about today’s performance Gustav Mahler was »in seventh heaven« while working on his 5th Symphony. This was due to his great love, who would later become his wife, Alma Schindler, to whom he also dedicated the Adagietto – the famous slow movement from the »Fifth« composed between 1901 and 1904, that Marco Goecke now takes as the starting point for his first collaboration with the Vienna State Ballet. From his earliest works, Goecke has created an unmistakable language of movement, a »système Goeckien« in the words of the dance critic Horst Koegler, characterised by fluttering, trembling and wrenching, with which he creates »surreal, vibrating miracles« filled with a dark, glowing magic – as if the dancers’ bodies have been charged with high voltage current. However, Martin Schläpfer also takes us to »seventh heaven« in this programme with his ballet Marsch, Walzer, Polka to a series of dances by the Strauß family that the Director of the Vienna State Ballet uses as the score for his »Viennese ballet«: a homage to waltz dreams and the ecstasy of dance but also a piece of fine portraiture and subtle humour with a new design by the Viennese fashion artist Susanne Bisovsky, whose experimental works, inspired by historical Tracht, probe the boundaries between tradition and the avantgarde. Marsch, Walzer, Polka was first created in 2006 – and it has accompanied Martin Schläpfer ever since. For its Viennese premiere he has now created an additional dance scene to the Neue Pizzicato-Polka by Johann Strauß II. Georges Bizet’s Symphony in C was clearly written with an awareness of its great Viennese precursors: its intonations are reminiscent of Haydn and Mozart, its proportions of Beethoven, but one can also hear melodics learned from Schubert. It is the work of a 17-year-old, composed in 1855 at the Paris Conservatoire – and yet it is more than a purely exercise in style. The symphony was given its first public performance in 1935 by Felix Weingartner in Basel. George Balanchine discovered it for dance in 1947 and, fascinated by the distinct hierarchy within the Ballet de l’Opéra de Paris, he transposed this into a skilful interplay of solos, pas de deux and group dances in an architecture of movement, a »crystal palace« of choreography with which, in the version that was revised a year later for the New York City Ballet as Symphony in C, another »seventh heaven« opens up: a finale of enchanting brilliance and virtuosity.
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ABOUT TODAY’S PERFORMANCE
Hyo-Jung Kang, Alexey Popov
Alexandra Inculet, Géraud Wielick
Die Heftigkeit, mit der Gustav Mahler seinen zweiten Satz beginnt, wird in der Folge von einer ruhigen, mehr nach innen gekehrten Episode abgelöst, die auf den ersten Satz verweist. Die beiden Stimmungen sind sehr unterschiedlich und spiegeln eine Doppelstruktur wider, welche die ganze Symphonie charakterisiert: Die beiden ersten Sätze heben sich deutlich vom dritten, vierten und fünften Satz ab. Am Ende des zweiten Satzes herrscht Stille. Eine Tänzerin rezitiert laut flüsternd wenige Verse aus dem Gedicht Mein Vogel von Ingeborg Bachmann. Die ganze Gruppe kommt hinzu. Da setzt der vierte Satz, das Adagietto, ein. Was Marco Goecke zu dieser Musik choreographiert, unterscheidet sich deutlich von den bisher existierenden Bearbeitungen des Adagietto für den Tanz. Er beginnt mit dem Solo eines Tänzers auf dem Boden. Der nach innen lauschende, sich langsam steigernde Dialog zwischen Harfen und Streichern scheint die vorher geflüsterten Bachmann-Verse aufzugreifen: »Was auch geschieht: du weißt deine Zeit, mein Vogel, nimmst deinen Schleier und fliegst durch den Nebel zu mir.« Für Marco Goecke ist auch die geschriebene oder gesprochene Sprache, insbesondere das poetisch verdichtete Wort, ein Ausdrucksmittel, das ihm neben dem Tanz viel bedeutet. Mahlers Streichermelodie, die sich ins Unendliche fortspinnen könnte und der man unendlich lang zuhören möchte, verlockt ihn dazu, sie mit den schwebenden Geschöpfen der Lüfte in Verbindung zu bringen. Thomas Mikas Bühnenbild und Kostüme lenken den Blick behutsam auf diese Welt des Ätherischen. Vermittelt wird diese Verbindung durch Bachmanns Wort. Der Vogel ist bei ihr eine Eule, deren Feder es der Dichterin ermöglicht, das rettende Wort zu schreiben. »So wie die Eule stellt sich auch das Wort zur rechten Zeit ein, durchdringt den Nebel, folgt dem Wink, stößt hinaus und schwingt sich am Ende zur höheren Warte empor. Ingeborg Bachmann vertraut auf das Wort: Es steht ihr bei und raubt sie zugleich aus, es verschleiert und entlarvt, es wirbelt auf und besänftigt, ist sowohl durchsichtig als auch geheimnisvoll, dieses Wort auf Treu und Glauben!« So formuliert es der Schriftsteller Ludwig Harig 1994 in seiner Deutung des Gedichts. Es ist das hier verborgene Paradox der Zeitlichkeit – das rettende Wort zur rechten Zeit als Schlüssel zur Unendlichkeit, die Hoffnung auf den rechten Moment neben der Furcht vor der Zeit, die unser Dasein frisst –, das Marco Goecke interessiert. Er verwandelt, getragen von Mahlers Klängen, die Allegorie der Feder als »Waffe«, die bei der Suche nach dem Wort zur rechten Zeit dienlich ist, in eine Suche nach der rechten Bewegung, dem rettenden Schritt im richtigen Moment.
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FLY PAPER BIRD
INGEBORG BACHMANN
Mein Vogel Was auch geschieht: die verheerte Welt sinkt in die Dämmrung zurück, einen Schlaftrunk halten ihr die Wälder bereit, und vom Turm, den der Wächter verließ, blicken ruhig und stet die Augen der Eule herab. Was auch geschieht: du weißt deine Zeit, mein Vogel, nimmst deinen Schleier und fliegst durch den Nebel zu mir. Wir äugen im Dunstkreis, den das Gelichter bewohnt. Du folgst meinem Wink, stößt hinaus und wirbelst Gefieder und Fell – Mein eisgrauer Schultergenoss, meine Waffe, mit jener Feder besteckt, meiner einzigen Waffe! Mein einziger Schmuck: Schleier und Feder von dir. Wenn auch im Nadeltanz unterm Baum die Haut mir brennt und der hüfthohe Strauch mich mit würzigen Blättern versucht, wenn meine Locke züngelt, sich wiegt und nach Feuchte verzehrt,
Duccio Tariello, Marcos Menha