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Programmheft »Onegin«

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onegin


über die heutige vorstellung »Ach, warum kamen Sie aufs Land, wo wir so still verborgen waren? Ich hätte nimmer Sie gekannt und nie solch Herzeleid erfahren.« – Tatjanas verzweifelter, nach Onegins Liebe suchender Brief ist seit John Crankos erstmals mit dem Stuttgarter Ballett 1965 aufgeführtem Onegin nicht nur Literaturliebhaberinnen, sondern auch Ballettkennern ein Begriff. Crankos choreographische Adaption des Versromans von Alexander Puschkin zählt zu den berühmtesten Handlungsballetten des 20. Jahrhunderts sowie zu den Meisterwerken des südafrikanischen Choreographen, der mit seiner Ballettkunst und seinem direktorialen Gespür für die Förderung von Tänzer*innen und anderen Künstler*innen nicht nur das »Stuttgarter Ballettwunder« schuf, sondern dessen Arbeit im Südwesten Deutschlands seit den 1960er Jahren eines der wichtigsten Kapitel der deutschen Ballettgeschichte markiert. Die im Unglück endende Liebesgeschichte von der jungen Frau Tatjana und dem Antihelden Onegin zeichnet John Cranko zu verschiedenen Werken des Komponisten Piotr I. Tschaikowski, jedoch nicht zu dessen Oper Eugen Onegin. Die Emotionen und Leidenschaften seiner Figuren werden, wie durch ein Brennglas betrachtet, zum Motor seiner Dramaturgie, die sich allein durch den Tanz erzählt. So changiert die Choreographie zwischen großen Ensembleszenen, intimen Momenten der vier Hauptfiguren und emotionalen Pas de deux. Onegin steht maßgebend für die Interpretation und den Anspruch Crankos an das Handlungsballett: »Sein Sinn stand«, so Hartmut Regitz, »nach einem neuen Typus des abendfüllenden Balletts, einem Typus, der sich durch die Klarheit der Handlung und psychologische Profilierung der Charaktere auszeichnete und in gigantischen Pas de deux gipfelte, die mit ihrem Emotionsreichtum und ihrer choreographischen Radikalität tänzerische Dimensionen und Ausdrucksbereiche erschlossen, die man bis dahin nicht gekannt hatte.«

ÜBER DIE HEUTIGE VORSTELLUNG

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about today’s performance »Why did you visit us? In the backwoods of a forgotten village, I would have never known you nor have known bitter torment.« – Ever since John Cranko’s Onegin was first performed by Stuttgart Ballet in 1965 Tatiana’s desperate letter appealing for Onegin’s love has been as familiar to connoisseurs of ballet as it is to lovers of literature. Cranko’s choreographic adaptation of Alexander Pushkin’s verse novel is one of the most famous narrative ballets of the 20th century as well as being one of the major works by this South African choreographer, whose grasp of ballet as an art form and directorial instinct for developing dancers and other artists was not only responsible for the »miracle of Stuttgart Ballet«, but whose work in the South West of Germany from the 1960s onwards represents one of the most important chapters in the history of German ballet. John Cranko tells the story of the unhappy love between the young Tatiana and the anti-hero Onegin through a variety of works by the composer Piotr I. Tchaikovsky – but not to his opera Eugene Onegin. Through close observation – as if under a magnifying glass – the emotions and passions of his characters become the driving force of his dramaturgy, unfolding exclusively through dance. The choreography switches between large ensemble scenes, intimate moments between the four main characters and emotional Pas de deux. Onegin is the definitive example of how Cranko interpreted narrative ballets and what he sought to achieve through them: »What he had in mind was«, according to Hartmut Regitz, »a new kind of full-length ballet: one that was marked out by the clarity of its story and the psychological portrayal of its characters and culminated in gigantic Pas de deux, whose wealth of emotion and radical choreography opened up dimensions of dance and a range of expression that had never been known before.«

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ABOUT TODAY’S PERFORMANCE


arbeiten mit john cranko ALEXANDER MÜLLER

»Was die Arbeit mit Cranko so unglaublich bereichernd machte, war der Kontakt, die Kommunikation, die sich intuitiv während der Ballettproben im Studio zwischen Choreograph und Tänzern ergab. Cranko war ein außergewöhnlicher Mensch, der sich bis zum Letzten verausgabte und dieselbe Bereitschaft und Hingabe von seinen Tänzern erwartete und fand. Für ihn waren sie nicht in erster Linie technisch brillante Interpreten, er suchte vielmehr, auf ihrem Charakter aufzubauen. Der menschliche Kontakt, die Atmosphäre waren für ihn entscheidend. So verstand er es, eine Choreographie aus dem Charakter, der Mentalität, den physischen Veranlagungen eines jeden seiner Tänzer zu entwickeln. Er stellte höchste Ansprüche und förderte die Kreativität eines jeden. Dabei erkannte er, wann der richtige Ausdruck, die überzeugende Geste gefunden waren und hielt diese unmittelbar fest. Seine Ballettschöpfungen sind aus einer engen Zusammenarbeit mit seinem Ensemble entstanden, das für alle eine einzige große Familie darstellte. Bei dieser passionierten Arbeit wuchs jeder über sich selbst hinaus, selbst Unmögliches wurde möglich.« Die Stuttgarter Choreologin Georgette Tsinguirides hat mit dieser Aussage bereits den Kern von Crankos Arbeitsweise dargelegt: Er kreierte im direkten Kontakt mit seinen Tänzern. Nie kam er mit präzisen Bewegungsabläufen oder einer am Reißbrett entstandenen Choreographie ins Studio. Vielmehr schwebte ihm eine gewisse Atmosphäre vor, eine Stimmung, und dieses Bild erarbeitete er gemeinsam mit seinen Tänzerinnen und Tänzern sowie seinem Team. Crankos Arbeit speiste sich im Wesentlichen aus vier Quellen: dem intensiven Studium von Musik und Literatur, schier endlosen Diskussionen mit Tänzern und Freunden, der harten Arbeit im Ballettsaal mit den Tänzerinnen und Tänzern, denen er Bewegungen gab, die sie selber weiterentwickelten, und schließlich dem Einsatz seiner Ballettmeister, die seine Ideen ausführten, entwickelten, verfeinerten, putzten. Und all dies in einer Atmosphäre von heiterem Geltenlassen aller Gegensätze, von Toleranz, Freundschaft und Liebe und unter dem Gesetz äußerster Disziplin und Präzision. Da war zunächst ein ungewöhnlich hochgebildeter Mann mit unkonventionellem Auftreten: Die ersten zehn Jahre seines Stuttgarter Schaffens gab es zum Beispiel kein Ballettsekretariat. Cranko leitete sein Ensemble von einem Tisch in der Stuttgarter Theaterkantine aus, wo er täglich stundenlang mit seinen Tänzerinnen und Tänzern zusammensaß und mit ihnen darüber sprach, wie man eine Ballettcompagnie aufbaut,

ARBEITEN MIT JOHN CRANKO

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John Cranko bei einer Probe zu Onegin mit u.a. Marcia Haydée (Tatjana) & Heinz Clauss (Onegin)


Davide Dato (Lenski) & Sonia Dvořák (Olga)

Denys Cherevychko (Lenski) →


Hyo-Jung Kang (Tatjana), Igor Milos (Fürst Gremin) & Ensemble


Ketevan Papava (Tatjana) & Marcos Menha (Onegin)


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