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4W - Architektur, Gestaltung, Design

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AUS stillstand Wächst veränderung Zum Innehalten gezwungen, den Blickwinkel verändert, Prioritäten verschoben, vieles neu bewertet. Die Zukunft hat ihre Richtung verändert. Oder? Das viel zitierte Umdenken, angestoßen durch die wohl einschneidendste globale „Krise“ der letzten Jahrzehnte, lässt irgendwie auf sich warten. Der Mensch ist und bleibt ein Gewohnheitstier. Die Billigflieger sind wieder voll, die ersten Kreuzfahrten ausgebucht und die Berge verlieren im Angesicht wieder erlaubter Strandpauschalurlaube auch an Reiz. Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe von 4W ist die Veränderung. Wo findet sie statt, wie findet sie statt und – findet sie überhaupt statt? Was wird getan, um Nachhaltigkeit in der Stadtplanung zu sichern? Welche Projekte legen ihren Fokus nicht nur oberflächlich auf die Erhaltung von Ressourcen, wie begegnen Architekten und Planer aktuell dem Thema Energieeffizienz und -autarkie? Und: Wie verändert sich die Baustoff- und Einrichtungsbranche? Wir haben uns für Sie auf die Reise gemacht: vom außergewöhnlichen PowerhouseHotel am norwegischen Polarkreis über eine Oase auf den Überresten einer Bauruine im chinesischen Tainan bis zum norditalienischen Prototypen eines gedruckten Erdhauses. Anhand aktueller Beispiele zeigen wir auf, wie man dem Problem der Bodenverknappung auch begegnen kann, wie weit Vision und Realität in Sachen städtischer Aufforstung auseinanderklaffen, warum das historische Atrium eine Lösung für künftige Wohnkonzepte sein könnte und welcher Einrichtungsprofi sich für das Ende der Konformität ausspricht. Wir wünschen viel Inspiration, viel Vergnügen und einfach gute Stunden im Zeichen der Veränderung!

ber Veronika Ko


INhalt 04 16 28 36 kraftresort

Svart ist das erste energie­ autarke Hotel der Welt und entsteht über dem nördlichen Polarkreis am Fuße eines ­Gletschers. Wir haben uns umgesehen.

wohn-Talk

Andy Pietrasch von KARE Austria im Gespräch über Interior, Lieblingstrends, Dogmen und das Ende der Konformität.

verSpiegelt

Accessoire, Möbelstück oder Kunstwerk? Die schönsten und außergewöhnlichsten Designerspiegel für jeden Stil und jeden Geschmack.

urbane lagune Wie aus den Überresten einer Bauruine eine städtische ­Oase wird und das chinesische ­Tainan dadurch ein Stück Identität zurückbekommt.

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wannenglück Freistehend oder eingebaut, eckig, rund, oval: Ein Blick in die aktuellen Badewannen­ kollektionen und unsere ab­soluten Designlieblinge.

Szenografie Wie werden Ausstellungen konzipiert, wie Produkte, Dienstleistungen und Objekte passend präsentiert? Zwei Ausstellungsarchitektinnen gewähren Einblick in ihre Arbeit.

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Bodenfrass Grund und Boden wird immer knapper und damit kostbarer. Es ist Zeit, umzudenken und diese wichtige Ressource ernsthaft zu schützen.

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Impressum Medieninhaber, Herausgeber und Verleger: Heise RegioConcept GmbH & Co. KG Franz-Fritsch-Straße 11 A-4600 Wels Tel. 01/89 50 100 office@wohnnet.at Geschäftsführung: Ansgar Heise, Martin Kargl CvD: Harald Gregor Schaumburger Chefredaktion: Veronika Kober Redaktion: Isabella Pils, Veronika Kober Produktionsleitung & Grafik: Mario Ewald Disposition: Hannah Zügner Lektorat: Dorrit Korger Cover: Nahil Naseer/Unsplash Druck: Druckerei Berger | A-3580 Horn Erscheinungs-/Verlagsort: A-1060 Wien Mit PROMOTION gekennzeichnete Artikel sind bezahlte Einschaltungen, für deren Inhalte und Aussagen der Verlag nicht haftbar zu machen ist. Abdrucke, auch auszugsweise, sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages und des Autors gestattet. Gastautoren geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.


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© Snøhetta Plompmozes

Am Fuß des Svartisen-Gletschers, direkt über dem norwegischen ­Polarkreis, entsteht zurzeit ein ­außergewöhnliches Leuchtturm­ projekt. Federführend in der ­Konzeption des Wellnessresorts Svart ist jenes Architekturbüro, das bereits mit dem ersten Unterwasser­res­ taurant der Welt auf sich aufmerksam gemacht hat. 5


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er Name leitet sich aus dem Norwegischen ab und bedeutet so viel wie „Schwarz“ oder „Blau“. Und der Name passt zum Standort des ersten völlig energieautarken Hotels der Welt, am Fuße des in tiefstem Blau schimmernden Svartisen-Gletschers, genauer des Berges Almlifjellet am Fjord Holandsfjorden in der Kommune Meløy. Kjetil Trædal Thorsen, Gründungspartner des norwegischamerikanischen Architekturflaggschiffs Snøhetta und seines Zeichens federführend in der Planung des Ausnahmeprojekts, betont die Hommage an das Naturerbe Svartisen, den zweitgrößten Gletscher auf dem norwegischen Festland: „Durch das Bauen in einer solch kostbaren Landschaft sind wir eine Verpflichtung eingegangen. Wir respektieren die Merkmale dieser wertvollen Umgebung und ihrer einzigartigen Flora und Fauna.“

Maritime Architektur Das Meer lässt sie nicht los, wie es scheint. Nach dem Opernhaus auf einer Osloer Halbinsel und dem ersten unter die Wasseroberfläche ragenden Restaurant der Welt hat Snøhetta nun also ein Powerhouse-Hotel zwischen Gletscher und Nordmeer direkt im Polarkreis konzipiert. Das im Jahr 1989 unter anderem von Kjetil Thorsen und Craig Dykers gegründete Büro für Architektur, Landschaftsgestaltung, Interior und Brand Design mit Zentrale in Oslo und Niederlassungen in New York, San Francisco und Innsbruck, konnte in den vergangenen Jahren viel internationale Aufmerksamkeit erregen und so einige Architekturpreise für seine Werke abräumen. So wurde die Osloer Oper in der Bjørvika-Bucht, die wie eine Eisscholle aus dem Wasser ragt, mit dem Mies van der Rohe Award und dem European Prize for Urban Public Space prämiert. Und „Under“ an Norwegens Südküste, einem an ein Sehrohr erinnernder Betonblock, der imposant fünf Meter ins eisige Wasser abtaucht, ist Europas erstes Unterwasserrestaurant, das nach seiner Eröffnung im Jahr 2019 gleich für mehrere Monate komplett ausgebucht war und inzwischen mehrere Gourmetauszeichnungen für sich verbuchen kann. Doch zurück zum aktuellen Projekt der Norweger: Svart wird von Snøhetta in Zusammenarbeit mit Arctic Adventure of Norway, Asplan Viak und Skanska realisiert. Projekt- und Entwicklungsleiter ist Ivaylo Lefterov von Miris, einem führenden technologieorientierten Immobilienunternehmen, das sich die Nachhaltigkeit auf die Fahnen geheftet

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Space Copenhagen Interior Design

„Die Ästhetik unseres Designs

© Snøhetta Plompmozes | wichmann+bendtsen

versucht nicht, die Schönheit der norwegischen Landschaft zu imitieren oder zu filtern, sondern soll bescheidene Kulisse dafür sein.“ Peter Bundgaard und Signe Henriksen

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Kjetil Trædal Thorsen Snøhetta „Es war uns wichtig, ein nachhaltiges Gebäude zu entwerfen, das einen minimalen ökologischen Fußabdruck in dieser wunderschönen nördlichen Natur hinterlässt.“

hat. Miris hat das Projekt vom lokalen Eigentümer übernommen, der sich für den Ort ein nachhaltiges, funktionierendes Konzept wünschte, dem aber, wie Lefterov es in einem Interview formuliert, „die guten Ideen gefehlt haben“.

Konsequenter Ökozyklus Architektur, Materialwahl und Design sorgen dafür, dass der jährliche Energieverbrauch von Svart im Vergleich zu einem herkömmlichen, modernen Hotel um circa 85 Prozent reduziert werden konnte. Dazu kommt die Eigenproduktion von Energie durch Photovoltaik, deren Menge den Eigenbedarf sogar übersteigt. Die Nutzung der Sonne scheint auf den ersten Blick nicht die naheliegendste Variante zur Energiegewinnung in einem Land wie Norwegen. Die Architekten haben in zahlreichen Analysen eruiert, wie viel Sonneneinstrahlung im Gebirge tatsächlich nutzbar ist und welchen Ertrag vor allem die langen Sommernächte bringen würden. Gebäudeform und -ausrichtung wurden entsprechend angepasst. Das wie ein Ring angelegte Hotel mit verglaster Front erlaubt die maximal mögliche Nutzung der Sonnenenergie zu

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© Snøhetta Plompmozes | Jeff Gilbert / Alamy Stock Foto

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© Miris and Svart hospitality

jeder Tages- und Jahreszeit und einen imposanten 360-GradFjordblick von sämtlichen Zimmern, Restaurants und Terrassen aus. Maximale Naturnähe inklusive. Das 99 Zimmer und vier Restaurants fassende Gebäude wird vorwiegend aus Holz aus der Umgebung gebaut, auf graue Energie, Bewehrungsstahl und Beton wurde, so weit dies bautechnisch und statisch möglich war, verzichtet. Als optische Vorbilder von Svart dienten den Architekten die traditionellen norwegischen Fischerhütten „Rorbue“, welche früher und zum Teil noch heute von den Fischern als Schlaf- und Essplatz genutzt werden, sowie die „Fiskehjell“, das sind A-förmige, hölzerne Gestelle zum Trocknen von Fisch. Der Landverbrauch und die Versiegelung der umgebenden Natur konnten drastisch reduziert werden, indem das Hotel auf Holzbohlen ins Wasser gestellt wurde. Parkplätze, Tiefgarage und Co fehlen gänzlich – die Gäste werden mittels Elektroshuttle vom Ufer zum Hotel gebracht und zurückgefahren. Die Motoren der hoteleigenen Elektroboote speisen sich dabei aus dem Ertrag der Photovoltaikpaneele, mit denen das komplette Dach der Anlage bebaut wurde. Die Bohlen, auf denen das Hotel steht, dienen im Sommer als Gästepromenade und im Winter zur unkomplizierten Aufbewahrung der Boote und Kajaks.

Ivaylo Lefterov Projektleiter „Die Vision für Svart ist so viel größer als das Projekt selbst; Wir möchten es als Showcase nutzen, um zu zeigen, was im Sinne der Nachhaltigkeit geschaffen werden kann.“

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© Miris and Svart hospitality

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Wie konsequent hier auf den möglichst kleinen Fußabdruck geachtet wurde, zeigt auch die Tatsache, dass besagte Photovoltaikanlage aus norwegischer Produktion stammt. Zudem nutzt das Hotel Geothermitquellen, die an Wärmepumpen angeschlossen sind. Damit wird das Gebäude beheizt und somit der Energieverbrauch des Hotels noch einmal weiter gesenkt.

Prämiertes Designbüro kreiert das Innere Die dänischen Designer Peter Bundgaard und Signe Bindslev Henriksen von Space Copenhagen werden das Innendesign des norwegischen Hotel-, Business- und Wellnessprojekts übernehmen. Das im Jahr 2005 gegründete Studio ist ein Glücksgriff für die Projektbetreiber: „Es war essenziell für uns, einen Design­ partner zu finden, der unsere Vision teilt. Der den Blick und die Möglichkeiten mitbringt, diese außergewöhnliche Schönheit der Natur aufzunehmen und im Inneren zu vervollständigen, und nicht davon abzulenken. Die Nachhaltigkeit, Authentizität, Verbindung zum Menschen und die typisch skandinavische ­Qualität von Peter Bundgaard und Signe Bindslev Henriksen werden das Herz der Svart-Erfahrung. Wir sind absolut begeistert, sie an Board zu haben“, so Ivaylo Lefterov in einem Statement. Einen ersten Einblick in ihre Visionen für Svart hat das Designerduo bereits gegeben. So sei die starke Verbindung der vier Elemente zur nordischen Mythologie Basis für ein ästhetisches, poetisches und ganzheitliches Design, das die taktilen Materialien Stein und Holz aus der Erde, die Transparenz und das Fließende aus dem Wasser, die magische Wärme von Feuer und die flüchtige Immaterialität der Luft vereinen werde. Die beiden Kreativen betonen, dass das Designkonzept dabei aber nicht den Versuch machen wird, die imposante Schönheit der norwegischen Landschaft zu imitieren, vielmehr werde es sich in Demut vor ihr verneigen. Das Gebäude selbst, ein vollständiger, nahtloser Kreis, soll zu einer Art Portal werden, das die Verbindung des Menschen zur Natur und zu den Jahreszeiten hervorhebt. Das kreative Leitmotiv von Space Copenhagen ist der „poetische Modernismus“. Mit seiner Arbeit versucht das Studio, die Balance von Gegensätzlichem mittels neuer Wege zu realisieren. Eine große Rolle spielt dabei die Neugierde, ein natürliches Charakteristikum des Menschen. Eine Transformation ebendieser uns alle innewohnenden Neugierde soll die Gestaltung von Svart ausmachen.

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Umweltbewusst nächtigen und Unvergleichliches erleben: Im Svartisen Glacier Resort er­warten die Besucher atemberaubende Gletscherwanderungen und Nordlichtexpeditionen, Yoga-­ Einheiten in der Mitternachtssonne oder Kajakfahrten auf dem arktischen Gewässer.


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Die Tronsole Typ P ermöglicht die Umsetzung besonderer Projektanforderungen wie umlaufende Luftfugen oder effektvolle Lichtbänder. © Schöck Bauteile GmbH

Sicherer Schallschutz Wien, im Februar 2021. Optimierter Bauablauf bei zuverlässigem Schallschutz: Mit der ­neuen Tronsole Typ P von Schöck lassen sich filigrane Fertigteilpodeste aus Sichtbeton ganz einfach in das bestehende Treppenhaus einheben und direkt begehen. Das vom D ­ IBt ­zugelassene Trittschalldämmelement trägt nicht nur zuverlässig und reduziert den Schall, ­ es eröffnet darüber hinaus Architekten und Planern auch größere Gestaltungsfreiheiten.

U

m Treppenhäuser auf individuelle Weise zu inszenieren, wünschen sich viele Architekten mehr Gestaltungsfreiheit. Mit der neuen Tronsole Typ P erweitert Schöck nun sein bewährtes Schallschutzsystem um ein Produkt, das diesem Wunsch gerecht wird: Das nach DIN 7396 geprüfte Trittschalldämmelement ist für die Fertigteilbauweise optimiert und ermöglicht somit die Ausführung filigraner Sichtbetonpodeste ohne Betonkonsole und erreicht gleichzeitig die Schallschutz­klasse A „hoher Komfort“ nach ÖNORM B 8115-5. Es zeichnet sich durch seine geringe Einbauhöhe sowie eine hohe Tragfähigkeit bis 65 kN aus. Das öffnet Spielräume für architektonische Akzente, wie beispielsweise Podeste mit einer Höhe von lediglich 18 Zentimetern, umlaufende Luftfugen oder effektvolle Lichtinszenierungen durch integrierte Lichtbänder.

Wirtschaftlich durch optimierten Bauablauf Die Tronsole Typ P spart darüber hinaus dank eines optimierten Einbaus Zeit und Kosten auf der Baustelle. Das vorgefertigte Podest

wird in das bereits errichtete Treppenhaus eingehoben. Danach werden das Tragelement und das Wandelement zusammengesteckt und seitlich durch entsprechende Aussparungen in der Wand in die schon im Podest befindliche Podesthülse eingefahren – fertig. Dank der akustischen Entkopplung müssen weder ein schwimmender­ Estrich verlegt noch entsprechende Trocknungszeiten berücksichtigt werden. Das Podest kann sofort begangen werden.

Schallschutz – ein nachhaltiges Thema Trittschallschutz wirkt sich positiv auf die Lebensqualität und die Gesundheit der Bewohner aus. Insbesondere in Mehrfamilienhäusern ist die effektive Trittschalldämmung im Treppenhaus eine unabdingbare Voraussetzung für das Wohlbefinden. Das Schallschutzsystem Schöck Tronsole sorgt bereits seit mehr als 30 Jahren für einen erhöhten und sicheren Trittschallschutz. Die Tronsole Typ P für den Anschluss des Treppenpodests an die Treppenhauswand erweitert nun das Schallschutzsystem – für mehr Ruhe und Lebensqualität. Weitere Informationen unter www.schoeck.com.

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Mit nur 18 cm das Stärkste im Schallschutz. Tronsole® Typ P: 65 kN Tragfähigkeit bei filigranen Podesten.

PRODUKTNEUHEIT: Das neue Produkt des bewährten Schallschutzsystems eröffnet speziell fürs Bauen mit Sichtbeton neue Gestaltungsfreiheiten: filigrane Podeste, umlaufende Luftfugen, effektvolle Lichtspiele – alles ist möglich.

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Schwerelos Geometrischer Rahmen aus pulverbeschichtetem Stahl, soft-fließender, Innenkörper mit extrem filigranem Wannenrand aus Email: Bette Lux ­Shape ist die perfekte Reduktion. Design: Tesseraux und Partner aus Potsdam. L/B/H: 170 x 75 x 45 cm. ­Liegemaß: 127 cm. Bette etwa 1200 Euro

Skulptural Baden, abstellen, nachruhen. ­Vascamisura, entworfen von Michael Schmidt, ist mehr Möbel als Badewanne: Eingebaute Wanne aus Cristalplant Biobased in Mattweiß, integrierte­Ablage und Bank aus MDF, Idropan, Multiplex-Platte. Erhältlich in matt oder glänzend. Breite 185–210 cm. Höhe: 51 cm. Länge: 190–225 cm. Falper Preis auf Anfrage

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Kristall-Laune Pure Schönheit made in Italy. Reflex von Antonio Lupi ist Luxus in extravaganter Eleganz. Das eingefärbte Polyesterharz Cristalmood schafft eine spiegelnde, reflektierende ­Symbiose aus Licht, Wasser und Wanne. L/B/H: 167 x 86 x 53 cm Studio AP ab ca. 8000 Euro

Art-déco-Kreis Die Designerinnen Paola Vella und Ellen Bernhardt entwarfen ­„Nouveau“ für ex.t. Inspiriert von geometrischen Grundformen wie dem Kreis und dem Halbkreis entstand eine Kollektion aus Bade­ zimmerelementen, die an die Schwünge des Art déco erinnern. Die Wanne ist aus Livingtec und neben diesem Puderton auch in mattem Weiß erhältlich. L/B/H: 130 x 110 x 62 cm ex.t Preis: 10.555 Euro

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B

ei KARE inszeniert er Wohntheater, mit uns hat er sich über aktuelle Designtrends, Evergreens und die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Interieur unterhalten. Was für den Wohnexperten Andy Pietrasch essenziell ist in Räumen, und was er am liebsten nie gesehen hätte.

Leben des Menschen seine Einrichtung? Setzt der Exzentriker auf Ausgefallenes und der Traditionalist auf Eiche massiv?

aus. So wie sich Geschmack entwickelt, entwickelt sich auch der Einrichtungsstil und passt sich der jeweiligen Lebenssituation an. Besonders wichtig finde ich, dass man seinem eigenen Stil treu bleibt und so schnell wieder ein Gefühl der „eigenen 4 Wände“, des „Zuhauses“ bekommt. Heute gehören Umzüge, bedingt durch mehr ­Flexibilität im Berufsleben, für viele zum Alltag. Deshalb muss sich Einrichtung auch schnell an einem neuen Ort integrieren können. Mentale ­Flexibilität spiegelt sich also auch in der Einrichtung wider.

Andy Pietrasch: Die Einrichtung ist ein Ausdruck

4W: Die Einrichtung kann also die Persönlichkeit

der Persönlichkeit. Ähnlich wie der Kleidungsstil erzählt auch das Interieur etwas über den jeweiligen Menschen. Kreative werden auch oft einen kreativeren Einrichtungsstil haben und mutiger in Stil- und Farbkombinationen sein. Als „Kreativer“ lässt man sich nicht leicht in Diktate drängen, das gilt wohl auch für die Gestaltung der vier Wände. Der persönliche Stil, unabhängig von aktuellen Strömungen, wiegt da schwerer. Aber: Ein individueller Lebensstil verlangt nicht zwingend einen eigenen Einrichtungsstil, vielmehr entwickelt sich dieser dar-

eines Menschen widerspiegeln. Wie sieht es aber umgekehrt aus? Lassen sich allein aufgrund des Stils einer Wohnung Rückschlüsse auf den Charakter des Bewohners ziehen?

4W: Sprechen wir über Einrichtung. Beeinflusst das

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AP: Ich würde nicht so weit gehen, dass sich ganze Charaktere an einer Wohnungseinrichtung ablesen lassen, aber Wesenszüge lassen sich durchaus erkennen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Eine museal eingerichtete Wohnung wird eher einen ordnungsliebenden Menschen widerspiegeln als einen ­auffallend


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kreativen Chaoten. Emotionale Menschen achten sicher vermehrt auf liebevolle Details, wie Familienbilder und persönliche Erinnerungsstücke in Ihrer Wohnung. Wer sich für einen modernen, skandinavischen Stil entscheidet, wird auch sonst ein recht klares, organisiertes Wesen haben, und ich denke, dass ein sehr individueller Einrichtungsstil sicher eine individuelle Persönlichkeit widerspiegelt, die höchstwahrscheinlich mutiger in Entscheidungen ist und unabhängiger von anderen Meinungen. Einrichtung, Wesen und Charakter spielen hier gewiss zusammen. Aber über all der Theorie darf man auch nicht vergessen, dass Einrichtung nie ganz unabhängig von den finanziellen Mitteln und den aktuellen Lebensumständen zu interpretieren ist.

4W: Kann man sich eigentlich auch falsch einrichten? AP: Also falsch einrichten kann man sich nur für

© Bilder: Kare Design

andere! So lange es einem selbst gefällt, ist es auch richtig. So einfach ist das. Die Wohnung ist der Rückzugsort für das Individuum und soll das Wohlbefinden des Bewohners unterstützen. Wenn sich also beim Aufenthalt in den eigenen vier Wänden

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ein gutes Gefühl einstellt, dann ist es richtig. Natürlich gibt es aber gewisse Regeln, Proportionen, Farben und Materialien, die das positive Raumgefühl ganz allgemein unterstützen und fördern. Dies gilt aber immer nur objektiv und nicht subjektiv.

4W: Farben haben einen großen Impact auf unsere Emotion und beeinflussen Raum- und Wohlgefühl. Welche Farbkombinationen sind optische Selbstläufer?

AP: Wir kennen alle die Wirkung der Farben. Rot macht lebendig, Grün beruhigt, Blau vermittelt Reinheit und Kühle, usw. Bei der Einrichtung ist es wichtig, die Farbwirkung in Abhängigkeit zu der Nutzung und Größe des Raumes einzusetzen. Mit dunklen, warmen Farben können Sie auch in großen Räumen Geborgenheit und Gemütlichkeit schaffen, da diese den Raum optisch kleiner machen. Helle, kühle Farben geben dem Raum mehr Größe und Weite und eignen sich daher besonders gut, um kleine Räume optisch weiter erscheinen zu lassen. Meine persönliche Empfehlung für kleine Räume: Aqua-Pastelltöne, Mint/Pastellblau in Kombination

Für das gewisse Extra ganz ohne Konformität: Die High-EndMöbelserie Milano von KARE steht für erlesene, italienische Eleganz. Vollendete Proportionen, der Einsatz von edlen ­Materialien und die Fertigung in Handarbeit lassen Möbel­ stücke der Luxusklasse entstehen.

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mit Weiß und Naturholz. Gewagte Kombinationen, wie Blau/Orange, also Komplementärfarben, sind richtig eingesetzt auch machbar, erfordern aber viel Fingerspitzengefühl. Wenn das richtig gemacht wird, erstrahlt ein Raum jedoch in uneinge­schränkter Individualität.

4W: Und welche Farben harmonieren so gar nicht miteinander?

AP: Wie schon gesagt, es kommt sehr oft aufs Fingerspitzengefühl an. Ich kann bei keiner Farbkombi sagen, das geht überhaupt gar nicht. Wir kombinieren heute ja auch Rot mit Pink, weil wir uns daran gewöhnt haben. Das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen! Oder nehmen Sie Schwarz und Blau – gerade in der Mode war das jahrzehntelang ein absolutes No-Go, heute ist die Kombination in Mode wie Interieur akzeptiert und gängig.

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4W: Wie sieht es mit dem Zusammenspiel aus ­Farbe und Material aus? Gibt es Farben, die bestimmte Materialien entwerten oder entfremden? Weil sie etwa unnatürlich wirken? Mir fällt da zum Beispiel weißes Leder ein.

AP: Ich denke, Farbe und Material ergänzen sich

Weniger ist mehr. Einfache, kompromisslose Interiorlösungen bietet die Serie Ravello. Die exotischen SheeshamHolzmöbel wurden durch dezente Details ergänzt und vom trendigen Retro-Stil inspiriert. Jedes Möbelstück aus der Kollektion ist ein charmantes Unikat, geprägt von Handarbeit. Passt immer.

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immer. Natürlich wirken Naturstoffe in Naturfarben gut. Roter und blauer Samt ist auch stimmig für unser Empfinden. Ich würde deshalb aber nicht von einer bestimmten Farbe für ein bestimmtes Material abraten. Wir (bei KARE Design, Anm.) haben z. B. Lederteppiche in Silber oder auch Gold im Angebot, genauso wie Samt in Pastelltönen. Unerwartete Farb- und Materialkombinationen vermitteln eben oft einen ganz besonderen Eindruck, der sich vom Gewohnten abhebt. Dadurch entsteht doch erst die gewünschte Individualität.

4W: Gibt es „die goldene Regel“ für gutes Einrichten? Eine immer gültige Formel quasi, die aus jedem Menschen ein Interior-Genie macht?


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AP (schmunzelt): Es gibt grundsätzlich Faktoren,

sondern alles nur aus einem Guss ist, dann wirkt ein Raum langweilig. Kontraste sind wichtig, sie machen die Wohnung lebendig.

die einen Raum wohnlich machen. Hier geht es um Sichtachsen, Farbkombinationen, Materialmix und Proportionen. Goldene Regeln würde ich diese aber nicht nennen. Jede Wohnung ist so individuell wie ihre Bewohner, und die eigentliche Regel ist, dasss die Einrichtung dem Bewohner Freude bereiten soll. Wenn dies der Fall ist, ist die Wohnung gut eingerichtet.

4W: Ihr größter Möbel-Fehlkauf? AP: In Bezug auf Möbel hatte ich noch keinen ­Fehlkauf.

4W: Akzente setzen heißt, eine große Wirkung durch

4W: Gutes Design ist zeitlos, oder? Welche Design-

kleinen Aufwand zu erreichen. Wie wichtig sind Farbtupfer, Leuchten und ausgefallene Key-Pieces?

stücke sind Ihre all-time-favourites?

AP: Gutes Design ist zeitlos, ja. Es gibt zig Bei­spiele AP: Mit einer auffällig gestrichenen Wand oder

dafür. Meine Favoriten sind der Acapulco Chair, der Stuhl Serie 7 von Fritz Hansen oder die ­Lampe ­Tolomeo. Diese Stücke bleiben einfach immer modern.

speziellen Möbeln umgeht man die Langeweile im Gesamtbild. Wer auf ein Key-Piece setzt, muss ihm aber auch den Raum geben, den es benötigt, um wirklich zu wirken. Dann kann das Auge dort hängen bleiben, findet Ruhe und der Eindruck des Möbels verstärkt sich. Durch die richtige Beleuchtung kann das Stück dann noch zusätzlich akzentuiert werden.

4W: Das Must-have in jeder Wohnung? AP: Ein gemütliches Sofa! Das sollte in keiner Wohnung fehlen. Es ist der Platz zum Entspannen und bildet oft, neben dem Esstisch, den Mittelpunkt einer Wohnung.

4W: Meine vier Wände sollen mir ein sicheres, entspannendes Umfeld schaffen. Im besten Fall ist es zu Hause wie in einer Höhle, in die man sich zurückziehen kann. Dafür braucht es Ruhe, auch optisch. Wie vermeide ich unruhige Räume?

4W: Trends kommen und gehen – auch in der Innenarchitektur. Welchem Stil trauern Sie persönlich nach?

AP: Der französische Landhaustrend muss unbedingt AP: Unruhe schafft man recht schnell, indem man sich nicht an Sichtachsen hält und keine Symmetrie beachtet. Oftmals wird der Raum auch einfach nur überladen, was sich negativ auf die Harmonie auswirkt. Hier gilt wirklich: „Less is more“. Noch ein Beispiel: Viele unterschiedlich hohe Regale können auch kontraproduktiv sein und lassen Räume sofort unruhiger wirken. Lieber ein geschlossenes Sideboard –­ die Fronten vermitteln Ruhe und die Wohnutensi­lien sind direkt gut verstaut.

wiederkommen! Auch wenn er nie richtig out war. Dieses Lebensgefühl, kreiert durch massive Holz­ tische, die das Gefühl von Familienessen im sonnigen Süden vermitteln, ist eine wohltuende Abwechslung im modernen Allerlei. Die Wärme und die Herzlichkeit, die in einem solchen Interieur steckt, die fehlt uns manchmal in der modernen Einrichtung.

4W: Und welchen aktuellen Trend würden Sie am liebsten aus den Wohnungen verbannen?

4W: Was macht Raumkonzepte langweilig?

AP: Diese Konformität. Ich wünsche mir mehr Mut

AP: Ein gewisser Perfektionismus kann schnell lang-

zum Individuellen, in der Architektur und in der Inneneinrichtung. Das wäre eine schöne Entwicklung.

weilig wirken. Wenn es keinen Bruch im Gesamtbild gibt, sei es von Design, Farbe oder Materialien her,

4W: Danke Ihnen für das interessante Gespräch!

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Madlyn Miessgang (links) und Helene Schauer (rechts) konzipieren und gestalten Ausstellungen für Museen, Vereine oder Initiativen. Häufig sind ihre Projekte im Kontext von Architektur, Urbanismus oder Stadtplanung angesiedelt. Aktuell arbeiten sie gemeinsam an einer Wanderausstellung im Rahmen des Baukulturgemeindepreises des Vereins LandLuft.

4W: Klären wir gleich zu Beginn eine wichtige Frage: Was macht eine Ausstellungsgestalterin eigentlich?

Helene Schauer: Wir setzen inhaltliche Konzepte von Kuratorinnen und Kuratoren in räumliche, grafische, visuelle Gestaltung um. Oder anders gesagt: Wir entwickeln räumliche Konzepte.

Madlyn Miessgang: Ganz zentral für unsere Arbeit ist die grafische, visuelle Vermittlung. Es geht darum, dass man die Vermittlung von Inhalten ankurbelt, damit sie lesbarer, einfacher zugänglich und vielleicht auch niederschwelliger werden. Ausstellungsgestaltung stellt die Kommunikation zwischen der

Kuration, die die Inhalte entwickelt und recherchiert, und dem Publikum her, das die Inhalte mitnehmen will. Dabei hat jede Ausstellungsgestalterin und jeder Ausstellungsgestalter einen eigenen Zugang. Die einen kommen mehr aus der Szenografie, die anderen aus der Architektur oder Grafik.

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4W: Wir führen das Interview zu dritt. Sie sagen, als Ausstellungsgestalterinnen arbeiten Sie meist im Team. Warum?

HS: Konzeptentwicklung hat zu zweit oft mehr Sinn. Wir arbeiten gerne im Team, weil wir Ideen austauschen können. Das ist wichtig, um voranzukom-


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men. Außerdem sind Ausstellungen immer sehr zeitintensive und große Projekte. Da ist es einfach toll, wenn man zu zweit ist. Gleichzeitig hat man, wie in unserem Fall, viel „Woman Power“, um Dinge umzusetzen, und man kann sich auf eine zweite Person verlassen.

4W: Für Ihre Projekte befassen Sie sich mit ganz unterschiedlichen Bereichen und Themen. Muss man als Ausstellungsgestalterin eine Allrounderin sein?

bestimmt das Storytelling, gibt also die Geschichten vor, die erzählt werden sollen. Wir beginnen mit einem leeren Blatt Papier, brainstormen, suchen Beispiele und skizzieren. Wir versuchen, zunächst ein Stimmungsbild zu entwickeln. Dabei geht es weniger um die Details der Ausstellung, sondern vielmehr darum, welche Dramaturgie wir aufbauen wollen, welche räumlichen Wirkungen es geben soll.

MM: Es entwickelt sich nach und nach MM: Ich glaube, das ist etwas, was die Architektur so an sich hat. Auch beim Bau von Gebäuden spielen verschiedene Thematiken hinein. Da geht es um Entwurf, Ausführung und natürlich viel um Kommunikation. Das ist in der Ausstellungsgestaltung im Großen und Ganzen nicht anders. Man beschäftigt sich einerseits mit der Gestaltung und Vermittlung, andererseits dreht sich viel um die Kommunikation mit den Kuratorinnen und Kuratoren und mit den Gewerken, die Elemente für die Ausstellung produzieren. Zudem befassen wir uns mit Licht, Lichtstimmungen und Grafik. Ich glaube, es ist zeitgemäß, dass man sich in Berufen nicht nur eindimensional bewegt. Für uns ist es spannend, wenn man viele Ebenen, wie Ausstellungsgestaltung, Grafik, vielleicht auch Produktion und Kuration, abdecken darf. Oft ist das bei kleineren Ausstellungen der Fall.

4W: Mit welchen Mitteln kann man denn in einer Ausstellung dramaturgische Effekte erzielen? HS: Einerseits über räumliche Konfigurationen, zum Beispiel Nah- und Fernwirkung, über Licht, über Material.

MM: Der Raum bestimmt die Größe der Ausstellung und begrenzt den Rahmen, in dem wir uns bewegen können. Neben dem Raum spielt der Kontext für unsere Arbeit eine sehr große Rolle. Wir entwickeln immer in einem Kontext, der von den Kuratorinnen und Kuratoren gegeben ist. Wir entwickeln nichts ohne Grund. Natürlich soll das Ergebnis visuell ansprechend sein – was wir tun, ist aber niemals nur rein dekorativ. Visuell ansprechend ist – und ich glaube, da spreche ich für uns beide –, was der Rahmen hergibt. Wenn es nur schön sein soll, ist es letzten Endes nicht schön.

4W: Die gestalterischen Mittel sind unter anderem auch von den finanziellen abhängig, richtig? MM: Natürlich. Wobei ein kleines Bud-

MM: Oder über Enge und Weite. Es werden Situationen festgelegt, etwa Wegführungen. Durch enge Passagen lässt sich beispielsweise Nähe erzeugen. Der Raum kann auch geöffnet werden, um Besucherinnen und Besucher als Gruppe zusammenkommen zu lassen. Das wird je nach Projekt ganz unterschiedlich umgesetzt.

4W: Sei es im Museum oder an einem

einer Ausstellung grundsätzlich vor?

anderen Ort – welchen Einfluss hat die Gebäudearchitektur, der Raum, auf die Ausstellungskonzeption?

HS: Im Idealfall ist es so, dass wir bereits

HS: Unsere Überlegungen zu Beginn

recht starke inhaltliche Konzepte bekommen, das heißt, eine inhaltliche Strukturierung ist vorhanden. Das Kuratorium

gehen – wenn auch nicht immer – Hand in Hand mit dem Ausstellungsraum. Bei einer Wanderausstellung reagieren wir

4W: Wie gehen Sie bei der Gestaltung © Mariam Al Gorgi

ein immer schärferes Bild, bis man zur Ausführung und der Frage kommt, wie das alles gebaut werden soll.

anders als im Falle eines Hauses oder einer Architektur, die schon sehr viel vorgibt.

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get nicht heißt, dass die Ausstellung weniger gut ist. Auch mit geringen finanziellen Mitteln lassen sich räumliche Stimmungen produzieren.

4W: Welche Kriterien muss gutes Ausstellungsdesign Ihrer Meinung nach erfüllen? Was ist Ihnen bei einer Ausstellung am wichtigsten?

MM: Der kreative Austausch mit den Kuratorinnen und Kuratoren sowie gute, spannende Inhalte. Die Kunst ist, komplexe Inhalte zu vereinfachen und verständlich herunterzubrechen. Das ist vor allem Aufgabe der Kuration, aber schon auch der visuellen Kommunikation. Eine Ausstellung darf nicht zu komplex sein, Texte nicht zu lang. Ich sage immer gern:


WIRKUNG

Je kürzer der Text, desto mehr lesen die Leute.

HS: Gutes Ausstellungsdesign ist auch, wenn Dinge Hand in Hand gehen und sich gemeinsam entwickeln. Das heißt, wenn der Inhalt stimmig ist mit der Dramaturgie, aber gleichzeitig auch, wenn die Ausstellungsarchitektur und die Grafik gemeinsam entwickelt und aufeinander abgestimmt werden. Dann werden Ausstellungen meiner Meinung nach stärker und die Inhalte lassen sich besser vermitteln.

4W: Mit der Vermittlung von Inhalten kommt der Gestaltung auch eine didaktische Aufgabe zu. In der modernen Didaktik wird den Lernenden eine aktive Rolle im Lernprozess übertragen. Spielt das auch in Ihrer Arbeit eine Rolle?

HS: Es können spielerische Elemente eingebaut werden, wenn auch nicht in jeder Ausstellung. Es geht teils ja auch um niederschwellige Wissensvermittlung, die mit spielerischen Elementen gut funktioniert. Ihr Einsatz ist vor allem von den Kuratorinnen und Kuratoren abhängig und vom Publikum, das angesprochen werden soll. Ich denke, wenn das Storytelling funktioniert und die Besucherinnen und Besucher für das Thema der Ausstellung begeistert werden können, dann ist das Spielerische kein Muss.

MM: Ich glaube, Vielfalt ist wichtig, denn jede Person lernt anders. Meiner Erfahrung nach funktionieren partizipative Elemente am besten, wenn sie klein gehalten werden. Das ist der begrenzten Aufmerksamkeitsspanne geschuldet. Gut funktioniert zum Beispiel,

wenn Besucherinnen und Besucher eine Mappe selbst mit Zetteln befüllen können und je nach Interesse entscheiden können, welche Inhalte der Ausstellung sie mitnehmen möchten. Ich erwarte, dass sich in puncto Partizipation mit den digitalen Medien viel weiterentwickeln wird.

bote auch ohne aufwendiges technisches Equipment oder den perfekten Schnitt gelingen können.

4W: Verliert der physische Raum an Bedeutung?

MM: Nein, das ganz sicher nicht. Er wird nur erweitert um den virtuellen.

4W: Sie sprechen die Digitalisierung an. Welche Auswirkung hat sie auf Ihre Arbeit?

HS: Ihre Bedeutung hat gerade im Laufe des letzten Jahres intensiv zugenommen, weil Museen geschlossen waren und diese Inhalte anders gezeigt haben. Es gab Ausstellungsführungen online, über die sogenannten Digitorials (eine responsive Website, über die Informationen, Bildmaterial und Tondokumente bereitgestellt werden, Anm. d. Red.) waren Ausstellungsinhalte über das Internet abrufbar. Da gab es jetzt einen großen Sprung. Es wird jetzt auch gewünscht und angedacht, Ausstellungen digital mitzudenken. Da geht es um die Bewerbung auf Social Media, aber auch um den Nachhall und darum, ob Inhalte nach Ende der Ausstellung noch zugänglich gemacht werden können.

MM: Ohne digitale Medien geht es nicht mehr. Bisher haben wir mit sehr simplen digitalen Medien gearbeitet, Corona hat jedoch gezeigt, dass viel weiter, vielfältiger und kreativer gedacht werden muss. Dazu wird gehören, neue Expertise ins Team zu holen und daraus Input zu generieren, wie man Raum auch virtuell denken kann. Wobei die Digitalisierung nicht länger ausschließlich den Profis vorbehalten ist. Es war im letzten Jahr interessant zu sehen, dass Onlineange-

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HS: Das Räumliche wird immer spannend bleiben. Der Bildschirm hat bestimmte Limits, erzeugt keinen Raum, in dem Personen sich bewegen können ...

MM: ... und sich auch begegnen ­können. 4W: Wo sehen Sie die größte Herausforderung für die Ausstellungsarchitektur der Zukunft?

HS: Wir werden uns in Zukunft beim Planen von Ausstellungen die Frage stellen müssen, welche räumlichen Konzepte sich gut mit dem digitalen Raum verknüpfen lassen. Wie wird entworfen, damit das auch für andere Formate funktioniert? Ich hoffe auch, dass die Zugänglichkeit zu Museen und Ausstellungen vorangetrieben werden wird, dass den Menschen Inhalte kostenfrei und ortsunabhängig zugänglich gemacht werden.

MM: Für Ausstellungen wird relevant sein, wie und welche Räume in Zukunft bespielt werden. Öffentliche Räume werden vielfältiger genutzt werden. Vermitteln und lernen muss nicht nur im Museum oder in der Schule passieren.

4W: Danke für das spannende Gespräch!


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WERKE WIRKUNG

Sie sind Orte der Begegnung und des Genusses, Plätze, an denen soziale Inter­ aktion stattfindet, Entspannung oder ­persönlicher Rückzug. Gute Gastronomie­ stätten – vom „Stehbeisl“ bis zum ele­ganten Restaurant, vom Traditionsbistro bis zur hippen Innenstadtbar – sind Sehnsuchts­orte. Drei ganz besondere, kürzlich prämierte, stellen wir Ihnen vor.

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ssen und Trinken in Gesellschaft – oder auch mal allein: Die Gastronomie ist ein jahrhundertealtes Kulturgut. In Zeiten der Pandemie wird uns schmerzlich bewusst, wie selbstverständlich wir alle dieses Angebot bisher angenommen, ja, vorausgesetzt haben, und wie groß die Sehnsucht nach einem Besuch im edlen Restaurant oder der angesagten Bar tatsächlich werden kann, wenn nichts mehr geht. Auch heuer wurde von einer hochrangigen Jury der noch sehr junge Callwey Award (erstmalige Auslobung war 2019) für „Die schönsten Restaurants und Bars“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz vergeben und damit die Kreativität von Gastronomen, Architekten und Innenarchitekten, Interiordesignern und Gestaltern gefeiert. Eine derartige Verleihung gerade im Jahr von Corona ist Ausdruck einer besonderen Wertschätzung

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© Simeon Johnke

WERKE

„Holzelemente und Akustikobjekte entwickeln sich gemeinsam zu einer ­fließenden Raumfigur, die sowohl ­haptisch durch die Lamellen als auch visuell und akustisch durch die Filz­ lamellen erlebbar wird.“ Sophie Bermüller und Matthias Niemeyer (im Bild mit Geschäftsführerin Yongqiao Wu)

– für eine Branche, die neben den kulturellen Einrichtungen mit am stärksten von den pandemiebedingten Einschränkungen betroffen war. Damit soll ganz bewusst ein Zeichen gesetzt und Mut gemacht werden. Die drei ersten Preise gehen in diesem Jahr an Architekturbüros in Stuttgart, Heidelberg und Nürnberg für das „Fuji Yama“ (Kategorie: Restaurant), das „Blau“ (Kategorie: Bar) und den „Tankturm“ (Kategorie: Café und Bistro).

Japanische Spezialitäten zwischen Holzlamellen Gastronomin Yongqiao Wu hat in der Erdgeschoßzone eines Hotelgebäudes in der Nürnberger Altstadt erst 2020 ihr Restaurant „Fuji Yama“ eröffnet. Japanisches Essen, vor allem Sushi, in einem großzügig gestalteten Raum mit Barbereich und Lounge – so das Ausgangskonzept der Chefin. Für dessen architektonische Umsetzung erschufen die Architekten von Bermüller + Niemeyer Architekturwerkstatt ein einzigartiges Raumerlebnis gleich einer begehbaren Skulptur. Fuji. Die kartografischen

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WERKE WIRKUNG

Höhenlinien des berühmten japanischen Berges scheinen sich hier in alle Dimensionen aufzulösen. Mehr als 2.400 Fichtenholzlamellen ziehen sich im Wechsel mit Filzelementen durch den gesamten Raum – Decke, Boden, Wand, als Sitzbankauflagen, Durchgänge bildend. Die wellenartige Struktur, die sich vom Eingang kommend immer weiter verdichtet, zieht einen förmlich ins Restaurant-Innere. Hinten finden sich ruhigere Zonen, vorne – allseitig von großflächigen Fensterformaten umgeben und so in einem stärkeren Bezug zum Außenraum – herrscht eine offene und lebendige Atmosphäre. Den Übergang zwischen dem vorderen und dem hinteren Bereich markiert eine in die Holzstruktur einbezogene Stütze, die sich wie ein Stalaktit aus der Decke ergießt. Die dunkel gehaltenen Wände, der schieferfarbene Estrich und die schwarzen Möbel betonen die Raumfigur der hellen Holzlamellen umso stärker. Das bewegte Bild im „Fuji Yama“ ergibt sich aus diesem kontrastreichen Farbspiel, nicht zuletzt aus der stimmigen Kombination mit den grauen filzähnlichen Lamellen – hergestellt aus recycelten PET-Flaschen leisten sie einen hohen Beitrag zum nachhaltigen Design des Ortes. Je nach Tageszeit und Lichteinfall entwickelt die wellenförmige Struktur im Raum unterschiedliche Atmosphären. Und gerade in den Abendstunden, wenn die LED-Leuchten zwischen den Lamellen stärker zur Geltung kommen, zeigt sich das Restaurant von einer anderen Seite. Das Holz beginnt förmlich zu leuchten und greift golden in den Raum hinein.

Romantisch-surreal: Raumbildung durch Farbe „Blau“ heißt dieser Ort und Farbe ist hier Programm. Vom Eingang kommend, einen tiefgrünen Samtvorhang durchschreitend, eröffnet sich dem Gast die surreale Welt unmittelbar im Loungebereich. Filigrane Messingrahmen stehen frei im Raum, gliedern ihn und lassen eine Tiefenstaffelung entstehen. Im

„Ein stimmiger Dreiklang aus der Dreidimensionalität des gegebenen Raums, der Zweidimensionalität der grafischen Fläche und der funktional geprägten Parameter.“ Tobias Bochmann und Hadi A. Tandawardaja von SOMAA

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© Zooey Braun, Patricia Neligan

WIRKUNG WERKE

Zusammenspiel mit den Farben der monochromen, geometrischen Wandflächen und den Spiegelflächen ergibt sich eine – gewünschte – Irritation. Eine reduzierte Materialwahl, Leder, Messing, Holz sowie haptische und akustisch wirksame Textilien, lässt dem Spiel der Farbwirkung den nötigen Raum. Während hinter der Bar die Farbe Gold dominiert, bestimmt ein tiefes Blau den Bereich davor. Je nach Blickwinkel spielen die großen Spiegelflächen mit den unwirklichen Bildern des Hauptraums. Pate für das Ganze stand nach Aussage der Gestalter, dem Stuttgarter Architekturbüro SOMAA, die Bildsprache des Malers Caspar David Friedrich. Wie unter einem

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© Thomas Ott, Thilo Ross

WERKE

Die schönsten Restaurants & Bars versammelt 50 herausragende Interiordesign-Konzepte, sorgfältig ausgewählt von einer hochkarätigen Jury. Pflichtlektüre und unerschöpfliche Inspirationsquelle für alle Genussmenschen, Planer und Akteure der Gastronomiebranche. 208 Seiten ISBN: 978-3-7667-2372-7

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WIRKUNG WERKE

Himmelszelt sollen sich die Gäste fühlen. Der Alltag bleibt draußen, und es tritt ein, was die Betreiber und Architekten im Sinn hatten, als sie sich die „Bar Blau“ ausgedacht haben: Hier treffen sich alle, die bereit sind, in die sich ankündigende Nacht abzutauchen.

Multifunktionales Industriedenkmal Nachdem an diesem Ort bis 1972 Dampflokomotiven mit Wasser betankt wurden, legte man den Bahnwasserturm in den Achtzigerjahren still und stellte das Gebäude unter Denkmalschutz. Rund zehn Jahre hatten die Architekten Stefan Loebner, Armin Schäfer und Stephan Weber diesen Turm von ihrem damaligen Büro aus im Blick. 2014 schließlich kauften sie das Bauwerk, um das Industriedenkmal in ein Kultur- und Veranstaltungszentrum zu verwandeln. Mit sensiblen Eingriffen in die Substanz konnten die Architekten die markante Kubatur und die Außenhülle nahezu unberührt lassen. Wo einst Eisen lagerte und die Trafostation untergebracht war, verbirgt sich jetzt der „TANKTURM“, eine kulinarische Kantine. Von der Galerie mit der Küchenstation gelangt man über wenige Stufen hinab in den fast vier Meter hohen Gastraum. Dieser überzeugt durch seine warme und besondere Atmosphäre­, die die historischen Stampfbetonwände mit ihrer Materialität und Farbigkeit schaffen. Wenige, in dunklem Ton gehaltene konstruktive und technische Elemente stehen in ausgewogenem Kontrast zu den rauen Oberflächen der historischen Wände. Im Dialog mit den glatten Betonflächen des Lichthofs reagieren sie auf das einfallende Tageslicht.

„Gemeinsames Essen und Machen ist eine zentrale ­Kultur- und Sozialbefähigung, die es zu pflegen gilt. Mit seinem ­multifunktionalen und unkonventionellen Konzept bietet der ‚Tankturm‘ dafür einen zeitge­ mäßen und attraktiven Lebensort.“ Armin Schäfer, Stefan Loebner und Stephan Weber (im Bild von links nach rechts)

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Brückenschlag zwischen Alt & Neu Das niederländische Architektenbüro MVRDV bringt zusammen mit den lokal ansässigen Büros LLJ Architects und The Urbanist Collective die ursprüngliche Topografie zurück in das Zentrum Tainans – mit einer urbanen Lagune auf den Überresten einer Bauruine.

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WANDEL

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as Alte stürzt, es ändert sich die Zeit und neues Leben blüht aus den Ruinen. Fast könnte man meinen, die Planer von „Tainan Spring“ ließen sich für ihr Projekt, das zu den spannendsten des vergangenen Jahres zählt, von Schillers Wilhelm Tell leiten. Die Ruinen, das waren im Falle der südtaiwanesischen Stadt Tainan das, was von der Chinatown Mall, eines 1983 erbauten und zuletzt brach liegenden Einkaufszentrums, übrig geblieben war. Als tatsächliche Inspirationsquelle diente den Architekten die Stadt selbst – ihre Geschichte, Vegetation und Wasserwege. Im Auftrag der Stadtregierung revitalisierte und renaturalisierte MVRDV hier einen Ort, der als Teil des kollektiven Gedächtnisses der Stadtbevölkerung besonders wertvoll ist.

Zurück ans Wasser, weg vom Verkehr

© Daria Scagliola

Beton ist bei vielen Projekten des holländischen Architekturbüros MVRDV der Baustoff erster Wahl. Auf dem vormaligen Gewerbeareal in Tainan war er bereits in Hülle und Fülle vorhanden und wurde mustergültig recycelt. Nebeldüsen sorgen auf den kleinen betonierten Inseln für Abkühlung.

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Mit dem Vorzeigeprojekt gewinnt die 1,9-Millionen-Stadt Tainan ein Stück ihrer Identität zurück. Und diese ist – wie bei Städten so oft der Fall – seit ihren Anfängen eng mit Wasser verknüpft. Seit seiner Gründung veränderten sich Tainans aquatische Landschaften immer wieder – und mit ihnen die Stadt selbst. Das Areal rund um das neu erschaffene „Tainan Spring“ zeugt von dieser Dynamik: Zu Gründungszeiten war es Teil der Tajiang-Lagune, später ein Hafen, zuletzt ein Shoppingcenter, welches den Stadtteil vom Wasser abschnitt. Jetzt wurde die gekappte Verbindung wieder hergestellt. Als grüner Korridor, der bis zur Uferpromenade verläuft, bildet das Areal fortan mit der frisch sanierten Haian Road die sogenannte T-Achse. Abschnitte der vormaligen Hauptverkehrslinie wurden in begrünte Parklandschaften umgewandelt, das Verkehrsaufkommen dadurch reduziert. Möglich wurde dies dank eines neuen Verkehrsknotens östlich


WIRKUNG WANDEL

des Stadtzentrums. Und man ging sogar noch einen Schritt weiter: In den Abendstunden wird die Straße zugunsten eines florierenden Nachtlebens gänzlich autofrei.

Trendwende

Die Tiefgarage des Shopping­ centers wurde in eine ver­ sunkene Oase umge­wandelt und großzügig bepflanzt. So soll die Stadt nach und nach wieder in die grüne Landschaft eintauchen, die sie umgibt.

Veränderte Nutzungsansprüche verlangen heute nach städtebaulichen Konzepten, die ­ längst nicht nur Konsum, sondern auch anderen Dimensionen urbanen Lebens, etwa Mobilität, Umwelt, Bildung und Kultur, Raum geben. Für die Revitalisierung der einstigen Chinatown Mall bedeutete dies konsequenterweise eine Ab­sage an ihre überholte Vornutzung. Gleichzeitig erkannte man: Im Altbestand steckt Potenzial für ein zweites, vielfältigeres Leben. Und so verabschiedete man sich zwar von alten Konzepten, nicht aber von bestehenden Strukturen. Die bauliche Substanz des Shoppingcenters wurde nicht nach dem Tabula-rasa-Prinzip entfernt, sondern mehrheitlich recycelt. Die Planer ließen die seit Jahren menschenleere Tiefgarage der Chinatown Mall großflächig im Wasser versinken und gaben den Stadtbewohnern ihre L­agune im Herzen der Stadt zurück. An dem Ort, an dem sich Autobesitzer einst nach erfolgreicher Parkplatzjagd nicht länger als nötig aufhielten, tummeln sich jetzt die Besucher im Wasser und auf den angelegten Dünen oder entspannen in den schattigen Arkaden ringsherum.

Vermitteln und einbeziehen Das verlassene Areal wurde zu einem Ort der Begegnung – nicht nur zwischen den Menschen. Die Besucher werden dazu eingeladen, mit dem öffentlichen Platz in Interaktion zu treten und sich seine Geschichte erzählen zu lassen. Anstatt das Dagewesene mit einem geschichtslosen Neubau zu verdrängen, lässt man Blicke in die Vergangenheit zu. Durch einen Glasboden blickt man in eines der Untergeschoße des Shop-

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© MVRDV

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pingcenters aus den Achtzigern. Beibehaltene Säulenfundamente ragen aus der Lagune und dem sie umgebenden Park und bilden laut den Architekten ein „modernes Forum Romanum“, das die Erinnerung an die wechselhafte Nutzung des Ortes hochhalten soll. Der Betonrahmen des Gebäudes wurde nur so weit abgetragen, als dass am Gelände in Zukunft kleinere Geschäfte­, eine Galerie, ein Teehaus und weitere Infrastruktur entstehen können. Geschäftiger Betrieb herrscht einstweilen schon auf den öffentlichen Spielplätzen und der Freilichtbühne.

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Schwimmen statt shoppen: Besucher können das ganze Jahr über kostenlos in der städtischen Lagune baden.

Um die Akzeptanz für das Stadtentwicklungsprojekt zu steigern und den Besuchern die Geschichte dieses Stadtteils zu vermitteln, werden alte Karten und Bilder auf Wände projiziert und 3D-Modelle des neuen Parks in Szene gesetzt. Auf Initiative der Stadtregierung wird auch im virtuellen Raum die Geschichte von Tainan Spring erzählt und weitergeschrieben – und zwar von seinen Besuchern selbst. Die Idee: Erinnerungen an das Alte bewahren, Eindrücke von dem Neuen miteinander teilen.

Neuer qualitativ hochwertiger Lebensraum entstand nicht nur für die Stadtbewohner Tainans. Ein wesentlicher Baustein im Masterplan von MVRDV war es, die Stadt wieder an ihre hydrologischen und botanischen Wurzeln heranzuführen. Die Lagune ist deshalb umsäumt von heimischen Pflanzen, die sie nach den Plänen der Architekten in einem Zeitraum von etwa drei Jahren in eine grüne Oase verwandeln sollen. Orientiert hat man sich an der urwaldartigen Vegetation, die hier wucherte, lange bevor sie vom Großstadtdschungel an die Peripherie verdrängt oder ganz verschluckt wurde. Für die Besucher wird jetzt die Verbindung mit der Natur wieder spürbar, ihr Rhythmus wieder erlebbar gemacht: Das Wasser der Lagune steigt in Regen- und sinkt in Trockenzeiten. Sprühnebel sorgt bei sommerlicher Hitze für eine gleichermaßen notwendige wie angenehme Abkühlung und reduziert die Betriebszeiten energiefressender Klimaanlagen, ganz im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Architektur, die verbindet – Tainan Spring zeigt vor, wie man verbaute Fläche revitalisieren und eine Brücke zwischen Altbestand und neuen Nutzungskonzepten schlagen kann. Wie in Zukunft Verbindungen geschaffen und wiederbelebt werden können. Zwischen Stadt und Natur und zwischen Stadtbewohnern und öffentlichem Raum.

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© Daria Scagliola

Die Natur kommt zurück


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365 Tage gut betreut Ob Grünanlagen anlegen und betreuen, Reinigen, Schneeräumen oder Flachdach-Kontrolle: Die Hausbetreuer, Reinigungs-Kräfte, Gärtner, Winterdienstleister, Dachflächen- und Spielplatz-Kontrollore des Maschinenring sind ganzjährig für Unternehmen, Immobilienverwaltungen oder Bauträger im Einsatz. Ansprechende Grünflächen

Sicher fahren, stehen, gehen

Nicht nur Gebäude, auch die umliegenden Flächen müssen ihre Funktion erfüllen. Das nachhaltige Firmengebäude mit Schotterwüste davor? Kaum mehr vorstellbar. Daher plant und errichtet der Maschinenring die Grünflächen passend zum Bau: Etwa Humusierung, 10.000m2 Begrünung, Bepflanzung sowie Zaunbau für die Lebenswelt Aigen in der Salzburger Olivierstraße oder 28.000 frisch gesetzte Sommer-Blüher für die Therme Bad Schallerbach. Für das Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna wurden Bäume, Stauden und 9.000 Blumenzwiebel als grüne Klimaanlage gepflanzt. Auch die Betreuung der Außenflächen übernimmt der Maschinenring komplett: Rasen mähen, Hecken schneiden, Unkraut manuell oder mittels Heißschaum entfernen, Laub abtransportieren, Bäume kontrollieren, pflegen, fällen, pflanzen. Grüne Dachflächen legen die Profis vom Land ebenso an, zusätzlich führen sie die FlachdachInspektion gemäß ÖNORM B 3691 durch. Die Spielplatz-Inspektion nach ÖNÖRM EN 1176 übernimmt der Maschinenring gleichfalls.

Auch Parkflächen und Müllplätze kontrollieren die Arbeiter des Maschinenring, im Winter räumen sie Schnee und bringen Streumittel aus, im Frühjahr übernehmen sie die Kehrung. Beispielsweise beauftragte der Klagenfurter Technologiestandort Lakeside Science & Technology Park – neben der Grünraumpflege – auch Wartungsarbeiten, die Betreuung der Retensionsbecken und der Parkflächen. Für das FMZ Radenthein in Kärnten übernimmt der Maschinenring gleich das gesamte Facility Management, kontrolliert den Außenbereich hinsichtlich Müll, Laub oder kaputter Beleuchtung und führt die Fassadenreinigung durch. Kleine Schäden werden gleich behoben, bei Bedarf werden Heizungstechniker, Dachdecker, Spengler oder Elektriker organisiert. Sämtliche Gas-, Wasser- und Stromzähler lesen Maschinenring Mitarbeiter ebenfalls ab. Die Daten werden an die Hausverwaltung nach Tirol weitergeleitet. www.maschinenring.at

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WERKE

Boschi Verticali Cinesi Nanjing, China Der Nanjing Vertical Forest von ­Stefano Boeri ist der erste vertikale Garten dieser Dimension in China und orientiert sich mit seinem Wechselspiel aus Pflanztanks und Balkonen optisch stark am Mailänder „Bosco Verticale“(eröffnet 2014), ebenfalls auf Boeris Reißbrett entstanden. Auf insgesamt 6000 Quadratmetern Fassade wurden mehr als 1000 Bäume aus 23 Sorten gepflanzt und erzeugen gemeinsam mit 2500 Hänge­ pflanzen 60 kg reinen Sauerstoff pro Tag. Genutzt werden die beiden 200 bzw. 108 Meter hohen Türme für Büros, Hotels, Fitnessclubs und eine Architekturschule. Ein Blickfang sind die ­beiden Stücke allemal.

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© Stefano Boeri Architetti, MVRDV

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rün bis an die Spitze soll es werden in den städtischen Skylines. Die Konzepte zeitgenössischen Wohnens und Arbeitens in der Stadt gehen in eine eindeutige Richtung: Renaturierung und Begrünung. Das urbane Aufforsten hat ­begonnen – zumindest auf den Reißbrettern. Die viel zitierte Landflucht und die damit einhergehende, rasant anwachsende Stadtbevölkerung sind seit Jahren ein massives Thema in der Stadtplanung. Zwar konnte durch die

Coronakrise ein kleiner Schwenk beobachtet werden, die Verkaufszahlen für Immobilien am Land – vor allem in den Speckgürteln unserer Städte – erlebten einen merklichen Aufschwung. Langfristig wird sich am Magnetismus, den die Stadt auf die Menschen ausübt, aber nicht viel ändern. Laut Statista lebten im Jahr 2019 rund 58,5 Prozent der heimischen Bevölkerung­in Städten.­Damit erreichte der sogenannte­Urbanisierungsgrad einen ­neuen Höchststand, nachdem er schon in den Jahren zuvor jeweils leicht, aber stetig angestiegen war. Tendenz weiter­ steigend.

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Xili Sports and Cultural Centre Shenzhen, China

Das Xili Sports and Cultural ­Centre (Zhubo Architecture Design gemeinsam mit MRVDV) soll unterhaltsam, sozial und nachhaltig sein, so die Planer. Ein grünes Zentrum für Sport und Kultur, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Offene, multifunktionale Zonen lösen dabei die ansonsten streng getrennten, singulären Entitäten der verschiedenen Sportarten ab. Die sozialen und kulturellen Aktivitäten sollen sich überlagern. Insgesamt umfasst das Areal 105.000 Quadratmeter, unterteilt in Theaterflächen, Sportflächen und multifunktionale Räume.


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Und die Verstädterung hat Folgen. Immer mehr Verdichtung, immer weniger Grünflächen, die den zahlreichen Neubauten und der damit scheinbar zwingend einhergehenden Versiegelung Platz machen, immer mehr Verkehrserschließung. Das, was echte Lebensqualität ausmacht, nämlich Naherholungsmöglichkeiten im ­ Grünen, urbane Ruhezonen und gute Luft, fällt dem Anspruch an die „andere“ Lebensqualität – gut erreichbare Infrastruktur, kurze Wege, zentraler Wohnraum – zum Opfer.

Jeder Baum ist ein Fortschritt Je mehr Pflanzen aus der Stadt verschwinden, desto unerträglicher wird das Klima dort. Angesichts der fortschreitenden globalen Erwärmung dürften wir das auch in unseren Breiten bald noch deutlicher zu spüren bekommen. Mit dem Revival der begrünten Fassade, mit bepflanzten Dächern und lebendigeren Innenhöfen kommt zumindest ein bisschen der so wichtigen, klimaregulierenden, kühlenden und Sauerstoff produzierenden Natur zurück in die zube­ tonierten Metropolen.

Quito Aquarela Quito, Ecuador

Der französische Architekt Jean Nouvel zeigt mit seinem Projekt „Aquarela“, wie Stadtaufforstung aussehen könnte. Gemeinsam mit dem lokalen Developer Ulribe & Schwarzkopf entstehen hier neun mit Stein verkleidete Wohnblöcke, die mit heimischen Pflanzen überwuchert werden sollen. Zur Bewässerung der Pflanzen wird Regenwasser und das Grauwasser aus den mehr als 570 Wohnungen gespeichert und wiederverwendet. Solarpaneele an den Fassaden sorgen für Warmwasser. Bis 2023 sollen die neun Türme stehen und bezogen werden können. © Architect: Jean Nouvel Ateliers Jean Nouvel. Associated architect: Alberto MEDEM Humboldt Arquitectos S.L

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Doch so realistisch sollten wir sein: Bäume und Sträucher in Pflanzkübeln, Kletterpflanzen und Moosteppiche an den Wänden und was sonst noch in und an den in immer öfter aus dem Boden schießenden grünen Türme wächst, ist nur ein Miniabklatsch dessen, was Wald eigentlich darstellt – nicht mehr und nicht weniger. Aber es ist ein Anfang ... Wir haben uns ein paar begrünte Projekte rund um den Globus herausgesucht. Noch Geplantes und bereits Realisiertes aus der ganzen Welt.


© Vero Visuals

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Valley

Amsterdam, Niederlande Erdacht vom Architekturbüro MVRDV für EDGE Technologies: Unzählige Terrassen und Dach­ gärten, zum Teil öffentlich zugänglich, zum größeren Teil privat, und viel innerstädtischer Platz für Büros und fast 200 Wohnungen. Der Gebäudekomplex besteht aus drei miteinander verbundenen Türmen mit rund 75.000 Quadratmetern Geschoß­fläche und umfasst sieben Bürostockwerke und zahlreiche Geschäfte in den unteren Etagen. Skybar in 100 Metern Höhe und mit Traumblick über die Grachten natürlich inklusive.

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aequorea vincent

Rio de Janeiro, Brasilien

© Vincent Callebaut, MVRDV

Noch Zukunftsmusik ist diese Wasserstadt aus Algen und Plastikmüll: Vor der Küste von Rio de Janeiro will der belgische Architekt Vincent Callebaut Inseln bauen, auf denen bis zu 20.000 Menschen leben können. Der Wohnraum reicht bis zu 1000 Meter tief ins Meer. An Grünflächen mangelt es auf den künstlichen Inseln nicht: Während über der Meeresoberfläche Obst und Gemüse wachsen, werden unter dem Wasser Algen gezüchtet.

De Heuvel

Eindhoven, Niederlande Dem Onlineshoppingwahn den Kampf ansagen. Das will das Rotterdamer Architektur­büro MRVDV mit der Reanimierung des bereits in den 1950erJahren von Walter Brune geplanten „Heuvel“. Das Einkaufszentrum mitten in Eindhoven soll zu einem Stadtquartier, zum nachhaltigen Kulturzentrum mit eigenem, öffentlich zugänglichem Dachter­ rassenpark werden. „Het Heuvelkwartier & De Muziekberg“, also das Hügelviertel & der Musikberg, sollen möglichst viele Besucher anziehen.

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HOLZbetonsteine Ökologisch & intelligent Seit Jahrzehnten besticht das Salzburger Unternehmen ISO SPAN durch Innovationen, ­Kosteneffizienz und Zukunftsfähigkeit. So auch mit den nachhaltigen Holzbetonsteinen,­ die einen wichtigen Beitrag zu einer klimafreundlichen Bauweise leisten.

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SO SPAN hat sich auf die Produktion von Mantelsteinen, Fertigwandmodulen und Dämmplatten aus Holzspanbeton spezialisiert. Das Salzburger Unternehmen agiert erfolgreich am europäischen Markt und profitiert von dem zunehmenden Verantwortungsgefühl der Umwelt gegenüber und dem verstärkten Bedürfnis nach kosteneffizienter Bauweise. Die Intention von ISO SPAN, die Umwelt zu entlasten und gleichzeitig ein multifunktionales Betonprodukt zu bieten, treibt die firmeninterne Forschungs- und Entwicklungsabteilung ständig an. Nachhaltigkeit, Gesundheitsschutz beim Einbau, ausgeglichenes Raumklima und Mehrwert in der Erhaltung des Gebäudes spielen bei der Wahl der Baustoffe eine tragende Rolle. Der ÖKOPUR mit integrierter Holzfaserdämmung etwa ist ein zertifiziertes Produkt speziell für den Passivhausbau. Die ÖKO-Pur und ÖKOExpert Elemente aus Holzbeton mit bis zu 70 Prozent Holzanteil im Mauerwerk übernehmen neben ihrer tragenden Funktion als Innen- und Außenwand auch den Schall- und Wärmeschutz. Dank integrierter Holzfaserdämmung sind sie optimal für ökologische Niedrigenergie- und Passivhäuser.

gas. Dadurch trägt ISO Span maßgeblich zur Reduktion des CO2Ausstoßes bei. Die umfassende Produktpalette erlaubt es außerdem, nahezu jede architektonische Herausforderung zu erfüllen. ISO SPAN hat für seine gesamte Produktpalette Umweltproduktproduktdeklarationen (EPD) vorliegen. Die Elemente weisen zudem durch den massiven Kern eine hohe Erdbebensicherheit auf und überzeugen mit einem Feuerwiderstand von REI 180. ISO SPAN Fertigwandmodule können in nur fünf Schritten bequem und einfach direkt auf der Baustelle verarbeitet werden. Aufgrund ihres geringen Gewichtes können die Fertigwandmodule mit jedem Baustellenkran gehoben oder auch mit dem LKW-Kran im Zuge der Anlieferung versetzt werden. Weitere Informationen finden Sie unter www.isospan.eu

Die Formel für Holzbeton Weichholzspäne und Restholz von der Holzverarbeitung sind Ausgangsmaterial für die Herstellung des Naturbaustoffes ISO SPAN. Mit minimalstem Energieaufwand werden die Holzspäne in Schlagmühlen auf die richtige Größe zerkleinert und dann mit den Naturstoffen Zement, Wasser und Mineralien versetzt und zu den Holzbetonsteinen geformt. Die Vermeidung von Umweltbelastungen, insbesondere die Reinhaltung von Luft und Wasser, ist das Leitbild für diese zu zukunftsweisende Produktionstechnologie. Die Holzbetonsteine entziehen der Umwelt durch das in den Holzspänen in Form von Kohlenstoff gespeicherte CO2 ein wirksames Treibhaus-

„Die 100%ig recyclebaren ISO SPAN Wände bieten eine innovative, kostengünstige und umweltfreundliche Lösung. Die oftmalige Forderung nach mehr Holz im Wohnbau wird durch die Verwendung von ISO SPAN Holzbetonsteinen längst erfüllt.“ Herbert Schilcher / Geschäftsführer ISO SPAN

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Worauf bauen wir morgen? Boden ist kostbar. Als Ware gewinnt er kontinuierlich an Wert, allein als natürliche Ressource ist er wie auch Wasser nicht vermehrbar. Das stellt uns vor Probleme. Weswegen wir darüber reden müssen, wie wir den Boden, auf und mit dem wir leben, in Zukunft nutzen.

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r trägt uns, er ernährt uns, er ist unsere Lebensgrundlage: der Boden. Wir brauchen, und verbrauchen ihn. Und das im großen Stil, wie die Zahlen der Statistik Austria zeigen. Durchschnittlich wächst die Flächenversiegelung in Österreich um 1,3 Prozent pro Jahr. Gemeint sind jene Flächen, die im Zuge von Gebäudebau oder für die Errichtung von Straßen und anderen Verkehrsflächen zubetoniert werden. Im Jahr 2019 verzeichnete man zwar einen leichten Rückgang, das Ausgangsniveau jedoch ist hoch. Zur Veranschaulichung: Von rund 83.880 km2

Landesfläche eignen sich etwa 31.000 oder 37 Prozent als Dauersiedlungsraum. Die restliche Fläche besetzen die Alpen. Vom Dauersiedlungsraum sind bereits knapp 18 Prozent für Siedlungsund Verkehrszwecke sowie Erholungsnutzung, Deponien, Abbauflächen und Kraftwerksanlagen verbraucht. Die Zahlen sind der Politik seit Langem bekannt. Leitziele, die in der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes 2002 (NSTRAT) für das Jahr 2010 formuliert wurden, wurden allerdings weit verfehlt. Im aktuellen Regierungsprogramm der türkisgrünen Koalition findet sich nun ein

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eigener Abschnitt zum Thema „Gesunde Böden und zukunftsfähige Raumordnung”. Bis 2030 soll der Bodenfraß auf 9 km² pro Jahr reduziert werden. Der vom Umweltbundesamt ermittelte aktuelle Dreijahresmittelwert liegt bei 44 km², die Größe von Eisenstadt. Im an solcher Stelle fast obligatorischen Vergleich sind das 25 Fußballfelder. Zudem soll „mittelfristig zusätzliche Bodenversiegelung durch Entsiegelung von entsprechenden Flächen” kompensiert werden. Ein Vorhaben, dem Grenzen gesetzt sind, sprechen Experten bei Bodenversiegelung doch von einem nahezu irreversiblen


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© Marktgemeinde Thalgau

Unter dem Motto „Boden g’scheit nutzen!“ steht der vorbildliche Umgang mit der Ressource Boden im Fokus des Baukulturgemeinde-Preises 2021. Eine der 13 Gemeinden, die aufgrund ihrer nachhaltigen Raumplanung für den Preis nominiert wurden, ist Thalgau in Salzburg.

Prozess. Denn was einmal unter Asphalt und Beton verschwunden ist, lässt sich später nicht einfach mit einem Druck auf den Reset-Knopf wiederherstellen.

Wir bauen uns zu Entgegen der weitläufigen Annahme ist der anwachsende Flächenverbrauch nicht damit zu begründen, dass die Bevölkerung stetig wächst und einfach mehr Platz braucht. Tatsächlich steigt der Flächenverbrauch mehr als doppelt so schnell wie die Bevölkerung. Seit 2001 nahm er in Österreich um 27 Prozent zu, die Bevölkerung aber nur um 10,4 Prozent. Angesichts der überbordenden Verbauung könnte man gar zum Schluss kommen, dass längst alles da ist, längst alles gebaut ist. Über zwei Millionen Gebäude unterschiedlicher Funktionen und Altersklassen gab es in Österreich laut letzter Registerzählung der Statistik Austria im Jahr 2011. Den größten Anteil am jährlichen Bodenverbrauch haben Betriebsflächen. 14 bis 31 km²

beträgt hier der Zuwachs Jahr für Jahr. Der Anblick verödeter Ortskerne auf der einen und wuchernden Gewerbeparks auf der anderen Seite ist hierzulande ein nur allzu vertrauter. Gleichzeitig liegen immer mehr Industrie- und Gewerbegebäude brach. Ihre Revitalisierung könnte dabei helfen, den jährlichen Flächenneubedarf einzudämmen. Nachnutzung statt Flächenfraß ist in Deutschland bereits ein großes Thema. Die Bereitschaft, in leer stehende Gewerbeobjekte zu investieren bzw. diese zu revitalisieren, ist in Österreich hingegen nach wie vor gering. Das Image dieser Flächen ist schlecht. Eine etwaige Bodenverunreinigung oder die Kosten für Brandschutz und weitere gesetzlich vorgeschriebene Sanierungsmaßnahmen verhindern, dass sie in den Nutzungskreislauf zurückgeführt werden. Dem Risiko, sich möglicherweise etwas Unkalkulierbares einzuhandeln, ziehen die Investoren einen Neubau auf der grünen Wiese vor, der meist auch noch günstiger ist. Rechtliche und finan-

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zielle Sicherheiten für Investoren könnten das ändern, Brachflächen-Recycling gezielt gefördert werden.

Boden ist klimawirksam Ob Bestand oder Neubau – der Boden dient längst nicht nur als Unterlage für das Bauen. Während CO2-Reduktion und der Umstieg auf erneuerbare Energien in der Klima- und Umweltschutzdiskussion in aller Munde sind, taucht die so dringliche Frage, welchen Einfluss der Boden auf die Geschwindigkeit des Klimawandels hat, nur am Rande auf. Der Boden ist im Vergleich zu anderen Akteuren in den Köpfen weniger präsent. Dabei hat er als gigantischer CO2-Speicher eine entscheidende Rolle inne. Feuchte Böden speichern mehr Wärme, kühlen so die Atmosphäre und schützen vor Überhitzung – für das Mikroklima dicht bebauter Städte besonders wichtig. Werden Böden hingegen versiegelt, verlieren sie laut Umweltbundesamt nicht nur ihre Kühlfunktion, sondern alle ihre biologischen Funktionen, weil der


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Austausch von Sauerstoff und Wasser nicht mehr erfolgen kann. Das Hochwasser- und Überschwemmungsrisiko steigt, die biologische Vielfalt geht verloren, genauso wie die Grundlage für die Versorgung mit Nahrungsmitteln, weil der Hunger auf Boden in erster Linie Agrarflächen dezimiert. Einen sorglosen Umgang mit Grund und Boden können wir uns also eigentlich nicht leisten. Dennoch scheint das Problembewusstsein in der breiten Öffentlichkeit noch eher gering.

Albtraum Einfamilienhaus Schuld daran, dass all die wichtigen Funktionen des Bodens – bewusst oder unbewusst – aufs Spiel gesetzt werden, sind unter anderem unsere Wohnansprüche. Insbesondere der nachvollziehbare Wunsch nach individuellem Wohnen auf der grünen Wiese führt zunehmend zu Interessenkonflikten und gilt vielerorts bereits als städtebaulicher und ökonomischer Albtraum. Im Bezirk Hamburg-Nord darf deshalb seit einem Jahr kein Einfamilienhaus mehr gebaut werden. Dem hiesigen Stadtsenat ist der Gebäudetyp nicht energieeffizient genug und verbrauche zudem zu viel Platz. Stattdessen setzt man fortan auf Geschoßwohnungsbau, der auf gleicher Grundfläche deutlich mehr Wohnraum schafft. In Südtirol geht man einen anderen Weg. Hier wird

der Bau von Einfamilienhäusern durch Mindestdichten erschwert: Vorgegeben wird eine bauliche Dichte von 1,5 m3 überirdischer Kubatur pro Quadratmeter bebauter Grundstücksfläche. So umstritten ein Bauverbot, wie es in Hamburg gilt, auch sein mag, es verdeutlicht jedenfalls die Dringlichkeit der Bodenfrage. Zumindest die Zahlen würden auch in Österreich für eine solch kühne städtebauliche Lösung sprechen: Mittlerweile könnten alle Österreicher/ innen in bereits bestehenden Einfamilienhäusern untergebracht werden (bei einem Schlüssel von 4,16 Personen pro Wohneinheit laut Statistik Austria).

Schützen statt spekulieren Während in Österreich ein nicht unbeträchtlicher Teil des Bodens mit dem Bau privater Wohnhäuser versiegelt wird, sind auf der anderen Seite knapp 40 Prozent des Baulandes überhaupt nicht bebaut. Trotzdem wird weiter Bauland gewidmet. Der Grund: Boden wird als Spekulationsobjekt Nummer eins gehortet. Grundstücke in guter, zentraler Lage gelangen so nicht oder nur zu sehr hohen Preisen auf den Markt. Derweilen wird weiter außerhalb Hektar um Hektar grüner Fläche verschwendet. In der Schweiz greift hier der Bund ein, indem er den Kantonen seit 2014 vorschreibt, wie viel Bauland sie

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maximal vorrätig haben dürfen. Ein Überschuss hat zur Folge, dass Bauflächen in Grünland rückgewidmet werden müssen. Und in Österreich? Mit der Baulandbefristung, die Grundeigentümer dazu auffordert, innerhalb einer bestimmten Frist zu bauen, gibt es ein Instrument, das das Horten von Boden verhindern soll. Verpflichtend ist es aber nur in der Steiermark und in Salzburg. Eine Mehrwertabgabe von 50 Prozent, wie sie etwa im Kanton Basel-Stadt seit Langem bei Umwidmungen umgesetzt wird und die in die Grünraumschaffung fließt, gibt es nicht. Ähnlich sind hierzulande die städtebaulichen Verträge, mittels derer Gemeinden die Entwickler an den Infrastrukturkosten für Parks, Wege, Schulen etc. beteiligen, die im Zuge ihrer Bauprojekte anfallen. Ökonomische, ökologische und soziale Interessen konkurrieren miteinander, wenn es darum geht, wie Boden genutzt werden soll. Diese unvermeidlichen Interessenkonflikte werden bislang von Politik und Planungssystemen nur unzureichend gelöst. Damit nicht weiterhin wertvoller, klimawirksamer Boden verloren geht und künftig Gemeinwohl und Ernährungssicherheit bedroht sind, braucht es den politischen Willen, schwache oder nicht angewandte Raumplanungsgesetze zu reformieren. Und die Erkenntnis, dass die Zukunft des Bodens uns alle angeht.

© Robert Adam Basel

Die Neugestaltung des Nachtigallenwäldeli in Basel-Stadt finanzierte sich über den Mehrwertabgabefonds. Der Grundgedanke: Zusätzliche Stadtverdichtung muss mit dem Ausbau von Grünflächen einhergehen.


Effizient entgasen mit der Vakuum-Sprührohrentgasung Servitec S und Servitec Mini

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Leuchttürme gesucht Klimaneutrale, resiliente Städte sind Ziel der zahlreichen Smart Cities Initiativen des österreichischen Klima- und Energiefonds. Neue Speerspitze urbaner Innovationen: die Ausschreibung „Leuchttürme für resiliente Städte 2040“ startet mit einem Fördervolumen von sechs Millionen Euro.

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m Rahmen der Smart Cities Initiative werden Lösungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung gesucht. Innovative Produkte, Dienstleistungen und Prozesse sollen im realen städtischen Umfeld erstmalig getestet und in weiterer Folge breit ausgerollt werden, um kommunalen Mehrwert und konkrete Klimawirkung für österreichische Städte und Gemeinden zu schaffen. Die Ausschreibung „Leuchttürme für resiliente Städte 2040“ konzentriert sich auf drei Schwerpunkte sowie weiterführende F&E-Dienstleistungen entlang der sechs Aktionsfelder Energieversorgung & -nutzung, Bestand & Neubau, Warenströme & Dienstleistungen, Stadtökologie & Klimawandelanpassung, Siedlungsstruktur & Mobilität sowie Kommunikation & Vernetzung. Hier die Schwerpunkte im Überblick: • Resiliente urbane Freiflächen: Demonstration resilienter und multifunktionaler urbaner Freiflächen; Wasser in der Stadt intelligent nutzen;

• Resiliente Siedlungsentwicklung in Bestandsquartieren: Konzepte für die resiliente Modernisierung von Arbeitersiedlungen im Bestand; Resiliente Entwicklung von Arbeitersiedlungen der 1920er- bis 1940er-Jahre; • Soziale Innovationen als Motor nachhaltiger Stadtentwicklung: Demonstration innovativer urbaner Nutzungs-, Finanzierungs- und/oder Betreibermodelle; Inklusive und co-kreative Teilhabe an der Energiewende; Innovationswerkstatt „Soziale Innovationen für nachhaltige Stadtentwicklung; • F&E-Dienstleistungen: Nachhaltige Stadtentwicklung - Potenziale und Finanzierungsmöglichkeiten; Machbarkeitsstudie „Bürger*innen-Stiftung Klimaschutz“; Machbarkeitsstudie „Environmental Impact Bonds“. Theresia Vogel, Geschäftsführerin Klima- und Energiefonds dazu: „Mit der heurigen Ausschreibung ‚Leuchttürme für res-

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Angebote für Städte

© Krisztian Juhasz / APA

„Leuchttürme für resiliente Städte 2040“ & „Stadt der Zukunft“ Der Klima- und Energiefonds sowie das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) bieten unterschiedliche Förderangebote für Gemeinden bzw. Städte zu Klimawandel, Energie- und Mobilitätswende. Eine Übersicht relevanter Angebote finden Sie auf der Programmseite des Klimaund Energiefonds. smartcities.at/foerderungen

iliente Städte 2040‘ stellen wir die Notwendigkeit, den Raum neu aufzuteilen, in den Mittelpunkt. Dabei adressieren wir schwerpunktmäßig (halb-)öffentliche urbane Freiflächen, die Siedlungsentwicklung in Bestandsquartieren sowie soziale Innovationen als Hebel für die erfolgreiche Transformation.“ Die Betrachtung relevanter Fragestellungen aus den Aktionsfeldern muss dabei stets in integrativer und systemübergreifender Weise vor dem Hintergrund der Einbettung in den stadtregionalen Kontext erfolgen.

Vielfältige Partnerschaften gesucht Die Ausschreibung adressiert Multi-Akteure-Partnerschaften, die zur konkreten Umsetzung von Demonstrationsprojekten in Richtung einer Smart City beitragen können. Dies umfasst insbesondere Städte und Gemeinden mit einer Einwohnerzahl von mehr als 5 000 Einwohner*innen, Unternehmen (von Industrie/Großbetrieben bis KMUs), vor allem Energieversorgungsunternehmen, Energiedienstleister; Bauträger, Immobilienentwickler, Investoren; Infrastrukturbetreiber (z. B. aus den Bereichen Gebäudemanagement, Energie[netze], kommunale Versorgungs- und Entsorgungssysteme etc.). Weiters Akteure aus der Energieraum-, Raum-, Verkehrs- und Landschaftsplanung, Forschungseinrichtungen und Universitäten, Bürgerinitiativen bzw. -vertretungen. Weitere Informationen und Ausschreibungsdetails finden Sie auf www.klimafonds.gv.at


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in Kasseler Start-up produziert Fliesen aus recycelten Bauabfällen und hebt damit das Potenzial und die Schönheit des zirkulären Wirtschaftens auf eine längst überfällige Bühne. Das Thema ist nicht neu – der Ausschöpfung des Lebenszyklus widmen sich viele Designer seit Jahren. Was Shards aber von den bisherigen Versuchen unterscheidet, ist die konsequente und ausschließliche Nutzung mineralischer Ziegel- und Glasabfälle. Das Rohmaterial stammt von

Mülldeponien und Bauschutthöfen, wird zerkleinert, vermischt und dann zu Fliesen gebrannt – jede ein Unikat. Die trendigen Vintagefarben von Creme und Beige und Rosa bis Oliv, Blau und Schwarz, entstehen gänzlich ohne Farbpigmente und Bindemittel, allein durch unterschiedliche Mischverhältnisse und variierende Brenntemperaturen. Auch die Oberflächenbeschaffenheit, wie glatt, rau oder offenporig, und damit die rutschhemmenden Eigenschaften lassen sich

Platten aus Popcorn

auf diese Weise variieren. Die in allen Standardgrößen erhältlichen Fliesen überzeugen mit ihrer hohen optischen Natürlichkeit und Lebendigkeit. Ästhetische Abstriche gegenüber konventionell aus neuen Rohstoffen gefertigten Produkten sind nicht auszumachen. Shards wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundespreis Ecodesign, der nachhaltige und herausragend gestaltete Produkte, Dienstleistungen und Konzepte prämiert. www.shardtiles.com

© Lea schücking/shardtiles

Woopies gegen Lärm


© Woopies/Baur Akustik GmbH

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ndividuell gefertigte Akustikpaneele aus Schurwolle als stylishes Deko-Element gegen Lärm- und Luftbelastung. Mit den speziellen Lösungen von Baur Akustik kommt nicht nur mehr Design ins Großraumbüro, auch – und das ist wohl noch wichtiger – soll die Voraussetzung für mehr Gesundheit und weniger Belastung der Mitarbeiter gesorgt werden.

Woopies sind akustisch funktionale Designelemente, die aus Schweizer Schafschurwolle und einer textilen Bindefaser bestehen. Durch perfekt abgestimmte Faserdichten und die der Wolle anheime Oberflächenstruktur ist eine hohe Schallabsorption gegeben. Das aktive Feuchtigkeitsmanagement des Materials sorgt für spürbar angenehmeres Raumklima, die Wolle baut nachweislich Schadstoffe ab

und neutralisiert unangenehme Gerüche. Unterschiedliche Größen, Designs, Formen und Farben erlauben eine individuelle, dem Unternehmens-CI angepasste Optik. Montage und Pflege sind kinderleicht. Woopies sind ideal geeignet für den Einsatz in Großraumbüros, andere großflächige Arbeitsräume, Museen, Kindergärten oder zu Hause. Alle Infos unter www.woopies.com

© Moira Burnett

Unikate aus Bauschutt

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orscher der Universität Göttingen haben besonders leichte Trockenbauplatten mit einem Kern aus Popcorn, genauer aus expandierten Maiskörnern, entwickelt. Die Platten sind vergleichbar mit Sandwichelementen, bei denen zwischen zwei dünnen Deckschichten ein Schaum- oder Wabenkern liegt. Für die Produktion der Leichtbauelemente wenden die Wissenschaftler zwei verschiedene Verfahren an. Beim Einschritt-Verfahren werden

Popcorn für den Kern sowie Holzspäne und -fasern für die Deckschicht beleimt, dann gestreut und in einem Zug zu Platten verpresst. Im Zweischritt-Verfahren produziert man zuerst die Popcornverbundplatte und beplankt sie anschließend mit Deckschichten wie Sperrholz, Faserplatten, Aluminium oder HPL. Im Einschritt-Verfahren hergestellte Platten erreichen bei nur halb so großer Rohdichte die gleichen Biegeeigenschaften wie Referenz-Spanplatten. Die im Zwei-

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schritt-Verfahren hergestellten und mit Sperrholz bzw. Alu beschichteten Platten sind sogar deutlich tragfähiger. Als Einsatzgebiet kommt neben dem Möbelbau aufgrund der sehr geringen Wärmeleitfähigkeit von Popcorngranulat auch der Dämmbereich infrage. Außerdem interessant sind der Automobil-, Schiff- und Messebau. Laut den Entwicklern rund um Prof. Dr. Alireza Kharazipour können Holzwerkstoffhersteller die Platten auf bestehenden Anlagen produzieren.


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Kühldecke: Neuer Freiraum zur Gestaltung Der Klimawandel verursacht vor allem im urbanen Raum neue technische Herausforderungen. So wird das Kühlen immer mehr zum Thema, mit dem sich Städteplaner, Architekten und Professionisten auseinandersetzen müssen. Ein neuer, innovativer Ansatz dieses Problem zu lösen entstand aus der Kooperation der Unternehmen liVENTO und KE KELIT.

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as Deckenkühl- und Heizsystem „CLIMATEFIX BLife“ sorgt das ganze Jahr für angenehme Temperaturen und hohen Wohnkomfort. Die Oberfläche ermöglicht vielfältige ästhetische Lösungen. Im Vergleich zu anderen Kühl- und Heizsystemen wird bei BLife mit geringen Oberflächentemperaturen und einer gleichmäßigen Temperaturschichtung eine höchstmögliche Energie- und Kosteneffizienz erreicht.

Gleichmäßig warm oder kühl Die Unterdecke, die im Gegensatz zu den anderen Flächen im Raum meist vollständig nutzbar ist, wird bei CLIMATEFIX BLife zur Temperaturabstrahlung benutzt. Durch die große Fläche entsteht ein ausgeglichenes Raumklima, weil keine spürbaren Luftbewegungen entstehen. Die in den Modulen integrierten Leitbleche aus Aluminium sorgen für eine gleichmäßige horizontale Temperaturverteilung über die gesamte aktive Fläche.

Vielfalt für Architektur, Licht und Schall Für die architektonische Gestaltung entstehen neue Freiräume, die vielfältig genutzt werden können. Zunächst gibt es keinerlei störende Aufbauten, die das Erscheinungsbild des Raumes beeinträchtigen. Mit einer Bauhöhe von etwa 10 cm ergeben sich zusätzliche technische Möglichkeiten. So können zum Beispiel mit geringem Aufwand Lichtelemente integriert werden. Die Fläche kann auch zur Verbesserung der Raumakustik genutzt werden, indem sie über eine Lochgeometrie oder Segellösungen schalldämmend ausgeführt wird.

Viele Argumente für die Gesundheit Bereits unsere Großeltern wussten es: „Kopf kühl, die Füße warm, das macht den besten Doktor arm!“ Dieser einfache Spruch lässt sich mit vielfältigen Argumenten belegen. So geht die Medizin davon aus, dass über 3° Temperaturunterschied gesundheitsschädlich sind. Während z.B. bei einer Fußbodenkühlung ein

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Das Beste aus zwei Welten Punktuelle Kooperationen von liVENTO und KE KELIT gab es in der Vergangenheit bereits. Aber mit CLIMATEFIX BLife, dem innovativen Deckenkühl- und Heizsystem, schlägt man nun ein völlig neues Kapitel auf. Von KE KELIT kommt die jahrzehntelange Erfahrung, von liVENTO die punktgenaue Systemlösung bei der Projektrealisierung. Das in Österreich flächendeckend auftretende liVENTO-Serviceteam garantiert nicht nur die reibungslose Installation samt Inbetriebnahme, sondern auch eine flotte, schnelle und unkomplizierte Abwicklung bei allen Servicefragen. Der Claim von liVENTO ist gleichzeitig Programm: „Lüften, Kühlen, Heizen mit System“ – das ständig wachsende mittelständische Unternehmen aus Linz-Urfahr deckt die gesamte Palette an Produkten und Systemlösungen in der Wohnraumlüftung ab. Umgesetzt wird dieses Ziel mit intelligenten Baukastensystemen, das Komplettlösungen vom überschaubaren Eigenheim bis hin zu mittelgroßen Objekten von 500 Quadratmetern ermöglicht. Und der Zweite im Bunde – KE KELIT – beschäftigt sich seit über 75 Jahren mit der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von innovativen Rohrsystemen bei Trinkwasserinstallation, Heizen, Kühlen, Industrie und Fernwärme. Das 1945 als kleiner Installationsbetrieb gegründete Unternehmen verfügt heute über Fertigungsstandorte in Österreich, Deutschland und Malaysia sowie Vertriebsstandorte weltweit bis nach Neuseeland.

starkes Gefälle vom Kopf zu den kalten Füßen entsteht, sorgt die Deckenkühlung für eine ausgeglichene vertikale Verteilung der Temperatur. Damit erweist sich die BLife-Kühldecke vor allem bei Fliesen- oder Steinbelägen als unschlagbare Alternative. Wird das System im Winter zum Heizen eingesetzt, entsteht durch die Wärmeabstrahlung der Decke eine angenehme Aktivierung der körperlichen Temperaturregulierung über die Wärmesensoren an der Stirn. Diese sind für die Steuerung des Wärmehaushalts im menschlichen Körper zuständig. Zusätzlich sind die 12,5 mm starken Gipskartonplatten nach dem Produktstandard „Activ Air“ gefertigt. Damit sorgt die Decke für Keimfreiheit – und etwaiges Formaldehyd wird aus der Raumluft entfernt. Zudem kann ein Entfeuchtungssystem integriert werden, um ein Plus an Kühlleistung zur Verfügung zu stellen. Das System ist im Betrieb völlig geräuschlos und verbessert auch die Schalldämmung zum Obergeschoss, was vor allem im mehrgeschossigen Wohnbau zu einer Verbesserung der Wohn-

qualität führt. Damit leistet es einen Beitrag zu einer Qualitätsund Wertsteigerung der Objekte.

Einfache Montage & vielfältige Einsatzbereiche Die Sandwich-Elemente sind in Modulbauweise gefertigt, die Dämmung mit den Aussparungen für die wasserführenden Rohrleitungen ist bereits integriert. Dadurch erfolgt die Montage besonders einfach mittels zusammenstecken. Zusätzlich sind die Deckenmodule komplett wartungsfrei. Die Einsatzbereiche sind äußerst vielfältig und grundsätzlich nicht eingeschränkt, da in Absprache mit den Planern auch Sonderwünsche umgesetzt werden können. Hinsichtlich der Größenordnung sind Lösungen vom Eigenheim bis zu Großobjekten möglich, z.B. Großraumbüros und Einkaufszentren, wegen der hohen Hygienestandards aber auch Krankenhäuser oder Kindergärten. Die BLife Heiz- und Kühldecken können auf jegliche bestehende oder geplante Bausubstanz abgestimmt werden.

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© STEINBAUER architektur+design

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Ein Haus ohne Garten ­planen? Für viele un­ vorstellbar. Selbst in Zeiten von astronomischen Grundstückspreisen und MiniBauparzellen. Dabei gäbe es vollwertigen Ersatz: das Atriumhaus.

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er große Durchbruch ist dem Atriumhaus in der heimischen Architekturlandschaft bislang nicht so recht gelungen. Und das, obwohl der Haustyp immer wieder einmal Furore gemacht hat. So zum Beispiel die Atriumhäuser von Fritz Matzinger. Der oberösterreichische Architekt entwickelte bereits vor gut fünf Jahrzehnten für sein Modell des nachbarschaftlichen Wohnens Häuser, die mit architektonischen Mitteln ein harmonisches Zusammenleben fördern sollten, ohne dabei das Bedürfnis nach Privatheit zu vernachlässigen. Zu diesem Zweck bilden in Matzingers Entwürfen meist acht zweigeschoßige Reihenhäuser in geschlossener Bauweise einen ca. 200 Quadratmeter großen Innenhof, das sogenannte Atrium, über das alle Häuser der Baugruppe erschlossen sind. Im Fall von Matzingers Prototyp „Les P­alétuviers“ in Leonding fungieren gleich zwei davon als eine Art Dorfplatz, auf dem die Bewohner – einer davon der Architekt selbst – sich ganz zufällig begegnen, spielen, sporteln und feiern. Für ein ähnliches, im Jahr 2000 fertiggestelltes Projekt, die Wohnanlage „Guglmugl“ unterhalb des Botanischen Gartens in Linz, gewann Matzinger 2019 den Daidalos-Preis für “Bewährtes


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Bauen”. Die insgesamt 32 Wohneinheiten wurden einst in enger Zusammenarbeit mit den künftigen Bewohnern geplant und auf deren individuelle Bedürfnisse abgestimmt. Die meisten von ihnen wohnen heute noch im Haus. Matzingers Wohnanlagenkonzept ist laut Jurybegründung nach 20 Jahren so aktuell wie nie: gemeinschaftlich, generationsübergreifend, ressourcenschonend. Trotzdem entspricht das Atriumhaus für den verdichteten Wohnbau heute nicht den Vorstellungen vieler Familien, wahrscheinlich auch deshalb, weil solche Wohnmodelle, die auch den sozialen Aspekt berücksichtigen, eher unbekannt sind. Der moderne Wohnbau, wie er gegenwärtig verfolgt wird, unterbinde zufällige Begegnungen zwischen den Bewohnern, kritisiert Matzinger in einem Interview. Der enge Kontakt zur Nachbarschaft, die kurze Begegnung vor dem Haus oder das spontane Gespräch am Gang – all das bleibt immer häufiger aus, wird den Menschen zunehmend fremd. Der Abstand zwischen den Menschen wird größer.

Rückzug auf dem Vormarsch Trendforscher sprechen von „Cocooning“, um den Rückzug aus dem öffentlichen Leben ins Private zu beschreiben. Ein Lebensgefühl, das Menschen besonders in Krisenzeiten dazu bringe, sich in die eigenen vier Wände zurückzuziehen wie in einen Kokon. Die beliebteste Schutzhülle, wenn man so will, ist das frei stehende Einfamilienhaus mit Garten. Dieses gilt für 80 Prozent der Österreicher immer noch als die ideale Wohnform. Es verspricht mehr Intimität, mehr Individualität. Tatsächlich aber kann in den typischen Vorstadtsiedlungen von Privatsphäre oft nicht die Rede sein. Gebäude stehen dicht an

Zum Himmel hin öffnet sich die Innenstiege im ­Architektenhaus von Jürgen Radatz. Zusammen mit ­ dem Stiegenaufgang aus weiß lackiertem Metall verleiht das Innenatrium dem 2018 fertiggestellten Einfamilienhaus eine besondere Leichtigkeit.

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© Jürgen Radatz, Martin Schlager, Martin Bilinovac

Oben: Als Vorhof tritt das Atrium bei diesem Winkelhofhaus von Jürgen Radatz auf. Der entstehende intensive Bezug zur Umgebung trifft hier auf ein gesundes Maß intimer Rückzugsmöglichkeiten. Unten: Intensive Blickbeziehungen ergeben sich über das innen liegende Atrium im Hofhaus S. von Steinkogler und Aigner Architekten.


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dicht, die Terrassen und Gärten sind ­einsehbar. Hier kommt einmal mehr das Atriumhaus ins Spiel. Als zeitgemäße, funktionale Lösung mit viel Gestaltungsspielraum kann es eine ansprechende Alternative zum klassischen Einfamilienhaus sein, die sich selbst für schwierig zu bebauende Grundstücke am Stadtrand eignet. So realisierte Architekt Jürgen Radatz auf einem steilen, schmalen Nordhang im niederösterreichischen Klosterneuburg einen Neubau mit zentralem Innenatrium – Herzstück und Tageslichtquelle zugleich. Das Atrium befindet sich in der Mitte des aus zwei Kuben bestehenden Baukörpers, die ineinander verschnitten wurden. Belichtet wird es von oben, die hohen, weiß gestrichenen Wände dienen als Reflexionsflächen. Dadurch gelangt in den nördlich gelegenen Wohnraum ausreichend Tageslicht. Die Geschoße wurden in Split-Level-Bauweise ausgeführt. Der Luftraum des Atriums erlaubt die Kommunikation über die Geschoß­ ebenen hinweg. Für Radatz sind Innen­atrien vor allem auch räumlich eine interessante Lösung: „Über die Innenatrien können die Räume von oben sehr schön belichtet werden, darüber hinaus werden die Erschließungsflächen nicht zu Gängen, sondern zu Galerien mit Ein- und Ausblicken nach oben und unten.“

Im Schutz des Hofes Am Land ist das Atriumhaus ein durchaus traditioneller Gebäudetypus. In Nieder­ österreich oder im Burgenland reiht sich Atrium an Atrium – genauer gesagt, Innenhof an Innenhof. Die Begrifflichkeitsgrenze zwischen Atrium und Innenhof ist eine fließende. Reine Atrien sind aufgrund klimatischer Bedin-

gungen in unseren Breiten selten. Hier sind Grundrisse gefragt, die den Hof und die umliegenden Räume voneinander abtrennen. Innen und Außen gehen in der modernen Architektur aber ineinander über und können auf verschiedenste Weise in Beziehung zueinander gesetzt werden. Offen wohnen und sich trotzdem geborgen und sicher fühlen, das ist in einem Atriumhaus kein Widerspruch. Ein Winkelhofhaus von Jürgen Radatz in Hagenbrunn in Niederösterreich schafft genau diesen Spagat. Der winkelförmige­ Hof sorgt für Schutz gegenüber der Umwelt und fremden Blicken, während nach innen hin größtmögliche Offenheit herrscht. Reiht man solche Winkelhofhäuser aneinander, entstehen sogenannte Kettenhäuser mit privaten Gartenhöfen – geschützt vor Einblicken oder Störungen von außen. Ein Vorteil, der verstärkt im städtebaulich sinnvollen verdichteten Flachbau genutzt werden sollte, so Radatz.

Zeitloses Wohnkonzept Der Wunsch nach Intimität und Privatsphäre in einem zugleich sehr heterogenen Wohnumfeld ist auch für die Gestaltung eines aktuell in Bau befindlichen Einfamilienhauses in Lanzenkirchen, Niederösterreich, ausschlaggebend. Nach den Entwürfen von Architekt Oliver­Steinbauer entsteht ein großzügiger Innenhof, gebildet von zwei losgelösten L-förmigen Baukörpern, die durch ein leicht asymmetrisches Satteldach verbunden werden. Das Ergebnis ist eine vertraute Atmosphäre, ungestört durch Straßenverkehrslärm und andere Emissionen. „Der Entwurf von Hofhäusern ist nicht, wie man oft glaubt, eine vom Umfeld losgelöste Planung, sondern spielt oft sehr sensibel und subtil mit der Umgebung“,

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so der Architekt zur Gestaltung des Hofhauses, das im Sommer dieses Jahres fertiggestellt sein wird. Dass ein Atrium auch gute und sichere Rahmenbedingungen für das Wohnen im Alter schaffen kann, zeigt ein Projekt von Steinkogler und Aigner Architekten ZT GmbH im oberösterreichischen Molln. Im „Hofhaus S.“, das die Bewohner seit 2019 als ihren Alterssitz nutzen, befinden sich alle Räume auf einer Ebene.­Statt Keller und Dachboden gibt es zwei separierte Baukörper. Der größere umfasst Wohnräume samt zentralem, voll verglastem Atrium, um das alle Zimmer angeordnet sind. Dank der mittigen Platzierung eines Atriums im Baukörper kommt das Wohngebäude mit nur wenigen Gangflächen aus. Um die alltägliche Fortbewegung mit Rollator oder Rollstuhl zusätzlich zu erleichtern, setzten die Architekten auf eine großzügige Flächenverteilung und breite Türöffnungen. Von außen gibt sich das Holzhaus eher zugeknöpft, einige ausgewählte Fensteröffnungen an der Außenfassade erlauben aber Blickbezüge zur Nachbarschaft. Man kann diese Verbindung zur Umgebung nutzen, sie ist beim Atriumhaus aber nicht zwingend. Architekt Hans Weidinger erklärt den Charakter solcher Hofhäuser anhand des „Igel-Prinzips“: außen harte S­tacheln, innen weicher Kern. Die dadurch entstehende einmalige Wohnqualität schätzte man bereits in der Antike. Jetzt, wo die Bedeutung von sicheren, intimen Rückzugsorten aufgrund zahlreicher Krisen – Klimawandel, Urbanisierung, Wohnungsnot oder demografischer Wandel – weiter im Steigen begriffen ist, mausert sich das uralte Atriumhaus vielleicht sogar zu einer zukunftsweisenden Form des Lebens, Wohnens und Bauens.


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Sattler Outdoor Living Das Wohnzimmer erweitert sich nach außen: Egal Balkon oder Terrasse, mit trendigen Möbel und einem coolem Sonnenschutz wird der Outdoor Bereich immer mehr zu einem zusätzlichem Wohnbereich.

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enn die Tage länger werden und die Temperaturen steigen verwandeln sich Balkone, Terrassen und Gärten in unser Wohnzimmer unter freiem Himmel. Sei es beim Grillen mit Freunden, beim Kaffeetrinken mit der Familie oder beim Relaxen mit einem guten Buch, Outdoor Living beschreibt den Trend, den Außenbereich genauso wohnlich und gemütlich zu gestalten wie den Innenbereich. Um auch bei hohen Temperaturen und schönem Sonnenschein in Ihrem Outdoor-Wohnzimmer gemütliche Stunden verbringen zu können, sollten Sie auch unbedingt an den richtigen Sonnenschutz denken. Einzigartige Dessins sowie exzellente Qualität macht Sattler zu einem der führenden Anbieter von Outdoor-Textilien für Sonnenschutzanwendungen wie Markisen, Pergolen, Schirme und Sonnensegel an. Unsere Stoffe verhelfen Ihnen nicht nur zu Schatten, sondern schützen je nach Einsatzzweck auch vor Regen, Kälte, Hitze oder Blendung und sind dabei selbst

dank höchster Materialqualität vor Sonne, Wind und Wetter geschützt. Die Stoffe werden aus spinndüsengefärbten Acrylgarn hergestellt, was dazu führt, dass die Farben besonders resistent gegen Ausbleichen sind und viele Jahre ihre volle Intensität behalten. Nach UV Standard 801 geprüft, bieten sie einen ausgezeichneten und geprüften UV Schutz und dank der Sattler eigenen Ausrüstung „TEXgard“ bei richtiger Pflege eine sehr gute Wasser-, Schmutz- und Schimmelabweisung. Neben dem umfangreichen Sortiment von glatten und texturierten Uni-Stoffen gibt es auch ein wundervolles Sortiment an Design-Linien für Ihren perfekten Sonnenschutz. Um sich schon vor der Beratung beim Fachhändler ein Bild zu machen, welcher Stoff den am besten zu Ihnen passt, besuchen Sie doch einfach unseren Design Selector für Markisentücher und finden Sie gleich Ihren Lieblingsstoff. suntex.sattler.com/design-selector

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ir befinden uns im norditalienischen Massa Lombarda, in der Nähe von Ravenna, und hier wurde, zumindest wenn es nach den Initiatoren geht, kürzlich Baugeschichte geschrieben. Innerhalb einer guten Woche druckte man vor Ort den Prototyp eines Wohnhauses aus Erde. Und dieses Gebäude soll nicht weniger als die Zukunft des Bauens und Wohnens verändern. Aber von vorne. Das italienische Unternehmen Wasp, gegründet im Jahr 2012, hat sich auf die Entwicklung und Produktion von 3D-Druckern

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© Mario Cucinella Architects, Lago Corazza

spezialisiert und arbeitet seit Jahren weltweit mit Forschungseinrichtungen, Konstrukteuren und Architekten zusammen, um Produktionsvorgänge nachhaltiger zu machen und den Fußabdruck der Baubranche zu minimieren. Nun ließen die Italiener mit einer Erfolgsmeldung aufhorchen. In Zusammenarbeit mit der School of Sustainability konnte man erfolgreich den ersten „Ausdruck“ eines Hauses realisieren, ohne dafür adaptierten Beton oder anderes Spezialmaterial einzusetzen. Tecla, der Name ist eine Wortschöpfung aus Technology and Clay, wurde von zwei an Roboterarmen befestigten 3D-Druckern aus einem Mix aus vor Ort abgebauter Erde, Wasser, Kalk und Strohhäckseln gebaut. Optisch erinnert das vom Architekturbüro Mario Cucinella entworfene kuppelförmige Gebäude an ein Wes-

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pennest – mehr noch an die Lehmkokons der friedlichen Mörtelwespen, die sich im europäischen Raum angesiedelt haben. Die Architekten beschreiben Tecla als eine Höhle, eine nachhaltige Behausung, die im Prinzip überall auf der Welt stehen könnte. Das 60 Quadratmeter große Häuschen ist mit eigenem Wohnzimmerbereich, Küche, Bad und Schlafzimmer ausgestattet. Einige Teile des Mobiliars, wie die Küchenzeile, werden direkt mitgedruckt, die anderen sind recycel- oder wiedereinsetzbar. „Ein schönes, gesundes und nachhaltiges Heim kann auch von einer Maschine hergestellt werden“, gibt sich Wasp-Firmengründer Massimo Moretti überzeugt und sieht im aktuellen Projekt den Beweis dafür. Man wolle mit Tecla auf die Klimakrise reagieren und eine kohlenstoffarme Wohnalternative schaffen. Immerhin sei laut einem UN-Bericht aus dem Jahr 2020

die Baubranche allein durch ihren Energieverbrauch für 28 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.

Klima- & Wohnungsnot Geht es nach den Schöpfern des 3D-Erdhauses, so soll Tecla in Zukunft maßgeblich dazu beitragen, zwei essenzielle und globale Bedürfnisse zu befriedigen. Die nachhaltigen Häuschen reagieren einerseits auf den Baustoff- und Klimanotstand und sollen darüber hinaus als Lösung für den globalen Wohn(ungs)notstand genutzt werden können, der durch Naturkatastrophen und Klimaflucht in Zukunft noch viel größer werden wird. Architekt Mario Cucinella dazu: „Wir sehen Tecla gerne als Teil einer neuen geschichtlichen Epoche. Es ist sicherlich außergewöhnlich, dieses uralte Material mit neuen Technologien zu vereinen, und damit die Zukunft zu gestalten. Die

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Ästhetik dieser Häuser spiegelt den technischen Aufwand wider; es ist mehr als ein ästhetischer Ansatz. Es ist eine reale Form, eine authentische Form.“ Tecla stellt, so die Entwickler des außergewöhnlichen irdenen Häuschens, eine starke Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Zukunft dar: der Bedarf und vor allem der Geist zeitloser, uralter Wohnformen und Baustoffe einerseits, und die für die Produktion eingesetzte Technologie des 21. Jahrhunderts andererseits. Eine Technologie, die wichtiger Teil der globalen Bewegung in Richtung Individualisierung, Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge ist. Wasp-CEO Massimo Moretti blickt jedenfalls selbstbewusst in die Zukunft: „Tecla ist der Finger, der auf den Mond zeigt. Der Mond ist das Zuhause, ein Geburtsrecht, für jeden auf diesem Planeten. Von Tecla an wird das möglich sein.“

© Lago Corazza

Die Kuppeln bestehen aus Erde, Strohfasern, Reisspelzen, Kalk als Binder und Wasser. Einige Hohlräume in der Wand sind mit Reisspelzen gedämmt.


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ie Verordnungen sind eindeutig: Ab einem Mitarbeiter muss laut Arbeitnehmer-Schutzgesetz (ASchG) § 25 der Arbeitgeber geeignete Vorkehrungen treffen „um das Entstehen eines Brandes und im Falle eines Brandes eine Gefährdung des Lebens und der Gesundheit der Arbeitnehmer zu vermeiden“. In jeder Arbeitsstätte müssen daher geeignete Löschhilfen, wie Löschwasser, Löschdecken, Löschsand, Wandhydranten, Handfeuerlöscher oder fahrbare Feuerlöscher, in aus-

reichender Anzahl bereitgestellt sein. Die Behörde schreibt laut Arbeitsstättenverordnung § 43 weiters die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten und erforderlichenfalls einer Ersatzperson vor. Die Anforderungen an einen Brandschutzbeauftragten in einem Unternehmen sind hoch. Schon vor Beginn seiner Tätigkeit müssen alle für den betreffenden Betrieb erforderlichen Brandschutztechnikseminare und nutzungsbezogenen Seminare absolviert worden sein. Die gesetzlichen Bestimmungen

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sind einzuhalten, die Technik fortlaufend zu überprüfen und Unternehmensmitarbeiter sind zu schulen.

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WERKE Das Kunstzentrum FRAC Nord-­Pas de Calais enstand inmitten eines nicht mehr genutzten Hafenareals. Die alte Werfthalle wurde saniert und ergänzt.

NICHT ABREISSEN Die Vergabe des Pritzker Preises 2021 an das Pariser Architektenduo Lacaton & Vassal sei eine Würdigung der „Verbesserung des ­menschlichen Lebens durch eine Perspektive der Großzügigkeit ­ und Benutzungsfreiheit“. Plus: eine Würdigung mit Signalwirkung.

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Zu den bekanntesten Bauten des Architektenduos gehört das 2002 neu eröffnete Ausstellungsgebäude Palais de Tokyo in Paris.

© Philippe Ruault,

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ie beiden Preisträger Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal stehen für eine offene, lichterfüllte Architektur, die Klima- und Umweltaspekte hochhält und Abriss grundsätzlich als überflüssige Verschwendung sieht. „Sie haben den Architekturberuf völlig neu definiert“, ist in der Jurybegründung zu lesen, und „sie sind in der Lage, dem Individuum sozial, ökologisch und wirtschaftlich zu nützen und der Entwicklung einer Stadt zu helfen“. Die 1955 im französischen Saint-Pardoux geborene Lacaton und der 1954 im marokkanischen Casablanca geborene Vassal hatten sich in den 70er-Jahren beim Architekturstudium in Bordeaux kennengelernt und 1987 in Paris ihr gemeinsames Büro eröffnet. Die beiden Architekten stehen für soziales Bauen mit der Maxime der Nach-

haltigkeit und dem Vorsatz: nichts abreißen. Vassal drückte es in einem Interview so aus: „Es gibt zu viele Demolierungen von existierenden Gebäuden, die nicht alt sind, noch ein Leben vor sich haben und noch nicht ausrangiert sind. Wir glauben, dass das eine zu große Verschwendung von Materialien ist. Wenn wir genau hinschauen, wenn wir die Dinge mit frischem Blick sehen, gibt es immer etwas Positives, was man aus einer bestehenden Situation mitnehmen kann.“ Es ist nur konsequent, dass die im Jahr 2019 mit dem Mies van der Rohe Award Ausgezeichneten jetzt den wichtigsten Architekturpreis überhaupt erhalten. Ihre Architekturhaltung ist richtungsweisend für die unverzichtbare und mit immer größerer Vehemenz eingeforderte Nachhaltigkeit beim Bauen. Ihre Arbeiten beginnen

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Lacaton und Vassal immer mit der Wertschätzung des Bestehenden – auch wenn es sich, wie beim mit dem Mies Award prämierten Grand Parc Bordeaux, um einen Sozialwohnungsbau aus der Nachkriegszeit handelt, der eigentlich für den Abriss vorbestimmt war und den viele andere ihrer Zunft wohl kompromisslos dem Erdboden gleichgemacht hätten. 530 Wohnungen wurden da so umgestaltet, dass am Ende mehr Wohnfläche und mehr Wohnqualität standen – „mit minimalen Mitteln zur größtmöglichen Wirkung“, wie es in der Jurybewertung damals hieß. Neben dem Plattenbau in Bordeaux gehören die École Nationale Supérieure d’Architecture in Nantes, das Kunstsammlungsprojekt FRAC Nord-Pas de Calais in Dunkerque, der Grand Parc Bordeaux, das Wohnhochhaus Tour Bois le Prêtre in Paris sowie


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Hochhaus in Genf, ­Chêne-Bourg: Die äußere­Erscheinung tritt klar hinter die Optimierung des Raums, der von Menschen genutzt und bewohnt wird.

„Architektur sollte nicht demonstrativ oder imposant sein, sie sollte etwas Vertrautes, Nützliches und Schönes sein, mit der Fähigkeit, das Leben, das in ihr stattfinden wird, ganz wie selbstverständlich und mit allem Respekt zu unterstützen.“ Anne Lacaton

Radikale Sachlichkeit: Die Architekturfakultät in Nantes (Sanierung, Umnutzung 2010).

© Philippe Ruault, Laurent Chalet

das Wohnhaus Cap Ferret in Cap Ferret und natürlich der Aus- und Umbau des Ausstellungsgebäudes Palais de Tokyo in Paris zu den bedeutendsten Werken der beiden Preisträger. Zurzeit arbeitet das französische Duo am Umbau eines früheren Pariser Krankenhauses, das zu einem Wohnblock werden soll, sowie an einem Wohngebäude in Hamburg. Der mit 100.000 Dollar dotierte, nach seinem Erfinder Jay A. Pritzker benannte Architekturpreis wird seit dem Jahr 1979 verliehen und gilt als der Oscar der Architektur. Im vergangenen Jahr ging er an das irische Architektinnenduo Farrell und McNamara – weitere berühmte PritzkerPreisträger sind Kazuyo Sejima, Zaha Hadid, der kürzlich verstorbene Gottfried Böhm, Frank Gehry, der Österreicher Hans Hollein und Sir Norman Foster.


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