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Landesverband Hamburg und Landesverband Schleswig-Holstein

Ausgabe Dezember 2010

Der Mittelstand – Deutschlands Rückgrat Seiten 5-7

I Zweiter Neumitgliederabend

Seiten 13-14

I Medienstandort Hamburg: Spielerisch in die Zukunft

I Energiepolitische Herausforderungen für Schleswig-Holstein

Seiten 16-17

Seiten 38-42

copy-druck GmbH, Neumann-Reichardt-Str. 27-33, 22041 HH PVST 55030 Entgelt bezahlt DPAG


Landesverband Hamburg Ausgabe Dezember 2010

Matthias Leutke Landesvorsitzender

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roteste gegen Regierungspolitik können erfolgreich sein. Diese Erfahrung haben Demonstranten in den letzten Monaten wiederholt machen können: Ob Schulreform oder Schließung des Altonaer Museums – der Politik bereitet die Verweigerungs- und Blockadehaltung zunehmend Probleme. Die politische Handlungsfähigkeit ist gefährdet. Die Kritik an der politischen Führung beruht auf der Idealvorstellung, dass der „Wille des Volkes“ als Grundlage für das Handeln der Politiker dient. Das Problematische daran: In unseren hochkomplexen Gesellschaften sind die Interessen der Bürger derart ausdifferenziert, dass daraus kaum mehr eindeutige politische Wünsche abgeleitet werden können. Zudem degradiert ein solches Leitbild den Politiker zum bloßen Erfüllungsgehilfen. Einer Marionette gleich hat er dem Willen des Souveräns Folge zu leisten. Entsprechend kompromisslos ist die Erwartungshaltung des Bürgers. Er versteht sich als Konsument und ist in dieser Rolle gewöhnt, aus einem vielfältigen Angebot zu wählen oder sogar selbst zusammenzustellen. Wo früher Parteien Angebotspakete präsentierten, über die abgestimmt wurde, stellen nun selbstbewusste, parteiungebundene Bürger individuelle Ansprüche an die Politik. Der politische Wettbewerb jedoch funktioniert anders: Weil es unmöglich

ist, jedem Bürger ein individuelles Angebot zu machen, spielen die Parteien als Transformations- und Vermittlungsinstanzen in den modernen Massendemokratien eine so große Rolle. Zunehmendes Desinteresse und politische Apathie haben die Parteien dazu übergehen lassen, statt Präferenzen abzufragen, selbst die politischen Agenden zu setzen. Sie erzeugen bei den Bürgern Wünsche, für die sie nachträglich um Zustimmung werben. Das Ideal der Demokratie verschiebt sich von der Nachfrage- zur Angebotsseite und somit von der Bürgerbeteiligung zur Führungsorientierung. Politische Eliten werden gestärkt, der Bürger als Wähler verliert seine Macht. Das Ergebnis dieser Missverständnisse auf beiden Seiten sind eine sinkende Wahlbeteiligung, Frustrationen und das Gefühl politischer Entfremdung. Für die Parteien wird es immer schwieriger, einer großen Gruppe von Wählern kohärente Programme mit ausgeprägtem inhaltlichen Profil anzubieten. Entsprechend sinkt die Bindekraft der Volksparteien, und es steigt der Wahlerfolg der Klientelparteien, die von der wachsenden Unverhandelbarkeit politischer Präferenzen profitieren. Angesichts des zunehmenden Pluralismus unserer Gesellschaften, komplexer Problemlagen und fortschreitender Globalisierung sind starke, sachkompetente Führungspersönlichkeiten, die das Vertrauen der Bürger für sich gewinnen, divergierende Interessen bündeln und richtungsweisende Entscheidungen fällen, zweifellos ein Gewinn. Eine solche Führung aber, deren Qualität die Wähler erst im Nachhinein bewerten, läuft Gefahr, losgelöst von den Vorstellungen der Bürger zu operieren. Wie lässt sich dieses Dilemma, das die Politikwissenschaft als „Postdemokratie“ bezeichnet, lösen? Steht die Bereitschaft der Volksvertreter, Wünsche und Interessen der Bürger in der Gesetzgebung zu berücksichtigen, im Widerspruch zu einer handlungsstarken politischen Führung? Stößt die repräsentative Demokratie an ihre Grenzen und bedarf der Ergänzung um plebiszitäre Elemente? Ich glaube, dass eine Politik, die einen Gewinn für alle und keine Ver-

lierer bedeutet, möglich ist. Der Schlüssel liegt darin, einer starken politischen Führung ebenso starke Interessengruppen gegenüberzustellen. Solche Gruppierungen geben den Bürgern die Möglichkeit, ihre Wünsche und Interessen jenseits von Wahlen konkret zum Ausdruck zu bringen. Indem sie die Vorstellungen ihrer Mitglieder zu einem entscheidungsfähigen Willen verdichten und im Kräftespiel mit der Politik um Lösungen ringen, tragen sie bei zur Akzeptanz von Entscheidungen und damit zum sozialen Frieden, zur Integration und zur Stabilität des Staates. Dieses Verfahren bringt allen Beteiligten Vorteile: der staatlichen Verwaltung bessere Informationen und den Verbänden wirksamere Durchsetzungsmöglichkeiten für ihre Forderungen. Die Geschäftsordnungen des Bundestages und der Bundesregierung sehen ausdrücklich die Mitwirkung von Interessenverbänden vor. Ministerien sind gehalten, bei der Vorbereitung von Gesetzen Vertreter der Verbände hinzuzuziehen. Verbände wie der Wirtschaftsrat bilden damit eine sinnvolle Korrektiv- und Ergänzungsfunktion in unserem parlamentarischen System. Wichtigste Ressource des Wirtschaftsrates ist der Sachverstand jedes Einzelnen von uns. Es ist weniger „der Verband“ der etwas bewegt, als eine große Zahl von Unternehmern, die zusammen an einem Strang ziehen. Umso breiter wir aufgestellt sind, desto kompetenter können wir gegenüber der Politik argumentieren. Lassen Sie uns auch im kommenden Jahr alle gemeinsam die Wirtschaftspolitik im Sinne der Sozialen Marktwirtschaft mitgestalten! Ihnen und Ihren Familien wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen gesunden und friedlichen Jahreswechsel.

Ihr Matthias Leutke Landesvorsitzender Hamburg

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Landesverband Hamburg und Landesverband Schleswig-Holstein Ausgabe Dezember 2010

I N H A LT

VORSCHAU

Der Mittelstand – Deutschlands Rückgrat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 5

LANDESVERBAND HAMBURG

Ludwig im Herzen und Erhard im Geist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 5

Änderungen sind möglich

Green Capital – Hamburg als Silicon Valley der Energie? . . . . . . . . . . . . Seite 8

VERANSTALTUNGEN

Pausengespräche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 10

16. Januar 2011 NEUJAHRSEMPFANG mit dem Ersten Bürgermeister Christoph Alhaus

Herbstlicher Besuch in Hamburgs „Grünfabrik“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 11 Besichtigung Kohlekraftwerk Moorburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 12 Zweiter Neumitgliederabend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 13 Medienstandort Hamburg: Spielerisch in die Zukunft . . . . . . . . . . . . . . . Seite 16 Zwischenruf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 20 Eine ungewöhnliche Veranstaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 22 Landesfachkommission ITK Informations- und Telekommunikationstechnologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 25 Aus dem Juniorenkreis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 26 Jour Fixe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 28 Landesfachkommission Luft- und Raumfahrt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 32 ...im Übrigen Infos aus der Landesgeschäftsstelle Hamburg . . . . . . . . . . . Seite 34 Neue Mitglieder in den Landesverbänden Hamburg und Schleswig-Holstein . . . . . . . . Seite 34 Dr. Manfred Hermann Redakteur unseres Magazins (He)

Wir gratulieren zur langjährigen Mitgliedschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 35 Nachlese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 35

Landesverband Schleswig-Holstein

02. Februar 2011 Mittagsveranstaltung Bundesminister a. D. Olaf Scholz MdB, Landesvorsitzender der SPD Hamburg und stellvertretender Parteivorsitzender der SPD 08. Februar 2011 Mittagsveranstaltung Dr. Lutz Mohaupt MdHB, Präsident der Hamburgischen Bürgerschaft 15. April 2011 Mittagsveranstaltung Senator Ian K. Karan, Präses der Behörde für Wirtschaft und Arbeit der Freien und Hansestadt Hamburg POLITISCHES FRÜHSTÜCK 17. Dezember 2010 Prof. Dr. Johannes Caspar, Hamburgischer Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit 31. Januar 2011 Dr. Christian von Boetticher MdL, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion von Schleswig-Holstein 16. Februar 2011 Pieter Wasmuth, Generalbevollmächtigter der Vattenfall Europe AG

Grusswort des Landesvorsitzenden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 38 JOUR-FIXE FÜR MITGLIEDER

Stromspeicher als Schlüsseltechnologie für Schleswig-Holstein . . . . Seite 39 Energieversorgung – Herausforderung der Zukunft . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 41 Zukunftskonzept Desertec – Entwicklungsstand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 42 Chancen und Risiken einer Rekommunalisierung beim Auslaufen von Konzessionsverträgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 44 Aus dem Juniorenkreis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 48 Kommission Gesundheitswirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite49 Intelligentes Sparen für eine bessere Schulbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 50 Städtische Finanzen und die Schuldenbremse – Risiko oder Chance? Seite 52

06. Januar 2011 Dr.-Ing. Walter Pelka, Präsident der HafenCity Universität Hamburg 10. Februar 2011 Gunnar Snorri Gunnarsson, Botschafter Islands und Dimitrios Rallis, Botschafter Griechenlands (angefragt) 03. März 2011 Dr. Henner Buhck, Geschäftsführender Gesellschafter der Buhck Umweltservice GmbH & Co. KG

Kommunale Standortpolitik: mittelständischer Fachhandel im Ansiedlungswettbewerb mit bundesweiten Handelsketten . . . . . . . . . . Seite 53

14. April 2011 Devrim Öztürk, Generalkonsul der Republik Türkei (Referat auf Englisch)

Kommission Sozialwirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 54

JUNIORENKREIS

Neue wirtschaftspolitische Akzente für die Hansestadt Lübeck . . . . . . Seite 54 K.E.R.N.-Region neu erfinden! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 55 Jubiläumsinvestition der Wyker Dampfschiffs Reederei (WDR) . . . . . . Seite 56 ...im Übrigen Informationen aus der Landesgeschäftsstelle Kiel . . . . . . . .Seite 57 Vorschau Veranstaltungen in Schleswig-Holstein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Seite 58 Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Seite 58 4

16. Februar 2011 Podiumsdiskussion „Europäische Umwelthauptstadt 2011“ – Gemeinschaftsveranstaltung mit der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH 24. März 2011 Frank-Thorsten Schira MdHB, Vorsitzender der CDU-Fraktion der Hamburgischen Bürgerschaft


Der Mittelstand – Deutschlands Rückgrat 80 Prozent der mittelständischen Unternehmer sind nach einer Befragung des Instituts der Deutschen Wirtschaft der Ansicht, dass sich die Soziale Marktwirtschaft bewährt habe. Das Kernanliegen des Wirtschaftsrates erweist sich damit als ein „Markenartikel“, dem der deutsche Mittelstand nach wie vor besonderes Vertrauen entgegenbringt. Doch wie setzen Unternehmerinnen und Unternehmer diese Leitlinien in

ihren Unternehmen um? Welches Selbstverständnis haben sie als vielzitiertes Rückgrat der Sozialen Marktwirtschaft? Und welchen Einfluss haben die Leitlinien unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung auf ihren unternehmerischen Erfolg? Die stellvertretende Vorsitzende unseres Juniorenkreises, Katharina Ulmer, ist diesen Fragen nachgegangen. Die 37-jährige ist Gründerin und ge-

schäftsführende Gesellschafterin der Ulmer & Cie. KG. Nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau absolvierte sie ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fernuniversität Hagen. Seit 1995 berät und betreut sie Familien und Unternehmer mit komplexen Immobilienund Privatvermögen. Matthias Leutke

Ludwig im Herzen und Erhard im Geist von Katharina Ulmer

Was Mittelstand und Soziale Marktwirtschaft einander bedeuten Er gilt als Garant und Herzstück der Sozialen Marktwirtschaft – der Mittelstand. Politiker jeder Couleur werden nicht müde, seine Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu rühmen. Sie appellieren an seine Verantwortung für Arbeitsplätze und fordern sein soziales Engagement. Gleichzeitig beschließen sie jedoch in Berlin und Brüssel Gesetze und Verordnungen, die seinen Spielraum einengen. Halten wir fest: Für Ludwig Erhard war die Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft zuerst eine geistige Haltung. Sie umfasste für ihn die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Schicksal zu tragen und sich aus dem Streben nach Leistungssteigerung heraus einem freien Wettbewerb zu stellen. Verantwortung ist ein oft einseitig gebrauchtes, manchmal ein missbrauchtes Wort.

Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Wenn heute von Sozialer Marktwirtschaft die Rede ist, bedeutet das nicht, dass sich alle einig sind, was darunter zu verstehen sei. Gebührt sozialen Anliegen der Vorrang vor wirtschaftlichen Erfordernissen oder muss das Florieren der Wirtschaft gefördert

werden, um überhaupt erst die Voraussetzung für ausreichende Sozialleistungen zu schaffen? Ein funktionierender Markt ist aus sich selbst heraus sozial. Nach Erhards Überzeugung ist ein funktionierender Markt aus sich selbst heraus sozial. Dabei ist unbestritten, dass der freie Markt einer Rahmenordnung bedarf, damit nicht extreme oder gar kriminelle Verhaltensweisen Oberhand gewinnen. Das Maß staatlicher Regulierung und Bevormundung ist jedoch eine sensible, umstrittene Konstruktion, die nicht zuletzt Populismus und Ideologie ausgesetzt ist. Freie Marktwirtschaft hält eben nicht für jeden einen wärmenden Mantel bereit, aber sie bietet für alle ein Maximum an Chancen. Heute fließt jeder zweite Euro, den wir in Deutschland erwirtschaften, durch staatliche Kassen, wird abgeschöpft und umverteilt. Bei hoher Steuer- und Abgabenlast sind andererseits viele bedeutende Märkte mittlerweile weit davon entfernt, sich dem freien Spiel des (internationalen) Wettbewerbs hingeben zu dürfen. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es Mindestlöhne und weitreichenden Kündigungsschutz, der Agrarmarkt ist hochsubventioniert, Gesundheitswesen, Energiesektor und Wohnungsmarkt werden in erhebli-

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Verantwortung ist ein Schlüsselbegriff im Konzept der Sozialen Marktwirtschaft. Vom Unternehmer wird gefordert, sich seiner Verantwortung für Arbeitsplätze, für Nachhaltigkeit, für

moralisches und ethisches Handeln und für vieles mehr zu stellen. Verantwortung wird aber zu einem einseitig verstandenen und damit missbrauchten Wort, wenn nicht zugleich auch den übrigen Mitgliedern der Gesellschaft Eigenverantwortung für ihr Schicksal zur Pflicht gemacht wird. Je mehr stattdessen Anspruchsdenken gegenüber dem Sozialstaat zum Verhaltensmuster in der Gesellschaft wird, desto mehr schwindet die Bereitschaft, auch Einschränkung und Mühe für das eigene Schicksal zu übernehmen. Die Soziale Marktwirtschaft bekommt Schlagseite.

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Landesverband Hamburg Ausgabe Dezember 2010

chem Maße durch den Staat reguliert. Zwangsläufig stellt sich die Frage, inwieweit notwendige Maßnahmen inzwischen zur Bevormundung ausgeufert sind und die Marktmechanismen Erhardscher Prägung behindern oder lahm legen. Für uns als Wirtschaftsrat, als Vertreter der unternehmerischen Wirtschaft, als Protagonisten einer Sozialen Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards gibt es also vielfachen Grund, mit unserer mittelständischen Unternehmerschaft über Verantwortung und Soziale Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards zu diskutieren. Welches Selbstverständnis hat ein mittelständischer Unternehmer von sich als Rückgrat der Sozialen Marktwirtschaft? Und welchen Einfluss haben umgekehrt die Regeln unserer Wirtschaftsund Gesellschaftsordnung auf seinen Erfolg? Hamburg als Stadt der freien Bürger und Kaufleute hat traditionell einen breiten Mittelstand und einen starken Bezug zu freiheitlichem Wirtschaften und Wetteifern. Hier geh��ren zum Mittelstand traditionsreiche Reedereien, die von der Eigentümerfamilie in dritter Generation geführt werden, ebenso wie junge Firmengründer aus dem High-Tech-Bereich. In diesen Betrieben gilt Einheit von Eigentum, Haftung und Führung sowie unabhängige Verantwortlichkeit des Inhabers für alle unternehmensrelevanten Entscheidungen. Auch wenn der Begriff „Mittelstand“ nicht exakt definiert ist, lässt sich – in Übereinstimmung mit der Handelskammer – festhalten, dass mehr als 60 Prozent der Hamburger Wirtschaftsleistung, mithin der Löwen-

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anteil an Beschäftigung und Wertschöpfung, in Betrieben mit 10 bis 500 Mitarbeitern erbracht werden. Mittelstand in Hamburg erschöpft sich aber nicht im rationalen Kalkül, sondern ist auch eine Entscheidung des Herzens. Diese innere Haltung, diese Leidenschaft des Unternehmers (die oft genug auch Leiden schafft), die Ludwig Erhard im Mut zum Leben, im Wert der Selbständigkeit und in der Individualität der Leistung erkennt, sie ist es, die den Unternehmer zum „leidenschaftlichen und kühnen Entdecker“ (Udo di Fabio) macht. Hamburg ist traditionell eng mit dem Außenhandel verbunden. Hafen, Schifffahrt, Im- und Export sind seit jeher die tragenden Säulen der Hamburger Wirtschaft. Wir sind auf die weite Welt angewiesen und werden deshalb einen erfahrenen Reeder fragen, ob Wettbewerb, Globalisierung und internationaler Handel nicht doch eher Lösung denn Ursache unserer Probleme sind. Vom jungen Firmengründer möchten wir wissen, was Selbständigkeit in der Marktwirtschaft bedeutet, und mit dem Eigentümer eines Produktionsunternehmens darüber diskutieren, ob Wirtschaftswachstum heutzutage zwar mehr Beschäftigung bedeutet, aber warum nicht bei uns. Wie viel Spaß bringt Wettbewerb, wenn man mit großen Konzernen um Fachkräfte konkurrieren muss, der Zugang zu Kapital immer schwerer wird und die Energieversorgung von ideologisierenden Politikern bestimmt wird? Wir sind sicher, der mittelständische Maschinenbauer weiß deutliche Antworten.

Unternehmer stellen sich mit allen Konsequenzen der wirtschaftlichen Verantwortung für sich und ihre Angehörigen, für ihre Mitarbeiter und deren Familien. Die Gestaltung der Wirtschaftsordnung müssen sie jedoch allein der Politik – heute im Wesentlichen Berufspolitikern – überlassen. Braucht eine leistungsfähige Volkswirtschaft nicht einen stärkeren Einfluss von wirtschaftlichem Sachverstand und Praxisnähe, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können? Und was sind das überhaupt für Persönlichkeiten, die das „strenge Glück“ – um mit Thomas Mann zu sprechen – eines Unternehmers als Lebenshaltung wählen? Es sind spannende, zukunftweisende und ganz sicher auch persönliche Fragen, die wir – beginnend mit dieser Ausgabe – mit mittelständischen Mitgliedern unseres Landesverbands, die wie keine andere Wirtschaftsgruppe für freies Unternehmertum stehen, diskutieren werden. Wir wollen herausfinden, wie mittelständische Unternehmer abseits von Politik und Interessensgruppen über unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, über Verantwortung, Freiheit und Wettbewerb wirklich denken und was sie brauchen oder nicht brauchen, um ihrer Verantwortung und Leidenschaft gerecht werden zu können.

Die Reihe der Interviews mit mittelständischen Unternehmern des Landesverbandes wird fortgesetzt.


INTERVIEW In bester hanseatischer Tradition gründete Inge Wehling vor mehr als zehn Jahren das Handelsunternehmen Elementar. Ihre Firma liefert Lebensmittelzusatzstoffe nach Europa, Asien und Amerika. Die Unternehmerin, die ihre Firma inzwischen gemeinsam mit ihrer Tochter Sonja Wehling führt, hat wegen ihrer internationalen Geschäftsbeziehungen und ihrer unentwegten Auseinandersetzung mit Regulierungswünschen aus Berlin und Brüssel einen geschärften Blick für die Chancen und Grenzen des freien Wirtschaftens. Wir treffen Frau Wehling in ihrem Büro am Hamburger Hafen, von wo aus sie ihren Blick und ihre Gedanken gern auf das Kommen und Gehen der Containerriesen richtet. Frau Wehling, Lebensmittel sind für uns alle elementar. Daher ist Ihre Branche ganz besonders den Wünschen nach Regulierung, Kontrolle und Verbraucherschutz ausgesetzt. Die Aussage von mir ist ganz einfach: Kein Mensch wird gezwungen, im Supermarkt kritiklos zuzugreifen. Viele Zusatzstoffe sind notwendig, um gesunde Lebensmittel zu erhalten. Zu anderen gibt es Alternativen. Die Verantwortung dafür liegt in der Familie. Ich bin gegen Regulierung. Freie Marktwirtschaft war schon immer unsere Stärke und soll es auch bleiben. Was ist Ihre unternehmerische und Ihre persönliche Vision? Meine unternehmerische Vision ist Wachstum und Expansion. Wir denken darüber nach, weitere Mitarbeiter einzustellen und in Produktion zu investieren. Gerade aufgrund unserer internationalen Erfahrungen sehen wir, dass wir noch mehr machen können und machen sollten. Das war übrigens auch mein Gedanke, als meine Tochter in das

Inge Wehling

Unternehmen einstieg. Ich habe nicht daran gedacht, jetzt weniger zu arbeiten, sondern ganz einfach gesagt: jetzt kann zusätzlich expandiert werden. Persönlich möchte ich bestimmte Dinge weitergeben, die mir als Gründerin geholfen haben. Deshalb engagiere ich mich im Verband der Unternehmerinnen und als Mentorin. Mir war damals der Austausch auf Augenhöhe sehr wichtig, dass mir jemand geholfen hat, Grenzen zu erkennen. Daran bin ich als Unternehmerin ge-

wachsen, und das möchte ich weitergeben. Das ist eine vielfache Verantwortung, der Sie sich stellen. Für Ludwig Erhard war Soziale Marktwirtschaft auch zuerst eine geistige Haltung… … ja, das ist die Verantwortung, die man hat! Natürlich seinen Mitarbeitern gegenüber – aber ich gehe noch weiter – auch gegenüber den Menschen, die im Hafen und auf den Containerschiffen arbeiten. Und auch gegenüber seinem Land, das einem die Möglichkeit gibt, in Frieden zu leben. Wo wünschen Sie sich Veränderungen in der geistigen Haltung unserer Politiker? Den Menschen muss Mut gemacht werden. Wir sprechen zu oft über Not, Depression und schwierige finanzielle Verhältnisse. Dabei muss man daran denken, wie wunderbar Deutschland aus der Krise herausgekommen ist, auch wenn es Kraft und Geld gekostet hat! Welchen Wunsch haben Sie an den Hamburger Wirtschaftsrat? Dass er sich ebenfalls mit einer positiven Einstellung an die Hamburger Unternehmer wendet. Durch seine konstruktive Kritik sind viele wichtige Schritte eingeleitet worden, und ich wünsche mir, dass er noch mehr Positives hineinbringt. Das würde mir gut gefallen.

Der Wettbewerb „Entrepreneur des Jahres“ Um herausragende unternehmerische Leistungen sichtbar zu machen und auszuzeichnen, organisiert Ernst & Young diesen Wettbewerb weltweit in über 50 Ländern. In Deutschland wird der Preis 2010 zum 14. Mal verliehen. In fünf Kategorien ermittelt eine unabhängige Jury aus Wissenschaftlern und Unternehmern je einen Preisträger. Neben der Auszeichnung erfolgreicher Unternehmerpersönlichkeiten hat sich Ernst & Young auch die Förderung kommender Generationen von Entrepreneuren zur Aufgabe gemacht und die „Entrepreneur of the Year Junior Academy“ ins Leben gerufen. Kür der „Entrepreneure des Jahres 2010“ In der Alten Oper in Frankfurt am Main würdigte Ernst & Young mit einer festlichen Gala sechs herausragende mittelständische Unternehmer als „Entrepreneure des Jahres 2010“. „Die Preisträger überzeugten die Juroren nicht nur durch ihre

PR-BERICHT

Erfolge und Wachstumsraten, sondern auch durch ihre Risikobereitschaft und ihr gesellschaftliches Engagement“, erklärt Wolfgang Glauner, Organisator und Projektleiter des Wettbewerbs. Professor Claus Hipp nominiert für den „World Entrepreneur of the Year“ Als deutscher Vertreter im Wettbewerb um den Titel des „World Entrepreneur of the Year 2011“ wurde Professor Claus Hipp nominiert. An diesem internationalen Auswahlverfahren nehmen Kandidaten aus über 50 Ländern teil. Die Preisverleihung findet im Juni 2011 in Monte Carlo statt. Zu den Finalisten aus Hamburg gehörten die Firmen: Bigpoint GmbH, Dermalog Identification Systems GmbH, Hawesko Holding AG, implantcast GmbH, Miniaturwunderland Hamburg GmbH, Stern-Wywiol Gruppe Holding GmbH & Co KG.

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Green Capital – Hamburg als Silicon Valley der Energie?

Michael Grupczynski, URBANA Energiedienste GmbH; Christian Breuel, BS INVEST KG; Dr. Hartwig Westphalen, sunenergy AG; Tjark H. Woydt; Matthias Bäätjer, ETH Umwelttechnik GmbH; Matthias Leutke; Arend Cobi, Remondis; Martin Heimes, VESTAS; Peter Kronenberg, IMTECH; Dr. Hanno Stöcker, ASTARE GmbH (v.l.)

Gute Ratschläge werden häufig formuliert – Initiative zu zeigen ist da schon schwieriger. Unter dieser Devise traf sich eine Energie-Expertengruppe von zwölf Mitgliedern des Hamburger Wirtschaftsrats im Oktober im Harz. Zunächst galt es, unter widrigen Witterungsbedingungen mit Regen und Schneefall den Brocken zu erklimmen. Trotz des unwirtlichen Wetters erreichten die zwölf „Gipfelstürmer“ das Ziel und wurden mit einer traditionellen Erbsensuppe im Turmzimmer belohnt. Eine solche Wanderung schweißt zusammen. Ein guter Auftakt für einen Meinungsaustausch zum Thema Energie. Der Landesvorsitzende Matthias Leutke stellte den Experten die Aufgabe, klare Thesen zum Thema Energie zu formulieren. Hamburg ist die „Green Capital 2011“. Das bietet Hamburger Energieunternehmen eine einmalige Chance,

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ihr Profil zu schärfen und den Wirtschaftsstandort Hamburg im Sektor Energie deutlich zu positionieren. Die Teilnehmer waren sich schnell einig, dass Hamburg im Bereich Energie über großes Potential verfügt. Die Bereitschaft des Wirtschaftsrats, Verantwortung zu übernehmen und Initiative zu zeigen, fand Konsens in der Runde. Folgende Fragen und Initiativen wurden formuliert: I Wie kann das Profil Hamburgs als europäische Metropole der Energietechnik über das Jahr 2011 hinaus langfristig entwickelt werden? I Welche Themen muss Hamburg im Sektor Energie besetzen? I Wie kann die Anziehungskraft von Hamburg für Start-Up-Unternehmen im Energiebereich gestärkt werden? I Wie können Politik, Wissenschaft und Wirtschaft intensiv und erfolgreich zusammenarbeiten, um im Bereich Energie exzellent zu werden und diese

Position langfristig auszubauen? I Welche Maßnahmen sind erforderlich, um Talente und Wissensträger im Bereich Energie anzuziehen? I Wie kann der Wirtschaftsrat die Politik unterstützen, um das Profil des Wirtschaftssenators im Bereich Energie zu schärfen? Die „Gipfelstürmer“ werden an diesen Themen arbeiten. Es gilt, ausgearbeitete Vorschläge zu unterbreiten und Verantwortung für diese Themen zu übernehmen. Erste Resultate konnten wir bereits mit Senator Karan erörtern. Über den Gesamterfolg der Aktion werden wir später im Journal berichten. Natürlich sind weitere „Mitstreiter“ herzlich willkommen. Wer Interesse hat, diese Themen mit zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und die Initiativen tatkräftig zu unterstützen, ist herzlich willkommen. Bitte melden Sie sich in der Landesgeschäftsstelle. Matthias Leutke


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Pausengespräche Unbeirrt haben Schulsenatorin und Behörde an einen Sieg der Schulreformer geglaubt. Doch letztlich hat die Initiative „Wir wollen lernen“ den Volksentscheid gewonnen, politisch aber gibt es keinen Plan B für diese Situation. Welche Auswirkungen das auf die Schulen hat, führten bei unserem 9. Pausengespräch am 22. September Ingeborg Knipper, ehemalige Leiterin des Amtes für Bildung in der Behörde für Bildung und Sport, und Dr. Walter Scheuerl, Rechtsanwalt und Sprecher der Volksinitiative „Wir wollen lernen“, vor über 70 Mitgliedern des Wirtschaftsrats aus. Obwohl die Bürgerschaft im September 2010 das Änderungsgesetz zum Schulgesetz verabschiedet hat und damit dem erfolgreichen Volksentscheid pro forma Rechnung trägt, arbeitet Senatorin Goetsch hinter den Kulissen aktiv auf das GAL-Programm „Neun macht klug“ hin. So versucht sie, von ihren Primarschulplänen zu retten, was zu retten ist. Die erstaunten Zuhörer erfuhren, dass an vielen Grundschulen tatsächlich nach Primarschulplänen unterrichtet wird. Auch Fusionen, die es nach dem Gesetz nicht geben darf, werden weiterhin betrieben. Während SPD und CDU immer wieder den Wil-

Ingeborg Knipper, Claudia Ludwig, Marion Jürgens und Dr. Walter Scheuerl (v.l.)

len zum Schulfrieden bekunden, trommeln GAL und Links-Partei intensiv für die Fortsetzung des Kampfes für die „Einheitsschule für alle“. Namhafte Mitglieder der behördlichen Planungsgruppe Primarschule hat Schulsenatorin Goetsch inzwischen in die Behördenleitung geholt oder sie zu Schulaufsichtsbeamten befördert. Sie kann sich also der Unterstützung dieser Gruppe weiterhin sicher sein. Dabei wäre nach dem erfolgreichen Volksentscheid gegen die Primarschule die Konzentration auf das Wesentliche in Schulen – nämlich auf Qualität und Leistung – am wichtigsten! Damit

sich alle Kinder optimal entfalten können, müsste das Hauptaugenmerk auf folgende Schwerpunkte gerichtet sein: I Frühförderung I Stadtteilschule mit differenziertem Angebot I Gymnasien mit effizienter Pädagogik und hohem Anspruch I Ganztagsschulen. Die Schulbehörde müsste dem Anliegen der Bürger nachkommen und Rahmenbedingungen in allen Schulen schaffen, damit wieder effizientes und zielgerichtetes Arbeiten und Lernen möglich ist. Denn: „Es gibt keinen Grund, Kinder 45 Minuten stillsitzen zu lassen, außer dem, dass sie nach 45 Minuten etwas gelernt haben“, so Knipper. Da die Schulsenatorin und ihre Behörde versuchen, das erklärte Votum der Bürger permanent zu unterlaufen, ist es angebracht, die Hamburger Schulpolitik weiterhin sehr ernsthaft und kritisch zu begleiten. Vorsicht und Misstrauen sind angebracht! Marion Jürgens & Claudia Ludwig

Christian Breuel, Dr. Ernst Werdermann, Honorarkonsul Prof. Dr. Manfred Dietrich, Marion Jürgens (v.l.)

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Herbstlicher Besuch in Hamburgs „Grünfabrik“ In Hamburg-Marmstorf befindet sich seit 1994 die Firmenzentrale der Baumschule Lorenz von Ehren. Auf über 500 Hektar Produktionsfläche, einer Fläche 1,5 mal so groß wie die Außenalster, werden die unterschiedlichsten Gehölze, Bäume und Pflanzen – vom Sämling bis zum ausgewachsenen Solitärbaum – kultiviert und verschult. „Wir verkaufen Zeit“, so das Motto der Baumschule Lorenz von Ehren. Neben den Baumschulen besuchten unsere Mitglieder auch die hochmodernen großen Verkaufsgewächshäuser des Gartencenters. Hier gibt es für den Endverbraucher alles, was das grüne Herz begehrt, Garten- und Terrassenmöbel, jede Art von Geräten und Utensilien sowie die typischen grünen Produkte für den leidenschaftlichen Hobbygärtner und/oder Profi. Zur Kundschaft des Groß- und Einzelhandelsunternehmens Lorenz von Ehren gehören u. a. Kommunen, Investoren, Gartenlandschaftsbauer sowie Gartenarchitekten. Für Privatkunden bietet der Garten von Ehren auch Pflanzkonzepte, die von Garten- und Landschaftsbauern inklusive der Ware beim Auftraggeber umgesetzt werden.

Katharina von Ehren und Matthias Leutke

allen gewünschten Altersklassen erhältlich. Alle vier Jahre pflanzt man die Gewächse um, das ist das so genannte „Verschulen“, und liefert europaweit. Geschäftsführerin Katharina von Ehren, inzwischen die fünfte Familiengeneration, berichtet uns Geschichtliches zum Unternehmen: 1865 gründet Johannes von Ehren die Gärtnerei in Nienstedten. Sein Sohn Lorenz von Ehren I. führt die Geschäfte weiter und schafft durch gute Verbindungen den Durchbruch zur internationalen Kundschaft. Seit Anfang der 40er Jahre ist auch die dritte Generation mit Johannes von Ehren II. (1899-1982) und Lorenz von Ehren II. (1906-1982) in der Ge-

Blick über die Baumschule

Mit insgesamt 140 Mitarbeitern in Hamburg und Bad Zwischenahn – einem Zweigbetrieb seit 1965 – hat das traditionelle Familienunternehmen eine hervorragende Position im Markt. Zu den Schwerpunkten des 145 Jahre alten Unternehmens zählt die Baumschule. Alle marktüblichen Gewächse bis hin zu exklusiven Gehölzen gehören zu einem Sortiment, das in dieser Art einmalig ist. Die Spezialitäten sind in

schäftsführung vertreten. Anfang der 60er Jahre geht die Verantwortung für das Familienunternehmen auf die vierte Generation, Lorenz von Ehren III. (1937) und Bernd von Ehren (1938), über. Der Tradition folgend absolvieren auch sie zunächst eine Baumschul-Gärtnerlehre, bevor sie in verschiedenen Betrieben in Europa und den USA einige Lehrund Wanderjahre verbringen. Wegen der unterschiedlichen Bedürfnisse der

hochwertigen Gehölze wird 1965 ein Zweigbetrieb in Bad Zwischenahn gegründet. Der Sprung über die Elbe auf den jetzigen Standort erfolgt 1994 aus logistischen Gründen. Seitdem befindet sich die Firmenzentrale in Hamburg-Marmstorf. Nun, in fünfter Generation, führen Katharina und Bernhard von Ehren, beide mit den berufstypischen Ausbildungskarrieren, zusammen mit Konrad Parloh die Geschäfte der Baumschule. Ihr Unternehmensziel: auch in Zukunft Akzente in der grünen Branche setzen. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Aus- und Weiterbildung von jungen Menschen. „Zurzeit werden 21 Jugendliche in drei verschiedenen Berufsbildern ausgebildet und 14 jüngere Erwachsene (Stand: August 2010) beschäftigt, die hier ihre erste Arbeitsstelle nach ihrer Ausbildung oder ihrem Hochschulabschluss haben“, so Katharina von Ehren. Zum Dauerthema Verantwortung und Nachhaltigkeit führt sie weiter aus: „Unsere Entscheidungen sind geprägt von dem Willen, den Unternehmensfortbestand langfristig abzusichern, den Kunden ein verlässlicher Partner zu sein und den Mitarbeitern eine Familie im Arbeitsleben zu geben. Kurzfristig sind wir flexibel, reagieren auf Chancen und Herausforderungen. Die Strategie und die ‚Denke’ haben eine lange Sicht.“ Die Mitglieder nahmen nach dem Besuch in den Quartieren und einer informativen Power Point Präsentation viele neue Eindrücke aus Hamburgs „Grünfabrik“ mit nach Hause. EJH

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Landesverband Hamburg Ausgabe Dezember 2010

Besichtigung Kohlekraftwerk Moorburg

Der Leiter des künftigen Kraftwerks, Burkhard Römhild, stellte im Informa-

erzeugter Kilowattstunde Strom. Mit dem neuen Kraftwerk und der neuen Fernwärmeleitung von Moorburg nach Altona investiert Vattenfall deutlich mehr als drei Milliarden Euro in der Hansestadt. Das Kraftwerk Moorburg deckt mit der Produktion von rund 11 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr fast den kompletten Strombedarf der Stadt und liefert

Foto: Vattenfall Europe AG

Auf Einladung des neuen Generalbevollmächtigten der Vattenfall Europe AG, Pieter Wasmuth, waren der Vorsitzende der Landesfachkommission Energiewirtschaft, Dr. Rainer Schubach, und mit ihm ein erweiterter Mitgliederkreis des Wirtschaftsrats zu Gast auf der Baustelle in Moorburg.

Blick auf KW Moorburg und Alte Süderelbe Dr. Rainer Schubach (Landesfachkommission Energiewirtschaft), Dr. Ernst Werdermann, Burkhard Römhild (Leiter Kraftwerk Moorburg), Richard Warzawa (Oberbauleiter Kraftwerk Moorburg) und Pieter Wasmuth (Generalbevollmächtigter Vattenfall Europe AG) (v.l.)

tionszentrum mit dem im Bau befindlichen Projekt eines der hocheffizientesten Steinkohlekraftwerke Europas vor. Mit einem Wirkungsgrad von 46,5 Prozent spart das neue Kraftwerk bei voller Leistung zukünftig rund 2,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Gegenüber dem seit dem Jahr 1962 betriebenen Kraftwerk Wedel bedeutet dies eine Ersparnis von etwa 23 Prozent CO2 pro

Fernwärme für 180.000 Haushalte. Vattenfall hat mit der Stadt Hamburg vereinbart, aus dem neuen Kraftwerk bis zu 650 Megawatt Fernwärmeleistung auszukoppeln. Damit wird Moorburg wesentlich mehr Wärme anbieten können als bisher das Heizkraftwerk Wedel. Mit dem neuen Kraftwerk kann das bestehende Fernwärmenetz erweitert und deutlich ausgebaut werden.

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Die Teilnehmer der Veranstaltung wurden sodann vom Oberbauleiter Richard Warzawa über den aktuellen Baustand und den weiteren Bauablauf informiert. Nach einer kurzen, jedoch intensiven Fachdiskussion nahmen die Gäste das Angebot einer geführten Baustellenbesichtigung wahr. Markus Krahnke Koordination Politik und Gesellschaft Repräsentanz Region Hamburg/Norddeutschland Vattenfall Europe AG


Zweiter Neumitgliederabend Verbände sind nicht nur notwendige Organisationen der Interessenvertretung, sondern leisten auch ihren Beitrag zu einer lebendigen Demokratie. Das wurde auf dem zweiten Neumitgliederabend des Landesverbandes deutlich. 75 Unternehmer, die 2009 und 2010 Mitglied des Wirtschaftsrates wurden, waren der Einladung des Vorstandes in den Anglo-German-Club gefolgt. Die Arbeit des Wirtschaftsrates erschöpfe sich nicht darin, Vortragsveranstaltungen zu organisieren, unterstrich der Landesvorsitzende Matthias Leutke in seiner Begrüßung. Ein besonderes Anliegen sei es, das Miteinander zu fördern. „Schließlich ist es nicht der Wirtschaftsrat, der etwas bewegt, sondern wir alle zusammen – eine starke Gemeinschaft von über 1.300 Mitgliedern

umgesetzt werden kann. Alle Gesellschaftsmitglieder sind aus meiner Sicht dazu verpflichtet, ihren Beitrag zu leisten, damit unser Zusammenleben gelingen kann.“ Dabei gewinnen Unternehmer völlig neue Einsichten, wie Hans-Henning

Martin Heimes, Jens Grützmacher und Matthias Leutke (v.l.)

in Hamburg und rund 11.000 Mitgliedern deutschlandweit.“ Als einziger Berufsverband, der sich ausschließlich dem Erhalt und der Fortentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft annimmt, bietet der Wirtschaftsrat eine Plattform zum Austausch und zur Mitgestaltung der Wirtschaftspolitik. So nutzt ihn auch Martin Heimes, Senior Vice President Finance der Vestas Deutschland GmbH: „Ich möchte mich gerne mit Gleichgesinnten über das Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft austauschen“, erklärt er seine Beweggründe für den Eintritt. „Den Wirtschaftsrat verstehe ich als ein Forum, in dem Unternehmer darüber diskutieren können, wie die Soziale Marktwirtschaft in den Unternehmen praktisch

Wolf zu berichten weiß: „Nach vielen Jahren in führenden Positionen in der Wirtschaft habe ich jetzt, da ich im Ruhestand bin, Zeit und Muße, mich politisch einzubringen. Partizipation schärft das politische Bewusstsein und ermöglicht Einblicke in die Funktionslogik des politischen Systems. In der Politik laufen Entscheidungsprozesse vielfach ganz anders ab als in Unternehmen. Als Verband der Unternehmer schafft der Wirtschaftsrat eine Brücke zwischen beiden Welten." Information und Kommunikation stehen für die meisten Unternehmer, die sich für eine Mitgliedschaft im Wirtschaftsrat entscheiden, ganz oben. Renate Kiel, Leiterin der Niederlassung und Direktorin der LGT Bank Deutsch-

land verrät: „Ich bin durch Herrn Dr. Werdermann schon vor Jahren auf den Wirtschaftsrat aufmerksam geworden. Die Motivation zum diesjährigen Beitritt kam jedoch über Herrn Ehnert, einen Wirtschaftjunioren und berufli-

Renate Kiel

Hans-Henning Wolf

Axel Kiel

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Landesverband Hamburg Ausgabe Dezember 2010

Horst Glinka

Nord GmbH, schätzt als Unternehmer aus den Mittelstand „die Vielfältigkeit von Kontakten, die sich daraus ergibt, dass der Wirtschaftsrat branchenübergreifend tätig ist. Auf diese Weise treffe ich viele interessante Menschen, die ich in meinem beruflichen oder privaten Umfeld gar nicht kennen gelernt hätte.“ Einen besonderen Aspekt hebt Rainer Wagener, Geschäftsführer Scharlau

Unternehmer brauchen eine Stimme in der Politik. An einer Mitarbeit im Wirtschaftsrat reizt mich, dass ich wirtschaftspolitisch aktiv sein kann, ohne mich in einer Partei zu engagieren.“ Viele Unternehmer können bereits auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Nicht selten tun sie das mit der Bereitschaft, andere an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen: „Nachdem ich mich beruflich erfolgreich etabliert ha-

Karl Eberhard Hunke, Dr. Ernst Werdermann und Christian Niemax (v.l.)

Rainer Wagener

Ingo Wußmann und Dr. Philipp Steinwärder Wolfgang E. Buss

chen Weggefährten. Deren beider Begeisterung für die Sache hat mich überzeugt. Am Wirtschaftsrat schätze ich das breite Angebot von Veranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen. Ganz besonders interessieren mich gesellschaftspolitische Fragestellungen und alternative Energien.“ Für Wolfgang E. Buss, Geschäftsführer Magazin Verlag Hamburg HMV GmbH und seit 15 Jahren Gastgeber eines „Herbstempfangs“ mit prominenten Gästen aus Politik und Wirtschaft, hat die Netzwerkpflege Priorität: „Als Verleger sind Kontakte für mich das A und O. Der Wirtschaftsrat ist für mich deshalb ein so interessantes Forum, weil ich dort weitere interessante Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Hamburger Wirtschaft, aus Politik und Verwaltung und aus der Wissenschaft treffen kann.“ Horst Glinka, Geschäftsführender Gesellschafter B&O Gebäudetechnik

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Thomas Scheffel und Julia Bade

GmbH, hervor: „Berufliche Kontakte zu knüpfen, wird seit dem Boom der Sozialen Netzwerke wie Xing, Linked-In oder Facebook immer leichter. Allerdings ist der persönliche Kontakt und Austausch im direkten Gespräch sehr viel interessanter und lebendiger. Als Netzwerk ziehe ich den Wirtschaftsrat den elektronischen Formen vor.“ Teilhabe am politischen Prozess ist einer der wichtigsten Gründe, Mitglied im Wirtschaftsrat zu werden. „Es ist mir ein Anliegen, dass unternehmerischer Sachverstand in die Politik, aber auch in die öffentliche Diskussion eingebracht wird“, sagt Axel Kiel, Geschäftsführer der HGA Capital Grundbesitz und Anlage GmbH. „Wir

be“, sagt Christian Niemax, Geschäftsführender Gesellschafter Joey´s Pizza International GmbH, „ist es mir wichtig, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Ich bin überzeugt, dass eine Gesellschaft nur funktioniert, wenn wir alle unseren Teil dazu beitragen. Der Wirtschaftsrat ist ein Forum, in dem ich meine unternehmerischen Erfahrungen auf sinnvolle Weise einbringen kann.“ Dies sind nur einige Stimmen, die wir auf unserem Neumitgliederabend eingefangen haben. Wir heißen unsere neuen Mitglieder herzlich willkommen und freuen uns auf einen intensiven Austausch und viele gute Gespräche. CA


PR-BERICHT

Große Schiffe bringen Wachstum Nicht zuletzt dank der neuen Containerriesen im Hamburger Hafen ist die HHLA nach der schweren Wirtschaftskrise wieder auf Erfolgskurs. Schneller als selbst von Experten erwartet hat die Hamburger Hafen und Logistik AG die Krise hinter sich gelassen. Neue Liniendienste mit den größten Containerschiffen der Welt tragen entscheidend zu den zweistelligen Wachstumsraten im Hamburger Hafen bei. Die erfolgreichen Bahntransporte der HHLA ins Hinterland liegen sogar bereits wieder auf Vorkrisenniveau. „Die kräftige wirtschaftliche Erholung ab dem Frühjahr 2010 hat sich im dritten Quartal fortgesetzt und verstärkt. Insgesamt liegt unser Unternehmen nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2010 bei Umsatz und Ergebnis erstmals wieder deutlich über den Vorjahreswerten. Zwar deutet sich für das vierte Quartal eine Abschwächung der Dynamik von Weltwirtschaft und Welthandel an. Dennoch sehen wir aktuell trotz anhaltender Rückschlagrisiken, etwa aus hoher Staatsverschuldung und Währungsrisiken, eine Stabilisierung und Normalisierung des langfristigen Wachstumstrends“, erklärte der HHLA Vorstandsvorsitzende Klaus-Dieter Peters am 12. November 2010 anlässlich der Veröffentlichung der Unternehmenszahlen für die ersten drei Quartale 2010. Die Zahlen können sich in der Tat sehen lassen: Im dritten Quartal schoss der Umschlag an den HHLA Container Terminals im Vorjahresvergleich um 28 Prozent nach oben und lag Ende September 2010 bereits wieder um mehr als 15 Prozent über dem Niveau des Krisenjahres 2009. Damit holt der Hamburger Hafen gegenüber Rotterdam auf und gewinnt Marktanteile zurück. Hauptgrund für den besonderen Einbruch im Hamburger Containerumschlag (ein Minus von rund 30 Prozent im Jahr 2009) war die unterschiedliche Konjunktur im jeweiligen europäischen Hinterland: Rotterdams westeuropäisches Hinterland verzeichnete erhebli-

Der Containerriese „Christoph Colomb“ der französischen Reederei CMA CGM im Sommer 2010 am HHLA Container Terminal Burchardkai

che geringere Rückgänge als beispielsweise Russland und das Baltikum, die den größten Teil ihres internationalen Warenaustausches mit Zubringerschiffen in der Ostsee über den Hamburger Hafen steuern. Die landgebundenen Containertransporte ins europäische Hinterland des Hamburger Hafens, mit welchen die Transporttöchter der HHLA per Bahn und Lkw einen Wirtschaftsraum von über 300 Millionen Menschen erschließen, wachsen jetzt ebenfalls wieder zweistellig. In der Krise weniger zurückgegangen als der Containerumschlag erreichen sie mit einem Plus von über 13 Prozent bereits wieder die Werte vor der Krise. Die hohe Mengendynamik wirkt sich auch auf das Geschäftsergebnis der HHLA aus. Für das Gesamtjahr 2010 rechnet der Hafenlogistikkonzern jetzt mit einem Umsatz von oberhalb einer Milliarde Euro und einem Betriebsergebnis im Bereich von 180 Millionen Euro. Die überraschend kräftige Mengenerholung hatte im März 2010 eingesetzt. Insgesamt sechs neue Überseedienste sorgten für eine erhebliche Beschleunigung des Wachstumstempos. Nach der Rückkehr zweier in der Krise eingestellter Fernostdienste im März und April folgten im Mai, August und Oktober vier neue Dienste. Beispielhaft dafür steht der neue Fernostdienst FAL5/AE8 der Reedereien CMA CGM und Maersk, in dem Großschiffe der neuesten Generation mit einer Stellplatzkapazität von bis zu 14.000 Standardcontainern (TEU) eingesetzt werden. Diesen Dienst konnte die HHLA mit ihrem in der Krise ausgebauten neuen Groß-

schiffsliegeplatz am Container Terminal Buchardkai gewinnen. Hier sorgt neueste Technik mit automatischen Lagerblöcken und modernsten Containerbrücken für immer neue Leistungsrekorde – Spitzenwerte im europäischen Vergleich. Dass diese großen Schiffe schon heute nach Hamburg kommen, obwohl sie wegen der Verzögerung der Elbvertiefung hier nur bis zu 80 Prozent ihrer Kapazität nutzen können, ist nicht nur ein Bekenntnis zu den Qualitäten des Standortes Hamburg, sondern auch ein Vertrauensvorschuss. Reinhard Peschel, Deutschland-Geschäftsführer von CMA CGM: „Wir haben uns bewusst für Hamburg entschieden, weil wir hier eine sehr gute Hinterlandanbindung vorfinden.“ Peschel mahnte aber die baldige Realisierung der Elbvertiefung an. Wird dieses wichtigste Infrastrukturprojekt Norddeutschlands bald realisiert, dann haben der Hamburger Hafen und die HHLA glänzende und nachhaltige Perspektiven: Dank der enormen Wachstumspotenziale Osteuropas könnte es gelingen, erneut den Erfolgskurs der Jahre 1999 bis 2008 zu verfolgen. Nach der damaligen Fahrrinnenanpassung beschleunigte sich die Wachstumsdynamik im Hamburger Hafen ganz erheblich. Ein wichtiger Beitrag übrigens auch für den Klimaschutz im europäischen Güterverkehr: Mit seinem Schienenanteil von über 70 Prozent im Fernverkehr, seinem Zubringernetz in die Ostsee und seiner Lage tief im Binnenland werden in Hamburg gerade auch unter ökologischen Gesichtspunkten vorbildliche transkontinentale Transportketten geknüpft.

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Landesverband Hamburg Ausgabe Dezember 2010

Medienstandort Hamburg: Spielerisch in die Zukunft Abendveranstaltung zum Thema Games am 28.10. mit Heiko Hubertz und Achim Quinke „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, wusste schon Friedrich Schiller, und der große holländische Historiker und Kulturphilosoph Johan Huizinga (1872-1945) stellte dem Denker (homo sapiens) und dem Tätigen (homo faber) den Menschen als Spieler (homo ludens) an die Seite. Spielen bildet. Ein Spiel kann Situationen im schulischen oder beruflichen Leben simulieren. Spielen fördert Phantasie und Kreativität, Einfühlungsvermögen und Toleranz. Es schult unsere Geschicklichkeit und unsere Fähigkeit zum vernetzten Denken. Spielen findet in einem Schonsektor statt, in dem man

viele Strategien umgesetzt, ohne dass man ahnt, wie sie sich in der Praxis auswirken. Das komplexe Zusammenwirken von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft führt dann zu unerwarteten Nebenwirkungen. Erinnert sei an die 2009 in Deutschland ausgezahlte Abwrackprämie. Entgegen den Absichten wurden ausländische statt deutsche Fabrikate gekauft. Kriminelle Händler verkauften die Autos weiter, statt sie zu verschrotten, und Kunden verlagerten lediglich den Kaufzeitpunkt. In einem

Das preisgekrönte Online-Spiel Farmerama der Firma Bigpoint

Dr. Afrim und Blerim Shaqiri mit Prof. Dr. Sonja Bischoff (v.l.)

„auf heiterste Weise seinen besten Freund ruinieren kann, ohne ihm wirklich zu schaden“ (Monopoly-Hersteller Edward Parker). Jenseits seiner pädagogischen und psycho-sozialen Bedeutung dient das Spiel auch wirtschaftlichen und politischen Zwecken: Weil im Spiel dieselben Problem- und Lösungsmöglichkeiten wie im realen Leben auftauchen, bedienen sich Politik und Wirtschaft schon lange Plan- und Strategiespielen. Wer spielt, will gewinnen. Deshalb ist keine Idee zu absurd, um nicht gedacht zu werden. Spiele simulieren die Interaktion aus menschlichem Entscheiden und Handeln und führen zu Erkenntnissen, die häufig in konventionellen Analysen fehlen. In der Politik werden

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Spiel mit „Händlern“, „Kunden“ und „Herstellern“ wären diese Effekte zutage getreten. Selbst heikle Fragen, wie die Auswirkungen des Aufstiegs Chinas für den Westen oder des EU-Beitritts der Türkei für die europäische Integration, können mit ihrer Hilfe ohne Tabus diskutiert werden. Dass sie nützliche Ergebnisse liefern, haben die Strategiespiele der amerikanischen Regierung in den achtziger Jahren gezeigt. Sie prognostizierten, dass die Sowjetunion zerfällt, der kommunistische Osten sich nach Westen öffnet und es in Deutschland zur Wiedervereinigung kommt. Erste Computerspiele entwickelten sich ab Mitte des letzten Jahrhunderts aus eher technischen Versuchen an

Universitäten. 1958 präsentiert William Higinbotham „Tennis for Two“, 1972 wird das amerikanische Unterhaltungselektronikunternehmen Atari gegründet, das bis Mitte der 1980er Jahre zum größten Entwickler von Videospielen aufsteigt. Parallell dazu folgen erste Umsetzungen für den Homecomputer, wie z.B. Commodore 64 (1982) oder Amiga (1987). 1989 bringt die Firma Nintendo den „Game Boy“ auf den Markt, 1994 stellt Sony die „Play Station“ vor. Mit der Entwicklung der CD steht Computerspielen eine bis dahin nicht bekannte Menge an Speicherplatz zur Verfügung. Die Qualität von Grafik und Musik sowie die Größe und Komplexität der Spielewelten werden immer besser und spektakulärer. Gleichzeitig beginnt der Technologietransfer in andere Branchen. Schon bald finden die neuen Technologien ihren Weg in den Film. Animationen wie in „Herr der Ringe“ wären ohne die Entwicklungen der Gamesbranche gar nicht möglich gewesen. Die neue Generation der browserbasierten OnlineSpiele (Browsergames) kommt ohne gekaufte oder heruntergeladene Software aus.


Dr. Ernst Werdermann, Heiko Hubertz, Matthias Leutke und Achim Quinke (v.l.)

Inzwischen werden mit Computerspielen weltweit jährlich 30 Milliarden Dollar umgesetzt, bis 2012 dürften es 52 Milliarden sein. Deutschland ist mit 1,53 Milliarden Euro Umsatz (2009) in Europa zweitwichtigster Markt für die Unterhaltungssoftware. Grund genug für die Landesfachkommission Medien, dem am stärksten wachsenden Segment der Medienwirtschaft besonderes Augenmerk zu schenken. Achim Quinke, Inhaber Quinke Networks und Projektleiter gamecity: Hamburg, der Initiative Hamburg@work, stellte den rund 80 Mitgliedern und Gästen die Ergebnisse der Medienkommission vor. Zentrale Herausforderung Hamburgs als führendem Standort der Spielebranche ist der Fachkräftemangel. Die rund 150 in der Hansestadt ansässigen Unternehmen beschäftigen 2.150 Mitarbeiter und schufen im zweiten Halbjahr mehr als 400 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Doch bei der Suche nach geeignetem Personal stoßen die Unternehmen zunehmend an ihre Grenzen. Längst schon werden die Spiele nicht mehr von Einzelpersonen, sondern von sogenannten Studios (Developer) entwickelt, in denen Designer, Produzenten, Autoren, Grafiker, Programmierer, Tongestalter, Musiker und Tester eng zusammenarbeiten. Die Produktion eines Computerspiels dauert zwischen ein und drei Jahren und kostet zwischen 50.000 und 500.000 Euro; aufwendigere Spiele können Millionen verschlingen. Die Kosten tragen meist sogenannte Publisher (vergleichbar mit Buchverlagen), die später das fertige Produkt auch vertreiben und vermarkten. Den Fachkräftemangel bestätigte auch Heiko Hubertz, Gründer und Ge-

schäftsführer der Bigpoint GmbH. Bigpoint ist das weltweit größte Browsergame-Portal und zählt zu den drei größten Gaming-Portalen der Welt. 2002 gründet der damals 27-jährige zusammen mit einem Freund die Firma m.wire GmbH, 2003 geht das erste Spiel, der Eishockey-Manager „Icefighter“ online. 2006 in „Bigpoint“ umbenannt, können die inzwischen mehr als 150 Millionen Nutzer unter 50 Spielen in 30 verschiedenen Sprachen wählen. Jeden Tag verzeichnet das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Hamburg und weitere Büros in Berlin, San Francisco, Sao Paulo und Malta hat, 250.000 neue Registrierungen. Hubertz beschäftigt über 500 Mitarbeiter aus 30 Nationen. Die von Bigpoint entwickelte FarmSimulation „Farmerama“ wurde in diesem Jahr als bestes Browsergame mit dem European-Games-Award ausgezeichnet. Außerdem erhielt das Spiel, bei dem es darum geht, einen virtuellen Bauernhof auszubauen, den deutschen Computerspielpreis (LARA). Das Geschäftsmodell ist überraschend einfach: Die Spiele sind kostenlos. Zahlen muss nur, wer besondere Hilfsmittel erwerben, sich Vorteile verschaffen oder Besonderheiten freischalten will. Und just dieses menschliche Verlangen ist so profitabel, dass Hubertz 2008 die Mehrheit seines Unternehmens für 70 Millionen Euro verkaufen konnte. Prognosen zufolge wird die Gamesbranche weiter prosperieren. PriceWaterhouse Coopers erwartet bis 2013 für Handy- und Onlinespiele ein jährliches Wachstum von etwa 12,5 Prozent. Besonderes Potential sieht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in der in Games integrierten Werbung (InGame-Advertising). Prominenter Vor-

reiter ist Barack Obama. Während seines Präsidentschaftswahlkampfs hatte er das Spiel „Burnout Paradise“ als Werbeplattform genutzt, um jüngere Wähler zu erreichen. Hamburg hat gute Chancen, seinen Vorsprung im Games-Bereich auszubauen. Junge wie etablierte Spielefirmen finden durch die Nähe zu den 20.000 Unternehmen der Medien- und IT-Branche ein perfektes Umfeld vor. Die Medienkommission empfiehlt daher: I das Aus- und Weiterbildungsangebot zu stärken, I internationale Talente für Hamburg zur begeistern, I das Clustermanagement auszubauen und zu internationalisieren und I die Medienkonvergenz zu fördern. Wesentlich wird es sein, die Realität von Computerspielen anzuerkennen und in geeignete Bahnen zu lenken. „Wir müssen aufhören, die Spielebranche pauschal zu verurteilen und in die Schmuddelecke zu drängen. Vielmehr geht es darum, die Stärken des Zukunftsmediums zu nutzen“, resümierte der Landesvorsitzende, Matthias Leutke. Mit den sogenannten „Digital Natives“ gelange in den kommenden Jahren eine Generation in die Unternehmen, die mit

Leiter der Landesfachkommission Medien Michael René Weber und Renate Kiel

dem Computer aufgewachsen sei. Sie ziehe neue, digitale Lernformen den traditionellen vor, was auch Konsequenzen für die Zukunft habe. Games seien vielfältig einsetzbar. Große Unternehmen nutzten sie schon seit Jahren für Marketingzwecke, in der medizinischen Rehabilitation, der beruflichen Weiterbildung oder der gesundheitlichen Aufklärung. Hier lägen auch für den Mittelstand noch große Chancen. CA

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Gesundheit

FORSCHUNG, LEHRE UND THERAPIE UNTER EINEM DACH

HanseMerkur Zentrum für Chinesische Medizin eröffnet Am 1. Juli 2010 eröffnete das HanseMerkur Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die bundesweit erste Einrichtung, die sich ausschließlich auf die immer stärker nachgefragte Heilkunst aus dem Reich der Mitte konzentriert. Forschung, Lehre und Therapie sind unter einem Dach vereint. Das TCM-Zentrum, in dem deutsche und chinesische Ärzte und Therapeuten arbeiten, besteht aus einer gemeinnützigen ForschungsGmbH und einer selbständigen Behandlungspraxis.

Dr. med. Sven Schröder bei einer Akupunktion

Westliche Erforschung einer östlichen Medizin Gesellschafter der gemeinnützigen Forschungseinrichtung sind die HanseMerkur Versicherungsgruppe (52 Prozent), das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (24 Prozent) und die Behörde für Wissenschaft und Forschung der Freien und Hansestadt Hamburg (24 Prozent). Die Partner erwarten von der wissenschaftlichen Einrichtung, dass hier Nachweise der Wirksamkeit der „östlichen“ Medizin durch „westliche“ Verfahren der klinischen Forschung und der Laborforschung erbracht werden. In Studien untersucht werden etwa die neurobiologischen Mechanismen der Akupunktur sowie Wirkungen von Kräutern auf das Nervensystem, die Immunologie, das Hormonsystem oder bei der Krebsbehandlung. Die ganzheitliche Wirkung der TCM-Behandlungen wird zudem mit physikalischen Methoden der

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Gas-, Flüssig- und Massenspektrometrie untersucht. Dank der langjährigen Verbindungen zwischen Hamburg und China wurde eine enge Zusammenarbeit mit der TCM-Universität in Shanghai vereinbart. Auch Forschungskooperationen mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der Johannes Gutenberg Universität Mainz, der niederländischen Forschungseinrichtung TNO in Utrecht und der Pharmazie in Yale wurden verabredet. Die Gesellschafter erhoffen sich, dass die wissenschaftliche Untersuchung der fernöstlichen Heilkunst dazu beitragen wird, transparente Qualitätsstandards für die TCM-Medizin in Deutschland zu definieren. TCM: eine individualisierte Medizin Die HanseMerkur ist seit 1992 Vorreiter bei der Erstattung von Komplementärmedizin und damit auch aller Verfah-

ren der TCM, von der Akupunktur bis zur Zungendiagnostik. Sie bietet hier eine Reihe von Tarifen und Ergänzungsbausteinen zu Vollversicherungen an. In der selbständigen Behandlungspraxis des TCM-Zentrums, die vom Neurologen und TCM-Arzt Dr. Sven Schröder geleitet wird, kommen alle Therapieverfahren der TCM – einzeln oder in Kombination – zum Einsatz. Von der Chinesischen Arzneitherapie über Akupunktur und Tuina-Massagen bis zu den konzentrativen Atem- und Bewegungsübungen des Qigong und zur Chinesischen Ernährungsmedizin. Welche Behandlungsformen der TCM zum Einsatz kommen, hängt nach chinesischer Lehre vom Individuum ab. Denn jeder Mensch zeigt eine individuelle körperliche Reaktion auf äußere und innere Krankheitsursachen. So reagiert der eine auf Stress mit Magenschmerzen, ein anderer schläft schlecht, und ein Dritter wiederum wird reizbar. Unterschiedliche Reaktionsmuster lassen sich entsprechend etwa bei Infektionserkrankungen ausmachen. Ein Patient reagiert schon auf leichte Ernährungsfehler oder ungewaschenes Obst mit Durchfall, während der andere jedes Lebensmittel beschwerdefrei verträgt. Diesen individuellen Reaktionen des Körpers trägt die Traditionelle Chinesische Medizin Rechnung. Der Mensch wird als Individuum wahrgenommen und auch individuell therapiert. Verschiedene Patienten erhalten also bei gleicher Erkrankung unterschiedliche Behandlungen. Welche Krankheitsbilder behandelt die TCM? Bei fast allen Erkrankungen ist die Regulation des vegetativen (den Körper steuernden) Nervensystems beeinträchtigt. Gerade in der Beeinflussung der vegetativen Funktionen des Körpers liegt eine Stärke der Traditionellen Chinesischen Medizin, so dass fast bei allen Erkrankungen hei-


PR-BERICHT

lende oder lindernde Effekte durch TCM erreicht werden können. Neben der Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen (u.a. Migräne, Kopfschmerzen, Schulter-, Rükken-, Hüft- und Knieschmerzen) können auch andere Erkrankungen des Bewegungsapparates (Arthrosen, rheumatische Erkrankungen) und des Magen-Darm-Traktes (chronischer Durchfall, Reizdarm, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) günstig beeinflusst werden. Ebenfalls erfolgreich lässt sich die TCM in der Gynäkologie (Kinderwunsch, Regel- und klimakterische Beschwerden), bei Hauterkrankungen (Neurodermitis, Psoriasis, Akne, Juckreiz, chronische Ulcera), Lungenerkrankungen (Asthma, chronische Bronchitis), HNOErkrankungen (chronische Sinusitis, Zungenbrennen), Allergien (Heuschnupfen, trockene Augen), Erschöpfungssyndromen (Burnout, Leistungsschwäche, chronische Müdigkeit), leichten psychischen Störungen, Schlafstörungen und neurologischen Erkrankungen (Taubheitsgefühle, Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen) einsetzen. Funktionsstörungen Organischen körperlichen Störungen gehen kürzere oder längere Phasen der gestörten Funktion voraus, die auch manchmal jahrelang anhalten können. Für derartige Beschwerden findet die westliche Apparate- und Labordiagno-

Martinistraße 52, Haus Ost 55 (055) 20246 Hamburg www.tcm-am-uke.de Forschungsbereich Telefon 040 429 16 350 Fax 040 429 16 349 E-Mail info@tcm-am-uke.de, forschung@tcm-am-uke.de

stik aber keine oder nur geringe Auffälligkeiten, mit entsprechend eingeschränkten ursächlichen therapeutischen Möglichkeiten. Hier liegt die Stärke der chinesischen Diagnostik, die Ungleichgewichte anhand der vegetativen Funktionen erfassen kann und gezielte Handlungsanweisungen für die Therapie liefert. Organische Störungen Auch wenn bereits Organschäden vorliegen, kann durch die Beeinflussung der vegetativen Funktionen, ggf. auch in Kombination mit westlichen Therapien, eine erhebliche Linderung von Symptomen erreicht werden. Selbst bei sehr schweren Erkrankungen oder eingreifenden Therapien – wie z.B. Chemotherapie bei Krebs – kann mittels Methoden der TCM eine deutliche Reduktion von Symptomen und Nebenwirkungen erreicht werden. Prävention Methoden der TCM können auch einen erheblichen Beitrag zur Prävention von Erkrankungen leisten. Einerseits lassen sich durch die Chinesische Diagnostik Ungleichgewichte der Körperfunktionen frühzeitig erkennen. Andererseits kann durch frühzeitige Behandlungen schwereren Erkrankungen oder Chronifizierungen vorgebeugt werden. Dies entspricht der historisch überlieferten Aufgabe chinesischer Ärzte, im Wesentlichen durch Verhinderung von Erkrankungen zu wirken.

Praxis für Chinesische Medizin Dr. Sven Schröder Telefon 040 413 57 990 Fax 040 413 57 960 E-Mail praxis@tcm-am-uke.de Öffnungszeiten Praxis Mo bis Fr 9 – 12 Uhr Mo, Di, Do 15 – 17 Uhr sowie nach Vereinbarung

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Landesverband Hamburg Ausgabe Dezember 2010

ZWISCHENRUF

Die Gefahr, die aus dem Rechner kommt: Computerviren und Cyber-Attacks Wir alle wissen: Ohne IT, die Informationstechnologie, läuft fast nichts mehr. Die meisten Geschäftsvorgänge, wie auch viele Produktionsprozesse, unser Verkehrswesen, die weltweite Kommunikation, aber ebenso kleine Arbeitshilfen im Haushalt, sie alle basieren immer mehr auf IT – und werden damit anfälliger für Computerviren, für Spionage und für Sabotage. Vor kurzem gab es einen Angriff in neuem Maßstab durch einen Computer-Virus mit dem Namen STUXNET. Mit ihm wurde erstmals in der Geschichte die Steuerung ganzer Industrieanlagen von einem Virus befallen. Der Angriff konnte weder von Microsoft noch von irgendeinem gängigen Antivirus-Programm abgewehrt werden. Stuxnet hat seitdem weltweit bereits einige Industrieanlagen infiziert, unter anderem ein Kernkraftwerk im iranischen Bushere (auch wenn dieses noch nicht hochgefahren war, signalisierte das ein kaum zu unterschätzendes Risiko mit globalem Gefährdungspotenzial). Stuxnet ist das Beispiel eines Sabotage-Angriffs in Cyber-Form. Wer dahintersteckte und welche genauen Ziele verfolgt wurden, ist nur wenigen genauer bekannt. Es ist aber wohl davon auszugehen, dass es ein Nationalstaat war, der eine neue Form des Angriffs erprobt. Mit dem Siegeszug der Informationstechnologie in unserem Alltag ist der Cyber-Terrorismus zu einem sicherheitspolitischen Thema von großer Bedeutung geworden. Denn Rechner und Netzwerke können von irgendwo und vielfach binnen Sekunden manipuliert oder sogar ausgeschaltet werden. Somit müssen auch unsere lebenswichtigen Netze – unter anderem für die Energie- und Rohstoffversorgung, das Transportwesen, Finanzsysteme, IT- und Telekommunikationsnetze, aber auch unsere Verteidigung – noch besser geschützt und

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abgesichert werden. Längst berät man daher in der NATO über Strategien im Umgang mit Angriffen aus dem CyberSpace. Englands Verteidigungsministerium hat sich der Sache ebenfalls angenommen und das Thema CyberAttacks in sein Nationales Sicherheitskonzept integriert. Auch in Kanada gab es kürzlich ein „IT-Problem“ im Bereich der Atomkraftwerke, das politischen Handlungsbedarf deutlich machte. Terrorismus ist keine militärische Strategie im traditionellen Sinn, sondern primär eine Kommunikationsstrategie. Cyber-Terrorismus ist wiederum eine spezielle Form des Terrorismus, der mit Hilfe von Internet-Technologien Angriffe auf Computersysteme verübt. Die eingesetzten Waffen sind Werkzeuge aus dem Bereich der Informatik. Im einfachsten Fall zielen Angriffe auf rechnergestützte Verbindungen, um die Kommunikation auf diesem Wege zu vereiteln. Ein Beispiel für einen erfolgreichen Cyberangriff findet sich 2007 in Estland, wo nach einem konzertierten „Denial of ServiceAngriff“ Regierungs- und Verwaltungsstellen sowie die größte Bank des Landes nicht mehr erreichbar waren. Zudem wirkte sich der Angriff auf Krankenhäuser, Energieversorgungssysteme und Notrufnummern aus.

Der Unterschied zum „klassischen“ Terrorismus: Für Cyber-Attacks und Cyber-Crimes braucht man keine Armeen, Raketen oder Flotten, sie sind ganz einfach von heimischen Laptops aus vorzunehmen. Stuxnet ist nicht über das Internet, sondern von Menschenhand über einen USB-Stick oder Laptop eingeschleust worden. Damit kommen als potenzielle CyberTerroristen auch „Leute wie du und ich“ in Betracht. Vielleicht sogar der geschasste und daher illoyale Mitarbeiter? Sind Viren wie Stuxnet Waffen? Fest steht, dass die virtuellen Attacken reellen Schaden anrichten und man sich deshalb noch intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen muss – die Politik und die Unternehmen! Cyber-Terrorismus muss Bestandteil eines Konzepts zur vernetzten Sicherheit sein. Die neuen Kommunikationsformen machen vieles praktischer, aber die Systeme sind sehr verwundbar.

Ludolf von Löwenstern Der Zwischenruf gibt die Auffassung des Verfassers wieder. Persönlich haftender Gesellschafter der CC HOLDING Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft. Er ist ehrenamtlich in verschiedenen Institutionen engagiert, unter anderem im Wirtschaftsrat Deutschland als Mitglied des Bundesvorstandes und Vorsitzender der Landesfachkommission ITK Informationsund Telekommunikationstechnologie (gegr. 1994), Deutsches Marine Institut (DMI), E-Business-Ausschuss der Handelskammer Hamburg.


PR-BERICHT

Sonderausstellung wird voraussichtlich bis Juni verlängert

Werbewelten made in Hamburg Ab September ist im Museum der Arbeit die Ausstellung „Werbewelten made in Hamburg. 100 Jahre Reemtsma“ zu sehen. Hamburg und Altona haben eine lange Tradition des Handels und der Verarbeitung von Tabak. Auch Bernhard Reemtsma, der 1910 die kleine Zigarettenfabrik Dixi in Erfurt übernommen hatte, verlagerte seinen Betrieb 1923 nach Altona-Bahrenfeld. Unter der Leitung seiner Söhne Hermann, Philipp und Alwin entwickelte sich die Reemtsma AG in einer beispiellosen Expansion zum größten Hersteller von Zigaretten in Deutschland. In Zusammenarbeit mit dem Markentechniker Hans Domizlaff wurde das Unternehmen zum Pionier der Markenzigarette und machte immer wieder mit innovativen Werbekampagnen auf sich aufmerksam. Die Geschichte dieser Markenentwicklungen ist ein exemplarisches Stück Werbegeschichte in Deutschland.

„Eine Zigarette besteht aus Papier, einem Gramm Tabak und vielen Werbemillionen.“ Philipp Fürchtegott Reemtsma, Sohn des Firmengründers Bernhard Reemtsma, ab 1917 in der Firma für Verkauf, Werbung und Finanzen zuständig Das Museum der Arbeit übernahm im Jahr 2004 das Werbemittel- und Fotoarchiv der Reemtsma Cigarettenfabriken und präsentiert im FirmenJubiläumsjahr 2010 mit einer großen Ausstellung die Entwicklung des Unternehmens und seiner Marken mit Objekten aus der reichhaltigen Sammlung. Das Bildrepertoire reicht von Wikingermotiven über exotische Orientbilder aus 1001 Nacht bis hin zu den skurrilen Figuren der „Test-the-WestKampagne“. Emailschilder, Werbeaufsteller, Plakate, historische Zigarettenschachteln und Fotografien geben einen tiefen Einblick in diese Werbewelten „made in Hamburg“. Prof. Dr. Kirsten Baumann, Direktorin Museum der Arbeit „Die Ausstellung kombiniert die Historie der Markenwerbung mit der Wirtschaftsgeschichte dieser Stadt. Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, diese Sammlung in Hamburg zu halten und

sie nun der Öffentlichkeit erstmalig und so umfangreich präsentieren zu können.“ Richard Gretler, Sprecher des Vorstandes der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH „Gerade in Zeiten der ökonomischen Unsicherheit blicken wir stolz auf 100 Jahre erfolgreiches Wirtschaften zurück. Mit so mancher unserer Markenwerbung haben wir in dieser Zeit Geschichte geschrieben. Wir freuen uns, dass ein wichtiger Teil unserer Unternehmensgeschichte am Firmenstandort in Hamburg verblieben ist und im Jubiläumsjahr die Sammlung erstmalig geöffnet und im großen Umfang der Öffentlichkeit gezeigt werden kann.“ www.museum-der-Arbeit.de

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Landesverband Hamburg Ausgabe Dezember 2010

Eine ungewöhnliche Veranstaltung Mittagsveranstaltung am 09.11. mit Rainer Heydenreich, Vice Chairman der UBS Deutschland und Doris Tito, Programmleiterin der Initiative „SeitenWechsel“ Zum eigentlich vorgesehenen „Ausblick auf die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte 2010/2011“ gehörten sicher auch Faktoren, deren Entwicklung nicht zuverlässig vorauszusehen ist. In diesem Sinne – „die Zukunft ist kaum vorhersehbar“ – schlug der Landesvorsitzende Matthias Leutke einleitend einen Bogen vom angekündigten Thema zum plötzlichen Ausfall des Referenten, Thorsten Weinelt, Chefvolkswirt der UniCredit Bank, München. Am Morgen des Veranstaltungstages erreichte die Geschäftsstelle die Nachricht, dass Herr Weinelt in Dubai fest säße, weil sein Flug gestrichen wurde. Was nun, Landesgeschäftsführer Dr. Werdermann? Es blieben drei Stunden bis zum Beginn der Veranstaltung im Elysée, und mehr als 150 Teilnehmer hatten sich angemeldet. Der bewährte „Senior-Geschäftsführer“ fand auch in dieser Situation eine respektable Lösung. Das Programm teilte sich dabei in zwei Kurzreferate. Zunächst war Rainer Heydenreich, Vice Chairman UBS Deutschland, Werdermanns Bitte gefolgt, spontan aus dem Fundus seiner Kenntnisse über „Aktuelle Einschätzungen auf den Finanzmärkten“ zu sprechen. Heydenreich geht für 2011 von einem globalen Wirtschaftswachstum in Höhe von 3,7 Prozent aus, vor allem gestützt auf die Region Asien ohne Japan. Als Folge geldpolitischer Lockerungen erhöhe sich allerdings das Inflationsri-

nehmen. Industrietitel, Luxusguthersteller und Telekomwerte böten gute Chancen. Auf dem Rohstoffmarkt sieht Heydenreich geringere Perspektiven, da er momentan keine Preissteigerungen erwartet. Für Gold nannte er ein 12Monatsziel von USD 1.500. Bei Währungen gilt sein Interesse Devisen aus rohstofffördernenden Ländern, so CAD, AUD, NZD, NOK. Heydenreich schloss seinen Vortag mit einer optimistischen Prognose für die deutsche Wirtschaft und leitete dann über zum Referat von Frau Doris Tito. Heydenreich präsentierte einen guten, sehr persönlichen Grund, mit ihr

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zeichnete, wäre ohne seine unvermittelte Lückenbüßerfunktion kaum auf die Agenda des Landesverbands geraten. Am Ende stellte jedoch der Beifall für Tito klar, wie sehr ihr „Persönlichkeitstraining für Führungskräfte“ auf Resonanz bei den Anwesenden gestoßen war. SeitenWechsel konfrontiert Manager eine Woche lang außerhalb einer Führungsrolle mit ungewohnten Le-

Doris Tito und Matthias Leutke

Lutz von Stryk und Dr. David Mbonimana

siko. Die Amerikaner seien an einer Abwertung ihrer Währung interessiert, um ihre Schuldenlast erträglicher zu machen. Auf dem Anleihemarkt seien lediglich einige Unternehmensanleihen und Schwellenländeranleihen attraktiv. Ebenso bevorzugt UBS bei Empfehlungen für Aktienkäufe die Schwellenländer aufgrund ihres strukturellen Wachstums. Man rät aber auch zu deutschen Aktien im Hinblick auf die hohe Wettbewerbsfähigkeit der Unter-

Rainer Heydenreich

die Programmleiterin der Initiative „SeitenWechsel“ auf das Podium des Wirtschaftsrats zu bringen. Was er einführend als „grundlegende Erweiterung seines Erfahrungshorizonts“ be-

benswelten. Die Begegnung mit inhaftierten, obdachlosen, behinderten, drogenabhängigen, psychisch kranken oder gar todkranken Menschen bringt Erfahrungen, die der Beruf nicht bietet.


Die praktische Auseinandersetzung mit den ungewohnten Problemen erweitert den Blick und schafft soziale Handlungsfähigkeit – und damit umfassendere Führungskompetenz, die in den Alltag integriert werden kann. Die Teilnehmer suchen sich bei einem Einführungsgespräch je nach persönlicher Motivation und eigenem Zutrauen einen von acht angebotenen Erfahrungsbereichen aus. Anschließend arbeiten sie sozusagen als Praktikanten

Peter Köhler und Hans-Joachim Goertz

unter Anleitung einer erfahrenen Kraft in einer sozialen Institution. 89 Prozent der Teilnehmer haben bei wiederholten Evalutionen ihren persönlichen Nutzen als hoch eingeschätzt. Heydenreich, der in einem Hospiz Umgang mit Sterbenden hatte, betonte diesen Aspekt nachdrücklich. Bisher haben 1.000 Führungskräfte von dem geschilderten Angebot Gebrauch gemacht. Aus dem großen Kreis der beteiligten Unternehmen seien beispielhaft Airbus, Beiersdorf, BMW, Hapag-Lloyd, Lufthansa, Shell und Siemens genannt. Ein Flyer von Seiten Wechsel – unter www.patriotischegesellschaft.de im Internet abrufbar – zeigt die komplette Kundenliste und gibt in Zitaten eindrucksvoll die Erfahrungen von Vorstandsmitgliedern verschiedener Gesellschaften wieder. SeitenWechsel, in der Schweiz gegründet, wird in Hamburg von der „Patriotischen Gesellschaft von 1765“ vertreten. Die Teilnahme an einem Training kostet 2.100 Euro plus Mehrwertsteuer. Ein Teil davon geht an die betreuende soziale Einrichtung. Frau Tito hinterließ mit starken Argumenten und viel Engagement nachhaltigen Eindruck. Wenn Sie Näheres interessiert, erreichen Sie die Programmleiterin unter 040-36 66 19. He

Einfach lecker! Hamburg ist die Marken-Hauptstadt! Kaum eine andere Stadt hat so viele geniale Tüftler zu verzeichnen wie die Hansestadt. Das hat seinen Ursprung in Handel und Wirtschaft. Kluge Kaufleute und Vermarkter kreierten Produkte in den vergangenen hundert Jahren und entwickelten sie mit geschickten Vertriebsmethoden zur Marktreife. Auch wenn der Produktstart nicht sofort von Erfolg gekrönt war, haben sich die Hamburger und Schleswig-Holsteiner Produkte weltweit einen bekannten Namen gemacht.

PR-BERICHT

Zur Jahreszeit passend denken wir an Kemmsche Kuchen und Gartmann-Tannenbaumkränze. Das Backrezept wurde von der Familie Kemm von Generation zu Generation weitergegeben. Damit wurden die würzigen Kuchen zum Traditionsgebäck des Hauses. Die industrielle Produktion begann 1782. Das Unternehmen entwickelte sich kon-

Noch immer gehören die Kemmschen Kuchen für viele Norddeutsche auf den Frühstückstisch oder zum 5-Uhr-Tee. Auf einem Rundstück, wie die Hamburger das Brötchen nennen, ist es einfach purer Genuss! Die Gartmann-Tannenbaumkränze gehören seit über 100 Jahren zum Weihnachtsfest. Die feinen Zartbitterschokoladenkränze mit den roten und weißen Zuckerperlen avancierten zur Dekoration für den Weihnachtsbaum, sehr zur Freude der Kinder. Die berühmte und bis heute kaum veränderte Verpackung ist auch heute noch äußerst

tinuierlich weiter, und 1903 wurde auf der „grünen Wiese“ in Lokstedt die Kuchenfabrikation aufgenommen. Das Rezept ist bisher unverändert, ebenso das Produktbild: Jedes Gebäckstück trägt den Namen seines Erfinders J. G. Kemm. 1994 übernahm das Krefelder Unternehmen Wilhelm Gruyters die Rezepturen und Markenrechte der Firma Kemm. Die Hamburger Spezialität wird jetzt in Krefeld produziert, was der hanseatischen Kreation keinen Abbruch tut.

beliebt als kleines Mitbringsel zum Adventskaffee. Um 1900 erfand Christian Heinrich Louis Gartmann dieses leckere Konfekt. Sein Großvater, ein Schweizer, eröffnete 1810 in Altona die „Schweizer Konditorei“, und Sohn Hannes Philipp Hermann baute die Firma Mitte des Jahrhunderts zu einer Chokoladen-Fabrik aus. Heute wird die Firma C.H.L. Gartmann in sechster Generation geführt. www.intercookies.de www.gartmann-schokolade.de

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PR-BERICHT

Stadt Hamburg News

Foto: H.Hass/SRH

Umweltsenatorin Hajduk gibt „grünes Licht“ für schneefreie Straßen

Ab 1. November gilt der Winterdienst für Hamburgs Verkehrswege. Pünktlich konnte die Stadtreinigung Hamburg (SRH) alle Neuerungen des Streu- und Räumprogramms für den kommenden Winter in Dienst nehmen. Gemeinsam mit Geschäftsführer Dr. Rüdiger Siechau setzte Senatorin Anja Hajduk die beiden neuen Streusalzsilos mit einem Hebelzug in Betrieb. Mit einer Füllgeschwindigkeit von 2 bis 3 Minuten ist eines der insgesamt 120 Streufahrzeuge neu beladen und für den gut halbstündigen Einsatz auf der Straße wieder bereit. Zusätzlich nehmen seitliche Tanks eine Lauge auf, die während des Streuvorgangs dem SalzGemisch auf dem Drehteller zugemengt wird. „Durch das Anfeuchten erhöht sich die Tauwirkung“, so Reinhard Fiedler von der Pressestelle der Winterdienstzentrale am Bullerdeich. „Wir haben aus dem vergangenen Extremwinter gelernt und ein neues 8Punkte-Konzept entwickelt“, erläutert die Senatorin und meint weiter: „Wir sind sehr gut auf den Winter vorbereitet.“ Die Zuständigkeiten wurden neu geordnet. Einige Einrichtungen erfüllen die kommenden Anforderungen besser. Dazu gehören u. a. die beiden

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Streusalzsilos mit einem Fassungsvermögen von 250 Tonnen sowie die Ergänzung der Fahrzeugflotte auf insgesamt 350 Fahrzeuge und der um 550 zusätzliche Einsatzkräfte aufgestockten Stamm. Ein modernes meteorologisches Überwachungssystem informiert über partielle Schneefälle in den Stadtteilen. Dadurch können die Spezialfahrzeuge frühzeitig und gezielt in diese Viertel ausrücken.

cken, 4.000 Bushaltestellen und gut 180 km Radwege, die bisher in der Verantwortung der Bezirksämter lagen. Die Räumpflicht der Gehwege durch die Anlieger soll verstärkt überwacht werden. Der Winterdienst räumt und streut rund um die Uhr. Zunächst werden wichtige Hauptverkehrsstraßen und Strecken mit Buslinienverkehr geräumt, danach die Verbindungsstrecken. Bei Glatteis und überfrierender Nässe wird Feuchtsalz gestreut, bei dicker Schneedecke Splitt. Die Streudurchgänge können bis zu fünf Stunden dauern. In 25 dezentralen Streustoffsilos sowie in den

Dr. Siechau, Senatorin Hajduk, Pressesprecher Fiedler (v.l.)

Die Stadtreinigung räumt hamburgweit wie bisher rund 3.300 Kilometer Fahrbahnen. Diese sind nur ein Teil des gesamten Straßennetzes, also die Hauptverkehrsstraßen und rund 12.000 Zebrastreifen und Übergänge. Dazu kommen verkehrswichtige anliegerfreie Gehwegstrecken und Brü-

Hallen des Billbrooker Zentraldepots lagern 15.000 Tonnen Salz-Streugranulat, die im Kampf gegen die weiße Pracht und die tückische Glätte eingesetzt werden. Kommt es besonders hart, was niemand vorhersagen kann, stehen weitere 5.000 Tonnen zur Verfügung. EJH


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Landesfachkommission ITK Informations- und Telekommunikationstechnologie Aktuelles Stimmungsbarometer ITK Die Stimmung in der ITK-Branche ist so gut wie seit Jahren nicht mehr. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage des Hightech-Verbands BITKOM hervor. Danach verzeichnen im dritten Quartal 78 Prozent der befragten Unternehmen ein Umsatzplus. Auch die Auftragseingänge nahmen deutlich zu. Wegen des guten Geschäftsverlaufs rekrutieren viele Firmen neues Personal. 55 Prozent der befragten ITK-Unternehmen wollen in diesem Jahr zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, 29 Prozent halten die Mitarbeiterzahl stabil. Cloud-Computing Beim Cloud Computing erfolgt die Nutzung von IT-Leistungen in Echtzeit über Datennetze (in der „Wolke“) anstatt auf lokalen Rechnern. Die Nutzung von Cloud Computing entwickelt sich innerhalb weniger Jahre zu einem Milliarden-Markt mit einer hohen standortpolitischen Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Dieses Ergebnis zeichnet sich auf einer internationalen Konferenz ab, die der BITKOM in Köln veranstaltete. Nach einer aktuellen Studie der Experton Group wird der Umsatz mit Cloud Computing in Deutschland von EUR 1,14 Milliarden im Jahr 2010 auf EUR 8,2 Milliarden im Jahr 2015 steigen. Damit werden in fünf Jahren 10 Prozent der gesamten IT-Ausgaben in Deutschland auf diese Technologie entfallen.

Aus der Arbeit der Kommission ITK Thema: Elektromobilität In der September-Sitzung begrüßten wir Christian Liebich, Referent Entwicklung konvergenter ITK im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Wirtschaftliche, umweltpolitische und standortpolitische Gründe sprächen für eine gestiegene Aufmerksamkeit des Themas „E-Mobilität“ in Politik und Gesellschaft. Liebich betonte, dass dabei wichtige Aspekte der Elektromobilität ohne moderne Informations- und Kommunikationstechnologien nicht reali-

sierbar seien. Hierunter fielen z. B. der Datenaustausch zwischen Fahrzeug, Ladestation und Netzbetreiber oder die Abrechnung des geladenen Stromes. Politische Initiativen, z.B. ein FuEProgramm des Bundes zur Förderung der E-Mobilität mit einem Umfang von EUR 500 Millionen einschl. einem Anteil von EUR 50 Millionen für den ITK-Bereich, sind gestartet. Thema: Soziale Online-Netzwerke In der Oktober-Sitzung begrüßten wir Jana Moser, Datenschutzbeauftragte und Syndika bei VZnet Netzwerke Ltd. aus Berlin, zum Thema „Soziale Online-Netzwerke – Die Herausforderung zwischen Selbstdarstellung und gesetzgeberischer Überregulierung“. Soziale Netzwerke wie schülerVZ, studiVZ, meinVZ, XING und Facebook haben in unserer Gesellschaft einen großen Stellenwert erreicht. Einige unterliegen dem deutschen Recht, wie z. B. schülerVZ. Dennoch: Auch in diesem Bereich gibt es Nachhol- und Anpassungsbedarf. Zu viele Gesetze sind nicht untereinander „harmonisiert“ bzw. abgestimmt. Dadurch ist es sowohl für den Verbraucher als auch für den Betreiber schwer, eine klare Rechtsgrundlage zu finden. Gefordert wird deshalb eine Aktualisierung des Telemediengesetzes, die Anpassung der Befugnisse nach BDSG, das Datenschutzrecht am Schutz des Verbrauchers auszurichten und den Datenund Jugendschutz endlich zu harmonisieren. Weitere Forderungen an den Gesetzgeber betreffen die Geltung und Durchsetzbarkeit: Der Sitz des Unternehmens ist, wie auch der Ort der Datenverarbeitung, irrelevant. Der Schutz des Verbrauchers ist dagegen entscheidend, aber auch die Durchsetzbarkeit gegenüber Unternehmen aus Drittstaaten und eine einheitliche Kontrollbehörde für Internetanbieter. Themenübersicht In den nächsten Sitzungen beschäftigt sich die Kommission unter anderem mit folgenden Themen: „Bewegtbild auf iPad & Co. – Hype und Wirklich-

keit“, „Sicherheit vor Mithören in Kabel, Netz und Funk. Stichwort: Spy-Attacks“, „Verbraucher- und Datenschutz im Internet-Zeitalter am B. Google Street View. Ängste & Wirklichkeit”, „Enterprise 2.0 – Revolution oder Evolution in Unternehmen“, „Cyber-Attacks. Aktuelle Entwicklungen und Gegenmaßnahmen“. Bei Interesse an einzelnen Themen sind Gäste herzlich willkommen und können sich gerne an den Vorsitzenden der Kommission wenden. Ludolf Baron von Löwenstern Vorsitzender der Kommission ITK

10 Jahre SeitenWechsel Deutschland Persönlichkeitstraining Führungskräfte aus der Wirtschaft wechseln für eine Woche in soziale Institutionen.

Weitere Infos unter www.seitenwechsel.com Patriotische Gesellschaft von 1765, Hamburg Tel. 040-36 66 19

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AUS DEM JUNIORENKREIS Von der Bohne zum Kaffee Von sich selbst sagt er mit einem Schmunzeln, er habe den Models den Job weggenommen. Tatsächlich folgte Albert Darboven 1987 lediglich einer Familientradition, als er sich für seine Marke „Idee Kaffee“ erstmals vor die Kamera stellte. Umso größer ist das Gewicht des prominenten Hamburger Unternehmers und Wirtschaftsrat-Vorstands, wenn es darum geht, für „sein Hamburg“ zu begeistern und auch andere Unternehmer für bürgerschaftliches Engagement mit ins Boot zu holen. Ob es um das Deutsche Derby, soziale Projekte in den Kaffee-Anbauländern oder Kultur-Projekte und Denkmalschutz in der Hansestadt geht, Albert Darboven engagiert sich und versteht es, andere zu begeistern. Die Basis hierfür bildet sein Unternehmen. Der 1866 gegründete KaffeeRiese J. J. Darboven mit elf Tochterfirmen und drei Röstereien in sechs europäischen Ländern, zählt prominente Marken wie „Idee Kaffee“, „Eilles“ oder „Alfredo Espresso“ zu seinen Stärken. Mit seinen „Büro Coffee Services“ und dem Gastronomie-Geschäft ist er auch

Franziska Kraupner und Josephine Wendler bei der KaffeeVerkostung im Hause Darboven

Philip Merker und Iris S. Spiegelberger im Gespräch mit Albert Darboven (v.l.)

im business-to-business Bereich stark positioniert. Rene S. Spiegelberger dankte Albert Darboven für die Tee- und Kaffee-Verkostung am Abend. Die 35 Teilnehmer waren von der auch zu später Stunde noch hoch motivierten Darboven-

Mannschaft begeistert. Ebenso angetan waren sie von den vielen neuen Geschmacks-Impressionen eines global aufgestellten Unternehmens, in dem weder die Röstmaschinen noch die Konfektionierungs- und Verpackunsroboter jemals still stehen.

Hart am Wind im blokart – Hamburger Junioren segeln bei der „Hanseboot“ Als Mitglied des Juniorenkreises ist man nicht nur schnell im Kopf, sondern auch schnell am Wind. Das bewiesen die Hamburger Junioren bei ihrer Veranstaltung anlässlich der diesjährigen „Hanseboot“, Hamburgs traditionsreicher internationaler Bootsmesse. 22 Windmaschinen und etliche ultraleichte Strandsegler, die sogenannten blokarts, standen den Junioren für rasantes Segelvergnügen in Halle 23 zur Verfügung und sorgten für stimmungsvolles sportliches Wetteifern. Während der „Hanseboot“ waren die blokarts ein besonderer Publikumsmagnet. „Ich habe in den letzten Tagen mehr als 5.000 Menschen das blokartSegeln beigebracht!“ schwärmt Juniorenkreismitglied Alexander Bruhn, der

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Juniorenkreis Blokart-Kapitäne im Windkanal

die maritime Veranstaltung organisierte und mit seiner Familie nicht nur als Familienunternehmen Profisegelteams managt, sondern auch bei etlichen internationalen blokart-Meisterschaften mit herausragenden Erfolgen aufwartet. So sind sein 14-jähriger Sohn Philip und er die amtierenden Weltmeister und Vizeweltmeister im Eissegeln.

Hamburg möchte als Sportstadt künftig mit spannenden Sportereignissen rund ums Maritime und ums Wasser punkten. Eine lohnens- und erstrebenswerte Vision – wie alle Teilnehmer der Veranstaltung beim abschließenden Bier und angeregt durch die gerade gewonnen Eindrücke einhellig bekräftigten.


Senator Heino Vahldieck im Gespräch mit dem Hamburger Juniorenkreis

Senator Heino Vahldieck im Gespräch mit Tim Hoffmeister im Anglo-German Club

Kann man mit dem Thema „Innere Sicherheit“ tatsächlich „nichts gewinnen, aber alles verlieren“? Im persönlichen Gespräch mit dem Hamburger Senator für Inneres und Sport, Heino Vahldieck, hatten Hamburger Junioren die Gelegenheit, über aktuelle und grundsätzliche Fragen zur inneren Sicherheit der Hansestadt zu diskutieren.

Spiel-Besuch

Hamburg steht vor großen Herausforderungen, um die Sicherheit seiner Bürger auch in Zukunft auf hohem Niveau zu gewährleisten. Die in Hamburg stattfindende Innenministerkonferenz zog gewaltbereite Demonstranten aus dem autonomen Lager in die Innenstadt, die Medien berichteten über brennende Autos, und bei Großveranstaltungen galt es, Ausschreitungen zu verhindern.

Heino Vahldieck, der sein Amt im Sommer diesen Jahres angetreten hat, verfügt als langjähriger Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz und als ehemaliger Vorsitzender des Innenausschusses der Hamburger Bürgerschaft nicht nur über herausragende Fachkompetenz, sondern auch über das nötige politische Gespür. So erfahren wir, dass ein Vereinsverbot die Beobachtung einzelner Mitglieder erschwert. Natürlich interessierte die Teilnehmer auch die persönliche Motivation, die hinter der Entscheidung steht, ein politisches Mandat anzunehmen. „Die Freude an neuen Herausforderungen, aber auch die Überzeugung, dass es schon sehr guter Gründe bedarf, eine solche Verantwortung abzulehnen.“ lautete die ehrliche Antwort. Zurückkommend auf unsere Eingangsfrage halten wir fest: Der Abend mit Senator Vahldieck war in jeder Hinsicht ein Gewinn.

Auch der Juniorenkreis gehört nach dem Spiel-Besuch der Hamburg Freezers zur Fangemeinde

Dr. Andreas Mattner und Rene S. Spiegelberger freuen sich über den Sieg der Hamburg Freezers gegen die Berliner Eisbären

Der Juniorenkreis blickt in die Zukunft 2010 gab es wieder ein spannendes Programm. Mitglieder des Juniorenkreises, aber auch unsere stets gern gesehenen Gäste aus dem ordentlichen Verband, haben die Chance genutzt, sich in der angenehmen Atmosphäre von AngloGerman- oder Übersee-Club in kleinen Tischrunden mit Bundestagsabgeordneten, Senatoren und Wirtschaftskapitänen auszutauschen.

Auch die Veranstaltungsplanung für 2011 verspricht ein hochkarätiges Niveau. Wie in diesem Jahr werden Firmenbesichtigungen bei unseren Mitgliedern, so etwa kürzlich im Hause J. J. Darboven, und unsere beliebten Kultur-Veranstaltungen nicht zu kurz kommen. Für diejenigen, die sich noch stärker inhaltlich engagieren wollen, wird es

bei der Vorstandswahl am 2. Dezember, in den Landesfachkommissionen, die natürlich auch Junioren mit entsprechender Expertise offen stehen, sowie in unserer Bundesfachkommission „Junge Generation“ vielfältige Möglichkeiten geben. Bleiben Sie uns gewogen Rene S. Spiegelberger

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JOUR FIXE Produktion, Kommunikation, Globalisierung – JOUR FIXE im Herbst Es gibt kaum eine praktischere und einfachere Sportart als das Joggen. Das einzige, was man wirklich dafür braucht, sind geeignete Schuhe. Auf diesen Trend setzt seit Jahren erfolgreich der Hamburger Unternehmer und Geschäftsführer der Lunge Laufund Sportschuh GmbH, Ulf Lunge. Wer in Hamburg joggt, kommt an „Lauf Lunge“ kaum vorbei, und inzwischen verkauft er nicht nur Laufschuhe, sondern produziert sie auch selbst. In seinem praxisnahen Vortrag im September tauchten die Anwesenden ein in die Chancen und Risiken eines antizyklischen Selfmade-Produzenten in einem von Weltkonzernen dominierten Markt. Der engagierte Vortrag machte deutlich, welche politischen Hürden die Firma Lauf Lunge zu nehmen hatte, ehe sie im mecklenburgischen Düssin eine Schuh-Manufaktur eröffnen konnte. Mit etwa 20 Mitarbeitern produziert der leidenschaftliche Langstreckenläufer (Marathonbestzeit erstklassige 2:38h) qualitativ hochwertige ergonomische Laufschuhe. Der kommende Sprung in die industrialisierte Produktion wird die nächste Herausforderung. Das Thema Kommunikation als „Kunst für sich“ war Gegenstand der sehr gut besuchten Veranstaltung im Oktober. Ob im privaten Umfeld (etwa unter Ehepartnern), im politischen Raum (Sarrazin) oder im Beruf und Geschäftsleben – das WIE ist oft mindestens so wichtig wie das WAS. Wirtschaftlicher Erfolg und menschliche Erfüllung stehen und fallen nicht zuletzt mit gelungener Kommunikation. Was dabei alles schief laufen kann und wie wir unsere eigene Kommunikation fördern können, erläuterte Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun, Leiter des Schulz von Thun-Institutes für Kommunikation und bis 2009 Professor am Fachbereich Psychologie der Universität Hamburg. Der Autor der Bestseller-Trilogie „Miteinander reden“ führte in der leb-

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JOUR FIXE im September: Tine Stensbjerg, Karsten Pistor, Prof. Dr. Uta Krüger und Ulrich Bendtfeldt (v.l.)

Thorsten Boeckmann, Melanie Schwencke, Holger J. Nootbaar (v.l.)

Ulf Lunge, Gabriele Sievers und Dr. Hanno Stöcker (v.l.)

JOUR FIXE im Oktober: Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun

Angela Steffens und Dörte Dinse

Essimari Kairisto und Alexandra Brehm-Westhoff

Jürgen Sprang und Dr. Peter Bernhardt


haften Diskussion aus, welche Instrumente genutzt werden können und worauf verstärkt zu achten sei. Sein „Rundgang durch den Garten der Kommunikationspsychologie“ stand unter dem Motto: Erst quadratisch wird die Sache rund – Kommunikation als professionelle und als menschliche Herausforderung. Zunächst mit Caipirinha, dann mit weltbesten Fußballern und neuerdings auch mit wirtschaftlichen Erfolgen ist Brasilien international zu einem Schwergewicht geworden. Aus erster Hand hörten wir im November von Leonardo Cleaver de Athayde, Botschafsrat der Brasilianischen Botschaft in Berlin, wie sich Brasilien mit seiner diversifizierenden Wirtschaft nicht nur zu einem Produktionsstandort, sondern auch zu einem erheblichen Absatzmarkt entwickelt. Mit einem Handelsvolumen von fast 20 Milliarden Euro gehört Deutschland zu den wichtigsten Handelspartnern Brasiliens. Umgekehrt ist Brasilien Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika. Brasilien verfügt über große Rohstoffvorkommen und riesige Tropenwälder, die für das Weltklima unersetzlich sind. Außerdem bietet es echte Potenziale für erneuerbare Energien. Bereits heute bezieht das Land etwa die Hälfte seiner Energie aus erneuerbaren Quellen und bietet in Kombination mit deutschen Technologien gemeinsame Wachstumspotentiale. Sie erhalten noch keine Einladung zum JOUR FIXE? Dann melden Sie sich gerne in der Landesgeschäftsstelle, und diskutieren Sie mit bei spannenden wirtschaftlichen Themen in kommunikativer Atmosphäre. Sie erhalten bei zugelosten Sitzplätzen Gelegenheit zur Pflege bestehender und zur Knüpfung neuer Kontakte. Wir treffen uns am ersten Donnerstag im Monat. Wir freuen uns auf Sie. Dr. Hanno Stöcker Gabriele Sievers

JOUR FIXE im Oktober

Gerhard M. Wissler und Prof. Dr. Beatrix Palt

Susanne Rahlfs und Martina Noll

Keren Kühn und Dr. Hanno Stöcker

Friederike Baumgärtel und Iris Kahmann

Michael Gieseler und Dr. Alexander Tiffert

JOUR FIXE im November: Dr. Jan Curschmann, Gabriele Sievers, Leonardo Cleaver de Athayde (v.l.)

Barbara Wilcke-Schröder, Roswitha Goslar, Derek Anthony Goslar, Axel Kiel (v.l.)

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Hamburg bauen & wohnen

Die Internationale Bauausstellung IBA Hamburg blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück

2010 stand für die IBA Hamburg ganz im Zeichen ihres Zwischenpräsentationsjahres. Mehr als 20 Baustarts konnten gefeiert werden, über 200 Veranstaltungen, Ausstellungen und Touren fanden statt und Tausende von Besuchern konnte die IBA allein auf ihrem Ausstellungs- und Bürogebäude IBA DOCK begrüßen. Viele Projekte haben außerdem ihre „Macher“ gefunden: Ein Projekt, das in diesem Jahr erfolgreich Investor und Projektentwickler gefunden hat, ist „BalanceBay“ – Wohnen auf der Harburger Schlossinsel. Am 28. August dieses Jahres fiel für das Wohnen im Harburger Binnenhafen offiziell der Startschuss. Ein erstes großes Fest auf der Harburger Schlossinsel mit Bürgerschaftspräsident Dr. Lutz Mohaupt, Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg und IBA-Geschäftsführer Uli Hellweg, sowie den Vertretern des ersten Bauprojektes auf der Schlossinsel war der Auftakt, seither können sich nun erste Interessenten für Miet- oder Eigentumswohnungen melden. Damit wird ein ganz besonderes Projekt verwirklicht. Maritimes Flair und modernste Architektur treffen inmitten eines kulturellen Erbes direkt aufeinan-

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der. Hier erhält die Harburger Schlossinsel im Rahmen der IBA ein neues, reizvolles Gesicht. Zudem sollen im Zentrum der Schlossinsel nicht nur Wohnungen und Gewerbebauten entstehen: Ein sternförmiger Park wird Raum zur Erholung für die dort Berufstätigen, Besucher und Anwohner bieten und die ohnehin schon hohe Qualität der Umgebung noch reizvoller machen. Der Grundstein für das erste Wohnungsbauprojekt mit rund 165 Wohneinheiten wurde damit gelegt. Zukünftig sollen in zwei Bauabschnitten insgesamt rund 230 Wohneinheiten auf der Harburger Schlossinsel entstehen. Doch nicht nur Wohnen soll dort möglich sein: Es wird eine Mischung aus Wohnen und hochwertigem, neu anzu-

siedelndem Gewerbe sowie vorhandenen gewerblichen Nutzungen geben. Neben dem Harburger Binnenhafen konnten außerdem rund 20 Baustarts gefeiert werden. Ein Projekt zum beispielhaften Wohnen mit und auf dem Wasser nahm noch im November an Gestalt an. Die HOCHTIEF Construction AG formart Hamburg baut in einem Wasserbecken vier Triplexhäuser und einen Watertower mit insgesamt 34 Wohneinheiten. Beim offiziellen Vermarktungsstart am 11. November konnten sich bereits erste Interessenten für die Eigentumswohnungen oder ein Eigenheim melden. Mit dem IBA-Projekt WaterHouses in der Bauausstellung in der Bauausstellung werden modellhafte Gebäude rea-

Abbildung: Visualisierung BalanceBay Quelle: Thomsen Group

Mit dem Jahr 2010 geht bei der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg ein ereignisreiches Jahr zu Ende. Besucher, Beteiligte, Partner und Presse konnten viel erleben: Mit der Entlassung der Harburger Schlossinsel aus dem Hafengebiet begann der offizielle Startschuss für das Projekt Harburger Binnenhafen, viele Projekte haben einen Investor gefunden und durch die Öffnung des Zollzauns im Spreehafen hat die Elbinsel ihr Nordufer zurück erhalten. Das IBA-Zwischenpräsentationsjahr 2010 ist mit einem weiteren Highlight ausgeklungen: Anfang Dezember stellte die IBA ihren druckfrischen ENERGIEATLAS im Rahmen der internationalen Fachtagung IBA LABOR offiziell vor. Die Publikation zeigt Ziele und Konzepte für eine erneuerbare Energieversorgung auf den Elbinseln.


PR-BERICHT

denen nun eine weitere Naherholungsmöglichkeit zur Verfügung steht. Am Ende des IBA-Zwischenpräsentationsjahres zog das IBA FORUM 2010 am 26. Oktober eine Bilanz der vergangenen Jahre und versuchte einen Ausblick auf die künftige Entwicklung der Elbinseln Wilhelmsburg und der Veddel sowie des Harburger Binnenhafens.

lisiert, für die Wasserlagen als Wohnstandorte genutzt werden, die Nachhaltigkeit mit höchster Lebensqualität kombinieren. Im Juli freuten sich die Wilhelmsburger und Veddeler besonders über die Öffnung des Zollzauns am Spreehafen. Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk feierte gemeinsam mit Vertretern von Bürgerinitiativen die Zollzaun-Öffnung. Seither haben Fußgänger und Radfahrer direkten Zugang zum Spreehafen, zur Promenade und dem Deich. Bereits 2005 hatte der Senat in der Gründungsdrucksache für die Bürgerschaft zum Sprung über die Elbe die Zollzaun-Öffnung vorangetrieben. Sie erfüllt einen jahrelangen Wunsch vieler Wilhelmsburger und Veddeler,

Ein Highlight zum Schluss: der druckfrische ENERGIEATLAS Das sogenannte „Zukunftskonzept Erneuerbares Wilhelmsburg“ ist das Projekt, in dem die IBA Hamburg Ziele und Entwürfe für die klimaverträgliche Metropole entwickelt. Der Fokus des Handelns liegt hier auf dem Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel: Der Verminderung von Treibhausgasen, der Nutzung erneuerbarer Energien und energieeffizienten Versorgungslösungen sowie die Sanierung im Bestand. In der neuen Publikation, dem ENERGIEATLAS, werden strategische Instrumente und Projekte zur Verwirklichung des Konzeptes vorgestellt und aufgezeigt, wie die Elbinseln zu Vorreitern des Klimaschutzes werden können: Expertinnen und Experten beschreiben wie die Energieentwicklung auf den Elbinseln in der Vergangenheit ausgesehen hat und wie die Metropole von morgen aussehen kann. Weiterhin beschreibt der ENERGIEATLAS die wirtschaftlichen Vorteile durch energie- und ressourcensparendes Leben. Ein wichtiges Element bilden dabei die sogenannten Energieverbünde: Indem Gebäude – sowohl Bestand als auch Neubau – energetisch miteinander vernetzt werden, ergeben sich Synergien bei einzelnen Nutzern, die einen unterschiedlichen Bedarf und Verbrauch haben. So können ganze Stadtteile miteinander verbunden sein und voneinander profitieren. Der ENERGIEATLAS, eine Sammlung der Ziele und Konzepte einer erneuerbaren Energieversorgung auf den Elbinseln, erscheint passend zum Jahreswechsel und mit Ausblick auf das kommende Jahr, in dem Hamburg den Titel Umwelthauptstadt Europas 2011 trägt.

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Landesverband Hamburg Ausgabe Dezember 2010

Landesfachkommission Luft- und Raumfahrt Die meisten Unternehmen der Luftfahrtindustrie weltweit haben den finanziellen Herausforderungen der Wirtschafts- und Finanzkrise trotzen und sich sogar besser behaupten können als Unternehmen anderer Branchen. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in ihrem „2009 Global Aerospace & Defense Industry Performance Wrapup“-Report, in dem sie die Geschäftsergebnisse von 91 globalen Unternehmen der Luftfahrtindustrie mit einem Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro analysierte. Trotz schwieriger Zeiten stehe die Branche global gesehen vergleichsweise gut da und sei bereit für den Aufschwung. Dieser werde sich regional jedoch unterschiedlich schnell vollziehen. In Europa seien die längerfristigen Perspektiven nicht unge-

denden Arbeitspaketen beauftragten und damit die regionalen kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) zu Strukturänderungen zwängen, seien auch Forschung und Entwicklung einem erheblichen Standortwandel unterworfen. Auf der Sitzung der Kommission im November stellte Hendrik Schnack, Student an der Fachhochschule Wedel, seine eigens für die Kommission durch-

Dr. Georg Mecke

geführte Untersuchung zur Forschung und Entwicklung an den fünf bedeutensten Luftfahrtstandorten der Welt vor. Das ernüchternde Ergebnis: Hamburg nimmt hier keine Spitzenposition mehr ein. Vor allem beim Wissenstransfer und bei der Qualität von Innovationsprozessen zeigten sich deutliche Schwächen. In anderen Bereichen, wie z.B. der betrieblichen Forschungsleistung und dem Vorhandensein betrieblichen Wissens (Aerospace- und Querschnittstechnologien), fände sich das Luftfahrtcluster Hamburg bestenfalls im Mittelfeld wieder. Insgesamt erreiche der Standort nach Seattle, Toulouse und Montreal gemeinsam mit dem brasilianischen Sao José dos Campos einen enttäuschenden vierten Platz. In seiner Analyse hatte der angehende Wirtschaftsingenieur Daten zu

Dr. Hans-Ulrich Pews, Prof. Dr. Michael Ceyp und Hendrik Schnack (v.l.)

Christian Elsholz und Hans-Joachim Gante (v.l.)

trübt. So sei in nächster Zeit länderübergreifend mit einer Kürzung von Wehretats zu rechnen, hinzu kämen Wechselkursschwankungen und ein weiterhin erschwerter Kreditzugang. Die Unternehmen sind in den nächsten Jahren vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Große Herausforderungen für den Luftfahrtstandort Hamburg sieht auch die Landesfachkommission Luftund Raumfahrt unter der Leitung ihres neuen Vorsitzenden Markus A. Meyer-Chory. So wie die Flugzeughersteller nur noch Direktzulieferer (firsttear-supplier) mit immer größer wer-

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Gerhard Engelbrecht, Christian P.M. Keyser und Heinrich Großbongardt (v.l.)

Markus A. Meyer-Chory übernimmt den Vorsitz von Wolfgang Warburg (v.l.)

Patenten und zur Struktur (Anzahl der Studierenden, Umsatz, Anzahl der Mitarbeiter) der fünf Luftfahrtstandorte der letzten zehn Jahre ausgewertet. Er wird seine Untersuchung noch vertiefen. Sie soll es der Kommission ermöglichen, den Unternehmen, Instituten und der Politik neue Forschungsfelder für die Metropolregion Hamburg aufzuzeigen. Dr. Christina Arndt


PR-BERICHT

Schlechte Erträge Weinlese 2010 Die Hoffnung stirbt zuletzt – heißt es so schön. Beim Wein spielt die Natur eine ganz wichtige Rolle. Licht, Sonne, Wärme, Feuchtigkeit lassen die Trauben reifen. Diese natürlichen Energien sind des Winzers große Hoffnung. Wetterkapriolen haben den deutschen Winzern den Jahrgang 2010 vermiest: Die Erträge sind mager, nur vor 25 Jahren war die Ernte schlechter. Ein erstes Indiz dafür lieferte der Federweisse. Mancherorts – je nach Landstrich – auch Rauscher, Bitzler oder Bremser genannt, wird er von Mitte September bis Ende Oktober auf Weinfesten, Märkten und Straßenständen gern mit einem Stück Zwiebelkuchen angeboten. Bereits Ende September musste man diese Stände suchen. Über das diesjährige Erntevolumen gibt es je nach Region unterschiedliche Angaben. Bis zu 60 Prozent sollen es sein, die da weniger in die Tankpressen gekommen sind. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor, fest steht aber, dass es Schwankungen je nach Anbaugebiet gibt. Die Nahe-Region meldet ein Minus von 15 Prozent, die Hessische Bergstraße sogar 35 Prozent, der Bundesdurchschnitt liegt bei einem Minus von 25 Prozent. Die Gesamternte beträgt knapp sieben Millionen Hektorliter, also ein Viertel weniger als 2009 und ein Drittel unter dem Durchschnittsertrag der letzten Jahre. Muss sich das nun im Preis auswirken? Sicherlich besteht zwischen der eingefahrenen Menge Traubenmost und der Menge die dann in Flaschen vermarktet wird, ein Zusammenhang. Die Fehlmengen zu den Vorjahren müssen aber für den Verbraucher nicht gleich höhere Preise bedeuten. Angesichts des großen Wettbewerbs auf dem international hart umkämpften Weinmarkt und des preissensiblen Verbrauchers lassen sich keine großen Preissprünge realisieren. Es ist ohnehin eine große Herausforderung für die Deutschen Winzer, Marktanteile zu halten, da sind Preiserhöhungen schwer durchsetzbar. Dennoch wird man um moderate Er-

wichtiger Rebrückschnitt

höhungen nicht herum kommen. Hoffen können die Winzer auf die gute Qualität des Jahrgangs 2010. Nach einem trockenen, heißen Juni und einem verregneten August bescherten die goldene Oktobertage den spät reifenden Sorten wie Riesling, Silvaner oder Burgunder noch reichlich Sonne und brachten die Öchsle-Grade nach oben. Nun sind Öchsle-Grade nicht alles was die Qualität des Weines ausmacht. Sie geben Aufschluss über die Dichte des Mostes. Dem auf Qualität bedachten Winzer sind die „Erbanlagen des Weines“, die Mineral-, Extrakt- und Aromastoffe der Böden, viel wichtiger für die Qualität als die Öchslewerte. Die Traubenlese beginnt traditionsgemäß Mitte bis Ende September mit der Sorte Müller-Thurgau. Ausschlaggebend für den Erntebeginn sind die Wetterlage und die Reife der Trauben. Während in den Steillagen der Mosel nach wie vor Handlesung und Abtransport aus dem Weinberg mit der Hotte erfolgt, haben meist Maschinen im Erntevorgang Oberhand gewonnen. Wenn möglich, werden für den Transport aus dem Hang auch Schlitten eingesetzt um die Trauben in den Erntewagen zu sammeln um sie zur Verarbeitung ins Kelterhaus zu schaffen. Das Keltern ist zwischenzeitlich voll mechanisiert, das Treten mit den Füßen der Trauben zur Maische, gehört der Vergangenheit an. Mithilfe von Traubenmühlen werden die Trauben vorgemahlen und anschließend mit scho-

nenden Tuchpressen, bei niedrigem Druck bis 1,6 bar ausgepresst. Der frische Most wird über Nacht absitzen gelassen und scheidet so auf natürlichem Weg Trübstoffe ab (Vorklärung). Anschließend vergärt der Most unter Kühlung zum Wein. Nun kommt es auf das Geschick und Können des Kellermeisters ein. Der Gärprozess wird regelmäßig registriert, der Restsüße- und Temperaturwert aufgezeichnet. Nach der Gärung durchläuft der Wein einen mindestens 4 Monate andauernden Prozess der Lagerung und Klärung im Tank/Fass. Der Zeitpunkt für die Flaschenfüllung ist abhängig vom Fortschritt des Reifeprozesses.

Kellermeister Dennis Lehmen prüft regelmäßig den Restsüße- und Temperaturwert

An den Rebstöcken erfolgt nach der Ernte bis in den Winter hinein der erforderliche Rückschnitt. Der Rebschnitt ist Handarbeit und wird individuell auf jeden Rebstock abgestimmt. Das weggeschnittene Rebholz bleibt als Bodenlockerer und wertvoller Humuslieferant im Weinberg zwischen den Pflanzen. www.kallfelz.de Das Gespräch mit dem Weingut Kallfelz führte Ehrhard J.Heine, Fotos: Heinz Peter (Copy-Druck)

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Landesverband Hamburg Ausgabe Dezember 2010

... IM Ü B R IGEN – I N FOS AUS DER L AN DESGESC HÄFTSSTELLE HA MBU RG Meine Tätigkeit als Landesgeschäftsführer, die ich im September kommissarisch übernahm, endet planmäßig am 31. Dezember. Nachfolger wird ab 1.1.2011 Conrad Seiffert (62, verheiratet, drei Kinder). Herr Seiffert hat nach dem Abitur eine Lehre zum Schifffahrtskaufmann bei Hapag-Lloyd absolviert und war danach für das Unternehmen in Deutschland, Australien und Hongkong. Nach Stationen bei der Hugo Stinnes Schiffahrt GmbH und der dänischen Maersk-Linie war er 13 Jahre Geschäftsführer der deutschen Tochter des norwegischen Holzproduktekonzerns Norske Skog. Seit 2001 ist Herr

Ich wünsche Herrn Seiffert einen guten Start und das gleiche Vertrauen, das mir die Mitglieder in den Jahren 1986-2004 und nun erneut im Jahre 2010 geschenkt haben.

Conrad Seiffert

Seiffert freiberuflich als Berater für Personalentwicklung mit dem Schwerpunkt „mittelständische Unternehmen“ tätig.

Dr. Ernst Werdermann

WIR BEGRÜSSEN ALS NEUE MITGLIEDER IN DEN LANDESVERBÄNDEN HAMBURG UND SCHLESWIG-HOLSTEIN Dr. Lutz Becker Geschäftsführender Partner Angermann M & A International GmbH

Sven Jarmuth Geschäftsführer Gard-Ambulanz Hamburg GmbH

Henrik Diemann Geschäftsführung METROPOL GRUND GmbH

Steffen Kahl Geschäftsführer Freigeist Werbung & Marketing GmbH

Florian Dobroschke Florian Dobroschke Rechtsanwalt Wirtschaftsprüfer Steuerberater

Björn Keller Geschäftsführer G.A.R.D.- Gesellschaft für Ambulanz und Rettungsdienst GmbH

Thomas Eickhoff Geschäftsführer Grabarz & Partner Werbeagentur GmbH G.A.R.D.- Gesellschaft für Ambulanz und Rettungsdienst GmbH Steffen Grundmann Marketing Controller Beiersdorf AG

Lloyd Fonds AG Hamburg Wolfgang Warburg Vorstand a.D. Reinbek Niklas Wilke PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Ellen Lackner Claus Marcus Götte Geschäftsführender Gesellschafter Götte-Gruppe Versicherungen & Finanzdienstleistungen

Ingo Wußmann Geschäftsführender Gesellschafter AFOR Arbeitsgruppe für optimale Rationalisierung GmbH

Dipl.-Ing. Andreas Halberschmidt Geschäftsführer DONG Energy Markets GmbH Christian Hartje Relationship Manager Deutsche Bank AG Christian Hoppenhöft Relationship Manager Deutsche Bank AG

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AMEOS-Gruppe Zürich Benjamin Bhatti Geschäftsführer Bhatti Steuerberatungsgesellschaft mbH Kiel

Michael Dieckmann COO – Chief Operating Officer AMEOS-Gruppe Zürich HBB Gewerbebau GmbH Lübeck Dr. Wolfram Kaiser Geschäftsführender Gesellschafter Electromotive Engineering + Consulting GmbH Schönberg Wolfhard Kutz Geschäftsführer Lehmsiek Tele Technik GmbH Lübeck Patrick Müller Geschäftsführer Smiles-Center Kiel pm-emobil Kiel KG Kiel Anna-Marina Sauer Grafikmanagement/Mediengestaltung Modelmanagement Heidi Gross GmbH & Co. KG Hamburg Burkhard Scheck Geschäftsführer HBB Gewerbebau GmbH Lübeck Marlene Strunk Geschäftsführerin Stunk Consulting Scharbeutz


PR-BERICHT

Mit Verantwortung genießen J.J.Darboven unterstützen den fairen Kaffeehandel mit Café Intención

Der Vorstandsvorsitzende von TransFair, Heinz Fuchs, überreicht die Fairtrade-Award Auszeichnung an Albert Darboven

Hamburg, November 2010 – Fairer Handel wird zunehmend erfolgreicher, da die Nachfrage der Verbraucher nach Fairtrade zertifizierten Produkten zunimmt. Der Hamburger Kaffeeröster J.J.Darboven setzt mit seinem Angebot bereits seit vielen Jahren auf die Verbindung von Genuss und sozialer Verantwortung. Der Name „Café Intención“ steht für die „gute Absicht“ und bedeutet, Verantwortung für die Menschen auf den Kaffeeplantagen zu übernehmen. Der faire Kaffeehandel unterliegt streng geregelten Fairtrade-Standards. Alle Fairtrade-Standards für Kleinbauern

Wir gratulieren zur langjährigen Mitgliedschaft

und für Beschäftigte von Plantagen beinhalten Anforderungen an die soziale, ökonomische und ökologische Entwicklung. Durch diese streng geregelten Standards werden den Kaffeebauern stabile Mindestpreise für Ihre Ernte garantiert. So können die Arbeitsund Lebensbedingungen der Menschen vor Ort verbessert werden. Als erster Kaffeeröster in Deutschland führte J.J.Darboven 1993 ein Fairtrade-zertifizierten Kaffee ein. Albert Darboven, Inhaber des traditionsreichen hanseatischen Familienunternehmens, liegt dieser Kaffee ganz besonders am Herzen: „In unserem Sortiment sind fair gehandelte Produkte wie „Café

Intención“ längst etabliert. Denn neben höchster Qualität ist soziale Verantwortung ein wichtiger Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. Denn nur wer Werte schafft, handelt nachhaltig.“ Die Vorreiterrolle J.J.Darbovens im Segment des Fairtrade-Kaffees wurde im vergangenen Herbst mit dem Fairtrade-Award ausgezeichnet: Als erstem Kaffee-Lizenznehmer wurde dem Unternehmen, das seit über 16 Jahren engagierter Unterstützer des TransFair e.V. ist, der Fairtrade Award in der Kategorie Wirtschaft-Hersteller verliehen. Mit Verantwortung genießen und mit Genuss natürlich unterstützen: Erleben Sie Tasse für Tasse eine edle Komposition und ein einzigartiges Geschmackserlebnis. In den besten Anbauregionen Zentral- und Süd-Amerikas reift der Hochlandkaffee der Sorte Café Intención unter natürlichsten Bedingungen. Die sorgfältige Pflege und Ernte jeder einzelnen Kaffeepflanze haben bei den TransFair-Kaffeebauern höchste Priorität. Mit jeder Packung Café Intención unterstützen Sie Produzentenfamilien und deren Region und ermöglichen vielen Menschen eine bessere Zukunft und eine faire Chance, ihre Lebensqualität zu verbessern. Freuen Sie sich auf einen natürlich unverwechselbaren Genuss! Aus Freude am Leben. Informationen: www.darboven.com

NACHLESE

30jähriges Jubiläum Klaus Teske Thomas Hoyer Vorsitzender des Beirats, Hoyer GmbH Internationale Fachspedition 25jähriges Jubiläum Hubertus Klingel 20jähriges Jubiläum Dr. Ulrich Wandschneider Vorsitzender des Vorstandes Mediclin AG

„Am besten überzeugt man andere mit den Ohren – indem man zuhört.“ Dean Rusk

Die Redaktion wünscht ein Frohes Weihnachtsfest Dr. Christina Arndt, Dr. Manfred Hermann, Andrea von Teuffel, Wolfgang Schlett, Simone Niekammer (v.l.)

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Landesverband Hamburg und Landesverband Schleswig-Holstein Ausgabe Dezember 2010

Interessentenbogen für den Wirtschaftsrat Das Gewicht des Wirtschaftsrats wird neben seinen Sachaussagen durch die Zahl seiner Mitglieder bestimmt. Die Landesverbände Hamburg und Schleswig-Holstein freuen sich deshalb über Hinweise auf Personen, die sie für ihre Arbeit interessieren können. Wir danken Ihnen, wenn Sie uns hierzu den nachstehenden Antwortbogen, oder auch nur eine formlose Notiz zusenden. Sofern nicht von vornherein ein Eintritt gewünscht wird, laden wir die Betreffenden als Gäste zu mehreren Veranstaltungen ein, ehe wir die Frage einer Mitgliedschaft ansprechen. Wenn Ihnen die Vorgeschlagenen näher bekannt sind, könnten Sie ggf. mit folgenden Aussagen die Bereitschaft verstärken, unser Angebot aufzugreifen: Der Wirtschaftsrat steht durch sein Eintreten für die Soziale Marktwirtschaft der CDU nahe, ist aber eigenständig, seine Mitglieder sind nicht an die Partei gebunden. In beträchtlicher Zahl gehören auch Parteilose, ebenso wie Freunde und Mitglieder anderer Parteien dem Rat an, weil sie dessen Stimme schätzen und von ihm wirksamen Widerstand gegen die fortschreitende Krise der Marktwirtschaft in Deutschland erwarten. Der Wirtschaftsrat hat sich mit kompetenten, wählerunabhängigen Konzepten Gehör verschafft. Wirtschaftsrat der CDU e. V. Landesverband Hamburg Colonnaden 25 20354 Hamburg Fax: 040-30 38 10 59

Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Schleswig-Holstein Sophienblatt 44-46 24114 Kiel Fax: 0431-67 20 76

1. Ich empfehle, folgende Personen zu den Veranstaltungen des Landesverbandes einzuladen und ggf. auf den Erwerb einer ordentlichen Mitgliedschaft anzusprechen. (Bitte Name, Anschrift, ggf. Unternehmenszugehörigkeit, Stellung im Unternehmen und - soweit bekannt - Telefon-/Telefaxnummer und E-Mail-Adresse angeben.) Ich bitte um eine Kontaktaufnahme zu diesen Personen I unter Hinweis auf mich vorzunehmen. I ohne Hinweis auf mich vorzunehmen.

2. Die nachstehenden Personen haben das 35. Lebensjahr noch nicht vollendet und sollten über den Juniorenkreis für den Wirtschaftsrat interessiert werden. (Bitte Name, Anschrift, ggf. Unternehmenszugehörigkeit, Stellung im Unternehmen und - soweit bekannt - Telefon-/Telefaxnummer und E-Mail-Adresse angeben.) Ich bitte um eine Kontaktaufnahme zu diesen Personen I unter Hinweis auf mich vorzunehmen. I ohne Hinweis auf mich vorzunehmen.

Hamburg/Kiel, den Unterschrift 36

Name in Druckbuchstaben


PR-BERICHT

Highlights auf Golfund Whiskey-Trail im südlichen Irland Das Golf Resort Fota Island in Südirland ist ein Geheimtipp. Die Anlage, knappe 15 Autominuten südlich von Cork gelegen, bietet jedem Golfer etwas Besonderes. Der Könner findet auf dem 27-LöcherKurs eine richtige Herausforderung, hier spielte man die Irish Open und die Irish Seniors Open. Der Clubgolfer, mit dem Wunsch an Spaßgolf, kann auf jedem der drei 9-Löcher-Plätze schöne Erlebnisse sammeln. Die Anlage begeistert einfach. Clubhaus und ProShop sind bestens geführt und bieten hohes Service-Niveau. Das Chipping- und Putting-Green sind beeindruckend. Ein so perfektes Academy-Center lockt zum Training. Und nun kommt noch ein weiterer Vorteil dieser Golfdestination: Direkt am Golfgelände liegt das Hotel.

Das Fünfsterne Fota Island Hotel and SPA besitzt 123 exquisit ausgestattete Zimmer und acht Penthouse-Suiten. Die ebenfalls am Golfplatz liegenden Lodges sind zu mieten und bieten Familien oder kleinen Gruppen einen perfekten Golfurlaub. Die Stadt Cork bietet Kultur und reichlich Shopping, eine alte Whiskeydistillery lüftet die Geheimnisse um die irische Spezialität. Nur eine gute Autostunde entfernt liegt der weltberühmte Linkscourse „Old Head“, der unter Insidern als Geheimtipp gilt und den Golftrip ins Fota Island Resort ungemein attraktiv macht, besonders, wenn man die Buchung über den Golfmanager des Resorts macht.

Gute Verbindung für WochenendUrlauber von Hamburg und München nach Cork Die nationale Fluglinie von Irland, Aer Lingus, bringt die Golfer rasch nach Irland. Besonders Münchner und Hamburger Irland-Fans haben eine perfekte Flugverbindung. Von Ende Oktober 2010 bis 26. März 2011 hebt die irische Fluggesellschaft insgesamt 53 Mal von Deutschland nach Irland ab. Der Winterflugplan bringt die Passagiere des Kleeblatt-Carriers zügig nach Dublin und Cork. Nach vier Jahren Pause steht auch die Strecke Hamburg-Dublin mit vier Flügen pro Woche wieder im Flugplan. Info: www.fotaisland.ie

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Landesverband Schleswig-Holstein Ausgabe Dezember 2010

LANDESVERBAND SCHLESWIG-HOLSTEIN Meine Damen und Herren, liebe Mitglieder aus Schleswig-Holstein und Hamburg!

Dr. Philipp Murmann Landesvorsitzender Schleswig-Holstein

U

nsere Bundeskanzlerin hat einen „Herbst der Entscheidungen“ angekündigt – und die Liste der allein im Oktober im Deutschen Bundestag getroffenen Beschlüsse zeugt davon, daß die Bundesregierung jetzt das Heft des Handelns in die Hand genommen hat. Im Zentrum der Diskussionen standen neben dem Haushaltsbegleitgesetz

und dem Entschließungsantrag zur europäischen Stabilität energiepolitische Entscheidungen, welche für unser Bundesland Schleswig-Holstein besondere Bedeutung entfalten werden. Die energiepolitischen Herausforderungen für Schleswig-Holstein bilden derzeit auch den wesentlichen Schwerpunkt unserer Aktivitäten im Wirtschaftsrat. Dabei steht Schleswig-Holstein als wachsender Stromexporteur vor dem Problem, daß durch den rasanten Ausbau der Windenergie zu Wasser und zu Lande das schwankungsintensive Stromangebot zunehmend nicht mehr einer wirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden kann. Der dafür notwendige Netzausbau in die Verbrauchszentren nach West- und Süddeutschland ist nicht kurzfristig nachholbar und dürfte auch im optimistischen Fall wohl ein Jahrzehnt benötigen, zumal Unsicherheiten der Genehmigungsverfahren und die politische und örtliche Akzeptanz zeitliche Schätzun-

gen schwierig machen. Daran ändert die jetzt allseits vehement vorgetragene Notwendigkeit eines Leitungsausbaus erst einmal gar nichts. Vor diesem Hintergrund rückt als Alternative zunehmend die Investition in Stromspeichertechniken ins Blickfeld, was nicht nur strategische Chancen für unsere exportorientierte Windindustrie, sondern auch für Schleswig-Holstein insgesamt eröffnet. Derzeit wird weltweit darum gerungen, zu diesen Schlüsseltechnologien Kompetenzen aufzubauen und Erfahrungen zu sammeln. Die Rahmenbedingungen für die Option, durch Speicherung die Stromlastlinien zu glätten, müssen bei der Novelle zum Erneuerbare-EnergienGesetz (EEG) in 2011/2012 geschaffen werden. Zudem hat die Europäische Richtlinie aus dem Jahr 2003 eine schrittweise Entflechtung der Energiewirtschaft erzwungen, die den Netzbetreibern derzeit keine Möglichkeit läßt, in Speichertechnik zu investieren. Inwieweit Schleswig-Holstein daher seine besonderen Chancen zu nutzen vermag, hängt folglich entscheidend von Reformen der deutschen und europäischen Rahmenbedingungen ab, die kurzfristig marktwirtschaftlich vertretbare Investitionschancen in Stromspeichertechniken eröffnen sollten. Hier drängt die Zeit. Für eine entsprechende Durchsetzung erscheint ein norddeutscher Schulterschluß als wichtige Voraussetzung. Die inhaltliche Vorbereitung des dritten Norddeutschen Wirtschaftstages, der am 1. September 2011 in Rostock stattfinden wird, schafft dazu auf der Ebene des Wirtschaftsrates gute Gelegenheiten.

Mit freundlichem Gruß Ihr Dr. Philipp Murmann

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Stromspeicher als Schlüsseltechnologie für Schleswig-Holstein Podiumsdiskussion der Sektion Dithmarschen am 28.10.2010 in Hemmingstedt Gut 80 Teilnehmer trafen sich bei der gastgebenden BeBa Energie GmbH in Hemmingstedt, um Zukunftschancen der technisch fortschreitenden Stromspeichertechnik für Schleswig-Holstein zu diskutieren. Die Chancen resultieren einerseits aus dem wachsenden Angebot an schwankungsintensiver Windenergie und andererseits aus dem Umstand, daß der Leitungsausbau in die west- und süddeutschen Verbrauchszentren noch viele Jahre erfordert. Bernd Bartels, geschäftsführender Gesellschafter und Gründer der BeBa Energie GmbH, die durch das Solargeschäft inzwischen auf 160 Beschäftigte

und in das Energiesystem integriert werden müsse. Dafür solle erstens der Kraftwerksbetrieb flexibilisiert werden, wozu die Kernkraft technisch im Vergleich zu Kohle- und Gaskraftwerken am besten geeignet sei, weshalb ein Ausstieg die Integrationsprobleme deutlich verschärfe. Zweitens seien die Netze auszubauen, wofür allerdings inzwischen deutlich mehr als zehn Jahre bis zur Verwirklichung anzusetzen seien. Drittens könne intelligente Steuerungstechnik eingesetzt werden, was allerdings aufgrund des nicht unbegrenzt veränderlichen Verbrauchsverhaltens nur eingeschränkte Möglichkeiten biete und vorzüglich für den vermehrten Einsatz von Wärmepumpen

Hans Helmut Schramm, als Hafenbetreiber selbst an ernergiepolitschen Fragen brennend interessiert, begrüßte als Sprecher der Sektion Dithmarschen die Mitglieder und Gäste

kunft nicht annährend decken könnten. Adiabate Druckluftspeicher, die durch ergänzende Wärmenutzung den Wirkungsgrad gegenüber konventionellen von 50 % auf 70 % erhöht hätten, kämen als nächste in Betracht, setzten für eine kommerzielle Anwendung weitere Entwicklungen voraus. In einem Einhundertprozent-Windkraftszenario benötige man für den Ausgleich von Flauten im Winter die 400-fache Kapazität

Das Podium v.l. Prof. Dr.-Ing. Wolf-Rüdiger Canders, Dr. Gustav W. Sauer, Jens Magnussen MdL, Alexander Nolden und Dr. Detlef Repenning

gewachsen ist, berichtete einführend, daß er viele Jahre geeignete Standorte für pneumatische Speicher in unterirdischen Kavernen gesucht habe, wobei sich die geologischen Formationen in Hemmingstedt als weltweit bestens geeignet erwiesen hätten. Damit bestünden hier Potentiale für Druckluftspeicherkraftwerke oder auch zur Lagerung von Wasserstoff. Einen Überblick über die Entwicklungsperspektiven für Stromspeichertechnologien gab einführend Friedrich Schulte, Leiter Technologie im RWE-Konzern. Zentrale Herausforderung sei der drastische Anstieg der schwankenden Erzeugung, die durch Solar- und Windstromeinspeisung verursacht werde

zur Beheizung von Gebäuden interessant erscheine. Und schließlich käme viertens ein vermehrter Einsatz von Stromspeichertechniken in Betracht. Grundsätzlich sei zu unterscheiden, welche Energiemenge für welchen Zeitraum gespeichert werden solle. Während Speicherung für den Stromhandel durchaus für Wochen sinnvoll sei, reichten für die Netzregelung Minuten. Die jeweiligen Anforderungen bestimmten die technischen Optionen, welche von Batterien über Schwungräder, Druckluft- und Pumpspeicher bis hin zur Wasserstofftechnologie reichten. Für große Energiemengen seien bisher nur Pumpspeicher verfügbar, deren Ausbaupotentiale aber den Bedarf in Zu-

Friedrich Schulte, F&E Konzern, Leiter Technologien der RWE AG aus Essen: „Für den Ausgleich von Windflauten im Winter benötige man die 400-fache Kapazität der in Deutschland aktuell verfügbaren Pumpspeicherwerke.“

der in Deutschland aktuell verfügbaren Pumpspeicherwerke. Entsprechende technische Lösungen seien nur durch chemische Prozesse zu bewältigen, wobei die Wasserstoff- bzw. Methanerzeugung durch Elektrolyse aufgrund der hohen Wirkungsgradverluste von über

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Landesverband Schleswig-Holstein Ausgabe Dezember 2010

65 % nicht kommerziell nutzbar erscheine. Dezentrale Speicherlösungen, wie sie durch die Elektromobilität erhofft werden würden oder durch die Speicherung von Solarstrom erwartet werden können, erzielten zum einen nicht die notwendigen Größenordnungen oder seien zum anderen aufgrund der marktverzerrenden SubventionieDr. Detlev Repenning, Geschäftsführender Gesellschafter der Lübecker o.m.t. GmbH: „Drastische Kostensenkungen bei LithiumIonen-Batterien eröffnen neue Chancen für dezentrale Energiespeichersysteme.“

Prof. Dr.-Ing. Wolf-Rüdiger Canders, Geschäftsführender Leiter, Institut für Elektrische Maschinen, Antriebe und Bahnen, Technische Universität Braunschweig: „Netzstörungen können in der Folge Produktionsstörungen und damit Schäden in Millionenhöhe nach sich ziehen.“

rung gesamtwirtschaftlich nicht tragfähig. Bei der Batterietechnik erschwerten derzeit noch die hohen Kosten pro Speicherzyklus wirtschaftliche Anwendungen. Im Ergebnis bedürfe es folglich weiterer Anstrengungen, um durch For-

schen Universität Braunschweig, wies in seinem Vortrag ergänzend auf die zunehmende Empfindlichkeit der Verbraucher gegenüber Netzstörungen hin, welche u.a. durch Spannungseinbrüche, impulshafte Einschwingungen oder Unterbrechungen zwar in den allermeisten Fällen nicht mehr als drei Sekunden dauerten, jedoch in der Folge Produktionsstörungen und damit Schäden in Millionenhöhe nach sich ziehen könnten. Hier setze die Schwungradtechnik an, die besonders in Verbindung mit adiabaten Druckluftspeichern vorteilhaft einsetzbar sei. Solche dezentralen Speichersysteme könnten direkt neben den Windparks sowohl

Rund 80 Mitglieder und Gäste kamen an die Westküste und informierten sich über die Chancen und Techniken für Stromspeichersysteme

schung und Entwicklung Kosten zu senken und Verfügbarkeit, Zyklenfestigkeit und Systemeinbindung zu erhöhen. Energiepolitische Lösungen hätten nicht nur das Spannungsfeld von Ökonomie, Ökologie und Versorgungssicherheit zu meistern, sondern müßten zunehmend auch fehlende Akzeptanz in Politik und Bevölkerung überwinden. Prof. Dr.-Ing. Wolf-Rüdiger Canders, Geschäftsführender Leiter des Instituts für Elektrische Maschinen der Techni-

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kurzzeitige Netzstörungen ausgleichen als auch 2 bis 4 Stunden Energie liefern. Sie ergänzten große Zentralspeicher und könnten die Netzbelastung verringern. Vorteilhaft seien zudem der hohe Wirkungsgrad und die Langlebigkeit. Dr. Detlev Repenning, Geschäftsführender Gesellschafter der o.m.t. Oberflächenmaterialtechnik GmbH, erläuterte anschließend die Potentiale der Batteriespeichertechnik, wobei grundsätzlich Anforderungen an stationäre

und an mobile Speicher zu unterscheiden seien. Während Redox-Flow-Batterietypen keine nachhaltige Lösungen liefere, böte die Lithium-Ionen-Technik erhebliche Anwendungspotentiale. Einerseits erreiche sie Wirkungsgrade deutlich über 90 %, die lediglich durch Verluste bei den Wechselrichtern geschmälert werden würden, und andererseits erlaube sie durch einen modularen Aufbau differenzierte Anwendungsmöglichkeiten, die auch dezentral im Mittelspannungsnetz beim Verbraucher zum Einsatz kommen könne. Vorteilhaft sei zudem die bezogen auf die Speicherleistung hohe Belastungsfähigkeit sowie die Langlebigkeit, die inzwischen über 10.000 Ladezyklen erreicht habe. Hinzu kämen absehbar dramatische Kostensenkungen in den

Dr. Gustav W. Sauer, Leiter der Abteilung Technologie und Energie im Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr: „Für Schleswig-Holstein hat der Netzausbau oberste Priorität, aber wir arbeiten auch an Speicherlösungen.“

nächsten Jahren, welche die bisherigen Nischenanwendungen deutlich ausweiten würden. Dr. Gustav W. Sauer, Abteilungsleiter für Technologie und Energie im Wirtschaftsministerium Schleswig-Holstein, skizzierte die Pläne der Landesregierung. Demnach habe der Netzausbau in den nächsten Jahrzehnten oberste Priorität, wobei ergänzend die Speicherung von EEG-Stromtechniken zur Netzentlastung gebraucht werden würden. Dabei setze man zunächst auf unterirdische Kavernen in Dithmarschen: Hierfür sei für eine Druckluftspeicherung der BeBa Energie GmbH bereits eine Konzession im Jahr 2009 erteilt worden. Alsbald würde sich hierzu im Zusammenhang mit der Anlandung von offshore-Windstrom auch die Op-


tion der Wasserstoffspeicherung und -nutzung auftun. Daneben verfolge man eine Option in den Kreidegruben in Lägerdorf/Kreis Steinburg, um deren Höhendifferenzen von 50 m als Pumpspeicherwerk zu nutzen.

Moderator Jens Magnussen, Unternehmer und energiepolitischer Sprecher der CDULandtagsfraktion: „Schleswig-Holstein hat als Energieexporteur große Entwicklungschancen, deren Nutzung jedoch veränderte Rahmenbedingungen benötigt.“

Alexander Nolden, Leiter Energiepolitik/Klimaschutz der RWE AG, erläuterte die Rahmenbedingungen, die die Bundesregierung mit ihrem Energiekonzept jetzt gesetzt habe. Die dort gesteckten Ziele zur CO-Reduzierung und dem Umbau der Energieerzeugung erforderten erhebliche Investitionen und deutlichen Einschränkungen bei den Lebensgewohnheiten. Für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Industriestandort sei eine sichere und bezahlbare Energieversorgung essentiell. Bislang sei man mit in der Summe

20 Minuten Netzausfall europaweit Spitze. Dies sei jedoch nicht aufrecht zu erhalten, wenn beim Ausbau der fluktuierenden erneuerbaren Energien die lastflexible Kernenergie aus politischen Gründen abgeschaltet werden müßten. Kritisch sei zudem die schwindende Akzeptanz gegen jegliche Infrastrukturmaßnahme, denn ohne Netzausbau sei eine Umsetzung des Energiekonzeptes nicht möglich. Entscheidend sei es, sich alle technologische Optionen offen zu halten, einschließlich der Kernenergie und Kohleverstromung mit CCS. Bei den Speichertechniken bestünde noch hoher Forschungsbedarf. In der Diskussion wies Karl Buhse, Mitglied im Sektionsvorstand Dithmarschen, darauf hin, daß bislang unklar

Alexander Nolden, Energiepolitik Public Affairs, Leiter Energieerzeugung/-förderung RWE AG: „Deutschland als bisheriger Europameister mit nur in der Summe 20 Minuten Netzausfall steht bei dem Ersatz der lastenflexible Kernenergie durch erneuerbare Energien als Industriestandort vor existentiellen Herausforderungen.“

plant Kavernen als Speicher: Bernd Bartels, Geschäftsführender Gesellschafter der BeBa Energie GmbH

bleibe, wer bei den derzeitigen Rahmenbedingungen überhaupt ein Interesse haben könnte, in Speichertechnik zu investieren. Wirtschaftsprüfer Dr. Claus Michael Allmendinger merkte an, daß das von der Europäischen Union verfügte „ownership unbundeling“ zur Entflechtung des Energiesektors den Netzgesellschaften keine Möglichkeiten lasse, in Speichertechnik zu investieren. Die Diskussion über die Chancen für Schleswig-Holstein wurden auch noch nach der Podiumsdiskussion bei einem großzügigen Imbiß fortgesetzt. Der abschließende Dank unseres Sektionssprechers Hans Helmut Schramm galt neben dem Gastgeber Moderator Jens Magnussen, der als energiepolitischer Sprecher der CDULandtagsfraktion und Geschäftsführender Gesellschafter der Magnussen EMSRTechnik GmbH hervorragend kompetent durch die Veranstaltung führte. BZ

Energieversorgung – Herausforderung der Zukunft Mittagsgespräch der Sektion Kiel am 02.11.2010 im Steigenberger Conti Hansa in Kiel Pieter Wasmuth, der neue Generalbevollmächtigte der Vattenfall Europe AG für Hamburg und Norddeutschland, erläuterte, warum die energiepolitischen Lösungen eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung darstellen. Schleswig-Holstein habe zwar einerseits gewaltige Chancen als wachsender Energieexporteur, allerdings scheiterten immer mehr notwendige Entwicklungen der Energieinfrastruktur an

Pieter Wasmuth (re.) nach seinem Vortrag im Gespräch mit Holger Bajorat, Sprecher der Sektion Neumünster

der politischen Akzeptanz. Während in China jede Woche ein schmutziges Kohlekraftwerk ans Netz ginge, würden die Chancen hocheffizienter und sauberer Kraftwerke in Deutschland zunehmend

durch politische Widerstände zunichte gemacht. So werde Vattenfall nach den schikanösen und kostenträchtigen Auflagen beim Kraftwerk Moorburg, wo Fassadennachrüstungen, Fischtreppen

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Landesverband Schleswig-Holstein Ausgabe Dezember 2010

Wie werden wir künftig mit Energie versorgt? Diese Frage stand im Raum.

und ein zusätzlich geforderter Kühlturm das Projekt sinnlos verteuert hätten, ein solches Projekt nicht wiederholen. Die laufende Diskussion um die Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraft verschweige, daß diese Kraftwerke im Vergleich die besten Möglichkeiten zum Lastenausgleich hätten und somit für den Ausbau erneuerbarer Formen notwendig seien, wenn man auch zukünftig ohne dramatische Blackouts auskommen möchte. Bei einem zukünftigen Verzicht auf diese Kraftwerkstypen müsse man nach Alternativen fragen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien,

für den er als Vorstand der REpower AG bis vor kurzem selbst tätig war, erfordere einen beschleunigten Leitungsausbau. Auch hier zeigten jedoch die Erfahrungen, daß derartige Projekte bereits in der Vergangenheit – wie im Falle der Leitung Schwerin-Krümmel – über 20 Jahre dauern könnten. Dabei schienen sich die Widerstände der aktuellen Ausbauprojekte in der betroffenen Bevölkerung und der opportunistischen Politik eher noch zu verstärken. Gleiches gelte für die Anwendung neuer Technologien. Während Deutschland an der Umsetzung des Transrapid-

Projekts gescheitert wäre, sei es in China in drei Jahren verwirklicht worden. Ohne Technologieoffenheit, wie sie beispielsweise für Wasserstoffprojekte Voraussetzung sei, fehle einer auf Export ausgerichtete Industrienation mit ausgeprägten Wohlstandsansprüchen allerdings die Grundlage. In der anschließenden Diskussion wurden die Chancen eines vermehrt dezentralen Energiesystems sowie die fehlenden Anreize für den Einstieg in Stromspeichertechniken durch das aktuell kontraproduktive Energieeinspeisegesetz hervorgehoben. BZ

Zukunftskonzept DESERTEC – Entwicklungsstand Abendveranstaltung des Landesverbandes am 30. August 2010 in Kiel Um neben den aktuellen Ansätzen auch den Blick auf langfristige energiepolitische Chancen zu richten, hat der Landesverband den Lübecker Unternehmer Max Schön nach Kiel eingeladen, der als Präsident des Club of Rome Deutschland sowie als Aufsichtsratsvorsitzender der DESERTEC Foundation für unsere zukünftige Energieversorgung eine transkontinentale Lösung ins Werk setzen möchte. Dazu sollen die enormen Potentiale an Sonnenenergien in afrikanischen und nahöstlichen Wüstengebieten genutzt und der Solarstrom in einem überspannenden Gleichstromnetz mit der Windenergieeinspeisung in Küstenregionen und weiteren regenerativen Quellen aus Wasser- und Biomassekraftwerken sowie Geothermie verbunden werden. Auf diese Weise könn-

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Dr. Philipp Murmann MdB, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein, begrüßt herzlich den weitsichtigen und zugleich bodenständigen Lübecker Unternehmer Max Schön

te der Kohlendioxidausstoß bei der Energiegewinnung bis zum Jahr 2050 um über 80 Prozent gesenkt werden – trotz eines deutlich erhöhten Strombedarfs in Nordafrika und im Nahen Osten. Vier parallele Entwicklungslinien werden dazu verfolgt: 1.) Die Industrieinitiative DII, welche

inzwischen 35 namhafte Gesellschaften insbesondere aus Deutschland zählt, klärt zunächst die technischen Voraussetzungen für eine Umsetzung. Dazu zählen neben technischen auch finanzielle und haftungsrechtliche Aspekte. 2.) Die parallele politische Initiative stelle derzeit die größte Herausforderung dar. Bei allen politischen Herausforde-


rungen und den Kosten ihrer Überwindung im Rahmen eines solchen Projektes müsse man sich jedoch vor Augen halten, wie hoch diese Kosten ausfallen könnten, wenn die Wohlstandsdifferenzen zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Raum bei wachsender Mobilität weiter auseinanderdriften sollten. Insofern habe das DESERTEC-Projekt auch einen starken völkerverständigenden Anspruch. 3.) Die akademische Initiative soll die Projektziele durch eine Vernetzung der Universitäten und eine aufklärende Befruchtung der Schulbildung langfristig flankieren. Hier sei es u.a. Dr. Christian von Boetticher MdL zu verdanken, daß sich Schleswig-Holstein als Knowhow-Geber angeboten habe und eingebunden worden sei. 4.) Die Öffentlichkeitsinitiative schließlich soll die Bevölkerungen aufklären und für eine Verwirklichung des Projektes begeistern. Trotz der enormen Voraussetzungen, die eine Projektumsetzung erkennbar mit sich bringe, sei weniger entscheidend, wie die Umsetzung schließlich im Detail aussähe, sondern daß man jetzt handele und das jeweils Mögliche verwirkliche. Dabei habe man immer wieder interessante Erfahrungen machen dürfen, die einen Optimismus rechtfertigten. Beispielsweise habe eine eher zufällige Veröffentlichung der Gründungspläne der DII zu einer enormen Bekanntheit und einem Zulauf von interessierten Unternehmen geführt. Auch stelle man in den nordafrikanischen Staaten plötzlich fest, daß ein Wettbewerb eingesetzt

Gedankenaustausch nach dem Vortrag: Max Schön (li.) mit Prof. Dr. Wolfgang Winkler (Leiter der HAW – Hochschule für Angewandte Wissenschaften – Hamburg)

habe, um als einer der ersten Staaten eine Umsetzung zu erreichen. Interessant sei auch die plötzliche Dynamik in Frankreich, wo die Industrie unter einem ähnlichen Ansatz „Transgreen“ ins Rennen geschickt worden sei. In den U.S.A. verfolge man mit dem „Tres Amigos“-Projekt ebenfalls einen Verbund der drei kontinentalen Netze von der Ost- bis zur Westküste. Für den Industriestandort Deutschland könnte eine Umsetzung neben den globalen Zielsetzungen zum Klima bedeuten, daß die führende Industrie zusätzliche Großaufträge erhalte und nach der Vollendung im Ergebnis ein deutlich verringerter Strompreis stehen dürfte. Technisch setze man derzeit vor allem auf solarthermische Systeme, das Sonnenwärme speichere und durch Dampfgeneratoren und Turbinentechnik auch noch nachts in Strom umwandeln könne. In der anschließenden Diskussion wurde Anerkennung deutlich, daß der ambitionierte Ansatz offenkundig nicht ideologisch, sondern pragmatisch und unternehmerisch getrieben sei und man sich an den Zielen orientiert flexi-

Treiben das Projekt einer dänisch-deutschen E-Mobil-Rallye (19.-20. März 2011 von Apenrade nach Husum) auf Initiative des Wirtschaftsrates voran: Dr. Volker Skwarek, Vorsitzender der Landesfachkommission Elektromobilität, im Austausch mit Carsten Stech, Geschäftsführer der Splendid Internet GmbH & Co. KG

bel an wechselnde Rahmenbedingungen anpasse. Prof. Dr. Wolfgang Winkler, Leiter der hamburgischen Hochschule für Angewandte Wissenschaften, kritisierte die bisherige Bundesregierung, die leider nicht in der Lage sei, ihre Kräfte in der Außen- und Entwicklungshilfepolitik zu bündeln – im Gegensatz zu den Franzosen, die Deutschland gerne ökologische Projekte zubillige und sich selbst mit Macht das industrielle Geschäft für französische Unternehmen vorbehalte. Entsprechend sei das politische Ergebnis um die Mittelmeerinitiative der Europäischen Union für Deutschland ausgefallen. BZ

Max Schön: „Unsere Zielsetzungen für den Klimaschutz beim Desertec-Projekt beruhen in den Berechnungen auf Szenarien ohne technischen Fortschritt, d.h. auf der Basis der vorhandenen technischen Möglichkeiten.“

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Landesverband Schleswig-Holstein Ausgabe Dezember 2010

Chancen und Risiken einer Rekommunalisierung beim Auslaufen von Konzessionsverträgen Mittagsgespräch der Sektion Stormarn am 29. Oktober 2010 in Ahrensburg Dr. Claus-Michael Allmendinger, Vorstand der Rölfs WPPartner AG, stellte zunächst klar, daß das Auslaufen der Konzessionsverträge nur das Eigentum an einem Versorgungsnetz und nicht am Strom- oder Gasvertrieb betreffe. Entsprechend könne aufgrund der regulatorischen Vorgaben je nach Effizienz des Netzservices mit jährlichen Renditen zwischen 5 und 9 Prozentpunkten gerechnet werden. Mit den jetzt vielfach auslaufenden Konzessionverträgen hätten die Kommunen verschiedene Optionen. Neben dem Abschluß von neuen Verträgen mit den bisherigen Konzessionären zu geänderten Bedingungen könne die Kommune auch andere Netzbetreiber auswählen oder aber alleine oder zusammen mit anderen Umlandgemeinden die Versorgungsnetze in eigenen Regie übernehmen. Bei einer Ausschreibung der Konzessionen seien energierechtliche und vergaberechtliche Bedingungen sowie kartellrechtliche Restriktionen zu beachten. Eine Rekommunalisierung gäbe der Kommune größere Gestaltungsmöglichkeiten im Infrastrukturbereich, könne zu vermehrten Aufträgen in der Region führen und steuerrechtliche Vorteile durch einen Querverbund mit kommunalen Zuschußgesellschaften heben. Die Wirtschaftlichkeit hänge jedoch entscheidend am Erwerbspreis für das Netz, der nach neuster Rechtspre-

Wirtschaftsprüfer Dr. Claus-Michael Allmendinger erläuterte die kommunalen Chancen und Risiken bei der Entscheidung über den Umgang mit dem Netzeigentum beim Auslaufen der Konzessionsverträgen

chung des BGH über einen Ertragswert ermittelt werde. Häufig sei jedoch der technische Zustand des Netzes unklar. Weitere Risiken ergäben sich aus Unsicherheiten über die Zinsentwicklung, zukünftige Regulierungen, den Bevölkerungsrückgang, die Vergütungsumwälzung für Kraft-Wärme-Kopplungs-

Stormarns Sektionssprecher Dr. Manfred Steckmeister (re.) im Gedankenaustausch mit Markus Echt, Leiter der E.ON Best Service GmbH, Hamburg.

anlagen und solche aus dem Energieeinspeisegesetz sowie die nicht durch Netzentgelt abdeckbaren Netzentflechungs- und -einbindungsaufwendungen. Häufig fehle der Kommune zudem fachliches Know how für eine technische Betriebsführung. Für die Finanzierung des Netzerwerbes könne unter Hinzuziehung von

Insbesondere Vertreter aus der Finanzwirtschaft und der kommunalen Verwaltung folgten der Einladung der Sektion Stormarn

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Stiftungskapital oder eines Investmentfonds eine reine Netzvermögensgesellschaft gegründet werden, wozu Netzservice und -betrieb von einem

regionalen Stadtwerk im Rahmen eines Betriebsführungsvertrages übernommen werde. Letztendlich sei jedoch für eine angemessene Lösung der Einzelfall genau zu prüfen. Zumindest für kleinere Kommunen erscheine die Kooperation mit einem strategischen Partner häufig naheliegend. In der anschließenden Diskussion wurde davor gewarnt, daß Kommunen durch Haushaltsbelastungen für den Netzerwerb zusätzliche Risiken übernehmen und dieses komplexe Spezialgeschäft wieder verstärkt kommunalpolitischen Entscheidungen unterworfen wird. Wichtig aus der Sicht des Wirtschaftsrates, so Sektionssprecher Dr. Manfred Steckmeister abschließend, seien kompetente Verhandlungen mit verschiedenen Partnern sowie die Durchsetzung eigener kommunaler Interessen im Rahmen einer erneuten vertraglichen Bindung mit professionellen Anbietern.


Gesundheit

Innovationen sind der Motor für den medizinischen Fortschritt Kritiker der gesetzlichen Krankenversicherung zu finden, ist nicht schwer. Kein Wunder: Wenn Medien über das deutsche Gesundheitssystem berichten, geht es in erster Linie um Gesundheitsreformen, die angeblich zu hohen Verwaltungskosten der Kassen oder um die finanzielle Belastung der Versicherten. Möchte man der gängigen Berichterstattung Glauben schenken, sind die rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten hierzulande nicht wirklich gut versorgt. Patienten zweiter Klasse sind sie sowieso. Denn wer gesetzlich versichert ist, bekommt im besten Fall das medizinisch Notwendige geboten. Soweit das Klischee. Aber stimmt das tatsächlich mit dem Alltag in Praxen und Kliniken überein? Die Techniker Krankenkasse (TK) hat es sich jedenfalls zur Aufgabe gemacht, ihren Kunden eine Versorgung anzubieten, die sich stets am aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse orientiert. Mehr noch, die TK versteht sich selbst als aktiver Gestalter und Impulsgeber, wenn es darum geht, neuartige Versorgungskonzepte ins Leben zu rufen und umzusetzen. Getreu der Devise: Innovationen sind der Motor für den medizinischen Fortschritt. Dass dies nicht nur Lippenbekenntnisse sind, wurde der TK schon mehrfach von unabhängiger Seite bestätigt. Insbesondere beim Wettbewerb „Ideenpark Gesundheitswirtschaft“, den die Financial Times Deutschland (FTD) in diesem Jahr bereits zum fünften Mal durchgeführt hat, konnte die bundesweit geöffnete Kasse punkten. Insgesamt 14 Projekte, an denen sich die TK beteiligt, hat die FTD in den Jahren 2008 bis 2010 ausgezeichnet. Unternehmen, Institutionen und auch Einzelpersonen hatte man aufgerufen, ihre innovativen Ideen, Projekte und Geschäftsmodelle einzureichen. Eine hochkarätig besetzte Jury hat die Vorschläge gesichtet und anschließend bewertet. Das macht den FTD-Wettbewerb zu einem guten Gradmesser da-

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für, welche zukunftsweisenden Ideen das Gesundheitssystem substanziell voranbringen. Die prämierten TK-Projekte reichen von modernster Transplantationsmedizin über koordinierte Schmerzbehandlungen bis hin zur Informationsplattform im Internet. So unterschiedlich die einzelnen Konzepte auch sind, sie verfolgen doch ein gemeinsames Ziel: die Qualität, die Transparenz und die Effizienz der medizinischen Versorgung zum Wohle der Patienten zu erhöhen. Und trotz aller Herausforderungen, die mit dem stetigen Wandel im Gesundheitssystem verbunden sind, möchte die TK ihren Versicherten auch in Zukunft beides bieten: Sicherheit und Innovation. Die Menschen honorieren dieses Engagement. Inzwischen zählt die TK rund 7,6 Millionen Versicherte. Allein für dieses Jahr verzeichnet die Kasse bereits einen Zuwachs von knapp 300.000 Kunden. Grundlage und Voraussetzung für diesen Erfolg sind motivierte und zufriedene Mitarbeiter. Dass die Kasse mit Sitz in Hamburg ein attraktiver Arbeitgeber ist, konnte sie 2010 zum wiederholten Male beim Wettbewerb „Deutschlands beste Arbeitgeber – Great place to work“ unter

Beweis stellen, der unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen, steht. Bereits im vierten Jahr nahm die TK an dem Wettbewerb teil und trat in der Kategorie der Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern an. Nach dem 1. Platz im vergangenen Jahr erreichte die Krankenkasse nun mit dem 2. Platz zum vierten Mal in Folge einen Platz unter den Top 3. Entscheidend für die Platzierung sind die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung, die zwei Drittel der Bewertung ausmachen. Erfreuliches Ergebnis aus Sicht der TK: 89 Prozent ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gaben an, dass die Kasse ein sehr guter Arbeitgeber ist. Mehr Informationen zu den Gewinner-Projekten der TK, die sich im „Ideenpark Gesundheitswirtschaft“ durchsetzen konnten, sind in einer Extra-Ausgabe der Broschüre „Sicherheit und Innovation“ zu finden. Interessierte können diese über die Geschäftsstellen der TK vor Ort beziehen oder im Internet unter www.tk.de herunterladen. Wer mehr über den Wettbewerb „Deutschlands beste Arbeitgeber“ wissen möchte, kann sich unter www. greatplacetowork.de informieren.


PR-BERICHTE

Präoperatives Training – Angebot für Patienten vor endoprothetischen Gelenkeingriffen Die Anzahl von Patienten, die einen endoprothetischen Gelenkersatz benötigen, wird immer größer. Neben dem demografischen Wandel (immer mehr Menschen erreichen deutlich höhere Lebensaltersstufen) dürfte auch die steigende Zahl von Übergewichtigen eine wichtige Rolle bei dieser Entwicklung spielen: Durch das hohe Körpergewicht, verbunden mit oftmals nur gering ausgeprägter Muskelkraft kommt es zu erheblichen Belastungen der Gelenke und somit einem früheren Gelenkverschleiß. Neben einer guten Operationstechnik spielt die postoperative Rehabilitationsphase eine ganz wesentliche Rolle für eine erfolgreiche Gelenkersatzoperation. Dabei wird allerdings nur wenig beachtet, dass auch eine bereits vor der Operation durchgeführte Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit zu einer erheblichen Beschleunigung des Rehabilitationsverlaufs und somit einer deutlichen Verbesserung des Operationsresultats beitragen kann. Hier setzt das Angebot des Instituts für Sport- und Bewegungsmedizin an: Wir helfen Patienten, bei denen ein endoprothetischer Gelenkersatz geplant ist bereits vor der Operation, ihre körperliche Fitness zu verbessern, um somit eine schnellere Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit nach dem operativen Eingriff zu erreichen. Hierbei liegt der Fokus nicht nur auf einer Kräftigung der durch schonungsbedingte Inaktivität abgeschwächten Muskeln; durch das präoperative Training können gleichzeitig Herz-Kreislauf-/ und Stoffwechselstörungen behandelt werden, die gerade bei den Patienten mit länger dauernden Gelenkbeschwerden auftreten, weil sie ja in vielen Fällen nicht mehr in der Lage sind, normale Altersaktivitäten zu absolvieren.

Prof. Dr. med. Klaus-Michael Braumann

Idealerweise erfolgt einige Wochen vor dem geplanten Eingriff eine umfangreiche Untersuchung im Institut für Sport- und Bewegungsmedizin, bei der u. a. die Leistungsfähigkeit des HerzKreislaufsystems sowie die individuelle Belastbarkeit untersucht werden. Aus den Ergebnissen dieser Untersuchung wird dann ein individuell angepasstes „maßgeschneidertes Trainingsprogramm“ zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit abgeleitet und bis zum Termin des operativen Eingriffes durchgeführt. Dabei wird natürlich den individuellen Besonderheiten der jeweiligen Patienten Rechnung getragen: So erhalten Patienten, die aufgrund von Knie- oder Hüftproblemen keine Ausdauereinheiten auf Fahrrad oder Laufband durchführen können, ihre entsprechenden Trainingseinheiten mit einem Armkurbelergometer. Als Ergebnis kommt es nicht nur zu einer Verbesserung der allgemeinen Fitness; gleichzeitig können typische chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Störungen des Fett- und Zuckerstoffwechsels behandelt werden, die sich bei vielen Endoprothetik-Patienten in den Jahren vor dem operativen Gelenkeingriff aufgrund der reduzierten körperlichen Leistungsfähigkeit eingestellt haben. Für Rücksprachen oder zur Terminabsprache: Prof. Dr. med. Klaus-Michael Braumann, Institut für Sport- und Bewegungsmedizin, Telefon: 040-471 93 00, E-Mail: info@sportmedizing-hamburg.com

Persönlicher Trainingsplan Wir machen nicht alles, sondern nur das, was wir richtig gut können. Wir helfen Menschen gesund zu bleiben. Am Anfang unserer Arbeit steht ein Gesundheitscheck, er ist die Basis jedes Trainingsplans. Der einstündige Check umfasst sieben Punkte. Anamnese: Die Aufarbeitung Ihrer „Krankengeschichte“, dh. Besprechung aller früheren und aktuellen Erkrankungen. Erfassung biometrischer Daten: Dazu gehört unter anderem die Ermittlung des „Körperfettanteils“, um ein Bild der Körperzusammensetzung zu gewinnen. Medizinische und therapeutische Indikationen: Bestehen Einschränkungen der Mobilität? Vom individuellen Training über das grouptraining bis hin zum Personal Training ist bepersonal auf Ihre Wünsche eingerichtet. Personal Training, allein mit dem Trainer, ist die individuellste Art, Sport zu treiben. Ihre Bedürfnisse entscheiden das Training. Wie oft, wie lange und wie intensiv trainiert wird, entscheiden nur Sie. Ihnen steht ein erfahrener Trainer zur Verfügung. Unsere intelligenten Geräte, übernehmen dank computergestütztem Technogym-System die Steuerung der einzelnen Trainingssegmente. Anhand Ihres persönlichen Schlüssels identifiziert jedes Gerät den Trainierenden. Die moderne Gerätetechnologie begleitet konsequent alle Trainingsschritte und gleicht die erreichten Trainingsleistungen ab und wirkt damit sowohl einer Stagnation als auch einer Überforderung des Körpers entgegen. Ein spezielles „Michael-Kelm-Mentaltraining“ rundet unser Angebot ab. Michael Kelm vermittelt in Einzelstunden auf praktischer Art und Weise leistungssteigernde Lernprozesse die das Bewusstsein und die Durchsetzungskraft stärken. Unter www.bepersonal.de erfahren Sie mehr zu unseren Leistungen. Mailen Sie uns info@bepersonal.de oder rufen Sie uns an: 040-89 70 95 96

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Landesverband Schleswig-Holstein Ausgabe Dezember 2010

AUS DEM JUNIORENKREIS

Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen Nachdem über die Hälfte der Mitglieder des Juniorenkreisvorstandes nach langjähriger erfolgreicher Zusammenarbeit altersmäßig aus dem Kreis herausgewachsen war, wurde ein personeller Umbruch notwendig. Auf der dafür einberufenen Mitgliederversammlung wurde der bisherige Sprecher Nico Höper, Geschäftsführender Gesellschafter SemEnergy GmbH, würdig verabschiedet und ein neues Team gewählt. Neuer Sprecher ist Alexander Kropp, Inhaber ALEXREISEN e. K., der bereits seit sechs Jahren dem Vorstand angehörte. Zum Stellvertreter gewählt wurden Benjamin Feindt, Partner Dan Revision, und Rasmus Vöge, Hafenbetriebsleitung Hans Lehmann KG. Desweiteren gehören dem neuen Vorstand an: Anna-Marina Sauer, Model Mana-

Der neue Vorstand: Alexander Kropp (Mitte) mit seinen Stellvertretern Benjamin Feindt (li) und Rasmus Vöge (re)

gement Heidi Gross, Benjamin Bhatti, Steuerberatung Bhatti mbH, Patrick Müller, Geschäftsführender Gesellschaf-

ter pm energy GmbH, Lars Osterhoff, CAT Consultants GmbH & Co. KG und Alexander Ziems, Deutsche Bank.

Wachstumsstrategie für Schleswig-Holstein Kamingespräch des Juniorenkreises mit Uli Wachholtz, Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände Hamburg und Schleswig-Holstein (UVNord) am 09.11.2010 Der UVNord vertritt 64 Verbände mit 30.000 Unternehmen und 1,3 Millionen Beschäftigten und befragt seine Mitgliedsunternehmen regelmäßig nach ihren Auftragsbeständen und Umsatzerwartungen. Demnach habe sich die Lage nach der Krise wieder stabilisiert. Wachholtz warnt jedoch vor Euphorie, denn die Überschuldungskrise zahlrei-

cher EU-Staaten und die kränkelnde USKonjunktur gäben fortgesetzt Anlaß zur Sorge. Wenig ermutigend sei auch die umfragegestützte Bewertung der Arbeit der Landesregierung, wobei allerdings die Sparanstrengungen, die Entscheidung zur festen Fehmarn-BeltQuerung und die spürbar gute Arbeit von Hans-Jörg Arp als Mittelstandsbe-

Uli Wachholtz, Präsident des UVNord, verkündete seine kritischen Gedanken zum Thema Wachstum im Norden

Der neu gewählte Vorstand hat sich vorgenommen, flankierend zur angestrebten Haushaltskonsolidierung an einer Wachstumsstrategie für das Land Schleswig-Holstein zu arbeiten. Erste Impulse dazu konnten im Anschluß an die Mitgliederversammlung im Kamingespräch mit Uli Wachholtz aufgenommen werden, der aus Sicht des UVNord wesentlichen Ansatzpunkte definierte.

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Der Juniorenkreis Schleswig-Holstein traf im Restaurant Am Kamin in Neumünster zusammen


auftragtem der Landesregierung auch deutlich positive Akzente gesetzt hätten. Unschön sei hingegen, daß nun erneut vorgezogene Neuwahlen anstünden, was dennoch die jetzige Handlungswilligkeit der Landesregierung nicht gefährden dürfe. Als wachstumsrelevant für Schleswig-Holstein skizzierte Wachholtz folgende Eckpunkte: I zuvorderst ein forcierter Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, wobei neben der Belt-Querung die Fahrrinnenanpassung der Elbe und die Schienen-Y-Trasse zur Entmischung der Verkehre im Norden von Hamburg vordringlich seien. I Modernisierung der Verwaltungsprozesse und Abschaffung der kleinteiligen Kommunalstrukturen I Durchsetzung der Haushaltskonsolidierung als wichtigstes politisches Projekt I Vertiefte Zusammenarbeit mit Hamburg, insbesondere durch eine vereinigte Landesplanung, eine gemeinsame Wirtschaftsförderung, eine verbesserte Zusammenarbeit der Hochschulen, ein gemeinsames Marketing-

genossen den schönen Abend: Thilo Untermann (li.) und Alexander Ziems

Gedankenaustausch in gelöster Stimmung v.l. Marlene Strunk, Nico Höper und Lars Osterhoff

konzept und Herstellung kompatibler und vernetzter Strukturen in der Bildungslandschaft In der anschließenden Diskussion wurden ergänzend die energiepolitischen Chancen und Risiken diskutiert. Der Juniorenkreis hat damit wichtige

Impulse aufgenommen, die im kommenden Frühjahr in die Klausurtagung des Juniorenkreises einfließen werden. Neben einer Reihe weiterer Veranstaltungen soll im Mai 2011 eine Wirtschaftsreise ins baltische Riga (Litauen) stattfinden. BZ

Kommission Gesundheitswirtschaft Nach der Auseinandersetzung mit der Gesundheitsreform hat die Kommission sich wieder der Gesundheitspolitik in Schleswig-Holstein zugewandt. Bei der gastgebenden Augenklinik Bellevue in Kiel stellte Staatsekretärin Dr. Bettina Bonde ihre Vorstellungen zu den Chancen der Gesundheitswirtschaft in Schleswig-Holstein dar. Schwerpunkt der Landespolitik sei demnach eine forcierte Vernetzung der unterschiedlichen Akteure im Gesundheitswesen. In der anschließenden Diskussion forderten die Teilnehmer die Landesregierung auf, diese Vernetzung nicht nur durch einen Kongreß, sondern anhand ganz konkreter Pilotprojekte voranzutreiben, wie beispielsweise durch den Versuch im Kreis Steinburg, über Gesamtbudgets die Vergütungsgrenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung aufzuheben. Dr. Ralph Ennen-

Prof. Dr. Dr. H.-K. Albers (Kommissionsleiter)

bach, Vorstand der kassenärztlichen Vereinigung stellte anschließend neue Konzepte vor, wie man durch Anpassung der Honorarregelungen und Abschaffung der Fallwertstaffelung die ärztliche Versorgung auf dem Land zukünftig sicherstellen könnte. Es bestand Einigkeit, daß das planwirtschaftliche Regulativ in diesem Bereich langfristig weder zielführend noch wirtschaftlich sein könne. Jörg Förster, Geschäftsführer der gastgebenden Augenklinik Bellevue, erläuterte, wie man durch eine konsequente Wachstums-

strategie unter Einbindung niedergelassener Partner die Fallzahlen von 6.500 auf 12.000 in nur zwei Jahren steigern konnte. Dieser Prozeß ging einher mit privaten Investitionen in zweistelliger Höhe in die bauliche und kommunikative Infrastruktur, ohne daß öffentliche Förderungen beantragt worden seien. Die notwendige Vernetzung mit inzwischen 48 niedergelassenen Augenärzten entstand dabei zielgerichtet aus eigener unternehmerischer Initiative. Aus der Sicht des Wirtschaftsrates sollte sich die Politk darauf konzentrieren, durch einen systematischen Abbau der Planungsbürokratie mitzuhelfen, daß neue unternehmerische Freiräume entstehen könnten. Die alljährliche Organisation eines Gesundheitskongresses könne entsprechende Initiativen allenfalls begleiten, dürfe sie jedoch nicht ersetzen.

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Intelligentes Sparen für eine bessere Schulbildung 8. bildungspolitische Konferenz am 25.10.2010 im Internat Louisenlund in Güby Vor etwa hundert Teilnehmern und in Gegenwart der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Louisenlund, Ingeborg Prinzessin zu Schleswig-Holstein, begrüßte zunächst Prof. Dr. Werner Esser als Gastgeber, indem er davor warnte, beim Sparen falsche Weichenstellungen zu setzen. Dabei begrüßte er die in Schleswig-Holstein geschaffene Wahlmöglichkeit zwischen den gymnasialen Bildungswegen G8 und G9 und plädierte für eine noch viel weitgehendere Individualisierung der schulischen Möglichkeiten in Abstimmung mit Lehrern, Eltern und Schülern. Minister Dr. Ekkehard Klug führte nach dieser Vorlage aus, daß ein Ansatz, Mittel einzusparen, ohne die Leistungsfähigkeit des Systems zu beeinträchtigen, in der Größe der Schulen zu suchen sei. Hier seien jedoch mit dem Schulgesetz aus dem Jahr 2007 Schulen ge-

Dr. Aloys Altmann, Präsident des Landesrechnungshofes Schleswig-Holstein: „Wir sind zwar froh, daß die Vorschläge des Landesrechnungshofes endlich von der Regierung aufgegriffen werden, befinden uns jedoch inzwischen an der letzten Abfahrt vor Griechenland.“

schaffen worden, die teilweise unterkritische Größen hätten, was politisch nur sehr schwer zurückzudrehen sei. So berühre die Zusammenführung von Schulen als Folge der jüngsten Schulreform eher die rechtlichen als die räumlichen Gegebenheiten. Der neu geregelte Schullastenausgleich für Schüler aus anderen Gemeinden orientiere sich jedoch zukünftig an den tatsächlichen Kosten der Schulträger und dürfte deshalb eine steuernde Funktion übernehmen. Qualitative Effizienzreserven sieht der Minister vor allem in der Lehrer-

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Herr Ulrich Steffens (ganz links, Unterrichtsleiter der Stiftung Louisenlund) führte Interessierte vor der Veranstaltung durch das Anwesen, hier im Chemieraum.

ausbildung, welche zukünftig einen wesentlich gestärkten Praxisbezug erhalten würde, sowie in der neuen Profiloberstufe, die eine inhaltliche Schwerpunktbildung erleichtere. Quantitativ

mittelfristig eine Reduzierung der 23.000 Lehrerstellen um 15 Prozentpunkte, d.h. um 3.600 Stellen an. Bezogen auf eine Lockerung des Kooperationsverbotes im Rahmen der Föderalismusdebatte begrüßte er eine erweiterte Vertragsfreiheit, warnte jedoch zugleich vor einer Steuerung von Bundeszuschüssen nach Eigenanteilen,

Norbert Basler, Aufsichtsratsvorsitzender der BASLER AG: „Der Lehrer und sein Unterricht gehören ins Zentrum der bildungspolitischen Diskussion.“ Minister Dr. Ekkehard Klug MdL, Ministerium für Bildung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein: „Aufgrund der demographischen Entwicklung brauchen wir in den nächsten Jahren 3.600 freiwerdende Lehrerstellen nicht neu zu besetzen.“

Wilfried Wengler MdL, Vorsitzende des CDU-Fraktionsarbeitskreises Bildung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein: „Wir wollen die Schulen jetzt in Ruhe arbeiten lassen und schrittweise ihre Eigenständigkeit erhöhen.“

lägen die größten Einsparpotentiale in der Demographierendite, die aus dem jetzt einsetzenden Schülerrückgang durch Verringerung des Lehrpersonals zu verwirklichen sei. Hier strebe man

die Schleswig-Holstein als armes Land nicht mehr leisten könne. Dr. Aloys Altmann begrüßte als Präsident des Landesrechnungshofes Schleswig-Holstein, daß nun endlich Vorschläge seines Hauses in der Regierung aufgegriffen werden würden. Bezogen auf das strukturelle Chaos müsse man jedoch schnell zu wenigen klaren Schulformen finden, wobei auch die Flexibilisierung des gymnasialen Bildungsweges unnötige Mehrkosten bedeute. Bislang fehle als Grundlage


für die Schulstandorte eine landesweite Planung, die klare Vorgabe brauche und strikt umzusetzen sei. Eine gute Investition sei ein Ausbau der Schulsozialarbeit. Chancen lägen zudem in einer Neuregelung der Privatschulfinanzierung, welche sich zukünftig an bedarfsbezogenen, pauschalisierten Schülersätzen orientieren solle. Reserven böte zudem ein Bürokratieabbau, wobei allein die Kultusministerkonferenz jährlich 50 Millionen Euro bei begrenzten Erfolgen koste. Besser seien einheitlich länderübergreifende Bildungssysteme. Schließlich brauche man in Schleswig-Holstein eine Besoldungsreform, denn im bundesweiten Vergleich hätten die Angestellten die geringste Arbeitzeit. Eine Reform an dieser Stelle könnte auch gleich dazu genutzt werden, die Lehrerschaft durch bessere Anreize stärker zu motivieren.

le von Strukturen müsse der Lehrer und vor allem sein Unterricht im Mittelpunkt stehen. Dafür sei er von allen anderen Belastungen möglichst zu befreien. Zudem müsse eine vernünftige und regelmäßige qualitative Auslese stattfinden. Derzeit könne praktisch jeder Lehrer werden, der den entsprechenden Schulabschluß mitbringe. Ohne scharfe Filter habe das Lehrerbild sein ihm eigentlich gebührendes gesellschaftliches Ansehen mittlerweile eingebüßt. Im Ergebnis leiste sich das Land teilweise unzumutbare Lehrer, die bis zu ihrer Pensionierung durch das System geschleppt werden müßten. Besser wäre es, nur die Besten eines

Jahrgangs zu Lehrern zu machen. Dazu müsse an den Schulen eine professionelle Personalführung und -entwicklung greifen. Voraussetzung hierfür sei eine hohe Transparenzkultur sowie klare Durchgriffsrechte für Schulleiter und Schulräte. Solche Maßnahmen kosteten kein Geld, würden aber die Qualität von Schule wesentlich steigern und zugleich die spürbare Unzufriedenheit im System deutlich abschwächen. Der Abgeordnete Wilfried Wengler, der kurzfristig für die erkrankte schulpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion eingesprungen war, machte deutlich, daß die jetzt eingeleiteten Schritte lediglich die Voraussetzung

Norbert Basler, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der BASLER AG, stellte einleitend klar, daß nicht das Sparen an der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgabe im Vordergrund stehen dürfe, sondern die Effizienz. Wesentlicher Fokus der Schulen sollte im Ergebnis die spätere Beschäftigungsfähigkeit der Schüler seien. Da jeder zwölfte Schüler keinen Schulabschluß erhalte, müsse man in dieser Hinsicht von einem Versagen des öffentlichen Schulwesens sprechen. Die Gründe dafür seien in den ständigen strukturellen Reformen zu finden, die regelmäßig zu Konzeptänderungen führten, ehe die Wirkungen der letzten Reform überhaupt überprüfbar seien. Regelungstechnisch führe diese Art aktionistischer Selbstbeschäftigung zu einer höchsten Form von Ineffizienz. Anstel-

Kieler Nachrichten, 27. Oktober 2010

Moderator Ulrich Wiethaup: „Die Aufwendungen für Lehrerweiterbildung in Schleswig-Holstein entsprechen nur einem Bruchteil der Standards für Personalentwicklung in der deutschen Industrie.“

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dafür schaffen würden, daß Regionalund Gemeinschaftsschulen wieder zu einem einheitlichen Ansatz zusammengeführt werden könnten. Ansonsten sei man darauf bedacht, die Schulen endlich wieder in Ruhe arbeiten zu lassen und die Eigenständigkeit der Schulen schrittweise zu erhöhen. Ulrich Wiethaup, der als Leiter der Landesfachkommission Bildung und Wirtschaft des Wirtschaftsrates die Diskussion moderierte, forderte eine Bestandsaufnahme der für eine regelmäßige fachdidaktische Weiterbildung eingesetzten Ressourcen. Während beispielsweise Siemens 2 bis 3 Prozentpunkte seiner Personalaufwendungen

in die Weiterbildung seines Personals stecke, läge die Quote hier nur bei einem Bruchteil, wobei es dazu noch nicht einmal verläßliche Zahlen gäbe. In der anschließenden Diskussion berichteten Vertreter des Regionalen Berufsbildungszentrums Flensburg, daß die erhöhte Eigenständigkeit von Berufsschulen bei der Entscheidung zur Weiterbildung der Lehrkräfte sehr positive Ergebnisse gezeigt hätten. Minister Dr. Klug stellte in Aussicht, daß die Schulen in Zukunft ihr Lehrerpersonal durch Ausschreibungen selbst aussuchen könnten und von der Landesverwaltung nur noch unterstützt werden sollten.

Ein Zuhörer verwies auf ein Modellprojekt mit 62 Schulen, bei dem es unter dem ehrenamtlichen Einsatz von Senioren gelungen sei, die Zahl der Schulabbrecher von 10 auf 7 Prozentpunkte zu senken. Herr Wiethaup dankte abschließend den Teilnehmern und kündigte für die bildungspolitische Arbeit im Wirtschaftsrat als Schwerpunkte die Finanzierung der Schulsozialarbeit und die Qualität der Auslese und Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte im Land an. Der Gastgeber lud anschließend alle Teilnehmer zu einem Imbiß, wo die fruchtbare Diskussion an den Tischen teilweise bis Mitternacht fortgesetzt wurde. BZ

Städtische Finanzen und die Schuldenbremse – Risiko oder Chance? Mittagsgespräch der Sektion Stormarn am 06. Oktober 2010 im Park Hotel Ahrensburg

Hamburger Abendblatt / Ahrensburger Zeitung, 7. Oktober 2010

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Kommunale Standortpolitik: mittelständischer Fachhandel im Ansiedlungswettbewerb mit bundesweiten Handelsketten Mittagsgespräch der Sektion Schleswig/Flensburg am 03.11.2010 in Harrislee

Hans August Dethleffsen, geschäftsführender Gesellschafter der HBK-Dethleffsen GmbH in siebter Generation, warnte vor den Folgen eines ungezügelten Strukturwandels

Hans August Dethleffsen, geschäftsführender Gesellschafter in siebter Generation der im Jahr 1738 in Flensburg gegründeten HBK-Dethleffsen GmbH, betonte einleitend sein Credo für den Wettbewerb als systembegründendes Prinzip einer Marktwirtschaft. Dennoch seien in einer sozialen Marktwirtschaft gewisse Schranken nötig, um Preisabsprachen und den Mißbrauch marktbeherrschender Stellungen zu vermeiden. Nach seiner Erfahrung sei zudem zu beachten, daß in schrumpfenden Märkten ein Verdrängungswettbewerb in Gang komme. Entsprechend sei im Segment der Bau- und Fachmärkte zu beobachten, daß kapitalstarke Konzernketten zunehmend mittelständische Fachmärkte ersetzten. So habe sich im Raum Flensburg im Jahr 1978 Max Bahr mit zunächst 3.000 Quadratmetern Verkaufsfläche angesiedelt, gefolgt von Bauhaus mit inzwischen zwei Standorten sowie 9.000 und zuletzt Praktiker mit 6.000 Quadratmetern. Diese europaweit operierenden Anbieter bündelten Einkaufsmacht mit vorteilhaften Refinanzierungsbedingungen und hätten in den letzten Jahrzehnten einen nachhaltigen Strukturwandel erwirkt, der eine lange Reihe mittelständisch geprägter Bauzulieferer zum Marktaus-

tritt gezwungen hätte und im Ergebnis die Angebotsvielfalt für den Kunden deutlich eingeschränkt habe. Auch wenn diese Entwicklung letztendlich von den Kundenwünschen getragen sei, solle man jedoch einmal den Blick nach Dänemark werfen, wo die mittelständische Konkurrenz inzwischen ganz verschwunden wäre und fünf Anbieter ein deutlich reduziertes Sortiment zu höheren Preisen anbieten könnten. Für Flensburg sei aktuell zu beobachten, daß sowohl Max Bahr als auch Bauhaus erhebliche Erweiterungen ihrer Verkaufsflächen planten und auch OBI eine Neuansiedlung ins Auge gefaßt habe. Dabei scheine die Stadtplanung diesen Ansinnen durchaus offen gegenüberzustehen, obgleich nicht nur ein früheres Gutachten bereits eine Überversorgung dokumentiert habe, sondern auch die Branche signalisiere, daß Wachstumspotentiale nicht mehr beim Endkunden, sondern nur noch bei den Handwerksunternehmen bestünden. Das dafür ins Feld geführte Argument neuer Arbeitsplätze sei jedoch trügerisch, weil diese in einem schrumpfenden Markt an anderer Stelle wegfielen. Vielmehr würden im Saldo Arbeitsplätze durch zusätzliche Flächenangebote ersetzt. Besonders problematisch sei diese Entwicklung, wenn die

Ansiedlungswünsche durch begünstigende Gutachten oder durch haushaltsentlastende Gegengeschäfte mit der Stadt forciert werden würden, wie es in Flensburg versucht worden sei. In der anschließend, durchaus auch kontrovers geführten Diskussion signalisierten die anwesenden politischen Entscheidungsträger, daß sie einerseits einer ungezügelten Entwicklung keinen Raum geben, andererseits aber auch den Handelsketten Möglichkeiten lassen möchten, ihren Modernisierungsbedarf zu stillen. Matthias Bäcker, Geschäftsführer der wetreu Unternehmensberatung, merkte an, daß enge oligopolistische Strukturen wie in Dänemark auch Chancen für neue mittelständische Anbieter böten. Roland Heidemann, Inhaber der Fachmarkt-Zentrum GmbH Bautreff, stellte dazu fest, daß die Dänen ihren Markt erfolgreich durch Importbeschränkungen gegen neue Anbieter abschotten würden. Sektionssprecher Hans-Peter Kjer zog abschließend Parallelen zur Konkurrenz zwischen der Grünen Wiese und der Innenstadt beim Einzelhandel. Die ebenfalls anwesende Kandidatin für das Oberbürgermeisteramt, Elfi Heesch, merkte an, daß man als Stadt den jeweiligen Einzelfall beurteilen müsse. BZ

v.l. Sektionssprecher HansPeter Kjer, Brita SchmitzHübsch und Elfi Heesch, Kandidatin für das Oberbürgermeisteramt der Stadt Flensburg

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Landesverband Schleswig-Holstein Ausgabe Dezember 2010

Kommission Sozialwirtschaft Die Landesfachkommission Sozialwirtschaft hat in ihrer zweiten Sitzung die Kostenentwicklung der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen einer vertieften Analyse unterzogen. Dabei wurde deutlich, daß das Land die fehlsteuernde Kostenteilung von ambulanten und stationären Fällen zwischen einerseits dem Land und andererseits den Kommunen durch einen neuen, budgetorientierten Ansatz ersetzen muß. Zudem stellte Dr. Ralf-Oliver Schwemer, Landrat Rendsburg-Eckernförde und Verhandlungsführer der Landkreise, für die kom-

munale Seite dar, daß man durch eine personenzentrierte Hilfeplanung und Unterbringung in Wohngruppen bei tagesstrukturierenden Maßnahmen spürbare Einsparungen erreichen könne. Georg Kallsen, Vorstandsvorsitzender der Norddeutschen Diakonie mbH und Verhandlungsführer für die Sozialbetriebe, zeigte dagegen, daß das in diesem Bereich über dem Bedarf liegende Kapazitätsangebot in Schleswig-Holstein Wertschöpfung und Arbeitsplätze für das Land bedeute und daß die Kosten dafür pro Fall deutlich unter dem Bundesdurchschnitt lägen. Ungeklärt blieben die auffällig erhöhten Fallzahlen für Schleswig-Holstein, die bis-

lang weder durch Importe aus anderen Bundesländern noch durch andere erkennbare Ursachen erklärbar scheinen. Unbestritten war, daß mit weiter deutlich steigenden Fallzahlen zu rechnen ist, obgleich sich die Kosten in dem letzten Jahrzehnt bereits verdoppelt haben. Ohne weitere Maßnahmen drohen also zukünftig dramatische Zusatzbelastungen für die kommunalen Haushalte. Die Kommission bereitet deshalb im nächsten Schritt eine Podiumsdiskussion vor, um die Chancen für die Vermittlung von Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt in der privaten Wirtschaft zu verdeutlichen.

Neue wirtschaftspolitische Akzente für die Hansestadt Lübeck Mittagsgespräch der Sektion Lübeck am 28.10.2010 im Lübecker Schabbelhaus

Heinz Püplichhuisen, ehemaliger langjähriger Sprecher der Sektion Lübeck, im Gespräch mit Ulf Wachholtz, Projektentwickler der ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG, Hamburg, am Rande der Veranstaltung mit Senator Sven Schindler

Hamburger Abendblatt / Ahrensburger Zeitung, 7. Oktober 2010

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K.E.R.N.-Region neu erfinden! Mittagsgespräch der Sektion Rendsburg-Eckernförde am 06. September 2010 in Rendsburg Bürgermeister Andreas Breitner (li.) und Sektionssprecher Dr. Christopher Leptien

Andreas Breitner, inzwischen als Bürgermeister der Stadt Rendsburg mit eindrucksvoller Mehrheit wiedergewählt, hatte kurz vor dem Wahltermin bei der Sektion Rendsburg-Eckernförde eine positive Zwischenbilanz seiner ersten achtjährigen Amtsperiode gezogen. Dabei konnte er auf eine Reihe erfolgreicher Entwicklungen zurück-

blicken, wie die zum Konversionsprojekt Eiderkaserne, dem Messegelände oder der Ansiedlung von Repower in der Nachbargemeinde. Erfreulich sei dabei der Rückhalt in der Stadtpolitik, die die Verwaltung in der Regel durch einstimmige politische Beschlüsse begleitet habe. Allerdings blieben noch wichtige Baustellen, welche bereits angefaßt worden seien und gerne auch durch ihn selbst zu einem positiven Abschluß gebracht werden sollten. Neben der nach wie vor stockenden Nordumgehung zählte er dazu vor allem die Auflösung des Leerstandes der ehemaligen Hertie-

Immobilie, welche die Entwicklung in der Innenstadt belaste, aber aufgrund der Gesellschafterstrukturen bislang noch nicht zu ändern war. Breitner bedauerte zudem die weitgehend erlahmte überregionale Zusammenarbeit mit den benachbarten Ober- und Mittelzentren, die mit dem Wegbrechen der Strukturen der K.E.R.N.Region immer wieder spürbar seien. Insofern wäre es sehr wünschenswert, wenn die verbliebene Wirtschaftsförderungsgesellschaft für die Region Kiel, Rendsburg-Eckernförde und Plön mbH die regionalen Akteure der Mittelzentren wieder strukturell einbinde, beispielsweise im Wege von kleineren Minderheitsbeteiligungen. Der Wirtschaftsrat sicherte diesem Vorschlag seine volle Unterstützung zu. BZ

Belohnung aller Sinne: Präsentation der Infiniti M-Limousine

PR-BERICHT

Einen außergewöhnlich sinnreichen Abend erlebten am 28. Oktober 100 geladene Gäste bei der Premiere der neuen Infiniti Luxuslimousine M. gewöhnlichen Event-Konzept. Im edlen Ambiente des Infiniti Zentrum Hamburg waren Automobilliebhaber unter dem Motto „Reward your five senses“ (dt: Belohne Deine 5 Sinne) dazu eingeladen, musikalischen, kulinarischen und optischen Genuss zu erleben. Als Highlight des Abends wurde die neue aufregend gestylte

Die seit einem Jahr auf dem Hamburger Markt vertretene japanische Premium-Automobilmarke Infiniti begeisterte zur Markteinführung des neuen Diesel-Modells M30d mit einem außer-

Hochleistungslimousine M präsentiert. Ab sofort ist diese auch als CO2-armer 3,0-Liter-V6-Diesel erhältlich. Mit außergewöhnlichen Ausstattungsdetails, beruhend auf der Tradition japanischer Handwerkskunst, wie dem neuen naturbelassenen Semi-Anilin-Leder, handgefertigten Holzeinlagen und der Klimaautomatik Forest-Air™, spricht die M-Limousine alle Sinne an. Passend dazu präsentierte das Infiniti Zentrum Hamburg japanische Kalligrafien und die Gäste konnten selbst traditionelle Tuschezeichnungen anfertigen. Untermalt von den Klängen des Jazz-Quartetts „Leather Report“ präsentierte sich das neue Modell selbstbewusst als Alternative zum traditionellen Limousinen-Angebot und seine individuellen Details führten zu angeregten Gesprächen der Automobilfans. Mehr Informationen unter: www.infiniti-hamburg.de

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Landesverband Schleswig-Holstein Ausgabe Dezember 2010

Auf zu neuen Ufern – Jubiläumsinvestition der Wyker Dampfschiffs Reederei (WDR) Ausflug der Sektion Nordfriesland mit der „Uthlande II“ am 24. September 2010 Einen eindrucksreichen Tag auf der Nordsee bot die Wyker Dampfschiff Reederei unseren Mitgliedern aus SchleswigHolstein und Hamburg

Nachdem der Wirtschaftsrat am 08. Juli 2010 den Rohbau der neuen Fähre Uthlande II zusammen mit dem Landesverband Hamburg auf der Sietas Werft besichtigt hatte, bekamen die Mitglieder aus Hamburg und Schleswig-Holstein nun Gelegenheit, zum 125jährigen Jubiläum der WDR GmbH mit der nagelneuen und hochmodernen Eigenkonstruktion eine Fahrt in die Halligwelt der Nordsee zu unternehmen. Geschäftsführer Axel Meynköhn erlaubte dazu auf der Fahrt sowohl eine Begutachtung des Maschinenraums als auch der mit neuster Technik ausgestatteten Steuerungszentrale. Auf der Fahrt erläuterte er die traditionsreiche Geschichte der Reederei, die trotz ihrer

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Sonderstellung im Markt durchaus auch immer wieder herausgefordert sei, ihre Produktivität zu verbessern. In dieser Hinsicht sei die Uthlande II als energie- und zeitsparendes Fährschiff entwickelt worden, das zwischen Abfahrt und Ankunft nicht mehr wenden müsse und Fußgängern und Kraftfahrzeugen einen gleichzeitigen Ausstieg ermögliche. Besonderheiten seien der geringe Tiefgang sowie der Antrieb, der ein neuartiges Schraubenkonzept mit deutlich verbessertem Wirkungsgrad aufweise. Obgleich die WDR auch die Versorgung der Inseln und Halligen sicherstelle, sorgten doch erst die Touristen für einen wirtschaftlichen Betrieb. Entsprechend wurde das inhaltliche Programm durch einen Vortrag von

Sabine Natebus ergänzt, die als Pressesprecherin der Tourismusagentur Schleswig-Holstein kurzfristig für ihren Geschäftsführer eingesprungen war und über Möglichkeiten öffentlich-privater Partnerschaften mit der Tourismusagentur Schleswig-Holstein für verschiedene Branchen informierte. Der Wirtschaftsrat sieht hier die Notwendigkeit eines verstärkten Engagements der Wirtschaft, damit sich die bewährten Strukturen einer gebündelten touristischen Vermarktung trotz der unumgänglichen Sparanstrengungen des Landes erfolgreich weiterentwickeln können. Wir danken der WDR für die einzigartigen Einblicke in das Geschäft der Fährschiffahrt auf der Nordsee und für die gezeigte großzügige Gastfreundschaft. BZ


PR-BERICHT

A-ROSA nimmt Kurs auf Lachmuskeln Whirlpool im Außenbereich lassen tagsüber garantiert keine Langeweile aufkommen. Im Fitnessbereich können sich Urlauber allein oder mit Personal Trainer sportlich betätigen. Neben dem Marktrestaurant mit erweiterten LiveCooking-Stationen und dem Büffet können sich die Gäste auch im separaten Café-Restaurant verwöhnen lassen. Zusätzlich bietet die Weinwirtschaft

Eine Flussschiffsreise voller Spaß und guter Witze bietet die Saison 2011 auf dem Rhein: In Kooperation mit dem legendären Schmidt’s Tivoli Theater auf der Hamburger Reeperbahn bietet die Reederei eine 8tägige Varieté-Themenreise mit fünf Spitzenkünstlern an Bord der A-ROSA AQUA unter dem Motto „Kurs Süd & Tivoli“. Einmalig – vom 20. bis 27. August 2011 – geht es ab Köln über Boppard, die Loreley, Straßburg nach Basel und über Breisach, Straßburg, Mainz/Wiesbaden und Koblenz zurück in die Domstadt. An vier Abenden erleben die Gäste in der Lounge ein niveauvolles Programm aus Comedy und Bühnenzauber mit dem Ensemble der berühmten Mitternachtsshow. So führt z. B. Matthias Brodowy in einer temporeichen One-Man-Show zurück in die 70er Jahre, Emmi & Willnowsky lassen mit widersinnigen Witzen an ihren eigenen Kreuzfahrt-Erlebnissen teilhaben.

Seit August 2009 ist die A-ROSA AQUA auf Deutschlands größtem Fluss im Einsatz. Das Premium-Flussschiff bietet Platz für maximal 202 Passagiere in 99 Kabinen. Mehr als zwei Drittel der Kabinen auf den drei Decks haben einen französischen Balkon. Die 4,5 Sterne-Ausstattung und ein besonders vielseitiges Ausflugsprogramm, das sich der Gast selbst zusammenstellt, garantieren einen legeren, aber stilvollen Wohlfühlurlaub. Der SPA- und Fitnessbereich mit Saunarium sowie der

erläuterte Menüs mit besonderen regionalen Spezialitäten und passenden Weinen. Termin: 20. August 2011 Preis: ab 1.299,00 Euro pro Person in der 2-Bett-Außenkabine ab/bis Köln inklusive Vollpension Plus, SPA- Nutzung und Abendprogramm. Frühbucherermäßigung bis zum 31. Januar 2011. Weitere Infos auch unter: www.a-rosa.de/kreuzfahrten/rhein/ routen_2011/kurs_sued_tivoli.html

... I M Ü B R I G E N – AU S D E R L A N D E S G E S C H Ä F T S ST E L L E S C H L E SW I G - H O LST E I N I Der erweiterte Landesvorstand hat in seiner Sitzung am 8. September 2010 mit dem Schweizer Gesandten Dr. Urs Hammer über die Möglichkeiten einer vertieften Zusammenarbeit gesprochen. Dabei wurde ins Auge gefaßt, den Schweizer Botschafter im kommenden Jahr nach Schleswig-Holstein einzuladen und im Zuge dessen mit ihm im Rahmen des nächsten Stormarner Wirtschaftsforums über die Europäische Stabilität zu diskutieren.

I Unser stellvertretender Landesvorsitzender Hans-Werner Blöcker ist berufsbedingt aus dem Sektionsvorstand Rendsburg-Eckernförde ausgeschieden und wieder in seiner Heimatsektion Plön/Ostholstein kooptiert worden. I Der auf Initiative unseres Juniorenkreises gegründete Verein Kiels Gelehrtes Erbe e.V. hat nach dem erfolgreichen Abschluß seines ersten Projektes nun die Wiederherstellung der vier Philoso-

phen für den Schloßgarten in Kiel in Angriff genommen. Wir danken dem Vorsitzenden Dr. Alexander Ostrowicz für seine Initiative.

Dr. Bertram Zitscher Landesgeschäftsführer

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Landesverband Schleswig-Holstein Ausgabe Dezember 2010

VORSCHAU LANDESVERBAND SCHLESWIG-HOLSTEIN Änderungen sind möglich VERANSTALTUNGEN

Geschäftsführer der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft mbH „Gerettet? Wie und warum sich Unternehmen für die Hochschulen in Flensburg einsetzen“

06. Dezember 2010 · Kiel Prof. Dr. Thomas Bosch, Vizepräsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel „Die Bewerbung der ChristianAlbrechts-Universität zu Kiel als Eliteuni – aktueller Stand“

02.Februar 2011 · Neumünster Dr. Jens Kullik, Landrat des Kreises Steinburg „Verfahrensbericht über den Trassenausbau für Hochspannungsleitungen aus dem Norden in die west- und süddeutsche Verbrauchszentren"

13. Dezember 2010 · Kiel Juniorenkreis Olaf Birkner, Gründer und Gesellschafter der Cliplister GmbH „Erfahrungsbericht eines erfolgreichen Unternehmensgründers am Beispiel der Cliplister GmbH“

01. März 2011 · Kiel Hans-Jörn Arp MdL, Mittelstandsbeauftragter der Landesregierung „Der neue Mittelstandsbeauftragte der Landesregierung – eine Zwischenbilanz“

26.Januar 2011 · Flensburg-Handewitt Juniorenkreis Heinz-Jürgen Galle, ehemaliger

19.-20. März 2011 Apenrade – Flensburg – Husum E-Mobil-Rallye

IMPRESSUM Herausgeber, V.I.S.d.P.: Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Hamburg Dr. Ernst Werdermann (Wm) Landesgeschäftsführer Colonnaden 25/II. Stock, 20354 Hamburg Tel.: 040-30 38 10 49, Fax: 040-30 38 10 59 E-Mail: LV-HH@wirtschaftsrat.de Landesverband Schleswig-Holstein Dr. Bertram Zitscher Landesgeschäftsführer Sophienblatt 44 - 46, 24114 Kiel

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Tel.: 0431-67 20 75 Fax: 0431-67 20 76 E-Mail: LV-S-H@wirtschaftsrat.de www.wirtschaftsrat.de Redaktion: Dr. Manfred Hermann (He), Dr. Bertram Zitscher (BZ) Mitarbeit: Dr. Christina Arndt (CA) Ehrhard J. Heine (EJH) Bildnachweis: nicht gesondert gekennzeichnete Bilder WR-Archiv Erscheinungsweise: 4 x pro Jahr Auflage: 5.000 Exemplare

01. April 2011 · Husum Politisches Frühstück Dr. Christian von Boetticher MdL, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion „Impulse für Wachstum in Nordfriesland“ 14.-15. Mai 2011 · Pinneberg Klausurtagung des Juniorenkreises mit Dr. Christian von Boetticher MdL, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion „Wachstumsstrategie für Schleswig-Holstein“ 18. Juni 2011 · Kiel Regattabegleitfahrt anläßlich der Kieler Woche 01.-02. September 2011 · Rostock 3. Norddeutscher Wirtschaftstag

Satz, Herstellung und Anzeigen: copy-druck Gesellschaft für Digital- und Offsetdruck mbH Neumann-Reichardt-Straße 27-33 (Haus 21) 22041 Hamburg Telefon: +49 (0) 40 - 689 45 45 Telefax: +49 (0) 40 - 689 45 444 E-Mail: info@copy-druck.de www.copy-druck.de Der Bezugspreis ist im Mitgliederbeitrag enthalten. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht die Meinung des Herausgebers wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Haftung übernommen.


WR-Mitgliedermagazin - Landesverbände Hamburg und Schleswig-Holstein Ausgabe 04-2010