DON PASQUALE Gaetano Donizetti
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SY NOPSIS
ÜBER DIESES PROGRAMMBUCH
Mit Don Pasquale beschloss Gaetano Donizetti für lange Zeit die Geschichte der italienischen Opera buffa: Nach diesem Werk (uraufgeführt 1843 in Paris) wagte sich für lange Zeit kein bedeutender Komponist mehr an das Genre heran, bis endlich Giuseppe Verdi, genau 50 Jahre später, seinen Falstaff herausbrachte. Die besondere Stellung der Pasquale-Musiksprache behandeln in diesem Programmbuch gleich mehrere Autoren: Daniel Brandenburg verweist auf den Einfluss der französischen Oper bzw. der Musikmetropole Paris auf Donizettis Werk respektive auf Don Pasquale (Seite 28), der Komponist Gerald Resch analysiert ab Seite 46 die Oper aus »Kollegen-Sicht« und Carl Dahlhaus beschäftigt sich mit dem Konzept und den Bedingungen des Komischen in der Oper (Seite 54). Der Dirigent der Premiere – Jesús López Cobos – erläutert im Gespräch seinen persönlichen Zugang zu dem Werk und spricht den Wandel der Aufführungstradition an (Seite 16), Christoph Schwandt wirft Schlaglichter auf musikalische Besonderheiten des Werks (S. 98). Bettina Eibel-Steiner beschreibt, wie Donizettis Oper mit Klischeebildern spielt (S. 98), über die Ohrfeige, die Norina Don Pasquale verpasst und deren enorme Signalwirkung auf das Publikum der Uraufführungszeit schreibt Louis Bilodeau ab Seite 82. Giorgio Pagannone zeigt auf, dass Don Pasquale mehr als nur ein simples Komödienwerk ist (Seite 32) und Regisseurin Irina Brook, die mit dieser Produktion ihr Hausdebüt an der Wiener Staatsoper gab, skizziert im Interview Aspekte ihrer Inszenierung (Seite 10). Ü BER DIE SE S PROGR A M MBUCH
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EINE MISCHUNG VON JUGENDLICHEM ELAN UND NOSTALGIE Premierendirigent Jesús López Cobos im Gespräch mit Andreas Láng
Sie haben in Ihrer Jugend Philosophie studiert. Warum studiert man Philosophie, wenn man Dirigent werden möchte? JESÚS LÓPEZ COBOS Naja (lacht), ich würde es anders formulieren: Ich habe
Philosophie um der Philosophie willen studiert und erst später beschlossen, Dirigent zu werden. Aber das dabei erworbene Wissen kommt mir in meiner musikalischen Laufbahn tatsächlich immer wieder zugute. Inwiefern? Komponisten sind, wie alle Menschen, Kinder ihrer Zeit. Und wir wissen nicht nur im Fall von Richard Wagner, dass Größen wie Schopenhauer, Kant, Leibniz und wie sie alle heißen, sehr wohl Spuren in den Schöpfungen diverser Künstler hinterlassen haben. Es schadet also grundsätzlich nicht und schon gar nicht einem Interpreten, wenn man weiß, wie Komponisten gedacht haben, gelebt haben, welche Geisteswelt sie umgab. LÓPEZ COBOS
Sie haben ein sehr breites Konzert- und Opernrepertoire. Was reizt, was interessiert Sie speziell an einer komischen Oper wie Don Pasquale? PR EMIER EN DIR IGEN T J E SÚS LÓPEZ COBOS IM GE SPR ÄCH
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EIN KOMPON IST, N U R NOCH VON K A N INCHEN Ü BERT ROFFEN
KRITIK ZUR URAUFFÜHRUNG
Während des letzten Winterhalbjahres ist das Repertoire der Pariser italienischen Oper nur um zwei Novitäten reicher geworden. Beide sind von Donizetti, dem unermüdlichen Hauptopernlieferanten für die italienische Oper aller Länder des civilisirten und noch zu civilisirenden Europa’s. Linda di Chamouni [sic] ist von ihrem jüngeren Bruder, dem sehr ehrenwerthen Herrn Pasquale, complet aus dem Felde geschlagen worden, und wir halten es demnach für nothwendig, dieses verhätschelte Schooßkind der Pariser Dilettanti etwas genauer ins Auge zu fassen. K R IT IK Z U R U R AU FF Ü HRU NG
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Es ist neun Uhr, der Doktor (Malatesta) müsste schon zurück sein Schön wie ein Engel
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Sie wurde vom Himmel geschaffen, um ein Herz glücklich zu machen.
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Ah, ich spüre ein seltsames Feuer in mir, ich kann bereits nicht mehr widerstehen, ich vergesse die Krankheiten des Alters, ich fühle mich jung wie mit zwanzig Jahren.
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Süßer und keuscher Traum
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Bevor ich dich in Armut sehen muss, Liebste, verzichte ich auf dich
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Das Schicksal macht mich zum Bettler, die, die ich anbete, verliere ich
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etwa: Auch ich kenne die geheimnisvolle Kraft eines Augenaufschlags zur richtigen Zeit
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etwa: Ich bin ein Hitzkopf, hab aber ein gutes Herz
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Wie süß ist sie in ihrer Schlichtheit
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etwa: Der Gatte mag ruhig reden, indes: man hört ihm nicht zu.
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Geh er doch ins Bett und schlafe gut, morgen dann werden wir darüber reden
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etwa: Die Lektion (die ich ihm erteile) mag zwar hart sein, aber ist nötig, damit sich der gewünschte (Läuterungs-)Effekt einstellt
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etwa: Es ist eine delikate Angelegenheit, alles will gut bedacht sein
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etwa: Ein Dummkopf, wer sich noch im Alter verheiratet
DIE PASQUA LE-MUSIK IM DETA IL
Carl Dahlhaus
DAS LETZTE WORT DER MUSIK
In einer Komödie, die das Formgesetz der Gattung erfüllt, statt den Identifikationsbedürfnissen des Publikums entgegenzukommen, ist es noch weniger als in einer Tragödie erlaubt, eindeutig Partei zu ergreifen. Der Schwebezustand der Ideen ist der dem Theater – wie dem Essay im Gegensatz zum Traktat – einzig angemessene. Und in der Komödie tritt die Struktur des nicht restlos auflösbaren Paradoxons, die dem Drama – sofern es kein Tendenzstück ist – generell zugrunde liegt, am deutlichsten zutage. Ihr gleichgültigster Teil, nach dem sie dennoch klassifiziert wird, ist darum der Schluss, der weniger ein Resultat darstellt, als dass er eine Dialektik abbricht, die jenseits des Stücks gewissermaßen weitertreibt. Ein Komödienende, das nichts offen lässt, ist keines. Die musikalische Komödie aus dem Schauspiel mit Liedeinlagen abzuleiten, ist ästhetisch ebenso verfehlt wie historisch. (Das Singspiel, das es vor der Entstehung der Oper längst gab, ist erst nachträglich in deren Geschichte hineingezogen worden.) Eine Poetik der Opera buffa muss vielmehr von dem Versuch ausgehen, die Voraussetzungen und Grenzen einer Begründung der Komödie mit musikalischen Mitteln – statt einer bloßen Interpolation von Musik in die Komödie – verständlich zu machen. CA R L DA HLH AUS
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KOLUMN EN T IT EL
Andreas Láng
DAS UNGLEICHE PAAR
Einige Vorläufer und Nachfolger von Don Pasquale
» Der genialen Leichtigkeit, Fröhlichkeit, dem melodischen Flusse mag sich ein nicht völlig blasiertes Ohr auch heute nicht entziehen. « Julius Korngold
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KOLUMN EN T IT EL
KOLUMN EN T IT EL
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Oliver Láng
WIENER AUFFÜHRUNGSGESCHICHTE
Bereits kurz nach der Uraufführung war man in Wien angekommen. Man: Das ist eine italienische Opernstagione, also eine Aufführung einer italienischen Truppe am Wiener Kärntnertortheater. Kurz: Das bedeutet am 14. Mai 1843, also vier Monate nach der Uraufführung der Oper in Paris. Genannt werden am Abendzettel unter anderem Agostino Rovere in der Titelpartie, Eugenia Tadolini als Norina, Lorenzo Salvi als Ernesto und Giorgio Ronconi als Malatesta. Der Abendzettel weist weiters aus, dass es ein italienisches Textbuch um 20 Kronen an der Kassa zu kaufen gibt und einen Klavierauszug (deutsch-italienisch) in der Musikalienhandlung Diabelli am Graben. Und: »Vom 14. Mai angefangen wird… ein Personen-Train nach Liesing, Brunn, Mödling und Baden, um beiläufig 10 Uhr Nachts abgehen. Omnibusse erwarten die P. T. Passagiere nach geendigter Oper vor dem Kärnthnerthore.« Soweit die Eckdaten und der Besucherservice. Die öffentliche Meinung, soOLI V ER LÁ NG
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