Skip to main content

Programmheft »Guillaume Tell«

Page 1

GIOACHINO ROSSINI

GUILLAUME TELL


INHALT

S.

4

DIE HANDLUNG S.

6

ÜBER DIESES PROGRAMMBUCH S.

10

DER SPRUNG IN DIE ZUKUNFT BERTRAND DE BILLY IM GESPRÄCH S.

16

S.

38

WILHELM – GUILLAUME – GUGLIELMO WILLIAM WEAVER S.

40

URSPRUNG, GESTALT & WIRKUNG DES MYTHOS VON TELL JEAN RUDOLF VON SALIS

EIN KOMPONIST IM RUHESTAND EDUARD HANSLICK

18

WÜRDEN SIE HEUTE ABEND ETWAS WENIGER SCHREIEN ALS SONST? CHRISTIAN SPRINGER

S.

DER MANIPULIERTE HELD – DAS BEISPIEL WILHELM TELL FRANZ ZELGER

24

S.

S.

44

54

30

DIE INTERPRETINNEN & INTERPRETEN DES GUILLAUME TELL AN DER WIENER OPER MICHAEL JAHN

DIE GRAND OPÉRA, GUILLAUME TELL & DIE FOLGEN SUSANNE KAULICH

TEXTBUCH

S.

ZEITTAFEL S.

S.

S.

62

120

IMPRESSUM


Liberté, redescends des cieux, et que ton règne recommence ! Freiheit, steig herab vom Himmel, auf dass deine Herrschaft neu beginne! GUILLAUME TELL, 4. Akt


FRANÇOIS-JOSEPH FÉTIS IN LA REVUE MUSICALE

»DIESE OPER ENTHÄLT GENUG IDEEN, UM ZEHN SEHR SCHÖNE OPERN DARAUS ZU MACHEN.«


GESCHICHTE & OPER

Seit 1032 gehörte die (spätere) Schweiz zum Deutschen Reich. Hintergrund der auf das Jahr 1307 zu datierenden, historisch jedoch nicht belegten Wilhelm-Tell-Sage sind die Bestrebungen der Schweizer Waldorte um »Reichsunmittelbarkeit«, d.h. direkt dem Deutschen Reich zu unterstehen und sich nicht der österreichischen Hausmacht der Habsburger einverleiben zu lassen. Die Oper verbindet (wie das Schillerʼsche Drama) drei ausein­ anderliegende Ereignisse zu einer an zwei Tagen spielenden Handlung: Das »Ewige Bündnis« der drei Waldorte Uri, Schwyz und Unterwalden 1291 gegen Habsburg, die (unhistorischen) Begebenheiten um Wilhelm Tell und die Gewaltherrschaft eines Landvogtes Gessler, um Rütli-Schwur und Apfelschuss von – angeblich – 1307, sodann den ersten großen Sieg der drei »Urkantone« 1315 bei Morgarten gegen das Ritterheer des Herzogs Leopold I. von Österreich. Damit wurden die drei Orte wieder »reichsunmittelbar«, sie bildeten den Kern der späteren »Eidgenossenschaft«, deren förmliche Unabhängigkeit in ihrer Gesamtheit dann 1474 von Habsburg anerkannt werden musste. 1499 löste sich die Schweiz auch aus dem Deutschen Reich. Die historische Tatsache, dass der Schweizer Widerstand um 1300 den regionalen Besitzansprüchen der Habsburger galt, nicht jedoch dem Deutschen Reich (das 1307 von einem Habsburger, nämlich König Albrecht I. von Österreich, regiert wurde), wird in der Opernhandlung begrifflich verwischt – hier fungieren Gessler, das Reich und die Habsburger Truppen gemeinsam als Repräsentanten von Gewaltherrschaft und Unterdrückung, die abzuwerfen am Schluss gelingt. Die Figur der Prinzessin Mathilde von Habsburg entstand aus der Berta von Bruneck des Schiller-Dramas und gibt der Oper die unvermeidbare Liebeshandlung.

8

KS THOMAS HAMPSON als GUILLAUME TELL


53


MICHAEL JAHN

DIE INTER- PRETINNEN & INTERPRETEN DES GUILLAUME TELL AN DER WIENER OPER Rossinis Opern in Wien, Rossini und Wien – dieses Kapitel der Musikgeschichte kann man mit Fug und Recht unter dem Titel »Erfolg« subsumieren. Die Werke des Pesareser Meisters beherrschten im frühen 19. Jahrhundert in einer fast unglaublichen Anzahl das Repertoire der Wiener Opernszene in den führenden Häusern: im Kärntnertortheater und im Theater an der Wien (dargeboten sowohl in italienischer als auch in deutscher Sprache): 1816 wurden Lʼinganno felice und Tancredi erstaufgeführt, 1817 Lʼitaliana in Algeri und Ciro in Babilonia, 1818 Elisabetta, 1819 La gazza ladra, Otello, Il barbiere di Si­ viglia und Ricciardo e Zoraide, 1820 Il turco in Italia und La cenerentola, 1821 Mosè in Egitto, La pietra del paragone (unter dem Titel Weiberproben), Tor­ valdo e Dorliska und Armida, 1822 La donna del lago; sechzehn Opern, eine erfolgreicher als die andere. Wien konnte als die Rossini-Hauptstadt schlechthin gelten, als die Wiener Vorherige Seite KS GIUSEPPE SABBATINI als ARNOLD & KS NANCY GUSTAFSON als MATHILDE

Zeitung am 27. März 1822 die Ankunft des berühmtesten italienischen Komponisten seiner Epoche meldete: Der Maestro war am 23. März, gemeinsam mit seiner Frau Isabella Colbran, in der Kaiserstadt eingetroffen und im Hotel Zum goldenen Ochsen abgestiegen. Er hatte zwar keine für Wien neu komponierte Oper im Gepäck, studierte jedoch zwei umjubelte Erstaufführungen ein: Zelmira, in welcher die für Wien eingefügte Arie »Ciel pietoso« im zweiten Akt zum ersten Mal gesungen wurde, und Matilde di Shabran (unter dem Titel Corradino ossia Bellezza e cuor di ferro) mit einer für den berühmten Tenor Giovanni David (neben der Colbran der Star der italienischen Stagione) eingelegten Arie aus La donna del lago. Auch in den Wiederaufnahmen von Elisabetta und Ricciardo e Zoraide (in einer einaktigen Fassung) zeichnete Rossini für musikalische Modifikationen verantwortlich. Am 22. Juli 1822 reiste der umjubelte Kom-

54


WIENER- STAATSOPER.AT


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Programmheft »Guillaume Tell« by Wiener Staatsoper GmbH - Issuu