LA CENERENTOLA Gioachino Rossini
Act 2 Don Magnifico, Clorinda and Thisbe gather to discuss the situation. The appearance of a competitor has unsettled the father. What if it comes to light that he has squandered his stepdaughters’ inheritance? Ramiro listens as Cenerentola admits to Dandini that she loves his “valet“. When he joyfully proposes marriage to her, she makes one condition: he must first know who she really is. She gives him one of her two bracelets and tells him to look for her. He will recognize her by the other bracelet which she will wear in her everyday life. If he then still loves her, she will marry him. Ramiro immediately gives the order to search for his beloved, who has rushed away. The costume game is over, Dandini is now once again a valet, and Don Magnifico complains vehemently about being wrenched from his dream of social advancement and financial recovery. Back at home after the party, Cenerentola again dreams of the King’s son who chooses his bride following the dictates of his heart. A thunderstorm rages outside, causing Ramiro’s carriage to halt right in front of Don Magnifico‘s house. Thanks to the bracelet, the prince recognizes his beloved again, who in turn realizes his true identity. The couple’s happiness is complete. And even as a princess, Cenerentola does not lose her kind-heartedness and forgives her relatives.
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SY NOPSIS
ÜBER DIESES PROGRAMMBUCH
Für viele ist die in sehr kurzer Zeit geschaffene Cenerentola die poetischste aller komischen Opern Rossinis – und tatsächlich besitzt dieses Werk in der subtilen musikalischen Porträtierung der Charaktere eine singuläre Stellung innerhalb des Buffo-Œuvres des Komponisten. Für Jesús López Cobos, den Premieren-Dirigenten der 2013 herausgekommenen Produktion, weist der Untertitel der Oper »Der Triumph der Güte« auch auf den humanen Aspekt des Werkes hin, der hinter der Maske der Komödie zu finden ist. Über diesen und andere musikalische Aspekte spricht der Dirigent ab Seite 72. Das von der Form her zweitaktige Dramma giocoso La cenerentola, das im Wesentlichen auf der berühmten Geschichte des Aschenbrödels basiert (vor allem in der Version von Charles Perrault, ein Ausschnitt seiner Märchenfassung ist auf S. 17 zu lesen), weist eine Balance aus Ironie, Komik, Lyrik, Melancholie sowie eine märchenhafte Grundstimmung auf. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei La cenerentola nicht um eine Zauberoper, da Rossini und sein Librettist Jacopo Ferretti jede Form der Magie aus dem Stoff entfernten. Ferretti, der rund 70 Opernlibretti (unter anderem auch für Gaetano Donizetti) schuf, ist in diesem Programmbuch ein kleiner Schwerpunkt gewidmet: Biografisches ist ab S. 18 zu finden, Passagen aus seinen Aufzeichnungen ab S. 20. Die rasante Entstehungsgeschichte der Oper beschreibt Andreas Láng ab S. 24, Auszüge aus Stendhals berühmter Besprechung der Oper (ab S. 28) und ein Überblick über die wichtigsten Sängerinnen und Sänger der Cenerentola-Uraufführung (ab S. 34) geben Einblick in die frühe Rezeptionsgeschichte der Oper. Der Musikwissenschaftler Arnold Jacobshagen wirft einen spannenden Blick auf politische Hintergründe des Werks zur Zeit Rossinis (S. 36), Martin Haag stellt ab. S 42 die Frage nach dem Einfluss des Mozart-Zeitgenossen Domenico Cimarosa auf Rossini und Michael Jahn Ü BER DIE SE S PROGR A M MBUCH
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Andreas Láng
IHR GESANG STROTZT IN PERLEN
Die Entstehung von Rossinis La cenerentola
Oliver Láng
EIN HERZ UND EINE KRONE
Es hat sich ausgeträumt. Längst ist bekannt, dass die vermeintlich unschuldige Welt der Märchen nur selten eine solche ist, der analytische Blick hat diese früher gerne Kindern zugeschriebene Domäne als doppelbödiger erkannt, als so manche und mancher es sich wünschte. Wir wissen, dass es mit der Naivität nicht weit her ist, dass das Märchen nicht nur eine Verkleinerungsform von »Mär« ist, sondern viel mehr, dass sich dahinter ein weites Land der Seele verbirgt, und die Farben dieses Landes auch dunkel und bedrohlich sein können. So müssen die Geschichten hinterfragt, die Symbole auf ihre doppelten Bedeutungen abgeklopft, das Gut und Böse neu bewertet werden. 47
OLI V ER LÁ NG
Und, ja, die Gefühle und Emotionsmomente sind nicht mehr einfach, sondern vielschichtig, trügerisch, verräterisch, nichts ist so simpel und einleuchtend, wie es auf den ersten Blick scheint. Das Märchen als entzauberter Ort einer neuen Weltwahrnehmung. Und auch, ja gerade, um zum Punkt zu kommen, die menschlichen Gefühle, vorzugsweise die Liebe, werden im Märchen ebenso beharrlich der Untersuchung unterzogen. Was bedingt die Zuneigung des Ich zum Du? Was bindet den einen an den anderen? Und vor allem: Wie wird man gebunden? Beliebt ist bekanntlich die – eben märchenhafte – Liebe auf den ersten Blick, die zyklisch eine Befragung auf Wahrheit und Beständigkeit über sich ergehen lassen muss. Gerade im Musiktheater, wo nach allen Klischees das Sterben lang und die handlungsverändernden Wendungen unerwartet sind, gibt es verstärkt dieses plötzliche Moment des unbändigen Verliebens. Das hat gattungsimmanente Ursachen, weil die Erzählzeit beschränkt ist; das hat aber auch dramaturgische Ursachen, die im Modellcharakter der Werke liegen: Um die Größe der Gefühle plastisch und möglichst deutlich darstellen zu können, braucht es das Element der konzisen Fokussierung; die Heftigkeit der Emotion spiegelt sich in der Kürze der Liebeserkenntnis wider. Und die Schicksalhaftigkeit zeigt sich in der Unbedingtheit: Man wird als Mensch in das Spiel der Mächte geworfen und kann gar nicht anders als lieben. Es gibt das, was manche gerne verneinen würden, nämlich eine übermenschliche Ebene, die bindet und nicht nach vernunftbegründeter Erlaubnis fragt, etwas, dem man sogar ausgeliefert ist. Um aber auch einer kritischen Vernunft Genüge zu tun, ein paar Hinterfragungen der vorliegenden Märchenhandlung: Was Angelina anbelangt, stellen sich kaum weitere Fragen. Wohl platziert in ihr beständig gesungenes Lied eines Königs, der sich von Stolz und Schönheit nicht blenden lässt und sich für die wahre Liebe entscheidet, kommt es zum ersten Treffen mit Ramiro, dem verkleideten Prinzen, der sich auf die Suche nach einer Braut macht. Und schon, nach dem ersten Blick, stellt sie sich die Frage: »Warum schlägt in meiner Brust mir das Herz wohl gar so laut?« Sie weiß nicht und kann nicht wissen, dass er ein Prinz ist, dass er eine Braut sucht. Vielleicht imponiert ihr sein – wahrscheinlich – sicheres und weltmännisches Auftreten, doch für all die verschlungenen Gedankengänge eines strategischen Aufstiegplans bleibt keine Zeit: Sie verliebt sich in Ramiro, nicht in den Prinzen, sondern den Menschen. Und sie liebt ihn auch ohne die Erkenntnis, dass er der Notausgang aus ihrer misslichen Situation sein könnte. Seitens seines ebenso schnellen Liebesentschlusses ist die Sache ein bisschen komplizierter. Denn er erfüllt all die Bedingungen eines jungen, reichen Mannes, der das Leben bereits kennengelernt hat, und zwar von allen Seiten. Den goldenen Käfig, angefüllt mit Vergnügungen und Umwerbungen, hat er möglicherweise schon satt bekommen, ebenso das ewige Scharwenzeln allerlei Dienstwilliger rund um ihn. Ja, auch das Leben mit Frauen wird er schon OLI V ER LÁ NG
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PRÄZISION MIT HERZ
Im Gespräch m mit Premierendirigent Jesús López Cobos
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Rolf Glittenberg
DAS » CENERENTOLA «BÜHNENBILD
Rossinis La cenerentola ist für mich ein Fairy Tale, das eher etwas mit Alice in Wonderland und dem verrückten Hutmacher zu tun hat und nicht mit Grimms Märchen. Die Räume für die verarmte Welt Don Magnificos sollten sich so deutlich wie möglich von dem Schloss des Prinzen Ramiro unterscheiden. Deshalb sehen wir vom Hause einen sehr flachen Flur mit fünf Garderobe schränken. Dieser schäbige Flur mit den Resten einer Gemäldegalerie liegt vielleicht vor dem ehemals glänzenden Ballsaal des Hauses. Alle Räume des Anwesens sind völlig unbewohnbar geworden. Deshalb schläft der Hausherr auch in einem Schlafsack in einem der Schränke, eine Art Notküche ist auch da und zauberischer Weise kommt ein Waschtisch plötzlich an Stelle der Schlafimprovisation zum Vorschein. Und das berühmte Temporale? ROLF GLIT T EN BERG
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