SYNOPSIS
Act 1 The old Burya lives in her mill together with her grandson Števa and his cousin Jenůfa. Jenůfa is expecting Števa’s child, but has so far managed to keep it a secret. Števa’s stepbrother, the farmhand Laca, also loves Jenůfa. In a fit of jealous rage, Laca slashes Jenůfa’s face, ruining the beauty that enabled her to win Števa.
Act 2 Jenůfa has given birth to her child in secret at the house of her stepmother Kostelnička. Števa ignores Kostelnička’s pleas to acknowledge the child as his son. Laca is now her only hope: he has long since asked forgiveness for his misdeed, and would be prepared in take Jenůfa. However, he is appalled in learn that she has had a child by Števa. Kostelnička tells him that the child is dead, and sends him away to prepare everything from the wedding. Whilst Jenůfa is asleep, Kostelnička takes the baby and drowns him in the icy stream. She then convinces her stepdaughter that the child has died whilst Jenůfa was ill with a fever.
Act 3 The body of a baby is discovered on the day of Jenůfa and Laca’s wedding, to which Števa and his fiancée Karolka are also invited. Plagued by qualms of conscience, Kostelnička confesses her crime. Jenůfa forgives Kostelnička and gives Laca his freedom, but he stands by her, confessing his love for her. 5
SY NOPSIS
ÜBER DIESES PROGRAMMBUCH
Mit seiner auf Gabriela Preissovás Drama Její pastorkyňa basierenden Oper Jenůfa gelang dem aus Mähren stammenden Leoš Janáček der Durchbruch als Musiktheaterkomponist. Zwar fand die Uraufführung 1904 nur in Brünn und nicht wie Janáček ursprünglich gehofft hatte in Prag statt, doch trat das Werk dennoch bald den Siegeszug rund um die Welt an. Vor allem die Neuproduktion an der Wiener Hofoper, die 1918, wenige Monate vor dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie in der deutschen Übersetzung von Max Brod über die Bühne ging, verhalf Jenůfa zu ungeheurer Popularität. Der Historiker Clemens Höslinger präsentiert in Bezug auf die Wiener Erstaufführung Dokumente aus dem Österreichischen Staatsarchiv (Seite 68), Teresa Hrdlicka beleuchtet die spannende Korrespondenz zwischen dem Komponisten und dem Wiener Erstaufführungsdirigenten Hugo Reichenberger (Seite 80). Der Komponist steht in diesem Programmbuch naturgemäß mehrfach im Fokus: Als Schöpfer vielschichtiger Opernwerke (Andreas Láng, Seite 54), als ein seiner Wahrheit verpflichteter Künstler (Oliver Láng, Seite 46), als Komponist, der eine ganz persönliche, in der Sprache seiner Heimat grundierte Klangwelt erschuf (Christoph Schwandt, Seite 38). Auch der Dirigent der Wiederaufnahme 2022, Tomáš Hanus, widmet sich ab Seite 8 in seinem Essay dem Künstler Leoš Janáček, dessen Jenůfa er als »Lehre des Lebens« betrachtet. Pia Janke beleuchtet die Frauenfiguren der Oper im gesellschaftlichen Kontext (Seite 26) und Regisseur David Pountney beschreibt in einem Gespräch ab Seite 12, warum es sich bei Jenůfa, trotz aller Düsternis, um eine Erlösungsoper handelt. Ü BER DIE SE S PROGR A M MBUCH
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Christoph Schwandt
AM ANFANG WAR DIE SPRACHE
Noch vor Alban Bergs Wozzeck (entstanden 1915-21) und der Salome des Richard Strauss (1903-05) war es Leoš Janáček gelungen, einen seinerzeit erfolgreichen Schauspieltext ohne Hilfe eines Librettisten, nur mit eigenhändigen Kürzungen, ansonsten wortwörtlich in eine Oper zu verwandeln, die über die Jahrzehnte bei Weitem erfolgreicher sein sollte als das gesprochene Drama. Büchners Vorlage zu Bergs Komposition gehört zwar zum Kanon deutschen Sprechtheaters, erst die Oper aber machte den Stoff auch im Ausland bekannt. Strauss’ international noch namhafteres Werk – nach dem französisch gedichteten Einakter des Iren Oscar Wilde – wurde jedoch nicht nach dem Originalwortlaut vertont, sondern auf eine deutsche Übersetzung, was den Sprachklang und -rhythmus des Textes zwangsläufig stark veränderte. Wildes Salome verschwand außerdem mit dem sich wandelnden Zeitgeschmack von den Spielplänen. Mit Janáčeks Její pastorkyňa (Ihre Ziehtochter) kam unter deren späterem Titel Jenůfa eine auf den ersten Blick eher triviale Begebenheit mit Sex, Crime und Kirche aus der ostmitteleuropäischen Provinz auf die Opernbühnen einer CHR ISTOPH SCH WA N DT
→ Leoš Janáčeks Skizze zu Jenůfa
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» In der Zeit, als die Jenůfa komponiert wurde, berauschte ich mich an den Melodien der gesprochenen Worte – nicht nach dem Beispiel der werten Vorgänger. Verstohlen horchte ich auf die Sprache der Vorübergehenden, las ihren Gesichtsausdruck mit den Augen ab, gierig suchte ich jede Schwingung der Stimme zu erhaschen, beobachtete die Umgebung der Sprechenden, die Gesellschaft, die Tageszeit, Licht und Dämmerung, Kälte und Wärme. « Leoš Janáček 45
DIE ENKOLUMN TST EH U NG EN T DER IT EL J EN Ů FA
Oliver Láng
SEINER WAHRHEIT VER PFLICHTET
Prägende Aspekte aus Leoš Janáčeks Biografie
Dekorationsentwürfe zur Erstaufführung an der Wiener Hofoper, 1918
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DIE DEKOR AT ION EN DER »J EN Ů FA« 1918
Teresa Hrdlicka
» SIE WERDEN FREUDE ERLEBEN «
Zur Korrespondenz Leoš Janáček – Hugo Reichenberger