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Gesund in Tirol (Mai 2014)

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AUSGABE # 9 / SOMMER 2014

Nach dem Sport Richtiges Dehnen fĂźrs Wohlbefinden

Kurz oder lang? Welcher Urlaub die beste Erholung bringt

Lebenselixier Das kann unser Blut

Erste Hilfe bei Allergien Wie allergien entstehen, wie sie sich auswirken und was wir dagegen tun kĂśnnen.


Inhalt & Editorial

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Editorial Im Frühling und Sommer

wird jeder fünfte Österreicher von einer Pollenallergie geplagt. Wie man mit dem Heuschnupfen am besten umgeht und wie man ihn ganz loswird, erfahren Sie auf Seite 10. In dieser Ausgabe erhalten Sie aber auch Informationen darüber, wie Sie mit Harnwegsinfektionen umgehen und wie Sie Ihre Muskeln nach dem Sport am besten entspannen. Historisch Interessierte können sich über unsere neue Serie freuen: In jeder Ausgabe erklären wir Ihnen eine inzwischen längst überholte Behandlungsmethode. Dieses Mal geht es um den Aderlass.

© photocase.com

Wir wünschen eine spannende Lektüre! Die Redaktion

Inhalt Kurz & bündig Allergie und NMI Pollenzeit Das können Sie gegen Allergien tun Warum vertragen wir uns nicht? Über Nahrungsmittelintoleranzen Impressum Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: TARGET GROUP Publishing GmbH, Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck Chefredaktion: Sylvia Ainetter Redaktion: Klaus Erler, Daniel Feichtner, Daniel Naschberger, Barbara Wohlsein Grafik & Produktion: Kristina Fallenegger, Doris Pfifferling Titelfoto: Photocase.com Fotos, falls nicht anders gekennzeichnet: Archiv/ TARGET GROUP Publishing GmbH Geschäftsführung: Andreas Eisendle, Michael Steinlechner Telefon: +43 (0)512/586020-0 Fax: +43 (0)512/586020-20 E-Mail Redaktion: redaktion@target-group.at E-Mail Verkauf: office@target-group.at Druck: Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten

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Ratgeber Die Not mit der Blase Alles über Harnwegserkrankungen

Interview Claudius Thomé im Gespräch Einblicke in die Neurochirurgie

Wissen

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Gesund leben

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Nach dem Sport So dehnen Sie richtig

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Dünn statt gesund Von Anorexie und Bulimie

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Prost! Wenn Alkohol zur Sucht wird

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Blick ins Innere Das passiert beim MRT

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Einmal Entspannung, bitte! So erholen Sie sich im Urlaub am besten

24

Weg mit dem Tattoo!

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Gendermedizin Gesundheit für alle Geschlechter

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Der rote Lebenssaft Alles über Blut Serie: Medizin von früher

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Kurz & bündig

Kurz & bündig

Grüner Tee steigert Hirnleistung Grünem Tee werden viele Wirkungen nachgesagt. Nun wurde von Forschern der Universität Basel entdeckt, dass Grüner Tee auch die Hirnleistung steigert. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Übertragungsstärke der Synapsen nach Grüntee-Genuss steigt. Die Mediziner sehen nun im Grünen Tee Potenzial, die Behandlung von Demenzkranken zu verbessern.

Dicke sind schneller satt Übergewichtige sind rascher satt als Normalgewichtige. Sie nehmen aber trotz der kürzeren Zeitspanne, die sie für die Nahrungsaufnahme aufwenden, mehr Kalorien zu sich. Das ergab eine Studie am Universitätsspital Basel. Bei Übergewichtigen waren die Mahlzeiten deutlich kürzer, aber durchschnittlich um 140 Kalorien reichhaltiger als bei Normalgewichtigen. Langsam zu essen, ist also nicht nur gesund, sondern könnte auch beim Abnehmen helfen.

Ginseng gegen Grippe Ginseng kann dabei helfen, Grippe und Infektionen mit Erkältungsviren zu verhindern und zu behandeln. Das fanden amerikanische Forscher heraus. In der ersten Studie untersuchten die Wissenschaftler die Wirkung des Extrakts von rotem Ginseng bei Influenza A. Dabei stellten sie fest, dass Ginseng das Überleben von mit Grippeviren infizierten Lungenzellen verbesserte. Außerdem hemmte der Extrakt Entzündungen.


Kurz & bündig

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Heilpflanze: Schlüsselblume Die Schlüsselblume wirkt entkrampfend und schleimlösend – deswegen eignet sie sich als Hustentee besonders gut – vor allem dann, wenn der Schleim festsitzt. Gerne wird sie auch zur Linderung eines Altershustens verwendet.

Mehr depressive Kinder Angst- und Depressionssymptome betreffen immer häufiger auch Kinder. Unter rund 1.740 untersuchten Kindergartenkindern litten zwölf Prozent unter erhöhter Ängstlichkeit und depressiver Verstimmtheit. Sie sind damit einem vermehrten Risiko ausgesetzt, im Erwachsenenalter eine derartige Störung zu entwickeln. Kinder, die dauerhaft traurig sind und nicht spielen wollen, sollten gut beobachtet werden, ob nicht eine Depression vorliegt. Besonders betroffen sind Kinder, deren Eltern selbst unter einer Depression leiden. Ein höheres Risiko haben auch diejenigen, die negative Lebenserfahrungen wie Misshandlung und Vernachlässigung schon in der frühen Kindheit erfahren haben.


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Kurz & bündig

untergewicht ebenso gefährlich wie Fettleibigkeit Untergewicht setzt Menschen einem ähnlich hohen Sterberisiko aus wie Adipositas. Dies gilt auch, wenn Faktoren wie Rauchen, Trinken, Lungenkrankheiten sowie chronische und tödliche Erkrankungen ausgeschlossen werden. Das ergab eine Studie von kanadischen Forschern der University of Toronto und der University of Western Ontario. Es zeigte sich, dass untergewichtige Erwachsene (BMI 18,5 und weniger) ein 1,8-mal höheres Sterberisiko hatten als Normalgewichtige (BMI zwischen 18,5 und 24,9). Bei Adipösen mit einem BMI zwischen 30 und 34,9 ist das Sterbe-risiko um 1,2-mal erhöht, bei Fettleibigen mit einem BMI von 35 und mehr um den Faktor 1,3.

Das Glas Wein in der Schwangerschaft ... Alkoholkonsum während der Schwangerschaft ist eine der Hauptursachen für angeborene Fehlbildungen von Kindern. Auch kleine Mengen Alkohol können ausreichend sein, um das ungeborene Kind nachhaltig zu schädigen. Sowohl der Alkohol als auch dessen Abbauprodukte gelangen über den Mutterkuchen ungehindert zum Ungeborenen und schädigen die kindlichen Zellen. Das Baby ist dem gleichen Blutalkoholspiegel ausgesetzt wie die Mutter.

Auch kleine Mengen Alkohol können ausreichend sein, um das ungeborene Kind nachhaltig zu schädigen.

Früh erkennen Frauen zwischen 45 und 69 werden seit Jänner 2014 mit einem Schreiben zur Mammographie eingeladen. Die Einladung gilt drei Monate als Überweisungsschein. Mit dieser Maßnahme versucht das Bundesministerium für Gesundheit Frauen dazu zu ermuntern, zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. In Österreich erkranken jährlich rund 4.600 Frauen an Brustkrebs und etwa 1.500 sterben an den Folgen der Krankheit.


Kurz & bündig

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Gratis Hebammenberatung für Schwangere Seit März hat jede Frau zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche im Rahmen des Mutter-KindPasses das Recht auf ein einstündiges Gratis-Gespräch mit einer Hebamme. Wie auch die ärztlichen Untersuchungen im Mutter-Kind-Pass, werden zwei Drittel der anfallenden Kosten für die Hebammenberatung aus dem Familienlastenausgleichsfonds und ein Drittel von den Krankenversicherungen getragen.

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Allergie

„Pollenallergiker sollten sich abends duschen, um keine Pollen mit ins bett zu nehmen. Auch Pollenschutzgitter an den Fenstern zu installieren, ist sinnvoll.“ UNIV.-PROF. DR. NORBERT REIDER


Allergie

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Volkskrankeit

Allergie

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Pollen, Hausstaub, Nahrungsmittel – Allergiker reagieren heftig auf eigentlich harmlose Stoffe. So lebt es sich besser – trotz Allergie.

etzt geht das schon wieder los: Die Nase rinnt, die Augen brennen, im Hals kratzt es. Wenn die Pollen fliegen, leidet jeder fünfte Österreicher. Die Pollensaison geht von März bis September – wer auf mehrere unterschiedliche Pollen reagiert, hat unter Umständen den ganzen Sommer zu kämpfen. Doch Allergien – egal ob gegen Pollen oder andere Stoffe – muss man nicht einfach hinnehmen ... „Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems. Keine Immunschwäche, wie man meinen könnte“, erklärt Prof. Norbert Reider, Leiter der Allergieambulanz am Landeskrankenhaus Innsbruck. Das Immunsystem ist im Falle einer Allergie fehlgeleitet und reagiert heftig auf einen Stoff, der an und für sich harmlos ist – Blütenpollen etwa oder Insektengift. Die allergieauslösenden Stoffe sind meist Eiweiße – gegen Wasser oder Zucker kann man nicht allergisch sein, gegen Hühnereiweiß, Nüsse und Fisch aber schon.

Programmiertes Immunsystem

„Die beiden wichtigsten Arten von Allergie sind Sofortallergien und Kontaktallergien“, so Reider, „bei den Sofortallergien sind jene gegen Pollen, Insektengift und Nahrungsmittel am häufigsten.“ Sofortallergie bedeutet, dass die Reaktion innerhalb kurzer Zeit, also etwa innerhalb einer Stunde auftritt. Bei einer Kontaktallergie, etwa gegen Nickel, bildet sich erst

am nächsten Tag ein Ekzem. Vielfach tritt eine Allergie bereits im Kindesalter auf, doch auch bei Erwachsenen ist nicht ausgeschlossen, dass sie eine Allergie entwickeln. Damit eine Allergie überhaupt entstehen kann, ist ein Erstkontakt zu dem Allergen notwendig, etwa ein erster Bienenstich oder Kontakt zu Pollen. Beim ersten Kontakt passiert noch nichts, doch das Immunsystem „merkt“ sich den vermeintlich gefährlichen Stoff und bildet Antikörper. Bei Soforttyp-Allergien sind das Immunglobuline der Klasse E. Diese Immunglobuline lassen sich mittels Bluttest nachweisen – so kann man feststellen, ob jemand gegen einen Stoff al-lergisch ist oder eben nicht. Ein weiterer Nachweis für Allergien ist der so genannte Prick-Test: Dabei wird das Allergen auf die Haut aufgebracht und dann mit einer Lanzette angekratzt, damit es eindringen kann. Je nach Reaktion kann man erkennen, ob das Immunsystem reagiert oder nicht. Bei Kontaktallergien bildet das Immunsystem spezialisierte T-Zellen. Kontaktallergien weist man mit einem Pflastertest nach: Hierbei wird das Allergen auf ein Aluminiumplättchen aufgetragen, das dann für zwei Tage auf die Haut geklebt wird. Bildet sich ein Ekzem, ist man allergisch.

Ernste Folgen

Kontaktallergien sind zwar lästig, aber nicht lebensbedrohlich. Trotzdem können sie für den Betroffenen große Konsequenzen haben, etwa, wenn ein Maurer ein so

genanntes Chromatekzem auf Zement entwickelt und unter Umständen seinen Beruf aufgeben muss. Anders sieht das bei den Soforttyp-Allergien oder auch bei Nahrungsmittelallergien aus: So kann etwa ein Insektenstich zu einem anaphylaktischen Schock führen: Schwindel, Atemnot, Herzkreislaufprobleme, Ohnmacht und – im Extremfall – Tod. Weniger dramatisch sind Inhalationsallergien, doch auch diese muss man gut beobachten. „Viele Pollenallergiker entwickeln Asthma. Wenn sich hier die ersten Anzeichen zeigen, sollte man rasch handeln“, so Reider. Wer auf ein Nahrungsmittel reagiert, muss nicht unbedingt darauf allergisch sein. „Nur 1–2% der Bevölkerung haben eine richtige Nahrungsmittelallergie. Doch Pollenallergiker kämpfen des Öfteren mit Kreuzallergien“, erklärt Reider. Dann „erinnern“ Stoffe in Nahrungsmitteln das Immunsystem an die Eiweiße in Pollen und lassen es reagieren. „Birkenpollenallergiker reagieren häufig auf rohen Apfel“, so der Spezialist. Doch diese Art von Nahrungsmittelallergie ist recht harmlos. „Das kann zwar sehr unangenehm sein, aber diese Allergene sind instabil und werden durch Kochen und durch die Magensäure schnell zerstört. Gefährlich sind diese Kreuzallergien im Allgemeinen nicht“, erklärt Reider. Es gibt aber auch Nahrungsmittel, die schon in Spuren bei Allergikern lebensbedrohliche Reaktionen auslösen können, etwa Erdnuss oder Meeresfrüchte.


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Allergie

Wirksame Therapie

Bei Allergien, wie etwa gegen Pollen, kann sich der Patient mit antiallergischen Nasensprays und Antihistaminika in Tablettenform behelfen, die wirken meist gut und haben wenige Nebenwirkungen. An sich selbst rumzudoktern, ist aber nicht ratsam. Wer den Verdacht hat, an einer Allergie zu leiden, sollte unbedingt zu einem Arzt gehen. In Österreich sind Dermatologen die richtige Adresse, bei Inhalationsallergien wie etwa gegen Hausstaub oder Pollen können auch HNO-Ärzte weiterhelfen. Denn in manchen Fällen ist eine Hyposensibilisierung, eine Immuntherapie, angezeigt. „Bei einer Insektengiftallergie empfehlen wir die Immuntherapie immer, aber auch bei Pollen erzielen wir hier gute Ergebnisse“, erklärt Reider. Der Nachteil: Die Spritzenhyposensibilisierung ist sehr aufwändig. Drei Monate lang wird wöchentlich eine Spritze mit dem Allergen verabreicht, die Allergendosis wird dabei gesteigert, dann muss weiter monatlich gespritzt werden. Nach drei Jahren ist die Immuntherapie abgeschlossen. „Wir haben hier sehr gute Ergebnisse, aber natürlich hängt der Erfolg

von zahlreichen Faktoren ab: dem Alter des Patienten etwa“, so der Allergologe. Hochwirksam ist die Immuntherapie bei Insektengiften – rund 95 % können komplett von der Allergie geheilt werden, bei Pollen sind es immerhin noch 75 % bis 80 %. Zur Hyposensibilisierung werden auch Tabletten eingesetzt, die der Allergiker unter die Zunge legt – ein Arztbesuch ist dann nicht notwendig. Diese Art der Therapie ist somit weit weniger aufwändig. „Bei Tablettenpräparaten würde ich nur zwei Gräser-Präparate empfehlen, alle anderen sind derzeit noch zu wenig getestet. Da tut sich aber sehr viel!“, so der Dermatologe. Allergiker, die den Aufwand einer Spritzentherapie scheuen, können also hoffen. Bis dahin hat Reider noch einige Tipps parat: „Im Wesentlichen geht es um Allergenvermeidung: Pollenallergiker sollten sich abends duschen, um keine Pollen mit ins Bett zu nehmen. Auch Pollenschutzgitter an den Fenstern zu installieren, ist sinnvoll“, rät Reider. Auch eine gute Lösung: Dann auf Urlaub fahren, wenn die individuelle BelasS.AINETTER lll tung am größten ist.

Pollenkalender Birke Weide Hainbuche Buche Eiche Platane Hasel Erle Kiefer Esche Pappel Spitzwegerich Gräser Brennessel Roggen Beifuß

Dez Jan . .

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März April Mai Jun Jul Aug Sept Okt Nov . . . . . . . . . .

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Ambrosia

Legende:

Pollenfrei

Pollen möglich

Vor-/Nachblüte

Hauptblüte

Zur Person Univ.-Prof. Dr. Norbert Reider ist Leiter der Allergieambulanz am Landeskrankenhaus Innsbruck.

Allergietests im Überblick Bluttest: Mit Hilfe eines Bluttests kann festgestellt werden, ob sich Immunglobuline E im Blut befinden. Bluttests dienen zur Feststellung von Soforttyp-Allergien und werden oft ergänzend zu einem Hauttest (siehe unten) durchgeführt. Es werden häufig auch IgG-Tests zur Feststellung von Nahrungsmittelallergien oder Unverträglichkeiten angeboten. Am Landeskrankenhaus Innsbruck hält man davon nicht viel. „Die Durchführung dieser Tests zum Nachweis einer Allergie wird von internationalen und nationalen Gesellschaften abgelehnt“, heißt es dazu von Dr. Norbert Reider. Hauttest: Beim Pricktest, dem Intrakutantest und dem Reibtest wird das Allergen auf die Haut aufgebracht bzw. unter die Haut gespritzt. Anhand der Reaktion kann eine Allergie festgestellt werden. Dient zur Diagnose von Soforttyp-Allergien. Pflastertest: Beim Pflastertest, auch Patch-Test oder Epikutantest genannt, werden mögliche Allergene auf Plaster aufgebracht und auf die Haut geklebt (meist auf den Rücken). Nach einigen Tagen wird dann die Reaktion überprüft. Dient meist zur Abklärung von Kontaktallergien wie einer Nickelallergie oder einer Allergie gegen Kosmetika.


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Unverträglichkeit

Warum

vertragen

wir uns nicht? Laktose, Fruktose, Sorbit, Histamin, Gluten – unsere Nahrung enthält Stoffe, die nicht jeder gleich gut verwerten kann. Menschen mit Nahrungsmittelintoleranzen haben oft starke Beschwerden – häufig ohne den Grund zu kennen.


Unverträglichkeit

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erdauungsprobleme, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung – jeder hat manchmal ein „Rumoren“ im Bauch. Doch wenn kaum ein Tag mehr ohne Bauchschmerzen vergeht, auch die gesündeste Ernährung die Situation nicht verbessert, heißt es: Ab zum Arzt! Verdauungsbeschwerden können natürlich viele Ursachen haben, eine sehr wahrscheinliche ist, dass eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vorliegt. „Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind sehr häufig“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Herbert Tilg, Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin I am Landeskrankenhaus Innsbruck. „10 bis 20 % der Bevölkerung leiden daran.“

Nahrungsmittelintoleranz ist nicht zu verwechseln mit einer Allergie. Nahrungsmittelallergien kommen nur bei 1–2 % der Bevölkerung vor, am häufigsten sind Allergien gegen Nüsse und Meeresfrüchte. Allergiker müssen das betreffende Lebensmittel strikt meiden – unter Umständen kann der Verzehr des Allergens sogar bis zum Tod führen. Weitaus harmloser, aber sehr unangenehm sind Nahrungsmittelintoleranzen. Dabei kann der Körper bestimmte Stoffe in der Nahrung nicht verwerten oder transportieren. Bei den Unverträglichkeiten kommt jene gegen Laktose, Milchzucker, am häufigsten vor. Laktose ist in zahlreichen Milchprodukten, aber auch in anderen verarbeiteten Produkten wie Schokolade und Gebäck enthalten. Der Verzehr dieser Produkte kann Beschwerden wie Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen und Blähungen zur Folge haben – der Grund dafür ist ein

Enzymmangel. Beim Gesunden spaltet das Enzym Laktase den Milchzucker auf, damit er im Dünndarm verdaut werden kann. Fehlt das Enzym, gelangt die Laktose in den Dickdarm, wo sie von Bakterien verstoffwechselt wird – das Resultat sind Gase, die dann Beschwerden verursachen. „Die Laktaseproduktion sinkt im Laufe des Lebens. Es kann also in jedem Alter zu einer Laktoseintoleranz kommen“, erklärt Tilg.

Verzicht hilft

Diagnostiziert wird die Laktoseintoleranz mithilfe eines Atemtests. Zuerst wird der Wasserstoff-Gehalt des Atems bei nüchternem Magen gemessen. Dann bekommt der Patient eine laktosehaltige Trinklösung verabreicht. In bestimmten Zeitabständen wird der H2-Gehalt im Atem erneut ermittelt. Steigt er an, liegt eine Laktoseintoleranz vor. „Etwa 10 % der Betroffenen sind mittels Atemtest nicht diagnostizierbar. Doch treten beim Test Beschwerden auf, kann man dennoch auf eine Laktoseintoleranz schließen“, erklärt Tilg. Nach der Diagnose wird empfohlen, einige Tage komplett auf alle Produkte zu verzichten, die Laktose enthalten. Danach kann ausgetestet werden, wo die individuelle Schwelle liegt. Geheilt werden kann Laktoseintoleranz nicht, aber man kann sehr gut damit leben. „Die einfachste Therapie bei Laktoseintoleranz ist, Laktose zu meiden“, sagt Tilg, „wenn das nicht möglich ist, etwa im Restaurant, kann man Laktase in Tablettenform zuführen. Dann bleiben Beschwerden ebenfalls aus.“ Oft hängen Laktoseintoleranz und Reizdarm zusammen – so kann es zu einer Verbesserung des Reizdarmsyndroms kommen, wenn Laktose gemieden wird. Die Abgrenzung ist allerdings schwierig. Wer nun denkt, dass im Falle einer Laktoseintoleranz auf alle Milchprodukte verzichtet werden muss, liegt falsch. Laktose kommt nicht in allen Milchprodukten in der gleichen Menge vor. Milch, Sahne, Joghurt und Frischkäse verursachen aufgrund des hohen Gehalts so gut wie immer Beschwerden. Gereifter Käse wie Parmesan oder Brie und auch Butter enthalten hingegen nur geringe Mengen Laktose und werden meist gut vertragen. Da die Laktoseintoleranz so häufig ist, hat auch die Lebensmittelindustrie bereits darauf reagiert: In jedem Supermarkt sind inzwischen laktosefreie Produkte in großer Auswahl zu finden.

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Allergie vs. unverträglichkeit Bei einer Allergie ist das Immunsystem fehlgeleitet und reagiert auf eine Substanz sehr stark, die für andere Menschen harmlos ist. Die Folgen können unter Umständen tödlich sein. Nahrungsmittelallergien treten vergleichsweise selten auf. Besonders allergen wirken Erdnüsse, Meeresfrüchte, Eier und Soja. Nahrungsmittelintoleranzen basieren nicht auf einer immunologischen Reaktion und sind deswegen viel ungefährlicher. Allergien werden mittels Blut- oder Hauttest ermittelt, bei Nahrungsmittelintoleranzen dienen Atemtests der Diagnose.


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Unverträglichkeit

Häufig, aber harmlos

Etwas anders liegt der Fall bei Fruktoseintoleranz. Denn dort fehlt nicht ein Enzym, sondern Fruchtzucker kann nicht oder nur vermindert aufgenommen werden (Malabsorption). „Bei jedem Menschen ist jene Menge begrenzt, die wir an Fruktose aufnehmen können, ohne Beschwerden zu bekommen“, erklärt der Spezialist, „doch bei Fruktoseintoleranten ist die Schwelle sehr niedrig.“ Jeder hatte wahrscheinlich schon einmal Bauchschmerzen, weil er zu viel Steinobst oder Weintrauben gegessen hat – das liegt an den hohen Mengen Fruktose, die darin enthalten sind. Fruktoseintolerante sind jedoch weitaus empfindlicher – und bekommen schon Beschwerden, wenn sie kleinere Mengen zu sich nehmen. Auch die Fruktoseintoleranz ist sehr häufig, Schätzungen reichen bis zu 30 % der Bevölkerung. „Fruktoseintoleranz ist nicht banal oder harmlos. Trotzdem glaube ich, dass das Problem überschätzt wird.“ Diagnostiziert wird sie – ähnlich wie die Laktoseintoleranz – mittels Atemtest. Was es jedoch nicht gibt, ist eine einfache Abhilfe wie die Enzymsubstitution. Weitere Intoleranzen außer Laktose- und Fruktoseintoleranz sind Unverträglichkeiten von Sorbit, Histamin und Saccharose.

Wenn Weizen krank macht

reagieren stark auf Gluten, das Klebereiweiß, das vor allem in Weizen, aber auch in Einkorn, Dinkel, Grünkern, Roggen und Hafer enthalten ist. Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) löst unspezifische Symptome aus: Magen-Darm-Beschwerden, Entzündungen im Mund, Kopfschmerzen, Leistungsabfall, Depressionen, Gereiztheit, etc. Bei Zöliakie handelt es sich um keine Nahrungsmittelintoleranz im herkömmlichen Sinne. „Wer an einer Nahrungsmittelintoleranz leidet und seine Diät nicht einhält, hat zwar Beschwerden, aber er hat keine langfristigen Schäden zu befürchten. Anders ist das bei Zöliakie“, erklärt Tilg. Denn bei nicht oder nur schlecht eingehaltener Diät wird der

Dünndarm massiv geschädigt und das Risiko, an Dünndarmkrebs zu erkranken, steigt an. „Glutenfrei zu leben, ist ein Auftrag“, befindet Tilg. Das liegt vor allem daran, dass sich die Nahrungsmittelindustrie die Klebereigenschaften von Gluten zu-

bei

Laktoseintoleranz nicht verträglich

Schokolade

Buttermilch

Joghurt

Vor besonders großen Herausforderungen stehen 1–2 % der Bevölkerung. Sie

Milch Eis Frischkäse

bei

Fruktoseintoleranz nicht verträglich

Steinobst, Obst aller Art, Trockenfrüchte, Energydrinks, Honig, Sauerkraut, Tomaten, Wein und Bier, Zwiebel


Unverträglichkeit

Die Diagnose der Erkrankung erfolgt mittels Antikörpertest im Blut und einer Dünndarmbiopsie. Von einer glutenfreien Ernährung ohne Diagnose rät Tilg ab: „Wir können nur auf Zöliakie testen, wenn sich der Patient normal ernährt. Hält er bereits Diät, kann das die Diagnose verwässern.“

Neues Krankheitsbild

Doch was ist, wenn auf Zöliakie negativ getestet wurde, die Beschwerden aber mit einer glutenarmen oder -freien Diät trotzdem besser werden? „Wir stehen hier vor einem recht neuen Krankheitsbild: der Gluten-Hypersensitivität“, erzählt Tilg. Bei einer Gluten-Hypersensitivität liegt keine Zöliakie vor, die Patienten haben dennoch teils sehr starke Beschwerden, die mit einer glutenfreien Diät verschwinden. „Die Diagnose ist sehr schwierig. Es gibt keinen Bluttest und auch endoskopisch ist nichts zu sehen“, erklärt Tilg, „aber diese Krankheit gibt es. Es ist auch nicht auszuschließen, dass sie künftig relevant wird.“ Mit verantwortlich für das Entstehen der Glutensensitivität und der steigenden Zahl an Erkrankten sind vermutlich neue Weizenarten, die besonders viel Gluten enthalten.

Verhindern kann man Nahrungsmittelintoleranzen und Zöliakie oder Glutensensitivität nicht, die Ursache liegt vermutlich in den Genen. Panik ist jedoch nicht angebracht. Doch wer häufig unter Bauchschmerzen und Verdauungsbeschwerden leidet, sollte sich untersuchen lassen. Denn liegt eine Nahrungsmittelintoleranz vor, lassen sich die Beschwerden recht schnell und unS. AINETTER lll kompliziert beseitigen.

© emanuel kaser

nutze macht und in allen möglichen Lebensmitteln einsetzt. So ist Gluten nicht nur offensichtlich in Brot und Gebäck und Teigwaren aller Art enthalten, sondern auch in Fertiggerichten und Fertigsaucen, in Fischkonserven, Getränken, Gewürzmischungen, Tiefkühlwaren (Gemüse, Eis) und vielem mehr. Schon kleinste Spuren von Gluten können bei Zöliakiepatienten Beschwerden auslösen, und selbst wenn die Erkrankung symptomfrei verläuft, wird der Dünndarm dennoch geschädigt. Für die meisten Zöliakiekranken bedeutet die Diagnose aber eine große Erleichterung. Viele haben einen langen Leidensweg hinter sich, unzählige Untersuchungen und starke Schmerzen. Aufgrund der unspezifischen Symptome wird Zöliakie häufig erst spät erkannt. Dazu kommt, dass mit Zöliakie häufig auch andere Erkrankungen, etwa Schilddrüsenerkrankungen und Diabetes, einhergehen. Therapie gibt es nur eine: Verzicht. Mit einer glutenfreien Diät vergehen die Beschwerden meist innerhalb weniger Tage und auch das Dünndarmkrebsrisiko sinkt schnell. Die Diät muss allerdings bis zum Lebensende eingehalten werden.

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Zur Person

Univ.-Prof. Dr. Herbert Tilg ist Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin I in Innsbruck.


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Gesund leben

Gesund leben

Eine

dehnbare

Angelegenheit

Stretching ist eine Philosophie f端r sich. Gesund in Tirol wollte wissen, welche Methoden es gibt, was die derzeitige Lehrmeinung sagt und wo Dehnen Abhilfe verschaffen kann.


Gesund leben

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„Die Trainingskonzepte haben in der Vergangenheit einen stetigen Wandel erlebt.“

© photocase.com

UNIV.-PROF. DR. ERICH MUR

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ie viele andere für Freizeit- und Profispor tler wichtige Bereiche hat auch das Dehnen in den vergangenen Jahrzehnten so einige Wandlungen durchgemacht. Das beginnt schon beim Namen: Stretching heißt das Verlängern und Auseinanderziehen eines Muskels heutzutage, Dehnen ist demgegenüber einer jener Begriffe, die bei vielen in der „Von gestern“-Schublade abgelegt werden. Die Lehrmeinung dazu ist ohnehin im Laufe der Zeit nie dieselbe geblieben, heute noch tauchen verschiedenste Theorien und Ansätze zum „Mobilisieren“ des eigenen Körpers auf. „Die Trainingskonzepte haben in der Vergangenheit einen stetigen Wandel

erlebt, je nach wissenschaftlicher Betrachtungsweise und Interessenslage. Bis in die 1980er hat man frei nach der Turnvater-Jahn-Methode eher dynamisches Dehnen betrieben, dann kam vor allem aus dem angloamerikanischen Raum, aber auch aus Deutschland der Trend hin zum statischen Dehnen. Irgendwann hat man aber gemerkt, dass auch das nicht nur Vorteile hat. Heute ist man bei einer differenzierten, personenund zielorientierten Form angekommen“, erzählt Univ.-Prof. Dr. Erich Mur vom Institut für Physikalische Medizin am Landeskrankenhaus Innsbruck.

Zwei Varianten

Mur bringt dabei die beiden Methoden zur Sprache, die der Entspannung der Muskeln dienen: Beim statischen Deh-

nen hält man eine feste Position für mehrere – meist zehn bis 15 – Sekunden, beim dynamischen federt man hingegen leicht und wiederholend in der Endposition. Wer ein Stretch-Anfänger ist, sollte sich zunächst in der statischen Variante versuchen, da man ansonsten oftmals dazu neigt, eher anzuspannen anstatt zu entspannen. „Beide Methoden haben ihre Berechtigung, es gibt keine gute oder schlechte. Sie sollten je nach Alter und Belastungsvoraussetzungen individuell eingesetzt werden“, betont Mur. Für einen Spitzensportler gelten eben nicht dieselben Stretchingregeln wie für einen Breitensportler oder jemanden, der nach einer Verletzung oder gar Operation unter einer Immobilität an bestimmten Stellen leidet. „Neben der passiv statischen Me-


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Gesund leben

thode, bei der ich eine äußere Kraft wie das Körpergewicht und die Schwerkraft wirken lasse, gibt es noch die aktiv statische, bei der man die Dehnung auch noch durch muskuläre Aktivität unterstützt. Solche Ausführungsvarianten sind auch beim dynamischen Dehnen möglich. Man muss nur darauf achten, diese nicht zu intensiv zu betreiben, da sonst durchaus Risse und andere Schädigungen im Muskel entstehen können“, betont Mur.

Gretchenfrage der Notwendigkeit

Doch die wahre Glaubensfrage liegt nicht unbedingt darin, ob statisch oder dynamisch gedehnt wird, sondern ob Stretching überhaupt notwendig ist – denn auch hier scheiden sich die Geister. Früher wurde einfach drauflos trainiert, ohne sich allzu sehr mit dem Aufwärmen und Dehnen der eigenen Muskulatur zu beschäftigen, eines Tages war die Sache dann schon so en vogue, dass man sich laut vieler sogenannter Experten nahezu täg-

lich dem Stretching hätte hingeben sollen. Wissenschaftliche Studien belegen mittlerweile, dass es bei gesunden Menschen meist keinen Unterschied macht, ob sie denn nun dehnen oder nicht, weil abwechslungsreicher Sport ohnehin für eine gute Beweglichkeit sorgt. Dosiertes und gezieltes Dehnen, vor allem nach

Stretching sollte man nicht unterdosieren, aber auch nicht übertreiben.

dem Training – so lautet mittlerweile die gängige Sichtweise, ist aber auf gar keinen Fall falsch. Nur hypermobile, also überbewegliche, Menschen sollten auf Dehnübungen gänzlich verzichten und vielmehr mittels Kraftübungen für mehr Spannung der Muskeln sorgen. Die Gelenke, Bänder und Sehnen sind bei diesen Personen von vornherein eher instabil und anfälliger für Verletzungen, Stretching würde da nur für eine zusätzliche Belastung sorgen. Wer allerdings mit einer muskulären Dysbalance – Muskelverkürzungen und bzw. oder Muskelabschwächungen zwischen muskulärem Agonisten (Spieler) und Antagonisten (Gegenspieler) durch einseitige Kraftbelastung – zu kämpfen hat, sollte ein Stretching- mit einem speziellen Muskelprogramm verbinden. Gerade in der heutigen Sitzgesellschaft bedürfen von Verspannungen bedrohte Zonen wie der Schulter- oder Nackenbereich eines Ausgleichs. Lockerungen durch Bewegungs- und Dehnübungen können dann viel zur muskulären Balance beitragen. Auch bei Erkrankungen des Bewegungsapparates können gezielte Übungen nach Absprache mit einem Arzt oder Physiotherapeuten eingesetzt werden, um Einschränkungen zu verbessern.

Aufwärmen ist Pflicht

„Das Problem ist, dass gerade unter Hobbysportlern diverse Irrtümer und Mythen weit verbreitet sind. Wer etwas für seinen Körper tun möchte, sollte sich jedenfalls informieren, welche Dehntechniken es gibt und sich dabei vor allem auch immer fragen, was er denn eigentlich erreichen möchte. Die Voraussetzung für effektives und sinnvolles Stretching vor dem Sport oder Training ist, dies im aufgewärmten Zustand durchzuführen. Ohne gute Durchblutung kann man den Muskelfasern durchaus Schaden zufügen. Profisportler bringen ja auch zunächst den Herzkreislauf- und den Muskelapparat in Schwung, bevor sie sich ans Stretchen machen“, meint Erich Mur. Gerade statisches Dehnen hat keinen Aufwärmeffekt, birgt aber aufgrund der geringen Belastung auch kaum Verletzungsgefahr. Beim dynamischen Dehnen sieht das anders aus, hierbei werden auch der Muskelstoffwechsel und die muskuläre Koordination angeregt.


Gesund leben

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Ein Mythos, mit dem Mur aufräumen möchte, ist, dass Dehnen bei Muskelkater Abhilfe verschafft. „Das ist definitiv falsch. Beim Muskelkater entstehen Mikrotraumen, feinste Einrisse in den mus-

„Das Problem ist, dass gerade bei Hobbysportlern viele Mythen unterwegs sind.“

Zur Person

Univ.-Prof. Dr. Erich Mur Institut für Physikalische Medizin am Landeskrankenhaus Innsbruck.

© linDa G.

kulären Strukturen, die oft mit entzündlichen Begleiterscheinungen einhergehen. Hier nun nachzudehnen, ist kontraproduktiv, das kann die schädigenden Effekte sogar noch verstärken.“ Wichtig ist auch, dem Muskel nach einer größeren Belastung eine Erholungspause zu gönnen und nicht gleich danach, sondern am besten mit einigem Abstand sanft oder gar erst am nächsten Tag zu stretchen. Mur: „Jeden Tag Bewegung ist gut, jeden Tag Dehnen muss nicht sein. Prinzipiell braucht jeder Mensch ein Gefühl für seinen Körper und sollte alles mit Maß und Ziel betreiben. Stretching sollte man nicht unterdosieren, aber auch nicht D. NASCHBERGER lll übertreiben.“

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Gesund leben

Wollen oder

müssen? Rund fünf Prozent der österreichischen Bevölkerung leiden an Alkoholismus. Dass diese Krankheit schwerwiegend, aber kein auswegloses Schicksal ist, erklärt Univ.-Prof. Dr. Christian Haring, Primar der Psychiatrie B am Landeskrankenhaus Hall.


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urchforstet man das Internet nach Alkoholismus-Definitionen, wird man rasch auf Begriffe wie „problematischer Alkoholkonsum“ treffen und dazu die Menge an Alkohol präsentiert bekommen, ab der dieser Zustand erreicht wird. So findet man in den Empfehlungen des britischen Health Education Council von 1994 diese Grenze für Männer mit 60 Gramm reinen Alkohols pro Tag angegeben. In den Alltag übersetzt wären das drei Viertel Wein oder drei 0,5-Liter-Flaschen Bier.

Art des Konsums

Eine derartige Definition greift für Prof. Christian Haring – Primar der Psychiatrie B am Landeskrankenhaus Hall – allerdings zu kurz. Er rät – unabhängig von der konsumierten Menge – die Wichtigkeit von Alkohol im Leben eines Menschen als Definitionsgrundlage zu verwenden: „Es geht um das Verhalten: Wenn die Rolle der Substanz für den Einzelnen immer wichtiger wird und schließlich ein Leben ohne Alkohol nicht mehr möglich erscheint, dann sollte man von Abhängigkeit sprechen.“ Ein deutliches Indiz für das Erreichen dieser Grenze ist laut Haring der Zwang, trinken zu müssen, und das oft trotz eines in aller Ernsthaftigkeit gefassten Vorsatzes, abstinent bleiben zu wollen: „Die Anonymen Alkoholiker bringen dieses Dilemma

mit ihrem Slogan: ,Willst du oder musst du’ sehr gut auf den Punkt“, weist Haring auf eine der traditionsreichsten Selbsthilfegruppen für Alkoholiker hin. „Die Einsicht, dass er diese Grenze zwischen Wollen und Müssen bereits überschritten hat, lässt sich beim Patienten allerdings oft nur mühevoll erreichen“, erklärt Haring ein weiteres Wesensmerkmal des Alkoholismus, die „alkoholische Abwehr“. „Überspitzt formuliert könnte man sagen, dass der Alkoholiker oft der Letzte ist, der über seine Krankheit informiert ist. In der Regel weiß das familiäre und berufliche Umfeld schon viel früher Bescheid, dass etwas nicht stimmt. Nicht immer jedoch will es die Familie so genau wissen. Familiäre Verleugnung kann ebenfalls Teil des Alkoholismus sein.“

Keine charakterschwäche

Mögliche Indizien für Abhängigkeit wären laut Haring permanente Gereiztheit, unverbindliches Verhalten am Arbeitsplatz, häufige „Alkoholfahnen“, regelmäßige Berauschtheit, die einen normalen sozialen Kontakt unmöglich macht, oder viele Einta-

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ges-Krankenstände. Auch das morgendliche Zittern – der Tremor – könnte ein möglicher Hinweis auf Alkoholismus sein. Dass Alkoholismus dabei eine Krankheit ist und keine Charakterschwäche von Menschen, „die sich einfach mehr zusammennehmen müssten“, ist längst wissenschaftlich anerkannt. Die Ursachenforschung sei laut Primar Haring allerdings sehr komplex: „Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass diese Krankheit eine genetische Komponente hat. Kinder von Alkoholikern werden demnach – auch wenn sie nicht in einem vom Alkohol definierten Umfeld aufwachsen – mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst von dieser Krankheit befallen. Allerdings wirken Gene nicht deterministisch und nicht ohne Austausch des Individuums mit der Umwelt. Positive oder negative Erfahrungen, die ein junger Mensch in den entwicklungspsychologisch wichtigen Phasen seines Lebens macht, haben einen wesentlichen Einfluss auf einen späteren Ausbruch der Krankheit. Dazu passt auch, dass


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Gesund leben

bei weitem nicht jeder, der genetisch vorbelastet wäre, wirklich Alkoholiker wird.“

Der CAGE-Kurzfragebogen eignet sich zur raschen Erkennung von abhängigem oder problematischem Alkoholkonsum: Frgen: 1. Hatten Sie jemals das Gefühl, Sie müssten Ihren Konsum an alkoholischen Getränken verringern?

100.000 Tiroler betroffen

2. Hat Ihr Umfeld schon einmal Bemerkungen über Ihren Alkoholkonsum gemacht? 3. Hatten Sie schon einmal den Eindruck, dass Sie zu viel trinken?

Zur Person Univ.-Prof. Dr. Christian Haring ist Facharzt für Psychiatrie und Primar der Psychiatrie B am Landeskrankenhaus Hall. Diese Abteilung ist für die psychiatrische Versorgung der Bezirke Imst, Landeck, Reutte, Kitzbühel, teilweise Kufstein und für Lienz zuständig. Auch die stationäre Behandlung von Drogenpatienten und Alkoholkranken steht im Zuständigkeitsbereich dieser in fünf spezialisierte Stationen aufgeteilten Abteilung. Zudem ist Dr. Haring Leiter des Vereins B. I. N.

© emanuel kaser

4. Haben Sie schon einmal am Morgen Alkohol gebraucht, um in Form zu sein?

Vom Alkohol abhängig sind in Österreich laut Haring rund fünf Prozent der Bevölkerung, einen gesundheitsschädlichen Umgang mit der Substanz pflegen noch einmal rund zehn Prozent. Für Tirol ergeben sich daraus folgende Zahlen: Rund 35.000 Menschen sind abhängig, rund 70.000 sind alkoholgefährdet. Haring schätzt, dass tirolweit über klinische Einrichtungen und über Beratungseinrichtungen rund 20 Prozent aller Betroffenen erreicht werden können. „Das ist zwar weit mehr als der Österreichschnitt, allerdings noch immer sehr wenig, vergleicht man die Zahlen mit denen anderer chronischer Erkrankungen.“ Eine mögliche Ursache für diesen niederen Prozentsatz finde man wohl auch in der Tatsache, dass angebotene BehandlungsKonzepte oft die Alkohol-Abstinenz in den Mittelpunkt stellen. Das sei für viele Betroffene wenig attraktiv. „Und auch wenn ich persönlich sehr wohl an die Abstinenz als beste und schlussendlich für den Betroffenen einfachste Möglichkeit der Behandlung von Alkoholismus glaube, müssen andere Angebote gemacht werden: Wenn jemand wirklich nicht ohne Alkohol leben kann, werden wir ihm helfen, einen besseren Umgang mit dem Alkohol zu erlernen, getreu nach dem Motto: Jedes nicht getrunkene Bier ist ein Gewinn.“

Erfülltes Leben ohne Alkohol

Haring plädiert zudem dafür, beim Thema Alkoholismus grundsätzlich auf pädagogisch-wertende Standpunkte zu verzichten. Es handle sich um eine Krankheit, die zwar nicht heilbar sei, aber zum Stillstand gebracht werden könne. Haring: „Nicht heilbar bedeutet in diesem Zusammenhang, dass kontrolliertes Trinken auf Dau-

Kontakte: Hilfe zum Thema Alkoholismus Verein B. I. N, Beratung Information und Nachsorge für Alkohol- und Medikamentenabhängige und Menschen mit Problemen mit Glückspiel Anichstraße 10/2, 6020 Innsbruck Tel.: +43/(0)512/580040 (Mo. bis Fr. 8 bis 12 Uhr) Mail: angela.pflanzner@bin-tirol.org Anonyme Alkoholiker (Selbsthilfegruppe) Tel.: +43/(0)664/5165880 (täglich von 19 Uhr bis 23 Uhr) Mail: tirol@anonyme-alkoholiker.at

er für einen Alkoholiker genauso schwer erlernbar sein wird wie kontrolliertes Rauchen für einen Kettenraucher. Zum Stillstand bringen bedeutet, zu lernen, ein erfülltes Leben ohne die Substanz Alkohol zu führen.“ Hilfestellung dazu bieten die neun Tiroler Beratungsstellen des vom Land Tirol getragenen Vereins B. I. N. kostenlos und anonym. Am Beginn einer Beratung steht immer eine Klärung des Status quo bezüglich des eigenen Alkoholkonsums. Danach hilft B. I. N. bei der Wahl der richtigen Behandlung: Da gehört das Herstellen von Kontakten zu niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten genauso dazu wie das Angebot, längerfristig an einer wöchentlichen, von einem Therapeuten geführten B. I. N.-Alkohol-Gruppe teilnehmen zu können. Bei schwereren Fällen des Alkoholismus und der Notwendigkeit einer stationären Behandlung hat das B. I. N. zudem die Möglichkeit, Kontakte zu verschiedensten Kliniken herzustellen. Da es sich beim Alkoholismus um eine Krankheit handelt, wird auch die Behandlung von den KranK. ERLER lll kenkassen übernommen.

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Entspanntes Sehen bei Arbeit, Hobby und Freizeit Verbringen auch Sie einen Großteil Ihrer Zeit am Arbeitsplatz und fokussieren dabei stundenlang ein Sichtfeld zwischen einem und vier Metern? Sehen in diesem Bereich nimmt im Alltag der meisten Menschen eine zentrale Rolle ein. Nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch bei vielen Freizeitaktivitäten. Ein neues Bildschirmglasportfolio wurde speziell für den Sehbereich von der Leseentfernung bis vier Meter entwickelt, um in diesem entspanntes und scharfes Sehen zu gewährleisten.

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er am häufigsten genutzte Sehbereich der Menschen liegt in den nahen bis mittleren Entfernungen und damit im Arbeitsumfeld. Ständig schweift der Blick hin und her, das Auge muss sich permanent an verschiedene Helligkeiten und Kontraste anpassen, in unterschiedliche Entfernungen blicken und dabei immer wieder ein scharfes Bild erzeugen. Diesen Aktionsradius bedienen auf Dauer weder klassische Lesebrillen noch moderne Gleitsichtbrillen. Oft zwingen sie den Brillenträgern unnatürliche Kopfund Körperhaltungen einzunehmen, um in diesem Sehbereich scharf zu sehen. Isser Optik bietet dafür eine passende Lösung – aber nicht nur für das Arbeitsumfeld. Sie sichert auch gutes Sehen bei allen möglichen Freizeitbeschäftigungen.

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Der Weg für entspanntes und scharfes Sehen im nahen und mittleren Sichtbereich führt – ausgehend von der Leseentfernung – über die Bestimmung der maximalen Sehentfernung, bis zu der der Brillenträger scharf sehen möchte. Aus-

Klare Bereiche einer Gleitsichtbrille

richtungspunkte sind dabei Objekte im persönlichen mittleren und nahen Bereich des Brillenträgers. Die Technologie, die dahinter steckt, heißt M.I.D. („Maximum Intermediate Distance“). Mit dem sogenannten M.I.D. Wert, also der maximalen Sehentfernung im Raum, wird genau die Distanz definiert, bis zu der man im Raum scharf und deutlich sehen kann.

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Die Arbeitsplatzgläser gibt es in verschiedenen Leistungsstufen und Entfernungsvarianten. Die Glaskategorie „Near“ fokussiert den Sehbereich bis zu zwei Metern. Sie ist perfekt für Menschen, die viel lesen, aber auch Gegenstände in unmittelbarer Nähe wie den PC-Bildschirm klar im Blick haben möchten. „Room“ ist mit einer Sicht von bis zu vier Metern gut für Personen, die sowohl viel am PC arbeiten als auch häufig an Präsentationen oder Besprechungen teilnehmen. Bei „Individual“, der Königsklasse des Brillenglasportfolios, lässt sich neben persönlichen Sehparametern wie zum Beispiel dem Sitz der Brille vor den Augen auch die M.I.D. exakt an die Bedürfnisse des Brillenträgers anpassen. lll

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Gesund leben

Ich bin dann mal

weg Die Urlaubszeit steht vor der Tür: Idealerweise bringt diese Zeit nicht nur Erholung, sondern auch Impulse für ein gesünderes Leben.

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ar nichts tun, im Liegestuhl liegen, kein Handy, völlige Passivität. Was für die einen wie der Himmel auf Erden klingt, ist für die anderen ein wahrer Gräuel. „Urlaub ist natürlich Typ-Sache. Wichtig ist zuallererst, dass man sich fragt, was man von einem Urlaub will“, empfiehlt Prof. Wolfgang Schobersberger vom Institut für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus (ISAG). Erst, wenn man sich bewusst ist, ob man Ruhe, Action, Badespaß oder eine bunte Mischung will, sollte man das Reisebüro aufsuchen

und diese Wünsche dort auch ganz klar kommunizieren.

Was tut gut?

Für Wolfgang Schobersberger ist der Urlaub in jedem Fall der ideale Zeitpunkt, um das eigene Leben zum Positiven zu verändern. „Den Alltag im Alltag zu verändern, ist sehr schwierig. Im Urlaub hat man die Chance, viele Dinge auszuprobieren und zu erleben, wie gut zum Beispiel regelmäßige Bewegung oder bewusste Ernährung tut“, erklärt der Experte. Das Ziel ist es, gesunde Lebensweisen mit Spaß zu entdecken und diese

dann auf eigenen Wunsch in das Leben nach dem Urlaub zu integrieren – aus dem einfachen Grund, dass man sich durch sie einfach besser fühlt. Prof. Schobersberger: „Viele Hotels bieten Leihräder an, andere wiederum NordicWalking-Kurse oder eine Einführung in Entspannungstechniken. Man sollte die Möglichkeit, Dinge unkompliziert ausprobieren zu können, nutzen und selbst spüren, was einem gut tut und was man zuhause weiterführen möchte.“ Wichtig ist nur, dass die Angebote keinen weiteren Stress verursachen. „Urlaub muss Urlaub bleiben. Man muss nicht das gesamte Kursprogramm


Ich schenk mIr

Wohlfühlen

„urlaub muss urlaub bleiben. Man muss nicht das gesamte Kursprogramm im Hotel durchturnen, um einen positiven Effekt zu erzielen.“

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Gesund leben

Zur Person Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger vom Institut für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus (ISAG).

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im Hotel durchturnen, um einen positiven Effekt zu erzielen“, so Schobersberger. Ebenso wenig sollte man es bei Wander- oder Radtouren übertreiben. „Es macht keinen Sinn, den Urlaub in ein Trainingslager ausarten zu lassen.“

Entspannter Start

Entscheidend für den Erholungswert ist auch der Start in den Urlaub. Bis zum letzten Moment arbeiten, dann zum Flughafen hetzen und völlig erschöpft am Urlaubsort ankommen – genau so sollte man es NICHT machen. „Idealerweise gönnt man sich ein bis zwei Tage zwischen letztem Arbeitstag und Abreise, in denen man den Stress reduziert und sich langsam auf den Urlaub einstellt“, empfiehlt Prof. Wolfgang Schobersberger. Denn nicht umsonst ist die Herzinfarktrate in den ersten 48 Stunden nach Urlaubsantritt so hoch wie sonst nie. Ein zu hastiger Start in die „schönste Zeit des Jahres“, gefolgt von plötzlichem Nichtstun, kann auch zu „Leisure Sickness“-Symptomen führen. Darunter versteht man zum Beispiel Migräneattacken, Grippesymptome oder Depressionszustände, die kurz nach Urlaubsbeginn auftreten.

Tapetenwechsel

Der „Urlaub auf Balkonien“ ist zwar kostengünstig, die meisten tun sich jedoch schwer, in den eigenen vier Wänden abzuschalten. „Es geht um den berühmten Tapetenwechsel“, erklärt Schobersberger, „zur mentalen Erholung brauchen wir eine Entkoppelung aus dem Alltag. Eine Rei-

se gibt neue Impulse, man erlebt etwas, sieht neue Dinge. Das hilft, um sich wieder frisch und gestärkt zu fühlen.“ Die Dauer eines Urlaubs ist übrigens nicht unbedingt entscheidend für dessen Erholungswert. „Im Moment arbeitet das ISAG in Zusammenarbeit mit der UMIT gerade an einer Studie, die die gesundheitlichen Auswirkungen von Kurzurlauben erforscht“, erzählt Prof. Wolfgang Schobersberger. Durch die Messung der Herzfrequenzvariabilität – die als positives Gesundheitssignal gilt – und zusätzlichen Fragebögen soll der Erholungswert von Urlauben, die nur vier oder fünf Tage dauern, erhoben werden. Bis die Ergebnisse feststehen, sollte man vor allem dem eigenen Gefühl trauen und den Urlaub als Chance sehen, die positiven Effekte von Bewegung, guter Ernährung und ausreichend Schlaf am eigenen Leib zu spüren. Wenn man es schafft, die Erfolgsformel für dieses Gefühl in den Alltag mitzunehmen, hat man B. WOHLSEIN lll alles richtig gemacht.


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„Idealerweise gönnt man sich ein bis zwei Tage zwischen letztem Arbeitstag und Abreise, in denen man den Stress reduziert und sich langsam auf den urlaub einstellt.“ UNIV.-PROF. DR. WOLFGANG SCHOBERSBERGER

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Gesund leben

Frau, typisch Mann Typisch

Männer und Frauen reagieren unterschiedlich auf Medikamente und Therapien. Viele Krankheiten können sehr unterschiedlich verlaufen. Die Gendermedizin beschäftigt sich mit der optimalen medizinischen Versorgung beider Geschlechter.


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Kontraststeigernde Kantenfilterbrillen bei Augenerkrankungen

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temnot , Üb elkeit , Erbrechen , D ruck im Oberbauch und Schmerzen im Rücken – der erste Gedanke bei solchen Symptomen ist selten ein Herzinfarkt. Doch genau so kündigt er sich häufig an – und zwar bei Frauen. Männer klagen hingegen meist über starke Schmerzen in der Brust, die oft auch in den linken Arm ausstrahlen. Diese Symptome sind hinlänglich bekannt, bei Frauen sind die Anzeichen deutlich unspezifischer. Auch aus diesem Grund sterben deutlich mehr Frauen am ersten Herzinfarkt als Männer. Denn oft wird der Infarkt schlicht und einfach zu spät erkannt – und zwar nicht zuletzt von den Betroffenen selbst. Dass Frauen und Männer andere körperliche Voraussetzungen haben, ist bekannt. Doch sie unterscheiden sich nicht nur in Hinblick auf die Anatomie der Geschlechtsteile, sondern es gibt auch hormonelle, genetische und anatomische Unterschiede, die dazu führen, dass sich dieselben Krankheiten ganz anders äußern und Medikamente anders wirken. Margarethe Hochleitner, Kardiologin und Gendermedizinerin, setzt sich seit Jahrzehnten für eine differenzierte Betrachtung der Geschlechter ein. Mit Erfolg: Gendermedizin ist inzwischen ein Pflichtfach im Medizinstudium an der Medizin-Uni Innsbruck. „Gendermedizin ist nicht gleichzusetzen mit Frauengesundheit“, erklärt sie, „vielmehr dient sie beiden Geschlechtern gleichermaßen.“

etzt im Frühling erfreuen wir uns wieder am Sonnenlicht. Licht lässt uns Farben sehen, beeinflusst unsere Psyche und steuert den Hormonhaushalt. Wenn allerdings eine Augenerkrankung wie beispielsweise eine altersbedingte Makuladegeneration, Grauer Star oder ein Glaukom vorliegt, kann Sonnenlicht auch zu unangenehmen Streulicht bis hin zu einer extremen Blendempfindlichkeit führen. Hier können sogenannte Kantenfilterbrillen behilflich sein. Kantenfilter sind verschiedenfarbige Kunststoffgläser (hellgelb bis orange), welche die störenden Blauanteile aus dem sichtbaren Licht absorbieren. Daraus ergibt sich ein wesentlich verbessertes Kontrastsehen. Das Erkennen von Gegenständen, Linien und Kanten wie Stufen wird deutlich gesteigert. Kantenfilter besitzen zudem einen hervorragenden UV-Schutz und ein Polfilter vermindert störende Spiegelungen. lll

EXPERTENTIPP Die Kombination einer Kantenfilterbrille mit Seitenschutz und eventuell einer Schirmkappe schützt Sie bestmöglich vor unangenehmen Blendungen und Spiegelungen. Kantenfilterbrillen werden bei augenärztlicher Verschreibung zum Teil von Krankenkassen übernommen. Wir beraten Sie gerne über die verschiedenen Möglichkeiten.

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Gesund leben

Entwickelt hat sich die Gendermedizin aus der Frauengesundheitsbewegung der 1960er- und 1970er-Jahre. „Damals hat man festgestellt, dass bei Medikamentenstudien das Geschlecht als Faktor nicht miteinbezogen wurde – zum Nachteil der Frauen“, so Hochleitner. Das wohl berühmteste Beispiel für eine unterschiedliche Wirkungsweise ist Aspirin: Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure hat bei Männern eine stark gerinnungshemmende Wirkung, bei Frauen ist dieser Effekt nicht in diesem Ausmaß zu beobachten. Der Blutdrucksenker Verapamil hingegen wirkt bei Frauen so stark, dass sie mit der für Männer geeigneten Dosis schnell in Ohnmacht fallen. Bis in die 1990er-Jahre wurden Medikamente fast nur an Männern getestet. „Es findet mit Sicherheit niemand gut, wenn die Hälfte der Menschheit ungetestete Medikamente nehmen muss“, stellt Hochleitner fest. Dieser Missstand wurde inzwischen behoben – heute ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass alle Medikamente an einer ausreichenden Zahl von Frauen und Männern getestet und auch getrennt ausgewertet werden. Auch ein Erfolg der Gendermedizin. Doch damit ist es noch lange nicht getan. „Wir haben vor allem auch in der Kardiologie einen guten Forschungsstand. In anderen Disziplinen schaut es leider weniger gut aus“, so Hochleitner. Trotz des

guten Forschungsstands ist auch in der Kardiologie noch nicht alles eitel Wonne. Immer noch sterben mehr Frauen als Männer an Herzkrankheiten – das hat zu einem guten Teil auch damit zu tun, dass es länger dauert, bis sie die optimale Therapie bekommen – wenn sie sie bekommen. Männer hingegen sind bei Krebs benachteiligt: Auf 100 Frauen, die an Brustkrebs erkranken, kommt ein Mann – und der kommt meist zu spät und/oder die Diagnose wird zu spät gestellt. Ähnlich schaut es bei Osteoporose aus: Auch Männer können an der Knochenkrankheit erkranken. „Ich habe in meiner aktiven Karriere noch keinen einzigen Mann getroffen, der eine Knochendichtemessung wollte“, erklärt Hochleitner, „hier müssen wir noch viel Bewusstseinsbildung machen.“ Dies stimmt besonders im Hinblick auf das zunehmende Lebensalter von Frauen und Männern.

Personalisierte Medizin

Gedanken darüber machen, ob das Angebot gendergerecht ist“, befindet sie. So sei die meiste Werbung für Vorsorgeuntersuchungen in Magazinen und in den Wartezimmern der HausärztInnen zu finden. Frauen gingen jedoch weitaus häufiger zum Arzt als Männer. „Nicht weil sie öfter krank sind, sondern weil sie meist die Gesundheitsarbeit der ganzen Familie erledigen. Wo sind die Männer?“ Werbung für Vorsorgeuntersuchungen gehöre also auch in die Vereine, an den Arbeitsplatz und in die Stammkneipen. Es gibt noch viel zu tun. „Es geht langsam, aber es geht“, stellt Hochleitner fest. Die Gendermedizin biete zahlreiche Chancen: So könnten die geschlechtsspezifischen Unterschiede etwa helfen, neue Behandlungen und Impfungen zu entwickeln. Schlussendlich stelle aber die Gendermedizin einen großen Schritt hin zu einer personalisierten Medizin dar. „Und die wollen wir doch alle, besonders unsere Patientinnen und Patienten.“ S.AINETTER lll

Prävention hingegen scheint ein weibliches Thema zu sein. „Frauen gehen deutlich öfter zu Vorsorgeuntersuchungen als Männer“, stellt Hochleitner fest. Dass dies aber „typisch Frau“ sei, lehnt sie kategorisch ab. „Wir müssen uns

„Gendermedizin dient beiden Geschlechtern gleichermaßen.“ UNIV.-PROF. DR. MARGARETHE HOCHLEITNER

© emanuel kaser

Männer und Osteoporose

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Zur Person Univ-Prof. Dr. Margarethe Hochleitner ist Fachärztin für Innere Medizin, Professorin für GenderMedizin, Direktorin des Frauengesundheitsbüros und Leiterin der Koordinationsstelle für Gleichstellung, Frauenförderung und Geschlechterforschung der Medizinischen Universität Innsbruck.


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Der Frühling ist da! © blickFanG

Die Tiroler Fachdrogerien bieten zahlreiche Beauty- und Wohlfühl-Produkte, um gepflegt in die warme Saison zu starten. re Pflege als im kalten Winter: feuchtigkeitshaltige Pflegecremes, die wenig Parfüm und Konservierungsstoffe, dafür aber einen UV-Schutz enthalten, sind die richtige Pflege.

„Ihre Drogisten beraten Sie gerne über die besten Produkte für den Frühlingsbeginn.“ Andrea Gschwenter, Berufsgruppensprecherin der Tiroler Drogisten

Gepflegte Füße

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ach dem Winter sieht die Haut oft fahl, trocken und grau aus – Heizungsluft und Kälte haben ihre Spuren hinterlassen. Jetzt empfiehlt sich ein sanftes Peeling, das Verhornungen und Unreinheiten beseitigt. Und das nicht nur im Gesicht, sondern auch an den Ellenbogen, Knien und Beinen. Die Haut benötigt im Sommer eine ande-

Mit dem Frühling beginnt auch die Sandalensaison – gepflegte Füße sind nun ein Muss! Die optimale Pflege beginnt mit einem Fußpeeling und/oder -bad: Bei verdickter Hornhaut schafft Totes-Meer-Salz Abhilfe, bei Trockenheit ein Ölbad mit Harnstoff (Urea). Hornhaut wird am besten gleich nach dem Bad mit einem Bimsstein, Hornhautschwamm oder einer speziellen Feile entfernt. Verwöhnen Sie Ihre Füße dann mit einer feuchtigkeitsspendenden Fußcreme. Lackierte Fußnägel sind der Hingucker – angesagt sind heuer die klassische French-Pediküre sowie Pastell- oder dunkle Beerentöne. lll

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Ratgeber

Ratgeber

Frauen sind aufgrund der Kürze ihrer Harnröhre deutlich anfälliger für Blasenentzündungen als Männer.


Ratgeber

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Wenn das kleine

Geschäft große Schmerzen verursacht

Vor allem Frauen sind häufig von Blasen- und Harnwegsinfektionen betroffen. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Horninger, Direktor der Universitätsklinik für Urologie in Innsbruck, klärt über Ursachen und Gefahren auf und zeigt, was man dagegen tun kann.

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odurch werden Blasen- und Harnwegserkrankungen ausgelöst? Die häufigsten Ursachen für Harnwegsentzündungen sind Bakterien des Magen-Darmtraktes beziehungsweise der Anogenitalregion, die von außen in den Harntrakt kommen können. Von dort gelangen sie über die Harnröhre in die Blase und eventuell über den Harnleiter in die Niere. Da Frauen eine sehr viel kürzere Harnröhre als Männer haben, sind sie viel öfter von Harnwegsinfekten betroffen. Der häufigste Erreger ist mit bis zu 80 Prozent aller Fälle E. coli, wie er im Stuhl zu finden ist. Einmal in die Harnwege gelangt, können sich solche Keime leicht vermehren und so eine Entzündung hervorrufen.

Bei Frauen sind häufiger Geschlechtsverkehr ebenso wie vorangegangene Harnwegsinfekte mögliche Risikofaktoren. Eine Blasenentzündung bei sexuell aktiven Frauen wird auch Honeymoon Cystitis genannt – übersetzt heißt das so viel wie Flitterwochen-Blasenentzündung. Oftmaliger Sex reizt die Harnröhre und erleichtert es den Bakterien, in die Harnwege einzudringen. Auch eine Schwangerschaft kann die Entstehung einer Blasenentzündung begünstigen. Ebenso fördert der Östrogenmangel während oder nach den Wechseljahren das Entstehen einer Blasenentzündung. Bei Männern treten Harnwegsinfekte deutlich seltener auf, da die Harnröhre im Vergleich zu der von Frauen deut-

lich länger ist. Die häufigste Ursache für Harnwegsinfekte bei Männern ist ein erhöhter Restharn bei gutartiger Vergrößerung der Prostata beziehungsweise bei Harnabflussstörungen. Weitere mögliche Auslöser sind unter anderem Harnabflussstörungen bei Harnsteinen, Zuckerkrankheit, Gicht und Unterkühlung. Manchmal sind auch nicht korrekt durchgeführte Hygienemaßnahmen die Ursache für Harnwegsinfektion. Frauen und Mädchen sollten sich immer von der Scheide in Richtung des Afters abtrocknen, niemals in der Gegenrichtung. So lässt sich ein Eindringen von Darmbakterien in die Harnröhre großteils verhindern. Nur ganz selten erreichen die Bakterien die Harnwege über das Blut beziehungsweise über das Lymphsystem.


Ratgeber

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Zur Person Univ-Prof. Dr. Wolfgang Horninger, Direktor der Universitätsklinik für Urologie in Innsbruck

© Grobert schober, tilak

Das Wichtigste ist, viel zu trinken und die Harnwege gut durchzuspülen.

Was sind Warnzeichen, auf die man achten sollte? Die typischen Symptome sind Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang mit immer sehr kleinen Portionen, Krämpfe der Harnblase, manchmal kann auch Fieber auftreten. Anzeichen für eine Nierenbeckenentzündung sind starke Schmerzen in der betroffenen Flanke in Kombination mit hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl. Die Diagnose einer Harnwegsinfektion kann meist schon durch die Anamnese gestellt werden. Zur Bestätigung wird der Harn auf Entzündungszellen geprüft. In manchen Fällen kann der Urin auch zur bakteriologischen Untersuchung eingeschickt werden, um die Erreger in einer Kultur nachzuweisen. Prinzipiell unterscheidet man bei Harnwegsinfektionen zwischen unkomplizierten und komplizierten Infekten. Zusätzlich kann eine Blutvergiftung ausgelöst durch eine Harnwegsinfektion in Kombination mit einer Harnabflussbehinderung auftreten. Beim unkomplizierten Harnwegsinfekt zeigen sich keine funktionellen oder anatomischen Anomalien im Harntrakt und keine Nierenfunktionsstörung. Außerdem treten keine Begleiterkrankungen auf, die einen Harnwegsinfekt begünstigen.

Als komplizierende Faktoren kommen zum Beispiel angeborene und erworbene anatomische sowie funktionelle Veränderungen wie Harnleiterabgangsengen, Harnleitersteine, Niereninsuffizienz, Harntransportstörungen, Restharn und/ oder Störungen der Immunlage zum Beispiel bei Zuckerkrankheit oder HIV-Infektionen in Frage. Welche Therapieformen gibt es? Zur Therapie von Harnwegsinfekten werden normalerweise Antibiotika eingesetzt, bei fieberhaften Harnwegsinfektionen oder bei einer Nierenbeckenentzündung sind Antibiotika unumgänglich. Eine Sonderform sind die häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen besonders bei Frauen. Hier kann man auch dauerhaft ein Antibiotikum in niedrigen Dosierungen prophylaktisch einnehmen. In einigen Fällen kann es auch sinnvoll sein, den pH-Wert des Harns sauer zu machen oder anzusäuern. Das saure Milieu hemmt dann das Bakterienwachstum. Gibt es Möglichkeiten, vorzubeugen oder ohne Antibiotika zu behandeln? Das Wichtigste ist, viel zu trinken und die Harnwege gut durchzuspülen. Von urologischer Seite werden zwei bis drei Liter pro Tag empfohlen. Man kann auch sogenannte Blasen- oder Nierentees zu sich


Natürlich rezeptfrei. nehmen. Diese enthalten Pflanzenextrakte wie Brennessel, Birke, Schachtelhalme oder Wacholder, die die Niere zur Harnproduktion anregen. Einige Tassen pro Tag reichen für eine gute Wirkung völlig aus. Ansonsten sind Wasser oder normale Tees empfehlenswert. Andere Therapiemöglichkeiten anstelle von Antibiotika beziehungsweise Prophylaxemöglichkeiten sind spezielle Tees wie zum Beispiel Beerentraubenblättertee, der desinfizierend wirkt und die Bakterien bekämpft. Ebenso helfen können Preiselbeeren. Diese enthalten viele Gerbstoffe, die es Bakterien erschweren, sich an der Innenwand von Harnorganen anzuheften. Welche Risiken gehen mit häufigen oder schweren Harnwegserkrankungen einher? Eine sehr gefürchtete Komplikation eines fieberhaften Harnwegsinfektes ist die sogenannte Urosepsis. Dabei handelt es sich um eine schwere Blutvergiftung ausgelöst durch Bakterien, die aufgrund von Abflussbehinderungen in das Blut des Patienten gelangen. Diese Erkrankung ist eine sehr schwerwiegende Infektion, die auch heute noch in vielen Fällen besonders bei Personen mit angegriffenem Immunsystem tödlich verläuft. Als Therapie kommt hier nur eine sofortige Wiederherstellung des Harnabflusses in Kombination mit hochdosierten, intravenös verabreichten Antibiotika und intensivmedizinischen Maßnahmen infrage. Manchmal ist auch eine Nierenentfernung notwendig. Hauptsächlich betroffen von einem solchen schweren Verlauf sind Patienten mit einer schlechten Abwehrlage wie bei HIV-Infektionen oder Diabetes mellitus. Warum sind manche Menschen so viel anfälliger für solche Infektionen? Frauen sind aufgrund der Kürze ihrer Harnröhre deutlich anfälliger für Blasenentzündung als Männer, die über längere Harnwege verfügen. Aber auch hormonelle Situationen, wie sie während beziehungsweise nach den Wechseljahren vorkommen, begünstigen eine Infektion. Zudem können anatomische Ursachen und falsche Hygienemaßnahmen der Grund für erhöhte Anfälligkeit für Blasen- und HarnD. feichtner lll wegsinfekte sein.

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Interview

Interview

„unsere

Erfolgsquote “ ist sehr hoch © emanuel kaser

Univ.-Prof. Dr. Claudius Thomé ist seit 2010 Direktor der Universitätsklinik für Neurochirurgie am Landeskrankenhaus Innsbruck. Im Interview spricht er über die Fortschritte in seinem Fachgebiet.


Interview

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„Schlimme Momente gibt es in der Neurochirurgie viele.“ UNIV.-PROF. DR. CLAUDIUS THOMÉ

S

ie sind nun seit etwa vier jahren in Innsbruck. Was hat sich in dieser Zeit getan? Einiges! Wir machen heute mehr komplexe Eingriffe in Richtung Hochleistungsmedizin. Außerdem haben wir zahlreiche neue Techniken eingeführt. Es können etwa heute Schrauben an der Wirbelsäule mit Hilfe von Computer-Navigation eingesetzt werden. Auch für Krebspatienten hat es große Fortschritte gegeben: Wir können Tumorzellen anfärben und führen sehr häufig Gehirnoperationen an wachen Patienten durch. Das hat den Vorteil, dass wir kaum Ausfälle provozieren. Warum sind Sie Neurochirurg geworden? Mein Großvater verstarb vor meiner Geburt an einer Hirnblutung. Als dann zu Beginn meines Studiums mein Cousin ein ähnliches Schicksal erlitt, habe ich mich bei einem Neurochirurgen erkundigt, ob das erblich sein könnte. Bei diesem Neurochirurgen habe ich schlussendlich meine Doktorarbeit geschrieben. Die Neurochirurgie mit dem feinen handwerklichen Arbeiten und der Konzentration auf Details hat gut zu mir gepasst und mich fasziniert. Braucht man bestimmte Talente, um Neurochirurg werden zu können, oder kann man das lernen? Neurochirurgie ist ein Handwerk wie jedes andere – das kann

an sich jeder lernen! Was ein Neurochirurg aber mitbringen muss, ist Robustheit, weil er mit schwerkranken Patienten zu tun hat. Immer wieder kommt es zu Komplikationen, die der Chirurg nicht beeinflussen kann und nicht verschuldet hat. Außerdem können kleine Fehler dramatische Auswirkungen haben. Damit muss man umgehen können. Warum haben Sie sich entschieden, die Stelle in Innsbruck anzunehmen? Ich hatte die Wahl zwischen Innsbruck, Gießen

Wesentlich ist auch die Fähigkeit, Situationen einzuschätzen und Entscheidungen zu treffen. und Aachen. Ich habe mich für Innsbruck entschieden, weil die Klinik sehr gut ist und den anderen beiden im Bereich Infrastruktur und Ausstattung überlegen ist. Außerdem komme ich aus einer oberbayrischen Familie und bin in München aufgewachsen – Innsbruck ist mir viel nä-

her und viel mehr Heimat, als es Aachen oder Gießen je sein könnten. Sie sind für Ihre Position noch sehr jung, wie sind Sie so erfolgreich geworden? Ich habe recht früh und schnell studiert. Außerdem hatte ich einen guten Mentor, der mich operativ und wissenschaftlich ausgebildet hat. So habe ich neben dem Operieren genug geforscht und publiziert, um für diese Stelle überhaupt in Frage zu kommen. Bei prominenten Patienten wie Hans Grugger oder Michael Schuhmacher war stets von einem Schädel-Hirn-Trauma die Rede – was versteht man darunter? Letztendlich bedeutet „Schädel-Hirn-Trauma“ nur, dass es einen Schlag auf den Kopf gegeben hat und das Gehirn dadurch geschädigt wurde. Es gibt unterschiedliche Formen eines Schädel-Hirn-Traumas: So kann es etwa zu einer Blutung kommen, die Druck auf das Gehirn ausübt. Oder es gibt Prellmarken im Gehirn und das Gewebe ist geschädigt. Oder die Fasern im Gehirn sind durch das schnelle Abbremsen gerissen. Alle drei Formen können katastrophale Auswirkungen haben. Wovon hängt es ab, ob man eine solche Verletzung gut übersteht? Wird eine Blutung rechtzeitig entlastet, kann der Pati-


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Interview

„Wir versuchen immer, das Ziel der OP mit möglichst schonenden Mitteln zu erreichen.“

ent wieder ganz gesund werden. Auch von Prellmarken kann man sich wieder gut erholen. Hans Grugger hatte beides: Die Blutung haben wir schnell entlastet, sodass sie nicht zu bleibenden Schäden geführt hat, und auch die Prellungen hat er gut überstanden. Doch wir können oft nicht vorhersagen, wie die Patienten das überstehen. Bei Grugger war die Verletzung sehr schlimm, aber der Verlauf war vorbildlich. Andere Patienten, die weniger schlimme Verletzungen haben, entwickeln Komplikationen wie eine Lungenentzündung und können sogar sterben. Das kann man vorher nicht wissen. Wie lang kann das Gehirn ohne Sauerstoff überleben? Das hängt davon ab, wie vollständig der Sauerstoffmangel ist. Wenn die Blutung sehr stark auf das Gehirn drückt und kein Sauerstoff mehr im Gehirn ankommt, hält man das im besten Fall ein paar Minuten aus. Wenn das Gehirn aber nur eine Minderdurchblutung hat, ist das anders. Je nachdem, wie viel Sauerstoff mit dem Blut noch transportiert wird, können Patienten von einer halben Stunde bis zu drei Stunden alles überstehen. Welche Situation war in Ihrem bisherigen beruflichen Leben die schlimmste? Gerade die oft hoffnungslose Behandlung von bösartigen Hirntumoren kann belastend sein. Aber auch jede Komplikation ist für den Chirurgen ein schlimmer Moment.

Noch furchtbarer ist allerdings, wenn eine Operation sehr gut läuft und es danach zu einer Verschlechterung kommt und der Patient möglicherweise sogar stirbt. Dann fühlt man sich machtlos gegenüber dem Schicksal. Insgesamt haben wir mit vielen dramatischen Fällen zu tun: Etwa Kinder mit so schweren Schädel-Hirn-Verletzungen, dass sie sterben. Solche Fälle kann man aber dennoch besser abhaken, da oft klar ist, dass es von vorneherein keine Chance gab und wir nichts besser hätten machen können und nichts falsch gemacht haben. Aber wenn man was falsch gemacht hat? Zum Glück passiert uns das sehr selten! Immer mal wieder treffen wir eine falsche Entscheidung, die erst später erkennbar wird. Was einen guten Chirurg ausmacht, ist, dass er sich nach jedem Fall – egal, ob er gut oder schlecht ausgeht – überlegt, was er hätte anders machen können. Danach ist man immer schlauer. Nur wer reflektiert, wird auch stetig besser. Die technischen Möglichkeiten, die wir heute haben, helfen uns sehr, im Vorfeld die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dazu kommt, dass bei geplanten Operationen immer ein Expertenteam gemeinsam entscheidet, was gemacht wird – so ist eine nennenswerte Fehlentscheidung sehr unwahrscheinlich. Das ist der entscheidende Vorteil einer großen Klinik.

Was ist das Spezielle an Operationen am Gehirn? Das Spezielle ist, dass es keinen Sicherheitsabstand gibt, das Gehirn eine viel geringere Erholungsmöglichkeit hat als andere Organe und dass wir eine viel genauere Blutstillung machen müssen. An anderen Stellen kann man mit einem Kompressionsverband eine Blutung zum Stillstand bringen, doch im Gehirn darf man keinesfalls Druck aufbauen. Die Neurochirurgie beschäftigt sich ja nicht nur mit dem Gehirn, sondern auch mit der Wirbelsäule. Wie hat sich die Wirbelsäulenchirurgie entwickelt? Auf diesem Gebiet hat sich genauso viel oder vielleicht sogar mehr getan wie in der Hirnchirurgie. Wir operieren heute viel weniger invasiv, das heißt, dass unsere Schnitte viel kleiner sind als früher. Selbst bei komplizierten Operationen, etwa wenn wir Patienten mit Wirbelsäulenverschiebungen gerade richten und versteifen, können wir Schrauben durch die Haut setzen, ohne die Wirbelsäule freizulegen. Neu ist auch, dass uns dabei ein Computer navigiert. Und bei Bandscheibenoperationen? Auch hier hat sich einiges getan: Früher haben wir beim Bandscheibenvorfall auch den Bandscheibenkern entfernt, weil wir befürchtet haben, dass er nachrutscht. Heute wissen wir, dass es besser ist, die Restbandscheibe drinnen zu lassen.


© Emanuel Kaser

Interview

Operationen können heute über kleine Operationsröhren oder auch mit dem Endoskop erfolgen. Allerdings sind endoskopische Bandscheibenoperationen für viele Vorfälle nicht geeignet. Muss man Bandscheiben immer operieren? Nein, meistens vergehen die Schmerzen nach einigen Wochen von selbst. Wenn Patienten aber Lähmungen oder Ausfallserscheinungen haben, muss man operieren. Doch gerade bei den Bandscheiben wird häufig operiert, weil die Patienten schneller schmerzfrei sein möchten, nicht weil es unbedingt sein muss. Wie hoch ist Ihre Erfolgsquote bei Operationen? Bei etwa 95 % der Operationen treten keinerlei Komplikationen auf. Natürlich hängt die Erfolgswahrscheinlichkeit davon ab, was man operiert: Die normale Bandscheiben-Operation hat eine sehr geringe Komplikationsquote, eine ganz komplexe Hirntumor-OP oder schwierige Wirbelsäulen-OPs bergen natürlich ein höheres Risiko. Insgesamt ist die Erfolgsquote sehr hoch. Welche Forschungsprojekte sind Ihnen besonders wichtig? Wir machen viele Studien mit neuen Methoden und Implantaten. Das hat vor allem auch für die Studienteilnehmer große Vorteile: So haben sie die Möglichkeit, eine moderne Methode unter besten Bedingungen und engmaschiger Kontrolle zu bekommen.

Derzeit entnehmen wir zum Beispiel Zellen der Bandscheibe von Bandscheibenpatienten. Diese vermehren wir und spritzen sie dann wieder zurück, um die Pufferfunktion der Bandscheibe wieder herzustellen. Die Ergebnisse sind bislang sehr erfolgversprechend. In einer anderen Studie verschließen wir den Faserring, der nach einem Vorfall beschädigt ist. Dadurch können wir das Risiko eines erneuten Vorfalls minimieren.

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Zur Person Univ.-Prof. Dr. Claudius Thomé studierte Medizin an der LMU München und Stanford University, Ca., USA. Seine Facharztausbildung absolvierte er am Campus Mannheim der Universität Heidelberg, dazu kommen Auslandsaufenthalte vor allem in den USA. Er habilitierte 2005 an der Universität Heidelberg zu modernen Operationstechniken in der Wirbelsäulenchirurgie. Seit 2010 leitet er die Neurochirurgische Universitätsklinik in Innsbruck

Was passiert im Bereich der Prävention? Auch zu diesem Thema forschen wir. Wir hoffen, in zehn, zwanzig Jahren Wachstumsfaktoren in gefährdete Bandscheiben spritzen zu können, um Bandscheibenschäden zu verhindern. Wer ist denn besonders gefährdet, einen Bandscheibenvorfall zu erleiden? Hauptrisikofaktor ist Veranlagung. Zur Genetik kommen die Belastungen der Wirbelsäule. Dabei spielt der Mix eine Rolle: Ständig zu sitzen ist genauso schlecht wie ständige Belastung durch körperliche Arbeit. Wichtig ist der sportliche Ausgleich. Wir beobachten, dass junge Erwachsene viel früher Wirbelsäulenprobleme bekommen. Das liegt auch daran, dass Kinder viel sitzend spielen und weniger Sport machen. Vielen Dank für das Gespräch. INTERVIEW: S. AINETTER lll

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Wissen

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Schönheitsideale, die krank machen © photocase.com

Zwischen gesundem Abnehmen und gestörtem Essverhalten liegt ein schmaler Grat. Univ.-Prof. Dr. Kathrin Sevecke, Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und jugendpsychiatrie, klärt über die Ursprünge und Warnzeichen von Essstörungen bei jugendlichen auf.


„Essstörungen sind derzeit nach Asthma und Fettleibigkeit die dritthäufigste chronische Erkrankung bei Jugendlichen.“

© schaFGans

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Zur Person Univ.-Prof. Dr. Kathrin Sevecke ist Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Innsbruck.

UNIV.-PROF. DR. KATHRIN SEVECKE

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er Sommer steht vor der Tür und für viele hat die Jagd nach der Bikinifigur schon lange begonnen. Für die meisten ist das ganz normales Diätverhalten. Allerdings orientieren sich vor allem junge Mädchen an immer unrealistischeren Schönheitsidealen. Im Internet verbreiten sich Ausdrücke wie „Gap“, die Lücke zwischen den Oberschenkeln bei geschlossenen Beinen, als Sinnbild der Schönheit. Ebenso als erstrebenswert gilt die „Bikini-Bridge“, die entsteht, wenn man am Rücken liegend dünn genug ist, sodass sich das BikiniHöschen von Hüftknochen zu Hüftknochen spannt, ohne den Bauch zu berühren. Diesen und ähnlichen Vorstellungen von Perfektion eifern immer mehr nach – mitunter mit dramatischen Folgen. „Essstörungen sind derzeit nach Asthma und Fettleibigkeit die dritthäufigste chronische Erkrankung bei Jugendlichen“, warnt Kathrin Sevecke, Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Innsbruck. „Studien zufolge weist jedes dritte Mädchen im Alter zwischen 14 und 17 ein zeitweise gestörtes Essverhalten auf, aus dem sich eine Essstörung entwickeln kann. Bei männlichen Jugendlichen ist die Zahl deutlich niedriger. In derselben Altersklasse sind rund 14 Prozent auffällig.“

Verschiedene ursachen

Wie sie erklärt, ist die Unzufriedenheit mit dem eigenen Gewicht dabei mehr

Symptom als Auslöser. „Bei der Entstehung von Essstörungen spielen normalerweise mehrere Ursachen zusammen“, erklärt Sevecke. So leiden Menschen mit gestörtem Essverhalten sehr häufig auch an Depressionen, Zwangs- oder Angststörungen, wie Studien gezeigt haben. „Dazu kommen äußere Auslöser“, meint sie. „Faktoren wie unrealistische Schönheitsideale, der Gruppendruck aus dem sozialen Umfeld und der Familie und nicht zuletzt auch biologische Faktoren wie ein gestörter Serotoninhaushalt können dazu beitragen.“ So kommt es häufig vor, dass Menschen ihre eigene Unsicherheit und ihre Unzufriedenheit auf ihren Körper projizieren – und damit auf etwas, das sie kontrollieren und so verändern können. Sevecke zufolge sind vor allem Jugendliche häufig betroffen, da sie nach Vorbildern suchen, während ihr Körper in der Pubertät Veränderungen durchläuft. Dabei orientieren sie sich vor allem an Schönheitsidealen, wie sie in den Medien zu finden sind. „Oft dienen dann besonders Models als Idol, die selbst nur das Gewicht von Magersüchtigen haben“, sagt Sevecke.

Das Internet als Verstärker

Ein Faktor, der bislang relativ wenig beachtete Gefahr in sich birgt, sind neue Medien, wie Sevecke weiß. „Das Internet bietet jedem schnellen Zugriff auf Information. Das haben auch Menschen mit Essstörungen für sich ent-

deckt. Sie nutzen Foren und Gruppen in sozialen Netzwerken wie Facebook und Whatsapp, um sich auszutauschen und gegenseitig zum Gewichtsverlust anzuspornen. Daraus haben sich inzwischen regelrechte Bewegungen unter den Namen Pro-Ana und Pro-Mia entwickelt.“ Da diese Communities sehr schnelllebig sind, konnten die Auswirkungen solcher Interaktionen bislang kaum erforscht werden, sagt Sevecke. Sie sieht allerdings eine große Gefahr im gegenseitigen Anstacheln. „Die User setzen einander Ziele und motivieren sich dazu, diese zu erreichen. Das schafft die Illusion von Unterstützung und hilft dabei, das Krankheitsbild zu verleugnen. Schlussendlich sind die Betroffenen aber mit ihren eigentlichen Problemen alleine.“

Drei Formen der Erkrankung

Klinisch werden drei Formen von Essstörungen unterschieden. Die Anorexia nervosa oder auch Magersucht zeichnet sich durch extreme, selbst herbeigeführte Gewichtsreduktion aus. Betroffene betreiben oft exzessiv Sport und schränken sich selbst drastisch in ihrer Ernährung ein. Ähnliche Symptome treten bei der Bulimie, also der Ess- und Brechsucht auf. Allerdings erleben Bulimiker zusätzlich unkontrollierbare Heißhungerattacken. Um die unerwünschte Gewichtszunahme zu verhindern, erbrechen sie nach solchen Fressattacken oder missbrauchen Abführmittel. Eine eher weniger beachtete Form der Essstörung ist das sogenannte Binge-Eating. Auch hier leiden die Betroffenen über längere Zeiträume mindestens zweimal wöchentlich unter Heißhungerattacken, bei denen


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Gefährliche Gemeinschaften Pro-Ana und Pro-Mia sind Kürzel, die für Pro-Anorexia beziehungsweise Pro-Bulimia stehen. Diese Bewegungen finden über das Internet zunehmend Anhänger. Sie tauschen sich auf verschiedenen Plattformen aus, um sich gegenseitig beim Gewichtsverlust zu motivieren, und geben einander nicht nur Tipps, um schnell abzunehmen, sondern auch, um den Gewichtsverlust zu verheimlichen. Im Mittelpunkt stehen zwei fiktive Persönlichkeiten, Ana und Mia, zwei „Freundinnen“, die für die jeweiligen Krankheitsbilder stehen und die Betroffenen durch ihr Leben begleiten. Sie geben den Abnehmwilligen Regeln und Gesetze vor, die dabei helfen sollen, Gewicht zu verlieren. Die Krankheitsbilder von Anorexie und Bulimie werden dabei entweder verleumdet oder zum Lifestyle erhoben. Das Schön-Sein steht im Mittelpunkt – nötigenfalls wird dafür sogar der eigene Tod in Kauf genommen. Für die Betroffenen ist Schlanksein dabei ein Ausdruck von Stärke. Risiko Internet Immer mehr Internetanbieter gehen gegen solche Communities vor. In Großbritannien stehen inzwischen hohe Geldstrafen darauf, andere Menschen über das Internet zum radikalen Abnehmen zu motivieren. Wer auf Instagram nach den Hashtags #Ana oder #Mia sucht, wird zu einer Webseite über Essstörungen weitergeleitet. Und inzwischen hat eBay ein Verbot für den Verkauf von Schmuckstücken erteilt, die unter Anhängern der Bewegungen als Erkennungszeichen gelten.

sie bis zum unangenehmen Völlegefühl essen. Auf diese Anfälle folgen meist Scham und Depression. Allerdings ist diese Essstörung nicht mit exzessivem Abnehmen, sondern eher mit einer Gewichtszunahme verbunden. Alle drei Erkrankungen haben eine Reihe von Symptomen gemeinsam. Betroffene leiden unter einer Körperschemastörung. Sie nehmen also ihr eigenes Erscheinungsbild unrealistisch wahr und betrachten sich selbst als zu dick. Nicht zuletzt deswegen neigen sie dazu, ihren Körper in weiter Kleidung zu verstecken. Das Gewicht anderer können sie jedoch gut einschätzen. Außerdem wird die Nahrungsaufnahme zum Hauptthema. Menschen, die an einer solchen Erkrankung leiden, können meistens an nichts anderes als das Essen denken.

Warnzeichen und Folgen

„Essstörungen entwickeln sich fließend“, sagt Sevecke. Gerade deswegen sei es wichtig, sie früh zu erkennen. Dabei gilt es, vor allem auf das Essverhalten der Person zu achten. Anzeichen sind starke Gewichtsschwankungen, das Zählen von Kalorien, exzessives Betreiben von Sport und sehr häufiges Wiegen. Im Fall von Bulimie kann durch das häufige Erbrechen angegriffener Zahnschmelz dazukommen. „Solche Symptome fallen meistens im familiären Umfeld auf“, meint Sevecke. „Aber es ist auch nötig, dass Schul- und Hausärzte sowie Kinder- und Frauenärzte und nicht zuletzt Betreiber von Fitnessstudios sensibilisiert werden. Gerade sie haben oft die Möglichkeit, auffälliges Verhalten zu erkennen.“ Ebenso wie die Entwicklung der Erkrankung sind auch die Folgen schleichend. Treten Essstörungen vor der Pubertät auf, kann es zu einer gehemmten Entwicklung kommen. „Der Körper schaltet auf Sparflamme“, erklärt die Expertin. „Bei jungen Betroffenen führt das unter anderem zu einem verminderten Größenwachstum.“ Aber auch eine spätere Erkrankung kann schwerwiegende Folgen haben. Mit der entstehenden

Mangelernährung kommt es oft zu Haarausfall. Weil der Körper mit Nährstoffen unterversorgt wird, sinken Puls und Blutdruck. Betroffene frieren sehr leicht und leiden an Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten. Bei Mädchen und Frauen bleibt die Regelblutung aus, Männer entwickeln Potenzschwierigkeiten. Auf Dauer kann die unregelmäßige Versorgung mit Nahrung sogar Herzrhythmusstörungen und dauerhafte Organschäden verursachen.

Handlungsbedarf

„Studien belegen, dass Essstörungen insbesondere im Jugendalter sehr erfolgreich therapiert werden können“, meint Sevecke. Ihr zufolge liegt die Erfolgsquote bei 70 bis 80 Prozent. „Allerdings ist es wichtig, die Probleme so früh wie möglich zu erkennen – idealerweise, bevor die Störung chronisch wird.“ Wichtig bei einer Vorbeugung ebenso wie einer Behandlung ist nicht zuletzt die Vorbildwirkung der Eltern, empfiehlt die Expertin. „Gemeinsam, regelmäßig und gesund zu essen und das Essen zu ritualisieren, kann helfen. Wenn das Umfeld gesundheitsförderndes Verhalten mit gesunder Ernährung und Sport in Maßen vorlebt, bietet das ein gutes Fundament.“ Ebenso wichtig sei es, bewusst Probleme und Stress anzugehen. Nur so kann eine Projektion auf den Körper verhindert werden. Speziell die Social-Media-Problematik betreffend rät sie, sich für die Internetaktivitäten der Kinder zu interessieren. „Verbote oder Überwachung sind wenig erfolgversprechend. Viel sinnvoller ist es, Gespräche zu führen, und offen und ehrlich zu erfragen, in welchen Kreisen Jugendliche verkehren und was für Informationen dort ausgetauscht werden. So ist es möglich, einen gemeinsamen Zugang zu der Problematik zu finden.“ Schlussendlich, so sagt Sevecke, sind Essstörungen eine klassische psychosomatische Erkrankung mit physischen Symptomen. Deswegen sei es unerlässlich, sich dem Problem auf einer psychologischen Ebene zu nähern. D. FEICHTNER lll


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Wissen

Was ist eine

MRT?

Univ.-Prof. Dr. Werner jaschke, Direktor der Universit채tsklinik f체r Radiologie Innsbruck, erkl채rt dieses modernste aller bildgebenden Verfahren im medizinischen Bereich.


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„Die MRT ist bestens geeignet für die Überprüfung einer HerzmuskelDurchblutungsstörung.“ Univ.-prof. dr. werner jaschke

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as ist die MRT? Die MRT (Magnet Resonanz Tomografie, auch Kernspintomografie) ist ein bildgebendes Verfahren, das im Gegensatz zu Röntgenuntersuchungen und CT (Computertomografie) mit Radiowellen (hochfrequenter Strahlung) und einem starken Magnetfeld arbeitet. Das Magnetfeld stammt von einem zylinderförmigen Magneten, der im Zentrum eine Bohrung aufweist. Durch diese Form ist gewährleistet, dass die magnetische Kraft, die bei einer Untersuchung auf den menschlichen Körper einwirkt, überall gleich stark ist. Im starken magnetischen Feld richten sich die Wasserstoffkerne – sie befinden sich im menschlichen Körper hauptsächlich in Form von Wasser und Fettgewebe – aus. Durch Radiowellen, die dann in den Körper eingestrahlt werden, entsteht eine Kraft, die auf die Wasserstoffkerne wirkt. Schaltet man die Radiowellen aus, verschwindet diese Kraft wieder und die Wasserstoffkerne kehren zurück in den vom Magneten beeinflussten Gleichgewichtszustand. Dabei senden sie eine Radiowelle aus, die man mit im Gehäuse befindlichen Antennen empfangen kann. Bildlich gesprochen sendet man Energie in den Körper hinein und hört dann, was zurückkommt. Die aufgefangenen Signale lassen sich schließlich im Computer wahlweise in ein färbiges Bild oder in ein Graustufenbild umrechnen, auch dreidimensionale Bilder sind möglich. Der Laie wird MRT-Bilder allerdings eher als Ansammlung von Punkten und Grauwerten wahrnehmen.

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Radiologie Die Universitätsklinik für Radiologie in Innsbruck ist innerhalb der Kliniken diejenige mit dem höchsten Patientenaufkommen. Derzeit arbeiten rund 80 Ärzte und Ärztinnen in Voll- und Teilzeit in dieser Klinik.

Um die vom Gerät generierten Bilder entsprechend lesen und deuten zu können, braucht es eine sechsjährige FacharztAusbildung. Wodurch unterscheidet sich die MRT von anderen bildgebenden Verfahren? Röntgenuntersuchungen dienen zur anatomischen Darstellung, sie erlauben Aussagen über die Kontur, den inneren Aufbau eines Organs oder Strukturstörungen gröberer Natur. Röntgenbilder eignen sich hervorragend für die Beurteilung des Skeletts und der Lunge, besitzen bei Weichteilorganen wie Leber, Milz oder Nieren hingegen nur eine geringe diagnostische Aussagekraft. Man kann Verkalkungen oder Gasansammlungen nachweisen, jedoch keinen Tumor erkennen. Durch die Entwicklung der Computertomografie (CT) wurde die Weichteildiagnostik mittels Röntgenstrahlung entscheidend verbessert. Mit CT kann z. B. das Gehirn dargestellt werden, das auf einer Röntgenaufnahme des Schädels nicht erkennbar ist. Was man sich von einer Computertomographie jedoch nicht erwarten darf, sind Informationen über Stoffwechselvorgänge oder krankhafte Veränderung en im Gewebe. Ein Leberkrebs ließe sich zum Beispiel über die Computertomografie nicht in allen Fällen befriedigend nachweisen, hier braucht es die MRT. In der Lunge wiederum führt die CT zu wesentlich aussagekräftigeren Ergebnissen als die MRT. Die MRT ist wieder bestens geeignet für die Überprüfung einer Herzmuskel-Durchblutungsstörung. Hat man diese dann nachgewiesen, ist für weitere


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Zur Person Univ.-Prof. Dr. Werner Jaschke ist Direktor der Universitätsklinik für Radiologie in Innsbruck

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Untersuchungen die CT Mittel der Wahl: Sie kann verengte Herzkranzgefäße darstellen. Zusammenfassend kann man sagen: Die mit der MRT am häufigsten durchgeführten Untersuchungen betreffen das zentrale Nervensystem (Gehirn, Rückenmark), den Bewegungsapparat (Muskeln, Gelenke, Sehnen, Bänder), die inneren Organe des Bauchraums und das Herz. Welches bildgebende Verfahren ist derzeit das beste? Die Frage lässt sich so nicht beantworten. Dazu ein Vergleich: Ein Hammer ist gut, um einen Nagel in die Wand zu klopfen, aber nicht geeignet, um Zehennägel zu schneiden. Dazu braucht es ein anderes Instrument. Und ähnlich verhält es sich auch mit MRT, CT, Ultraschall und Röntgen. Es gibt hier kein bestes Verfahren, nur eines, das für den jeweiligen Anwendungsbereich am besten geeignet ist. Das jüngste Instrument ist allerdings die MRT, sie wurde Mitte der Achtzigerjahre in die klinische Routine eingeführt. Wie läuft eine MRT-Untersuchung ab? Eine MRT dauert grundsätzlich wesentlich länger als eine CT, typischerweise zwischen 15 und 30 Minuten. Eine CTUntersuchung benötigt im Vergleich dazu nur zwischen 30 Sekunden und drei Minuten. Für das deutlich vernehmbare Geräusch während der Untersuchung ist ein zweites, elektrisch generiertes Magnetfeld im MRT-Gerät verantwortlich. Es ändert sich ständig, überlagert dabei das erste, statische Magnetfeld und ist notwendig, um die aus dem Körper ausgesendeten Informationen genau orten zu

können. Die wahrnehmbaren Geräusche sind allerdings in modernen Geräten wesentlich schwächer ausgeprägt als in älteren Geräten. Sie überschreiten in keinem Fall die höchstzulässigen Grenzwerte für den Hörschutz. Auch sonst ist die Untersuchung unbedenklich: Es gibt derzeit keinen Beweis für eine Schädigung des Organismus durch die MRT. Wer darf nicht über die MRT untersucht werden? Menschen, die eisenhältige Metalle im Körper tragen, zum Beispiel eisenhältige Implantate, wie sie gelegentlich für den Gelenkersatz oder die Stabilisierung der Wirbelsäule verwendet werden, auch Menschen mit Herzschrittmacher sind von der Untersuchung ausgeschlossen. Ein weiterer Ausschlussgrund kann eine Klaustrophobie – Platzangst – sein, an der ungefähr fünf Prozent aller Patienten leiden. Für sie ist es nur schwer zu ertragen, länger in der engen Röhre des Untersuchungsgerätes zu liegen. Allerdings können hier bei dringenden Untersuchungen auch Beruhigungsmittel verabreicht werden. Was kostet ein Gerät, wie lange bleibt es funktionstüchtig? Ein MRT-Gerät hat eine Lebensdauer von zehn bis 15 Jahren, die höherwertigen Geräte, die alle Spielarten der Untersuchung erlauben, kosten im Schnitt 1,5 Millionen Euro. In Tirol sind wir sehr gut mit MR-Geräten ausgestattet, sechs Stück befinden sich in der Innsbrucker Klinik, fünf weitere sind in anderen Innsbrucker Gesundheitseinrichtungen staK. ERLER lll tioniert.


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n der fh gesundheit in Innsbruck werden die GesundheitsexpertInnen von morgen ausgebildet. Sieben FH-Bachelor-Studiengänge, Master-Studiengänge bzw. -Lehrgänge sowie akademische Lehrgänge, die sich an Angehörige der Gesundheitsberufe richten, finden sich im Bildungskanon der fh gesundheit. Die Gesundheitsberufe erfreuen sich großer Beliebtheit und dementsprechend sind die Bewerbungsziffern beeindruckend. In den Sparten Biomedizinische Analytik und Radiologietechnologie gibt es dennoch sehr gute Chancen auf einen Studienplatz. Grund genug, um beide Studiengänge vorzustellen. Neben den formellen Voraussetzungen für ein Studium ist ein Interesse für Naturwissenschaften, Technik und Medizin mitzubringen. Für beide Studiengänge gilt ein duales Ausbildungsprinzip, d.h. neben der theoretischen Ausbildung sind eine Reihe von Praktika zu absolvieren. Zuerst werden die medizinischen und Grundlagenfächer theoretisch vermittelt und dann im Rahmen von praktischen Übungen vertieft. Hier lernen die Studierenden das Handwerkszeug, die grundlegenden Handgriffe. Beide Berufe zeichnen sich durch Tätigkeiten aus, die den Bogen zwischen High-Tech und Humanität spannen und ein vielseitiges Einsatzspektrum bieten. Die Betätigungsfelder sind breit und reichen von Krankenanstalten über private Einrichtungen bis hin zur Forschung und Industrie. Beide Studiengänge starten jährlich. lll www.fhg-tirol.ac.at

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Jeder hat Schilddrüsenknoten, die aber nicht gleich suspekt sein müssen.

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„Ob Tattoos bei der Entfernung gesundheitsschädlich sind, hängt von der verwendeten Farbe ab.“

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ätowierungen als Körperschmuck haben eine lange Tradition. 7.000 Jahre alte, in Chile gefundene Mumien wiesen bereits Hautzeichnungen auf. Auch Ötzi, die Gletschermumie aus der Jungsteinzeit, trug Zeichen, die unter die Haut eingebracht waren. In neuerer Zeit waren Tätowierungen gleichzeitig verborgen getragener Schmuck von Königen und offen zur Schau gestellte Zugehörigkeitssymbole von Matrosen und Häftlingen.

Von der Mode zum Problem

Erst Ende der Achtzigerjahre traten Tätowierungen ihren weltweiten Siegeszug als gesellschaftlich akzeptiertes Modeaccessoire in alle Gesellschaftsschichten an. Damit begannen dann auch die Probleme: Kaum waren Tätowierungen aus ihrem traditionellen Kontext gelöst, sank die Hemmschwelle, sich tätowieren zu lassen. Da allerdings nicht jede Tätowierung über die Jahre attraktiv bleibt oder sich mit einem Beruf in Einklang bringen lässt, nimmt seit Jahren auch die Zahl derer zu, die einen Weg suchen, sich von dem „für immer“ unter die Haut gemalten Bild wieder zu trennen. Die Chancen, dass das über Laserbehandlung auch funktionieren kann, stehen gar nicht schlecht. Unproblematisch sei eine derartige Tattoo-Entfernung aber nicht in jedem Fall, erklärt Dr. Katharina RusseWilflingseder, Fachärztin für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie in Innsbruck und Spezialistin im Bereich der Tattoo-Entfernung.

Probleme mit Lacken

Sie rät dringend dazu, sich vor einer Tätowierung Gedanken über mögliche

unerwünschte Nebeneffekte bei einer späteren Entfernung zu machen und im Zweifelsfall ganz auf das Tattoos zu verzichten: „Ob Tätowierungen bei der Entfernung gesundheitsschädlich sind, hängt stark von der verwendeten Farbe oder dem Pigment ab, mit dem gearbeitet wurde. Die bunten, leuchtenden Farben, die heute Anwendung finden, sind nicht selten Acryllacke. In diesen Farben finden sich oft Metalle wie Eisendioxyd. Wenn nun durch Laserbehandlung Tätowierungen entfernt werden, zersprengt der Laser die Farb-Pigmente in kleine Partikel und mobilisiert dadurch die Metalle. Und obwohl dann an der Stelle der ehemaligen Tätowierung in der Regel keine sichtbaren Narben und Bildreste bleiben, verschwinden die Metalle und Farbpartikel nicht einfach. Sie verbleiben zum großen Teil im Körper und lagern sich in den örtlichen Lymphknoten ab. Momentan diskutiert die Wissenschaft hier die Möglichkeit einer Metall-Vergiftung bei Entfernung eines sehr großflächigen Tattoos. Denkbar sind zudem auch allergische Reaktionen auf die Laser-Entfernung von Tattoos.“

Oft aufwändige behandlung

Auch die Hoffnung, dass sich alle Tattoos per Laser entfernen lassen, muss Russe-Wilflingseder zerschlagen: „Man kann hier als Arzt nichts versprechen, es gibt auch Tätowierungen, die nicht entfernt werden können. Blau und Schwarz reagieren grundsätzlich problemloser als farbige Tätowierungen und Permanent-Make-ups, bei denen es bei Laserbestrahlung in seltenen Fällen auch zu einem Farbumschwung kommen kann. Dieser erschwert dann eine Entfernung zusätzlich.“ Als Bandbreite der zur


Zur Person Dr. Katharina Russe-Wilflingseder Fachärztin für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie

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Entfernung notwendigen Behandlungen gibt Russe-Wilflingseder drei bis 30 an, abhängig auch vom Alter der Tätowierung und vom Hauttyp des Tätowierten. Die Behandlungen können nicht über die Krankenkassen verrechnet werden. Es gibt verschiedene Methoden, eine Tätowierung per Laser zu entfernen. Dr. Russe-Wilflingseder erklärt zwei der gebräuchlichen: „Eine Methode ist der Beschuss des zu entfernenden Bildes mit einem Nanosekunden-Laser, gefolgt von einer Wartezeit von vier bis sechs Wochen, bevor eine neuerliche Behandlung beginnt. Eine alternative Möglichkeit dazu wäre, innerhalb einer Behandlung das Farbmaterial per Laser zu mobi-

lisieren, rund 20 Minuten zu warten und dann die bereits mobilisierte Farbe neuerdings zu bewegen.“ Die Dauer pro Laser-Sitzung beträgt rund 30 bis 60 Minuten, der Laserbeschuss selbst ist nicht schmerzfrei, wird aber „abhängig vom individuellen Schmerzempfinden nicht grundsätzlich als belastend empfunden“. Zudem ließe sich laut Russe-Wilflingseder die Haut auch mit oberflächlich betäubenden Cremes behandeln.

Auf Prüfzeichen achten

Wenn man sich angesichts dieser Problematik dennoch zu einer Tätowierung entschließt, rät Russe-Wilflingseder zweierlei: „Im Studio sollte man auf geprüfte, CE-zertifizierte Farben bestehen, die antiallergen sind und sich im medizinischen Bereich einsetzen lassen. Deren Verwendung sollte man sich auch schriftlich bestätigen lassen. Eine gute TintenAlternative stellt die „Freedom-Ink-2“ von Harvard dar, eine Tätowier-Tinte, die sensitiv auf Laserlicht reagiert und sich dadurch leicht über Laserbestrahlung wieK. ERLER lll der entfernen lässt.“

Sprachverstärker statt Hörgerät? Besser hören und verstehen wird unsichtbar. Viele Menschen hören an sich gut, bemerken jedoch bei Gesprächen in größeren Gruppen, bei leise sprechenden Gesprächspartnern oder Hintergrundgeräuschen, dass sie andere oft schlecht verstehen. Die Betroffenen fragen sich oft: Sind meine Ohren oder ist die Umgebung schuld? Meist ist die Ursache eine Abnutzung der Sinneszellen für hohe Töne im Innenohr. Probleme beim Sprachverständnis sind die Folge.

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Zu Gast auf der Blutbank der Innsbrucker Klinik: Vorstand Univ.-Doz. Dr. Harald Schennach vom Zentralinstitut für Bluttransfusion gibt einen Einblick in die Wunderwelt des Blutes. Was ist Blut und warum brauchen wir es? Blut besteht aus mehreren Bestandteilen. Neben der Blutflüssigkeit, dem Plasma, gibt es die festen Bestandteile, die diversen Blutzellen, die im Knochenmark gebildet werden: Da wären die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die in erster Linie Sauerstoffträger sind, aber auch eine Rolle bei der Gerinnung spielen. Ihre Hauptaufgabe ist der Transport von Sauerstoff zum Herzen, ins Gehirn, ins Gewebe. Ein weiterer Bestandteil sind die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die vor allem für die Immunantwort, also für den Umgang mit Entzündungen und Infektionen zuständig sind. Dann gibt es da noch eine spezielle Sorte von Zellen, die sogenannten Blut-

plättchen (Thrombozyten), die einen lebenswichtigen Part in der Blutgerinnung einnehmen. Bei Verletzungen der Blutgefäße sorgen diese Plättchen für eine grobe Abdichtung der Wunde. Was ist der Blutkreislauf? Der Blutkreislauf ist das größte Transportsystem des Körpers. Über ein rund 96.000 Kilometer langes Netz an Adern, die teilweise gerade einmal 0,01 Millimeter dünn sind, versorgt es den Körper und Milliarden von Zellen mit Nährstoffen und Sauerstoff. Das Blut dient den Zellen aber auch als Müllabfuhr und transportiert Abfallstoffe zur Lunge, wo sie als Kohlendioxid ausgeatmet werden, oder zu den Nieren, wo

sie über den Harn ausgeschieden werden. Das Blut enthält außerdem Hormone, die etwa Wachstum und Entwicklung lenken. Der Blutkreislauf reguliert zudem die Körpertemperatur, indem er Wärme aus der Körpermitte nach außen zu den Extremitäten befördert. Wie viel Blut hat der menschliche Körper? Als Faustregel gilt: etwa 70 Milliliter (60 bei Frauen) pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Erwachsenen sind das circa drei bis sechs Liter, bei Kindern entsprechend weniger. Was versteht man unter Gerinnung? Die Gerinnung ist notwendig, damit Verletzungen von Blutgefäßen abgedich-


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„Der blutkreislauf ist das größte Transportsystem des Körpers.“ Zusammensetzung des blutes

tet und Blutungen gestoppt werden. Die sogenannte Hämostase (Blutstillung) kann man in zwei Prozesse, die in einer Wechselwirkung stehen, unterteilen: Am ersten wirken die Blutplättchen, die Wandzellen des betroffenen Blutgefäßes sowie Gewebe außerhalb des Gefäßes mit. Das betroffene Gefäß verengt sich, die Thrombozyten sorgen dann für eine erste Verklebung der Wunde. Der zweite Prozess ist die plasmatische Gerinnung, quasi der Zement der Gerinnung, der die verletzte Stelle am Gefäß abdichtet. Dazu werden die Gerinnungsfaktoren gebraucht, das sind Eiweiße, die im Plasma enthalten sind. Der übermäßige Austritt von Blut wird durch dieses Gerinnungssystem verhindert und der Wundheilungsprozess kann beginnen. Bei einer Verletzung sollte dies entsprechend schnell geschehen, um massiveren Blutverlust zu verhindern.

49,5 % Wasser (Blutflüssigkeit od. Blutplasma) 1,09 % Fett, Zucker, Kochsalz 4,4 % Eiweiße (Proteine) 42,8 % rote Blutkörperchen (Erythrozyten) 0,07 % weiße Blutkörperchen (Leukozyten) 2,14 % Blutplättchen (Thrombozyten) Quelle: www.roteskreuz.at

Zur Person

Univ.-Doz.Dr. Harald Schennach Vorstand Zentralinstitut für Bluttransfusion und Immunologische Abteilung

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Was bedeutet Anämie? Dabei handelt es sich um Blutarmut, einen Mangel am roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) meist verbunden mit einer verminderten Anzahl an roten Blutkörperchen. Hämoglobin ist ein Protein, das Sauerstoff bindendes Eisen trägt. Bei der Anämie vermindert sich die SauerstoffTransportkapazität des Blutes. Als Folge davon ist der Betroffene deutlich leistungsschwächer, er ist oft müde, leidet an Atemnot und Herzklopfen bei Belastung oder auch an Kopfschmerzen. Die häufigste Form der Anämie ist die Eisenmangel-Anämie. Sie sieht man oft bei chronischen Blutungen, aber auch bei Frauen mit starken Regelblutungen. Was ist der Unterschied zwischen Venen und Arterien? Venen transportieren sauerstoffarmes Blut zum Herzen, von dort kommt es zur

Lunge, wo es über die Alveolen (Lungenbläschen) mit Sauerstoff beladen wird, und dann wieder zurück zum Herzen. Über Arterien wird das sauerstoffreiche Blut durch die Kontraktion des Herzens in die Peripherie zu den Organen transportiert. Arterien sind aktive Gefäße, die sich kontrahieren und pulsieren. Das Blut schießt mit hohem Druck durch diese auch „Schlagadern“ genannten Blutgefäße. Die eher geschützt liegenden Arterien kann man zwar auch erkennen und an ihrem Puls ertasten, doch was wir vorwiegend unter unserer Haut sehen können, sind die Venen. Diese Gefäße werden auch bei der Blutabnahme punktiert. Die Wände der Venen sind wesentlich dünner und leichter zu durchstechen, die der Arterien viel muskulöser. Welche Blutgruppen gibt es? Das wichtigste Blutgruppensystem ist das AB0-System mit den vier Blutgruppen A, B, AB und 0, das zweitwichtigste das Rhesus-System – diese beiden müssen bei jeder Transfusion unbedingt berücksichtigt werden. Spender der Blutgruppe 0 sind Universalspender, ABPatienten sind Universalempfänger, allerdings nur in Bezug auf die Transfusion von roten Blutkörperchen, bei PlasmaTransfusionen ist es genau umgekehrt. Der Rhesusfaktor spielt vor allem bei der Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Eine Rhesus-negative Frau kann durch die Transfusion von Rhesus-positiven roten Blutkörperchen oder durch die Schwangerschaft mit einem Rhesus-positiven Kind sensibilisiert werden und Antikörper gegen das Rhesus-positiv-Merkmal bilden. Bei einer weiteren Schwangerschaft mit einem wiederum Rhesus-positiven


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Fötus zerstören diese mütterlichen Rhesus-Antikörper nun die kindlichen Rhesus-positiven roten Blutkörperchen. Das Kind wird dadurch anämisch, bekommt eventuell einen Sauerstoffmangel, was zu Behinderungen und sogar zum Tod des Babys führen kann. Man sorgt inzwischen vor, indem gebärfähige Frauen, die Rhesus-negativ sind, kein Rhesus-positives Blut transfundiert bekommen, außerdem wird bei jeder Schwangerschaft mit einem Rhesus-positiven Kind eine sogenannte Rhesus-Anti-D-Prophylaxe durchgeführt. AB0- und Rhesussystem sind aber nur zwei, es gibt noch über 300 theoretisch vorhandene Blutgruppeneigenschaften. Identisches Blut weisen nur eineiige Zwillinge auf.

„Der Rhesusfaktor spielt vor allem bei der Schwangerschaft eine wichtige Rolle.“ Wie ist die Verteilung der Blutgruppen innerhalb der Bevölkerung? Rund 40 Prozent der Bevölkerung haben Blutgruppe A, 40 Prozent 0, der Anteil an AB und B fällt daher deutlich geringer aus. Jemand mit Blutgruppe A hat z. B. eine 80-prozentige Chance, dass sich für eine Transfusion ein passender Spender findet, denn er kann Konserven der Blutgruppe A sowie der Universalspendergruppe 0 empfangen. Was kann man durch eine Transfusion ersetzen? Primär die roten Blutkörperchen, die Blutplättchen sowie Bestandteile des Plasmas. Leukozyten und die dazugehörigen Lymphozyten, die Abwehrzellen des Körpers, sind schwierig zu ersetzen, das bedarf eines recht aufwändigen Verfahrens. Die Substitution weißer Blutkörperchen kann zudem Nebenwirkungen mit sich bringen und Entzündungsreaktionen auslösen, deshalb ist man da eher zurückhaltend. Bis vor etwa 20 Jahren nutzte man überwiegend Vollblutkonserven, man nahm das Blut und transfundierte es relativ rasch. Aber damit führte man auch

Leukozyten zu. Mittlerweile geht man spezifischer vor: Denn wenn jemand z. B. an einer Anämie, also Blutarmut, leidet, benötigt er meist kein Plasma, da reichen Erythrozytenkonzentrate, die man gekühlt bis zu 42 Tage lagern kann. Plasma kann man auch heraustrennen und dann sogar einfrieren. Es enthält nur Proteine, die sehr kältestabil sind. Die Blutplättchen stellen eine Besonderheit dar, seit ca. 30 Jahren kann man sie herstellen. Sie sind sehr sensibel, schon im Körper leben sie nur kurz, nur etwa zwei Wochen, im Präparat sogar nur fünf bis sieben Tage. Die Thrombozyten müssen bei Raumtemperatur speziell gelagert und ständig mechanisch geschüttelt werden – sie versuchen sonst nämlich, zu aggregieren, das heißt, sie verkleben, wenn sie nicht optimal gelagert werden und sind dann unbrauchbar. Generell gilt für Transfusionen, dass Patienten nur mit dem Blutbestandteil versorgt werden, den sie auch wirklich benötigen. Welche Formen des Blutspendens gibt es auf der Blutbank Innsbruck? Bei uns gibt es die Möglichkeit zur Vollblutspende, aber auch zur Komponenten-

spende, also nur von Erythrozyten oder nur von Plasma. Wir trennen das Vollblut in rote Blutkörperchen und Plasma auf, teilweise trennen wir auch die Thrombozyten heraus. Aus Plasma werden Gerinnungsfaktoren gewonnen, um Menschen mit Gerinnungsstörungen zu helfen, aber auch Immunglobuline (Antikörper), die bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden. Aus Thrombozytenspenden generieren wir pro Jahr die stolze Zahl von über 4.000 Präparaten, bei Leukozyten sind es deutlich weniger. Auch die Stammzellenspende ist möglich, die Zellen werden direkt transplantiert oder eingefroren. D. NASCHBERGER lll

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Das bedeutet allerdings nicht, dass die Matratze eine untergeordnete Rolle spielt! Bei der Schlafunterlage wird häufig nur zwischen hart und weich unterschieden – dabei soll die Matratze individuell dem Gewicht, der Größe und der Form des Körpers angepasst sein. Gerade für Leichtgewichtige ist eine zu harte Matratze nicht geeignet. Beim Kauf sollte man sich unbedingt von einem Experten beraten lassen! Auch das Material hat erheblichen Einfluss auf die Schlafqualität: Wer auf der falschen Unterlage schlafe, riskiere Verspannungen, Muskelbeschwerden, Kreuzschmerzen und Pro-

bleme mit der Halswirbelsäule. Gerade bei Frauen könne eine zu harte Matratze Schleimbeutelreizungen in der Hüfte provozieren.

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Die Frage nach dem passenden Material ist natürlich auch eine der Größe des Geldbeutels: „Eine Matratze aus Naturlatex – das Material mit der größten Punktelastizität und der Trend schlechthin – ist nicht unter 600 Euro zu haben. Produkte aus synthetischem Latex erhält man ab 150 Euro.“ Federkernunterlagen haben allerdings ausgedient: „Federkerne ziehen Strahlen geradezu an. Viele Menschen schlafen deswegen schlecht“, so Klausner. Matratzen aus Kaltschaum bieten für ihren Preis (ab 300 Euro) eine entsprechende Qualität.

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Wohlbefinden Als die Medizin laufen lernte: Ab sofort unternehmen wir in jeder Ausgabe eine historische Zeitreise und begeben uns auf die Spuren alter Behandlungsformen. Teil 1 des medizingeschichtlichen Diskurses: der Aderlass

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In der behandlung der Pestkranken spielte der Aderlass eine bedeutende Rolle.

wiederherstellen. Mit einem Lass-Eisen, später auch als Fliete bezeichnet, wurde die Vene im Bereich der Ellenbeuge geöffnet und das Blut in einem kleinen Aderlass-Becken von ca. 20 cm Durchmesser aufgefangen.

Lass-Höhepunkt

Im Spätmittelalter trat das AderlassMännlein an die Stelle der Vier-SäfteLehre. Dies war in vielen Fällen eine farbige, schematische Darstellung, die die Lass-Stellen nun mit den Organen oder den vom Leiden betroffenen Körperregionen in Verbindung brachte. Auch wurden bestimmte Mondphasen und Jahreszeiten für den Aderlass bevorzugt. Der Jänner entwickelte sich zum beliebtesten Lass-Monat. Wenn zum Beispiel Fieber festgestellt wurde, führten die Mediziner dies darauf zurück, dass sich das Blut übermäßig an den Gefäßwänden rieb. Ein Aderlass, so glaubten die ausführenden Bader und Barbiere, reduziere die Reibung und dämpfe zugleich die Herzbewegung. In der Behandlung der Pestkranken spielte der Aderlass eine bedeutende Rolle. Gegen die Pest war jedoch kein Kraut gewachsen. Die Pestkranken bekamen Fieber und waren durch die entstellenden Beulen Aussätzige ihrer Gesellschaft. Die Barbiere, die gleichsam

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er Aderlass, im Lateinischen „venasectio“ genannt, ist einer der ältesten medizinischen Eingriffe in der Menschheitsgeschichte. In der Antike erfreute er sich schon sehr bald großer Beliebtheit. Der römische Arzt Aulus Cornelius Celsus (ca. 25 v. Chr. bis 50 n. Chr.) berichtete etwa, dass das Öffnen der Vene, um Blut abzuziehen, nichts mehr Neues sei und dass es nun kaum noch eine Krankheit gebe, bei der der Arzt nicht zu Ader ließe. Galenos (ca. 129 bis 216 n. Chr.), der griechische Gladiatorenarzt in Rom, bezeichnete in seinen medizinischen Schriften den Aderlass als das Mittel der Wahl gegen allerlei Erkrankungen. Hatte der antike Arzt die Diagnose gestellt, dann konnte er den Patienten aufgrund der Humoralpathologie – der VierSäfte-Lehre – behandeln. Diese Lehre umfasste folgende Körpersäfte: das Blut (lat. sanguis), die gelbe Galle (griech. cholé), die schwarze Galle (griech. mélaina cholé) und den Schleim (griech. phlégma). Alle vier Substanzen sollten sich im gesunden Körper stets im Gleichgewicht befinden. Wurde dieses durch die Dominanz einer der Körperflüssigkeiten gestört, dann konnte der Arzt durch einen Aderlass das Säfte-Gleichgewicht

Zur Person Mag. Christian Kofler Historiker an der Universität Innsbruck und Experte für Medizingeschichte

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Der Aderlass-Schnäpper ermöglichte es, komfortabel über einen feinen Abzug – und mechanisch – zur Ader zu lassen.

chirurgische Eingriffe wagten, empfahlen die vorbeugende Anwendung. Die unreinen Bestandteile sollten mit dem Blut regelmäßig entsorgt werden. Die Menge belief sich in einer Sitzung – je nachdem, ob es sich um eine Prophylaxe handelte oder um eine schwere Erkrankung – zwischen 50 und 500 Milliliter. Nach dem Aderlass gab es fallweise eine stärkende Mahlzeit oder eine Diät.

Popularität nimmt ab

Aderlass-Schnäpper

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Im Zeitalter der Industrialisierung spalteten sich einzelne Fachdisziplinen von der Medizin ab. Die Technologie der medizinischen Instrumente erfuhr eine Verbesserung und Verfeinerung. Der AderlassSchnäpper ermöglichte es, komfortabel über einen feinen Abzug – und mechanisch – zur Ader zu lassen. Der Zeitpunkt und die Häufigkeit des Eingriffs richteten sich nach der Art und der Schwere der Erkrankung. Zur Zeit Kaiserin Maria Theresias (1717 bis 1780) wurde zuweilen „ad animi deliquium“ – bis zur Bewusstlosigkeit – zur Ader gelassen. Bei schwerem Krankheitsverlauf führte dies zur Schwächung des Organismus und im Endeffekt zum Tod. Die Mediziner erkannten aber auch, dass der Aderlass nur in den seltensten Fällen zum Ziel führte. Ihre Bestätigung fanden sie in der minutiösen Beobachtung des Krankheitsverlaufes und ebenso in den Zahlen der Statistiken, die der Effektivität des Aderlassens kein gutes Zeugnis ausstellten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlor der Eingriff schließlich rasch an BeD. NASCHBERGER, C. KOFLER lll deutung.


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