liste stehen.“ „Ich?“ „Sie!“ „Nein!“ „Doch!“ „Ohh!“
„Er hat nicht fest zu gesagt, dass er käme.“
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„Und wenn er nicht kommt?“ „Kommen wir morgen wieder.“ „Und dann übermorgen.“ „Vielleicht.“ „Und so weiter.“ „Das heißt ...“ „Bis er kommt.“
„Haben Sie schon mal gesehen, dass ein Kommunist ein Glas Wasser trinkt?“ „Wasser? Nein. Nein, nicht, dass ich wüsste, Jack.“ „Vodka. Die trinken immer Vodka, nicht? Und nie Wasser.“
„Äh, Vodka? Das pflegen sie ja wohl zu trinken, Jack, ja.“
„Auf keinen Fall wird ein Kommunist jemals Wasser trinken. Und er weiß genau, aus welchem Grund.“ „Oh, äh, ja, ich, ich verstehe nicht ganz, worauf Sie hinzielen, Jack.“ „Wasser. Darauf will ich hinaus. Auf Wasser.“
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LÖSUNGEN: 1: Vincent Vega (John Travolta) und Jules Winnfield (Samuel L. Jackson): Pulp Fiction 2: I nspektor Ducros (Bernard Blier) und Antoine Brisebard (Louis de Funès): Hasch mich - ich bin der Mörder 3: Wladimir und Estragon: Warten auf Godot 4: Brigadegeneral Jack D. Ripper (Sterling Hayden) und Group Captain Mandrake (Peter Sellers): Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben
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