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Programmheft »Die Fledermaus«

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Johann Strauß


DIE HANDLUNG Die Handlung rankt sich um den Ball beim Prinzen Orlofsky. Zu ihm werden im 1. Akt alle handelnden Personen, mit Ausnahme Alfreds, des in Rosalinde verliebten Tenors, der kometengleich am Rande des Geschehens dahinwandelt, magnetisch hingezogen: Das Stubenmädchen Adele wird, wie sie glaubt, durch ihre Schwester Ida dorthin eingeladen und muss eine rührende Geschichte von einer kranken Tante erfinden, um nach einigem Hin und Her Ausgang zu bekommen, und ihr Brotherr, der Rentier Eisenstein, wird durch seinen Freund Dr. Falke überredet, sich mit ihm bei Orlofsky zu amüsieren, statt eine Gefängnisstrafe anzutreten, die ihm wegen einer Amtsehrenbeleidigung zugemessen wurde – freilich verfolgt Dr. Falke damit seinen eigenen Plan, denn Eisenstein hat ihn einmal vor der ganzen Stadt blamiert, als er ihn nach einem Maskenball betrunken und als Fledermaus verkleidet durch die Straßen nach Hause gehen ließ. Nun sieht Falke die Gelegenheit zur Rache gekommen. Darum lädt er zum Schluss auch Eisensteins Gattin Rosalinde zum Ball ein. Diese gerät vorher noch in beträchtliche Verwirrung, als nach Eisensteins vermeintlichem Abgang in den Arrest ihr früherer Verehrer Alfred auftaucht, ihr Herz bedrängt, aber vom Gefängnisdirektor Frank an Eisensteins Stelle verhaftet wird. Frank begibt sich nach dieser Amtshandlung befriedigt ebenfalls zum Ball bei Orlofsky. Beim Ball des Prinzen Orlofsky geraten alle von Dr. Falke arrangierten Verwicklungen aufs Beste. Eisenstein begegnet zu seiner Verblüffung seinem Stubenmädchen Adele, die ihre Identität frech leugnet, schließt Freundschaft mit dem Gefängnisdirektor und verliebt sich schließlich in seine eigene, als ungarische Gräfin kostümierte und maskierte Gattin. Der 3. Akt löst die Knoten wieder. Er spielt im Gefängnis, welches eine dubiose Note durch den niemals nüchternen Gerichtsdiener Frosch erhält. Alle finden sich dort nach und nach ein: nach dem verkaterten Direktor Frank zunächst Adele, die einen Mäzen zur Ausbildung ihres dramatischen Talents sucht, nebst ihrer Schwester Ida, dann Eisenstein, der zu seinem Erstaunen erfährt, dass er ja bereits die ganze Nacht eingesperrt war; als auch Rosalinde erscheint und gemeinsam mit dem verhafteten Alfred eine Unterredung mit einem Notar fordert, setzt Eisenstein sich verkleidet an die Stelle des Notars Dr. Blind und kommt so hinter die Ereignisse des vergangenen ← Abends. Zum Glück lässt er sich schließlich überzeugen, dass auch diese ein Vorherige Seiten: 2. Akt Teil von Dr. Falkes Racheplan waren, und so geht alles gut aus, um so mehr, Szenenbild, → KS Bernd Weikl als als Adele im Prinzen Orlofsky tatsächlich ihren Mäzen findet. Eisenstein und KS Walter Berry als Falke, 1979

DIE H A N DLU NG

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SYNOPSIS All the principal characters seem to be drawn as if by a magnet to Prince Orlofsky’s ball, with the exception of the tenor Alfred, who makes fleeting appearances an the fringe of events. Adele, a housemaid, is invited (or so she thinks) by her sister Ida and has to make up a heartrending story about a bedridden aunt in order to be given the night off. Her employer Eisenstein, a gentleman of ample means, is persuaded by his friend Dr. Falke to enjoy himself at Orlofsky’s instead of starting a spell in prison to which he has been sentenced for insulting an official. In doing so Falke is pursuing a plan of his own, for on one occasion Eisenstein had made him look a fool in public by getting him drunk at a masked ball and then letting him find his way home dressed as a bat. Now is Falke’s chance of revenge. He therefore also invites Eisenstein’s wife Rosalinda to the ball. Rosalinda is in a flurry because as soon as Eisenstein has gone off a former admirer of hers named Alfred turns up, pays court to her, and is then arrested by the governor of the prison, Frank, in mistake for Eisenstein. Preening himself over making this arrest, Frank too goes to the ball. All Dr. Falke’s schemes go smoothly. Eisenstein comes upon his housemaid Adele, who stoutly denies who she is. Then he makes friends with Frank, and finally falls in love with his own wife disguised as a Hungarian Countess. The third act brings the customary dénouements. It opens in a prison cell made even more murky by the antics of the gaoler Frosch, who is never sober. At one time or another all the characters find their way here: first Frank, with a shocking hangover; then Adele, who is on the look-out for a patron to develop her talent for the stage, together with her sister Ida; and then Eisenstein, who learns to his astonishment that he has been in prison all night. When Rosalinda appears upon the scene and makes an appointment with Alfred, still under arrest, to visit a lawyer, Eisenstein impersonates the lawyer Dr. Blind and thus finds out what really happened the night before. Fortunately, he is eventually persuaded that it was all part of Dr. Falke’s plan of revenge, and all is well in the end, especially as Adele finds an enthusiastic and wealthy patron in the person of Prince Orlofsky.

← KS Alfred Šramek als Frank, 2011

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SY NOPSIS


ÜBER DIESES PROGRAMMBUCH Kaum ein anders Werk für das Musiktheater wird weltweit so sehr mit Wien assoziiert wie Johann Strauß’ Die Fledermaus – und das obwohl die Donaumetropole nicht einen einzigen Moment lang als Schauplatz der Handlung fungiert, sondern die kleine Kurstadt Baden. Warum sich diese Operette, die in atemberaubender Schnelligkeit geschaffen wurde, trotz aller widrigen Umstände von Anfang an als Erfolgsstück etablieren konnte, beschreibt Franz Mailer ab Seite 12. Wie sehr Johann Strauß neben seinem musikalischen Talent auch ein Gespür für effektives Marketing besaß und es überdies fertigbrachte, sogar große Komponistenkollegen für die Verbreitung seiner Werke einzuspannen, arbeitet Franz Endler, der ehemalige Doyen der österreichischen Musikkritik, heraus (Seite 32). Auf Analogien zwischen der Musik der Fledermaus und Mozarts Da Ponte-Opern weist der Komponist Iván Eröd in seinem Beitrag hin und unterstreicht zugleich die Modernität der Partitur, die in manchen Aspekten sogar die Zweite Wiener Schule vorwegnahm (Seite 42). Der österreichische Schriftsteller und scharfzüngige Feuilletonist Hans Weigel sieht das Besondere an der Fledermaus im Widerspruch zwischen ihrem Erfolg und dem vollständigen Mangel an Aktion. Zugleich stellt er die Frage, inwieweit gerade die Leugnung der Realität die Zeitlosigkeit des Werkes sichert und dem Publikum paradoxerweise ermöglicht, sich mit den Charakteren auf der Bühne zu identifizieren (Seite 38). Oliver Láng arbeitet ab Seite 70 die vielfältigen Variationen von Lüge und bewusster Unschärfe als Grundthema der Fledermaus heraus und Michael Jahn steuert eine kurze Wiener Rezeptionsgeschichte dieser so populären Operette bei (Seite 63). Abschließend weist Staatsopern-Ehrenmitglied KS Heinz Zednik auf die Besonderheit des Wiener Klanges hin, der sich dem allgemeinen Trend des Verlusts eines spezifischen, unverwechselbaren Lokalkolorits entgegenstellte (Seite 84).

→ Folgende Seiten: Szenenbild, 1. Akt

Ü BER DIE SE S PROGR A M MBUCH

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» JEDER HAT SEIN LEICHERL IM KELLER « Otto Schenk, der Regisseur der Staatsopernproduktion der Fledermaus, im Gespräch mit Oliver Láng

Grundsätzlich: Was macht das Genre der Operette heute so schwer? Vielleicht die Tatsache, das sie oftmals in schrecklichen Zeiten geboren wurde und ein Ausweg in ein helleres, leichteres, schöneres Leben war. Sie war ein Aufatmen, das hat Karl Kraus der Lustigen Witwe ja – zu Unrecht – vorgeworfen. Heute gibt es so viele andere Ausweichmöglichkeiten aus den Schwierigkeiten des Lebens. Abgesehen davon gibt es sehr wenig erste Sänger, die Operette singen können: ein Vilja-Lied ist einfach schwer zu singen. OTTO SCHENK

Wie oft haben Sie die Fledermaus schon inszeniert? SCHENK Sechsmal. In Wien, Berlin, Düsseldorf, Dortmund, New York und fürs Fernsehen.

» J EDER H AT SEIN LEICHER L IM K ELLER «

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Franz Endler

JOHANN STRAUSS SOHN

Der 1825 geborene Johann Strauß Sohn wurde unmittelbar nach der Trennung der Eltern Kompositionsschüler bei dem in Wien angesehenen Raimund-Komponisten Joseph Drechsler und gründete 1844 seine erste Kapelle, mit der er bei Lebzeiten » gegen den Vater « antrat... Was von den Zwistigkeiten zwischen Vater und Sohn in der Legende immer wieder Inhalt von Operetten oder Romanen wurde, kann seriös schwer nachgewiesen werden. Gewiss muss Strauß Sohn darunter gelitten haben, ohne Vater aufwachsen und seine Mutter leiden sehen zu müssen. Gewiss hat er auch » gegen « seinen Vater musiziert. Doch für die Nachwelt dürfte es viel faszinierender sein, einmal nachzuhören, wie sich Strauß Sohn erst langsam von den Walzern seines Vaters löst und wie lang er braucht, um so populär drauflosschreiben ← Seiten: zu können wie sein väterlicher Konkurrent, dem immerhin noch ganz zuletzt Vorherige Rudolf von Alt: Wiener Salon der Makart-Zeit eine Komposition vom Format des Radetzkymarsch gelang. FR A NZ EN DLER

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WAS GESCHAH IM JAHR DER FLEDERMAUSURAUFFÜHRUNG?


Oliver Láng

LÜGEN À LA EISENSTEIN

Eine Topografie der Unwahrheit in der Fledermaus OLI V ER LÁ NG

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Richard Strauss an Johann Strauß (1894)

» Möchten Sie ein Millionstel von dem Glück genießen und der Fröhlichkeit stets teilhaftig sein, die Sie in der langen Zeit Ihrer künstlerischen Tätigkeit allen Menschen und nicht zuletzt dem ergebenen Schreiber dieser Zeilen durch Ihre genialen Kompositionen erleben ließen. «


Heinz Zednik

WIENER KLANGSTIL? Das viel zitierte » Musikland Österreich «, die international gepriesene eigenständige Musiktradition: Gibt es das alles wirklich? Kann es das in einer vernetzten Welt, in einem mehr und mehr zusammenwachsenden Europa überhaupt geben? Oder anders gefragt: Spielt ein Wiener einen Wiener Walzer wirklich wienerischer? Ich denke: ja. Das bisserl » Schlamperte, der besonders süße Geigenklang, die um eine Spur verzögerten Auftakte: Das alles macht den typischen, eben auch aus der böhmischen, ungarischen und jüdischen Musizierweise gespeisten, Stil aus! Und unsere großen Wiener Orchester besitzen diese Tradition, die ihnen zweifellos eine ganz spezifische Eigenart und Farbe verleiht und die sie bis heute pflegen und weitergeben. Allerdings ist weltweit eine nicht ungefährliche Entwicklung festzustellen, die ein Angleichen der Musizierstile zur Folge hat. Die scharfen Grenzen zwischen lokalen Besonderheiten verschwimmen immer mehr, die Orchester, Instrumentalisten sowie Sängerinnen und Sänger klingen einander immer ähnlicher. Spezifisches geht verloren, und wir bewegen uns mehr und mehr in die Richtung eines » Weltklanges «, der in allen großen Musikzentren zu hören ist. Dies hat mehrere Gründe: Erstens natürlich gibt es heute die Möglichkeit für Künstler, quer durch die Welt zu reisen. Das fixe Sänger-Ensemble, an das man für lange Zeit gebunden ist, gibt es ja schon fast nicht mehr. Wenn man sich die Besetzungen anschaut, singen eine Handvoll Sänger an den wichtigen Häusern dieselben Partien. Heute in Tokio, morgen in New York – das ist schon längst kein Problem mehr. Dazu kommt, dass auch HEINZ ZEDN IK

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