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JADE HOCHSCHULE OLDENBURG I FRANKFURT UNIVERSITY OF APPLIED SCIENCE
INTERDISZIPLINÄRES LEHRPROJEKT I SOMMERSEMESTER 2025

TITELBILD: AM STRAND - HANA ATAEI
SPIEKEROOG
INTERDISZIPLINÄRES LEHRPROJEKT IM SOMMERSEMESTER 2025 ALS KOOPERATION DER JADE
HOCHSCHULE WILHELMSHAVEN OLDENBURG ELSFLETH UND DER FRANKFURT UNIVERSITY OF APPLIED SCIENCE.
BAUINGENIEURWESEN - PROF. DR. SEBASTIAN HOLLERMANN - JADE HS GEOINFORMATION - PROF. DR. RER. NAT. HABIL. ROLAND PESCH - JADE HS ZUKUNTSSICHER BAUEN - PROF. ANJA WILLMANN - FRANKFURT UAS
B.SC. GEOINFORMATIK, JADE HS
B.SC. ANGEWANDTE GEODÄSIE, JADE HS
B.ENG. WIRTSCHAFTSINGENIEURWESEN-GEOINFORMATION, JADE HS
B.ENG. BAUINGENIEURWESEN, JADE HS
M. ENG. ZUKUNFTSSICHER BAUEN, FRANKFURT UNIVERSITY OF APPLIED SCIENCES
HEIBER GMBH DRUCK & VERLAG
1. AUFLAGE
ISBN 978-3-936691-95-5
MAREN BRUNS; PATRICK KÖSTERS
PROF. DR. RER. NAT. HABIL. ROLAND PESCH
PROF. ANJA WILLMANN
RÜCKBLICK
FACHDISZIPLINEN
GEOINFORMATION
BAUINGENIEURSWESEN
ZUKUNFTSSICHER BAUEN
01 02 03 04 VORWORT EXKURSION
ALTES INSELHAUS
HAUS SEELUST
UNS TO HUUS
HAUS KETTELHACK
HAUS STIEGE
4
10
16
22
MAREN BRUNS I KULTURSTIFTUNG SPIEKEROOG
PATRICK KÖSTERS I BÜRGERMEISTER DER INSELGEMEINDE SPIEKEROOG
Liebe Studierende, liebe Lehrende, liebe Leserinnen und Leser, Spiekeroog ist nicht nur ein Ort der Ruhe, der Natur und der Entschleunigung – unsere Insel ist auch geprägt von einer bemerkenswert hohen Dichte historischer Gebäude. Die Baukultur Spiekeroogs ist Ausdruck jahrhundertelanger Geschichte, identitätsstiftend für unsere Gemeinschaft und ein wertvolles Erbe, das wir mit großer Sorgfalt bewahren.


Umso mehr freut es uns, dass sich im Rahmen eines interdisziplinären Arbeitsaufenthaltes Studierende der Frankfurt University of Applied Sciences und der Jade Hochschule intensiv mit den Baudenkmälern der Insel beschäftigt haben. Im Zentrum standen dabei nicht nur ausgewählte Gebäude als konkrete Beispiele, sondern auch zentrale Fragen:
Wie lassen sich Baudenkmäler fachgerecht erfassen? Welche Erkenntnisse aus traditionellen Bauweisen sind relevant für das zukunftsfähige Bauen? Und wie kann das Thema Denkmalpflege lebendig, verständlich und nahbar vermittelt werden?
Als Gemeinde und Stiftung tragen wir sehr gerne dazu bei, wenn sich zukünftige FachleuteArchitekt:innen,Vermesser:innen, Geoinformatiker:innen, Landschaftsplaner:innen, Bauingeneur:innen – mit nachhaltigen Bauweisen und gestalterischen Fragen auseinandersetzen. Dies passt hervorragend zum Selbstverständnis unserer „grünen Insel“, die sich dem sanften Tourismus und der Nachhaltigkeit verpflichtet sieht.
Die Abschlusspräsentationen der Studierenden waren für uns mehr als nur Ergebnisdokumentationen: Sie haben wertvolle Impulse geliefert – für die Weiterentwicklung unseres digitalen Kulturpfads der Kulturstiftung, ebenso wie für den laufenden Prozess der Dorfentwicklungsplanung.
Wir bedanken uns herzlich für den engagierten Einsatz, die frischen Perspektiven und den interdisziplinären Zugang, mit dem dieses Projekt bereichert wurde. Wir hoffen, dass die Erfahrungen auf Spiekeroog mitgenommen werden – in zukünftige Projekte, in neue Berufsfelder, in verantwortungsvolles, gestalterisches Handeln.
Mit besten Grüßen
Patrick Kösters
Bürgermeister der Inselgemeinde Spiekeroog
Maren Bruns
Stiftungsbüro der Kulturstiftung Spiekeroog


PROF. DR. RER. NAT. HABIL. ROLAND PESCH
In einer Zeit, in der Klimawandel, Energiewende und Digitalisierung zentrale gesellschaftliche Herausforderungen darstellen, gewinnen Geoinformationssysteme (GIS) eine immer bedeutendere Rolle in der räumlichen Planungspraxis. Als integrative Informationsplattformen ermöglichen sie es, raumbezogene Daten nicht nur zu erfassen und auszuwerten, sondern auch visuell aufzubereiten –und so disziplinübergreifend zugänglich zu machen. Damit bilden GIS eine grundlegende Basis für interdisziplinäre Projekte in verschiedensten Anwendungsbereichen.
Das in diesem Reader dokumentierte interdisziplinäre Lehrprojekt widmet sich einer solchen Anwendung am Beispiel der GIS-gestützten Erfassung denkmalgeschützter Gebäude auf der Nordseeinsel Spiekeroog. Spiekeroog liegt im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und gehört damit zum UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Als Teil des Biosphärenreservats Niedersächsisches Wattenmeer handelt es sich zudem um einen Ort, an dem sich Natur- und Kulturlandschaft auf besondere Weise durchdringen. Spiekeroog steht dabei exemplarisch für unterschiedliche bauliche Herausforderungen des ostfriesischen Inselraums: Begrenzter Baugrund, Anforderungen an Klimaresilienz, nachhaltige Energieversorgung und das Bauen im Bestand treffen hier auf schützenswerte historische Bausubstanz.
Im Zentrum des Projekts stand die detaillierte Erfassung und Dokumentation von fünf denkmalrelevanten Gebäuden im zentralen Siedlungsbereich der Insel. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Architektur, Bauingenieurwesen und Geoinformationswissenschaften ermöglichte eine ganzheitliche Betrachtung der Gebäude – vom historischen Kontext über bautechnische Details bis hin zur digitalen Repräsentation.
Neben klassischen Gebäudedaten wurden auch energetische Eigenschaften, Baumaterialien, Konstruktionen und die historische Einbettung berücksichtigt. Die Ergebnisse flossen in ein interaktives WebGIS sowie eine begleitende GIS-Story-Map, die beide anschaulich und raumbezogen über die denkmalgeschützten Gebäude informieren. In Ergänzung zum WebGIS bietet die GIS-Story-Map eine anschaulich strukturierte Darstellung, die mit eingebetteten Karten, Bildern und Texten die historischen und funktionalen Zusammenhänge der Objekte vermittelt. Der Einsatz freier OpenSource-Komponenten wie QGIS zur Datenverarbeitung, QField für die mobile Erfassung vor Ort und Geonote zur Erstellung der Story Map ermöglicht es, die erstellten Produkte ohne eventuelle Lizenzgebühren weiterzuverwenden.
Geoinformationssysteme sind nicht nur technisches Werkzeug, sondern ein Medium zur Förderung des interdisziplinären Dialogs. Im vorliegenden Fall ermöglichen sie die gezielte Verknüpfung und Ergänzung vorliegender Geobasis- und -fachdaten – etwa zu Topografie, Bebauung, Infrastruktur und Denkmalschutz – mit zusätzlichen Attributen und können so eine wichtige Grundlage bilden für Bestandserfassungen und -planungen und darauf beruhende Entscheidungsprozesse.
PROF. ANJA WILLMANN
Gebäude zu entwerfen, die über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte nicht nur Schutz vor Witterung, sondern gleichzeitig kulturelle und soziale Orte sind, ist die uralte Kerndisziplin der Architektur. Insbesondere der Umgang mit lokalen Wetterbedingungen und Bautechnologien mit vor Ort verfügbaren Materialien lässt sich gut an historischen Bauwerken ablesen. Hier finden sich Prinzipien, um Kälte aber auch Hitze, Regen, Schnee, starke Winde abzuhalten und zugleich eine angenehme leichte Durchlüftung an heißen Tagen zu erzielen und damit tatsächlich bewohnbar zu sein. Im Angesicht des Klimawandels und der Ressourcenknappheit als nur zwei der aktuellen Herausforderungen lässt sich eine Rückbesinnung auf Einfaches Bauen mit lokalen Materialien als quasi rezitative Antwort für ein zukunftssicheres Bauen beobachten. Mit den monolithischen Forschungshäusern „Einfach Bauen“ in Bad Aibling von Florian Nagler und den Gebäudes des „2226“- Konzepts mit reduzierter Gebäudetechnik von Baumschlager Eberle als Neubauten aber auch den Sanierungen der Großwohnsiedlungen von ARGE Ossietzky-Hof (Hütten & Paläste, Berlin; ZRS Architekten, Berlin; Schönherr Landschaftsarchitekten, Berlin; eZeit Ingenieure, Berlin und ARCHITEKT MAURICE FIEDLER, Erfurt) in Nordhausen durch Ergänzung thermischer Pufferzonen wird bereits heute in der Praxis bewiesen, dass Gebäude mit thermisch-zonierten Grundrissen, hoher thermischer Speichermasse und passiven Lüftungsstrategien sowohl im Winter als auch im Sommer hohe Aufenthaltsqualitäten für die Bewohner ohne komplizierte Gebäudetechnik bieten. Um diese Strategien zielführend im lokalen Klima und Kontext anwenden zu können, bedarf es einer detaillierten Analyse der vorherrschenden klimatischen, kulturellen und bautechnologischen Rahmenbedingungen. Kurz: Man muss „sehen lernen“, um zu begreifen und die zu Grunde liegenden Prinzipien und Wirkungen verstehen und zusammenführen, um dieses Wissen in neuen Gebäuden anwenden zu können.
Daher haben wir uns in 2025 mit der traditionellen, pre-fossilen Architektur auf Spiekeroog auseinandergesetzt und versucht, übertragbare bauhistorische und typologische Prinzipien zu entdecken, die neue Gebäude klimaresilienter und zukunftsfähiger im Sinne eines hohen thermischen Komforts im Klimawandel, einer ressourcensparenden Bauweise und im Einklang mit der Lebenskultur auf Spiekeroog machen können. Das Vorhaben bestand aus 5 einzelnen Fallstudien, die im Folgenden kurz mit ihren Charakteristika vorgestellt werden.
Das Projekt „Altes Inselhaus“ hat sich vorwiegend mit der thermischen Zonierung und sommerlichem Wärmeschutz beschäftigt. Dabei fungiert der große Dachstuhl im Sommer als Pufferzone zwischen der solaren Einstrahlung und den Wohnräumen, sodass diese auch an heißen Tagen angenehm kühl bleiben. Ebenso zeigt die Analyse der durch die Jahrhunderte wechselnden Nutzungen, dass in prefossilen Zeiten die Räume so angeordnet wurden, dass Abwärme bewusst zum passiven Beheizen z.B. der Schlafräume diente. Sowohl in vergangenen Jahrhunderten als auch heutzutage wird im Gebäude gewohnt und gearbeitet; im Sommer dehnt man die genutzte Fläche aus; im Winter wird nur auf kleiner Fläche gewirtschaftet. Sowohl die Nutzung der Abwärme als auch die suffiziente und ggf. wechselnde Flächennutzung kommt heutzutage bereits wieder in Entwurfskonzepten zur Anwendung. Aufgrund der beschränkten Verfügbarkeit von Fläche und Material und den hohen Baukosten leistet sich allerdings kaum ein Bauvorhaben einen großvolumigen unbeheizten Dachstuhl als sommerliche thermische Pufferzone.
Die Analyse des Projektes „Haus Seelust“ offenbart einen Zielkonflikt der passiven Strategien: Während die vor dem Gebäude stehende – und teilweise bereits fehlende – Baumbegrünung eine notwendige Verschattung im Sommer für den Wintergarten bietet, im Winter dagegen tief stehende Sonne für solare Wärmegewinne erlaubt, behindert diese Baumreihe zeitgleich die erforderliche Querlüftung durch das Gebäude, um am späten Nachmittag die im Sommer im Raum auftretende Wärme abzuführen. Die Bäume blockieren die vorherrschenden Winde, die durch ihren Druck auf die Fassade eine Querlüftung erst ermöglichen. Dieser Zielkonflikt erscheint in einer lockeren Bebauung wie auf Spiekeroog ungewöhnlich, lässt sich aber in dicht bebauten, urbanen Umgebungen sehr häufig finden. In zeitgenössischer Architektur wird dann oft auf mechanische Lüftung zurückgegriffen; traditionelle Architektur in heißen, urbanen Ge bieten offeriert stattdessen Kaminlüftungsstrategien, die auf lufttemperaturbedingten Druckunterschieden basieren und unabhängig von den vorherrschenden Winden funktionieren.
Am Projekt „Uns tu Huus“ lassen sich verschiedene Flächennutzungsintensitäten diverser TourismusIntensitäten ablesen: Während im vorigen Jahrtausend die Bewohner im Sommer in den Anbau zogen, um das eigentliche Wohnhaus an Urlaubsgäste zu vermieten, ist das Gebäude der aktuellen Besucherintensität durch einen Umbau in 3 voneinander unabhängige Ferienwohnungen mit getrennter Gebäudetechnik angepasst worden. Dadurch wurde es de utlich flächeneffizienter und auch der Heizwärmebedarf kann je nach Besucherauslastung gesteuert werden für eine erhöhte Energieeffizienz. Die Doppelnutzung ist weggefallen, jedoch könne n nach dem Umbau mehr Personen auf gleicher Fläche Platz finden. Zudem wurde beim Umbau auf eine Fensteranordnung in Bezug auf die Windrichtung geachtet, die eine Querlüftung für den sommerlichen Wärmeschutz ermöglicht.
Das Projekt „Ostend“ beschäftigt sich einerseits mit dem Einfluss der traditionell tiefer gelegten Grundstücke gegenüber dem Gelände und andererseits der Bepflanzu ng des Grundstücks auf den Energiebedarf des Gebäudes. Es wird durch Simulation aufgezeigt , dass die Bepflanzung für einen hohen Windschutz des Gebäudes aber gleichzeitig für einen leicht erhöhten Heizwärmebedarf sorgt, da die solaren Gewinne durch die Baumkronen und Begrünung geblockt werden. Im Kontext des gemäßigten Inselklimas ist der Unterschied gering, kann jedoch signifikant werden, wenn das Prinzip auf andere Bauvorhaben in weniger gemäßigten Klimazonen übertragen wird. An diesem Projekt lässt sich auch ablesen, dass die Bepflanzung für den sommerlich en Wärmeschutz als Substitut für aufgrund der starken Winde schwierigen außenliegenden Sonnenschutzvorrichtungen fungiert.
Das Projekt „Haus Stiege“ hat im Verlauf seiner Nutzungsdauer mehrere Erweiterungen erfahren. Während das Haupthaus noch in der inseltypischen und windrichtungsbedingten Ost-WestAusrichtung orientiert ist, brechen die Erweiterungen mit diese m Prinzip und offerieren deutlich mehr windexponierte Fassadenfläche. Insbesondere die Lage der Fenster in den für die Insel typischen wintergartenähnlichen Anbauten erlaubt hohe solare Gewinne in den kalten Monaten und senkt den Heizwärmebedarf. Diese Wintergärten dienten pre-fossil vor allem als thermische Pufferzonen vor den Wohnbereichen, können diese Funktion aufgrund der auf der Insel großflächig umgesetzten Zuschlagung zum Wohnraum mittlerweile nicht mehr erfüllen. Auf Grund dessen kommt dem Wärmeschutz der Gebäudehülle mehr Bedeutung zu. Neben der inseltypischen Bepflanzung zum sommerlichen Wärmeschutz kommen hier zusätzlich bauliche Verschattungselemente wie die auskragende Geschossdecke über der Terrasse im EG zum Einsatz.
Zusammengefasst weisen die auf den ersten Blick mithin sehr unterschiedlichen Gebäude mit diversen Nutzungsszenarien ähnliche traditionelle passive Gebäudestrategien auf: Massivbau; oft mit Holztragwerk; vertikale und horizontale thermische Pufferzonen durch Wintergärten und hohe Dachstühle, kaum Windangriffsflächen in den Fassaden (kaum außenliegender Sonnenschutz, keine Gauben oder Vordächer, tiefe Giebel), Flächeneffizienz und Doppelnutzungen der Wohnflächen sowie passive Lüftungsstrategien. Im Laufe der Zeit – mit der dauerhaften Verfügbarkeit von Gas als Brennstoff – sind vor allem die thermisch-getrennten Wintergärte n und unbeheizten Dachstühle verschwunden. Aufgrund der hohen Ausnutzung der Wohnflächen bis in den letzten Winkel des Gebäudes rückt die thermische Ertüchtigung der Gebäudehülle in den Mittelpunkt. Wegen des gemäßigten Inselklimas sind trotz Klimawandel keine extrem heißen Sommer und kalten schneereichen Winter zu erwarten; daher konzentriert man sich auf der Insel hauptsächlich auf den Hochwasserschutz und die Sicherung der Trinkwasserversorgung bei Starkregenereignissen im Zuge der Klimaanpassungsmaßnahmen.
Im Ergebnis des interdisziplinären Lehr-Lern-Moduls konnten in den historischen Fallstudien diverse passive Strategien zur thermischen Gebäudekonditionierung ident ifiziert werden, die sowohl auf Neubau-Entwürfe als auch Bestandsprojekte mit den Planungszielen der Klimaresilienz, Energieeffizienz und Ressourcenschonung übertragbar sind.
UNTERSTÜTZUNG DURCH DIE LEHRENDEN IN DEN FACHDISZIPLINEN
INTERDISZIPLINÄRE GRUPPENARBEIT AN DEN ENWÜRFEN
PRÄSENTATION DER ERGEBNISSE VOR DEN PROJEKTBETEILIGTEN

STUDIERENDE: BAUINGENIEURWESEN JADE HOCHSCHULE ALS BERATER FÜR BAUSTELLENLOGISTIK, BIM-METHODEN UND CAD-MODELL
STUDIERENDE: GEOINFORMATION JADE HOCHSCHULE BEREITSTELLUNG VON GEODATEN ÜBER ÖKOLOGIE, DEMOGRAFIE, BODEN UND KLIMA DER INSEL ZUR ERMITTLUNG MÖGLICHER STANDORTE, GIS-DATENMODELL
STUDIERENDE: ZUKUNFTSSICHER BAUEN FRANKFURT UNIVERSITY OF APPLIED SCIENCE ALS BERATER FÜR KLIMAGERECHTES BAUEN, DURCHFÜHREN VON SIMULATIONEN
BILDER: HANA ATAEI
Am Freitagmorgen des 9. Mai 2025 traf die Projektreisegruppe mit Studierenden, Betreuern und Professoren auf der Insel Spiekeroog über ein Fischerboot ein. Der Weg zur Unterkunft, dem Haus am Meer, der Diakonie im Westen der Insel, führte durch den Ortskern. Auf dem Weg zur Unterkunft gab es Vorträge über die verschiedenen Studiengänge und deren Schwerpunkte. Zudem gab es Impulse zur Geschichte und Architektur der Insel, unter anderem von Kai Nilson und Maren Bruns.















Nach einem ereignisreichen und informativen ersten Tag über die Insel und den architektonischen Besonderheiten zum Ort, der Bauweise und insbesondere zum alten Inselhaus, dem Haus Seelust und Haus Uns To Huus, haben wir uns erlaubt den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Auf dem Weg zur Saltybar wurde noch ein gemeinsames Gruppenfoto festgehalten. Anschließend wurde das Tiny Observatorium besucht, um einen Blick ins All zu werfen.




BILDER: HANA ATAEI
Am Samstagmorgen durften wir Maren Bruns im Haus am Meer empfangen. Es gab den ersten gemeinsamen Austausch. Wir durften Frau Bruns unser Vorhaben erläutern und uns vorstellen. Mit Enthusiasmus begegnete sie dem interdisziplinären Projekt. Mit Rückenwind ging es nun weiter mit Input zu Haus Kettelhack und Haus Stiege, durch Kai Nilson. Am Nachmittag gab es eine anschließende Wattwanderung, wodurch das Programm abgerundet wurde.




BILDER: HANA ATAEI
Die Zeit vergeht wie im Flug, das spüren auch die Studierenden. Nach zwei Tagen voller Eindrücken ist heute der Tag der Arbeit. Die Projektgruppen kommen zusammen, um ihre Ideen weiter auszuarbeiten und die nächsten Schritte zu planen. Es ist der Beginn des Endspurts, denn bereits morgen steht die Zwischenpräsentation an und gleichzeitig die Abreise. Das bedeutet auch: ein letztes Mal am Strand sitzen, die Strandluft genießen und Kraft für den Abschluss tanken.




MAI
BILDER: HANA ATAEI
Am letzten Tag hieß es Abschied nehmen. Rucksäcke und Koffer wurden gepackt, die Zwischenpräsentationen gehalten und schließlich machte sich die Gruppe auf den Weg zum Hafen. Die letzten beiden Bilder geben einen kleinen Einblick in die Stimmung der Studierenden: eine Mischung aus Erschöpfung, Zufriedenheit und einem Hauch Wehmut. Wir nehmen viele Eindrücke mit und sind dankbar für die Chance, an einer so besonderen Erfahrung teilgenommen zu haben.




JADE HOCHSCHULE
JADE HOCHSCHULE
FRANKFURT UNIVERSITY OF APPLIED SCIENCES
FRANKE,
GRABAU, GRABOLLE, JAN ß EN, MEYER, PETRACK, RODDAU, SCHÜÜR, VORNHOLT, WALTER
Die drei Bachelor-Studiengänge Angewandte Geodäsie, Geoinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen - Geoinformation befassen sich alle mit Geoinformationssystemen (GIS). „Ein Geoinformationssystem (GIS) ist ein rechnergestütztes System, […] mit dem sich raumbezogene Problemstellungen in unterschiedlichsten Anwendungsgebieten modellieren und bearbeiten lassen“ (Bill 2016: S. 8). Ein GIS hat vier Funktionen: Erfassung, Verwaltung, Analyse und Präsentation (EVAP-Prinzip). In einem GIS können Geodaten dargestellt und analysiert werden. „Geodaten sind Daten über Gegenstände, Geländeformen und Infrastrukturen an der Erdoberfläche, wobei als wesentliches Element ein Raumbezug vorliegen muss“ (Bill 2016: S. 264). Aufgabe des Projektes ist es, ein GIS zu erstellen, in dem die Denkmäler und erhaltenswerten Gebäude Spiekeroogs mit Informationen visualisiert werden.
Geodäsie ist die „Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche“ (Helmert 1880). Schlussfolgernd beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit der Erfassung der Erdoberfläche und der auf ihr befindlichen Objekte mithilfe von geodätischen Methoden wie beispielsweise terrestrischer Vermessung (Tachymeter, Nivellier, terrestrisches Laserscanning), Photogrammetrie und satellitengestützter Vermessung. Der Studiengang vermittelt diese Methoden und die Bewertung der Ergebnisse mit Aussagen zu Präzision, Richtigkeit, Genauigkeit und statistischen Angaben.
GEOINFORMATIK
Geoinformatik ist die Wissenschaft und Technik zur Erfassung, Verarbeitung, Analyse und Visualisierung von räumlichen Daten (Geodaten). Sie verbindet Methoden der Informatik mit den Geowissenschaften und ermöglicht es, raumbezogene Fragestellungen mithilfe digitaler Werkzeuge – wie Geoinformationssystemen (GIS), Fernerkundung oder 3D-Modellierung – zu bearbeiten. Anwendungen finden sich u. a. in der Stadt- und Raumplanung, im Umweltmonitoring, im Katastrophenschutz sowie in Bau- und Infrastrukturprojekten.
WIRTSCHAFTSINGENIEURWESEN – GEOINFORMATION
Wirtschaftsingenieurwesen Geoinformation vereint klassische Arbeit mit Geodaten und GISSystemen mit wirtschaftlicher Fachkompetenz aus Bereichen wie BWL, VWL, Buchführung und Unternehmensführung. Der geowissenschaftliche Fokus liegt dabei auf der Analyse und Präsentation von Geodaten und den gewinnbringenden Einsatz im Rahmen von wirtschaftlichen Fragestellungen. Anwendung findet sich in der Standortplanung, Potentialanalyse oder Lieferkettenmanagement.
Literaturverzeichnis
Bill, R. (2016): Grundlagen der Geo-Informationssysteme. Wichmann
AYYO,
BÜCHERT, KADER, KHALED, KLAWONN, KRUTSCH, OMAR, SALOMON, THEWALD, WEYAND
Studierende des Fachbereichs Bauwesen, aus den Bachelor-Studiengängen der Jade Hochschule Oldenburg setzen sich aus Bauingenieurinnen und Bauingenieuren sowie Wirtschaftsingenieurinnen und Wirtschaftsingenieuren der Bauwirtschaft zusammen. Bei der Aufgabe auf Spiekeroog steht das konstruktive Verständnis im Vordergrund. Mithilfe des Wissens im Bereich der Baukonstruktion sollen die Denkmäler der Insel aus baulicher Sicht analysiert werden. Ziel ist es, anhand der geschichtlichen Entwicklung der Gebäude und historischer Pläne nachzuvollziehen, wie und aus welchen Gründen die Insulaner ihre Häuser früher errichtet haben. Darüber hinaus werden Ideen entwickelt, wie sich die gewonnenen Erkenntnisse ansprechend und informativ für Touristen und Bewohner aufbereiten lassen. So soll dazu beigetragen werden, die Aufmerksamkeit auf die Denkmäler und ihre faszinierende Geschichte zu lenken und sie für alle Interessierten zugänglich zu machen.
BAUINGENIEURWESEN
In unserem Studiengang erwerben wir fundiertes Wissen von der Planung bis zur Ausführung von Bauwerken. Nach intensiven Grundlagenfächern in Mathematik, Mechanik, Baustoffkunde und Konstruktion spezialisieren wir uns ab dem fünften Semester in Bereichen wie Baumanagement, Bauwerkserhaltung, konstruktiver Ingenieurbau, Verkehrswesen oder Wasserbau und Umwelttechnik.
WIRTSCHAFTSINGENIEURWESENS BAUWIRTSCHAFT
Die Studierenden des Wirtschaftsingenieurwesens Bauwirtschaft (BWI) verbinden dieses ingenieurtechnische Grundwissen mit betriebswirtschaftlichen Kompetenzen. Wir teilen technische Grundlagenmodule mit den Bauingenieur:innen, ergänzt durch Fächer wie Buchführung, Baukalkulation, Bauablaufplanung und Vergaberecht. Dadurch sind wir in der Lage, Bauprojekte nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich zu bewerten, Kosten zu optimieren und Prozesse effizient zu gestalten.
Im Rahmen des Moduls „Learning from the Past“ auf Spiekeroog bringen wir unser Fachwissen praxisnah ein. Besonders relevant sind dabei unsere Kenntnisse zu nachhaltigen Baustoffen, traditionellen Baukonstruktionen und energetischen Zusammenhängen. Der Blick auf den Lebenszyklus von Gebäuden sowie das Verständnis für den achtsamen Umgang mit bestehender Bausubstanz ermöglichen es uns, die historischen Gebäude der Insel im Hinblick auf zukünftige Nutzungspotenziale zu betrachten. Auch der geübte Umgang mit digitalen Planungswerkzeugen und die Fähigkeit zur Bewertung der Gebäudeperformance schaffen eine fundierte Grundlage für die Auseinandersetzung mit denkmalgeschützten Strukturen. So zeigen und untersuchen wir, wie sich traditionelle Bauweisen und zukunftsfähige Planung sinnvoll miteinander verbinden lassen.
Der Masterstudiengang behandelt interdisziplinär Themen rund um nachhaltiges und ressourceneffizientes Bauen. Vermittelt werden Kenntnisse in den Bereichen energieeffiziente Gebäudetechnik, lebenszyklusorientierte Planung, digitale Planungsmethoden wie Rhino und Hottgenroth. Darüber hinaus stehen ökologische, ökonomische und soziale Aspekte der gebauten Umwelt im Fokus. Absolventinnen und Absolventen sind auf Tätigkeiten in Planung, Umsetzung, Energieberatung, Management sowie Forschung und Entwicklung im Kontext zukunftsfähiger Bauweisen qualifiziert.
In der Praxis können wir mithilfe von unterschiedlichen Simulationssoftwares nicht nur verschiedene Varianten durchrechnen, sondern auch ihre Auswirkungen realitätsnah abbilden. Dadurch lassen sich Nutzen und Wirkung einer geplanten Maßnahme bereits im Vorfeld besser einschätzen und mit dem erforderlichen Aufwand oder den entstehenden Kosten abgleichen. Das unterstützt fundierte, nachvollziehbare Entscheidungen in frühen Planungsphasen. Ein besonderer Mehrwert des Studiengangs liegt in der engen Verzahnung von Theorie und Anwendung. Durch Projektarbeiten, interaktive Lehrformate und den Austausch mit externen Fachleuten wird es möglich, aktuelle Fragestellungen aus Forschung und Praxis gemeinsam zu bearbeiten. So lernen wir, Bauvorhaben von der ersten Planung bis zum fertigen Gebäude als Ganzes zu betrachten.
Neben dem engen Praxisbezug ist auch die interdisziplinäre Teamarbeit ein zentraler Bestandteil des Studiengangs. Die Studierenden bringen unterschiedliche fachliche Hintergründe mit, was den Austausch besonders wertvoll macht. Auf diese Weise entstehen neue Perspektiven und es lassen sich gemeinsam innovative und nachhaltige Lösungen für komplexe Herausforderungen im Bauwesen entwickeln.
RONNY AYYO, FLORIAN EISENREICH, SIPAN OMAR, ZHIMIN SCHENK, SONKA SCHÜÜR
MATTHIAS BRAUN, ALEXANDER MEYER, ADAM KHALED, OLIVER PETRACK, REDMER SALOMON, TOM TRIERWEILER
LEONIE BÜCHERT, JANNIS FRANKE, EMMA KLAWONN, JOHANNA KÜBCHEN, CHRISTINA NÜCHTER, NICK JANSSEN
KADER AIDO, JASMIN GRABOLLE, LENA GUDDAT, SOPHIE SCHÄFER, HENRY THEWALD, HENRIKE VORNHOLT
01 02 03 04 05
LENA BAUER, MARCEL GRABAU, SEBASTIAN RODDAU, JADEN KRUTSCH, KLARA SCHAUER, MARTIN WEYAND
Das Alte Inselhaus auf der Insel Spiekeroog wurde schätzungsweise zwischen 1700 und 1710 erbaut und zählt zu den ältesten sowie historisch bedeutendsten Gebäuden der Insel. Heute steht es unter Denkmalschutz. Ursprünglich diente das Gebäude als Wohnhaus für einen Fischer mit seiner Familie, die hier nicht nur lebte, sondern auch ihr Vieh hielt. Das Alte Inselhaus ist somit ein faszinierendes Zeugnis der frühen Inselgeschichte und ein wertvoller Teil des kulturellen Erbes von Spiekeroog.
Das Alte Inselhaus ist typisch für die Architektur auf Spiekeroog: Ein historisches Gebäude, das den lokalen Charme bewahrt und sich harmonisch in die Inselumgebung einfügt. Es hat mehrere Renovierungen hinter sich, um seinen ursprünglichen Charakter zu erhalten und modernen Standards gerecht zu werden. Es ist eingeschossig und wurde 1838 aufgrund seiner historischen Bedeutung und seiner Wichtigkeit für die Inselbewohner als Denkmal eingestuft. Heute befindet sich das Gebäude im Besitz von Gerd Janssen und wird als Gewerbeeinrichtung, insbesondere als Café, genutzt. Die Ausrichtung des Gebäudes erfolgt in Ost-West-Richtung, was den traditionellen Baustilen der Insel entspricht.







Typisch für die Inselarchitektur ist die niedrige Traufhöhe der Gebäude, die zusammen mit den früher mit Stroh gedeckten Dächern und den oft verwendeten Schwimmdächern (flache Dächer mit einer leichten Neigung) das Erscheinungsbild der Insel prägt. Die Häuser wurden früher häufig mit Muschelkalk gebaut, was ihnen nicht nur ein besonderes Aussehen verleiht, sondern auch die Verbundenheit der Inselbewohner mit ihrer natürlichen Umgebung widerspiegelt.
Das Fundament wurde in Ost-West-Richtung mit den Außenmaßen von 9,70 x 13,60 Metern abgesteckt.
Die Seitenlinien waren mit dicken und breiten Grassoden markiert. Eine eigentliche Baugrube wurde dabei nicht ausgehoben.
Auf dieser Grassbodenschicht wurde später gemauert. Vor dem eigentlichen Mauern errichtete man zunächst eine Holzkonstruktion. Diese begann mit dem sogenannten „Stapelwerk“ für die niedrigen Außenmauern: In Abständen von etwa 1,80 Metern wurden entlang der markierten Linien Holzpfeiler (mit einem Querschnitt von 14 x 14 cm) aufgestellt. Diese standen auf einer flachen Steinschicht zur Stabilisierung.
Beim sogenannten Inselhaus wurde Lehm in Holzkästen geformt, die Oberkanten glattgestrichen und anschließend im Ofen gebrannt. Als Bindemittel verwendete man ein Gemisch aus Lehm und Sand. Das so entstandene Mauerwerk wurde auf der Innenseite mit Lehm verputzt. Nach dem Aufbau des Stapelwerks errichtete man acht tragende Ständer – jeweils vier an der Nord- und Südseite – mit einem Querschnitt von 25 x 25 cm. Als Material wurde Eichenholz verwendet. Auf diese Ständer wurden durchgehende Querbalken (sogenannte Ganzbalken und Rahmbalken) aufgelegt, die sich über die gesamte Tiefe des Gebäudes erstreckten. Darauf wurden anschließend die Dachbalken verankert.

Abb. 07: Aufbau Außenwände (ubakus)
Die Dachsparren aus Rundholz mit einem Durchmesser von 12 cm wurden in einem Neigungswinkel von 38 Grad gesetzt. Ihr Querschnitt betrug 16 x 20 cm.
Die nördlichen Pfeiler wiesen eine lichte Höhe von 1,45 Metern auf, die südlichen Pfeiler dagegen eine Höhe von 1,85 Metern. Die Nordseite war der Wetterseite ausgesetzt – mit häufigem Sturm und aufgewirbeltem Flugsand. Der Sand reichte bei anhaltendem Wind oft bis zur Traufhöhe des Daches. Die Firsthöhe des Hauses betrug insgesamt 3,40 Meter.
Einige der Fenster sind bis heute in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Sie sind zweiteilig: Der untere Teil lässt sich nach oben innerhalb des Blockrahmens verschieben. Die Fensterrahmen sind mit Sprossen versehen, um zusätzliche Stabilität zu gewährleisten.
Die Nordmauer zeigt nur zwei kleine Fenster, die damals zur Belichtung des Stalls und der Vorratskammer dienten. Der Schornstein wurde so gesetzt, dass er von zwei Räumen auf der Südseite ausgenutzt werden konnte.

Abb. 08: Aufbau oberste Geschossdecke

Abb. 09: Aufbau Dach
Die freistehende Position des Alten Inselhaus ermöglicht eine hohe Sonneneinstrahlung auf das Gebäude, besonders im Süden (s. Abb. 10). Durch den nördlichen Versatz des Gebäudes im Vergleich zur Nachbarbebauung ist vor allem die Westfassade in die Hauptwindrichtung sehr exponiert (s. Abb. 11). Die vorhandenen Laubbäume bieten hier etwas Windschutz und im Sommer schützen sie zusätzlich vor hohem Solareintrag (s. Abb. 10 und 11).
Im aktuellen Bestand wurden folgende passive Gebäudestrategien umgesetzt: thermische Zonierung, die massive Bauweise und die daraus resultierende Phasenverschiebung aufgrund der hohen Wärmespeicherkapazität, die Verschattung durch die tiefliegenden Traufen, die Querlüftung sowie der Einfluss der umgebenden Bebauung und der Bäume (s. Abb. 12).
Im Sommer wird die steilere Sonnenstrahlung vom Dach abgehalten, während im Winter die Sonnenstrahlung aufgrund des flacheren Winkels tiefer ins Gebäudeinnere gelangen kann, wodurch die Aufenthaltsräume an der Südseite solare Gewinne erzielen. Die thermische Masse speichert die Energie und gibt sie in der Nacht an die Räume zurück. Der Dachraum dient im Winter und im Sommer als zusätzlicher Puffer. Die Grundrissaufteilung ermöglicht eine Querlüftung über Nord und Süd, um das Gebäude an den Sommerabenden zu entlüften.

Abb. 10: Jährliche Sonneneinstrahlung, Abbildung aus Grasshopper Ladybug





15: Ansicht Süd | Gartenseite - heute, Quelle: Kai Nilson




Abb. 19: Grundrisse 1935 und 1800 mit angenommenen Temperaturen, eigene Darstellung, Quelle: Meyer-Deepen, J., 1976, Das Alte Inselhaus auf Spiekeroog, S. 32

Abb. 20: Anteil des beheizten Gebäudevolumens, eigene Darstellung
Das Alte Inselhaus wird heute im Erdgeschoss als Café genutzt, das in der Nebensaison (15.November bis 01.März) geschlossen bleibt. Das Obergeschoss dient als Wohnraum. In den Wintermonaten wird der Wohnbereich in das Erdgeschoss verlegt.
Den größten Anteil an der Hüllfläche nimmt mit 63,43% das Dach ein. Der Fensterflächenanteil bezogen auf die gesamte Wandfläche beträgt 20,86% (Window-Wall-Ratio, Ermittlung durch CAD). An der Westseite wurde auf Fenster im Giebel verzichtet, um die Angriffsfläche für den Wind zu minimieren. Bei den verbauten Fenstern handelt es sich um Schiebefender, die nach oben geöffnet werden, was die die Windbeständigkeit verbessert.
Aufgrund der vielen Sprossen (s. Abb. 13 bis 16) liegt der Rahmenanteil bei etwa 40% (Ermittlung mit CAD).
Die geringe Fenster- und Glasfläche, insbesondere im Norden, tragen zur Reduktion des Wärmeverlustes bei.
In dem Zuge der Sanierung im Jahr 2015 wurde das Dach und die Giebelflächen gedämmt. Das beheizte Gebäudevolumen hat sich seit dem Bestehen des Gebäudes stets vergrößert und umfasst heute, einschließlich des Dachraums, 100% des Gesamtvolumens.
Im Jahr 1935 wurden lediglich die Wohnräume beheizt, was 44,95 % des Gesamtvolumens entsprach. Die beiden Stallbereiche fungierten als interne Wärmequelle und zugleich als thermische Pufferzone an der Nordfassade. Die zentrale Lage des Schlafzimmers an der Ostseite ist vermutlich auf den Kamin im Zentrum des Gebäudes zurückzuführen. Durch diese Anordnung konnte die abgestrahlte Wärme auf drei Seiten verteilt und effizienter genutzt werden als bei einer Platzierung in einer Randlage.
Im Grundriss aus dem Jahr 1800 diente der nördlich gelegene Stallbereich ebenfalls als thermischer Puffer. Die Wohnräume befanden sich auf der Südseite. Der als „Wohnraum“ bezeichnete Bereich im Südosten wurde nur gelegentlich für Besucher genutzt und entsprechend selten beheizt. Daraus ergibt sich eine Konzentration der beheizten Zonen auf die (Süd-)Westseite des Gebäudes. Das beheizte Volumen betrug zu dieser Zeit lediglich 22,71 %. Wird der zeitweise beheizte Gästebereich berücksichtigt, erhöht sich dieser Anteil auf 35,29 %.
Die sogenannten „Butzen“, also Schlafkojen im hinteren Bereich der Wohnräume, stellten eine zusätzliche thermische Pufferzone dar. Sie dienten ausschließlich des Schlafens und waren daher nicht auf Tageslicht angewiesen.
In beiden untersuchten Zeitpunkten (1800 und 1935) wurde der Dachraum nicht als Wohnfläche genutzt, sondern diente im Winter unter anderem als Heulager. Durch den höheren Füllgrad im Winter bot dieser Lagerraum eine zusätzliche Dämmschicht für die darunterliegenden Räume. Im Sommer wirkte das im Dach eingeschlossene Luftvolumen temperaturpuffernd und schützte die Wohnräume vor Überhitzung. Ein zentrales und durchgängiges Merkmal des Gebäudes ist die funktionale Verbindung von Wohnen und Arbeiten unter einem Dach. Während das Gebäude ursprünglich der Selbstversorgung diente und sowohl Menschen als auch Tieren Unterkunft bot, ist heute das Erdgeschoss öffentlich zugänglich und wird gastronomisch genutzt, während das Dachgeschoss in dieser Zeit als Wohnvraum dient.
Für die Bilanzierung ist zwischen rechnerischem Bedarf und tatsächlichem Verbrauch zu unterscheiden. Im Folgenden wird der Bedarf den Bedarf mit Holz als Energieträger betrachtet.
Durch die Verlegung des Wohnraums in das Erdgeschoss in den Wintermonaten ist zu erwarten, dass der tatsächliche Verbrauch geringer ausfällt als der errechnete Bedarf. In der Theorie kann durch eine komplette Nichtnutzung des Gebäudes während dieser Zeit der gesamte Energiebedarf um 53,27 % und der Heizwärmebedarf um 56,97 % auf 15.221,5 kWh reduzieren. Dies verdeutlicht den energetischen Vorteil der saisonalen Schließung des Cafés. (vgl. Monatsbilanzierung der Wintermonate in Abb. 22)
Die größte Veränderung bei der Berechnung des Primärenergiebedarfs zeigt sich bei der Betrachtung von unbeheizten Pufferzonen (z. B. Flure, Stallungen, Dachraum). In der energetischen Berechnung wird für die Einbeziehung der Flächen eine Temperatur von 12 °C angesetzt. Dadurch wird in der Bilanzierung das vorhandene Luftvolumen miteinbezogen und in den früheren Grundrissvarianten die internen Wärmequellen (z. B. Ställe) berücksichtigt. Durch diesen Ansatz werden Energieverluste durch Transmission an die Pufferzonen rechnerisch bereinigt. Ohne diese Betrachtung ergeben sich verfälschte Werte, da die Verluste größer sind. Der Energiebedarf im jetzigen Baubestand kann dadurch von 133 kWh/m² auf 60 kWh/m² reduziert werden. Für den Gebäudezustand aus dem Jahr 1935 ergibt sich durch die gleiche Maßnahme eine Reduktion von 130 kWh/m² auf 51 kWh/m². Im ursprünglichen Grundriss von 1800 verringert sich der berechnete Energiebedarf von 133 kWh/m² auf 47 kWh/m². Dieser Vergleich verdeutlicht die Wirkung der Pufferzonen.
Verrechnet man die errechneten Bedarfe mit den tatsächlich beheizten Flächen zeigt sich ein starker Unterschied in den Jährlichen Energiebedarfen als Konsequenz der sich vergrößernden Wohnfläche. Das Inselhaus im Jahr 1800 benötigt lediglich 36 % der Heizwärme, die im heutigen Zustand erforderlich ist. Wird der „Wohnraum“ (vgl. Abb. 19, u. r.) für Gäste dauerhaft beheizt, erhöht sich dieser Anteil auf 56 %. Im Jahr 1935 führte die Ausweitung der beheizten Fläche dazu, dass der Heizwärmebedarf bei 70 % des heutigen Wertes lag.
Die beheizte Wohnfläche im Erdgeschoss vergrößerte sich von 38 m² (bzw. 59 m² mit beheiztem „Wohnraum“) im Jahr 1800 auf 75 m² im Jahr 1935. 2015 beträgt sie 105 m², zuzüglich einer Fläche von 88 m² im Dachgeschoss.

Abb. 21: Energieausweis, Abbildung aus Hottgenroth (eigene Eingabe)


Abb. 22: Monatsbilanzierung und Vergleich Primärenergiebedarf, Abbildung aus Hottgenroth Verbesserungspotentiale
Ein Vergleich des Primärenergiebedarfs verdeutlicht die Abhängigkeit vom Energieträger. Ändert man diesen zu Gas, erhöht sich der Bedarf von 133kWh/m² auf 488kWh/m² (s. Abb. 23). Theoretisch entspräche dies in den Jahren 1800, 1935 und 2015 Gesamtbedarfen von 450%, 458% und 366% im Vergleich zum Energieträger Holz, bezogen auf die jeweils tatsächlich beheizte Fläche. Die Sanierung des Daches bewirkt jeweils 18% Einsparung.
Würde man die Wand im Erdgeschoss auch dämmen, würden sich weitere 13% einsparen lassen. Sowohl eine Innen- als auch Außendämmung sind nicht denkbar, da innen erhaltenswerte Fliesen angebracht sind und von außen sich das Gesamtbild des Gebäudes erheblich verändern würde.
Aufgrund der Lage der Insel Spiekeroog in der Nordsee treten häufiger starke Winde auf. Um die Windverhältnisse besser einzubeziehen, ist ein mögliches Szenario die Änderung des Westlichen Giebels in ein Krüppelwalmdach. Diese Sonderform des Walmdachs ist in windigen Regionen eine gute Wahl, da es windstabiler als ein Satteldach ist. (s. Abb. 23) Durch die verkürzten Dachflächen an den Giebelseiten ist die Windangriffsfläche geringer. Allerdings hat die Änderung der Dachform ebenfalls einen starken Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild.
Bei beiden Verbesserungsmöglichkeiten steht die Energieeffizienz dem Denkmalschutz gegenüber. Aufgrund der großen Bedeutung des Gebäudes für den Ort ist der Erhalt des Erscheinungsbildes und damit die Berücksichtigung des Denkmalschutzes essenziell.

Abb. 23: Vergleich Windanalyse; Primärenergiebedarf verschiedener Sanierungsmöglichkeiten, eigene Abbildung
Das Alte Inselhaus liegt sehr zentral im Ort, nur wenige Gebäude von der Alten Inselkirche im Osten und dem Rathaus im Nordwesten entfernt – ausgehend vom Standort des Alten Inselhauses (siehe Abb. 24).

Abb. 24: Lage des Alten Inselhauses - Quelle: Ausgabe aus QGis, Daten: OSM, ALKIS Gebäude geändert aus OpenGeodata des LGLN)
Da es im Zentrum liegt, ist zwar eine offene, aber dichte Bebauung vorhanden. Neben dem Gebäude im Westen, der Inselapotheke, und im Osten, einem Wohnhaus, ist das Alte Inselhaus südlich hinterbaut mit einem Wohnhaus, weshalb der Garten sehr klein ist. Das Alte Inselhaus befindet sich, wie in Abbildung 29 zu erkennen, gemeinsam mit seiner Hinterbauung auf einem Flurstück, weshalb die Flurstücks- bzw. Grundstücksfläche von 473 m² wenig aussagekräftig ist. Die Grundfläche des Gebäudes beträgt 128 m².

Abb. 25: Benachbarte Grundstücke des Alten Inselhauses (rot) mit Darstellung der Flurstücksgrenzen (gelb) und einem Luftbild - Quelle: Ausgabe aus QGis, Daten: ALKIS Flurstücke, ALKIS Gebäude geändert, DOP aus OpenGeodata des LGLN
In Abbildung 25 erkennt man außerdem, dass sich das Grundstück durch viel Grün auszeichnet. Es gibt einen gepflasterten Fußweg zum Hintereingang des Gebäudes (siehe Abb. 26) und dort befindet sich zudem eine kleine Terrasse. Das Grundstück ist gekennzeichnet durch einen hohen Anteil von Bäumen und Büschen. Besonders erwähnenswert sind die großen, alten Laubbäume im Westen, die sich an der Grenze zur Inselapotheke befinden und viel Schatten spenden (siehe Abb. 26). Da es sich ausschließlich um Laubbäume handelt, ist das Grundstück im Winter deutlich sonniger.

In Abbildung 27 sieht man, dass die Umgebung des Alten Inselhauses früher weniger grün war. Rückwärtig befand sich ein großer Laubbaum und ansonsten war die Umgebung gekennzeichnet von Rasenflächen rund um das Gebäude. Zudem ist im Vergleich zu heute auffällig, dass es keine klare optische Trennung zwischen Grundstück und Straße gab, beispielsweise durch einen Zaun wie beim Alten Inselhaus heute. Des Weiteren wurde weniger Wert auf eine ansprechende Gestaltung des Gartens gelegt. Früher war das Alte Inselhaus allein von Gras und dem Baum umgeben; heute gibt es einen Fußweg, bewusst gepflanzte Büsche und Bäume und eine Terrasse.

Abb. 27: Altes Inselhaus früher - Quelle: Altes Inselmuseum
Es gibt auf dem Grundstück keine Dünen oder andere nennenswerten Auffälligkeiten zur Topografie. Das Gelände auf dem Grundstück ist eben. Das Ortszentrum einer Insel liegt typischerweise etwas höher als andere Teile der Insel, damit es nicht so schnell überflutet wird. Dazu passt die Höhe des Gebäudes, die 3,98 m über Normalhöhennull (NHN) beträgt.
Information Aufbau: Das Alte Inselhaus auf Spiekeroog von Johannes Meyer-Deepen (kein Datum). Von Fensterbau Ratgeber: https://www.fensterbau-ratgeber.de/fenster/fenster-technik/ fensterrahmen/ abgerufen
Verband Fenster + Fassade. (kein Datum). Von https://www.baltic-fenster.de/fileadmin/baltic/media/Haendlerinfos/VFF_Merkblatt_ES_01_Energische_Kennwerte_von_Fenstern__Tu__ren_und_Fassaden. pdf abgerufen
Abb. 1: Ansicht Ost- Quelle:Sipan Omar
Abb. 2: Ansicht Nord- Quelle:Sipan Omar
Abb. 3: Ansicht Süd- Quelle: Insel Museum
Abb. 4: Ansicht West- Quelle: Insel Museum
Abb. 5: Innenansicht mit Fachwerkwand
Abb. 6: Dachanschluss mit Mauerwerk
Abb. 7: Aufbau Außenwände (ubakus)
Abb. 8: Aufbau oberste Geschossdecke (ubakus)
Abb. 9: Aufbau Dach (ubakus)
Abb. 10: Jährliche Sonneneinstrahlung. Abbildung aus Grasshopper Ladybug
Abb. 11: Windanalyse. Abbildung aus Grasshopper Ladybug
Abb. 12: Klimaschnitt. Eigene Darstellung
Abb. 13: Ansicht Nord | Straßenseite – heute. Kai Nilson
Abb. 14: Ansicht Ost – heute. Kai Nilson
Abb. 15: Ansicht Süd | Gartenseite – heute. Kai Nilson
Abb. 16: Ansicht West- heute. Kai Nilson
Abb. 17: Grundriss Erdgeschoss – heute. Kai Nilson
Abb. 18: Querschnitt – heute. Kai Nilson
Abb. 19: Grundrisse 1935 und 1800 mit angenommenen Temperaturen. Eigene Darstellung, Referenz: Meyer-Deepen, J. (1976) Das Alte Inselhaus auf Spiekeroog. S. 32
Abb. 20: Anteil des beheizten Gebäudevolumens. Eigene Darstellung
Abb. 21: Energieausweis. Abbildung aus Hottgenroth (eigene Eingabe)
Abb. 22: Monatsbilanzierung und Vergleich Primärenergiebedarf. Abbildung aus Hottgenroth
Abb. 23: Vergleich Windanalyse; Primärenergiebedarf verschiedener Sanierungsmöglichkeiten. Eigene Abbildung
Abb. 24: Lage des Alten Inselhauses - Quelle: Ausgabe aus QGis, Daten: OSM, ALKIS Gebäude geändert aus OpenGeodata des LGLN)
Abb. 25: Benachbarte Grundstücke des Alten Inselhauses (rot) mit Darstellung der Flurstücksgrenzen (gelb) und einem Luftbild - Quelle: Ausgabe aus QGis, Daten: ALKIS Flurstücke, ALKIS Gebäude
geändert, DOP aus OpenGeodata des LGLN
Abb. 26: Altes Inselhaus heute - Quelle: Florian Eisenreich
Abb. 27: Altes Inselhaus früher - Quelle: Altes Inselmuseum. Von https://inselmuseum-spiekeroog.de/ bildergalerie. Abgerufen am 30.06.2025
RANDDATEN
- Ursprüngliches Kapitänshaus aus dem 18. Jahrhundert, seit erbauen in Familienbesitz und heutige Pension „Haus Seelust“, Süderloog 21 auf 26474 Spiekeroog.
- Baujahr 1763; Zwei Vollgeschosse und ausgebautes Dachgeschoss; Aufgrund seiner geschichtlichen, sowie inseltypischen und straßenbildprägenden schau und Zeugniswerts historisch bedeutsam (denkmalgeschützt seit 2008); Eigentümerin: Fr. Andrea Wiethorn; Pensionsnutzung; ca. 245m²; Grundstücksfläche: 1349m2; (First-) Ausrichtung Ost-West; Eingangstür Richtung Süden
- Was ist inseltypisch am Gebäude? Weißer Kalkaußenputz, Ausrichtung in Windrichtung, Sprossenfenster, Schwimmdach, äußeres Erscheinungsbild (grün/weiß), Ziegelfundament, Verwendung von Muschelkalk

Im Herzen der ostfriesischen Insel Spiekeroog, eingebettet in die traditionsreiche Straße Süderloog, steht das weiß gekalkte Haus mit grün gestrichenen Fensterläden und rotem Ziegeldach – ein Bild, das so charakteristisch ist, dass es kaum einen Zweifel an seinem Standort lässt. Es handelt sich um das Haus Seelust, eine heute als Pension genutzte historische Immobilie, die nicht nur durch ihre äußere Erscheinung besticht, sondern auch durch eine eindrucksvolle Bau- und Nutzungsgeschichte, die tief in die Vergangenheit der Insel zurückreicht. Errichtet im Jahre 1763, wurde das Gebäude ursprünglich als Kapitänshaus erbaut. Die Seefahrt war im 18. Jahrhundert der wichtigste Wirtschaftsfaktor für die Insel Spiekeroog, weshalb sich bei vielen der alten Gebäude auf Spiekeroog, eine Verbindung zur Seefahrt finden lässt.
Mit dem Aufkommen des Fremdenverkehrs auf Spiekeroog zu Beginn des 20. Jahrhunderts wandelte sich auch die Nutzung und damit die äußere Gestalt des Hauses. Aus dem ehemaligen Kapitänshaus wurde nach und nach ein Gästehaus, und schließlich eine Pension. Seit seinem Bau befindet sich das Haus im Besitz der Familie Wiethorn. Heute wird es von Andrea Wiethorn geführt, die mit viel Hingabe und Verständnis für die Bedeutung des Hauses den Betrieb der Pension aufrechterhält. Dass das Haus auch über vier Generationen hinweg im Familienbesitz blieb, ist auf der Insel keine Selbstverständlichkeit – doch im Fall der Wiethorns zeugt es von tief verwurzelter Heimatverbundenheit.
Wer mehr über die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner erfahren möchte, kann im Spiekerooger Inselmuseum fündig werden: Dort hängt ein Stammbaum, der die Familienverbindungen über Generationen hinweg nachvollziehbar macht. Die Linie der Wiethorns lässt sich dabei über viele Jahrzehnte bis Jahrhunderte hinweg zurückverfolgen. Betritt man das Gebäude heute durch eine Tür in der Veranda, die mittlerweile geschlossen und als Bewirtungsbereich ausgebaut ist, gelangt man über eine Schwelle in das Erdgeschoss. Die Einrichtung vermittelt das maritime Erbe der Insel und des Hauses. Besonders auffällig sind die Delfter Fliesen, die im Kaminraum als Wandverzierung dienen und die Hohlbalkendecke, die für ein gemütliches Raumgefühl sorgt und kunstvoll durch den Maler Heinrich Sanders verziert, der auch für seine Arbeiten im Rathaus von Spiekeroog bekannt ist. Im Jahr 2008 wurde Haus Seelust aufgrund seiner baugeschichtlichen, kulturellen und ortsbildprägenden Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt. Es gilt heute als exemplarisches Zeugnis inseltypischer Bauweise und Entwicklungsgeschichte. Besonders historisch wertvoll ist, dass es sich um eines der wenigen erhaltenen Gebäude handelt, das trotz Modernisierungen seine ursprüngliche Substanz weitgehend bewahren konnte.
Die Insellage bringt mit sich, dass Witterungsschutz eine zentrale Rolle im Erhalt des Gebäudes spielt. Neben dem weißen Muschelkalkputz, der regelmäßig erneuert werden muss, sind besonders die Fensterläden und Ortgangbretter Witterungseinflüssen und der salzigen Seeluft ausgesetzt. Diese wurden unter anderem deshalb im typisch grünem Farbton gestrichen. Ein Detail, das sowohl dem Erscheinungsbild als auch dem Schutz dient. Ein weiteres Detail zeugt von der klugen Nutzung natürlicher Ressourcen: Die Verfugung erfolgte mit Muschelkalk, der auf der Insel einfach herzustellen war und ein beliebtes Mittel zur Abdichtung darstellte.
Die Konstruktion des Hauses entspricht in vielerlei Hinsicht dem, was als „inseltypisch“ gilt. Die einfache aber solide Bauweise mit den vorhandenen Mitteln und die durchdachte Ausrichtung nach der vorherrschenden Windrichtung deuten darauf hin, dass man sich schon damals der rauen Nordseebedingungen und deren Einfluss auf Häuser bewusst war. Wie viele Häuser auf der Insel wurde auch Haus Seelust entlang einer Ost-West-Achse errichtet, wobei sich der Eingang zur geschützten Südseite hin öffnet, um Schutz vor den Nordwestwinden zu gewährleisten. Die Außenwände bestehen aus 24 cm starken Ziegelmauern, die innen und außen verputzt wurden. In der Innenwandkonstruktion finden sich zwischen den tragenden Holzständern mit Balkenschloss und Gabellagerung, sowie Füllungen aus Lehm und Ziegel, die sowohl statische als auch dämmende Funktionen erfüllten.
Das Fundament ist, typisch für ältere Insulanerbauten, aus Ziegeln gefertigt, wobei manche Indizien darauf hinweisen, dass ursprünglich ein Torffundament vorhanden gewesen sein könnte, wie es in besonders feuchten Regionen häufig der Fall war. Die Dachkonstruktion des ursprünglichen Hauses bestand aus einem sogenannten Schwimmdach – ein einfacher, nicht isolierter Dachaufbau mit Ziegel- oder Reetdeckung und Holzdielen. Für zusätzliche Winddichtigkeit wurde Stroh zwischen den Dachpfetten eingearbeitet.
Die Raumhöhen im Erdgeschoss variieren zwischen 2,36 m an der hohen Seite und 2,24 m an der niedrigeren Seite des Hauses, ein Ausdruck der früher üblichen Bauweise, bei der die Symmetrie der Dachform Vorrang vor gleichmäßigen Raumhöhen hatte.
Das Obergeschoss dient heute als gewerblicher Wohnbereich und ist vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Demzufolge musste der ursprüngliche Dachaufbau durch ein Krüppelmansardendach ersetzt werden, das zusätzliche Nutzfläche im Dachgeschoss ermöglicht. Damit einher ging auch ein grundlegender Umbau der Dachstruktur, die bis jetzt ohne Dämmung auskommt – ein Relikt vergangener Bauweise, das heute aus energetischer Sicht kritisch, aus denkmalpflegerischer Perspektive jedoch möglich ist (geplante Dachsanierung Q4/25).
Ein prägender Eingriff war die Umnutzung der ursprünglich offenen Veranda zu einem geschlossenen Gastraum. Durch den Einbau eines Estrichs mit Teppichbelag, einer Gipskartondecke mit Latexarmierung sowie sichtbaren Heizkörpern entstand ein bewirtungstauglicher Raum, der den Anforderungen der 1970er-Jahre entsprach, ohne die historische Bausubstanz wesentlich zu beeinträchtigen.
Etwa zur gleichen Zeit wurde das Gebäude um einen Wintergarten an der Westseite sowie um eine rückwärtige Erweiterung zur Kapazitätserhöhung ergänzt.
Haus Seelust ist ein Beispiel für ein lebendiges Baudenkmal, das die Geschichte Spiekeroogs, der Seefahrt, des Tourismus sowie der Familie Wiethorn über mehrere Jahrhunderte hinweg widerspiegelt.
Die baulichen Veränderungen dokumentieren den Wandel der Nutzungsanforderungen und stehen zugleich im Einklang mit dem ortstypischen architektonischen Kontext. Dass ein Gebäude dieser Art über fast 350 Jahre hinweg erhalten geblieben ist, weiterhin genutzt wird und dabei Zeugnis seiner Geschichte ablegt, stellt eine besondere Ausnahme dar.



Abb. 03: Ansicht West

Abb. 04: Bauplan ,,Umbauarbeiten‘‚, 1969




BESONDERHEITEN DER KONSTRUKTION
-Kalt-Muschel-Mörtel im Dachbereich für Winddichtigkeit
-Ziegelfundament, Die Grund steine des Hauses stehen auf Ziegelsteine (ca 40cm Tief)
-Schwimmdach
FIRST- UND TRAUFHÖHE :
-13,4m / 10,6m
UMBAUTEN/SANIERUNGEN AM GEBÄUDE
-Neugestaltung der Veranda in den 1960er Jahren
-Seiten Anbau 1969
-Bevorstehende Dachsanierung 2026

Abb. 09: Aufbau Außenwände

Abb. 10: Aufbau Dach

Abb. 11: Aufbau oberste Geschossdecke

Abb. 12: Aufbau Fundament
Auf der Insel Spiekeroog ist vorwiegend der Westwind die vorherrschende Windrichtung. Aufgrund der vorhandenen Nachbarbebauung auf der Westseite sowie dichter Baumbestände befindet sich das betrachtete Gebäude jedoch im sogenannten Windschatten (vgl. Abb. 14). Der Windstrom wird größtenteils um das Gebäude herumgeleitet, sodass nur geringe Luftmengen abgeschwächt auf die Fassade treffen. Infolgedessen ist eine effektive Querlüftung lediglich eingeschränkt möglich.
Auf der Südseite wird das Gebäude derzeit durch zwei größere Bäume signifikant verschattet (vgl. Abb. 15). Trotz dieser Verschattung weist der Wintergarten hohe solare Wärmegewinne auf, was insbesondere in den Sommermonaten zu einer potenziellen Überhitzung führen kann. Dieser Effekt wird durch die eingeschränkte Querlüftung zusätzlich begünstigt. Ursprünglich befand sich mittig vor dem Gebäude ein dritter Baum, der jedoch entfernt wurde. Dieser Baum hatte zuvor sowohl den Wintergarten als auch die Südfassade im Bereich des ersten Obergeschosses weitgehend verschattet (vgl. Abb. 16).

Abb. 14: Klimadaten




Abb. 17: Sonnenverlauf

Abb. 18: Ansicht Ost





& unbeheizt mit Gradzahlen und Farbskalierung

- Gebäudetyp: Wohngebäude
- Rahmenanteil Fenster: 23%
- Fensteranteil: 39%
- Sonnenschutz: Bäume & Dachüberstand
- vVerschattung: nicht vorhanden
Den größten Wärmeverlust weist das Gebäude derzeit über das ungedämmte Mansarddach auf. Eine energetische Sanierung dieser Dachfläche ist bereits geplant und soll in den kommenden Jahren umgesetzt werden. Besonders die Räume im Obergeschoss sind von den Wärmeverlusten betroffen.
Aufgrund des nicht mehr vorhandenen Baumbestands auf der Südseite kommt es zu einer verstärkten solaren Einstrahlung, wodurch sich der Wintergarten auch in den Wintermonaten erwärmen kann. Im Sommer kann dieser Effekt jedoch zu einer Überhitzung führen und sich somit nachteilig auf das Raumklima auswirken.
Aktuell verfügt das Gebäude über keine funktionalen Verschattungselemente. Die vorhandenen Fensterläden im Obergeschoss sind rein dekorativ und fest mit der Fassade verschraubt. Der Wintergarten besitzt lediglich einen geringen Dachüberstand, der im Sommer einen begrenzten Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung bietet.


Abb. 26: Energieausweis nach Sanierung + Zoom-In Endenergiebedarf


27: Verbesserungspotentiale + Zoom-In Endenergiebedarf
Aufgrund des hohen Anteils des Mansarddachs an der gesamten Gebäudehüllfläche kann bereits eine gezielte energetische Verbesserung dieses Bauteils zu einer deutlichen Reduktion des Gesamtenergiebedarfs führen. Durch die energetische Optimierung der Dachfläche konnte der Endenergiebedarf des Gebäudes von 277,1 kWh/(m²·a) auf 153,5 kWh/(m²·a) gesenkt werden. Darüber hinaus wirkt sich die verbesserte Dämmung auch positiv auf das sommerliche Raumklima aus, da sie den Wärmeeintrag in den Innenraum reduziert.
Der Sommerliche Wärmeschutz wurde gestärkt und das Risiko auf Überhitzung deutlich gesenkt. Die derzeit Dekorativen Läden können durch nutzbare ausgetauscht werden, um das auf der Südseite gelegene Zimmer im Sommer besser zu schützen. Infolgedessen steigt der Nutzerkomfort für das ganze Jahr. Der Denkmalschutz ist auch gewährleistet, da die Eingriffe – je nach Ausführung - von außen kaum bis gar n icht erkennbar sind.

Das Gebäude „Haus Seelust“ befindet sich in der Straße Süderloog 21 und wurde im Jahr 1763 erbaut. Es steht unter Denkmalschutz und liegt windgeschützt im Ortskern. Zwar liegen keine konkreten Klimadaten vor, jedoch ist von einem inseltypischen Klima auszugehen. „Haus Seelust“ wird als Mischobjekt genutzt und ist in Ost-West-Richtung ausgerichtet, wobei sich die Eingangsseite auf der Südseite befindet. Die Baukonstruktion umfasst Materialien wie Ziegelmauerwerk, Holz, Dachziegel, weißen Außenputz und Dachpappe. Charakteristisch ist das Schwimmdach in Kombination mit einem Pfettendach in Mansarddachform. Die Auslucht weist sprossenlose Fenster auf.
Das Tragwerk besteht aus einem Krüppelmansarddach mit einfacher, nicht gedämmter Dachkonstruktion. Weitere prägende Merkmale sind Kreuzsprossenfenster mit Holzrahmen, gemörtelte Ziegel mit Muschelkalkanteil sowie ein 24 cm starkes Mauerwerk, ergänzt durch jeweils 1 cm starken Innen- und Außenputz. Das Fundament ist aus Ziegeln errichtet und etwa 40 cm tief gegründet. Die Holzdecken sind mit einer Sandfüllung beschwert, darüber liegen Holzdielen und Teppichboden.
Das Gebäude steht 3,8 bis 3,9 Meter über NHN, besitzt eine Traufhöhe von 10,6 Metern und eine Firsthöhe von 13,4 Metern. In den 1960er-Jahren wurde eine Veranda ergänzt, im Jahr 1969 erfolgte ein weiterer Anbau. Eine Dachsanierung ist für das Jahr 2026 geplant. „Haus Seelust“ befindet sich in privatem Besitz und wird derzeit gewerblich als Pension genutzt. Aufgrund seiner historischen Bedeutung und architektonischen Ausprägung gilt es als inseltypisches Beispiel traditioneller Bauweise.
Sonnenschutz ist lediglich am späteren Anbau vorhanden; das Hauptgebäude verfügt über dekorative Fensterläden. Zwei große Bäume flankieren den Eingang, wobei ursprünglich ein dritter Baum mittig vor dem Haus stand. Das Gebäude umfasst zwei Vollgeschosse sowie ein ausgebautes Dachgeschoss. Die Hauptnutzfläche beträgt etwa 245 m², einschließlich der Nebengebäude ergibt sich eine Gesamtfläche von rund 568 m². Die Grundstücksfläche beläuft sich auf 1.349 m². Die Energieversorgung erfolgt über eine Gastherme.
Im aktuellen Dokument sind keine Quellen vorhanden.
Die Exkursion hat gezeigt, dass das Inselleben einige Schwierigkeiten mit sich bringt, die Besuchern im ersten Augenblick vielleicht gar nicht bewusst sind. Neben den Einschränkungen in Warenlieferungen und Transport birgt das Leben der Insulaner große saisonale Veränderungen. Während in den Sommermonaten ein reger Tourismusbetrieb herrscht, Ferienunterkünfte ausgebucht sind und die Infrastruktur auf Hochtouren läuft, kehrt im Winter eine spürbare Ruhe ein. Die zuvor belebte Insel wirkt dann beinahe verlassen, mit wenigen verbleibenden Bewohner. So war es auch schon damals, als die Insel durch Badegäste mehr und mehr zum Urlaubsort wurde. Um diesen touristischen Anforderungen gerecht zu werden zogen die Menschen teilweise in die Ställe und vermieteten ihren Wohnraum im Sommer an die Gäste.
Doch insbesondere das Bauwesen wird durch die Insellage erheblich beeinflusst. Während auf dem Festland Baumaterialien schnell und unkompliziert in einem Baumarkt beschafft werden können, fehlen auf Spiekeroog sowohl Baumärkte als auch die Möglichkeit, Baumaterialien mit dem Auto einfach zu transportieren. Baumaßnahmen sind zudem größtenteils auf die Wintermonate beschränkt. Dies bedeutet, dass Neubauten oder Sanierungen in dieser Periode abgeschlossen werden müssen, ungeachtet potenzieller Verzögerungen durch Witterungseinflüsse wie Wind und Sturm oder andere unvorhergesehene Umstände. In Verbindung mit den erheblichen logistischen Einschränkungen bei der Materiallieferung und dem Fachkräftemangel stellt dies nicht nur eine große Herausforderung dar, sondern ist auch mit erheblichen Kosten verbunden. (Quelle: persönliche Kommunikation mit Kai Nilson) Diesen Herausforderungen kombiniert mit extremen Wetterverhältnissen und der begrenzten Verfügbarkeit von Ressourcen mussten sich bereits frühere Generationen stellen, noch bevor eine stabile Anbindung an das Festland existierte. Dennoch wurden pragmatische Lösungen entwickelt, indem die verfügbaren Materialien an die klimatischen Bedingungen, die geografischen Gegebenheiten und die spezifischen Lebensumstände angepasst wurden. Um dieses historische Erbe und die damit verbundenen Überlieferungen der Insel zu bewahren, wurden typische Bauwerke unter Denkmalschutz gestellt. An diesen Gebäuden lassen sich noch heute die cleveren Anpassungsstrategien der damaligen Bewohner erkennen.

Ein herausragendes Beispiel dieser denkmalgeschützten Bauwerke ist das Haus „Uns to Huus“. Dieses 1842 errichtete Logierhaus im Süderloog 25 stellt ein bemerkenswertes Zeugnis insularer Baukunst dar und steht seit 2008 unter Denkmalschutz. Es verkörpert exemplarisch den architektonischen und gesellschaftlichen Wandel der Insel im 19. Jahrhundert. Ursprünglich als Schifferwohnhaus konzipiert, spiegelt es in seiner Bauweise die praktischen Anforderungen des rauen Küstenklimas wider. (Vgl. Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, kein Datum)
Die Geschichte des Hauses ist eng mit der touristischen Entwicklung Spiekeroogs verknüpft. Mit der Etablierung regelmäßiger Schiffsverbindungen zum Festland ab 1846 wandelte sich die Bedeutung des Gebäudes, denn dort begannen die Insulanerfamilien, zum Nebenerwerb Sommergäste zu beherbergen (Quelle: „Erzähl doch mal“ Ausstellung im Lesepavillion Spiekeroog). Im späten 19. Jahrhundert wurde es durch eine Veranda in südliche Richtung erweitert (Vgl. BPW Stadtplanung 2024).
Die jüngere Geschichte des Hauses ist von behutsamer Modernisierung geprägt. Eine grundlegende Sanierung erfolgte von Januar bis Juni 2016, wobei besonders die durchfeuchteten Wände erneuert sowie umfangreiche Putz- und Estricharbeiten durchgeführt wurden (Vgl. Bauunternehmen Heinrich Hockmann 2016). 2018 folgte ein weiterer Umbau durch Kai Nilson, welcher drei moderne Ferienwohnungen schuf, ohne den historischen Charakter des Hauses zu beeinträchtigen. Diese wurden jeweils übereinander, also im Stil eines Reihenhauses errichten, damit die verschiedenen Parteien sich aufgrund einer fehlenden Trittschaldämmung im Boden des Obergeschosses nicht stören (Quelle: Planunterlagen Umbau Kai Nielson).
Die Veranda des „Uns to Huus“ reiht sich ein in eine bemerkenswerte baukulturelle Tradition Spiekeroogs. Diese Bauform entwickelte sich mit dem aufkommenden Fremdenverkehr Mitte des 19. Jahrhunderts aus einfachen „Sünntelten“ (Sonnenzelte). Diese bestanden zunächst nur aus mit Segeltüchern überdeckten Vorbauten an den Pensions- und Gästehäusern, um den Raumbedarf zu decken. Die ursprünglich einfachen Konstruktionen wurden später durch Brüstungsmauerwerk und sprossenverglaste Fensterbänder ergänzt und dienten als zusätzlicher Aufenthaltsraum für Gäste. Seit den 1980er-Jahren wird diese traditionelle Bauweise durch das Dorferneuerungsprogramm des Landes Niedersachsen aktiv gefördert und ist auf der Insel etwa 120mal zu entdecken. (Vgl. BPW Stadtplanung 2024)
Früher waren die Veranden Spiekeroogs, so auch beim „Uns to Huus“, stets nach Süden ausgerichtet. Es ist anzunehmen, dass das vor allem daran lag, dass in der Zeit des aufkommenden Tourismus die Veranden als Frühstücksräume dienten und Helligkeit und Sonnenschein dabei entscheidende Faktoren waren. Die Südseite bietet dafür die meisten Sonnenstunden und konnte so als warmer und geschützter Aufenthaltsort genutzt werden.
Heute sind die Veranden Spiekeroogs nicht mehr ausschließlich nach Süden ausgerichtet. Mit der Verdichtung der Bebauung und stabileren Baukonstruktion sind die Vorbauten oft weiterhin in Richtung Straße ausgerichtet, aber auch in alle möglichen Richtungen je nach Lage, Grundstückszuschnitt und den städtebaulichen Vorgaben angebaut.

Abb. 01: Ansicht Ost Eingang Veranda

02: Ansicht Nordost

03: Ansicht Süd Veranda

KONSTRUKTION
Das denkmalgeschützte Gebäude mit etwa 92 m2 Grundfläche liegt am Rand des 988 m2 großen Grundstücks. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein weiterer, größerer Trakt angebaut, um mehr Raum für die Unterbringung von Feriengästen zu schaffen.
Der neue Teil des Gebäudes wurde dabei an die Höhenlage des vorhandenen Hauses angepasst. Dieses steht leicht erhöht, sodass der Fußboden im Erdgeschoss etwa 30 cm über dem Straßenniveau liegt. Da der Deich zur Zeit der Errichtung nur ein kniehoher Wall war, bevor man 1974 den größeren Deich errichtete, wurde die Insel bei Sturmfluten häufiger überspült. Dabei diente die erhöhte Lage der Gebäude einerseits als Schutz vor der Flut und sorgte andererseits dafür, dass das Wasser schneller wieder ablaufen konnte. Heutzutage sind die Erdanhäufungen oft mit niedrigen Mauern gesichert. Diese sind von Stufen durchbrochen, über die man auf die Terrassen kommt. (Quelle: Gespräch mit Kai Nilson)
Die beiden Terrassen werden durch einen kleinen Vorbau an der östlichen Längsseite des Gebäudes getrennt. In ihm befand sich zum Zeitpunkt der Sanierung im Jahr 2018 noch ein Teil des Stalls, in den sich die Hausbesitzer im Sommer zurückzogen. Im Norden gibt es einen weiteren kleinen Anbau von 1970, der in seiner Bauweise der Veranda ähnelt und als Windfang für den Eingang einer der drei Ferienwohnungen dient.
GRÜNDUNG
Die Gründung des Gebäudes bildeten ursprünglich Torfplatten, die direkt auf dem sandigen Untergrund auflagen. Da die Platten bei Überschwemmungen durch Sturmfluten immer wieder feucht wurden, verrotteten sie mit der Zeit. Somit wurden im Zuge der Sanierungen neue Bodenplatten eingebaut. Aufgrund der geringen Raumhöhe von nur etwa 2,10 m erhielten beide Geschosse einen geringen Fußbodenaufbau von ca. 14 cm mit einem Belag aus Eichendielen beziehungsweise Fliesen (siehe Abb. 10; Abb. 11). Damit war es jedoch nicht möglich, ausreichend Trittschalldämmung in die alte Holzbalkendecke einzubauen, sodass die Schritte von oben in der unteren Wohnung zu hören gewesen wären. Anstatt zwei übereinanderliegende Einheiten zu erstellen, wurde deshalb bei der Sanierung im Jahr 2018 der historische Teil der Pension in drei nebeneinanderliegende Ferienwohnungen eingeteilt, sogenannte Maisonetten (frz. für „kleine Häuser“). Durch die dritte Wohnung hat dies außerdem den Vorteil, dass mehr Urlaubsgäste untergebracht werden können. (Quelle: persönliche Kommunikation mit Kai Nilson; Bautechnische Zeichnungen)
Die Außenwände bestehen aus historischem Mauerwerk, das je nach Wand zwischen 14 und 24 cm dick ist. Während diese Wände heutzutage aus mehreren Schichten und großformatigen Steinen bestehen, nutzte man früher vor allem Ziegel, um einfache Mauern zu errichten. Auf den Inseln wurde für den Mörtel oft Muschelkalk verwendet, der durch das Strandgut natürlich vor Ort vorhanden ist. Sichtbar ist diese Bauweise an einigen Innenwänden sowie dem nördlichen Giebel, die den historischen Charakter unterstreichen. Bei modernen Sanierungen besteht die Herausforderung, dass die Außenschale eines Bauwerks die aktuellen Energiestandards erfüllen muss. Dafür wird meist die tragende Wandschicht auf der Außenseite gedämmt und davor eine Fassadenverkleidung für den Wetterschutz und die Optik gebaut. Um den Wärmedurchgang der vorhandenen Wände zu verringern, wurde bei diesem Gebäude eine 5 cm dicke Dämmung auf der Innenseite angebracht, sodass die Gestaltung der Fassade beibehalten werden konnte (siehe Abb. 12 bis 15). (Quelle: Bautechnische Zeichnungen zur Sanierung, 2018)
Das Gebäude fügt sich harmonisch in das Gesamtbild des Inseldorfes ein, denn die Fassade ist von den für Spiekeroog typischen Weiß- und Grüntönen geprägt. Der helle Anstrich des teilweise verputzten Mauerwerks hat zudem den Vorteil, dass Sonnenlicht reflektiert wird und sich das Gebäude im Sommer weniger aufheizt. Die grüne Farbe der Holzverschalungen am Südgiebel und am Anbau im Norden findet sich an den Bohlen am Dachüberstand und an den Holzrahmen der Fenster wieder.
An der Küste wurden wegen des Windes meist sogenannte „Sturmfenster“ in die Häuser eingebaut. Diese werden nach außen geöffnet, was den Vorteil hat, dass sie sich bei starkem Wind von selbst schließen. Bei „Uns to Huus“ fällt auf, dass moderne Fenster mit Aufschlag nach innen verbaut wurden. Für einen helleren Dachraum wurden bei der Sanierung zudem Dachflächenfenster eingebaut, die ebenfalls ungewöhnlich für ein historisches Inselhaus sind. Die Fenster der Veranda sind den ursprünglichen nachempfunden und besitzen im oberen Teil ein Lichtband. Im Vergleich zu traditionellen Veranden wie der von Haus Seelust im Süderloog 21 ist dieses Lichtband jedoch nicht farbig und dient damit nicht als Sonnenschutz. Stattdessen wurde das gleiche Glas verwendet wie für den Hauptteil der Fenster. Hieran ist die Modernität der Sanierungsmaßnahmen erkennbar, da vor allem aus gestalterischen Gründen auf Plissées zurückgegriffen wurde, mit denen das gesamte Fenster verdunkelt werden kann.
Das Dach wurde als giebelständiges Satteldach mit einer Neigung von 45°errichtet und stützt sich unter anderem auf Holzständer im Giebel. Dafür wurden früher oft Balken von verunglückten Schiffen genutzt. Die einzelnen Bauteile konnten am Strand aufgesammelt und für den Bau von Häusern weiterverwendet werden. Solche alten Holzbalken sind im Dachgeschoss des Gebäudes sichtbar. Eingedeckt ist das Dach mit inseltypischen rot-braunen Ziegeln. Der Strandhafer, der zum Schutz vor der Witterung meist unter die Dachziegel gesteckt wurde, ist hier nicht mehr vorhanden, da das Dach neu gedeckt wurde. Bei der Sanierung erfolgte außerdem der Rückbau des Schornsteins und damit des Kamins, sodass das Gebäude nun vollständig mit Heizkörpern erwärmt wird. Um wenig Windangriffsfläche zu bieten, ist der Dachüberstand sehr kurz ausgeführt und die Gebäudehöhe mit etwa 5 m insgesamt geringgehalten. Daraus resultieren auch die zuvor beschriebenen niedrigen Raumhöhen. An der östlichen Gebäudeseite war aufgrund der entsprechend niedrigen Traufhöhe von etwa 2 m für den Einbau der Eingangstür ein Einschnitt in das Dach erforderlich (siehe Abb. 09).
BESONDERHEITEN
Besonders am historischen Teil der Pension „Uns to Huus“ ist die Ausrichtung zu den Himmelsrichtungen. Der Dachfirst ist von Norden nach Süden ausgerichtet und nicht von Westen nach Osten. Letztere Ausführungsvariante ist auf der Insel eigentlich üblich und begründet sich darin, dass der Wind, der zumeist aus Westen kommt, an den Dachflächen entlang über das Gebäude hinwegstreichen kann. Im Fall von „Uns to Huus“ war man jedoch städtebaulich dazu gezwungen, die Gebäudeausrichtung an den Grundstückszuschnitt an der Straßenecke anzupassen.
Die Eingangstüren befinden sich heutzutage alle im Osten und sind damit von der Wetterseite abgewandt. Auf den bautechnischen Zeichnungen des Gebäudebestands vor dem Umbau 2018 ist allerdings zu erkennen, dass die Fenster früher gleichmäßig auf allen Seiten verteilt waren und die Türen sich auf der Westseite des Hauses befanden. Dieser Umstand könnte darin begründet sein, dass das Gebäude mehrmals umgebaut wurde und zwischenzeitlich die Öffnungen anders angeordnet waren, bevor man sich bei der Sanierung am ursprünglichen Zustand orientierte. Das Dach ist am Giebel im Norden abgewalmt. Dieser sogenannte „Krüppelwalm“ besteht aus zusätzlichen unverschieblichen Dreiecken zwischen First, Traufe und Sparren, wodurch das Dach deutlich stabiler ist als ein herkömmliches Satteldach. Aufgrund der daraus resultierenden geringeren Windanfälligkeit als beim geraden Giebel wurde der „Niedersachsengiebel“ im Norden Deutschlands häufig genutzt. Die erweiterte Dachfläche trägt außerdem dazu bei, dass Niederschläge besser abfließen können. Dadurch werden Wasseransammlungen und Undichtigkeiten unwahrscheinlicher und das Dach ist insgesamt weniger anfällig für Wetterschäden. Im Vergleich zum Walmdach hat der Krüppelwalm zudem den Vorteil, dass kaum Wohnraum im Dachgeschoss verloren geht. Die Konstruktion wurde vermutlich erst nachträglich zum Dach hinzugefügt, da sie wesentlich aufwändiger ist als das einfachere Sparrendach in Satteldachform. Es wurde nur der Nordgiebel abgewalmt, weil sich in diesem Teil des Gebäudes ursprünglich der Stall befand, für den diese Konstruktion typisch war, da sie Stabilität bei gleichzeitigem Platz im Dachraum bot. Zu erkennen ist dies noch am bodentiefen Fenster im oberen Geschoss, das an eine Scheunenluke erinnert.
Der Giebel im Süden, der zum Wohnteil des Hauses gehörte, ist dagegen gerade und konnte so mit der Verschalung im inseltypischen Grün gestaltet werden. (Vgl. VELUX, kein Datum)
Mittlerweile ist es bei einem Gang über die Insel gar nicht mal so leicht zu entscheiden, welche Häuser Denkmäler sind und welche nicht. Deshalb ist es umso wichtiger, diese Gebäude und deren Besonderheiten für die Bewohner und Besucher hervorzuheben. Dafür könnte ein digitaler Rundgang erstellt werden. Mithilfe von Augmented Reality (AR) können digitale Informationen auf die reale Welt gelegt werden. Vor dem Haus wird dafür ein QR-Code angebracht werden, der Informationen zum Denkmal zeigt und die Möglichkeit bietet, sich über die Kamera des Handys eine Visualisierung des damaligen Bauzustands anzuschauen. Noch beeindruckender wäre diese Methode im Inneren des Hauses. Wenn Feriengäste sehen könnten wie es früher im Haus aussah, würde das einen deutlichen Anreiz für die Buchung einer dieser Ferienwohnungen bieten. Außerdem könnte der Tag des offenen Denkmals auf Spiekeroog genutzt werden, um allen Besuchern den Eintritt zu gewähren.

09: Aufbau Dach (ubakus)

10: Aufbau Decke (ubakus)

Abb. 11: Aufbau Boden (ubakus)

Abb. 12: Aufbau Außenwand (ubakus)

Abb. 13: Aufbau Wand Giebel Süden (ubakus)

Abb. 14: Aufbau Wand Giebel Norden (ubakus)

Abb. 15: Aufbau Wand Eingang FeWo 3 (ubakus)
Die Pension “Uns to Huus” befindet sich im Süderloog 25 auf der Nordseeinsel Spiekeroog und ist durch ein typisch maritimes Inselklima geprägt. Die Temperaturen bewegen sich im Sommer zwischen 18 und 23°C. Im Winter fallen die Temperatur und bewegen sich zwischen 10 und -5°C. Das Klima ist insgesamt eher als mild zu beschreiben, gleichzeitig ist es jedoch konstant windig. Die Hauptwindrichtung ist von Westen /Südwesten. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig hoch und liegt meist über 75%. In Kombination mit dem hohen Salzgehalt der Luft ergibt sich eine potenziell korrosive Belastung für Fassaden, Fenster und technische Anlagen. Die Sonneneinstrahlung ist im Sommer moderat, aber oft wechselhaft. Im Tagesverlauf treten regelmäßig stärkere Winde und typische Seebrisen auf, die das thermische Verhalten des Gebäudes deutlich beeinflussen. Die Windgeschwindigkeit ist im Jahresverlauf relativ konstant hoch. / Daraus resultieren Anpassungen in der Bauweise der Häuser auf der Insel.

Abb. 14: Windrichtung Jan – Dez (links); Windrichtung Mai – Okt (rechts) – eigene Abbildung

Abb. 15: Windgeschwindigkeit Jahresverlauf – eigene Abbildung

Abb. 16: Jahrestemperaturverlauf – eigene Abbildung

Abb. 17: Ansicht Nord – eigene Abbildung

Abb. 18: Ansicht Ost – eigene Abbildung

Abb. 19: Ansicht Süd – eigene Abbildung

Abb. 20: Ansicht West – eigene Abbildung

Abb. 21: Grundriss EG – eigene Abbildung

Abb. 22: Grundriss DG – eigene Abbildung
KENNDATEN DES GEBÄUDES FÜR GGF. WEITERE BILANZIERUNGEN
Das Gebäude ist als Wohngebäude klassifiziert und wurde im Zuge der Sanierung von einer Wohneinheit (WE) zu drei getrennt nutzbaren Ferienwohnungen umgebaut mit einer Wohnfläche von 53 m2, 33 m2 und 44 m2. Jede Wohnung erhielt eine eigene interne Treppe ins Dachgeschoss (DG) sowie eine neue, separate Erschließung über die windgeschützte Ostseite - fern vom Haupteingang des Nachbargebäudes. Zusätzlich wurde auf der Ostseite eine Terrasse angelegt, die durch ihre Lage besonders geschützte Aufenthaltsqualität bietet.
Zur Belichtung und Belüftung wurden Fenster und Türen ausgetauscht, insbesondere auf der Ostseite. Diese begünstigt nicht nur eine gute Tageslichtnutzung, sondern liegt auch windabgewandt und ist weniger von Schlagregen betroffen. In den nördlichen und südlichen Wohnungen ist durch gegenüberliegende Fenster eine effektive Querlüftung möglich - in der mittleren WE jedoch nur eingeschränkt z.B. durch das zusätzlich eingesetzte Dachfenster im DG. Im DG entstanden je WE ein neuer Schlafbereich. Die neuen Dachflächenfenster sorgen für ausreichende Belichtung und ermöglichen Nachtlüftung in allen WEs. Auf eine Ostorientierung der Dachfenster wurde verzichtet. Auf diese Weise wird eine morgendliche Aufheizung des DG vermieden, was aufgrund des flachen Einstrahlwinkels zu erwarten wäre. Die passive Nachtauskühlung bleibt dennoch gewährleistet.
Die bestehenden Fensterformate sind im Allgemeinen klein und klassisch, was den Fensteranteil niedrig hält, was einerseits die Tageslichtausbeute begrenzt, aber gleichzeitig die Wärmeverluste reduziert. Eine Ausnahme bildet das Erdgeschoss auf der Südseite. Aufgrund des erhöhten Fensteranteils, ist diese sehr gut belichtet und bietet daher einerseits Potenzial für solare Gewinne, andererseits besteht Optimierungsbedarf im Bereich Verschattung und Sonnenschutz. Die Außenwände erhielten an den windexponierten Giebelseiten eine neue hinterlüftete Verschalung aus Lärchenholz. Diese Holzart gilt besonders widerstandsfähig gegenüber Feuchtigkeit und Wind und ist somit optimal für das Inselklima geeignet. Die Innendämmung wurde mit Kalziumsilikatplatten ausgeführt, da diese platzsparend sind und sich für den Bestand gut eignen. Auch die Bodenaufbauten wurden energetisch verbessert. Zusätzlich gab es Anpassungen am Tragwerk, wie zusätzliche Stahlträger, die Wanddurchbrüche ermöglichen, wodurch die Grundrisse wiederum neu aufgeteilt und die Wohnfläche effizienter genutzt werden kann. So können die Wohneinheiten unabhängig voneinander genutzt werden. Eine höhere Auslastung bei gleichzeitigen kürzeren Leerständen der jeweiligen Wohneinheit ist dadurch potenziell möglich.

Abb. 25: Vergleich Wohnfläche Bestand und Sanierung – eigene Abbildung
Die effiziente Flächennutzung spiegelt sich im Verhältnis Wohnfläche pro Gast wieder.

Abb. 26: Verhältnis Wohnfläche pro Gast – eigene Abbildung
Nach der Sanierung ergibt sich ein wirtschaftlich effizienteres Verhältnis von Wohnfläche pro Gast. Das hat zur Folge, dass mehr Gäste auf weniger Fläche untergebracht werden können.
Ein weiterer Beweis für die erfolgreiche Sanierung ist die benötigte Heizleistung pro Wohneinheit. Berechnet man überschlägig die Heizlast für die Ferienwohnung II mit 33,15 m2 so ergibt sich bei der Annahme des U-Werts von 140 W/m2 eine Heizlast von 5 kW/h nach der Sanierung. Im Bestand hingegen haben wir eine Heizlast von 22kW/h. Grund hierfür ist die Größe der Wohnung. Im Fall einer nicht Vollvermietung, sinkt so die benötigte Heizleistung deutlich, um ein behagliches Klima innerhalb der jeweiligen (kleineren) Wohneinheit herzustellen. Vor dem Hintergrund, der anhand der Klimaanalyse festgestellten generell eher milden Temperaturen auf der Insel ist anzunehmen, dass die Bewohner des Öfteren auf die Heizung zurückgreifen werden und somit auch in den Sommermonaten geheizt wird. Da ist es sinnvoll, wenn nur eine kleinere Fläche bzw. Volumen beheizt werden muss.

Abb. 27: Vergleich benötigte Heizleistung pro WE in kWH – eigene Abbildung


Abb. 28: Energieversorgung / Bilanzierung - eigene Abbildung
VERBESSERUNGSPOTENTIALE
Im Vordergrund der Sanierung stand die Optimierung der Auslastungspotentiale der Ferienwohnung. Die hergestellte Flächeneffizienz mit der Aufteilung in drei Wohneinheiten stellt eine optimale Ausnutzung dar. Ergänzt wird diese durch die baulichen Maßnahmen wie z.B. die innenliegende Dämmung aus Kalziumsilikatplatten die einen guten Wärmeschutz bietet und gleichzeitig die Wohnfläche nicht stark reduziert. Darüber hinaus zeigt die Sanierung eine konsequente Ausrichtung an funktionalen, klimatischen und nutzungsbezogenen Anforderungen. Durch die Neustrukturierung der Grundrisse, die gezielte Ost-West-Ausrichtung von Fensteröffnungen sowie die Verbesserung der Dämmung wurden wesentliche Grundlagen für ein nutzerfreundliches, energieeffizientes Gebäude geschaffen.
Eine weitere Optimierung der Flächeneffizienz ist aufgrund der optimalen Ausnutzung nur bedingt möglich. Funktionale Möblierung wie z.B. Schlafsofas oder eine Durchgangstür zu der anliegenden Wohnung, um eine noch höhere Nutzungsflexibilität anbieten zu können. Ergänzend dazu könnten einzelne passive Strategien das Gebäude weiterhin gezielt optimieren. So ließe sich beispielsweise durch einen außenliegenden Sonnenschutz an der Südseite der sommerliche Wärmeeintrag weiter reduzieren. Auch weitere gezielte Begrünungen bzw. Bepflanzungen könnten als natürliche Wind- und Wärmepufferung dienen und das Mikroklima rund um das Haus weiter verbessern. Ergänzend dazu könnte durch bewusst gewählte Materialien im Innenraum, wie z.B. Möbel oder Bodenbeläge mit hoher thermischer Masse das ausgeglichene Raumklima zusätzlich unterstützen. In Kombination mit den bereits vorhandenen Dachflächenfenstern mit Lüftungsfunktion ergibt sich so ein ganzheitlich passives Gebäudekonzept, das die energetischen, funktionalen und denkmalpflegerischen Anforderungen optimal verbindet.
Das Gebäude „Haus Uns To Huus“ befindet sich in Süderloog 25 und wurde im Jahr 1842 erbaut. Es steht unter Denkmalschutz aufgrund seiner historischen und städtebaulichen Bedeutung. Das Haus liegt im Ort, windgeschützt, und ist ein Wohngebäude, das in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet ist, wobei sich die Eingangsseite im Osten befindet.
„Haus Uns To Huus“ ist aus Ziegeln, Holzbalken und Dachziegeln gebaut, mit angebautem Stall. Es liegt etwa 35 cm über Straßenniveau. Ursprünglich hatten Fenster und Türen eine gleichmäßige Verteilung; der vermörtelte First schützt das Dach. Maisonetten bieten hier eine elegante Lösung gegen Trittschall. Außenputz, dazu Holzbalkendecken, die durch neue Holzstützen mit Einzelfundamenten gestützt werden. Es verfügt über ein Kehlbalkendach und ein Satteldach mit Krüppelwalm auf der Rückseite sowie Holzstützen im Giebel des Dachgeschosses. Es verfügt über ein Vollgeschoss und ein Dachgeschoss. Die Grundfläche beträgt etwa 110 Quadratmeter, während die gesamte Grundstücksfläche 988 Quadratmeter umfasst. Die Energieversorgung erfolgt über Gas.
Die Höhe beträgt 3,8 Meter über NHN, die Traufhöhe des Haupthauses und der Veranda liegt bei etwa 2,10 Metern, der Stall hat eine Traufhöhe von etwa 1,50 Metern, und die Firsthöhe beträgt 5,90 Meter. Die Veranda wurde Ende des 19. Jahrhunderts hinzugefügt, und in den Jahren 2016 & 2018 wurden Sanierungen durchgeführt. Das Haus ist in Privatbesitz und wird für gewerbliche Zwecke genutzt, insbesondere für Ferienwohnungen, die früher Teil eines Logierhauses waren.
Ein WEB-GIS (Web-basiertes Geographisches Informationssystem) ist ein Informationssystem zur Erfassung, Verwaltung, Analyse und Darstellung räumlicher Daten, das über das Internet zugänglich ist. Es verbindet die Funktionalitäten eines klassischen GIS mit den Vorteilen der Plattformunabhängigkeit, einfache Verfügbarkeit und Benutzerfreundlichkeit. In diesem stellen wir das „Haus Uns To Huus“ und selektierte Attribute dar.







Abb. 32: Screenshot WebGIS


Bauunternehmen Heinrich Hockmann, 2016. „Uns to Huus“, Spiekeroog. [Online]
Available at: https://www.hockmann-bau.de/project/uns-to-huus-spiekeroog/ [Zugriff am 25 06 2025].
BPW Stadtplanung, 2024. Zusammenstellung der Bestandsanalyse - Dorfentwicklung Spiekeroog, s.l.: s.n.
Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, kein Datum Denkmalatlas Niedersachsen. [Online]
Available at: https://denkmalatlas.niedersachsen.de/viewer/metadata/34616331/2/-/ [Zugriff am 20 06 2025].
VELUX, kein Datum Das Krüppelwalmdach - Konstruktion mit kombinierter Eleganz. [Online]
Available at: https://www.velux.de/magazin/dachform-krueppelwalm [Zugriff am 20 06 2025].
VELUX, kein Datum Das Satteldach: Konstruktion, Vorteile und Kosten im Überblick. [Online]
Available at: https://www.velux.de/magazin/dachformen-satteldach [Zugriff am 20 06 2025].
Das Wohnhaus ,,Kettelhack‘‘ befindet sich auf der Ostfriesischen Insel Spiekeroog, welches 1954 in der Straße Ostend, Haus Nr.4 errichtet wurde. Das Haus ,,Kettelhack‘‘ wird seit der Errichtung als zweiter Wohnsitz bzw. als Rückzugsort der Familie genutzt. Auf dem Grundstück mit einer Größe von 1.311m² befindet sich das Anwesen, bestehend aus dem Hauptgebäude und einem Anbau, welcher im Jahre 1984 errichtet worden ist. Das Hauptgebäude bietet über das Erdgeschoss und Dachgeschoss eine Wohnfläche von 71,2m². Der Anbau weist eine Grundfläche von 31m² auf. Beide Gebäude wurden zu deren Zeit nach Baulichen Standards und Möglichkeiten errichtet. Das Hauptgebäude verfügt über ein Dünnes, zweischaliges Mauerwerk, welches eine dicke von 30cm aufweist. Die Innensowie Außenschale besteht aus Torfbrandziegeln, welches ein robustes, salzresistentes Material ist, welches in dem Zeitalter häufig auf Spiekeroog zum Einsatz kam. Der Anbau ist aus konstruktiver Sicht deutlich fortschrittlicher und verfügt ebenfalls über ein zweischaliges Mauerwerk, jedoch mit Materialien und Maßen, die teilweise noch den Heutigen Standards entsprechen. Die Firstrichtung verläuft entlang der Ost-West-Achse, welches ein typisches Merkmal vieler Nordseehäusern ist, laut Herr Nilson.
Mit 1,5-Geschossen, einer Firsthöhe von 5,75 m und einer Traufhöhe von 2,95 m fügt sich das Haus dem Inselbild traditionell und Nordseetypisch ein. Die Firsthöhe des nachträglich sorgsam abgestimmten Anbaus beträgt 4,30 m und hat ebenfalls eine Traufhöhe von 2,95 m. Die Gebäude stehen auf der Liste der besonders erhaltenswerten Bauten, aufgrund der architektonischen und historischen Bedeutung, ist jedoch nicht offiziell denkmalgeschützt. Das Gebäude befindet sich seit der Errichtung im Besitz der Familie Kettelhack und wurde seitdem als Rückzugort genutzt. Aufgrund der unveränderten Nutzung fanden am Haus Kettelhack kaum Bauliche Maßnahmen statt. Um den Enkelkindern ausreichend Platz zu bieten hat die Familie beschlossen 1984 die Grundfläche des Hauses von 71,2m² mit 31m² zu erweitern. Um das Anwesen zu erhalten und zu modernisieren, sind weitere Umbau- und Renovierungsarbeiten für 2025 geplant, um den historischen Charakter zu bewahren und den Komfort zu erhöhen, nach Angaben von Herr Nilson.

Das Haus zeigt Anpassungen an die Küstenlage Spiekeroogs. Die Verwendung von Strandhafer unter der Dachdeckung beider Gebäude gewährleistet Winddichtigkeit, eine Technik, die auf Nordseeinseln verbreitet ist. Die Massivbauweise der Gebäude und die zweischalige Konstruktion bieten Schutz vor dem rauen Küstenklima. Die Umgebung mit niedrigen Dünen und Nadelbäumen unterstützt die Einbindung in die Landschaft und bietet Windschutz sowie natürliche Verschattung. Die Erbauer des Hauses verfolgten bewusst das Ziel, ein regionaltypisches Haus zu errichten, das sich stilistisch und gestalterisch an der traditionellen Baukultur der Nordseeinseln orientiert. (Baumensch.de, 2024)








DARSTELLUNG DER VORHANDENEN
Die Außenwände des Hauptgebäudes bestehen aus einem zweischaligen Mauerwerk mit ruhender Luftschicht. Der Wandaufbau gliedert sich von innen nach außen in einen 15 mm starken Kalkgipsputz, eine tragende Innenschale aus 115 mm starken Torfbrandziegeln, die traditionell in einem RingbrennOfen gebrannt worden sind. Durch diese altmodische Brennweise weisen die Ziegel recht hohe Differenzen in den Maßen auf. Darauf folgt eine 55 mm breite Luftschicht und eine 115 mm starke Vormauerschale ebenfalls aus Torfbrandziegeln. Diese Konstruktion ist typisch für die 1950erJahre und gewährleistet eine klare funktionale Trennung von Tragstruktur, Witterungsschutz und Dämmung. Die Luftschicht sorgt für den Feuchtetransport und ermöglicht das Austrocknen von eingedrungener Feuchtigkeit (siehe Abb. 09). (Quelle: Gespräch mit Herr Nilson, 2025; ubakus.de, kein Datum; baunetzwissen.de, kein Datum)
Auch der Anbau, der in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre errichtet wurde, weist einen zweischaligen Wandaufbau auf, unterscheidet sich jedoch in Aufbau und Materialwahl deutlich vom Hauptgebäude. Die Außenwand besteht hier von innen nach außen aus einem 10 mm starken Kalkzementputz, einer 175 mm starken tragenden Innenschale aus Kalksandstein, einer 75 mm breiten Luftschicht sowie einer 115 mm starken Vormauerschale aus Vollziegeln, welche sich in Genauigkeit und Eigenschaften zum Torfbrandziegel unterscheiden. Diese Ausführung ist deutlich massiver als die des Hauptgebäudes und bietet durch die breite Luftschicht eine besonders gute Feuchteresistenz und Wärmedämmung – beides wichtige Anforderungen an Bauten im nordseeklimatischen Kontext von Spiekeroog (siehe Abb. 10). (Quelle: Gespräch mit Herr Nilson, 2025; ubakus.de, kein Datum)
Die oberste Geschossdecke besteht aus einer Holzbalkendecke mit Dielen, wie sie für Wohnhäuser der 1950er-Jahre typisch ist. Der Deckenaufbau ist in Abb. 11 dargestellt. Der Aufbau besteht von unten nach oben aus einer 16 mm starken Holzspanplatte (kunstharzgebunden), darüber folgt eine 40 mm starke Dämmschicht aus Glaswolle. Darauf liegt eine ca. 140 mm hohe Hinterlüftungsebene zwischen den Holzbalken. Den oberen Abschluss bildet erneut eine 16 mm starke Holzspanplatte (kunstharzgebunden). Die gesamte Konstruktionshöhe beträgt 212 mm. Diese Kombination aus einfacher, bewährter Bauweise und funktionaler Dämmung entspricht den konstruktiven Standards der Zeit und bietet eine ausreichende Wärmedämmung sowie eine gute Hinterlüftung für den Feuchteschutz. (Quelle: Gespräch mit Herr Nilson, 2025; Zelger 2018; baunetzwissen.de, kein Datum)
Das Dach des Hauptgebäudes ist als Krüppelwalmdach mit Schleppdach auf der Nordseite und einer Schleppgaube an der Südseite ausgeführt. Der Dachaufbau ist in Abb. 12 dargestellt. Es ist mit Tondachziegeln und einer Deckschicht aus Strandhafer versehen, was der Winddichtigkeit dient. Der Dachaufbau besteht von innen nach außen zunächst aus einer 12,5 mm starken Gipskartonplatte. Darauf folgt eine ruhende Luftschicht von 24 mm, die zwischen einer 24×48 mm Traglatte liegt. Darüber ist eine PE-Folie (0,1 mm) als Dampfbremse verlegt. Der Gefachbereich ist mit 100 mm Mineralwolle zwischen den Sparren (140×100 mm²) gedämmt; diese Dämmung wurde im Jahr 1984 nachträglich eingebracht, um die energetische Leistung des Dachaufbaus zu verbessern. Auf den Sparren befindet sich eine 40 mm starke Hinterlüftungsebene, die der Feuchteregulierung dient und Kondensatbildung verhindert. Den äußeren Abschluss bilden Dachziegel auf einer 103 mm hohen Lattung. Die Gesamthöhe des Dachaufbaus beträgt etwa 280 mm. Diese Konstruktion vereint traditionelle Formgebung mit funktionalen Anforderungen an Wärme- und Witterungsschutz und entspricht damit der regionaltypischen Dachgestaltung auf den Nordseeinseln. Der Anbau hat ein Krüppelwalmdach mit maschinellen Ziegeln. Die Fenster im Haupt- und Nebengebäude sind aus Holz mit zweifacher Verglasung und Sprossendesign versehen. (siehe Abb.08). Das Fundament des Gebäudes besteht aus einer Sohlplatte in Kombination mit einem Streifenfundament (siehe Abb. 13) (Quelle: Gespräch mit Herr Nilson, 2025)
Die Strandhafer-Dachdeckung des Hauptgebäudes und des Anbaus erhöht die Winddichtigkeit und unterstreicht den historischen und Inseltypischen Charakter. Auf Dachüberstände hat man bewusst verzichtet, um Angriffsflächen von starkem Wind und Stürmen zu mi nimieren.
Die Bauweise der Gebäude wurde zeitgemäß fortschrittlich durchgeführt. Beide Gebäude verfügen über ein Streifenfundament, welches zur frostfreien Gründung sowie gleichmäßigen Lastabtragung dient, gefolgt von einer Bodenplatte aus Stahlbeton, welche als technologisch fortschrittlich für ein Ferienhaus der 50er Jahre gilt. Das Hauptgebäude verfügt zusätzlich über einen kleinen Keller, welcher ursprünglich für die Heizung genutzt worden ist.
Eine weitere Besonderheit des Gebäudes ist, dass das Grundstück in seiner Topografie beinahe unberührt geblieben ist. Es wurde lediglich ein Planum für die Gebäude erstellt, da zum einen die Möglichkeiten zum Planieren auf der Insel begrenzt waren und zum zweiten die Dünen und Bäume vor Witterungseinflüssen schützen.
FIRST- UND TRAUFHÖHE
Die Firsthöhe des Hauptgebäudes beträgt 5,75 Meter, die des Anbaus 4,30 Meter. Die Traufhöhe beider Gebäudeteile liegt bei 2,94 Meter. Die Nordseite des Hauptgebäudes hat eine deutlich tiefere Traufhöhe, die dazu dient die Windbelastung bzw. Angriffsflächen zu reduzieren. (Quelle: baunetzwissen.de, kein Datum)
UMBAUTEN/SANIERUNGEN AM GEBÄUDE
Es sind laut Angaben von Herr Nielson Umbauarbeiten Ende 2025 geplant. Diese umfassen Abbrucharbeiten und neue Bauteile, wie in den Grundrissen und Ansichten dargestellt, um den historischen Charakter zu bewahren und den Wohnkomfort zu erhöhen.

Abb. 09: Aufbau Außenwände Hauptgebäude (ubakus)

Abb. 10: Aufbau Außenwände Nebengebäude (ubakus)

11: Aufbau oberste Geschossdecke (ubakus)

Abb. 12: Aufbau Dach (ubakus)

Abb. 13: Aufbau Fundament (eigene Zeichnung)
Spiekeroog ist geprägt von einem rauen Nordseeklima mit häufigen West- und Nordwestwinden, hoher Luftfeuchtigkeit und vergleichsweise milden Sommertemperaturen (vgl. Abb. 14). Sommerliche Überhitzung tritt nur selten auf, während Windbelastung und Heizwärmebedarf die wesentlichen klimatischen Herausforderungen darstellen. Haus Kettelhack reagiert darauf mit einer geschützten Lage am östlichen Ortsrand und einer dichten, inseltypischen Vegetation aus Kiefern und Strauchbewuchs, die das Gebäude ganzjährig vor Wind schützt. Das Grundstück liegt durch umgebende Dünen leicht vertieft und ist damit zusätzlich vor Starkwind und Stürmen geschützt. Ein kleiner Deich im Süden übernahm früher die Funktion des Überflutungsschutzes, bis 1974 der heutige Hauptdeich errichtet wurde. Die vielfältige Begrünung wirkt zugleich als natürlicher Sonnenschutz und verstärkt den Windschutz (vgl. Abb. 16). In einer ersten Voranalyse mit Autodesk Forma wurden die Auswirkungen der umgebenden Bebauung und Bepflanzung auf Windströmungen und Mikroklima untersucht (vgl. Abb. 15). Die Ergebnisse zeigen, dass die Vegetation einen deutlichen Schutz vor vorherrschenden Winden bietet und damit den thermischen Komfort auf dem Grundstück erhöht. Die kühlende Wirkung der Bäume im Sommer ist zwar messbar, jedoch aufgrund der geringen Zahl heißer Tage auf Spiekeroog von untergeordneter Bedeutung. Der Windschutz ist somit der entscheidende Faktor zur Komfortsteigerung (vgl. Abb. 15).





Abb. 15: Wind- und Mikroklimaanalysen - Autodesk Forma

Abb. 16: Passive Strategien - Vectorworks
KOMFORT
Die Simulationen mit Grasshopper zeigen: Die Verschattung durch Bäume und Sträucher reduziert die solaren Einträge. Dadurch steigt der Heizwärmebedarf leicht an, während der Kühlbedarf geringfügig sinkt (vgl. Abb. 17). Aufgrund des gemäßigten Inselklimas sind beide Effekte nur schwach ausgeprägt, da sommerliche Überhitzung kaum relevant ist.
Gleichzeitig sorgt die Vegetation für windgeschützte Bereiche, die den Aufenthaltskomfort im Außenraum erhöhen. Insgesamt überwiegt der positive Einfluss auf den Komfort trotz der geringfügigen energetischen Einbußen.


Abb. 17: Simulationsergebnisse Endenergiebedarf - Grasshopper

Abb. 18: Ansicht Nord – Revit und Adobe Illustrator

Abb. 19: Ansicht Ost - Revit und Adobe Illustrator

Abb. 20: Ansicht Süd - Revit und Adobe Illustrator

Abb. 21: Ansicht West -Revit und Adobe Illustrator

Abb. 22: Grundrisse - Revit und Adobe Illustrator


Das Haus Kettelhack ist als Wohngebäude mit Zweitwohnsitznutzung konzipiert und gliedert sich in ein kleineres Nebengebäude und ein großzügig dimensioniertes Hauptgebäude. Die Fassaden sind differenziert gestaltet und folgen einer klaren Ausrichtung in Bezug auf Belichtung, Ausblick und energetische Effizienz.
Am kleineren Gebäudeteil dominiert die Nordfassade mit einem Fensterflächenanteil von 31,9 %. Ost- und Westseite sind mit jeweils 11,9 % zurückhaltend geöffnet, während die Südfassade mit 26,1 % Verglasung eine ausgewogene Balance zwischen Belichtung und sommerlichem Wärmeschutz bietet.
Das Hauptgebäude zeigt eine stärkere Orientierung zur Sonne: Der Fensteranteil an der Südfassade beträgt hier 37,9 % und prägt damit das Erscheinungsbild ebenso wie die Lichtführung im Inneren. Die Nordseite ist mit 14,1 %, die Ostseite mit 9,2 % und die Westseite mit nur 6,9 % deutlich geschlossener gehalten, was einer gezielten Steuerung des Tageslichts und des Energieeintrags entspricht. Die umliegenden Bäume wirken als landschaftlich integrierte Verschattungselemente, die gemeinsam mit funktionalen Fensterläden an der Fassade den sommerlichen Wärmeschutz gewährleisten. Diese Verbindung aus gezielter Fassadengliederung, natürlicher Verschattung und bewusster Materialwahl verleiht dem Haus Kettelhack eine architektonische Klarheit, die sowohl funktionalen als auch gestalterischen Ansprüchen gerecht wird.

Abb. 25: Bilanzierung Bestand (Grau) und Sanierungen (gelb) Hottgenroth

Abb. 26: Bilanzierung Sanierungen Hottgenroth
Der Jahresprimärenergiebedarf des Gebäudes liegt aktuell bei 385 kWh/m²·a (bei 150 Nutzungstagen im Jahr) – berechnet auf Basis der derzeit vorhandenen Bauteile und einer BrennwertkesselVersorgung.
Durch den Einsatz einer Luft-Wasser-Wärmepumpe (Variante 1) lässt sich dieser Wert um rund 35 % senken. Die Aufstellung auf Spiekeroog ist technisch möglich, sofern auf eine korrosionsgeschützte Ausführung und einen geschützten Aufstellort geachtet wird.
Zusätzlich wurden Sanierungsmaßnahmen betrachtet, die das äußere Erscheinungsbild nicht verändern:
• Verbesserte Dachdämmung (Variante 2): 58 % weniger Wärmeverluste über das Dach
• Bodendämmung (Variante 3): 42 % weniger Verluste über die Bodenplatte
• Fenstertausch (Variante 4): nur geringer Einfluss auf den Primärenergiebedarf
• Holzfaser-Einblasdämmung (Variante 5): Reduktion des Gesamtbedarfs um 72 % Durch die Kombination dieser Maßnahmen kann der Jahresprimärenergiebedarf auf 110 kWh/ m²·a gesenkt werden. Damit werden die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) für Bestandsgebäude (Grenzwert: 130 kWh/m²·a) sicher eingehalten.

Abb. 27: Variantenvergleiche der Primärenergiebedarfe pro m²· Hottgenroth
“Haus Kettelhack”, Ostend 4, hat kürzlich die Aufmerksamkeit der Kulturstiftung und der Gemeinde Spiekeroog auf sich gezogen. Obwohl das Gebäude nicht im offiziellen Denkmalkataster erfasst ist, birgt es dennoch eine bausubstanzielle Bedeutung, die es wert ist, erhalten zu werden.
Im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms kooperieren die Kulturstiftung und die Gemeinde Spiekeroog, um genau solche Gebäude zu identifizieren und zu fördern, insbesondere solche, die nicht auf der Liste des Landesamtes für Denkmalpflege stehen und trotzdem durch ihre historische und architektonische Bedeutung hervorstechen. Diese Kooperation legt den Fokus auf den Erhalt von Bauten mit wertvoller Bausubstanz, die nicht nur die Geschichte und Ästhetik der Region widerspiegeln, sondern auch ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes von Spiekeroog sind. Das momentan bestehende Verzeichnis der Baudenkmäler wird von der Denkmalpflegebehörde zurzeit nicht erweitert. Infolgedessen suchen die Gemeinde und die Kulturstiftung nach alternativen Wegen, um solche wichtigen Gebäude zu schützen und zu fördern. Die Möglichkeit für den Erhalt solcher Bauwerke bietet zugleich finanzielle Anreize. Immobilienbesitzer können, sofern ihr Gebäude als besonders erhaltenswerte Bausubstanz eingestuft wird, von s peziellen Förderungen profitieren.
Durch diese Maßnahmen wird nicht nur die Architektur bewahrt, sondern es eröffnet sich auch eine wirtschaftliche Perspektive für die Eigentümer, die Sanierungsmaßnahmen kostengünstiger macht. Solche Initiativen sind essenziell, um erhaltenswerte Häuser vor dem Abriss zu bewahren und das historische Erscheinungsbild von Orten wie Spiekeroog zu erhalten.
“Haus Kettelhack” ist ein Beispiel dafür, dass der Schutz wertvoller Bausubstanz nicht allein durch eine offizielle Denkmaleinstufung gegeben sein muss. Vielmehr zeigt es, wie wichtig lokale Initiativen und Kooperationen für den Erhalt von kulturellem Erbe sein. (Quelle: Spiekerooger Inselbote 2025, S. 13)
Das betreffende Gebäude liegt am östlichen Ortsrand des Dorfes in windgeschützter Lage. Durch die vielen Kiefern, die das Grundstück umschließen, ist es von der Straße und den Nachbarn geschützt.
Im Norden des Grundstücks befindet sich eine große Düne, wie sie früher inseltypisch war. Sie diente als Schutz vor dem Wasser, bevor der große Deich für die Insel gebaut wurde.
Zusätzlich liegen am östlichen und südlichen Grundstücksrand noch zwei kleinere Wälle. Generell ist das Gelände recht uneben. Die Häuser befinden sich auf einer Höhe von 2,94 m über NHN und sind somit tiefer gelegen als andere Gebäude auf der Insel (WEBGIS). (Quelle: LGLN OpenGeoData. Nl, 2025)
Baumensch.de. 16. August 2024. https://baumensch.de/gebaeude-baujahr-1950-bis-1960/ (Zugriff am 24. Mai 2025).
baunetzwissen.de. kein Datum. https://www.baunetzwissen.de/mauerwerk/fachwissen/wand/ zweischalige-aussenwaende-162704 (Zugriff am 29. Mai 2025).
baunetzwissen.de. kein Datum. https://www.baunetzwissen.de/beton/fachwissen/gruendung/ flachgruendungen-151052 (Zugriff am 1. Juni 2025).
LGLN OpenGeoData.NI 2025. https://ni-lgln-opengeodata.hub.arcgis.com/apps/lglnopengeodata::digitales-gel%C3%A4ndemodell-dgm1/about Nielson, Kai, Interview geführt von Henry Thewald Kader Aido. (10. Mai 2025). Spiekerooger Inselbote (2025): Blick in die Vergangenheit, Jg. 2025 Nr.2, S. 13 ubakus.de. kein Datum. https://www.ubakus.de/u-wert-rechner/index.php? (Zugriff am 25. Mai 2025).
Zelger, DI Thomas. Gebäude der 1950er und 1960er Jahre. Wien: Birkhäuser Verlag, 2017.
GRABAU, KRUTSCH, RODDAU, SCHAUER, WEYAND
RANDDATEN
Das Haus Stiege befindet sich auf der ostfriesischen Insel Spiekeroog im Ostend 5. Es wurde im Jahr 1957 als Wohnhaus errichtet und ist noch heute ein familiär genutztes Ferienhaus, das über die Jahre hinweg stetig modernisiert wurde, wobei der ursprüngliche Charakter erhalten blieb.
Das 1,5-geschossige Haus mit einer Grundfläche von 77 m2 steht auf einem rund 590 m2 großen Grundstück und ist nach Ost-West ausgerichtet. Mit einer Firsthöhe von 6,62 m und einer Traufhöhe von 2,83 m passt es sich in Maßstab und Ausrichtung dem inseltypischen Erscheinungsbild an.
Auch wenn das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, schafft vor allem die Fassade aus roten Torfbrandziegeln eine klare Verbindung zur inseltypischen Bauweise. Das robuste, salzresistente Material wurde traditionell auf den ostfriesischen Inseln verwendet und prägt bis heute das Ortsbild. Als Fugenmaterial wurde teilweise Muschelkalk verwendet. Dieser zeichnet sich im feuchten Küstenklima durch besondere Langlebigkeit aus.
Ein weiteres typisches Element sind die Sturmfenster, deren traditionelle Bauweise an mehreren Fenstern umgesetzt wurde (vgl. Abb. 08). Diese ermöglichen eine konstante Fensterlüftung bei starken Windböen, wie sie auf Spiekeroog regelmäßig auftreten.
Der erste Umbau erfolgte 1972. Hierbei wurde der Anbau an der Nordfassade errichtet, wodurch der Wohnraum im Erdgeschoss vergrößert wurde.
2016 erfolgte eine weitere Sanierung und Erweiterung, wodurch die vorher außenliegende Treppe ins Gebäudeinnere verlagert wurde (vgl. Abb. 06). Diese Baumaßnahme schafft eine Pufferzone zwischen Innen- und Außenbereich, was bei der späteren thermischen Betrachtung analysiert wird. Was das Haus Stiege besonders auszeichnet, ist die Verknüpfung historischer Bausubstanz mit modernen Elementen. So wurde im Jahr 2016 außerdem eine Art Wintergarten errichtet, der in seiner Form und Materialität an die inseltypischen Veranden angelehnt ist. Der Anbau dient als Witterungsschutz, schafft größeren Wohnraum und wurde als gedämmte Holzständer-Konstruktion mit vorgesetzten Torfbrandziegeln ausgeführt (vgl. Abb. 05).









KONSTRUKTION
Die Außenwände des Altbaus von 1957 bestehen aus einem zweischaligen Mauerwerk, dessen Aufbau sich aus 11,5 cm starkem Verblendmauerwerk aus Torfbrandziegeln, einer 6 cm Luftschicht, einem 8 cm starken Kalksandstein-Mauerwerk sowie einer 5 cm Calciumsilikat-Platte mit Kalkspachtelputz zusammensetzt (vgl. Abb. 09). Die Innendämmung wurde im Zuge einer energetischen Sanierung ergänzt. Durch ihre bauphysikalischen Eigenschaften eignet sie sich als feuchteregulierende Innenwanddämmung und kann so problemlos im Küstenklima umgesetzt werden. (persönliche Kommunikation mit Kai Nilson, 2025)
Im Jahr 2016 wurde die Veranda als Holzrahmenkonstruktion neu errichtet. Diese wurde außen mit 11,5 cm Torfbrandziegeln verblendet, gefolgt von einer 4 cm Luftschicht, einer 1,5 cm starken DWDPlatte, einer 20 cm gedämmten Holzrahmenkonstruktion, Dampfsperre, 1,8 cm OSB-Platte und einem 1,25 cm Gipskarton-Innenausbau. Diese Konstruktion verbindet klassische Optik mit moderner Bauweise und ist in Abbildung 10 grafisch dargestellt (persönliche Kommunikation mit Kai Nilson, 2025).
Das Dach wurde als Kehlbalkendach errichtet, das beim Dachgeschossausbau 2016 modernisiert und innenseitig geöffnet wurde. Die Konstruktion besteht aus Sparren und Kehlbalken, worauf eine Lattung und die klassische Tonziegeldeckung liegen. Ergänzt wurde eine Unterspannbahn, eine Zwischensparrendämmung, sowie ein Innenausbau mit Gipskartonplatten. Die Kehlbalken blieben erhalten und liegen nun frei im Raum. (vgl. Abb. 11 und 07)
Die Geschossdecke ist als klassische Holzbalkendecke ausgeführt, auf die ein Dielenboden aufgebracht ist. Diese Konstruktion blieb in großen Teilen erhalten, wurde jedoch im Zuge des Dachausbaus überarbeitet und mit einer mineralischen Dämmung ausgestattet (vgl. Abb. 07).
Das Fundament des ursprünglichen Hauses sowie der neuen Veranda-Erweiterung wurde als Streifenfundament mit Sohlplatte ausgebildet. Das Fundament ist 40 cm breit, mit einer darüber liegenden 12 cm starken Sohlplatte aus Stahlbeton. Die Gründung erfolgte direkt auf verdichtetem Sandboden. Auf eine PE-Folie, wie sie heute üblich ist, wurde verzichtet, da diese Technik im Baujahr 1957 noch nicht verbreitet war (vgl. Abb. 13) (eigene Annahme).
Zusammenfassend zeigt das Haus Stiege, wie ein historisches Gebäude unter Einhaltung bautechnischer Grundsätze substanziell modernisiert werden kann, ohne dabei den Bezug zur Umgebung und zur regionalen Baukultur zu verlieren. Die Verlagerung der Treppe nach innen, die Anfügung der Veranda, die Integration der Sturmfenster sowie der spätere Dachausbau machen dieses Gebäude zu einem wertvollen Beispiel insularer Wohnarchitektur mit modernem Anspruch.

09: Aufbau Außenwände Altbau (ubakus)

Abb. 10: Aufbau Außenwände Veranda Anbau (ubakus)

Abb. 11: Aufbau Dach (ubakus)

Abb. 12: Erste Geschossdecke (ubakus)

Abb. 13: Streifenfundament + Sohlplatte
Abb. 14: 2-fach-Verglasung Fenster: (eigene Skizze) 1-Fensterflügel; 2-Außenrahmen; 3Sprosse; 4-Zweifachverglasung; 5Fensterbank (KI-generiert)
Die Besonderheit der Lage ist an dem westlichen Abschnitt des Grundstücks zu erkennen. Hier befindet sich eine Düne, die bereits 1723 auf topografischen Karten erfasst wurde und damals als Deich zum Schutz der Häuser diente. Da sich die Insel durch den starken Wind ständig verändert und bewegt, liegt diese Düne inzwischen zentral auf der Insel und bietet dem Haus Stiege einen zusätzlichen natürlichen Schutz vor Witterungseinflüssen. Im Sommer sorgen die umliegenden Bäume für eine Verschattung der Fensterflächen.
Die Ausrichtung des Haupthauses in Ost-West-Richtung wurde bewusst gewählt, sodass der Wind nicht direkt auf die große Dachfläche und die Außenwände trifft, sondern entlang des Gebäudes geführt wird. Die inseltypische Ausrichtung wurde erst in der Erweiterung durchbrochen, betrifft jedoch nur den Anbau von 1972. Daher stellt dies kein Problem für den Windschutz des Gebäudes dar. Aufgrund der starken Windverhältnisse wurden zudem vereinzelt sogenannte Sturmfenster eingebaut, die am Rahmen festgestellt werden können und eine Lüftung auch bei schwierigen Verhältnissen ermöglichen (vgl. Abb. 08). Der Eingangsbereich befindet sich eher ungewöhnlich für die Region auf der Westseite, was durch eine verlängerte Wand möglich wird. Diese schützt die Terrasse und den Eingangsbereich vor Wind und Regen (vgl. Abb. 16 und 17).
Besonders auffällig und für die thermische Betrachtung signifikant ist die Lage der Fenster, da diese hauptsächlich nach Süden ausgerichtet sind, um das Gebäude auch im Winter durch die Sonneneinstrahlung natürlich zu erwärmen.

Abb. 15: Lageplan mit Infos zur Verschattung, Windrichtung, Sonnenverlauf (eigene Skizze)

Abb. 16: Windeintrag auf die Westfassade mit Windschutz durch die Veranda (eigene Skizze)

Abb. 17: Windeintrag auf das Gebäude mit Berücksichtigung der Umgebung (Foma)

Abb. 18: Ansicht Nord (eigene Skizze auf Grundlage von Plänen von Kai Nilson)

Abb. 19: Ansicht Ost (eigene Skizze auf Grundlage von Plänen von Kai Nilson)

Abb. 20: Ansicht Süd (eigene Skizze auf Grundlage von Plänen von Kai Nilson

Abb. 21: Ansicht West (eigene Skizze auf Grundlage von Plänen von Kai Nilson)

22: Grundriss EG (eigene Skizze auf Grundlage von Plänen von Kai Nilson)

Abb. 23: Grundriss OG (eigene Skizze auf Grundlage von Plänen von Kai Nilson)

Abb. 24: Skizze beheizt/unbeheizt mit Gradzahlen und Farbskalierung (eigene Skizze auf Grundlage von Plänen von Kai Nilson)

Abb. 25: Skizze beheizt/unbeheizt mit Gradzahlen und Farbskalierung (eigene Skizze auf Grundlage von Plänen von Kai Nilson)
KENNDATEN DES GEBÄUDES FÜR WEITERE BILANZIERUNGEN
Bei dem Haus Stiege handelt es sich um ein ganzjährig familiär genutztes Ferien-Wohngebäude. Ursprünglich gab es nur den Hauptteil mit einem Schlafzimmer, einer Küche und einem Wohnbereich. Das Dachgeschoss konnte mit einer außenliegenden Leiter erreicht werden. Die Wohnfläche umfasste damals 51,63 m². Die erste Erweiterung fand 1972 statt, in der der Anbau in Nord-Süd-Richtung entstanden ist. In diesen Teil zog damals die Küche, während der Wohnraum im Hauptgebäude vergrößert werden konnte. Die Wohnfläche ist mit dem nördlichen Anbau um knapp 12 m² auf 63,55 m² erweitert worden. 2016 fand der zweite Umbau statt (vgl. Abb. 26). (persönliche Kommunikation mit Kai Nilson)
Zusätzlich zur Wohnflächenerweiterung wurde 2016 eine Innendämmung an die Außenwände im Erdgeschoss angebracht. Auch das Dach des Haupthauses wurde energetisch saniert. Die Maßnahmen senken den Heizenergiebedarf des Gebäudes deutlich. (eigene energetische Simulation) Außerdem spielen die Fenster eine große Rolle. Insgesamt lässt sich der Fensteranteil auf ca. 20 % errechnen. Wobei die Sprossenfenster einen Rahmenanteil von mind. 40 % aufweisen. Da der Rahmen energetisch schlechter zu bewerten ist als die Verglasung, stellen die Fenster einen relevanten Einflussfaktor auf die energetische Gesamtbilanz des Gebäudes dar. (eigene U-Wert Berechnung in Hottgenroth Energieberater) Wie auf der gesamten Insel ist auch dieses Wohngebäude mit einer Gasheizung ausgestattet. In der Sanierung 2016 wurde hier ein Brennwertkessel eingebaut und die Verteilung der Heizung erneuert. (persönliche Kommunikation mit Kai Nilson) Neben dem Heizenergiebedarf ist auch der sommerliche Wärmeschutz von großer Bedeutung. Aufgrund des hohen Fensteranteils könnten sich die Räume im Sommer stark aufheizen. Gleichzeitig erschwert der starke Wind auf der Insel den Einsatz außenliegender Verschattungselemente wie Rollläden oder Fensterläden. Als natürliche Verschattung wirken die umliegenden Pflanzen an der Südfassade. Auch baulich wurde der Aspekt des sommerlichen Wärmeschutzes berücksichtigt. Eine auskragende Geschossdecke über der Terrasse dient als feste Verschattung für die Fenster im Erdgeschoss (vgl. Abb. 20).

Abb. 26: Darstellung der Umbauabschnitte (eigene Zeichnung auf Grundlage von Plänen und Gesprächen mit Kai Nilson)

Abb. 27: Bilanzierung Bestand (Hottgenroth Energieberater)

Abb. 28: Energieversorgung Bestand (Hottgenroth Energieberater)
VERBESSERUNGSPOTENTIALE
Betrachtet wird hierfür zunächst der nachträglich angebaute Treppenraum. Dieser gilt als Pufferzone, da er im Sommer eindringende Hitze aufnimmt und eine Temperaturweitergabe an die anschließenden Zimmer vermindert und im Winter entgegengesetzt die Wärme länger in den angrenzenden Räumen hält. Hier besteht die Chance durch ein zusätzliches Fenster im Dach des Treppenhauses eine ergänzende Lüftungsmaßnahme zu generieren und den Komfort weiter zu verbessern. (eigene energetische Simulation)
Im aktuellen Zustand (vgl. Abb. 29) kommt die Wärme über die Verglasung im Erdgeschoss in den Raum, die dann aufsteigt und zu einer Hitzeansammlung im Dachgeschoss führt.
Bei einer möglichen Nachrüstung um ein Dachfenster (vgl. Abb. 30) könnte die warme, aufsteigende Luft nach oben hinweg entweichen, wodurch eine sogenannte Kaminlüftung entstehen würde.
Hierdurch könnten die Temperaturen im Sommer im gesamten Haus um durchschnittlich 1 °C gesenkt werden. (eigene energetische Simulation)
Mit dieser passiven Strategie könnte folglich der Effekt der Pufferzone und damit der gesamte thermische Komfort im Haus, besonders in den Sommermonaten, erhöht werden.
Zusätzlich sind zum winterlichen Wärmeschutz Sanierungsempfehlungen entwickelt worden. Dabei wird die Innendämmung auch an den Giebelwänden im Obergeschoss umgesetzt und die Fenster durch eine Dreifachverglasung verbessert. Im Hauptgebäude wird ebenfalls eine Dämmung der Bodenplatte geplant, wodurch eine Flächenheizung umgesetzt werden könnte. Diese ermöglicht ein gleichmäßigeres Temperieren der Räume.
Um außerdem erneuerbare Energien nutzen zu können, wird eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit elektrischer Nachheizung für Spitzenlasten empfohlen (vgl. Abb. 32). Diese kann im Küstengebiet trotz Wind und salziger Luft betrieben werden, bedarf jedoch ei ner häufigeren Wartung.
Die Ergebnisse der Bilanzierung von der Sanierungsvariante sind Abbildung 31 zu entnehmen. Hierbei wird eine Gebäudeklasse B nach einem Energiebedarfsausweis nach DIN V 18599 erreicht.

Abb. 29: Skizze passive Strategien: ohne Kaminlüftung (eigene Zeichnung)

Abb. 30: Skizze passive Strategien: mit Kaminlüftung (eigene Zeichnung)

Abb. 31: Bilanzierung Sanierungsvariante (Hottgenroth Energieberater)

Abb. 32: Energieversorgung Sanierungsvariante (Hottgenroth Energieberater)
Östlich der neuen Inselkirche (Noorderloog 31) beziehungsweise westlich des Künstlerhauses Spiekeroog (Achter’d Diek 3) entstand in den 1950er- bis 1960er-Jahren der Großteil der Gebäude am Friederikenweg, Kaapdünenweg und Ostend (BPW-Stadtplanung 2024:9). Diese Gebiete stehen sinnbildlich für den Beginn der intensiven Phase der Bebauung zwischen den 1950er- und den 1980er-Jahren (BPW-Stadtplanung 2024:6). Der Fokus liegt auf dem Haus am Ostend 5, das den Namen „Haus Stiege“ in Anlehnung an den ehemaligen Wohnort des Bauherrn im Oberharz erhielt (Persönliche Kommunikation mit Kai Nilson 2025). Zur abschließenden Verortung ist zu erwähnen, dass das Grundstück etwa 650 Meter Luftlinie (OpenStreetMap Mitwirkende 2025: o.S.) vom Pavillon am Rathaus entfernt liegt. Der Gebäudebestand des Grundstücks ist nicht denkmalgeschützt, wurde jedoch aufgrund der besonderen Lage in die Liste des besonders erhaltenswerten Gebäudebestands auf der Insel Spiekeroog aufgenommen. Die besondere Lage wird durch die harmonische Einbettung in die vorhandene Dünenlandschaft begründet. Bei der Errichtung des Gebäudes wurde auf das Abtragen der umliegenden Dünen verzichtet. Es ist zu erwähnen, dass einerseits entsprechende Baumaschinen nicht zur Verfügung standen und andererseits die natürliche Schutzfunktion der Dünenlandschaft erhalten bleiben sollte (Persönliche Kommunikation mit Kai Nilson 2025). Der natürliche Witterungsschutz besteht bis heute und ist mittlerweile gemäß § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) als Biotop geschützt. Der Gebäudebestand liegt auf einer Höhe von 3 Metern über Normalhöhennull (NHN) im Deutschen Haupthöhennetz 2016 (DHHN 2016) und ist damit markant niedriger als die höchsten Punkte der vom Grundstück aus sichtbaren Dünen, die im Nordwesten 6,3 Meter über NHN und im Südosten mit 9,1 Meter über NHN erreichen (LGLN 2017: o.S.).
BPW-Stadtplanung. (2024). Dorfentwicklung Spiekeroog: Zusammenstellung der Bestandsanalyse. Abgerufen am 17. Juni 2025 von https://aplus-media.liqd.net/uploads/Gemeinde%20 Spiekeroog/2025/02/20/Spiekeroog%20Bestandsanalyse%20Dorf%20202 4.pdf
LGLN. (2017). Datengrundlage: Digitales Geländemodell. Abgerufen am 17. Juni 2025 von https://nilgln-opengeodata.hub.arcgis.com/apps/lgln-opengeodata::digitales-gel%C3%A4ndemodell-dgm1/ about
OpenStreetMap. (2025). OpenStreetMap-Viewer. Abgerufen am 17. Juni 2025 von https://www. openstreetmap.org/#map=19/53.770640/7.702927
Ein herzlicher Dank gilt Maren Bruns, Kai Nilson und Herrn Brockmann für ihren wertvollen Input und ihr konstruktives Feedback. Unser Dank richtet sich ebenso an die studentischen Hilfskräfte für ihre tatkräftige Unterstützung bei der Organisation, an die Inselgemeinde und die Diakonie für die Bereitstellung der Unterkunft sowie an die beteiligten Hochschulen für die finanzielle und organisatorische Förderung.
Ein besonderer Dank gebührt den ProfessorInnen Prof. Anja Willmann, Prof. Dr.-Ing. Sebastian Hollermann und Prof. Dr. rer. nat. habil. Roland Pesch, die uns mit ihrem Fachwissen und Expertise unterstützt haben. Danke an alle Studierenden für ihre Mitarbeit und die Bereitschaft, an solch einem Projekt teilzunehmen. Ohne eure Beiträge und Analysen wäre dieses Buch nicht entstanden.
PRÄSIDENTEN
Prof. Dr.-Ing. Manfred Weisensee (Jade Hochschule)
Prof. Dr.-Ing. Kai-Oliver Schocke (Frankfurt UAS)
Herr Brockmann
Maren Bruns
Patrick Kösters
Kai Nilson
BETREUERINNEN
Hana Ataei
Sina Hage
Svenja-Christin Lemke
Birgit Sinnigen
Leah Wiebe
Patrick Witthaus
PROFESSOR:INNEN
Prof. Anja Willmann
Prof. Dr.-Ing. Sebastian Hollermann
Prof. Dr. rer. nat. habil. Roland Pesch
GEOINFORMATION
JANNIS FRANKE
MARCEL GRABAU
JASMIN GRABOLLE
NICK JANSSEN
ALEXANDER MEYER
OLIVER PETRACK
SEBASTIAN RODDAU
SONKA SCHÜÜR
HENRIKE VORNHOLT
JANTKE WALTER
BAUWESEN
RONNY AYYO
LEONIE BÜCHERT
AIDO KADER
ADAM KHALED
EMMA KLAWONN
JADEN KRUTSCH
SIPAN OMAR
REDMER SALOMON
HENRY THEWALD
MARTIN WEYAND
ZUKUNFTSSICHER BAUEN
LENA BAUER MATTHIAS BRAUN
FLORIAN EISENREICH
LENA GUDDAT
JOHANNA KÜBCHEN
CHRISTINA NÜCHTER
SOPHIE SCHÄFER
KLARA SCHAUER
ZHIMIN SOPHIE SCHENK
TOM TRIERWEILER
Hollermann, Sebastian; Pesch, Roland; Sinningen, Birgit und Willmann, Anja (Hrsg.) „Boothaus Spiekeroog“ 1. Aufl., Heiber GmbH Druck und Verlag, Schortens/Heidmühlen, Deutschland 2024
ISBN 978-3-936691-42-9
Hollermann, Sebastian; Kaiser, Lena; Pesch, Roland und Willmann, Anja (Hrsg.) „Interdisziplinäres Lehrprojekt.“ 1. Aufl., Heiber GmbH Druck und Verlag, Schortens/Heidmühlen, Deutschland 2022. ISBN 978-3-9823881-1-3
Hollermann, Sebastian; Kaiser, Lena; Pesch, Roland und Willmann, Anja (Hrsg.) „Insel Kita Spiekeroog. Interdisziplinäres Lehrprojekt.“ 1. Aufl., Brune-Mettcker Druck- und Verlags GmbH, Wilhelmshaven, Deutschland 2020
ISBN 978-3-941929142
1. Auflage 2025
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Covermotiv: Hana Ataei
Erstellung des Buches: Hana Ataei
Heiber GmbH
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Feldhauser Straße 61 26419 Schortens/Heidmühlen
www.heiber.de
ISBN 978-3-936691-95-5