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INSIDE YOUR BUSINESS. TODAY.

FREITAG, 13. JÄNNER 2012 – 31

NEUER RÜCKBLICK

NEUE FÜHRUNG

Sanofi und Wirtschaftskammer präsentierten Jahrbuch der Gesundheitspolitik Seite 36

Die ARGE Selbsthilfegruppen hat Wolf Dorner an die Spitze gewählt Seite 36

© ARGE

© sanofi-aventis

healtheconomy NEUER CHEF HEF INTERCELL TAUSCHT CHT RAT AUFSICHTSRAT © privat

Trotz Spardruck: Länder bauen Spitäler stark aus

© APA/Roland Schlager

SHORT

Burn-out-Serie Anita Frauwallner ist überzeugt: der Weg aus dem Burn-out führt über den Darm. Die Vorsitzende der Österreichischen Gesellschaft für probiotische Medizin und Geschäftsführerin des Grazer Instituts Allergosan untermauert ihre Überzeugung mit Untersuchungen, die belegen, dass Depressionen oder ein Burn-out „immer dann entstehen, wenn es Entzündungen im Darm gibt“. Es gebe im Gehirn und dem Darm dieselben Neuronen und Substanzen. Würden im Darm bei Bakterien Membranproteine aufgelöst, führe das zu Entzündungen, sagt sie. Seite 34

© elisabeth grebe fotografie; Montage: B. Schmid

© Allergosan

Reformen Es soll wieder gespart werden im Gesundheitswesen. Die ihre Schuldenbremse verhandelnde Regierungsspitze lässt sich zwar noch keine Details zum anstehenden Sparpaket entlocken. Im Pressefoyer nach dem Ministerrat versicherten Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) am Dienstag aber, dass die Gespräche gut liefen, der ÖVPChef sah Annäherungen vor allem in den Bereichen Pensionen und Gesundheit. Die ÖVP will allein im Gesundheitsbereich 1,8 Mrd. € bis 2016/17 einsparen. Seite 32

980 Millionen Euro Eine healtheconomy-Umfrage in den Ländern zeigt: Während Gesundheitsminister Alois Stöger nach Sparmöglichkeiten sucht, rüsten die Länder ihre Kliniken weiter hoch und investieren heuer massiv. Seite 33

INHALT www.cb12.at Healthcare > Ärztekammer will mit Hausärzten das Gesundheitssystem entlasten 32 > WIFO entfacht neue Debatte um Liberalisierung im Apothekenbereich 33 Pharmareport und Lifescience > Generikariese Teva tauscht Management aus und will weiter expandieren 34 > Pharmafirma Stada wird bei Übernahme gebremst 34 Medizintechnik und eHealth > Krankenkassen mit der Testphase für die e-Medikation zufrieden

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HE A LT H: C A R E

32 – healtheconomy

Freitag, 13. Jänner 2012

Reformpläne I ÖVP fordert Wachstumsbremse für das Gesundheitswesen und will 1,8 Mrd. € einsparen

KOMMENTAR

Gesundheitsreform: Und wieder regiert Sparstift

Neue Vorsätze fürs neue Jahr

Ausgaben im Spitals- und Kassenbereich sollen an das BIP-Wachstum gekoppelt werden. MARTIN RÜMMELE

P

GRAFIK DER WOCHE HERZ-/KREISLAUF-TOTE

Sterblichkeitsrate je 100.000 über -

unter Durchschnitt

Frauen Burgenland

501

Wien

492

Niederösterr.

488

Oberösterr.

467

Steiermark

458

Salzburg

445

Vorarlberg

431

Kärnten

423

Tirol

404

Männer Burgenland

372

Wien

371

Niederösterr.

338

Steiermark

332

Oberösterr. Salzburg

326 304

Kärnten

299

Vorarlberg

292

Tirol

271

Quelle: APA/MedUni Wien; Grafik: Raimund Appl

Koppelung an BIP Die ÖVP will jedenfalls im Gesundheitsbereich 1,8 Mrd. € bis 2016/17 einsparen. Mit einer Beschränkung des Ausgaben-Anstiegs auf die Höhe des Wachstums der Wirtschaftsleistung wäre dieses Ziel erreichbar, sagt ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf. Diese Zahlen habe er bereits in einer ersten Verhandlungsrunde mit Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) vor Weihnachten außer Streit gestellt. In den vergangenen 20 Jahren seien die Einnahmen mit dem BIP um 3,75% gewachsen, die Ausgaben jedoch um 5,5%. Eine Senkung der Ausgaben auf das BIP-Wachstum würde bis 2016/17 Kostendämpfungen von 1,8 Mrd. € bedeuten, rechnet Kopf vor. Während der ÖVP-Klubobmann die Krankenkassen „auf einem guten Weg“ sieht, hält er vor allem im Spitalsbereich Reformen für notwendig. Im stationären Bereich seien die Kosten seit 2000 um 4,5% und im Ambulanzbereich um sechs Prozent gestiegen. Als eine Möglichkeit, die Kosten zu senken, sieht sich Kopf mit Stöger einer Meinung, dass man wie bei den

Bundeskanzler Faymann (re.) und Vizekanzler Spindelegger wollen sparen und orten im Gesundheitswesen enormes Potenzial.

Krankenkassen die Verteilung von Finanzmitteln an die Erreichung von vorgegebenen Zielen knüpfen könnte. Mit der schon beschlossenen Novelle zum Kranken- und Kuranstaltengesetz (KAKuG), die den Spitalsträgern Effizienzsteigerungen durch Schwerpunktbildungen und Spezialisierungen ermöglicht, hält Kopf Einsparungen von 200 Mio. € für möglich. Das wäre mehr als ein Zehntel des insgesamt angepeilten Volumens. Welche Maßnahmen die ÖVP sonst noch anstrebt, um das Einsparungsvolumen zu erzielen, wollte Kopf nicht verraten. Ein Vorziehen der geplanten Spitalsreform für das jetzige Sparpaket hält der ÖVP-Klubobmann aber nicht für machbar. Einzelmaßnah-

men seien in Verhandlung, damit müsse man nicht bis 2013 warten. Aber die angestrebte Konzentration der Finanzströme – die Finanzierung aus einer Hand – werde nicht so schnell gehen.

Kritik von Ärztekammer Kritik an den Plänen kam umgehend – von den Ländern und von der Ärztekammer. Deren Präsident Walter Dorner weist die Ankündigung zurück. Er halte nichts von „Zahlenspielereien rund um Ausgabenkürzungen im Gesundheitswesen“, sagte Dorner. Es sei nur schwer vertretbar, für die Gesundheitsversorgung immer weniger Geld auszugeben. Angesichts der steigenden Lebenserwartung und

der damit verbundenen Zunahme vor allem chronischer Erkrankungen einerseits und des Fortschritts der Medizin andererseits müssten Politiker, die ihre soziale Aufgabe ernst nehmen, dazu stehen. Der Ärztekammer-Präsident bestätigte jedoch, dass das Kostenwachstum durch eine Neuordnung der Strukturen eingebremst werden könne; er bekräftigte dafür seine Vorschläge für Akutordinationen, in denen niedergelassene Ärzte in der Nähe von Spitälern außerhalb der Kernöffnungszeiten der Krankenhäuser die Ambulanzen entlasten, und für das Hausarztmodell, in dem der niedergelassene Arzt die Patienten durch das Gesundheitssystem lotst.

Reformpläne II Mehr Hausärzte könnten teure Spitalsambulanzen entlasten und helfen, 80 Mio. € pro Jahr zu sparen

Ärztekammer will mit Hausärzten sparen Wien. Durch die Einführung eines von der Ärztekammer angestrebten Hausarzt- oder Vertrauensarztmodells könnten pro Jahr rund 335 Mio. € durch Vermeidung von unnötigen Ambulanzbesuchen gespart werden. 100 Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag mehr würden 25.000 Spitalsaufenthalte vermeiden helfen und 80 Mio. € ersparen. Das ist das Ergebnis einer von der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte bei der Wiener Wirtschaftsexpertin und Politikberaterin Agnes Streissler in Auftrag gegebenen Studie. Der Hintergrund: Dass Österreich im Vergleich zu anderen Staaten zu viele Spitalsbetten, zu viele Patienten in den Ambulanzen und zu viele stationär aufgenommene Kranke in den Spitälern aufweist, ist in Expertenkreisen ziemlich unbestritten. Von 1.000 Österreichern kommen 265 zumindest einmal jährlich ins Spital. Im OECDSchnitt sind es nur 158 je 1.000 Einwohner, in Kanada nur 84. Die Ärztekammer propagiert deshalb ein Hausarzt- oder „Vertrauensarztmodell“: Die Krankenversicherten

sundheitswesen gewählt haben, so handelt es sich um mehr als acht Millionen Fälle.“ Die Expertin verweist in dem Gutachten auf die Berechnungen der Krankenhäuser, wonach ein Ambulanzbesuch im Durchschnitt 89 € kostet, während laut Leistungskennzahlen der Sozialversicherung ein durchschnittliches Arzthonorar knapp 50 € betrage. Streissler: „Einfache Multiplikati-

sollen nicht mehr direkt und ungezielt Fachärzte und Spitalsambulanzen ansteuern, sondern freiwillig erklären, zunächst einmal einen Arzt ihres Vertrauens aufzusuchen. Dieser soll quasi das gezieltere Management übernehmen.

Einfache Rechnung Streissler hat nun die wahrscheinlichen Konsequenzen der Umsetzung eines solchen Modells abzuschätzen versucht. „Österreich gibt im ambulanten Bereich pro Kopf etwa zehn Prozent weniger aus als Dänemark, Belgien oder Schweden, aber dafür um mehr als ein Drittel mehr im stationären Bereich“, schreibt sie. Eine auch nur geringe Veränderung des Zugangs der Patienten zu den medizinischen Einrichtungen der Spitäler würde laut Schätzung der Expertin deutliche Einsparungen bringen. Streissler: „Im Jahr 2009 gab es in Österreich insgesamt über 16 Mio. Ambulanzbesuche. Nehmen wir vorsichtigerweise an, dass nicht 65, sondern nur 50% davon den falschen Zugang zum Ge-

on hat zum Ergebnis, dass selbst bei dieser vorsichtigen Schätzung ein Einsparungspotenzial von 335 Millionen möglich wäre.“ Aus wissenschaftlichen Arbeiten in Großbritannien ließe sich weiters abschätzen, dass 100 Allgemeinmediziner in der niedergelassenen Praxis mehr 25.000 Spitalsaufenthalte weniger und eine weitere Ersparnis von 80 Mio. € bedeuten würde. (APA/iks)

© Techniker Krankenkasse

olitiker sind auch nur Menschen. Und so geht es ihnen, wie uns allen: Sie nehmen sich zu Beginn eines neuen Jahres viel vor. Im Gesundheitswesen bedeutet das meistens (und alle Jahre wieder), dass sich alle überlegen, wie denn zu sparen wäre. Nun ist nicht nur das Rad längst erfunden, es liegen auch seit Jahren Sparkonzepte auf dem Tisch. Also machen die Politiker das, was wir normalen Menschen zum Jahreswechsel auch tun: Sie nehmen sich Dinge vor, die sie sich vor einem Jahr und vor zwei Jahren, usw. auch schon vorgenommen haben, aber eben im Laufe des Jahres gescheitert sind. Im Gesundheitswesen taucht nun eine alte Idee wieder auf, die wie die meisten Ideen recht simpel klingt: Man könnte das Ausgabenwachstum an jenes des BIP koppeln. Dahinter steht der Gedanke, dass die Einnahmen durch Steuern und Sozialabgaben ja auch BIP-abhängig sind. Das Problem: Die Gesundheit der Menschen richtet sich nicht nach Wirtschaftskennzahlen. Im Gegenteil: Gehts der Wirtschaft schlecht, gehts den Menschen auch schlecht. Sie werden krank – durch hohe Arbeitslosigkeit, Angst vor Jobverlust, usw. Also stiegen bisher immer die Gesundheitsausgaben, wenn die Wirtschaft flaute. Der Plan, beides zu koppeln, könnte also fatale Folgen haben.

Wien. Es soll wieder gespart werden im Gesundheitswesen. Die ihre Schuldenbremse verhandelnde Regierungsspitze lässt sich zwar noch keine Details zum anstehenden Sparpaket entlocken. Im Pressefoyer nach dem Ministerrat versicherten Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) am Dienstag aber, dass die Gespräche gut liefen, der ÖVP-Chef sah Annäherungen vor allem in den Bereichen Pensionen und Gesundheit.

© APA/Roland Schlager

MARTIN RÜMMELE

Hausärzte sollen dem Gesundheitssystem sparen helfen, sagen Experten.


HE A LT H: C A R E

Freitag, 13. Jänner 2012

healtheconomy – 33

Investitionen Während der Bund im Gesundheitswesen sparen will, schütten die Länder weiter das Füllhorn aus

healtheconomy-Umfrage zeigt: Länder reduzieren Krankenhaussektor keineswegs. MICHAEL STRAUSZ

Durch demografischen Wandel wird Umwelt zu einem knappen Gut.

Wien. Die Weltbevölkerung wächst; mit zehn Milliarden Menschen bis Ende des Jahrhunderts wird gerechnet. Gleichzeitig werden die Menschen älter und bleiben länger in Pension. Laut einer Studie des Versicherungskonzerns Allianz benötigt eine alternde Gesellschaft mehr Kapital, da sie Arbeit vermehrt durch Kapital ersetzen müsse. Profiteure dieser Entwicklungen seien vor allem der Gesundheits- und Umweltsektor. Mit höherem Wohlstand nehme der Konsum von qualitativ hochwertigeren Gesundheitsleistungen zu, durch Klimawandel, steigende Rohstoffpreise und den Handel mit Verschmutzungsrechten bekomme der Verbrauch von Umwelt einen Preis.

© Land Oberösterreich/Roswitha Schimpl

Wien. Allein 292 Mio. € investiert der Wiener Krankenanstaltenverbund (Wien KAV) heuer in Um- Aus- und Neubauten. Neu wird etwa das Kaiser-Franz-Josef-Spital gebaut. Anfang 2012 wird der Wirtschaftshof fertiggestellt, der künftig sämtliche Ver- und Entsorgungsbereiche, dass Abfallmanagement, das neue Sterilisations-Aufbereitungszentrum sowie die Apothekenpartnerschaft Süd unter einem Dach vereinen wird. 2012 werden im Sozialmedizinischen Zentrum Süd insgesamt 51,6 Mio. € investiert. In die Erweiterung und Modernisierung der Krankenanstalt Rudolfsstiftung fließen 33,1 Mio. €. Die Bauarbeiten des Krankenhaus Nord gehen in die nächste Phase: 2012 ist Grundsteinlegung und auch der Rohbau und die Detailplanungen beginnen, dabei werden 80,3 Mio. € investiert. Die NÖ Landeskliniken planen Gesamtinvestitionen von 239 Mio. €, davon sind 49 Mio. für den laufenden Betrieb (medizinische Geräte und Anlagen) vorgesehen. Die Bauinvestitionen fließen in die Spitäler Baden, Mödling, Mistelbach, Melk und Scheibs, die Fertigstellung Waidhofen/Ybbs, den Baubeginn des Logistikzentrums Wr. Neustadt, den letzten Bauabschnitt in Amstetten, den Umbau in Hainburg und die bauvorbereitenden Maßnahmen in Neunkirchen. Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (Kages) investiert 144 Mio. €. in laufende Objekte. Wichtigstes Bauvorhaben ist das LKH Universitätsklinikum Graz. Hier fließen in den kommenden Jahren in die Sanierung und Erweiterung der Chirurgie 252 Mio. €. Dazu kommen 31 Mio. für die Errichtung der neuen Blutbank und weitere 30 Mio. € für die neue

Vorsorge und Verbrauch von Umwelt

© dpa/A3250 Oliver Berg

Länder bauen ihre Spitäler heuer um 980 Mio. € aus

SHORT

Österreich hat die höchste Spitalsdichte Europas und die teuersten Kliniken. Dennoch investieren die Länder weiter.

Zahnklinik. Im LHK Leoben werden insgesamt fast 100 Mio. € investiert, in den Spitalsverbund Judenburg-Knittelfeld fließen in den Abschluss der Generalsanierung am Standort Knittelfeld 11 Mio. €.

Zunehmender Bedarf Knapp 50 Mio. € fließen in den gesamten „Eltern-Kinderschwerpunkt“ am Universitätsklinikum Salzburg. Allein 25,8 Mio. entfallen auf das Kinderzentrum – es werden 5.460 m! Nutzfläche neu errichtet bzw. im Bestand saniert. „Die steigenden Patientenzahlen dokumentieren sehr klar den zunehmenden Bedarf, dem Salzburg mit dem Kinderschwerpunkt am LKH Rechnung trägt“, so Salk-Geschäfts-

führer Burghard von der Vorst. So wurden im Vorjahr an den Unikliniken für Kinder- und Jugendheilkunde und Kinderchirurgie mehr als 9.000 Kinder stationär und fast 50.000 ambulant behandelt. Heuer werden neben dem Kinderzentrum für die Fertigstellung der Chirurgie West II (Eröffnung im Mai) und das AKS 49,1 Mio. € investiert. Außerdem ist eine Ausweitung des Salk-Mitarbeiterstands von rund 150 Vollzeitäquivalenten vorgesehen. Am exaktesten wird in der OÖ Gesundheits- und Spitals-AG gerechnet: „Wir investieren insgesamt 57.877.706 €“, berichtet Pressesprecherin Jutta Oberweger auf Anfrage. Davon fließen 8,59 Mio. in die Sanierung des historischen

Altbaus der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg, 5,23 Mio. in die Generalsanierung des LKH Kirchdorf, 5.218.377 € in die Sanierung des LKH Steyr und 4.552.366 € in das LKH Bad Ischl.

Genesungsprozess und Wohlfühlfaktor Wien. 66% der Österreicher ziehen Privatspitäler den öffentlichen Krankenhäusern vor. Zu diesem Ergebnis kam eine kürzlich durchgeführte repräsentative Studie. Etwa 20% der Bevölkerung sind privat krankenversichert – in der Hoffnung auf eine bessere medizinische Versorgung und aus der Befürchtung heraus, dass die gesetzlichen Krankenkassen ausfallen könnten. „Der Wohlfühlfaktor hat einen unschätzbaren Einfluss auf den Genesungsprozess“, ist Walter Ebm überzeugt, CEO der Wiener Privatklinik mit der Philosophie „Modernes Pflegemanagement kombiniert Kompetenz mit Menschlichkeit“.

S P ITA LS INV E ST ITIO NE N 2 0 1 2

Spitalsgesellschaft KAV (Wien) Landesklinikenholding NÖ Kages (Stmk) Tilak (Tirol) Gespag (OÖ) Vinzenz Gruppe (W, OÖ) Salk (Sbg) Kabeg (Ktn) KHBG (Vlbg) Krages (Bgld)

Investition in Mio. € 292,0 239,0 144,0 67,9 57,8 56,7 49,1 32,0 30,0 11,5

Quelle: Medianet

Studie Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO ortet Deregulierungs- und Einsparungsmöglichkeiten im Arzneihandel

Neue Debatte um Apothekenliberalisierung rer von dm drogerie markt, sieht in dieser Analyse die Forderung seines Unternehmens nach einer Liberalisierung im Vertrieb der rezeptfreien Arzneimittel bestätigt: „Pharmaindustrie, Pharmagroßhandel und Apotheker haben ein gemeinsames Interesse an möglichst hohen Preisen. Mehr Wettbewerb im Vertrieb würde automatisch den Druck auf die Hersteller erhöhen und so zu besseren Prei-

Eine Marktöffnung bei den Apotheken ist weiterhin heftig umstritten.

sen für die Konsumenten führen. Und ein Wettbewerb zwischen einzelnen Vertriebsformen – beispielsweise zwischen Drogerie und Apotheke – würde sich nicht nur beim Preis, sondern auch bei der Kundenorientierung positiv auswirken“, ist Bauer überzeugt. Seit rund einem Jahr steht dm in einer Kooperation mit der Schweizer Versand- Apothekenmarke „Zur Rose“: Über 500 in Österreich zugelassene Original-Markenarzneimittel namhafter Hersteller werden hier mit Preisvorteilen von bis zu minus 40% an Kunden in Österreich verschickt. Medikamente sind in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern der Europäischen Union billig, kontert hingegen die Apothekerkammer. Das belege eine aktuelle Studie des Instituts für Pharmaökonomische Forschung. Der Arzneimittelverkaufspreis pro Packung liegt in Österreich bei 16,62 € inkl. Mehrwertsteuer. In Deutschland kostet eine Packung Arzneimittel durchschnittlich gleich 11 € mehr als in Österreich, nämlich 28,01 €, in Dänemark gar 38,20 €. (iks)

© APA/Georg Hochmuth

kritisieren die Wirtschaftsforscher. „Da der Beratungsbedarf und das Schutzbedürfnis der Konsumenten wesentlich geringer sind als bei rezeptpflichtigen Medikamenten, könnte der Vertrieb dieser Selbstmedikationspräparate ohne Qualitätsverlust weitgehend freigegeben werden. Die zu erwartenden Preissenkungen wären substanziell“, prognostiziert das WIFO. Harald Bauer, Geschäftsfüh-

© Franz Neumayr

Wien/Salzburg. In einer aktuellen Studie beschäftigt sich das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) mit der „Rolle der Wettbewerbspolitik in der Inflationsbekämpfung“. Neben dem Energiebereich sieht das WIFO vor allem bei rezeptfreien Arzneimitteln (OTC) die Möglichkeit, durch Deregulierung mehr Preiswettbewerb zugunsten der Konsumenten zu erzeugen – in einem Ausmaß, das bereits kurzfristig inflationsdämpfende Effekte bewirken würde: „Nicht rezeptpflichtige Arzneimittel, die in Österreich ausschließlich über Apotheken abgegeben werden, sind ein weiterer Markt, dessen Deregulierung ohne Qualitätsverlust substanzielle Preissenkungen erwarten lässt“, heißt es in einer aktuellen WIFO-Aussendung. „Das hohe Preisniveau resultiert aus den nationalen Regulierungsbedingungen: Durch eine durchgehende Regulierung der Wertschöpfungskette vom Fabriksabgabepreis über den Großhandelspreis bis zum Apothekerabgabepreis ist die Preisbildung den Marktkräften entzogen“,

Streitigkeiten in der Kärntner Regierung

Die FPK will Gerhard Dörfler für das Gesundheitsressort.

Klagenfurt. Das Gesundheitssystem wurde nicht nur von der Kärntner SPÖ zum wichtigsten Thema 2012 erklärt, sondern sorgt weiterhin für Zünsstoff in der Landesregierung. Während die SPÖ das Gesundheitssystem „aus der Umklammerung der FPK-ÖVP-Koalition“ befreien will, befindet FPK-Klubobmann Kurt Scheuch, das Gesundheitsressort wäre bei Landeshauptmann Gerhard Dörfler besser aufgehoben, die Kritik des neuen SPÖ-Chefs und Gesundheitslandesrats Peter Kaiser am neuen Kabeg-Gesetz sei nur parteipolitisch motiviert.


34 – healtheconomy

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© Rudolfiner-Verein/APA-Fotoservice/Schedl

Instrument des Risikomanagements

P HA R MA R E P OR T: L I F E S C I E NC E

Freitag, 13. Jänner 2012

Serie Burn-out Teil 3 Welche Rolle die Ernährung und der Darm in Krisensituationen onen one n spie sspielen pielen pie len

Neuer Brennstoff hilft gegen Krise Burn-out ist nicht nur ein Stressthema, sondern hat viel mit Ernährung zu tun.

Neues Badner Landespflegeheim St. Pölten. In Baden soll ein neues Landespflegeheim gebaut werden, 23,5 Mio. € werden in den neuen Standort bis zur Fertigstellung 2014 fließen. Das Neue Landespflegeheim soll Platz für 116 Heimbewohner und sechs Plätze für Wachkoma-Patienten bereitstellen, 42 Plätze werden für Übergangspflege nach Krankenhausaufenthalten und 60 Plätze in Betreuungsstationen geschaffen. Die Nähe des neuen Standorts zum Krankenhaus schaffe viele Synergieeffekte im medizinischen und Verwaltungsbereich, wie Landesrätin Barbara Schwarz betont; der Neubau des Pflegeheims sichere außerdem Jobs im Baugewerbe und bringe zusätzliche Arbeitsplätze im Sozial- und Gesundheitsbereich.

© stockxpert

Österreicher arbeiten trotz Krankheit

Die Arbeiterkammer fordert Kündigungsschutz im Krankenstand.

Linz. Die Krankenstandsquote in Österreich ist zurückgegangen: von 4,8% im Jahr 1980 auf 3,5% im vergangenen Jahr. Befragungen für den „Arbeitsgesundheitsmonitor“ der Arbeiterkammer Oberösterreich ergaben, dass 40% der Arbeitnehmer nicht zuhause bleiben, obwohl sie sich krank fühlen. 59% gaben an, ihre Kollegen nicht im Stich lassen zu wollen, 36%, dass ihre Arbeit sonst liegen bleibe und 15% fürchteten einen Jobverlust. Die Arbeiterkammer will deshalb einen Kündigungsschutz im Krankenstand, ganz besonders für jene, die durch Arbeit krank geworden seien.

Allergosan-Chefin Anita Frauwallner ist überzeugt, dass der Darm eine wichtige Rolle in der Burn-out-Prävention spielt.

bezeichnet werden. Bestimmte Nahrungsbestandteile, aber auch Nahrungsergänzungsmittel, wie etwa Probiotika, tragen zur Stärkung der Darmflora bei. Ebenfalls Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt Ökopharm-Geschäftsführer Norbert Fuchs. „Wir wissen aus neuen Forschungen, dass oxidativer Stress – also ein Übermaß an freien SauerstoffRadikalen – dazu führt, dass die Zellen quasi eine Ladehemmung haben. Das bedeutet, dass die Zelle das Energieangebot nicht umsetzen kann.“ Einfacher formuliert: Jede Zelle hat zur Energiegewinnung eigene „Kraftwerke“, die Mitochondrien. Nehmen diese zu wenig Energie aus der Nahrung auf, bringt es wenig, zusätzlich

Generika I Weltmarktführer integriert Zukäufe aus Vorjahren

Nahrung zuzuführen. Fuchs: „Es braucht kein zusätzliches Brennholz, sondern Zündhilfen.“ Im Fall eines Burn-out mache es deshalb Sinn, ärztlich austesten zu lassen, welche Nahrungsmittel dafür die richtigen sind.

sium zugeführt, so holt er es sich aus seinen Reserven, solange der Vorrat reicht. Der gemessene Magnesiumgehalt im Blut bildet die tatsächliche Situation also nur bedingt ab“, warnt Fuchs. Seine Rechnung: „Etwa 24 Gramm Magnesium haben wir im Körper, etwa 375 Milligram benötigt unser Körper pro Tag, muss also zugeführt werden.“ Habe sich ein Defizit herausgebildet und sei der Körper bereits an seine „Spareinlagen“ gegangen, müsse man Mag-nesium verstärkt zuführen. „Es reichen also die 375 Milligramm nicht mehr. Will man diese Menge aber durch normale Lebensmittel zuführen, muss so viel gegessen werden, dass an anderer Stelle wieder ein Defizit auftreten kann“, erklärt der Experte.

Hilfe bei Nährstoffdefizit Gibt es allerdings ein massives Defizit an Nährstoffen, ist das nach Ansicht von Fuchs nicht mehr durch normale Ernährung auszugleichen. Etwa 50 bis 60% des Magnesiums sind Körper in den Knochen gebunden, der Rest findet sich in verschiedenen Organen und Geweben. Nur rund ein Prozent der Gesamtmenge ist im Blut gelöst. „Wird dem Körper zu wenig Magne-

Generika II Kartellbehörden stimmen Zukuft nicht ganz zu

Teva tauscht das Management aus Stada reduziert Transaktionsdeal Jerusalem. Der weltweit größte Hersteller von Nachahmermedikamenten, Teva Pharmaceuticals, wechselt seinen Chef aus. CEO Schlomo Janai habe sich entschlossen, im Mai eine neue Phase seiner Karriere einzuläuten, teilte die Mutter der deutschen Ratiopharm mit. Sein Nachfolger wird der frühere Bristol-Myers-Squibb-Manager Jeremy Levin. Der israelische Konzern ist derzeit dabei, seine zahlreichen Zukäufe der vergangenen Jahre effektiv zu integrieren und neue Wachstumsfelder zu erschließen. Unter der fünfjährigen Ägide des 59-jährigen Janai kletterte der Umsatz des Generika-Herstellers von 8,4 Mrd. USD auf erwartete 22 Mrd. USD (17 Mrd. €) in diesem Jahr. Der Konzern hat inzwischen einen Börsenwert von 36 Mrd. USD an der Nasdaq. In Tel-Aviv legte die Aktie am Montag mehr als drei Prozent zu, die US-Börsen blieben wegen Neujahr geschlossen. Der 58-jährige Levin verfüge über 25 Jahre Erfahrung in der Branche, hieß es bei Teva. Gute Medikamente zu erschwinglichen Preisen anzubieten, gestalte sich angesichts demografischen Entwicklung und der

wirtschaftlichen Schwierigkeiten sowohl in Industrie- als auch in Schwellenländern zunehmend schwierig, erklärte Levin. „Teva mit seinen Generika, Markenprodukten und frei verkäuflichen Medikamenten ist in einer überaus guten Position, diese Herausforderungen zu meistern.“ Im März wechselt der Konzern zudem seinen EuropaChef aus: Rob Koremans von Sanofi übernimmt den Posten von Gerard van Odijk.

Der israelische Generikariese Teva strukturiert sich um.

Frankfurt. Der deutsche Pharmakonzern Stada ist vom Kauf eines Markenportfolios des Konkurrenten Grünenthal für Mitteleuropa zurückgetreten. Stada teilte mit, das vertragliche Rücktrittsrecht sei ausgeübt worden, nachdem die Kartellbehörden der Transaktion nicht bis zum vereinbarten Stichtag 31. Dezember zugestimmt hätten. Damit reduziere sich der gesamte Kaufpreis der Grünenthal-Aktivitäten, zu denen nun noch Marken und Vertriebsstrukturen für Osteuropa und den Nahen Osten gehören, von 360 auf 152 Mio. €. Im Mai hatte Stada angekündigt, das Arzneimittelpaket mit 14 Präparaten vom Rivalen Grünenthal zu erwerben. Die Eigen- und Lizenzmarken, darunter vor allem patentfreie Schmerzmittel, würden in vielen Märkten Mittel- und Osteuropas sowie im Nahen Osten vertrieben. Dafür und für einen geplanten kleineren Zukauf in der Schweiz hatte Stada über Schuldscheindarlehen insgesamt 400 Mio. € aufgenommen. Dem Unternehmen macht der Spardruck in den Gesundheitssystemen vieler Länder zu schaf-

fen. Durch den Ausbau des Auslandsgeschäfts vor allem in Osteuropa will Stada seine Abhängigkeit vom Kerngeschäft mit Nachahmermedikamenten in Deutschland reduzieren. Zuletzt hatte es aber in Serbien einen Rückschlag gegeben: Wegen neuer Zahlungsschwierigkeiten dortiger Großhändler hatte Stada für das dritte Quartal 97 Mio. € an außerplanmäßigen Abschreibungen und Wertminderungen vor Steuern angekündigt.

© Stada

Wien. Das vor zwei Jahren gestartete Fehlerberichts- und Lernsystem CIRSmedical der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) wurde vom Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen positiv evaluiert. Seit November 2009 wurden 161 Berichte veröffentlicht, 61.000 Zugriffe seien ein deutliches Indiz für das Interesse an CIRSmedical. Die ÖÄK sieht CIRSmedical als Instrument des Risikomanagements. Die Teilnahme ist freiwillig, gemeldet werden Fehler, BeinaheFehler und kritische Ereignisse.

Graz/Wien. Anita Frauwallner ist überzeugt: der Weg aus dem Burnout führt über den Darm. Die Vorsitzende der Österreichischen Gesellschaft für probiotische Medizin und Geschäftsführerin des Grazer Instituts Allergosan untermauert ihre Überzeugung mit Untersuchungen, die belegen, dass Depressionen oder ein Burnout „immer dann entstehen, wenn es Entzündungen im Darm gibt“. Es gebe im Gehirn und dem Darm dieselben Neuronen und Substanzen. Würden im Darm bei Bakterien Membranproteine aufgelöst, führe das zu Entzündungen. „Die Bakterien melden ans Hirn, dass etwas nicht in Ordnung ist und das löst wiederum psychische Reaktionen aus. Das kann Müdigkeit sein, aber auch eine Depression oder gar ein Burn-out.“ Auslöser für die Entzündungen kann Stress sein, aber auch falsche Ernährung. Frauwallner: „Farbstoffe in Lebensmitteln, Pestizide, Emulgatoren oder Konservierungsstoffe schädigen die Bakterien im Darm. Konservierungsmittel in Lebensmitteln sollen ja das Wachstum von Bakterien generell verhindern. Sie unterscheiden aber nicht zwischen guten und schlechten Bakterien.“ Der Weg zurück führe deshalb über den Darm. „Wir müssen entzündungshemmende Zytokine produzieren; das können aber nur Darmbakterien“, weiß die Expertin. Zytokine sind Proteine, die das Wachstum und die Differenzierung von Zellen regulieren. Einige Zytokine werden als Wachstumsfaktoren bezeichnet, andere spielen eine wichtige Rolle für immunologische Reaktionen und können dann als Mediatoren

© Teva

Ärztekammerpräsident Walter Dorner lobt Fehlersystem CIRS.

© Allergosan

MARTIN RÜMMELE

Stada will das Geschäft in Osteuropa weiter ausbauen.


ME D I Z I N TE C HN I K : E-H E A LTH

Freitag, 13. Jänner 2012

E-Medikation Trotz Widerstand der Ärztekammer war der Testlauf für Arzneikontrollen laut Hauptverband positiv

Kassen mit Test zufrieden Ergebnisse des Pilotprojekts sollen bis April ausgewertet werden. Umsetzung erst mit ELGA-Gesetz. Wien. Eine „durchaus zufriedene“ Bilanz hat der Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Hans Jörg Schelling, über die mit Jahresende ausgelaufenen und lange heftig diskutierten Pilotprojekte zur E-Medikation gezogen: „Trotz des zeitweilig heftigen Gegenwinds und eines durch die Ärztekammer ausgerufenen Projektstopps über den Sommer haben in den drei Pilotregionen knapp 8.000 Patientinnen und Patienten ihre Zustimmung zur Teilnahme abgegeben. Von den rund 100 teilnehmenden Ärzten, den 57 teilnehmenden Apotheken und den fünf Krankenanstalten wurden insgesamt rund 37.000 elektronische Prüfungen auf Wechselwirkungen durchgeführt“, teilte Schelling mit. Der im April in einigen Bezirken in Tirol, Oberösterreich und Wien gestartete Pilotbetrieb endete wie geplant mit Ende Dezember. Konkret ging es in dieser Testphase um die Vernetzung und elektronische Kommunikation zwischen Ärzten, Apothekern und Krankenanstalten über die Medikation eines Patienten. Nicht nur vom Arzt verordnete, sondern auch in der Apotheke rezeptfrei erworbene Arzneimittel wurden dabei berücksichtigt. „Großen Nutzen“ brachte dabei laut Hauptverband die Medikationsübersicht. Ärzte können

© APA/Harald Schneider

INA KARIN SCHRIEBL

Rund 8.000 Patienten nahmen am „Pilotversuch E-Medikation“ teil.

damit Doppelverordnungen vermeiden und Patienten vor Wechselwirkungen von Medikamenten verschont werden.

Einfache Rechnung Die im Pilotbetrieb gesammelten Erfahrungen werden nun von der Medizinischen Universität Wien wissenschaftlich evaluiert und die Daten in anonymisierter Form statistisch ausgewertet. Der Evaluie-

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rungsbericht wird voraussichtlich im April 2012 zur Verfügung stehen und die Grundlage für einen flächendeckenden österreichweiten Einsatz der E-Medikation bilden. Ohne den Auswertungen der wissenschaftlichen Evaluierung vorgreifen zu wollen, konnten nach Angaben des Hauptverbands bereits einige wichtige Erkenntnisse gewonnen werden: „Nur, wenn alle Gesundheitsdienstleister mitmachen, können wir gefähr-

liche Lücken verhindern und das volle Potenzial von E-Medikation nutzen. Im Pilotbetrieb haben wir festgestellt, dass eine Opt-in Variante für alle Beteiligten nicht praktikabel ist“, beharrt Schelling auf der geplanten „Opt-out“-Regelung, wonach jeder automatisch dabei ist, der nicht widerspricht. Auch für Apotheken wird nach Auffassung Schellings eine integrierte Software-Lösung notwendig sein, um die E-Medikation effizient in die bestehenden Abläufe einbinden zu können. Um Lücken in der Medikation vermeiden zu können, müssten Krankenanstalten „lesend und schreibend in das System“ eingebunden werden. Schelling verweist auch auf das noch ausständige ELGA-Gesetz, das für einen österreichweiten Rollout notwendig ist. Die Akzeptanz bei Ärzten, Apothekern und Patienten hänge davon ab, dass gesetzliche Rahmenbedingungen praxistaugliche Lösungen erlauben. Für teilnehmende Patienten bedeutet das Ende des Pilotbetriebs, dass die E-Medikation ab 1. Jänner nicht mehr in Anspruch genommen werden kann. Eine Abmeldung von der E-Medikation ist nicht notwendig, die Teilnahme endete automatisch mit 31. Dezember. Die gesammelten Daten werden nur in anonymisierter Form für statistische Auswertungen verwendet und können nicht mehr auf eine bestimmte Person zurückgeführt werden.

healtheconomy – 35

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Plattform von General Electric und Microsoft Boston. „Ein Problem im Gesundheitswesen ist, dass es so viele verschiedene Ärzte gibt und daher viele Informationen, die zusammengeführt werden müssen“, sagte Michael Simpson von General Electric (GE). „Dafür gibt es bisher noch keinen Ort.“ Mit einer Plattform für die zentrale Speicherung von Patientendaten will das Joint Venture, an dem die US-Konzerne GE und Microsoft zu gleichen Teilen beteiligt sind, einen solchen Ort entwickeln. Der Firmensitz der Tochtergesellschaft soll in der Nähe des Microsoft-Sitzes in Redmond im US-Staat Washington angesiedelt werden.

Energieeffizienz und Komfort in einem Wien. Die ghost.company und die Elektroinstallationsfirma Siblik haben eine Website entwickelt, die bei der Planung eines energieeffizienten Hauses alle notwendigen Informationen geben soll. Im Zentrum von www. geht-doch.at steht ein 3D-visualisiertes Beispielhaus, das alle Phasen von der Planung bis zum optimal ausgestatteten Gebäude visualisiert. Ein erklärter Schwerpunkt der renommierten Werbeagentur ghost.company ist der Gesundheitsbereich.

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ME N S C HE N & KA R R I E R E N

36 – healtheconomy

Freitag, 13. Jänner 2012

Aktuelle Daten Präsentation des „Jahrbuch der Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft in Österreich 2011“

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Das zweitteuerste System

Tumorboard kam 1.000 Krebspatienten zugute

Diskussion „Ziel bis 2020: Fünf gesunde Lebensjahre mehr – welche Reformansätze es braucht“. © KBB St. Veit/Glan

Wien. Ende 2011 präsentierten das Pharmaunternehmen Sanofi und die Wirtschaftskammer Österreich das „Jahrbuch Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft in Österreich 2011“ im Presseclub des Parlaments. Es bietet einen Überblick über aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen, Erfolge und Niederlagen im vergangenen Jahr sowie über die bedeutendsten Player der österreichischen Gesundheitspolitik und -wirtschaft. Im Anschluss fand die Podiumsdiskussion „Ziel bis 2020: Fünf gesunde Lebensjahre mehr – welche Reformansätze braucht unser Gesundheitssystem?“ statt. Es diskutierten Roman Gamerith, Geschäftsführer Sanofi Österreich, Martin Gleitsmann, Abteilungsleiter für Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer, sowie Jürgen Pelikan, Key Researcher

Primar Jörg Tschmelitsch, Ärztlicher Direktor im Krankenhaus St. Veit.

St. Veit. 1.000 Behandlungen von Patienten hat der interdisziplinäre Onkologieausschuss am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan seit Einführung des Tumorboards vor zehn Jahren besprochen: Experten aus Chirurgie, Interne, Gynäkologie, Radiologie, Anästhesie und Palliativmedizin besprechen wöchentlich die Fälle der zu behandelnden Patienten und erstellen einen Behandlungsplan nach internationalem Standard.

TÜV zertifiziert Haus der Barmherzigkeit

am Ludwig Boltzmann Institute Health Promotion Research. Dabei wurde Kritik laut: Viele Reformen in Österreich dauerten zu lange, etwa der Prozess zur Definition der Rahmen-Gesundheitsziele. Bis diese festgelegt und implementiert seien, würden noch Monate vergehen. Und die Pharmaindustrie sei aus wesentlichen Diskussionen ausgeschlossen.

Enorm hohe Ausgaben Tatsache sei aber, dass Österreich das zweitteuerste Gesundheitssystem in der EU habe – es werde um fast 55% pro Kopf und Jahr mehr ausgegeben als andernorts. Dennoch hätten die Österreicher eine deutlich geringere Aussicht von nur 59,4 gesunden und beschwerdefreien Lebensjahren im Vergleich zu 60,7 Jahren des EU-Durchschnitts. Hier müssten Änderungen ansetzen.

© sanofi-aventis

ANDREAS FEIERTAG

Wiener Charme Am 21. Jänner tanzen die Apotheker

Präsentation des Buchs (v.li.): M. Gleitsmann, J. Pelikan, R. Gamerith, I. Windisch.

Neuwahlen ARGE Selbsthilfe wählte Bundesvorstand

Ball der Pharmacie feiert Jubiläum Wolf Dorner ist der neue Chef

Stimmungsvoll findet am 21. Jänner der Ball der Pharmacie in der Hofburg statt.

Deniz Tschammler: Korruptionsprävention im Verhältnis von Pharmaindustrie zu Fachkreisen: Rechtlicher Rahmen und Selbstkontrolle. 2011, Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften, 508 Seiten, ISBN-13: 978-3838118482, 128 €.

© ARGE Selbsthilfe Österreich

Neuer Bundesvorsitzender der ARGE Selbsthilfe Österreich: Wolf Dorner.

Thomas Szucs neuer Aufsichtsratvorsitzender bei Intercell

© privat

Umst Umstrittenes Thema Die Koop Kooperation pharmazeutischer Unte Unternehmen mit Angehörigen Gesu der Gesundheitsberufe, insbesondere sond mit Ärzten, ist in ihren zahl zahlreichen Facetten elementare Basi für die Funktionsfähigkeit Basis des öffentlichen Gesundheitssyst systems. Sie bietet jedoch zugleich Nischen für korrupte zugl Akti Aktivitäten, die eine Bedrohung für die Finanzierbarkeit der Krankenk kenkassen und die Lauterkeit des Phar Pharmawettbewerbs darstellen, sagt der Buchautor und Rechtsexperte expe Deniz Tschammler. Die Prob Problematik hat in den beiden verg vergangenen Jahrzehnten zu eine mehrstufigen Noreinem mengeflecht geführt, das von meng staatlichen Präventionsbestrestaa bung über die verbandliche bungen Selb Selbstregulierung bis hin zu Harm Harmonisierungsmaßnahmen europäis päischen Richtliniengebers reicht. Daraus lassen sich nicht nur Rückschlüsse des europäischen auf Compliance-Anforderungen in der pharmazeutischen Industrie ziehen, die Aufschlüsselung der EU-Rechtslage gibt auch Anlass zu Reformüberlegungen. (iks)

Austria), Helga Thurnher (Selbsthilfe Darmkrebs Österreich) und Theo Koller (Dachverband Selbsthilfe Kärnten). (fei)

MENSCHEN, ÜBER DIE MAN SPRICHT

© FH Joanneum

© Südwestdeutsche Verlag

für Hochschulschriften

BUCH-TIPP

Wien. Die konstituierende Bundesgeneralversammlung der ARGE Selbsthilfe Österreich wählte ihren Vorstand für die Funktionsperiode bis 2013: Als Bundesvorsitzender wird Wolf Dorner den Strukturaufbau der Bundesvertretung leiten. „Vorrangiges Ziel ist eine starke Lobbyarbeit für die Selbsthilfe“, betonte Dorner: „Es geht darum, die Rahmenbedingungen für die Selbsthilfe auf Bundesebene zu verbessern und die Selbsthilfe als Teil des Gesundheitssystems nachhaltig zu verankern.“ Neben Dorner als Bundesvorsitzender wurden weiters in den Vorstand gewählt: Sabine Geistlinger (Dachverband Selbsthilfe Salzburg), Renate Gamsjäger (Dachverband Selbsthilfe Niederösterreich), Rudolf Stimmeder (Aktive Diabetiker

Wien. Er ist Professor für Pharmazeutische Medizin und Direktor des Europäischen Zentrums für Pharmazeutische Medizin an der Universität Basel. Und jetzt ist Thomas Szucs auch noch zum neuen Aufsichtsratvorsitzenden der Intercell AG bestellt worden – in dieser Funktion löste er Michel Gréco ab, der das Amt fünf Jahre innehatte. „Die Wahl ist eine große Ehre für mich. Ich freue mich darauf, zusammen mit meinen geschätzten Kollegen im Aufsichtsrat und der Geschäftsführung von Intercell am zukünftigen Erfolg des Unternehmens zu arbeiten“, erklärte Szucs, der darüber hinaus auch noch Professor und Lehrbeauftragter für Medizinische Ökonomie an der Universität Zürich und Honorarprofessor der Universität Peking ist. Szucs studierte Medizin und Wirtschaft. (fei)

MOENIE VAN DER KLEYN, STUDIENGANGSLEITERIN FH JOANNEUM

Die gebürtige Niederländerin Moenie van der Kleyn ist neue Studiengangsleiterin des Studiengangs „Hebammen“ an der FH Joanneum Graz. Sie hat ihre Hebammenausbildung in Rotterdam absolviert und ist seit 1991 als Hebamme in Österreich tätig. Van der Kleyn leitet seit 2006 die steirische Landesgeschäftsstelle des Österreichischen Hebammengremiums, ist Mitglied des Fachbeirats des Geburtenregisters und Mitglied der Österreichischen Stillkommission.

TH O MA S WI N KLE R , L EI TE R DE S RE FLUX Z E NTRU MS DÖ BL I NG

Das Ambulatorium Döbling hat ein neues Refluxzentrum eingerichtet. Leiter ist Oberarzt Thomas Winkler, Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie. Die neue Ambulanz bietet umfassende Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sowie modernes Untersuchungsrepertoire. „Nach Vorliegen aller Untersuchungsergebnisse wird für den Patienten ein maßgeschneidertes Therapiekonzept erstellt“, führt Winkler aus. „Ziel ist, Beschwerden deutlich zu verbessern oder zu eliminieren.“

© KH Schwarzach

Wien. Dem gemeinnützigen Wiener Haus der Barmherzigkeit wurde als erster Gesundheitsbetrieb in Österreich das TÜVZertifikat für sein BrandschutzManagementsystem verliehen. „Lebensqualität ist Betreuungs- plus Wohnqualität. Dazu gehört selbstverständlich auch Sicherheit für Bewohner und Mitarbeiter“, erklärte Gerald Stohlmann, technischer Direktor des geriatrischen Pflegeheims, das 350 Menschen betreut.

© Foto Fayer

Gerald Stohlmann, technischer Leiter des Hauses der Barmherzigkeit.

ner in der Wiener Hofburg sein 70. Jubiläum. Er ist einer der gesellschaftlichen Höhepunkte im Wiener Fasching für Apothekerinnen und Apotheker, für Gesundheitspolitiker aus dem In- und Ausland sowie Treffpunkt für viele Tanzbegeisterte und Liebhaber des Wiener Charmes. Er bietet eine gelungene Mischung aus traditionellen Walzerklängen, bekannten Standardtänzen, Jazz, Swing und lateinamerikanischen Rhythmen. Die österreichische Abba-Band „The Real Abba Tribute“ lässt zu Mitternacht den Festsaal vibrieren. Zuvor aber gaben sich die Eleven der Ballettschule der Wiener Staatsoper, die Gardemusik und 100 Paare des Jungdamen- und Jungherrenkomitees von Thomas Schäfer-Elmayer ein Stelldichein.

© Thomas Winkler

© Richard Tanzer

Wien. Der Ball der Pharmacie, der zu den stimmungsvollsten und elegantesten Bällen der Wiener Ballsaison zählt, feiert am 21. Jän-

MANFRED MITTERMAIR, NEUER CHIRURGIE-CHEF IN SCHWARZACH

Mit Primar Franklin Genelin wird am 30. April einer der bekanntesten Mediziner Salzburgs in Pension gehen. Seine Nachfolge als Leiter der Unfallchirurgie im Krankenhaus Schwarzach wird voraussichtlich Oberarzt Manfred Mittermair antreten. Er ging aus den Hearings als bestqualifizierter Kandidat hervor, Vertragsverhandlungen laufen derzeit. Mittermair ist 48 Jahre alt, seine Schwerpunkte umfassen die Behandlung von Knieverletzungen und den Bereich Sporttraumatologie.

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healtheconomy - die wöchentliche Berichterstattung über die Gesundheitswirtschaft - jeden Freitag in der Wirtschaftsfachtageszeitung mediane...

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