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Kritik. Banken müssen in Zukunft besser zusammenarbeiten, erklärt Heinrich Schaller (l.) der Chefredaktion von Der Börsianer.

von diesem Weg abweichen. Ich glau-

werden wir in diesem Geschäft völ-

Werden Sie auch ein neues Headquarter

be derzeit nicht, dass Basel IV wirklich

lig vertechnokra­ tisiert? Wahrschein-

bauen? Die anderen Großbanken wie Er­

so kommt wie geplant. Ich sehe wirklich

lichkeitsrechnungen sind zwar wichtig,

ste Group Bank AG, Unicredit Bank Aus-

keinen Sinn dahinter. Ja, es gibt einen

aber nicht das Allheilmittel. Wir brau-

tria AG, Bawag PSK AG haben schon ei-

Unterschied im Risiko zwischen Eigen-

chen wieder mündige Bürger.

nes oder sind dabei, eines zu errichten. Auch die RBI denkt laut über einen Um-

kapital und Fremdkapital, aber so ex­ trem ist dieser Unterschied auch wieder

Jetzt frage ich mich aber schon, haben

zug nach. - Wir reden derzeit schon da-

nicht. Der Riesenvorteil bei Beteiligun-

die Banken keine Lobby? - Zu wenig. Da

rüber, weil das Stammhaus kommt aus

gen ist, dass ich Eigenkapital hingebe

müssen sich die Banken am eigenen

den 1970er-Jahren und ist nicht mehr

und an der Wertentwicklung des Unter-

Schopf packen. Ich glaube, dass man

auf dem letzten technischen Stand,

nehmens mitprofitiere. Wieso soll ich da

sich da lange Zeit in der Interessenver-

insbesondere, was die Energieeffizienz

auf die Wertentwicklung verzichten? Ich

tretung der Wirtschaftskammer Öster-

betrifft. Da laufen derzeit die Berech-

bekomme gute Dividenden.

reich zu uneins war. Das müssen wir

nungen: Entweder sanieren wir kom-

ändern.

plett, oder wir machen etwas Neues.

Uns müssen Sie nicht überzeugen, sondern

Wenn wir etwas Neues machen, wol-

die Aufsicht. Was ist Ihr Hauptkritikpunkt an Basel IV? Sie sind da doch am stärksten betroffen. - Der Spielraum für anderes Geschäft würde dadurch geringer, und das ist das, was mich so gewaltig stört. Unternehmerisches Denken fällt völlig weg. Wir wollen nach wie vor mit der Realwirtschaft im Fremdfinanzierungsbereich ganz eng zusammenarbeiten. Die ganze Regulierungswut, die da im Gange ist, schadet den Banken, aber auch der Realwirtschaft. Ist der Höhepunkt der Regulierung erreicht? - Nein, das wird noch weitergehen. Wenn man die Auswertungen der Anforderungen der Aufsicht auf Papier ausdrucken würde, wären das 14.800 Seiten gewesen. Wer verarbeitet das noch? Die Maschine, aber nicht der ein-

len wir vom derzeitigen Standort nicht FUSION VON RZB UND RBI BESCHLOSSEN Die Hauptversammlung der Raiffeisen Bank International AG (RBI) hat am 24. Jänner 2017 der Fusion mit der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB) zugestimmt. Die Kosten betragen zwölf Millionen Euro bis 13 Millionen Euro. Der Name RBI bleibt bestehen. Mit der Kapitalerhöhung von 109,7 Millionen Euro werden die RZB-Altaktionäre abgegolten. Mit dem Wegfall der RZB wird die Struktur der Raiffeisen-Bankengruppe auf ein zweistufiges Modell vereinfacht. Die Raiffeisenlandesbanken halten zukünftig 58,8 Prozent an der RBI, der Streubesitz beträgt 35,0 Prozent. Dazu kommen noch Beteiligungen der Immigon AG, Uniqa Insurance Group AG, der Raiffeisen Ware Austria und der Posojilnica Bank. RBI-Vorstandschef Karl Sevelda übergibt sein Amt spätestens zum Ende des ersten Quartals 2017 an Johann Strobl. Dem RBIVorstand werden Klemens Breuer, Martin Grüll, Andreas Gschwenter, Peter Lennkh und Hannes Mösenbacher angehören.

zelne Mensch. Da frage ich mich schon,

wirklich weggehen. Sie wurden zur besten Bank des deutschen Mittelstands gewählt. Macht sich die Expansion nach Süddeutschland bezahlt? - 20 bis 25 Prozent unseres Firmenkundenfinanzierungsvolumens ist in Deutschland. Wir wachsen dort stärker als in Österreich, haben acht Niederlassungen, rund 200 Mitarbeiter. Wir arbeiten sehr intensiv mit Förderbanken zusammen. Das Geschäft läuft wirklich gut. Wir bemühen uns sehr intensiv um unsere Kunden, das wird geschätzt. Welches Potenzial sehen Sie in Süddeutschland? - Ein großes. Die Region ist unser natürlichster Wachstumsmarkt, ein uns sehr ähnlicher Markt.

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Profile for Michael Berl

Der Börsianer 18. Ausgabe, Q1 2017  

Österreichs Finanzmagazin

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