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BETWEEN THE LINES ZINE #006

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BETWEEN THE LINES FANZINE #006

editorial von Moritz Rink

Liebe Leser, Hand auf‘s Herz: selten war der redaktionelle Prozess so zermürbend und langwierig, wie bei dieser Ausgabe. Tatsächlich war zwischenzeitlich sogar ungewiss, ob es überhaupt was wird mit der verflixten #006. Schreibblockaden, Antriebslosigkeit, Demotivation – damit hatten wir alle mal mehr, mal weniger zu kämpfen. Wenn dann noch die inneren Dämonen anklopfen und existenzielle Fragen zu den persönlichen Lebensplänen stellen, macht es das nicht einfacher. Die meisten von uns sind mittlerweile in den späten Zwanzigern (oder schlimmer) und, ob man will oder nicht, dieses beschissene Erwachsenwerden wirft dem eigenen Hardcore-Lifestyle fleißig Steine in den Weg. Termine, Job, Familie, Lebensplanung, Häuser bauen, Kinder machen, Bäume pflanzen, den Fußall der Nachbarskinder einsacken – plötzlich ist das alles zumindest ansatzweise da und droht den eigenen DIY-Ethos zu ersticken. „If you grew out of Hardcore, you were never into it“ hat irgendwann mal irgendwer gesagt. Aber ist das wirklich so einfach? Vielleicht geht das nur mir so, aber bis auf wenige Ausnahmen sehe ich nur selten Leute über 40 auf Shows. Die Anzahl der jährlich von mir besuchten Konzerte geht beständig zurück, in meine Plattensammlung mogeln sich ziemlich erwachsene Künstler und Shows guck ich mir mittlerweile am liebsten aus der letzten Reihe an und schaue beschämt weg, wenn von der Bühne ein „Beweeeeeeegt euch!“ ertönt. War‘s das jetzt? Ist das der Anfang vom Ende? True till 32?

Manchmal komme ich da selbst ins Grübeln. Aber umso mehr ich darüber nachdenke, umso entschlossener lautet die Antwort: Nein, ich weiß nicht wie viele Shows ich in zehn oder zwanzig Jahren noch besuche, aber ich weiß, dass es genug Leute gibt, die das an meiner Stelle tun werden, während ich mit dem Rollator durch den Park spaziere und Jazz höre. Hier und heute kann ich, genau wie jeder von euch, einen Teil dazu beitragen, dass diese Szene auch für die nächste Generation genau so spannend und richtungsweisend sein kann, wie für mich als sechzehnjährigen Halbstarken, der nicht wusste wohin mit der ganzen jugendlichen Energie und dem Frust. Wenn der Tag gekommen ist, kann ich mit einem guten Gefühl in Harcore-Altersteilzeit gehen und das Schuften für eine wunderschöne Subkultur mit wunderschönen Menschen den jungen Wilden überlassen. Und auch dann werde ich noch „into it“ sein. Schließlich nimmt man nicht nur die private Plattensammlung oder Erinnerungen an wütende Shows mit, sondern vor allem eine durch diese subkulturelle Sozialisation geprägte Mentalität.

Und wenn ich irgendwie dazu beitragen kann, dass es zwischen dem weltpolitischen Wahnsinn aus Twitter-Präsidenten, ideologischen Kreuzzügen, ekelhaftem Konsumverhalten und schleichender Rechtsoffenheit so etwas wie ein kleines, größtenteils intaktes Paralleluniversum gibt, in das auch die nächste Generation rastloser Jugendlicher hin und wieder abtauchen kann – dann ist das eine ganze Menge wert. Da spreche ich sicherlich im Namen der kompletten Between The Lines-Truppe.

Auch wenn diese Szene immer mal wieder mit der eigenen Engstirnigkeit und anderen Problemen zu kämpfen hat, und jeder von uns gut daran tut, die eigenen Denk- und Verhaltensmuster regelmäßig zu hinterfragen, so war und bleibt Hardcore für mich im Kern immer durch ein freundschaftliches bis familiäres Miteinander der verschiedensten Schichten und Ethnien geprägt. Das hat mir eine Menge über Toleranz und Selbstreflexion beigebracht.

Hinweis: Alle Interviews wurden vor Mai 2017 geführt. Wir erwähnen dies, da an vielen Stellen Bezug auf die Band Wolf Down genommen wird. Wir denken, dass diese Aussagen nach Bekanntwerden der Vergewaltigungsvorwürfe gegen mindestens ein Bandmitglied und Auflösung der Band anders getätigt worden wären. Trotzdem haben wir uns entschieden, die Antworten so nah wie möglich am Wortlaut abzudrucken.

Ich jedenfalls bin stolz ein Teil dieses Teams zu sein und freue mich, dass wir trotz all diesen „real life issues“ zusammen den inneren Schweinehund besiegen konnten und euch auch in Ausgabe #006 wieder jede Menge interessanten Content rundum die schönste Subkultur der Welt präsentieren können. Viel Spaß! BETWEEN THE LINES im August 2017

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Team Levin 23, Augsburg

Marco 28, Siegen

Moritz 31, Siegen

Michael 27, Darmstadt

2

Markus 29, Aachen

Florian 27, Querfurt

Sergej

Julius 24, Wiesbaden

26, Düsseldorf

Hubert 32, Ronsberg

Matthias 30, Köln

Moritz 29, Stuttgart

Sandra 29, Duisburg

Simon 28, Reykjavík

Micha 28, Köln

Paul 28, Siegen


BETWEEN THE LINES FANZINE #006

INHALT EDITORIAL

1

TEAM

2

INHALTSVERZEICHNIS

3

IMPRESSUM

67

REVIEWS

TIME WALK

16-18

ENEMY MIND

24-25

ZEAL & ARDOR

32-33

PLATTENKISTE

38-41

4-6

RATLORD

46-47

CURSED EARTH

12-15

BRAVESTAR

56-57

TIDES DENIED

20-23

EMPOWERMENT

26-29

I NTE R VI E W S

TORCH IT!

REPO RTA G EN

BROKEN HUMANITY

30

BTL: SURGE OF FURY

34-37

BINGHAMTON HC

8-11

JOHN HOFFMAN

42-44

HM-2 & SCHWEDENTOD

48-53

DEATHBEARER

52-53

LIEBLINGSLYRICS

EYES OF TOMORROW

58-62

XIBALBA

64-66

54

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INTERVIEW I TORCH IT!

torch it! SPRECHEN ÜBER DIE NEUE PLATTE, DIE GIESSENER SZENE UND POLITICAL CORRECTNESS

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TEXT I MORITZ RINK FOTO I THORSTEN FELIX MOLUX IMAGO

Gießen – vielleicht nicht die touristisch erschlossenste Stadt Deutschlands und sicherlich auch (noch) nicht wirklich der Nabel der deutschen Hardcore-Welt. Irgendwo zwischen Studententum und Äppelwoi findet man in der hessischen Universitätssadt aber eine durchaus lebendige, kleine Szene vor. Zusammen mit Harm/Shelter und Depravation stehen Torch It! mittlerweile in vorderster Front der Bands, die das Städtchen zurück auf die Hardcore-Landkarte bringen. Anlässlich der brandneuen EP namens „Ruthless“ habe ich mit den Jungs ein bisschen über den neuen Output, Gießener Rockstars, Politik im Hardcore und bandinterne Hassliebe gequatscht.

Hey Jungs, ich hoffe alles ist gut bei euch. Wir fangen mal klassisch und langweilig an. Ihr seid ja nun noch nicht so lange auf dem Radar unserer Leser. Wer seid ihr, woher kennt ihr euch, warum Hardcore? Marc: Wir sind Dome, Rafu, Perez, Benni ...und ich. Wir kennen uns alle schon recht lange aus Gießen und der hiesigen Szene. Wir sind alle schon ein Weilchen im Hardcore dabei, weil es uns einfach viel bedeutet und gibt. Demnächst erscheint euer zweiter Output – erzählt mal was zu dem Teil! Hat sich im Vergleich zur ersten EP was geändert, gibt es Überraschungen oder seid ihr eurer Linie treu geblieben? Es ist nach wie vor Torch It!, nach wie vor Hardcore. Im Vergleich zur „Ghost Town“ ist „Ruthless“ aber etwas grooviger und an anderen Stellen vielleicht auch etwas „härter“. Wir wollten uns einfach in allen Belangen verbessern. Das Songwriting und auch die Produktion bzw. der Aufnahmeprozess waren etwas anders, auch dadurch, dass wir diesmal bei Kris von Steel Recordings aufgenommen haben.

Härter und grooviger würde ich so unterschreiben. Die EP klingt für mich generell noch ne ganze Ecke dynamischer, als euer Debüt. Ihr konntet euch in der kurzen Schaffensphase ja auch schon quer über die Bühnen der Republik spielen, eine kleine Fanbase aufbauen und Kontakte knüpfen. Da werden Labels sicherlich hellhörig. Warum kommt „Ruthless“ trotzdem in Eigenregie heraus? Wird es ein physikalisches Release geben? (CD, Tape o.ä.) Dome: Tatsächlich sind wir im engen Kontakt mit zwei Labels. Allerdings kam es bisher zu keinem konkreten Deal und da für uns ein möglichst zeitnahes Release im Vordergrund steht, wird es wohl vorerst nochmal ein DIY-Projekt. Anders als „Ghost Town“ wird „Ruthless“ als 7“ Vinyl released und wenn die Patte stimmt, gibt’s eventuell auch noch CDs und/oder Tapes! Gibt es bereits Pläne für ein Album? Rafu: Wir schauen jetzt erstmal, wie die neue EP läuft. Unser Ziel ist es auf jeden Fall mit der nötigen Unterstützung früher oder später eine Full-Length rauszuhauen!


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Für „Ruthless“ habt ihr ein ziemlich paramilitärisch-autonom anmutendes Cover gewählt. Würdet ihr euch da als Hardliner im Stile von Wolf Down sehen? Oder spielt da auch ein bisschen Symbolik eine Rolle und der politische Ansatz lässt sich eher auf den Grundsatz „Antifaschismus“ runterbrechen? Marc: Das Cover spiegelt die Härte wider, mit der einem das Leben manchmal begegnet, die man aber auch dem Leben entgegen bringen muss, um zu bestehen. Benni: Bei uns in der Band vertreten einzelne auch unterschiedlich ausgeprägte Ansichten, was Themen wie Antifaschismus oder alles was dazugehört angeht. Letzten Endes sind wir uns grundsätzlich darüber einig, was unsere Ansichten angeht und einige Dinge lassen sich nur ändern oder bekämpfen, indem man auch mal zu drastischeren Mitteln greift. Dass das nicht jede/r so handhabt, ist in unseren Augen vollkommen ok, es müssen und können nicht alle bei Demos in der ersten Reihe stehen, aber es ist natürlich gut, dass es genau solche Leute gibt. Genau so wie es auch gut und wichtig ist, dass es Bands wie Wolf Down gibt, die Themen

.. grundsatzlich gilt, dass man immer miteinander reden sollte und das auch mit uns kann.

wie Antifaschismus oder auch Veganismus deutlicher ansprechen und da eine krassere Linie fahren, als wir. Wie sieht‘s mit der Political Correctness aus? Das ist ja ein ewiges Streitthema. Feminismus, Macho-Gehabe im Hardcore, freiheitliches Denken und Meinungsfreiheit vs. Hardline-Militanz, Violent Dancing, safe spaces etc. pp. Gibt‘s da für euch eine klare Grenze? Benni: Das Problem an all diesen Dingen sind die unterschiedlichen Auslegungen. Riesenthema und krasses Beispiel ist Feminismus; da gibt es Menschen, die das auslegen als „Frauen sind mehr wert als Männer“ – das ist grundsätzlich ja erstmal Quatsch, weil niemand mehr wert ist, als irgendwer anderes, vollkommen egal ob man das auf Geschlecht, Hautfarbe, Größe, Körperfülle oder sonstwas bezieht. Für Gleichberechtigung stehen wir natürlich, sie muss allerdings auch in alle Richtungen gelten. Dome: Violent Dancing gehört seit eh und je zum Hardcore, wer sich in (oder direkt neben) einen Pit stellt, muss damit rechnen,


INTERVIEW I TORCH IT!

eine zu fangen, egal ob Männlein oder Weiblein. Nichtsdestotrotz sollte man aufeinander aufpassen und wenn jemand anfängt, gezielt andere zu verletzen, ist irgendwann halt auch Essig!

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Benni: Macho-Gehabe/Mackertum ist ein Thema, das wir selbst schon hatten. Perez zieht sich ganz gerne mal das Shirt aus auf der Bühne. Allerdings wissen wir alle, dass er das nicht tut um rumzuprollen und zu zeigen wie geil er ist (dafür ist eh er nicht ripped genug und sein Tattoo immer noch nicht fertig, lol), sondern einfach weil er sich so wohler fühlt. Andersrum würde ich das nie tun, weil ich mich dann überhaupt nicht wohl fühlen würde. Es ist natürlich ein schwieriges Thema, aber ganz grundsätzlich gilt erstmal, dass man immer miteinander reden sollte und das auch mit uns kann. Wenn jemanden was nervt, soll er es ansprechen. So ne Band ist ja nen sehr kompliziertes soziales Konstrukt. Geht ihr euch gegenseitig schonmal so richtig auf den Sack? Perez: Oah, nö. Rafu: Ja! Benni: Klaro, quasi 24/7. Nee, Spaß. Aber grade, wenn man in „heißen Phasen“ steckt, wie z.B. kurz vor EP-Fertigstellung oder bei Shows, bei denen man sich ein bisschen beeilen muss oder generell unter Zeitdruck steht, gerät man schonmal aneinander. Dadurch, dass wir auch alles immer zu fünft besprechen – es gibt keine Entscheidungen Einzelner, die dann für alle gelten, egal ob es um Merch-Designs, Plattencover oder Shows geht – ist natürlich auch ganz gut Konfliktpotential gegeben. Aber so sehr wir uns hassen, so gern haben wir uns auch kurz danach wieder. Dome: …was? Marc: Ich hass‘ die. Ihr seid aus Gießen. Da kennt man was HC angeht Harm/Shelter, vielleicht noch das AK. Was geht sonst so dort, wie ist die lokale Szene?

Perez: Die Szene ist in der Tat in den vergangenen Jahren etwas geschrumpft. Wenn man bedenkt, dass damals Shows wie Have Heart und Verse quasi beispielsweise im MuK an der Tagesordnung waren, sieht es aktuell etwas mau aus. Nichtsdestotrotz gibt es genug Locals, die ihr bestes geben, coole Shows auf die Beine zu stellen- und das auch schaffen. Apropos Harm/Shelter – die sind ja nun ziemlich angesagt und bestimmt super-arrogant. Reden die überhaupt noch mit euch, jetzt wo sie zu Deutschlands Hardcore-Upperclass gehören und die Scheine in Gießen‘s Loft-Wohnungen zählen? Benni: Wir zählen zum Glück zum erlesenen Kreis derjenigen, die noch auf der Straße gegrüßt werden. Kris konnte sich gerade so durchringen, unsere EP aufzunehmen und zu produzieren und Friedrich überlegt sich auch immer 10x, ob er einen von uns tätowieren will. Die anderen Jungs kennen wir quasi gar nicht, wie heißen die überhaupt? Marc: Wir kennen die Jungs halt schon ewig und gönnen ihnen ihre Scheine.

Perez: Und wir haben sie gern. Gibts aktuell frische Bands und Künstler, die man kennen sollte? Was feiert ihr gerade so, egal ob Hardcore oder non-HC / populär oder Untergrund? Rafu: Isaiah Rashad, Maxwell Marc: Rin, LGoony, Expire (RIP), Easy Money Perez: Mastodon, Cold World, Ta-Ku Benni: „Untergrund“ HC: Stolen Mind, Ashes, Second Sight, Reactions. Auch geil: Mädness & Döll Dome: Keine Ahnung, ich höre so viele verschiedene Sachen… Plusmacher, Peace of Mind, Lowest Creature Das wärs auch schon. Vielen Dank für die Zeit! Ihr habt das letzte Wort und dürft jemanden grüßen oder so. Aber nur wenn ihr das auf hessisch macht. Ei gemoije, Matthias. Shoutout an Harambe/ Schellen, die Nabelos. Gude!


binghamton HC MICHAEL WENT TO SOME SHOWS IN NEW YORK AND OHIO

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BETWEEN THE LINES FANZINE #006

“the Binghamton hardcore community has defInitely come together in the last years. You learn to appreciate what you had when it goes awaY.“

TEXT I MICHAEL KICKERT FOTO I KATIE KANAZAWICH

Binghamton. Ein kleines Nest mit knapp 50.000 Einwohnern Upstate New York. Viel gibt’s hier nicht zu sehen oder zu erleben und seit einem Geiseldrama 2009 hat man nicht viel von der kleinen Stadt gehört. Doch Colin, Kenneth und ihre Jungs versuchen Lil Bingy wieder auf die Hardcore-Landkarte zu bringen. Im Juni 2016 war ich auf einer kleinen Show in Fitzie’s Irish Pub. 6 Bands, 8$ Eintritt. Aber ich will euch jetzt nicht damit langweilen und auf zwei Seiten erzählen, wie lokale Shows in den USA sind, wie viel Bier ich getrunken habe oder was danach noch auf einer Hausparty passiert ist. Kurz dazu: Jeder hat sich jede Band an­ geschaut, bei jeder Band wurde getanzt, No Way Out sind megagut, ich sah Blut, ich trank eine Menge Bier und was auf der Hausparty passiert ist, tja… Ich konnte Colin und Kenneth für ein Interview begeistern, in denen die beiden ihre lokale Szene vorstellen und von ihren Shows und Plänen erzählen.

Hey guys, thanks for taking your time. Just give us a short introduction of yourself, what you do and how you got into hardcore. Ken: Hey, I’m Ken Smith. I grew up in upstate New York in a tiny town called Newark Valley. It’s a town basically populated entirely by farms and blue collar working people. I work for a tech company travelling around, fixing computers in people’s homes, and setting up new computers and home theatre systems. I got into hardcore probably about ten years ago. I started going to shows when I was in high school. When I first started going to shows, it was more deathcore and metalcore shows, but there were hardcore bands scattered throughout those shows, and that was what drew me into hardcore for sure. Colin: I’m Colin Mraz, I’m from Endicott, New York (Binghamton, New York area). I’ve been into hardcore for about ten years also. I work for an airline and a taco bar here in Binghamton as well as booking shows in the area. I got into hardcore through my dad and through skateboarding, and that had led me to my first show which was held at a skatepark here in Binghamton. When I think back to my stop in Binghamton and the show, I noted that everyone’s pretty close. Everyone was talking with eachother, hanging out in peace. There was no beef, no tension. Is it that familiar? How’s the crowd at your shows in general?

Ken: That’s definitely how it is now, but it most definitely was not always that way. When I first started going to shows, there was a pretty big divide between people, and there was a lot more of an issue with fights happening and people not being inclusive of the folks who came from out of town, or who weren’t regulars at the shows. We went through a really long dry spell where we didn’t have a lot of shows in Binghamton, and that’s when the divide stopped. All of the kids who went to just hardcore shows, and the kids who went to just grindcore shows, or whatever else all realized there was no reason for us all to be separate, and that together we could have a thriving scene again. Colin: As Ken stated, the Binghamton hardcore community has definitely come together in the last couple of years. You learn to appreciate what you had at one time when it goes away abruptly. This sense of community that we have in Binghamton has expanded the spectrum of music that I enjoy as far as hardcore goes, because we went for so long with nothing, that you have to really appreciate it when you have something. Glad it worked out well and you got a nice and small scene up there that’s still growing and growing. What have you done for that change? Ken: Our shows have definitely been the biggest reason that the scene here has come

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REPORTAGE I BINGHAMTON HARDCORE

guess. What bands have played in Binghamton yet and what were the wildest, most crowded and best shows that you had over there? Colin: The first show I booked with my friend Evan was mostly local bands and had a great turnout. Prior to that, there hadn’t been a Binghamton hardcore show for a few years, so people were really thirsty for it. We’ve booked bands such as Strength For A Reason, My Bitter End, xRepresentx, Vow Of Hatred, Sworn Enemy, Cold As Life, Brick By Brick, and Eternal Sleep, just to name a few. Binghamton is a city that thrives on beatdown hardcore, and whenever there’s a good, heavy band playing here, people come out and get wild every time. We’ve seen a shift from only having ten to 20 people at a show to having anywhere from 50 to 150 people at a show. 10

Any fun stories you want to share with us? Or stories about some difficulties with bands? Ken: I wouldn’t necessarily say we’ve had difficulties with any bands before, but there’s always difficulties with booking shows in general, whether it be issues securing a venue, or a sound system, it can be tough.

back to what it is now. Colin has really bent over backwards for this area. He spends his time and money to bring bands in for everyone to enjoy. Colin: I’m just really hungry for hardcore. It’s something that I think about 24 hours a day, seven days a week. And when you really want something you just have to set a goal for yourself, jump in feet first, and do it.

looking for ways to get new people out to our shows to help them experience hardcore and the community that we all love. Colin and I have been trying new and different ways to promote our shows here in order to get new people out to them.

Since you’re booking shows in Binghamton on a regular basis - are there constantly new people coming to your shows or is it just the same old core?

Colin: Yea, we’re starting to see more faces from out of town, and we try to travel to regional and out of town shows to promote our own shows, pass out flyers, meet new people to network with, and anything else we can think of that might help our area grow that hasn’t been done in the past.

Ken: I would say that more often than not, it’s a lot of the same faces, but we do end up with new faces here and there, and we are always

I assume that you booked your first show with only local bands. Now that you grew over the years you got something to tell, I

Colin: Detain and Society Sucker played here a couple years ago, and we got to hang out with them after and party with them. That’s something that I think sets us apart from other areas. We don’t just book a band, pay them, and send them on their way. We like to hang with them, get to know them, show them the cool local spots to hang out and just try to be as hospitable as possible. What are your plans for 2017 and who do you like to see to play in Binghamton? Ken: Above all else, we are trying to get more people out to the shows, and continue to promote positivity in our area through hardcore, and preach about inclusion of everyone in our community. Colin: So far in 2017 we’ve already got 7 shows and a fest lined up for the area, and it’s only February. This year is going to be a big one


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for us, so keep an eye out and don’t sleep on upstate New York! For anyone who wants to follow what’s going on in our area, add yourself to the Binghamton Hardcore group page on Facebook. Your final thoughts? Colin: Shoutout to Ken and mines personal top two favorite hardcore bands - CDC and Line of Scrimmage. Wouldn’t still be doing this without seeing those two bands as many times as we have. New bands we think people should be listening to: Buried Dreams, Vein, Heavens Die, Detriment, Trail of Lies 315, Queensway

FAZIT

Zum 1. Juni starten die Jungs mit ihren Freunden aus der Binghamton Hardcore Szene eine DIY-Location in Johnson City, das direkt hinter der Stadtgrenze liegt. Hier hat man in einer All Ages Venue zwei neue Locations, in denen man Shows veranstalten kann. Zusätzlich gibts hier noch weitere Räume, die als Ateliere für Künstler und Kreative, aber auch als Proberäume für Musiker aus der Umgebung genutzt werden. Wie Colin so schön sagt, „For us, by us.“ Im September bin ich wieder vor Ort und hoffe sehr, dass ich wieder eine Show der Jungs mitnehmen kann, hoffentlich sogar in der neuen Location. Von Binghamton aus führte mich mein Weg über Pittsburgh nach Columbus, Ohio. Hier hatte ich auch das Glück und konnte zwei Shows besuchen. Die erste Show fand eine Stunde nördlich in Mansfield statt. Hier spielten Pit Control, Divebomb und Guerilla Warfare. Letztere beiden Bands konnten voll

mit ihrem groovigen Mix aus Hardcore und Einflüssen von Limp Bizkit und Rage Against The Machine überzeugen. Die Show fand in einer Art Kunstgalerie neben einem Café statt, dementsprechend dauerte es auch nicht lange, bis die ersten Bilder von der Wand rasselten. Die zweite Show war direkt schon am nächsten Tag in Columbus selbst. Die Venue war eine Bar namens “The Summit” in der öfter Shows statt finden. Einen gesunden Mix aus Hardcore und Metal boten die insgesamt sechs Bands hier. Besonders positiv in Erinnerung blieben mir Lowered A.D., Bonehead und die Pierogi, die es nebenan gab. Falls ihr jemals die Möglichkeit habt eine Show in den USA zu besuchen, dann solltet ihr das tun. Man lernt viele neue Leute und überaus gute und hier unbekannte Bands kennen, die Venues sind schon anders als hier und das Bier ist gar nicht so schlimm, wie alle sagen! Checkt Bonehead, Guerilla Warfare, Divebomb und No Way Out aus!


INTERVIEW I CURSED EARTH

cursed earth KIERAN TALKS ABOUT THE AUSTRALIAN SCENE, A NEW RECORD & FEMALES IN HARDCORE

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TEXT BILD

I LEVIN MÜLLER, SERGEJ RAITMAN I LIAM ALLOMES, NICOLE GOODWIN, BREE WALLACE, JACK RUDDER

We are happy that Kieran, Cursed Earths guitar player takes some time to answer our questions. What’s up, how are you doing? What’s up guys! I’m doing really well and thanks for having me! We really appreciate the zine.

Hailing from Perth, Australia, female-fronted hardcore band Cursed Earth are one of the finest examples of how underrated and underappreciated Australian hardcore is in the European scene, despite featuring everything that seems to be a must-have for a successful band nowadays. Neck breaking blasts, mosh-worthy breaks, the iconic HM-2 buzzsaw guitar sound and first and foremost a unique take on metallic hardcore. In the following we want to introduce you into a lively scene filled with incredibly good bands, that is criminally overlooked by the average European hardcore fan, and that has much more to offer than the likes of Parkway Drive, Deez Nuts or I Killed The Prom Queen. After having introduced them in our spotlight we’re more than glad to be able to gain an insight with the help of the bandmembers themselves.

The styles you incorporate into your music make it quite hard to pinpoint any definitive bands and sounds that influenced you. What are your main inspirations musically, in and out of hardcore, and which bands exactly would you consider to be your own idols? Originally, like most new bands, our sound was a combination of features that we liked the most from bands that we looked up to, speci­ fically a lot of recklessly heavy metal and grind bands like Nails, Extortion, Napalm Death, Black Breath, Magrudergrind and Harms Way, combined with the styles of local bands that we were already playing in together. As time has gone on, and especially on the last flexi and the album we’ve just finished, it’s been important for us to focus on developing our own sound and trying to ignore what other bands are

doing. It’s a constant process but it’s one that we’re putting a lot of energy into. How did Cursed Earth start? And what were the local bands that made you want to be in a band yourselves? Are there any current bands in Australia you would like to recommend? Our bassist Bob, our former drummer Glenn and myself were already in bands together for a few years before forming Cursed Earth. There was a long time where there weren’t really many heavy hardcore bands in Perth and we wanted to do a band that was a bit more wild than what we’d done before and shake things up. In the few years since there’s been heaps of great bands springing up in Perth, some of our favourites are Unravel, Hexx, Self Harm and Denial. Other bands that are killing it around Australia are Ill Natured, Justice for the Damned, Burning Season and Shackles. Your last release “Enslaved By The Insignificant” was released on Death’s Grip Records. I always had the impression that DG is probably the most active underground label in


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Australia. How did you end up working with them, and would you say the label has had a positive impact on your band, like new contacts or maybe even friendships with labelmates? We met Howesy from Death’s Grip around the time that we dropped our first EP and he’d just come off of 12 months of releasing straight fire records like Ill Natured “Depths of Despair”, Legions “The Gravestone Path” and Downside “All My Love Returns To Me” so we were really excited to release stuff through the label. The amount that he’s helped us making our way out of Perth since then is unreal, from booking shows to introducing us to people and just generally being a mentor. We’ve actually signed with a different label for the next record with his blessing and he’s sticking with us as a manager, which he’s really been doing all along. He’s pretty much the 6th member of the band. Speaking of Death’s Grip, your new full length is due in the end of July. What can we expect? Are there maybe current artists that you are fans of that had an influence in the writing of the album?

“WE DEFINITELY HEAR A LOT LESS ABOUT BANDS FROM EUROPE THAN THE US.“

Yeah, We’ve got a new record finished that we recorded with our friend Elliot Gallart at Chameleon Sound. It’s got the best production on a record that we’ve done so far, a shitload of riffs and guest vocals from James and Bobak from Harms Way and Justice for the Damned. We’re really happy with it and stoked to finally get it out. How about any tours that you are planning to promote your new release? Are you considering touring Europe? We’ve always wanted to come over to Europe. We’ve had a couple of offers about tours and we’re in the process of planning out the next year of touring right now, so we’re really hoping we’ve got something to announce around the later half of this year. (Eine Euro-Tor wurde mittlerweile angekündigt, Anm. d. Red.) Besides Europe, we’ve got our first headline run around Australia in early July, a couple more tours coming together after that and we’ll be hitting most of the Hardcore fests in Aus. Here in Europe many people are actually not even aware of how big Australia is area-wise.


INTERVIEW I CURSED EARTH

Are there maybe any substantial things to consider when touring there? What are the most fun places to play there? Australia is huge, especially for us living on the west coast of the country. It’s about a 5 hour flight from here to any city on the east coast and then maybe 2500km of driving to cover every major city. Each city has a pretty distinct culture and scene, the tours are shorter (usually 5-10 shows) and some bands are surprised that because of the distance between shows, limited number of cities and drinking culture in Australia, we tend to do two shows in each city. Licensed AA venues are relatively rare so you’ll do both a 18+ show and an All Ages.

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We probably have the best time playing around Sydney because of the high calibre of bands and good friends that we’ve made around that area but Sydney has been hurt a lot lately by government regulations, with lock out laws after 1am and a lot of smaller venues and record shops being closed down.

Australian hardcore is pretty overlooked in Europe, excluding a few really big bands. When having a close look there are tons of musical gems to find that are supported by a very active scene. Do you share this sentiment? How would you describe the scene in Australia if you compare small underground shows to big tours? Are there lots of festivals and showcases? The hardcore scene in Australia is pretty active and doing quite well at the moment, but is small enough that there’s not a massive difference between the underground shows and big tours. Besides arena bands like Parkway Drive and The Amity Affliction, shows with more than 1000 payers aren’t common. A lot of newer bands get opportunities to support bigger international bands quite early on, which is great for musicians coming up. There’s a lot of “hidden gem” bands that are growing very quickly that I’d expect to make it to Europe in the near future, two being Ocean Grove and Justice for the Damned.

Smaller Festivals in Australian music in general are booming right now since Soundwave and Big Day Out collapsed a couple of years ago. In Hardcore the big 6 are Unify Festival in Gippsland, Hardcore Fest and Damnation Fest in Sydney and Invasion Fest and Lairapallooza in Melbourne. How is the perception of the European scene and its bands in your home country? Any bands in particular that are especially popular right now? And what are your favorite releases from Europe? We definitely hear a lot less about bands from Europe than the US and the bands that are broadly known over here are your beatdown type operators like Black Tongue and Desolated as well as the much more established bands like Despised Icon, Bring Me The Horizon, Architects etc. Despite that, Europe is still the first and best place to wanna tour through internationally, our friends who have been over there are crazy for it. Personally, we’re all big fans of Kickback, Wolf Down, Venom Prison, Employed


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To Serve and the new Malevolence shred. Even though there are lots of females in the scene in Europe, females in bands stay a rather rare phenomenon. How is it in Australia? I think it’s more or less the same everywhere man, it’s still not great but it’s getting better every year. A lot of bands with female members over here are doing quite well and I think that Hardcore is collectively on the same page about diversity in our community. Hopefully we’re getting to a place where we stop seeing Hardcore bands with female members as outside of the norm. As you probably know, the current global political climate is probably the most problematic in years. Brexit, Trump, the refugee situation and many more factors have contributed to an anti-immigration rhetoric that has seeped through nearly every walk of life. In Europe it can be felt constantly. How is the situation in Australia? How political is

the hardcore scene in Australia, and would you consider yourselves a political band?

behind this title? What are the lyrical themes you incorporate into your songs?

It’s a dark time out there at the moment, man. There’s been an big rise in Nationalist political parties and groups over the last few years, especially with the comeback of Pauline Hanson’s One Nation Party. It’s a shock to the system to see the level of racism and bigotry that has been simmering beneath the surface and the confidence in which it is now being displayed. Australia currently has a conservative government who have been responsible for offshore detention of refugees and significantly stricter immigration and citizenship restrictions. While we don’t consider ourselves a political band, there are a lot of great bands in Australia exploring important political topics like immigration, womens rights and aboriginal land rights and we’ve got a lot of love for those bands.

The title of “Enslaved By The Insignificant” comes from our own struggles with general feelings of anxiety and hopelessness. We tend to try and write our lyrics introspectively and leave the lyrics open to interpretation by the listener. I don’t know how much people even read the lyrics any more but hopefully we’re writing stuff that people can identify with.

As stated before, your last release is titled “Enslaved By The Insignificant”. Who are “the insignificant”, and what is the concept

Thank you very much for taking the time to answer my questions, it was a huge pleasure. Anything you might want to let our readers know before we finish this off? We just want to thank you guys and anyone over there who’s listened to our music, the fact that this thing might take us all the way to Germany soon is crazy and exciting.

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REVIEW I TIME WALK

time walk BEYOND ETERNITY‘S GRASP I SELF RELEASED

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T RA CK L I S T

1. RUNICK ECHOES

4. TIME HEALS NOTHING

2. FURY OF THE SANDS

5. TEMPLE OF THE FORBIDDEN REALM

3. WAR

6. ENTER THE REALM OF DEATH (RUNEMAGICK COVER)


BETWEEN THE LINES FANZINE #006

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I MORITZ RINK I WALTER DIXON

Stell dir vor: Du verpennst deine traditionell eingerichteten zwölf Wecker (Danke, Snooze-Funktion!), haust dir beim panischen Erwachen das Knie am Nachttisch an (Danke, Koordinationssinn!) und hast diesen ekelhaften Geschmack im Mund, der nahelegt, dass irgendein exotisches Tier über Nacht in deinem Rachen einen qualvollen Tod gestorben ist (Danke, in der Woche Saufen gehen!). Draußen sind minus eine Millionen Grad, deine Karre ist gefroren und eine, vermutlich unter dem Reizdarmsyndrom leidende Taubenfamilie, hat deine Windschutzscheibe ambitioniert zugekackt. Während du genüsslich gefrorenen Vogelkot von der Scheibe kratzt, ertönen aus dem Radio die frechen Texte und Melodien der Sportfreunde Stiller und lassen dich unweigerlich daran denken, wie versöhnlich so ein Freitod doch sein kann. Weil das aber dann doch keine Option ist und gerade kein, die Deutschland GmbH proklamierender Reichsbürger in der Nähe ist, der es verdient hätte aufs Maul gehauen zu werden, musst du dich an irgendeinen anderen Strohhalm klammern, um deinen Selbsterhaltungstrieb wieder zu aktivieren. Da kommt die redaktionelle Empfehlung zur Verarbeitung von Zorn durch musikalisches Wutbürgertum doch wie gelegen. Diesmal auf dem misanthropischem Plattenteller: Time Walk mit „Beyond Eternity’s Grasp“. Dass die fünf US-Amerikaner aus Missouri, genauer gesagt Springfield (whoo!), zu den Lieblingen unter den Between The Lines-Schreiberlingen gehören, dürfte seit dem letzten Jahr kein Geheimnis mehr sein. Mit „Beyond Eternity’s Grasp“ legt die Band nach einer Demo und einer Zwei-Track-Promo nun das erste richtige

Release vor. Die in Eigenregie veröffentlichte Platte kommt in drei schicken Farben daher und bietet ein martialisches Artwork, das ganz nah an der Kitschgrenze liegt und vermutlich irgendwas mit Magic: The Gathering zu tun hat. Wer weiß. Für mich persönlich jetzt nicht ganz so der Hingucker, aber irgendwie passt das auch. Ist also abgenickt und im Grunde genommen auch wirklich zweitrangig. Viel wichtiger ist nämlich, dass sich am Sound zum Glück fast gar nichts geändert hat. Time Walk musizieren irgendwo in der Schnittmenge aus All Out War, alten Hatebreed, Merauder und Sepultura zur Chaos AD-Ära. Überraschungen und Innovationen sind da Fehlanzeige. Und – ja – natürlich bedient man sich fleißig aus dem Slayer-Backkatalog, was die Gitarren angeht. Auch den ein oder anderen Break hat man so schon mal gehört. Der 90er-Charme trieft dabei aber dermaßen authentisch aus den Boxen, dass man den Jungs das nicht übel nehmen kann. Die Platte hat mich von der ersten Minute an gepackt, und hält jetzt auch dem zwanzigsten Durchlauf stand. Besonders erwähnenswert ist dabei der äußerst rudimentäre, aber passende Sound, der mit aktuellen Produktionen wenig gemein hat, viel dreckiger und direkter klingt, aber trotzdem ausgewogen und rund daherkommt. Kein Effekt zu viel, keine unnötigen Spielereien, einfach nur knapp 15 Minuten echte Gefühle auf der Emotionspalette von „wütend“, über „richtig wütend“ bis hin zu „ÜBERTRIEBEN WÜTEND!!!111“. Technisch bewegen Time Walk sich zwar in überschaubarem Rahmen, die Rhythmusfraktion spielt aber dermaßen auf den Punkt, dass

auch Arkangel und Co., die für vergleichsweise schlampig eingezockte Veröffentlichungen gefeiert werden, den Hut ziehen müssen. Für Gewalt-Mosh und Hardcore-Metal-Liebhaber haben die Jungs hier eine absolute Feel Good-Platte hingelegt, bei der keiner der insgesamt fünf Eigenkompositionen abfällt. Anspieltipp meinerseits ist auf jeden Fall das bereits von der Promo bekannte „Fury Of The Sands“, das zwischendurch etwas an Sepultura erinnert und alle Trademarks der Band auffährt. Zu den selbstgeschriebenen Stücken gesellt sich zum Abschluss ein cool inszeniertes Cover der schwedischen 90s Death-Doom-Band Runemagick. Das beweist Geschmack, ist nicht zu abgedroschen und passt musikalisch wunderbar. Das i-Tüpfelchen im Sound von Time Walk sind dabei über die gesamte Spielzeit unumstritten die abartig-brutalen Vocals. Ohne in stereotype, nicht genderneutrale Superlativen ausbrechen zu wollen – sorry, aber der Kerl klingt nach dem Typ Mann, der das Feuer entdeckt, die erste Axt geschliffen, das erste Bier gebraut und danach zuerst den scheiß Tyrannosaurus Rex, und dann alle anderen Dinosaurier auffe Fresse gehauen hat, um zu zeigen, wer an der Spitze der Nahrungskette steht. Diese vertonten darwinschen Gesetzmäßigkeiten machen mich so richtig sauer und glücklich. Wütender geht das nicht. Das erinnert an eine Höhlenmenschen-Strongman-Mutation aus Jamey Jasta, Max Cavalera und dem Monster von Loch Ness. Abgesehen davon ist auch das Songwriting total stimmig. Die Band braucht keine inszenierten

„Ausklinger

+

Chinabeckenanzäh-

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REVIEW I TIME WALK

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ler“-Breakdowns, um Dynamik zu erzeugen oder zu signalisieren, dass jetzt bitte irgendwer auffe Mappe kriegen soll. Der Untergrund-Bareknuckle-Fight-Club-Modus aktiviert sich da von ganz allein. Das ist besonders schön, weil die Symbiose aus bretthartem Metal und Hardcore-Proletentum absolut natürlich klingt und ohne all zu stumpfe Beatdown-Platituden daherkommt. Textlich geht es um… naja… nix Gutes, denk ich. Endzeit, Krieg, Pandemien, Schellen in die Kniekehlen, Magic-Karten und so Gedäh. Vermutlich. Wat weiß ich. Wer liest um Himmels Willen das Kleingedruckte? Dieses Magic: The Gathering-Thema ist mir jetzt ein bisschen fremd, es stört mich aber auch nicht. Die Band steht damit ja auch irgendwie in der Tradition von Bands wie Bolt Thrower, bei denen der thematische rote Faden ja dann auch überschaubar und unwesentlich ist. Hauptsache irgendwas mit Krieg und gewalttätigen Kreaturen. Keine Ahnung, welchen Einfluss dieses Spiel auf Menschen hat, dass es sie so unglaublich wütend

machen kann, aber meine ungeborenen Kinder dürfen das sicher nicht spielen. Fazit? Hier erfindet niemand das Hardcore-Rad neu. Über Nörgler und „hat man schon 1000x besser gehört“-Kommentare kann die Band aber sicher gut hinwegsehen. Unterm Strich bleibt nämlich eine überharte Platte für Hardcore-Kids und Metaller, die auf wütende Art und Weise enorm viel Spaß macht. Ein Europa-Kreuzzug wäre übrigens eine super Sache, vielleicht erbarmt sich ja eine Booking-Agentur dazu, der Band unter die Arme zu greifen. Also, wenn nochmal alles kacke ist, die Olle oder der Macker motzt oder Mario Barth einen neuen Weltrekord aufstellt: einfach diese Platte auflegen und sich danach besser fühlen.


INTERVIEW I TIDES DENIED

tides denied JUSTUS SPRICHT ÜBER DIE NEUE 7“, LYRICS UND DEREN EXPRESSION AUF DER BÜHNE

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BETWEEN THE LINES FANZINE #006

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I SIMON JOSCHA FLENDER I XEMBRACEX.DE

Nachdem sich im aktuellen Zine eine akute Artikelknappheit abzeichnete, habe ich entschieden, kurz vor Schluss noch ein kleines Gespräch mit Justus von Tides Denied zu führen. Nach den für die Band ereignisreichen letzten Jahren mit einigen Veröffentlichungen und Touren haben sie nun mit „Find Your Place“ bereits den nächsten Output am Start.

“mir geht es in erster Linie darum, Situationen und Begebenheiten, die mich .. personlich betreffen zu hinterfragen und .. mein eigenes Handeln zu uberdenken.“

Hallo Justus, wie geht’s, wie steht‘s? Ein Vögelchen hat mir zugezwitschert, dass du den letzten Versuch eines Interviews alkoholbedingt abbrechen musstest. Wie gut bist du heute in Form? Hi! Erstmal vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst und uns die Möglichkeit gibst ein bisschen zu erzählen. Wenn ich dich richtig verstehe, spielst du auf das Interview mit eurem Vorzeigeredakteur Sascha auf dem Steel City Fest 2016 an, haha. Aber du hast Recht – Claudius und ich waren da nicht mehr ganz im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte. Das Audiointerview ist ja dann unter ominösen Umständen verschwunden… zum Glück. Heute geht’s mir vergleichsweise gut!

Du singst bei Tides Denied, aber was machst du sonst so? Kannst du dich kurz vorstellen und einen kleinen Abriss über die bisherige Historie deiner Band geben? Ich lebe zurzeit in Paderborn und bin eigentlich ziemlich zufrieden. Ich studiere hier an der Universität Geschichte und Deutsch für Lehramt und arbeite nebenbei an einer Tankstelle, was an sich recht entspannt ist. Mit Tides Denied haben wir 2012 losgelegt. Damals haben wir noch alle in unserem Heimatdorf gelebt und kannten uns seit Kindheit an. Auf die Idee eine Band zu gründen, kamen wir durch unser gemeinsames Faible für Punk. Nachdem wir ein bisschen mit dem Sound und der Besetzung experimentiert haben, haben wir schließlich vier Songs in Eigenregie aufgenommen und als Demo veröffentlicht. Gleichzeitig haben wir

angefangen selber Shows in der Umgebung zu organisieren, was uns auch dabei geholfen hat, selber in anderen Städten zu spielen. Als wir dann ein bisschen rumgekommen waren, haben wir 2014 unsere erste EP „Remedy“ auf Backbite Records veröffentlicht und unsere ersten eigenen Touren gespielt, was ziemlich krass für uns war. Nach den Aufnahmen für die 2016 erschienene Split EP mit Soulground und unserer ersten Tour in Skandinavien verließ uns Gregor aus zeitlichen Gründen und Jonas übernahm den Part am Bass. Weiter ging’s mit Touren durch Mittel- und Osteuropa und einer neuen EP, die auf den Namen „Find Your Place“ hört. Du schreibst die Texte eurer Songs. Was beeinflusst dich dabei und welche Themen sind euch, als Band, wichtig?

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INTERVIEW I TIDES DENIED

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Ich würde behaupten, dass sich die Auseinandersetzung mit dem Alltag und der Routine als grundlegendes Motiv durch unsere Texte zieht. Generell versuche ich mich in den Texten mit meiner eigenen Lebenssituation auseinanderzusetzen, was für mich irgendwie auch die Essenz der ganzen Sache darstellt. Auf welche Weise ich das tue und welche Schlüsse ich aus bestimmten Situationen ziehe, ist dabei natürlich unterschiedlich. Auf dem Demo sind beispielsweise relativ düstere, metaphorische Lyrics – die Texte der neuen Platte sind jedoch umso direkter und verfolgen einen viel positiveren Ansatz. Meist

dorf befindet, der auf halber Strecke zwischen uns liegt. Länger als eine dreiviertel Stunde ist man daher nicht unterwegs. Als Treffpunkt auf dem Weg zu Shows eignet sich das außerdem ziemlich gut. Geprobt wird normalerweise eh nur, wenn wir längere Zeit keine Show gespielt haben. Schwieriger gestaltet sich das Ganze, wenn wir Songs schreiben. Da wir mehr oder weniger feste Arbeitszeiten haben, bleiben da oft nur Wochenenden. Passende Termine über einen kurzfristigeren Zeitraum zu finden, ist deshalb schwierig, hat bis jetzt aber immer irgendwie funktioniert.

Tätowierer ist und wir mochten seinen Stil einfach sehr. Außerdem fanden wir, dass das stilistisch ganz gut zu unserem Sound passt. Das Covermotiv ist eine Umsetzung der Message, die in den Texten vermittelt werden soll. Beim Artwork der Split EP haben wir Soulground das Steuer überlassen. Sophie Douala ist eine Freundin von deren Gitarristen Björn und hat sich auf grafische Darstellungen spezialisiert. Dass das Artwork schlussendlich so abstrakt wurde, fanden wir auch ziemlich passend. Der Unterschied im Sound der Bands und die Teilung der Platte wird dadurch gut verbildlicht. Generell lässt sich aber nicht sagen, dass diese

geht es dabei um persönliche Erfahrungen, aber auch politische Aspekte spielen eine Rolle. Die Themen unserer Songs haben sich im Laufe der Zeit nicht unbedingt verändert. Nur die Perspektive ist eine andere.

Im April 2014 habt ihr „Remedy“ als EP rausgebracht, die mittlerweile leider ausverkauft ist. Ich habe die damals wirklich sehr gefeiert, mir aber nie zugelegt. Dumm gelaufen. In der Zeit danach habt ihr zwei Touren mit Seconds Of Peace und My Turn gespielt. Würdest du sagen, dass euch das auf europäischer Ebene so richtig nach vorn gebracht hat oder wie empfindest du eure bisherige Laufbahn?

Richtungsänderung beabsichtigt war. Beim Artwork der neuen Platte, das von Jan Leichsnering (Rebel Kid) entworfen wurde, setzt sich die grafische Ausgestaltung der Lyrics aber wieder fort, was uns wichtig war.

Je nach Inhalt der Lyrics unterscheidet sich oftmals die Art und Weise in der das Publikum in den Texten angesprochen wird. Manchmal autoritärer, manchmal eher bittend oder in sehr reflexiven Songs vielleicht gar nicht so direkt. Wie würdest du sagen läuft das bei dir ab? Wie gesagt sind unsere Texte meist eher selbstreflexiv. Es findet sich aber auch immer wieder die ein oder andere Zeile, die eher „anklagend“ daherkommt. Dabei möchte ich mich selbst aber nicht unbedingt von der Kritik, die ich äußere freisprechen. Ich glaube, dass es dabei in erster Linie darum geht, Situationen und Begebenheiten, die mich persönlich betreffen zu hinterfragen und mein eigenes Handeln zu überdenken. Wenn das beim Publikum ankommt freut mich das natürlich. Schön wäre es, wenn der Hörer dadurch auch selbst Denkanstöße bekommt und sich bewusster mit Dingen auseinandersetzt. Ihr wohnt – laut eurer Bandcamp-Seite – in verschiedenen Orten und Städten. Wie gut verträgt sich das Band-Leben mit den Distanzen zwischen den Orten und wie händelt ihr Dinge wie Proben und Songs schreiben? Genau, seit ein paar Jahren leben Jonas und ich in Paderborn, Claudius wohnt in Marsberg und Jonathan in Kassel. Praktisch ist, dass sich unser Proberaum in unserem Heimatort Oes-

Freut mich, dass dir die Platte gefällt! Im Januar 2015 waren wir mit My Turn auf Tour in Skandinavien und gegen Ende des Jahres ging es mit Seconds of Peace durch Deutschland, Österreich, Tschechien und Polen. Ich würde aber nicht unbedingt behaupten, dass uns die Shows auf den Touren „nach vorne“ gebracht haben. Trotzdem haben die allermeisten Shows echt Spaß gemacht und wir haben viele coole Leute kennenlernen dürfen. Generell ging’s uns eher darum eine gute Zeit mit Freunden zu verbringen und neue Gesichter zu sehen. Außerdem haben wir viele coole Erfahrungen machen können, auf die wir sehr gerne zurückblicken. Lass uns noch über euren neuen Output sprechen. Im Vergleich zur „Remedy“ EP wirken die Split mit Soulground und die neue „Find Your Place“ 7“ vom Artwork eher grafisch, während auf der „Remedy“ Tattoo-Zeichnungen das Cover zieren. Gab‘s da eine grundlegende Richtungsänderung oder wie kam‘s? Das Artwork zur „Remedy“ EP hat der Friedrich von Harm/Shelter entworfen. Ich glaube, die meisten wissen, dass der ein echt begabter

Euer Sound hat sich auf „Find Your Place“ etwas mehr in eine oldschoolige Richtung entwickelt. Alles tight eingespielt und besser produziert, ohne jedoch den PunkCharme zu verlieren. Kann man das so sagen beziehungsweise habt ihr euch bewusst dafür entschieden? Nachdem die drei Songs auf der Split EP stilistisch etwas unterschiedlich ausgefallen sind, wollten wir uns bewusster für einen Sound entscheiden - das kann man also schon so sagen. Wir wollten Songs schreiben, die nicht unbedingt anders klingen als die alten, sich aber eher einer Richtung zuordnen lassen. Wir stehen alle eher auf punklastigen oder Youth Crew-Hardcore. Dass sich unser Stil dann als etwas oldschoolig herausstellte, ist eigentlich nur die logische Konsequenz. Was wir dabei aber auf keinen Fall wollten, ist wie die X-te Kopie einer 80er Kapelle zu klingen. Das ist uns meiner Meinung nach auch ganz gut gelungen. Dass wir für die Aufnahmen für „Find Your Place“ in die Tonmeisterei Oldenburg gegangen sind, hat dazu beigetragen den rohen Sound beizubehalten, den Songs aber gleichzeitig eine ordentliche und passende Produktion zu geben. Anlässlich der Veröffentlichung der neuen EP habt ihr auch wieder eine Tour geplant, diesmal allerdings allein. Früher seid ihr auch mal mit Bands wie Seconds Of Peace


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getourt, habt ihr von solchen Leuten mittlerweile die Nase voll? Dass wir im Mai alleine auf Tour gehen hat eigentlich ganz pragmatische Gründe. Claudius hat sich diesmal um das Booking gekümmert und wollte natürlich so früh wie möglich damit beginnen. Jonathan und ich konnten aber erst relativ spät entscheiden, ob wir zum geplanten Zeitpunkt auf Tour gehen können. Wie gesagt fällt es uns manchmal aufgrund von Arbeit und Studium etwas schwer einen Termin zu finden, der allen passt. Hätten wir die Tour deswegen kurzfristig absagen müssen, wäre das natürlich auch scheiße für die zweite Band gewesen. So sind wir auf Nummer sicher gegangen. Wo wir gerade bei Touren sind: Was war da mit Hawser und dem Nazi-Erlebnis los? Das war ein ziemlich beschissener Tag. Wir sind von Wien aus mit zwei Vans bis nach Warschau gefahren. Gegen Abend sind wir dann nach ungefähr zehn Stunden Fahrt am Club angekommen. Als der Veranstalter uns begrüßte, hat er Claudius den Handschlag verweigert, weil er ein „Refugees Welcome“-Shirt trug. Dabei ist uns dann auch aufgefallen,

dass der Typ und seine Kollegen einschlägige Symbole auf Klamotten und Haut trugen. Wir sind daraufhin wieder in den Van gestiegen und haben uns vom Acker gemacht. Nach weiteren fünf Stunden Fahrt sind wir dann schließlich in Krakau gelandet und konnten glücklicherweise noch ein paar Stunden beim Promoter pennen. Der Club in Warschau hieß übrigens „Klub Ludzi Rock“ und der Veranstalter nannte sich „Piwo Pravia“ – just in case. Ich hab dank Facebook-Profilstalking im Namen des Journalismus gesehen, dass du auch noch in einer anderen Band namens „Placid Joy“ spielst. Das Artwork sieht irgendwie interessant nach Autorennen aus, also habe ich mir das direkt mal angehört. Es klingt dann aber tatsächlich nach Post-Hardcore oder Melodic-Punk, wie auch immer man das nennen mag. Ist das ein Nebenprojekt zu Tides Denied und wer mischt dort noch mit? Kann man in Zukunft mit einem Output rechnen? Und für Freunde welcher Bands wäre es wert hier mal ein Ohr zu riskieren? Das Projekt Placid Joy haben Jonathan und ich schon vor einiger Zeit gestartet. Mein Mitbewohner und ich spielen Gitarre, Jonathan

spielt Bass, sein Mitbewohner Schlagzeug und sein großer Bruder singt. Durch die Konstellation ist der Songwriting-Prozess doch etwas angenehmer als bei TD. Der Sound orientiert sich grundlegend an DC-Hardcore Bands wie Dag Nasty, Embrace oder auch Fugazi. Dabei ist der Stil eher punklastig, was sicher auch an unseren eingeschränkten Fähigkeiten an den Instrumenten liegt, haha. Im Sommer stehen die ersten Shows an und vielleicht gibt’s in Zukunft dann auch mal eine EP. Justus, ich danke dir für deine Zeit und überlasse die letzten Worte ganz dir! Vielen Dank für das Interview! Hört euch die Bands an, die hier genannt wurden, geht auf Shows, gründet Bands, schreibt Zines und setzt euch generell mal kritischer mit der Musik und der Szene auseinander. Das macht Bock und bringt im Endeffekt alle nach vorne.


REVIEW I ENEMY MIND

enemy mind NO SAFE PLACE | BDHW062

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T RA CK L I S T

1. THE ENDING

4. UNLEARN PURPOSE

7. DEAD WRONG

2. GIVING UP

5. WORD TO GOD

8. CROSS THE LINE

3. IT JUST GETS WORSE

6. THE WEIGHT OF GUILT

9. THE TIME THAT PASSED


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TEXT

I PAUL FRENZEL

Was war zuerst da? Beatdown oder die Diskussion, dass man mit seinem Scheiß-Rumgemoshe doch lieber auf eine Cunthunt Show gehen soll? Ich weiß es nicht. Aber als Freund der härteren Gangart des Hardcores hat man es schon nicht immer leicht. Die eine Hälfte der bestehenden Bands ist so post-pubertär peinlich, dass man selber aus dem Kopfschütteln nicht mehr rauskommt, die andere Hälfte wird von Vornherein schon so stigmatisiert und vorverurteilt, dass sie bei den „truen“ HC-Kids aus Prinzip keine Beachtung findet. Und bei den periodisch immer wiederkehrenden Diskussionen über die immer gleichen Themen, bleibt dann auch wieder jeder schön in seiner Ecke und bewegt sich kein Millimeter aus vorhanden Denkweisen raus. Das ist meiner Meinung nach aus mehreren Gründen mehr als schade. Einerseits trägt genau das noch zur immer größer werdenden Kluft in der Szene bei und andererseits geraten so auch immer wieder gute Bands und Releases unter die Räder. Ich persönlich habe es mir über die Jahre recht bequem zwischen den Stühlen gemacht und kann es mit meinem Gewissen vereinbaren, auch mal ein Release zu feiern, welches nicht versucht die Welt zu retten, sondern einfach mal gehörig Dampf ablässt. Dabei ist mir die Szene rund um Pittsburgh mit Bands wie Unit 731, End Of Humanity oder eben auch Enemy Mind schon immer positiv aufgefallen. Gerade Hits wie „Carried By Six“ von der 2009 erschienenen Split mit Line Of Scrimmage oder auch „The Time That Passed“ von der Self Titled haben damals wie heute mein Geschmack als Moshkid voll getroffen verwandelten regelmäßig mein Jugendzimmer in eine Ein Mann

Shattered Realm Abschiedsshow. Und nun acht Jahre später liegt das neue Werk „No Safe Place“ der Steelcity Heavy Weights vor mir. Ich muss zugeben bei Covern vom japanischen KZK ONE springt sofort mein Pawlowscher Reflex an und mit muskulösen Cappy tragenden Werwölfen konnte ich mich sowieso schon immer gut identifizieren. Soweit also alles erst mal beim Alten. Und nach einem relativ unspektakulären Intro legt die Platte mit „Giving Up“ zum Glück auch gleich genauso los, wie ich es erhofft habe. Denn nach einer so langen Schaffenspause besteht ja immer die Gefahr, dass ein Comeback eher einem missglückten Versuch ähnelt, dem Ruhm vergangener Tage nachzueifern. Aber nicht so hier. Enemy Mind zeigen gleich bei dem Opener der Scheibe, dass sie immer noch brachiale Songs schreiben können und auch 2017 noch ihre Daseinsberechtigung in der Szene haben. Der Sound ist wie zu erwarten hart und mit hart mein ich HART, in Capslock geschrieben und mit drei Ausrufezeichen dahinter. Fast pure Death Metal-Gitarrenrffs werden hier im Midtempo rausgefeuert und dass die Band doch ihren Ursprung im Hardcore hat, merkt man höchstens bei den Breaks. Diese eher lebensverneinende musikalische Mischung, wird durch Textzeilen wie: „I wonder every morning if I‘ll make it through the day - if you know me well you‘ll see I‘m not the same - the last part of me you recognize is about to go away“ noch wunderbar unterstrichen. Mit Doublebassgewitter und ziemlich tiefen Growls geht es auch gleich weiter. Was meiner Meinung nach auch die größte Veränderung zu den alten Releases ist.

Während die Stimme von Sänger Mike auf früherem Material gefühlt noch nicht so tief beim shouten kam und die Vocals daher manchmal eher einem Sprechgesang ähnelten, kommt er heute auf ein viel krasseres Stimmvolumen aber ohne dabei seinen typischen leicht abgehackten Flow zu verlieren. Mich holt das neue Material definitiv ab und mir gefällt, das es die Band hier schafft Old School Death Metal Einflüsse a la Cannibal Corpse oder Dying Fetus mit Hardcore zu verbinden, ohne dabei in komische Slam Gewässer zu gleiten. Und der kleine Fanboy in mir freut sich noch mal ganz besonders darüber, dass es mit den letzten drei Songs auch nochmal drei alte Tracks ihren Weg auf die Platte geschafft haben. Und gerade die neue Interpretation von „The Time That Passed“ schlägt ein wie eine Bombe und lässt bei mir alle Dämme brechen. Zugegeben, Texte wie: „You all live with a bitter taste - til I get my revenge and punch you in the face“ sind sicherlich nicht der deepeste Shit, der je geschrieben wurde. Aber sie passen halt einfach zu dem Tough Guy Image und wenn einmal wieder ein guter Freund zum Enemy geturned ist, sind halt auch mal solche Zeilen Balsam für die Bolloseele. Mir zeigen Enemy Mind mit diesem Release, das Ami Beatdown Hardcore, oder wie man es auch immer nennen mag, den meisten Eurobands halt doch noch um einiges voraus ist. Und mich stumpfer, harter Hardcore auch nach über zehn Jahren noch begeistern kann. Das ist schön. PS: Wem Enemy Mind musikalisch zusagen, der sollte auch definitiv in Ten Of Swords reinhorchen.

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INTERVIEW I EMPOWERMENT

empowerment JOGGES SPRICHT ÜBER AUTHENTIZITÄT, EVERYDAY ATTITUDE & HC IN STUTTGART

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I MORITZ KAPPLER I MARTINA WÖRZ

Stuttgart asozial. Wer sich mit Hardcore und Punk aus Deutschland beschäftigt, wird an Empo­ werment sicherlich nicht vorbeigekommen sein. Die ganz eigene Mischung aus deutschen Texten, punkiger Attitüde und NYHC-angehauchtem Sound ist Alleinstellungsmerkmal genug. Neben dem Verzicht auf Social Media (abgesehen vom lesenswerten Blog) und einer klaren politischen Message, hat Frontmann Jogges noch anderes Spannendes zu erzählen. Checkt das Interview!

.. “Real und authentisch zu sein ist fur mich sehr wichtig und ich versuche stets, dies zu sein und freue mich, dass ich das auch in meinem Job sein kann.“ Moin Jogges, was hat dich im letzten Jahr am meisten umtrieben? Sind wir ehrlich, im letzten Jahr ist auf der Weltbühne verdammt viel passiert. Politisch gesehen zeichnet sich da gerade ein Bild ab, das ich als sehr bedrohlich empfinde und eine Ende ist nur schwer absehbar. Manchmal weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll Sachen scheiße zu finden. In den Nachrichten gibt es fast nur noch Terror, Angst und Zerstörung und die einzigen „guten“ Dinge, die es zu berichten gibt sind irgendwelche Sportnews... Und nicht mal die sind gut... Fuck, der VfB ist 2016 abgestiegen. Prägende Persönlichkeiten wie Lemmy und Micky Fitz sind gestorben, auch dies geht nicht spurlos an mir vorbei.

Ich nehme viel wahr, denke nach und reflektiere und so ist es die Melange aus allem, die mich umtreibt. Da ich aber durch und durch ein pmaTyp bin, lasse ich der Negativität wenig Raum in meinem Leben und versuche aus jeder Situation das Beschde zu machen, meine Schlüsse daraus zu ziehen und mich zu fragen was das Leben mir damit lehren will. 2016 war das Jahr des Rechtspopulismus. Mal abgesehen davon immer wieder zu betonen, dass so etwas kein Platz in der Szene hat: Wie kann man sich selbst persönlich engagieren, um dem aktuellen Trend etwas entgegen zu setzen, im Sinne von „action speaks louder than words“? Ich finde Rechtspopulismus, Faschismus, Rassismus und Unterdrückung muss auf allen

Ebenen bekämpft und sich vehement dagegen gestellt werden. Dazu gehört für mich sich antifaschistisch zu organisieren, auf Demos zu gehen oder politische Arbeit zu leisten, sei es präventiv an irgendwelchen Schulen oder Projekten. Artikel und Kolumnen zu schreiben oder auch als Band ein klares Statement gegen Nazis zu haben und dies in die Welt zu brüllen. Der Konsens soll und MUSS lauten „Hardcore bleibt nazifrei“. Bei allem Zeigefingertum halte ich es oft gar nicht so hochtrabend und lebe es einfach im Alltag. In der Bahn, auf der Straße, im Stadion die Fresse aufmachen wenn Leute angepöbelt, diskriminiert und ausgrenzt werden. Aufkleber und Wände zubatschen gehört für mich eben so dazu – alles was das Leben bunt und multikulti macht.

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INTERVIEW I EMPOWERMENT

Ich denke egal was du tust und wie du denkst, du musst bei dir selbst anfangen und dein Haltung in dir manifestieren. Ich glaube, es gibt viele Leute die für oder gegen etwas sind, weil es halt dazu gehört oder cool ist. Wie sagt der Schwabe: „Gschwätzt isch schnell“. Wie viel Punk steckt, deiner Meinung nach heutzutage überhaupt noch im Hardcore und wie siehst du die Entwicklung des Punks, insbesondere in Stuttgart? Es gab Zeiten, da hätte ich gesagt es steckt „Null“ Punk im Hardcore, aber ich sehe es

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nowadays nicht mehr so. Wenn wir Punk als Synonym für eine gewisse politische Haltung und anders sein verwenden, dann neige ich dazu zu sagen, dass mehr Punk als je zuvor in Hardcore steckt. Vielleicht ist die Aussage etwas gewagt, aber dennoch lass ich sie so stehen, weil ich finde dass verdammt viele Bands die Fresse auf der Bühne aufmachen, coole Hilfsprojekte wie beispielsweise die HHF oder ähnliches unterstützen oder sich sonst gesellschaftskritisch positionieren und solidarisch zeigen. Das ist selbstverständlich nur durch meine Augen betrachtet und meiner Wahrnehmung geschuldet. Hardcore steht für mich schon immer für anders sein und einen Fick auf die Welt da draußen zu geben. Lasst uns daran festhalten und die Fackel weiter tragen. Each one teach one. In Stuttgart ist selbstverständlich alles tutti und Punk as fuck. Wie lassen sich klassische Themen im Punk/ Hardcore wie beispielsweise Klassenkampf, Kapitalismuskritik oder Konsumverhalten mit den immer neusten Trends wie teuren Sneakern, Markenklamotten und Statussymbolen, die gerade auch in der Hardcore-Szene eine große Rolle spielen, vereinbaren? Jessas. Was soll ich da sagen? Am liebsten würde ich jetzt weiterklicken. Hardcore bewegt sich in Wellen. Mal ist Ebbe und dann wieder Flut. Ich habe schon so viele Nerds, Toys und Zeigefingerprediger gesehen, die sich ein paar Jahre später ein absneakern oder zu völligen Fashionvictims mutieren. Straight Edge Warriors, die sich‘s die Nase hochziehen und den kotzenden Punk von der Bank. Talk is cheap und ich maße mir nicht an zu urteilen. Wenn jemand Bock hat, seine Scheine

für Sneakers auszugeben, bitte, dann soll er das tun. Wenn er aus einem Laden raus läuft und dem Obdachlosen an der Ecke was in Hut wirft oder sonst was von seinem Geld spendet, ist das doch auch was wert.

Paletten und zerfickten Obstkisten – aus alt mach neu, der Hipster würde es sicherlich DIY-Upcycling-Prokjekt nennen. Hier lasse ich sehr viel von meiner Punk- und Hardcore-Sozialisation einfließen.

Was ich damit sagen will ist folgendes: Ich glaube, dass ganz viele in dieser Hardcoreund Punk-Szene in Etiketten und Schubladen denken und leben. Sei doch einfach ein freier Mensch und tu was du fühlst, ohne dabei die Achtung, den Respekt und die Wertschätzung für andere zu vergessen. Dennoch glaube ich – ganz im Ernst – je weniger wir uns an mate-

„Don‘t believe the hype“, lasst euch nicht vorschreiben wie Kunst auszusehen hat. Seid frei. Es ist gut so wie du bist. Wir erschaffen etwas im Kollektiv. Es gibt nicht nur Mainstream und Plastik, ein Leben mit Ecken und Kanten fernab der geteerten Wege ist viel aufregender und spannender. Running in the Backstreet Oi, Oi, Oi. Für mich ist es wichtig sich nicht verstellen

rielle Dinge binden, desto besser geht’s uns... Sprach‘s und schnürt seine Nikes, um sich beim Bäcker Brötchen zu holen... Hahahaha.

zu müssen. Ich bin 24 Stunden ich selber und echt. Real und authentisch zu sein ist für mich schon immer sehr wichtig und ich versuche dies auch stets zu sein und freue mich, dass ich das in meinem Job sein kann.

Du stehst offen und ehrlich zu deiner Liebe zu NYHC. Wie gehst du selbst mit der Diskrepanz zwischen den Lyrics vieler dieser Bands und deiner eigenen Einstellung um? Aus mir ist doch auch was geworden, so schlecht kann sie also nicht sein, die Sozialisation durch NYHC... Hahahahaha. Du müsstest also etwas konkreter werden und Beispiele nennen. Ich selbst habe diesen NY-Hardcore als einen sehr bunten und vielfältigen Lehrer erlebt. Wie können wir uns einen Tag in deinem Leben vorstellen? Spielen Punk und Hardcore auch eine Rolle in Bezug auf Arbeit? Kann ich beispielsweise Bankangestellter sein und trotzdem Werte, wie sie oben genannt sind, vertreten? Für mich persönlich gehen manche Dinge mit Hardcore und Punk nicht zusammen – beispielsweise Bulle zu sein. Jetzt trete ich sicher ein paar Leuten uffn Slips, wenn ich den nächsten Satz ausspreche, aber für mich geht Bundeswehr und Hardcore auch null zusammen. Ein Tag in meinem Leben? Ich lass mal aufstehen, den Hund scheißen lassen weg und geh direkt zur Arbeit über. Ich arbeite für das BHZ Stuttgart, eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Dort schmeiße ich mit meinem Kollegen zusammen ein Kreativatelier. Wir machen Kunst und Kunsthandwerkliches aus alten Dingen wie beispielsweise abgefuckten

Wie schafft man es als bekennender Bierliebhaber eigentlich auf ein Shirt der Band Wolf Down und was für einen Personenkult gibt offenbar es um dich? Boah, da fragste mich was. Um ehrlich zu sein, keine Ahnung warum ich da drauf bin und es ist ja schon ein bisschen peinlich – mir zumindest. Aber sei es drum die Jungs sind okay und es gab zum Glück nicht viele davon. Kommen wir nun noch ein wenig zur Band beziehungsweise Musik. Wer euch kennt, weiß, dass ihr seit Bandgründung auf Dinge wie Facebook, Bandcamp und ähnliches verzichtet und trotzdem gut durchgestartet seid. Denkst du, das wäre auch möglich gewesen, wenn eure Gesichter nicht schon durch andere Projekte bekannt gewesen wären und würde das für andere (junge) Bands ohne Social Media ebenso funktionieren können? Ich glaube es liegt sicherlich daran, dass wir keine „Unbekannten“ in der Szene sind und unsere Fressen durch unsere vorherigen Bands irgendwie bekannt sind. Das hat es uns ermöglicht einen Gegenentwurf zu zeichnen und aufzuzeigen, dass es auch anders geht. Jungen Bands ist dies sicherlich nicht möglich, da musste realistisch sein. Ich glaube, die Frage stellt sich auch gar nicht, weil die Kids von heute mit dem Internet aufwachsen und sozi-


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alisiert werden. Du kannst dir ja heute binnen kürzester Zeit und mit wenigen Mäuseklicken ein umfassendes „Hardcore-Nerd-Wissen“ aneignen. Bestand hat‘s keinen, aber immerhin biste Street vorm Rechner. Ich glaube auch, wenn du als Band ein bestimmtes Level erreichen willst, kommst du ohne diesen Social Media-Kram nicht aus. Wir entschleunigen ja, deshalb juckt es uns nicht. In letzter Zeit war es eher ruhig um euch. Was können wir in Zukunft erwarten? Gibt es dieses Jahr ein neues Album? Wie bitte? Hahahahaha. Ich zitiere mich selbst: „Wir entschleunigen ja, deshalb juckt es uns nicht!“ Hahahahaha. In der Tat, wir schreiben gerade an einem Album und wenn die Entschleunigung es zulässt, dann kommt es auch dieses Jahr noch raus.

Es gibt auch schon einen Album-Titel und ein Label und ich habe wie immer Textschulden und, und, und. Hättest du noch ein paar Anspieltipps für uns? Was waren deine Lieblingsplatten 2016? Boah, was kam denn alles 2016 raus? World Be Free finde ich super und die Platte kam auch 2016 raus – das weiß ich. Ich schreib einfach mal ein paar Bands nieder, die mich in letzter Zeit in irgendeiner Weise geflasht und berührt haben. Viele gibt es natürlich schon länger, aber ich hab sie für mich entdeckt oder wiederentdeckt: Jedi Mind Tricks, Nasty, Merauder, Cro-Mags „Best Wishes“ (lief die ganze Zeit im Hintergrund als ich an dem Interview getippt hab), Spirit Crusher, Higher Power, Fury, Mizery, Ghetto Justice, Crown Court, Sharp Shock, Begbie Boys, Minus Youth, Bike Age (ungehört), das Gebell meines Hundes...

Vielen Dank, die letzten Worte gehören dir. Vielen Dank dir und deiner Crew. Ich freue mich immer sehr dich/euch zu treffen und zu quatschen (gern auch mal Dünnes). Es ist schön zu sehen, dass Leute nachkommen und die Szene am Leben halten und was cooles draus machen. Keep the faith. D.F.T.S. - D.F.T.S.

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INTERVIEW I BROKEN HUMANITY

Broken humanity FLO SPRICHT ÜBER ATTITUDE, DIE LETZTE VERÖFFENTLICHUNG & ZUKUNFTSPLÄNE

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I PAUL FRENZEL

Wenn ich an moshlastigen deutschen Hardcore denke, schießt mir immer ein Wort durch den Kopf: „Ruhrpott“. Kein Wunder, schließlich haben Bands wie In Blood We Trust, Fallbrawl oder Circle Of Death Mitte der 2000er einiges getan, um diese Verknüpfung zu konditionieren. Genau aus diesem Dunstkreis formierte sich 2013 das Ruhrpott-Allstar-Projekt Broken Humanity. Kürzlich erschien ihre Demo „Left To Suffer“ Ein schöner Anlass um mit Sänger Flo ein bisschen zu plaudern. Hey Flo schön, dass du dir Zeit genommen hast mir ein paar Fragen zu beantworten. Euer erstes Release ist erst kürzlich erschienen. Fühlt man sich da wie ein kleiner Schuljunge, der ängstlich auf sein Zeugnis wartet? Mahlzeit! Natürlich ist es etwas besonderes, wenn man als Band sein erstes Release rausbringt, gerade wenn die Leute so lange darauf warten mussten. Da die Reaktionen auf Shows jedoch durchaus positiv waren, sind wir da eher gelassen ran gegangen. Beschreib doch kurz den musikalischen Stil von Broken Humanity. Angepisst.

ten alles nur noch um die eigene Scheinidentität im Internet. Die eigene Meinung, versuche zu rebellieren – alles verpufft im Einheitsbrei des Internets. Ich habe das Gefühl, dass für viele junge Leute heutzutage das größte Ziel ist möglichst angepasst zu sein. Eure Texte haben ja doch einen sozialkritischen Einschlag. Ist es euch als Band wichtig auf vorhandene Missstände hinzuweisen? Es geht uns nicht unbedingt darum auf etwas hinzuweisen, sondern unseren Unmut zu äußern und so die Menschen anzusprechen, die genauso denken wie wir. Habt ihr das Gefühl, dass man als Beatdown-HC-Band, teilweise vorschnell, in bestimmte Schubladen eingeordnet wird? Kann gut sein, wenn jemand meint uns schnell in diese Schiene stecken zu wollen, dann soll er das tun. Drauf geschissen. Auf dem Cover eures Tapes ist ein Gemälde des polnischen Surrealisten Zdzisław Beksiński abgebildet. Was hat euch dazu verleitet, dieses Bild zu eurem Titel zu machen?

Broken Humanity ist ein deutlicher Bandname. Was ist deiner Meinung nach mit der Menschheit schiefgelaufen?

Wir fanden dieses Bild passend und ohne zu wissen, was der Künstler damit ausdrücken wollte ist dieses kriechende Etwas, was weder hören, sehen, noch sprechen kann, ein passendes Symbol für die Gesellschaft, die wir kritisieren.

Puhh... Wo fängt man da am besten an? Mal abgesehen davon, wie viel Scheisse jeden Tag so in der Welt passiert, dreht sich für die Meis-

Ein kleines Gedankenspiel: Du wurdest auserwählt, um vor dem intergalaktischen Rat der vereinten Hardcore-Nationen zu spre-

chen, um den seit Jahrhunderten tobenden Pitbeef zwischen Crowdkillianer vom Planeten UgaAga und den Gehirnschnecken aus der Hornbrillen-Galaxy endlich zu beenden. Was sagst du? Den ewigen Elitismus beiseite kehren, über den Tellerrand schauen und den gemeinsamen Feind erkennen – Mario Barth! Eure Band ist ja tief im Ruhrpott-HC verwurzelt. Hast du das Gefühl, die Szene steht sich mit ihrer Nostalgie und den Lobpreisungen an längst vergangene Tage selber im Weg? Das sehe ich persönlich anders. In den letzten Jahren wurden viele Bands im Pott gegründet, die frischen Wind in die Szene bringen und das nicht zuletzt genau wegen dieser vergangenen Tage. Blicken wir zum Schluss ein bisschen in die Zukunft: was steht demnächst bei euch an? Und vor allem: können wir dieses Jahr noch mit einer Full-Length rechnen? Eine Full-Length steht natürlich an. Ob wir das dieses Jahr noch schaffen steht allerdings noch in den Sternen. Wir müssen zunächst mal zu 100 Prozent mit den Songs zufrieden sein und Kohle fürs Studio muss natürlich auch da sein. Wenn du schon immer ein Manifest aussprechen wolltest, ist jetzt der Zeitpunkt dafür gekommen. Geht mehr auf Shows! Kauft Merch!


BETWEEN THE LINES FANZINE #006

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REVIEW I ZEAL & ARDOR

Zeal & ardor THE DEVIL IS FINE I RFL137, MVLP1005-7

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T RA CK L I S T

1. DEVIL IS FINE

4. COME ON DOWN

7. BLOOD IN THE RIVER

2. IN ASHES

5. CHILDREN‘S SUMMON

8. WHAT IS A KILLER LIKE YOU GONNA DO HERE?

3. SACRILEGIUM I

6. SACRILEGIUM II

9. SACRILEGIUM III


BETWEEN THE LINES FANZINE #006

TEXT

I MICHAEL BREUER

Digitaler Hype, Stilbruch oder zurecht eine der im Musikjournalismus meist-gefeierten Bands der Gegenwart? Zeal & Ardor aus der Schweiz liefern mit ihrem ersten Album „The Devil is Fine“ und der allerersten laufenden Tour Antworten auf diese Frage. “Little one gonna heed my warning – The devil is fine.” Bereits diese Zeile sorgte bei meinem ersten Durchhören für Gänsehaut. Gesungen im Calland-Repeat-Duktus afroamerikanischer Work Songs entsteht ein mitreißender Rhythmus, der im Zusammenspiel mit burzumesken Gitarren-Riffs eine superdichte Atmosphäre erzeugt. Mit jeder weiteren gesungenen Strophe vereinnahmt der Song die Gehörgänge. Besonders der Gegensatz zwischen dem erzeugten Wir-Gefühl von Gospel oder Worksongs und der Isolation der eigenen Existenz im Black Metal, zieht sich als Thema durch dieses imposante Konzept-Album von Mastermind Manuel Gagneux. Der Basler hatte 2016 nach einem Ausflug auf 4Chan die ersten Songs in Eigenregie produziert, aufgenommen und bei Bandcamp veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt wohnte Gagneux in New York, nachdem er die Schweiz verlassen hatte, um neue Erfahrungen als Musiker zu sammeln und versuchte sich dort als Solokünstler Birdmask über Wasser zu halten. Schwierig in einer Stadt wie New York, in der jeder Musiker das nächste große Ding in sich tragen könnte. Auf 4Chan interessierte er sich für die abgedrehtesten Vorschläge zum Thema Stil-Mix. Er fragte danach und das Internet antwortete mit „Black Metal & Nigger Music“. Der zweite Track lässt bereits erkennen, mit welchen Mitteln das damalige Ein-Mann-Projekt den herausfordernden Stil-Mix geschafft hat, obwohl das allererste Zeal & Ardor Take

im Müll landete, da es Gagneuxs musikalischen Ansprüchen nicht genügte. Gesamplete Gospel-Chöre treffen innerhalb von „In Ashes“ auf Double-Bass und überproduzierte Screams. Darüber die markante Gesangsstimme, sowie rhythmisches Klatschen vor dem letzten Metal-Part, was in Kombination hier die Brücke zwischen dem Wir und dem Nichts schlägt. Bis hier hin zwei auffällige Songs, die Metal-Puristen an der ein oder anderen Stelle zwar zum Schmunzeln bringen könnten, aber noch nichts, was althergebrachte Trueness-Ansprüche sprengen würde. Es folgt mit „Sacrilegium I“ einer von drei elektronischen Tracks, die das Album konzeptionell miteinander verbinden. Auf den ersten Aufnahmen war noch der Gesang eines Muezzins zu hören, der als künstlerisches Mittel von Gagneux zu Haram gemacht wurde. Hinter dem Konzept des Debut-Albums steht nämlich die Frage „Wie hätte es getönt, wenn die Sklaven in den USA sich dem Teufel zugewandt hätten?“ Track fünf „Come On Down“ betont die eingängige Metal Songstruktur - trotz der ruhigen, bluesigen Passagen - während Folge-Track „Children’s Summon“ zu einem imposanten Gesamtwerk aufgeblasen wird. Dies geschieht mit der Hilfe von choralen Samples, die mit übertriggerten Blastbeats sowie den nötigen Screams verschmelzen. Außerdem implementiert dieser Song auch die Melodie einer Spieluhr ins Ohr, die sich bis ins anschließende „Sacrilegium II“ durchsetzt. „Blood in the River“ drückt dann nochmal richtig durch seinen modern produzierten Black-Metal-Sound, der trotz aller Effekte sehr organisch gewachsen klingt. Das liegt vielleicht nicht zuletzt daran, dass Gagneux mit 16 Jahren in einer Black Metal Band Musik machte und dabei ein Faible für Geschwindigkeit entwickelte. Seit dem diesjährigen Karfreitag befindet er sich übrigens mit

befreundeten Musikern aus Doom, Blues, Metal und Theater erstmals auf Tour. Mit im Gepäck sind neun neue Songs, um 60 Minuten Spielzeit trotz lediglich 25 Minuten Albumlaufzeit voll zu bekommen. Wer sich dafür interssiert wie die neuen Songs und Zeal & Ardor überhaupt klingen, der sollte sich unbedingt auf einem großen Internet-Video-Portal die Live Sessions von Couleur 3 anschauen. Der vorletzte Song fragt nach den Abgründen der menschlichen Seele, indem er mit einer minimalistischen Instrumentierung durch eine Blues-Gitarre und dezenten Drums eine Ausnahmeerscheinung auf der gesamten Platte darstellt. „Sacrilegium III“ schließt „The Devil Is Fine“ mit ausladenden Synthie-Melodien ab. Das 9-Track-Album wurde nach jeder Menge Internet-Hype letztendlich neu produziert auf CD und Vinyl bei Radicalis / MVKA veröffentlicht. Das Cover-Artwork schmückt übrigens kein geringerer als Robert Smalls, der 1839 als afroamerikanischer Sklave geboren wurde, um 1915 als ehemaliges Mitglied des US-Repräsentantenhauses zu sterben. Satanisch-symbolisch wurden über seinem Konterfei auf dem Cover Lucifers Zeichen mit den Bandinitialien von Zeal & Ardor gekreuzt. Hier stimmt konzeptionell einfach alles vom Sound über die Lyrics bis hin zur Visualisierung – wie sich auch im offiziellen Musikvideo zu „The Devil Is Fine“ zeigt. Manuel Gagneux selbst will sich nicht dem Satanismus als sinnstiftender Ideologie zurechnen. Wer sich jetzt fragt, warum ich gerade in einem Hardcore-Fanzine eine avantgardistische BMBand abfeiere, der sollte sich zwei Fragen stellen: Ersten wie funktioniert DIY bitte außerhalb des Hardcore-Universums und warum dürfen wir uns auf ein Set von Zeal & Ardor beim diesjähirgen Ieper Fest neben Szene-Größen wie Hatebreed oder Burn freuen? Tja, The Devil Is Fine...

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INTERVIEW I BETWEEN THE LINES: SURGE OF FURY

surge of fury TITO TALKS ABOUT „WHERE IT ALL BEGAN“

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BETWEEN THE LINES FANZINE #006

TEXT BILD

I MARKUS KASTEN I MARC DELPORTE

Obwohl wir die Belgier von Surge Of Fury erst in Magazin #003 im Interview hatten, wollten wir es uns nicht nehmen lassen, Tito in der aktuellen Ausgabe erneut zum Gespräch zu bitten. 20 Jahre Surge Of Fury stehen an und das muss gewürdigt werden. Wir quatschen über die vergangene Amerika-Tour, das neue Album und vor allem über den Titeltrack “Where it all began”.

35 it all began for me with a feeling of insecurity and i suddenly understood that it would not be a place for me back then i was so naive with a life to achieve and quickly understood that all my dreams would be out of reach all my nightmares begun with all these unanswered questions tortured mind with the face of an angel to avoid suspicions pleasure in pain in this game of life i‘m still wondering how people can be satisfied...with this...world of shit anger, hate, rage frustration, deception i am what you made me in this world of solitude i progress in the dark but keep on smiling when i realized we have all been screwed from this moment on i changed my point of view I stopped listening to the lies they spewed i will never be your dancing puppet i have never trusted in your prophets the eye in the pyramid can go fuck itself my mind will never be enchained

this is where it all began my starting point - to the other world where i‘ve become - a stronger man this is where it all began desocialised - my new paradise against the grain - with fury in my veins this is where it all began i now roll with man‘s values I leave society‘s behind with my bruises i don‘t wanna be part of their stakes this is where i free my mind and get rid of all the fakes i feel like an underdog ‚coz of the wrong...perception they have of me and throw...back in my face i refused to be one of their clones i‘d like them to know that surge of fury is not just a name but my everyday struggle...in this godamn motherfucking world this is where it all began a surge of fury has been raised i‘m the product of your mistakes i refuse to be part of their stakes the middle finger of my hand this is where it all began


INTERVIEW I BETWEEN THE LINES: SURGE OF FURY

Hey Tito! Good to have you back here. Moritz interviewed you two years ago when “Where It All Began” was not out yet. How are you today? What happened in the last two years with you and the band?

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Hey, thanks! The last two years have been pretty busy… I had a second daughter, who is 22 months old now, my wife and I opened a children’s store (everything from baby to toddler) for wares of any kind and not just your pink/baby blue average. So yeah I feel good, I’d be stupid if I would complain - at least in regards of my personal life, because if you look at the outside world there’s always something to complain about. And with Surge Of Fury we just did what we always tried to do, playing as much possible. We’ve been lucky to hit the states in the summer of 2015, which was a great experience, our album “Where It All Began” has been released in December 2015 on Rucktion Records… lots of good things happened to us. This time we want to talk with you about the lyrics of “Where It All Began”. Do you remember in what situation you were when you wrote this song? Can you basically describe the process of you writing lyrics for a Surge Of Fury song? I wanted to explain who I was before I started getting into hardcore, how it started with me… just the relationship between me and my music. This music shaped the man I am today, sometimes I think about who I would be if I would listen to another type of music - this album is about the music that made me myself. Actually I don’t have any specific process when I write lyrics, I just write down words that pop up in my mind in a file - most of the time in French, then I have to translate them (which is not a good way to do it) and when I have to write lyrics I pick up ideas in that folder if it fits to the subject. My only concern is to find sort of rhymes, if I can’t I feel bad. So sometimes I can be stuck hours to find a rhyme - I know it’s ridiculous…but it is what it is. You open the track with the line “It all began for me with a feeling of insecurity”. Can you tell us a bit more about that situation? What made you feel insecure?

So yeah, when I started listening to hardcore I was just discovering something new, I was young, naive, not really confident… when I started to understand the music, the state of mind behind it, I suddenly felt more prepared to face life by questioning everything, by having a second look on everything I’ve been shown, by not trusting or believing what I’ve been told. The next line of the song is “and suddenly understood that it would not be a place for me”. You know, this is it, as soon as I realized I wanted something else, I did not want to tread on the path that this mainstream society shows you, that a majority of people are following because they’re not questioning themselves, they’re forced to choose between shit and shit every day, and they keep complaining all the time. That is not a way I would want to walk. While the song continues you say that you can’t feel well in this world of shit. Can you describe this world in your own words? This world of shit I’m talking about is the one that is so close to us, in our everyday lives, filled with the narrow minded, the selfish, the ones that will step on your head, the egocentric, etc…

happened, personally nothing really changed, life goes on… the country is, I believe, doing what it has to do to protect their citizens, and we still have soldier in the streets. Have you encountered problems in your personal everyday life because you don’t fit in? Did you find yourself in any situation where you had a disadvantage because of the “wrong perception” others have of you? The simple fact of listening to our kind of music is a perception problem… I mean for average people, you know what I’m talking about… say you listen to rap music and everyone is fine, say you listen pop, rock, techno, dance, hardrock, pretty much everyone knows what you’re talking about, but when you start mentioning metal music suddenly you can see people’s eyes squint, and they’re like “devil music, satan, tattoos, drugs, alcohol and stuff…” you know the things judgmental people do without even knowing a thing about it… and when you are showing your co-worker what you’re doing during your weekends: 20 people in a garage hitting each other to a good hardcore beat, you know you’re done, their perception of you changes completely.

Well I know where I was born and I feel lucky every day when I read the news, but there is nothing I can do directly for those parts of the world… so I sing about what I know, and if by my behavior or my words I can make people change their way of thinking, making them more tolerant and maybe even open their eyes… we’re not going to go anywhere with the kinds of behavior that can be seen everywhere nowadays. The world still needs to open its eyes. Everything could be so simple if everyone would do their part, unfortunately money is power and power is money.

You are suddenly the silly one…”you are almost 40, got two kids, a wife and you still act like a teenager?” - That type of stigmatization. The answer is always the same for me: “What have you done last weekend?” Yeah... shut the fuck up then.

Talking about a world of shit: the last two years in Belgium were overshadowed by some terrible terrorist attacks. Did this affect your personal life and how did you experience the state of emergency your country has been in?

I’m still that kid. I am still excited to see bands I dig live for the first time, I am still chasing new bands to listen to. At the exceptions of few details, nothing really changed in my relationship to this music. I’m still enthusiastic. So to answer your question, I don’t miss those years, I’m still living those years.

This was bad situation, again innocent people died in the name of something I still don’t get, the whole country was down after what

In our last interview you said that you’ve stepped into Hardcore back in 1993. So for the most time of your “hardcore life” you’ve been active in a band. Do you remember the times when you were just a kid in the crowd? Do you miss those years sometimes?

You also mentioned some big things coming up two years ago, so how did everything


BETWEEN THE LINES FANZINE #006

ars will be interesting in Liège, we have a new venue (big one) opened and there’s this guy, Chris from Do Or Die, who’s booking shows for the venue, he had Slapshot, Ringworm, Broken Teeth, Dog Eat Dog and Ignite so far. Some of LGHC are now part of the 59, so they are organizing shows as well, Liege On Fire booking is now pretty active also, and of course us (LGHC) when we have opportunities to help bands, so yes we can say we are not going to be without shows in the next few years. And like last time we will also stick to some easy questions: Name.. ...three newcomer bands everybody should check out.

turn out? How was your USA tour with CDC and how happy are you with the release of your LP “Where It All Began”? Yeah we’ve been lucky enough to hit the states for eight shows in the summer of 2015, with the help of our friends in CDC. I can’t thank John enough for that, he just took care of every­thing… it was awesome. We’ve been through eleven states, we lived the American way as much as possible for nine days and we celebrated 4th of July with them at the Jersey Shore. The feedback was positive, we met cool people, it was amazing how generous people were with us. The best memories were Wilmington, Baltimore, Gary and Chicago (where we went to see a baseball derby game, Chicago Cubs vs Chicago Sox, at Wrigley Field, and now I’m a Cubs fan!). “Were It All Began” is out for more than a year now and the feedback is positive… all in all this is a great album, maybe too long for some, but there is always room for criticism about an album, but we really wanted to make it this way. Actually I don’t really know what to say about it, we are not the best self-promoters… I mean we’re not into video clips (we think they mostly suck), we’re not loud on social media, like posting 45 times the same info, no booking manager or manager in general, all by ourselves. We’re just doing our thing, playing our music.

Since your latest record is on the market for quite a long time now I think it’s fair to ask: What can we expect for the future, or is there even anything planned for this special year of your 20th anniversary? For this year we going to keep playing as much as possible and preferably where we never played before and there will also be new releases. First we will have a split 7” with our boys in Whatever It Takes, secondly we will release a new EP called “Since Day One” on Injustice Records and if everything goes well a boxset with all our releases repressed on tapes also on Injustice Records. Would you say that the loss of the boat as a venue in Liége affected the local scene, and if yes, how? While some would say the Ruhrarea may have never been the same after the Proberäume Duisburg have closed down, I feel like the scene in Liége is still quite active, isn’t it? I don’t know, maybe… but as we’ve been forced to look for something else, we automatically reached new people, which is good. We’ve never had a strong scene in Liège but we’ve always been there. There is new young and fresh people motivated enough to take the initiative, putting up shows, running labels and this is great. I think we can say the next few ye-

Three bands… not sure if they are all newcomers but I‘ve been listening to them lately: Misgiver, Beneath The Weel and Three Knee Deep. ....the hardest show you’ve been to in Liegé. The hardest show we had in Liège might be the one with Suburban Scum (last show on that boat, and first time we could feel the boat shaking). ...one band that must get back together. Not an easy question because it seems all bands are getting back together these days… but I would say Turmoil. ...the worst/best thing about Belgium. Worst thing is the political communitarianism (which is dividing the country), best thing(s) is beers and chocolate…and cultural diversity. Thank you so much for your time! Last words are always yours. We‘ll talk again at the 30th anniversary! Thanks again for having me in your zine! You guys are doing a great job…BTL 285 for the best of this music.

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REVIEW I PLATTENKISTE

platte n ki ste TORCH IT! RUTHLESS

EASY MONEY RULES OF THE GAME

CHAINS MADE FOR STANDING

TEXT I MORITZ RINK LABEL I SELF RELEASED

TEXT I MARKUS KASTEN LABEL I BEATDOWN HARDWEAR

TEXT I PAUL FRENZEL LABEL I FAREWELL RECORDS

Ziemlich genau ein Jahr nach dem soliden Debüt „Ghost Town“ sind Torch It! aus Gießen zurück und haben bereits EP #2 im Gepäck. Die Jungs haben sich nicht nur was die Schlagzahl der Releases angeht ein Fleißsternchen verdient, sondern konnten in der kurzen Zeit auch eine beachtliche Anzahl an Shows spielen. Das Ergebnis dieses ereignisreichen ersten Bandjahres ist eine ansprechend produzierte, sehr eingängige Scheibe, die noch einmal deutlich ausgewogener klingt, als der Erstling. Torch It! zocken extrem live- und tanzkompatiblen Hardcore mit viel Dynamik, harten Grooves und großem Spaßfaktor. Die Arrangements sind durchdacht und bieten immer mal wieder interessante Breaks und Tempowechsel, die den ansonsten straighten Sound auflockern. Insgesamt reiht sich die Band damit ziemlich gut in die aktuelle deutsche Hardcore-Landschaft ein und dürfte jedem Freund von Bands wie Gone To Waste (R.I.P.), Harm/Shelter, Slope, Vlada Ina oder Piece Of Mind ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Und ein weiterer Wurf für den Szenekönig BDHW! Easy Money aus Arizona konnten gerade in letzter Zeit vermehrt auf sich aufmerksam machen. Passend zur Europa-Tour mit Guilt Trip aus den mittlerweile nicht mehr ganz so europäisch geprägten vereinigten Königreichen hatten die Jungs ihre neue Vinyl im Gepäck. Dass es sich hierbei nicht um einen klassischen Longplayer handelt, stört da wenig. Seite A belegt die neue vier Song starke EP “Rules Of The Game”, während auf der B Seite der Vorgänger “Midas Touch” zu finden ist. Musikalisch wirkt das alles trotzdem wie aus einem Guss. Easy Money bringt uns groovigen, tanzbaren Hardcore, der mich spontan an Bands wie Life After Death, Trapped Under Ice, Troublesome oder Steel Nation erinnert. Eine ziemliche wilde Mischung, die wir da aufgetischt bekommen. Obwohl man das alles natürlich schon mal gehört hat, klingt der Mix doch frisch und macht Spaß.

Pünktlich mit den ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres, reißt Farwell Records die Youth Crew-Flagge in die Höhe. Diesmal mit einer EP, der aus Bologna stammenden Band Chains. Die Italiener machen auf „Made for Standing“ genretypisch alles richtig und spielen einen gut eingegroovten „Lockin Out“-Hardcore der frühen 2000er, der immer wieder durch verspielte Gitarrenmelodien und Bass-Harmonien aufgelockert wird. Die leicht punkig angehauchten Vocals passen da super zum Gesamtkonzept. Auf insgesamt sechs Songs schafft es die Band hier ein cooles und authentisches Flair aufzubauen, das auch nach mehrmaligen durchhören nicht sein Charme verliert. Auch wenn ich zurzeit nur verbitterten, bitterbösen Schwarzmetall höre, geht mir die EP ziemlich gut rein und lässt in mir die Überlegung keimen Hardcore 2017 doch noch nicht zu droppen. Gerade wer Dogchains immer noch hinterher trauert, sollte hier mal das ein oder andere Ohr riskieren.

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BETWEEN THE LINES FANZINE #006

WITNESS SEASONS

ANGST BURDEN OF LOSS

CHAIN REACTION DEMO 2016

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TEXT I MORITZ RINK LABEL I SELF RELEASED

TEXT I MARKUS KASTEN LABEL I STREET SURVIVAL RECORDS

TEXT I PAUL FRENZEL LABEL I SELF RELEASED

Knapp anderthalb Jahre nach „Trials & Tribulations“ legen die kölschen Emo-Punker von Witness das nächste Eisen ins Feuer. Instrumental irgendwo zwischen Turnover, Citizen und Title Fight, punktet die Band durch sehr markante Vocals, die verhindern, dass der Sound zu sehr in dream-poppige Emo-Gefilde abdriftet. Die Jungs haben im Vergleich zum Debüt jede Menge Feintuning am eigenen Sound betrieben, ohne das Gespür für griffige Hooks und ausgetüftelte Kompositionen zu verlieren. Das Gesamtergebnis transportiert einen gewissen „The Cure trifft auf AZ Punk“-Vibe mit mal mehr, mal weniger Pathos, und muss sich aufgrund der liebevoll zusammengeschraubten Arrangements und der erstklassigen Produktion nicht vor den großen Vorbildern verstecken. „Seasons“ erinnert an Liebeskummer, die erste Kippe mit den Jungs rauchen und ein bisschen glücklich, rastlos und traurig gleichzeitig sein. Schlicht und unscheinbar, vor allem aber wunderschön.

Was ein Brett! Angst aus Hannover sind seit ihrer Debut EP “Destiny Becomes Reality” ein kleiner Geheimtipp in der diesigen Hardcore-Szene. Besteht die Band zwar zum Großteil aus Mitgliedern von Twin Red, geht es hier deutlich brachialer zu. Das Riffing und auch die Art die Vocals zu transportieren erinnern mich enorm an Foundation aus Atlanta, welche sich leider 2016 aufgelöst haben. Die Songs spielen sich zum Großteil im Mid-Tempo ab - diffuse Riffs wechseln sich mit absoluten Dampfwalzen ab. Besonders positiv sticht vor allem das perfekt platzierte Feature von Adrian (Fourth Crusade) heraus, der sich hier anhört wie ein Stéphen Kickback zu „Forever War“-Zeiten. Wie auch der Vorgänger erscheint diese Platte bei Street Survival Records und sollte von euch dringend ausgecheckt werden. Mit fünf Songs und 14 Minuten ist „Burden Of Loss“ zwar nicht der erhoffte Longplayer, aber mit Sicherheit eins der härtesten Releases des Jahres.

Rund um ehemalige Mitglieder der belgischen Metalcoregröße Rise and Fall, formierte sich 2016 das neue Bandprojekt Chain Reaction. Gipfel des bisherigen Schaffens ist das über Control Records erschienene Demo-Tape. Das ihr euch übrigens auch über die Bandcamp-Seite der Jungs anhören könnt. Der erste Track „Crooked Path“ grooved sich mit seinen catchigen Melodien und 2-StepParts auch gleich direkt in meine Nackenmuskulatur. Chain Reaction bewegen sich auf ihrer Demo überwiegend im Midtempo-Bereich und erinnern vom Sound her dabei stark an 90er-NYHC, der durch verspielte Riffs aufgelockert wird und einen gewissen Crossover-Touch bekommt. Die Belgier spielen auf ihrem ersten Output einen straighten ehrlichen Hardcore und zeigen mit den drei Songs plus Outro, dass man Altbewährtes auch immer wieder neu interpretieren kann. Damit haben Chain Reaction definitiv meine Aufmerksamkeit geweckt. Hoffentlich kommt da bald mehr!


REVIEW I PLATTENKISTE

40

HAWSER TOUGH LOVE

MISCHIEF DEMO 2016

ABSOLVE / HEAVY RUNNER / POWER PLAY SPLIT

TEXT I PAUL FRENZEL LABEL I FAREWELL RECORDS

TEXT I MATTHIAS STINN LABEL I NEUTRAL WORKS RECORDS

TEXT I PAUL FRENZEL LABEL I RATEL RECORDS

Knapp drei Jahre nach dem Erscheinen ihrer Debüt-LP „Young and Restless“ legen Hawser mit „Tough Love“ nach. Sozusagen ihrer eigenen Hommage an unglücklich verlaufende Liebe und riesengroßen Frauengesichtern auf Schallplattencovern. Nach dem ersten Durchlauf der Platte kann ich beruhigt sagen: Hawser machen immer noch den angepissten, modernen Mosh-Hardcore, den man von ihnen gewohnt ist. Aber bei näherer Betrachtung merkt man schnell, dass die Holländer einiges an Arbeit investiert haben, damit ihr Sound auf ihrem dritten Release die angemessene Reife entwickelt. Gerade der Wechsel von einer auf zwei Gitarren hat sich gelohnt und lässt doch größere Spielräume beim Riffing zu. Die Platte grooved und mosht genug, um hart zu sein, aber durch immer wieder auftretende dezente Sludge/Stoner-Einflüsse wirkt sie dabei keineswegs stumpf. Und die unverwechselbare keifende Stimme von Sänger Stijn drückt der Band dabei einfach ihren eigenen Stempel auf. „Tough Love“ gehört für mich unter die klassischen Vertreter von: Das Rad nicht neu erfinden, aber zeigen das guter HC nicht zwingend aus Milwaukee kommen muss.

Ruhrpott based, brazil rooted und female-bassed Hardcore. Arbeitshandschuh ums Mikro, Cro-Mags-Shirt, Oi-Kids, die durch die Venue stompen, ein 12-Minuten-Live-Set, Schweiß und Sing-Alongs, soweit die ersten Assoziationen zum ersten Output der Band, welcher über Neutral Words Records als Tape im März 2016 rausgekommen ist und auf den Namen “Get Wise“ hört. Los geht es direkt mit dem besten Song der Platte „Shiteaters“, welcher den Sound und den Spirit der Platte perfekt repräsentiert. Angepisste, kurze Strophe, angepisste kurze Hook und dann ein Gitarrenriff, welches mir Bilder von World Eater-Shows durch den Kopf schießen lässt. Der Sound klingt dreckig, alt, trotzdem druckvoll. Hier sind vor allem der Transistor-Bass, die dazugehörigen Basslines sowie die hallenden und sich teilweise überschlagenden Vocals von Frontmann Athos zu nennen. Letztere erinnern mich an Something Inside und Cro-Mags. Die weiteren Songs folgen demselben Prinzip: puristische Songstruktur, viele Momente, die zum Sing-Along einladen sowie mindestens ein massiv tanzbarer 2-Step-Part. Man hört auf jeden Fall, wofür Mischief ihre Songs schreiben - nämlich für Live-Shows. Hoffentlich wird man den Namen Mischief in Zukunft häufiger auf Showflyern lesen können. Fazit: Spannend!

Da 7-Inch Splits von Natur aus leider nur ein kurzes Hörvergnügen bieten, lässt sich leider nicht abstreiten. Das aber auch solche Formate in der heutigen digitalisierten Welt ihren ganz eigenen Charme besitzen können, stellte Ratel Records aus Polen Anfang des Jahres wieder einmal unter Beweis. Den schmalen Platz auf dieser Scheibe teilen sich Absolve, Power Play und Heavy Runner und zeigen auf der A –Seite, dass man metallischen HC, der späten 90er-Jahre aus der USA heutzutage in Europa spielen kann. Gerade nach dem Absolve-Part wächst in mir der Wunsch endlich eine so harte Full-Length der Jungs in den Händen zu halten. Die B-Seite besteht hingegen nur aus Coversongs von Bands besagter Ära, und da ich den selben musikalischen Background besitze, gefällt mir diese Idee sogar ziemlich gut. Einzig die Songs von Heavy Runner zerschießen mir ein bisschen das Hörvergnügen. Was bei Fury Of Five zwar funktioniert hat, scheitert hier leider an der schwachen Leistung der Sänger. Schade, da habe ich von der Nachfolge-Band von Last Days mehr erwartet.


BETWEEN THE LINES FANZINE #006

PALLBEARER HEARTLESS

SLAVESTATE SICKNESS OF EXISTENCE

FELONY VICTIM OF DECEIT

TEXT I MORITZ RINK LABEL I PROFOUND LORE RECORDS

TEXT I ADRIAN BRACHMANN LABEL I SELF RELEASED

TEXT I PAUL FRENZEL LABEL I INJUSTICE RECORDS

Spätestens mit dem 2014er Meilenstein „Foundations of Burden“ sind Pallbearer am Doom-Olymp angekommen. Diesen Logenplatz, in der Schnittmenge aus crowbaresquem Doom-Herzschmerz, 80er-Jahre Prog-Metal und einem Hauch modern-postrockiger Atmosphäre sichern sich die Jungs mit „Heartless“ nachhaltig. Was die Herren da abliefern ist so klassisch wie innovativ und lässt sich nur schwierig in eine Schublade stecken. Der Vierer aus Arkansas verzichtet auf Geschnörkel und Effekthascherei und demonstriert eindrucksvoll, dass die bandinterne Songwritingschmiede ein Händchen für epochale, in Überlänge vorgetragene Songs mit überraschenden Wendungen hat. Die Kompositionen treffen stets den richtigen Ton zwischen Heaviness und Bombast, werden mal behutsam aufgebaut, mal in streckenweise monolithische Soundwände eingewoben. Im Fokus stehen große Riffs und herzzerreißende Melodien, über denen die einzigartige Stimme von Brett Campbell thront. Hier gehen Produktion, Songwriting und Ausführung Hand in Hand und verbinden Pathos mit Spielfreude, sagenhaften Klangwänden und cleveren Gitarren-Leads. Trotz aller Schwermut versinkt „Heartless“ nie in Traurigkeit, sondern transportiert viel mehr den sprichwörtlichen Hoffnungsschimmer am Horizont. Ein dramaturgisch perfekt inszeniertes Epos für harte Typen, einsame Seelen und Optimisten.

Der Hardcore-Underground schafft es auch 2017 noch, die ein oder andere spannende Kapelle auf die Bildfläche zu zaubern. Unter diesen Kapellen finden sich auch Slavestate aus Connecticut, die kürzlich ihre neue EP „Sickness Of Existence“ veröffentlichten. Diese glänzt nicht nur mit unbarmherziger Härte, sondern zeugt auch von gewisser musikalischer Raffinesse, die man in dem Maße selten im Hardcore antrifft. Slavestate zeigen sich gleichermaßen hart, tanzbar und technisch versiert, indem sie anspruchsvolle Death-Metal-Grundlagen mit antreibendem Hardcore-Groove verbinden. Besonders erfreulich ist dabei, dass Slavestate nicht lediglich Hardcore durch ein Boss HM-2 Pedal spielen, wie es so viele der vermeintlichen neuen Death-Metal-Bands tun, sondern tatsächlich nach gut gespieltem und kreativen Death Metal klingen. Auch stimmlich bewegt man sich bei Slavestate tiefer in Death-Metal-Gefilden als im Hardcore, was der Musik in der Form auch hervorragend steht. Ich für meinen Teil bin überzeugt, dass Slavestate mit ihrer neuen EP gleichermaßen bei Hardcoreund Metal-Fans Anklang finden werden. Fans von Bands wie Cannibal Corpse, Dismember, Autopsy und All Out War sollten ein Ohr riskieren und sich „Sickness Of Existence“ anhören, welches übrigens komplett kostenlos auf der Bandcamp-Seite streamt.

Neues aus der Augsburger Puppenkiste? Wohl eher: „Der Kreiselkicker kehrt zurück!“ Felony zeigen mit ihrer neuen EP „Victim Of Deceit“, dass der F.S.O.D. Squad immer noch hungrig ist. Und zocken sich gewohnt tight aber um einiges angepisster und härter als bei dem Vorgänger „Urban Frontline“ durch insgesamt drei Tracks. Passend dazu flowed die Stimme von Sänger Riccardo über die teilweiße doch recht schnellen, aber dennoch groovenden Parts, so dass zu keiner Sekunde Langeweile aufkommt. Die gute Produktion des Ganzen sorgt dafür, dass der Sound ordentlich drückt und mich stellenweiße an eine schnellere Variante von CDC zu den „Burn“ Zeiten erinnert oder auch an „Lose Control“ von Troublesome. Das passt und macht Laune. Die Jungs schaffen hier auf ihrem dritten Werk das, was den meisten Bands zurzeit leider versagt bleibt. Nämlich einen eigenständigen Sound zu entwickeln, der nicht nur eine Kopie von der Kopie von der Kopie ist. Einziger Wermutstropfen, der allerdings bleibt: Drei Tracks sind einfach zu wenig.

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INTERVIEW I JOHN HOFFMAN

john hoffman JOHN TALKS ABOUT HARDCORE STYLES, NEXT PROJECTS AND THE CURRENT POLITICS

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I I FOTO I I

FLORIAN FANDRICH SIMON JOSCHA FLENDER RELAPSE RECORDS PETER NELSON

When Simon saw Weekend Nachos for the first (and last) time in Reykjavík, he was amazed by the personality of WE’s singer John. Seemingly a very cynical guy on stage, he turned into the friendliest dude behind the merchtable. In retrospective, he was probably rather funny on stage as well. Anyways, Simon and Florian, long time Weekend Nachos fanboy and powerviolence addict, teamed up to ask John a few questions about the end of WN, current projects and what’s to come.

Hi John, thanks for taking the time to answer a few questions. We would like to talk a bit about the end and history of Weekend Nachos and your future projects. Lets start things off with some personal background about you. Where did you grow up and how did that affect you as a person? How did you first get into hardcore? I grew up in the suburbs of Chicago in a low-key, middle class upbringing. We weren’t rich, we weren’t poor...just an average working class family making enough to live comfortably. This shaped me because now, I feel like I kinda have the best of both worlds, I’m not spoiled by wealth and I’ve had to work since a young age, but I also had certain privileges to enjoy a happy life and receive a decent education. I got into hardcore because at age 15, I was lost and didn’t understand why I hated society so much. I didn’t fit in anywhere, everybody sucked, none of my peers or my “friends” were looking out for me, and in general I just didn’t feel like I knew where to go. Once I found punk rock and started going to shows, it all made sense...society is conformity, and I was never about that. Something was al-

ways telling me to be myself and to never conform to what society expected of me, and that’s why I connect to punk/hardcore immediately. Most people probably know you as the singer of your band Weekend Nachos. You recently decided to call it a day. Looking back, how did you decide to play your style in the beginning? What has influenced you most and how are your lyrics usually created? What were your influences when writing? We always wanted to start a really, really brutal band that people would go crazy to. We just wanted it to be hard to listen to, you know? Really as extreme as possible, and we figured if we had really violent, hateful lyrics and lots of heavy sludge and fast noisy thrash parts, only the most extreme would understand it. That’s really what we connected to, the most extreme, violent music possible. It made sense to play that style in Weekend Nachos, so we did. Our influences right off the bat were really antisocial bands like Eyehategod, Charles Bronson and Kungfu Rick (Chicago legends!), but we also had influences like Youth of Today and


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“The most important thing when it comes to playing music is to put all of your energy and all of your heart into it.“ 43

even early Carcass as well. That’s why I think Weekend Nachos didn’t really sound like a lot of other bands. Really diverse influences right from the start. How many countries have you visited with Weekend Nachos and what impressed you most? We’ve probably played in at least 20 countries if you count all of Europe. I think towards the end, we were all mostly impressed with Japan. Japan exceeded all of our expectations, everybody was just so welcoming, the shows were so organized, the food was incredible and we just had such a great time. You also play the drums in a band called Spine. What can you tell us about this band and whats up next? Are you even active in more bands? Some people would call Spine a youth crew band, others would call it a powerviolence band, I kinda consider it a merging of the two styles. It’s very typical old school hardcore but at the same time it is very fast and brutal

at times too. Definitely not a “positive” band either, haha. We have released a few 7”s, splits, tapes and a full-length album, and we are in the process of writing our 2nd full-length album now. We hope to do some more touring in 2017 as well! I also have a solo project band called Ledge, it’s like heavy doom-influenced hardcore. Eyehategod, Crowbar, Corrupted type of stuff but also influenced by Blood For Blood and Tragedy. Can you give us a small insight into the scene in Chicago? What do you like most? What makes the scene and city special to you? I don’t really have a lot of connections to the Chicago scene anymore, I moved about an hour away and I don’t go to a lot of shows. It’s all younger kids now and they have their own agenda, I don’t really have a lot to do with it. Chicago was great for me at a time, and for those kids today it probably still is, so of course I support that. But personally, I just hang out with my girlfriend and my family now, I like to work on Ledge and Spine stuff here and there and I’m also writing a lot lately.

Since when are you running Bad Teeth Records and how did that happen? What music are you releasing and whats the most important issue to make you say “oh yeah, I wanna release that band”? Which releases do you have in the making for 2017 that you can tell us about already? I started the label back in 2012. Now, in 2017, the label is pretty much done, I don’t really put out records anymore. Whenever I heard something I liked, especially if they were friends of mine, I would approach them and ask if they wanted to do a record on Bad Teeth. That’s really all it ever was, just a hobby and I wanted to support bands I liked. Sometimes, no one will release a record for a band but if you like them and you can afford to do it, why not do it? That’s how I always treated Bad Teeth Recordings. Sorry though, I don’t have anything new planned for 2017! Which differences do you see in powerviolence between the states and Europe? Hard to say, because it’s everywhere. Seems like powerviolence is a very common influence


INTERVIEW I JOHN HOFFMAN

now in newer hardcore bands, but at the same time, we mostly play with heavier bands when we tour the world. Very rarely will we play with a powerviolence band, it’s usually all grindcore bands and heavier metallic hardcore. Which is cool, I’m not complaining! I think it’d be cool to see more bands influenced by Charles Bronson and Infest in foreign countries though. Now that I think about it, it’d be cool to see more of that in the United States too! I like really fast, thrashy powerviolence, the way Charles Bronson and Spazz did it. Whats your advice to young people who

start playing music? How should they approach the whole thing?

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The most important thing when it comes to playing music is to put all of your energy and all of your heart into it...you want to make sure the music your playing really defines YOU more than anything. Don’t be concerned with sounding like a certain band, or impressing a certain group of people. All that matters is that you’re having fun and playing music the way you feel you need to, the way you can express yourself in the truest way. Music should be a reflection of the individual, not a reflection of what other people want to hear or see. So I guess...just be yourself and have fun. Whats going on in the US is kind of shocking to see from over here, although Europe is moving towards the right as well. What do you predict for the presidency of the celebrity president? Could you imagine this to have a major influence on future outputs of hardcore bands or the bands to come? I am not really sure what is going to happen...a lot of people are really upset by Donald Trump becoming president. Personally, I didn’t vote for him and so far, I have not been happy with his decisions. But he is still the president and it is what it is, so I’m not going to spend my time complaining about it. I think there will be a lot of angry kids in this generation who are fueled by the current political situation and will need to express themselves somehow, so they will probably put that into hardcore music. I think it’s important, though, to understand that not everybody is going to agree on how things are, or how things should be.

But, in my opinion Donald Trump is a very racist piece of shit president so I don’t blame anybody for being upset. It makes sense. I’m not upset because I don’t have time to be upset. I have to live my life and try my best to keep on living that life. For others, it is not so easy and I can respect that to a degree. Complaining and making posts on social media is not going to solve that problem, though. People need to try and make a change where it matters, not on the stupid internet. Which bands would you recommend to our readers?

In my opinion the best current hardcore band is Sex Prisoner, everybody should check them out! Also Gatecreeper is one of the best current death metal bands. And both bands are from Arizona! Thanks again for taking the time, last words are yours! Thank you for interviewing me, I appreciate the support you had for Weekend Nachos and anything I am currently doing.


REVIEW I RATLORD

ratlord SELF TITLED I IR019

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T RA CK L I S T

1. IMMORTAL SADIST I

4. IMMORTAL SADIST II

2. MASS PARANOIA

5. THE WRETCHED CHOIR

3. AS THE LAST HORSEMAN RAGES THROUGH THE AEON


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I MORITZ RINK

Der Name Injustice Records steht nun schon seit einigen Jahren für frische Musik mit DIY-Spirit, schicke Artworks und liebevoll zusammengeschraubte Releases. Der Label Roster ist nicht nur abwechslungsreich und qualitativ hochwertig, er repräsentiert viel mehr den aktuellen Zeitgeist einer Subkultur, die sich irgendwo zwischen den Stühlen aus Revival, hippem state-of-the-art Sound und Innovation neu erfindet. Ratlord heißt der neueste Zögling der heimischen Künstlerschmiede. Die Bandmitglieder rekrutieren sich u.a. aus Bands wie Dull Eyes und Gone To Waste. Von einer Supergroup zu reden, wäre vielleicht noch ein bisschen überzogen – relevanter und näher am Puls unserer Szene könnte die Truppe aber wohl kaum besetzt sein. Den Sound, den das Quintett da ausgetüftelt hat, würde man spontan aber nicht unbedingt erwartet. Anstatt mit den üblichen Zutaten zu köcheln, minimieren die Jungs den Hardcore-Einschlag und den Schatten der eigenen Vergangenheit nämlich aufs Nötigste und dreschen dem Hörer stattdessen lieber lupenreinen Death Metal um die Ohren. Zugegeben, das ist auch in unseren subkulturellen Breitengraden vielleicht nicht mehr so unglaublich neu, trotzdem hat mich das positiv überrascht. Generell steht diese wiedererstarkte Affinität zum Heavy Metal sinnbildlich für das, was im Hardcore aktuell richtig läuft: nämlich das Ablegen der musikalischen Scheuklappen. Injustice Records hatten was das angeht mit den Releases von Optimist oder Beneath The Wheel bekanntlich recht früh den richtigen Riecher. Und auch dieses Mal haben sie nicht aufs falsche Pferd gesetzt. Schon das düster-bedrohliche Intro von „Immortal Sadist“ (netter Songtitel auch!) lässt vermuten, dass die Reise hier eher in Richtung post-apokalyptischer Abgründe, als ins PMA

Straight Edge Tomorrowland oder aufs Fluff Fest zum gemeinsamen Blumenkranz-Flechten geht. Kaum hat man die kurze, paranoid anmutende Ouvertüre überwunden, wird man auch direkt volle Kanne in die Todeswalze geworfen. Ratlord ballern sich mit dem klassischen HM2Schweden-Sound dermaßen wütend durch die Songs, dass man direkt die Matte kreisen lassen und irgendwelche Ringe schmieden möchte, mit denen die Weltbevölkerung geknechtet wird. Die Band beweist jede Menge Traditionsbewusstsein und wirft den schwedischen Buzzsaw-Halbgöttern das ein oder andere musikalische Kalb als Tribut in den Höllenschlund. Dass man hier jede Menge Dismember oder Entombed-Riffs reanimiert ist nicht nur vollkommen ok, sondern sogar wünschenswert. Zusätzlich meine ich sogar einen Hauch dezent slam-lastigeren Tampa-Sound in dem Klanggebräu wiederzufinden. Mag aber sein, dass ich mir das einbilde, weil mein Gehirn zu beschäftigt mit irgendwelchen morbiden Tötungsfantasien ist. Auf unnötig technisches Riffgewichse a la Death oder Morbid Angel wird jedenfalls verzichtet. Auch wenn wie im knackigen „Mass Paranoia“ insgesamt ein zackiges Tempo dominiert, werfen die Jungs an den richtigen Stellen den Anker, um zur Gewalt gegenüber allem was sich bewegt zu animieren. Das lässt die geschickt eingestrickten Death Metal-MoshParts dann halt auch doppelt so hart und nicht überpräsent wirken. Insbesondere beim Abschlusspart des Rausschmeißers „The Wretched Choir“ demonstrieren Ratlord ihr ganzes Gewaltpotenzial und zaubern mir ein wunderschönes Bild von gepfählten Kids mit Teller im Ohr, „Stay Brutal“Mesh-Shorts und Attila V-Necks in den Kopf. So ein bisschen kommt da dann einfach wieder die asoziale Hardcore-Moshpit-Ader raus. Ein bisschen Snapback, ein bisschen Kettenhemd irgendwie. Geil! Das können innerhalb

Deutschlands eigentlich nur Kevin Otto und seine Freunde genauso gut. Aus technischer Sicht ist die Platte verdammt präzise eingespielt und mindestens genauso erstklassig und fett produziert. Das passt einfach. Die Band spiegelt damit 1 zu 1 das Bild wieder, das die ersten Live-Auftritte hinterlassen haben. Natürlich zwängt sich auch hier der Nails-Vergleich auf. Trotzdem haben Ratlord eine andere Herangehensweise an das Songwriting und mixen weniger Grind- und Crust-Elemente in den Sound. Vielleicht ist das auch nur gefühlt so, aber die Band transportiert durchaus etwas Eigenes und klingt insgesamt weniger chaotisch. Das liegt mitunter sicherlich auch an den sehr coolen Growls und dem eingestreuten Gekeife. Beides klingt für mich nämlich deutlich klassischer, als die übersteuerten Chaos-Vocals beim vorgenannten Todd Jones Ego-Projekt. Alles in allem ist die Platte einfach nur fies, finster und brutal. Vom Death Metal-Jünger bis zum Beatdown/Slam-Fetischisten könnten hier so einige Leute Gefallen dran finden. Den coolen Kids ist das Death Metal / HC-Ding vielleicht mittlerweile schon fast zu trendy, aber das wird die Band recht wenig jucken. Lasst also ruhig mal das Turnstile-Batik-Shirt im Schrank verstauben und kramt die Kutte wieder aus. Fakt ist: Dieses Debüt klingt dermaßen gemein und ekelhaft hart, dass man Ratlord eher in die Relapse- oder Southern Lord-Schublade einsortieren würde. Doppelt so schön, dass sich solch vielversprechende Bands so nah an der DIY-HC-Basis befinden und es mit Labels wie Injustice Records eine ansprechende Distributionsplattform gibt. Heil dem Rattenkönig!

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REPORTAGE I HM-2 & SCHWEDENTOD

HM-2 & schwedentod MORITZ GEHT DEM HM-2 HYPE AUF DEN GRUND & ERLÄUTERT DEN HISTORISCHEN HINTERGRUND

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BETWEEN THE LINES FANZINE #006

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I MORITZ RINK

Lange Haare, Metal-Kutten, Patches von irgendwelchen 80er Bands, HM-2-Pedale, Düster-Artworks, rotzig-scheppernde Sounds und sägende Gitarren. Freunde, die Welt ist wieder in Ordnung: Hardcore findet zum Schwermetall zurück. An den skandinavischen Wurzeln kommt ihr nicht vorbei. Nix ist so peinlich, wie ein Nails Shirt zu tragen, aber nicht zu wissen, welchem berüchtigten Effektpedal Todd Jones‘ Klampfensound nachempfunden ist. Die neue Platte der Maryland HC-Grinder von Full Of Hell auf Facebook bejubeln, aber nicht wissen, welcher Song welcher Band für die Truppe namensgebend ist? Nä! Wir geben euch ein paar Infos zu den Ursprüngen, damit ihr auch in Zukunft zu den coolen Kids gehören und klugscheißen könnt.

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Wie genau die subkulturelle Liaison zwischen der Metal- und Hardcore-Szene anfing, weiß vermutlich keiner mehr. Schon in den 80s haben Bands wie die Cro-Mags, Agnostic Front oder D.R.I. Gefallen am Heavy Metal gefunden. Das hat nicht nur den ehemals knietief im Punk-

Mitte der 80er Jahre erhob sich der Death Metal wie der verhaltensoriginelle, gewaltbereite Zwillingsphönix des Thrash Metals aus der Asche des totgespielten, viel zu zahmen Heavy Metals. Was vor allem in Florida, genauer gesagt in Tampa’s Morrisound Studios unter den Fittichen von Scott Burns begonnen hat, wurde von den Schweden adaptiert und neu interpretiert. Leffe Cuzner von Nihilist hat dabei der Legende nach beim Versuch mit seinem Boss

HM-2-Pedal den Gitarrenklang der US-Band R.A.V.A.G.E. (später Atheist) zu imitieren, den berüchtigten schwedischen Buzzsaw-Sound erfunden. Aus Nihilist wurden Entombed, die auch ohne Mitwirken von Leffe sein Vermächtnis weitertrugen. Thoma Skoksberg war es schließlich, der diesen bösartigen Sound als erster auf Tape bannte und mit den Produktionen seines Sun-

NIHILIST Rock steckenden NYHC bis heute verändert, sondern gewissermaßen auch den Grundstein für ein nachhaltiges, musikalisches Techtelmechtel gelegt. Beide Szenen verbindet eine leidenschaftliche Hassliebe, die sich trotz all der Gemeinsamkeiten nicht unbedingt in trauter Zweisamkeit, sondern eher in distanzierter Koexistenz manifestiert hat. Trotzdem bedienen sich auch heute noch viele Hardcore-Kids am Heavy Metal-Büffet. Aktuell hoch im Kurs: die Huldigung des schwedischen Death Metals.

ENTOMBED


REPORTAGE I HM-2 & SCHWEDENTOD

light Studios den (schwedischen) Extrem-Metal nachhaltig prägte. Im Kontrast zum oft frickeligen US-Death Metal um Bands wie Death oder Morbid Angel wurde das Songwriting auf das Wesentliche reduziert. Das Endergebnis wirkte roh und direkt und verband den Stil der amerikanischen Vorbilder mit dem Schmutz, der den schwedischen D-Beat-Crust auszeichnete. Bands wie Entombed, Unleashed, Dismember

DISMEMBER 50

oder Grave führten Schwedens erste Death Metal Welle an und schrieben damit ein Stück Heavy Metal-Geschichte. Mitte der 90er wurde der ursprüngliche schwedische Death Metal durch die Kreuzung mit Elementen der New Wave Of British Heavy Metal (Iron Maiden, Saxon) von u.a. At The Gates zum berühmten Göteborg-Sound transformiert. Diesen sehr melodischen, wesentlich technischeren Sound haben Bands wie In Flames dann in den Folgejahren salonfähig gemacht, bis in die Charts katapultiert und von einer neuen Schar an

Hardcore-Kids in den frühen 2000er Jahren zum bisher erfolgreichstem Hardcore-Subgenre, dem Metalcore modifizieren lassen. Ja, das waren irgendwie alles die Schweden. Verrückt, oder? Aber warum jetzt Oldschool-Schwedentod und keine At The Gates Harmonien mehr? Erstmal vermutlich, weil’s geil klingt. Ein bisschen Mitschuld hat aber auch ein charmanter US-Amerikaner namens Kurt Ballou (Converge). Ende der 2000er Jahre hat der nämlich den in Vergessenheit geratenen HM-2-Sound wiederentdeckt und aufstrebende Bands klangtechnisch veredelt. Plötzlich klang alles wieder rotziger, bösartiger, rudimentärer und echter. Back to the basics, ein Sound irgendwo zwischen Entombed und Integrity, dem trotzdem nicht die Wucht modernerer Produktionen fehlte. Bands wie Trap Them, Nails, Harms Way oder Full Of Hell haben diese musikalische DNA mit den eigenen Vorlieben für Hardcore, Crust, Grind oder Beatdown gekreuzt und wie einen Virus ins Herz unserer Szene geschossen. Bands wie Gatecreeper oder Black Breath gehen sogar einen Schritt weiter und musizieren stilistisch sehr nah an den schwedischen Originalen. Auch die Bundesrepublik hat mit Deathrite einen mächtigen Exportschlager zu bieten, und junge Bands wie Deathbearer oder Ratlord zeigen, dass die Szene hierzulande richtig Bock auf diesen Sound hat.

NAILS

Mittlerweile hat das Genre unter dem eher abwertendem Begriff „EntombedCore“ sogar einen semi-offiziellen Namen gefunden und jede Menge Popularität erreicht. Wo die einen von Riff-Recycling sprechen, feiern die anderen den zweiten Frühling des brachialen Sounds als gelungene Abwechslung zum 90s-angefixten TUI-Gedächtnis-Mosh. Die große Beliebtheit

KURT BALLOU dieses Stils hat sich dabei z.B. auch beim 2016er Reader Poll unseres Zines gezeigt – mit Nails, Gatecreeper und Deathbearer konnten ganze drei Bands aus dem Sektor in die Top 5 einziehen. Fakt ist jedenfalls, dass der Heavy Metal wieder zurück ist, und auch die düster-dreckige 90s Ästhetik des Death Metals immer mehr Einzug in die Szene erhält. Vielleicht wächst ja endgültig noch einmal zusammen, was zusammen gehört.


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BONUSWISSEN Wer nun angefixt ist oder sich für die Ursprünge interessiert, sollte traditionsbewusst sein und sich folgende Platten zu legen: Bonus-Klassiker: Entombed’s “Wolverine Blues” – die Geburtsstunde des Death’n’Roll und für die Hardliner nicht mehr Death Metal genug. Dafür gehört der Titeltrack zu den am härtesten groovenden Metal-Songs der 90er! GRAVE INTO THE GRAVE

DISMEMBER LIKE AN EVERFLOWING STREAM

ENTOMBED WOLVERINE BLUES

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ENTOMBED LEFT HAND PATH

NIHILIST 1987-1989

UNLEASHED WHERE NO LIFE DWELLS


REPORTAGE I HM-2 & SCHWEDENTOD

deathbearer NIELS UND ANDRE SPRECHEN ÜBER DEN HM-2 SOUND UND IHRE EINFLÜSSE

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TEXT BILD

I MORITZ RINK I BAND

Deathbearer aus Hamburg gehören aktuell zu den vielversprechendsten Bands, wenn es um die Verbindung von Extrem-Metal und Hardcore geht. Grund genug den Jungs mal etwas auf den Zahn zu fühlen, was die eigenen Wurzeln angeht.

Hey Jungs, der Schweden Death feiert aktuell ein kleines Revival. Ihr habt schon auf eurem Debüt keinen Hehl daraus gemacht, dass ihr auf den originären Sound steht. Was glaubt ihr, warum kommt der Sound auch in der Hardcoreszene aktuell so gut an? Andre: Ich denke, das könnte aus dem selben Grund sein, der den Schweden-Sound auch in der Metalszene bekannt gemacht hat: Er klingt ruppiger, sägender und irgendwie anders. Und grade durch Crossover-Bands wie Harms Way oder Nails wird die musikalische Kluft zwischen Metal und Hardcore immer kleiner. Die Übergänge zerfließen. Niels: Ich glaube zudem fehlt es dem aktuellen Hardcore an „metallischer Härte“. Gerade so ein prägnanter, heftiger Sound bietet sich da eben an. Außerdem muss man sagen, dass viele Leute, gerade in der letzten Zeit, aufgrund der (immer beschissener werdenden) Kids, sowie der Abwechselungsarmut dem HC etwas den Rücken gekehrt haben und grundsätzlich mehr Metal feiern.

Trotz all der Gemeinsamkeiten existieren die Metal- und Hardcore-Szene trotzdem eher aneinander vorbei. Viele Metalheads belächeln Hardcore aufgrund der Nähe zum Punk Rock oder dem Einfluss ethischer Strömungen (Veganismus, Straight Edge), während so manches Hardcore Kid die Metal-Szene als intolerant und gefährlich unpolitisch wahrnimmt. Wie habt ihr das erlebt? Niels: Ich sehe das Ganze eher locker. Die Szenen sind halt wirklich absolut unterschiedlich. Ich finde aber beide total interessant. Mich nervt schon seit Ewigkeiten die Über-Korrektheit im Hardcore, andererseits finde ich auch, dass die Metalszene, wie du sagst, teilweise zu unpolitisch ist. Es gibt sicherlich große Baustellen in beiden Subkulturen. Für uns als Band waren beide Szenen bisher aber sehr cool. Metaller haben einfach einen komplett anderen Anspruch. Bei HC-Kids ist es meist auf Konzerten mit harten Moshparts getan, während Leute auf Metal-Shows schon eher auf Old-School-Wurzeln bei den Riffs abgehen.


BETWEEN THE LINES FANZINE #006

Andre: Die Reaktionen auf uns waren unterschiedlich, aber durchweg eher positiv. Was allerdings stimmt ist, dass Themen wie Veganismus und auch Straight Edge weniger bekannt oder teilweise eher belächelt werden. Wir haben zum Beispiel letztens in einer Metal-Venue - die es schon ewig gibt - gespielt und uns wurde erzählt, dass wir die erste Band dort wären, die veganes Catering wünscht. So was ist dann irgendwie doch skurril. Dafür gibt es aber immer unglaublich viel Bier! Seht ihr euch denn selbst eher als Hardcoreoder Metal-Band? Andre: Schwer zu sagen. Vom musikalischen her auf jeden Fall Metal. Vom Feeling her eher HC, würde ich sagen. Ist ein 50/50-Ding. Niels: Sehe ich eigentlich genau so. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann als Metal-Band. Ich finde, dass wir musikalisch eher dahin gehören. Wenn ihr je eine Death Metal und eine Hardcore Platte wählen müsstet, die euch am meisten beeinflusst hat, welche wäre das? Niels: Für mich wären das wohl „Dismember - Like An Everflowing Stream“ und „Hatebreed - Perseverance“. Andre ergänzt dann jetzt meine beiden anderen Favoriten haha. Andre: „Entombed - Left Hand Path“ und „Merauder - Masterkiller“ Niels: Und das sind dann auch die vier Alben, die uns maßgeblich zu unserem Sound geführt haben. Der HM-2 Sound erlebt gerade seinen zweiten Frühling. Schwört ihr auch auf das Boss Original?

Andre: Wie du schon sagst, wir setzen da aufs Original. Zusätzlich dazu benutzen wir noch einen Gain-Boost. Amps spielen wir Marshall und Peavy. Viel mehr braucht man meiner Meinung nach auch nicht. Niels: Und grade der Sound macht es ja aus. Spiel ein x-beliebiges, minimal metallisches HC Riff mit HM-2 und irgendwie bekommt es sofort diesen geilen Schweden-Death-Vibe. Euer Debüt ist wie eine Bombe eingeschlagen und von unseren Lesern auf Platz 4 der 2016er Jahrescharts gewählt worden - also weit vor Bands wie Desolated, Turnstile oder Wolf Down. Hat euch der Erfolg überrascht? Niels: Aber total! Wir haben niemals mit so einer positiven Resonanz und so einem Interesse an unserer Musik allgemein gerechnet. Wir sind immer noch überrascht, wenn jemand uns sagt, dass er unsere Platte total abfeiert. Irgendwie ist das absolut nicht selbstverständlich und für uns komplett surreal. Vor allem haben wir uns in euren Jahrescharts ja echt gegen einige wirklich gute Bands durchgekämpft - Cool! Danke an alle, die uns so heftig supporten! Andre: Mir geht es genauso. Diese positive und vor allem auch konstant gute Resonanz hätte ich wirklich nicht erwartet.

Nachdem der Erstling auf Backbite Records erschienen ist, legt ihr den Nachfolger nun auf Power Trip Records nach. Was waren die Gründe für den Label-Wechsel? Andre: Die Booking-Unterstützung, sowie das Bandroster waren da unter anderem wichtige Gründe. PWRTRP hat mehr Crossover/Metal Bands, zu denen wir stilistisch einfach besser

passen. Somit treffen wir auch eventuell noch mehr unsere Zielgruppe. Niels: Die Zeit auf BBR war klasse, keine Frage! Aber PWRTRP ist für uns einfach die passendere Wahl. Viele befreundete Bands sind jetzt mit uns auf dem gleichen Plattenlabel und ich habe das Gefühl, dass dadurch die Kommunikation innerhalb des Labels und der Bands untereinander nochmal auf ein anderes Level steigt. Grade für unsere geplante LP (ja, hört, hört!) ist PWRTRP sicher die richtige Wahl. Welche jungen, einheimischen Bands sollten unsere Leser unbedingt checken? Niels: Ratlord!!! Die Jungs sind für mich aktuell die beste deutsche Death Metal-Band! Andre: Checkt außerdem Torture Gut, deren Sänger Marcus einen Part zu unserem Song „God Is Dead“ beigetragen hat. Brutal Death der alten Schule, FFO: Cannibal Corpse und Suffocation! Natürlich sind auch unsere Homeboys von Dagger Threat immer wieder einen Click auf den Play-Button wert.

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LIEBLINGSLYRICS I LOSE THE LIFE

lieblingslyrics LOSE THE LIFE - WHAT DO YOU WANT

Okay, Lieblingslyrics, das ist eine große Ansage. Tendenziell bin ich eher nicht der richtige Autor für diese Kolumne und werde nicht versuchen, mich mit den Schreibern der anderen Hefte zu messen, die ihre Texte sezieren und den persönlichen Bezug erläutern. Ich würde ebenfalls nicht sagen, dass ich überhaupt Lieblingslyrics habe und gebe sogar zu, dass ich normalerweise den Lyrics, die über das, was man so aus dem Song raushören kann, nicht weiter hinterher recherchiere. Das ist hier glücklicherweise nicht vonnöten.

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I SIMON JOSCHA FLENDER

Buy the demo, buy the shirt Dance your ass off till it hurts An alternative market, devoid of thought That was never, what I sought What do you want? Why, how, when? Think, think, think! It‘s your only weapon Alternative values, a place to grow Social defiance in the shape of a show Hardcore could be worth much more Than the fee paid at the door What do you want? Why, how, when? Think, think, think! Your brain is a weapon What the fuck do you really want?

Bei den Schweden von Lose The Life war kein Poet am Werk, der dem Publikum auf krummen Wegen eine Nachricht zukommen lässt, die die Empfänger jedoch auch ganz anders auslegen können. Im Gegenteil, schon beim Songtitel „What do you want“ angefangen ziehen sich die Lyrics ziemlich straight-forward durch den Song und bedürfen keiner großen Interpretation. Das stellt sich übrigens auch bei den restlichen Songs der „Fuck you!“ EP und der LP „The End Of Conformity“ ähnlich dar. Genau diese Art und Weise, dem Publikum das, was man sagen will, ins Gesicht zu schleudern macht diesen Song und den ganzen Output der Band für mich sehr sympathisch. Warum soll man sich mit Metaphern und ähnlichem aufhalten, wenn man direkt vermitteln kann, was man für wichtig erachtet? Um es in schönere Worte zu fassen? Um Raum für Spekulation zu lassen? Nicht hier. Die Lyrics fahren dir zusammen mit dem musikalisch ebenfalls sehr straight-forwardem Song quer durchs Gesicht und selbst wenn du keinen Englisch Leistungskurs belegt hast, wirst du das, was hier gefragt wird, irgendwie verstehen. Obwohl mir Lose The Life schon länger gut gefällt und auch wenn sich die Band leider in 2015 aufgelöst hat, ist mir dieser Song in letzter Zeit besonders aufgefallen. Ich habe für einen anderen Artikel hier im Zine viel über die Hardcore Szene und ihre Werte nachgedacht,

und genau darum geht’s auch hier. Was willst du in dieser Szene und warum ist dir Hardcore wichtig? Viele Leute, die schon etwas länger dabei sind, beschweren sich über die Hardcore Szene. Hardcore langweilig und die Kids von heute doof zu finden und über die Szene herzuziehen ist schon fast zum Trend geworden. Doch wie so vieles andere im Leben ist es, was man selbst draus macht. Wenn dir auf einer Show die Leute nicht passen, dann geh doch woanders hin. Wenn’s bei dir keine Shows gibt, dann mach doch welche (How to in Ausgabe #005). Ich habe selten einen „Ort“ erlebt, wo Leute in sovielen verschiedenen Weisen aktiv werden und die Gestaltung dieses Ortes damit beeinflussen können. Aber warum ist das überhaupt so? Die wenigsten Personen in der Hardcore Szene verdienen mit Hardcore-bezogenem Business ihren Lebensunterhalt, oder bekommen überhaupt etwas für ihr Engagement. Man kann also relativ sicher behaupten, dass Profit nicht die treibende Kraft hinter der florierenden Szene ist. Ich glaube, für viele Mitglieder der Szene ist ein Mix aus szenebezogenen Freundschaften, der Liebe zur Musik und diesem Ort, der einfach sehr anders als die übliche Gesellschaft ist, was Hardcore so interessant macht. Man kann im Vergleich mit der Metalszene weiterhin feststellen, dass der von oben nach unten gerichtete Konsum von Musik, Produkten und Events im Hardcore mehr horizontal verläuft. Ein Mitglied einer angesagten Band organisiert bei sich zuhause selbst Shows, der Typ mit zwei Wochen Urlaub geht mit einer Band als Fahrer auf Europatour und ein Mädchen bringt ihre Kamera mit auf die Shows, schiesst Fotos und veröffentlicht diese. Also was wollt ihr denn? Nehmt es in die Hand, verändert diesen Ort und macht ihn zu eurem!


REVIEW I BRAVESTAR

Bravestar DECISIONS | OLOC037

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T RA CK L I S T

1. SHAMAN

5. MEINE WELT IST BUNT

9. SOMETHING MORE

2. CHOSE OR BE CHOSEN

6. HARDCORE STILL LIVES

10. NO BAR TOO FAR

3. GET REAL

7. SHARK ATTACK

11. DECISIONS

4. REST IN PARADISE

8. JUST A LIE


BETWEEN THE LINES FANZINE #006

TEXT

I HUBERT SCHOON

Es ist wieder so weit, it‘s Bravestar Time! Die fetten Schweine aus Bayern releasen über One Life One Crew ihren vierten Longplayer, der auf den Namen „Decisions“ hört. Ich habe das Album mal etwas genauer unter die Lupe genommen; wenn ihr also wissen wollt, was die fünf Jungs mit Haien am Hut haben und was euch auf der Scheibe sonst noch so erwartet, lest weiter. Wie man es auch schon von älteren Releases kennt, gibt es als Intro erst mal ein Skit aus der 90er-Jahre Comicserie Bravestar zu hören, welches einen direkten Übergang zu dem kurzen, aber knackigen Song „Choose Or Be Chosen“ bildet, der einen durch seinen fetten Groove eigentlich direkt zum Bewegen zwingt. Mit „Get Real“ geht es dann richtig nach vorne und es wird deutlich, dass im Vergleich zum Vorgänger Album „Surrounded By Vultures“ musikalisch noch mal eine Schippe drauf gelegt wurde. Schwere Riffs, eingängige Melodien, treibende Drums – alles vorhanden und Dennis‘ vielseitige Stimme tut ihr Übriges. Viele kennen das Gefühl plötzlich jemanden aus ihrer Mitte verloren zu haben. Im Song „Rest In Paradise“ wird genau dieses Gefühl aus Wut, Verzweiflung und Trauer in Form eines Hardcoresongs wiedergegeben. Im Anschluss gibt es mit „Meine Welt ist bunt“, zu dem bereits ein Video gedreht wurde, einen dicken Mittelfinger an alle Pseudo-Moralisten und zeigt, dass keine Erbsen gezählt werden müssen, um einen gesunden Menschenverstand an den Tag zu legen. Um zu zeigen, dass Hardcore auch im Jahr 2017 noch cool ist, haben sich Bravestar für „Hc Still Lives“ gleich drei Mann als Verstärkung ins Boot geholt: Rüd

(Crackdown), Okan (I Am Revenge) und unser Flo (COD / Broken Humanity) geben sich die Ehre am Mic. Auch hier wieder schnelle, harte Riffs, crew shouts und ordentlich Dampf, um am Ende in Flo‘s Part die Handbremse zu ziehen. Noch ein Circle of Death Zitat „I can count on my friends till i die“ ...und Hardcore macht auch 2017 noch Spaß. Spaß ist auch das Stichwort für den nächsten Track „Shark Attack“. Dass der Text hier hauptsächlich aus Aneinanderreihungen von Hai-Film-Titeln besteht, zeigt, dass ein großer Liebhaber von B-Movies am Werk war – was mir auch aus sicherer Quelle bestätigt wurde. Zu „Shark Attack“ gibt es ebenfalls ein irrwitziges Video, welches ihr unbedingt auschecken solltet. In den nächsten beiden Songs „Just A Lie“ und „Something More“ geht es dann musikalisch wieder etwas gediegener und textlich ernster zur Sache. Es werden sowohl politische als auch soziale Probleme der Gesellschaft behandelt, die geshouteten und teils gesungenen Lyrics fügen sich auch hier wieder perfekt ins Soundgewand aus melodischen Gitarren und ausreichender Härte ein. Im Großen und Ganzen ist die Tracklist sehr abwechslungsreich gestaltet. Mit „No Bar Too Far“ gibt es wie auf jeder Bravestar Platte und wie der Titel schon erahnen lässt einen Partytrack. Die „ooooohooooh‘‘-Chöre am Anfang des Songs hätten auch wunderbar auf ein Wisdom In Chains Release gepasst. Zu guter Letzt zeigen sich die Jungs so gefühlvoll wie noch nie und hauen mit dem Titeltrack „Decisions‘‘ einen meiner Meinung nach sehr meldodischen Hammersong raus, in welchem Dennis abermals zeigt, was in seiner Stimme

steckt. Auch hier lassen sich WIC-Parallelen nicht leugnen. Eindeutiges Fazit: Gänsehaut­ alarm und für mich der stärkste Song des Albums! Das Cover wurde passend zum Text des Titels gewählt. Es zeigt einen kleinen Jungen, der vor einer Weggabelung innerhalb eines Waldes steht und offensichtlich mit der Entscheidung konfrontiert ist, sich für einen der beiden Wege zu entscheiden. Coole Idee, wie ich finde, und macht im Zusammenhang mit dem Titel auf alle Fälle Sinn. Die hauseigene Produktion von Gitarrist Aubi steht aktuellen Releases in nichts nach und lässt den Sound mit Druck aus den Boxen knallen. Wenn ihr also Bock auf moshlastigen HC mit jeder Menge geiler Melodien habt, checkt die Jungs aus! In diesem Sinne, „o fear for the beer, no bar too far“! Seit März ist das Album auf CD und auf diversen digitalen Plattformen erhältlich, wer schnell war hat sich eine der schönen limitierten CD-Holzboxen gesichert. In Kürze werden drei verschiedene Vinyl-Farben erhältlich sein, die ihr ebenfalls entweder bei der Band selbst oder im One Life One Crew Shop ordern könnt.

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INTERVIEW I EYES OF TOMORROW

eyes of tomorrow EOT ÜBER DEREN ENTSTEHUNG, NON-POLITIK IM HARDCORE UND ZEITGESCHEHEN

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TEXT BILD

I SANDRA REDEGELD I SEVENTY7PIX

Eyes of Tomorrow ist eine Formation aus vier Ruhrgebietlern, die mit unbeschreiblichen Herzblut und einer endlosen Energie mit ihrer Musik der Gesellschaft zeigen wollen, dass diese durch das stumpfsinniges Nebeneinander her leben und der Hauptsache-meinem-Arsch-geht’s-gut-Attitüde kurz über lang zusammenbricht. Musik mit Sinn, Jungs die was zu sagen haben.

Ihr habt alle und jeder für sich bereits in verschiedenen anderen Bands gespielt. Circle of Death, Shaft, Spawn und City to City sind nur einige der Namen. Und jetzt habt ihr innerhalb kürzester Zeit euer erstes Demo veröffentlicht, das innerhalb kurzer Zeit ausverkauft war. Was macht Eyes of Tomorrow so besonders für euch? Chris: EoT ist Musik machen mit Freunden, mit Menschen, die ich mag! Da wir ja alle irgendwo und irgendwie schon ein Hardcore-Leben gelebt haben ist es wichtig, dass Musik machen in erster Linie wieder Spaß macht! Adam: Für mich ist EoT, auch wenn es sich abgedroschen anhört, quasi das Schließen eines Kreises. Ich hab damals Coach (Chris) gesehen, als er bei Spawn gezockt hat, die auf New Age Records waren, mit Ami-Tour und das war alles krass beeindruckend für mich mit meinen 17 Jahren. Das war einer der Gründe mit Hardcore anzufangen. Alles um ‘94 rum. Dann irgendwann in einer Band zusammen gezockt „Sky‘z the Limit“. Dann dies, dann jenes, tausend Bands. Jetzt wieder in dem alten Setup, naja gut, Nico

neu dabei, aber der ist genauso HC bekloppt wie wir und einfach ein guter Typ, da passt das einfach. Von Nico weiß ich, dass er sich schon seit gefühlten hundert Jahren mit Hardcore, dessen Entstehung, Attitüde und Entwicklung beschäftigt. Wie habt ihr die Entstehungszeit und die Entwicklung des Hardcores erlebt? Chris: Die Entstehungszeit in Europa war schon Anfang der Neunziger sehr anders als Jahre zuvor in den USA. Es war alles mehr im Punk verwurzelt und wenn du auf Konzerte mit Cappy, Sweatshirt und Skatehose gekommen bist, musstest du dir schon so manche dummen Sprüche anhören. Aber alle Leute waren irgendwie aktiv, haben Bands oder Fanzines gemacht oder Shows gebucht, alles in allem war es sehr homogen. Die Entwicklung ist halt wie bei allem im Leben, es gibt Ups and Downs. Adam: Meine ersten Berührungspunkte waren in Amiland, als ich da für ein halbes Jahr war. Da habe ich Jay kennengelernt, der in der Highschool in meinem Englischkurs vor mir saß.


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“Das coole an Hardcore ist, dass man ein Leben als Parallelentwurf leben kann.“ 59

Nach kurzer Zeit hat sich herausgestellt, dass er bei einer Hardcore-Band Schlagzeug spielt. Das waren Overcast, wer sich mit Ostküsten-HC auskennt. Na ja, da bin ich zum ersten mal zu Shows mitgefahren und war direkt angefixt. Nachdem ich in Deutschland zurück war, wie gesagt, bin ich dem Coach und Spawn über den Weg gelaufen und dann siehe oben so. Cool ist, dass ich immer noch Kontakt mit Jay habe, HC-Family beziehungsweise normale Freundschaft. Der Sound eurer Musik reiht sich sehr deutlich in genau diese Zeit – die Anfänge des Hardcores – ein. Welche Bands beeinflussen eure Musik, sowohl musikalisch als auch inhaltlich, ganz besonders? Chris: Wir sind natürlich sehr beeinflusst von den Bands, die wir die letzten 30 Jahre gehört haben und die unser Leben begleitet haben. Ich denke aber, dass wir es gar nicht so auf ein oder zwei Bands reduzieren können. Es fängt bei uns irgendwo bei Bad Brains an, über Sick of it all, Cro-Mags, Agnostic Front bis hin zu Terror.

Nico: Natürlich sind die Wurzeln, Ursprünge in Bands wie den Bad Brains, Cro-Mags, AF und so weiter zu sehen und sie sind somit auch eine große Inspirationsquelle. Trotzdem hat mich mein lokales Umfeld unglaublich stark beeinflusst, Bands aus dem Ruhrgebiet wie Black Friday´29, Zero Mentality, Death or Glory, Homerun und einige andere mehr. Das war das Umfeld in dem man aufgewachsen ist, das waren die Freunde mit denen man rumgehangen hat. Man hat sich ja auch gegenseitig beeinflusst, egal ob man jetzt angefangen hat Skateboard zu fahren, Graffiti zu malen, Hardcore, Punkrock, Rap zu hören oder auch selber einfach anzufangen Musik zu machen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich überhaupt noch etwas mit der ganzen Sache zu tun hätte, wenn dieses kreative Umfeld nicht gewesen wäre.

Idee entstanden, eine Band zusammen zu machen. Wir wollten in dem Stil wieder etwas auf die Bühne bringen. Wir wollen das machen, auf das wir Bock haben und da hat sich dieser Stil einfach herauskristallisiert. Nico: Als die anderen mich gefragt haben, ob ich Bock auf das ganze Dingen hätte, stand ja schon viel Material. Dennis war da schon komplett zu den Rykers gegangen und somit hat sich die Situation dann einfach so ergeben. Alle haben mega Bock einfach zusammen Musik zu machen und Songs zu schreiben. Für mich ist das an vielen Punkten ganz deutlich zu spüren und das passt dann halt wie Arsch auf Eimer.

Ihr habt erst Anfang des letzten Jahres zusammengefunden. Wie verlief der Entstehungsprozess eures Demo Tapes? Vor allem in Bezug darauf, dass ihr in der Formation erst seit kurzer Zeit Musik macht?

Euer Band-Name ist der Titel eines CroMags-Songs. „Eyes of Tomorrow“ wurde 1992 veröffentlicht und erzählt die Geschichte einer Gesellschaft, die nicht auf ihre Mitmenschen achtet, die nicht hilft, um das Handeln eines Jeden zu ändern. Inwiefern identifiziert ihr euch als Band mit dem Song?

Dom: Adam und ich haben das Brickbybrick Mixtape zusammen gemacht und dabei ist die

Chris: Wir identifizieren uns schon sehr mit dem Inhalt des Songs, wenn wir uns die Ge-


INTERVIEW I EYES OF TOMORROW

schichte der Menschheit anschauen und die Entwicklung, dann ist klar, dass sich eigentlich an den Problemen nicht wirklich was geändert hat außer, dass die Schere zwischen Reich und Arm immer größer wird. Adam: Das coole an Hardcore ist, dass man ein Leben als Parallelentwurf leben kann. Auch wenn man mit HC in den letzten Jahren nicht zufrieden war und immer nur motzt, es ist immer noch das bessere Umfeld, um sich darin zu bewegen, anstatt dieser Massen-Hysterie-Paranoia-Konsum-Fernlenk-Planet-Gesellschaft! Nicht dass HC die Lösung auf alle Probleme ist,

Nico: Da die Cro-Mags in diesem Lied und auch in vielen weiteren Texten einfach den Ist-Zustand der Welt beschrieben haben und somit wohl vielen kritisch denkenden Menschen aus der Seele sprechen, sind sie nach wie vor ein großer Einfluss. Wo stehen wir zur Zeit? Chris: Vielleicht am Abgrund, wer weiß das schon mit all den Sachen die momentan so abgehen? Oft fühlt man sich auf jeden Fall eher auf dem „Planet der Affen“ als auf dem Planeten Erde.

aber Probleme benennen, das kann HC! Nico: Die Reiche Klasse führt Krieg gegen die arme Klasse. Alle anderen Kriege die noch

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so toben, sind fast alle im Ursprung auf diesen Fakt zurück zu führen. Das erzählen diese elitären Leute selber, man muss nur mal genau zuhören oder sich ein wenig mit ihnen beschäftigen. Wenn man sich alleine mal anguckt, wie sie bei uns wichtige Systeme in den letzten Jahren absolut zum negativen heruntergewirtschaftet haben, beispielsweise die Situation in den Krankenhäusern, Altenheimen, eigentlich überall da wo Menschen von anderen abhängig sind und dringend Hilfe beziehungsweise menschliche Unterstützung benötigen, kann einem schon der Hass hoch kommen. Diese feinen Herren in Schlips und Kragen, die es angeblich zu etwas gebracht haben und absolut skrupellos komplette gesellschaftliche Systeme kaputt reformieren. Es ist einfach ein Wahnsinn was da passiert und es ist nicht davon auszugehen dass dies zufällig passiert, da diese Maschinerie seit Jahren und Jahrzehnten so läuft. Das Ganze hat Methode und der Zustand wird sich wohl leider weiter in den nächsten Jahren verschlechtern. Im Song „Things we need“, einer der vier Songs auf eurem Demo, geht es um das Konsumverhalten der Gesellschaft. Von dem Kauf von Dingen, die jemand selbst gar nicht kaufen wollte, sondern durch Werbung zum Kauf überzeugt wurden. Wie gefährlich ist Werbung? Dom: Die Werbung beeinflusst uns eigentlich täglich, ob es Lebensmittel sind oder uns vorgelebt wird welche Körpermaße wir haben müssen! Jeder von uns hat sich sicher schon mal selber dabei erwischt, aufgrund von Werbung irgendwas gekauft zu haben, was man gar nicht brauchte. Ist halt irgendwie abgefuckt! Chris: Werbung ist ein gefährliches Medium, um uns alle zu beeinflussen und zu manipulieren. Vielleicht sogar noch gefährlicher als die Manipulation durch institutionelle Religion, Werbung ist das neue Opium fürs Volk! Nico: Bei dem Wort Werbung muss ich immer an eine schöne Bresso Käse-Werbung denken, die so richtig gute Laune macht und man Hunger auf ein leckeres Brötchen am Frühstückstisch bekommt, Hahaha! Werbung ist schon schön stumpf. Aber das wirkliche Problem sind die ganzen hochbezahlten Pub-


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lic-Relations-Büros, die täglich damit beschäftigt sind eine künstliche Realität zu erzeugen. Diese Leute handeln im Auftrag der Elite und sind, wenn sie ihr ach so tolles Studium auf das sie so stolz sind, für diese Zwecke einsetzen, nichts weiter als gut bezahlte Systemsklaven die der bösen Seite der Macht dienen. Man kann diese Techniken auch für gute Zwecke einsetzen, machen aber leider die wenigsten. In „Life goes on“ ruft ihr zum Durchhalten, zum Wiederaufstehen auf. Dom: Es gibt ja auch keinen Grund auf Dauer am Boden zu sein, es gibt immer schlechte Zeiten aber wenn man sich aufrafft, kann jeder von uns die Scheiße, die einem passiert, überwinden. Das Leben geht halt weiter. Nico: Es ist ein klassischer „Kopf hoch“Song. Sich in Selbstmitleid zu baden und die ganze Zeit nur negative Gedanken zu pflegen ist mit Sicherheit nicht der beste Weg sein Leben zu gestalten. Wir sollten in dieser oftmals so düsteren Welt versuchen das Beste aus unserer Lebenszeit zu machen. Wir müssen eben alle trotzdem weiter machen, auch wenn es manchmal unerträglich schwer ist. Dabei

natürlich jeder auf seine Weise, immer so gut es geht und so gut wir können. Im Jahr 1992, einige von euch haben da schon Zeit mit Musik verbracht, war der Nachrichten- und Informationsfluss in keinster Weise mit der heutigen, digitalen, Welt vergleichbar. Wo seht ihr die Gefahren in der Nutzung der sozialen Medien in Bezug auf aktuelle gesellschaftliche Probleme? Chris: Durch die Digitalisierung der Welt/ Gesellschaft ist die Welt kleiner geworden, was eine große Chance sein kann, aber auch sehr gefährlich ist. Hass und Scheiß-News verbreiten sich mit einem Klick über die ganze Welt. Viel Scheiße wird einfach nachgemacht oder sich an dummen Mist aufgegeilt, Monkey see, Monkey do!

man sich da und da dann und dann verabredet und man war da. Heute gibt es Whatsapp mit dem Ergebnis, dass keiner kommt und die, die da sind, alles vom Essen bis zu ihren Tages-Sneakern fotografieren und posten... Whack! Nico: Ein weiteres Mittel, um alles noch beschissener zu machen. Die wenigen positiven Aspekte werden wohl von den negativen überrollt, auch wenn sich wohl nur ganz wenige dieser Sache komplett entziehen können. Es wird immer mehr eine Mischung aus „Schöne neue Welt“ und „1984“. Außerdem erinnnert das Ganze auch stark an „Fahrenheit 451“. Alle drei Bücher sind jetzt mal eine Leseempfehlung Eine Leseempfehlung - und das von einer Hardcore-Band, wie uncool! Hahaha! Wo seht ihr vielleicht sogar Chancen?

Adam: Was definitiv zu beobachten ist, ist dass Leute sich nur noch, oder zumindest viel zu viel, mit ihrer Online-Präsenz befassen, und darüber hinaus vergessen, richtige Sachen zu machen. Rausgehen, mit Freunden abhängen und so weiter. Dann kommen immer tausend Entschuldigungen, warum dies nicht geht das nicht geht, aber mal Hand aufs Herz, früher hat

Chris: Eine Chance könnte sein, dass die Menschen sich nicht alles gefallen lassen, so wie momentan die weltweiten Demos gegen Donald Trump. Aber auch das weltweit Missstände aufgedeckt werden können und nicht jeder Staatsdiener mit einer Waffe machen kann was er will!


INTERVIEW I EYES OF TOMORROW

Nico: Was mir gerade einfällt ist, dass man Musik oder andere kreative Dinge auf diesem Weg den Leuten leichter näher bringen kann. Das war ja in den 90zigern schon noch ein Stück weit schwieriger.

Eyes Of Tomorrow ist eine „neue“ Band, jedoch habt ihr alle zusammen jede Menge Erfahrung im Bereich Musik-machen. Wie seht ihr die Chancen „neuer“ Bands von den Leuten gesehen und gehört zu werden?

Eure textlichen Inhalte drücken euren politischen Unmut aus. Habt ihr bezüglich eurer Inhalte Kritik erfahren? Wie geht ihr damit um?

Dom: Ich glaube, dass man als neue Band schon sehr viel arbeiten muss und natürlich irgendwo den Zahn der Zeit treffen muss.

Chris: Bis jetzt haben wir da keinerlei kritischen Worte vernommen und wenn jemand damit ein Problem hat, dass wir uns ein paar Gedanken mehr im Leben machen, dann ist das so! Wir können und wollen es auch nicht jedem recht machen.

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Nico: Sauber der Coach! Sehe ich genauso! Hardcore ist oftmals so ekelhaft angepasst geworden, verstehe ich nicht. Manche HC-Leute vertrauen sogar Staatsdienern und glauben den Massen-Medien! Die hören denen sogar zu, also so richtig. Den Massen-Medien! Das ist verrückt und traurig, es gab in den 90zigern so eine schöne Anti-Haltung gegenüber der ganzen Scheiße! Wie wichtig ist Hardcore, dessen Attitüde, Musik und die Menschen, die Hardcore leben in der heutigen Zeit? Chris: Hardcore kann leider die Welt nicht wirklich verändern, aber Hardcore kann jede einzelne Person ändern, anregen sich Gedanken zu machen und nicht alles nur zu schlucken! Hardcore war immer schon sozialkritisch und antifaschistisch. Nico: WORD! Hardcore bedeutet menschlich sein und so zu handeln! Kritisch zu denken, Missstände und die Mächtigen der Welt anzuprangern. Insgesamt das System in dem wir leben kritisch zu hinterfragen und sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Kurz gesagt: Sich auf die Seite der Schwachen zu stellen. Ich denke, dass ist in der heutigen Zeit immer noch oder schon wieder revolutionär. Auch wenn es manchmal so aussieht, als würden die vielen negativen Entwicklungen innerhalb der sogenannten „Szene“ diesen Urgedanken manchmal leider völlig begraben.

Chris: Keine Ahnung, ob es früher einfacher war. Nur wenn ich höre, dass manche Booker jetzt Castings für ihre Gigs machen, denke ich auch manchmal „wo bin ich bitte?!“ Nico: Es haben sich viele negative Dinge entwickelt und machen es neuen Bands nicht gerade leichter die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen. Da werden leider lieber immer noch zu viele durchschnittliche Ami-Bands abgefeiert, statt mal die Kollegen spielen zu lassen. Ich will das jetzt aber auf keinen Fall verallgemeinern, da es immer noch viele coole Leute gibt, die sich den Arsch für die ganze Sache aufreißen. Wie zum Beispiel Freetz von Do You Care?! Booking. Ein leuchtendes Beispiel, wie man auch nach Jahrzehnten immer noch ständig neue Bands abcheckt und denen mit coolen Shows auch noch eine Bühne bietet. Ich versteh gar nicht wie der das macht, der kennt immer die neusten Sachen sofort und lässt die dann auch noch bei sich spielen. Und dann macht der teilweise seine Shows mit sieben Bands ganz alleine. Also Kasse, Bands betreuen, Catering, Bar und Garderobe! Gleichzeitig! Er ist also quasi eine „Ein Mann Armee“- Respekt geht raus an Freez aka Freezy-E aka der Sandwich-Toaster Mann! So wie früher: Hardcore-Leute für Hardcore-Leute! Support Your Local Scene!

Chris: So sieht es aus, alles ohne Stress aber schon gezielt! Nico: Da wir ja eine Hardcore-Band sind, müssen wir jetzt noch andere Bands grüßen! Also Grüße gehen raus an Jail, Zero Mentality, Born From Pain, Fallbrawl, Prison Knife, Optimist, Risk It, World Eater, Gone To Waste, AYS, Contra und den ganzen Ruhrpott! Checkt auf jeden Fall unser Demo und die neue EP! Danke an Between The Lines! Und macht bitte diesen Podcast weiter! Ich hör dat immer beim Spülen oder auf‘m Klo! Danke! Peace! Alle: Vielen Dank fürs Interview und euren Support, macht weiter so. DIY!

Ihr habt mit Eyes of Tomorrow ein erfolgreiches Demo veröffentlicht und schon auf einigen Bühnen live gespielt. Was steht für die Zukunft an?

soundcloud.com/BTLREALTALK

Dom: Wir haben jetzt ganz fresh vier Songs für eine EP aufgenommen, wollen und werden natürlich auch Live Shows spielen, weil das ist ja der Hauptgrund warum wir den Spaß machen! Sonst werden wir so weitermachen wie gehabt, Songs machen und eine gute Zeit haben.

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INTERVIEW I XIBALBA

xibalba BRIAN TALKS ABOUT THE FOUNDING OF XIBALBA, POLITICS & CURRENT PROJECTS

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TEXT I HUBERT SCHOON FOTO I SOUTHERN LORD MATTHEW GRANT ANSON

Xibalba, hailing from Los Angeles, California are playing a heavy mix of some metal genres and Hardcore. Many bands try to play a sound like this but I don’t know a single band of this genre which has an recognition value like Xibalba has. This year they celebrate their 10th anniversary as a band. Most of all, I like their dark heavy and face crushing style of music since the first release in 2010.Therefore it was a pleasure for me to ask them a few questions.

Hey guys! First of all, congratulations to your 10th anniversary! Thanks for taking the time to answer my questions. How are you doing at the moment, what’s going on in Cali right now? Please introduce yourself for those who never heard about Xibalba and tell us a bit about your History. What has changed since you started ten years ago? Thank you! The last ten years flew by quick. At the moment I am doing pretty well and California has been really rainy lately which is great because we need it. But anyways, my name is Brian Ortiz, I play guitar in Xibalba. Jason, Nate and myself started the band in late ‘06 with our original bass player Bryan Valdivia. We are all standing outside the infamous Showcase Theatre, minus Jason, talking about how cool it would be to start a heavier band then the current bands we were in. Well, me and Bryan were and Nate interrupted us and said he could sing. We told him no and to go about his business. But he also said he could get Jason to play drums so we said “ok, Nate, we’ll let you jam with us.” The rest is history. I’m joking, but we all got together in my parents garage in Pomona and wrote „Bright Sun“

and then „Cursed“ after. As far as what has changed, I’d say our song writing has definitely changed a lot. We still have the same influences but we definitely are trying to take on a more straight forward death metal approach but still keeping our essence. When we started it was all about mixing death metal and 90’s hardcore, writing heavy riff after heavy riff with little to no structure. Now we try to have a little bit of a structure and formula. Me and Jason will usually scheme up a little before we jam and then whatever happens, happens and we build. You released a three track EP called “Diablo, Con Amor … Adios” in February via Closed Casket Records. I really dig it like every release, it reminds me of the old stuff from “Madre Mia Gracias Por Los Días” and the first Split. How do you feel about your latest record? Is it a preview to the next LP? Thank you, I am stoked that you like it! I am actually stoked on the shit we wrote for this EP. Me and Jason tried a few new things in regards to arranging shit around to have a good flow. Jason arranged the final track “Adios”. And it came out badass! I’d stay that this record is


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most definitely a preview of what’s to come. I hope everyone likes what we did here. Your lyrics are really dark, is it only Nate writing them or is the whole band involved? Where do you take your inspiration from? Our inspiration is life. Whatever we’ve experienced and are going through at particular moments is what our inspiration is. We write what we feel. We definitely collaborate a lot with lyrics. I wrote lyrics on Hasta and Tierra and Jason wrote some on Madre. But I would say that Nate writes most of the lyrics. But on the new EP, Nate wrote all the lyrics. Xibalba sounds like a heavy mix of Hardcore, Doom-Sludge and Death Metal. From which bands do you mostly derive your influences? What kind of music do you privately listen to most? Morbid Angel, Crowbar, Obituary, Bolt Thrower, Earth Crisis and a shit ton of others! Lots of death and doom metal! I straight up listen to everything though, I can say the same for my band as well. We all love The Cranber-

“We defInitely worry about friends and family that weren’t born in America but reside here.“

ries, Sade and gang of other r&b stuff. We all love hip hop! Wu-Tang, Dr. Dre, Snoop, Big L, Gravediggaz, Bone Thugs. Lots of stuff, man. Oldies, jazz, classical, blues, you know the genre and chances are we listen some shit from it. Except the Earthquake split and Madre Mia Gracias Por Los Días you released your output via both Southern Lord and Closed Casket. What’s the reason for that, why not only one Label? Southern Lord releases our LP/full lengths and Closed Casket releases our EP’s and splits. We like to release EP’s in between full lengths and Closed Casket would always be down to put something out for us to hold people over until a full length comes out. Both labels however are great and treat us well. I know you are all solid drinkers, haha, and you love to party and get drunk right? I remember the first euro tour in 2009 at the Langenau date with that awesome party in the backstage room after the show. What’s the funniest tour story that ever happened in the history of Xibalba?


INTERVIEW I XIBALBA

We definitely love to party! We have definitely mellowed out the past few years but not by much. There are so many tour stories with this band. Some that can’t really be discussed haha. But the one that comes to mind always is Japan tour in 2013 with Terror. I flew in later than the other guys because of work and when I landed I waited at the airport for hours and when the bus finally picked me up, I found out Nate and Jason had been arrested in Tokyo the night before. I couldn’t help but laugh. They had went out and got too drunk and blacked out. When they woke up they were in a cell in a Tokyo jail. I guess they ended up breaking some window at a bar. Haha, these dudes are wild.

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A few months ago you played a show with the Rapper ASAP Ferg. Tell me about your experience - how did this happen? A feature with him would be interesting, are there any plans for that? It was fun experience! He was a cool dude. He watched our set and was having a ball. Nate has a friend that does videos and I guess Ferg approached him to do a music video and told him to go in any direction he wanted. So he thought it would be cool to do a video with a hardcore/punk/metal setting. And it worked out badass because the video slays! As far as

a feature with him, who knows? That could be arranged, I’m sure. We’ll see what the future holds. How do you see the US Hardcore scene especially in California and what’s the difference to the Euro scene? I see it as one of the strongest in the world honestly. Great bands, good kids, and badass shows. I’d say the only difference is the dancing. You Euros need some god damn rhythm hahaha. But for real I love the European scenes out there. Very good kids and always fun! What are your next steps, any plans for the next LP or tours? After all these release shows we are going to start writing the next LP. As far as touring, we are pretty much hanging it up. We’ll do little trips and tours here and there. But everyone has jobs and has to work so we can’t be doing these long tours no more. How do you think trumps presidency is going to affect the life of you and your friends? I’m not sure, its kind of scary to think about honestly. We definitely worry about friends and family that weren’t born in America but reside

here. We are also worried about the number of assault charges we’ll get from the racist scum coming out of the shadows. It’s definitely some weird and scary times for America, so we’ll see how everything plays out. Before we come to the end lets do a quick brainstorming. Beer or Booze? It depends!! Overall I think beer. But if we’re trying to be bad, booze! Favorite Crowbar Record? Odd Fellows rest. Burger or Burrito? Burrito for sure. Slayer or Sepultura? This is a tough one man. Slayer is goat so I say fuckin Slayer! Beach or Mountains? Mountains. Thank you again! The last words are yours, shoutouts or greetings ...say whatever the fuck you want! Thank you for the interview!!! Shout out to everyone up in Germany! We miss all of you! Check out the new EP that Closed Casket is putting out for us! Thank you Justin at CCA! Thank you Germany! We hope to see you fucks soon! Xibalba Forever, salud!


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BETWEEN THE LINES ZINE #006 by BTL FANZINE - Issuu