Retourenadresse: TARGET GROUP Publishing GmbH, Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck | Österreichische Post AG PZ13Z039759P
21. JAHRGANG FEBER 2022 | AUSGABE 267
DER SCHREIBTISCHTÄTER Früher Kabarettist, jetzt Drehbuchautor: Harald Haller PORNO, PUNK UND GLÄSERNER KÄSE Der Giftschrank des Stadtarchivs
Stimmungsbarometer Wir haben mal nachgefragt, wie’s läuft.
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Check
eoclip unseren Vid die Stadt.“ „Wir bewegen
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Entgeltliche Einschaltung
Liebe Bundesregierung, ich wende mich heute nicht an Sie, um mich über die letzten zwei Jahre zu beschweren. Ich werde Ihnen nicht vorwerfen, was Sie alles falsch gemacht haben (so viel Zeit haben wir gar nicht). Ich bin sogar bereit, Ihnen den gesamten Wahnsinn zu verzeihen. Unter einer Bedingung: Können wir das Ganze jetzt bitte einfach lassen? Sie zerstören derzeit mutwillig die österreichische Wirtschaft und sorgen dafür, dass Ungeimpfte und damit rund 25 Prozent der Bevölkerung nie wieder Vertrauen in den Staat fassen werden. Dass Sie diese zwei Millionen Österreicher in einer Wirtschaftskrise quasi dazu gezwungen haben und nach wie vor zwingen, ihr Geld online auszugeben, anstatt es in den heimischen Handel zu tragen, ist an Absurdität kaum zu überbieten. Das wiederum wird Ihnen die Wirtschaft nicht verzeihen. Das goldene Amazon-Verdienstzeichen ist Ihnen allerdings sicher. Herzliche Gratulation. Könnte man bei der moralisch verwerflichen wie sinnlosen Bestrafung der Ungeimpften, der Zerstörung der Wirtschaft und der Vernichtung unserer aller Lebensfreude vielleicht noch ein Auge zudrücken, hört sich bei dem, was Sie mit unseren Kindern anstellen, der Spaß allerdings auf. Es ist schlichtweg ein Verbrechen, Kinder als Gefahrenquelle zu stigmatisieren. Warum muss ausgerechnet jene Bevölkerungsgruppe, die von der Krankheit am wenigsten betroffen ist, die weitaus größten Maßnahmen erdulden? Warum darf ich ungetestet, weil geimpft, zu zehnt ohne Maske in der Skihütte sitzen, während Kinder, stets frisch getestet, ihren Schulalltag mit Maske bestreiten müssen? Haben Sie überhaupt eine Ahnung, was das mit dieser Generation und unserer Gesellschaft macht? Für den Fall, dass ich mich unklar ausgedrückt haben sollte, hier noch einmal in der Zusammenfassung: • Ich fordere ein sofortiges Ende aller Maßnahmen, kein Testen und keine Kontrollen. • Ich fordere das Ende der Maskenpflicht in den Schulen im Speziellen und das Ende der Maskenpflicht im Allgemeinen. • Wer krank ist, soll zu Hause bleiben und sich auskurieren, der Rest weiterleben. Ein Konzept, von dem es übrigens schon gute Erfahrungswerte bei anderen Krankheiten gibt. • Die frei gewordene Zeit stecken Sie dann bitte nicht nur in den Aufbau der Wirtschaft, die Sie zerstört haben, sondern auch in den Aufbau des Pflegesystems. Vor allem aber in die psychische, physische und bildungstechnische Zukunft unserer Jugend, die Sie ebenfalls auf dem Gewissen haben. Es ist schwer, Dinge, die man lieben gelernt hat, loszulassen — aber glauben Sie mir, es ist an der Zeit. Im Gegenzug können wir gerne über einen ZeckenLockdown im Juni diskutieren, der vermutlich mehr Sinn macht als das, was Sie gerade mit unserem Land anstellen. Mit freundlichen Grüßen, Michael Steinlechner
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Inhalt
S E R I E en Die best Feber im s t n e Ev Blick. auf einen Seite 50
COVERSTORY
Stimmungs barometer
die Zu ku n ft d e r Stadt
Ganz schön smart Was ist eigentlich eine Smart City?
Essen & Trinken Das Neueste zu Innsbrucks Gastronomie – natürlich mit den drei Gs: für 6020-Leser gegessen, getrunken und geprüft.
Seite 38 Seite 30
Bald feiert Corona seinen zweiten Geburtstag. Wir haben uns bei Leuten nach der Stimmungslage erkundigt und gefragt, wie sie sich motivieren, wenn es einmal länger dauert ...
Seite 10
Arme Haut Der Schreibtischtäter
Mit dem Film „Der Mann, der seine Haut verkaufte“ gelingt der tunesischen Regisseurin Kaouther Ben Hania nicht nur eine scharfe Satire auf den internationalen Kunstmarkt, sondern auch ein kleines Märchen rund um die unsterbliche Liebe.
Früher war er Kabarettist, jetzt schreibt Harald Haller Drehbücher – und das mit beachtlichem Erfolg.
Seite 56
Seite 64 4
Second Hand – first class
Bohnen, die sich lohnen MundArt feiert den Tag der Hülsenfrüchte und kocht Bohnensuppe.
ab € 3,90
Seite 48
ab € 1,90 ab € 7,90
Professoren sind Krisengewinner Gerhard Mangott ist einer der renommiertesten Osteuropa-Experten Österreichs. In Krisenzeiten ist seine Expertise besonders gefragt. Ein Gespräch über den Konflikt zwischen Russland und dem Westen.
Komm vorbei und entdecke dein individuelles Outfit täglich neue Ware unglaubliche Preise und das Gefühl das Richtige zu tun.
Seite 26
Auf dem Sofa des Herrn Ortner
Der Innsbrucker Rechtsanwalt Christian Ortner macht ob seiner kritischen Haltung zu Coronamaßnahmen allgemein von sich reden. 6020 stattete ihm einen Besuch ab.
WAMS – nachhaltig und sozial shoppen!
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Seite 20
IMPRESSUM Herausgeber: Michael Steinlechner Medieninhaber & Verleger: TARGET GROUP Publishing GmbH Chefredaktion: Matthias Krapf Grafik: Thomas Bucher, Marco Lösch, Alina Klampfer, Lisa Untermarzoner Illustration: Monika Cichoń Redaktion: Klaus Erler, Christiane Fasching, Haris Kovacevic, Johannes F. Park, Lisa-Maria Schwarzenauer, Eva Schwienbacher, Flo Seidl, Leonie Werus, Katharina Wildauer, Verena Zankl (Lektorat) Fotos: Franz Oss, Axel Springer Anzeigenverkauf: Carmen Larch (verkauf@6020stadtmagazin.at) Anschrift, alle: Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck, Tel.: 0512/58 6020 E-Mail: redaktion@6020stadtmagazin.at Geschäftsführung Verlag: Andreas Eisendle, Matthias Krapf, Michael Steinlechner Druck: Intergraphik GmbH, Innsbruck Hinweis: Für eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen. Die Informationen zur Offenlegung gemäß § 25 MedienG können unter www.target-group.at/offenlegungen abgerufen werden.
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6020 Innsbruck Innrain 30B 6060 Hall i. Tirol Salvatorgasse 27 www.wams.at www.facebook.com/vereinwams
I M B I LD
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Am 31. Jänner präsentierte Bürgermeister Georg Willi die Abschlussrechnung zum Projekt Patscherkofelbahn, das sich über die Jahre zu einem finanziellen Desaster für die Stadt entwickelte: Statt der im Oktober 2015 im Gemeinderat beschlossenen 41 Mio. Euro – die übrigens schon eine Reserve für potenzielle Kostensteigerungen enthalten hätten – kosteten der Bau und der schon 2014 abgewickelte Kauf der alten Patscherkofelbahn (10,7 Mio.) am Ende insgesamt 83,18 Mio. Euro. Und dabei sind einige im Projekt enthaltene Vorhaben, wie der Bau einer Rodelbahn, eines Badeteiches und der Umbau der Talstation, noch nicht einmal ansatzweise umgesetzt.
SCHLUSSSTRICH
© AXEL SPRINGER
Ski fahren zum halben Preis! Von Ende Jänner bis Anfang April können TT-Club-Mitglieder in verschiedenen Skigebieten in Tirol zum Vorteilspreis Ski fahren und dabei tolle Pisten, schönes Wetter und entspannende Einkehrschwünge genießen. Nähere Infos zu den teilnehmenden Skigebieten und den Aktionszeiträumen unter club.tt.com, auf den TT-ClubVorteils-Seiten oder im TT-Club-Skiwochen-Gutscheinheft. Die Gutscheine sind nur im Gutscheinheft erhältlich (TT-Beilage am 23. Jänner 2022).
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TT-CLUBSKIWOCHEN
F EBER
8 DINGE, DIE DIE WELT IN DIESEM MONAT NICHT BRAUCHT
1.
von Martin Suter
UND JA: CORONA
2.
FAHRRADVANDALISMUS
7.
3.
FA SC H I N G
E S K A L AT I O N IN DER T E S T S T R AS S E
6.
4.
I N F L AT I O N S PA N I K
5.
F C H O L LY W O O D ( = B AY E R N M Ü N C H E N WAC K E R I N N S B RU C K ) 9
INFEKTIONSLOTTO (= Olympia)
© ILLUSTRATION: MONIKA CICHOŃ, PRIVAT
8.
DIE SCHWEINSTEIGERBIOGRAFIE
WIE LANG DENN BITTE NOCH? Eines ist klar: Selten war so viel Durchhaltevermögen nötig wie im Laufe der Pandemie. Während die einen sich Sorgen über die hohen Infektionszahlen machen, freuen sich die anderen über die Lockerungen – oder sind einfach nur müde und wünschen sich, dass es endlich vorbei ist. Wir haben Innsbrucker Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft gefragt, wie es ihnen eigentlich gerade geht.
Die Gemütslage 1=
bis 10 =
Johannes Reitmeier GESCHÄFTSFÜHRENDER INTENDANT T I R O L E R L A N D E S T H E AT E R
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
7*
Reizthema:
Das Wort Lockdown lässt mich immer noch erschauern, sobald irgendjemand es in den Mund nimmt.
Lichtblick:
Jede Vorstellung, die bei uns stattfinden kann und nicht aus aktuellem Anlass abgesagt werden muss, ist für mich ein echter Lichtblick!
Liebstes Motivationszitat:
„Wir haben schon andere Probleme bewältigt!“ (Michael D. Zimmermann)
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
… wir alle gelernt haben, achtsam, rücksichtsvoll und ohne einen Anflug von Panik damit umzugehen.
* Ich bin nur selten richtig frustriert.
Tanja Helm KÜNSTLERISCHE LEITUNG LEOKINO
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
von 1 bis 10 und wieder rauf und wieder runter ...
Reizthema:
Ach, so, so viele ...
Lichtblick:
Auch wenn‘s schwer ist, alles ist besser als Stillstand.
Liebstes Motivationszitat:
„Das wird scho wieder, das wird scho wieder, das wird scho wieder“, so oft wiederholt, bis ich‘s glaube.
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
... sie vorbei ist. Sie ist offensichtlich so ein quecksilberliches Ding, das sich kaum fassen lässt.
Phil Weber GRÜNDER UND INHABER BASE FIVE INNSBRUCK
© EMANUEL KASER, AXEL SPRINGER, STOKESIX AGENCY
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
8
Reizthema:
Die nicht zeitgemäße und schleppende Entwicklung unserer Stadt
Lichtblick:
Dass junge Menschen und Familien trotz aller Schwierigkeiten (Wohnungspreise und fehlende Perspektiven) hier bleiben und gemeinsam mit tollen Projekten das Stadtbild und die Lebensqualität weiter positiv beeinflussen
Liebstes Motivationszitat:
„Greatness is a Team Sport.“ (Exos)
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
… wir wieder grinsend und mit offenen Augen, Ohren und Gedanken durch die Gassen ziehen und auch uns unbekannten Menschen ein ehrliches, freundliches Hallo zuwerfen.
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David Prieth PMK, CLUB COMMISSION
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
4
Reizthema:
Wenn Fachkenntnis durch persönliche Meinung ersetzt wird
Lichtblick:
Mögliche Open-Air-Konzerte in der warmen Jahreszeit (unbestuhlt)
Liebstes Motivationszitat:
„Ihr bekommt mich nie.“ - Karl-Heinz Grasser (2012)
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
... ich Bürgermeister bin.
Karin Seiler G ESCHÄFTSFÜHRERIN INNSBRUCK TOURISMUS
beruflich 3 privat 9
Stimmungsbarometer von 1 bis 10: Reizthema:
Sich ständig ändernde Auflagen im Tourismus
Lichtblick:
Mein nach wie vor hochmotiviertes Team nach zwei Jahren Pandemie im Städtetourismus
Liebstes Motivationszitat:
„When you change your energy, you change your life.“
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
... man ohne Länderbeschränkungen und Eintrittskontrollen unbeschwert reisen kann und die Impfpflicht wieder aufgehoben ist.
Florian Ultsch PROKURIST HARRY’S HOME & ADLER HOTELS
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
3
Reizthema:
Impfverweigerer
Lichtblick:
Ein coronaberuhigter Sommer – und hoffentlich auch der darauffolgende Herbst/Winter sowie generell die Zukunft
Liebstes Motivationszitat:
„Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben.“
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
... alle geimpft und die Masken nicht mehr erforderlich sind.
12
Franz Jirka BEZIRKSOBMANN WK TIROL
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
8*
Reizthema:
Verschwörungstheoretiker/Theorien, selbsternannte Virologen und Mediziner
Lichtblick:
Dass die Gesellschaft aus dieser Pandemie was lernt und auch die EU sich besser aufstellt
Liebstes Motivationszitat:
„Wenn du Zeit zum jammern hast, hast du auch Zeit, etwas dagegen zu tun.“
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
... wir uns ohne Mundschutz die Hände schütteln und „abbusseln“.
* Die Ukraine macht mir da mehr Sorge momentan.
Francesca Ferlaini ATO M P H Y S I K E R I N
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
8
Reizthema:
Das sind viele – all die Dinge, bei denen ich Manipulation und fehlende Fairness entdecke.
Lichtblick:
Wissenschaftliche Leidenschaft in den Augen unserer Studierenden hier an der Universität!
Liebstes Motivationszitat:
„Die Last, die man liebt, ist nur halb so schwer!“ (“Addò c’è gusto, nun c’è perdenza.")
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
Auf gesellschaftlicher Ebene: ... wenn Zeitungen aufhören, Grafen mit den Zahlen der Neuinfektionen zu veröffentlichen. Auf gesundheitlicher Ebene: ... wenn der Druck auf die Krankenhäuser und die Mortalität sinken. Es ist gut möglich, dass diese beiden Ereignisse nicht parallel stattfinden.
Fred Lordick © AXEL SPRINGER, BLICKFANG, ARIA SADR-SALEK, FRANZ OSS (2), M. VANDORY
INNSBRUCK CLUB COMMISSION, DACHSBAU
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
8*
Reizthema:
Après-Ski
Lichtblick:
Tanzen im Privaten und Snowboarden im Freien
Liebstes Motivationszitat:
„One more try.“
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
... alle wieder tanzen.
* Schließlich ist es immer noch Winter in Innsbruck. 13
GUTE LAUNE, SCHLECHTE LAUNE Während manche auch im dritten Coronajahr blendend gelaunt sind, haben andere schon lange ihren Stimmungstiefpunkt erreicht. Resilienzexpertin Silvia Exenberger erklärt, warum sich die Krise auf jeden anders auswirkt.
: Warum kommen man che Menschen besser durch Krisen als andere? Silvia E xenberger: Wenn mich die Krise trifft, aber ich meinen Job und mein soziales Netz habe, bin ich gut aufgestellt und komme besser durch die Krise, als wenn weitere Bereiche einbrechen oder nicht vorhanden sind. Das hat mit Resilienz zu tun, und die hängt stark von der Umwelt ab. Es kann sein, dass ich in einer Krise oder Belastung resilient bin und in einer anderen nicht.
von außen kommt – Freunde, Familie, aber auch Zugang zu professioneller Hilfe –, ist die Säule: „Ich habe“. Dann spielt es auch eine Rolle, wie ich als Mensch bin – welche Eigenschaften ich habe, also alles, was ich selbst mitbringe. Das nennen wir: „Ich bin“. Und es kommt auch auf die Fähigkeiten an, die ich erworben habe, zum Beispiel die Fähigkeit, verschiedene Blickwinkel einnehmen zu können oder ein Problem strukturiert anzugehen. Das definieren wir als: „Ich kann“.
Was genau versteht man unter Re silienz? Der Begriff wird oft mit Widerstandskraft übersetzt. Es geht hauptsächlich darum, dass man mit Belastungen umgehen und nach einer überstandenen Krise wieder funktionieren kann. Das bedeutet nicht, dass man komplett zurückkehrt zu der Normalität von davor, sondern dass man erkennt, es hat sich was verändert, und seinen Alltag daran anpasst.
Kann man Resilienz trainieren? Ja. Es geht im Wesentlichen darum, dass die drei Resilienzquellen immer ausgewogen präsent sind. Einem Kind gibt man beispielsweise meist ganz viel „Ich habe“, man unterstützt und vermittelt, dass man da ist, und vernachlässigt aber vielleicht die anderen zwei Quellen – also auch zu zeigen, wie liebenswert das Kind ist und wie gut es etwas macht. Bei Erwachsenen ist der Fokus häufig sehr auf „Ich kann“, während „Ich habe“ untergeht – da hilft es, Unterstützung zu akzeptieren und anzunehmen. „Ich bin“ stärkt man mit positiven Selbstgesprächen: nicht zu streng mit sich selbst sein und zufrieden sein, wenn man etwas geschafft hat.
Wovon hängt ab, wie resilient man ist? Es gibt drei große Resilienzquellen, mit denen wir bei uns am Institut arbeiten und deren Relevanz auch von den bisherigen Forschungsergebnissen der Resilienzforschung bestätigt wird: Das Umfeld und alles, was an Unterstützung
Vielen Dank für das Gespräch. 14
ZUR PERSON: Die Psychologin Silvia Exenberger hat gemeinsam mit ihrer Kollegin Verena Wolf das Institut für Positive Psychologie und Resilienzforschung gegründet, wo sie sich vor allem mit dem Thema Resilienz bei Kindern und Jugendlichen beschäftigt.
© FOTO HOFER
6020
Stephanie Cammerlander UNTERNEHMERIN
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
5
Reizthema:
Einschränkungen
Lichtblick:
Dass es spätestens im Sommer keine Einschränkungen mehr gibt
Liebstes Motivationszitat:
„Ich habe die Stärke aufgrund meiner Absicht.“
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
... man wieder die ganze Nacht durchtanzen kann.
Julia Jenewein REGISSEURIN
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
Das ändert sich den Umständen entsprechend kontinuierlich, Nerven und Energie sind schon lange erschöpft, man„funktioniert" halt weiter im Angesicht einer existenziellen Bedrohung.
Reizthema:
Planungs(un)sicherheit: Ein Sich-im-Stich-gelassen-Fühlen seitens der Politik - auf die Pandemie reagieren wir und unser Publikum mittlerweile souverän, für die kann ja niemand was.
Lichtblick:
Die Kolleg*innen, die Freude an der Arbeit, das Publikum und natürlich der Sommer (Konzerte !!!)
Liebstes Motivationszitat:
„Wer plant, verliert“ - Hauptsache, nicht den eigenen Kopf ...
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
... wir „mit ihr leben“, schätze ich, ganz verschwinden wird sie wohl kaum.
Hermann Glettler BISCHOF
© AXEL SPRINGER, MIRIAM THALER, WALTER HÖLBLING
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
* Mit viel Luft nach oben
7*
Reizthema:
Respektlosigkeit gegenüber Helfenden und das vorwurfsvolle Herumschleudern von Empörungen
Lichtblick:
#LasstUnsReden – eine wichtige Initiative, von der ich mir einen positiven Effekt erwarte
Liebstes Motivationszitat:
„Was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ (Jesus von Nazareth)
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
… in unserer Gesellschaft wieder die Frischluft geistvoller Normalität zu spüren ist.
15
Georg Willi BÜRGERMEISTER
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
8
Reizthema:
Jammern
Lichtblick:
Die vielen Innsbruckerinnen und Innsbrucker, die sich in der Pandemie solidarisch zeigen, sich impfen lassen, sich an die Maßnahmen halten – und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen
Liebstes Motivationszitat:
„Nichts spornt mich mehr an als die drei Worte: Das geht nicht. Wenn ich das höre, tue ich alles, um das Unmögliche möglich zu machen.“ (Harald Zindler, Mitbegründer Greenpeace)
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
... wir 90 % Durchimpfungsrate haben und den Impfpass nicht mehr vorzeigen müssen.
Jana Ganzmann CO - FOU N DERI N I M PACT H U B
Stimmungsbarometer von 1 bis 10: Reizthema:
Verantwortungsverschiebung: „Die nächste Generation, die Jungen werden es schon richten.“
Lichtblick:
Jede einzelne Begegnung in den letzten zwei Jahren mit den vielen motivierten Menschen in Tirol, die sich für einen positiven Wandel einsetzen
Liebstes Motivationszitat:
„For there is always light, if only we’re brave enough to see it. If only we’re brave enough to be it.“ (Amanda Gorman)
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
… wir uns als gute Freunde ohne zu zögern wieder in die Arme fallen können.
Therese Fiegl UNTERNEHMERIN
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
6
Reizthema:
Fakten- und Wissenschaftsverweigerung
Lichtblick:
Die Tage werden länger
Liebstes Motivationszitat:
„Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
… wir mit dem Virus zu leben gelernt haben.
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© FRANZ OSS, OLIVER THOMAS HAMDINGER, ISABELLE BACHER, UNIVERSITÄT INNSBRUCK, MICHAEL HAUPT, WOLFGANG LACKNER
7
Tilmann Märk R E K TO R U N I V E R S I TÄT I N N S B R U C K
7*
Stimmungsbarometer von 1 bis 10: Reizthema:
Ich habe kein „Reizthema“.
Lichtblick:
Der Studien- und Forschungsbetrieb an der Uni Innsbruck läuft trotz Pandemie recht erfolgreich und die Zahl der Abschlüsse steigt.
Liebstes Motivationszitat:
„Ut desint vires, tamen est laudanda voluntas!” („Wenn auch die Kräfte fehlen, muss dennoch der Wille gelobt werden!“)
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
… wieder alle Studierenden an der Uni sein können.
* Ich bin eher ein Optimist.
Helene Schnitzer GESCHÄFTSFÜHRERIN TKI
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
5
Reizthema:
Licht am Ende des Tunnels
Lichtblick:
Freunde und Familie
Liebstes Motivationszitat:
Wir schaffen das!
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
... wir wieder über andere Dinge sprechen – z. B. über spannende Kulturveranstaltungen, die ohne Einschränkung stattfinden können.
Peter Assmann DIREKTOR TIROLER L ANDESMUSEEN
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
Mein Stimmungsbarometer ist wie bei jeden Menschen nie stabil. Grundsätzlich aber in einem sehr positiven Bereich.
Reizthema:
Mein aktuelles Reizthema ist die Zunahme an egoistischem und egozentrischem Verhalten, wie ich sie als einen der wesentlichen gesellschaftlichen Effekte der aktuellen Coronasituation beobachten muss.
Lichtblick:
Mein Lichtblick ist immer wieder die Möglichkeit positiver menschlicher Begegnungen und anregender Kulturkontakte.
Liebstes Motivationszitat:
„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ (Erich Kästner)
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
... wenn es gelingt, den gesellschaftlichen Umgang mit dem Coronavirus so zu organisieren, dass Corona eine der vielen möglichen Krankheiten menschlichen Lebens geworden ist … Eine unter vielen. 17
Konstanze Zwintz ASTROPHYSIKERIN
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
8
Reizthema:
Demonstrationen vor Krankenhäusern und Bedrohungen des Pflegepersonals
Lichtblick:
Ein Lichtblick sind für mich immer die Menschen in meinem Umfeld, die trotz schwieriger Zeiten zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen. Dazu gehören Freund*innen und Familie genauso wie Kolleg*innen und Studierende.
Liebstes Motivationszitat:
„Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“ (Karl Valentin) Für mich sagt das: Es kann nur besser werden.
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
… die Zahlen der Fälle in Intensivstationen gesunken sind und keine weiteren schlimmeren Varianten des Virus entdeckt werden.
Mai Anh Dao CO -FOUNDER UND CEO VON MADISCOVER
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
7,5
Reizthema:
Valuation
Lichtblick:
Inspirierender Austausch über die Zukunft von MADiscover und sonnige Wintertage auf meinem Bike oder beim Skifahren.
Liebstes Motivationszitat:
„Patience you must have my young Padawan.“
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
… die Immunitätslücke geschlossen ist.
Reinhard Würzner Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
9
Reizthema:
Keines - man muss sich mit allen Themen korrekt, d. h. weder polemisch noch populistisch auseinandersetzen.
Lichtblick:
Niedrige Intensivstationsbelegung durch Omikron und hohe Wirksamkeit und Verlässlichkeit der Impfstoffe
Liebstes Motivationszitat:
„Was du heute kannst erledigen ...“
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
… nur noch eine verkraftbar geringe Anzahl Ungeimpfter schwer erkranken.
18
© AXEL SPRINGER, JOHANNES PLATTNER, MUI/BULLOCK, IRENE RAPP, B KOLLER, FRANZ OSS
VIROLOG E
Julia Hautz P R O F E S S O R I N F Ü R S T R AT E G I S C H E S M A N A G E M E N T A N D E R U N I I N N S B R U C K
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
8
Reizthema:
Wird als Vorsatz für 2022 bewusst vermieden – stattdessen Übung in Akzeptanz und Gelassenheit
Lichtblick:
Der baldige Übergang von der Pandemie zur Endemie
Liebstes Motivationszitat:
„Nothing in life is to be feared, it is only to be understood. Now is the time to understand more, so that we may fear less“ (Marie Curie)
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
… dem Gesundheitssystem nicht mehr die Überlastung droht.
Andreas Altmann REKTOR MCI
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
8
Reizthema:
Fehlervermeidung und Stillstand
Lichtblick:
Die leuchtenden Augen unserer engagierten Mitarbeitenden und Studierenden
Liebstes Motivationszitat:
„Just do it!“
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
… wir es gemeinsam wollen und endlich zusammenhelfen.
Norbert Pleifer TREIBHAUS
Stimmungsbarometer von 1 bis 10:
Null Komma Josef. Aber beim Wetter verlass ich mich nicht auf das Barometer, sondern auf den Föhn - der aber wird in Kopfweh gemessen.
Reizthema:
Die ziemlich verlotterte Impflotterie
Lichtblick:
Maria Lichtmess (2. 2.), das ist jener Tag, an dem man wirklich merkt, dass der Tag länger wird und die Nacht kürzer. (Ist für die Nachtgastronomie aber auch kein Hoffnungsschimmer.)
Liebstes Motivationszitat:
„Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist.“ (Karl Valentin) „Wenn alle Stricke reißen, häng ich mich auf.“ (meine Oma)
Die Pandemie ist vorbei, wenn …
… endlich im Treibhaus nicht mehr im Sitzen getanzt werden muss und das Treibhaus wieder selber Hausverbote verhängen darf - und nicht General Lecko Mio per Verordnung im Gekko-Tarnanzug oder Elmar Rizzoli in seiner kanariengelben Fantasieuniform.
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AUF DEM SOFA DES HERRN ORTNER Der Innsbrucker Rechtsanwalt Christian Ortner macht ob seiner kritischen Haltung zu Corona-Maßnahmen allgemein von sich reden. 6020 stattete ihm einen Besuch ab. Text: Haris Kovacevic – Fotos: Franz Oss
A
uf der Eingangstür zum Büro von Christian Ortner findet sich ein Hinweis auf die FFP2-Maskenpflicht und den Sicherheitsabstand: „Für Ihre und unsere Gesundheit!“, heißt es da in großen Lettern. Der Anwalt selbst trägt keine Maske. Der Besprechungsraum, in den er freundlich bittet, wirkt gewöhnlich. Ein brauner Biedermeierschrank im Eck mit ein paar wenigen Büchern. Ganz oben ein Modellsegelschiff, auf dessen Heck man eine amerikanische Fahne erkennt. Am anderen Ende des Zimmers ein Ikea-Regal: Gesetzes- und Wörterbücher, Aktenordner, ein Taschenrechner mit großen Tasten und einige leere Stellagen. „Entschuldigen Sie, dass es hier so nach Zigaretten riecht“, sagt Christian Ortner. Ein Windaschenbecher auf dem Tisch zwischen vier Ledersofas. 20
ORTNERS WANDEL. Anfangs sei die Situation rund um Corona noch nicht klar abzuschätzen gewesen. „Als die ersten Fälle im Hotel Europa aufgetaucht sind, habe auch ich aufgepasst, mich an alle Maßnahmen gehalten“, erzählt der Rechtsanwalt. Doch schon bald habe sich gezeigt, dass die Verordnungen weitgehend willkürlich, in sich unlogisch seien. Das habe er dann auch öffentlich angemerkt. „Seither rennen mir die Leute die Tür ein“, sagt Christian Ortner lachend, „Sie können sich nicht vorstellen, wie viel unentgeltliche Beratungsarbeit ich geleistet habe. Ich muss schauen, ob ich mir das überhaupt noch leisten kann.“ FREIHEIT UND GRUNDRECHTE ALS DARTPFEILE. „Technik und Medizin, Immobilienverkehr, Wasserrecht“ – das sind seine Schwerpunktgebiete. Vor „Covid“ habe er medizinische Fälle „nur vereinzelt“ behandelt. Wieso er seither zu dem Anwalt der „Querdenker“ und Maßnahmengegner geworden ist, kann er sich nur zum Teil erklären. Lange Zeit war er aber der einzige Tiroler Anwalt, der auf der Website von „Rechtsanwälte für Grundrechte“ – einer losen, österreichweiten Plattform maßnahmenkritischer Juristen, die mittlerweile als Verein organisiert ist – gelistet war. „Nun ist ein weiterer Tiroler Kollege dabei“, sagt Ortner. Der Innsbrucker Jurist spricht über „Covid“ – das Wort, das er bei dem Thema vornehmlich verwendet – ohne jede Emotion. Dann aber, wenn er über die Maßnahmen redet, flackert etwas Leidenschaft bei ihm auf. Von Maskenpflichten über Lockdowns, Virusvarianten-Verordnungen bis zum Sperren einzelner Bezirke oder Gemeinden sei nahezu alles, was in dieser Pandemie veranlasst wurde, illegal gewesen – „ein durch nichts begründeter Eingriff in unsere Freiheit und unsere
„ALS DIE ERSTEN FÄLLE IM HOTEL EUROPA AUFGETAUCHT SIND, HABE AUCH ICH AUFGEPASST, MICH AN ALLE MASSNAHMEN GEHALTEN.“
Im Mai 2020 habe er sich kritisch zu den damals geltenden Maßnahmen geäußert, sagt Christian Ortner. Seit damals ist er der Anwalt der „Querdenker”.
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Grundrechte“. Zeigefinger und Daumen seiner linken Hand bilden einen Kreis und wenn er damit vor und zurück wippt, wirkt es, als würde er bei den Worten „Freiheit“ und „Grundrechte“ Dartpfeile werfen. ALLES GEGEN JEDE MASSNAHME. Über seine Arbeit, also die Bekämpfung Nichts stehe für Christian Ortner über dem der Maßnahmen, redet er dann wieder Gesetz, nichts über den Menschen- und ganz trocken, wählt seine Worte sorgfälFreiheitsrechten, so sagt er. tig: „Der Anwalt ist eine Art Übersetzer zwischen den Lebensumständen der Menschen und der Rechtssprache“, meint Christian Ortner. Und er selbst sieht es als seine Pflicht an, Leuten zu ihrem Recht zu verhelfen. glaubte, täusche sich, sagt Christian gibt es.“ Aber das Beispiel Schweden Die Absonderungsbescheide habe er Ortner. Medikamenten und Impfungen zeige genau, dass die Maßnahmen hierzuzum Beispiel mit Freude bekämpft. „Da lande aus dem Ruder gelaufen seien, ist er stehe er nicht grundlegend skeptisch gewurden irgendwelche vorformulierten genüber – nur vorsichtig. Der Grund: Er überzeugt. „Die Tests sind eine GeldverTextbausteine aneinandergereiht und den schwendung sondergleichen, die Masken sei als Kind gegen Keuchhusten geimpft Leuten zugeschickt“, sagt er, „und wegen eine willkürliche Alibimaßnahme und die worden, nachdem er es bereits gehabt der durften sie teilweise über Wochen ihr Impfungen ein Massenexperiment.“ hatte. Eine chronische Haus nicht verlassen.“ Bronchitis und einige Dass Menschen dann VON DER UNART EINER POLITIK. mehrwöchige Aufentgezwungen wurden, in halte in Sanatorien seien Doch wer soll Interesse daran haben, uns gewissen Situationen die Folge gewesen. „Das zu impfen und uns Masken aufzusetzen, Masken zu tragen, „obwohl nirgends nachbleibt eine Lehre fürs wenn beides nicht hilft? Darüber möchte „MEIN EIDRUCK Leben.“ gewiesen ist, dass die er nicht spekulieren, auch wenn es einige was bringen, und man Manchmal beschleuIndizien gebe – die in ein paar Jahren IST, DASS WIR nigen Autos, wenn nicht weiß, ob sie nicht Historiker beschäftigen werden. Ihm sei EINER GNADEN- sie draußen über den auch noch schaden“, es wichtig festzuhalten, dass „die Eingriffe in unsere Rechte nicht nachvollziehbar Bozner Platz oder die wie er sagt, habe ihn LOSEN PROsind und er sie mit allen zur Verfügung Wilhelm-Greil-Straße dazu veranlasst, rechtPAGANDA DER liche Schritte dagegen stehenden Mitteln bekämpfen will“. Bisfahren. Die Motorengeräusche begleiten dann her, meint er, sei er dabei „nur teilweise einzuleiten – Ortner LEITMEDIEN, die Stimme des Innsbruerfolgreich“. vertritt einen Arzt, der VOR ALLEM cker Anwalts noch eine Ortner wirkt nicht verärgert, wenn er sich gegen die generelle Weile. davon erzählt, dass es in den meisten FälMaskenpflicht in KranDES ORF, AUSkenhäusern einsetzt. len schon gar nicht erst zu einer Anklage „Mein Eindruck ist, GESETZT SIND.“ dass Nebenher machte er gekommen ist. Er redet nüchtern darüwir einer gnadenlosen Propaganda der Leit- ber, so wie immer, wenn er über seine mehrere Eingaben beim medien, vor allem des Arbeit spricht. Verfassungsgerichtshof, ORF, ausgesetzt sind“, sagt er. Letztes „Damals“, meint er dann etwas klagte auch im Auftrag von 19 Eltern das Jahr habe er sich auch gezwungen gesenachdenklich, „unter Kurz, machten den Land Tirol wegen Impfwerbung an Schulen – wo es ein iPhone zu gewinnen gab – hen, sein „Presse“-Abo zu kündigen. Ein damaligen Bundeskanzler einige darauf und vertritt Menschen, die sich auch trotz Beitrag des Chefredakteurs habe ihn an aufmerksam, dass Teile der beschlosseImpfpflicht nicht impfen lassen wollen: die Diktion des „Stürmer“ erinnert. „Man nen Maßnahmen mit Sicherheit verfassungswidrig sind. Die Antwort darauf war „Ich arbeite für 900 Klienten aus dem Gekann nicht alles überprüfen, was einem sundheitsbereich an einer Sammelklage.“ sinngemäß: ‚Bis das gekippt wird, wird so unterkommt“, sagt Ortner mit ernster Dazu kämen mittlerweile auch Leute, die es ohnehin Schnee von gestern sein.‘ Ein Miene, „aber wenn man sich mit Covid Impfschäden bei sich vermuten. solcher Umgang mit dem Rechtsstaat ist beschäftigt, sollte man bereit sein, Originaldokumente zu lesen.“ Und tue man in meinen Augen eine absolute Unart.“ KEIN DOGMATIKER. das, werde einem klar, „dass das alles Der Rechtsanwalt verzieht das Gesicht, Wer in ihm einen Dogmatiker oder Verhinten und vorne nicht zusammenpasst“. wenn er „Unart“ sagt und macht dann schwörungstheoretiker zu erkennen Ein Leugner sei er natürlich nicht: „Covid eine kleine Redepause. Dagegen kämpfe 22
Politisch aktiv Christian Ortner ist stellvertretender Landessprecher der Tiroler MFG. Am 27. Feber tritt die Partei in 51 Gemeinden bei den Gemeinderatswahlen an, in 22 davon stellt sie auch einen Bürgermeisterkandidaten. Ihr Programm präsentiert sie erst im März. Landessprecher der neu gegründeten Partei ist übrigens der Innsbrucker Gemeinderat Bernhard Schmidt – ehemals FPÖ, nunmehr freier Mandatar.
er nicht nur in seiner Kanzlei, sondern auch auf der Straße, bei Demos mit einigen seiner Klienten – und auch mit Innenminister a. D. Herbert Kickl. Mit dem verbinde ihn aber rein gar nichts – außer ihrer nahezu identischen Meinung zu „Covid“. MIT FREUNDLICHEN GRÜSSEN. „Wenn sich jemand, der als Innenminister noch Menschenrechte zur Debatte stellte, nun zum Kämpfer für Grundrechte stilisiert, wird mir unbehaglich. Für mich sind Grund- und Freiheitsrechte unverhandelbar. Aber bei Covid hat er recht“, sagt Christian Ortner und beugt sich dabei wie im Vertrauen vor. „Ich habe bei den letzten Wahlen grün gewählt. Das werde ich bei den nächsten sicher nicht mehr machen.“ Als Mitgründer der Tiroler MFG (Menschen Freiheit Grundrechte) wird es ihm, wie er sagt, „wohl nicht erspart bleiben“, politisch aktiv zu werden und sich für die maßnahmenkritische Partei zu engagieren. „Ich habe eine 17-jährige Tochter und will nicht untätig zuschauen, wie sie in eine totalitäre Welt hineinwächst“, sagt Christian Ortner. Die nachmittägliche Dunkelheit hat sich inzwischen im Besprechungsraum unbemerkt ausgebreitet. Die amerikanische Fahne am Heck des Modell-Segelschiffs auf dem Schrank ist nur noch schwer zu erkennen.
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GEMEINSAM DIE WELT RETTEN Als Parents for Future unterstützt eine wachsende Gruppe von Eltern, Großeltern und anderen Erwachsenen seit 2019 die Tiroler Fridays-for-Future-Bewegung. Ihr Ziel: Die Rettung des Klimas – und damit der Welt. Text: Lisa Schwarzenauer
DIE MITGLIEDER VON PARENTS FOR FUTURE K ÄMPFEN MIT Kindern und Jugendlichen für Klimagerechtigkeit.
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icht nur Kinder, Jugendliche und Studierende gehen für Klimagerechtigkeit auf die Straße: Auch immer mehr Erwachsene – vor allem Eltern und Großeltern – schließen sich den Streiks und anderen Aktionen an. Nach den ersten Fridays-for-Future-Streiks in Innsbruck hat sich so im Feber 2019 die Tiroler Regionalgruppe von Parents for Future entwickelt. Die internationale Bewegung gibt es mittlerweile in 19 Ländern und hat klar zum Ziel, die Mitglieder von Fridays for Future in ihren Forderungen zu unterstützen – und steht auch explizit hinter den Schulstreiks. 24
KLIMANETZWERK. „Wir unterstützen einerseits die Aktionen von Fridays for Future, die ja sehr regelmäßig stattfinden, und wir überlegen uns auch, was wir als Gruppe zusätzlich machen können“, erzählt Julia Stabentheiner, die zur Kerngruppe des Tiroler Parents-for-Future-Ablegers gehört. Bei monatlichen Online-Stammtischen werden aktuelle Themen und neue Aktionen besprochen – neben konkreten Projekten sei hier aber vor allem der Austausch relevant: „Es geht auch einfach darum, dass man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann, weil dieses Thema ja doch sehr schwer ist und man auch oft frustriert und ein bisschen verzweifelt ist, weil nichts weitergeht. Deshalb ist es ganz wichtig, dass man sich da gegenseitig unterstützen und bestärken kann.“ Die Tiroler Mitglieder nehmen auch am ebenfalls regelmäßig stattfindenden österreichweiten Stammtisch teil – wenn es sich ausgeht: „Wir sind alle berufstätig und haben Kinder, deshalb haben wir auch Verständnis, wenn jemand keine Zeit hat, regelmäßig zu kommen, sondern eben nur für einzelne Aktionen“, betont Stabentheiner. „Berufstätige Eltern haben immer ein schlechtes Gewissen, und das wollen wir nicht verstärken, sondern trotzdem ermöglichen, dass man mitmachen kann, wenn und so viel man will.“ KINDER UND KLIMAZIELE. Grundsätzlich sei die Resonanz auch von Eltern, die sich nicht aktiv beteiligen, positiv – die Sorge über die Zukunft und der Wunsch, die Welt den nächsten Generationen so schön und gut wie möglich zu
Parents for Future Tirol Der lose Zusammenschluss von Eltern, Großeltern und anderen interessierten Erwachsenen engagiert sich gegen die Klimakrise und für die Einhaltung der Pariser Klimaziele. Aktuell umfasst die Gruppe rund 50 Personen aus ganz Tirol, Treffen finden momentan einmal im Monat über Zoom statt. Mehr Infos zur Bewegung und zu geplanten Aktionen gibt es hier: www.parentsforfuture.at/tirol
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„Den Kindern muss man nicht erklären, dass man die Natur bewahren muss. Es ist eher umgekehrt der Fall, dass uns die Kinder politisch motivieren.“
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hinterlassen, verbinde. „Es gibt aber schon manchmal kritische Stimmen, die sagen, wir missbrauchen die Kinder für politische Zwecke“, so die Aktivistin. Dabei sei gerade den Kindern häufig viel stärker bewusst, dass es keine Zeit mehr zu verlieren gibt im Kampf gegen den Klimawandel: „Den Kindern muss man nicht erklären, dass man die Natur bewahren muss. Es ist eher umgekehrt der Fall, dass uns die Kinder politisch motivieren.“ Für die kommenden Wochen und Monate sind schon einige Aktionen in Planung. Neben den Vorbereitungen für den nächsten globalen Klima streik am 22. März und Protestaktionen zum Thema Verkehr liegt der Fokus besonders auf den VersprePremium accredited chen der Politik: „Das Land Tirol hat Ende letzten Jahres endlich die Tiroler Nachhaltigkeits- und Klimastrategie beschlossen, aber wie die Umsetzung konkret ausschauen wird, ist noch nicht publik“, so Stabentheiner. „Wir werden dranbleiben und daran erinnern, dass Klimaziele nur etwas bringen, wenn sie auch umgesetzt werden.“ Das wolle man auch mit Blick auf die Gemeinderatswahlen im Feber noch mal besonders in Erinnerung rufen.
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ZUR PERSON Gerhard Mangott ist Politikwissenschaftler und Professor für internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck mit dem Schwerpunkt Osteuropa und Russland. Unter anderem ist er Mitglied des Valdai-Clubs, Vorstands mitglied des "Österreichischen Auslandsdienstes" und (Mit-)Autor zahlreicher Bücher wie „Der Russische Phönix. Das Erbe aus der Asche“ und „Internationale Politik. Eine Einführung“.
„PROFESSOREN SIND KRISEN GEWINNER“
Gerhard Mangott ist einer der renommiertesten Osteuropa-Experten Österreichs. Warum seine Meinung gerade in Krisenzeiten gefragt ist, wie der Konflikt zwischen Russland und dem Westen zu verstehen ist und wie es bei ihm zum Interesse für Osteuropa gekommen ist, verrät er im Gespräch mit 6020. Interview: Haris Kovacevic – Fotos: Axel Springer
6020
: Herr Mangott, in letzter Zeit scheint Ihre Meinung medial besonders gefragt zu sein. Wie kommt das? Gerhard M angott: Was ihre öffentliche Sichtbarkeit betrifft, sind Professoren, die sich mit internationaler Politik beschäftigen, eigentlich immer Krisengewinner. Wenn es also Krisen, Konflikte oder gar Kriege gibt, dann bekommen wir mediale Aufmerksamkeit – sonst eher wenig. Zurzeit gibt es eine Krise. Können Sie kurz beschreiben, worum es da genau geht? Russland fühlt sich ganz offensichtlich von der Ausdehnung der NATO, insbesondere von einer möglichen Mitgliedschaft der Ukraine und Georgiens, bedroht. Zunächst müssen wir festhalten, dass wir nicht so vermessen sein können, Russland zu sagen, wovor es sich bedroht fühlen darf und wovor nicht. Das heißt, die Beteuerung, die NATO sei eine defensive Militärallianz, kommt auf russischer Seite nicht an, denn verantwortliche Sicherheitspolitik einer Großmacht trachtet nicht nur danach, was die Absichten, Intentionen und Fähigkeiten eines Gegners sind, sondern muss auch darauf vorbereitet sein, wie die sich morgen oder übermorgen entwickeln könnten. Was hat Russland nun getan? Aus dieser Bedrohungslage heraus hat Russland einen Forderungskatalog an den Westen formuliert in zwei Vertragsentwürfen. Die zentralen Punkte sind: keine weitere Ausdehnung der NATO Richtung Osten, Rücknahme des Mitgliedschaftsversprechens an die Ukraine und Georgien, Abzug aller NATO-Soldaten und ihrer militärischen Infrastruktur aus ihren osteuropäischen Mitgliedsstaaten und schließlich ein Abzug aller Nuklear-
waffen der USA aus Europa. Konfrontiert mit einem militärischen Aufmarsch auf russischer Seite, der diesen Forderungen Nachdruck verleihen sollte, waren dann die USA und ihre Bündnispartner bereit, mit Russland zu sprechen. Aber in diesen Gesprächen hat sich gezeigt, dass der Westen diesen Forderungen nicht nachkommen möchte. Er würde dadurch an Glaubwürdigkeit verlieren und auch an Einfluss. Ein Kompromiss ist nicht wahrscheinlich. Ich schließe ihn eigentlich aus.
„BELARUS, UKRAINE UND BOSNIENHERZEGOWINA SIND KONFLIKTE, DIE DIE DERZEITIGE ORDNUNG DER SICHERHEIT IN EUROPA GEFÄHRDEN.“ Gerhard Mangott
Russland fühlt sich vom Westen auch deshalb übergangen, weil die Zusage, die NATO nicht weiter gen Osten zu erweitern, bereits in den 1990ern bestanden haben soll – wenn man dem gängigen russischen Narrativ glaubt. Was ist da dran? Ende Jänner 1990 hat der damalige deutsche Außenminister Genscher in seiner sogenannten „Tutzinger Rede“ gesagt, dass die NATO sich nicht weiter nach Osten ausdehnen werde. Er hat auch explizit gesagt, er meine nicht nur das 27
Gebiet der DDR, das sich mit der BRD vereinigen wollte, sondern auch alles darüber hinaus. James Baker, damals Außenminister der USA, hat in seinen Gesprächen mit Genscher Formulierungen gewählt, die in eine ähnliche Richtung deuteten. Besprochen wurde das sicherlich auch bei den Begegnungen zwischen Kohl und Gorbatschow in Moskau. Aber es wurde nichts Schriftliches festgehalten und selbst Gorbatschow hat in einem Interview 2014 klargemacht, dass es kein solches Versprechen gab. Putin aber verbreitete immer wieder, dass es so was wie eine feste Zusage gab, und die sei gebrochen worden. Das kann man aber so nicht bestätigen. Die geschichtlichen Ereignisse geben das nicht her. Osteuropa scheint derzeit generell recht unruhig. In den Nachrichten kommen vermehrt Kasachstan, Weissrussland und Bosnien-Her zegowina vor. Haben diese Krisen herde und der Ukraine-Konflikt etwas gemeinsam oder lassen sie sich nicht unter einen Hut bringen? Es sind jedenfalls alles Krisen um die europäische Sicherheitsarchitektur. Am wenigsten passt da noch der Konflikt in Kasachstan dazu, wobei Russland auch ein militärischer Bündnispartner Kasachstans ist. Aber Belarus, Ukraine und Bosnien-Herzegowina sind Konflikte, die die derzeitige Ordnung der Sicherheit in Europa gefährden, mit der Russland seit vielen Jahren nicht zufrieden ist und das auch mehrfach klargestellt hat. Insofern gehören die Konflikte zueinander und wirken aufeinander ein. Lässt sich auch die Gaskrise oder der Konflikt um Nord Stream 2 ebenfalls da einordnen? Es gibt eine Gasunterversorgung und dementsprechend auch sehr hohe Gaspreise in Europa. Das hat mit mehreren Faktoren zu tun: mit kalten Wintern der letzten Jahre, mit dem geringen Windaufkommen vielerorts, mit Dürren in vielen Erdteilen, aber auch mit wirtschaftlichem Wachstum in China und Südostasien, das eben mehr Energie nachgefragt hat. Im Westen wird die Gasknappheit als etwas diskutiert, das maßgeblich von Russland verschuldet worden sei. Aber man muss sagen, dass Russland seine vertraglichen Verpflichtungen einhält. Darüber hinaus hat sich Russland aber entschieden, keine Gasmengen nach
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© SCREENSHOT: TVTHEK.ORF.AT
Ein gefragter Professor: Wenn es im Osten Krise gibt, wird G erhard Mangot t um seine Meinung gefragt.
Europa zu schicken. Auch am Spotmarkt bietet es nichts an. Dazu sind sie natürlich auch nicht verpflichtet, aber es ist auffällig, dass Russland das in einer relativen Notlage der Europäer nicht macht. Das hängt sicher damit zusammen, dass die Beziehungen zwischen der EU und Russland sehr schlecht sind, und zwar seit vielen Jahren. Wie kommt es zu diesem schwierigen Verhältnis der EU zu Russland? Es gab ein grundsätzliches Missverständnis zwischen der Europäischen Union und Russland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Die EU wollte mit Russland zusammenarbeiten und Russland ebenso mit der EU. Aber für die europäische Seite war immer klar, dass die Tiefe der Zusammenarbeit von der Durchsetzung der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit in Russland abhängt. Die russische Elite wollte eine solche Forderung, die sie als politische Konditionalität definiert hat, nicht akzeptieren. Und Putin hat sie schlichtweg zurückgewiesen. Außerdem gab es eine Integrationsrivalität zwischen der Europäischen Union und Russland rund um die Ukraine. Beide wollten die Ukraine auf ihre Seite ziehen und stellten sie dementsprechend vor die Wahl, wohl wissend, dass das Land eigentlich ethnisch, sprachlich, religiös, historisch gespalten ist. Dieses Tauziehen entschied die EU für sich. Russland antwortete darauf mit einem aggressiven Krieg, für den es die alleinige Verantwortung tragen muss. An der vorhergehenden Krise sind aber beide schuld. Die Beziehungen sind daher gerade sehr schlecht. Außenminister Lavrov sagte in Peking im März letzten Jahres, dass
„FÜR INTERNATIONALE POLITIK HABE ICH MICH SCHON VOR BEGINN MEINES POLITIKWISSENSCHAFTSSTUDIUMS INTERESSIERT.“ Gerhard Mangott
es überhaupt keine Beziehungen mehr zu den Institutionen der EU gebe. Die jetzige Krise wird nicht dazu beitragen, dass sich etwas bessert, sondern im Gegenteil werden die Temperaturen weiter abkühlen. Inwiefern sollten uns in Innsbruck diese Krisen überhaupt interessie ren? Ich kann verstehen, wenn man von dieser Tiroler Perspektive aus die Relevanz dieser Konflikte eher niedrig einstuft. Das ist unmittelbar gesehen auch richtig so. Was Tirol zeitverzögert auch treffen könnte, wäre lediglich die Verringerung oder der Abbruch von Gaslieferungen Russlands an Europa. Dann wäre man auch betroffen. Von einer Flüchtlingsbewegung, die durch einen Krieg zwischen Russland und der Ukraine ausgelöst würde, wäre Tirol sicher nicht betroffen. Denn diese Flüchtlinge würden sich in den Westen der Ukraine und in die osteuropäischen Nachbarstaaten flüchten. Es ist von Tirolern allerdings erwartbar, dass sie über ihren eigenen Tellerrand hinaussehen und selbst, wenn man nicht unmittelbar betroffen ist, die Relevanz von solchen Krisen und die Bedeutung für die beteiligten Akteure eben auch zur Kenntnis nimmt und darüber Bescheid weiß. 28
Wie kam es bei Ihnen selbst zum Interesse für internationale Bezie hungen und vor allem für Osteuropa? Und wie kam es dazu, dass Sie neben den vielen Experten einer der gefrag testen sind? Für internationale Politik habe ich mich schon vor Beginn meines Politikwissenschaftsstudiums interessiert. Dass ich mich dann auf Osteuropa und vor allem auf die Sowjetunion spezialisiert habe, hing mit den Ereignissen der damaligen Zeit zusammen. Damals hat nämlich die Perestrojka begonnen und wurde als sehr spannendes Feld diskutiert. Ich hatte damals einen Professor, Exiltscheche und Freund von Gorbatschow, der so etwas wie einen Schüler gesucht hat und mich dafür außerwählt hat. Ich bin seit 1986 auch dabei geblieben. Ich beschäftige mich also seit 36 Jahren mit der Region und habe daher auch eine gewisse Erfahrung, die von Medien und Politik offenbar geschätzt wird, im In- wie im Ausland. Vielleicht kann ich mit Medien auch handwerklich ganz gut umgehen, was in dem Zusammenhang sicherlich auch eine Rolle spielt. Außerdem: So viele Russland-Experten gibt es nicht. Erstaunlicherweise eigentlich. Vielen Dank für das Gespräch.
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KRISENHERDE IN OSTEUROPA
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1 UKRAINE Seit der Annexion der Krim durch die Russische Föderation und seit Beginn des bewaffneten Konflikts im Osten des Landes kommt das zweitgrößte Land Europas nicht zur Ruhe. Offiziell bestreitet Russland, die prorussischen Separatisten zu unterstützen.
2 BELARUS
© PIKTUREDESK
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Lukaschenka, dem „letzten Diktator Europas“, wird nicht nur vorgeworfen, politisch Andersdenkende zu unterdrücken und Wahlen zu manipulieren, sondern auch Flüchtlinge auf der sogenannten Belarus-Route gezielt einzusetzen und zu instrumentalisieren, um in den EUNachbarstaaten Unruhe zu stiften. Politisch ist er weitgehend isoliert. Sein einziger wirklicher Verbündeter – Wladimir Putin.
3 K A S AC H STA N
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Wladimir Putin: Möchte die Kar ten neu gemischt haben.
Deutliche Gaspreis-Erhöhungen gaben den Anlass für Proteste gegen den autoritär herrschenden Kassym-Schomart Tokajew – seines Zeichens ein enger Verbündeter Putins.
4 BOSNIENH E R Z E G OW I N A Die serbische Entität in dem geteilten Land kokettiert immer wieder mit der Abspaltung. Nicht nur das benachbarte Serbien unterstützt diese separatistischen Tendenzen, sondern auch Russland und China.
5 SERBIEN UND KO S OV O 2008 hat Kosovo seine Unabhängigkeit erklärt, was von Serbien allerdings nicht anerkannt wird. Dies führt immer wieder zu Unruhen und auch an den Rand von Konflikten.
6 N O R D ST R E A M Über diese Ostsee-Pipeline wird Europa mit Gas aus Russland versorgt. Die Zertifizierung der Nord-Stream-2-Pipeline wurde letztes Jahr von der deutschen Bundesnetzagentur vorläufig ausgesetzt – was Russland als Provokation wahrnahm.
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Ganz .. schön smart Von Hightechmüllkübeln über bedarfsgesteuerte Straßenlaternen bis hin zur perfekten Kontrolle: Smart Cities haben unzählige Facetten. Wir haben uns angesehen, was „smart“ alles bedeuten kann und wie intelligent manche Städte schon sind. Text: Leonie Werus
Fahrradfreundliches Kopenhagen: In der dänischen Hauptstadt werden seit 2016 regelmäßig mehr Fahrräder als Autos gezählt.
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ERMÖGLICHT VOM VVT Mit dieser Serie unterstützt der VVT den unabhängigen Journalismus zum Thema nachhaltige Stadtentwicklung.
Die südkoreanische Zukunf tsstadt Songdo ist grün, smar t und bis ins kleinste Detail geplant.
EIN BEGRIFF, VIEL SPIELRAUM. Eine allgemein anerkannte und eindeutige Definition für eine Smart City, also eine intelligente Stadt, gibt es derzeit nicht. Vielmehr umfasst der in den Nullerjahren entstandene Begriff sämtliche Konzepte und Ideen, mit denen Städte anhand von modernen Technologien effizienter, nachhaltiger und ganz einfach lebenswerter werden sollen. SMARTE FORTBEWEGUNG. Gleich vorweg: Smarte Mobilität hat nichts mit dem kleinen Cityflitzer zu tun. Stattdessen steht hier die Verringerung von CO2-Emissionen im Vordergrund – etwa durch innovative Konzepte wie Car-Sharing, Gratisparken für E-Autos oder die Förderung von alternativen Transportmitteln. In diesem Bereich gilt das dänische Kopenhagen mit seinem gut ausgebauten Radwegesystem als Vorreiter: Bereits etwa die Hälfte der rund 600.000 Einwohnerinnen und Einwohner ist hier regelmäßig mit dem Rad unterwegs.
mmer mehr Menschen zieht es in die Städte – bis 2050 sollen laut Prognosen fast 70 Prozent der Weltbevölkerung im urbanen Raum leben. Zwar hat in Lockdownzeiten das Landleben vielerorts an Attraktivität gewonnen, trotzdem stellen Bevölkerungswachstum, Umweltverschmutzung und Klimawandel nach wie vor große Herausforderungen dar, die es möglichst „smart“ zu bewältigen gilt.
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Smarte Mobilität hat nichts mit dem kleinen Cityflitzer zu tun. Stattdessen steht hier die Verringerung von CO2-Emissionen im Vordergrund. Santander gilt als Spaniens digitale Musterstadt – hier sind sogar die Mülltonnen schlau.
Auf Probefahrt sind derzeit Busse mit Elektroantrieb in der Innsbrucker Innenstadt.
d i e Z u k u n f t d e r S ta dt
E-Bikes können per App ausgeliehen werden, ein smartes Ampelsystem sorgt in der Innenstadt dafür, dass die Grünphase für Radlerinnen und Radler länger andauert als für automatisierte Fahrzeuge. ABFALLMANAGEMENT NEU GEDACHT. Bereits seit mehreren Jahren gehören überquellende Müllkübel in der spanischen Küstenstadt Santander der Vergangenheit an – die sind nämlich „intelligent“ und melden sich, sobald eine Füllhöhe von 90 Prozent erreicht ist. In der Zentrale der städtischen Müllabfuhr, in der die Daten der über 20.000 Sensoren schließlich landen, plant man die Routen dann so, dass nur die vollen Mülltonnen angefahren werden, was wiederum der Umwelt zugute kommt. LICHT NACH BEDARF. Dass durch die wachsende Bevölkerung in den Städten auch der Energieverbrauch steigen wird, steht außer Frage. Darum gilt es, neue Möglichkeiten zur Energiegewinnung zu finden und gleichzeitig Energie
Heizung, Beleuchtung, Rollläden oder Küchengeräte: All das lässt sich in einem Smar t Home über mobile G eräte steuern.
In der nächsten Ausgabe Elektromobilität – wohin geht die Reise? Und was sind die größten Herausforderungen, die es dafür im urbanen Raum zu lösen gilt?
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zu sparen, wo immer es möglich ist. Letzteres Ziel will die deutsche Stadt Ludwigsburg mit intelligenten Straßenlaternen erreichen, die nur dann heller werden, wenn sich Fahrzeuge, Fahrräder oder Menschen nähern. Zu verkehrsarmen Zeiten dimmen die LEDStraßenlaternen das Licht und sollen so auf lange Sicht bis zu 60 Prozent der Energiekosten einsparen. ALLES UNTER KONTROLLE. 60 Kilometer westlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ist man all jenen Städten, die sich vorsichtig in einzelnen Bereichen an die Transformation zur smarten Stadt herantasten, bereits einen Schritt voraus. Was hier seit 2003 entsteht, gilt als Vorzeigeprojekt: eine künstliche, komplett neu gebaute Stadt, in der die Menschen anhand von modernster Technologie ressourcenschonend, umweltfreundlich und sicher leben sollen. Sensoren messen in Songdo die Schadstoffbelastung und alarmieren im Notfall Feuerwehr oder Katastrophenschutz, nahezu alle Dächer der Wolkenkratzer sind mit Solarmodulen ausgestattet. Der Abfall wird strengstens kontrolliert, denn wer etwas entsorgen möchte, muss sich zuerst mittels Chip ausweisen. 980 Kameras registrieren jede Bewegung, Mikrofone zeichnen Geräusche auf, die anschließend nach auffälligen Mustern analysiert werden. Auch Wohnungsschlüssel sind in der koreanischen Zukunftsstadt eine Rarität, denn die Haustüre kann – genauso wie Licht oder Zimmertemperatur – via Smartphone gesteuert werden. Eine Stadt kann also in vielen Bereichen smart sein, doch eines haben alle Smart Cities und jene, die auf dem Weg dorthin sind, gemeinsam: Sie stehen nie still, um sich stets anhand neuester Technologien weiterzuentwickeln und so ihren Bewohnerinnen und Bewohnern höchste Lebensqualität zu bieten.
Smart genug?
Klaus Kleewein Leiter der „SmartCity“-Geschäftsstelle
Auch in Innsbruck macht man sich Gedanken darüber, wie die Stadt der Zukunft aussehen soll. Zu diesem Zweck wurde 2020 sogar eigens eine „Smart-City“-Geschäftsstelle ins Leben gerufen, die sich unter der Leitung von Klaus Kleewein unter anderem damit beschäftigt, wie bestehende Ressourcen möglichst nachhaltig genutzt werden können.
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: Herr Kleewein, was verstehen Sie unter einer intelligenten Stadt? Klaus Kleewein: Für uns hier in Innsbruck ist eine Smart City eine Kombination aus Ressourcenschonung, Innovation und Kooperation. Letzteres bezieht sich auch auf die Miteinbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern, die unbedingt am Prozess der Weiterentwicklung der Stadt beteiligt sein sollen. Sie leben schließlich in der Stadt und wissen am besten, was es braucht, um Innsbruck lebenswerter zu machen.
Wie smart ist Innsbruck aktuell? Das kommt ganz auf den Bereich an – es gibt ja auch nicht die smarte Stadt. Wenn es um den Gebäudesektor geht, ist Innsbruck schon ziemlich fortschrittlich, auch im Hinblick auf die Energieversorgung gibt es einige positive Beispiele, wie die Kläranlage, die mehr Ener-
© STADT INNSBRUCK
Zur Person:
gie generiert, als sie verbraucht. Bei den digitalen Anwendungen haben wir hingegen definitiv noch Potenzial nach oben. Was sind die nächsten Schritte auf dem Weg zur smarten Stadt? Vonseiten der IKB ist derzeit einiges in Planung, auch die IVB testet gerade Busse mit Elektroantrieb im öffentlichen Personennahverkehr, die 2023 in den Normalbetrieb integriert werden sollen. Innsbruck ist außerdem Teil der österreichweiten Initiative „Fit4UrbanMission“, bei der es darum geht, einen Fahrplan zu erstellen, wie Städte klimaneutral werden können. Das ist sicherlich ein Thema, das uns in den nächsten Jahren sehr beschäftigen wird.
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rechtzeitig dorthin kommen, wo sie hin müssen. Um diese
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Aufgabe zu stemmen, braucht es aber vor allem eines: motivierte MitarbeiterInnen. Deswegen ist das Unternehmen stets auf der Suche nach frischen Nachwuchskräften für die Aufrechterhaltung des Bus- und Trambetriebs. Lehrlinge erwartet bei den IVB eine Top-Ausbildung. Die Bandbreite möglicher Berufe ist groß, die Auswahl reicht von Mechatronik über Reinigung bis hin zu Logistik. Betreut und unterstützt werden die angehenden Fachkräfte von erfahrenen AusbilderInnen, die stets mit Rat und Tat zur Seite stehen. Einsatz und Engagement werden zudem im Rahmen eines Prämiensystems belohnt.
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Gut unterwegs Das Stadtrad erfreut sich weiter zunehmender Beliebtheit. Das belegen auch Zahlen des vergangenen Jahres. Die Bilanz des Stadtrads ist mehr als erfreulich. Mit 4.000
Verkehrsmittel, um in Verbindung mit Bus und Tram multimodal
zusätzlichen Ausleihen gegenüber dem bisherigen Rekordjahr
in der Stadt unterwegs zu sein – immer mehr Menschen nutzen
2019 konnte der Service der IVB zuletzt etwa noch mal deutlich
diese Freiheit der Mobilitätswahl.“
zulegen. Vor allem von Oktober bis Dezember waren die Stadträder offenbar sehr gefragt: Insgesamt 33.900 Fahrten wurden registriert, was einem Plus von 15 Prozent entspricht. Entsprechend zufrieden zeigt sich die verantwortliche Mobilitätsstadträtin Uschi Schwarzl: „In Innsbruck ist das Fahrrad im Sommer bereits das Verkehrsmittel Nummer eins. Wir arbeiten intensiv daran, dass wir den Radverkehr auch in der kälteren Jahreszeit stärken. Da ist ein Rekordwinter beim Stadtrad natürlich ein starkes Signal.“ IVB-Geschäftsführer Martin Baltes freut sich ebenso über diese guten Zahlen, er meint: „Das Stadtrad ist das ideale
Einfach und günstig In Innsbruck gibt es seit 2014 das von der IVB organisierte Angebot von Verleihrädern. Zunächst mit 155 Fahrrädern an 14 Standorten gestartet, stehen mittlerweile 360 Räder an 43 Standorten für NutzerInnen bereit. Der Verleih ist über eine App unkompliziert und günstig möglich. Eine halbe Stunde kostet einen Euro, jede weitere halbe Stunde einen weiteren Euro. Für neun Euro im Monat ist jede erste halbe Stunde und damit jede Fahrt unter 30 Minuten gratis. Dieses Abo gibt es auch für ein ganzes Jahr um 39 Euro und für JahreskartenbesitzerInnen öffentlicher Verkehrsmittel um 29 Euro.
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Was ist denn da los? In diesem Jahr stehen für die IVB wieder einige Baustellen in der Stadt an. Ein Überblick über aktuelle Sanierungen, Erneuerungen und mehr.
Andreas-Hofer-Straße Erneuerung des westlichen Gleises im Bereich zwischen Westbahnhof und Kreuzung Anich-/Bürgerstraße (ca. 900 m) Verkehrsaufrechterhaltung des Trambetriebs mittels Kletterweichen sowie Sicherungsposten Ausführung in gedämmter Bauweise Mitverlegung von Leitungen durch IKB-Strom, IKB-Wasser (Hausanschlüsse) sowie Fernwärme (Bereich Kreuzung Maximilianstraße)
Kaiser-Franz-Josef-Straße Erneuerung der Gleisanlagen zwischen Claudiaplatz und Haydnplatz (erster Bauabschnitt, ca. 200 m) im Folgejahr dann Erneuerung zwischen Haydnplatz und Mühlauer Brücke (zweiter Bauabschnitt, ca. 300 m) Errichtung eines Kopfbahnhofs in der Claudiastraße während der Bauarbeiten Leitungsverlegung seitens IKB (BA01 geringfügig, BA02 massiver Leitungsverlegungsbedarf) Ausführung in gedämmter Bauweise
Pradler Straße Gleisabtragung im Rahmen einer Baustelle der Tigas
IMPRESSUM Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich: Innsbrucker Verkehrsbetriebe und Stubaitalbahn GmbH Medieninhaber und Verleger: TARGET GROUP Publishing GmbH / Brunecker Straße 3 / 6020 Innsbruck, T +43 512 58 60 20 / marketing@ivb.at / www.ivb.at; Gestaltung: Zimmermann Streiter Werbeagentur; Fotos: IVB/Berger
E N TG E LT LI CHE E INS C HA LT UNG
AK WEBINARE: GLEICH ANMELDEN UND KOSTENLOS MITMACHEN!
© STOCK.ADOBE.COM/ANDREY POPOV
Die AK Tirol steht ihren 350.000 Mitgliedern mit einem umfangreichen Beratungs- und Serviceangebot zur Seite. Dazu zählen ab sofort auch Webinare, an denen jeder bequem von zuhause aus teilnehmen kann.
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ie Pandemie sorgte dafür, dass viele AK Info-Veranstaltungen nicht mehr stattfinden können. Natürlich helfen und beraten die AK Profis auch weiter telefonisch, per E-Mail oder auch bei einem Besuch in der AK Tirol in Innsbruck und in den Bezirken. Daneben bietet die AK Tirol auch Webinare zu verschiedenen Themen an. Nutzen Sie dieses kostenlose Service! BABY AN BORD. Einmal monatlich gibt’s online wichtige Infos für werdende Eltern unter dem Motto „Was Sie rund um die Geburt Ihres Kindes wissen müssen“. AK Expertin Dr. Lisa Fleißner beantwortet alle arbeits- und sozialrechtlichen Fragen von Karenz über Papamonat bis hin zu Wochengeld und Familienzeitbonus. Am Dienstag, 26. April, steht ab 17 Uhr mit „Papas only“ ein Termin speziell für Väter am Programm.
TIPPS ZUM STEUERAUSGLEICH. Am Dienstag, 22. Feber, ab 19 Uhr gibt es „Tipps zum Steuerausgleich“. Obwohl Beschäftigte mit der Arbeitnehmerveranlagung ihre zu viel bezahlte Steuer vom Finanzamt zurückholen können, macht davon nur jeder dritte Steuerzahler Gebrauch. Beim Webinar erklären eine AK Expertin und ein AK Experte Absetzmöglichkeiten und geben praktische Tipps, mit denen der Steuerausgleich ganz sicher klappt. ALLES ZU GESUNDHEITSBERUFEN. Am Mittwoch, 23. Feber, ab 19 Uhr erfahren Interessierte „Alles zu Gesundheitsberufen“. Expertinnen und Experten informieren unter anderem über Pflege(fach-)assistenz, Dipl. Gesundheits- und Krankenpflege, Dipl. Sozialbetreuungsberufe sowie Bachelorstudien wie Biomedizinische Analytik, Diätologie, Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie, Radiologietechnologie oder Hebamme. 37
GLEICH ANMELDEN! Achtung, begrenzte Teilnehmerzahl! Deshalb am besten gleich unter www.ak-tirol.com anmelden und Platz sichern. Der Link zum Webinar wird rechtzeitig zugeschickt. Auf der Website finden Sie außerdem weitere Termine und Infos. Bei Fragen wenden Sie sich an die AK Tirol unter: 0800/22 55 22-1300 oder per E-Mail an veranstaltung@ak-tirol.com
ESSEN & TRINKEN
6020 isst sich einmal quer durch die Stadt, verrät, was schmeckt, was nicht und was es Neues zu entdecken gibt.
GASTROTELEGRAMM FEBER Magistrat
Ichiban Tea
Bäckerei Lener
FLOS
DUNKIN‘ DONUTS
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© PRIVAT, SHUTTERSTOCK, AXEL SPRINGER
+++ Das Naked Indigo im Cammerlander-Haus eröffnet Mitte Feber. Die vegetarische Indigo-Variante teilt sich der Inhaber mit dem benachbarten Burgerladen Glorious Butcher, der die andere Seite des kulinarischen Bogens abdecken wird und ebenfalls bald eröffnen soll +++ FRÜHSTÜCKSTIPP: Das Magistrat in den Rathaus-Galerien hat sich kulinarisch gemausert, neben tadelloser Pizza zu Mittag, empfehlen wir vor allem die Frühstücks-Karte, unser Tipp: das italienische Eieromelette +++ Amerika goes Innsbruck: Ab Mai gibt es in Innsbruck auch eine Starbucks-Filiale und zwar in der Altstadt in der ehemaligen Ortner&Stanger-Location (siehe Story weiter hinten). Jetzt schon aktiv ist DUNKIN’ DONUTS, der Zuckerveteran, den wir bis jetzt vorwiegend aus amerikanischen Filmen kannten, in denen Polizisten sich offenbar ausschließlich von den süßen Kringeln ernähren, hat in der Maria-TheresienStraße eröffnet. +++ Im April eröffnet das Weinhaus Tyrol in der Altstadt. Dort kann man edle Tropfen nicht nur kaufen, sondern auch verkosten. +++ Gerücht der Ausgabe: auch wenn in der Altstadt viele neue Lokale eröffnen, nicht alle scheinen auch zu laufen. Das FARINA der Due-Sicilie-Macher ist bereits auf der Suche nach einem Nachfolger. +++ Leben kommt auch in das schon seit längerem geschlossene Lucy Wang. Eigentümer Signa (Benko) kümmert sich angeblich jetzt selbst um die neue Bespielung. Wir bleiben dran. +++ Es muss einmal gesagt werden: wer gutes Brot sucht, wird inzwischen vielerorts fündig. Das Dinkelkrustenbrot der Bäckerei Lener ist aber eine Klasse für sich. +++ Bubbletea-Manie: Freunde der süßen Teemischgetränke kommen dieser Tage gar nicht aus dem Jubeln heraus: Im bereits eröffneten Ichiban Tea in der Anichstraße 1 kann man neben Bobatea auch Süßes wie Mochi, Matcha Tarts und Makronen genießen. Am Wiltener Platzl eröffnet im Laufe des Monats der Bubbletea-Shop Kjuti im ehemaligen Bohnissimo und versorgt fortan den hippsten Stadtteil mit Milch, Tee und Tapiokaperlen. +++ Die Tiroler Bier Halle hat der Tiroler Brauerei Baumgartner hat im Nirgendwo eröffnet, und zwar in der Feldstraße hinter dem Westbahnhof. Irgendwann soll dort eine Schaubrauerei eröffnen, derweilen kann man die Bierhalle von Montag bis Samstag von 15–22 Uhr besuchen und dort neben Bier zünftige Tiroler Kost zu sich nehmen. Viel Glück! +++ Das ehemalige Hitt&Söhne heißt jetzt Hungerburg und setzt auf Selbstbedienung. Ansonsten ist noch kein klares Konzept erkennbar, aber das kann ja noch werden +++ Ausflugstipp: Das FLOS in Hall verkauft hippe Bagel und leckeren Kaffee. Ideal für ein Sonntags-Frühstück, unbedingt reservieren (flos.cafe). +++
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LIEFERLOKAL 1
BURRITOS
FÜR ZU HAUSE C o r on a h a t di e G a s t r o l a n ds c haft n a c h h a l t i g v e r ä n de r t . M i t de m M a ma cit a h a t e i n w e i t e r e s Kon ze p t e r ö f fn et, das s i c h e x k l u s i v de r Li e f e r u n g w i dmet.
r e b e f b a
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Gleich an sieben Tagen die Woche kann man sich ab sofort „Californian Burritos“ nach Hause liefern lassen. Exklusiv online erreichbar, weiß man zwar nicht einmal, wo Mamacita kocht, aber das ist eigentlich auch egal. Was zählt, ist die Qualität der Speisen, und die ist ausgezeichnet. Unsere Testbestellung: Ancho Beef Burrito (9,60 Euro); Chipotle Chicken Bowl (8,90 Euro); Chili Cheese Nachos (5,90 €); Pink Coleslaw (3,50 Euro); Salsas und Dips; Brownie (2,90 Euro); Salted Caramel Quesadilla (2,90 Euro). Geschmacklich alles einwandfrei, konnte das Werbeversprechen,
Speisen waren bei Ankunft gerade mal lauwarm. Auch beim Thema Verpackung folgt Mamacita dem aktuellen Trend, die Speisen kommen in Papierverpackungen, die Saucen in nachhaltig produzierten Plastikbechern. Kurzum: Ein modernes und zeitgemäßes Konzept mit sehr guten Produkten. Wenn die Bestellung jetzt noch wärmer beim Kunden ankommt, kann man Mamacita bedenkenlos in die Liste der Essenslieferanten aufnehmen. 40
© PRIVAT
dass das „Essen perfekt beim Kunden ankommt“ nicht ganz erfüllt werden, fast alle
LIEFERLOKAL 2
Frisches MarktFrühstück
PIZZA
FÜR ZU HAUSE P ins a ist eine A rt P iz z a und e igne t s i c h perfekt zu m L ie f e rn, w e il S ie z u H a u s e d en letzten S c h lif f e r f äh r t .
TÄbGiLsIC1H1 Uhr von 8
Pinsarella heißt das Konzept aus dem Hause Raschhofer (Indigo, Glorious …),
der sich stetig und verlässlich zum größten Gastronomen Innsbrucks mausert. Die Pinsa ist eine Art Focaccia und kommt ursprünglich aus der Region Latium, sie wird oft weiß gebacken – ohne Tomatensauce oder auch häufig ohne Zutaten gebacken und erst im Nachhinein belegt. Damit eignet sie sich natürlich perfekt als Lieferessen, man gibt die Pinsa zu Hause noch kurz ins Rohr und belegt sie dann mit den extra verpackten Toppings. Aktuell stehen neun Pinsas zur Auswahl, allesamt originell ausgebaut, unsere Favoriten: Spinat und Feta für 11 Euro, Prosciutto und Feige für 12 Euro und die Luxusvariante Wildschwein und Trüffel für 18 Euro. Mehr über die Pinsa erfährt man auf pinsarella.at , bestellen lassen sich die Teigfreunde täglich außer Sonntag in Innsbruck über Lieferando und MJAM .
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Fotos: Archiv Bergisel Betriebsgesellschaft m.b.H. • Bause, Julian Raggl • www.praxmarer.net
ALPINES FLAIR UND ATEMBERAUBENDER 360 GRAD RUNDBLICK ÜBER DIE GANZE STADT. Nun macht sich auch im Restaurant BERGISEL SKY alpiner Charme bemerkbar. Zaha Hadids architektonisches Meisterwerk am Bergisel und Wahrzeichen für Innsbruck wurde nun innen komplett neu umgebaut. Die Verwendung von hochwertigen und heimischen Materialien kombiniert mit modernsten Möbeln, die zusammen eine authentische angenehme Atmosphäre schaffen, machen das Verweilen hoch oben im Turm zu einem wahren Erlebnis.
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Eine Reservierung im Voraus unter 0512 58 92 59 ist empfehlenswert.
SPEZIALITÄTEN:
ÖFFNUNGSZEITEN:
∙ Traditionelle Gerichte modern interpretiert ∙ Bergiseltorte | hausgemaches Eis und Kuchen ∙ Feste und Hochzeitsfeiern
Bergisel Stadion: Mi - So 09.00 bis 17.00 Uhr Bergisel Sky: Mi - So 09.00 bis 17.00 Uhr Restaurant 1809: Mi - So 10.00 bis 18.00 Uhr
Mehr zum Restaurant 1809
Genussvolles Frühstück: Kaffee und Tee nach Wahl · Heiße Schokolade · Bergiselsekt · Frisch gepresster Orangensaft · Verschiedene Rauch Fruchtsäfte · Butter · Marmelade · Nutella · Honig · Schinken · Wurstvariation und Streichwurst · Käsevariation und Frischkäse · Gemüse · Brot & Gebäck. Erweitern Sie kostenfrei Ihr Bergisel Sky Frühstück: Verschiedene Eivariationen und Aufstriche · Lachsteller · gemischter Obstteller · Müsli · Joghurts · Weißwurst mit Laugenbrezen und süßem Senf · Schokocroissant.
Mehr zum Bergisel SKY
Unser Bergisel Sky Frühstück wird unter den momentan geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen und Beschränkungen angeboten und serviert.
Bergisel Betriebsgesellschaft m.b.H. | Bergiselweg 3 | Tel. 0512 58 92 59 | office@bergisel.info | www.bergisel.info
VEGGIE-NEUZUGANG
SO SCHMECKT
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Im Green Tas t e b ie t e t man re in v e g e t a r i s c h e und vegane Küc h e an – t äg lic h f r i s c h .
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Ein kommt nie aus der Mode!
Nicht gerade zentral gelegen, am Innrain 67 , wird im Green Taste Nachhaltigkeit großgeschrieben. Täglich außer Sonntag gibt es hier ein kleines, aber feines Frühstück , Kuchen und ansprechende Mittagsgerichte (Details gibt’s immer auf Facebook) – allesamt vegetarisch oder vegan . Bei unserem Testbesuch stand ein Auberginen-Tomaten-Ragout mit Kichererbsen und Safranreis auf der Speisekarte, alternativ dazu gab es gefüllte Paprika oder einen Spinatauflauf (vegan 11,20 Euro, vegetarisch 10,20 Euro). Als gut, aber unspektakulär lassen sich die Speisen beschreiben – für einen gesunden, schnellen Lunch aber optimal, natürlich auch zum Mitnehmen.
Hofgasse 1 Altstadt Innsbruck goldenesdachl.com 43
Kaffee ohne Kultur? Das McDonald's der Kaffeehäuser Starbucks sperrt bald seinen ersten Standort in Innsbruck auf. 6020 hat bei einer Markenexpertin nachgefragt, warum die amerikanische Kaffeehaus-Kette auch bei uns so beliebt ist und ob sie zur Stadt passt. Text: Eva Schwienbacher
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STARTSCHUSS. Mit international über 32.000 Standorten zählt Starbucks zu den weltweit wertvollsten Fastfoodmarken. In Österreich ist Starbucks seit 2001 am Start. Zeitungsberichten zufolge plante das Unternehmen bei der Eröffnung der ersten Filiale, landesweit 60 Standorte innerhalb von fünf Jahren zu eröffnen. Nun, rund 20 Jahre später, entsteht in Innsbruck das 19. Kaffeehaus der USKette. Dass es Starbucks in Österreich
anfangs nicht leicht hatte, weiß Andrea Hemetsberger, Professorin für Branding an der Universität Innsbruck. Das liegt daran, dass Österreich im Unterschied zu den USA eine eigene, starke Kaffeehauskultur hat. MEHR ALS KAFFEE. „Starbucks begann in den USA in den 1970er-Jahren als Marke, die die Kaffeehauskultur erst ins Land gebracht hat“, erklärt Hemetsberger. Es etablierte in kürzester Zeit seine Läden als „dritten Ort“, einem Ort, den Konsumenten neben der Arbeit und dem Zuhause aufsuchen – ähnlich wie österreichische Kaffeehäuser oder italienische Bars. „Starbucks vermittelt ein Lifestylegefühl, das sich stark von unseren Kaffeehäusern unterscheidet. Die Cafés sind auch ganz anders in der Art der Aufmachung, Ästhetik und Servicierung“, sagt die Markenexpertin. „Aber wie die Wiener Kaffeehäuser bieten sie einen Ort zum Verweilen und Einandertreffen.“
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In der Kritik Starbucks steht wie kein anderes Unternehmen für Coffee to go und das wiederum für Plastikmüll. Das Unternehmen wirbt zwar mit Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Umwelt, doch Fakt ist: Die meisten Kunden verlassen den Laden mit einem Pappbecher in der Hand. Und dieser ist verschiedenen Umweltschützern zufolge aufgrund der Plastikbeschichtung weder recycel- noch kompostierbar. Schätzungsweise 1,6 Millionen Bäume enden jährlich als Starbucks-Becher.
© SARAH PENZ
ach Dunkin Donuts startet nun auch die größte CaféKette der Welt in Innsbruck: Starbucks mietet sich in die ehemaligen Geschäftsflächen des Traditionsunternehmens Ortner und Stanger in der Herzog-Friedrich-Straße ein, das an den bestehenden Standort am Marktgraben übersiedelt. Geplant ist ein zweistöckiges, sogenanntes Coffee House für 100 Gäste. Derzeit laufen die Umbauarbeiten. Die Eröffnung soll im Mai stattfinden.
Falscher Name, gratis Werbung Seit 2012 schreiben Starbucks-Mitarbeiter den Vornamen der Kunden auf den Kaffeebecher. Und wer sich schon mal einen Coffee to go bei Starbucks geholt hat, kennt es mit großer Wahrscheinlichkeit: Der Barista schreibt den Namen falsch. Laut einer Untersuchung des Unternehmens Brandwatch aus dem Jahr 2017 bringt dieses im Netz viel diskutierte Phänomen Starbucks rund 50 Erwähnungen pro Tag allein auf Twitter, indem Kunden ihre Erfahrung posten. Das Fazit von Brandwatch: Steckt dahinter tatsächlich das Kalkül, kostenlose Werbung auf Social Media zu generieren, dann ist das eine brillante Idee.
MAN WEISS, WAS MAN KRIEGT. Zum Durchbruch der Café-Kette hat auch die Riesenauswahl unterschiedlicher, teils picksüßer Kaffeeprodukte beigetragen, für welche Kunden verhältnismäßig tief in die Tasche greifen müssen. Starbucks sei zwar eine Massenmarke, aber man kriegt dort jenen Drink, der den eigenen Vorlieben entspricht. „Damit wird Kaffee zu etwas sehr Individuellem, mit dem sich Konsumenten und Konsumentinnen differenzieren können“, sagt Hemetsberger. In Innsbruck dürfte sich besonders das jüngere Publikum über den Cafézuwachs aus Amerika freuen. „Die Zielgruppe sind jüngere Menschen. Auch Touristen und Touristinnen, die etwas
Zur Person Andrea Hemetsberger ist Professorin für Branding an der Universität Innsbruck und Leiterin des Brand Research Laboratory.
Wir sagen, wo’s herkommt!
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Transparenz auf unserer Speisekarte ist selbstverständlich.
Da
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Christine und Alois Rainer Gasthof Post, Strass im Zillertal
Tirols Wirtinnen und Wirte stehen für freiwillige Herkunftskennzeichnung. Ein Schulterschluss zwischen Tiroler Wirtschaft und Landwirtschaft. www.dakommtsher.at
mt’s her.
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Starbucks weltweit: Gegründet: 1971 in Seattle Sitz: Seattle Standorte weltweit: über 32.000 in rund 80 Ländern Standorte in Österreich: 18 in Wien und Salzburg. In Innsbruck entsteht die 19. Filiale. Nettoumsatz 2020: 23,52 Milliarden US-Dollar
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Stefan Hungenberg, General Manager Starbucks Österreich und Schweiz
Wie wird das Angebot in Innsbruck aussehen? Unsere Devise ist es, unseren Gästen weltweit das gleiche Erlebnis mit großartigen Kaffeespezialitäten, persönlichem Service und gemütlichen Coffee Houses bieten zu können. In Innsbruck wird es entsprechend die Starbucks-Favoriten geben, wie es Gäste aus den Coffee Houses weltweit und insbesondere aus Wien und Salzburg bereits kennen. Das Angebot umfasst unsere Kaffee-, Tee- und Frappuccino-Getränke, die American Style Bakery sowie frische Sandwiches. Zusätzlich gibt es einzigartige und teils auch speziell für Innsbruck designte Merchandise-Artikel, wie Cups und Tumblers, die dabei helfen, die Umwelt zu schonen. 2001 plante Starbucks, 60 Standorte in Österreich in fünf Jahren zu eröffnen. Warum wurden diese Pläne nicht umgesetzt? 2021 haben wir einerseits unser 20-jähriges Bestehen in Österreich gefeiert, aber auch unser 50. Jubiläum global. Das zeigt, dass wir eine beständige Größe international und auch in Österreich sind. Wir haben immer sehr ambitionierte Ziele, was unsere Produkte und auch unsere Standorte angeht. Unser oberstes Credo ist es, gemäß den Wünschen und der Nachfrage unserer Kund:innen zu handeln. In den letzten 20 Jahren sind wir in Österreich deutlich gewachsen. Wir sind mit unserem Angebot auf dem richtigen Weg. So werden wir auch zukünftig in den Markt investieren und neue Standorte evaluieren.
Starbucks in Innsbruck Location: in der ehemaligen Ortner-und-Stanger-Filiale in der Altstadt Mitarbeiter: 13 Angebot: typische StarbucksProdukte, wie Tees, Kaffees und Frappuccinos, Sandwiches, Süßwaren in American Style und speziell für Innsbruck designte Merchandise-Artikel
„Natürlich passt Starbucks kulturell gar nicht zu Innsbruck. Es gibt keine gemeinsame Geschichte. Aber Starbucks ist ein wertvolles touristisches Angebot für Innsbruck. Und auch viele junge Einheimische werden Starbucks suchen, was sie kennen, und wissen lieben.“ Andrea Hemetsberger
wollen, was sie kriegen, gehen dorthin“, sagt Hemetsberger. Das ist auch der Grund, warum sich Starbucks in den großen Städten im Zentrum positioniert – oft in der Nähe von McDonald's, wie auch in der Innsbrucker Altstadt. KEINE KONKURRENZ. Für ein Café Katzung, Central oder Sacher stelle Starbucks keine Konkurrenz dar, zumal die Café-Kette Leute anspreche, die die Kaffeehauskultur ohnehin nicht so leben. Auf die Frage, ob Starbucks zu Innsbruck passt, meint die Uniprofessorin: „Natürlich passt Starbucks kulturell gar nicht zu Innsbruck. Es gibt keine gemeinsame Geschichte. Aber Starbucks ist ein wertvolles touristisches Angebot für Innsbruck. Und auch viele junge Einheimische werden Starbucks lieben.“ Im Großen und Ganzen würde die Innenstadt immer von solchen Angeboten profitieren. © PRIVAT
Was sind Ihre Erwartungen an Innsbruck? Kaffee hat in Österreich eine lange Tradition. Als Coffee House wollen wir einen Platz für Arbeit, Lernen, Austausch mit Freund:innen, aber auch für den schnellen Coffee to go schaffen. Einen Ort zum Wohlfühlen, zum Kreativsein und Arbeiten. Das bieten wir auch unseren Konsument:innen in Innsbruck und sind schon sehr gespannt, wie das Feedback sein wird. Aktuell gibt es nur positive Reaktionen zur Expansion von Starbucks in den Westen Österreichs. 46
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SERIE
BOHNEN, DIE S I C H LOHN E N MundArt feiert den Tag der Hülsenfrüchte und kocht Bohnensuppe. von Flo Seidl
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ülsenfrüchte sind gesund, nahrhaft, proteinreich und stickstoffbindend. Am 10. Feber wird deshalb weltweit auf die positiven Eigenschaften von Hülsenfrüchten hingewiesen. Hülsenfrüchte können einen großen Beitrag zu einer nachhaltigen, gesunden Landwirtschaft und Ernährung leisten. Mit dem Anbau von Hülsenfrüchten kommen weitere Kulturen auf die Äcker, die einen positiven Effekt auf die Böden haben. Hülsenfrüchte lockern mit ihrem weit verzweigten Wurzelwerk den Boden und machen ihn fruchtbar. Ganz nebenbei fördern die Pflanzen auch die biologische Vielfalt, da ihre Blüten ein wertvolles Insektenfutter liefern. Um auf diese positive Dynamik hinzuweisen, hat die UN-Generalversammlung den internationalen Tag der Hülsenfrüchte eingeführt. MundArt macht da gerne mit, feiert den internationalen Tag der Hülsenfrüchte und kocht, passend zur Jahreszeit, ein wärmendes Bohnensüppchen – diesmal im Thai-Style. #worldpulsesday #lovepulses
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MUNDA RT
Feinnussig Das feinnussige Aroma der Käferbohne passt hervorragend zu dieser scharfen, asiatischen Suppe. Käferbohnen, die auch als Prunk- oder Feuerbohnen bezeichnet werden, sind ein ausgezeichneter Eiweißlieferant und vorzüglicher Ballaststoffspender, der zudem noch fettarm ist. Außerdem haben Käferbohnen große Mengen an Vitamin B, Mineralund Spurenelementen und sollen entzündungshemmende und krebsvorbeugende Wirkungen besitzen.
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EINE SPARGUTSCHEINKARTE Das Rezept: Bohnensuppe Zutaten: 500 g Käferbohnen, 2 Karotten, 1 Spitzpaprika, 1 Dose Kokosmilch, Chili, 1 Stück Ingwer, 1 Knoblauchzehe, 1⁄₄ Stange Lauch, 2–3 Frühlingszwiebel, frischer Koriander, Suppenwürze, Kurkuma, Pfeffer, Salz, Erdnussöl Zubereitung: Bohnen über Nacht in kaltes Wasser einlegen. Karotten und Lauch putzen und in feine Streifen schneiden. Ingwer und Knoblauch fein hacken. Frühlingszwiebel in Ringe schneiden. Paprika in Streifen schneiden.
IM WERT VON 50 EURO
Eingelegte Bohnen abseihen und in Wasser etwa 45 Minuten weich köcheln lassen. In einem schweren Topf etwas Öl erhitzen. Zwiebeln, Ingwer und Knoblauch anbraten, restliches Gemüse hinzugeben und ein paar Minuten mitdünsten lassen. Mit Kokosmilch und etwas Wasser aufgießen und 10 Minuten köcheln lassen. Bohnen hinzugeben. Mit Kurkuma, Chili, Pfeffer, Salz und Suppenwürze abschmecken. Suppe in Schalen anrichten und mit frisch gezupftenm Korianderblättern anrichten.
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Kennwort: „MundArt“ Einsendeschluss: 28. Feber 2022 Rechtsweg ausgeschlossen keine Barablöse Brunecker Straße 3 6020 Innsbruck gewinnspiel@6020stadtmagazin.at
PROGRAMM FE B E R 2022
THEATER
5. FEBER 20 UHR
Z WI S CH E N D R A MA U N D KO M Ö D I E
„MORGEN IST LEIDER AUCH NOCH EIN TAG“ IM THEATER PRAESENT
In „Morgen ist leider auch noch ein Tag“ wird das Tabuthema Depression aufgeknackt und humorvoll seziert. Roman Blumenschein erzählt in seinem Theatersolo nach dem gleichnamigen Roman von Tobi Katze von einem Menschen mit Depression und dessen Versuch, den Alltag und das Leben zu meistern.
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KONZERT
24. FEBER 20 UHR
MUS I K ALI SCH E G R E N Z E R FAH RU N G „DAS EXPERIMENTELLE VORABENDPROGRAMM“ IN DER BÄCKEREI
In der neuesten Ausgabe des Formats für nicht alltägliche Sounds dreht sich alles um Improvisation und gebrochene Versprechen. ANMA und Hoolshopper – beide mit Heart-of-NoiseErfahrung – kreieren feine, nicht reproduzierbare Klanglandschaften und hinterfragen das Dancefloor-Diktat.
LITERATUR
9. FEBER 19 UHR
SUCH E N ACH D E R V E R LO R E N E N Z E IT „MEIN PROUST-MOMENT“ MIT JULYA RABINOWICH UND ANTON THUSWALDNER IM LITERATURHAUS AM INN
© NICOLE SCHOPF, PRIVAT, B. PALFFY
Ein Stück Madeleine gemischt mit Tee ist der wohl bekannteste Erinnerungstrigger der Literaturgeschichte. Anlässlich Marcel Prousts 150. Geburtstag beschäftigen sich im Erzählband „Mein Proust-Moment“ verschiedene Autorinnen und Autoren mit den Geschmäckern und Gerüchen, die ihre eigenen verborgenen Erinnerungen hervorrufen.
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PROGRAMM
KONZERT
5. FEBER 20 UHR
NÄHE UND D I STAN Z
LOW POTION IM STROMBOLI
In der Unsicherheit der letzten Monate und im Angesicht der Einschränkung der Quarantäne haben die MultiInstrumentalist:innen Anna Widauer und Chris Norz alias Low Potion ein AkustikProgramm entwickelt, das den Namen „Lust auf wenig“ trägt und mit seinen sphärischen Klängen gleichzeitig Lust auf mehr macht.
Mamma mia!
DEMONSTRATION
14. FEBER
Das größte Skigebiet nahe Innsbruck
Z E I CH E N G E G E N G E WALT „ONE BILLION RISING“ BEI DER ANNASÄULE
Bist du wild genug?
Jede dritte Frau weltweit – umgerechnet eine Milliarde Frauen – war bereits Opfer von Gewalt, wurde geschlagen, zu sexuellem Kontakt gezwungen, vergewaltigt oder in anderer Form misshandelt. Die Feministische FrauenLesbenVernetzung Tirol lädt deshalb am Valentinstag zum Protest gegen Gewalt an Frauen.
Nur 21 Minuten von Innsbruck 52
© MARK MOSMAN, 100 BESTE PLAKATE E.V, BEN RANEBURGER, FEMINISTISCHE FRAUENLESBENVERNETZUNG TIROL
17 UHR
BIS 25. FEBER V I SU E LLE M E M OS
Mozart Bruckner
AUSSTELLUNG
„100 BESTE PLAKATE 20 DEUTSCHLAND ÖSTERREICH SCHWEIZ“ IM WEI SRAUM DESIGNFORUM TIROL UND IM INNENHOF LANDHAUS 2
Das gedruckte Plakat erlebt seit geraumer Zeit eine Renaissance. Die Ausstellung zeigt die interessantesten und schönsten Plakate aus dem deutschsprachigen Raum, die durch den spielerischen Einsatz von Fotografie, Illustration und Farbe in Kombination mit typografischen Elementen überzeugen.
40 %
E RMÄ S THEATER
11. & 12. FEBER 20 UHR
G E S CH I CHTE E I N E R KÜ N STLE R I N
„BIN NOCH IN TANGIER UND DARF NICHT REISEN. THERESE.“ IM BRUX
Das multimediale Theaterprojekt von walktanztheater.com erzählt die Geschichte der österreichischen Tänzerin Therese Zauser, die Ende der 1920er-Jahre ihr Leben in Vorarlberg gegen eine Karriere als Tänzerin und Sängerin in den Mittelmeerländern und Afrika eintauschte – die 1942 im KZ Ravensbrück endete.
SIGU NG
unter für alle en 27 Jahr
17. & 18. FEB 2022 20 UHR CON G RE SS IN N SB RU CK SA A L T IROL www.tsoi.at
PROGRAMM
AUSSTELLUNG
AB 4. FEBER GÖTTLI CH E R PROZ E S S „GÖTTINNEN“ IM TAXISPALAIS
Wie können wir handeln, ohne zu kategorisieren, vermessen und bewerten? Was, wenn wir verstehen, dass wir zum Anderen dazugehören so wie das Andere zu uns? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich die Ausstellung Göttinnen, an der Ursula Beiler, Karrabing Film Collective, Emeka Ogboh, Elisabeth von Samsonow und Tejal Shah laufend arbeiten werden – mit einem Ticket bekommt man deshalb viermal Zutritt, um die Veränderungen und Fortschritte zu erleben.
www.innstrumenti.at
LITERATUR
17. FEBER 19 UHR
U NTE RSCH I E D E UND GEMEINSAM KE ITE N
„[PSEUDONYM LUDER] TEXTE GEGEN MACHT UND OHNMACHT“ IN DER STADTBIBLIOTHEK
Wir sind das Bier,
facebook.com/JollyInnsbruck
Widerstand ist zwecklos!
Frauen verschiedener Generationen lesen Texte verschiedener Genres – immer im Doppel, inklusive einführendem Generationendialog. Mit dabei sind die Autorinnen Julia Costa, Christl Greller, Karin Ivancsics, Mieze Medusa, Siljarosa Schletterer und Erika Wimmer. Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Grazer Autorinnen Autorenversammlung.
KONZERT
19. FEBER 19.30 UHR
Z E ITG E N ÖS S I SCH E KL A S S I K „KOMPONIST:INNEN UNSERER ZEIT“ IM HAUS DER MUSIK
Das Kammerorchester InnStrumenti widmet sich in der 22. Ausgabe von „Komponist:innen unserer Zeit“ unter dem Motto „flüchtig“ Werken von Werner Pirchner, Philipp Ossanna, Michael Leitner, Manuele Kerer und Eduard Demetz. 54
Sen
GEHÖRT GESEHEN SONDERAUSSTELLUNG
City
3-D SOUNDSTORY
EIN AKUSTISCHER STÄDTETRIP Ausstellung der Künstlerin DEBORAH SENGL in einer Augmented Audio-Installation von SONIC TRACES. Ein gemaltes Stadtlabyrinth in 3-D, das man durch Bewegung und Zuhören erobert. Die Ausstellung ist ab Februar 2022 zu sehen.
LITERATUR
23. FEBER www.audioversum.at
19 UHR
B LUTI G E R A B S CH LUS S
URSULA POZNANSKI IN DER STADTBIBLIOTHEK
© GABY GERSTER, MIEZE MEDUSA, ELISABETH VON SAMSONOW, ERDSEELE DIE HERSTELLUNG EINES TRIGGER POINTS (DETAIL), 2021
Bestsellerautorin Ursula Poznanski spricht mit Martin Fritz über ihre Thrillertrilogie rund um die geheimnisvolle Blumenhändlerin Carolin und liest aus „Vanitas. Rot wie Feuer“, dem gerade erschienenen Abschluss der Serie.
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Der Schreibtischtäter Lachen & Leichen: Früher war die Kabarettbühne der Tatort von Harald Haller. Jetzt tötet der Ex-„Schienentröster“ für Geld und geht bei Bedarf auch auf Pointenjagd. Als Drehbuchautor muss man flexibel sein. Und es mit Humor nehmen, wenn einem Matthias Schweighöfer die Tour vermasselt. Text: Christiane Fasching – Fotos: Franz Oss
S
einen ersten Mord hat Harald Haller einem Schauspieler in die Schuhe geschoben. Oder auf den Leib geschrieben. Wie man will. Acht Jahre ist das nun her – und das war erst der Anfang einer beachtlichen Tötungsserie, zu der sich der 46-jährige Innsbrucker freimütig und nicht ohne Stolz bekennt. Mord ist nämlich für ihn mehr als nur ein Hobby. Seit dieser dramatischen Initialtat flimmerte Harald Hallers Name mehr als 20-mal im Abspann von „Soko Kitzbühel“ über den Bildschirm. Dass der Tiroler Krimidauerbrenner, der nun nach 20 Jahren Laufzeit abgesetzt wurde, auch seine Handschrift trug, freut den autodidaktischen Drehbuchautor, der eigentlich zum Förster bestimmt war. Oder zum Pfarrer. Geworden ist aus ihm aber ein überforderter Lehrer, der irgendwann als Kabarettist sein Glück suchte und auch fand. Aber das ist nur das vorläufige Ende einer Geschichte, zu der auch eine Handvoll Kaspressknödel gehört. Was ist denn das bitte für ein Plot? Also: Alles auf Anfang! ALTAR UND EGO. „Meine Großeltern hätten narrisch gern einen Pfarrer oder einen Förster in der Familie gehabt“, erinnert sich Haller an den ersten beruflichen Scheideweg seines Lebens. Schwer fiel ihm die Richtungsfindung damals nicht. „In der Kirche wollte ich wirklich nicht landen, da war mir die
Forstschule noch lieber“, lacht der Absolvent der Bundeslehranstalt für Forstwirtschaft in Bruck an der Mur, der letztlich nie als Förster gearbeitet hat. Stattdessen sattelte er auf Lehrer um, in der Annahme, dass „die Arbeit mit Kindern sicher nett ist“. Als ob.
„ICH MUSS IMMER JEMANDEN UMBRINGEN: OHNE TOTE GEHT’S NICHT.“ „Die Kids haben mir total auf den Kopf geschissen“, denkt der gescheiterte Pädagoge an diese erkenntnisreichen Lehrjahre zurück. Haller: „Zum Lehrer muss man geboren sein oder ein Talent haben: Ich hatte beides nicht.“ Ganz umsonst war der Besuch der Pädak dann aber doch nicht: Schließlich lernte Haller dort zwei bühnenhungrige Kommilitonen kennen, die ihn in dem Wunsch bestärkten, sein Glück auf der Bühne zu versuchen. Geboren war die Kabarettformation „Schienentröster“, die anfangs als Trio und später als Duo auf Pointenjagd ging. 57
Mehr als zehn Jahre lang waren Harald Haller und Daniel „Düsi“ Lenz ein eingeschworenes Team, das nicht nur in ganz Österreich, sondern auch in Südtirol, Deutschland und der Schweiz redliche Erfolge feierte. „Wir haben tatsächlich vom Kabarett leben können: Für Tiroler ist das echt ungewöhnlich“, resümiert der Profispaßmacher, der irgendwann aber keine Lust mehr aufs Lustigsein hatte. „Ich habe gemerkt, dass mich das Dasein auf der Bühne zu viel Kraft kostet. Ich war oft krank, hatte Probleme mit der Stimme und es satt, Veranstalter um Engagements anbetteln zu müssen“, begründet Haller das Ende seiner Kabarettkarriere, die 2001 begann und 2014 auslief. An das „Schienentröster“-Kapitel erinnern nicht nur etliche abendfüllende Programme, sondern auch ein Low-Budget-Kinofilm, der um Freiheitsvisionen, Mistgabelmissionen und einen lukullischen Tiroler Hüttenklassiker kreiste. Und Haller zur Erkenntnis brachte, dass in ihm ein idealer Schreibtischtäter steckt. AUS DEM BAUCH HERAUS. Mit der Kinoproduktion „1810 – Für eine Handvoll Kaspressknödel“ erfüllten sich die „Schienentröster“ im Jahr 2011 dank einer Mischung aus Mut und Übermut und trotz mickrigen Budgets ihren Traum von der großen Leinwand. Davon Wind bekam auch der ORF, der den Alpen-Braveheart mit Hallers Handschrift im Nachtprogramm ausstrahlte.
Den Kontakt zum Küniglberg wollte der noch recht unbedarfte Neodrehbuchautor damals nicht ungenutzt lassen. Ganz ungeniert fragte er deshalb beim ORF nach einem Job und bekam die Chance, sich im „Soko-Kitzbühel“-Team zu beweisen. Wie man ein Drehbuch schreibt, wusste Haller damals nicht. „Ich habe das ja nie gelernt, sondern einfach aus dem Bauch heraus geschrieben. Und richtig können tu ich es eigentlich immer noch nicht“, tiefstapelt der Serientäter, der mittlerweile auch dafür sorgt, dass den Ermittlern der „Soko Linz“ die Arbeit nicht ausgeht. Hat er dabei eigentlich künstlerische Narrenfreiheit? „Ich muss immer jemanden umbringen: Ohne Tote geht’s nicht“, lacht Haller und gibt Einblicke in den strikten Krimiablauf, an den er sich zu halten hat. Auf den ersten vier Seiten muss eine Leiche her, dann gilt es, brisante Fragen aufzuwerfen und mindestens drei Verdächtige ins Spiel zu bringen. Stichwort: Mitrate-
ZUR PERSON Seit acht Jahren ist Harald Haller (46) als Drehbuchautor im Einsatz: Seine Handschrift hat er in mehr als 20 Folgen von „Soko Kitzbühel“ hinterlassen, im Dezember feierte seine Tiroler Stadtkomödie „Die Lederhosenaffäre“ TV-Premiere. Der einstige „Schienentröster“ war auch im Schreibteam der ORF-Comedyserie „Wischen ist Macht“ aktiv und liefert aktuell Serienstoff für „Soko Linz“. Der Vater von drei Kindern lebt und arbeitet in Birgitz und nutzt regelmäßig das Café Central als Ort der Ideenentwicklung. Aktuell schreibt er an einem Südtiroler Bergdrama für die große Leinwand. Sein Plot für eine Story im Tiroler Drogenmilieu mit Tobias Moretti und Gregor Bloéb als zwielichtigem Brüderpaar wartet noch auf Geldgeber.
Plot für die Schublade: Das Drehbuch für „99 Dinge“ hat leider nie den Weg ins Patschenkino gefunden.
faktor. Im letzten Drittel braucht es aus Spannungszwecken dann unbedingt noch eine Gewalttat und schließlich die hoffentlich brillante Auflösung. Fertig ist das Krimi-ABC, das Haller mittlerweile aus dem Effeff beherrscht. AUF HITCHCOCKS SPUREN. Doch der Vater von drei Kindern kann auch gänzlich unblutig, wie er zuletzt in der Tiroler Stadtkomödie „Die Lederhosenaffäre“ bewiesen hat. Den Plot dazu hat er gemeinsam mit seinem Kreativkollegen Marc Brugger ersonnen und damit einen turbulenten Markenrechtsstreit mit romantischen Einsprengserln aufs Papier gebracht. Fortsetzung nicht ausgeschlossen. War er mit der filmischen Umsetzung seiner Unterhaltungsvorlage zufrieden? „Mir ist es nervenmäßig echt nicht leichtgefallen, das fertige Produkt anzuschauen: Beim Schreiben habe ich den Film ja schon im Kopf – aber ich bin halt nicht der Regisseur, deshalb kommt am Ende auch etwas anderes heraus“, meint er. Ganz ohne Groll. Die krachlederne Komödie mit Erwin Steinhauer, Josephine Bloéb und Stefan Pohl fand Haller nämlich extrem gelungen. „Es ist ein cooles Gefühl, wenn die eigenen Dialoge plötzlich zu leben beginnen“, schwärmt er vom fast schon bizarren Moment, wenn das Kopfkino zum Patschenkino wird. Sich selbst hat Haller übrigens auch eine kleine Rolle gegönnt und damit zu einem Hitchcock-Moment verholfen. „Ich habe mich in einer Szene als Bibliothekar eingebaut. Das hat voll Spaß gemacht, aber mir war dann auch recht, dass ich nur einen Drehtag hatte. Länger würde ich diesen Job echt nicht machen wollen. Da bleibe ich lieber beim Schreiben.“ 58
Die Angst vor dem weißen Blatt kennt Haller dabei nicht. „Mir fällt eigentlich immer etwas ein: Offenbar steckt schon ein gewisses Talent für Geschichten in mir. Dafür kann ich halt keinen LKW rückwärts einparken“, schmunzelt Haller, der gerade mittendrin in der Entwicklung eines Südtiroler Bergdramas steckt. Die Geschichte, an der er mit der Schauspielerin Jasmin Mairhofer arbeitet, hätte in seinen Augen auch Kinopotenzial. Aber ob das vom Leben inspirierte Rührstück tatsächlich irgendwann auf der großen Leinwand landet, steht noch in den Sternen. Es wäre nämlich nicht das erste Mal, dass ein Skript von Haller im letzten Moment dann doch nur als Stapel Papier in der Schublade endet. Der Weg zum Langfilm ist leider ein steiniger. Und manchmal heißt der Stein Matthias Schweighöfer. 99 DINGE. Sein Trauma to go hat Harald Haller mit dabei. „99 Dinge“ steht auf dem Deckblatt des stattlichen Drehbuchs, das von den Nachwehen eines fiktiven Klassentreffens erzählt. In illuminiertem Zustand lässt sich der Held, ein verwöhnter Berufssohn, mit seinen Spezis aus Jugendtagen auf eine folgenschwere Wette ein. Fortan will das Luxusbubi frei nach dem Motto „Weniger ist mehr“ nur noch mit 99 Dingen auskommen. So weit, so gut. Aber, Moment mal: Gibt’s da nicht eine ganz ähnliche Geschichte?
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„Ja, eh“, meint Haller knapp. Um dann auszuholen. Es war nämlich so: Vor ein paar Jahren legten Haller und Brugger dem ORF die Idee zu diesem Buddy-Movie vor. Was folgte, war der Auftrag für ein 15-seitiges Treatment, das ebenfalls auf Gefallen stieß. Das Go für das Drehbuch war geritzt, am Küniglberg war man vom fertigen Plot begeistert. Doch dann – ein Monat vor dem Drehstart – bekam Haller einen Anruf aus Wien. „Die Redakteurin hat mich gefragt, ob ich eh sitze. Da habe ich mir schon gedacht, dass was nicht passt“, denkt er daran zurück. Das Problem war rasch erzählt: Parallel zu den Drehvorbereitungen für „99 Dinge“ rührte Matthias Schweighöfer gemeinsam mit seinem Schauspielkollegen Florian David Fitz die Werbetrommel zum Kinofilm „100 Dinge“. Darin spielen die beiden ein Kumpelpaar, das – aus Wettgründen – sein Hab und Gut wegsperrt, um zu beweisen, dass man auch ganz gut von 100 Dingen leben kann. „Ich glaube zwar, dass wir mit unserer Geschichte früher dran waren, aber bis der ORF Geld fürs Drehen hatte, waren wir dann hintendran. Das war schon sehr bitter“, sagt Haller. Und packt die „99 Dinge“ wieder weg. Etwaige Recherchen, ob damals Infos nach Deutschland geflossen waren, verliefen übrigens ins Leere. Für die zwei Jahre Arbeit, die investiert wurden, gab es zwar eine kleine Entschädigung, aber den Frust über diesen nie gedrehten Film macht das auch nicht wett. Die Frage, ob man als Drehbuchautor in Österreich auch dann reich wird, wenn man nicht Uli Brée heißt, kommt einem jetzt fast ein bisserl gemein vor. „Zahlsch eh du, oder?“, so Hallers Konter. Seinen Humor lässt er sich auch von filmreifen Rückschlägen wie der Akte Schweighöfer nicht nehmen. Aus Rache könnte er ihm ja einen Mord in die Schuhe schieben. Dann hat er es!
„ES IST EIN COOLES GEFÜHL, WENN DIE EIGENEN DIALOGE PLÖTZLICH ZU LEBEN BEGINNEN.“
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HOCHEXPLOSIV: Im Außendepot des Stadtarchivs Innsbruck lagern wichtige geschichtliche Fundstücke wie eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg (entschär f t) und ein Pornohef t mit Innsbruckbezug (noch immer schar f ).
PORNO, PUNK UND GLÄSERNER KÄSE Das Innsbrucker Stadtarchiv ist nicht nur Endlagerstätte Hunderter Tonnen an städtischen Altakten. Es sammelt und bewahrt auch Alltagsgegenstände des Stadtlebens. Was auf den ersten Blick absurd wirken kann, wird künftigen Generationen wichtige Einblicke in eine dann längst vergangene Zeit gewähren. Text: Klaus Erler – Fotos: Axel Springer
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hr meint allen Ernstes, dass ihr mich dazu bringen könnt, euch bei der Eiseskälte in diesem Scheißlift zu ficken?“ Heftchen, die derartige Fragen aufwerfen, um die Antwort gleich danach mit entsprechender Bildunterstützung an ihre Kundschaft zu bringen, vermutet man eher am Bahnhofskiosk denn in einer ehrenwerten Einrichtung wie dem Stadtarchiv Innsbruck. EIN ECHTER SKANDAL. Genau dort aber liegt das deutsche „Pleasure“-Pornoheft, Ausgabe 44/1982, aus dem dieser Satz stammt, und das hat einen guten Grund: Die Protagonisten der darin abgedruckten Porno-Fotonovela „Wetten, daß …“ haben nicht nur klassische ÖSV-Mützen auf, sie gehen ihrer sichtlich vergnüglichen Arbeit auch ausgerechnet in einer Gondel der alten Patscherkofelbahn bergwärts nach. Über den Inhalt der mehr als 20 Seiten langen Story muss man nicht viele Worte verlieren, „die Nacktbilder aber sorgten in Innsbruck der Achtzigerjahre für einen profunden, medial begleiteten Skandal“, erinnert sich Lukas Morscher, der Leiter des Innsbrucker Stadtarchivs. Deshalb ist für ihn dieses Magazin bewahrenswert. Mit
„Wenn wir es nicht aufheben, dann hebt’s irgendwann keiner mehr auf und dann ist es weg!“ Lukas Morscher, Leiter Stadtarchiv Innsbruck
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seiner Aussage liefert der Archivar zudem auch gleich einen Hinweis darauf, dass er die Aufgabe des Innsbrucker Stadtarchivs weiter fasst als das eigentliche Kerngeschäft, „den täglichen Aktenanfall der Stadt Innsbruck zu bewahren, zu erschließen und auch in Zukunft zugänglich zu machen“. Viel weiter! Lukas Morscher: „Dem Team des Stadtarchivs geht es vor allem auch darum, den Innsbrucker Alltagsmenschen quer durch die Jahrhunderte zu dokumentieren, egal ob er eine Wöchnerin des 19. Jahrhunderts war oder ein Protagonist der Innsbrucker Punkbewegung in den Achtzigerjahren.“ Um dieses Ziel wenigstens ansatzweise zu erreichen, sind Morscher „viele Mittel recht“, wie er schmunzelnd zugibt. „COVID-19 IST DAS VIRUS …“. Und so werden im Stadtarchiv eben auch Dinge archiviert, die im ersten Moment leicht absurd wirken, bei näherer Betrachtung aber sehr wohl wichtige Vergrößerungsspiegel unserer Zeit sind. Es gibt hier zum Beispiel eine große Auswahl an Straßenplakaten (mit dem aktuellen Neuzugang „Covid-19 ist das Virus – Kapitalismus ist die Krise“), Speisekarten, absurden Bürgermeistergeschenken wie
Das neue Außendepot des Stadtarchivs Innsbruck Archivfläche: Derzeit 2.500 Quadratmeter auf zwei Etagen, 2024 kommen im selben Haus dann noch 700 Quadratmeter dazu. Die Exponate, die hier zu finden sind, waren früher auf fünf Außenstellen verteilt. Seit fast eineinhalb Jahren ist das Außendepot in Betrieb, hier liegen nicht nur 170 Tonnen an Altakten des Rathauses, sondern auch Skulpturen, Bilder, Geschenke an die Stadt, Pläne, Personalakten, Privatsammlungen, Fotosammlungen, Siegelsammlungen, alte Pläne und vieles mehr. Mitarbeiter: zehn Vollzeitäquivalente
ABSURDES GESCHENK AN DEN INNSBRUCKER BÜRGERMEISTER: ein gläsernes Käsestück
BILDERDEPOT: Auf einem speziell ent wickelten Schiebegerüst mit 3.400 Quadratmeter Hängef läche werden im Außendepot insgesamt 3.800 Bilder archivier t.
ein gläsernes Käsestück, und vieles mehr, was vom Team des Stadtarchivs liebevoll als „geschichtliches Kramuri“ bezeichnet wird: eine entschärfte Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg etwa, Messerer-Ski des gleichnamigen Sportgeschäfts in der Andreas-Hofer-Straße 28, das wohl einzige noch erhaltene Papiersackerl des Kaufhaus Kraus, Vorgänger des jetzigen Kaufhaus Tyrol, oder ein Relief der Nordkette als Architekturmodell, das sichtlich schon bessere Tage gesehen hat.
DAS EINGEMIETETE INNSBRUCKER SUBKULTURARCHIV sammelt im Außendepot Ver sat zstücke der städtischen Nacht- und Alternativkultur.
DER „GIFTSCHRANK“. Für Gegenstände, die aus verschiedenen Gründen einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen, wird das Stadtarchiv-Außendepot in der Feldstraße 11a zum gesicherten Aufbewahrungsort: Unter dem liebevollstrengen Sammelbegriff „Giftschrank“ kümmert man sich hier auch um sogenannte Realien, wenn sie eine besonders würdevolle Aufbewahrung benötigen oder weil sie substanziell gefährlich sind – wie zum Beispiel das mit Quecksilber angefüllte Alkoholmeter des Innsbrucker Marktamts. Auch wenn
Sorgte in den Achzigerjahren für einen profunden Skandal: das „Pleasure“- Magazin mit PatscherkofelPorno - Fotonovela.
sie dem gängigen Sittlichkeitsverständnis widersprechen, wie das eingangs erwähnte „Pleasure“-Magazin, finden geschichtlich wertvolle Fundstücke hier ein wohltemperiertes Plätzchen. So liegen hier dann „Pleasure“-Magazine einträchtig neben Zeitdokumenten, die ideologisch bedenklich sind und eine geschichtliche Kontextualisierung benötigen. Zu Letzteren zählen inzwischen selten gewordene Hochzeitsausgaben von Hitlers „Mein Kampf“ ebenso wie ein in Innsbruck gefundener NS-Vorläufer der später so erfolgreichen Panini-Kinder-Sammelalben mit dem illustren Titel „Sammelwerk Nummer 5, Deutschland erwacht“, samt „Klebebild 83, Propagandamarsch München 32“. Und auch wenn sich dem Laien bei vielem, das sich im Außenlager des Stadtarchivs wohlgeordnet und katalogisiert angesammelt hat, der Sinn nicht sofort erschließt, sind es für Lukas Morscher wichtige Quellen gelebter Zeitgeschichte. Diese gehören bewahrt, denn: „Wenn wir es nicht aufheben, dann hebt’s irgendwann keiner mehr auf und dann ist es weg!“
TEILE DER ALLTAGSGESCHICHTLICHEN SAMMLUNG: ein antiquier tes Nordket tenRelief und ein in Innsbruck gefundenes Antifa - Plakat zum Thema „Kapitalismus und Corona“.
Fundstücke willkommen Die Mitarbeiter des Stadtarchivs Innsbruck freuen sich immer über interessante, auf Innsbruck bezogene Fundstücke und besuchen gerne auch aufzulösende Wohnungen zwecks alltagsgeschichtlicher Spurensuche. Kontakt unter: post.stadtarchiv@innsbruck.gv.at 63
© FILMLADEN FILMVERLEIH
KI NO
MENSCH IM RAMPENLICHT: Kaouther Ben Hania rechnet mit der Kunstszene ab.
Arme Haut Mit „Der Mann, der seine Haut verkaufte“ gelingt der tunesischen Regisseurin Kaouther Ben Hania nicht nur eine scharfe Satire auf den internationalen Kunstmarkt, sondern auch ein kleines Märchen rund um die unsterbliche Liebe. Text: Klaus Erler
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er junge Syrer Sam Ali ist vielleicht nicht der Hellste, aber voller Energie und haltlos verliebt in seine Freundin Abeer. Als diese seinen Heiratsantrag annimmt und Sam im Glücksrausch regimekritische Witze macht, hat er jene unsichtbare Linie überschritten, hinter der die syrische Staatspolizei auf Kritiker wartet. Sam wird verhaftet, eine Flucht in den Libanon rettet ihn kurzfristig, führt allerdings zu neuen Problemen: Die alleingelassene Abeer heiratet einen Diplomaten und folgt diesem nach Belgien.
EIN UNANNEHMBARES ANGEBOT? In seiner gefühlsmäßig trostlosen und finanziell aussichtlosen Situation vertreibt sich Sam währenddessen die Zeit mit Buffetdiebstahl in Beiruter Galerien. Dort trifft er auf den belgischen Künstler Jeffrey Godefroi. Der macht ihm ein Angebot, das
zunächst unannehmbar wirkt: Sams Rücken soll für Jeffrey zur Leinwand werden, ein vom Künstler tätowiertes SchengenVisum würde Sam zum hochpreisigen Kunstwerk machen. Die Reisefreiheit in ganz Europa wäre inklusive und jede Menge Geld gäbe es obendrauf. Sam willigt schließlich ein – umso lieber, da seine erste Ausstellung ausgerechnet in Brüssel und damit ganz nah bei Abeer stattfinden soll. In Brüssel angelangt, wohnt Sam im Fünfsternehotel, zeigt sich tagsüber vielbesucht in Godefrois Ausstellung und nutzt seine Freizeit, um nach Abeer zu suchen. Der Plan: Sam will sie aus ihrer unglücklichen Ehe befreien. Und vielleicht könnte das Ganze auch wirklich funktionieren, gäbe es da nicht die unvorhersehbare Dynamik eines hochpreisigen Kunstmarkts. Der hat – angetrieben von zynischen Kunstsammlern – ganz eigene Pläne mit Sam.
„Der Mann, der seine Haut verkaufte“ der tunesischen Regisseurin Kaouther Ben Hania basiert auf der wahren Geschichte des Kunstwerks „Tim“ des belgischen Konzeptkünstlers Wim Delvoye. Dieser tätowierte 2008 eine bunte Marienszene auf den Rücken des Zürcher Tattoostudiobesitzers Tim Steiner und machte ihn damit zum vielbeachteten Kunstwerk.
OSKARNOMINIERT. Aus diesem Stoff webt Kaouther Ben Hania gekonnt eine Satire nicht nur auf einen längst in die Realitätsferne abgedrifteten Kunstmarkt. Ihr gelingt auch ein spannendes Märchen über unsterbliche Liebe, persönliche Freiheit und kleines Heldentum. Auf dem Filmfest in Venedig 2020 gewann Schauspieler Yahya Mahayni als Sam den OrizzontiPreis als bester Hauptdarsteller. „Der Mann, der seine Haut verkaufte“ wurde zudem 2021 als Bester Internationaler Spielfilm für einen Oscar nominiert. 64
DER MANN, DER SEINE HAUT VERKAUFTE Arabisch/Englisch/ Französisch – OmdU 104 min – Tunesien, Frankreich, Belgien, Schweden, Deutschland – 2020 Regie: Kaouther Ben Hania Mit: Yahya Mahayni, Dea Liane, Koen De Bouw, Monica Bellucci
Die KINOSENSATION im Metropol Kino. www.4dx.at
RÄTSEL
DER W Ü R FE L Feber 2022
DA S LÖSU N G S WO RT A
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D I E F RAG EN 1
Sorgt am Schulhof für Ordnung: Verschafft dir in der Arbeitsunterbrechung Blick nach oben?
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Nachwuchssorgen: Mit dem verrückten Lampenregister hat die Kirche zu kämpfen
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Kochstelle in der Krankheitsübertragungsküche?
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Verkehrt (!) zu sehen: So zeigen sich Briten in verschobenem Ist-Zustand
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So sah der Text am Anfang aus: Ist in ihr das Cronometer eingebaut?
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Da sind sich Briten sicher, wenn's für Schafe nach Abpelzen klingt
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Auch Riesenkerle tragen das kleine Kindeskind noch in sich
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Haben Opernsänger sicher auch schon in (!) Marienburg gesungen
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Geht’s auf einmal, geht’s sprichwörtlich auf einen, und hier nach oben
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Der Lauser trägt buchstäblich den Schneerutsch in sich
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Halbwarmer Stuhl? In Deutschland Region-al verortet
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Bedeutend: Ruf des Tennisspielers, wenn Ball des Gegners das Feld deutlich verfehlt? (1–2 W.)
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Für Briten angenehm, doch für Italiener das Ende
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Selbsterkenntnis, wenn du den Einschub weisst
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Als Beatrice Schlager-artiges aus der Schweiz: Kleiner Blutsauger?
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Stark, wenn der Bus in Rot gehalten wird
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Gruselig: „Hab schlecht geträumt, ich war in Not! / Besucht hat mich Gevatter …!“
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Kommt es an, hat die Passkontrolle wohl geklappt
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DIE NEUE LOCKERHEIT IMMER MEHR LANDER REDUZIEREN DIE CORONAMASSNAHMEN.
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ODER SCHAFFEN SIE GANZ AB.
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Was Sie schon immer zu fragen gewagt haben, aber nie wissen wollten.
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DER GRAUSIGE FUND Und die unliebsame Überraschung. von Johannes F. Park
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er grausige Fund ist Passanten vorbehalLokalpresse auf, wenn es gilt, kleine bis mittelschweten, die furchtbar zugerichtete Leichen re Katastrophen zu beschreiben. Paar erlebt unliebsame Überraschung im Urlaub: Atomkraftwerk neben oder Teile davon entdecken. Meistens sind Hotel explodiert. Versicherung sagt: Wir geben es Spaziergänger, die frühmorgens im nichts, da könnte ja jeder kommen. Unterholz auf menschliche Überreste Das ist dann die zweite unliebsame stoßen. Die Lokalpresse titelt dann WER STOLPERT Überraschung oder sogar die dritte, folgerichtig: Spaziergänger macht man mitzählt, dass das Ehepaar grausigen Fund im Wald. IN ALLER FRÜH wenn Man fragt sich: Wer stolpert in jetzt nächtens leuchtet. DURCHS Unliebsame Überraschungen eraller Früh durchs Dickicht und hat eignen sich zuweilen auch nach OPs, dann noch Augen für abgesägte, schon DICKICHT? wenn die Gehirnamputation zum Beileicht bemooste Unterschenkel? Wenn ich spazieren gehe, finde spiel bloß ein blödes Missverständnis ich oft schon die eine Abzweigung zum Forstweg war. Der Chirurg, der sich gedanklich vielleicht mehr nicht. Eigentlich müsste die Lokalpresse, wenn mal bei seinem neuen Tesla befand, macht dann sehr wieder wo menschliche Überreste auftauchen, titeln: wahrscheinlich Bekanntschaft mit sehr motivierten Komischer Typ streunt durch den Wald und findet Anwälten. Bekanntschaft machen – auch zu dieser etwas „zufällig“ Leichenteile. Aber gut. Es ist nun jedoch so: Einen grausigen Fund macht hüftsteifen Formulierung greift die Lokalpresse ja beileibe nicht nur der zwielichtige Flaneur. Das reichlich. Meist machen Familien Bekanntschaft mit Dachin der Schultasche zweieinhalb Wochen vergessene sen oder anderem raffinierten Getier, das über die Streichwurstbrot ist durchaus auch dieser Kategorie Katzenklappe ins Haus gelangt und dort gewerbszuzuordnen. Gilt auch für Mandarinen vom letzten mäßig für Radau sorgt. Oder Kriminelle machen Advent. Oder Bananen, die irgendwie unter diese Bekanntschaft mit einer wehrhaften Seniorin namens Bodeneinlage im Rucksack geraten sind. Da reichen Edeltraud und ihrem namenlosen Weltkriegskarabioft schon zwei Tage. Die Lokalpresse titelt aber nicht: Rucksack ner – handfeste Auseinandersetzung inklusive. Da besitzer macht grausigen Fund. Und auch nicht: Gut staunen dann die Ordnungshüter nicht schlecht. Warum? Weil die Einbrecher nicht die Rechnung aussehender Vater stellt antikes Streichwurstbrot der mit Oma (84) gemacht haben. Wissenschaft zur Verfügung. Am ehesten wäre wahrscheinlich von einer unliebsamen Überraschung die Rede. Damit macht die JFP wöchentlich newsletter.jf-park.com
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