pathétique
inhalt
2
Über die heutige Vorstellung
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Szenenfotos
8
Begegnung zweier Welten im New York der 1950er Jahre Marina Harss
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Divertimento Nr. 15
18
Eleganz & Verve Nastasja Fischer
20
Über Divertimento Nr. 15 George Balanchine
22
Musikalität war der Schlüssel Sandra Jennings im Gespräch mit Nastasja Fischer
25
Szenenfotos
37
Summerspace
40
Sich in unbekanntes Land versetzen Anne do Paço
42
Über Summerspace Merce Cunningham
47
Pathétique
50
Eine vielstimmige Welt Anne do Paço
55
Süße Stille Barthold Heinrich Brockes
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Aus den Proben zu Pathétique Fotografien von Florian Moshammer
86
Ensemble & Biographien
JEAN-LUC NANCY
»Der andere da drüben, nah in seiner Entfernung, gespannt, eingefaltet, entfaltet, verbogen, hallt in meinen Gelenken wider. Ich nehme ihn eigentlich weder mit den Augen noch mit dem Gehör noch durch Berührung wahr. Ich nehme nicht wahr, ich halle wider. Hier bin ich, gekrümmt von seiner Krümmung, geneigt nach seinem Winkel, angestoßen von seinem Schwung. Sein Tanz hat an meinem Platz begonnen.«
über die heutige vorstellung Pathétique überschreibt Martin Schläpfer die letzte Premiere unter seiner Leitung in der Wiener Staatsoper – und zeigt noch einmal seine Handschrift als Chefchoreograph und kuratierender Ballettdirektor. Zwischen Sommerglück und Leidenschaften angesiedelt lässt das Programm zwei Ikonen der New Yorker Moderne auf eine Uraufführung treffen. Divertimento Nr. 15 aus dem Jahr 1956 ist eines der duftigsten Ballette George Balanchines – und kongeniale Auseinandersetzung mit der Musik Wolfgang Amadeus Mozarts. Aber auch Merce Cunningham hat in seinem sprungfreudigen Summerspace den Kontakt mit den Lüften nicht verloren. Im Design Robert Rauschenbergs und zu den Klavierklängen Morton Feldmans fliegen die Tänzer*innen wie Vögel über die Bühne. Mit dem 1958 uraufgeführten Werk ist erstmals eine Choreographie des bedeutenden Amerikaners in der Wiener Staatsoper zu sehen. Martin Schläpfer hat sich dagegen von den emotionalen Höhenflügen und tiefen Einbrüchen in Piotr I. Tschaikowskis 6. Symphonie inspirieren lassen. Gegenwart und Vergangenheit, Schatten und Licht erscheinen in einem Labyrinth aus Anspielungen, Neudeutungen und Brechungen. Mit einer ungebändigten Kraft handelt Pathétique von der Vergänglichkeit der Träume und brennenden Fragen des Lebens – und führt über Tschaikowskis Partitur hinaus mit einer Händel-Arie in eine sublime Heiterkeit. Balanchine – Cunningham – Schläpfer – auch drei Denkarten über Tanz: Balanchines aus dem Geist der Musik gewonnenes neoklassisches Musizieren mit dem Körper im Raum; Cunninghams unabhängiges Präsentieren von Bewegung, Musik und Malerei als – so John Cage – »eine Aktivität der gegenseitigen Durchdringung« ohne »kontrollierte Beziehungen«, sondern als »Flexibilitäten«; Schläpfers Resonanzräume, in denen der Tanz der Musik begegnet, ohne sich ihr auszuliefern, Bewegungswelten, in denen die jederzeit durchscheinende Textur des klassischen Balletts überlagert ist von einem eigenen »Text«, der aus den Tänzer*innen einer Art inneren Notwendigkeit folgend hervorbricht, das Vokabular der Danse d’école nicht attackierend, sondern auf einzigartige Weise verwandelnd.
ÜBER DIE HEUTIGE VORSTELLUNG
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Pathétique – Masayu Kimoto & Elena Bottaro
NANCY REYNOLDS
»Dies ist ein Ballett der Aristokratie. Eher geschliffener Kristall als Diamantenglitzer charakterisiert das zarte Funkeln der Choreo graphie. Es ist eine der pursten Tanzkreationen von Balanchine – eine Reihung von Tänzen, Soli, Ensembles, Pas de deux – mit stillen emotionalen Obertönen.« 16
Divertimento Nr. 15 – Davide Dato
Divertimento Nr. 15 – Masayu Kimoto, Davide Dato, Sonia Dvořák & Hyo-Jung Kang
MARTIN SCHLÄPFER
»Zuerst ist die Musik, das Studium, die Liebe, die Achtung zu ihr. Dann wächst das Stück, die Idee, der Text, das Theaterwerk. So entsteht ein Tanz, der sich zwar aus der Musik nährt, aber sich zum Schluss im besten Fall emanzipiert neben sie stellt. Wie in einer guten Freundschaft kennt man sich in- und auswendig. Es ist legitim, sich aneinander zu reiben, miteinander zu brechen, sich voneinander abzuwenden und andere Wege zu gehen, wenn man sich kennt. Denn dann weiß man, was man verlässt und nimmt es mit, bleibt verbunden. Das Neue glänzt nur, wenn es um das Alte weiß.«
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wiener-staatsballett.at