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Programmheft »Billy Budd«

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BENJAMIN BRITTEN

BILLY BUDD


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ANDREAS LÁNG IM GESPRÄCH MIT DEM DIRIGENTEN DER WIEDERAUFNAHME MARK WIGGLESWORTH

SECHS FRAGEN AN DEN DIRIGENTEN MARK WIGGLESWORTH al

Benjamin Britten gehört zu jenen Komponisten der klassischen Moderne, deren Werke dauerhaften Eingang in die internationalen Spielpläne gefunden haben. Was ist das Besondere an seiner Musiksprache, das ihn so außergewöhnlich macht? mw Ich denke, Brittens Opern haben eine Qualität, die sich erst in den Aufführungen wirklich entfaltet. Wenn man seine Partituren studiert, ist man sich bewusst, was er handwerklich tut. Seine Musik ist sehr klar, so klar, dass man sich manchmal fragt, ob sie nicht ein bisschen zu klar ist. Aber wenn man sie hört und erlebt, wird man überwältigt von einer ungeahnten Ebene, die plötzlich da ist. Dazu kommt, dass das Publikum all die Charaktere und Situationen in den Opern Brittens versteht, sich ihnen und ihren Erfahrungen nahe fühlt, sich in all die Geschichten hineinversetzen kann. Es ist für mich geradezu fantastisch, dass

Britten als Opernkomponist so angenommen wird, denn Britten zeigt, was Opern wirklich leisten können – selbst in einer Musiksprache, die es nicht leicht macht, Melodien nachzusingen. Aber man ist vom dramatischen Geschehen auf der Bühne tief betroffen. al Eignet sich Billy Budd deshalb so sehr als EinsteigerOper für Opern-Neulinge? mw Nun, das Drama funktioniert schon für sich ungemein, weil die Charaktere so klar geformt sind. Dazu kommt die Musik, die auf einer unterbewussten Ebene zusätzlich wirkt. Junge Menschen, die sich fragen, ob die Oper ein Medium ist, das sie verstehen können, werden also gerade dieser Oper folgen können wie einem Film oder einem Theaterstück. al Welche Komponisten haben den größten Einfluss im Werk Brittens hinterlassen? mw Auf jeden Fall Mozart… und ganz sicher Verdi. Britten wusste für 10


ANDREAS LÁNG

DAS LEBEN BENJAMIN BRITTENS Es verwundert nicht, dass in mehreren Opern Benjamin Brittens – so auch in Billy Budd – das Meer an sich eine zentrale Stellung einnimmt. Ist Britten doch 1913 in der ostenglischen Hafenstadt Lowestoft geboren. Genauer, am südlichen Rand der Kleinstadt. Und aus dem Elternhaus konnte er direkt auf das Meer sehen, die Stürme und Winde hören, die Schiffe beobachten. Immerhin 21 Jahre verbrachte der Komponist an seinem Geburtsort, und auch später wollte und konnte er sich nicht längerfristig vom Meer trennen. Erinnernd bekannte er einmal: »Ich habe versucht, vom Meer entfernt zu leben, aber irgendetwas war falsch dabei, das spürte ich immer. Ich fühle mich zu Hause in dieser Umgebung. Die Fischer in ihren Booten, das alles ist Teil meines Lebens, ohne den ich nicht sein kann.« Neben dem Meer war es in den ersten Lebensjahren vor allem die Mutter Edith, die den jungen Benjamin Britten prägte. Sie war es, die es von Anfang an darauf anlegte, aus ihrem Sohn – dem vierten und jüngsten Kind – ein musikalisches Genie zu formen. Im Gegensatz zum Vater, einem strengen, asketisch veranlagten, arbeitsamen Zahnarzt, war die mit einem absoluten Gehör begnadete Mutter hoch musikalisch. Den ersten Klavierunterricht erhielt der kränkliche Benjamin Britten folglich von ihr, ehe der Hochbegabte in die musikalische

Obhut der ortsansässigen Klavierlehrerin gegeben wurde, die dann Benjamin Brittens erste Gehversuche in Gesang und Harmonielehre überwachte. Zusätzlich kamen noch Bratschestunden bei einer weiteren Pädagogin dazu. Und es dauert nicht lang, ehe Benjamin Brittens erste Kompositionen entstanden, zum Teil in Verbindung mit ersten dramatischen Entwürfen. So entstand 1920 etwa das Drama The Royal Falily des damals Siebenjährigen, das außerdem mit einer kleinen selbstfabrizierten Melodie versehen wurde. Spätestens mit 13, als er eine Klavierabschlussprüfung mit Auszeichnung absolvierte, war für Benjamin Britten klar, dass er den Beruf des Komponisten ergreifen würde. Obwohl er ganz offensichtlich auch eine mathematische Begabung aufweisen konnte. Sein Mathematiklehrer, ein sadistischer, Schüler prügelnder ehemaliger Offizier, versuchte ihn unentwegt von der Musik weg und in die Richtung der Mathematik zu bugsieren. Doch ohne Erfolg. Immerhin diente dieser Lehrer als Vorbild für diverse negative Gestalten in Brittens Opus – so auch für John Claggart in Billy Budd. Für Brittens weiteren Lebensweg als Musikschaffender waren in den nächsten Jahren sein Kompositionslehrer Frank Bridge sowie das Werk Arnold Schönbergs und Gustav Mahlers von

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WILLI SCHUH

EIN REALISTISCHES MYSTERIENSPIEL ZUR MUSIKALISCHEN STRUKTUR VON BRITTENS BILLY BUDD Brittens musikdramatische Konzeption ist – ungeachtet der völlig anders gearteten vokalen und instrumentalen Mittel und der atmosphärischen Gegensätze – der des späten Verdi am nächsten verwandt. Er hält, wie er es anlässlich von Peter Grimes ausgesprochen hat, »an der klassischen Praxis der getrennten Nummern fest, bei welcher die aus der dramatischen Situation hervorgehende Gefühlsbewegung in bestimmt gewählten Augenblicken festgehalten und kristallisiert wird«, aber im Gegensatz etwa zu Strawinski legte Britten besonderes Gewicht auf die flüssige Verbindung und atmosphärische Zusammenfassung der in sich geschlossenen Teile. Er vermeidet weitgehend harte und elementare Kontraste, ja, diese Männeroper hat im Ganzen überraschend weiche Konturen. Das hängt zweifellos mit der musikalischen Charakterzeichnung des Kapitäns zusammen, der nichts von einem Kriegshelden, wohl aber Züge eines Heiligen und Märtyrers mitbekommen hat. Auch um Billy Budd webt eine weiche musikalische Atmosphäre: nicht zufällig erscheint ein Lullaby als Klangsymbol des hübschen Matrosen ge-

wählt. Selbst der teuflische Jemmy-Legs (Claggart) vermag mit seiner an Jagos »Credo« erinnernden Selbstenthüllungsarie die elegische Grundstimmung nicht völlig aufzuheben. Wenn Britten auch keine eigentlichen Leitmotive verwendet, so sind die Hauptfiguren doch durch bestimmte Intervalle und den melodischen Duktus gegeneinander abgehoben; und statt mit Erinnerungsmotiven arbeitet Britten gern mit der variierten Wiederholung symbolischer Harmonien und Klangfarben. Im Li­ bretto ist für ausgiebige Abwechslung von Soli, Duetten, Terzetten und Quartetten gesorgt, und den Chorszenen, in denen sich Brittens intime Kenntnis der englischen Volksmusik aufs Glücklichste auswirkt, eignet eine Vielfalt der vokalen und orchestralen Ausdrucksformen, dass die ausschließliche Herrschaft der Männerstimmen keinerlei Monotonie zur Folge hat. Ensemble und Chorsätze erscheinen meist in bestimmte (besonders rhythmisch profilierte) Muster eingewoben, was gelegentlich einen Vorzug der atmosphärischen vor der dramatischen Wirkung bedeutet. Den eigenwilligs-

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KAPITÄN VERE / 4. AKT

»WIR ÜBERGABEN SEINEN KÖRPER DER TIEFE. DIE MÖWEN UMKREISTEN IHN, IHR GESCHREI WAR SEIN REQUIEM.« 59


KOPFZEILE

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Kultur bewegt uns alle. Die OMV und die Wiener Staatsoper verbindet eine jahrelange Partnerschaft. Unser Engagement geht dabei weit über die Bühne hinaus. Wir setzen uns aktiv für Jugend und Nachwuchsprojekte ein und ermöglichen den Zugang zu Kunst und Kultur für junge Menschen. Gemeinsam gestalten wir eine inspirierende Zukunft. Alle Partnerschaften finden Sie auf: omv.com/sponsoring


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