GYÖRGY LIGETI
LE GRAND MACABRE
INHALT
S.
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DIE HANDLUNG GYÖRGY LIGETI S.
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ÜBER DIESES PROGRAMMBUCH S.
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NEKROTZARS KINDER CLEMENS J. SETZ S.
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EIN FURIOSER GENIESTREICH PABLO HERAS-CASADO S.
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MEHRDEUTIGKEIT ALS ANTWORT AUF ALLE FRAGEN JAN LAUWERS IM GESPRÄCH S.
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GEDENKWORTE FÜR GYÖRGY LIGETI GYÖRGY KURTÁG S.
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LEBEN WIR – ODER NICHT? GERGELY FAZEKAS S.
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WAS IST ABSURDES THEATER? JUDITH STAUDINGER S.
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MICHEL DE GHELDERODE UND DIE BALLADE VOM »GRAND MACABRE« ERNST CZERNY
S.
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DIE ZELEBRATION DES GROTESKEN DANIEL UCHTMANN S.
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ZUR ENTSTEHUNG DER OPER LE GRAND MACABRE GYÖRGY LIGETI S.
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ZWIELICHTIGER SCHAUPLATZ ANDREAS DORSCHEL S.
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EINE KURZE WIEN-GESCHICHTE OLIVER LÁNG S.
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ICH KANN NUR HINWEISEN ELKE JANSSENS S.
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PROBENTAGEBUCH EMILY HEHL S.
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WEITERMACHEN WIE BISHER? ANDREA SCHURIAN UND PHILIPP BLOM IM GESPRÄCH S.
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IMPRESSUM
FÜRCHTET DEN TOD NICHT, GUTE LEUT’! IRGENDWANN KOMMT ER, DOCH NICHT HEUT’! UND WENN ER KOMMT, DANN IST’S SOWEIT... LEBT WOHL SO LANG IN HEITERKEIT! LE GR AND MACABRE, Schlussbild
GYÖRGY LIGETI
LE GRAND MACABRE OPER in vier Bildern Text MICHAEL MESCHKE & GYÖRGY LIGETI nach LA BALADE DU GRAND MACABRE von MICHEL DE GHELDERODE
ORCHESTERBESETZUNG 3 Flöten (2. u. 3. auch Piccolo), 3 Oboen (2. auch Oboe d’amore, 3. auch Englischhorn), 3 Klarinetten in B (2. auch Klarinette in Es und Altsaxophon in Es, 3. auch Bassklarinette in B), 3 Fagotte (3. auch Kontrafagott), 4 Hörner, 4 Trompeten, 1 Basstrompete, 3 Posaunen, 1 Kontrabasstuba, Pauken, 3 chromatische Mundharmonikas, Celesta (auch Cembalo), Konzertflügel (auch elektrisches Klavier), Elektrische Orgel (auch Orgelregal), Harfe, Mandoline, 3 Violinen, 2 Violas, 6 Violoncelli, 4 Kontrabässe, Xylophon, Vibraphon, Glockenspiel, Marimba, 12 mechanische Autohupen, 4 Spieluhren, 6 elektrische Türklingeln, 2 Schellentrommeln, Militärtrommel, 2 kleine Trommeln, 3 Bongos, Conga, Rührtrommel, Paradetrommel, 4 Tomtoms, 3 große Trommeln, 2 Triangel, 3 hängende Becken, 1 Paar kleine Becken, 2 Paar Becken, Gong, 2 Tamtam, Röhrenglocken, 2 japanische Tempelglocken (Rin), Maracas, 2 Guiros, 2 Peitschen, 1 Paar Klanghölzer, 1 Paar Kastagnetten, 2 Ratschen, 3 Holzblöcke, Holztrommel, 5 Tempelblöcke, Holzhammer, Holzlatten, Lotosflöte, Trillerpfeife, Kuckuckspfeife, Signalpfeife, Sirenenpfeife, Dampfschiffpfeife, 2 Sirenen, 2 Flexatons, Entengequake, 2 Brummtöpfe, große Weckeruhr, großes pyramidenförmiges Metronom, 2 Papierbögen, Seiden- oder Zeitungspapier, 1 Paar Sandpapierblöcke, Windmaschine, Papiersackerl, Tablett voll Geschirr, Kochtopf, Pistole
URAUFFÜHRUNG 12. APRIL 1978 Königliche Oper, Stockholm (1. Fassung) URAUFFÜHRUNG 28. JULI 1997 Salzburger Festspiele (Neufassung) ERSTAUFFÜHRUNG 11. NOVEMBER 2023 an der Wiener Staatsoper (Neufassung) SPIELDAUER
2 H 30 MIN
INKL. 1 PAUSE
GYÖRGY LIGETI
»ES BLEIBT VÖLLIG OFFEN, OB DER GROSSE MAKABRE DER TOD IST ODER NUR EIN KLEINER, WENN AUCH DURCH SEIN SENDUNGSBEWUSSTSEIN INS HEROISCHE VERKLÄRTER UND GESTEIGERTER GAUKLER.« 23
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GERGELY FA ZEK A S
LEBEN WIR – ODER NICHT ? OPER JENSEITS VON TOD UND GESCHICHTE Würde man mich bitten, die Komplexität von György Ligetis mehrschichtiger Figur in einem einzigen Bild zu zeigen, dann würde ich die Nacht vom 7. November 1956 wählen. Es war zwei Wochen nach dem Ausbruch des ungarischen Aufstandes gegen die Sowjetunion im Jahre 1956. Sowjetische Panzer besetzten die Straßen von Budapest, es gab Kämpfe mit Mitgliedern des Widerstands, die Zivilbevölkerung verbrachte den Großteil des Tages in Luftschutzbunkern. Im Keller eines Budapester Zinshauses befand sich ein vielversprechender junger Komponist, György Ligeti, Professor der Musiktheorie an der Franz-Liszt-Musikakademie, der gerade ein paar Monate zuvor eine Anthologie für sein im Jahre 1954 veröffentlichtes Lehrbuch über die klassische Harmonielehre redigiert hatte. Spät am Abend ging Ligeti zum Schrecken seiner Mitbewohner in seine Wohnung, ohne die Gefahr zu beachten. Während draußen Artilleriegeschoße herumschwirrten, drehte er das Radio auf und suchte den Westdeutschen Rundfunksender. Er wollte das um 23 Uhr beginnende Programm hören: die Ausstrahlung eines neuen elektronischen Musikstücks von Karlheinz Stockhausen, einer Schlüsselfigur der westlichen Nachkriegs-Avantgarde. Vorherige Seiten: SZENENBILD
Es ist schwer zu sagen, wie Ligeti in dieser schrecklichen Nacht diese Musik wahrnahm, über ein vermutlich schlechtes Mono-Rundfunkgerät, mit dem schweren Bombardement im Hintergrund. Seiner Erinnerung nach war er verzaubert von dem, was er hörte. Wie eine verdichtete Mischung zeigt uns dieser Moment die extrem diverse Natur von György Ligeti, der allgemein als einer der wichtigsten Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gilt: Der junge Komponist, ein Professor der klassischen Musiktheorie, schaut dem Tod in die Augen, um die modernste elektronische Musik der Zeit über ein schlechtes Rundfunkgerät zu hören, während sowjetische Panzer sein Heimatland unter seinem Fenster zerstören. Ligeti wurde am 28. Mai 1923 in eine jüdische Familie hineingeboren, in einem ungarischen Städtchen namens Dicsőszentmárton in Siebenbürgen, das nur drei Jahre zuvor Rumänien zugeschlagen worden war, als Resultat der Friedensverträge nach dem Ersten Weltkrieg. Als er sechs Jahre alt war, zog er mit seiner Familie nach Kolozsvár (rumänisch Cluj-Napoca), wo er die Schule besuchte und seine ersten Kompositionsstunden erhielt. Während des Krieges wurden die meisten
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OLIVER LÁNG
EINE KURZE WIEN- GESCHICHTE Mitunter kann es schnell gehen. Ein Jahr dauerte es, bis Giuseppe Verdis Otello nach der Uraufführung an der Mailänder Scala im Haus am Ring erklang. Unter einem Jahr im Falle von Pietro Mascagnis Cavalleria rusticana. Unter drei Monate bei Richard Strauss’ Rosenkavalier. Und nicht viel länger bei Verdis Falstaff. Im Falle von György Ligetis Le Grand Macabre hingegen – und man bedenke die enge Verbundenheit dieses Komponisten zu Wien, wo er auch lebte! – musste man in der Bundeshauptstadt verblüffend lange warten. Kein Wunder, dass ein Kritiker in diesem Zusammenhang über das »verschlafene Wien« schrieb. Denn: 1978 fand die Uraufführung der Oper in Stockholm statt, erst neun Jahre später raffte man sich auf, das Werk in dieser Stadt wenigstens konzertant zu präsentieren: Das ORF RSO-Wien (damals: ORF-Symphonieorchester) führte im Konzerthaus unter Elgar Howarth (der Uraufführungsdirigent!) das Werk bejubelt auf. Graz war Wien übrigens wieder
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EMILY HEHL
PROBEN- TAGEBUCH
Montag, 2. Oktober, 17 Uhr
Nach zahllosen Monaten der Vorbereitung ist es heute endlich so weit: Die Proben für György Ligetis Le Grand Macabre beginnen an der Wiener Staatsoper. Viele Menschen tummeln sich auf der Probebühne im Arsenal. Neben den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern finden sich auch zahlreiche Mitarbeitende des Hauses und der Werkstätten zusammen. Direktor Bogdan Roščić begrüßt die Runde und übergibt das Wort an den belgischen Regisseur Jan Lauwers: »Ich wurde in einer Kirche in Antwerpen getauft. Und genau diese Kirche ist auf einer Zeichnung des Malers Pieter Bruegel aus dem 16. Jahrhundert zu sehen.« Andere Gemälde dieses Künstlers waren wiederum eine wichtige Quelle für Ligeti, als er Le Grand Macabre komponierte und die Handlung im Breughelland verortet. Und auch für Jan Lauwers bleiben sie die zentrale Inspiration für diese Inszenierung: »Alles entsteht aus diesen Bildern von Bruegel: die Farben, Kostüme, Szenen und Bewegungen auf der Bühne.« Sechs Wochen haben wir nun, um diesem Breughelland szenisch und musikalisch Leben einzuhauchen!
Dienstag, 10. Oktober, 10 Uhr
John Lee Hooker und The White Stripes dröhnen aus den Lautsprechern auf der Probebühne im Arsenal. Was diese Musik mit Le Grand Macabre von György Ligeti zu tun hat? Es ist der dritte Probentag mit dem Slowakischen Philharmonischen Chor und diese Frage stellt sich hier schon niemand mehr. Die morgendlichen WarmUps mit dem Choreographen Paul Blackman sind zur willkommenen Routine geworden. Über 50 Menschen
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Spotify-App öffnen, Code scannen und Le Grand Macabre-Playlist hören
WIENER- STAATSOPER.AT