mahler, live
mahler, live
Live Ein Videoballett Hans van Manen 4 Martin Schläpfer Streaming-Premiere 4. Dezember 2020 Publikumspremiere 2. April 2022 Wiener Staatsoper
über die heutige vorstellung Eine Frau, ganz allein auf der großen Bühne, mit dem Rücken uns zugewandt. Auf ihre Füße ist eine auf dem Boden liegende Kamera gerichtet. Ein Mann kommt dazu, hebt die Kamera auf und lässt sie über die Zuschauer schweifen. Riesengroß auf eine Leinwand geworfen, werden wir zu Protagonisten eines Stückes, das – mit dem Medium des Films – ein meisterhaftes Vexierspiel über die Mechanismen der Wahrnehmung eröffnet und die Grenzen des Bühnenraums sprengt. Hans van Manen hat mit seinem Ballett Live Tanzgeschichte geschrieben. 1979, in der Pionierzeit der Videotechnik kreiert und in Amsterdam uraufgeführt, wurde Live bisher ausschließlich von Het Nationale Ballet getanzt, dem der 92-jährige Hans van Manen bis heute als Hauschoreograph verbunden ist. Auf besonderen Wunsch Martin Schläpfers hat der Niederländer seine Arbeit dem Wiener Staatsballett und damit erstmals einer weiteren Compagnie anvertraut. Ballettdirektor und Chefchoreograph Martin Schläpfer antwortet diesem intimen Kammerspiel in seiner ersten Wiener Arbeit mit einem großen Ballett, das er allen Tänzerinnen und Tänzern seines Ensembles widmet. Schlicht 4 nennt er seine Uraufführung zu Gustav Mahlers 4. Symphonie, die ihn mit ihrer hintergründigen Schönheit, ihren gefährdeten Idyllen, aber auch ihrem bösen Humor, ihren scharfen Tönen und ihrer drastischen Schilderung eines ganz und gar nicht himmlischen Paradieses zu einem tänzerischen Welttheater inspirierte. Mahlers Dramaturgie der Brüche und Verwerfungen aufgreifend entfaltet Martin Schläpfer kaleidoskopartige Bilder des Menschen, voller Sehnsucht, Ausgesetztheit und Verlorenheit, traumentrückt oder sich an den großen Fragen des Lebens reibend – Szenen »wie Inseln eines gewaltigen Archipels« untergründig miteinander verbunden.
ÜBER DIE HEUTIGE VORSTELLUNG
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alles beginnt mit der kamera HANS VAN MANEN IM GESPRÄCH MIT NASTASJA FISCHER
Die Uraufführung von Live war 1979, seine Premiere ist also mittlerweile 45 Jahre her und das Wiener Staatsballett war die erste Compagnie, die das Stück neben Het Nationale Ballet Amsterdam in ihr Repertoire aufnehmen dürfte. Wie kam es zu dieser Entscheidung? Live ist sehr besonders für mich, und es einer anderen Compagnie anzuvertrauen, hat mit Martin Schläpfer zu tun. Ich arbeite seit 40 Jahren mit ihm zusammen. Vom Tänzer bis zum Choreographen. Von Bern über Mainz bis Düsseldorf. Für Wien hat er mich gefragt, ob wir zusammen seine Eröffnungspremiere gestalten wollen. Es war sein Wunsch, Live zu zeigen. Wenn Martin Schläpfer sich etwas wünscht, dann sage ich ja. Und natürlich habe ich mit Wien auch eine Vergangenheit: Seit den 1970er Jahren habe ich immer wieder an der Wiener Staatsoper gearbeitet.
HvM
Wie ist es zur Entstehung des Balletts gekommen? HvM
Ich war schon immer sehr an der Videotechnik in all ihren Formen inte- ressiert. Ich habe bereits früh eine Videokamera gekauft und Ende der
ALLES BEGINNT MIT DER KAMERA
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Claudine Schoch & Balázs Delbó
Balázs Delbó, Roman Lazik & Claudine Schoch
Martin Schläpfer
wie ein gewaltiger archipel MARTIN SCHLÄPFER IM GESPRÄCH MIT ANNE DO PAÇO ÜBER SEIN ERSTES WIENER BALLETT 4
Die Musik ist dir in der Regel der Ausgangspunkt. Wie kam es zu der Entscheidung, für deine erste Wiener Arbeit Gustav Mahlers Symphonie Nr. 4 als Basis zu wählen? Eine erste Saison unter einer neuen Direktion ist immer etwas Besonderes und wir haben uns viele Gedanken gemacht, in welche Richtung wir den Zeiger für meinen Weg mit dem Wiener Staatsballett von Beginn an stellen möchten. Gustav Mahler war nicht nur ein großer Komponist, sondern auch ein faszinierender Mensch. Als Direktor hat er mit seinem Kunstwillen, seiner Geisteshaltung und seinem radikalen Anspruch an Zeitgenossenschaft und Qualität das Profil der Wiener Hofoper in einer Weise geprägt, die bis heute nicht nur Vorbild und Maßstab, sondern auch eine große Quelle der Inspiration ist. Als Komponist hat er seine »Mahler-Musik« geschrieben … MS
… und keine Rücksicht genommen, ob diese nun ankam oder nicht. Gerade die 4. Symphonie ist ja zu Beginn sowohl bei den Musikern, als auch beim Publikum und der Presse auf größte Widerstände gestoßen. MS
Man kann sich in vielerlei Hinsicht auch heute noch an Mahler »reiben« – und dies gilt für mich sowohl als Direktor wie auch als Choreograph. Als
WIE EIN GEWALTIGER ARCHIPEL
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Ketevan Papava & Calogero Failla
Yuko Kato, Rebecca Horner & Ensemble