Skip to main content

SAISON 2005

Page 1

P.b.b. | VERLAGSORT: 6020 INNSBRUCK | 10Z038387M

TOURISMUSMAGAZIN • #1/20 • MAI 2020

Es geht Bergauf. Aufbruchstimmung in schwierigen Zeiten


btv.at

Verantwortung wahrnehmen Nicht irgendwo, sondern hier bei uns. Die BTV kommt aus der Region und investiert in der Region. Das Richtige dort zu tun, wo wir alle leben und arbeiten heißt für uns, lokal zu handeln – aber auch darüber hinauszudenken.


3

INHALT

INHALTSVERZEICHNIS SA I S ON

ES GEHT BERGAUF.

5 Tirol im Herzen

10

Editorial von Florian Phleps

14

6 Aufbruchstimmung

Die Tirol Werbung fährt das touristische Marketing wieder nach oben

10 „Tirol wird diese

Krise meistern“ LH Günther Platter im Interview

14 Tiroler Herzlichkeit auf

dem Prüfstand Wie Urlaub heuer aus medizinischer Sicht funktionieren kann

16 Heimaturlaub

16

Diesen Sommer ist Tirols Tourismus besonders auf heimische Gäste angewiesen

22 Die Reiselust wird bleiben Wie wird sich der Tourismus auf Grund von Covid-19 längerfristig verändern?

34

© LISI SPECHT, LAND TIROL, TIROL WERBUNG/SEBASTIAN SCHELS, ANDREAS KIRSCHNER

26 Ruhe nach dem Sturm „Ich hoffe, dass im kommenden Sommer möglichst viele Österreicherinnen und Österreicher ihr Land neu entdecken.“ PETRA STOLBA, GESCHÄF TSFÜHRERIN ÖSTERREICH WERBUNG

18 Gastfreundschaft auch

auf Distanz Wie Tiroler Betriebe die Verbindung zu ihren Stammgästen aufrecht erhalten

Auf Tirols Tourismusbranche kommen harte Zeiten zu

28 Rund um die Stadt

Den Städtetourismus trifft die aktuelle Situation besonders hart

30 Wie aus Krisen Chancen werden Lässt sich die Coronkrise für neue Ideen nutzen?

34 Sicher zum Neustart

Die außergewöhnliche Lage ist eine gute Gelegenheit für eine Standortbestimmung

saison.tirol IMPRESSUM SAISON Tourismusmagazin, Nr. 1/2020 (70. Jahrgang) SAISON Abohotline: 0512/58 6020 oder saison@target-group.at Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: Tirol Werbung, Maria-­T heresien-Straße 55, 6020 Innsbruck • Mit der Produktion beauftragt: TARGET GROUP Publishing GmbH, Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck • Chefredakteur: Matthias Krapf, MA • Redaktion: Daniel Feichtner, Mag. Susanne Gurschler, Mag. Simon Leitner, Rebecca Müller, BA, Esther Pirchner, Lisa Schwarzenauer, MA • Fotografen: Franz Oss, Axel Springer Grafik: Thomas Bucher, Sebastian Platzer, BA • Anzeigenverkauf: Walter Mair, w.mair@target-group.at • Anschrift Verlag: Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck, Tel. 0512/­5 8 6020, Fax DW -2820, redaktion@targetgroup.at • Geschäftsführung Verlag: Mag. Andreas Eisendle, Michael Steinlechner, Matthias Krapf, MA • Druck: Intergraphik GmbH, Innsbruck • Coverfoto: Tirol Werbung/Ramon Haindl Die Informationen zur Offenlegung gemäß § 25 MedienG können unter der URL https://saison.tirol/info/impressum abgerufen werden.


Tirols beste Arbeitgeber Steigern Sie Ihre Bekanntheit als Top-Arbeitgeber und sichern Sie sich Ihren Startvorteil gegenüber anderen Unternehmen.

→ Top-Arbeitgeber → Weiterbildung → Teambuilding → Personalmanagement

Präsentieren Sie Ihr Unternehmen und erreichen Sie so die besten Talente und Fachkräfte! Nähere Infos: Tel. 0512/58 6020-2191 W.Mayr@target-group.at


5

EDITORIAL

TIROL

IM HER ZEN

D

as Coronavirus hat unsere Welt jäh und tiefgreifend verändert und der Tourismus ist besonders stark von den Folgen betroffen. Der „Lockdown“ und die vielen damit verbundenen Einschränkungen bedeuten eine der größten Herausforderungen, vor der unsere Branche jemals gestanden ist. Und so ehrlich müssen wir sein: Es wird länger als diesen Sommer brauchen, bis wir die vielfältigen Auswirkungen tatsächlich einschätzen können und sich der Tourismus in Tirol wieder stabilisiert. Dessen Bedeutung als Wirtschaftsmotor für das Land wird uns in dieser Phase eindrücklich vor Augen geführt – egal ob es um Arbeitsplätze geht oder verbundene Branchen.

© TIROL WERBUNG / OLIVER SOULAS

STANDORTBESTIMMUNG

Diese Pandemie bedeutet eine Zäsur. Gleichzeitig bietet sie auch Gelegenheit für eine Standortbestimmung. Die weit mehr als hundertjährige Erfolgsgeschichte des Tiroler Tourismus ist geprägt von Veränderungen. Auch jetzt ist die Chance zur Weiterentwicklung vorhanden. Eine Chance, die es sich zu ergreifen lohnt. Der Tiroler Tourismus trägt mit tatkräftigen Unternehmern, seinem Freizeitangebot, der Infrastruktur und seiner Dienstleistungsqualität sehr viel zur hohen Lebensqualität im Land bei. Auch Gäste aus aller Welt wissen das zu schätzen. Diese Wertschätzung darf allerdings nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden – insbesondere nicht im eigenen Land. Gerade um die Wertschätzung der Tirolerinnen und Tiroler müssen wir uns in Zukunft verstärkt bemühen. Das bedingt auch Anpassungen an unserer Tourismusstrategie. Daran arbeiten wir bereits. Unser Land wird mit seiner Bergnatur für Sehnsuchtsmotive der Menschen – egal ob Einheimische oder Gäste – noch wichtiger werden. Dem tragen wir auch in unserer neuen Kampagne „Es geht Bergauf.“

Rechnung. Denn Werte wie Natur, Freiheit und Gesundheit gewinnen gerade jetzt noch mehr an Wert. Wenn wir uns dieser Werte stärker bewusst werden und unser Tun konsequent danach ausrichten, dann werden wir alle davon profitieren. Denn langfristig wird für eine erfolgreiche Entwicklung nicht ein ständiges „Mehr“ entscheidend sein, sondern ein „Besser und Intelligenter“. Dieses Bild wünsche ich mir für unseren Tourismus. Ein Tourismus mit Tirol im Herzen und einer optimistischen Zukunft im Blick.

FLORIAN PHLEPS, GESCHÄFTSFÜHRER TIROL WERBUNG

UM IN DER DERZEITIGEN AUSNAHME­ SITUATION MÖGLICHST AKTUELL KOMMUNIZIEREN ZU KÖNNEN, ERSCHEINT DIESE AUSGABE ALS ZEITUNGSMAGAZIN.


6

ES GEHT BERGAUF.

AUFBRUCHS T IMM U N G

Aufgrund des Coronavirus hat die Tirol Werbung ihre Kommunikationsstrategie rasch und grundlegend ändern müssen. Unter dem Motto „Es geht Bergauf.“ startet man nun in die nächste Phase – mit touristischem Marketing. Text: Simon Leitner


ES GEHT BERGAUF.

„Mit der Kampagne ‚Es geht Bergauf.‘ wollen wir Aufbruchstimmung vermitteln, sowohl bei den Gästen als auch bei unseren Betrieben.“ FLORIAN PHLEPS, GESCHÄFTSFÜHRER TIROL WERBUNG

D

© TIROL WERBUNG/ERICH SPIESS, TIROL WERBUNG/RAMON HAINDL

er Tourismus steht bereits seit geraumer Zeit still. Mittlerweile sind zwar erste Grenzöffnungen wie zu Deutschland und zur Schweiz per 15. Juni angekündigt und mit Ende Mai gibt es immerhin einen fixen Termin für die Öffnung entsprechender Betriebe in Österreich, von gänzlich ungehindertem Reisen ist man allerdings noch weit entfernt. Die Ausbreitung von Covid-19 und dessen Folgen haben aber nicht nur erhebliche Auswirkungen auf die heimischen Tourismusbetriebe, sondern ebenso auf die Tirol Werbung, die sich insbesondere im Bereich Marketing und Kommunikation an die neuen Gegebenheiten anpassen musste – und noch immer muss. „In den letzten zwei Monaten sind die Informationsvermittlung sowie das emotionale Verbundenbleiben mit den Menschen im Vordergrund gestanden. Wir haben in dieser Zeit intensiv kommuniziert, wobei der Fokus abseits werblicher Botschaften gelegen ist“, fasst Florian Phleps, Geschäftsführer der Tirol Werbung, die vergangenen Bemühungen zusammen. „Mit der Kampagne ‚Es geht Bergauf.‘ wird das touristische Marketing nun wieder hochgefahren. Damit wollen wir Aufbruchstimmung vermitteln, sowohl bei den Gästen als auch bei unseren Betrieben.“

KONTAKT HALTEN

Der Weg dorthin war jedoch nicht einfach. Nach einer ersten „Response-Phase“ zu Beginn der Coronakrise, in der man sowohl Gästen als auch Touristikern Informationen und konkrete Handlungsempfehlungen für den Umgang mit dem Virus und den einhergehenden Konsequenzen bereitgestellt hatte, startete die Tirol Werbung noch im März unter dem Schlagwort #mitAbstandnah das zweite Kapitel der Kommunikations-

strategie. „Dabei ging es uns hauptsächlich darum, mit unseren Communitys in Verbindung zu bleiben“, erklärt Kommunikationsleiter Patricio Hetfleisch. „Wir wollten die Verbundenheit zwischen den Menschen und Tirol stärken, indem wir nützliche Contents für diese herausfordernde Zeit bereitstellen.“ In dieser zweiten, der „Remind-Phase“, konzentrierte man sich in erster Linie auf unterhaltsame, emotionale und entspannende Inhalte, die vor allem für Ablenkung, Zerstreuung und Freude sorgen sollten – wobei der Urlaubsaspekt ausnahmsweise eine eher untergeordnete Rolle spielte. „Wir wollten nicht sinnlos Fernweh erzeugen, nicht zuletzt, weil es wegen der eingeschränkten Reisefreiheit ja weiterhin kein Heilmittel dafür gibt“, sagt Hetfleisch. Allerdings könne man trotz des (räumlichen) Abstandes, den man noch immer halten müsse, (soziale) Nähe erzeugen. Und genau das sei ein großes Ziel der #mitAbstandnah-Maßnahmen gewesen: den Menschen zu zeigen, dass man trotz Ausgangs- und Reisebeschränkungen nicht so weit weg ist, wie es vielleicht den Anschein macht.

TIROLER FÄRBUNG

Die Bemühungen der Tirol Werbung hatten einen ausgewiesenen Onlineschwerpunkt, konzentrierten sich vorwiegend auf soziale Medien und den hauseigenen Blog, wo unterschiedlichste Inhalte ausgespielt wurden. Die Bandbreite reicht von Fitnessübungen über Lesungen und Filmtipps bis hin zu Musikvideos – allerdings immer mit Bezug zu Tirol. Ein Beispiel dafür ist das Lied „I möcht mi nur bedanken“ von Manuel Stix, das von 18 Tiroler Sängern und Tonkünstlern in häuslicher Quarantäne

→

„Wir befinden uns in einem kritischen Stadium mit vielen Unwägbarkeiten und müssen jetzt zusätzliche Schritte setzen.“ PATRICIO HETFLEISCH, LEITUNG MARKETING UND KOMMUNIK ATION BEI DER TIROL WERBUNG

7


ES GEHT BERGAUF.

Man sieht sich online Seit dem Ausbruch des Covid-19-Virus zeigt die Tirol Werbung auf sozialen Medien und am eigenen Blog nochmal deutlich stärker Präsenz. Das Spektrum der Geschichten und Produktionen ist groß, reicht von Musik über Kunst und Literatur bis hin zu Unterhaltung. Eine Auswahl. I möcht mi nur bedanken (Youtube) 18 Tiroler Musiker und Sänger interpretieren einen Song von Manuel Stix, in Heimarbeit vertont. Gemma Habibi (www.blog.tirol) Der Tiroler Autor Robert Prosser liest mehrere Passagen aus seinem aktuellen Roman. Zwischen Kitsch und Kult (www.blog.tirol) Eine Liste von Filmen und Serien, die in Tirol gedreht wurden – und über deren Qualität sich durchaus diskutieren lässt … An Juchiza! (www.blog.tirol) Wer sich Tiroler Volksmusik in die eigenen vier Wände holen möchte, ist mit dieser Playlist gut beraten. Auf Rundgang (www.blog.tirol) Die heimischen Museen und Galerien sind momentan zwar großteils geschlossen, viele bieten aber dennoch Rundgänge an – in virtueller Form.

eingespielt wurde. Die Idee dazu wurde von der Tirol Werbung in Zusammenarbeit mit Stix entwickelt, das fertig montierte Musikvideo schließlich auf Facebook und Youtube veröffentlicht, wo es rasch breite Resonanz erfahren hat. „Mittlerweile haben wir damit über eine Million Menschen erreicht“, sagt Hetfleisch, der sich generell erfreut vom Feedback auf die #mitAbstandnahInhalte zeigt. „Die Reaktionen waren fast ausschließlich positiv, und es gab deutlich mehr Zugriffe auf unsere Geschichten als jemals zuvor. Je nach Kanal ist es uns gelungen, unseren Impact, was Reichweite und Interaktion angeht, zu verdoppeln oder gar zu verdreifachen.“ Insofern sieht Hetfleisch das Vorhaben, während der Coronakrise die Verbindung zu Stammgästen und Tirol-Fans aufrechtzuerhalten (siehe auch Beitrag ab Seite 18), durchaus als geglückt an. Nun sei allerdings Zeit für Neues: „Wir befinden uns in einem kritischen Stadium mit vielen Unwägbarkeiten und müssen jetzt zusätzliche Schritte setzen, damit der Tiroler Tourismus wieder positiv in die Zukunft blicken kann.“

IMAGE UND INSPIRATION

Kürzlich hat die Tirol Werbung die nächste, die „Reach-out-Phase“ gestartet und fährt damit wieder

„Unser aktuelles Ziel ist es, mit tollen Geschichten zu einem Urlaub in Tirol zu inspirieren.“ INGRID SCHNEIDER, LEITUNG GESCHÄFTSFELDER BEI DER TIROL WERBUNG

sukzessive ihr touristisches Marketing nach oben. Mit der ausgegebenen Devise „Es geht Bergauf.“ will man nicht nur auf die Topografie Tirols und den Stellenwert der Berge bei verschiedenen Urlaubsaktivitäten im Land anspielen, sondern auch ein Statement setzen. „Wir wollen Aufbruchstimmung vermitteln – sowohl in Richtung unserer Gäste als auch unserer Betriebe“, erklärt Ingrid Schneider, Leiterin des Bereichs Geschäftsfelder bei der Tirol Werbung. „Der Slogan soll veranschaulichen: Ja, es ist eine herausfordernde Zeit, aber es geht wieder bergauf.“ Schwerpunkte dieser Kampagne sind die Themen Natur und Berge, die in den Vordergrund der verschiedenen Werbemaßnahmen gestellt werden. Zu diesen zählen unter anderem ein groß angelegter Imagefilm, der sowohl im TV als auch online ausgespielt wird, kürzere Spots

© TIROL WERBUNG/OLIVER SOULAS, TIROL WERBUNG/RAMON HAINDL

8


9

ES GEHT BERGAUF.

Regeln für den Urlaubsaufenthalt Was ist erlaubt und was nicht? Und wie wird ein Aufenthalt in einem Hotel oder einer Pension diesen Sommer ablaufen? Antworten auf diese Fragen gibt die Website www.sichere-gastfreundschaft.at Gästen und Betreibern von Beherbergungsbetrieben jeweils am aktuellen gesetzlichen Stand. Neben speziellen Vorgaben für die Hotellerie gelten die bekannten fünf Regeln auch im Urlaub:

für Social Media und klassische Medienkooperationen im Printbereich. „Unser aktuelles Ziel ist es, mit tollen Geschichten zu einem Urlaub in Tirol zu inspirieren“, berichtet Schneider. „Deshalb werden wir auch weiterhin Inhalte für unsere sozialen Kanäle produzieren, mit Tiroler Gastgeberinnen und Gastgebern als Protagonisten.“ Abgesehen von dieser inspirierenden Wirkung sollen die Maßnahmen im Rahmen von „Es geht Bergauf.“ zusätzlich als eine Art „Schneepflug“ dienen, wenn es in einem zweiten Schritt darum geht, konkrete, also buchbare Angebote zu bewerben.

LUST AUF ÖSTERREICH

Einen ähnlichen Ansatz – Inspiration vor Angebot – verfolgt übrigens auch eine bundesweite Initiative, die gemeinsam von der Österreich Werbung, den Landestourismusorganisationen und der ARGE Städte ins Leben gerufen wurde. „Wir haben schnell den Entschluss gefasst, den österreichischen Markt gemeinsam bearbeiten zu wollen – neben den Schritten, die jedes Bundesland eigenständig setzt“, erläutert Schneider die Hintergründe der Kampagne, die Anfang Juni starten und vornehmlich auf den Onlinebereich zielen wird. Was die Themen betrifft, so fährt man dabei drei unterschiedliche Sujets: Natur, Berge und Bewegung sowie Stadt und Kultur. „Ich glaube, Tirol kann in all diesen Bereichen punkten“, meint Schneider. „Für uns ist das jedenfalls eine Chance, in Verbund mit der ÖW und anderen Bundesländern nochmal präsenter am österreichischen Markt zu sein und Lust auf Urlaub im eigenen Land zu machen.“

1.

Mindestens

1 Meter Abstand

zu fremden Personen halten.

3.

2.

Auf Händeschütteln bei der Begrüßung verzichten.

MundNasenSchutz tragen.

5.

4.

Hände mehrmals täglich waschen.

Niesen oder husten in die Armbeuge oder in ein Taschentuch.


ES GEHT BERGAUF.

INTERVIEW

„TIROL

WI RD D I ES E KRI S E

MEISTERN“

Landeshauptmann Günther Platter im Gespräch mit der SAISON über die zentrale Rolle, die der Tourismus auch in der Krise spielt, eine Sommersaison mit Reisebeschränkungen, den Tiroler Weg 2030 und die Causa Ischgl. Das Gespräch führte Rebecca Müller.

SAISON:

10

Herr Landeshauptmann, die Coronakrise trifft den Tourismus besonders hart, seitens Bund und Land wird stets bekräftigt, dass ausreichend Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden – wie viel Geld ist bereits geflossen? GÜNTHER PLATTER: Wegen der Corona-Pandemie befinden sich Tirol, Österreich und die ganze Welt in einer Ausnahmesituation. Was als Gesundheitskrise begonnen hat, ist längst zu einer Wirtschaftskrise geworden. Zentral davon betroffen ist auch der heimische Tourismus – nicht zuletzt aufgrund der restriktiven Reisebeschränkungen. Dennoch bin ich überzeugt, dass wir unser Land unter großer Rücksichtnahme aufeinander gemeinsam wieder in Schwung bringen werden. Der Tiroler Tourismus spielt dabei eine zentrale Rolle, weil er eine Schlüsselbranche unseres Landes ist. Um die finanzielle Notlage der Menschen und der heimischen Betriebe abzufedern, hat das Land Tirol ein 400 Millionen Euro schweres Maßnahmenpaket

geschnürt, das sich als Ergänzung zu den Förderinstrumenten des Bundes in dieser Krise wie etwa Härtefallfonds und Kurzarbeit versteht. Erst diese Woche hat die Bundesregierung ein Wirtshauspaket im Umfang von 500 Millionen Euro präsentiert, um die Gastronomie und den Konsum anzukurbeln. Als Land entlasten wir die Tiroler Unternehmen, indem diesen 30 Millionen Euro an Pflichtbeiträgen an die Tiroler Tourismusverbände erlassen werden. Gleichzeitig unterstützen wir die Tourismusverbände mit insgesamt 40 Millionen Euro, die Hälfte davon kommt vom Land Tirol, die andere Hälfte vom Tiroler Tourismusförderungsfonds. Gibt es weitere Unterstützung? Das jüngste Unterstützungspaket des Landes Tirol für die Tourismuswirtschaft umfasst zusätzliche 15,3 Millionen Euro, die sich aus Mitteln für die Absicherung der TVB-Arbeitsplät-


ES GEHT BERGAUF.

Landeshauptmann Günther Platter, politisch auch zuständig für den Tourismus, sichert der Branche weit­reichende Unterstützungen zu.

ze, zur Sicherstellung der geplanten Kommunikationsmaßnahmen der Tirol Werbung sowie Fördermitteln für die touristische Wirtschaftsförderung und Fördermaßnahmen für Schutzhütten, Rad- und Wanderwege zusammensetzen. Sollte es erforderlich sein, können die vorgesehenen Mittel zur Bewältigung der CoronaKrise durchaus noch aufgestockt werden, die finanzielle Lage Tirols lässt das zu.

Ausbruch der Corona-Pandemie gab es alleine im heurigen März einen Rückgang von 58 Prozent bei den Nächtigungen in Tirol gegenüber dem Vorjahr. Finanziell gehen Experten durch das verfrühte Saisonende von einem Umsatzausfall im Tiroler Tourismus von rund 1,4 Milliarden Euro aus. In welchem Ausmaß wird die Kurzarbeit in der Branche angenommen? Tirol verzeichnete im April 44.928 Arbeitslose – 119,2 Prozent mehr als Vorjahr – davon 20.859 im Bereich Beherbergung und Gastronomie. Die hohen Arbeitslosenzahlen spiegeln die zentrale Bedeutung der Tourismusbranche für Tirols Wirtschaft wider. Ende April betrug der Kurzarbeitsanteil für die Beherbergungs- und Gastronomiebranche über 18 Prozent. Damit auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tourismusverbände in Beschäftigung gehalten werden können, haben wir als Land beschlossen, dem Verband der Tourismusverbände einen Landeszuschuss zur Absicherung dieser Arbeitsplätze in den Tourismusverbänden zu gewähren. →

© LAND TIROL

„Sollte es erforderlich sein, können die vorgesehenen Mittel durchaus noch aufgestockt werden, die finanzielle Lage Tirols lässt das zu.“

Mitte März wurden die Verluste allein für die Seilbahnwirtschaft auf 800 Millionen geschätzt, gibt es Zahlen die gesamte Branche betreffend? Die Wirtschaftskammer hat verschiedene Szenarien zu den Auswirkungen dieser Krise erarbeitet. Optimistische Szenarien skizzieren für 2020 einen Rückgang der Tiroler Bruttowertschöpfung in Höhe von 2,26 Milliarden Euro. Pessimistische Szenarien rechnen im schlimmsten Fall mit einem Verlust von 4,8 Milliarden Euro. Wir unternehmen jedenfalls intensive Anstrengungen, um unsere Tiroler Betriebe und damit auch unsere Wirtschaft und Arbeitsplätze zu schützen. Durch den

„ICH BIN ÜBERZEUGT, DASS WIR UNSER LAND UNTER GROSSER RÜCKSICHTNAHME AUFEINANDER GEMEINSAM WIEDER IN SCHWUNG BRINGEN WERDEN.“

11


12

ES GEHT BERGAUF.

Unterstützung für Tourismus

400 Millionen

schwer ist das Maßnahmenpaket, das das Land zusätzlich zu den Mitteln des Bundes (Kurzarbeit, Härtefallfonds) geschnürt hat

500 Millionen

stellt der Bund im Rahmen eines Wirtshauspakets zur Verfügung

30 Millionen

an Pflichtbeiträgen an die TVBs erlässt das Land den Betrieben

40 Millionen

erhalten dafür die TVBs, das Geld kommt zur Hälfte vom Land, die andere Hälfte vom Tiroler Tourismusförderungsfonds

15,3 Millionen

hat das Land Tirol zusätzlich zur Verfügung gestellt für: Absicherung der TVB-Arbeitsplätze, Sicherstellung der geplanten Kommunikationsmaßnahmen der Tirol Werbung, touristische Wirtschaftsförderung und Fördermaßnahmen für Schutzhütten, Rad- und Wanderwege

Wir gehen hier bewusst einen eigenen Tiroler Weg, weil wir davon überzeugt sind, dass es gerade in den kommenden Wochen und Monaten wesentlich sein wird, auf die touristische Expertise und Erfahrung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tourismusverbände setzen zu können. Gastronomie und Hotellerie dürfen Mitte bzw. Ende Mai wieder öffnen – ob sich ein Betrieb unter den gegebenen Voraussetzungen rechnet, wird man noch sehen müssen, aber wie ist hier Ihre Erwartungshaltung? Rund 90 Prozent unserer Gäste kommen aus dem Ausland. Die Öffnung der geschlossenen Grenzen zwischen Deutschland und Österreich mit 15. Juni ist daher eine wichtige Botschaft für die gesamte Branche. Auch für weitere wichtige Nahmärkte schaut es schon sehr gut aus. Zu Italien wird eine Grenzöffnung wegen der schwierigen gesundheitlichen Situation dort wohl noch etwas länger

dauern. Ich bin jedenfalls optimistisch, dass Tirol und auch Tirols Gastgeber diese Krise meistern werden. Die heimischen Beherbergungsbetriebe und Unternehmen bereiten sich intensiv auf das Wiederhochfahren vor. Sie folgen dabei den strengen Gesundheits- und Hygienevorgaben. Alle, die gerne ihren Sommerurlaub in Tirol verbringen möchten, können darauf vertrauen, dass alles getan wird, um die Gesundheit zu gewährleisten. Auch Freizeitbetriebe werden nur unter Sicherheitsvorkehrungen aufsperren dürfen – können die alle erfüllen? Ich habe volles Vertrauen, dass die Tiroler Betriebe diese Vorgaben einhalten und damit die Gesundheit jeder und jedes Einzelnen schützen werden. Unabhängig davon bietet Tirol aufgrund seiner Natur und der vielen Angebote wie etwa Wandern oder Radfahren viele Freizeiterlebnisse, die gerade jetzt stark nachgefragt werden. Auch der Sommertourismus ist zum Teil von den Seilbahnen abhängig – man denke an Freizeitparks am Berg, Almen, aber auch Kleinere wie Anbieter von Tandemflügen. Gibt es schon einen Plan, wann die Bahnen wieder fahren dürfen? Unsere Seilbahnen, Freizeitanlagen und Almen sind ein zentraler Bestandteil des Tiroler Sommertourismus und zudem wesentlich für die Freizeitgestaltung der Tirolerinnen und Tiroler. Deshalb ist es wichtig, dass diese Einrichtungen basierend auf den Vorgaben der Bundesregierung mit Ende Mai wieder ihren Betrieb aufnehmen können und damit wieder eine Vielzahl an Freizeitaktivitäten möglich sind. Gerade diese CoronaKrise hat uns bewusstgemacht, wie sehr diese Einrichtungen und Angebote zur Lebens- und Freizeitqualität der Einheimischen beitragen. Die Causa Ischgl hat im In- wie im Ausland für Aufregung gesorgt – wie kann hier ein Imagewechsel gelingen? Einerseits wird es eine tiefgreifende Analyse einer unabhängigen Expertenkommission geben. Gerade nach so einer Krise, in der wir es mit einem unbekannten Phänomen zu tun haben, braucht es eine Manöverkritik. Wir wollen genau wissen, was in Tirol gut und was weniger gut gelaufen ist. Andererseits wird bereits an einer Weiterentwicklung der Tiroler Tourismusstrategie gearbeitet, schließlich wollen wir unseren Erfolg auch in Zukunft absichern. Es muss aber sicherlich nicht alles über Bord geworfen werden, immerhin ist der Tiroler Tourismus eine absolute Erfolgsgeschichte. Dort, wo es notwendig ist, wollen wir aber Dinge auf den Prüfstand stellen. Unser Ziel ist eine nachhaltige touristische Entwick-


13

ES GEHT BERGAUF.

lung, die den Menschen in unserem Land Nutzen und Wohlstand bringt und regionale Qualitäten fördert. Das wird auch Grenzen beinhalten und das Zurückschrauben von Extremen, um die Akzeptanz des Tourismus in der Tiroler Bevölkerung zu garantieren. Wer entwickelt diese Strategie? Ein Expertenteam unter Führung des MCI Tourismus wird diesen „Tiroler Weg 2030“ mit Praktikern und internationalen Fachleuten, aber auch unter Einbeziehung kritischer Stimmen erarbeiten. Ich möchte dieser Arbeit nicht vorgreifen, bin aber überzeugt, dass das Ergebnis ein klares Programm für unsere Tourismusentwicklung sein wird und garantiert, dass Tirol weiterhin erfolgreich sein kann. Die vielen positiven Rückmeldungen von Gästen gerade während der Krise bestärken mich in dieser Einschätzung. Abschließend: Wie beurteilen Sie die aktuelle Gesundheitssituation im Land? Was die gesundheitliche Situation in

THE

AB € 299,–/MONAT *

„Unser Ziel ist eine nachhaltige touristische Entwicklung. Das wird auch Grenzen beinhalten und das Zurückschrauben von Extremen.“ Tirol betrifft, sind wir auf einem sehr guten Weg. Aktuell sind weniger als 60 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Diese erfreuliche Zahl ist ein Ergebnis unserer harten Maßnahmen und der großen Disziplin, mit der sich die Tirolerinnen und Tiroler an die Vorgaben gehalten haben, wofür ich an dieser Stelle nochmals meinen Dank aussprechen möchte. Vielen Dank für das Gespräch.

1

• 0% ANZAHLUNG • GARANTIERTER RESTWERT • BMW PAKET CARE INKLUSIVE www.bmw.at/auswahl

Unterberger Denzel Innsbruck Griesauweg 32, 6020 Innsbruck Telefon 0512/33435 info@unterberger-denzel.bmw.at

Unterberger St.Johann Anichweg 1, 6380 St. Johann/T. Telefon 05352/62389 office.stj@unterberger.bmw.at

Unterberger Kufstein Endach 32, 6330 Kufstein Telefon 05372/6945 info@unterberger.cc

www.unterberger.cc www.unterberger-denzel.bmw.at

* Gültig bei Kaufvertragsabschluss vom 20.02.2020 bis 30.06.2020, Auslieferung bis 30.09.2020. Ein Angebot der BMW Austria Leasing GmbH für den BMW 118i, beinhaltet kostenloses Service mit dem BMW Paket Care für 4 Jahre oder max. 100.000 km sowie Versicherung für die Mängelbeseitigung in Österreich für das 3. und 4. Jahr ab Erstzulassung bis zum Erreichen einer Fahrleistung von 120.000 Kilometer, es gilt der jeweils zuerst erreichte Grenzwert ab Erstzulassung. BMW Select Leasing für den BMW 118i, Anschaffungswert € 25.729,27,-, Anzahl. € 0,-, Laufzeit 48 Mon., Leasingentgelt € 299,- mtl., 10.000 km p.a., Restwert € 13.111,10, Rechtsgeschäftsgebühr € 124,86,-, Bearbeitungsgebühr € 230,-, Vollkaskoversicherung vorausgesetzt, effektiver Jahreszins 2,76%, Sollzins variabel 2,25%, Gesamtbelastung € 27.817,96,-. Beträge inkl. NoVA u. MwSt.. Angebot freibleibend. Verfügbarkeit, Änderungen und Irrtümer vorbehalten. n20-ukl-5_unterberger_190x125_1_oo.indd 1

05.05.2020 10:42:30

Symbolfoto

BMW 1er: von 85 kW (116 PS) bis 225 kW (306 PS), Kraftstoffverbrauch gesamt von 4,5 l bis 7,8 l/100 km, CO₂-Emissionen von 118 g bis 176 g CO₂/km. Angegebene Verbrauchsund CO₂-Emissionswerte ermittelt nach WLTP.


14

ES GEHT BERGAUF.

TIROLER HERZLICHKEIT

AUF DEM PRÜFSTAND Das Coronavirus verändert den Umgang der Menschen miteinander. Aus medizinischer Sicht helfen im täglichen Umgang Hygiene, körperliche Distanz und bei Indikation MundNasen-Schutz beim Kampf gegen Covid-19. Text: Susanne Gurschler

H

ände waschen, Abstand halten, Mund-Nasen-Schutz tragen – wie ein Mantra haben wir in den letzten Wochen die drei Regeln verinnerlicht, die uns dabei helfen sollen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, einer möglichen zweiten Ansteckungswelle präventiv zu begegnen. Die aus medizinischer Sicht vorbeugenden Maßnahmen stellen Gastronomen und Hoteliers, die gesamte Tourismuswirtschaft vor große Herausforderungen. Gastfreundschaft und Herzlichkeit müssen damit in Einklang gebracht werden.

EINFACHE REGELN

Grundsätzlich sind die Anforderungen im Tourismus nicht anders als in anderen Branchen: Es muss alles darangesetzt werden, die Verbreitung des Virus zu unterbinden. „Bei Covid-19 handelt es sich um eine Tröpfcheninfektion. Tröpfchen werden beim Husten und Sprechen abgegeben“, so Cornelia Lass-Flörl, Direktorin der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Beim Niesen und Husten können Tröpfchen im Umkreis von bis zu einem Meter streuen. Abstand halten, so die Fachärztin für Hygiene und Mikrobiologie, sei daher das Gebot der Stunde, um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden. Zu den Hauptübertragungswegen zählt enger Kontakt zu einer erkrankten Person, und zwar „wenn man länger als 15 Minuten weniger als ein bis zwei Meter Abstand hält“, präzisiert Lass-Flörl. Dass Erkrankte kaum bis keine Beschwerden zeigen können, stellt zusätzliches Gefahrenpotenzial dar. Da die ansteckenden Tröpfchen direkt auf die Schleimhäute von Nase, Augen oder Mund der gegenüberstehenden Person übertragen werden können, „ist ein MundNasen-Schutz bei einer hohen Durchseuchung sicher sinnvoll“, betont Lass-Flörl. Und natürlich können beim Husten oder Niesen Tröpfchen auf die Hände gelangen und Oberflächen kontaminieren. Daher sollte man in die Ellenbeuge oder in ein Einwegtaschentuch niesen bzw. husten. Gründliches Händewaschen – aus hygienischer Sicht ohnehin empfohlen – dämmt das Infektionsrisiko ebenso ein


ES GEHT BERGAUF.

Innovativer Mund-Nasen-Schutz Polychromelab ist bekannt für die von ihm entwickelte Outdoorbekleidung. In Kooperation mit der Handelsakademie Innsbruck und auf Initiative des Schneezentrums Tirol setzte das Kleinunternehmen das Projekt „wetterleuchten“ um. Polychromelab stattete den Maturajahrgang mit einem MundNasen-Schutz aus. Die Masken erhielten das Logo der HAK samt Schriftzug Matura 2020 und die Maturanten damit ein positiv besetztes Erinnerungsstück an eine schwierige Zeit. Polychromelab stellt mit „Covid style“ zudem eigene Varianten eines MundNasen-Schutzes her: Sie sind elastisch, thermoverformbar, beidseitig tragbar und antibakteriell ausgerüstet.

„Ein gut geschultes Personal an der vorderen Front ist wichtig! Es braucht eine gute Vorbildwirkung bei den Hygieneregeln.“ CORNELIA LASS-FLÖRL, DIREKTORIN DER SEKTION FÜR HYGIENE UND MEDIZINISCHE MIKROBIOLOGIE AN DER UNIKLINIK INNSBRUCK

wie die regelmäßige Desinfektion von Oberflächen. Wichtig ist auch, Gäste und Mitarbeiter über die Hygienemaßnahmen zu informieren und die Verhaltensregeln transparent zu kommunizieren. Nicht zuletzt, um die Gefahren der Coronapandemie im täglichen Umgang, bei den alltäglichen Handlungen nicht aus den Augen zu verlieren.

© INSTITUTE OF HYGIENE AND MEDICAL MICROBIOLOGY

SICHERHEIT UND TRANSPARENZ

So lassen sich etwa in Bereichen, wo Gedränge entstehen könnte, mit Bodenmarkierungen die Mindestabstände ins Bewusstsein rufen. Wo kontaktloser Umgang möglich ist, sollte dieser forciert werden, Räume sollten so gestaltet werden, dass Gäste und Mitarbeiter ohne Probleme den Mindestabstand einhalten können, Desinfektionsmittel und Masken zur Ver-

fügung stehen, wo erforderlich, und Plexiglasschutz installiert werden. Eine eingehende Schulung der Mitarbeiter im Bereich Hygiene ist aus medizinischer Sicht ein Grundpfeiler des Arbeitens in der Hotellerie und Gastronomie. Nun sollte diese noch einmal intensiviert werden. „Ein gut geschultes Personal an der vorderen Front ist wichtig! Es braucht eine gute Vorbildwirkung bei den Hygieneregeln“, so die Fachärztin. Diese Pandemie stellt den Tourismus vor neue Herausforderungen. Nicht einmal ein herzlicher Händedruck ist derzeit möglich. Es gilt, Tiroler Herzlichkeit und Gastfreundschaft anders zu vermitteln. Gäste und Mitarbeiter vor einer möglichen Ansteckung durch das Coronavirus zu schützen, ihnen ein sicheres Umfeld zu bieten, gehört dazu.

Alles für die Hygiene Hollu Systemhygiene bietet eine umfassende Palette an Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, führt Schulungen durch und stellt Reinigungs- sowie Desinfektionspläne bereit. „Zur Abtötung der Coronaviren sind be­grenzt viruzidwirksame Desinfektionsprodukte not­wendig. Diese EN-geprüften Produkte führen wir im Sortiment“, so Hollu-Geschäftsführer Simon Meinschad. Auf die aktuelle Entwicklung reagierte Hollu mit der (Online-)Ausbildung zum Risikomanager für mikrobiologische Kontamination. „Die bislang einzige TÜVzertifizierte Weiterbildung im Umgang mit Viren und Keimen.“ Ab Juni soll mit NOA zudem eine Multiplattform zur Verfügung stehen, um sämtliche Hygieneprozesse in einem Betrieb zu kontrollieren.

15


ES GEHT BERGAUF.

HEIM AT-

URLAUB Berge und Bewegung – mit diesen Aussichten möchte man auch Österreicher für einen Urlaub in Tirol begeistern.

Text: Simon Leitner

N

ach dem Höhepunkt der Coronakrise steht der Tiroler Tourismus nun unmittelbar vor dem Neustart: Mit Ende Mai dürfen Betriebe nach längerer Pause wieder ihre Pforten öffnen. Bis der Reiseverkehr aus dem Ausland aber wieder richtig auf Touren kommt, könnte es noch dauern, weswegen die Hoffnungen der Unternehmer fürs Erste auf einheimischen Gästen liegen. Doch wie viel Potenzial gibt es in dieser Hinsicht überhaupt?

LUFT NACH OBEN

Tatsache ist, dass der Inlandsmarkt in den vergangenen Jahren zunehmend relevanter für die Tiroler Tourismuswirtschaft geworden ist. „Die Anzahl von österreichischen Gästen, die bei uns Urlaub machen, steigt kontinuierlich an“, berichtet Holger Gassler, Leiter für Markt- und Netzwerkmanagement bei der Tirol Werbung. „Im Gesamtranking der wichtigsten Märkte befindet sich Österreich mittlerweile auf Rang drei, in der Sommersaison sogar auf Platz zwei hinter Deutschland.“

Einziger Wermutstropfen: Insgesamt beträgt der Anteil an österreichischen Gästen in Tirol lediglich etwa zehn Prozent, womit man auch im Bundesländervergleich (Rang sechs) nicht allzu gut abschneidet. „Im Hinblick auf einheimische Gäste gibt es in Tirol also definitiv noch Luft nach oben“, sagt Gassler.

BERGE UND MEHR

Ein Großteil der österreichischen Gäste zieht es aufgrund der Natur, der Berge und der damit verbundenen Aktivitäten wie Wandern, Skifahren oder Bergsteigen nach Tirol. Und auf diese Themen wolle man weiterhin setzen, wie Eva Walter, Marktleitung Österreich, ergänzt: „Wir konzentrieren uns in der Bewerbung in Österreich vor allem auf den aktiven Gast, der sich in unserer mächtigen Bergwelt mit Bewegung erholen möchte.“ Durch diese Profilierung als Sportdestination könne man sich von den größten nationalen Mitbewerbern wie Salzburg, Kärnten oder der Steiermark abheben, was wichtig sei, um Gäste aus anderen Bundesländern für einen Urlaub in Tirol zu begeistern – gerade jetzt im Sommer, wenn man unter Umständen mehr vom Binnentourismus abhänge als sonst. Das Potenzial sei für Tirol jedenfalls vorhanden, so Walter.

NICHT GENUG

Dass man sich aufgrund der aktuellen Situation verstärkt um einheimische Gäste bemüht, sieht auch Mario Gerber, Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der

© BLICKFANG, LISI SPECHT, TIROL WERBUNG/SEBASTIAN SCHELS

Solange der internationale Reiseverkehr trotz erster Lockerungen noch eingeschränkt ist, sind Tourismusbetriebe verstärkt auf einheimische Gäste angewiesen. In Tirol gibt es einiges an Potenzial, ohne zusätzliche Märkte geht es langfristig aber nicht.


ES GEHT BERGAUF.

INTERVIEW

„Um wirtschaften zu können, brauchen wir Gäste aus dem Ausland, das muss man einfach ganz klar sagen.“

Das Land neu entdecken Drei Fragen an Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung

MARIO GERBER, OBMANN FACHGRUPPE HOTELLERIE IN DER WK TIROL

Wirtschaftskammer Tirol, positiv: „Es ist nicht so, dass der österreichische Markt bisher keine Rolle für uns gespielt hätte, im Gegenteil. Aber durch die Krise hat er natürlich enorm an Bedeutung gewonnen.“ Alleine mit Inlandstouristen ließe sich der Tourismus in Tirol allerdings nicht aufrechterhalten, so Gerber. Zwar gebe es durchaus einige Nischenprodukte, die nur mit österreichischen Gästen funktionieren könnten, auf den Großteil der Betriebe treffe dies allerdings nicht zu – vor allem im City-Tourismus, der ja in erster Linie von internationalen Besuchern lebe. „Um wirtschaften zu können, brauchen wir Gäste aus dem Ausland, das muss man einfach ganz klar sagen“, meint der Fachgruppenobmann. Daher gelte es, die Grenzen generell so rasch wie möglich wieder für den Reiseverkehr zu öffnen, wenn die gesundheitlichen Aspekte dies zuließen.

GUTE BASIS

Für die touristischen Betriebe werden die nächsten Wochen und Monate jedenfalls eine herausfordernde Zeit, wobei Gerber die Erfüllung nötiger Sicherheitsmaßnahmen als eine der größten Schwierigkeiten erachtet. Es gebe bereits einige Vorschläge zu möglichen Auflagen und Plänen für den Fall einer erneuten Covid-19-Infektion in einer Beherbergung, die gerade von Experten geprüft würden. „Diese Vorschriften müssen jedoch auch praxistauglich sein – es nützt uns nichts, wenn wir Vorgaben bekommen, diese in den Betrieben aber nicht umsetzbar sind“, so Gerber. Was die Attraktivität des Angebots für einheimische Gäste angeht, macht sich der Fachgruppenobmann indes weniger Sorgen – schließlich könne man in Tirol sowohl auf hochwertige Unterkünfte und Gastronomiebetriebe als auch auf eine breite touristische Infrastruktur mit Thermen, Bikeparks oder Seilbahnen verweisen. „Wie in einem gut gehenden Unternehmen wird man zwar an bestimmten Stellschrauben drehen müssen, aber das Produkt passt, und wir wissen ja, wie Tourismus funktioniert“, sagt Gerber. „Das müssen wir nun nur auch noch den Österreichern zeigen.“

SAISON: Frau Stolba, welche Chancen bietet der österreichische Markt für den heimischen Tourismus in Zeiten von Corona? PETRA STOLBA: Der Inlandsgast war schon immer eine essenzielle Stütze für den heimischen Tourismus. Zwar kommen in „normalen“ Jahren zwei Drittel unserer Gäste aus dem Ausland, aber ohne das knappe Drittel Inlandsgäste geht es nicht. Ich hoffe, dass im kommenden Sommer möglichst viele Österreicherinnen und Österreicher ihr Land neu entdecken. Für die Regionen, Orte und Betriebe ist das eine reelle Chance, neue Stammgäste zu gewinnen. Wie viel Potenzial gibt es in dieser Hinsicht? Gemeinsam mit den Landestourismusorganisationen hat die Österreich Werbung eine ganz aktuelle Motivforschung beauftragt. Daraus ist erkennbar: Die finanziellen Einbußen sind teilweise spürbar, aber Urlaub in Österreich hat durchaus Konjunktur. Ein Österreich-Urlaub wird für Inländer als Option wahrgenommen, aber die Reiselust ist noch nicht richtig geweckt. Wie will man Österreichern Lust auf Urlaub in der Heimat machen? Wir starten gemeinsam mit allen Bundesländern und den Städten in Österreich ab Anfang Juni eine breit angelegte Inlandskampagne. In einem ersten Schritt machen wir Lust auf Urlaubserlebnisse und präsentieren in Folge auch die vielfältigen, ganz konkreten Angebote. Die heimischen Tourismusbetriebe und ihre buchbaren Erlebnisse vor den Vorhang zu holen, ist ein ganz zentraler Fokus. Das Ziel ist klar: die Branche bestmöglich zu unterstützen. Vielen Dank für das Gespräch.

17


18

ES GEHT BERGAUF.

GASTFREUNDSCHAFT AUCH AUF

D I S T A N Z In Krisenzeiten wird in der Regel zusammengerückt. Aber was tut man, wenn man genau das nicht darf? Vor diesem Problem stand auch die Tiroler Hotellerie während der Ausgangsbeschränkungen. Heimische Gastgeber haben sich kreative Lösungen einfallen lassen, um auch in dieser Zeit mit den Gästen verbunden zu bleiben. Text: Daniel Feichtner

B

ei Gästen, die ihren Urlaub im Wiesenhof am Achensee verbracht haben, läutet seit Mitte März öfters unerwartet das Telefon: „Viele sind im ersten Moment erstaunt, wenn wir uns bei ihnen melden“, erzählt Eigentümer Hans Entner. Er und sein Team haben in den vergangenen Wochen ihre Gäste kontaktiert – „einfach, um nachzufragen, wie es ihnen geht, ob alles in Ordnung ist, und um den Kontakt aufrechtzuerhalten“, erklärt er. „Während des normalen Betriebs wäre das schon fast ein ‚Luxus‘, für den in der Regel einfach keine Zeit da ist.“ Doch Gäste und insbesondere Stammgäste, die in vielen Tiroler Betrieben einen überproportionalen Anteil darstellen, sind mehr als nur Kunden. „Ganz im wortwörtlichen Sinne der Gastfreundschaft sind Gäste in erster Linie auch Freunde“, sagt Entner. „Und gerade in Krisensituationen ist Zusammenhalt mit Freunden wichtig – auch auf Distanz.“ Geholfen wird damit beiden Seiten, ist der Touristiker überzeugt: Die Gäste sind

Auf den Geschmack gekommen Tirol ist ein Land, in dem man gerne Urlaub macht – und das in der Regel mehr als einmal. Tirol-Gäste kommen gerne wieder. Mit einem Stammgastanteil von 61 % im Sommer und ganzen 74 % im Winter liegt Tirol damit um 9 beziehungsweise 8 Prozentpunkte über dem Bundesschnitt. Für die Tourismusbranche bedeuten Stammgäste zum einen wirtschaftliche Sicherheit, nicht zuletzt in schweren Zeiten. Zum anderen sind sie auch eine Herausforderung und zugleich ein Ansporn, die Qualität stets hoch zu halten. Doch vor allem bringen und erwarten sie direkten Kontakt auf Augenhöhe – eine persönliche Erfahrung anstatt eines reinen Konsumerlebnisses.

positiv überrascht und haben neben ein wenig Ablenkung auch einen potenziellen Ansprechpartner in einer ungewöhnlichen und schweren Zeit. Im Gegenzug dazu bietet sich Mitarbeitern die Chance, das zu tun, warum sie eigentlich diese Branche gewählt haben: als Ansprechpartner für Gäste da zu sein. „Und das kann gerade in Zeiten, in denen nicht nur Unsicherheit herrscht, sondern auch viele nach einer Möglichkeit suchen, sich zu beschäftigen, eine wirklich dankbare Aufgabe sein, die sich einfach gut anfühlt“, bestätigt der Hotelier und Vorstand der Tiroler Tourismusverbände.

EMOTION UND ASSOZIATION

Mit einer ähnlichen Mission und breit gestreuten Maßnahmen agiert das Alpenresort Schwarz in Mieming. Stammgäste spricht das Team mit einem persönlich gestalteten Newsletter an. Zugleich kommt aber auch viel Social Media zum Einsatz. „Wir haben schnell gemerkt, dass besonders Stammgäste neugierig sind, wie die Situation bei uns aussieht“, berichtet Mar-


ES GEHT BERGAUF.

LIVE

ketingleiterin Christina Oberwasserlechner. Zusätzlich zu den alle paar Wochen erfolgenden E-Mail-Updates werden auf Instagram und Facebook beinahe täglich Storys rund um das Mieminger Plateau, das Hotel und Tirol präsentiert. „Natürlich ohne gezielte Angebote“, betont Oberwasserlechner. „Wir bauen vor allem auf Emotionen: schöne Erinnerungen, aber auch schöne Perspektiven in schwierigen Zeiten.“ In den Posts werden Bilder aus der Region mit Themen verknüpft, die das Schwarz zum Unikum machen – von den hauseigenen Bienenstöcken über nur im Alpenresort Erhältliches, wie Naturkosmetik und Gin, bis hin zu Geschichten rund um die Naturpädagogin, die normalerweise im Frühling das Frühlingserwachen rund um Mieming präsentiert. „Wir konzentrieren uns auf die Themen, in denen wir auch sonst Kompetenzen bieten können: Gesundheit, Familie und Natur.“

© LISI SPECHT, SHUTTERSTOCK.COM

GEMEINSAM DURCH DIE KRISE

Aber natürlich ist Kommunikation keine Einbahnstraße. Mit vielen Stammgästen ist inzwischen ein Dialog entstanden, und man tausche sich aus, sagt die Marketingleiterin. „Außerdem sind unsere Gäste eingeladen, auf Instagram Bilder

aus ihrem eigenen Heim zu posten, die eine Verbindung zum Alpenresort Schwarz haben. Daraus haben wir inzwischen auch ein Gewinnspiel gemacht, bei dem wir Geschenkpakete verlosen“, so Oberwasserlechner. Für zusätzlichen Kontakt sorgen zudem die Social-Media-Präsenzen der Mitarbeiter des Alpenresorts.

Unter „Schwarz Work | Life“ berichten sie auf Facebook und Instagram von ihren eigenen Social-Distancing-Erfahrungen. „Das tut uns allen gut“, sagt Christina Oberwasserlechner. „Die aktuelle Situation ist auch für uns komplett neu. Immerhin hat das Hotel zum ersten Mal seit beinahe 20 Jahren geschlossen.“ →

„In der aktuellen Situation ist ein hoher Stammgästeanteil unter den inländischen Gästen ein Gewinn für beide Seiten. Die Stammgäste kennen die Region, den Ort, den Betrieb und wissen, dass sie sich auf die Gastgeber und deren Sorgfalt verlassen können. Diese Sicherheit für die Gäste wird in absehbarer Zukunft eine entscheidende Rolle bei der Urlaubsentscheidung spielen. Und deshalb ist es natürlich für Betriebe wichtig, mit ihren Stammgästen in Kontakt zu bleiben. Sei es über Social Media Newsletter, oder andere passende Kanäle.“ PETRA STOLBA, GESCHÄFTSFÜHRERIN ÖSTERREICH WERBUNG

19


ES GEHT BERGAUF.

„Gerade jetzt ist es uns wichtig, aktiv mit den Stammgästen in Kontakt zu bleiben. Wir wollen mit emotionalen, authentischen und zuversichtlichen Inhalten inspirieren und zeigen, dass unsere Themen und Angebote mehr denn je im Zeitgeist sind. Auch neue Zielgruppen wollen wir gezielt ansprechen. Die Rückmeldungen der Gäste sind überwiegend sehr positiv, und es freut uns, dass hier viel Loyalität spürbar ist.“ ROLAND VOLDERAUER, GESCHÄFTSFÜHRER TOURISMUSVERBAND STUBAI

KOCHEN VERBINDET

Genau andersherum hat es sich für Richard Bracklow verhalten: Eigentlich sollte das Vier Jahreszeiten in Maurach am Achensee wegen Umbaus pausieren, als im März die Schließung aller Hotels angeordnet wurde. Dementsprechend hatte der Küchenchef Pläne für das Frühjahr. „Die sind dann ins Wasser gefallen“, erzählt Bracklow. Doch aus dem Konzept bringen ließ er sich nicht. Im Gegenteil: Auf der Suche nach einer Möglichkeit, ein Miteinander zu schaffen, das gerade alle nötig hatten, kam ihm ein Einfall: „Was gibt es Sozialeres, als zu kochen und zu essen?“, fragte sich der Chefkoch. So wurde die Idee zu einem Livekochkurs geboren, der seither jeden Sonntag via Facebook stattfindet. Bracklow präsentiert dabei traditionelle Gerichte, die er ganz im Stil der Vier-Jahreszeiten-Küche innovativ interpretiert – via Handykamera und mit technisch minimalem Aufwand: „Das Erste, was wir live gekocht haben, waren Pressknödel auf einem Rote-Beete-Carpaccio.“ Dabei galt es, die geografische Distanz nicht zu vergessen. „Wir mussten daran denken, dass viele unserer Gäste in ihrer Heimat zum Beispiel keinen Graukäse bekommen können. Also haben wir stattdessen Schafskäse verwendet.“

NAH UND FERN

Die Idee kommt an. Rund 150 Zuseher kochen jede Woche mit – aus bis zu zehn Ländern, aber auch in der direkten Nachbarschaft. „Wir veröffentlichen immer ein paar Tage vorher die Zutatenliste und ein Video mit Anleitungen zum Vorbereiten“, erklärt der Küchenchef. So können sich

die Mitkocher eindecken und zum Beispiel Kartoffeln schon am Vortag kochen. „Wir haben ziemlich gestaunt, als gleich beim ersten Mal dem Supermarkt bei uns in Maurach die Zutaten ausgegangen sind. Weil so viele im Ort mitmachen, sprechen wir uns jetzt immer mit unserem Nahversorger ab, damit der ein wenig mehr bestellen kann.“ So schlägt Bracklow mehrere Fliegen mit einer Klappe: Er ist für seine Gäste da, wenn auch „nur“ aus der Ferne, und bringt ein bisschen Tirol in Küchen rund um die Welt. Und natürlich sei das Ganze auch Beschäftigungstherapie, für ihn und sein Team ebenso wie für die Zuseher, sagt er: „Essen und Kochen bedeutet Lebensquali-

tät. Und gerade wenn man im Alltag eingeschränkt ist, kann das richtig viel wert sein. Für uns ist das ein Weg, einen Beitrag zu leisten. Und so gut, wie die Sache angenommen wird, machen wir vielleicht etwas Langfristigeres daraus.“

KONTAKT IM KLEINEN

Selbst wenn Bracklow und sein Team ihren Kochkurs „nur“ mit dem Mobiltelefon produzieren, ist damit doch ordentlicher Aufwand verbunden. Aber auch ohne einen Profiküchenchef bei der Hand lässt sich etwas für die Gäste tun. Das beweist nicht zuletzt Sylvia Frenes-Lutz, die gemeinsam mit ihrem Mann das Landhaus Frenes in Seefeld leitet. „Wir sind ein Miniaturbetrieb“, sagt sie selbst. „Mit vier Ferienwohnungen im Angebot sind die Möglichkeiten eingeschränkt.“ Zugleich sind aber auch mehr als drei Viertel ihrer Bucher „Wiederholungstäter“ – „und das erleichtert es natürlich, auf die Leute zuzugehen“.

INFORMATION STATT WERBUNG

Einfach, um den Kontakt nicht abreißen zu lassen, schrieb Frenes-Lutz E-Mails an ihre Stammgäste, als sich die Situation Mitte März zuzuspitzen begann. Werbliches blieb dabei völlig außen vor. „Das wäre auch mehr als fehl am Platz gewesen“, ist sie überzeugt. Und so verlautet auch der aktuelle Eintrag

„In Zeiten wie diesen ist es besonders wichtig, sich persönlich um seine (Stamm-)Gäste zu kümmern – per E-Mail oder sogar Telefon. Jammern ist natürlich fehl am Platz. Es gilt positiv zu bleiben. Umgekehrt sind Stammgäste dem Betrieb gegenüber sehr solidarisch, neugierig, wie es den Gastgebern geht, welche Sommerpläne sie haben, ob es Neuerungen gibt und mehr. Social Media bietet sich für eine emotionale Präsentation an, um Lust auf Urlaub zu machen. Dabei muss man auf Augenhöhe, authentisch und ehrlich kommunizieren.“ JOSEF SCHIRGI, GESCHÄFTSFÜHRER TOURISMUSVERBAND SERFAUS-FISS-L ADIS

© TVB STUBAI , GRIESSENBÖCK, TVB WILDER KAISER/STERNMANUFAKTUR

20


ES GEHT BERGAUF.

auf der Website des Landhaus Frenes: „Derzeit hat Urlaub keine Priorität. Wir helfen zusammen, schützen uns und unsere Mitmenschen und bleiben zu Hause.“ Stattdessen gab sie ihren Gästen ein Update – darüber, wie die Situation in Seefeld aussieht, was aktuell passiert und wie es um den Ferienort steht. Und wie sich zeigt, traf sie genau mit diesem offenen, ehrlichen Stimmungsbild einen Nerv. „Unglaublich viele haben zurückgeschrieben“, erzählt Frenes-Lutz. „Und mit vielen hat der Austausch auch sehr schnell eine persönliche Ebene entwickelt.“ Das Interesse ist dabei gegenseitig – für die Gastgeberin, die für ihre Gäste da ist, ebenso wie für die Gäste, die sehr positive Assoziationen mit ihrem Urlaubsort haben. „Wir stecken da alle gemeinsam drin“, ist sich Frenes-Lutz sicher. „Also sind wir auch füreinander da. Eben nicht ‚nur‘ als Touristiker, sondern als Freunde auf ganz persönlicher Ebene.“

„Bei unseren Stammgästen ist derzeit sowohl die Unsicherheit als auch die Sehnsucht nach den Bergen sehr hoch. Der persönliche Kontakt, schöne Bilder und positive Nachrichten aus ihrer liebsten Urlaubsregion stärken die Bindung zum Gastgeber und erhöhen gleichzeitig die Motivation, trotz Einschränkungen und Hindernissen sobald als möglich nach Tirol zu kommen.“ LUKAS KRÖSSLHUBER, GESCHÄFTSFÜHRER TOURISMUSVERBAND WILDER K AISER

...so ...soschmeckt schmecktTirol! Tirol!

KRAPFEN SCHLUTZKRAPFEN KNÖDEL Hergestellt in Tirol

Saison_210x135_DEZ_2018indd.indd1 1

dengg krapfen & knödel manufaktur GmbH • Innsbrucker Str. 11 • 6060 Hall in Tirol Nähere Infos unter: www.dengg.info • Mo - Fr: 8:00 - 17:00 03.12.2018 11:07:26

21


22

ES GEHT BERGAUF.

DIE REISELUST WIRD BLEIBEN Krisen verändern. Nicht nur auch, sondern gerade für den Tourismus bedeutet die globale Covid-19-Pandemie große Umbrüche. Doch wer richtig agiert, kann mit der Herausforderung wachsen. Text: Daniel Feichtner

R

eisen hat immer einen Hauch von „Flucht“ – raus aus dem Alltag, weg von den Sorgen. Doch im kommenden Sommer, und voraussichtlich noch eine Weile länger, wird das kaum gelingen. Denn egal wohin es geht – wenn es denn wohin geht: Die Krise ist mit an Bord. Das wird sich auch im Verhalten der Gäste manifestieren, ebenso wie in ihren Wünschen und Bedürfnissen.

ZWEI MOTIVE

„Das Reiseverhalten gibt es nicht“, meint Helga Freund, Geschäftsführerin von Eurotours. „Hier müssen wir zwischen Geschäfts- und Leisure-Tourismus differenzieren.“ Bei Ersterem erwartet Freund besonders langfristige Konsequenzen. Denn Reisen ist, zumindest in der aktuellen Wahrnehmung, mit Risiko verbunden.

Und im Businessbereich, in dem Reisen Notwendigkeit und weniger Bedürfnis ist, strebt man danach, dieses zu minimieren – und entdeckt weitere Vorteile von Videokonferenzen und Onlinemeetings, wie Zeitersparnis, Kostenreduktion und nicht zuletzt den Bequemlichkeitsbonus. „Hier ist die genaue Entwicklung noch sehr schwer abzusehen“, sagt die Expertin. Etwas anders verhalte es sich beim Leisure-Tourismus: „Die Reiselust wird bleiben, ebenso wie die Grundmotive zu reisen: das Ausbrechen, das Erkunden, Erleben und das Weltbürgersein. Nur wird es wohl eine Weile dauern, bis wir das wieder leben können.“

SICHERE ENTSPANNUNG

In den Köpfen zukünftiger Gäste konkurrieren zwei Bedürfnisse: das nach Urlaub und Erholung und jenes nach Sicherheit. „Wir als Tourismusbranche haben den Auftrag, eine Brücke zu schlagen“, sagt Freund. „Aus dem Entweder-oder muss ein ‚Eines mit dem anderen‘ werden.“ Gestärkt aus der Krise hervorgehen könne dementsprechend nur, wer beides bietet – „ohne Ängste zu bestätigen oder gar zu schüren“, warnt die Expertin. Der Katalog potenzieller Maßnahmen ist groß: subtile, bauliche Veränderungen, wie breitere Rezeptionstheken oder, Teppichmuster, die Abstände suggerieren, und noch mehr – alles Unterstützung beim Einhalten von Regeln, ohne sie permanent in den Fokus zu rücken. Ebenso bieten sich Änderungen in Abläufen


ES GEHT BERGAUF.

Flüge 2020 Flüge 2019

Sturzflug 35.000 30.000 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 0 7. März

15. März

31. März

15. April

Den Einbruch der Airline-Industrie zeigt der Vergleich: Wurden 2019 von März bis Mai täglich meist mehr als 30.000 Flüge im europäischen Luftraum verzeichnet, waren es im selben Zeitraum 2020 nicht einmal 5.000 pro Tag.

an: Die Zeit von Buffets ist vorerst definitiv vorbei. Stattdessen könnten Zeitslots für Mahlzeiten eine Lösung sein, die dem Bedürfnis nach Distanz entgegenkommt. Was sich davon durchsetzt, hängt zum einen von den Gästen ab – und zum anderen von den Reglements, die gerade erst entwickelt werden. „Aber eines ist natürlich klar“, sagt Freund. „Das alles steht und fällt mit der Kommunikation: Präsentieren und erklären heißt hier die Devise.“

30. April

6. Mai

QUELLE: EUROCONTROL

am Meer heuer nicht möglich sein, könnte es heimischen Destinationen durchaus gelingen, neue Gäste zu erschließen – eventuell auch dauerhaft.

GEMEINSAM ZUM ZIEL

Die Anstrengungen dazu laufen bereits: „Das kann man aber nicht als Region und schon gar nicht als Betrieb alleine stemmen. Uns muss es gelingen, gemeinsam unter dem Motto ‚Urlaub in Österreich‘ am Schirm all jener

© REGINE HENDRICH

NAH STATT FERN

Ähnliche Lösungen müssen nicht nur im Betrieb, sondern auch bei der An- und Abreise angedacht werden. Auch hier könnte im Individualverkehr eine Staffellösung helfen, bei der Gästen Check-in- und Check-out-Slots zugewiesen werden. Schwieriger wird es allerdings beim Massenverkehr. Gerade die Airline-Industrie wird lange an den Folgen der aktuellen Geschehnisse zu kauen haben. Kostete die Finanzkrise 2008 die Fluglinien 100 Millionen Passagiere in einem Jahr, ist Covid-19 dasselbe in einem Monat gelungen. Wie die Zukunft aussieht, ist unklar: „Massenverkehrsmittel bringen Implikationen mit sich, für die wir noch keine Lösungen haben“, sagt Freund. Da müsse sich noch zeigen, welche Regelungen es geben werde und was diese für die Praxis bedeuten. Was Destinationen, die auf Weitgereiste bauen, bangen lässt, könnte anderen zum Vorteil gereichen. Gerade Österreicher sind notorische Strandurlauber. Sollte ein Aufenthalt

„Die Reiselust wird bleiben, ebenso wie die Grundmotive zu reisen: das Ausbrechen, das Erkunden, Erleben und das Weltbürgersein.“ HELGA FREUND, GESCHÄFTSFÜHRERIN EUROTOURS

aufzutauchen, die nach Urlaubsalternativen suchen.“ Und wer als Erster mit einer Lösung aufwartet, könnte auch hier die Nase vorne haben. „Bahnreisen wären ein heißer Kandidat“, meint Freund. „Wer eine geregelte Anreise beispielsweise in Abteilen ermöglicht, gewinnt wohl schnell die Gunst der Gäste.“

23


24

E N T G E LT L I C HE E IN S C H A LT U N G

1. 2.

3. 1. Aktivkohle-Anschwemmfilter und Silberionen entfernen Schmutz und Partikel größer 0,5 Mikrometer. 2. Wellwasser Aktivator-Edelstahlgehäuse gefüllt mit ausgesuchten Kristallen 3. Mechanischer Bakterienfilter mit Trenngrenze 0,1 Mikrometer Bakterienzurückhaltung: ›99,99999 % ›LOG7

Veredelt in Tirol

W

asser ist das wertvollste Lebensmittel. Auch wenn unser Wasser jeden Tiroler Wasserversorger in einwandfreier Qualität verlässt, verliert es diese oft mals auf dem Weg zum Glas – aufgrund älterer,

undichter Leitungen, längerer Standzeit des Wassers oder unsauberer Anschlüsse. Die Wellwasser Technology GmbH hat eine Wasseraufbereitungsanlage entwickelt, die frisches und sauberes Wasser jederzeit zur

„wellwasser® ist Regionalität, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, gelebte Gastfreundschaft und ein Stück Heimat.“ DIETMAR MERANER, GESCHÄFTSFÜHRER, WELLWASSER TECHNOLOGY GMBH

Verfügung stellt. Die wellwasser® Wasseraufbereitungsanlage sorgt dafür, dass die Wasserqualität sensorisch auf höchstem Niveau und mikrobiologisch einwandfrei ist. In Verbindung mit der Schankanlage wird wellwasser® still und perlend offen in gebrandeten wellwasser® Glaskaraffen frisch gezapft . Für Geschäft sführer Dietmar Meraner ist auch der Gesundheitsaspekt entscheidend: „Im Zeitalter eines nicht mehr überschaubaren Marktes an Nahrungsergänzungsmitteln ist eine Rückbesinnung auf die reine Ausgangssubstanz Wasser wichtig. Mit unseren wellwasser® Trinkbrunnen für Schulen und Kindergärten liefern wir einen wertvollen Beitrag zur gesunden Ernährung in der Entwicklungs-

© WELLWASSER TECHNOLOGY GMBH (4), SHUTTERSTOCK.COM

Gesäubertes – Gesichertes – Gesundes WELLWASSER


E N T G E LT L I C HE E IN S C H A LT U N G

GASTRO

HOME

Für die Gastronomie entfällt das aufwendige Handling mit sperrigen Kisten. Dadurch wird Platz im Lager und in den Kühlschränken geschaffen. Gäste und Einheimische kommen in den Genuss von qualitätsvollem, heimischem Wasser – einfach aus der Schankanlage gezapft, still oder perlend und in edlen wellwasser® Karaffen kredenzt.

Qualitätsvolles Wasser ist auch in den eigenen vier Wänden ein Muss. Es beginnt bei der Wasserentnahme fürs Kochen und Zubereiten und endet beim Trinken des frischen, kristallklaren Wassers. So wird schon Kindern von Anfang an Zugang zu bestem Wasser geboten und sie lernen die Qualität und den Wert des gesunden und sicheren Wassers zu schätzen.

phase unserer Kinder und sensibilisieren sie darauf, dass Wassertrinken cool ist.“ Zudem trägt wellwasser® auch zur Schonung der Umwelt bei. Leergut, Transportwege und Müllentsorgung entfallen.

WIE FUNKTIONIERT ES:

Die wellwasser® Wasseraufbereitungsanlage wird in die Wasserzuleitung zum Karbonator installiert. Ein Aktivkohlefilter adsorbiert Fehlgeruch, Verfärbungen, unangenehmen Geschmack (z. B. Chlor) und weitere organische Schadstoffe. Eine 0,5 µm (0,0005 mm) Membran hält Schmutzpartikel, Schwebestoffe, Zysten, Schimmelsporen etc. zurück. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Dicke eines Haares beträgt 0,05 mm. In einem mit ausgesuchten Kristallen gefüllten Edelstahl-

gehäuse wird das durchfließende Wasser aktiviert und positiv beeinflusst. Zuletzt sorgt ein mechanischer Bakterienfilter mit einer Trenngrenze von 0,l µm (zehntausendstel Millimeter) dafür, dass keine pathogenen Keime getrunken werden können. Alle gelösten Mineralstoffe bleiben erhalten.

wellwasser® in der wellwasser ® Glaskaraffe, die es in drei Größen (0,25, 0,5 und 1 Liter) gibt. Bei der HOME Edition steht die Anlage in der Regel unter dem Küchenwaschbecken. Damit ist gewährleistet, dass das saubere Wasser nicht wieder durch verunreinigte Leitungswege belastet wird.

EINFACH INSTALLIERT:

Wir installieren die Anlage immer so nah wie möglich an der Entnahmestelle. In der Gastronomie wird sie direkt vor dem Karbonator der Schankanlage installiert. Der Karbonator kühlt das aufbereitete Wasser und reichert es mit Kohlensäure an, wodurch es an der Schankanlage als wellwasser® still und wellwasser® perlend frisch gezapft werden kann. Serviert wird

KONTAKT Wellwasser Technology GmbH Stadlweg 23, 6020 Innsbruck Tel.: 0512 / 560966, Mobil: 0664 / 1007746 E-Mail: office@wellwasser-technology.com www.wellwasser.com

25


26

ES GEHT BERGAUF.

RUHE

NACH DEM STURM Wie der Rest des Landes hat auch die Tiroler Tourismusbranche im März eine Vollbremsung hingelegt. Seit Mitte Mai dürfen Gastronomiebetriebe wieder öffnen. Ende Mai endet die unfreiwillige Pause mit der Öffnung von Hotels und Freizeitbetrieben – überstanden ist die Krise damit aber wohl noch lange nicht.

H

at man sich Anfang des Jahres noch vielerorts Gedanken über das Risiko von Overtourism und mögliche Lösungsansätze wie das Lenken von Besucherströmen gemacht, kämpften die heimischen Touristiker in den letzten Wochen mit einer völlig anderen, unerwarteten Realität: geschlossene Hotels, leere Betten, weit und breit keine Touristen in Sicht – Tirol als tourismusfreie Tourismusregion.

ZÄHER NEUSTART

Beherbergungsbetriebe dürfen am 29. Mai unter Einhaltung strenger Hygiene- und Verhaltensvorschriften wieder aufsperren, aufgrund der weltweiten Reisebeschränkungen und der geschlossenen Grenzen vorerst aber nur österreichische Gäste empfangen. Das werde einen gewaltigen Rückgang bei

„Wenn der Wohlstandsmotor Tourismus zu stottern beginnt, dann ist auch der Lebensstandard der Menschen im gesamten Alpenraum bedroht.“ HANNES PARTH, TOURISTIKER UND OBMANN VITALPIN

den Nächtigungen bedeuten, sagt Klaus Grabler, Geschäftsführer der Manova GmbH, die unter anderem Marktforschung in der Tourismusindustrie betreibt. „Die Schätzungen, die momentan kursieren, gehen von 50 bis 70 Prozent Minus im Sommer aus, und die sind meiner Meinung nach recht vernünftig“, so Grabler. Dieses Minus an Gästen wird wohl auch außerhalb der Branche spürbar werden. „Ich befürchte, dass nun weite Teile der Bevölkerung die Bedeutung des Tourismus für den Alpenraum erkennen“, sagt Hannes Parth, Touristiker und Obmann des Vereins Vitalpin. „Wenn Menschen nicht reisen können, wird die Situation für den Alpenraum sehr schwierig. Viele sind in den Tälern vom Tourismus abhängig – und wenn Urlauber fehlen, dann wirkt sich das fatal auf viele nachgelagerte Branchen aus“,

© AXEL SPRINGER, MANOVA GMBH, SHUTTERSTOCK.COM

Text: Lisa Schwarzenauer


ES GEHT BERGAUF.

„Was immer gilt, gilt jetzt noch viel mehr: Man muss sich strategisch clever ausrichten.“ KLAUS GRABLER, GESCHÄFTSFÜHRER MANOVA

so Parth. „Wenn der Wohlstandsmotor Tourismus zu stottern beginnt, dann ist auch der Lebensstandard der Menschen im gesamten Alpenraum bedroht.“

OFFENE FRAGEN

Wie stark sich die derzeitige Krise des Tourismus tatsächlich wirtschaftlich auswirken wird, hänge vor allem davon ab, wann die Grenzen wieder geöffnet werden. „Schon ein Sommer ohne internationale Gäste ist für viele Betriebe, Seilbahnen und Freizeiteinrichtungen ein wirtschaftliches Horrorszenario“, betont Parth. Im noch wesentlich wertschöpfungsintensiveren Winter wären die Auswirkungen noch viel dramatischer. Eine große Frage sei auch, welche Vorschriften es für den Winterbetrieb bei den Seilbahnen geben wird, sagt Grabler. Mehr als 80 Prozent der Winterurlauber in Tirol sind Skifahrer – fahren die Seilbahnen nicht, bleiben diese aus, wodurch die gesamte Region extrem geschwächt werden würde. Eine Case Study von Manova zum Bezirk Landeck veranschaulicht das: Die Schließung der zehn Seilbahnunternehmen würde

ein Minus von rund 5,7 Millionen Skigebietseintritten und einer ähnlichen Zahl an Nächtigungen bedeuten, wodurch zwei Drittel (300 Millionen Euro) der gesamten Wertschöpfung sowie rund 80 Prozent (14.000) der Arbeitsplätze im Bezirk wegfallen würden. Die Folgen wären Probleme in der Nahversorgung, verringerte Lebensqualität und massive Abwanderung. Ob und wie es eine Wintersaison geben wird, sei außerdem natürlich auch deshalb schwer zu prognostizieren, weil niemand weiß, ob eine zweite Krankheitswelle kommt. Sollte das der Fall sein, werde die Politik nach den Ereignissen im März jedenfalls sehr vorsichtig agieren, meint Grabler.

DIE KRISE NÜTZEN

Diese Faktoren erschweren die Vorbereitung auf die nächste Wintersaison, aber man könne – und solle – die gewonnene Zeit trotzdem nützen, sagt der Experte für strategisches Marketing: „Was immer gilt, gilt jetzt noch viel mehr: Man muss sich strategisch clever ausrichten. Wer sind die Zielgruppen, wen kann ich jetzt ansprechen, was sind die richtigen Argumente – diese Fragen sind durch die Krise noch viel relevanter geworden.“ Für Hannes Parth ist die momentane Situation auch eine Chance für Tirol. „Die Branche sollte die internationale Aufmerksamkeit nützen, um zu zeigen: Wir setzen bei extremen Entwicklungen ein Stoppzeichen, machen einige Dinge so nicht mehr, um unser Angebot mit Qualität weiter auszubauen.“ Der Tiroler Tourismus müsse sich nicht neu erfinden, aber Signale setzen und vor allem lernen, stärker mit der Bevölkerung zu kommunizieren, um als wichtiger Wirtschaftszweig akzeptiert zu werden. Dafür sei jetzt die perfekte Gelegenheit.

90 %

Mehr als der Nächtigungen in Tirol entfallen auf Gäste aus dem Ausland 51 % aller Nächtigungen entfallen auf Gäste aus Deutschland (Stand 2019) Direktausgaben der Touristen in Tirol:

€ 8,4 Mrd. 76 % davon entfallen auf Ausländer

Direkte touristische Bruttowertschöpfung: € 4,5 Mrd. (17,5 % des gesamten Tiroler BIPs) Rund ein Viertel (75.000) aller Vollzeitarbeitsplätze in Tirol sind direkt von Tourismus und Freizeitwirtschaft abhängig

27


28

ES GEHT BERGAUF.

RRUUNNDD UUM M DDIIEE

STA DT

Den urbanen Tourismus treffen die Einschränkungen im Zuge der Coronakrise besonders hart. Deren Auswirkungen dürften noch länger zu spüren sein, deshalb ist man in den Städten auf der Suche nach neuen Strategien – auch in Innsbruck.

D

er Ausbruch von Covid-19 hat der Reisebranche mit einem Schlag eine Zwangspause verordnet. Auch urbane Destinationen mussten laufende wie geplante Kampagnen quasi von heute auf morgen einstellen, wobei man davon ausgehen muss, dass der Städtetourismus generell noch deutlich länger unter Corona und dessen Auswirkungen zu leiden haben dürfte. Denn gerade jene Faktoren, die ihn auszeichnen – Internationalität, mehr Diversität bei den Märkten und ein hoher Anteil an Geschäft s- und Kongressreisenden –, sind nun, in Zeiten von Reisebeschränkungen und sogenannten „neuen Normalitäten“, problematisch. „Alle Aspekte, die sich normalerweise positiv ausnehmen, haben sich in der Krise mit voller Wucht gegen die Städte gewendet“, meint auch Norbert Kettner, Geschäft sführer von Wien Tourismus. „Wir waren der erste Dominostein, der gefallen ist, und sind der letzte, der sich wieder aufrichten wird.“

KONSENS FINDEN

Für urbane Tourismusdestinationen gehe es nun erst einmal darum, „den Sommer zu überleben“, sagt Kettner. Eine Normalisierung der Situation werde und könne ihm zufolge erst dann stattfinden, wenn es einen Impfstoff oder ein Medikament gegen das Virus gebe. Bis dahin müsse man sich allerdings auf besondere

„Wir waren der erste Dominostein, der gefallen ist, und sind der letzte, der sich wieder aufrichten wird.“ NORBERT KETTNER, GESCHÄFTSFÜHRER WIEN TOURISMUS

Gegebenheiten einstellen und Lösungsstrategien finden, mit denen City-Tourismus trotz Auflagen funktionieren könne. Ein großes Thema dabei sei das Thema Dichte, von dem beinahe alles Weitere abhänge. Kettner plädiert dafür, sektorale Ausnahmen zu schaffen, in denen die Sicherheitsmaßnahmen nur eingeschränkt gelten, wie beispielsweise im öffentlichen Verkehr, wo die empfohlenen Abstände nicht immer eingehalten werden könnten. „Ich glaube, solche Zugeständnisse müssen wir uns auch in anderen Bereichen erlauben, weil die Gesellschaft sonst nicht mehr aufrechtzuerhalten ist“, vermutet der Touristiker. Denn Menschen würden, sobald es möglich ist, wieder auf Reisen gehen und Liveerlebnisse erfahren wollen – ganz egal ob in Kultur, Sport oder Freizeit. „Und dafür braucht es dann einen Konsens, wo wir möglicherweise mehr Kompromisse eingehen müssen – und wo nicht.“ Dadurch könne man nicht zuletzt wieder ein größeres Angebot für Gäste in Städten schaffen, so Kettner – wobei klar sei, dass Gesundheit immer Vorrang habe.

EINE ANDERE SEITE

Die Lage ist derzeit in vielen europäischen Städten ähnlich, auch die Tiroler Landeshauptstadt wurde nicht von der Krise verschont. Die Monate, in denen

© SHUTTERSTOCK.COM, INNSBRUCK TOURISMUS/BLICKFANG PHOTOGRAPHIE, DAVID SCHREYER, WIEN TOURISMUS/PETER RIGAUD

Text: Simon Leitner


ES GEHT BERGAUF.

„Wir haben das Glück, dass wir in Innsbruck diese einzigartige Symbiose von Stadt und Natur haben, und diese stellen wir jetzt verstärkt in die Auslage.“ KARIN SEILER, GESCHÄFTSFÜHRERIN INNSBRUCK TOURISMUS

auf Sport- sowie Naturerlebnisse rund um die Stadt setzt und diese damit von einer anderen Seite zeigen möchte. „Ich brauche einem Österreicher nicht zu erklären, was das Goldene Dachl ist, das kennt er. Was er aber vielleicht nicht so gut von Innsbruck kennt, ist das ganze Drumherum, die Seen, Berge oder Hütten“, so Seiler. „Wir haben das Glück, dass wir in Innsbruck diese einzigartige Symbiose von Stadt und Natur haben, und diese stellen wir jetzt verstärkt in die Auslage.“

PAUSCHALEN UND PACKAGES

Bei all den negativen Auswirkungen der Coronakrise auf den Tourismus sieht Seiler durchaus auch Chancen – zumindest für Tiroler, die nun die Möglichkeit haben, ihre Landeshauptstadt richtig kennenzulernen oder neu zu entdecken. Diverse Pauschalangebote wie City-Cards sollen dabei helfen, sie nach Innsbruck zu locken. „Damit möchten wir auch Einheimischen schmackhaft machen, mal wieder eine Zeit in der Stadt zu verbringen“, sagt Seiler. Denn das Gute liege ja oft näher, als man denkt.

„Es wird ein Umdenken stattfinden“ Der Kongresstourismus spielt für viele Tiroler Städte und Regionen eine bedeutende Rolle. Veronika Handl vom Convention Bureau Tirol über die Tagungsbranche in Zeiten von Corona

SAISON:

die Reisebeschränkungen galten und voraussichtlich gelten, sind für Innsbrucks Tourismus normalerweise sehr wichtige, weil viele Kongresse, Kultur-, Sport- und Freizeitveranstaltungen in dieser Zeit stattfinden. Heuer ist das aber natürlich anders. „Wir wollten gerade richtig durchstarten, mussten aber dann alles zurückfahren“, erklärt Karin Seiler, Geschäft sführerin von Innsbruck Tourismus. „Für uns ist entscheidend, dass sich die Grenzen wieder öff nen, vor allem zu Deutschland und zur Schweiz. Ohne diese Märkte wäre es schwierig.“ Kurzfristig setzt man nun allerdings auch in Innsbruck erst einmal mehr auf den Inlandsgast. Unlängst wurde eine entsprechende Kampagne gestartet, die sich vor allem an heimische Gäste richtet, den Fokus

Frau Handl, wie hat sich die Krise auf den heimischen Tagungstourismus ausgewirkt? VERONIKA HANDL: Der Markt ist von einer Minute auf die andere vollständig zusammengebrochen, der Branche wurde die Geschäft sgrundlage entzogen. Prognosen sprechen von einem Minus einzelner Betriebe von bis zu 80 Prozent über das Jahr gesehen. Wird sich die Tagungsbranche auch auf lange Sicht ändern? Ja, es wird in mancher Hinsicht ein Umdenken stattfinden, vor allem hinsichtlich Erreichbarkeit und Nachhaltigkeit. Man hat sich nun an diverse Onlinetools gewöhnt, weswegen vor allem kleinere Meetings voraussichtlich weiterhin virtuell stattfinden und internationale Tagungen verstärkt auf eine Kombination aus digitalen und analogen Mitteln setzen werden, um sowohl eine größere Zuhörerschaft als auch Speaker weltweit einbinden zu können. Was bedeutet das für entsprechende Betriebe? Convention-Anbieter werden ihr Angebotsportfolio überarbeiten und an die neuen Anforderungen anpassen, also Businessmodelle entwickeln, in denen vor allem auch virtuelle Möglichkeiten berücksichtigt werden. Flexibilität, Optimismus und Lösungsorientierung sind jedenfalls, nicht nur jetzt, die Erfolgsrezepte. Vielen Dank für das Gespräch.

29


30

ES GEHT BERGAUF.

WIE AUS CHANCEN


ES GEHT BERGAUF.

31

KRISEN WERDEN Der Hausverstand legt nahe, dass jede Talfahrt in einem Aufwärtstrend münden kann. So bergen auch Krisen Chancen. Doch diese zu ergreifen ist oft schwer: Nicht nur muss das Potenzial an sich erkannt und genutzt werden, auch die Krise selbst gilt es mit Bedacht zu meistern. Text: Daniel Feichtner

A

ls einen „schwarzer Schwan“ beschreibt Harald Schiffl die Pandemie, die weltweit um sich greift. „Europäer waren einst überzeugt, alle Schwäne seien weiß“, erklärt der Geschäft sführer der auf Krisenkommunikation spezialisierten Agentur Clavis den Vergleich. „Deswegen zog niemand die Existenz schwarzer Schwäne in Betracht – bis die Gattung in Australien entdeckt worden ist.“ Und ein schwarzer Schwan ist auch Covid-19: etwas bislang Undenkbares, ein Worst-Case-Szenario, auf das nicht nur niemand vorbereitet war, sondern das auch noch niemand in dieser Form erlebt hat.

den Einsichten komplett neu erfinden. Gibt es keine vergleichbaren Ereignisse, bleibt nur, Situationen zu analysieren, die in bestimmten Aspekten ähnlich waren – Epidemien und Kriegsgeschehen, die Ressourcenknappheit erzeugt haben, oder Vorfälle, die das Ansehen einer Branche schwer geschädigt haben – um daraus zu extrapolieren. „Und natürlich muss das täglich neu Gelernte in die Maßnahmen →

Das macht den Umgang mit der Situation schwierig: Es gibt keine Vergleichsgrößen. „Eine Krise ist immer ein Ruf nach Veränderung“, sagt Schiffl. „Sie deckt gnadenlos Fehler in Prozessen auf. Deswegen ist es die große Herausforderung, den Blick nach innen zu richten und die zur Abwendung notwendigen Maßnahmen herauszudestillieren.“ Wie drastisch diese ausfallen, ist situationsabhängig. Man könne das nötige Minimum tun – oder sich aufbauend auf

„Eine Krise ist immer ein Ruf nach Veränderung. Sie deckt gnadenlos Fehler in Prozessen auf.“ HARALD SCHIFFL, GESCHÄFTSFÜHRER CL AVIS

© HENNING KOEPKE/CLAVIS

FEHLENDE ERFAHRUNGSWERTE


ES GEHT BERGAUF.

„Wir sitzen alle im selben Boot. Einem Kunden gegenüber ehrlich, offen und verständnisvoll zu sein, nimmt einer Situation die Schärfe und kann sogar zusammenschweißen.“ NATALI BRANDIS, KRISENBERATERIN, PARTNERIN KEKST CNC

To-do-List Stillstand macht Raum, um sich auf Dinge zu konzentrieren, die normalerweise links liegenbleiben. „Gerade diese ‚gewonnene Zeit‘ sollte man nicht ungenutzt verstreichen lassen“, ist Tourismusberater Josef Schmid überzeugt. „Denn wer jetzt entrümpelt, hat einen umso besseren Start.“ Deswegen empfiehlt er, den Blick nach innen zu richten und sich mit ein paar grundlegenden Themenkomplexen und Fragen auseinanderzusetzen: Wie steht es um meine Kundenkommunikation? Können Newsletter angepasst werden? Besteht aktuell die Chance, auch ganz werbefrei den bislang vernachlässigten Kontakt zu meinen Gästen zu suchen? Wie gestaltet sich meine Erreichbarkeit? Ist meine Webpräsenz up to date und mein Buchungsprozess bedienerfreundlich? Wie laufen meine internen Prozesse ab? Lohnt es in der aktuellen Situation, Kontakt zu Lieferanten aufzunehmen, Lieferketten zu optimieren oder vorauszuplanen? Ist mein Fokus noch authentisch? Ist das, was ich meinen Gästen biete, auch das, was mich selbst interessiert und wo meine Kompetenzen liegen? Gibt es Angebote, die mich schon immer gereizt haben, zu deren Planung oder Umsetzung bislang aber immer die Zeit gefehlt hat?

einfließen“, sagt der Kommunikationsexperte. „Dazu gehört auch, immer zurückzublicken und ganz transparent zu sagen: ‚Die Entscheidung wurde so getroffen, weil unser Wissensstand entsprechend war. Heute wissen wir mehr und entscheiden deswegen anders‘.“

EHRLICH UNWISSEND

Auf Transparenz und Kommunikation pocht auch Natali Brandis. Sie ist Krisenberaterin des weltweit agierenden Kommunikationsberaters Kekst CNC. „In diesem Drang zur Selbstbetrachtung liegt der Wert einer Krise“, sagt sie. „Der kann nur durch Kommunikation genutzt werden. Doch man neigt dazu, lieber gar nichts als etwas Falsches zu sagen.“ Damit vergebe man sich eine große Chance, egal ob als Unternehmer oder als Entscheidungsträger. In einer solchen Situation gelte, ganz offen zu kommunizieren – auch, dass man aktuell etwas nicht weiß. Sei es, wie lange eine nationale Maßnahme andauern soll, oder wie es um die Rückerstattung einer Buchung steht. Gerade Kunden und Mitarbeitern gegenüber müsse man aber auch immer kulant und „menschlich“ agieren. Denn darin liege eine der großen Gefahren von Krisensituationen: verunsicherten Menschen als starre Organisation zu begegnen, anstatt auf Augenhöhe miteinander zu sprechen. „Wir sitzen alle im selben Boot“, sagt Brandis. „Einem Kunden gegenüber ehrlich, offen und verständnisvoll zu sein, nimmt einer Situation die Schärfe und kann sogar zusammenschweißen.“ Wer sich in einer solchen Situation richtig verhalte, könne seinen Kundenstamm nicht nur erhalten, sondern unter Umständen auch neue Stammkunden gewinnen.

EIN GUTER START

Proaktive Maßnahmen zu treffen und transparent zu kommunizieren, liefert so das essenzielle Fundament. Darauf gilt es aufzubauen, weiß Tourismusberater Josef Schmid: „Wir gehen davon aus, dass Covid-19 mittel-, wenn nicht sogar langfristig fi xer Bestandteil der Tourismusbranche sein wird. Deswegen müssen wir jetzt den bestmöglichen Start in diese ‚neue Zukunft‘ bekommen.“ Gerade weil aktuell noch die meisten Betriebe komplett stillgelegt sind, gilt es, diese Zeit zu nutzen, sich interne Prozesse näher anzusehen und bereits bekannte Kritikpunkte noch einmal genau ins Auge zu fassen. „Natürlich wird niemand jetzt große Investitionen tätigen“, ist sich Schmid bewusst. „Aber die Homepage oder den Buchungsprozess zu überarbeiten, auf den man von Stammgästen schon mehrfach angesprochen worden ist – dafür ist jetzt Zeit.“ Aktuell sieht er den idealen Moment, um sich mit Ideen auseinanderzusetzen, die jeder schon länger mit sich herumschleppt: Neuorientierungen, Konzepte zu schärfen oder seinen eigenen Fokus neu zu definieren tue nicht nur dem Betrieb, sondern der gesamten Branche gut.

SELBSTBESINNUNG

„Covid-19 zwingt uns zu der Chance, unseren Hochleistungswahn endlich zu reduzieren“, ist sich Schmid zudem sicher. „Wir alle können ein wenig Entschleunigung brauchen. Und jetzt ist der Moment dafür.“ Anstatt nach der eierlegenden Wollmilchsau zu suchen, können sich Betriebe so wieder auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Und das werde sich auch später bezahlt machen. Denn: „Die Reisebranche wird

© KEKST CNC, TOURISMUSBERATUNG.AT

32


ES GEHT BERGAUF.

sich stark verändern“, sagt Schmid. Der Bedarf an Hygienemaßnahmen und sozialer Distanz, egal ob bei der Anreise oder am Urlaubsort, wird wohl beispielsweise bald zum Zünglein an der Waage werden. Diese Bedürfnisse können durch entsprechende Angebote oder durch subtile bauliche Maßnahmen, wie breitere Rezeptionstheken oder farbliche Designs, die Abstände suggerieren und noch mehr, unterstützt werden. Wer das tut und das auch noch richtig kommuniziert, kann sich einen entscheidenden Vorsprung verschaffen und einen sehr guten Start hinlegen – ganz abgesehen vom Vertrauensbonus bei den Gästen. „Natürlich wird nicht jede Anpassung auf Anhieb richtig sein“, sagt Schmid. Aber wer sich um die Gesundheit seiner Gäste und Mitarbeiter sorge, könne wenig falsch machen. „Da dürfen wir nicht arrogant sein, sondern müssen zeigen, dass wir es ernst meinen. Denn wie heißt es so schön: Die Wellen können wir nicht stoppen, aber wir können lernen, zu surfen. Und

ich bin mir ziemlich sicher, dass Tirol mit seiner Erreichbarkeit und seinem Naturund Outdoorangebot zu den Gewinnern gehören wird.“

AUS DER ASCHE

Trifft das zu, sind die damit verbundenen Chancen gewaltig. Doch um sie nutzen zu können, müssen hohe Anforderungen erfüllt werden – eben mehr als das nötige Minimum. „Man denke an den österreichischen Weinskandal“, vergleicht Natali Brandis. „Statt, sich in Debatten, Rechtfertigungen oder Schuldzuweisungen zu ver-

lieren, ist es damals zum Schulterschluss der Winzer gekommen.“ Anstatt nur auf Kritik zu reagieren, nahmen diese sie ernst und gingen drei Schritte weiter. Damit ist es gelungen, die Qualität – das ursprünglich größte Manko des österreichischen Weins – in seine absolute Stärke zu verwandeln.“ Dieses Kunststück sei absoluter Transparenz zu verdanken – „und dem Willen, sich neu zu erfinden“, sagt Brandis. „Das hat es einer Branche ermöglicht, über sich hinauszuwachsen und anstatt ihren alten Status zurückzuerobern, völlig neue Märkte und Bereiche zu erschließen.“

„Covid-19 zwingt uns zu der Chance, unseren Hochleistungswahn endlich zu reduzieren. Wir alle können ein wenig Entschleunigung brauchen. Und jetzt ist der Moment dafür.“ JOSEF SCHMID, TOURISMUSBERATER

Du kannst Dir jetzt ein Gratis-Tablet holen! Zu allen A1 Glasfaser-Internet Tarifen. In den A1 Shops: FMZ Imst, Cyta, Wörgl M4 und Kitzbühel.

Gratis Herstellung Erleben Sie zuhause rund um die Uhr maximale Stabilität durch ungeteilte Bandbreite in Österreichs größtem Glasfasernetz.

HUAWEI MediaPad T3 10 WiFi

Aktion gültig bei Bestellung eines A1 Internet/A1 Xplore TV Kombi XS – XL/A1 Xplore TV Kombi XS – XL Plus oder A1 5GigaNet S – XL Tarifs für A1 Breitband-Neukunden. Tablet Versand spätestens vier Wochen nach Herstellung. Gültig bis auf Widerruf und solange der Vorrat reicht. Mindestvertragsdauer 24 Monate. Nicht mit anderen (regionalen) Aktionen kombinierbar. Details auf A1.net

Du kannst alles. Im 5Giganetz von A1.

33


ES GEHT BERGAUF.

SICHER ZUM NEUSTART

Familientourismus und Themen wie Radfahren stehen in Serfaus-Fiss-Ladis auch weiterhin im Vordergrund.

© ANDREAS KIRSCHNER, ACHENSEE TOURISMUS

34


ES GEHT BERGAUF.

35

Die alpine Landschaft, wie hier in der Region Achensee, bietet Erholung für die Seele.

Krisenzeiten bieten auch die Möglichkeit, vergangene Entwicklungen zu hinterfragen und sich neu zu orientieren – auch im Tiroler Tourismus. Zugleich zeigt sich, dass viele gute Entwicklungen weitergeführt werden können. Text: Esther Pirchner

ALLE SIND BETROFFEN

G

etroffen hat der Lockdown die gesamte Tourismuswirtschaft in Tirol und die damit zusammenhängenden Branchen zugleich – aber nicht alle auf die gleiche Weise. Denn gerade in der Krise zeigte sich, dass in den einzelnen Regionen jeweils eigene Bedingungen herrschen und ganz unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Während beispielsweise höher gelegene Skigebiete noch einige ertragreiche Wochen vor sich gehabt hätten, war in anderen die Saison ohnehin fast beendet. Wieder andere wie die Region Achensee stehen bereits im Mai am Beginn der Sommersaison und haben früher als andere Einbußen zu erwarten. Genauso unterschiedlich sind auch die Angebote in den einzelnen Regionen und die Wege, die sie eingeschlagen haben.

Für ganz Tirol gelte, so Hubert Siller, Leiter des Department für Tourismus- & Freizeitwirtschaft am MCI, „wie stark der Tourismus mit regionalen Strukturen verflochten ist, mit Vorleistungen, mit Lieferanten und so weiter“. Das abrupte Ende der Wintersaison habe beispielsweise Bauern und Handel sehr rasch vor Augen geführt, wie viele ihrer Produkte und Angebote von Gästen konsumiert werden, ergänzt Hans Entner, Vorstand der Tiroler Tourismusverbände und selbst Hotelier am Achensee. Es bestärkt ihn darin, die Regionalentwicklung, wie sie der Tourismusverband Achensee schon bisher betreibt – über Gemeindegrenzen hinweg –, auch weiterhin zu verfolgen. Und Werner Kurz, Bürgermeister von Ischgl, bringt die Notwendigkeit, gemeinsam Lösungen zu finden, auf den Punkt: „Uns geht es um alle Betriebe, kleine und große. Es hängen Arbeitsplätze und Existenzen daran.“

SICHERHEIT STEHT ÜBER ALLEM

Wo aber müssen überhaupt neue Ansätze gefunden werden? Aufsperren werden viele Hotels nur, wenn die Grenzen zumindest zu Hauptmärkten wie Deutschland geöffnet werden und die Bundesregierung „einigermaßen wirtschaftlich vernünftige Regeln“ für einen Betrieb vorgibt, sagte Franz Tschiderer, Vorsitzender des Tyrol Tourism Board, bevor die Grenzöffnung zu Deutschland kurzfristig angekündigt wurde. Dann sind am vordringlichsten jene Maßnahmen, die Vertrauen schaffen. Sicherheit steht für Tschiderer an erster Stelle: Jede Region müsse dafür sorgen, „dass der Gast nicht nur gesund in den Urlaub kommt, →


ES GEHT BERGAUF.

INTERVIEW

„Noch mehr Qualität“ Neue Schwerpunkte setzen, das Image aufpolieren und Stammgäste wieder ansprechen – das sind einige der Strategien für die Wiederöffnung der Hotellerie, an denen Ischgl laut Bürgermeister Werner Kurz arbeitet.

„Bestehende Trends in Richtung ökologischer Nachhaltigkeit werden sich noch verstärken.“ HUBERT SILLER, LEITER MCI TOURISMUS

Das Gespräch führte Esther Pirchner.

SAISON: Herr Kurz, zum Zeitpunkt dieses Interviews ist eine Öffnung der Beherbergungsbetriebe in Aussicht, das Wie aber noch unklar. Wie ist die Stimmung in Ischgl? WERNER KURZ: Es hängt sehr viel dran. Aber wir sind im ganzen Tal zuversichtlich, dass wir – wenn nicht eine zweite Infektionswelle kommt – wieder halbwegs zu einer Normalität finden. Im Zusammenhang mit Covid-19 geriet Ischgl als Après-Ski-Ort ins Zentrum der Kritik. Wie wirken Sie diesem Image entgegen? Wir arbeiten mit großer Intensität daran, Ischgl so darzustellen, wie es wirklich ist. Wir haben eine wunderbare Natur, ein exzellentes Skigebiet, hervorragende Betriebe und nette, gastfreundliche Leute. Wir wollen vor allem unseren Stammgästen zeigen, dass wir einen sicheren Urlaub ermöglichen, und wir hoffen, dass sie alle wiederkommen. Sie sind alle herzlich willkommen. Muss sich auch das Angebot verändern? Wir haben die Zeit schon für Besprechungen zwischen Tourismusverband, Verein der Tourismusunternehmen, Gemeinde und Seilbahn genützt, um noch mehr Qualität zu schaffen. Ein konkreter Punkt ist, den Tagesbustourismus zu verringern. Dass Gäste nur zum Feiern kommen und unser Angebot ansonsten nicht annehmen, wollen wir in Zukunft vermeiden. Vielen Dank für das Gespräch.

sondern auch wieder gesund aus dem Urlaub nach Hause fährt“, und ihm diese Sicherheit auch vermitteln. In einer „Art regionaler Covid-Task-Force“ sollen alle Fäden zusammenlaufen – auch um im Fall, dass jemand krank wird, rasch reagieren zu können. Schnelle Testungen und ein europaweites Tracing seien dazu notwendig.

CHANCE DER REGIONALITÄT

Da kommt Tirol zugute, dass es bereits als sicher gilt und damit auch viele Gäste aus den Nahmärkten anspricht. Hubert Siller: „In der Krise gilt: Vertrautes vor Exotischem, man sucht das Nahe.“ Auch sonst könne Tirol gerade im Sommertourismus auf viele Vorzüge bauen. Man dürfe „das große Bild nicht aus den Augen verlieren“ und könne die positiven Trends noch verstärken. Hier gehe es darum, die Chance der Regionalität und Spezialisierung zu nutzen. Ähnlich sehen das Hans Entner und Franz Tschiderer. Am Achensee hat vor 15 Jahren die Entwicklung hin zum Qualitätstourismus stattgefunden, der Naturpark Karwendel steht in der Region im Fokus. Serfaus-Fiss-Ladis ist bekannt für seine Ausrichtung auf Familientourismus und ein gutes Augenmaß für das Zusammenspiel von Natur und Tourismus. Insofern ist in beiden Regionen kein Strategiewechsel nötig. Man habe aber die Zeit und den Anlass genutzt, das „bigger, faster, more“, das es auch gebe, zu überdenken, meint Entner. Auch Siller sieht es als Chance, jetzt dort einzugreifen, „wo Quantitäten die Qualität einschränken“. Bereits bestehende Trends hin zur ökologischen Nachhaltigkeit würden sich hingegen noch verstärken. Schließlich biete „der Alpenraum, die Natur, die perfekte Erholung“ für Geist, Körper und Seele, und das sei gerade in und nach Krisenzeiten besonders wichtig.

© MCI, HANNES KURZ

36


MAGA ZIN

MAGAZIN Über

1.000 offene Online: Die eVermieterakademie bietet digitale Weiterbildungsangebote, die laufend ausgebaut werden.

VERMIETERAKADEMIE

GOES WEBINAR

Lehrste llen

Finden Sie ihre Lehrlinge und präsentieren Sie sich als Lehrbetrieb unter

www.karrieremitlehre.tirol

Seit 2018 baut die Akademie ihre Onlineangebote stetig aus, seit Mai sind nun weitere Seminare für Vermieter verfügbar.

© VERMIETERAKADEMIE, VERBAND DER TIROLER TOURISMUSVERBÄNDE

D

ie Vermieterakademie Tirol setzt neben Präsenzseminaren bereits seit Längerem auf Onlinetools. Das Angebot aus zahlreichen virtuellen Weiterbildungen kann von Vermietern kostenlos genutzt werden. Mit Hochdruck wird am Ausbau der zur Verfügung stehenden Seminarunterlagen, Seminarvideos und Videotrainings gearbeitet. Inhaltlich stehen Aspekte wie Preisgestaltung, Onlinemarketing und die Kommunikation mit dem Gast im Vordergrund. „Mit der von uns entwickelten eVermieterakademie haben wir schon früh auf die Digitalisierung gesetzt. Wir hoffen, damit gerade unter den aktuellen Rahmenbe-

dingungen alle Vermieterinnen und Vermieter im Land unterstützen zu können“, so Anton Habicher (Tourismusabteilung Land Tirol). UNTERSTÜTZUNG IN SCHWEREN ZEITEN Seit Mai stehen Nutzern weitere Webinare zur Verfügung. Die wurden von den Verantwortlichen, gemeinsam mit den Vermietercoaches der Tourismusverbände, erarbeitet. „Wir möchten die Vermieter mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln in dieser herausfordernden Zeit unterstützen“, betont Katrin Perktold, Geschäftsführerin des Verbandes der Tiroler Tourismusverbände.

Die Inhalte sind unter www.evermieterakademie.tirol abrufbar. Wer als Vermieter noch keine Zugangsdaten für die Onlineplattform hat, erhält diese über seinen TVB.

Nähere Infos unter Wolfgang Mayr Tel. 0512/58 6020-2191 verkauf@target-group.at

37


38

MAGA ZIN

LESESTOFF

1 GipfelGeschichten Goethe, Humboldt, David Lama – Journalist und Germanist Andreas Lesti erzählt in diesem Buch von alpinen Pionierleistungen.

2 Das Gute liegt so nah „Freizeit in Tirol“ liefert zahlreiche Tipps für den Urlaub dahoam.

3 Tirol mit einem Augenzwinkern Im Mai erscheint eine Landvermessung Tirols der besonderen Art.

Schon als Kind von den Alpen fasziniert, hat der Autor dieses Buch mit 15 Geschichten über außergewöhnliche Gipfelsiege aus der ganzen Welt geschrieben. Die Distanz zu den Bergen, sagt der in Berlin lebende Autor, ermögliche ihm, die Berge in ihrer Gesamtheit besser zu sehen. In seinem Buch erzählt er unter anderem die Geschichte von Goethes gefährlicher Bergtour, die die Welt fast um seine Werke „Faust“ und „Erlkönig“ gebracht hätte.

Von einfachen Wanderungen zu besonderen Naturschauspielen wie Klammen, Wasserfällen, Höhlen oder (Bade-)Seen bis hin zu Museen und Erlebnisparks wie dem Hexenwasser, dem Zirbenpark oder dem Hochseilklettergarten: Der Tiroler Journalist Uwe Schwinghammer hat in diesem Buch gut recherchierte Tipps aus allen Bezirken zusammengetragen.

Der Reise- und Bergjournalist Dominik Prantl veröffentlicht im Mai sein Buch „Tirol. Eine Landesvermessung in 111 Begriffen“. Das Buch widmet sich Tiroler Fixsternen wie Andreas Hofer und Großglockner, aber auch der Kurzohrmaus – immer mit einem Augenzwinkern. Und mit einem solchen sind auch die dazugehörigen Illustrationen gestaltet. Der Autor meint: Ein Geschenk für alle, die Tirol kennen und trotzdem lieben.

ANDREAS LESTI: Das ist doch der Gipfel. Geschichten von den Bergen der Welt, Bergwelten-Verlag, 176 Seiten.

UWE SCHWINGHAMMER: Freizeit in Tirol. Die 100 schönsten Ausflugsziele in Nordtirol, Tyrolia-Verlag, 256 Seiten.

DOMINIK PRANTL: Tirol. Eine Landesvermessung in 111 Begriffen, Tyrolia-Verlag, 86 Seiten, 34 zweifarbige Illustrationen.


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
SAISON 2005 by TARGET GROUP Publishing GmbH - Issuu