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Programmheft »I Puritani«

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I PURITANI Vincenzo Bellini


Elvira under the veil. The wedding party returns to the room and is outraged at the flight of Arthur and the prisoner. Elvira is completely stunned by the faithlessness she wrongly supposes Arthur to be guilty of and loses her reason.

Part II Waltonʼs castle The occupants of the fortress bemoan Elvira’s lot. Sir Richard reports that parliament has condemned Arthur to die. Elviraʼs behaviour in front of Sir George and Sir Richard leaves no doubt of her wretched mental state. Sir George believes that a welcome surprise could restore her sanity. He implores Sir Richard to save Arthur. At length, Sir Richard agrees: only if Arthur is in league with the enemy shall he die.

Part III In a forest Arthurʼs love for Elvira drives him to leave his exile to see her. The strains of a romance issue from the house, sung by Elvira, and Arthur joins in. When Elvira enters, Arthur explains the reasons for his flight and begs her forgiveness. At times Elvira seems to be in possession of all her senses. But as Arthurʼs pursuers approach, she loses her reason again. She takes the Puritansʼ drums for wedding music and believes Arthur will leave her again. The Puritans enter bearing torches and threaten to kill Arthur. The shock of seeing her lover in danger of his life restores Elvira to her senses. The situation seems hopeless, Elvira and Arthur wish each other farewell for ever. A herald arrives with the news of the defeat of the Stuarts and a pardon for all prisoners. Elvira falls into the arms of Arthur; in this moment, Richard flings himself at the couple and stabs Arthur.

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SY NOPSIS


ÜBER DIESES PROGRAMMBUCH

»Geschichte wird bei Bellini benutzt, um Seelenzustände deutlich zu machen, nicht aber um historische Fakten musikalisch oder szenisch zu bebildern«. So erläutert der Regisseur der aktuellen Produktion, John Dew, ab Seite 10 den Zugang des Komponisten zu historischen Vorlagen und Gegebenheiten. Damit spricht er den Foliencharakter an, den historische Fakten für den künstlerischen Zugriff der Romantik hatten: es ging um keine wasserdichte und korrekte Dokumentation von Ereignissen, sondern um eine ausreichend dramatische Spielfläche, die angepasst werden konnte. Über die tatsächlichen geschichtlichen Hintergründe berichtet in diesem Programmbuch Kurt Kluxen, der ab Seite 14 die englische historische Lage umreißt. Die Geschichte und Weltsicht der Puritaner ist auf Seite 12 nachzulesen, und wie Alexandre Dumas d.Ä. die historischen Ereignisse rund um die Hinrichtung Karls I. in seinem Roman Zwanzig Jahre danach (der Nachfolgeband von Die drei Musketiere) beschrieb, findet sich auf Seite 20. Über nicht vertonte Opern von Bellini und Dumas erzählt Sergio Morabito ab Seite 72. Auf einige charakteristische romantische Motive, die in der Oper vorkommen, weist Margrit Poremba ab Seite 66 hin, über das Wesen des Romantischen an sich schreibt Peter Rummenhöller ab Seite 26. Auf den Komponisten Bellini und seine Zeit werden in diesem Programmbuch zahlreiche, sehr unterschiedliche Schlaglichter geworfen: Das politische, geistige und künstlerische Leben im Paris Bellinis skizziert Werner Oehlmann ab Seite 32, Anmerkungen von Heinrich Heine, Richard Wagner und Johann Christian Lobe zeigen den historischen Blick auf den Komponisten. Die Entstehungsgeschichte (ab Seite 36) wird ebenso beleuchtet, wie auch die literarische Quellenlage (ab Seite 42) thematisiert wird. Anmerkungen zur Musik Bellinis, ein Brief des Komponisten an seinen Librettisten wie auch Aufführungsfotos aus der Geschichte dieser Inszenierung runden das Themenangebot dieses Heftes ab.

Ü BER DIE SE S PROGR A M MBUCH

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Kurt Kluxen

NOTIZEN ZUR GESCHICHTE ENGLANDS »RUND UM« DIE CROMWELL-ÄRA Der Weg in die Revolution – Karl I. Karl I. übernahm eine zwiespältige Erbschaft voller ungelöster Probleme. Der populäre Krieg mit Spanien (1624-1629) war nicht wie erhofft ein gewinnbringender Beutekrieg, sondern erweiterte sich noch durch den Krieg mit Frankreich (1626-1629) und brachte keine überzeugenden Erfolge. Der König stand in den ersten Jahren unter dem Einfluss Buckinghams, jenes Günstlings seines Vaters, der die Leidenschaft des Machtmenschen hatte, dem aber der höhere Kalkül des weiterblickenden Staatsmannes abging. Nun arrangierte Buckingham eine französische Heirat für Karl mit dem Hintergedanken, durch ein französisch-englisches Vorgehen am Rhein doch noch die Pfalz für den Schwager des Königs, den Kurfürsten und »Winterkönig« Friedrich V. von der Pfalz, zurückzugewinnen. Zwei Monate noch Karls Thronbesteigung kam die Heirat mit der fünfzehnjährigen Henrietta Maria, der Schwester Ludwigs XIII., zustande. Der Papst hatte sich nach geheimen Konzessionen an den englischen Katholizismus mit dieser Ehe einer katholischen Prinzessin mit einem protestantischen König einverstanden erklärt. Karls Heirat und seine Begünstigung bischofskirchlicher Bestrebungen, die von den Puritanern als »papistisch verseucht« angesehen wurden, erregten den Verdacht kryptokatholischer Neigungen des Königs. Die opponierende, in ihren Geschäftsinteressen sich beengt fühlende Kaufmannschaft neigte aus Protest dem Puritanismus zu. K U RT K LU X EN

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ZUR ENTSTEHUNGSGESCHICHTE

Vincenzo Bellinis letzte Oper I puritani, uraufgeführt im Pariser ThéâtreItalien am 24. Jänner 1835, weist eine komplexe Entstehungsgeschichte auf. Man kann diese Oper von vielen verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachten: Der Text wurde von einem gänzlich unerfahrenen Librettisten verfasst; geschrieben wurden die Puritaner für zwei verschiedene Opernhäuser (Paris und Neapel) und für zwei verschiedene Primadonnen (Giulia Grisi und Maria Malibran); ihre Entstehung wurde von unterschiedlichsten MusikerMeinungen beeinflusst, insbesondere von Gioachino Rossini, der führenden Kraft des Théâtre-Italien. Es existiert eine Materialfülle zur Entstehungsgeschichte: Entwurfskizzen, ein wortreicher Briefwechsel zwischen Bellini und seinen Künstlerkollegen in Paris und Neapel, außerdem Musikhandschriften, die variantenreiche Legenden der Entstehungsgeschichte beinhalten... Bellini verbrachte eineinhalb Jahre in Paris mit der sorgfältigsten Vorarbeit und wartete hoffnungsfroh auf einen großen persönlichen Triumph. Er verwand mehr Zeit auf die Komposition der Puritaner als auf irgendeine seiner früheren Opern. Die Proben begannen Monate vor der Premiere. Die Solisten seiner Wahl – seitdem als das »Puritaner-Quartett« bekannt – Giulia Grisi (Sopran), Giovanni Battista Rubini (Tenor), Antonio Tamburini (Bariton) und Luigi Lablache (Bass), waren zu ihrer Zeit bereits eine Legende. Der Komponist schrieb nach der Opernpremiere an seinen besten Freund, Francesco Florimo, zu der Zeit Bibliothekar am Neapolitanischen Konservatorium, folgende Worte: »Oh, mein lieber Florimo, wie zufrieden bin ich... Was für einen Moment Z U R EN TST EH U NGSGE SCHICH T E

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Königshauses nicht bis zur Bereitschaft reichte, das Martyrium eines monarchistischen Vaudevilles von Monsieur Ancelot über sich ergehen zu lassen: Die Ritter blieben zu Hause und Monsieur Ancelot hatte nur mit Rundköpfen zu tun, die sein Werk gnadenlos auspfiffen. Anderen, nicht weniger glaubhaften Berichten zufolge soll sich damals bei dieser Gelegenheit ein spontaner Zusammenschluss beider Parteiungen ergeben haben, und Monsieur Ancelot wurde von Rittern und Rundköpfen brüderlich ausgepfiffen. Es ist ein schöner Moment in der dramatischen Laufbahn des Monsieur Ancelot, die widerstreitenden Interessen solcherart ausgeglichen und im Meinungsstreit Einmütigkeit hergestellt zu haben. «

Hippolyte Rolle im Constitutionnel vom 26. Jänner 1835


Elisabeth Eleonore Bauer

KLINGT WIE BELLINI

Die Entrüstung der deutschen Kritiker über Bellinis »Dutzendware« bezog sich auf die Wiederverwertung eigner musikalischer Einfälle. Dabei schlugen sie den Sack und meinten den Esel, bei näherer Betrachtung allerdings erweist sich auch der geschlagene Sack als leer: in all den Fällen, wo der Verdacht auf Selbstparodie von den Kritikern an Beispielen konkretisiert wurde, ist er tatsächlich unbegründet. Weder stammt die Cabaletta der Beatrice aus Norma, noch finden sich in Norma faustdicke Reminiszenzen aus Il pirata oder I Capuleti bzw. in letztgenannter Oper Parodien aus La straniera. Gemeint war mit dem Parodievorwurf offenbar etwas ganz anderes. Er zielt ab auf die Wahrung von musikästhetischen Grundwerten, die längst auch die Bemühungen um eine deutsche Nationaloper miterfasst hatten: die Unverwechselbarkeit und Charakteristik der musikdramatischen Situation sowie die Einmaligkeit und Originalität des musikalischen Einfalls. Für eine solche in Deutschland heiß diskutierte Opernästhetik waren ausgerechnet die Werke Bellinis eine äußerste Provokation. Sie weisen, anders und mehr noch als die ELISA BET H ELEONOR E BAU ER

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Sergio Morabito

DIE UNGESCHRIEBENEN OPERN VON BELLINI UND DUMAS »1835 war ich mit Briefen des armen Bellini nach Catania unterwegs. Nach meiner Rückkehr sollten wir zusammen eine Oper schreiben. Ich verließ ihn in der Blüte seiner Jugend, im Augenblick der vollen Entfaltung seines Talents. Wie hätte er nicht Pläne schmieden sollen? Was hätte ihn davon abhalten sollen, zu sagen »im nächsten Jahr«? Doch, ach! Als ich Catania erreichte, als ich die Briefe jenen Freunden übergab, an die sie adressiert waren, als ich seinen alten Vater umarmte, den die Triumphe seines Sohnes überglücklich machten, war Bellini bereits tot.« So gedenkt Alexandre Dumas der Ältere in dem Erlebnisbericht Eine Odyssee im Jahre 1860 seines ersten Süditalienaufenthaltes 25 Jahre zuvor. Wie ihn die Nachricht vom plötzlichen Tod des noch nicht 35-jährigen Bellini damals erreichte, hat er in der Revue et Gazette musicale de Paris vom 10. Jänner 1836 erstmals geschildert: »Ich befand mich in einem halbschlafähnlichen Zustand, in dem kein klarer und folgerichtiger Gedanke möglich und Realität vom Traum kaum zu unterscheiden ist; als jemand den Namen Bellini aussprach, führten mich meine Gedanken nach Palermo zurück, wo ich seine Norma gehört hatte, die vielleicht sein Meisterwerk ist. Ich erinnerte mich an das Terzett des ersten Aktes; sanft gewiegt von seiner Melodie bewegte ich mich einen weiteren Schritt auf den Schlummer zu; dann glaubte ich zu vernehmen: Er ist gestorben. Bellini ist gestorben! … Ja, wiederholte ich mechanisch, Bellini gestorben … und schlief ein. SERGIO MOR A BITO

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» Die bis zum Exzess getriebene Erhitzung der Affekte stellt das gemeinsame Merkmal der Komponisten dar, von denen die Opera seria getragen wurde: Bellini und Donizetti, Pacini und Mercadante und schließlich Verdi. « Carl Dahlhaus


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