GIUSEPPE VERDI
I VESPRI SICILIANI
GIUSEPPE VERDI
I VESPRI SICILIANI OPER in fünf Akten Text EUGÈNE SCRIBE & CHARLES DUVEYRIER Italienisch von EUGENIO CAIMI
ORCHESTERBESETZUNG
2 Flöten (2. auch Piccolo) 2 Oboen / 2 Klarinetten 2 Fagotte / 4 Hörner 2 Trompeten / 2 Kornette / 3 Posaunen 1 Ophikleide / Pauken Schlagwerk / 1 Harfe Violine I / Violine II / Viola Violoncello / Kontrabass
BÜHNENMUSIK
Schlagwerk / Glocke / 1 Harfe
AUTOGRAPH Bibliothèque Nationale, Paris URAUFFÜHRUNG (FRANZ. FASSUNG) 13. JUNI 1855 Opéra, Salle de la rue Le Peletier, Paris ERSTAUFFÜHRUNG IM HAUS AM RING 23. NOV. 1878 Wiener Hofoper SPIELDAUER
3 H 30 MIN
INKL. 2 PAUSEN
I VESPRI SICILIANI
DIE HANDLUNG 1. AKT Großer Platz in Palermo Vor dem Palast des Gouverneurs trinken Tebaldo, Roberto, Béthune, Vaudemont und andere französische Soldaten auf das Wohl des Vaterlands. Die Sizilianer beobachten sie argwöhnisch, denn sie erträumen die Befreiung von der Fremdherrschaft der Anjou. Herzogin Elena, ihre Dienerin Ninetta und deren Bräutigam Danieli erscheinen. Elena ist in Trauergewänder gehüllt und beklagt den Tod ihres Bruders, den die Franzosen wegen Hochverrats hingerichtet haben. Die Schönheit Elenas erweckt die Aufmerksamkeit der Soldaten. Der betrunkene Roberto beleidigt sie, indem er sie zwingt, öffentlich ein Lied zu singen. Aber Elenas Lied ist eine deutliche Aufforderung zur Revolte. Als sie es beendet, ergreifen die Sizilianer die Waffen und sind bereit, sich auf die französischen Soldaten zu stürzen. Zu Elenas Enttäuschung genügt das Auftauchen des Gouverneurs Monforte, um dem Tumult ein Ende zu machen. Die Menge läuft auseinander. Elena wird von der Ankunft des geliebten Arrigo überrascht. Der junge Sizilianer war wegen Verrats verhaftet, aber von der Anklage freigesprochen worden. Monforte tritt hinzu und bleibt mit Arrigo allein. Der Gouverneur bewundert den Mut Arrigos und versucht, ihn auf die Seite der Anjou zu ziehen. Er solle Elena meiden, die ihn ins Verderben reißen würde. Arrigo lehnt empört ab.
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DIE HANDLUNG
2. AKT Ein Tal bei Palermo In einem Boot kehrt Giovanni da Procida in Begleitung von Manfredo nach Jahren des Exils zurück. Tief bewegt grüßt er seine Heimatstadt. Elena und Arrigo heißen ihn willkommen. Procida enthüllt seine Pläne zum Aufstand. Arrigo verspricht sofort seine Hilfe und Procida verlässt den Schauplatz hochzufrieden. Elena bewundert den Heldenmut Arrigos. Trotz seiner unklaren Herkunft möchte sie ihn heiraten, wenn er den Tod ihres Bruders rächte – Arrigo ist dazu bereit. Béthune erscheint mit seinen Soldaten und überbringt einen Brief für Arrigo: Monforte lädt ihn zu einem Ball im Gouverneurspalast ein. Als Arrigo ablehnt, zerren ihn die Soldaten mit Gewalt davon. Verlobungen finden statt: Die Mädchen, darunter Ninetta, kommen den Hügel herauf und tanzen mit ihren Verlobten einen Hochzeitstanz. Roberto, Tebaldo und andere französische Soldaten sind anwesend; von der Schönheit der Mädchen angetan, beteiligen sie sich am Tanz. Procida überredet die Soldaten, die Mädchen zu entführen; dies soll die Sizilianer endlich zum Aufruhr veranlassen. Die Franzosen setzen Procidas Idee sofort in die Tat um, doch zu seiner und Elenas Enttäuschung bleiben die Sizilianer unentschlossen und furchtsam. Da fährt ein festlich geschmücktes Schiff vorbei, das Damen und Kavaliere zum Fest des Gouverneurs bringt. Procida beschließt, maskiert auf dem Ball zu erscheinen und dort den Aufstand der Sizilianer zu organisieren.
3. AKT Erstes Bild – Ein Raum in Monfortes Palast Monforte ist allein, alte Schuldgefühle plagen ihn. Er liest den Brief einer Frau, die er einst hatte entführen lassen: Knapp vor ihrem Tod verfasst, belegt das Schreiben die Existenz eines gemeinsamen Sohnes, der im Hass auf die französischen Besatzer erzogen wurde. Voll der väterlichen Gefühle träumt Monforte davon, seinen wiedergefundenen Sohn bei sich aufzunehmen. Arrigo wird dem Gouverneur vorgeführt, der ihn ungewöhnlich freundlich empfängt und ihm bald enthüllt, sein Vater zu sein. Monforte zeigt Arrigo zum Beweis den Brief der Mutter. Arrigo ist verstört – als Monforte seinen Sohn umarmen möchte, stößt ihn dieser zurück und eilt davon.
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I VESPRI SICILIANI
Zweites Bild – Ein festlich geschmückter Saal Im Gouverneurspalast ist ein großes Fest im Gange. Drei Masken – Elena, Procida und Manfredo – nähern sich Arrigo. Die Herzogin heftet das Zeichen der sizilianischen Verschwörer an Arrigos Gewand. Als die drei sich entfernen, erscheint Monforte, der abermals versucht, Arrigos Liebe zu gewinnen – vergebens. Der Sohn zeigt stolz das Zeichen der Verschwörer, das Monforte sofort abreißt. Arrigo warnt ihn vor einem geplanten Attentat. Als sich Elena mit einem Dolch auf den Gouverneur stürzen will, verhindert Arrigo die Tat. Die Verschwörer werden verhaftet. Arrigo möchte ihnen helfen, doch Elena und Procida weisen ihn voller Verachtung zurück. Der verzweifelte Arrigo wirft sich in die Arme seines Vaters.
4. AKT Im Gefängnis Arrigo betritt das Gefängnis, in dem Elena und die anderen Patrioten ihrer Hinrichtung entgegensehen. Elena wird gebracht, antwortet dem gequälten Arrigo aber mit Härte und Abscheu, bis er ihr gesteht, Monfortes Sohn zu sein. Erschüttert verzeiht Elena und offenbart Arrigo ihre Liebe. Im Überschwang der Gefühle beschließen die Liebenden, gemeinsam zu sterben. Alles ist für die Hinrichtung bereit, doch Procida spinnt seine aufrührerischen Pläne weiter: Er zeigt Elena einen Brief, der die Unterstützung der spanischen Truppen für den bevorstehenden Volksaufstand zusichert. Arrigo erklärt Monforte, mit den anderen Verurteilten sterben zu wollen. Entschlossen, seine väterlichen Rechte zu verteidigen, sichert er seinem Sohn die Begnadigung aller Aufständischen zu, wenn ihn Arrigo öffentlich als seinen Vater anerkennt. Arrigo lehnt zunächst ab. Die Henker erscheinen und die Mönche stimmen das »De profundis« an. Als Elena sich dem Richtblock nähert, ruft Arrigo in seiner Verzweiflung »O Vater, mein Vater!«. Wie versprochen lässt Monforte die Sizilianer frei und kündigt die Hochzeit von Elena und Arrigo an. Mitten in der allgemeinen Freude sinnt Procida weiter auf Rebellion.
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DIE HANDLUNG
5. AKT In Monfortes Palast Nahe der Kapelle, in der die Hochzeit von Elena und Arrigo stattfinden soll, singen froh junge Mädchen und begrüßen die Braut mit Blumen. Die glückliche Herzogin hofft auf eine gute Zukunft für ihre Heimat. Doch Procida weiht sie in seinen neuesten Plan ein: Der Klang ihrer Hochzeitsglocken soll das Zeichen zum Aufstand sein. Procida begreift nicht, wehalb Elena dem Plan nichts abgewinnen kann. Elena ist zerrissen: weder möchte sie ihre Landsleute verraten noch Arrigo verlieren. Schließlich, unter Berufung auf ihren toten Bruder, lehnt sie die Verbindung mit Arrigo ab. Arrigo fühlt seine Liebe verraten, Procida seine Ehre als Patriot. Monforte nimmt Elenas Entscheidung nicht zur Kenntnis und erklärt die beiden zu Mann und Frau. Als Procida die Hochzeitsglocken läuten lässt, fordert die verzweifelte Elena Monforte zur Flucht auf. Doch schon hört man den Lärm der herbeidrängenden Menge – Arrigo glaubt, es handle sich um Freudenrufe. Da brechen von allen Seiten die Aufständischen herein und stürzen sich auf Monforte und sein Gefolge.
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UBER DIESES PROGRAMM BUCH Mit Les Vêpres siciliennes schrieb Giuseppe Verdi, der auch in Paris, also im damaligen Zentrum des Musiktheaters, reüssieren wollte, erstmals ein neues Werk im Stil der Grand opéra. Die erfolgreiche Uraufführung dieses französischen Werks fand 1855 in Paris statt. Les Vêpres siciliennes folgte zwar direkt auf seine trilogia popolare – also Rigoletto, La traviata und Il trovatore –, doch wandte sich Verdi mit diesem Werk kompositorischem Neuland zu, wie Leopold M. Kantner ab Seite 24 aufzeigt. Eine Umarbeitung der Oper in eine italienische Version, die nach mehreren unterschiedlichen Bezeichnungen schließlich den Titel I vespri siciliani erhielt, folgte bald: Carlo Rizzi, der Dirigent der Wiederaufnahme 2024, präsentiert in einem Interview
ab Seite 10 seine Gedanken zu den beiden Fassungen. In einem Essay ab Seite 16 beleuchtet Christian Springer die Entstehungsgeschichte der Oper und weist auf Besonderheiten des Werks hin. Michael Jahn skizziert ab Seite 40 die Wiener Aufführungsgeschichte der Oper wie auch der Werke Verdis bis I vespri siciliani. Die wahren historischen Begebenheiten, die der Oper zugrunde liegen, erzählt Steve Runciman ab Seite 30, Birgit Pauls schreibt ab Seite 32 unter anderem über Momente des »italienischen« Kolorits in der I vespri siciliani-Musik. Um dem Publikum eine genaue »Nachlese« dieses international eher selten gespielten Werks möglich zu machen, wird dem Programmbuch diesmal auch das deutschsprachige Libretto beigefügt.
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KS RENATO BRUSON als MONFORTE