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KKZ_Credo_Ausgabe_3_gd

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Das Magazin für Mitarbeitende der Katholischen Kirche im Kanton Zürich

N˚3, Oktober 2026

Kirche blüht Seite 3

Franziskus lebt Seite 4

Chili hält lebendig Seite 13

Neuer Wein in neue Schläuche Fokus: Perspektiven kirchlicher Jugendarbeit ab Seite 6

Oktober 2026

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Editorial

Momentum

Neue Impulse

Vera Newec, Synodalrätin, verantwortlich für das Ressort Seelsorge Jugend und junge Erwachsene Foto: Archiv

Der Fokus dieser Credo-Ausgabe ist der Jugend gewidmet, unser aller Zukunft. Es lohnt sich hinzuschauen, um besser zu verstehen, wie es den jungen Menschen geht und mit welchen Fragen und Bedürfnissen sie unterwegs sind. Aktuell wird oft darüber berichtet, dass die psychische Verfassung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen vielerorts nicht gut sei und zu wenig unterstützende Angebote bestehen. Wo der Schuh drückt, berichtet Mario Stankovic von der Jugendseelsorge. Wir sollten uns Zeit nehmen, hinschauen, versuchen zu verstehen, unsere eigenen Erfahrungen mal wegstecken und uns unvoreingenommen auf unser Visà-vis einlassen. Damit wir als nicht mehr Junge und erst noch als «Kirche» junge Menschen erreichen können, müssen wir Möglichkeiten für echte Begegnungen mit niederschwelligem Zugang schaffen. Kirche kann stark sein, wenn sie es will. Mit dem jenseits IM VIADUKT hat die Katholische Kirche im Kanton Zürich einen niederschwelligen Begegnungsort, der allen offensteht. Nach einigen Turbulenzen kommt es wieder auf Kurs, öffnet die Türen und Tore und lässt jungen Erwachsenen Raum, Neues erfolgreich auszuprobieren, aber auch zu scheitern. Bereits konnten mit dem neuen Team gute Erfahrungen gemacht werden. Wir wünschen allen Beteiligten weiterhin den Mut und den Schwung, auf diesem Weg weiterzumachen. Erfolge, auch kleine Schritte, sollen weiterhin motivieren und wenn etwas nicht auf Anhieb gelingt, wenn es eine Stolperfalle gibt: aufstehen und weitermachen! Vera Newec

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Credo N˚3

4 Aktuell

Franziskanisches Leben heute 5 Wiedikon

Familienferien für alle

«Was sind gute Geschenke und für wen machen Geschenke «Kloster Kappel am meisten Sinn?»

blüht auf.»

Diese Frage stellt die Installation der Designerin Fiona K. auf dem Weihnachtsmarkt Münsterhof in Zürich.

6-10 Fokus

Unerhörte Jugend 12 Engagiert

Demenz macht Angst – wie damit in der Seelsorge umgehen? 13 Mein Hobby

Chili schärft die Sinne 14 Perspektiven

Hinwil schaut auf die Energie von oben 15 Seelen-Nahrung

Partizipation ist mehr als eine Plauderstunde 16 Ausläuten

Singen schafft Vertrauen

Impressum credo credo erscheint vierteljährlich und geht an Mitarbei­tende, Behörden­mit­glieder und Freiwillige der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

Herausgeberin und Redaktion Katholische Kirche im Kanton Zürich Kommunikationsstelle Hirschengraben 66 8001 Zürich

N˚3, Oktober 2026 www.zkath.ch/credo credo@zhkath.ch Auflage: 3ʼ200 Expl.

Druck und Papier Staffel Medien AG, Zürich BalancePur: hergestellt aus 100% Recyclingfasern und mit dem Umweltlabel «Blauer Engel» zertifiziert

Layout Denis Schwarz, Zürich

Eine prächtige Blumeninszenierung verwandelte das Kleinod in der Kirchenlandschaft Zürichs während der Themenwoche «Die Fülle des Lebens» in eine naturverbundene, einzigartige Atmosphäre. Die Klosterkirche lud zum Staunen, Verweilen und Geniessen zwischen Blumen, Bäumen, Sträuchern und allerlei Früchten des Feldes und des Gartens ein. Foto: Michael Panevin

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Aktuell

Aktuell

Zahlen & Fakten Franziskanisches Ordensleben in der Schweiz

1230

vier Jahre nach Franziskus Tod, kamen die ersten Franziskaner nach Locarno und Lugano. Ein Jahr später, 1231 gründeten die «Barfüsser» ein Kloster in Basel und 1240 in Zürich. Im Niederdorf erinnerte bis vor wenigen Jahren das Restaurant Barfüsser an diese Zeit.

Franziskus lebt

wurde in Altdorf das erste Kapuzinerkloster nördlich des Gotthards gegründet, 1582 in Stans, 1583 in Luzern, 1585 in Schwyz. Die franziskanische Reformbewegung der Kapuziner wurde nach dem Konzil von Trient in die Schweiz geschickt, um hier für die Gegenreformation zu wirken.

800

Brüder umfasste der Kapuzinerorden in der Schweiz zur Zeit seiner grössten Ausbreitung in den 1960er Jahren. Sie lebten in 24 Klöstern und weiteren kleineren Niederlassungen. Seitdem gehen die Zahlen der Ordensleute in der Schweiz (und Europa) rapide zurück. So gibt es in den franziskanischen Männerklöstern heute noch etwa 100 Brüder: bei den schwarzen Franziskanern ca. 10 Brüder, bei den braunen Franziskanern in Zürich, Insel Werd, Dreibrunnen und Näfels noch ca. 20 Brüder, bei den Kapuzinern in acht Niederlassungen noch ca. 70 Brüder (darunter 15 Brüder aus Indien).

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Schweizer Kapuziner wurden zu Ehren der Altäre erhoben: der heilige Fidelis von Sigmaringen, dem nach seiner «Kapuzinerpredigt» aufgebrachte Bauern den Schädel einschlugen (weshalb er gegen Kopfschmerzen angerufen wird) und der selige Apollinaris, der nach der Revolution in Frankreich den Eid auf die neue Verfassung verweigerte und hingerichtet wurde.

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Credo N˚3

Valerio Ciriello ist seit 1. Juli Seelsorger in der Pfarrei St. Franziskus Zürich-Wollishofen mit der besonderen Aufgabe der Seelsorge im Gesundheitszentrum für das Alter Entlisberg.

Andreas Fuchs hat als Pfarradministrator in der Pfarrei Liebfrauen in Zürich per 1. Juli angefangen.

Gemeinsame Familienferien

1581

Kapuziner lebten im Schnitt von 1939 bis 2020 in der Niederlassung in Zürich-Seebach.

Per 1. Juni startete Josef Güntensperger als mitarbeitender Priester in der Pfarrei Liebfrauen in Zürich.

Text: Br. Paul Zahner OFM, Näfels

Franziskanerklöster gab es bis ins 15. Jahrhundert in der Schweiz. Zur Zeit der Reformation wurden sie alle aufgehoben (bzw. die Mönche verliessen ihre Klöster) bis auf das Kloster in Freiburg (gegründet 1256), das heute noch existiert (die Cordellier).

Bruder Paul Zahner OFM vom Kloster Näfels GL ist auch regelmässig präsent in der Zürcher Kirche. Foto: zVg

Neben einer starken Überalterung gibt es in der franziskanischen Familie auch erfrischenden Neubeginn. Der erste Orden, der Männerorden, ist dreigeteilt: Die bei uns sehr bekannten Kapuziner mit ca. 70 Brüdern in acht Standorten, die «braunen» Franziskaner OFM mit 26 Brüdern an vier Standorten und die Minoriten OFMconv («schwarze Franziskaner») mit rund 10 Brüdern an zwei Standorten. Den zweiten Orden der kontemplativen Klarissen gibt es nur in Cademario TI als lebendige Gemeinschaft mit circa acht Schwestern. Der regulierte Dritte Orden mit seiner aktiven Lebensausrichtung hat die grossen, aber bei uns stark überalterten Gemeinschaften in Ingenbohl (rund. 290 Schwestern), Menzingen (rund 120 Schwestern) und Baldegg (rund 140 Schwestern). Ingenbohl und Menzingen leben in einem grösseren Gesamtorden, der in verschiedenen Ländern verbreitet ist. Auch die stärker kontemplativ ausgerichteten Kapuzinerinnen sind eine eigene Schweizer Gruppie-

rung mit etwa 55 Schwestern in sieben Gemeinschaften. Schliesslich ist die Laiengemeinschaft in zwei Teile aufgeteilt: In einen Franziskanischen Säkularorden, mit einem Versprechen zum franziskanischen Leben, und in der Franziskanischen Gemeinschaft, die eine freiere franziskanische Lebensart ist. Diese Gemeinschaft mit Verheirateten und Alleinstehenden hat circa 350 Mitglieder in der Deutschschweiz und 600 in der ganzen Schweiz. Hier erleben wir auch zukunftsgerichtete Neuaufbrüche, wie die vor einigen Jahren gegründete Gemeinschaft in Zürich. Die Einladung von Franziskus an Bruder Leo gilt bis heute: «Wenn es Dir gut tut, dann komm!» PAX ET BONUM! Für Katholiken beiderlei Geschlechts, welche sich von der franziskanischen Spiritualität, dem Denken und Handeln des Ordensgründers angezogen fühlen, eine religiöse Heimat suchen und den Franziskanischen Geist im Alltag leben wollen, gibt es den franziskanischen dritten Orden (OFS). Mehr Infos: www.franciscan.ch

Personelles Wir begrüssen

Arbeit mit Obdachlosen, zurückgezogenes Beten, Seelsorge, Gartenarbeit, Familienleben, kirchliche Dienste, Hausarbeit, franziskanische Gottesdienste, Bildungsangebote: Das alles gehört auch heute, 800 Jahre nach dem Tod des Franz von Assisi, zum franziskanischen Leben in der Schweiz.

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Herz Jesu Wiedikon

Den Alltag hinter sich lassen, Zeit füreinander haben und als Familie auftanken: Unter diesem Motto lädt die Pfarrei Herz Jesu Wiedikon zu einer gemeinsamen Ferienwoche in die ruhige Natur Bayerns ein. «Wir wollen den Termindruck hinter uns lassen und stattdessen Gemeinschaft erleben», sagt Organisator Michael Nestler. Die Idee dazu kam von zwei Familien aus der Pfarrei. Mit der Oase Steinerskirchen fand der Religionspädagoge den idealen Ort dafür. Er war dort selbst in den Exerzitien. Das Bildungshaus wird von den Herz-Jesu-Missionaren geführt. «Trotz des Namens haben sie nichts direkt mit unserer Pfarrei in Wiedikon zu tun», sagt Nestler. «Doch das Charisma, die Liebe Gottes weiterzugeben, begleitet auch unsere Pfarrei. » Eine Woche lang soll Raum sein für Begegnung, Erholung und Glauben – aber ohne Zwang. Als Jugendseelsorger ist Nestler die Freiwilligkeit wichtig: «Wir werden bestimmt niemandem den Glauben aufdrücken.» So reicht das Programm von Wandern über Fussballspielen und Taizé-Gebeten bis zum gemeinsamen Gottesdienst. Und genauso wichtig: Zeit für sich selbst und für die Familie. Die Ferienwoche ist stark subventioniert. Wem die Kosten dennoch zu hoch sind, darf sich direkt beim Organisator melden. Platz haben rund 55 Personen. Willkommen sind auch Einzelpersonen oder Eltern bereits erwachsener Kinder. Zum Betreuungsteam gehören neben Nestler die Katechetin Helenzy Philip, die Seelsorgerin Silke Weinig und der Vikar von Herz Jesu, James Puthenparampil. Für Nestler steht fest, worum es bei dieser besonderen Woche geht: «Familien und Gemeinschaft müssen gestärkt werden.»

Montag, 26. April bis Sonntag, 2. Mai 2027 in der Oase Steinerskirchen, Bayern. Im Preis inbegriffen: Vollpension, Reisekosten, sämtliche Programmpunkte, Tagesausflug, Organisation und Begleitung. Preise: Erwachsene EZ: CHF 990.–, Erwachsene DZ: CHF 890.–, Jugendliche (13-17 Jahre): CHF 550.–, Kinder (4-12 Jahre): CHF 350.–, Babys (0-3 Jahre): kostenlos. Geschwisterrabatt: Zweites Kind/Jugendlicher: 25 Prozent; ab dem dritten Kind/Jugendlicher: 50 Prozent. Anmeldeschluss: 31. Dezember 2026 Infos zur Reise: Michael Nestler, michael.nestler@zh.kath.ch, Telefon: 078 819 36 70

Kristin Zerjeski unterstützt seit 1. Juli die Fachstelle Religionspädagogik.

Seit 1. August ist Alexandra Brunner als Seelsorgerin in der Pfarrei St. Franziskus in Zürich angestellt. Yannick Hug ist Religionspädagoge RPI im Praktikum in der Pfarrei St. Andreas in Uster seit 1. August.

Mario Maurer wurde am 1. August als Theologe in der Berufseinführung in den Pfarreien St. Agatha und St. Josef in Dietikon angestellt. Ernst Niederberger hat als Vikar für die Pfarreien St. Anton und Maria Krönung per 1. August angefangen. Titus Offor hat am 1. August als Pfarradministrator in der Pfarrei St. Fridolin in Glarus angefangen.

Martin Schacher ist seit 1. August die Fachperson Personalentwicklung- und Beratung im Generalvikariat.

Janus Peter verstärkt seit 1. August die Jugendseelsorge, Schwerpunkt Aus- und Weiterbildung / Co-Leitung AKJ.

Susanna Rodi-Giger ist seit 1. August neue Präventionsbeauftragte für die Bistümer Chur und Bistum Basel. Maria Isabel Valencia Cardenas ist seit 1. August neue stellvertretende Sekretärin in der MCLE. Larissa Vanella Eugster leitet seit 1. August den Gastrobereich des jenseits im VIADUKT.

Sophie Moser startete am 1. August ein Praktikum in der Jugendseelsorge.

Cynthia Pfammatter ist seit 1. September neue juristische Sekretärin im Bereich Personal. Matthieu Kowalski begann als Katechet MCLF per 1. September.

Thomas Binotto ist seit 1. September verantwortlich für Projekte, Programm und Netzwerke im jenseits im Viadukt. Nathalie Douche arbeitet seit 1. September als Sekretärin und Verantwortliche für Seniorenarbeit in der MCLF. Don Kizhakkeveetil startete am 1. September ein Praktikum in der Jugendseelsorge.

Timon Gabriel Weder ist seit 1. September neuer Fachmitarbeiter der ökumenischen Fachstelle kabel. Vera Holz leitet seit 1. September als Co-Leiterin das Foyer Zürich Nord.

David Menzi ist seit 1. September Co-Leiter des Foyer KZU Bülach.

Celine Schoch leitet seit 1. September das Mittelschulfoyer Freudenberg, Zürich-Enge. Rolf Jung leitet seit 1. September als Co-Leiter das Foyer Uster.

Joséphine Fehr ist seit 1. September neue Co-Leiterin des Foyer KZU Bülach.

Remo Eggenberger wurde am 20. September als Pfarrer der Pfarrei St. Josef in Zürich eingesetzt.

Wir verabschieden Daniel Monn hat Ende Juli die ökumenische Mittelschularbeit verlassen.

Bernarda Brunovic hat Ende Juli ihre Berufseinführung in der Spitalseelsorge abgeschlossen.

Electra Bettems, seit 24 Jahren Katechetin der Französischsprachigen Mission, ging am 30. September in Pension. Ivan Prusina und Petra Hrvacic haben die Kroatischsprachige Seelsorge per 30. September verlassen.

Alois Metz ist seit 15. August neuer Dienststellenleiter der FaRP. Die Amtseinsetzung von Francis Venmenikattayil als Pfarrer der Pfarrei Glattfelden-Eglisau-Rafz erfolgte am 23. August.

Nadine Aerne verstärkt seit 1. September als HR-Fachfrau die Personalabteilung.

«credo» braucht Ihre Mithilfe! Senden Sie uns bitte die Adressen Ihrer Mitarbeitenden, aber auch jener wichtigen Freiwilligen in der Pfarrei, die an «credo» interessiert sind. Kontaktadresse: credo@zhkath.ch

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Fokus: Kirchliche Jugendarbeit heute

«Auf die Unerhörten hören» Text: Mario Stanković, Jugendseelsorge

Es gibt sie nicht, die Jugend. Wer trotzdem von «den Jugendlichen» redet, redet über ein Bild und an den realen Menschen vorbei. Ebenso vielfältig sind die Kirchennetzwerke vor Ort, und ebenso vielfältig ist, wofür wir als Kirche da sind. Wir haben als «Kirche» verschiedene, ziemlich markante Alleinstellungsmerkmale. Ein wichtiges ist es, offen zu sein für das, wofür sonst niemand Zeit, Raum und Ressourcen hat. «Unerhört» kann dabei zweierlei heissen. Die einen hört niemand, weil ihre Not leise ist. Die anderen finden wir unerhört, weil sie laut, frech und unbequem sind. Wenn wir die Unerhörten nicht hören, welchen Zweck haben wir dann? Eine taube Kirche wäre ein Widerspruch in sich. Zuerst gilt es anzuerkennen, was schon da ist. Im ganzen Kanton Zürich wird täglich gute sozialdiakonische Arbeit geleistet, die genau dieses Hören auf Not lebt, und die Kirche bringt in vielem Ungesehenen Heilung. Zugleich sagen wir zu oft «Jugend» und meinen unser Programm, sagen «Beteiligung» und meinen Befragung, sagen «Zukunft» und meinen das nächste Budgetjahr.

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Credo N˚3

Was die Zahlen sagen

Und die Kirchenfernen? Die Kirche macht das ‹Reich der Himmel›, ein anderes Miteinander, vor Ort und im Heute erfahrbar und befähigt die Gesellschaft durch Verkörperung und Handeln zur Transformation auf diese Wirklichkeit hin. Ihr Zweck ist also nicht sie selbst. Sie entsteht auf dem Weg der gelebten Nächsten- und Gottesliebe. Zurzeit lassen sich so viele Erwachsene taufen wie nie seit Beginn der Zählung. Das ist erfreulich, aber noch kein Trend, wie das Pastoralsoziologische Institut SPI erklärt, und es wiegt die Abwanderung bei weitem nicht auf. Sind wir für die oft kirchenfernen Jugendlichen ebenso da wie für die traditionsverbundenen jungen Erwachsenen? Katholisch heisst wörtlich «auf das Ganze bezogen», also Einheit in Vielfalt, auch zwischen den Generationen.

88 Prozent der 14- bis 25-Jährigen in der Schweiz fühlen sich gemäss der Jugendstudie von Pro Juventute psychisch wohl. An ihnen richten wir uns gerne aus, und trotzdem erreichen wir auch dort ernüchternd wenige. Seit der Coronakrise wächst aber die Belastung der Minderheit, der es nicht gut geht. Einsamkeit war einmal die Krankheit des Alters, heute ist sie mit 17 da. Jede zehnte junge Person ist oft oder immer einsam, und 12 Prozent sind in Therapie. Einsamkeit und psychische Belastung sind zwei «Jugendkrisen». Die dritte ist das Gefühl, als Heranwachsende nichts bewirken zu können. Nur noch 36 Prozent trauen sich zu, ihre Probleme selbst anzupacken. Bei der ersten Ausgabe dieser Studie war es noch die Hälfte. Und das System, das helfen soll, ist bereits überlastet. Das ist die vierte Krise. Wer als junger Mensch einen ambulanten Therapieplatz sucht, wartet oft länger als sechs Monate. Die Not wächst schneller als die Hilfe. Genau hier hat die Kirche ihren Ort. Nicht als Ersatz für Therapie, sondern als das Netzwerk, das schon da ist, bevor die Warteliste beginnt, und noch da ist, wenn sie endet.

Sieben Bedürfnisse, vier Fragen Die aktuellen Studien zeigen sieben Bedürfnisse junger Menschen, zu denen wir als Kirche viel beizutragen haben. Es sind Zugehörigkeit ohne Anpassungszwang, Anerkennung unabhängig von Leistung, Selbstwirksamkeit, verlässliche Beziehungen und erreichbare Erwachsene, Orientierung ohne Bevormundung, eine glaubwürdige Zukunftserzählung und Räume für Sinn, Trauer, Hoffnung und Transzendenz. Daraus ergeben sich vier Fragen von Jugendlichen an die Kirchen vor Ort. Bereits jetzt ist klar, dass die Antworten darauf mit den Betroffenen entstehen. Rezepte, die überall gelten, gibt es weder für das Leben noch für die Menschen, denen wir begegnen.

1: «Wird es eine Welt geben, in der mein Leben gelingen kann und mein Einsatz einen Unterschied macht?» Selbstwirksamkeit lässt sich nicht zusprechen, sie wird erfahren. An diese Welt glaubt ein junger Mensch erst, wenn er den Unterschied gesehen hat, den er selbst gemacht hat. Junge Menschen starten kleine Projekte, deren Scheitern erlaubt ist. Wir verstärken das Gelingende und beenden das Übrige ohne Schuldgefühle. Und wir haben Budgets für das Unverplante, für die augenblicklichen echten Bedürfnisse der jungen Menschen. Das Gegenteil kennen junge Menschen zur Genüge, eine Beteiligung, die nur zum Schein besteht. Sie erleben, dass die

Bedürfnisse des Hauswarts vor ihren stehen und dass ein Millionen-Budget kein Geld übrig hat für die Jugend, aber auch keines für das Alter oder die sozial Schwachen. Wer das erlebt, erlebt eine Kirche, die er nicht ernst nehmen kann. 2: «Gibt es Menschen, bei denen ich nicht beweisen muss, dass ich wertvoll und interessant genug bin?» Einsamkeit ist kein Gefühl, das man wegtherapiert. Heute hat die Digitalität das Ich der jungen Menschen auf den Bildschirm verlegt, wo jede Freundschaft ein Publikum hat und jeder Auftritt bewertet wird. Wäre Kirche nicht der Ort, an dem Menschen Raum erhalten, sich wirklich zu begegnen und in Beziehung zu treten? Haben die Jugendverbände, die aus den Kirchen entstanden sind, nicht genau diese Stärke? Oft erlebe ich aber, dass sie nicht mehr «willkommen» sind, da sie kirchlichen Mitarbeitenden «zu wenig kirchlich» sind. Gelingende Kirchenräume sind dort, wo jemand kommen und bleiben darf, wie er ist. Dann hängt die Seelsorge, die kirchliche Jugendförderung, an einzelnen Menschen? Ja, genau. Das ist ihr Unterschied zur wertvollen Sozialen Arbeit, sie lebt von Beziehung, nicht von Zuständigkeit. Darum versteht die Jugendseelsorge Zürich das lokale Kirchennetzwerk als Beziehungsraum, nicht als Verwaltungsbezirk. Wo Räume für Menschen entstehen, statt Programme über ihnen, machen junge Menschen Erfahrungen, die bleiben. Sonst suchen sie nach der Firmung das Weite. 3: «Bin ich auch dann jemand, wenn ich gerade nichts leiste, nichts poste und niemanden beeindrucke?» Das Evangelium hat darauf eine Antwort, die keine andere Institution hat. Du bist jemand, bevor du etwas leistest, denn Gottes Liebe geht immer voraus. Geglaubt wird dieser Satz aber nicht, weil er im Credo steht, sondern wo er erfahren wird. Mir kommen dabei die jungen Leitenden in den Jugendverbänden in den Sinn, die wir in der Kirche «freiwillig Engagierte» nennen. Schon dieses Wort klingt nach Zugabe, als würden die Ange-

stellten die Kirche tragen und alle anderen ein wenig mithelfen. Dabei tragen gerade sie die Jugendarbeit oft, ohne dass jemand sie bezahlt, und sie tragen, weil jemand sie zuvor getragen hat. Eine tragende Jugendpastoral kennt diese Kette der Weitergabe. Aus Begleiteten werden Begleitende und aus Begleitenden Befähigende. 4: «Kann ich hier wirklich etwas entscheiden, über echtes Geld? Habe ich echte Verantwortung und sichtbare Ergebnisse?» Das Bistum Chur hält in seiner Handreichung für eine synodale, also gemeinsam entscheidende Kirche fest: «Freiwillige oder ehrenamtlich Engagierte haben das Recht, bisweilen auch die Pflicht […], die ihnen durch Taufe und Firmung zugesprochene Mitverantwortung einzufordern.» Die synodale Kirche ist zwar von oben beschlossen. Bewegt hat sich dazu aber bisher kaum eine Pfarrei. Jung sein heisst grossformatig auftreten, als wüsste man alles besser, während die Eltern die Stromrechnung zahlen. Das ist kein Fehler der Jugend, das ist der Sinn dieser Lebensphase. Unsere Aufgabe ist es, diesen Raum zu schenken und offen zu halten, die Heizung zu bezahlen und Freiheiten aus Liebe zu ermöglichen. Echte Beteiligung heisst konkret, dass die Pfarrei den jungen Menschen einen klar umrissenen Bereich wirklich übergibt, etwa den Jugendraum, das Lager oder das Budget für die Quartierarbeit. Erfahrene Menschen begleiten sie dabei. Budgetiert wird ein Zweck mit einem Rahmen statt jeder Einzelposition, und innerhalb dieses Rahmens entscheidet eine Gruppe, in der sie mit Stimmrecht sitzen, nicht als Gäste.

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Fokus: Kirchliche Jugendarbeit heute Fortsetzung von Seite 7

Jugendseelsorge ist aufsuchende Beziehungsarbeit Noch einmal, all dem geht voraus, dass Kirche Räume sind, in denen Menschen einander begegnen und gemeinsam einen Weg gehen. Ein Priester, der hinter dem Altar bleibt und sich nicht fragt, wo die jungen Menschen sind, hat seine Sendung nicht verstanden. Ein Pastoralteam, das die synodale Kirche nicht ermöglicht, arbeitet gegen den eigenen Auftrag. Jungen Menschen schulden wir Entgegenkommen. Wer nicht weiss, wie das in der eigenen Pfarrei, im Quartier angegangen werden soll, dem stehen unter anderem die Fachstellen zur Seite. Vor Haltung und Prinzipien der kirchlichen Jugendförderung aber steht eine Pflicht, die keine Anstellung braucht. Alle Erwachsenen tragen sie, nicht nur gegenüber den eigenen Kindern, sondern gegenüber allen jungen Menschen. Das neu entstehende «Rahmenwerk für lebendige Prozesse in der Jugendpastoral» der Jugendseelsorge Zürich hilft den Pfarreien, den Boden zu bereiten, damit Jugendseelsorge gelingen kann. Das Rahmenwerk beschreibt Haltungen, Prinzipien und Voraussetzungen und nimmt keine Ergebnisse vorweg. Und wie zu Beginn erwähnt, haben wir schon heute eine Vielfalt an kirchlichen Räumen, in denen Jugendseelsorge gelingt.

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Credo N˚3

Jugendarbeit in der Praxis Text: Mario Stanković, Jugendseelsorge

In Gemeinschaft die Welt entdecken - kirchliche Jugendverbände wie hier die JuBla machen es möglich. Foto: zVg

Jugendseelsorge Peter Januš hat als Jugendseelsorger der Katholischen Pfarrei Uster die Andreasband ins Leben gerufen und zum Blühen gebracht. In der Pfarrei Uster finden junge Menschen in der von Jugendseelsorger Peter Januš gegründeten AndreasBand Raum, ihre Talente und ihren Glauben zu leben. «Junge Menschen bringen Leben in die Kirche», sagt Peter Januš. Die Hälfte der 15- bis 24-Jährigen betet nie, aber 57 Prozent glauben an ein Leben nach dem Tod1. Die Frage nach Gott ist nicht weg. Nur stellt sie kaum noch jemand der Kirche. Seelsorge ist Anwesenheit, und sie spricht nicht nur mit Worten. Musik ist eine Sprache, die fast alle Menschen gleichermassen berührt. Im Singen und Spielen wird die Frohbotschaft oft unmittelbarer hörbar als in jeder Predigt. Die Aufgabe dieses Feldes ist es, vor Ort erreichbar zu sein und im eigenen Handeln das Vorbild zu geben, das keine Worte braucht.

Offene Jugendförderung Judith Schiele, Co-Pfarreikoordinatorin der Pfarrei Herz Jesu Winterthur, nimmt uns mit in den Kinderund Jugendtreff Gutschick. Seit knapp 20 Jahren finden Kinder und Jugendliche aus dem Quartier hier einen Ort, an dem sie ihre Ideen einbringen und das Angebot mitgestalten können. 2023 wünschten sich die Jugendlichen, dass der «Meitlitreff» und der «Ladiestreff» wieder aufleben. Heute bestimmen sie das Programm mit: Sie kochen gemeinsam, werden in kreativen Werkstätten tätig oder sprechen über Gott und die Welt. Jede Woche besuchen bis zu 40 Mädchen der Mittelstufe den «Meitlitreff» und rund 25 junge Frauen ab der Oberstufe den «Ladiestreff». Die beiden Angebote geben ihnen Raum für Begegnungen und Gespräche – ohne Leistungsdruck. Die Katholische Kirchgemeinde Winterthur ist mit Personal und finanziellen Mitteln eine Förderin des Trägervereins. So ist Kirche dort, wo die jungen Menschen sind, auch ausserhalb der Kirchenräume.

Jugendverbände

Religiöse Bildung

Der beliebteste Anlass der Jubla im Kanton Zürich ist ein Fondueessen im Januar, sagt Nadja Bosshard von Jungwacht Blauring Kanton Zürich. Seit bald 13 Jahren organisiert es die AG Animation, und jedes Jahr kommen mehr Leitende, Ehemalige und kantonal Aktive in der Pfarrei St. Peter und Paul zusammen, um ihr Jubla-Netzwerk zu pflegen und, wie Nadja schreibt, «alte und neue Lebensfreu(n) dinnen und -freunde» zu treffen. In den Verbänden entscheiden junge Menschen seit Jahrzehnten selbst. Jungwacht Blauring zählt schweizweit 9'736 Leitende, 450 Lager im Jahr und drei Millionen Stunden Ehrenamt. Dazu kommen rund 11'500 katholische Pfadi in gegen 100 Abteilungen, die meist Teil einer Pfarrei sind, und die Minis, deren Arbeit die Ministrantenpastoral DAMP seit 1984 fördert. Welchen Rückhalt diese Lager haben, zeigte sich 2025. Als der Bund den Jugend+Sport-Beitrag pro Kind und Lagertag von 16 auf 12.80 Franken kürzen wollte, unterschrieben über 175'000 Menschen eine Petition. Der Bundesrat lenkte ein, die 16 Franken bleiben. Für die Jahre ab 2027 muss das Parlament die Mittel noch bewilligen.

Claudia Stegmann, Religionslehrerin der Katholischen Kirche Weinland, erzählt vom Firmkurs. Seit vier Jahren sind dort Jugendliche und junge Erwachsene als Firmbegleiterinnen und Firmbegleiter unterwegs. Sie leiten den Kurs zusammen mit der Katechetin und den Seelsorgern, sind Vorbilder für die Firmlinge und tauschen sich mit ihnen über ihren Glauben aus. Im laufenden Kurs begleiten 14 junge Menschen 22 Firmlinge, und sie waren selbst einmal Firmlinge. Der Spass kommt in der Gemeinschaft, an Weekends und auf Reisen, nicht zu kurz.

Weiterführende Materialien Wer sich vertieft mit dem Thema Jugendarbeit auseinandersetzen möchte, dem seien diese Grundlagendokumente empfohlen: Pro Juventute Jugendstudie 2026: 960 Befragte. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung KMU 6 der Evangelischen Kirche Deutschlands: 5ʼ282 Befragte.

Jugendrat Neunzehn junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren, aus Zürich, Wetzikon und Dällikon ebenso wie aus Giswil, Altdorf und Domat/Ems, bilden den Jugendrat des Bistums Chur. Nach der Jugendsynode 2018 debattierten junge Menschen an Abenden wie dem «Pastatalk» über ihre Mitgestaltung, 2021 folgten über 100 Jugendliche der Einladung von Bischof Joseph Maria Bonnemain nach Einsiedeln, und im November 2024 wurde der Rat mit eigenem Vorstand und eigenen Statuten gegründet. Heute ist er neben dem Priesterrat einer der diözesanen Räte und kann seine Anliegen bei Bedarf direkt vor

den Bischofsrat bringen. Im März 2026 lud er unter dem Titel «Firmung weiterdenken» zur Diskussion mit dem Bischof ein, Ende November trifft er sich zu seiner dritten Konferenz. Begleitet wird er von Natascha Rüede von der Jugendseelsorge Zürich und Eric Petrini von der Fachstelle Jugendpastoral Graubünden.

BFS-Erhebung «Religion und Spiritualität in der Schweiz» 2024, ch-x-Netzwerkstudie (publiziert 2025), Shell Jugendstudie 2024, SINUS-Jugendstudie 2024.

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Fokus: Kirchliche Jugendarbeit heute Dieser Zuspruch ermutigt das gesamte Team, den eingeschlagenen Weg Schritt für Schritt weiter zu verfolgen und all die grossen und kleinen Bausteine zusammenzutragen, die es für einen attraktiven Begegnungsort braucht. Dafür ist sowohl Geduld wie mutiges Anpacken und auch angstfreies Ausprobieren nötig. So soll aus dem «jenseits IM VIADUKT» immer noch stärker ein Ort werden, an dem Gastfreundschaft für Leib und Seele gelebt und gemeinsam mit jungen Menschen Experimente in einer möglichst grossen Offenheit und Vielfalt gesucht und gewagt werden.

Bei «Story Slam» gilt: Echte Geschichten aus dem echten Leben.

Neues Leben im jenseits

Das «jenseits IM VIADUKT» kehrt mit frischem Schwung zurück. Ein breit aufgestelltes Team ist seit Anfang September daran, das neue, im Frühling von der Synode verabschiedete Rahmenkonzept mit Leben und Taten zu füllen.

Larissa Vanella Eugster, Gastro, liebt es, Gastgeberin zu sein und die schönen Dinge mitsamt den Kleinigkeiten des Lebens zu geniessen. Seit ihrer Lehre arbeitet sie in der Gastrobranche, bringt unter anderem Erfahrungen als Restaurantleiterin und Barista mit und startet nächstes Jahr die Ausbildung zur Gastroleiterin. Für sie ist die Kombination von Gastronomie und Spiritualität eine perfekte Mischung.

Thomas Binotto, Programm, feiert als Filmpublizist und Kulturvermittler seit seinem Philosophiestudium das Crossover und baut lustvoll Brücken zwischen verschiedensten Themen und Ausdrucksformen. Die gleiche Freude am Entdecken hat ihn viele Jahre auch beim «Forum» angetrieben. Er glaubt an eine Kultur der Horizonterweiterung, der Teilhabe und der Inklusion.

Friederike Uebel, Kommunikation, glaubt daran, dass grosse Veränderungen in kleinen Gemeinschaften beginnen. Während ihrer Tätigkeit beim WWF entdeckte sie ihre Leidenschaft für Umweltbildung und arbeitet heute als Lehrerin in der Stadt Zürich. Sie ist überzeugt, dass nachhaltiger Wandel dort beginnt, wo Menschen einander begegnen und Verantwortung füreinander übernehmen.

Marika Julia, Gastro und Community Building, ist davon überzeugt, dass die grossen Bäume von morgen aus den kleinen Samen entstehen, die wir heute pflanzen. Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften und Mathematik in Paris erkannte Marika, dass sie den täglichen menschlichen Kontakt braucht, um sich entfalten zu können.

jenseits IM VIADUKT Bogen 11/12 Viaduktstrasse 65 8005 Zürich 044 274 30 60 jenseitsimviadukt.ch

Text: Team «jenseits», Fotos: Friederike Uebel, Dirk Letsch

Zusammen mit einem Kernteam von Festangestellten arbeiten viele junge Menschen engagiert an der Umsetzung dieser Vision, darunter Schülerinnen, Studenten und Gastrofachleute. Ob mit grösseren oder kleineren Pensen: Das gesamte Team strahlt einen unverbrauchten Spirit aus und pflegt die Durchlässigkeit und Verbundenheit zwischen Gastrobetrieb und Veranstaltungsort. Beispielsweise arbeiten im Service zwei Mitarbeiterinnen mit, die auch in den Bereichen «Spiritualität» und «Nachhaltigkeit» in die Programmgestaltung einbezogen werden. Bereits konnten erste erfreuliche Erfahrungen gemacht werden: Am

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Credo N˚3

«Viaduktfäscht» fand die vom Gastroteam liebevoll eingerichtete «Bar 11/12» viel Anklang. Immer mehr Menschen schätzen den freundlichen Service und die Qualität im Kafi. Und als Host am Festival «Zürich lernt» konnten im «jenseits» auf fünf Tage verteilt insgesamt 19 Lektionen angeboten werden. Gut 300 Menschen haben sich insgesamt darauf eingelassen. Und immer wieder ist zu hören: «Was für eine tolle, stimmungsvolle, wohltuende Location!» Das «jenseits» erwacht aus seinem Dornröschenschlaf!

Kimberley Vodermeyer, Barista, verzaubert als Latte-Art-Künstlerin Besucherinnen und Besucher der jenseits-Kaffeebar. Die Kraft, die aus der Kaffeebohne kommt, weiss sie meisterhaft in der Tasse zu präsentieren.

Isa Pedano, Leitung, hat sich im Wirtschaftsstudium auf das Feld der Wirtschaftsethik spezialisiert und in der DesignBranche gearbeitet. Besonders prägend war für sie die Vertiefung einer offenen Spiritualität in der theologischen Weiterbildung in Christlicher Spiritualität, wo sie die Verbindung von innerem Wachstum, Achtsamkeit und gesellschaftlichem Wandel weiterentwickeln konnte.

«Embodied Connection» war eine von 19 Lektionen im Rahmen von «Zürich lernt».

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W Engagiert

Unsere Kirche

Wenn Erinnern brüchig wird Text: Sabine Zgraggen

Tipp 1 «Katholische Kirche – eine Gebrauchsanweisung

Eine merkwürdig wie aus der Zeit gefallene Gemeinschaft, die kaum noch jemand wirklich kennt, die aber doch oft zum Stein des Anstosses wird: veraltete Sexualmoral, vertuschter sexueller und geistlicher Missbrauch, militante Abtreibungsgegnerin, monarchisch wie aus vergangenen Jahrhunderten, vermeintlich steinreich. Und doch bleibt die katholische Kirche ein weltweites Faszinosum, wenn es etwa um die Wahl eines neuen Papstes geht oder wenn Papst Leo auf Pastoralreisen vor Hunderttausenden spricht wie kürzlich in Frankreich. Als Theologe und Kirchenrechtler hilft der Autor Thomas Schüller mit seinem neuen Buch, die Kirche und ihre Prozesse besser zu verstehen. Er erschliesst innere Strukturen und Denkweisen und ermöglicht es, die Kirche (neu) kennenzulernen. Teilnehmende des Kurses üben demenzsensible Gottesdienste mit Bewohnenden eines Alterszentrum. Foto: Sabine Zgraggen

Demenz berührt einen wun- menz nicht auf ihre nachlassenden Fäden Punkt unserer Gesellschaft: Wo higkeiten zu reduzieren und AngehöSelbstbestimmung, Leistung und kog- rige kompetent zu begleiten. Zugleich nitive Fähigkeiten hoch gewichtet bleiben wichtige Fragen: Wie werden werden, stellt eine Erkrankung, die Pfarreien demenzsensibler? Wie begegDenken, Erinnern und Entscheiden nen wir unterschiedlichen Formen von verändert, Vorstellungen massiv in- Demenz, die auch jüngere Menschen frage. Umso wichtiger ist es, dass betreffen können? Wie können wir als nicht Angst und Unsicherheit den Kirche Angehörige unterstützen? Und Umgang bestimmen, sondern Wissen, wie schaffen wir Räume, in denen über Haltung und angepasste Beziehung. Abhängigkeit, Würde, Sterben und SterDie katholische Spital- und Klinik- bewünsche offen und einladend gesproseelsorge Zürich hat das Thema deshalb chen werden darf? in den letzten fünf vergangenen Jahren intensiv aufgegriffen. Seit 2022 organisierten wir für rund 60 Seelsorgende dreitägige Weiterbildungen zum Thema «Seelsorge und Demenz». 2026 folgKatholische Spitalseelsorge Zürich te der interdisziplinäre Fachtag «SterKranke und Betagte zu begleiten gehört zu bewünsche und Demenz» mit über den Kernaufgaben einer christlichen Gemein50 Anmeldungen aus Medizin, Pflege, schaft. Deshalb sind Seelsorgerinnen und Seelsorger in allen Spitälern und psychiatSeelsorge, Recht und weiteren Fachberischen Kliniken im Kanton reichen. Auch der assistierte Suizid ist Zürich vor Ort. immer wieder ein grosses Thema. Doch Facts & Figures zur Tätigkeit hinter Sterbewünschen stehen sehr vieunserer Spitalseelsorge finden Sie hier: le verschiedene Bedürfnisse. Fachwissen hilft, Menschen mit De-

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Für Anfragen zu Referaten oder Schulungen zum Thema Demenz in den Pfarreien steht die Fachstelle Spitalseelsorge gerne zur Verfügung.

Literatur zum Thema Sterbewünsche Zwei Publikationen bieten Anknüpfungspunkte für die weitere Auseinandersetzung: Die Handreichung «Ich kann nicht mehr – Zum Umgang mit Sterbewünschen», erhältlich für CHF 10.–. Bestellung über E-Mail an spitalseelsorge@zhkath.ch. Das Fachbuch «So will ich nicht weiterleben», von Silke Winkler und André Böhning: Herder 2026.

Thomas Schüller: Katholische Kirche – eine Gebrauchsanweisung. Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2026, 192 Seiten gebunden.

Tipp 2 Linda Pollari: Der Moment zwischen uns

Jede Begegnung beginnt mit einem Gespräch, einem Lachen, einer kurzen Stille; erst dann nimmt die Fotografin Linda Pollari die Kamera zur Hand. Sie begegnet ihrem Gegenüber mit Respekt, Neugier und Geduld – und genau das spiegelt sich in ihren Bildern wider. Die Porträts, die daraus entstehen, sind weniger Inszenierung als Konzentration auf einen Blick, eine Geste, eine kleine Verletzlichkeit, die sonst im grellen Licht der Öffentlichkeit verschwindet. Dieses Buch, das auch ein Porträt unseres Bischofs Joseph Maria Bonnemain enthält, blickt hinter die sorgfältig aufgebauten Fassaden der Bekanntheit und betrachtet den Moment, wenn ein Gesicht zu erzählen beginnt. Sämtliche Fotos sind redaktionelle Auftragsarbeiten und in verschiedenen bekannten Magazinen erschienen. Linda Pollari: Der Moment zwischen uns. Edition ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ, Diessenhofen 2026, 164 Seiten mit 76 Abbildungen.

Chilisaucen für jeden Geschmack: Die Bürokollegen stehen Schlange, wenn Nachschub kommt. Fotos: zVg

Mein Hobby

Scharf, schärfer, IT Schon als Kind habe ich gerne scharf gegessen. In der Schule mischten meine Kollegen und ich eines Tages Chili ins Popcorn, damit uns die grösseren Buben unser Znüni nicht mehr wegnahmen. Der Plan ging allerdings anders auf als gedacht: Unser Chilipopcorn wurde so beliebt, dass wir kleine Säckchen davon abfüllten und auf dem Pausenhof verkauften. So wurde aus einer einfachen Idee mein erstes kleines «Geschäft» mit Chili. Über die Jahre entwickelte sich daraus eine echte Leidenschaft: Heute wachsen auf meinem Balkon und im Garten bis zu zehn verschiedene Chilisorten. In dieser Saison lieferte die Ernte die Zutaten für neue Kreationen, wie eine Hot Sauce mit Feigen, eine Variante mit Mirabellen und eine scharfe Kombination aus Carolina Reaper und Hof-Chriesi. Ich verfeinerte die Rezepturen so lange, bis sie passten, und übernahm einige Versuche fest in mein Sortiment. Bei den Namen, dem Etikettendesign und dem Abfüllen in kleine Flaschen wird mein Hobby inzwischen zum gemeinsamen Vater-Sohn-Projekt. Geplant sind bereits Halloween- und Weihnachtssaucen zum Saisonabschluss. Die Chilizucht ist mein Ausgleich zur IT-Arbeit bei der Körperschaft, doch ganz ohne Technik geht es nicht: In diesem Jahr entstand eine automatisierte Bewässerung. Eine lokale KI analysiert Wetterdaten sowie Pflanzenbilder und giesst bei Bedarf automatisch, was auch im Sommerurlaub hilft. Nun werden die Chilis überwintert, während zeitgleich die neue Aussaat für das Frühjahr startet. Die nächste Saucenidee folgt bestimmt bald. Pascal Kühne, Bereichsleiter ICT, lebt mit seiner Familie im Zürcher Unterland. Seine Saucen sind im Hofladen Zollinger in Watt erhältlich. Zwischen Gemüse, Früchten und Wein stehen dort nun auch die farbenfrohen Chilisaucen. www.zollinger-watt.ch

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Perspektiven

Seelen-Nahrung

Macht teilen, Demokratie stärken

Power von oben: Pfarrei lädt für alle Text und Fotos: Markus Staudinger

Text: Isabelle Lüthi

Je länger ich mich beruflich mit dem Thema Armut befasse, desto wichtiger wird für mich die Frage: Wie können Menschen, die selbst eine Armutserfahrung haben, bei den Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, mitreden? Wie sieht demokratische Mitbestimmung aus? Als Fachperson in einer NGO kenne ich Studien, Statistiken und politische Prozesse. Ich versuche, möglichst viel im Austausch zu sein mit Menschen, die an der Armutsgrenze leben. Aber eine eigene Armutserfahrung habe ich nicht. Ich weiss nicht, wie einschneidend es sich anfühlt, wenn einem die Sozialhilfe gekürzt wird. Wenn man zig verschiedene, komplizierte Anträge ausfüllen und sich ständig beweisen muss, um die Unterstützung zu bekommen, die einem eigentlich zusteht. Wenn man mit Vorurteilen konfrontiert ist, nur weil man am Existenzminimum lebt. Dabei ist genau dieses Wissen entscheidend für die Ausgestaltung der Armutspolitik – in den Parlamenten, der Verwaltung und auch in NGOs. Dieses Erfahrungswissen ist Wissen von Experten und Expertinnen.

Seit Ende September stehen der Bevölkerung in der Gemeinde Hinwil fünf Ladepunkte, zwei davon Schnelllader, von der katholischen Kirche zur Verfügung – gespiesen durch die Photovoltaik-Anlage auf den Dächern von Kirche und Pfarrheim.

Partizipation ist mehr als eine Plauderstunde

Isabelle Lüthi Projektleiterin Grundlagen und Sozialpolitik Caritas Zürich

Seit Januar produziert das Dach der katholischen Kirche Hinwil Sonnenstrom. Seit vergangener Woche kann man ihn direkt vor Ort tanken – und das dürfen alle, nicht nur die Pfarrei. Angefangen hat alles mit einem undichten Dach. Grosse Teile davon waren über hundert Jahre alt, die Kirchenfenster knapp fünfzig. Die Kirchgemeinde nutzte die Gelegenheit: Wenn das Dach ohnehin neu wird, kommt Photovoltaik hinein. Im Februar 2025 sagten die Stimmberechtigten «Ja».

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«Das klare Ja an der Urne hat uns bestätigt und getragen» sagt Patrick Lütolf von der Kirchenpflege. «Es war eine Investition in die Zukunft, nicht bloss eine Reparatur.» Heute leisten die Anlagen der Kirchgemeinde 77 Kilowatt Spitzenleistung. Den Kreis schliessen fünf Ladepunkte vor der Kirche, zwei davon Schnelllader. Bezahlbar wurden sie durch eine Occasions-Anlage und die Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde und der Kantonalkirche. Geladen wird nach abgestuftem Tarif: Mitarbeitende und Freiwillige gratis, das Hinwiler Gewerbe zum Vorzugspreis, alle anderen zum Marktpreis. «Offene Kirche heisst eben auch: offene Infrastruktur», sagt Lütolf. «Solche Projekte brauchen Mut – und genau dieser Mut macht Kirche glaubwürdig.»

Hinwil setzt auf Solar Photovoltaik: 77 kWP auf den Dächern der Kirche und dem Pfarreiheim Erwartete Produktion: 62’000 kWh pro Jahr, rund 340’000 Kilometer Fahrleistung eines Elektroautos. Ladeinfrastruktur: fünf öffentliche Ladepunkte mit 150 kW, drei mit 22 kW. Kosten Indachanlage Kirche: rund 290’000 Franken, davon 35’000 Franken Förderbeiträge. Beratung: nachhaltigkeit@zhkath.ch

Obwohl sich immer mehr Organisationen um partizipativere Ansätze bemühen, kommt die Mitsprache von Menschen mit Armutserfahrung nur zögerlich voran. Das hat verschiedene Gründe: So können bei den Betroffenen Zeit und Geld fehlen, um sich einzubringen. Auch gesellschaftliche Vorurteile behindern Teilhabe. Misstrauen gegenüber Behörden oder Hilfswerken ist verständlich, wenn frühere Erfahrungen enttäuschend waren. Zudem ist man in vielen Institutionen nach wie vor zurückhaltend: Prioritäten werden anders gesetzt, es fehlt das Wissen rund um partizipative Prozesse und Machtverhältnisse erschweren einen Austausch auf Augenhöhe. Umso wichtiger scheint es mir, dass sich Organisationen wie Caritas Zürich diesen Herausforderungen stellt. Es ist sicherlich kein einfacher Weg: Partizipation bedeutet für mich mehr als die Einladung zu einer zusätzlichen Gesprächsrunde. Menschen mit Armutserfahrung sollen nicht nur erzählen, was schwierig ist. Sie sollen Forderungen stellen können und mitentscheiden, welche Lösungen es braucht. Das ist sicherlich kein leichter Weg. Er erfordert viel Selbstreflexion und am Ende geht es um Fragen der Macht: Schaffen wir tatsächlich Augenhöhe – oder laden wir Menschen lediglich dazu ein, innerhalb unserer vorgegebenen Spielregeln mitzuwirken? Partizipation bedeutet für mich, Macht zu teilen. Nur so schaffen wir eine echte demokratische Mitbestimmung.

«Ohne Geld keine Mitsprache?» Das ist das Thema des 20. Armutsforums von Caritas Zürich, das am 5. November im Kunsthaus Zürich stattfindet. Wir freuen uns über zahlreiche Anmeldungen. Weitere Informationen: https://caritas-regio.ch/ueber-caritas/zuerich/armutsforum-2026

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Ausläuten

Mit Sang- und Klang auf den Firmweg Text und Foto: Mario Pinggera

Firmreise von Richterswil-Samstagern an den Strand rund ums Ijsselmeer

Seit Jahren geht unsere Firmreise in Dieselbe Erfahrung machte ich mit der Pfarrei Richterswil-Samstagern ehemaligen Schülern aus dem Val nach Holland und Friesland. Per Se- Müstair. gelboot werden je nach Wind unterWas beide Orte, Richterswil/ schiedliche Destinationen rund um Samstagern und das Val Müstair eint: das Ijsselmeer angesteuert. Lassen es Wir haben viel gesungen und singen die Windverhältnisse zu, geht es durch viel! Jedes Jahr darf ich eine Kompodas Wattenmeer entweder nach Texel sition für die Erstkommunion/Firoder Terschelling. Höhepunkt ist der mung anfertigen. Andernorts wird oft gemeinsame Gottedienst, der idealer- für gutes Geld bei Gottesdiensten eine weise am Strand bei den Dünen statt- Band eingekauft. Die spielt dann zwar, aber es bleibt bei einer Konsumkultur. findet. Wurde die Firmung früher ab- Jugendliche können auch selber sinsolviert, damit sie eben gemacht ist, gen! Sie dazu zu bringen, ist allerdings steht heute der persönliche Entscheid nicht leicht. Wenn es aber gelingt, ist im Vordergrund. Und das Ganze ist es nicht zu übertreffen! aufwändig: Der Firmweg dauert etwa ein Jahr. Immer wieder taucht bei KirAufeinander hören – miteinander singen chenpflegen die Frage auf, ob sich so ein Aufwand überhaupt lohnt: «Nach der Firmung sieht man die sowieso Warum die Hemmschwelle zum Sinnicht wieder», lautet der Tenor. Das gen mitunter gross ist? Es braucht Selbstvertrauen! Dieses zu stärken, mag stimmen. Aber nur teilweise. Der Erfolg eines Firmjahres misst sollte unterschwellig Weg und Ziel eisich genau nicht an der Frequenz ei- nes jeden Firmweges sein. Miteinannes späteren Gottedienstbesuches. der «chillen» und reden ist eine Sache. Wer so denkt, denkt zu kurz. In Rich- Mit der Singstimme aber wird etwas terswil-Samstagern konnten im Laufe von der eigenen Persönlichkeit preisder Jahre mehrere ehemalige Firman- gegeben. Und es ist für alle ein erhedinnen und Firmanden für die Kir- bendes Gefühl, wenn die Firmanden chenpflege oder den Pfarreirat gewon- mehrstimmig im Chor singen, wenn nen werden. Und das oft nach Jahren. sie gelernt haben, aufeinander zu hö-

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ren, damit die Harmonie stimmt. Im Rahmen meiner Lehrtätigkeit an der THC hatte ich immer wieder mit Persönlichkeiten zu tun, deren Stimme noch ziemlich verhalten war, oder die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht (mehr) trauten. Immer (!) wieder ist es in einem längeren Prozess aber gelungen, den jungen Menschen jenes Selbstvertrauen zu geben, das sie entweder noch nicht hatten oder welches ihnen irgendwann genommen wurde. Auch im Einzelunterricht vor dem Dozenten zu singen heisst, etwas von sich Preis zu geben, seinen Körper zu kennen oder kennenzulernen, da dieser Resonanzkörper der Musik ist mit unterschiedlichen Resonanzräumen. Dieses Kennenlernen des Körpers bestimmt im Unterricht mindestens das erste Semester, bevor an einen sauberen Ton auch nur zu denken ist. Wenn nach zwei oder drei Jahren das österliche Exultet oder ein Schubertlied gesungen werden können, dann ist im Menschen der entscheidende Schritt zum lebensnotwendigen Selbstvertrauen geschehen. Ist nicht Firmung, «confirmatio», genau dafür da?


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