Mensch & Maschine
Unsere Rolle im KI-Zeitalter

ESG Fund Award 2026
Das sind die besten in Österreich zugelassenen nachhaltigen Fonds
Boom der Raumfahrt
Die Suche nach fremden Welten fördert
Innovationen und Zukunftstechnologien
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Unsere Rolle im KI-Zeitalter

ESG Fund Award 2026
Das sind die besten in Österreich zugelassenen nachhaltigen Fonds
Boom der Raumfahrt
Die Suche nach fremden Welten fördert
Innovationen und Zukunftstechnologien

Zurück im ATX.
Zurück unter den Top‑20‑Aktien Österreichs.
Ein starkes Signal für nachhaltige Performance, attraktive Liquidität und das Vertrauen des österreichischen Kapitalmarkts.
Unsere Marktposition, unsere strategische Ausrichtung und unsere konsequente Umsetzung operativer Exzellenz schaffen Wert – heute und in Zukunft.

Daniel Nutz Chefredaktion
„Börsianer"
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HERZLICH WILLKOMMEN zu Börsianer Perspektiven, unserem neuen alljährlichen Premiumprodukt des Börsianer. Es tritt in die Fußstapfen des Börsianer Grün und erweitert diesen thematisch – vor allem aber um einen anderen Blickwinkel. Denn gerade in Zeiten tiefgreifender Umbrüche entscheidet oft nicht die Faktenlage allein, sondern die Perspektive, aus der man sie betrachtet.
Neben der grünen Transformation nehmen wir daher auch die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz unter die Lupe. Ob Chance oder Gefahr, ist letztlich ebenso eine Frage des Blickwinkels (Seite 18 und Seite 44). Fest steht allerdings schon jetzt: Die Zukunft wird den Mutigen gehören.
Mut zum Wandel zeigt etwa der italienische Bremsenhersteller Brembo, dessen Innovationsgeschichte unsere Korrespondentin Micaela Taroni erzählt (Seite 34). Einen anderen Blick auf Ernährung wirft Zürich-Korrespondent Daniel Zulauf mit seiner Geschichte über ein Schweizer Unternehmen, das vom Trend zur fleischlosen Kost profitiert (Seite 116). Und Alexandra Rotter berichtet aus Sri Lanka über ein Mobilitätskonzept, dessen Verbreitung langsamer voranschreitet als erhofft: E-Tuk-Tuks (Seite 40). Zurück in Österreich widmete sie sich schließlich der Gründung der ersten österreichischen Impact-Bank (Seite 28).
Mit einem schwierigen Perspektivenwechsel müssen die Mitarbeiter der an der Frankfurter Börse notierten Circus SE leben. Das Unternehmen hat das Militär als neue Zielgruppe entdeckt – eine Ausrichtung, die für Diskussionen sorgt. Ob das allen gefällt, hat unser Deutschland-Korrespondent Oliver Stock recherchiert. Dass Waffen generell ein strittiges Thema bei grünen Investments sind, zeigte auch unsere alljährliche Investorenumfrage (Seite 84). Investmenttrends analysiert wie gewohnt Raja Korinek (Seite 58), während Julia Kistner der Frage nachgeht, wie heutzutage garantiert waffenfrei investiert werden kann (Seite 76). Und auch Irmgard Kischko greift ein Thema auf, das in Österreich seit Jahrzehnten polarisiert: Kann das Auslaufmodell Atomkraft tatsächlich ein Comeback feiern (Seite 50)?
„Grün bleiben, auch wenn sich der Wind vielleicht gedreht hat“ – unter diesem Motto stand der vierte ESG Fund Award,
den wir auch heuer wieder gemeinsam mit unserem Technologiepartner ESG Plus durchgeführt haben. 46 Fonds zeichnen wir dabei für Nachhaltigkeit und Performance mit dem Goldstatus aus (Seite 68). Gratulation!
Weitere Perspektiven zeigen unsere Gastkommentatoren, etwa hinsichtlich kritischer Rohstoffe (Seite 115) oder medialer Vorverurteilung (Seite 120) auf. Im hinteren Magazinteil widmen wir uns dem Thema Human Resources mit einem eigenen Schwerpunkt (ab Seite 104). Ingrid Krawarik traf dazu VIG-CEO Hartwig Löger, der in seinem Konzern immerhin 30 Länder unter einen Hut bringen muss. Wie anspruchsvoll europäische Koordination sein kann, weiß EU-Finanzkommissarin Maria Luis Albuquerque. Sie plädiert in ihrem Gastkommentar für rasche Fortschritte bei der Kapitalmarktunion (Seite 14), um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Nach den jüngsten nationalen Wahlen scheinen die Beschlüsse im EU-Rat zumindest etwas leichter zu fallen.
Wie erfolgreich europäische Zusammenarbeit sein kann, demonstriert nicht zuletzt die Raumfahrt: ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher erklärt im Interview, welche Entdeckungen in den kommenden Jahren auf uns warten könnten. Vielleicht finden wir ja tatsächlich bald außerirdisches Leben (Seite 90). Dass Kooperation am Ende allen nützt, zeigen auch die Experimente von Matthias Sutter und Martin Kocher – wir haben die beiden zu einem Gespräch bei Tee und Softdrinks getroffen (Seite 22).
Am Ende kann ein Magazinprojekt wie jenes, das Sie jetzt in Händen halten, nur funktionieren, wenn Teamplay so selbstverständlich ist wie in einer eingespielten Sportmannschaft. Dank geht ans gesamte Börsianer Perspektiven-Team.
Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und neue Blickwinkel auf zentrale Fragen unserer Zeit.

d.nutz@boersianer.at
Linkedin: Daniel Nutz

ATOMKRAFT. Eigentlich galt Kernkraft als Auslaufmodell. Steht durch die Entwicklung kleiner Reaktoren jetzt ein Comeback dieser umstrittenen Form der Energiegewinnung bevor?

KI IM MAGAZIN. Beim „Börsianer“ schreiben wir die Texte selbst, unser menschlicher Lektor Armin Baumgartner macht manchmal den Feinschliff. Das eine oder andere Bild in dem Magazin wurde jedoch mit KI generiert.


NEUER BLICK
Diese Sicht auf die Erde mit dem Mond im Vordergrund hat noch niemand zuvor genossen. Das Bild davon stammt von der Artemis-II-Mission der Nasa. Für die moderne Kommunikation sowie für die Klimaforschung sind Erkenntnisse aus der Raumfahrt essenziell. Kein Wunder, dass die Branche mit staatlichen und privaten Akteuren derzeit rasant wächst. 125 Milliarden Euro fließen jährlich in die Weltraumforschung.



AUSBAU
Weltweit kamen 2025 rund 700 Gigawatt Stromleistung aus erneuerbaren Energiequellen hinzu. Es war das stärkste Ausbaujahr aller Zeiten. Das hat Effekte: Im Vergleich zu den 1980er-Jahren ist die Abhängigkeit des weltweiten BIPs von Öl stark gesunken – um mehr als die Hälfte auf rund sieben Prozent. Die aktuellen globalen Krisen zeigen: Die Dekarbonisierung ist nicht nur eine klimapolitische Notwendigkeit, sondern zunehmend auch ein Sicherheits- und Stabilitätsfaktor für moderne Volkswirtschaften.


KLIMAFLÜCHTLINGE
Neue Erkenntnisse, wie sie die ICESStudie geliefert hat, zeigen, dass die Erderwärmung das Leben von Walen und anderen Meeressäugern tiefgreifend beeinflusst. Sie verändern beispielsweise ihre Routen, was letztendlich zu einer Reduktion ihrer Populationen führen könnte. Diese Erkenntnisse sind nicht nur für die Meereswirtschaft, sondern indirekt auch für den Klimaschutz wichtig. Ein interessantes
Faktum: Ein Großwal bindet im Schnitt rund 30 bis 35 Tonnen CO2 in seiner Körpermasse – so viel wie drei ausgewachsene Eichen.
18 Mehr Algorithmen, mehr Mensch
Die Angst vor der Maschine begleitet die Wirtschaftsgeschichte seit mehr als zweihundert Jahren. Heute besteht die Maschine nicht mehr aus Stahl und Zahnrädern, sondern aus Daten und Algorithmen.
22 Interview
Martin Kocher und Matthias Sutter über die Macht des Miteinanders
28 Impact
Die neue Bank, die anders denkt

34 Automotive
Wer bremst, verliert
37 Interview
Francesco Zirpoli über den Green Deal als Innovationstreiber
40 Reportage
E-Tuk-Tuks: Revolution auf drei Rädern
44 Interview
Empion-Chefin Mutius über KI als transformierendste Kraft unseres Jahrhunderts
50 Kernenergie
Europas Spitzenpolitiker entdecken ihre Freundschaft zu Mini-AKWs
54 Splitter
Wie wir die Zukunft neu denken: Basalt, Generationenwohnen und eine neue Weltordnung
90 Interview
ESA-Chef Josef Aschbacher über außerirdisches Leben
94 Start-up
Sechs Ideen für den technologischen Wandel
100 Dual Use
Defence aus der Kantine
104 Führungskräfte
Wie gelingt die optimale Besetzung?
108 Interview
Wie VIG-CEO Hartwig Löger 30 Nationen unter einen Hut bekommt
112 Lifestyleteilzeit
Arbeiten wir zu wenig?
116 Porträt
Pascal Bieri von Planted Foods AG skaliert auf Teufel komm raus

58 Nachhaltige Investments
Vier Trendthemen für die Geldanlage
1. Teil: Datenzentren
2. Teil: Medizintechnik
3. Teil: Strominfrastruktur
4. Teil: Quantencomputer
68 ESG Fund Award Die besten nachhaltigen Fonds
76 Waffen
So geht waffenfrei investieren
80 Private Equity
Private Investoren als Problemlöser
84 Umfrage Jetzt bitte durchhalten!



26 Infografik Zukunft des Bankings
38 Pro & Contra
Sollen die CO2-Gratiszertifikate verlängert werden?
48 Zahlen
Wie viel Strom verbraucht die Künstliche Intelligenz?
122 Firmenindex / Impressum Auszüge von Unternehmen in dieser Ausgabe
Illustrationen
Antonia Zeiss fertigte für „Börsianer Perspektiven“ anschauliche Illustrationen fürs Banking von morgen und zum Thema Stromverbrauch der KI.
14 Maria Luis Albuquerque
Über die Spar- und Investitionsunion als wirtschaftspolitische Notwendigkeit
16 Nikolaus Juhasz
Veränderte Zeiten bremsen nachhaltige Transformation nicht aus
115 Josef Behofsics und Christian Loy
Rohstoffe: Der widersprüchliche blinde ESG-Fleck
120 Norbert Wess
Erst der Pranger –dann das Gericht
121 Martin Kwauka
Private Vorsorge: Deutschland handelt, Österreich schläft
Europa steht vor gewaltigen Investitionsaufgaben –doch seine Finanzmärkte sind noch immer zersplittert.
Warum die Spar- und Investitionsunion kein technisches
Detail, sondern eine wirtschaftspolitische Notwendigkeit ist.
EUROPA hat einen Binnenmarkt für Waren und Dienstleistungen aufgebaut. Doch der Binnenmarkt für Finanzen bleibt eine Herausforderung: Statt eines einzigen Kapitalpools und nahtloser Investitionsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen haben wir 27.
Angesichts des wachsenden Finanzierungsbedarfs – für Verteidigung, Dekarbonisierung, den digitalen Wandel und die Infrastruktur – muss Europa die Chance nutzen, den Binnenmarkt zu vertiefen, indem es Ersparnisse wirksam in die Finanzierung lenkt. Die Spar- und Investitionsunion ist der Schlüssel dazu.
Es gilt, die Fragmentierung zu überwinden und die Grundlagen des Binnenmarkts – einmalige Zulassung und europäischer Pass, gemeinsame Vorschriften und deren einheitliche Anwendung und Umsetzung – in vollem Umfang zu nutzen. Das Paket zur Marktintegration und Aufsicht macht aus diesen Zielen kohärente Legislativvorschläge. Aus den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates geht eindeutig hervor, dass ein starker Wille besteht, in dieser Richtung voranzukommen.
Die Schaffung eines echten Binnenmarkts für Finanzdienstleistungen ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Sie erfordert den politischen Willen, mutige Entscheidungen zu treffen. Um in dieser sich rasch wandelnden Welt wettbewerbsfähig zu sein, muss Europa auf gemeinsamen Stärken und gemeinsamen Zielen aufbauen und Differenzen beiseiteschieben.
Die Vorteile integrierter Märkte werden von jenen, die eine Fragmentierung als nützlich empfinden, nicht immer wahrgenom-

»Die Integration der Finanzmärkte ist keine technische Übung, sondern entscheidend für den Wohlstand und die globale Bedeutung Europas.«
Maria Luis Albuquerque
EU-Finanzkommissarin
Maria Luis Albuquerque ist seit Dezember 2024
EU-Finanzkommissarin und verantwortlich für Finanzdienstleistungen sowie die Spar- und Investitionsunion. Die portugiesische Ökonomin war von 2013 bis 2015 Finanzministerin Portugals und verantwortete die Konsolidierung der Staatsfinanzen nach der Schuldenkrise.
men. Bürgerinnen und Bürgern würden integrierte Märkte mehr Möglichkeiten bieten – für die Finanzierung ihrer alltäglichen Ziele ebenso wie zur Vorbereitung auf den Ruhestand. Unternehmen hätten in einem weniger fragmentierten Markt mehr Spielraum und mehr Finanzierungsoptionen. Bevölkerung und Unternehmen würden zum Wachstum in Europa beitragen – und davon profitieren. Um das zu erreichen, brauchen wir Größenvorteile, denn dadurch senken wir die Kosten, verbessern die Liquidität und ziehen Investitionen an. Sie ermöglichen ein effizienteres Funktionieren der Märkte und machen Europa zu einem attraktiveren Investitions- und Geschäftsstandort. Ohne Größenvorteile lassen sich selbst die besten Ideen nur schwer umsetzen.
Aus diesem Grund steht bei der Spar- und Investitionsunion Integration im Mittelpunkt – die Beseitigung von Hindernissen, die einheitliche Anwendung der Vorschriften und die Ermöglichung des freien Kapitalverkehrs. Der Binnenmarkt für Finanzierungen muss auch vereinfacht werden. Ein komplexes und fragmentiertes Regelungsumfeld wirkt abschreckend und treibt die Kosten in die Höhe. Ein einfacherer Rahmen bedeutet mehr Klarheit, mehr Verhältnismäßigkeit und Kohärenz.
Das Ziel der Spar- und Investitionsunion –und insbesondere des Pakets zur Marktintegration und Aufsicht – ist einfach: ein einziger Markt mit einheitlichen Regeln, die europaweit angewandt werden. Wir sollten den Aufbau dieses Finanzmarktes nicht länger aufschieben. Es liegt an uns, Herausforderungen in Chancen zu verwandeln.
Unsere Analysten führen jährlich über 500 Unternehmensgespräche, zum Beispiel für unseren Investmentfonds:
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Dies ist eine Marketing-Anzeige. Bitte lesen Sie den Verkaufsprospekt des betreffenden Fonds und das PRIIPs-KID, bevor Sie eine endgültige Anlageentscheidung treffen. Darin sind auch die ausführlichen Informationen zu Chancen und Risiken enthalten. Diese Unterlagen können in deutscher Sprache kostenlos auf www.dje.de unter dem betreffenden Fonds abgerufen werden. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte kann in deutscher Sprache kostenlos in elektronischer Form auf der Webseite unter www.dje.de/de/zusammenfassung-der-anlegerrechte abgerufen werden. Alle hier veröffentlichten Angaben dienen ausschließlich Ihrer Information, können sich jederzeit ändern und stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Auszeichnungen und langjährige Erfahrung garantieren keinen Anlageerfolg.
Wirtschaftliche Unsicherheit verändert Prioritäten, nicht die Richtung: Nachhaltige Finanzierung erreicht neue Rekordwerte. Und das ist gut so. Wer heute investiert, sichert sich morgen Wettbewerbsvorteile.
TURBULENTE ZEITEN verändern Prioritäten. Doch sie bremsen die nachhaltige Transformation nicht aus. Die Innovationskraft der Wirtschaft und des Finanzsektors ist hoch wie selten zuvor. Nachhaltige Finanzierungen – etwa in Photovoltaikanlagen, E-Busse, E-Lkws oder energieeffiziente Industrieanlagen – erreichten im letzten Jahr mit 1,4 Milliarden Euro in der BKS Bank einen neuen Höchststand. Parallel dazu steigen auch Investitionen in nachhaltige Veranlagungen, da sich immer mehr Kundinnen und Kunden bewusst dafür entscheiden, diesen so wichtigen Hebel zu nützen, und dadurch immer mehr Gelder in zukunftsorientierte Projekte fließen. Absolut positiv stimmt auch die hohe Anzahl an Einreichungen zum Nachhaltigkeitspreis Trigos: 180 Unternehmen haben sich heuer österreichweit für den Trigos beworben. Das entspricht dem drittbesten Ergebnis seit 22 Jahren. Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass das Thema in der Wirtschaft ganz anders gelebt wird, als uns die öffentliche Wahrnehmung oft vermitteln möchte.
Bei uns in der BKS Bank ist Nachhaltigkeit schon lange kein Randthema mehr, sondern Teil unseres Kerngeschäfts. Entscheidend ist nicht nur der eigene CO2-Fußabdruck im Betrieb, sondern vor allem die Lenkungswirkung unserer Finanzierungen: Welche Projekte ermöglichen wir? Welche Unternehmen begleiten wir auf dem Weg zur Klimaneutralität? Wissenschaftsbasierte Reduktionsziele, transparente Kriterien und unabhängige Prüfungen schaffen Vertrauen und schützen vor Greenwashing. So entsteht aus Verantwortung ein Wettbewerbsvorteil. Wichtig ist dabei die ökonomische Plausibilität. Energiewende und Klimaschutz funktionieren nur, wenn sie betriebswirtschaftlich tragfähig sind. Die gute Nach-

»Dekarbonisierung
ist kein Idealismus mehr – sie entscheidet über die Wettbewerbsfähigkeit.« Vita
Nikolaus Juhasz Vorstandsvorsitzender BKS Bank AG
Nikolaus Juhasz leitet seit 2024 die südösterreichische Regionalbank: Er verantwortet dabei zentrale Themen wie Wachstum, Risikomanagement und Kundenorientierung. Besonders im Fokus stehen nachhaltige Finanzierung und regionale Wirtschaft.
richt: Technologien reifen, Kosten sinken, und neue Geschäftsmodelle entstehen. Ob Wärmepumpen im Wohnbau, Effizienz- und Elektrifizierungsprojekte in der Industrie oder die Kreislaufwirtschaft im Mittelstand – dort, wo Kapital Verlässlichkeit findet, entsteht Tempo. Private Finanzierung skaliert, was öffentliche Förderungen angestoßen haben. Das ist kein Rückschritt, sondern ein Reifestadium der Transformation. Auch regional zeigt sich die Dynamik: Industriestandorte, die konsequent investieren, werden zu Vorreitern mit starker Holzindustrie, innovativer Energietechnik und exportfähigem Know-how. Diese Erfolge sind Blaupausen für ganz Österreich: fokussiert investieren, Risiken professionell managen, Chancen konsequent nutzen. Fazit: Die nachhaltige Transformation bleibt auf Kurs –mit hoher Innovationskraft, klaren Zielen und wachsender Rolle privater Finanzierung. Wer heute systematisch dekarbonisiert, wird morgen Marktanteile gewinnen. Wir sind bereit, diesen Weg zu beschleunigen und gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden zu gehen. Wünschenswert wäre allerdings, dass sich auch die Rahmenbedingungen anpassten. Wie zum Beispiel bei der Bankenabgabe, die derzeit wieder neu diskutiert wird. Sollte diese aus budgetpolitischen Gründen prolongiert werden, dann wäre es absolut fair, dass zumindest all das, was wir im Bereich Klima- und Energiewende finanzieren, von der Bemessungsgrundlage abgezogen würde. Dadurch würde wieder neues Kapital frei werden, welches sinnvoll investiert werden und zusätzlich beschleunigend wirken könnte. Unsere Aufgabe ist aber in jedem Fall klar: Kapital dorthin zu lenken, wo Innovation nachhaltigen Nutzen stiftet und Wettbewerbsfähigkeit stärkt. So finanzieren wir Zukunft.
Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich steht für eine neue Selbstverständlichkeit: Kund:innen sind nicht Teil des Geschäftsmodells, sie stehen bei uns im Mittelpunkt unseres Handelns und können sich dabei auf die Stabilität und Sicherheit der einzigen Top-5 Bank Österreichs mit 100% österreichischen Eigentümern verlassen.




SPASSVERDERBER? KI durchdringt unser Leben. Sie schafft Effizienz, veräppelt uns aber auch manchmal.
Künstliche Intelligenz wird häufig als Bedrohung für die Arbeitswelt dargestellt. Tatsächlich verändert sie vor allem die Art und Weise, wie Wert entsteht. Wer diese Revolution verstehen will, muss weniger über Maschinen sprechen, sondern mehr über Menschen und Kooperation.
DDie Angst vor der Maschine ist alt. Sie begleitet die Wirtschaftsgeschichte seit mehr als 200 Jahren. Im 19. Jahrhundert waren es mechanische Webstühle, die Arbeiter zu Maschinenstürmern machten. Im 20. Jahrhundert dann Computer, die Angestellte vor der Automatisierung ihrer Tätigkeiten fürchten ließen. Und als in den 1990er-Jahren elektronische Handelssysteme die Börsen eroberten, glaubten viele Händler, ihre Zeit sei vorbei. Heute hat die Maschine eine neue Form. Sie besteht nicht mehr aus Stahl und Zahnrädern, sondern aus Daten und Algorithmen.
Wir automatisieren das Denken. Es trifft nicht andere – es trifft uns alle!
DIE AKTUELLE AUTOMATISIERUNG ANDERS IST
Künstliche Intelligenz erstellt Texte, analysiert Kreditanträge und erkennt Betrugsmuster schneller als jede Revision. In Banken berechnet sie Risiken, in Versicherungen modelliert sie Klimaschädenprognosen, in Unternehmen optimiert sie Lieferketten und Energieverbräuche. Unlängst erklärte mir ein Zukunftsforscher: Die derzeitige Entwicklung sei nicht linear, sondern exponentiell. Schon bald, so seine Analyse, würden die Bits und Bytes, die jetzt in gigantischen Datenzentren gespeichert würden, ins biologische Reich der Mole-
Text: Daniel Nutz
Illustration: Jelio Stefanov
küle wandern, in unseren Körper, Arztbesuche obsolet machen und uns dem Traum der Unsterblichkeit ein Stück näherbringen – was bei vielen aber beängstigende Unsicherheit erzeugt. Was dahintersteckt: Zum ersten Mal automatisieren wir nicht nur Muskelkraft. Und wieder stellt sich dieselbe Frage: Wird der Mensch im Wirtschaftsprozess überflüssig? Die kurze Antwort lautet: Nein. Die längere Antwort ist komplizierter. Denn jede technologische Revolution verändert nicht nur Produktionsprozesse. Sie verändert das Selbstverständnis der arbeitenden Menschen. Als Henry Ford 1913 das Fließband in der Automobilproduktion einführte, galt dies vielen als Triumph der Maschine über den Menschen. Tatsächlich entstand etwas anderes: eine neue Art von Arbeitsteilung, welche die Massenproduktion ermöglichte und Autos erstmals für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich machte. Ähnlich später bei Toyota: Lean Production setzte nicht auf Ersatz, sondern auf Verantwortung und Problemlösung durch Arbeiter. Im Gegenteil: Arbeiter sollten Probleme erkennen, Prozesse verbessern und Verantwortung übernehmen. Heute erleben wir eine vergleichbare Verschiebung. Das gilt besonders in Branchen, die lange als Inbegriff stabiler Ordnung galten: Banken und Versicherungen. Die Neo-Banken kommen, und die App ersetzt die Filiale – nicht bei allen, aber bei vielen jungen Menschen. Ein früher Vorbote dieser Entwicklung stand bereits 1969 vor einer Bankfiliale in New York: der erste Geldautomat. Die damalige Chemical Bank warb mit einem Satz, der heute selbstverständlich klingt: „Unsere Bank öffnet heute – und schließt nie wieder.“
DIE MENSCHEN NICHT –SIE VERÄNDERT DEREN ROLLE
Die Maschine übernahm eine einfache Aufgabe: Bargeld auszahlen. Und sie veränderte das Bankgeschäft nachhaltig. Doch die Banken verschwanden keineswegs. Auch mit gutem Grund: Die alteingesessenen Banken konnten sich bisher bei technologischen Innovationen stets auf die Aufsicht und den Regulator verlassen. Die Frage ist, ob sie das auch jetzt können. Auch an den Börsen übernehmen Algorithmen seit den 1990er-Jahren immer größere Teile des Handels – Programme erledigen in Millisekunden, was früher auf dem Parkett geschah.
Disruption ist ein Schlagwort unserer Epoche. Doch Investoren fragen sich, ob die heutigen Disruptoren nicht selbst bald verdrängt werden. Ein Fondsmanager erinnerte mich jüngst an die New-Economy-Blase: AOL, Cisco, Akamai galten einst als unantastbar. Heute denken wir so über Google, Amazon oder Apple.
Wie auch immer das Match ausgehen wird, der Mensch wird auch hier nicht verschwinden. Er wechselt die Rolle: Trader werden zu Strategen, Datenanalysten zu Architekten von Modellen, Banker zu Beratern in komplexen Finanzfragen. Das verändert unser Sein in der Wirtschaftswelt.
Die Maschine erledigt Routineaufgaben – der Mensch wird zum Entscheider.
den mehr Wert schaffen als ein ganzer Arbeitstag in der Verwaltung vergangener Jahrzehnte. Produktivität misst sich nicht mehr in Zeit, sondern in Wirkung.
Technologie wird so zum Verbündeten. Europa wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich älter. Arbeitskräfte werden knapper, nicht zahlreicher. Automatisierung ersetzt die Menschen nicht – sie kompensiert den Mangel an ihnen. Ein Beispiel ist die Energiewirtschaft. Die Transformation zu erneuerbaren Systemen ist ohne digitale Steuerung kaum denkbar. Intelligente Netze koordinieren Millionen kleiner Produzenten – Solaranlagen auf Dächern, Windparks, Batteriespeicher.
Was der Mensch nicht besonders gut kann, ist immer gleiche Dinge zu tun. Wenn uns die KI solche Aufgaben abnimmt, haben wir eine Chance, auf menschliche Fähigkeiten zu setzen.
III. PRODUKTIVITÄT NEU GEDACHT – AUTOMATISIERUNG
In der Industriegesellschaft galt Anwesenheit als Beweis von Produktivität. Wer lange im Büro blieb, galt als engagiert. In der Wissensökonomie zählt etwas anderes: Ergebnisse. Eine Softwareentwicklerin kann in zwei Stun-
Der Historiker und Philosoph Yuval Noah Harari sieht den entscheidenden Vorteil des Homo sapiens genau darin: nicht Stärke, nicht Intelligenz, sondern die Fähigkeit zur Kooperation in großen Gruppen. Nicht weil wir klüger waren, setzten wir uns gegen Neandertaler evolutionär durch, sondern weil wir bessere Teamspieler waren. Wir sind erfolgreich, weil wir gemeinsam handeln können – über Hierarchien, Organisationen und Systeme hinweg. Und genau diese Fähigkeit ist heute entscheidender denn je. Die großen Probleme unserer Zeit – Klimawandel, demografischer Wandel, geopolitische Spannungen – lassen sich nicht automatisieren. Kein Algorithmus reduziert Emissionen, wenn Menschen nicht gemeinsam handeln. Kein System schafft Vertrauen, wenn niemand bereit ist, es zu tragen.
Dazu braucht es etwas, das keine Maschine hat:
Dass das gelingen kann, zeigt ein Blick in die jüngere Geschichte. Als in den 1980er-Jahren das Ozonloch zur globalen Bedrohung wurde, reagierte die Welt nicht mit Rückzug, sondern mit Kooperation. Das Montrealer Protokoll setzte einen klaren Rahmen – und löste genau das aus, was oft unterschätzt wird: Innovation. Unternehmen entwickelten Alternativen zu FCKWs. Auch die erfolgreiche Entwicklung von Corona-Impfstoffen in Rekordzeit war nur durch weltweite Kooperation möglich. Kooperation ist kein moralisches Ideal. Sie ist ein ökonomischer Vorteil. Das belegen Matthias Sutter und Martin Kocher (siehe Interview Seite 22) mit empirischen Studien.
Vielleicht ist das die eigentliche Pointe der Technologie: Sie macht uns nicht überflüssig. Sie zwingt uns, besser zusammenzuarbeiten. Und genau das müssen wir lernen – in unseren Teams. Doch während sich Wirtschaft und Technik verändern, wirkt die gesellschaftliche Debatte oft erstaunlich alt. Sie kreist um einfache Gegensätze: Mensch gegen Maschine, Jung gegen Alt, Wachstum gegen Nachhaltigkeit. Der Blick auf die Welt mag derzeit verstörend sein. Keine Spur von Kooperation. Wir sehen alte, selbstgefällige Männer, die berserkerhaft die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte aufs Spiel setzen. Es gibt Gute, es gibt Böse, es gibt Schwarz und Weiß. So malen sie die Welt und reden einer dumpfen Masse ein, dass dies die Wahrheit sei. Die Realität ist freilich komplexer.
Empathie –die Fähigkeit, Perspektiven zu wechseln. Interessen auszugleichen.
Gemeinsam Lösungen zu finden.
Wer weiterhin in Silos denkt, verliert. Wer Kooperation ermöglicht, gewinnt.
Besonders sichtbar wird das beim Thema Generationen. Jede Generation hält die nächste für weniger leistungsbereit als die eigene. Schon im antiken Griechenland beklagten Philosophen die angebliche Faulheit der Jugend. Heute lau-
tet die Klage: Die Jungen wollen nicht mehr arbeiten. Und sie werden uns nicht die Pensionen zahlen. Man könnte diese Entwicklung auch anders lesen: Sie wollen Sinn, Flexibilität, Selbstbestimmung. Vielleicht verändert sich nicht die Leistungsbereitschaft, sondern die Definition von Leistung.
Für den Future Economy Report wurden in einer europaweiten Studie junge Unternehmerinnen und Entscheider befragt – Menschen, die bereits Verantwortung tragen. Was sie eint, ist bemerkenswert. Sie messen wirtschaftlichen Erfolg nicht mehr primär am Wachstum oder Gewinn, sondern an der Wirkung. Sie denken in Netzwerken statt in Hierarchien. Sie sehen Technologie als Werkzeug – aber den Menschen als Ausgangspunkt. Und vor allem bedeutet das für Unternehmen: Sie setzen auf Zusammenarbeit. Nicht als Ideal. Sondern als Voraussetzung für gute Arbeit.
Für Banken wird Kapital zum Instrument von Transformation – nicht nur von Rendite. Für Führung: Kontrolle wird ersetzt durch Vertrauen. Vielleicht ist das der eigentliche Bruch, den wir gerade erleben. Nicht zwischen Mensch und Maschine. Nicht zwischen Jung und Alt –sondern zwischen zwei Vorstellungen von Wirtschaft. Die eine glaubt, dass Fortschritt aus einem Wettbewerb und einem Gegeneinander entsteht. Die andere weiß, dass er aus Zusammenarbeit entsteht. Und womöglich liegt genau darin das Missverständnis unserer Zeit. Wir fürchten, dass uns die Technologie ersetzt. Dabei zwingt sie uns nur, das zu tun, was wir immer am besten konnten: zusammenarbeiten.
Oder anders gesagt: Die Zukunft gehört nicht den effizientesten Systemen, sondern den kooperativen. Für effiziente Prozesse kann uns in Zukunft die KI eine große Hilfe sein. Die Hauptaufgabe: Menschliche Kooperation werden wir selbst hinbekommen müssen. Dabei hilft es, wenn uns die Maschinen viele der Routinearbeiten abnehmen. Dann können wir uns auf eines konzentrieren: menschlich zu sein!
MARTIN KOCHER
Gouverneur
Oesterreichische Nationalbank
Der 52-Jährige ist habilitierter Verhaltensökonom. Er wirkte früher als Professor für experimentelle Wirtschaftsforschung, wo er mit Matthias Sutter am Institut für Finanzwissenschaft der Uni Innsbruck eng zusammenarbeitete. Zudem war er österreichischer Arbeits- und Wirtschaftsminister.
Notenbankgouverneur
Martin Kocher und der Verhaltensökonom Matthias Sutter legen erstmals gemeinsam ein Buch über Kooperation und Vertrauen vor. Im Interview erklären sie, warum Vertrauen einer eigenen Logik folgt, Politik oft falsch über Zusammenarbeit spricht und Unternehmen starke Vorbilder brauchen.
Interview: Daniel Nutz Fotos: Richard Tanzer


IIn einem Wiener Lokal treffe ich zwei Männer, die man nur selten gemeinsam für ein Interview bekommt: Martin Kocher und Matthias Sutter, seit Jahrzehnten ein forschendes Duo, das Kooperation und Vertrauen beforscht – und nun gemeinsam ein Buch darüber geschrieben hat. Früher diskutierten die beiden bei ihren ritualisierten Teepausen im Innsbrucker Universitätsinstitut – Kocher mit Schwarztee, Sutter mit Grüntee. Doch an diesem Abend ist alles einen Hauch anders. Kocher weicht vom obligatorischen Schwarztee ab, bestellt Cola und lacht, als wäre es ein kleiner Regelbruch im eigenen Ritual. Ein guter Moment, um über Zusammenarbeit, Führung und die Kunst des Vertrauens zu sprechen.
MATTHIAS SUTTER Direktor Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomik
Der 57-Jährige ist einer der renommiertesten Verhaltensökonomen Europas. Mit Kocher hat er über viele Jahre geforscht, gemeinsam haben sie mehr als 40 Studien veröffentlicht, bevor sie 2026 ihr Buch „Gemeinsam stark“ vorgelegt haben.
Ein Buch gemeinsam zu schreiben stellt Kooperation auf die Probe. Hand aufs Herz, war die Aufteilung 50 zu 50, oder hat einer als Trittbrettfahrer agiert? – Martin Kocher (lacht): Es war sehr fair aufgeteilt, weil wir arbeiten so lange zusammen, dass sich das fast von selbst ergibt. Wenn Kooperation etabliert ist, hält sie oft lange.
Matthias Sutter: Wir haben uns ein Wochenende Zeit genommen, die Kapitelstruktur entwickelt und uns dann die Bälle zugeworfen. Jeder hat geschrieben, was ihm thematisch am besten liegt. Danach haben wir gegenseitig quergelesen. Das funktioniert nur, wenn man dem anderen völlig vertraut. Das ist übrigens genau jene konditionale Kooperation, die wir im Buch beschreiben: Man verhält sich kooperativ, weil man aus Erfahrung erwartet, dass der andere das ebenso tut. Das verhindert die angesprochene Trittbrettfahrerei.
Sie haben nach einer gemeinsamen Zeit als Wissenschaftler sehr unterschiedliche Wege eingeschlagen. – Sutter: Ich fand es immer bewundernswert, dass Martin noch Aufsätze publiziert hat, indem er sich am Wochenende hingesetzt hat.
Wenn man Ihr Buch liest, fühlt man sich an Donald Trump erinnert. Er argumentiert oft mit einer Nullsummenlogik, dass durch Kooperation der gemeinsame Kuchen nicht größer wird. Würde er demnach als Prüfling bei Ihnen durchfallen? – Kocher (lacht): Er versteht das Prinzip vermutlich, zieht aber andere Schlüsse, weil er eine politische Strategie verfolgt. Gerade im internationalen Handel sollten immer beide Seiten profitieren – und da sollte ein großes Land manchmal mit gutem Beispiel vorangehen.
Sutter: Das Nullsummendenken hat in den USA zugenommen. Dabei ist Handel im Kern Kooperation: Beide gewinnen. Wenn man aber glaubt, der Vorteil des anderen sei der eigene Verlust, wird man politisch automatisch zum Gegner. Viele Innovationen entstehen aber durch Kooperation. Selbst Produkte wie Google
»Führungskräfte unterschätzen, wie stark ihr eigenes Verhalten wirkt.«
Matthias Sutter
»Im EZB-Rat hilft es, dass wir uns oft sehen –Vertrauen entsteht auch durch Wiederholung.«
Martin Kocher
Street View wären ohne die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschung nicht entstanden.
Der Optimismus einer positiven Globalisierung in den 1990er-Jahren ist verschwunden. Warum? – Kocher: Man darf die enormen Erfolge nicht übersehen. Durch die Integration Chinas in die Weltwirtschaft sind hunderte Millionen Menschen in die Mittelschicht aufgestiegen. Auch entwickelte Länder haben weiter Wohlstand aufgebaut.
Sutter: In China waren es 200 bis 300 Millionen Menschen – eine historische Dimension.
Kritiker sagen, der Wohlstand sei ungerecht verteilt. – Sutter: Der Diskurs fokussiert stark auf Superreiche. Das verzerrt die Wahrnehmung. Die Daten zeigen nicht überall zunehmende Ungleichheit.
Kocher: Für Österreich sehen wir anhand der Zahlen etwa in den letzten 15 Jahren eine ziemlich konstante Vermögensverteilung. Der subjektive Eindruck
entsteht auch durch soziale Medien –man vergleicht sich heute global und nicht mehr nur lokal.
Kommen wir zu Ihrem Kernthema: Wie hängen Kooperation und Vertrauen zusammen? – Sutter: Kooperation entsteht durch konditionale Kooperation: Ich arbeite für die Gruppe, wenn ich glaube, dass die anderen es auch tun. Diese Erwartung ist Vertrauen: der Schritt, sich von anderen abhängig zu machen.
Kocher: Vertrauen spielt überall eine Rolle. Jeder Arbeitsvertrag ist eigentlich unvollständig. Arbeitgeber müssen darauf vertrauen, dass Mitarbeiter Verantwortung übernehmen, weil nicht jedes Detail vertraglich geregelt werden kann. Transparenz, Fehlereingeständnisse und klare Regeln schaffen Vertrauen. Und: Vertrauen ist nicht naiv. Menschen vertrauen eher, wenn Rahmenbedingungen kooperatives Verhalten wahrscheinlich machen. Vertrauen ist eine rationale Einschätzung – und daher gestaltbar.
Vertrauen spielt auch auf den Finanzmärkten eine tragende Rolle. – Sutter: Auch Finanzmärkte bestehen aus Menschen und Entscheidungen unter Unsicherheit. Vertrauen entsteht, wenn ich davon ausgehen kann, dass sich andere an gemeinsame Normen halten.
Kocher: Auf Finanzmärkten geht es zusätzlich stark um Vertrauen in Institutionen. Menschen vertrauen, wenn Regeln transparent sind, Fehler offen angesprochen werden und Verantwortlichkeiten klar sind. Wie Regeln und Institutionen ausgestaltet sind, entscheidet darüber, ob Vertrauen entsteht. Vertrauen führt zu funktionierenden Märkten. Wenn kein Vertrauen da ist, verlieren Märkte ihre Stabilität. Und zerstörtes Vertrauen wieder aufzubauen ist schwierig – es hinterlässt Narben, die nur langsam heilen.
Wie baut man Vertrauen auf – und kann man verlorengegangenes wiederherstellen? – Kocher: Aufbau ohne negative Erfahrung ist einfacher: Transparenz, Ehr-
lichkeit, Accountability. Schwieriger ist es, Vertrauen nach einem Bruch wiederherzustellen. Im Buch erzählen wir von einem Unternehmer, der Geschäfte per Handschlag gemacht hat – und damit meist gut gefahren ist. Vertrauen senkt Transaktionskosten und macht Zusammenarbeit effizienter.
Sutter: Wir wissen erstaunlich wenig darüber, wie man verlorengegangenes Vertrauen wieder aufbaut. Ein erneuter Vertrauensvorschuss kann helfen – aber eine systematische Theorie fehlt.
Kooperation in großen Gruppen, etwa der EU oder den Vereinten Nationen, ist doch schwieriger als in kleinen? – Sutter: Überraschenderweise ist das nicht eindeutig. Aber Gemeinsamkeit stärkt Kooperation. Es braucht Identitätsanker – lokal, national, europäisch. Nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Viele Bürger misstrauen europäischen Institutionen.
Was müsste passieren? – Kocher: Nähe schafft Vertrauen – bei EU-Institutionen ist diese Distanz strukturell bedingt größer. Was fehlt, ist eine europäische Öffentlichkeit. Nationale Debatten laufen oft in unterschiedliche Richtungen. Breite europäische Medienangebote wären enorm hilfreich.
Man sagt, das Sprachengewirr Europas verhindere eine gemeinsame Öffentlichkeit. –Kocher: Wenn die technische Entwicklung uns dabei hilft, dass wir zum Beispiel über Übersetzungstools andere Sprachen zu geringen Kosten sofort verstehen, kann uns das sehr viel weiterbringen.
Wie macht das der EZB-Rat? Man hört, dass dort manchmal heftig gestritten wird. Am Ende gibt es dann doch eine einheitliche Linie. – Kocher: Unterschiedliche Meinungen sind kein Problem, im Gegenteil. Wichtig ist die Diskussion und danach idealerweise eine einheitliche Kommunikation, weil Geldpolitik stark über Signale wirkt. Wir treffen uns sehr oft, haben alle relativ lange Funktionsperioden

REGE DISKUSSION. Matthias Sutter (l.) und Martin Kocher im Gespräch mit „Börsianer Perspektiven“ über die Thesen ihres Buches.
und echte Unabhängigkeit in der Geldpolitik. Das schafft Vertrauen.
Sie beschreiben das Montrealer Abkommen zum Schutz der Ozonschicht als großen kooperativen Erfolg. Wieso gelingt uns das bei der Bekämpfung der menschengemachten Erderwärmung nicht? – Sutter: Bei FCKWs war der Verursacher klar identifizierbar, die Technologie leicht ersetzbar und die Kosten waren überschaubar. Beim Klima ist alles komplexer: viele Quellen, viele Interessen, viele Unsicherheiten.
Kocher: Und Alternativtechnologien sind oft noch teuer. Deshalb argumentieren wir für Klimaklubs und massive Forschung. Wenn die Alternativen günstiger werden, setzt sich Kooperation und mit ihr die Reduktion von Treibhausgasen fast automatisch durch.
Was sollten Führungskräfte aus Ihrem Buch mitnehmen? – Sutter: Viele erwarten Kooperation, leben sie aber selbst nicht vor. Menschen imitieren das. Führung heißt, das richtige Beispiel zu setzen, also ein Vorbild zu sein.
Kocher: Und man muss ein Umfeld schaffen, das Vertrauen ermöglicht. Gute Leute bleiben in Unternehmen,
»Trump weiß, dass der Handel ein Positivsummenspiel ist, aber es passt nicht in seine Strategie.«
Martin Kocher
»Das MontrealProtokoll war einfach –erfolgreiche Klimapolitik ist komplex.«
Matthias Sutter wenn sie mit Kultur und Führungsstil zufrieden sind.
Sutter: Führungskräfte müssen akzeptieren, dass sie fast immer mehr leisten müssen als andere. Wenn sie das nicht tun, beginnt die Kultur zu erodieren.
Der Einsatz von KI-Agenten wird die Kommunikation der Kunden mit ihrer Bank radikal verändern. Gemeinsam mit den Experten von ZEB wagen wir einen Blick in die Zukunft.
Illustration: Antonia Zeiss
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ASSISTIERTES BANKING
Kunde erhält über eine Engagement-KI passgenaue und unterstützende Impulse
Einzelne Agenten helfen bei Servicethemen
KUNDENGEFÜHRTES BANKING
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STUFE 3
AUSBAU WEITERER STANDARDS
Next-Best-Action
Personalisierte Hinweise Service-Assistenz
Co-Pilots für Kundenberater Einfache Finanz-Coaches
TEILAUTOMATISIERTES BANKING
TEILAUTOMATISIERTES BANKING
Spezialisierte Agenten werden in einem intelligenten System zu einem Multiagenten miteinander verknüpft
Komplexere Themen werden automatisiert erledigt
Kunde überwacht das System und trifft Entscheidungen selbst
GROSSE SPRÜNGE
AUTOMATISIERTES BANKING
KI-Agent übernimmt klar definierte Tätigkeiten im Banking selbstständig für den Kunden
Kunde muss für definierte Themen weder das System überwachen noch Entscheidungen treffen
ANFANGS IN RISIKOARMEN BEREICHEN
Z. B. „Daily Banking“. Vorerst nicht flächendeckend
„Echte Autonomie muss sich aus unserer Sicht langsam entwickeln und benötigt viel Vertrauensaufbau.“
Benjamin Winter, ZEB
STUFE 4
AUTONOMES BANKING
Autonomie ist an keine Tätigkeiten geknüpft
Kunde wird Passagier
Quelle: ZEB
ANFANGS
Vertrauensaufbau nötig
ALIA-BANK. Die erste österreichische ImpactBank soll nur Projekte mit einer nachhaltigen Wirkung finanzieren. Das Lizenzierungsverfahren läuft bereits.
Je größer der ökologische und soziale Impact, desto günstiger der Kredit: Der Ex-CEO der Raiffeisen Landesbank Tirol, Johannes Ortner, glaubt an dieses Geschäftsmodell und will mit der ersten Impact-Bank Österreichs bei der Revolution im Finanzsektor mitmischen.
ÖÖsterreich gilt mit rund 400 Kreditinstituten als „overbanked“. Eine weitere Bank zu gründen nennt Florian Klimscha, auf Bankrecht spezialisierter Jurist und Partner bei der Wirtschaftskanzlei Freshfields, „an sich eine Exercise“. Dem „geplanten innovativen und alternativen Geschäftsmodell“ der AliaBank spricht er jedoch Chancen zu: Dieses „sollte die Ausgangslage deutlich verbessern“.
Hinter der neuen Bank steht Johannes Ortner, Ex-CEO der Raiffeisen Landesbank Tirol, der im Jänner mit seinem Team einen Konzessionsantrag für die Alia-Bank eingebracht hat. Der Name ist Programm: „Alia“ heißt „anders“. Keine beliebige Bank soll entstehen, sondern die erste Impact-Bank Österreichs. Geht alles gut, will man 2027 starten.
CEO Johannes Ortner erklärt das Prinzip: „Wir bewerten Projekte nicht
Für eine Bankgründung braucht es neben einem dauerhaft tragfähigen Geschäftsmodell im Wesentlichen eine solide Kapitalausstattung und zuverlässige Eigentümer, die bei Bedarf Kapital nachschießen können. Dazu eine Organisation, interne Kontrollen und Risikosteuerung, die von Beginn an wirksam sind und zur geplanten Geschäftstätigkeit passen, sowie eine transparente Beteiligungs- und Gruppenstruktur, in der Eigentumsverhältnisse, Kontrolle und Geldflüsse klar erkennbar sind.
nur nach Bonität und Risiko wie jede andere Bank auch, sondern auch nach dem Impact.“ Neben der finanziellen Rendite spielen die soziale und ökologische Wirkung eine entscheidende Rolle. Je positiver der Impact, desto günstiger die Kreditkonditionen. Mit Firmen, deren Hauptgeschäft etwa Atomkraft, Öl, Glücksspiel, Pornografie oder Tabak ist, macht Alia keine Geschäfte – selbst dann nicht, wenn das zu finanzierende Projekt einen positiven Impact hätte. Als Waschmaschine für Greenwashing will man nicht dienen. „Das Geld, das wir als Kredite an Unternehmen vergeben, kommt aus sauberen Quellen und bleibt in einem sauberen Geldkreislauf.“ Ohne positive Wirkung gebe es kein Geschäft – so radikal agiere derzeit keine andere Bank in Österreich. Ein ähnliches Konzept verfolgt das Umweltcenter der Raiffeisenbank Gunskirchen, dessen
Geschäftsmodell sich jedoch von Alia unterscheidet und das keine eigenständige Bank ist.
In Europa etabliert
Ein Projekt, das Alia finanzieren würde, wäre etwa die Erschließung der Trinkwasserversorgung einer Großstadt –dieses Beispiel wurde für die Konzessionsunterlagen ausgearbeitet. Zwar hätte ein solches Projekt durch Eingriffe in die Natur wie etwa durch Stollenbau auch negative Auswirkungen, doch würden die positiven Effekte überwiegen: sauberes Trinkwasser, das ohne zusätzliche Energiezufuhr in Haushalte transportiert wird, sowie wissenschaftliche Erkenntnisse.
In anderen EU-Ländern sind ImpactBanken längst etabliert: Die GLS Bank wurde 1974 gegründet und die Triodos Bank 1980. Doch auch hier positioniert
sich Alia anders: Sie ist als reine Investitionsbank konzipiert und bietet weder private Girokonten noch klassische Geschäftskonten an.
Alia wird zunächst nur zwei Produkte anbieten: „Wir nehmen Festgelder von institutionellen und Firmenkunden herein und vergeben dieses Geld als Investitionskredite an Unternehmen“, erklärt Ortner. So werde das Bankgeschäft einfach und verständlich – und damit transparent und vertrauenswürdig.
Gute Chancen
Die einfache Struktur könnte die Chancen auf eine Lizenzfreigabe erhöhen. Jurist Klimscha betont: „Je schwieriger, komplexer, größer und risikoreicher das Geschäftsmodell und die Produkte sind, desto höher sind auch die Anforderungen seitens der Aufsicht.“
Laut Florian Klimscha interessieren sich die Finanzmarktaufsicht Österreich und die Europäische Zentralbank, die die Lizenz vergibt, besonders für die Eigentümerstruktur. Dass die Gründung von einem ehemaligen Bankmanager ausgeht und auch das Team entsprechende Erfahrung mitbringt, wertet er als positives Signal. Auch das Geschäftsmodell habe grundsätzlich Potenzial, denn es gebe einen Markt für Finanzierungen von Projekten wie Hackschnitzelanlagen, Biomassekraftwerken, Erdwärme, Kläranlagen, Photovoltaik sowie Bildungs- und Pflegeeinrichtungen.
Das Alia-Team hat bereits eine Rückmeldung der FMA erhalten. Die wenigen Rückfragen bezüglich des Business-Cases könne man rasch beantworten, meint Ortner. Detaillierte Nachfragen habe es jedoch bezüglich der Investoren gegeben. Das Team will dies mit den rund 20 Investoren klären, die bereits Absichtserklärungen über insgesamt 30 Millionen Euro unterzeichnet haben. Als Ziel hat sich Alia 51 Millionen Euro gesetzt. Bisher nennt das Unternehmen öffentlich nur die Philanthropin und Impact-Investorin Monique Bär, eine Nachfahrin des Bankengründers Julius

»Wir bewerten Projekte nicht nur nach Bonität und Risiko.«
Johannes Ortner

»Der Blick der Banken auf die Geschäftsmodelle ist heute völlig anders.«
Florian Klimscha
Bär, sowie den aus Tirol stammenden Impact-Investor Charly Kleissner.
Der Ansatz der Alia-Bank ist zwar radikal, doch insgesamt zeigt sich ein klarer Trend: Nachhaltigkeit wird zunehmend zu einem Entscheidungskriterium bei Kreditvergaben. Florian Klimscha sagt: „Der Blick der Banken auf die Geschäftsmodelle ihrer Kunden ist heute völlig anders als noch vor fünf Jahren.“
Johannes Ortner, der derzeit hauptberuflich ein Beratungsunternehmen führt, sieht geopolitische Entwicklungen als Beleg dafür, dass ein Umdenken im Wirtschaftsmodell notwendig ist und Europa – insbesondere Österreich –energiepolitisch unabhängiger werden muss. „Die Bonifizierung solcher Vorhaben sollte nicht erst durch eine Startup-Bank wie Alia angestoßen werden, sondern Common Sense sein.“
Ein „konsequentes Bankgeschäftsmodell wie Alia“ könne daher zusätzliche Investoren anziehen. Ortner erwartet „eine kleine Revolution im Finanzsektor“: Die Rendite bleibe wichtig, werde jedoch künftig stärker durch die Komponente der Wirkung ergänzt. —

www.group.vig
Wahre Exzellenz zeigt sich im Detail. Wie eine Pâtissière, die den letzten Schliff setzt, streben auch unsere 50 Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen in 30 Ländern nach herausragenden Lösungen. Denn als Nummer 1 in Zentral- und Osteuropa ist unser Ziel, unseren 33 Millionen Kund:innen in 30 Ländern höchste Qualität zu bieten. Schützen, was zählt.
Die Finanzbranche feiert grüne Portfolios – und übersieht dabei, worauf es ankommt: Nicht die Farbe eines Investments entscheidet, sondern seine Wirkung.
WARREN BUFFETT wird das Zitat zugeschrieben: „Jemand sitzt heute im Schatten, weil jemand vor langer Zeit einen Baum gepflanzt hat.“
Doch Hand aufs Herz: Welcher Investmentprozess fragt heute ernsthaft, in welchem Schatten unsere Enkel sitzen werden? Die Finanzbranche hat „Grün“ entdeckt. ESG-Fonds sprießen wie Pilze, Nachhaltigkeitsratings boomen, und die Assets under Management in „grünen“ Produkten erreichen Rekordwerte. Glückwunsch. Aber haben wir damit wirklich etwas gewonnen – oder nur Anlagekategorien umetikettiert?
Der Elefant im Raum ist: Wir stellen die falsche Frage. Nicht „In welche grüne Kategorie soll ich investieren?“ sollte am Anfang stehen, sondern „Welche Wirkung will ich in der Welt erzielen?“. Das klingt nach semantischer Haarspalterei? Mitnichten. Es ist der Unterschied zwischen Kosmetik und Transformation.
Der traditionelle Investmentprozess kennt Input und Output: Kapital rein, risikoadjustierte Rendite raus. Fertig. Was aber fehlt, sind zwei entscheidende Dimensionen: Outcome, also das tatsächliche Ergebnis in der realen Welt, und Impact, die langfristige Wirkung auf Gesellschaft und Ökosysteme. Solange wir diese Dimensionen ignorieren, betreiben wir bestenfalls aufgeklärtes Greenwashing.
Die „Good Ancestors“-Bewegung macht es vor: Sie erinnert daran, dass auch kommende Generationen Anspruch auf eine lebendige Welt haben. Sie denkt deshalb von der gewünschten Wirkung her - rückwärts. Denn wir entscheiden heute, welche Welt wir den kommenden Generationen hinterlassen. Mit je-

»Warum wir bei Investments von ihrer Wirkung aus denken müssen.«
Friedhelm Boschert Gründer, Autor, Banker
Der gebürtige Deutsche lebt seit 28 Jahren in Österreich. Er ist Honorarprofessor an der IMC Krems und gründete vor zwei Jahren die GeldBildungs-Initiative Pogebix. Daneben engagiert er sich seit 2010 für den SocialImpact-Investor Oikocredit und als Autor. 2025 ist „Positives Geld für eine regenerative Welt“ im Haufe-Verlag erschienen.
dem einzelnen Euro, den wir investieren, entscheiden wir: Welche Zukunft will ich erschaffen, welche Wirkung möchte ich erzielen? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, folgt die Investitionsentscheidung. Das ist keine Moralpredigt, sondern strategische Klugheit. Mark Carney, ehemaliger Chef der Bank of England, warnte bereits 2015 vor der „Tragedy of the Horizons“: Die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels liegen jenseits der Zeithorizonte, die in unseren Investmentmodellen existieren. Die Kosten treffen die Zukunft, die Anreize regieren die Gegenwart. Und das ist die Tragödie.
Die provokante Wahrheit: Wer ernsthaft wirkungsorientiert investieren will, muss bereit sein, die Spielregeln radikal zu ändern. Das bedeutet nicht, auf Rendite zu verzichten – im Gegenteil. Langfristig orientierte Investments mit echtem Impact sind oft die stabileren. Aber es bedeutet, die Bewertungslogik umzudrehen: Nicht „Wie grün kann mein Portfolio sein, ohne Rendite einzubüßen?“, sondern „Welche Wirkung in welcher Zukunft strebe ich an, und wie finanziere ich diese nachhaltig?“. Für die Messung der Wirkung steht übrigens mit SROI, IRIS+ oder den SDG-ImpactIndikatoren heute schon ein umfangreicher Instrumentenkasten zur Verfügung. Das ist also keine Romantik. Es ist jedoch die wahrscheinlich vernünftigste Form des Investierens. Denn: Vermögen, das Zukunft zerstört, mag kurzfristig Ertrag bringen, langfristig aber entwertet es die Welt, in der dieser Ertrag überhaupt noch etwas bedeutet. Grün ist vielleicht ein Anfang. Wirkung allerdings ist der Maßstab.

Die europäische Automobilindustrie steckt in einer tiefen Umbruchphase. Der italienische Konzern Brembo hat den Wandel früh antizipiert – und sich vom Bremsenspezialisten zu einem technologiegetriebenen Vorreiter entwickelt, der Nachhaltigkeit mit Digitalisierung verbindet.
Text: Micaela Taroni
EEine kilometerlange leuchtend rote Mauer zieht sich entlang der Autobahn bei Bergamo in Richtung Mailand. Sie bildet die Front der von dem französischen Stararchitekten Jean Nouvel entworfenen Brembo-Unternehmenszentrale – eine bewusste Anspielung auf die von mächtigen Mauern umgebene Stadt Bergamo. Was hinter dieser Fassade entsteht, bewegt buchstäblich die Welt: Dort werden Bremssysteme für Ferrari, Porsche, Mercedes, Aston Martin, Ducati und Harley-Davidson, aber auch für Massenanbieter wie General Motors, Ford und Stellantis produziert. Brembo beliefert nahezu je-

den bedeutenden Auto- und Motorradhersteller weltweit. Und der Konzern steht längst nicht mehr nur für rote Bremszangen – sondern für ein integriertes Technologie-Ökosystem, das Stoßdämpfer, Kupplungen, Felgen und KI-basierte Softwarelösungen umfasst.
Bremsen und Wasser Zudem verknüpft Brembo Nachhaltigkeit mit industrieller und technologischer Innovation. 2025 erhielt der Konzern von der Ratingagentur CDP zweimal die „A“-Bewertung: für Klimaschutz und Wassermanagement;
88 Prozent des Stromverbrauchs stammen bereits aus erneuerbaren Quellen. Gleichzeitig setzt Brembo laufend Effizienzprogramme um. „Die Reduzierung der Emissionen hängt nicht nur von erneuerbaren Energien ab, sondern auch von der kontinuierlichen Verbesserung der Produktionsprozesse“, betont Andrea Rocco, Chief Sustainability and Risk Officer bei Brembo. Wo möglich, gilt ein „Zero waste to landfill“-Ansatz, an den europäischen Standorten werden derweil über 90 Prozent der Abfälle wiederverwertet. Ergänzend dazu führte Brembo 2025 ein fortschrittliches System zur Überwachung des Wasserverbrauchs
Am 11. Jänner 1961 gründeten Emilio und Alberto Bombassei mit Italo Breda in einer Garage einen kleinen Automobilzulieferer. Der Name Brembo entstand aus der Kombination ihrer Familiennamen – zugleich der Name eines Flusses in der Region Bergamo. Der Wendepunkt kam Mitte der 1960er-Jahre: Ein Lkw-Unfall blockierte die Lieferung von Bremsscheiben aus Großbritannien für Alfa Romeo. Brembo reparierte die beschädigten Teile und begann, selbst zu produzieren. Damals fuhren praktisch alle Pkws noch mit billigeren Trommelbremsen. Die Söhne von Emilio Bombassei setzten auf Scheibenbremsen, investierten in neue Anlagen und trafen damit den Nerv einer boomenden Motorindustrie. In den 1970erJahren stieg Brembo mit Ferrari in den Rennsport ein, in den 1980ern folgte die Zusammenarbeit mit Porsche. Heute hat das seit 1995 in Mailand börsennotierte Unternehmen eine Marktkapitalisierung von 2,7 Milliarden Euro und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 3,7 Milliarden Euro. Brembo betreibt 39 Produktionsanlagen in 18 Ländern und beschäftigt rund 16.000 Personen.

ein, um Einsparpotenziale systematisch zu erschließen. Besonders sichtbar wird der Nachhaltigkeitsanspruch auf Produktebene: Neue Bremssattelmodelle aus recyceltem Aluminium sind bereits am Markt. Zwar sei dieses Material noch weniger verbreitet als Primäraluminium, „doch wir tragen aktiv zur Entwicklung des Marktes bei“, erklärt Rocco. Brembo positioniert sich damit nicht nur als Anwender, sondern als Treiber nachhaltiger Materialinnovationen.
Green Deal als Chance
Doch Druck kommt vonseiten der Kunden und aus Brüssel. Die gesamte eu-
ropäische Fahrzeugindustrie übersetzt den Green Deal in harte Lieferkettenvorgaben. Zulieferer wie Brembo spüren das unmittelbar. „Die Anforderungen variieren je nach Kunde und unterscheiden sich auch nach kulturellem und geografischem Kontext. Neben variablen Anforderungen gibt es aber auch wiederkehrende Kriterien, die von uns gefordert werden, etwa im Zusammenhang mit CO2-Emissionen oder sozialen Standards. Kunden aus europäischen Ländern, vor allem aus Deutschland, gehören zu den anspruchsvollsten Klienten“, sagt Rocco. Der Druck ist real – doch Brembo hat ihn früh als strategi-
INNOVATIV. Hinter dieser roten Wand versuchen die Ingenieure von Brembo in Norditalien den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden.
sche Chance begriffen, nicht als Bedrohung. Francesco Zirpoli, Professor für Innovationsmanagement an der Universita Ca’ Foscari in Venedig, meint: „Der Green Deal ist nicht nur Umweltpolitik, sondern ein zentraler Innovationstreiber.“ Wer ihn bremse, schwäche automatisch auch die Innovationsfähigkeit – eine Einschätzung, die sich in der Praxis von Brembo spiegelt.
Früh investiert
Der frühe Einstieg in Nachhaltigkeit macht sich bezahlt. „Ein Teil unseres Vorsprungs liegt gerade in der Weitsicht, wichtige Entwicklungen frühzeitig er-
Die Hochleistungsbremsen von Brembo kommen in der Formel 1 sowie bei MotoGP-Rennen zum Einsatz.


»Kunden
aus Deutschland gehören zu den anspruchsvollsten Klienten.«
Andrea Rocco
kannt und umgesetzt zu haben“, erklärt Rocco. Doch nicht alle Marktteilnehmer agieren mit dieser Konsequenz. Christian Plas, Partner bei EY Denkstatt und Leiter des Bereichs Climate Change and Sustainability Services in Österreich, benennt das Kernproblem der Branche: „Unschlüssiges Verhalten wirkt wie ein massiver Innovationsbremser – und belastet vor allem jene Unternehmen, die bereits in Innovation investiert haben.“ Daher seien ständige politische Kurswechsel Gift für Investitionen. Der Green Deal werde zu oft als Bedrohung aufgefasst, anstatt als das gesehen zu werden, was er laut Plas ist: ein wirtschaftliches Zukunftsprogramm.
Dabei gebe es sehr gute Beispiele, wo die Vorgabe, CO2 einzusparen, zu bedeutenden Innovationen führen kann.

»Ständige politische Kurswechsel sind Gift für Investitionen.«
Das reiche vom simplen Geschäftsmodell, Strom mit PV oder Wind zu erzeugen und dadurch sowohl die anfallende CO2-Steuer für fossile Energieträger zu vermeiden als auch Preisschwankungen oder -steigerungen im Zuge geopolitischer Verwerfungen auszulassen, bis hin zu Angeboten an Haushalte mit Einfamilienhäusern, denen der Stromanbieter PV-Anlage und E-Auto bezahlt und im Gegenzug die Erlaubnis erhält, die Batterie des Autos – wenn es nicht benutzt wird – für Lastmanagementzwecke im Stromnetz zu nutzen, meint Plas. Weitreichend sind auch Überlegungen von Industriebetrieben, die aus ihren Reststoffen Energieträger herzustellen planen, die gegenüber fossilen Energieträgern nur dann konkurrenzfähig sind, wenn CO2 auch tatsächlich angemessen bepreist wird. Somit ist es ein einfaches Rechenmodell, wie hoch CO2-Preise sein müssen, damit sich die bisweilen aufwendige neue Produktion rechnet.
Zuversicht trotz Unsicherheit
So durchläuft die Automobilindustrie weltweit eine Phase großer Unsicherheit – vom angesprochenen Hickhack um den regulatorischen Rahmen über geopolitische Risiken und einer stockenden Elektromobilitätswende bis hin zu volatilen Rohstoffmärkten. Brembo begegnet dem mit Diversifizierung und breiter internationaler Aufstellung. Roccos Resümee klingt nüchtern, aber entschlossen: „Wir leben in einer Zeit großer Unsicherheit – Prognosen sind daher schwierig. Doch eines ist für uns klar: Nachhaltigkeit wird weiterhin ein integraler Bestandteil der strategischen Unternehmensentscheidungen bleiben.“
Für Investoren, die nach Zulieferern mit strukturellem Rückenwind suchen, liefert Brembo ein klares Argument: Der Konzern hat den Regulierungsdruck nicht abgewartet, sondern antizipiert –und daraus einen messbaren Vorsprung aufgebaut. Die rote Mauer bei Bergamo steht nicht nur für Architektur. Sie steht für eine Haltung.

„Green
EXPERTE. Francesco Zirpoli begleitet die Transformation klassischer Autobauer.
Francesco Zirpol ist Professor für Betriebswirtschaft und Innovationsmanagement an der Venice School of Management der Universita Ca’ Foscari in Venedig. Börsianer Perspektiven sprach mit ihm über die Zukunft der europäischen Autoindustrie.
Bedeutende Säulen des Green Deal könnten fallen. Welche Folgen würde das für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Autobranche haben? – Francesco Zirpoli: Der Green Deal ist nicht nur Umweltpolitik, sondern ein zentraler Innovationstreiber. Wer ihn bremst, schwächt automatisch auch Innovation. Im Kern geht es darum, ob Europa Innovation gezielt fördern will, oder ob es eher bestehende Strukturen schützt, was langfristig zu einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit führen wird.
Was müsste Europa Ihrer Ansicht nach tun? – Europa braucht deutlich mehr Kohäsion und Koordination. Die Mitgliedstaaten sollten nicht gegeneinander um Investitionen konkurrieren, sondern gemeinsam industrielle Strategien entwickeln. Die größten Gefahren bestehen in der Fragmentierung: Jeder Staat verfolgt seine eigene Agenda in Sachen Industriepolitik. Das ist durchaus schädlich.
Italien ist von der Krise der Autoindustrie besonders hart betroffen. Warum? – Italien hat seit 1987 nur noch einen großen Automobilhersteller, nämlich Stellan-
tis. In den vergangenen 20 Jahren ist die Produktion regelrecht eingebrochen. Die Zulieferkette hält sich zwar, ist jedoch stark exportabhängig und damit anfällig.
Was spricht aus technologischer Sicht für Elektromobilität? – Vor allem die Effizienz. Ein Verbrennungsmotor verliert rund 80 Prozent der eingesetzten Energie, ein Elektromotor nur etwa zehn Prozent. Die Elektrifizierung senkt somit insgesamt den Energieverbrauch und verlagert den Schwerpunkt auf dessen Erzeugung, wodurch sich Chancen für Alternativen zu fossilen Energieträgern eröffnen. Europa hat daher viel mit der Dekarbonisierung zu gewinnen.
Viele Verbraucher zögern noch mit dem Umstieg auf Elektroautos. Warum? – Die Autoindustrie hat sich bei E-Autos auf das Topsegment fokussiert, das Angebot ist oft noch zu teuer und nicht ausreichend auf die Bedürfnisse vieler Menschen zugeschnitten. Aber das wird sich ändern. In den nächsten Jahren wird das Angebot stark wachsen. Wir sehen bereits einen klaren Wandel: Vor
zehn Jahren dominierten Dieselautos den Markt, heute sind Hybridfahrzeuge führend. Der nächste Schritt ist die breite Durchsetzung der Elektromobilität - mit besseren Batterien, größerer Reichweite und sinkenden Kosten.
Europa gilt als innovationsstark. Wo liegen dennoch die Schwächen der Autobranche? – Europa hat im Vergleich zu asiatischen Ländern wie China, Japan und Südkorea später begonnen, in Elektromobilität, Digitalisierung und Automatisierung zu investieren. Besonders im Bereich Software besteht ein Rückstand. Da das Auto zunehmend ein digitales Produkt wird, verschiebt sich der Wettbewerb aber in genau diese Richtung.
Welche Rolle spielen dabei die Verbraucher? – Sie haben eine zentrale Rolle. Verbraucher entscheiden rational und warten oft ab – das ist völlig normal in Zeiten großer Ungewissheit wie jenen, die wir derzeit erleben. Die Industrie muss Produkte anbieten, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Aber eines steht fest: Elektromobilität ist die einzige Richtung.
#EU-EMISSIONSHANDELSSYSTEM
Der EU-Emissionshandel soll CO2 einsparen und klimafreundliche Technologien vorantreiben. Klingt eigentlich gut. Aus der Industrie werden Stimmen lauter, die das Emissionshandelssystem (EU-ETS) einbremsen wollen. Doch auch hier sind die Positionen nicht eindeutig, wie das folgende Pro und Contra zeigt.
Was ist der EU-ETS, und wie funktioniert er?
Der EU-Emissionshandel begrenzt die zulässigen CO2-Emissionen großer Industrie- und Energieanlagen. Für jede Tonne CO2 benötigen Unternehmen ein Zertifikat, das gehandelt werden kann. Sehr sparsame Unternehmen können nichtbenötigte Zertifikate also verkaufen. Der Cap aller Zertifikate sinkt jährlich, wodurch echte Emissionsreduktionen entstehen. Anders als freiwillige Offsets ist der ETS verpflichtend und gesetzlich reguliert.
Wie unterscheidet sich der ETS von anderen Zertifikaten?
ETS-Zertifikate reduzieren Emissionen real, weil sie ein Teil eines festen EUBudgets sind. Freiwillige CO2-Zertifikate, wie etwa Climate Action Reserve (CAR) und andere, kompensieren Emissionen über Projekte, haben aber keinen Einfluss auf die EU-Obergrenze. Der ETS ist daher ein verpflichtendes Klimaschutzinstrument, Offsets hingegen freiwillige Zusatzmaßnahmen.
Text: Daniel Nutz
Wie sieht der Fahrplan bei ETS aus?
Laut dem Fahrplan werden kostenlose Emissionszertifikate für CO2-intensive Industrien schrittweise abgeschafft, um den CO2-Preis vollständig wirksam zu machen. Diese Gratiszuteilung wird von 2026 an reduziert und endet 2034. Parallel dazu kommt es zur Einführung des CO2-Grenzausgleichssystems (CBAM), das Wettbewerbsnachteile gegenüber Importen verhindern soll. Ab 2034 müssen die betroffenen Emissionen vollständig über den Markt bepreist werden.
Wie funktioniert das CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM)?
Konkret müssen Importeure bestimmter CO2-intensiver Güter – beispielsweise Stahl, Zement, Aluminium, Düngemittel, Strom, Wasserstoff – CBAM-Zertifikate kaufen, deren Preis sich am ETS-CO2-Preis orientiert. Das Ziel ist es, Carbon-Leakage zu verhindern, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und die Abschaffung der Gratiszertifikate im ETS zu flankieren.
Warum soll die kostenlose Zertifikatszuteilung verlängert werden?
Ein Hauptargument aus Teilen der Industrie besagt, dass sich seit dem Beschluss des Green Deal die Rahmenbedingungen geändert haben, hier werden etwa Energiekrisen und ein von den USA ausgehender Backlash im Klimaschutz genannt. Unternehmen kritisieren Kosten, Bürokratie und technische Hürden. Außerdem stünden alternative Energieformen wie etwa Wasserstoff sowie die notwendigen Netze nur eingeschränkt zur Verfügung.
Was spricht gegen eine Verlängerung?
Die EU erachtet strengere Regeln als notwendig, um die Klimaziele zu erreichen. NGOs argumentieren hingegen, dass Unternehmen mit der kostenlosen Zuteilung zu wenig Anreiz hätten, in klimaneutrale Technologien zu investieren, Dividenden und Gewinne aber oft steigen würden. Gratiszertifikate würden den CO2-Preis genau dort schwächen, wo er wirken soll – bei den größten Emittenten.

Dieter Drexel ist stellvertretender Bereichsleiter Klima, Infrastruktur, Transport, Ressourcen & Energie in der Industriellenvereinigung.
Rahmenbedingungen haben sich verändert
Der EU-Emissionshandel ist das zentrale Steuerungsinstrument der europäischen Klimapolitik. Er soll sicherstellen, dass europäische Unternehmen klimaneutral werden. Gleichzeitig darf er aber nicht dazu führen, dass diese Unternehmen aus der EU abwandern oder wirtschaftlich in die Knie gezwungen werden. Davon hätten weder die Menschen in Europa noch das Klima etwas: Die Produktion würde in andere Weltregionen verlagert, während der Konsum in Europa bestehen bliebe – oft unter geringeren Umweltstandards. Um das zu verhindern, erhalten Unternehmen im intensiven internationalen Wettbewerb einen erheblichen Teil ihrer Zertifikate kostenfrei zugeteilt. Nach der zunächst erfolgreichen Klimakonferenz von Paris 2015 wurde im Zuge des Green Deal beschlossen, diese Freizuteilung zwischen 2026 und 2034 schrittweise auslaufen zu lassen. Doch die Rahmenbedingungen haben sich seither fundamental verändert: Pandemie, massiver Energiepreisschock infolge des Ukraine-Kriegs, zunehmende geopolitische Spannungen, etwa im Iran, sowie eine ins Wanken geratene globale Handelsordnung.
Vor diesem Hintergrund schlägt die Industriellenvereinigung vor, an der Freizuteilung länger festzuhalten. Ziel ist es, Unternehmen nicht zusätzlich mit einer weltweit einzigartigen Belastung zu konfrontieren. Das hat wenig mit einem Aufweichen von Planungssicherheit zu tun, sondern mit der Erwartung an verantwortungsvolle Politik, Maßnahmen zu setzen, die Wohlstand, industrielle Basis und wirtschaftliche Stabilität in der EU sichern.

Haimo Primas ist CEO von Holcim Österreich und Chef der Holcim Cement CE Holding GmbH, die das Zementgeschäft in Zentral- und Osteuropa verantwortet.
Planungssicherheit wertvollstes Zertifikat Für energieintensive Industrien schafft das EU-Emissionshandelssystem (ETS) einen klaren Rahmen für Investitionen in die Dekarbonisierung. Entscheidend ist dabei nicht die kurzfristige Anpassung von Stellschrauben, sondern verlässliche und berechenbare Regeln. Wer Dekarbonisierung ernst meint, muss Planungssicherheit schaffen! Holcim Österreich hat in den vergangenen sieben Jahren über 100 Millionen Euro in die Dekarbonisierung und Energieeffizienz investiert. Solche Investitionen sind langfristig und basieren auf klaren CO2-Preis-Pfaden. Wird das Ende der Gratiszuteilungen verschoben, sinkt der Preisdruck – und damit die Wirtschaftlichkeit bereits getätigter und zukünftiger Investitionen in klimafreundliche Technologien. Was die Industrie braucht, ist kein Stop and Go, sondern maximale Planungssicherheit.
Für „Hard-to-abate“-Sektoren, zu denen auch die Zementindustrie zählt, sind Gratiszertifikate ein Übergangsinstrument. Sie schaffen Zeit, um Technologien zu entwickeln und zu skalieren. Gleichzeitig ist klar: Mit dem aktuellen ETS laufen diese Gratiszertifikate aus, und die Industrie kann sich darauf einstellen. Hohe Energiepreise sind dabei kein ETS-Phänomen, sondern die Folge der anhaltenden Abhängigkeit von fossilen Energien und geopolitischer Unsicherheiten.
Holcim hat ein klares Bekenntnis zu Net-Zero bis 2050 abgelegt und Zwischenziele für 2030 kommuniziert. Mittel aus dem ETS sind seitens Politik gezielt als Hebel für grüne Innovationen einzusetzen. Nur so sichern wir Wettbewerbsfähigkeit und Klimaziele gleichermaßen.
#ELEKTRO-TUK-TUKS


AUTOKAUF. Bei der Suche nach einem neuen Tuk-Tuk kamen wir schnell auf die E-Modelle von Bajaj. Mein Mann und ich entschieden uns letztlich dennoch für ein Verbrennermodell.

BERATUNG. 50 Tuk-Tuks werden hier pro Monat an den Mann und an die Frau gebracht. E-Modelle sind Ladenhüter. Bisher wurde in dieser Filiale erst eines verkauft.

„Von den insgesamt 1,2 Millionen Tuk-Tuks auf der Insel sollten innerhalb von fünf Jahren 500.000 elektrisch werden“
Auf dem indischen Subkontinent rollt die Mobilitätswende auf drei Rädern. Während Indien vorangeht, zwingen aktuelle Treibstoffengpässe andere Länder zum Umdenken.
Eine Reportage aus Sri Lanka.

WWenn wir in Sri Lanka, dem Heimatland meines Mannes, sind, ist unser Tuk-Tuk das Fortbewegungsmittel Nummer eins. Wir besuchen damit Familie und Freunde, erledigen Einkäufe, machen Ausflüge, und in der Hauptsaison bringen wir Touristen von ihren Unterkünften zum familieneigenen Massagepavillon und wieder zurück. Es gibt aus unserer Sicht kein besseres Fortbewegungsmittel als dieses kompakte Fahrzeug, das von den Einheimischen „Threewheeler“ genannt wird. Dieser Dreiradler bietet Platz für bis zu vier Personen – wenn keiner schaut, auch mehr. Es schützt vor der Sonne, verschafft etwas Fahrtwind, und bei Regen bekommt man maximal ein paar Tropfen ab.
Nun ist unser geliebtes Tuk-Tuk aber schon etwas in die Jahre gekommen, und wir haben entschieden: Ein neues soll her. Wir düsen die Küstenstraße entlang in den Nachbarort. An uns ziehen schicke Hotels, einfache Häuser, eine Moschee, ein Tempel und etliche kleine Stände und Shops wie Saftbars, Streetfood-Läden und Fischhändler vorbei. Wir werden von anderen Tuk-Tuks und Bussen überholt und atmen teilweise schwarzen Rauch aus ihren Auspuffen ein. In einem kleinen Vorführraum von Bajaj ist neben drei konventionellen
Text und Fotos: Alexandra Rotter
TEUER. An den Zapfsäulen wird das Benzin teuer. Zeit für einen Umstieg auf E-Mobilität?

auch ein elektrisches Tuk-Tuk ausgestellt. Ich sehe so etwas zum ersten Mal und bin begeistert. Es ist nicht einfärbig wie die anderen: Die Karosserie ist weiß, das Dach hellblau. Ansonsten erkenne ich auf den ersten Blick keinen Unterschied. Doch bevor wir entscheiden, ob ein E-Tuk-Tuk für uns Sinn macht, müssen wir Informationen einholen.
Schwarzer Rauch
Aus ökologischer Sicht ist es keine Frage, dass ein elektrifizierter Verkehr sinnvoll wäre – viele hiesige Fahrzeuge würden in Österreich beim besten Willen kein Pickerl mehr bekommen. Zudem wird Sri Lanka seit Jahren von Krisen gebeutelt, die regelmäßig zu Knappheit fossiler Treibstoffe führen. Durch die Staatspleite konnte 2022 wochenlang so gut wie kein Benzin importiert werden. Ich habe es zwar genossen, endlich mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können, ohne Angst, dem turbulenten Verkehr zum Opfer zu fallen, aber ökonomisch war diese Zeit für viele Menschen eine Katastrophe.
Vor kurzem haben die Folgen des Kriegs im Nahen Osten wieder zu langen Schlangen vor den Tankstellen und Rationierungen geführt: Mit einem TukTuk durfte man je nach Kennzeichen nur an geraden oder ungeraden Tagen und wöchentlich nur fünf Liter tanken – viel mehr hätte sich bei den gestiegenen Spritpreisen ohnehin kaum jemand leisten können. Ein Liter Benzin kostete zuletzt umgerechnet mehr als einen Euro – und das bei einem monatlichen Medianeinkommen von rund 95 Euro.
Bekenntnisse, den ThreewheelerMarkt in Sri Lanka auf elektrisch umzustellen, gibt es schon länger. 2023 rollte das United Nations Development Programme gemeinsam mit dem Transportministerium, dem Energieministerium, der Verkehrsregulierungsbehörde sowie der Zulassungs- und Führerscheinbehörde in Sri Lanka ein Pilotprojekt aus, bei dem rund 200 Tuk-Tuks kostenlos zu E-Tuk-Tuks umgerüstet

BLICK IN DIE ZUKUNFT? Dieses E-Mobil von Bajaj sieht aus wie die meisten anderen dreirädrigen Fahrzeuge. Auf den Straßen von Sri Lanka findet man es aber kaum.
werden sollten. Frauen und Menschen mit Behinderungen wurden bevorzugt. Damals, im Mai 2023, kündigten diese Organisationen an, dies sei der Beginn einer großflächigen Umrüstung: Von den insgesamt 1,2 Millionen Tuk-Tuks auf der Insel sollten innerhalb von fünf Jahren 500.000 elektrisch werden. Drei Jahre davon sind schon wieder um. Will man das Ziel also noch erreichen, muss man wohl mehr Gas geben. Denn noch ist die Elektrifizierung im breiten Markt nicht angekommen. Immerhin sieht man mittlerweile mehr E-Motorräder.
Erstes verkauftes E-Tuk-Tuk
Doch mit der neuen Krise ändert sich das schlagartig. Wir besuchen einen Shop von DPMC, einem Händler, der neben Tuk-Tuks auch chinesische Hybridautos und österreichisch-indische KTM-Motorräder importiert und verkauft. Zwei Manager schauen einander leicht genervt an – so viele Fragen wie wir scheint sonst niemand zu stellen. Sie bieten seit 2025 E-Tuk-Tuks an – neben den be-

sonders beliebten von Bajaj auch andere Modelle wie von Mahindra oder Vega, einem Produzenten aus Sri Lanka. Dennoch: Das erste E-Tuk-Tuk haben sie im März 2026 verkauft – an einen „Local“, der im Tourismus tätig ist. Zwei weitere Bestellungen gingen Ende März eben-
falls ein. Zum Vergleich: Pro Monat verkauft die Filiale etwa 50 konventionelle Tuk-Tuks.
Doch die Nachfrage steigt. Ein Manager berichtet mit leicht gelangweilter Miene: „Seit den Treibstoffproblemen infolge des Kriegs im Iran erkundigen sich alle Interessenten über elektrische Threewheeler.“ In erster Linie wollen sie – und auch wir – wissen, wie weit man mit einer Ladung kommt, wie lange es dauert, bis die Batterie vollständig geladen ist, wo respektive wie man das TukTuk auflädt und ob es Ersatzteile gibt –und natürlich, wie viel sie kosten.
Wir erfahren: Je nach Beladung und Geschwindigkeit kommt man 150 bis 170 Kilometer weit, doch gibt es auch Modelle mit größeren Reichweiten. Meist wird zu Hause an der Steckdose geladen – öffentliche Ladeinfrastruktur ist kaum vorhanden. Die Supermarktkette Keells bietet an einzelnen Standorten auf ihren Kundenparkplätzen Lademöglichkeiten an. Einmal vollständig aufladen dauert etwa vier Stunden – natürlich ohne Stromausfall. Und Bajaj wirbt mit Kosten von vier Rupien pro Kilometer, das entspräche rund einem Euro für 100 Kilometer. Mit einem Liter Benzin kommt man nur rund 25 Kilometer weit. Ein ETuk-Tuk ist im Unterhalt deutlich güns-
tiger, weil häufige Services entfallen, in der Anschaffung jedoch deutlich teurer.
Treiber der Mobilitätswende Im Vergleich zu Sri Lanka ist Indien viel weiter. E-Tuk-Tuks gelten hier als früher Treiber der E-Mobilität. Im Juni 2025 hatten bereits mehr als 60 Prozent aller neu verkauften Threewheeler einen Elektroantrieb – die Zahl stammt von der Federation of Indian Automobile Dealers Associations. Das sind etwa 800.000 E-Tuk-Tuks pro Jahr – insgesamt wurden zuletzt mehr als 2,2 Millionen Elektrofahrzeuge jährlich verkauft. Der Anteil an E-Tuk-Tuks ist also hoch. Unsere Entscheidung ist gefallen –mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Wir kaufen noch einmal ein Benzin-Tuk-Tuk. Wir sind maximal ein paar Monate pro Jahr hier. Zwar nutzt in der Zeit ein Freund unser Tuk-Tuk, aber es wird nicht sehr oft bewegt, was einer Batterie schaden würde. Auch dass wir für längere Trips noch nicht so flexibel wären, schreckt uns im Moment noch ab. Und schließlich gelten E-Tuk-Tuks am Gebrauchtmarkt als schwer verkäuflich. Doch ich bin mir sicher: Das nächste Tuk-Tuk, das wir uns anschaffen werden, tanken wir schon an der Steckdose auf. —

In einer Handvoll
Erde leben mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt.
Unser Boden speichert Kohlenstoff, reinigt Wasser und schützt vor Überschwemmungen und Dürre.
Boden bietet Lebensraum und sichert unsere heimische Lebensmittelproduktion.
Nur 16 % der Fläche Österreichs sind Ackerland, auf dem Lebens mittel produziert werden können.
Der Boden ist eine nicht erneuerbare, wertvolle Ressource.
Er ist Teil unserer kritischen Infrastruktur und darf nicht weiter fahrlässig verbaut werden. Das sind wir unserer nächsten Generation schuldig!

ANNIKA VON MUTIUS
Co-Founderin
KI-Start-up Empion
Nach mehreren Jahren im Silicon Valley kehrte die promovierte Mathematikerin nach Europa zurück, um hier die Entwicklung und Anwendung der Künstlichen Intelligenz maßgeblich mitzugestalten. Sie ist eine der gefragtesten KI-Expertinnen im deutschsprachigen Raum und Mitglied im Vorstand des deutschen KI-Verbands.

Sie gilt als eines der wichtigsten KI-Gesichter im deutschsprachigen Raum: Annika von Mutius, Co-Founderin des HeadhuntingStart-ups Empion und Vorstandsmitglied im deutschen KI-Verband. Die promovierte Mathematikerin will vor allem zwei Dinge vermitteln: dass KI unsere Arbeitswelt grundlegend verändert und dass jeder profitieren kann, der sich darauf einlässt.
Interview: Oliver Stock
SSie sitzt mir gegenüber in diesem typischen Berliner Szenerestaurant, das billig aussieht, es aber nicht ist: Annika von Mutius ist vor vier Jahren aus dem Silicon Valley zurückgekehrt, weil sie glaubt, dass in Europa noch viel mehr geht. Während unseres fleischlosen Mittagessens legt sie energisch das dauervibrierende Smartphone zur Seite. Es sind Kollegen aus der Firma, oder das eine oder andere Politikerbüro sucht Kontakt. Mutius ist eine der gefragtesten KI-Beraterinnen Deutschlands.
Servus Annika, was glaubst du, welches Thema bei uns stärker zieht, wenn wir eine Überschrift machen: KI oder Rente? – Annika von Mutius: Ich ahne es.
Na? – Wie üblich, die Rente?
Stimmt, was sagt dir das? – Es erstaunt mich, wie das Thema der Rente eine solche gesellschaftliche Präsenz ausstrahlen kann. Selbstverständlich verstehe ich, dass die Rente ein relevantes Thema ist und die Pensionskassen dringend Flexibilität erfordern, aber doch erschüttert mich die Beliebtheit dieser Frage in unserer Gesellschaft. Und ehrlich gesagt frage ich mich, was es mit unser aller Mindset macht, wenn wir bereits im Jugendalter stets über die Rente nachdenken?
Wir bereiten uns also direkt auf das Ausruhen vor, denke ich. – Na wunderbar. Was wäre, wenn wir stattdessen über Innovation oder Wachstum nachdächten?
Also über die Chancen eines langen Arbeitslebens, einfacher gesagt: Wie entsteht wieder Freude an der Arbeit, statt den Ruhestand herbeizusehnen? Themen wie Innovation und KI sind wie vor vier Jahren das Thema Nachhaltigkeit: total wichtig, aber jeder gähnt, wenn er es hört. Irgendwie turnt das ab. Wir brauchen es konkreter.
Was muss passieren, damit wir innovativer werden? – Ich denke, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Innovation und Wohlstand verständlich sein muss. Wir Menschen denken zuweilen opportun und lassen uns durch persönliches Wohlergehen motivieren, das ist gewissermaßen verständlich. Daher sind die Rente oder auch das Thema der Migration vielleicht so attraktiv, aus Angst vor Wohlstandsverlust. Ich bin gewiss, wenn es uns gelingt, den individuellen Mehrwert durch Innovation greifbar zu machen, steigt auch das Interesse daran.
Schaffen wir das? – Ich glaube fest an unsere Chancen in Europa. Vor vier Jahren kam ich aus dem Silicon Valley zurück nach Deutschland, um hier ein KIUnternehmen zu gründen. Da wäre ich ja eine merkwürdige Person, wenn ich nicht daran glaubte.
Dann erzähl uns doch mal die Geschichte, wie Innovation und KI dein Leben verschönern. – Mein Leben?
Dein Leben, unser Leben, das Leben vom Bäckermeister nebenan. – Es gibt ja nicht die eine KI, sondern vielerlei verschiedene Arten. Solche, die wir offensichtlich in der Interaktion wahrnehmen können, wie generative Systeme, aber auch andere, die im Hintergrund wirken, wie prädiktive Systeme oder auch der neue Hype um Agentic AI.
Was heißt das für mich? – Agentic AI sind kleine KI-Systeme, die als Agenten im Hintergrund Aufgaben lösen. Ein Beispiel ist die Reiseplanung. Du würdest eine Reise vorgeben, und das System bucht Züge, Flüge, Hotels, koordiniert Termine. So würden Alltagsentscheidungen wegfallen, die dir vielleicht ohnehin nur eine Last sind. Dabei geht es jedoch um Entscheidungen mit geringer Relevanz – so müssen wir zum Beispiel nicht ethisch abwägen, ob wir heute einen Apfel oder eine Birne essen.
Mein Kühlschrank ist ein Seniorenheim für pensionierte Wurstzipfel, da könnte mir die KI helfen? – Im Prinzip, ja. Die Wirtschaft erhofft sich einen Produktivitätsgewinn durch KI-Systeme, nur sind diese Beispiele B2C-Anwendungen. Ich glaube, wir dürfen den Mehrwert der „unsichtbaren“ KI-Systeme im B2B-Bereich nicht vernachlässigen, nur weil er weniger anschaulich ist. Salesforce plant bis Ende dieses Jahres eine Milliarde Agenten auf der Plattform.
Agentic AI ist schon Alltag, oder? – Ja. Du sagst zum Beispiel, dass du am Wochen-
„Unser
ende nach Paris reisen möchtest, beantwortest Fragen zu deinen Präferenzen, und im Hintergrund werden Flug, Hotel und Transfer gebucht. Das läuft dann nicht perfekt, aber im besten Falle kommst du wohl am richtigen Ort an.
Ich bin die Generation, die im Taxi nach Paris fuhr, aber gut … – Ein schöner Song!
Hast du den Eindruck, dass in der Politik darüber nachgedacht wird, was KI für uns bedeutet? Was das gesellschaftlich mit uns macht? Was das für Produktivitätszuwächse bedeuten könnte? Oder macht das keiner, weil das Thema die Menschen nicht verstehen? – So langsam scheint das Thema auch die Politik zu erreichen – wegen des Drucks aus den USA und Frankreich. Doch es fehlt die klare Struktur. Die einen sprechen über KI-Modelle, andere über Daten, wieder andere über Infrastruktur – wir müssten all diese Elemente holistisch denken, in Innovationsclustern.
Ist KI nicht einfach nur das nächste Werkzeug? Erst war es die Digitalisierung, jetzt ist es die KI? – Nein. KI ist die transformierendste Kraft unseres Jahrhunderts und damit auch unsere größte Chance zur Transformation unserer etablierten Wirtschaft.
Das haben wir vor 20 Jahren über die Digitalisierung auch gesagt. – Stimmt, und
Digitalisierung war eine enorme Chance, auch wenn sie für so einige noch immer eine Herausforderung ist. Aber KISysteme gehen weit darüber hinaus. Sie verändern Branchen, Funktionen in Organisationen, revolutionieren Wissensarbeit auf eine nie dagewesene Art. KISysteme sind kein Selbstzweck und disruptieren weniger, als dass sie transformieren.
Gehen wir richtig an das Thema heran? Ich frage, weil die EU zuerst die KI reguliert hat, bevor wir überhaupt die Industrie dazu entwickelt haben. – Auf gewisse Art eines meiner Herzensthemen … Regulierung.
Ich wusste gar nicht, dass du so ein Regulierungsfan bist. – Ganz im Gegenteil. Der EU-AI-Act überreguliert total und ist ein großes Innovationshemmnis.
Weil es zu aufwendig ist? – Ich würde das differenzierter betrachten. Viele Dokumentationspflichten in der Regulierung sind eher unproblematisch und gerade für Entwickler ohnehin Teil seriöser Engineering-Arbeit.
Sondern? – Der AI Act hat zwei Schwachstellen: Erstens reguliert er nicht anwendungsbezogen, sondern die Basistechnologie selbst – also so, als würden wir den Computer regulieren, weil wir damit Erpresserbriefe versenden könnten. Zweitens reguliert er nicht nur die

»KI ist die transformierendste Kraft unseres Jahrhunderts und damit auch unsere größte Chance zur Transformation unserer etablierten Wirtschaft.«
Annika von Mutius
REINHÖREN! „Taxi nach Paris“, ein Hit aus dem Jahr 1984.
Entwickler, sondern auch die Anwender. Das bedeutet: Wenn ein kleines, mittelständisches Unternehmen KI-Systeme einsetzt, muss es sich theoretisch mit dem AI Act arrangieren. Das bedeutet, die Regulierung bremst nicht nur Entwickler, sondern auch Anwender. Und das hat einen direkten Einfluss auf Innovationsfreude und Wachstum junger Tech-Unternehmen.
Also weg damit? – Komplett abschaffen ist unrealistisch. Aber Deregulierung auf EU-Ebene in Kombination mit klaren Umsetzungsrichtlinien auf nationaler Ebene: unbedingt und schnellstmöglich.
Wo stehen wir in Europa? Wir wollen in Deutschland ein Heidengeld für Infrastruktur und Verteidigung ausgeben. Und KI ist da auch ein Thema. – Mehr Geld al-
lein kann nicht die Lösung sein. Oftmals führen zu große finanzielle Ressourcen sogar zu schlechteren Ergebnissen. Unser Weg zu technologischer Souveränität sollte sich auf die Stärke Europas fokussieren: Geld ist nicht unsere Stärke, aber die enge Verzahnung innovativer Technologien mit der etablierten Wirtschaft für einen fairen Wettbewerb leistungsstarker KI-Systeme. Und dazu brauchen wir keinesfalls Billionensummen.
Abnehmender Grenznutzen, sagt der Physiker. Du bist ja Mathematikerin. – Ja, zum einen der und die Frage nach ökonomischer Sinnhaftigkeit der Investments in große Sprachmodelle – denn wir sprechen hier bald über Billionen einzelne Modelle. Aber auch die erstaunlich kurzen Halbwertszeiten der großen Modelle, die in relativ kurzen Zyklen durch andere übertroffen werden.
Wir müssen also nicht die Ersten sein, aber vielleicht sollten wir in Deutschland mit unserem Maschinenbauwissen die Ersten sein, die KI da einbauen und in der Anwendung die Nase vorn haben. – Exakt. Unser Problem ist nicht die Forschung, sondern der fehlende Transfer und die Anwendung. Doch wenn die etablierte Wirtschaft KI-Systeme nachhaltig integriert, kann eine Transformation erster Klasse entstehen. Dank des einmaligen Schatzes europäischer proprietärer Daten.
Gibt es ethische Grenzen für den Einsatz? –Wir dürfen niemals vergessen, dass solche Systeme keinesfalls immer objektiv agieren, sondern Perspektiven reflektieren und Wahrscheinlichkeiten prognostizieren. Doch selbst wenn nicht alles abbildbar ist, können objektivere Entscheidungen getroffen werden, als es der Mensch jemals könnte.
Die KI erzeugt am Ende immer Mittelmaß? – Das stimmt schon. Ich finde es spannend, den Output generativer Systeme mit tatsächlich starken Philosophen wie Sartre zu vergleichen: Der Unterschied zwischen Exzellenz und Mittelmäßigkeit wird offensichtlich. Und ja, sie sind auch kein Kreativitätsmotor. Würde man die Systeme sich selbst überlassen, plagiierten sie sich und es entstünde Sinnlosigkeit. Die menschliche Intelligenz ist also nicht nur dienlich, sondern immer erforderlich.
Eigentlich ein schönes Schlusswort, eine Frage noch: Fürchtest du dich manchmal vor dem, was die KI kann? – Nein. Künstliche Intelligenz ist keine tatsächliche Intelligenz, sondern, wie der Name schon sagt, „künstlich“. Wir Menschen sind tatsächlich intelligent und kodieren dies per Sprache. Künstliche Intelligenz – also generative KI – imitiert diese Kodierung. Wieso sollten wir uns davor fürchten? Es ist die Chance schlechthin, Zugang zum gesamten gespeicherten Erfahrungswissen der Menschheit zu erlangen. Das ist doch bereichernd! —
Künstliche Intelligenz steigert den Stromverbrauch von Rechenzentren erheblich. Gleichzeitig zeigen Studien, dass KI helfen kann, mehr Energie einzusparen, als sie selbst verbraucht – allerdings nur dann, wenn sie systematisch eingesetzt wird.
AKTUELLER STROMVERBRAUCH
WELTWEITER STROMVERBRAUCH ALLER RECHENZENTREN:
PRO KI-ANWENDUNG:
KLASSISCHE ABFRAGE: ca. 0,3 (Wh*).
KI-ABFRAGE (Text, Bild, Code): ca. 2,9 Wh*
Eine KI-Abfrage benötigt etwa das Zehnfache an Strom. *Wattstunden
1,5 % des globalen Stromverbrauchs
ANTEIL DER KI-ANWENDUNGEN: ≈ 10-20 %
ABSOLUTER KI-STROMVERBRAUCH HEUTE: Zum Vergleich: Das entspricht ungefähr dem jährlichen Stromverbrauch von Österreich.
PROGNOSE: STROMBEDARF BIS 2030
ERWARTETER STROMVERBRAUCH ALLER RECHENZENTREN 2030:
ZUSÄTZLICHER STROMBEDARF DURCH KI BIS 2030: ≈+500 TWh pro Jahr
KI verursacht damit ≈ 20 % des globalen Stromnachfragewachstums bis 2030.
HEUTIGER
KI-STROMVERBRAUCH
ENTSPRICHT 5-10 GROSSKRAFTWERKEN.
STROMNETZE: ≈ 2 %
ZUSÄTZLICHE NUTZBARE SYSTEMKAPAZITÄT
ANNAHME:
Ein Großkraftwerk (≈ 1 GW) erzeugt 7–8 TWh Strom pro Jahr.
ZUSÄTZLICHER BEDARF BIS 2030
ENTSPRICHT 65-75 NEUEN GROSSKRAFTWERKEN WELTWEIT.
KRAFTWERKE: ≈ 5-6 %
GERINGERE LAUFENDE KOSTEN
ZUSÄTZLICHER
KI-STROMBEDARF BIS 2030
GEBÄUDE: -8 % bis -19 % ENERGIEVERBRAUCH INDUSTRIE: -15 % bis -30 % ENERGIEBEDARF
LANGFRISTIGES EINSPARPOTENZIAL DURCH KI
≈+500 TWh pro Jahr über 1.000 TWh pro Jahr
KI KANN NUR IM OPTIMALEN EINSATZ ZUM ENERGIEHEBEL WERDEN –DAS WIRD SIE ABER NICHT AUTOMATISCH.
Quellen: International Energy Agency (IEA – Energy and AI, 2025), Electric Power Research Institute (EPRI – Powering Intelligence), Nature Communications (2024); Nature Energy (2025).

STIMMUNGSWANDEL? Die Kernkraft galt nicht zuletzt wegen der gesellschaftlichen Ablehnung in Europa als Auslaufmodell. Energiekrisen führen jetzt dazu, dass der Einsatz von AKWs wieder diskutiert wird –speziell die neuen SMRs.
Text: Irmgard Kischko
EEU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder glauben, eine Lösung für Europas Energiekrise gefunden zu haben: „Wir brauchen mehr Atomkraftwerke.“ Sie seien notwendig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig das Klima zu schützen. Zwei Argumente, die für die Atomkraft sprechen: Sie produziert Strom ohne CO2-Emissionen und benötigt keine regelmäßigen Brennstoffimporte wie Gasoder Kohlekraftwerke.
Wird die Kernkraft vom Auslauf- zu einem Zukunftsmodell? In den westlichen Industriestaaten sieht es derzeit nicht danach aus. Bei den wenigen laufenden Projekten explodieren die Kosten, und auch die Zeitpläne werden gesprengt. Und noch entscheidender: Sie passen nur bedingt zu den wachsenden Anteilen volatiler Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenkraft. Denn Atomkraftwerke sind wenig flexibel, sie lassen sich nicht so rasch wie etwa Gaskraftwerke hoch- und herunterfahren, wenn der Strommarkt es verlangt.
Lösung verweht!
Noch wird die Energiewende, zu der sich Europa bekannt hat, vom Ausbau der Wind- und Sonnenenergie dominiert. Auch im Net-Zero-Szenario bis 2050 der Internationalen Energieagentur (IEA) stellen diese Technologien den größten Teil des Zuwachses. Prinzipiell setzt die Strategie einer rein erneuerbaren Ener-
Europas Spitzenpolitiker entdecken ihre Freundschaft mit der Kernenergie wieder. Doch sind die neuen Mini-AKWs tatsächlich die Lösung für unser Energieproblem – und wie mischt ein ehemaliger FPÖ-Parteichef hier mit?
gieversorgung auf Speicherlösungen wie Wasserstoff, die derzeit noch unwirtschaftlich sind. Eine schnelle Lösung für Europas Energieproblem ist daher nicht in Sicht. Die offenen Fragen: Was ergänzt die Erneuerbaren? Woher kommt der Strom in Zeiten der Dunkelflaute, wenn weder Sonne scheint noch Wind weht?
Für Marc Dengler, Energie- und Klimaexperte bei Greenpeace Österreich, ist die Antwort klar: „Wir brauchen einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und Speicher.“ Die Probleme der Atomkraft seien ungelöst: Atommüll, Unfallrisiken sowie lange Bauzeiten und hohe Kosten. Ähnlich sehen das Energieexperten heimischer Versorger. „Wir brauchen jetzt Lösungen – nicht erst in zehn oder 15 Jahren, wenn neue AKWs ans Netz gehen könnten“, sagt ein Branchenvertreter.
Doch die Stimmung beginnt sich zu drehen. „Die politische Landschaft ändert sich und eröffnet neue Möglichkeiten für ein Comeback der Atomenergie“, schreibt die IEA in ihrem Report „Nuclear Power and Secure Energy Transition“. Die Autoren sind überzeugt, dass Atomkraft die Wende zu hoher Versorgungssicherheit und CO2-neutraler Energieerzeugung in Europa beschleunigen kann. Weltweit würden die rund 420 Gigawatt Atomkraftleistung im Vergleich zu fossilen Kraftwerken etwa 1,5 Milliarden Tonnen CO2 vermeiden.
Herkömmliche Atomkraftwerke mit Leistungen von mehr als 1.000 Megawatt haben allerdings zwei zentrale Nachteile: hohe Investitionskosten und lange Bauzeiten. Und hier kommen „Mini-AKWs“ ins Spiel – ein Konzept, das auch im politischen Umfeld von der Leyens und Söders Aufmerksamkeit findet. Small Modular Reactors (SMRs) nennt sie die Fachwelt. Diese sind kleiner, modular aufgebaut, potenziell schneller zu errichten und vermeintlich auch günstiger. Doch auch hier gilt: Es gibt sie bisher kaum am Markt, weshalb eine valide Einschätzung schwerfällt.
„Es gibt derzeit zwei betriebsbereite SMRs weltweit, darunter einen in China“, sagt Felix Aschendorf, Sales Director für den Nuklearbereich bei Siemens Energy. In mehreren Ländern laufen Planungen. Technisch funktionieren sie ähnlich wie große AKWs und nutzen meist Uran als Brennstoff. Siemens Energy kooperiert beim Turbinenbau mit Rolls-Royce SMR. Doch die Euphorie wird von Experten gebremst. Der US-Physiker Edwin Lyman warnt, dass SMRs keineswegs automatisch günstiger oder sicherer seien – im Gegenteil, sie könnten pro erzeugte Strommenge sogar höhere Kosten verursachen. Auch das Atommüllproblem sei weiter ungelöst, wie die ehemalige Vorsitzende der US-Atomaufsicht NRC, Allison Macfarlane, aufzeigt. Kritiker sehen in SMRs daher eher eine langfristige Wette als eine kurzfristige Lösung der Energiekrise.
Innovation aus Graz
Davon will sich das Grazer Unternehmen Emerald Horizon AG nicht unterkriegen lassen. Es setzt auf Thorium und ein System ohne selbsttragende Kettenreaktion. Die Vorteile: Im Störfall soll der Prozess automatisch stoppen. Zudem sei die Verfügbarkeit von Thorium im Vergleich zum Uran deutlich besser. Das Unternehmen plant, seine Reaktoren ab 2029 auf den Markt zu bringen. „Das ist eine Revolution am Energiemarkt in Europa“, gibt sich Emerald-Horizon-Vizepräsident Norbert Hofer auf Nachfrage von Börsianer Perspektiven euphorisch. Dass Emerald Horizon AG seine Reaktoren in Österreich aufstellen wird, gilt als unwahrscheinlich. In Österreich ist die Atomfrage politisch heikel, zudem verbietet das Atomsperrgesetz den Bau von AKWs. Aber vielleicht schon bald in österreichischer Grenznähe. „Wir führen bereits die ersten Gespräche mit Kunden aus Ungarn und der Slowakei“, sagt Hofer. Womöglich helfen da seine politischen Kontakte.
Denn Hofer ist kein Unbekannter. Der ehemalige FPÖ-Chef, langjährige Dritte Nationalratspräsident und Kandidat für
die Bundespräsidentschaft zählt zu den bekanntesten politischen Figuren Österreichs – eines Landes, das sich politisch und gesellschaftlich klar gegen Kernkraft positioniert hat. Seine Funktion in einem Unternehmen, das auf neue Nukleartechnologie setzt, wirkt daher wie ein bewusster Bruch mit diesem energiepolitischen Grundkonsens, der auf dem
Der Vergleich der Stromgestehungskosten basiert auf Berechnungen, die Anlagenpreise, Sonneneinstrahlung, Windangebot, Zahl der Volllaststunden sowie Kosten der CO2-Emissionszertifikate umfassen. Das obere Limit der Bandbreiten bezieht sich auf die jeweilige Anlage mit hohen Anschaffungskosten und wenigen Betriebsstunden, das untere Limit auf günstige Anlagen, gute Standorte, mehr Betriebsstunden. Einbezogen werden auch marktübliche Finanzierungskosten und Risikoaufschläge je Technologie.
historischen Nein zum AKW Zwentendorf gebaut ist.
Herkulesaufgabe
Was spricht für SMRs? Befürworter argumentieren, dass in einem komplett auf erneuerbare Energien ausgerichteten System bislang praktikable Langzeitspeicher fehlen. Batterien überbrücken nur kurze Zeiträume, etwa vom Tag in die Nacht. Für ein stabiles Stromsystem müssen Energieüberschüsse vom Sommer bis in den Winter übertragen werden können. Als Hoffnungsträger gilt Wasserstoff. Doch die Umwandlung von Strom in H2 und zurück ist teuer und mit erheblichen Energieverlusten verbunden.
Also doch Atomkraft? Johannes Mayer, Chefvolkswirt der Energiemarktaufsicht E-Control: „Österreich ist dank der Wasserkraft gut aufgestellt und braucht das nicht. Aber Europa bleibt womöglich keine andere Wahl.“ Angesichts hoher Gaspreise und der unsicheren Versorgung halten viele Experten eine Renaissance der AKWs für möglich. Der Druck, rasch tragfähige Lösungen zu finden, wächst. Daraus könnte ein riskantes Experiment unter Zeitdruck entstehen.
STROMGESTEHUNGSKOSTEN IM VERGLEICH
Technologie
Photovoltaik – Dach klein (<30 kWp)
Photovoltaik – Dach groß (>30 kWp)
Photovoltaik – Freifläche (>1 MWp)
Agri-Photovoltaik
Photovoltaik + Batteriespeicher
Windenergie onshore
Windenergie offshore
Biogas (mit Wärmenutzung)
Feste Biomasse (mit Wärmenutzung)
Gas- und Dampfkraftwerk (GuD)
Gasturbinenkraftwerk
Braunkohlekraftwerk (Neubau)
Steinkohlekraftwerk (Neubau)
Kernkraftwerk (Neubau)
ct/kWh; Quelle: Fraunhofer-Institut 2024

Revolutionäre Technologien, sozialere Denkweisen und die Herausforderung einer neuen Weltordnung: drei Splitter, aufgeschnappt in Gesprächen in der Finanzbranche, über die man sich Gedanken machen sollte.

GUTE FRAGEN. Auf den folgenden Seiten führten wir kurze Interviews zu Zukunftsfragen.
#INTERVIEWSERIE
WWolfgang Fiel denkt Materialien neu. Seine Lieblingsbeschäftigung ist es, den Status quo zu hinterfragen. 15 Jahre lang forschte er an einer neuen feuerbeständigen, leichten Faser aus Basalt, die in Verbindung mit Acrylharz ohne chemische Additive eine bessere Performance als Stahl zu günstigeren Preisen abliefert. Und damit will der CEO von Fiber Elements die Bauindustrie revolutionieren. Erste Projekte mit der Strabag SE, Habau oder auch der Kirchdorfer Gruppe, die Fertigteile wie Lärmschutzwände oder auch Betonsperren auf Autobahnen herstellt, sind bereits erfolgreich am Laufen. Der Ausgangsstoff: ein unscheinbarer schwarzer Stein und gleichzeitig ein natürliches Material, das sich global skalieren und überall im Tagebau abbauen lässt, keine geopolitischen Grenzen kennt und bisher meist als Schotter bei Gleis- und Straßenunterbauten oder etwa bei der Hot-Stone-Massage eingesetzt wird. Erhitzt bei 1.400 Grad wird daraus eine goldene Faser, die in Verbindung mit Harz Stahl ersetzen soll. Da das Material nicht rostet, braucht es weniger Zement. „Akkumuliert
haben wir Einsparungspotenziale von bis zu 70 Prozent CO2“, sagt Wolfgang Fiel, der die Bauindustrie mit Basalt auch stärker digitalisieren möchte. Geht es nach ihm, so steht etwa die Arbeit der Eisenbieger auf der Kippe. „Wir machen Roboter, mit denen dann Dinge hergestellt werden, die bislang händisch gemacht worden sind.“
BASALT. Wolfgang Fiel erklärt, wie eine rostfreie Hochleistungsfaser Stahl und Carbon in der Bauindustrie ergänzen kann.

Was kann Basalt? – Wolfgang Fiel: Basalt ist ein extrem leistungsfähiges Material, es hat hohe Zugfestigkeiten und eine hohe Widerständigkeit, es rostet nicht, so wie Stahl. Und es ist so wie jedes andere Textilmaterial biegeschlaff. Das heißt, man kann mit dem Material machen, was man aus allen anderen Textilmaterialien auch machen kann, nämlich Gelege, Gewirke, Gewebe und Gestricke. Und wichtig: Basalt ist kein geopolitischer Zankapfel, weil es auf der ganzen Welt hinreichend viele Quellen gibt. Damit kommt es zu keinen geopolitischen Verzerrungen wie bei den Seltenen Erden zum Beispiel.
Was soll Basalt in der Bauindustrie ersetzen? – Basalt ersetzt im engeren Sinne Stahl. Im erweiterten Sinne aber auch alternative, andere Faserprodukte wie zum Beispiel Carbon oder Glas. Nicht komplett. Natürlich kann man immer die Weltrevolution ausrufen. Ich halte
das nicht für besonders sinnvoll. Ich bin lieber zielorientiert.
Was macht Fiber Elements einzigartig? –Natürlich gibt es Leute, die Basalt herstellen und Produkte verkaufen. Aber das ist noch nicht die Bewehrung. Die Bewehrung ist die Verbindung eines Massenprodukts mit dem spezifisch automatisierten Add-on. Wir machen aus einem simplen ein komplexeres Produkt, indem wir Faserstränge robotisch ablegen. Das ist unsere USP, und das macht in dieser Form mit Basalt aktuell noch niemand.
Welche Meilensteine hat das Unternehmen hinter sich? – Wir haben die Proofof-Concept-Phase hinter uns. Wir wissen, mit welchem Material wir es zu tun haben. Der zweite Bereich ist die ganze Automatisierung. Das heißt, die Verfahrenstechnik, mit der wir das Material dann in die Form bringen, damit es das
leistet, was es leisten kann und muss. Da haben wir die Prototypen und die Anlagen. Die Verfahren sind alle da, sind alle getestet, die funktionieren. Jetzt fehlt noch die industrielle Skalierung.
Geht es schnell genug voran? – Eindeutig nein. Wir sind ständig mit der Frage beschäftigt, wie man das Ding beschleunigen kann. Die Nachfrage und das Interesse sind da, da können wir uns wirklich nicht beklagen.
Was ist das größte Problem? – Skalierung ist nicht nur noch Geld. In Österreich ist es unfassbar schwierig, schnell genug das richtige und gutqualifizierte Personal zu kriegen, das wir brauchen. Das sind Automatisierer, Robotikexperten, Materialwissenschaftler. Wir brauchen Chemiker, Maschinenbauer. Wir brauchen Produktionspersonal, Kunststofftechniker und Metalltechniker.
Text: Ingrid Krawarik
JJakob Fugger war nicht nur der reichste Kaufmann seiner Zeit, sondern hatte auch eine große soziale Ader. In der im 16. Jahrhundert in Augsburg errichteten Fuggerei leben noch heute Menschen für 88 Cent Jahresmiete. „Die Mitarbeiter durften dort wohnen bleiben, auch wenn sie nicht mehr in der Lage waren zu arbeiten. Der Deal war, dass sie sich um die Kinder der Leute kümmerten, die gearbeitet haben. Und dafür haben die Arbeitenden sich wiederum gekümmert, wenn sie krank waren. In Wahrheit ist das ein unglaublich guter Gedanke, weil die alten Leute sozial eingebunden waren. Leider wird heute komplett falsch gebaut“, sagt die scheidende Wüstenrot-Vorstandsvorsitzende Susanne Riess-Hahn im Gespräch mit Börsianer Per-
spektiven. Denn „Wohnen“ sei ein Spiegelbild der Gesellschaft. „Wir leben heute demografisch in einer Gesellschaft, die sehr überaltert ist. Und viele alte Menschen tun sich schwer, ihren täglichen Bedarf zu decken. In den letzten Jahren wurde sehr darauf gesetzt, Pflege und Pflegeheime zu forcieren. Aber das kann ja nicht die Lösung sein.“ In Skandinavien wird Generationenwohnen seit Jahrzehnten erfolgreich umgesetzt. In Österreich gibt es einige Projekte. „Es braucht mehr davon. Man muss das Rad gar nicht neu erfinden“, meint Riess-Hahn, die in Salzburg den Bau eines Generationenwohnquartiers mit mitwachsenden Grundrissen plant, neue Wohnformen wie Mehrgenerationenhaushalte inklusive. Mitte Mai ist Spatenstich.
Wüstenrot plant in Salzburg ein Generationenwohnquartier. Wieso gibt es nicht mehr solcher Projekte? – Susanne Riess-Hahn: Weil man sich zu wenig damit auseinandersetzt. Die Verantwortung für Wohnen ist sehr zersplittert. Es müsste einen Schulterschluss von Gemeinden, Ländern und natürlich auch dem Bund geben, wo man sagt, wie schaut es denn aus für die Zukunft? Bei der finanziellen Lage der Gemeinden ist die Einrichtung von Altersheimen zunehmend schwierig. Weil sie das nicht mehr leisten können. Jetzt haben wir zum ersten Mal auf Bundesebene eine Zuständigkeit fürs Wohnen, die existiert aber nur auf dem Papier. Das Einzige, was passiert ist, ist der Mietpreisdeckel. Das hilft den alten Menschen nicht bei der Lösung des Problems.
Was braucht es für eine gute Lösung? – Eine Bedarfserhebung und eine Analyse, was schon woanders gut funktioniert, sowie Berechnungen, was sich die öffentliche

FOTO: WÜSTENROT
Hand erspart, wenn sie solche Modelle unterstützt. Wir haben nicht nur sehr viele alte Menschen, sondern auch viele, die sehr einsam sind. Die Vorstellung, in ein Heim zu gehen, kommt für manche einem Todesurteil gleich.
Manchmal geht es nicht anders. – Natürlich. Aber im Prinzip müsste es das Interesse der Politik sein, dass Menschen so lange wie möglich selbstständig oder mit partieller Unterstützung im eigenen Umfeld verbleiben können. Das bedarf aber natürlich auch eines Wohnumfelds, wo das möglich ist. Es gibt ganz tolle Generationenwohnmodelle, alles Privatinitiativen. Im geförderten strukturellen Wohnbau ist das immer noch
WOHNIDEEN. Susanne Riess-Hahn wünscht sich Generationenwohnmodelle, die soziale Isolation im Alter vermeiden.
ein viel zu wenig oder gar nicht betrachtetes Feld.
Warum? – Die primäre Voraussetzung, um die man bemüht ist, ist möglichst kostengünstigen Wohnraum zu schaffen, was immer bedeutet, dass man irgendwo in die Randzonen geht, wo es natürlich kostengünstiger ist und gerade ältere Menschen noch mehr isoliert sind. Es ist leider oft so, dass die alten Leute je nach Grad ihres Betreuungsbedarfs ständig woandershin verfrachtet werden. Früher haben wir Häuser gebaut, damit man das über Generationen weitergibt. Das ist heute nicht mehr die Realität.
Wie sollte gebaut werden? – Wir haben bei dem Wohnprojekt in Salzburg eine Mischung von allem versucht. Es gibt Kleinwohnungen für junge Mieter, aber auch Gemeinschaftswohnungen, die variabel gestaltbar sind. Die soziale Integration von Jung und Alt ist das große Ziel.
GEOPOLITIK.
Daniel Hikes-Wurm sieht einen steigenden Handlungsbedarf für Europa.
SText: Daniel Nutz
Sicherheit war über Jahrzehnte eine stille Selbstverständlichkeit. In Europa wuchs mit der Zeit die Überzeugung, dass Frieden der Normalzustand ist, abgesichert durch internationale Regeln, wirtschaftliche Verflechtung und geografische Distanz zu Konflikten. Diese Gewissheit wurde brüchig. Kriege rücken näher, Abhängigkeiten werden offengelegt, geopolitische Machtstrukturen verschieben sich. „Wir befinden uns mitten in einer globalen Neuordnung, die zwangsläufig konfliktreich ist“, sagt Oberst Daniel Hikes-Wurm im Gespräch mit Börsianer Perspektiven. Der Verteidigungsstratege im Verteidigungsministerium beobachtet diese Entwicklung nicht alarmistisch, aber nüchtern. Worauf müssen wir uns einstellen, um nicht im globalen Spiel der Kräfte zerrieben zu werden?

FOTO: „BÖRSIANER“
Herr Oberst, ist die Häufung von Kriegen eine außergewöhnliche Eskalation? Und beruhigt sich die Lage wieder? – Daniel Hikes-Wurm: Wir erleben keine Ausnahme, sondern eine Phase der globalen Neuordnung. Dieser Transformationsprozess läuft seit etwa einem Jahrzehnt und wird auf die kommenden 15 bis 20 Jahre wirken. Der Iran-Konflikt ist daher sehr wahrscheinlich nicht die letzte Krise.
Warum eskalieren solche Konflikte oft unkontrolliert? – Weil es häufig an klaren politischen Zielsetzungen fehlt. Militär löst keine Konflikte, es setzt politische Entscheidungen um. Im aktuellen Fall sieht man eine klassische MissionCreep-Dynamik: Ziele verändern sich laufend, Exit-Strategien fehlen. Das erhöht die Eskalationsgefahr und verlängert Konflikte unnötig.
Wo liegen Europas strategische Abhängigkeiten? – Wir wissen seit Jahren, wo unsere Verwundbarkeiten liegen: bei Rohstoffen, Technologie, Energie oder kritischer Infrastruktur. Diese Abhängigkeiten werden global längst instrumentalisiert. Trotzdem fehlt oft der letzte Schritt, diese Erkenntnisse in strategische Allianzen, Investitionen und Machtprojektion zu übersetzen.
Ist Europas wertebasierte Außenpolitik noch zeitgemäß? – Europa sollte seine Prinzipien nicht aufgeben, muss aber akzeptieren, dass die Welt zunehmend machtund interessengeleitet funktioniert. Eine rein wertebasierte Außenpolitik stößt
an Grenzen, wenn andere Akteure diese Spielregeln nicht teilen. Wir brauchen einen pragmatischeren Umgang, ohne unsere Grundwerte preiszugeben.
Die europäischen Staaten verfügen zusammen über ein Vielfaches des Militärbudgets Russlands, was ist das Problem in Sachen Wehrfähigkeit? – Das Problem ist nicht die Menge, sondern die Fragmentierung. Europas Streitkräfte sind schlecht integriert, Systeme oft nicht interoperabel, zentrale Fähigkeiten wie Führung, Satelliten oder Aufklärung hängen stark von den USA ab. Verteidigungsinvestitionen sollen Effizienz, gemeinsame Beschaffung und europäische Souveränität stärken – idealerweise bis 2030.
Landesverteidigung umfasst heute weit mehr als schwere Waffensysteme. Worum geht es wirklich? – Entscheidend sind Fähigkeiten wie Führungs- und Kommunikationsstrukturen, Cyber- und Informationsschutz, Resilienz kritischer Infrastrukturen und Schutz der demokratischen Öffentlichkeit. Digitale Technologien, Software, Sensorik, Weltraum und Dual-Use-Technologien spielen eine zentrale Rolle. Verteidigung ist keine rein militärische Aufgabe mehr, sondern ein gesamtgesellschaftliches Projekt, an dem Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gleichermaßen beteiligt sind.
Welche Technologien und Unternehmen spielen heute eine Schlüsselrolle? – Neben klassischen Systemen gewinnen vor allem Dual-Use-Technologien an Bedeutung: Software, Cybersecurity, Kommunikation, Sensorik, Quanten und Raumfahrttechnologien sowie KI-gestützte Anwendungen. Viele dieser Innovationen kommen aus Start-ups oder spezialisierten Mittelständlern und sind ursprünglich zivil entwickelt. Für Länder wie Österreich ist das eine Chance, weil man nicht über große Rüstungskonzerne, sondern über technologische Nischen wirksam zur europäischen Verteidigungsfähigkeit beitragen kann.

Der KI-Boom bringt Bewegung an die Börsen: Hohe Ausgaben der US-Tech-Riesen werden kritisch gesehen, während Investoren gezielt auf Chips, Infrastruktur und spezialisierte Software setzen. Unternehmen wie Broadcom und asiatische Zulieferer stehen im Fokus.
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Eine alternde Gesellschaft, wachsender Wohlstand und technischer Fortschritt verlangen nach Medizintechnik. Minimalinvasive Eingriffe, Diabetessensoren und chirurgische Robotik schaffen attraktive Wachstumschancen für innovative MedtechUnternehmen.
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3. Strominfrastruktur
Netzausbau, Digitalisierung und Energiespeicherung eröffnen Anlegern und Investoren Chancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Der steigende Strombedarf treibt Investitionen von Netzbetreibern bis zu Spezialisten für Speicher und Infrastruktur.
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Quantencomputing gilt als Schlüsseltechnologie der Zukunft. JKU-Professor Richard Küng erklärt, welche Durchbrüche bereits erzielt wurden, wo Quantencomputer klassische Rechner übertreffen – und warum sie KI nicht ersetzen, sondern ergänzen werden.
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Welche Themen bewegen Anleger und Investoren?
So gelingen Investments in Trends wie Mensch und Maschine, Hochleistungschips, robotergestützte Chirurgie, Quantencomputing und Energiespeichertechnologien.
BÖRSIANER
DATEN UND CHIPS. Derzeit fließen enorme Summen in die Entwicklung von Datenzentren. Zulieferer könnten davon profitieren.
Der Bereich der Künstlichen Intelligenz steht vor großen Umbrüchen.
Die Sorge wächst, dass sich große US-Technologiekonzerne übernehmen.
Inzwischen stehen deshalb vermehrt alternative Unternehmen im Fokus.
Text: Raja Korinek
SSie waren lange Zeit die Techno-Stars aus den USA und erhielten den Spitznamen „Magnificent 7“. Doch Investitionspläne der Unternehmen Meta Platforms, Microsoft, Alphabet und Amazon in Künstliche Intelligenz (KI) in Höhe von rund 700 Milliarden US-Dollar für heuer werden skeptisch beäugt. Scott Edwardson, Co-Portfoliomanager des Edgewood L Select – US Select Growth Fund (ISIN LU0304955437 für Privatanleger; LU0952587862 für Großanleger), lässt derzeit bei den meisten der Magnificent 7 Vorsicht walten. Die Chancen der KI-Revolution nutzt er etwa mit dem Chiphersteller Nvidia. „Dessen Produkte bleiben gefragt, so etwa von Meta Platforms.“ Der Konzern macht rund neun Prozent des Umsatzes von Nvidia
aus. Im Februar wurde ein Abkommen auf mehrere Jahre abgeschlossen, wonach Meta Platforms sowohl Chips mit großer Rechenleistung, die für das Trainieren der KI eingesetzt werden, als auch Chips mit geringerer Leistung, die für die Anwendung KI-trainierter Modelle eingesetzt werden, kaufen wird. Edwardson wird auch anderswo fündig. Schließlich lasse sich das Thema KI vielfach abdecken. Er investiert in den Softwarehersteller Axon, der für die Herstellung von Bodycams und Taser-Waffen bekannt wurde. Obwohl die Sorge groß ist, dass KI-Agenten künftig Programme schreiben und Softwarefirmen somit überflüssig werden könnten, werde man nicht alles der KI überlassen, betont Edwardson. Etwa dann nicht, wenn
es um kritische Infrastruktur gehe. Axon kaufte im Oktober 2025 Prepared, das die Software für den Notrufdienst in den USA liefert. Während immer noch ein Mensch abhebt, verwendet die Axon911-Software KI, um Anrufe simultan zu transkribieren, damit Mitarbeiter rascher reagieren können. Auch Broadcom räumt der Edgewood-Experte Chancen ein. Der Konzern stellt Hochleistungschips etwa für Netzwerke und Rechenzentren her. Aufgrund von Übernahmen ist Broadcom zudem im Bereich Cloudsoftware tätig.
Ein wenig fokussierter ist der KI-Zugang Leopold Quells, Fondsmanager des Raiffeisen-Asia-Opportunities-ESGAktienfonds (AT0000745864 für Privatanleger; AT0000A2XMK2 für Großanle-
ger). Quell hat in dem Portfolio besonders Hardwareproduzenten aus Emerging Asia im Fokus. „Ohne solche Komponenten läuft keine Software.“ TSMC aus Taiwan ist der weltweit größte Halbleiterhersteller und beliefert Nvidia und Apple. SK Hynix aus Südkorea, ebenfalls Teil des Fonds, hat sich auf Speicherchips spezialisiert, die insbesondere für KI-Anwendungen eingesetzt werden, etwa für Rechenzentren. Diese müssen auch gekühlt werden. Asia Vital Components liefert Lösungen.
Der VanEck Semiconductor UCITS ETF (IE00BMC38736) setzt auf 25 global führende Chiphersteller. Der Global X Data Center REITS & Digital Infrastructure UCITS ETF (IE00BMH5Y327) investiert in Unternehmen, die Rechenzentren, Mobilfunktürme und digitale Infrastrukturhardware herstellen.
Der Umbau des Energiesystems bietet zahlreiche Chancen. Wie Sie mit uns davon profitieren können, erfahren Sie hier:
ICHIRURGIE. Innovationen wie minimalinvasive Eingriffe, Diabetessensoren und chirurgische Robotik machen Medizintechnik zu einem zentralen Wachstumsfeld im globalen Gesundheitssystem.
Quelle: baha
Die Menschheit wird älter, der Wohlstand wächst. Davon profitiert die globale Medizintechnik. Auf welche Innovationen der Sektor setzt und welche Chancen die Entwicklungen bieten.
Text: Raja Korinek
DDiese Trends sind eindeutig: Die Menschen werden im Schnitt älter, der Wohlstand steigt weltweit und der technologische Fortschritt trägt wesentlich dazu bei. Hier spielt die Medizintechnik, kurz Medtech, ihre Stärken aus. „Es ist einer der attraktivsten Teilbereiche des Gesundheitssektors“, sagt Marcel Fritsch, Co-Lead-Portfoliomanager des Bellevue Medtech & Services Fund (ISIN LU0415391431 für Privatanleger; LU1725387895 für Großanleger).
Letztlich reduzieren sich viele medizinische Eingriffe auf minimalinvasive Vorgänge. Sie erfolgen rascher und sind weniger belastend für Patienten. Und neue Innovationen bei medizinischen Geräten helfen Leben zu prolongieren. „Letztendlich steht Medtech & Services für rund zehn Prozent des globalen BIPs und ist ein zentraler Pfeiler des Gesundheitssystems.“ Fritsch verweist auf weitere Zahlen. So erziele der Medtech&-Services-Sektor rund fünf bis sechs Prozent Umsatzwachstum und zehn bis zwölf Prozent Gewinnwachstum. „Letzteres ist für uns der entscheidende Indikator für die Ertragskraft.“
Doch wo gibt es Chancen? Fritsch meint, „ein zentraler Trend sind minimalinvasive Eingriffe, etwa bei erkrankten Herzklappen. Verfahren wie Herzklappenreparatur oder -ersatz können häufig Katheter-basiert durchgeführt werden, was den Eingriff schonender macht und die Erholungszeit verkürzt.“ Ein weiteres wichtiges Feld sei die Behandlung von Herzrhythmusstörungen zur Prävention von Schlaganfällen. Hierzu gebe es spezielle Technologien, anhand derer die Patientensicherheit
erhöht und das Verfahren vereinfacht werden.
Diabetes besser überwachbar Im Diabetesbereich sehe man ebenfalls große Fortschritte, insbesondere durch Sensoren zur Blutzuckermessung, die ein besseres Patientenmanagement ermöglichten und Krankenhausaufenthalte reduzierten. „Diese Entwicklungen spiegeln sich auch im Portfolio wider, etwa über Edwards Lifesciences im Bereich minimalinvasiver Herzklappen, Boston Scientific und Abbott bei Herzrhythmusstörungen sowie Dexcom und Abbott bei Systemen zur kontinuierlichen Blutzuckermessung.“
Auch die robotergestützte Chirurgie gewinnt an Bedeutung, so Fritsch. „Sie ermöglicht präzisere Eingriffe und verbessert die Behandlungsergebnisse.“
Die Einschätzung teilt Christoph Gretler, Senior Portfoliomanager des MIV Global Medtech Fonds bei MIV Asset Management, Teil der J. Safra Sarasin Gruppe (LU0329630130 für Privatanleger; LU0329631708 für Großanleger). Er meint, in der chirurgischen Robotik zeige sich Innovation in einer kontinuierlichen Weiterentwicklung des gesamten Ökosystems, inklusive Systemen, Instrumenten, Software und Dienstleistungen. „Damit lassen sich Produktivitätsgewinne in Spitälern realisieren und mehrere Fälle roboterbasiert durchführen.“ Eine der größten Gewichtungen im Portfolio ist deshalb Intuitive Surgical. Das Unternehmen hat mit „da Vinci 5“ bereits die fünfte Generation seines chirurgischen Systems eingeführt, das unter anderem 3D-Bilder erstellt.
INVESTITIONSBEDARF. Der Ausbau von Stromnetzen und Batteriespeichern ist entscheidend, um den steigenden Energiebedarf, Erzeugung erneuerbarer Energien und die Versorgungssicherheit miteinander in Einklang zu bringen.
Um den wachsenden Strombedarf weltweit abzudecken, bedarf es an eines zusätzlichen Netzausbaus und mehrerer Batteriespeicher. Folgende Unternehmen setzen sich mit ihren Innovationen hierbei durch.
Text: Raja Korinek
DDie Nachfrage nach Strom wächst. Von 2020 bis 2025 erhöhte sich der Verbrauch um rund 4700 Terawattstunden (TWh), von 2025 bis 2030 erwartet die Internationale Energieagentur ein Plus von gut 5400 TWh. Der Bedarf an weiteren Netzen und Batteriespeicher wächst ebenso. „Wind- und Solarenergie entfalten ihren vollen Wert nur, wenn Strom in Echtzeit transportiert, ausgeglichen und gemanagt werden kann“, betont Manuel Losa, Fondsmanager des Pictet - Clean Energy Transition Fund (LU0280435388 für Privatanleger; LU0312383663 für Großanleger).
Mit der zunehmenden Elektrifizierung – angetrieben durch die E-Mobilität, Heiz- und Kühllösungen für Gebäude, Reshoring von Industrie und Rechenzentren – steige die Stromnachfrage in vielen Regionen schneller als die Netzkapazität. „Der Engpass liegt in der Infrastruktur, die das System verbindet und stabilisiert“, so Losa.
Investitionen steigen
Tatsächlich steigen die Investitionen in globale Netze. 2025 waren es rund 470 Milliarden US-Dollar, wie Bloomberg NEF berechnet hat. Heuer könnten es gut 517 Milliarden US-Dollar werden. Losa sieht im Netzausbau Anlagechancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Er nennt als Fonds-Beispiel die spanische Iberdrola. Der Konzern ist einer der weltweit größten Stromnetzbetreiber. „Ein erheblicher Teil der Investitionen fließt in den Ausbau und die Digitalisierung regulierter Übertragungsund Verteilernetze in den USA, Großbritannien, Spanien und Brasilien.“
Ein weiteres Beispiel ist Eaton. Als führender Anbieter elektrischer Ausrüstungen und Energiemanagementlösungen liefere Eaton wichtige Komponenten für Netzmodernisierungen, Rechenzentren, die Integration erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung, sagt Losa. Mit zunehmender Komplexität und Digitalisierung der Netze steige die Nachfrage nach fortschrittlicher Schalttechnik, Stromverteilung, Schutz- und Steuerungssystemen – alles Bereiche, in denen Eaton starke Marktpositionen habe.
Einen „Aktien-Pure-Play“ bietet der L&G Battery Value-Chain UCITS ETF (ISIN IE00BF0M2Z96). Investiert wird entlang der Wertschöpfungskette, etwa mit der kanadischen Sigma Lithium, die den Rohstoff in Brasilien fördert, oder dem US-Minenkonzern Ivanhoe Electric (der etwa Kupfer fördert) und Siemens Energy. Der Konzern liefert auch Batteriespeicherlösungen für Stromnetze. Der UniPrivatmarkt Infrastruktur ELTIF (LU2669726957) investiert weltweit in nichtbörsennotierte Projekte – etwa Transport, Energie und Versorger –, wobei Europa überwiegt. Über einen Zielfonds ist der ELTIF an den französischen Unternehmen NW Storm und Langa International beteiligt. Sie bieten Energiespeichertechnologien an. Im Bereich Versorgung ist der ELTIF an Greenlink Interconnector beteiligt. Greenlink betreibt ein neues Seekabel mit 504 Megawatt Kapazität zwischen Irland und Großbritannien, samt zugehöriger Konverterstationen. Damit wird die grenzüberschreitende Kapazität von ein auf 1,5 Gigawatt erhöht, die Energiesicherheit und Netzstabilität werden verbessert.
Weshalb Quantencomputer für die Wissenschaft ein Meilenstein sein dürften und wie sie die Wirtschaftswelt maßgeblich verändern könnten, erklärt Richard Küng, Professor an der Johannes-KeplerUniversität Linz.

Interview: Raja Korinek
MMit technologischen Fortschritten wurden jüngst weitere Meilensteine erzielt. Neue Innovation, zu denen die Quantentechnologie zählt, sorgen für Schlagzeilen. Richard Küng, Professor an der Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU) und Leiter der Abteilung Quantum Information and Computation, erläutert im Gespräch mit dem Börsianer Perspek-
tiven mögliche Zukunftschancen und zeigt auch die Grenzen einer neuen, vielversprechenden Technologie auf.
Herr Küng, Quantencomputing weckt längst große Hoffnungen. Was ist das Besondere an dieser neuen Technologie? –Richard Küng: Es handelt sich um neuartige Computer, deren Bausteine – sogenannte Qubits – auf atomarer Ebene hergestellt werden und zugleich die kleinstmögliche Einheit darstellen. Das heißt auch: Quantencomputer können mit weniger Bausteinen als herkömmliche Computer größere Rechenaufgaben bewältigen. So kann ein Quantencomputer etwa Wochen anstelle von Jahren für einen Prozess benötigen, je nach

FACHMANN.
Richard Küng ist Professor an der Johannes-KeplerUniversität Linz und leitet dort die Abteilung Quantum Information and Computation.
Umfang der Algorithmen, und ermöglicht eine große Zeitersparnis. Grundsätzlich wächst die Komplexität vieler Rechenaufgaben. Damit wird es immer schwieriger, herkömmlichen Computern ausreichend Rechenleistungen zur Verfügung zu stellen, da weitere Datenzentren nicht rasch genug ausgebaut werden können.
Wie weit sind die technologischen Fortschritte mittlerweile? – Es gibt derzeit mindestens vier vielversprechende Technologien für den Bau von Quantencomputern, wobei längst nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Wirtschaft zu den Entwicklungen beiträgt. Eine der Technologien setzt auf den Einsatz sogenannter Supraleitungen, die
Strom in einem stark gekühlten Umfeld verlustfrei leiten können. So können Quantenoperationen extrem rasch durchgeführt werden. Solche Quantencomputer entwickeln unter anderem die Alphabet-Tochter Google sowie IBM. Selbst heimische Unternehmen wie das Tiroler Start-up Alpine Quantum Technologies arbeiten im Übrigen ebenfalls an dem Bau von Quantencomputern, aber mit anderer Hardware.
Können Sie die Entwicklungen näher erläutern? – 2019 gab Google einen Durchbruch mit seinem Quantenprozessor Sycamore bekannt. Dieser löste eine Rechenaufgabe in rund 200 Sekunden, für die der damals leistungsstärkste Supercomputer gut 10.000 Jahre benötigt hätte. Allerdings bietet Google keinen externen Zugang an, sondern verwendet die Technologie für eigene Innovationen und teilt sie mit ausgewählten Partnern aus der Wissenschaft, so auch mit mir. Ich kann so neue Algorithmen berechnen lassen. IBM bietet hingegen einen externen Zugang zu seiner Quantentechnologie für private Nutzer mittels seiner Cloud an.
Welche Wirtschaftssektoren könnten insbesondere von den Entwicklungen profitieren? – Denken Sie beispielsweise an die Logistikbranche. Aufgrund der Globalisierung werden die Berechnungen der effizientesten Routen zunehmend komplexer. Hierzu fallen umfangreiche Rechenaufgaben an, für die ein Quantencomputer neue Lösungsansätze erarbeiten könnte. Diese werden dabei gerade erforscht.
Wo könnte der Einsatz weiters gefragt sein? – Auch im Gesundheitssektor ist der Einsatz denkbar. Nach wie vor können etwa chemische Reaktionen nicht synthetisch nachgemacht werden, wodurch es für die Entwicklung neuer Medikamente immer noch eine große Anzahl an Versuchen braucht. Gut möglich, dass Quantencomputer so weit programmierbar werden, dass sie solche Reaktionen simulieren können. Damit würde die Medikamen-
tenentwicklung revolutioniert werden. Solch ein Ansatz auf Quantenbasis kann etwa auch für die Entwicklung neuer Materialien angewendet werden.
Derzeit werden große Hoffnungen in KI gesetzt. Wird KI aufgrund Quantencomputern womöglich obsolet werden? – KI ist eine Technologie, bei der große Mengen Daten gesammelt und analysiert werden. Danach wird eine Maschine trainiert, die den Datensätzen zugrunde liegenden Zusammenhänge selbst zu erlernen. Dieser künstliche Lernprozess ist extrem ressourcenintensiv, weshalb aktuell zahlreiche KI-Rechenzentren gebaut werden. Quantencomputing setzt hingegen auf eine neue Hardware für sehr komplexe Rechenaufgaben. Sie baut nicht auf bestehende Technologien auf und soll diese auch nicht ersetzen. Für die meisten Rechenleistungen reichen herkömmliche Geräte, etwa Laptops und Smartphones, aus. Es geht, grob gesagt, um jene rund fünf Prozent der Prozesse, die aufgrund ihrer enormen Größe und Komplexität außerhalb unserer konventionellen Rechenmöglichkeiten liegen. Da könnten Quantencomputer einen Unterschied machen.
Sprechen wir letztlich von zwei separaten Welten? – Nicht unbedingt, eine Symbiose ist durchaus denkbar. KI kann etwa dazu eingesetzt werden, um die Hardware von Quantencomputern zu verbessern. So könnten Fehler in Echtzeit erkannt und korrigiert werden. Quantencomputer könnten wiederum neue, schnellere Methoden zum Trainieren der KI bieten und so Ressourcen sparen.
Und wo sehen Sie Gefahren beim Einsatz der Quantentechnologie? – Theoretisch können Quantencomputer aufgrund ihrer hohen Rechenleistung selbst sehr gut verschlüsselte Passwörter knacken. Noch mangelt es an der notwendigen Hardware, um solche komplexeren Quantenalgorithmen fehlerfrei durchführen zu können.

Mit einer ausgeklügelten Formel suchten wir gemeinsam mit ESG Plus zum vierten Mal die besten nachhaltigen Fonds. Aus 1.688 in Österreich zugelassenen Produkten mit einem Gesamtvolumen von 1,6 Billionen Euro zeichnen wir 46 Fonds mit dem Goldstatus aus.
WWelche nachhaltigen Fonds sind die besten? Seit 2023 gehen wir gemeinsam mit ESG Plus genau dieser Frage nach. Dabei haben wir eine originäre Formel entwickelt: Die aktuelle Dreijahresperformance und Nachhaltigkeitskriterien fließen im Verhältnis 50 zu 50 in das Endergebnis ein.
Am Ende dieses Härtetests werden nur jene Fonds mit dem Goldstatus des ESG Fund Award ausgezeichnet, die im Gesamtscore mehr als 85 Prozent erreichen. Das waren in der aktuellen Analyse gerade einmal 46 von insgesamt 1.688 untersuchten Fonds – oder eben 2,7 Prozent der Grundgesamtheit aller Fonds, die nach der aktuellen EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) einen Nachhaltigkeitsansatz verfolgen und demnach unter Artikel 8 („hellgrün“) oder Artikel 9 („dunkelgrün“) fallen. Die genaue Methodik wird auf Seite 74 erklärt.
Was kam heraus?
„Aus Nachhaltigkeitssicht dominieren in diesem Jahr erneut Fonds, die in Positivkriterien wie grüne Technologien sowie Bildung und Gesundheit investieren und kaum bis keine Investments in Negativkriterien wie fossile Energien, Waffen oder Kinderarbeit zulassen“, sagt Co-Projektleiter Armand Colard von ESG Plus zusammenfassend. Bei den Top-Fonds fallen unter anderem Staatsanleihen aus Norwegen, Deutschland, Australien sowie Unternehmen wie Cadeler, As One Corp, Drägerwerk, Omada Health, Bloom Energy Corp und GCL Technology positiv ins Gewicht. Eine breite thematische Streuung zeigte sich diesmal bei den Siegern. Besonders Fonds mit starken Positionen
in Halbleitern und KI-Treibern wie Nvidia, AMD und Microsoft sowie in ChipInfrastruktur-Anbietern wie Lam Research und Synopsys profitierten vom globalen KI- und Digitalisierungsboom der vergangenen Jahre. Auch Technologieführer aus den Schwellenländern wie TSMC, Tencent und indische IT-Konzerne wie TCS erwiesen sich als robuste Wachstumstreiber in Emerging-Markets-Portfolios. Ergänzend dazu lieferten nachhaltige Industrie- und Energiewende-Titel aus europäischen und japanischen Small und Mid Caps – etwa JEOL, Espec oder der Offshore-Winddienstleister Ziton A/S – strukturelle Unterstützung, getragen von Trends wie Dekarbonisierung, Elektrifizierung und Hightech-Fertigung.
Einige Fonds mit neuen Namen Positiv im Sinne der Vermeidung von Greenwashing wirkte die Leitlinie der Europäischen Wertpapieraufsicht (ESMA), die seit Mai vergangenen Jahres einheitliche Vorgaben dafür veröffent-

»Fonds investieren verstärkt in grüne Technologien sowie Bildung und Gesundheit.«
Armand Colard

licht hat, unter welchen Bedingungen Fonds nachhaltigkeitsbezogene Begriffe (wie „Green“, „ESG“, „Sustainable“, „Climate“ oder „Impact“) im Namen tragen dürfen. Das führte zu einigen Umbenennungen. Und auch die Offenlegungsverordnung (SFDR) erfährt vermutlich noch 2026 eine Erneuerung, was
letztlich mehr Transparenz und Klarheit schaffen soll, indem die bisherigen Artikel-8/9-Kategorien durch drei klar definierte Produktkategorien – ESG Basics (ehemals Art. 8), Transition (neu) und Sustainable (ehemals Art. 9) – ersetzt werden und damit die Offenlegung vereinfacht sowie stärker fokussiert wird.
Dass nur vier der zehn besten nachhaltigen Fonds in diesem Jahr einen Nachhaltigkeitsbegriff im Namen tragen, ist vermutlich eine direkte Auswirkung der ESMA-Fondsnamensregulierung aus dem Vorjahr. „Viele Fonds sind dadurch bei der Namensgebung vorsichtiger geworden, auch wenn sich an der Strenge nicht unbedingt etwas geändert haben muss. Das bedeutet, man verzichtet eher auf Begriffe wie ‚nachhaltig‘ oder ‚ESG‘, um nicht Gefahr zu laufen, die Kriterien und Benchmarks der ESMA (PAB, CTB) zu verletzen. Ich schätze aber, dass dieser Effekt mit der Zeit wieder nachlassen wird, sobald sich die Finanzindustrie mit diesen Kriterien vertraut gemacht hat“, so Colard.
Allerdings sagt die Verwendung von Nachhaltigkeitsbegriffen im Namen nicht zwangsläufig viel aus. Das beste Beispiel: Der Spängler Privat: Flexibel, der übrigens regelmäßig im Fund Award Goldstatus erreicht, landet ohne ESGspezifische Namensgebung unter den besten drei Prozent aller Produkte in Sachen Nachhaltigkeit.
Wie erwähnt, führte die sehr gute Performance von Tech-Werten, kombiniert mit geringen Abstrichen beim Nachhaltigkeitsscore, zu den besten Ergebnissen. Nachhaltigkeitssektoren wie erneuerbare Energien, Technologien für die Mobilitätswende oder effiziente Nutzung von Rohstoffen sowie Zukunftsthemen wie Wasserstoff erfuhren mit der Zinswende eine starke Korrektur, von der sich viele Fonds noch nicht vollständig erholt haben. Auffällig ist jedoch, dass gerade Green-Tech-Fonds auf Einjahressicht wieder überdurchschnittlich performen. Es ist daher zu erwarten, dass sie bei kommenden Erhebungen mit gleicher Methodik Aufwind erhalten werden.
19 Aktienfonds erreichen Goldstatus
Mit der Maximalpunktezahl von 100 in der Performance und 96 Gesamtpunkten geht der erste Platz bei Aktienfonds an den BIT Global Technology Leaders

»Performance durch früh positionierte Investments in KI-Plattformen und Halbleitertechnologien.«
Marcel Oldenkott
(DE000A2N8127). Er hat 12,6 Prozent seines Volumens in Bereiche mit positivem Umwelt- und Sozialimpact investiert. Das Portfolio unterscheidet sich von gängigen Indizes des Tech-Sektors, da es gezielt strukturelle Wachstumsunternehmen jenseits der großen Tech-Titel auswählt und so geringere Korrelationen sowie mehr Diversifikation erzielt.
Was war der entscheidende Treiber für die ausgezeichnete Dreijahresperformance? „Die Performance wurde maßgeblich durch frühzeitige und hoch gewichtete Positionen in KI-getriebenen Plattformunternehmen sowie in selektierten Enabler-Technologien der Halbleiter- und Cloud-Infrastruktur getragen“, sagt Marcel Oldenkott, Co-CIO und Managing Director. Das regelbasierte ESG-Screening, etwa über MSCIRaster, bietet zusätzliche Leitplanken im Risikomanagement. Ähnliches zeigt sich auch beim drittplatzieren Aktienfonds Janus Henderson Horizon Fund Sustainable Future Technology Fund (LU2342241663, 94 Gesamtunkte), der gezielt in Technologieunternehmen mit Umwelt- oder Sozialnutzen investiert. Zu den Investments zählen unter anderem energieeffiziente Speichertechnologien wie jene von Sandisk aus Kalifornien.
Während der erstplatzierte Aktienfonds zu rund zwei Dritteln im USMarkt investiert ist, finden sich auch spezialisierte Themenfonds wie etwa Pictet-Robotics (LU1279334210, 90 Gesamtpunkte) sowie Fonds mit geografischem Fokus in der Top-Liste. Dazu zählen Strategien mit Schwerpunkten in Japan, etwa der Erste Responsible Stock Japan (AT0000697073, 86,5 Gesamtpunkte) oder der Japanese Smaller Companies Sustainable Equity Fund (LU0476877054, 95 Gesamtpunkte), sowie Emerging Markets, beispielsweise der Swisscanto Equity Fund Sustainable Emerging Markets (LU0644935313, 88,5 Gesamtpunkte) oder East Capital Global Emerging Markets Sustainable (LU0212839673, 90 Gesamtpunkte). Zu den positiv bewerteten Einzeltiteln zäh-
Top-Mischfonds Gesamtpunkte
Value Intelligence ESG Fonds AMI 94
Spängler Privat: Flexibel
len Unternehmen wie Delta Electronics, Cogna Educação, Shenzhen Mindray Bio-Medical Electronics, Laureate Education, Max Healthcare Institute, Olympus, East Japan Railway und Azbil.
Anleihe-Sieger mit Umweltzeichen
In der Kategorie der Anleihenfonds belegte der Tailormade Bond Opportunities (AT0000A2TLW7) mit 95,5 Punkten den ersten Platz. Der vom Grazer Assetmanager Metis und der Gutmann KAG verantwortete Fonds investiert überwiegend in auf Euro lautende Nachranganleihen internationaler Unternehmen und Finanzinstitute, die strengen ESGKriterien entsprechen.
„Die Nachhaltigkeitskriterien werden in enger Zusammenarbeit mit dem Datenanbieter und der KAG kontinuierlich überwacht. Durch die Zertifizierung mit dem Umweltzeichen unterliegt der Fonds zusätzlich einer jährlichen externen Prüfung“, sagt Metis-Geschäftsführer Bernhard Tollay.
Knapp dahinter folgen mit 93,5 Gesamtpunkten der Robeco Capital Growth Funds (LU0622663176), der nachrangige Anleihen von Banken und Versicherungen hält, sowie der Lazard Nordic High Yield Bond Fund (IE000AN9WEJ9 ), der in hochverzinsliche Staats- und Unternehmensanleihen aus Skandinavien investiert. Als bester Artikel-9-Fonds schneidet Assenagon Credit Selection ESG (LU1483615685, 90 Gesamtpunkte) ab.
Bei den Mischfonds erreicht der Value Intelligence ESG Fonds AMI (DE000A2DJT49) mit 94 Gesamtpunkten den ersten Platz. Der Fonds überzeugte insbesondere bei der Performance, und
er investiert 28 Prozent seines Volumens in Staaten und Unternehmen, die vor allem in den Bereichen Gesundheit und Bildung positive gesellschaftliche Beiträge leisten.
Der bereits erwähnte Spängler Privat: Flexibel (AT0000A18WC7, 92,5 Gesamtpunkte) folgt auf Platz zwei. Der DWS Concept DJE Responsible Invest (LU0185172052, 88,5 Gesamtpunkte), Profitlich Schmidlin Fonds (DE000A1W9A28, 88 Gesamtpunkte) sowie Green Stars Opportunities (AT0000A1YH15, 87,5 Gesamtpunkte) überschreiten ebenfalls die 85-Punkte-Hürde und erreichen damit den Goldstatus.
„In der herausfordernden Marktphase infolge der aktuellen geopolitischen Situation versuchten wir, durch eine breitere Diversifizierung die Stabilität des Portfolios zu erhöhen. Diese Diversifizierung erstreckte sich über verschiedene Stile, Sektoren und Risikofaktoren. Dadurch sollten rasch wechselnde Marktrotationen – etwa zwischen Growth- und ValueTiteln sowie zwischen defensiven und zyklischen Sektoren – abgefedert werden“, sagt Nicole Sperch, Fondsmanagerin von Green Stars Opportunities. Die derzeitigen Kursschwächen werden gezielt für Zukäufe genutzt.
Gerade einmal zwei Prozent des gesamten untersuchten Volumens der in Österreich zum Vertrieb zugelassenen Fonds erreichen heuer beim ESG Fund Award den Goldstatus. Diese 46 Fonds vereinen in ihren jeweiligen Assetklassen die beiden Welten ESG und Performance am besten und ermöglichen es den Investoren, sowohl nachhaltig als auch gewinnbringend zu investieren.

»Das Umweltzeichen prüft jährlich extern.«
Bernhard
Tollay

»Breite Diversifizierung hilft, Marktrotationen abzufedern und die Stabilität zu erhöhen.«
Nicole Sperch
Auswahl der untersuchten Fonds
Ausgangsbasis sind alle 4.160 aktiv gemanagten Fonds, die in der Cleanvest-Datenbank von ESG Plus erfasst sind und eine Vertriebszulassung in Österreich haben.
Es wurden gemäß der EU-Offenlegungsverordnung jene aktiv gemanagten Fonds ausgewählt, die einen Nachhaltigkeitsansatz verfolgen (Artikel 8 oder 9). Somit kamen 1.688 Fonds in die Wertung.
Um die Performance entsprechend bewerten zu können, wurden nur Fonds untersucht, die bereits länger als drei Jahre existieren (Datenquelle: Refinitiv).
Es wurden nur Fonds untersucht, deren Positionen zu mindestens 95 Prozent analysierbar sind. Investitionen von Fonds in andere Fonds können nicht berücksichtigt werden. Aus diesem Grund wurden kei-
Gesamtpunkte
punkte
GESAMTPUNKTE
Die finale Fonds-Gesamtbewertung ist der gleich gewichtete Mittelwert aus dem Nachhaltigkeits-Score und dem Performance-Score.
Nach folgenden Kriterien wurden beim ESG Fund Award 2026 die besten nachhaltigen Fonds bewertet.
ne Fonds analysiert, die zu mehr als 5,0 Prozent in andere Fonds investieren, somit generell keine Dachfonds.
Zur Analyse wurden Retailbranchen herangezogen und Euro-Tranchen sowie Thesaurierer bevorzugt.
Es wurden nur Fonds analysiert, für die eine Kennzahl zur Dreijahresperformance per 28.02.2026 bei Refinitiv verfügbar war.
Die Fonds wurden in die Kategorien Aktienfonds, Anleihenfonds und Mischfonds unterteilt und analysiert. Andere Kategorien wie etwa Geldmarktfonds wurden nicht einbezogen.
Bewertung der Fonds
Alle Fonds wurden auf Basis ihrer Nachhaltigkeit und Performance gleichwertig bewertet.
Um einen fairen Vergleich sicherzustellen, wurden Fonds getrennt
nach ihrer Kategorie bewertet (Aktien-, Anleihe- und Mischfonds). Es wurden etwa Aktienfonds nur im Vergleich mit allen anderen Aktienfonds bewertet.
Um die Punktezahl zu ermitteln, wurden aus allen Fonds Perzentile gebildet. So kommt es zu einer Punktezahl von 1–100 – jeweils in der Kategorie Nachhaltigkeit und Performance –, daraus ergibt sich die Gesamtpunktezahl.
Mit dem Goldstatus werden nur jene Fonds ausgezeichnet, die bei den Gesamtpunkten 85 oder mehr erreichen. Fonds, die in der Nachhaltigkeitsbewertung von Cleanvest weniger als 6,0 Punkte haben, fallen ebenso aus der Wertung.
PERFORMANCEPUNKTE
Die Performance von Fonds wird auf Basis der dreijährigen annualisierten Rendite bewertet. Je Fondskategorie wurden Quantile über alle Werte aller Fonds dieser Kategorie mit Ein-Prozent-Schritten erstellt. Es wurden Ein-Prozent-Schritte gewählt, um ausreichend zwischen einzelnen Fonds unterscheiden zu können. Das performancestärkste Prozent fließt in das erste Quantil und bekommt ein Scoring von 100 Punkten, das zweitstärkste Prozent kommt in das zweite Quantil und bekommt ein Scoring von 99 Punkten und so weiter.
ARTIKEL
Gibt an, ob es sich nach SFDR um Artikel 8 oder Artikel 9 handelt.
NACHHALTIGKEITSPUNKTE
FONDSKATEGORIE
A= Aktienfonds,
B= Anleihenfonds, M= Mischfonds
Die Nachhaltigkeit wurde durch den Cleanvest-Score von ESG Plus evaluiert. Der Score besteht aus zehn Basiskriterien, die sowohl für Staaten als auch Unternehmen angewendet werden. Diese Kriterien bestehen insgesamt aus 93 thematischen Unterkriterien. Die zehn Basiskriterien umfassen unter anderem Umweltthemen wie grüne Technologien, Artenschutz, frei von Kohle, von Öl und Gas und von Atomstrom, aber auch soziale Themen wie Bildung und Gesundheit, frei von Waffen, frei von Kinderarbeit, indigene Rechte und Gleichstellung von Frauen. Es wurden Quantile in Ein-Prozent-Schritten gebildet, wonach auch hier ein Score von 0 bis 100 Punkten entsteht. Nähere Informationen zur Methodik des Cleanvest-Scores: www.Cleanvest.org/methodik.

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Diese Marketingmitteilung stellt kein Angebot, keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlung, Einladung zur Angebotsstellung zum Kauf oder Verkauf von Fonds oder unabhängige Finanzanalyse dar. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Finanzinstrumente und Veranlagungen mitunter erhebliche Risiken bergen können. Aktuelle Prospekte (für OGAW) sowie die Basisinformationsblätter (BIB) sind in deutscher Sprache bei der KEPLER-FONDS KAG, Europaplatz 1a, 4020 Linz, den Vertriebsstellen sowie unter www.kepler.at erhältlich.

WAFFENFREI. Seit Fondshäuser ihre Produkte für Rüstung geöffnet haben, müssen Investoren genau hinsehen, wenn sie nach Ausschlüssen suchen.
Text: Julia Kistner
Wer waffenfrei investieren möchte, muss heute genauer prüfen als je zuvor. Denn viele Fondsanbieter weichen ihre einst strengen Ausschlusskriterien auf – zugunsten der Rendite und eines größeren Anlageuniversums.
MMit 1. April 2026 ist auch die renommierte deutsche Fondsgesellschaft Flossbach von Storch umgeschwenkt. Hielt sie bei ihren nachhaltigen Fondskonzepten bisher sämtliche Rüstungsunternehmen für nicht investierbar, schließen Bert Flossbach und Kurt von Storch ab sofort nur noch geächtete Waffen aus. JP Morgan hat bereits im Februar 2026 bei sämtlichen Artikel-8-Fonds Waffenausschlüsse gestrichen. Ähnlich agierte zuvor schon der Fondsriese Blackrock, der bei seinen Nachhaltigkeitsfonds den Ausschluss von Atom- und zivilen Schusswaffen lockerte. DWS und Allianz Global Investors haben ebenso angekündigt, für einige ihrer Artikel-8-Fonds auch Rüstungsinvestitionen zu erlauben.
Etwas anders sieht es bei den österreichischen Anbietern aus. Walter Hatak, Bereichsleiter Nachhaltigkeit bei der Erste Asset Management, hält an den strengen Waffenausschlusskriterien fest: „Wir schließen in allen aktiv und diskretionär verwalteten Fonds Investitionen in Un-
„Hellgrüne“ Artikel8-Fonds halten die ESG-Kriterien gemäß der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) ein, ohne ein spezifisch nachhaltiges Anlageziel zu verfolgen. Für sie gilt keine strenge Mindestquote für nachhaltige Investitionen wie für Artikel-9-Fonds.
ternehmen aus, die an sogenannten geächteten Waffen beteiligt sind. Unsere nachhaltigen Publikumsfonds im Sinne der Artikel 8 und 9 der Offenlegungsverordnung investieren sogar generell nicht in Waffenproduzenten, einschließlich konventioneller Waffen, Atomwaffen und Uranmunition.“
Auch die Schelhammer Capital Bank AG schließt Hersteller geächteter Waffen oder dafür wesentlicher Komponenten ausnahmslos aus. „Bei konventionellen Waffen sind Unternehmen mit einem Umsatzanteil von über fünf Prozent nicht investierbar“, berichtet Wolfgang Ules, Chief Investment Officer der Bank. „Bei Staatsanleihen werden Staaten mit hohen Militärausgaben grundsätzlich ausgeschlossen, wobei auch qualitative Aspekte wie die Entwicklung der Ausgaben über mehrere Jahre berücksichtigt werden.“
Nicht viel anders agiert man bei der Raiffeisen-Gruppe, die kontroversielle Waffen bei allen Publikumsfonds der Raiffeisen Capital Management ebenso wie Lebensmittelspekulation und Kohle
Multi
Schroder Int. Select Fund Japanese Opport. LU0943301571 20,14%
HSBC Global Investment Funds – Frontier Markets LU0708055370 19,65%
Fiera Oaks EM Select Fund Class A IE00BNGJ9Z99 18,03%
Xtrackers ATX UCITS ETF 1C LU0659579063 17,80%
Gereiht nach Rendite p. a. über 5 Jahre
generell ausschließt. „Für die Produktion von Militärgütern für den Kampfeinsatz wenden wir eine datenbasierte, laufend geprüfte Analyse unter Berücksichtigung eines Umsatzschwellenwerts an. Unternehmen, die diesen Schwellenwert überschreiten, werden vermieden. Unternehmen, die Dual-Use-Güter produzieren, unterliegen einer detaillierten Analyse und Einschätzung“, erklärt Dieter Aigner, Geschäftsführer von Raiffeisen Capital Management.
Rüstung dezidiert nachhaltig?
Somit folgen Österreichs Kapitalanlagegesellschaften nicht dem allgemeinen Branchentrend, Beschränkungen für Rüstungsgeschäfte selbst bei den „hellgrünen“ Artikel-8-Fonds aufzuweichen. Das geht so weit, dass etwa die ETF-Investmentplattform HANETF ihren Rüstungs-ETF zum Artikel-8-Fonds machen will.
„Man versucht hier vergeblich, Rüstungsgüter salonfähig zu machen. Sie widersprechen aber schon aus ökologischen Gründen den Nachhaltigkeitskriterien“, räumt Armand Colard, Begründer des Datenanbieters ESG Plus, der Waffenlobby wenig Chancen auf ein grünes EU-Mascherl ein. Armand Colard lässt auch nicht gelten, dass ein Aufweichen des Waffenausschlusskriteriums
dem Wunsch nachhaltiger Privatanleger entspricht.
„Die Abrufe auf Cleanvest, unserer frei zugänglichen Onlinedatenbank, ergeben ein anderes Bild. Seit dem Ukraine-Krieg und der weltweiten Zunahme bewaffneter Konflikte ist Rüstung zwar ein zentrales Investmentthema geworden. Viele Privatanleger wollen aber weiterhin strikt waffenfrei investieren und verzichten dafür bewusst auf Rendite.“
Zu viele Staaten nicht investierbar
Bei institutionellen Investoren schreiben oftmals Compliance-Richtlinien Begrenzungen der Waffenumsätze vor. Hier seien vor allem die österreichischen Pensions- und Vorsorgekassen sehr strikt. So landen Staatsanleihen aus Ländern mit einem Verteidigungsbudget von mehr als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts derzeit nicht in ihren Depots.
Allerdings wird derzeit überlegt, diese Grenze auf vier Prozent anzuheben –weniger aus Performancegründen, sondern weil sonst immer mehr Staaten nicht mehr investierbar wären. So fordert etwa das Nato-Bündnis seine Mitgliedsstaaten auf, die Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des Bruttonationaleinkommens zu erhöhen.
Damit könnten für Fondsprodukte, die das strenge österreichische Um-
weltzeichen nutzen, sogar europäische Staatsanleihen uninvestierbar werden. „Staaten, die im Durchschnitt der letzten drei Jahre mehr als vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts in ihr Militärbudget investieren, schließt das österreichische Umweltzeichen aus“, erklärt Raphael Fink, der für den Verein für Konsumenteninformation im Auftrag des österreichischen Umweltministeriums tätig ist.
Auch bei Aktien gibt es strikte Beschränkungen: Unternehmen sind auszuschließen, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit konventionellen Waffen erzielen. Für kontroversielle Waffen gilt eine Null-Prozent-Grenze. Wer Staatsanleihen von Ländern mit hohen Militärbudgets vermeiden möchte, kann sich am deutschen FNG-Gütesiegel orientieren. Hier liegt die Grenze bei fünf Prozent des BIPs.
Wie viel Waffen verträgt ein Staat? Wer Waffenumsätze vollständig ausschließen will, findet bei Cleanvest weiterhin eine Null-Prozent-Option. Für Staatsanleihen hat ESG Plus zudem ein neues Tool auf Arema.at gestartet. „Institutionelle Anleger unterscheiden immer häufiger zwischen legitimer Verteidigung und aggressiver Aufrüstung“, erklärt Armand Colard. Die Erste Asset
Ausgeschlossen sind beim Umweltzeichen Unternehmen, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit konventionellen Waffen oder militärspezifischer Rüstung erzielen, ebenso wie Staaten, die im Durchschnitt der letzten drei Jahre mehr als vier Prozent ihres BIPs für Militär ausgeben. Unternehmen mit jeglicher Beteiligung an kontroversiellen Waffen (0 % Umsatzschwelle) sind auch ausgeschlossen. Darunter zählen Verteidigungsgüter, deren Einsatz und Produktion aufgrund des übermäßigen Leids, das sie verursachen, durch internationale Konventionen verboten oder geächtet sind:
• Chemische Waffen
• Biologische Waffen
• Streumunition einschließlich zugehöriger Start-, Abschussund Wurfsysteme
• Antipersonenminen, Minenverlegesysteme sowie sonstige Minensysteme
• Atomwaffenprogramme von Staaten, die nicht als anerkannte Atommächte im Sinne des Atomwaffensperrvertrags gelten
Management macht diese Unterscheidung hingegen nicht.
„Die Nachhaltigkeitsanalyse erfolgt auf Basis klar definierter Kriterien wie Governance, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte“, so Walter Hatak.
Auf Arema.at findet sich eine interaktive Weltkarte zu Militärbudgets. In Österreich liegen diese bei 0,88 Prozent des BIPs, in Israel bei 6,2 Prozent. Die USA gelten mit 3,3 Prozent grundsätzlich noch als investierbar – werden aber wegen der Todesstrafe in manchen Bundesstaaten oft ausgeschlossen.
Am Ende läuft alles auf eine Grundsatzfrage hinaus: Wie viel Kompromiss verträgt Nachhaltigkeit? Während große internationale Anbieter ihre Kriterien schrittweise aufweichen, bleibt die Nachfrage nach strikt waffenfreien Investments bestehen – gerade bei privaten Anlegern. —

Nachhaltiges Handeln steht bei uns schon immer hoch im Kurs.
post.at/investor
Die Österreichische Post ist im ständigen Auf und Ab des Kapitalmarktes ein zuverlässiger, attraktiver Dividendentitel. Darüber hinaus ist Nachhaltigkeit von großer Bedeutung: Die Österreichische Post betreibt heute mit über 6.000 E-Fahrzeugen die größte E-Flotte des Landes. Bis 2030 wollen wir diese weiter ausbauen und zu 100% mit E-Fahrzeugen oder zu Fuß zustellen. Nähere Informationen auf post.at/investor
Private Investoren sind mehr als stille Kapitalgeber. Mit steigenden Investitionsvolumina und wachsender operativer Verantwortung werden sie zu zentralen Akteuren beim Umbau von Wirtschaft und Infrastruktur.
Text: Peter Köhler
OOb nachhaltige Landwirtschaft, Energienetze oder Gesundheitsversorgung: Hinter vielen Wachstumsund Transformationsprojekten stehen heute private Investoren. Im Durchschnitt halten die Investoren ihre Beteiligungen für sieben Jahre. Börsianer Perspektiven stellt drei Beispiele vor.
BUNTES SPEKTRUM. Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds finanzieren Expansion und Innovation mit wachsender Schlagkraft: Das globale Buyout-Volumen stieg 2025 um 44 Prozent auf 904 Milliarden US-Dollar.


Die Landwirtschaft verursacht rund 15 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Der intensive Einsatz von Agrochemikalien fördert zudem Bodenversauerung und Erosion. Agronova begegnet diesen Herausforderungen, indem das Unternehmen Pestizide unter anderem durch mikrobielle Alternativen ersetzt. Das spanische Unternehmen entwickelt neuartige biologische Schutz- und Nährstofflösungen für Nutzpflanzen, die gezielt auf zentrale Stressfaktoren wirken. Mithilfe biobasierter Wirkmechanismen stärken die Produkte die Widerstandskraft der Pflanzen gegen Pilzkrankheiten, Insektenbefall sowie gegen extreme Wetterereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen und tragen so zu stabileren und höheren Erträgen bei. Agronova adressiert damit einen globalen Wachstumsmarkt für agrarische Biolösungen, der auf rund 21 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Beim Einstieg der Private-Equity-Gesellschaft Ambienta in Agronova Biotech im Juni 2025 stand vor allem die technologische Innovationskraft der Produkte im Vordergrund.
„Rückenwind bekommen biologische Lösungen für die Landwirtschaft vom zunehmenden regulatorischen Druck, weniger Agrochemie einzusetzen, sowie von der wachsenden Nachfrage nach Bio-Nahrungsmitteln und dem Rückgang der Anbauflächen“, sagt Mauro Roversi, Gründungspartner von Ambienta. In den vergangenen Monaten habe man eine Pipeline möglicher Übernahmen erarbeitet; damit werde eine künftige Buy-and-Build-Strategie unterstützt, auch werden die ESG-Kriterien für soziale und ökologische Ziele verfolgt.
Was macht der Investor?
Ambienta ist kein passiver Investor, sondern versteht sich als aktiver Partner, der Businesspläne definiert
KI-EINSATZ
Mit biologischen Pflanzenschutzund Nährstofflösungen ersetzt Agronova Agrochemikalien und adressiert einen global wachsenden Markt für nachhaltige Landwirtschaft.
und die geografische Expansion vorantreibt. Beim M&A-Prozess helfe man bei der Auswahl der Zukäufe, der wirtschaftlichen Detailprüfung und der Umsetzung. Außerdem gebe es ein Netzwerk von Beratern aus der Industrie, die bei technischen und aufsichtsrechtlichen Herausforderungen helfen könnten. In den kommenden zwölf bis 18 Monaten will Ambienta das organische Wachstum und die Internationalisierung des Geschäfts von Agronova vorantreiben; zudem soll weiter in Forschung und Entwicklung investiert werden. Ein Schwerpunkt werde auf der Messung von Nachhaltigkeitserfolgen und dem Einsatz digitaler Werkzeuge liegen, mit denen Landwirte ihre Umweltbilanz optimieren können. Die größte Herausforderung beim globalen Wachstum bestehe darin, die Innovationsfähigkeit und Beweglichkeit von Agronova beizubehalten.
Verwaltetes Vermögen: knapp 5 Milliarden Euro. Portfolio-Unternehmen:
Seit der Gründung im Jahr 2007 wurde in über 100 Firmen investiert. Ambienta hat Niederlassungen in Mailand, London, Paris, München und Stockholm. Strategie: Ambienta investiert in Unternehmen, die von ökologischen und nachhaltigen Megatrends profitieren. Die Unternehmenswerte der Investments liegen zwischen 100 Millionen und 300 Millionen Euro, der Eigenkapitaleinsatz zwischen 20 Millionen und 200 Millionen Euro.

NETZLEISTUNG. Rechenzentren erhöhen den Bedarf an stabilen Stromnetzen. Die Trench Group liefert dafür die systemrelevante Infrastruktur.
Rechenzentren und Hyperscaler benötigen enorme Energiemengen und eine hochzuverlässige Netzinfrastruktur. Die deutsche Trench Group zählt zu den führenden Anbietern systemrelevanter Netzwerkinfrastruktur und ist in nahezu allen Stromübertragungsnetzen vertreten. Trench profitiert von dieser Wachstumsdynamik und sorgt dafür, dass das Internet der hohen Nachfrage standhält. Der Finanzinvestor Triton investiert in die Sektoren Industrie, Unternehmensdienstleistungen und Gesundheitswesen. Der Kauf des Unternehmens Trench ist ein zentraler Bestandteil der Investmentstrategie.
Was macht der Investor?
Seit dem Carve-out am 1. April 2024 wurden laut dem Beteiligungsmanager 800 neue Arbeitsplätze geschaffen und Investitionen an allen Standorten getätigt, darunter in Linz sowie in ein neues Werk in den USA. Die Trench Group plane, ihr weltweites Team bis 2030 von heute 3.000 auf 4.000 Mitarbeiter auszubauen. Triton bringt neben Kapital auch umfassendes Know-how im Bereich Hochspannungskomponenten ein, basierend auf früheren Erfahrungen und Investments. Darüber hinaus verfügt Triton über eine eigene Wertschöpfungseinheit, die Beteiligungen bei der Umsetzung operativer Verbesserungen und nachhaltigen Wachstums unterstützt.
Das Umsatzwachstum bei Trench betrug in den vergangenen beiden Jahren jeweils 30 Prozent. Die größte Herausforderung in den kommenden zwölf bis 18 Monaten besteht laut Michael Gahleitner, Mana-
ging Partner und Co-Head of Industrial Tech bei Triton, darin, diese hohe Nachfrage zuverlässig zu bedienen und das starke Wachstum aktiv zu steuern. Übertragungsnetze seien das Rückgrat der modernen Gesellschaft, und der globale Strombedarf steige rasant (siehe Seite 48). „Gleichzeitig stoßen die bestehenden Netze an ihre Grenzen – weltweit warten enorme Kapazitäten erneuerbarer Energien auf den Anschluss. Hier liegen Markt und Wachstumstreiber von Trench“, erklärt Gahleitner.
Zugesagtes Kapital:
25 Milliarden Euro.
Aktuelle Zahl der Portfoliounternehmen: 47. Durchschnittliche Haltedauer: circa fünf Jahre.
Investments:
Die angestrebte Eigenkapitalinvestition liegt im Mid-Market-Segment bei rund 200 Millionen bis 500 Millionen Euro pro Deal; im Smaller-Mid-CapBereich liegt sie bei 50–125 Millionen Euro.

HYBRIDE PRAXIS. Mit der Technologie von Lillian Care sollen doppelt so viele Patienten als mit herkömmlichen Modellen bedient werden.
Das Unternehmen Bioweg ersetzt Mikroplastik konsequent durch biologisch abbaubare Alternativen und geht damit ein drängendes Umwelt- und Gesundheitsproblem an. Ausschlaggebend für den Einstieg von Bonventure, einem Pionier des Impact Investings in Kontinentaleuropa, im Jahr 2025 war die Kombination aus technologischer Exzellenz, ersten kommerziellen Erfolgen und einem Markt, der durch zunehmenden regulatorischen Druck stark an Dynamik gewinnt. Die Technologie ermöglicht CO2-Einsparungen von bis zu 80 Prozent gegenüber synthetischen Polymeren. Bei Lillian Care wiederum stand eine an-
dere zentrale Zukunftsfrage im Fokus: Wie lässt sich die hausärztliche Versorgung in unterversorgten Regionen langfristig sichern? Das Start-up liefert darauf ein ebenso pragmatisches wie skalierbares Modell. Physician Assistants übernehmen Routinefälle, digitale Prozesse und KI steigern die Effizienz, und Telemedizin ermöglicht zusätzliche Diagnostik – ein Ansatz, der medizinische Qualität sichert und knappe Ressourcen entlastet. Lillian Care sorgt mit den hybriden Praxen dafür, dass doppelt so viele Patienten versorgt werden können wie mit herkömmlichen Modellen. Seit 2003 unterstützt Bonventure aus München Unternehmen mit Venture Capital in den Bereichen Gesundheit, Gleichstellung und Bildung, Klima und Natur sowie nachhaltiger Konsum. Bei den Investments steht eine Grundüberzeugung im Vordergrund: dass die Firmen ein drängendes Problem lösen und daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln können.
Was macht der Investor?
„In beiden Fällen hat uns also nicht nur der Impact überzeugt, sondern auch die Aussicht, dass daraus ein skalierbares und wirtschaftlich belastbares Unternehmen entstehen kann“, sagt Erwin Stahl, Mana-
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ging Partner bei Bonventure. Damit Bonventure einsteigt, muss zunächst das Grundprofil passen: „Gesucht werden technologiegestützte Impact-Startups in der späten Seed- bis Series-A-Phase, die erste Umsätze erzielen und Richtung Product-Market-Fit gehen“, ergänzt Stahl. Wichtig sei außerdem, dass das Unternehmen in der EU oder der Schweiz sitzt oder zumindest einen klaren Bezug zur DACH-Region hat. Entscheidend sei, dass ein motiviertes, unternehmerisches und möglichst erfahrenes Gründerteam vorhanden ist und das Geschäftsmodell ein reales gesellschaftliches oder ökologisches Problem adressiert; zudem müsse diese Wirkung messbar sein.
Assets under Management: 100 Millionen Euro, 20 Firmen in den Portfolios.
Investment-Schwerpunkte:
Digitale Gesundheit, Bildung und Gleichstellung, Klima und Natur, nachhaltiger Konsum.
Durchschnittliche Haltedauer: Fondslaufzeit zehn Jahre, Rückflüsse zeitnah nach jedem Verkauf.

#UMFRAGE 2026
Zu viel Bürokratie als Abschreckung, zu viel Hü-und-hott der EU sowie Wirtschaftlichkeit versus Transformation sind die zentralen Themen der Nachhaltigkeitsdiskussion. Das ergab eine exklusive Umfrage des Börsianer Perspektiven zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft bei mehr als 200 institutionellen Investoren aus Österreich.
K„Komplett frustriert“, beschreibt ein nachhaltiger Investor seine gegenwärtige Lage. Zwei Themen sind für ihn desillusionierend: einerseits die versuchte Lockerung der Emissionspolitik. Andererseits bedeutet der „erneute Umbau der Nachhaltigkeitssystematik, also weg von Artikel 6, 8 und 9, wieder eine neue Schicht an Komplexität und nicht weniger. Die EU-Politik ist nur noch lästig, nicht mehr hilfreich.“ Weniger drastisch, aber genauso ehrlich beschreibt Nils Kottke, Vorständin der Spängler Bank AG, den Handlungsbedarf: „Nachhaltigkeit und vor allem Klimaschutz sind zentrale Themen unserer Zeit. Bürokratie und Komplexität vernebeln leider den Blick auf diese wichtigen Ziele.“
„Zu viel Bürokratie“ ist ein Mantra, das die Nachhaltigkeitsdiskussion im Veranlagungssektor seit Jahren, wenn nicht gar nicht Jahrzehnten begleitet. „Europa ist unverändert verbürokratisiert“, schreibt ein Umfrageteilnehmer, es fehle die Planungssicherheit. Vor allem dann, wenn die EU „alles, was als Ausrede herangezogen werden kann, auch verwendet. Rüstung, fossile Brennstoffe und Atomenergie sind ja sowas von nachhaltig.“ Manchmal hilft nur noch Sarkasmus. Oder auch der Blick durch eine andere Brille: „Die Standardausrede: zu viel Bürokratie, viel-

leicht ist es auch einfach Kurzsichtigkeit“, meint ein anderer Befragter. „Nachhaltigkeit sollte zunehmend mehr den Charakter von Resilienz und Selbstbestimmung erhalten. Derzeit hängen wir noch zu stark am Umweltbegriff“, merkt ein weiterer Teilnehmer an und legt den Finger auf einen wunden Punkt. Denn einzelne Unternehmen haben zuletzt ihren Fokus auf kurzfristige Stabilität und Ertragskraft verschoben, sagt ein Befragter und führt aus: „In diesem Umfeld verlieren tiefgreifende transformatorische Nachhaltigkeitsinitiativen teilweise an Priorität. Das ändert jedoch nichts an der strukturellen Relevanz des Themas.“
Befürchten Sie bei nachhaltigen Veranlagungen (ESG) Renditeeinbußen gegenüber klassischen Investments?
39,06 %
60,94 % Ja
Verdirbt die EU den Brei?
Investments im Nachhaltigkeitsbereich gehören über fast alle Assetklassen hinweg zum gelebten Standard einer Gesamtstrategie, und so verwundert es nicht, dass 80 Prozent der Umfrageteilnehmer auch persönlich schon einmal bei einem nachhaltigen Finanzprodukt zugegriffen haben. Dass sich 20 Prozent noch nicht getraut haben, solche Investments zu tätigen, ist die eigentliche Überraschung. Produkte gib es zuhauf. Der Zuwachs bei nachhaltigen Investmentfonds nach Artikel 8 und 9 der österreichischen Fondsgesellschaften betrug im Vorjahr 7,8 Prozent, das Fondsvolumen stieg auf 123,6 Milliarden Euro von insgesamt 236,5 Milliarden Euro, 1,7 Milliarden Euro davon waren nachhaltige Nettomittelzuflüsse. Wobei die EU jetzt schon vieles als nachhaltig einstuft, was einigen Befragten sauer aufstößt: „Wenn die EU Atomkraft grün einstuft, ist das keine Vorbildwirkung.“
Auf lange Sicht gibt es keinen Unterschied in der Performance klassisch gegen nachhaltig, argumentieren viele Umfrageteilnehmer, vielleicht auch deshalb, weil schon „mehr als 80 Prozent der Investmenttitel deckungsgleich sind“. Trotzdem monieren einige Befragten die geringere Diversifikationsmöglichkeit. Da die Politik auf EU-Ebene die Spielregeln in Sachen Nachhaltigkeit permanent ändert, kann aus einem klassischen Unternehmen plötzlich ein nachhaltiges Geschäftsmodell werden. Oder zumindest eines, das nicht mehr völlig verpönt ist. Bestes Beispiel: Das Thema Rüstung wird vielerorts jetzt mit „Defense“, also Verteidigung, verkauft. Klingt besser als „Waffen“. Das hat natürlich Auswirkungen auf wirklich nachhaltige Geschäftsmodelle. Rund 61 Prozent der Befragten sehen keinen Performancenachteil.
Haben Sie persönlich schon einmal in ein nachhaltiges Finanzprodukt (Fonds, Anleihen, ETFs etc.) investiert?
80,00 %
20,00 % Ja Nein
Sind nachhaltige Unternehmen langfristig wirtschaftlich erfolgreicher als andere?
80,65 %
19,35 % Ja Nein
82,40% 17,58%
89,41% 10,59%
Beim Thema Nachhaltigkeit und Unternehmertum geht es schon lange nicht mehr ums Bäumepflanzen, sondern um eine Erweiterung der Definition des Begriffs. „Es geht primär um Risikoreduktion und nicht um höhere Rendite“, meint ein Teilnehmer. „Wenn Nachhaltigkeit für ein Unternehmen mit niedrigeren Energiekosten und weniger Fluktuation verbunden ist, dann sind nachhaltige Unternehmen auch wirtschaftlich erfolgreicher“, argumentiert ein anderer. Die Vorschriften, nachhaltiger zu wirtschaften, hat bei vielen Unternehmen das Bewusstsein für ökonomische Ziele geweckt. „Langfristig sollte dieser Zugang Mehrwert liefern“, sagt einer der Befragten. Rund 81 Prozent stimmen dem zu.
Spannend, wie sich die Meinung der Befragten zur Vergleichbarkeit von Investmentfonds über die Jahre verändert hat. Vor sechs Jahren hatten noch 81 Prozent mit Nein geantwortet, jetzt stimmen 49 Prozent zu. Alle Zweifel sind noch nicht ausgeräumt, denn es gibt nach wie vor zahlreiche Labels, die unterschiedliche Bewertungen von Nachhaltigkeit propagieren. „Mit der SFDR Neu wird es zumindest ein Basis-Set an Kriterien geben. Jedoch verwenden Labels wie Nordic Cwan, FNG Siegel, ZU 49 wieder andere Kriterien. Ein Vergleich funktioniert nur innerhalb der Peergroup“, führt ein Umfrageteilnehmer aus. Die Herausforderung ist leicht erklärt: Der Nachhaltigkeitsbegriff hat zu viele Dimensionen und wird auch innerhalb Europas sehr unterschiedlich ausgelegt.
49,23 %
Sind für Sie nachhaltige Investmentfonds ausreichend miteinander vergleichbar?
50,77 % Ja Nein
Stärkt der EU-Bürokratieabbau (Stichwort Omnibus) die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen?
60,94 %
39,06 %
Trippelschritte
Bürokratieabbau? Welcher Bürokratieabbau? „Mir ist keiner bekannt“, heißt es von einem Teilnehmer. Das durch „Omnibus ausgelöste Chaos war einzigartig“, fügt ein Befragter hinzu. Ein anderer meint, dass ein „Abbau light eines undurchsichtigen Regelwerks“ wenig bringe. Wenn, dann solle eine komplette Neuausrichtung her! „Ein Abbau übermäßiger EU-Bürokratie ist grundsätzlich sinnvoll, dennoch bleibt Europa gegenüber den USA im Wettbewerbsnachteil, und insbesondere die schwächere Performance vieler ESGAnlagen in den letzten drei Jahren stellt ein ernstzunehmendes Problem dar“, merkt ein Teilnehmer an. Immerhin: 61 Prozent der Befragten können Omnibus etwas abgewinnen, 39 Prozent ist das zu wenig, und die sind laut. „Das sind Trippelschritte, mehr nicht“, sagt eine. Denn: „Solange die Berichterstattung als Compliancepflicht und nicht als strategisches Steuerungsinstrument verstanden wird“, werde die Wettbewerbsfähigkeit leiden. Spannend die Entwicklung: Im Vorjahr stimmten noch 78 Prozent mit Ja, da war die Hoffnung groß.
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Färbt die Anti-ESG-Politik (Anti-Sustainable-Politik) in den USA auf Europa und das Assetmanagement ab?
34,37 % Ja
65,63 % TREND 2025
Resilienz bringt Erfolg Nachhaltigkeit ist ein wirtschaftlicher Wettbewerbsfaktor, den viele Unternehmen zusammen mit Innovation und neuen Technologien verstanden haben in ihre Prozesse zu integrieren. „Das ist kein Trend, das ist eine Business-Entscheidung, die nicht kurzfristig wieder abgedreht werden kann. Durch das Bashing wird nicht mehr so viel darüber geschrieben, was eventuell dem Thema gar nicht schadet. Letztendlich geht es weniger um das Promoten von E, S und G, sondern um ein resilientes Businessmodell, und hier ist die Nachhaltigkeit die Basis für langfristigen Erfolg“, bringt es ein Umfrageteilnehmer gleich auf den Punkt. Es gibt aber derzeit durchaus auch Unternehmen, die um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen, da „rücken andere Themen in den Vordergrund“, schreibt ein weiterer Befragter. Und: „Nachhaltiges, transformatorisches Handeln bleibt eine zentrale Voraussetzung für Resilienz, gesellschaftliche Akzeptanz und langfristigen Unternehmenserfolg. Die Herausforderung besteht weniger im Ob, sondern im konsequenten Durchhalten auch in schwierigen Zeiten.“
Pragmatismus statt Werten
Ein Gegenwind sei bemerkbar, heißt es von einigen Umfrageteilnehmern, und dass Kriterien aufgeweicht würden, um die USA investierbar zu halten. „Populistische Strömungen versuchen auch in Europa, im Europäischen Parlament und auf nationale Regierungen Einfluss zu nehmen. Dies führt dazu, dass europäische ESG-Gesetze teilweise abgeschwächt wurden. ESGRisiken sind aber Tatsachen, die EZB ist sehr dahinter, dass der Finanzsektor ESG-Risiken evaluiert und in ihre Systeme und Kundenevaluierungen integriert. Daher haben diese Strömungen keine materiellen Folgen, sondern der eingeschlagene Kurs in Europa muss einfach weitergegangen werden, um eine resiliente Wirtschaft und unabhängige Zukunft gestalten zu können“, fasst es ein Teilnehmer prägnant zusammen. Allerdings denken 66 Prozent der Befragten, dass die Anti-ESG-Politik der USA auf das Assetmanagement in Europa abfärbt. Es gebe eine Abkehr von Werten hin zu Pragmatismus.
Hat das Bemühen der Unternehmen, nachhaltig transformativ zu handeln, abgenommen?
43,75 %
56,25 % Ja Nein

Fonds mit fixer Laufzeit und gemischtem Portfolio.







Die wichtigsten Eckdaten zum Raiffeisen Defined Outcome 2029:
Zeichnungsfrist: 11.05.2026 bis 12.06.2026




Laufzeit: 16.06.2026 bis 22.06.2029
Veranlagungen in Fonds sind mit höheren Risiken verbunden, bis hin zu Kapitalverlusten. Im Rahmen der Anlagestrategie des Raiffeisen Defined Outcome 2029 kann ab 1 Monat vor Laufzeitende überwiegend in Sichteinlagen oder kündbaren Einlagen investiert werden. Im Rahmen der Anlagestrategie des Fonds kann überwiegend (bezogen auf das damit verbundene Risiko) in Derivate investiert werden. Die Fondsbestimmungen des Raiffeisen Defined Outcome 2029 wurden von der Finanzmarktaufsicht genehmigt. Der Raiffeisen Defined Outcome 2029 kann mehr als 35 % des Fondsvermögens in Wertpapiere/Geldmarktinstrumente folgender Emittenten investieren: Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Schweiz, Vereinigte Staaten von Amerika, Kanada, Australien, Japan, Österreich, Belgien, Finnland, Niederlande, Schweden, Spanien.
Die veröffentlichten Prospekte bzw. die Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG sowie die Basisinformationsblätter der Fonds der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. stehen unter rcm.at unter der Rubrik „Kurse & Dokumente“ in deutscher Sprache (bei manchen Fonds die Basisinformationsblätter zusätzlich auch in englischer Sprache) bzw. im Fall des Vertriebs von Anteilen im Ausland unter rcm-international.com unter der Rubrik „Kurse & Dokumente“ in englischer (gegebenenfalls in deutscher) Sprache bzw. in ihrer Landessprache zur Verfügung. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte steht in deutscher und englischer Sprache unter folgendem Link: rcm.at/corporategovernance zur Verfügung. Beachten Sie, dass die Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. die Vorkehrungen für den Vertrieb der Fondsanteilscheine außerhalb des Fondsdomizillandes Österreich aufheben kann. Raiffeisen Fonds ist eine Marke
Von Paris aus waltet der Tiroler Josef Aschbacher als Esa-Chef über ein 22 Milliarden Euro schweres Budget. Ein Gespräch mit Börsianer
Perspektiven über den Wachstumssektor Raumfahrt, geopolitische Spannungen und die Suche nach außerirdischem Leben.
Daniel Nutz
UUm die Erforschung des Weltraums ist ein neuer Hype entstanden. Im Schnitt verwenden wir heute zehn- bis fünfzehnmal pro Tag Weltraumtechnologie – ohne dass es uns bewusst wäre. Wenn wir bezahlen oder unser Navigationssystem nutzen, greifen wir selbstverständlich auf Satelliten zurück. Für die – oft kostenlos bereitgestellten – Daten sorgen vor allem staatliche Akteure wie die Nasa oder die Esa, zunehmend aber auch private Unternehmen. Wie sich das rapide Wachstum des Weltraumsektors erklären lässt, weiß kaum jemand besser als Josef Aschbacher. Seit 2021 leitet der Tiroler die Weltraumorganisation Esa. Börsianer Perspektiven erreichte ihn zwischen mehreren internationalen Terminen im Esa-Hauptquartier in Paris für ein ausführliches Gespräch. Kommt der 63-Jährige einmal ins Erzählen über die Raumfahrt, vergeht die Zeit wie auf einer Satellitenbahn: unmerklich, aber rasant. Immer wieder meint man das neugierige Funkeln jenes Volksschuljungen in seinen Augen zu erkennen, der 1969 in seiner Tiroler Heimat die Mondlandung gesehen und beschlossen hat, sein berufliches Leben der Weltraumforschung zu widmen.
»Ein wirklich globales Ereignis wäre der Nachweis außerirdischen Lebens.«
Josef Aschbacher
Herr Aschbacher, zwischen den USA und China gibt es ein neues Wettrennen um den Mond. Dort war man schon vor 50 Jahren. Was soll das bringen? – Josef Aschbacher: Diesmal geht es nicht nur darum, dort eine Fahne zu hissen, sondern um dauerhafte Infrastruktur, Energie, Rohstoffgewinnung. Die USA wollen 2028 wieder landen, China vor 2030.
Sie haben es geschafft, dass die Esa um 32 Prozent mehr Budget bekommt. Das sind 22,3 Milliarden Euro für drei Jahre. Angesichts knapper öffentlicher Mittel ist das bemerkenswert. Wie rechtfertigen Sie diesen Betrag? – 22,3 Milliarden Euro wirken auf den ersten Blick viel. Aber global gesehen ist das ein moderates Budget. Weltweit geben öffentliche Institutionen – Nasa, Esa, Space Force, europäische und nationale Agenturen – rund 122 Milliarden Euro pro Jahr für Raumfahrt aus. 60 Prozent davon entfallen auf die USA, 15 Prozent auf China, nur etwa zehn Prozent auf Europa. Amerika investiert also sechsmal so viel wie wir. Heruntergebrochen sind das bei uns etwa 15 Euro pro EU-Bürger und Jahr – der Preis eines Kinotickets. Und die Esa macht dafür sehr gutes Kino.

JOSEF ASCHBACHER
Generaldirektor
Europäische Weltraumorganisation Esa
Aufgewachsen auf einem Bergbauernhof in Ellmau in Tirol entdeckte Josef Aschbacher früh seine Leidenschaft für den Weltraum –ausgelöst durch die Mondlandung, die er als Siebenjähriger gebannt im Fernsehen verfolgte. Nach seinem Studium der Meteorologie und Geophysik an der Universität Innsbruck und der Promotion begann er 1990 bei der Esa. Dort prägte er später maßgeblich das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus. Seit dem 1. März 2021 steht er als Generaldirektor an der Spitze der Esa und zählt heute zu den einflussreichsten Stimmen der internationalen Raumfahrt.

KLIMAFORSCHUNG. Satellitendaten des Copernicus-Programms zeigen die Veränderungen der arktischen Eisschicht. Für die Klimaforschung sind diese Daten essenziell.
Erzählen Sie, was läuft im Esa-Programm? – Wir liefern Daten für Wettervorhersagen, Navigation, Kreditkartenzahlungen, in der Landwirtschaft oder Logistik, für Energienetze, Medizin sowie Flugrouten oder Schifffahrt. Außerdem wird sie zunehmend sicherheits- und verteidigungsrelevant: Der UkraineKrieg hat gezeigt, wie essenziell Satelliten für Kommunikation und Aufklärung sind. Die Abwehr von Asteroiden ist auch ein guter Kinostoff.
Nicht, dass man das erleben will ... –… aber 2029 fliegt der Asteroid Apophis in nur 34.000 Kilometern Distanz an der Erde vorbei. Keine Sorge, er wird die Erde nicht treffen. Wir begleiten ihn dennoch mit der Mission Ramses, um Abwehrtechniken zu testen.
Sie sagen, jeder investierte Euro erzeugt vier bis fünf Euro wirtschaftliche Wertschöpfung. Österreichs Beitrag liegt nun bei 340 Millionen Euro. Wer profitiert davon? – Die globale Weltraumwirtschaft hat ein Volumen von rund 600 Milliarden Euro und wächst mit rund zehn Prozent jährlich. In der nächsten De-
„Die Esa macht sehr gutes Kino, und das für 15 Euro pro Bürger“
kade wird sie bei etwa 1,8 Billionen Euro liegen. Erstens kommt dieses Geld über Esa-Programme wieder an österreichische Unternehmen zurück – das ist garantiert. Das passiert durch Aufträge, Steuern, Versicherungsabgaben und vor allem durch Exporterfolge, weil Firmen ihre Kompetenzen international anbieten können. Beispiele sind FACC, Alpex Technologies, Aerospace & Advanced Composites und viele weitere spezialisierte Zulieferer in Österreich.
In den USA stammen etwa 60 Prozent der Weltraumausgaben aus militärischen Budgets, in Europa nur zehn bis 15 Prozent. Wird Europa hier aufholen? – Ja. Weltweit kommt etwa die Hälfte der öffentlichen Raumfahrtausgaben aus dem Verteidi-
gungsbereich. Europa lag lange deutlich darunter, aber das ändert sich. Deutschland investiert bis 2030 rund 35 Milliarden Euro zusätzlich in militärisch relevante Weltraumtechnologien. Auch Italien und Frankreich erhöhen massiv. Auf EU-Ebene gibt es mit Andrius Kubilius einen Kommissar für Defence and Space. Wir bewegen uns also klar in Richtung des globalen Durchschnitts.
Wie steht es um private Finanzierung, etwa über Venture Capital oder Private Markets, für die europäische Raumfahrt? – Global stammen 80 Prozent des Kapitals im Weltraumsektor aus öffentlichen Quellen. Privates Geld macht rund 20 Prozent aus. Aber der Trend ist positiv. Wir haben das Esa Investors Network auf-
gebaut – über 100 Partner, die Start-ups und Scale-ups finanzieren. 2024 flossen allein daraus 1,4 Milliarden Euro privates Kapital in Europa. Amerikanische Investoren kommen aktiv auf uns zu, weil der US-Markt gesättigt ist und Europa als sehr attraktiv gilt.
Raumfahrt schien seit den 1990er-Jahren ein Kooperationsprojekt der Menschheit zu sein – fast wie im Geist von „Star Trek“. Wie ist die Lage heute? – Während des Kalten Krieges gab es einen US- und einen sowjetischen Block. Heute gibt es einen USgeführten und einen von China geführten Block. Europa ist fester Teil des westlichen Blocks. Die Kooperation mit Russland ist seit 2022 eingestellt. Gleichzeitig ist Europa qualitativ exzellent und zuverlässig, weil Esa-Abkommen immer mit allen 23 Mitgliedsstaaten abgestimmt sind. Das macht uns international begehrt. Wir haben aktive Kooperationen mit Japan, Australien, Neuseeland, Südkorea, Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kanada und natürlich den USA. Australien will künftig ein Modell ähnlich wie Kanada – also tiefe Kooperation ohne formale Mitgliedschaft.
Mittlerweile geht ohne private Player wie Space X in der Raumfahrt wenig. Gerade hier ist Unabhängigkeit gefragt. Sie suchen die „kleinen europäischen Musks“, wie Sie unlängst sagten. Gibt es diese? – Natürlich. Es gibt großartige Unternehmer in Europa. Ein Beispiel ist ICEYE aus Finnland, ein Unternehmen, das sich auf Radarsatelliten spezialisiert hat und innerhalb von nur acht Jahren zu einem Milliardenunternehmen herangewachsen ist. Ebenfalls beachtlich ist Spire, gegründet vom österreichischen CEO Peter Platzer – ursprünglich im Silicon Valley, heute mit starken Standorten in Bayern, börsennotiert und mit einem hohen dreistelligen Millionenwert bewertet. Daneben entstehen in Europa weitere dynamische Player wie Open Cosmos, The Exploration Company und zahlreiche andere Raumfahrt-
Die Europäische Weltraumorganisation Esa wurde 1975 gegründet und vereint heute 23 Mitgliedstaaten, darunter seit 1987 auch Österreich. Die Esa ist Europas zentrale Institution für zivile Raumfahrt und betreibt Forschungsmissionen, Satellitenprogramme, Trägersysteme und große Wissenschaftsprojekte – vom Erdbeobachtungsprogramm Copernicus über die Satellitennavigation Galileo bis zu Missionen ins Sonnensystem.
Start-ups, die zeigen, wie innovativ und wachstumsstark die europäische SpaceEconomy inzwischen geworden ist.
Bevor Sie 2021 Esa-Chef wurden, verantworteten Sie das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus. Wie hilft Weltraumforschung beim Kampf gegen den Klimawandel? – 80 Prozent der Daten für Wetterund Klimamodelle stammen von Satelliten. Ohne Weltraumbeobachtung gäbe es keine seriöse Klimaforschung. Europa liefert mit Copernicus täglich rund 350 Terabyte Daten – frei und weltweit zugänglich. Die Daten werden in zahlreichen Bereichen genutzt, von der Landwirtschaft, wo man Bewässerung und Düngung steuern kann, über Stadt- und
Forstplanung sowie Schifffahrt und effiziente Energiesysteme bis zu Börsen.
Welche Daten werden an Börsen genutzt? – Daten zeigen, wie viel Weizen angebaut wird, global oder in Russland, der Ukraine oder Amerika. Dann kann man natürlich abschätzen, wie sich der Preis entwickeln wird, weil man die Ernte etwas vorzeitig vorhersagen kann. Das hat natürlich einen sehr großen Wert. Firmen setzen das mittlerweile operationell ein, um abschätzen zu können, ob die Weizenpreise nach oben gehen oder nach unten gehen.
Sie haben selbst in Ihrer Tiroler Heimat die Mondlandung im TV erlebt und so Ihre Leidenschaft für die Raumfahrt entdeckt. Welches kollektive Ereignis könnte künftig noch mehr Menschen zu Weltraumfans machen? – Ein wirklich globales Ereignis wäre neben Missionen zu anderen Planeten jedenfalls der Nachweis außerirdischen Lebens. Die Esa startet 2028 einen Rover zum Mars, der erstmals zwei Meter tief bohren wird, um nach Spuren vergangenen Lebens zu suchen.
Falls man außerirdisches Leben findet: Wäre das überraschend? – Nein. Wir wissen, dass der Mars einst Wasser, Ozeane und Atmosphäre hatte. Es wäre aber ein wissenschaftlicher Megadurchbruch. Dann könnten wir feststellen, ob die DNA-Struktur der Funde unserer ähnelt oder nicht.
Sie haben sich einst für das Austro-MirProgramm beworben. Letztlich wurde Franz Viehböck als erster Österreicher und Kosmonaut ins All geschickt. Waren Sie im Nachhinein froh, Raumforscher statt Raumfahrer zu werden? – Ich war damals Student und eigentlich nicht qualifiziert genug. Aber es hat Spaß gemacht. Heute bin ich als Esa-Generaldirektor Chef vieler Astronauten und war an der Auswahl der jüngsten Astronautenklasse beteiligt. Das erfüllt mich sehr, insofern bin ich sehr froh, wie es gelaufen ist.

ERNTE. Spargelstechen in Österreich. Die Klimaerwärmung macht der Landwirtschaft zu schaffen. Lösungen sind gefragt.
Start-ups und Forschungsprojekte arbeiten jeden Tag an Lösungen, die in den jeweiligen Branchen dabei helfen, nachhaltig Zeit und Geld zu sparen. Einige haben wir vor den Vorhang geholt.
EEffizienter werden, Kosten senken: Jedes Unternehmen, das sich im Wettbewerb befindet, hat das auf der Tagesordnung stehen. Wenn die Preise für Energie und Rohstoffe steigen oder Arbeitskräfte knapp sind, sind neue Ideen gefragt –dann schlägt die Stunde neuer Technologien. Was die Energieeffizienz betrifft, wurden seit dem verschwenderischen 20. Jahrhundert in vielen Branchen beachtliche Fortschritte gemacht. Der Bausektor steht hingegen noch am Anfang bei der effizienten Nutzung von Materialien, die derzeit noch auf der Deponie landen. „Die Kosten mangelnder Wiederverwertung steigen immer mehr, etwa durch die teurer werdende Entsorgung, durch zunehmende Regulierung, erhöhte Rohstoffpreise oder steigende Finanzierungs-
Text: Thomas Müller
anforderungen“, sagt die FH-Wien-Professorin Anna-Vera Deinhammer, die sich schon lange mit dem Thema beschäftigt. In einer schnelleren Transformation befindet sich die Finanzbranche, die gerade beginnt, die Blockchain für sich zu entdecken. „Flexibilität und Transparenz machen diese neuen Finanzinstrumente aus. Immer kleinere Stückelungen können jederzeit gehandelt werden“, sagt Tobias Eckl, CEO der Gubbi AG in München, welche die dafür nötige Infrastruktur bereitstellt. Bei den Kosten bieten sie noch keinen Vorteil, aber das sei nur noch eine Frage von Jahren, schätzt Eckl. Weitere Ideen von kleinen, innovativen Unternehmen zu den Themen Energie, Wiederverwertung und Landwirtschaft folgen auf den nächsten Seiten.


Land: Österreich/Deutschland
Gründungsjahr: 2024
Effizienzvorteil: Weniger Düngemittelverbrauch und Kosten bodenpapst.at

»Wir liefern den Landwirten wissenschaftlich fundierte Antworten.«
Thomas Hiebaum
Heißere Sommer und Extremwetterereignisse setzen gerade der Landwirtschaft besonders zu. Trockenperioden und Starkregen gefährden buchstäblich die Grundlage dieser Branche, den Ackerboden. Umso wichtiger wird es, den Boden zu analysieren und durch Anpassung der Bepflanzung und der Düngung seine Qualität zu erhalten. Hier setzt das österreichisch-bayerische Deep-Tech-Start-up AGAi mit Sitz in Wien an. „Wir entwickeln den sogenannten Soil Intelligence Layer mit dem Ziel, Boden als entscheidungsrelevante Größe nutzbar zu machen“, sagt der Gründer und studierte Marketingmanager Thomas Hiebaum. „Wir wählen bewusst jene Methoden, die unter realen Bedingungen robuste und verlässliche Vorhersagen ermöglichen.“
Die erste Anwendung dieser KI-gestützten Bodenanalyse nennt sich „Frag den Bodenpapst“ und soll die Technologie dem breiten Markt zugänglich machen. Die Daten aus dem Boden müssen die Betriebe zunächst messen lassen, den Rest macht die Software. „Die Landwirtinnen und Landwirte erhalten wissenschaftlich fundierte Antworten zu Düngung, Bodenstruktur, Fruchtfolge oder Nährstoffmanagement. Dadurch lassen sich Betriebsmittel gezielter einsetzen und Kosten senken“, erklärt Hiebaum. Das Agrar-Start-up mit fünf Mitarbeitern im Kernteam wurde erst 2024 als Flexible Kapitalgesellschaft (FlexKapG) gegründet und hat sich bisher durch Förderprogramme und Eigenmittel finanziert. Für die weitere Skalierung laufen aber bereits Gespräche mit potenziellen Investoren.

Land: Österreich
Gründungsjahr: 2022
Effizienzvorteil: 25 Prozent weniger Kosten für Energieversorger podero.de
»Mit Podero können die Versorger tausende Haushaltsgeräte steuern.«
Chris Bernkopf
Beim Betreiben eines Stromnetzes geht es vor allem um eines: Gleichgewicht. Das Angebot muss genau dem aktuellen Verbrauch in einem Gebiet entsprechen. Die Endkunden wiederum wollen einen möglichst günstigen Tarif haben, und am glücklichsten sind überhaupt jene, die auf Strom von ihrem Solardach zurückgreifen können. Beides zusammenzubringen hat sich das Wiener Start-up Podero mit seiner B2B-Software zum Ziel gemacht. Energieintensive Geräte wie Wärmepumpen, Autoladestationen oder Batteriespeicher werden automatisch gesteuert, damit sie Strom verbrauchen oder speichern, wenn er am günstigsten ist. Für die Energieversorger liegt der Hebel woanders, erklärt Podero-Gründer und -CEO Chris Bernkopf: „Sie müssen jederzeit sicherstellen, dass genauso viel Strom ins Netz eingespeist wird, wie gerade verbraucht wird. Wenn das nicht passt, wird es teuer, weil sie kurzfristig Ausgleichsenergie zukaufen müssen.“
Das Potenzial dieser „Flexibilitätsvermarktung“ sei bisher brachgelegen. Das Geschäftsmodell ist jedenfalls interessant genug, um die Oekostrom AG als Partner zu gewinnen und eine Reihe von Venture-Capital-Investoren auf den Plan zu rufen. Gleich mit der Gründung Ende 2022 stiegen Pale Blue Dot und Push Ventures mit 860.000 Euro ein. Bei der nächsten Runde 2025, geführt von Planet A Ventures, waren es dann 5,5 Millionen Euro. Die Forschungsförderung der FFG schlug mit 1,8 Millionen Euro zu Buche.


Land: Österreich
Gründungsjahr: 2024
Effizienzvorteil: Weniger Kosten für Abbruch und Entsorgung kraisbau.at

»Viele nutzbare Baustoffe landen noch in der Entsorgung.«
Anna-Vera Deinhammer
Die Bauindustrie ist neben dem Verkehrssektor und der Stahlerzeugung einer der großen Problembären beim heimischen Ressourcenverbrauch. Viel „graue“ Energie wird jeden Tag verbaut, und die Zementherstellung verursacht zusätzliche CO2-Emissionen. Gleichzeitig explodieren schon seit Jahren die Baukosten. Was wäre, wenn eines Tages 100 Prozent der verbauten Materialien wiederverwertet werden könnten und nicht teuer entsorgt und deponiert werden müssten?
An dieser utopisch scheinenden „Mond-Mission“ arbeitet das Forschungskonsortium Kraisbau, das kein eigenes Unternehmen ist, sondern ein Zusammenschluss von 31 Partnern aus Wirtschaft und Forschung. Wieso wäre hier die KI ein Gamechanger? „Der zentrale Hebel ist die Schließung einer Informationslücke“, erklärt die Projektleiterin und Fachhochschulprofessorin Anna-Vera Deinhammer. „Bei Bestandsgebäuden wird heute oft nicht systematisch erfasst, welche Materialien verbaut sind und ob sie wiederverwendbar wären. Dadurch landen viele noch nutzbare Baustoffe als Mischabbruch in der Entsorgung.“ Die KI hilft bei der Umsetzung der Daten in detaillierte digitale Modelle von Gebäuden, mit denen auch historische Ziegel erfasst und bewertet werden können. „Die Grundidee ist, alte Gebäude nicht nur als Abrissobjekte zu betrachten, sondern als potenzielle Materialbanken. Das spart Primärrohstoffe, Transportwege und Entsorgungskosten“, sagt Deinhammer zusammenfassend. Die Forschungsergebnisse helfen auch bei der Planung neuer Gebäude, um in Zukunft die Baustoffe leichter trennen zu können.

Land: Deutschland
Gründungsjahr: 2024
Effizienzvorteil: Schnelleres und liquideres Trading mit Finanzprodukten midas.app
»Wir bauen die Infrastruktur für bessere Liquidität aus.«
Dennis Dinkelmeyer
BLOCKCHAIN MIT FINANZ-STANDARDS Tokenisierung und Blockchain sind gerade die Zauberworte in der Finanzbranche. Dabei werden Finanzprodukte in digitale Assets umgewandelt, die in einem dezentralen Blockchain-Ökosystem „on-chain“ gehandelt werden können. Das Berliner Fintech-Start-up Midas will nicht weniger als einen Standard für diese Form des Online-Tradings setzen und verspricht mehr Transparenz und maximale Liquidität, ohne dass die Kosten dafür das ganze System unrentabel machen. Dahinter steht eine Reihe von Venture-Capital-Investoren, die seit der Gründung 2024 an Midas beteiligt sind. Erst vor wenigen Wochen haben sie unter Führung von RRE und Creandum weitere 50 Millionen US-Dollar für die Weiterentwicklung der Plattform in die Hand genommen – eine für europäische Verhältnisse beachtliche Summe. Bekannte Namen wie Franklin Templeton und Coinbase Ventures waren bei der Investmentrunde ebenfalls dabei.
„Mit diesem Kapital bauen wir die dahinterstehende Infrastruktur aus, was eine bessere Liquidität und einen breiteren Zugang zu Strategien ermöglicht, ohne Transparenz und Renditen zu reduzieren“, erklärt Midas-Mitgründer und -CEO Dennis Dinkelmeyer. Ausgebaut werden soll auch die Verfügbarkeit der Produkte, etwa über Ledger, einen Anbieter für digitale Geldbörsen (Wallets). Derzeit ist ein Gegenwert von rund 500 Millionen US-Dollar in den von Midas emittierten „mToken“ in Umlauf. Diese werden von etwa 20.000 Kunden gehalten. Insgesamt wurden seit 2024 tokenisierte Assets mit einem Volumen von 1,7 Milliarden US-Dollar herausgegeben.

Land: Deutschland
Gründungsjahr: 2021
Effizienzvorteil:
Weniger Aufwand bei Vertrieb und Planung für Installateure reonic.de

»Den Installateuren fehlen oft die digitalen Werkzeuge.«
Lars-Manuel Schneider
Der Bedarf nach erneuerbaren Energielösungen für Haushalte und Unternehmen ist ungebrochen, gerade wenn instabile Preise für Erdöl und Erdgas die Alternativen interessant machen. Ein effizientes System aus Solaranlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe und anderen Verbrauchern ist allerdings anspruchsvoll in der Planung für die ausführenden Fachbetriebe. Hier setzt das deutsche Start-up Reonic an und hat eine All-in-one-Softwarelösung entwickelt, die Verkauf, Planung und Installation eines Energiesystems für die Anbieter effizienter machen soll.
„Erneuerbare Technologien sind einer der am schnellsten wachsenden Märkte in Europa, doch den Installateuren fehlen oft digitale Werkzeuge. Unser Ziel ist es, diese Fachleute wettbewerbsfähig zu machen“, sagt Geschäftsführer LarsManuel Schneider. 2025 wurde außerdem eine Kooperation mit dem Fintech Bees & Bears geschlossen und damit auch die Ratenfinanzierung von Energieprojekten in das ReonicSystem integriert. Seit der Gründung hat Reonic in zwei Runden rund 16,5 Millionen Euro von Risikokapitalgebern eingesammelt. Zielgruppe für die Software sind nicht nur Solarteure, sondern auch Stadtwerke und Wärmepumpenbauer. Inzwischen hat Reonic Standorte in Augsburg, Berlin, London und Sao Paulo mit mehr als 80 Mitarbeitern. Zuletzt wurde ein Angebot entwickelt, das sich an sogenannte Mieterstromprojekte in Deutschland richtet, also Solarsysteme für Mehrparteienhäuser.

Land: UK
Gründungsjahr: 2019
Effizienzvorteil:

Genaueres Sortieren und Trennen von Abfällen greyparrot.ai
»Wir reagieren auf eine globale Abfallkrise.«
Mikela Druckman
Aus den Augen, aus dem Sinn. So geht es uns mit dem täglichen Hausmüll, der in der großen Tonne landet. Für andere beginnt da erst die Arbeit, wenn in großen Sortieranlagen der vermeintlich wertlose Abfall in wiederverwertbare Stoffe getrennt wird. Das Londoner Start-up Greyparrot hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Prozess mittels Künstlicher Intelligenz zu automatisieren und zu verbessern. Mit der Software und einer Kamera über dem Abfallförderband lassen sich 95 Prozent der Objekte erfassen und sortieren, die in einer Stadt anfallen. Das System erkennt 89 verschiedene Materialien – und das besser, als es ein menschlicher Sortierer könnte. Mit einer vollautomatisierten Anlage kann also auch Arbeitskraft eingespart werden. Das System kann sogar den Materialwert der Abfallstücke berechnen.
„Wir reagieren auf eine globale Abfallkrise. Weltweit fallen jährlich 2,2 Milliarden Tonnen Müll in den Haushalten an“, sagt Mikela Druckman, Mitgründerin und CEO von Greyparrot. „Mit mehr als 250 Analyseeinheiten weltweit können wir pro Jahr 30.000 Tonnen Abfall aussortieren, der nicht deponiert werden müsste.“ Die Aufgabe für die Zukunft ist jedenfalls groß, denn das UN-Umweltprogramm schätzt für das Jahr 2050 eine globale Haushaltsabfallmenge von 3,8 Milliarden Tonnen pro Jahr.
Forschung und Entwicklung gelten gemeinhin als Domäne der Pharma- oder Technologiebranche. Doch auch in der Baubranche ist F&E längst kein Randthema mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit.
Der Druck, Bauprozesse effizienter, sicherer und klimafreundlicher zu gestalten, treibt Unternehmen wie die PORR (ISIN: AT0000609607) dazu, erheblich in die Entwicklung neuer Technologien, Materialien und digitaler Lösungen zu investieren.
SmartStreet: KI optimiert Beton- und Asphaltmischungen
Ein aktuelles Beispiel für angewandte Bauforschung ist das Projekt „SmartStreet“, das die PORR gemeinsam mit dem Arbeitsbereich für Materialtechnologie der Universität Innsbruck realisiert. Das Forschungsprojekt, das von Oktober 2025 bis Oktober 2028 läuft und durch die österreichische Förderungsgesellschaft FFG gefördert wird, verfolgt folgendes Ziel: Eine künstliche Intelligenz soll lernen, vorherzusagen, welche mechanischen Eigenschaften Asphalt oder Beton aufweisen werden, wenn recyceltes Gesteinsmaterial in unterschiedlichen Mengen und Körnungen beigemischt wird.
Vom Baustellenroboter bis zur digitalen Baulogistik
Die F&E-Aktivitäten der PORR beschränken sich nicht auf Baustoffe. Im Bereich Digitalisierung der Baulogistik (Electronic Data Interchange) wurde zum Beispiel gemeinsam mit Branchenpartnern das Joint Venture SEQUELLO gegründet –eine digitale Plattform, die Bestell-, Liefer- und Rechnungsprozesse automati-

siert. Im Bereich Maschinentechnik und Vermessung werden Maschinen-Assistenzsysteme zur Verdichtungskontrolle, 3D-Maschinensteuerungen sowie Drohnenvermessung und Laserscanning weiterentwickelt. Diese Technologien erhöhen die Präzision auf der Baustelle und reduzieren manuelle Aufzeichnungsarbeit erheblich.
Außerdem entwickelt die PORR praxisnahe Lösungen in Zusammenarbeit mit diversen Forschungseinrichtungen und Industriepartnern. Zu tun ist genug: Das Projekt RODRIGO (Robotic Drilling Grinding and Others) erprobt z. B. den Einsatz von Baustellenrobotern für repetitive, körperlich belastende Tätigkeiten wie Bohren und Schleifen. Zudem wurden bereits Markierungsroboter eingesetzt, die selbstständig Daten auf vorbereitete Baustellenflächen übertragen.
Die vollautomatisierte Baustelle wird es allerdings nie geben, denn im Mittel-
punkt steht weiterhin der Mensch. Was das heißt, zeigt etwa das Projekt „Polier der Zukunft“. Es zielt darauf ab, den Polier als zentrale Informationsdrehscheibe auf der Baustelle mit allen entscheidungsrelevanten Daten in Echtzeit zu versorgen.
Ihre Aktivitäten in F&E und Innovation baut die PORR stetig aus. Laut Geschäftsbericht 2025 hält sie derzeit 30 aktive Patente in verschiedenen Ländern. Dass der Aufwand von außen wahrgenommen wird und Früchte trägt, zeigt auch die Auszeichnung „Innovativste Aktie Österreichs 2025“, die die PORR im Dezember 2025 erhalten hat.

„Defence ist ein Markt, der on top kommt“
NIKOLAS BULLWINKEL
CHANCE. Eigentlich hatten
Nikolas Bullwinkel und die Gründer von Circus nicht den Plan, das Militär als Kunden zu gewinnen. Als dann die Anfrage kam, reagierte man prompt.

Keine Panzer, keine Waffen – und trotzdem mitten im Rüstungsboom. Das Food-Tech-Unternehmen Circus zeigt, wie schnell Firmen im neuen Milliardenmarkt landen. Für Mitarbeiter ist das manchmal schwierig, für Investoren ein Leckerbissen.
Text: Oliver Stock
EEuropa rüstet auf. Und dabei mischen Unternehmen mit, die gestern noch Kantinen digitalisiert haben und heute Teil der Verteidigungsindustrie sind. Was wie eine Pitchdeck-Übertreibung klingt, ist Realität. Rund 100 Milliarden Euro zusätzlich fließen in Deutschland in Sicherheit und Verteidigung. Neue Budgets, neue Aufträge, neue Lieferketten. Und mittendrin Firmen, die mit Militär bisher nichts zu tun hatten.
Circus ist so ein Fall. „Defence ist ein unfassbar starker Wachstumsmarkt“, sagt Circus-Chef Nikolas Bullwinkel. Der 30-Jährige ist kein Zyniker, kein Rüstungslobbyist, sondern jemand, der eigentlich Küchen automatisieren wollte. Sein Unternehmen baut Food-Robotics-Systeme, also Maschinen, die warme Mahlzeiten produzieren – für Krankenhäuser, Flughäfen, Unternehmen oder Schulen. Und jetzt eben auch für Armeen.
Das Militär rief an
Der Einstieg war nicht strategisch geplant, sondern kam zufällig zustande. „Vor anderthalb Jahren haben sich die ersten Militärs bei uns gemeldet“, sagt Bullwinkel. „Wir haben das nicht ak-
tiv angeboten.“ Es war ein klassischer Marktimpuls: Nachfrage zieht Angebot. Und was dann passiert, ist der eigentliche Wandel.
Aus einem Tech-Start-up wird ein regulierter Player. Bullwinkel gründete eine neue Gesellschaft, baute ein eigenes Team auf, erließ strenge Zugangsregeln. „Mittlerweile ist es eine eigene Legal Entity“, sagt er. „Nicht jeder Mitarbeiter darf daran arbeiten.“ Sicherheit, Compliance, Exportkontrollen – plötzlich geht es nicht mehr nur um ein Produkt, sondern um Geopolitik. Und das ist der Moment, in dem sich ein Unternehmen verändert.
Nicht das Produkt macht den Unterschied, sondern der Kontext. Circus baut weiterhin keine Waffen. „Das wollen wir nicht“, sagt Bullwinkel klar. Aber das Militär funktioniert nicht nur über Waffen. „Weit über 50 Prozent der Ausgaben sind Personal. Davon 70 bis 80 Prozent Logistiker.“ Und genau dort sitzt das Unternehmen jetzt.
Was wie Küche klingt, ist Infrastruktur. Und Infrastruktur ist im Krieg alles. Die Realität ist brutal konkret. „40 Gramm Fleisch bekommen ukrainische Soldaten pro Tag“, sagt Bullwinkel. Mehr

EINSATZBEREIT. Das containerartige Objekt, mit dem Soldaten versorgt werden, wurde von der deutschen Bundeswehr, aus Litauen und der Ukraine bestellt.
gibt das Budget oft nicht her. Seine Systeme sollen genau das ändern: Effizienz statt Knappheit, Skalierung statt Improvisation. Soldaten werden satt, weil die Logistik plötzlich weniger kostet. Das ist Defence – nur anders gedacht.
Deutschlands stille Rüstungswende Circus ist kein Einzelfall. In Deutschland und Österreich verschiebt sich gerade ein ganzer Industriebereich. Laut Studien des Münchner Ifo-Instituts prüfen mittlerweile rund 20 bis 30 Prozent der Industrieunternehmen eine Ausweitung in sicherheitsrelevante Geschäftsfelder. Gleichzeitig ist der Auftragseingang der klassischen Rüstungsindustrie in Deutschland zuletzt um mehr als 40 Prozent gestiegen – ein Sog, der weit in den Mittelstand hineinreicht. Unternehmen wie Voith in Schwaben liefern plötzlich Komponenten für militärische Fahrzeuge, während Sensorikspezialisten wie Hensoldt zweistellig wachsen und ihre Kapazitäten massiv ausbauen. In Österreich entstehen rund um Zulieferer und Maschinenbauer wie Benteler International Austria neue Defence-Cluster, oft zunächst über Lo-
SE
Quelle: baha
gistik, Software oder Elektronik. Das Muster ist immer gleich: Kein abrupter Strategiewechsel, sondern eine Erweiterung des Portfolios. Erst ein Pilotprojekt, dann ein Auftrag, dann ein eigener Geschäftsbereich. Der Rüstungsboom wirkt wie ein Magnet – auch auf Unternehmen, die sich selbst nie dort gesehen haben.
Für Circus ist der Schritt kein moralischer Bruch, sondern ein organisatorischer. Trotzdem gibt es Reibung. „Kurzfristig gab es Unsicherheit“, sagt Bullwinkel. Mitarbeiter fragten sich, ob sie das mittragen wollen. Die Antwort des
Unternehmens: maximale Transparenz. „Ein Leitstern steht darüber: Wir versorgen Menschen, die keine Alternative zu warmem Essen haben.“ Purpose statt Panzern.
Gleichzeitig verändert sich die Wahrnehmung am Markt. Investoren schauen noch immer zuerst auf Drohnen, Raketen, klassische Rüstung. Bullwinkel sieht das anders. „Wir stehen in der Küche. Das ist klassische Infrastruktur.“ Und genau darin liegt die neue Story des börsennotierten Unternehmens. Der Rüstungsboom ist größer als nur Waffenproduktion.
Vorteil: Planwirtschaft
Der Boom schafft sein eigenes Ökosystem: Sensorik, Software, Daten, Logistik, Infrastruktur, Verpflegung, Robotik. Wer dort andockt, wird Teil eines Marktes, der politisch gewollt und finanziell abgesichert ist. Es ist ein Markt mit Planbarkeit und Wachstum – etwas, das viele andere Industrien in Europa gerade vermissen.
Circus bleibt dabei bewusst schlank. „Wir produzieren nicht inhouse“, sagt Bullwinkel. Auftragsfertiger sitzen in Asien, künftig auch in Europa. Rund 100 Mitarbeiter tragen das Circus-Logo. Defence wird von einem kleinen Team betreut. Kein schwerfälliger Konzern, sondern ein Start-up im neuen Spielfeld.
Hier zeigt sich, wie Wandel heute funktioniert. Nicht als lauter Strategiewechsel, sondern schleichende Verschiebung: erst Anfrage, dann Auftrag, dann eigene Einheit. Und plötzlich ist man Teil des Systems.
Bullwinkel formuliert die Entwicklung nüchtern: „Defence ist ein Markt, der on top kommt.“ Für Börsianer ist das die eigentliche Botschaft. Hier entstehen neue Kategorien. Unternehmen, die gestern Konsum oder B2B waren, werden heute sicherheitsrelevant. Ihre Bewertung folgt nicht mehr nur dem Umsatz und der Marge – sondern geopolitischer Bedeutung. Und die wächst gerade schneller als jede Food-App. —
Von Herzklappen, die minimalinvasiv eingesetzt werden, bis zu Diagnostikverfahren zur Früherkennung – Medizintechnik verändert Leben. Der MIV Global MedTech Fund investiert in führende Unternehmen hinter diesen Innovationen – Firmen mit nachhaltigem Wachstum und starken Renditen.
Stellen Sie sich eine 75-Jährige Person vor, deren Leben dank minimalinvasiver Herzklappentechnologie verlängert wird. Oder Diabetiker, deren Blutzucker in Echtzeit mit einem Sensor, kleiner als eine Münze, überwacht wird. Jeden Tag verändert die Medizintechnik das Leben der Menschen zum Positiven – und schafft damit eine beeindruckende Wachstumsstory.
Die treibenden Kräfte sind struktureller Natur: alternde Bevölkerungen, Zunahme chronischer Krankheiten und der Ausbau der Gesundheitssysteme in Schwellenländern. Hinzu kommt das unaufhaltsame Innovationstempo: Roboterchirurgie, Bildgebung, Neuromodulation, minimalinvasive Kardiologie und Hörsysteme mit nahezu natürlichem Klang – die Chancen sind enorm. Diese Märkte sind charakterisiert durch hohes Wachstum, hohe Eintrittsbarrieren und oligopolistische Strukturen, was attraktive Renditen sichert.
Attraktive Bewertungen
Die Zahlen bestätigen dies. In 25 Jahren erzielte die Branche ein Gewinnwachstum pro Aktie
Annual performance of MSCI World sectors (1999–2024)1
Sectors Medtech Pharma & biotech
von rund 10 Prozent pro Jahr2 –fast doppelt so viel wie die 5,5 Prozent des MSCI World3. Noch beeindruckender: Sie ist der stabilste Teilsektor im MSCI World, was die stetige Nachfrage nach Medizintechnik unabhängig von Konjunkturzyklen zeigt. Angesichts steigender Nachfrage erwarten wir, dass Unternehmen im Portfolio des MIV Global MedTech Fund 2025/26 ein EPS-Wachstum von rund zehn Prozent erzielen werden4.
Auch die Bewertungen sind attraktiv. Der Sektor notiert im Vergleich zu anderen Bereichen des Gesundheitswesens nahe an seinem Durchschnitt, liegt jedoch gegenüber dem S&P 500 rund 15 Prozent darunter5 – ein günstiger Einstiegspunkt in eine widerstandsfähige und innovative Branche.
Der MIV Global MedTech Fund bietet Anlegern direkten Zugang zu dieser Wachstumsstory. Als global diversifiziertes Long-only-Portfolio warden Top-down-Erkenntnisse mit rigoroser Bottom-up-Analyse kombiniert, um die Gewinner von morgen zu identifizieren. Die Strategie passt sich dynamisch an Wirtschaftstrends an und schafft ein Gleichgewicht zwischen defensiver Stabilität und zyklischen Chancen, während ESG-Research sicherstellt, dass Nachhaltigkeit die Anlageentscheidungen unterstützt.
Giuseppe Di Benedetto Portfoliomanager Christoph Gretler Portfoliomanager
MIV-Schätzungen – wir verwenden unser eigenes Modell, das Prognosen und Bewertungen beinhaltet | 5 Bloomberg | Wichtige Informationen: Der MIV Global Medtech Fund ist ein Teilfonds des Variopartner SICAV, ein Anlagefonds luxemburgischen Rechts. Dieses Dokument dient nur zu Informationszwecken und ist weder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren noch zur Abgabe eines Kauf- oder Zeichnungsangebots. Dieses Dokument wurde durch MIV Asset Management AG („MIV AM“) erstellt und ist nicht das Ergebnis einer Finanzanalyse. Die „Richtlinien zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der Finanzanalyse“ der Schweizerischen Bankiervereinigung finden auf dieses Dokument keine Anwendung. Obwohl MIV AM der Meinung ist, dass die hierin enthaltenen Angaben auf verlässlichen Quellen beruhen, kann MIV AM keinerlei Gewährleistung für die Qualität, Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der in diesem Dokument enthaltenen Informationen übernehmen. Alle in diesem Dokument beschriebenen Unternehmen können derzeit – müssen aber nicht – eine Position im Portfolio des MIV Global Medtech Fund darstellen. Alle Prognosen, Vorhersagen, Schätzungen und Annahmen in diesem Dokument basieren auf einer Reihe von Schätzungen und Annahmen. Es kann keine Zusicherung gemacht werden, dass die Schätzungen oder Annahmen sich als richtig erweisen, und die tatsächlichen Ergebnisse können erheblich von den Prognosen abweichen. Zeichnungen von Anteilen des Teilfonds erfolgen nur auf der Grundlage des aktuellen Verkaufsprospekte´s, der aktuellen Basisinformationsblätter / KIDs (Key Information Documents), der aktuellen Statuten sowie des letzten Jahres- und Halbjahresberichts des Variopartner SICAV. Ein Investment in Teilfonds des Variopartner SICAV birgt Risiken, die im aktuellen Verkaufsprospekt erläutert sind. Alle Unterlagen können kostenlos bezogen werden beim Portfoliomanager: MIV Asset Management AG, Feldeggstrasse 55, CH-8008 Zürich, bei der Einrichtung für Österreich: Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG, Am Belvedere 1, A-1100 Wien, sowie über www. mivglobalmedtech.ch. Die historische Performance stellt keinen Indikator für die laufende oder zukünftige Performance dar. Die Performancedaten lassen die bei der Ausgabe und Rücknahme der Anteile erhobenen Kommissionen und Kosten unberücksichtigt. Die Rendite des Fonds kann infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.
GANZHEITLICHER BLICK. Führungskräfte sollen heute alles zugleich sein: empathisch und entschlossen, menschlich und systemisch denkend.
Was macht eine gute Führungskraft aus? Und wie gelingt die optimale Besetzung?
DDie Neuordnung der Welt bringt auch höhere Anforderungen an Führung mit sich. Gefragt sind Superman, Wonder Woman und Spiderman in einer Person. Doch wo findet sich diese eierlegende Wollmilchsau, und was muss sie mitbringen?
„Die wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft ist, Menschen zu mögen.“ Das kommt wie aus der Pistole geschossen. Für Gerhard Burtscher, Generaldirektor der BTV Vier Länder Bank AG, ist Qualität und emotionale Bindung Pflicht und Kür. Ähnlich sieht das Michael Köb, Finanzvorstand der Doppelmayr-Gruppe, der neben dem Menschlichen auch „Respekt, Offenheit und Vertrauen“ in die Waagschale wirft: „Eine Führungskraft muss fachlich nicht der Beste sein, aber organisieren können.“
Für Bernhard Ölz, Aufsichtsrat der Rudolf Ölz Meisterbäcker, sind es Kompetenz und Klarheit: „Macht braucht Leadership. Ich kann empathisch sein, aber ich muss klar einen Weg vorgeben.“ So weit, so gut, wobei das Stichwort Empathie recht unterschiedliche Reaktionen triggert: „Es wird in der Praxis oft missverstanden. Führungskräfte müssen heute fähig sein, die Sichtweisen unterschiedlichster Stakeholder zu an-
Text: Ingrid Krawarik

»Empathie ist eine entscheidende strategische Kompetenz.«
Agnes Schaumann
tizipieren. In komplexen Organisationen bildet dieses Verständnis das Fundament für tragfähige Entscheidungen. Damit ist Empathie eine entscheidende strategische Kompetenz“, erklärt Agnes Schaumann, Managing Partner bei Schaumann & Partners, die sich immer wieder in der Kunst der Besetzung von Führungspositionen beweist. „Besonders zufrieden bin ich mit Mandaten wie zuletzt, bei denen wir eine fachlich wie menschlich herausragende Frau für eine Führungsposition in einer männerdominierten Branche gewinnen konnten. Solche Besetzungen verändern die Dynamik einer Organisation spürbar“, sagt Schaumann.
Von veränderten Dynamiken erzählte kürzlich auch Risikovorständin Alexandra Habeler-Drabek, die als einzige Frau im Vorstand der Erste Group Bank AG seit Jahren tätig ist. „Die Teamdynamik verändert sich, wenn Frauen im Vorstand sind, das sagen mir zumindest die männlichen Kollegen. In allen Vorstandsteams, in denen ich als einzige Frau war, hatte ich es ausschließlich mit Kollegen zu tun, die diese Diversität auch schätzen und das auch ausdrücken. Diese Wertschätzung hilft sehr“, sagte sie im Resilienz-Podcast von Sabine Kainz.
Wer ist befähigt?
Was fest steht: Die Besetzung von Führungspersönlichkeiten ist deutlich anspruchsvoller geworden. Es geht nicht mehr nur darum, die erfahrenste oder bekannteste Persönlichkeit zu gewinnen, „eine exzellente Besetzung muss die Organisation ergänzen und produktiv irritieren“, sagt Agnes Schaumann – also auch die gewachsene Kultur respektieren, aber gleichzeitig neue Impulse einbringen. Schließlich leitet eine Führungskraft heute nicht mehr nur Menschen, sondern steuert auch Systeme und digitale Agenten. „Führung ist heute stärker eine Orchestrierung eines Gesamtsystems aus menschlicher und Künstlicher Intelligenz. Auch Macht wird neu definiert: Die Kompetenz, Systeme zu gestalten und die Grenzen menschlichen Urteils festzulegen, wiegt heute oft schwerer als die bloße Position im Organigramm“, meint Schaumann. Womit neben Executive-Search-Experten wie Schaumann & Partners natürlich auch der Aufsichtsrat von Unternehmen deutlich mehr gefordert ist. Die Aufgabe: Bei einem Kandidaten müssen nicht nur Führungsverhalten und Entscheidungsstärke evaluiert werden, sondern auch die Kompetenz, andere zu befähigen. Was miteinschließt, seinem Team eine Atmosphäre der Sicherheit zu geben – und Menschen zu mögen. Auch das Thema Diversität spielt in der Besetzung von Führungsteams eine tragende Rolle. „Diversität ist wichtig, aber auch anstrengend. Es ist viel leichter, Sichtweisen einzubringen, wenn Leute ähnlich denken wie wir und einen ähnlichen Führungsstil haben. Da laufen wir aber Gefahr, Dinge zu übersehen“, sagt Alexandra Habeler-Drabek, und fasst damit die Stärken einer vielfältigen Unternehmenskultur zusammen.
Kulturwandel mit Handbremse Spannende Neubesetzungen wie etwa Emma Delaney als CEO der OMV AG ab September 2026 werden im Unternehmen einen tiefgreifenden kulturellen

»Die wichtigste Eigenschaft einer Führungskraft ist, Menschen zu mögen.«
Gerhard Burtscher
Wandel nach sich ziehen. Sofern der Konzern mit staatlichem Einfluss, starken Ankeraktionären und einem einflussreichen Betriebsrat auch dazu bereit ist. „Ein Kulturwechsel gelingt nicht über Wertestatements oder Leitbilder, sondern über Verhalten, insbesondere über das Verhalten der Führungskräfte. Neubesetzungen sind deshalb einer der wirksamsten Hebel für Kulturveränderung“, meint Schaumann. Auch die Hofübergaben an Michael Höllerer bei der Raiffeisen Bank International AG im Juli 2026 und an Martin Seiter bei der Oberbank AG mit Jahresanfang 2027 sind gute Beispiele für mögliche tiefgreifende Veränderungen in den zwei Banken. Schon allein durch die konträren Persönlichkeiten wird sich ein neuer Führungsstil ergeben und damit auch eine neue Kultur. Egal ob flache oder starke Hierarchien: „Die Organisation muss so aufgebaut sein, dass sie die gesteckten Ziele optimal unterstützt, statt deren Erreichung durch starre Prinzipien zu behindern“, sagt Schaumann.
Heile Welt nach außen Wobei der Studie „Erfolgsfaktor Unternehmenskultur“ aus dem Vorjahr zufolge, die unter anderen von der Nottingham Trent University in England durchgeführt wurde, die Unternehmenskultur nach außen oft besser dargestellt wird, als sie nach innen gelebt wird. Davon können einige Unternehmen auch in Österreich ein Lied singen. Da wird viel verbrannte Erde von Führungskräften hinterlassen. Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie: Nur 19 Prozent der Befragten glauben, dass ihre Unternehmenskultur tatsächlich den formulierten Werten entspricht. 41 Prozent sehen eine Diskrepanz zwischen den Werten und dem Verhalten ihrer Führungskräfte.
Allerdings sind Werte in der heutigen Zeit kein fixes Gerüst mehr, die digitalisierte Welt erlaubt diese Starrheit nicht mehr. „In unserer Auswahl schauen wir deshalb sehr genau darauf, wie reflektiert jemand mit bestehenden Werten umgeht und ob er oder sie in der Lage ist, diese weiterzuentwickeln, ohne sie zu untergraben“, sagt Schaumann.
Anspruch und Wirklichkeit
Wie gelingt also die optimale Besetzung? Vereinfacht gesagt: Aufsichtsrat und Personalentwickler müssen die richtigen Fragen stellen. Denn laut der Leadership-Studie 2026 der Haufe-Akademie bewerten Führungskräfte und Personalentwicklung ihre Kompetenzniveaus unterschiedlich: Rund 65 bis 70 Prozent der Führungskräfte sehen sich in zentralen Kompetenzfeldern im oberen Skalenbereich, aus Sicht der Personalentwickler erreichen nur etwa 40 bis 45 Prozent dieses Niveau. Diese eklatante Selbstüberschätzung muss in geordnete Bahnen gebracht werden. Am besten mit viel Selbstreflexion. „Wenn sich diese Muster nicht verändern, bleibt jeder Kulturwandel oberflächlich“, sagt Agnes Schaumann. Wer bereit ist zu lernen, hat schon den Fuß in der Tür. —

Die Vienna Insurance Group ist mit der Herausforderung konfrontiert, 50 Gesellschaften in 30 Ländern zu vereinen. Hartwig Löger steuert das große Schiff seit drei Jahren. Wer Verantwortung übernehmen, mitgestalten und sich nicht auf Nebensächlichkeiten konzentrieren will, ist bei ihm richtig.
Interview: Ingrid Krawarik Fotos: Stefan Burghart
IIm Maschinenraum läuft nicht immer alles glatt, es gibt aber selten einen Impact, der die Vienna Insurance Group AG (VIG) als Gruppe in Summe erschüttern kann, sagt Hartwig Löger im Gespräch mit Börsianer Perspektiven im Ringturm in Wien. Als Stärke nennt der Generaldirektor die diverse Aufstellung der VIG, denn „Vielfalt gibt uns hohe Flexibilität und technische Diversifikation“.
Die VIG hat eine Flotte von 50 Gesellschaften in 30 Ländern. Wie bekommt man derart unterschiedliche Kulturen unter einen Hut? – Hartwig Löger: Wir sind als föderalistisches System strukturiert und definieren uns nicht als Konzern, sondern als Gruppe. Im Prinzip agieren wir wie eine Schiffsflotte, wo die Kapitäne für ihre jeweiligen Schiffe die Verantwortung und Letztentscheidung tragen. Ich sage immer provokant, in einem Konzern gibt es Manager, in einer Gruppe braucht man Führungskräfte. Ganz nach dem Sprichwort: „Managers do things right, leaders do the right things.“
Was ist dann die Aufgabe der Holding? –Beim Bild der Flotte bleibend, hat die Holding die Funktion einer Admiralität, die dafür sorgt, dass es nicht nur eine Ansammlung von Schiffen ist und je-
»Ich orte auf der politischen Ebene der EU den angestrengten Versuch, viele Nebensächlichkeiten in Form von Regularien zu vereinheitlichen.«
Hartwig Löger
des seinen eigenen Kurs fährt, sondern dass es eine gemeinsame Richtung gibt. Somit bildet die Holding einen strategischen Rahmen für die gesamte Gruppe mit Schwerpunkten. Aber die operative Strategie verfolgt jedes Schiff, somit jede Gesellschaft für sich.
Wie gelingt die Akzeptanz einer neuen Strategie wie jetzt mit Evolve 28 in allen Ländern? – Der Schlüssel liegt in der gemeinsamen Entwicklung. Wir hatten bei unserer CEO-Konferenz im November 2024 den Kickoff für die neue Strategie, und haben nach und nach mit allen CEOs gemeinsam an diesem Gesamtrahmenprogramm gearbeitet. Unsere fünf Werte Vielfalt, Unternehmertum, Verantwortung, Exzellenz und Leidenschaft sind eine Positionierung, die auch zusammen mit den CEOs erarbeitet wurde. Natürlich ist das ein arbeitsintensiverer Prozess, statt als Konzernchef die Strategie vorzugeben, die von allen umzusetzen ist. Für uns sind die enge Einbindung der lokalen Gesellschaften und die Berücksichtigung der jeweiligen Rahmenbedingungen zentral. Es ist wesentlich wertvoller, das gemeinsam zu erarbeiten, weil die Identifikation der lokalen Gesellschaften mit ihren jeweiligen Zielen und Schwerpunkten viel größer ist.

HARTWIG LÖGER
Generaldirektor
Vienna Insurance Group AG
Einen Ausflug in die Politik wie als Finanzminister von 2017 bis 2019 wird der 60-Jährige nicht mehr unternehmen. Seit Juli 2023 ist der gebürtige Steirer Generaldirektor der VIG und gestaltet die Versicherungswirtschaft aktiv mit.
Gibt es damit überhaupt eine VIG-Identität? – Die Identität der VIG drückt sich in ihrer Vielfalt mit eigenständigen Unternehmen und Brands aus. Unsere Gesellschaften agieren mit unterschiedlichen Namen und Logos. Eine Vielfalt von Nationen, Sprachen, Menschen und Kulturen, die sich auch in unseren Werten widerspiegelt. Eine Vereinheitlichung wäre kontraproduktiv. Als Gruppe tragen wir eine Gesamtverantwortung, die weit übers Unternehmerische hinausgeht, und den Willen, dass wir mit Energie und positiver Einstellung unsere Werte leben und unsere Ziele erreichen. Die Kapitäne auf den einzelnen Schiffen haben individuelle unterschiedliche Schwerpunktsetzungen, trotzdem navigieren alle auf demselben Kurs.
Das klingt sehr idealistisch. Zwischen den Gesellschaften herrscht kein Konkurrenzdenken? – Das Konkurrenzdenken fokussiert sich nicht auf den Wettbewerb gegeneinander, sondern auf eine Erweiterung im Sinne anderer Länder, anderer Gesellschaften, anderer Märkte. Aber natürlich gibt es auch einen Wettbewerb untereinander, gerade bei Themen wie: Wer hat die innovativsten Ideen? Wer entwickelt das größte Wachstum? Erst vor kurzem haben einige CEOs im Rahmen der CEO-Konferenz präsentiert, welche Entwicklungen oder Neuerungen sie in ihrem Unternehmen in ihrem Land gelegt haben. Und das ist positive Stimulanz. Denn daraus ergibt sich die Chance, dass das Interesse der anderen groß ist, diese Dinge danach auch gemeinsam weiterzuentwickeln. Es ist sehr schön zu erleben, wenn 50 Generaldirektorinnen und Generaldirektoren zusammenkommen, sich intensiv untereinander austauschen und ihre unterschiedlichen Kulturen, natürlich auch Persönlichkeiten, in die Wirkung bringen. Wir nennen den Austausch CO3, das ist Communication, Collaboration und Cooperation. Viele Projekte in der Gruppe werden inzwischen nicht nur geteilt, sondern auch schon gemeinsam entwickelt.

»Für mich ist das Thema Diversität auch viel breiter, der Wertebegriff wurde in den letzten Jahren zu stark auf Managementfunktionen und auf Gender reduziert.«
Hartwig Löger
Zum Beispiel? – Im Baltikum wurde eine App gemeinsam mit Kollegen aus Tschechien und Polen entwickelt, die in den Bereichen der Mobilität auch schon im Einsatz ist. In Rumänien sind eine gemeinsame IT-Infrastruktur und -Anwendungslandschaft über die Gesellschaften hinweg bereits etabliert. Auch in Österreich steht das Innovation Center Viesure als eigener Hub für Lösungen mit starkem KI-Fokus zur Verfügung und wird von der Wiener Städtischen und Donau Versicherung genutzt. Wir nennen es intern Schwarmintelligenz – ein Begriff, den mein Vorstandskollege Harald Riener geprägt hat. Andere Konzerne versuchen oft angestrengt Innovation und Kreativität zu entwickeln. Bei uns ergibt sich das aus dieser Identifikation und der Eigenverantwortung, etwas Gutes zu tun und zu entwickeln. Aber gleichzeitig durch die Freude, dass das nicht nur im eigenen Land, sondern auch für Kolleginnen und Kollegen auf breiterer Basis in anderen Märkten einsetzbar ist.
Mit der Nürnberger Versicherung kommt bald ein weiteres großes Schiff dazu. Können Sie anhand dieses Zukaufs erklären, wie die Integration a la VIG funktioniert? – Nachdem das Closing noch aussteht – wir er-
warten es für die nächsten Monate – kann ich noch nicht darüber sprechen. Nur so viel: Durch das Grundverständnis der Vielfalt gibt es auch hier keine hundertprozentige integrative Angleichung. Die Nürnberger ist die Nürnberger und wird die Nürnberger bleiben. Ihre 140-jährige Geschichte, ihre Marke, ihr Standort, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowie ihre Kundinnen und Kunden werden die Nürnberger weiterhin so wahrnehmen, wie sie sind. Die Nürnberger wird Teil einer Flotte, aber das Schiff selbst hat dieselbe Farbe, denselben Namen und ein sehr erfahrenes Management. Ich kann Ihnen dazu ein Beispiel geben. Vor einigen Jahren haben wir in die Übernahme der Aegon in Ungarn investiert, die danach in Alfa umbenannt wurde. Der Generaldirektor hat jetzt klar seine Begeisterung über seinen deutlich größeren Freiraum kundgetan, auch was Gestaltungsmöglichkeiten betrifft. Und gerade aus Ungarn kommen viele Best Practices.
Inwiefern können Sie das für die Gruppe nutzen? – Die Ungarn sind sehr stark im Eigenheimbereich, auch mit einer eigenen Gesellschaft im Assistenzbereich für den Bereich Wohnen. Wir haben bereits in 18 Ländern Erfahrungen mit Assistance, waren bisher aber sehr stark auf den Bereich Kfz fokussiert. Durch Ungarn ergab sich der Mehrwert und die Chance, die lokale Erfahrung in der Wohn-Assistance in der Gruppe deutlich breiter in die Wirkung zu bringen. Eine große Motivation für die Kolleginnen und Kollegen in Ungarn, weil sie zeigen können, dass sie Teil eines Größeren sind und das, was sie in Ungarn entwickelt haben, auch Mehrwert für andere Gesellschaften stiftet. Und das nicht als Konkurrent, sondern im Sinne des gemeinsamen Interesses.
„In Vielfalt vereint“ war auch das Motto bei der Gründung der Europäischen Union. Die VIG zeigt eigentlich vor, wie es funktionieren kann. Wieso klappt das nicht in der EU? – Ich orte auf der politischen Ebene der Europäischen Union den angestrengten Ver-
such, viele Details und Nebensächlichkeiten in Form von Regularien, Richtlinien, Vorgaben zu vereinheitlichen. Aus meiner Sicht ist das unnötig. Wenn ich sage, in Vielfalt vereint, braucht es auch die Bereitschaft, diese Vielfalt zuzulassen. Einheitliche Regelungen braucht es bei Themen, die für die Gesamtheit eine existenzielle Bedrohung darstellen können, wie etwa das Thema Sicherheit. Auf unsere Gruppe umgelegt, sind das etwa Bereiche wie Rückversicherung und Asset-Management. Wie die Produkte, die Preise, die Provisionen, die Vertriebswege im Detail in den Ländern gesteuert werden, ist ausschließlich Verantwortung der lokalen Gesellschaft und der lokalen Führungskräfte.
Wenn Sie das auf die EU umlegen … – Aus meiner Sicht wären das Themen der inneren und äußeren Sicherheit, sprich Verteidigung und gemeinsame Außenpolitik, damit klar ist, dass es ein gemeinsames Wirken und Auftreten nach außen gibt. Ebenso eine gemeinsame Infrastruktur mit Kernelementen – aktuell können wir nicht einmal mit einer Lok durch Europa fahren, weil das Schienenund die Elektrosysteme unterschiedlich sind – dasselbe gilt für die Netzsysteme der Infrastruktur. Hier würde ich ansetzen anstatt bei exzessiver Regulierung von Details wie einer Plastikflaschenkapselverordnung.
Ärgert Sie das? – Ja. Der Reformbedarf in der EU besteht auch im Bewusstsein, wie wir derzeit europäisch agieren. Wir unterwandern teilweise das Grundelement „in Vielfalt vereint“. Jean-Claude Juncker hatte ein System der Subsidiarität entwickelt, die Verantwortung und Entscheidung stärker auf nationaler Ebene zu lassen, aber die großen, wichtigen Themen in die Verantwortung von Europa zu legen. Dazu ist es nicht mehr gekommen.
Die EU hat neue Geschlechterquoten für die Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen verabschiedet. Wie stehen Sie generell zu
Quoten? – Ich bin skeptisch. Vor ein paar Jahren bin ich von einer Journalistin nach einer Besetzung gefragt worden, ob das jetzt die Quotenfrau ist. Mich enttäuscht, dass Frauen, die erfolgreich Karriere machen, mit dieser Brille betrachtet werden. Ich schaffe lieber Rahmenbedingungen, die Frauen in Führungspositionen stärken und eine Basis schaffen, dass es leichter gelingt, Frauen in Vorstandsfunktionen zu nominieren. Für mich ist das Thema Diversität auch viel breiter, der Wertebegriff wurde in den letzten Jahren zu stark auf Managementfunktionen und Gender reduziert.
Was haben Sie in den drei Jahren in Sachen Diversität erreicht? – Eine Gruppe mit 50 Gesellschaften in 30 Ländern und 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist per se schon vielfältig. Wir sehen Diversität als einen unserer Wettbewerbsvorteile. In den letzten drei Jahren ist uns insbesondere gelungen, die so unterschiedlichen lokalen Schwerpunkte wie Kundenservices oder Innovationen sichtbar zu machen, damit noch stärker voneinander zu lernen. Auf die Mitarbeiterebene und die Holding bezogen, haben wir in den letzten drei Jahren unsere Diversity Schwerpunkte auf „Behinderung & Gesundheit“ durch den Ausbau von Angeboten zur mentalen Gesundheit und Wellbeing für alle Generationen erweitert. Auch die Förderung von Väterkarenz, einer Papawoche und Coaching bei Karenz für Väter und Mütter neben umfangreichen Angeboten für Familien und Vereinbarkeit standen im Fokus der Aktivitäten.
Sie sind jetzt seit fast drei Jahren Generaldirektor der VIG. Was haben Sie für sich als Admiral der Flotte mitgenommen? – Das Modell der VIG hat viel Gestaltungskraft, braucht aber letztlich jene Personen, die bereit sind, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu tragen. Und das ist das, was mich immer schon geprägt hat –diese Vielfalt an Verantwortung zu einem größeren Gemeinsamen in die Wirkung zu bringen.

KLISCHEE. Das Leben auskosten und weniger arbeiten hängt meist nicht mit einem Partylifestyle zusammen. Für die Pension hat das Phänomen trotzdem Auswirkungen.
Text: Julia Kistner
Die Beschäftigungszahlen steigen, die geleisteten Arbeitsstunden in Summe kaum. Freiwillige oder erzwungene Teilzeit? Beides trifft zu und hat Folgen für das Fachkräfteangebot und das Gesundheitssystem.
WWir schreiben das Jahr 1990: Markus Marterbauer ist Assistent und Studienrichtungsvertreter der Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien, lehrt seinen Studierenden – darunter die Autorin – den Nutzen von kürzeren Arbeitszeiten als wirksame Maßnahme gegen die hohe Arbeitslosigkeit.
Die Idee der 1990er-Jahre, die knappe Arbeit auf mehrere Menschen zu verteilen, scheint auch tatsächlich aufgegangen zu sein: Laut der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2025 ist die Zahl der Erwerbstätigen in Österreich in den letzten 20 Jahren um 20,1 Prozent gestiegen, während sich die Zahl der insgesamt geleisteten Arbeitsstunden gerade einmal um 2,1 Prozent erhöht hat.
Die Teilzeitquote liegt aktuell bei rund 31,5 Prozent aller Beschäftigten. Jede zweite Frau ist in Österreich in Teilzeit beschäftigt, die zweithöchste Quote in der EU nach den Niederlanden. Bei den Männern hat sich in den letzten 20 Jahren die Teilzeitquote auf 14 Prozent mehr als verdoppelt.
Markus Marterbauer, inzwischen Finanzminister, sieht den Trend zur Teilzeit heute, 36 Jahre später, nach wie vor positiv: „Wenn die Männer ihre Arbeitsstunden reduzieren und die Frauen die Anzahl ihrer geleisteten Arbeitszeit aufstocken, kann ich das nur begrüßen.“ Ebenso betont Petra Draxl, Vorständin des Arbeitsmarktservice AMS, dass es bei Teilzeit auf
die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden ankommt: „Riskant wird eine Teilzeitbeschäftigung unter 25 Stunden. Dann wird finanzielle Unabhängigkeit schwierig und die Pensionslücke wächst. Besser sind 25 bis 35 Stunden. Gute Übergänge entstehen, wenn Qualifizierung und Stundenaufstockung gekoppelt werden, etwa nach einer Weiterbildung mit neuem Verantwortungszuschnitt.“
Herausforderung für den Sozialstaat Gegenüber den 1990er-Jahren haben sich allerdings auch die Rahmenbedingungen geändert. Um den demografischen Wandel zu bewältigen, gilt es heute, die Arbeit nicht wie damals auf mehrere, sondern vielmehr auf weniger Beschäftigte zu verteilen. „Langfristig wird die hohe Teilzeitquote zur Herausforderung für den Sozialstaat und hier besonders für das Gesundheitssystem, wenn die geleisteten Arbeitsstunden nicht mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten“, warnt AMS-Vorständin Draxl.
Derzeit gebe es noch keine wissenschaftlich fundierten Analysen, dass der Anstieg von Teilzeit das Sozialsystem so viel stärker belastet, hält Wifo-Arbeitsmarktökonom Helmut Mahringer entgegen: „Denn nicht alle Teilzeitkräfte kommen aus der Vollzeit. Einige kommen aus der Arbeitslosigkeit, und zu einem großen Teil sind es auch Frauen, die aufgrund von Betreuungspflichten als Teil-
zeitkraft in den Arbeitsmarkt zurückkehren und zuvor beim Partner mitversichert waren, also gar keine Beiträge leisteten.“
Altersarmut durch Teilzeitfalle Auch wenn die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen von Teilzeit auf die Finanzierung des Gesundheits- und Pensionssystems noch nicht feststehen, sind die massiven Pensionseinschnitte, die Teilzeit beim Einzelnen bewirkt, längst spürbar. „Die Erstpension bei einer durchschnittlichen Akademikerin mit 45 Beitragsjahren in Vollzeit beträgt 3.264 Euro brutto, jene einer Akademikerin mit lediglich 28 Beitragsjahren, davon 21 mit 30 Wochenstunden in Teilzeit, beträgt 1.823 Euro brutto“, nennt AMS-Vorständin Draxl eines von vielen weiblichen Beispielen. Den Unterschied zwischen 45 Jahre Teilzeit gegen 45 Jahre Vollzeit konnte oder wollte keiner berechnen.
Teilzeit gewollt oder ungewollt?
Um mehr Menschen in Vollzeit zu bringen, muss man die Motivation für Teilzeit kennen. Da gibt es zum einen junge, genügsame, freizeitorientierte Menschen wie den 31-jährigen Softwareprogrammierer David S. aus Niederösterreich, der mit seinem Gehalt für 20 Wochenstunden auskommt und die Nachmittage lieber mit Beachvolleyball verbringt. Ein anderes typisches Beispiel ist die JusStudentin Antonia H. und ihre Kollegin-
nen, die sich mit Teilzeitassistentenjobs an der Uni ihr Studium finanzieren. Vielen Frauen geht es auch wie Babsi H., die wegen ihrer zwei schulpflichtigen Kinder ihren 20-Stunden-Lehrauftrag nicht aufstocken will.
Die Daten zeigten es jedenfalls sehr klar, heißt es aus dem Ministerium von Arbeits- und Sozialministerin Korina Schumann: Teilzeit sei in vielen Fällen keine freie Lifestyleentscheidung, sondern oft eine Frage der Rahmenbedingungen. Laut den aktuellen Auswertungen arbeiteten viele Menschen in Teilzeit wegen Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Ausbildung oder weil sie keine passende Vollzeitstelle finden. „Gerade bei Frauen sehen wir strukturelle Ursachen. Mehr als jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet Teilzeit, bei Männern ist es nur rund jeder Siebente. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis von ungleichen Betreuungsaufgaben und unzureichenden Rahmenbedingungen“, so die Ministerin. Im Wesentlichen brauche es den Ausbau der Kinderbetreuung und eine spürbare Senkung der Abgaben, damit sich Mehrarbeit auch lohnt.
Dem kann auch Helmut Mahringer viel abgewinnen: „Es reicht aber nicht, den Frauen durch den Ausbau der Betreuungseinrichtungen den Wiedereinstieg zu erleichtern. Man muss auch etwas gegen die Dequalifizierung der Frauen bei ihrer Rückkehr auf den Arbeitsmarkt unternehmen. Sie akzeptieren oftmals geringer qualifizierte Tätigkeiten zugunsten einer Teilzeitbeschäftigung, weil Teilzeit in ihrem früheren Job nicht möglich ist. Hier braucht es in allen Qualifikationsebenen mehr Flexibilität, auch damit Wiedereinsteigerinnen in Vollzeitmodelle zurückkehren können.“
Eigene Fachkräfte mobilisieren!
„Und da nicht mehr so viele junge Menschen auf den Arbeitsmarkt nachkommen, sollten die Betriebe besser zusätzliche Arbeitsstunden bei ihrem bestehenden Personal mobilisieren“, rät Wifo-Experte Helmut Mahringer, um dem

»Wenn Männer reduzieren und Frauen aufstocken, kann ich das nur begrüßen.«
Markus Marterbauer

»Hohe Teilzeitquote wird zur Herausforderung für den Sozialstaat.«
Petra Draxl

»Wo wir ein Problem von der Anreizstruktur haben, mehr zu arbeiten, ist bei der geringfügigen Beschäftigung.«
Helmut Mahringer
drohenden Arbeitskräftemangel vorzubeugen. Stille Arbeitskräftereserven ortet er etwa bei älteren Arbeitskräften, für die man Anreize schaffen sollte, sie länger in Beschäftigung zu halten. Generell sollte man Beschäftigte mit Teilzeitverträgen auch durch Weiterbildung und neue Aufgabenbereiche motivieren, mehr Stunden zu arbeiten. Stille Arbeitskräftereserven ließen sich vor allem bei Personen mit Migrationshintergrund mit Sprachbarrieren, bei Frauen häufig aufgrund von Unvereinbarkeiten mit Betreuungsaufgaben, bei Personen mit Gesundheitseinschränkungen und bei ehemaligen Arbeiterinnen und Arbeitern heben.
Kein Anreiz mehr zu arbeiten „Wo wir ein Problem auch von der Anreizstruktur haben, ist bei der geringfügigen Beschäftigung“, gibt der Arbeitsexperte Helmut Mahringer zu bedenken. Denn überschreite man die Geringfügigkeitsgrenze, habe man auf einmal die vollen Sozialversicherungsabgaben: „Das bringt einem einerseits Versicherungszeiten, auch für die Pension. Aber es schaut halt dann geschwind einmal aus wie deutlich weniger Nettoeinkommen pro Stunde.“
Aber brauchen wir überhaupt noch Vollzeitkräfte, wenn die KI für uns die Arbeit macht? Es sei auch noch nicht sicher, wie sich die KI auf den Arbeitsmarkt auswirken werde, meint Ökonom Helmut Mahringer: „Zum einen wissen wir nicht, welche Jobs sie tatsächlich ersetzt. Zum anderen wissen wir von bisherigen technologischen Veränderungen, sei es die Industrialisierung, Automatisierung oder die Digitalisierung, dass sie einerseits schon arbeitssparend waren. Andererseits stimulierten Produktivitätssteigerungen durch die günstigeren Herstellungskosten auch die Nachfrage und damit den Arbeitsmarkt und bestimmte Tätigkeiten.“ Ob Teilzeit Lösung oder Risiko ist, entscheidet sich letztlich an fairen Rahmenbedingungen, Qualifizierung und der tatsächlichen Arbeitszeit.
An Rohstoffbörsen ist der Trend, soziale und ökologische Aspekte in Veranlagungsstrategien miteinzubeziehen, großteils vorbeigegangen. Doch die geopolitischen Konflikte rücken diverse Rohstoffe vermehrt in den Fokus. Daraus ergibt sich ein Dilemma: Rendite oder ethische Veranlagung?
EXORBITANTE Kurszuwächse etwa bei Edelmetallen, insbesondere Gold und Silber, aber auch Kupfer und Uran, haben neben der politischen Großwetterlage Rohstoffe in den Fokus der Anleger gerückt. Im Österreichischen Umweltzeichen für Nachhaltige Finanzprodukte (UZ 49) bestehen derzeit für Rohstoffe - abseits der ausgeschlossenen fossilen Brennstoffe - keine dezidiert eigenen Kriterien. Dabei sind ESG-Risiken entlang der Wertschöpfungskette erheblich. Die Metallbranche verursacht rund neun Prozent der globalen Treibhausgasemissionen: Der Environmental Justice Atlas dokumentiert weltweit rund 1.000 teils erheblich Konflikte im Zusammenhang mit dem Abbau metallischer Rohstoffe. Und Bergbau ist ein bedeutender Treiber von Menschenrechtsverletzungen sowie der Zerstörung des Amazonas und Regenwälder in der DRC. Wasserverschmutzung durch Minen betrifft Millionen Menschen. Die Nachfrage nach Metallen etwa wegen Elektromobilität und Energietechnologien steigt stark. Sekundärrohstoffe decken derzeit nur rund ein Drittel des Bedarfs. Noch deutlicher wird die Lücke am Lebensende von Produkten: Die Rückgewinnung bei Technologiemetallen wie Lithium oder Neodym ist noch kaum etabliert. Technische und ökonomische Hürden begrenzen zusätzlich die Effizienz. Aber selbst bei optimalem Recycling wird der steigende Bedarf an Primärrohstoffen kurzfristig nicht substituierbar sein. Damit rückt eine grundlegende Frage in den Fokus: Reicht es, bestehende Systeme „grüner“ zu gestalten, oder braucht es eine Reduktion des absoluten Ressourcenverbrauchs?


»Biotreibstoffe
als auch Forstwirtschaft sind noch weit entfernt von
›Nachhaltigkeit‹.« Vita
Josef Behofsics Fachbeirat für Umwelt BMLUK
Behofsics ist für die Vergabe des Österreichischen Umweltzeichens mitverantwortlich.
Christian Loy
Head of Research RFU Research
Als Chefanalyst analysiert Loy mit dem RFU Commodity Rating Model seit mehreren Jahren die sozialökologischen Auswirkungen von mehr als 70 Rohstoffen.
Rohstoffketten sind komplex und ein Spiegelbild kontroversieller Entwicklungen. Dass Kohle und Rindfleisch im RFU-Rating am schlechtesten abschneiden, ist wenig verwunderlich. Es gibt aber relevante Unterschiede: Recyclierter Stahl schneidet signifikant besser ab als Primäreisen. Silber ist durch seine wertvollere Nutzung für Photovoltaik sowie weit geringeren Auswirkungen auf Menschenrechte und Umwelt weit besser als Gold bewertet. Weizen, Raps und Sonnenblumen differenzieren sich stark von Commodities, die für die Fleischindustrie bedeutend sind: Rind, Schwein und Soja. Für viele überraschend ist vielleicht, dass sowohl Biotreibstoffe als auch Forstwirtschaft in ihrer gegenwärtigen Form noch weit entfernt von „Nachhaltigkeit“ sind.
Was können nun Investoren konkret tun? ESG-Risiken sollten systematisch in Anlageentscheidungen integriert werden. Rohstoffbörsen sind derzeit nicht nachhaltig im strengen Sinne. Solche Produkte als dunkelgrün zu verkaufen wäre Täuschung. Trotzdem ergeben sich konkrete Handlungsfelder: Es braucht Kooperationen, um die Nachfrage nach Alternativen wie etwa Sekundärrohstoffe zu fördern. Nachhaltig investieren kann auch heißen, bewusst auf Gewinne zu verzichten, wo Widersprüche groß sind, beispielweise bei hoher Volatilität, oder bestimmte Rohstoffkontrakte nicht zu handeln. Wichtig ist, dass Rohstoffe nicht nur nachhaltiger herstellt, sondern auch genügsamer verbraucht werden sowie Nutzen und Risiken gerechter verteilt sein müssen.

PASCAL BIERI
Mitgründer
Planted Foods AG
Der Absolvent der Universität St. Gallen gehört zu einer Unternehmergeneration, die wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlichem Impact verbinden will. Mit der Planted Foods AG treibt er die Entwicklung pflanzlicher Fleischalternativen voran und setzt dabei bewusst auf natürliche Zutaten statt auf Zusatzstoffe. Bieri gilt als getrieben, reflektiert und ausdauernd. Jemand, der große Ziele formuliert. Ob er den Weg dorthin realistisch einschätzt, wird die Zukunft weisen.
„Wir arbeiten seit Jahren wie die Verrückten – und stehen trotzdem erst am Anfang“
Der Schweizer Pascal Bieri ist Mitgründer des FleischersatzStart-ups Planted Foods AG. Die Jungunternehmer haben viel erreicht. Trotzdem fühle sich jeder Tag an wie „day one“.
E„The Driven Ones“ ist ein Dokumentarfilm, der fünf Absolventen der Schweizer Kaderschmiede HSG sieben Jahre auf dem Weg in die Wirtschaft begleitet. „Vielleicht bin auch ich ein bisschen ein Getriebener“, sagt Pascal Bieri, der diese Ausbildung an der Universität St. Gallen durchlaufen und ein paar Jahre später genau das getan hat, was man dort besonders gut zu lernen scheint: ein Start-up gründen.
Von der Uni zum Gründer
Die Firma Planted Foods AG ist inzwischen knapp sieben Jahre alt, produziert in zwei Fabriken in Kemptthal bei Zürich und in Memmingen bei München Nahrungsmittel, die optisch, vor allem aber auch geschmacklich dem gleichen sollen, was die meisten Leute als Steaks, Roastbeef, Schnitzel oder Chicken zu essen pflegen. Doch die Produkte von Planted bestehen ausschließlich aus pflanzlichen Proteinen, umweltfreundlich produziert und ganz ohne Zusatzstoffe, wie Pascal – man duzt sich in der Start-up-Szene – im Gespräch mit Börsianer Perspektiven mehrfach betont.
„Ich glaube, ich war schon immer getrieben von der Idee, etwas zu bewegen,
„Ich
wünsche mir ein Reinheitsgebot für pflanzliche Produkte. Wir sollten sie in einheitlicher Weise auf die verwendeten Zusatzstoffe und auf die Bioverfügbarkeit der aufnehmbaren Proteine messen lassen.“
Pascal Bieri
Impact zu haben“, räumt der 40-jährige Schweizer ein. Die Firma, die er mit seinem Cousin Lukas Böni, einem promovierten Lebensmittelingenieur, und weiteren drei Absolventen der Eidgenössischen Technischen Hochschule gegründet hat, gibt ausreichend Gelegenheit dazu. Die Lebensmittelindustrie ist eine Treibhausgasschleuder ersten Ranges, allen voran die Fleisch- und Milchproduktion.
„Wir arbeiten seit Jahren wie die Verrückten, um etwas daran zu ändern, und wir haben wahnsinnig viel erreicht“, sagt Pascal. Trotzdem sei jeder Tag irgendwie wie „day one“. Planted Foods und alle anderen im Markt müssen in der Tat Berge versetzen, um den erhofften Impact zu erzeugen. Allein in der Schweiz konsumieren die rund neun Millionen Einwohner 135.000 Tonnen Hühnerfleisch pro Jahr. Mit einer Jahresproduktion von 3.750 Tonnen Planted Chicken stünden sie noch immer ganz am Anfang.
Wachstum um jeden Preis?
Das Schuften im Start-up evoziert unvermeidlich das Bild von Sisyphus. Aber im Unterschied zum antiken Tunichtgut erledigen Pascal Bieri und die in-
„Wir sind entschlossen, diesen Marathon durchzustehen“
Pascal Bieri, Mitbegründer von Planted Foods AG, ist ein Überzeugungsunternehmer. Er will mit Fleischersatzprodukten die Welt ein bisschen verändern. Von heute auf morgen geht das nicht.
Pascal, du und deine Mitgründer seid Millennials. Von eurer Generation sagt man, dass ihr den Gesellschaften in den westlichen Industrieländern den Veganismus nähergebracht habt. Wie war das bei dir? – Pascal Bieri: Ich war knapp 30 und arbeitete in Buffalo in New York für eine Schweizer Schokoladenherstellerin. Ich begann dort, vegane Tage zu meiner Gewohnheit zu machen. Ich hatte einen Arbeitskollegen, der Freegan war: im Prinzip vegan essen, aber wenn es darum geht, eine Pizza mit Schinkenbelag wegzuschmeißen oder zu verspeisen, dann wird sie aufgegessen. Ich fand das sinnvoll.
Dich treiben also mehr ökologische Gründe als das Tierwohl an? – Es gibt viele Gründe, weshalb ich mich für Planted einsetze: ökologische, ethische, ernährungstechnische … Mein Großvater war Bauer. Er gab seinen Tieren auch Kraftfutter. Ich dachte als Kind, die Ware wachse gleich um die Ecke. Später fand ich heraus, woher das Zeug überall kommt. Wir kultivieren Primärproteine in aller Welt, damit wir sie den Tieren verfüttern und anschließend die Tiere essen können. Diese Nahrungskette ist einfach eine gigantische Verschwendung von Ressourcen.
Ihr betreibt hier eine Fabrik, in der es heiß und laut ist. Du hast keine Probleme mit industrieller Lebensmittelverarbeitung? – Damit habe ich sicher keine Probleme. Wir stellen hier in Kemptthal täglich 15 Tonnen Proteine her, die in verschiedenen Formen – als Geschnetzeltes, als Spieße oder pulled – zu den Konsumenten gelangen. Aber es sind absolut natürliche Proteine ohne Zusatzstoffe. Die Quali-
tät der Produkte ist ausschlaggebend für den Markterfolg. Das lernt man in der Lebensmittelindustrie sehr schnell.
Wie hat sich der Verarbeitungsprozess im Lauf der Zeit verändert? – Wir haben bei der Herstellung von Planted Chicken anfänglich nur Erbsenisolat verwendet. Jetzt sind wir mehr und mehr in der Lage, die ganze Bohne zu verarbeiten. Dahinter steckt ein großer technischer Fortschritt, der uns helfen wird, beim Einkauf viel besser als bisher auf die Angebote der lokalen Landwirtschaft einzugehen.
Du sprichst von Chicken, aber eigentlich dürft ihr euer Produkt doch nur noch „Nature“ nennen, oder? – Oh, das stimmt! „Chicken“ ist laut einem Urteil des Schweizer Bundesgerichts von diesem Jahr keine erlaubte Produktbezeichnung mehr.
Ein Huhn ist immer ein Huhn. Aber pflanzliche Hühner sind sich nicht gleich. Gibt es nicht erhebliche Qualitätsunterschiede in eurer Branche? – Ja, das ist ein Problem, das durch die laufende Konsolidierung zwar kleiner wird, aber immer noch groß ist. Ich wünsche mir ein Reinheitsgebot für pflanzliche Produkte. Wir sollten sie in einheitlicher Weise auf die verwendeten Zusatzstoffe und auf die Bioverfügbarkeit der aufnehmbaren Proteine messen lassen. Wir dürfen nicht zu einer Industrie werden, in der man alles zusammenschmeißen kann, um den Produkten dann irgendwelche schön klingenden Namen zu geben.
Du hast von Konsolidierung gesprochen? –Wir wachsen in den für uns wichtigsten Absatzgebieten immer noch schneller als der Markt, bekommen die Schwankungen bei der Nachfrage aber auch zu spüren. Wir sehen, dass sich gewisse Anbieter aus dem Markt zurückgezogen haben und dass es in Großbritannien zu Konkursen gekommen ist. Aber wir sind entschlossen, diesen Marathon durchzustehen.
zwischen rund 220 Mitarbeitenden von Planted Foods keine endlose und sinnlose Strafarbeit. Immerhin 115 Millionen Franken hat das Unternehmen bereits eingesammelt. Zu den Finanzierern der ersten Stunde gehören so prominente Namen wie der Schweizer Unternehmer und Milliardenerbe Stephan Schmidheiny oder Rolf Hiltl, Betreiber und Erbe der gleichnamigen über hundertjährigen vegetarischen Zürcher Gastrokette. Inzwischen sind internationale Investoren aus dem Umfeld von LVMH und Ikea hinzugekommen.
„Wir arbeiten kontinuierlich daran, nachhaltig profitabel zu werden“, sagt Pascal. Aber gleichzeitig muss das Unternehmen schnell weiterwachsen. „Skalierung“ ist ein Wort, das häufig fällt. Größer zu werden, ist in dem Markt von Planted Foods alternativlos. Wer die Absatzmengen erhöht, kann die Profitmarge steigern und trotzdem die Preise senken. Es ist ein anstrengender Wettlauf mit erheblichen Risiken. Die Wachstumsraten im europäischen Markt für Fleischersatzprodukte sind seit den besten Zeiten vor fünf Jahren deutlich abgeflacht. Planted Foods muss sich mächtig strecken, um schneller voranzukommen. Von Anpassungen ursprünglicher Produktionsziele, die immer wieder auch zu Entlassungen führen, bleiben aber auch die Schweizer nicht verschont.
Beyond Meat, ein amerikanischer Branchenpionier, der im gleichen Jahr an die Börse kam, in dem Planted Foods gegründet wurde, ist ein abschreckendes Beispiel. Die Firma hat es nicht geschafft, aus ihren spektakulären Anfangserfolgen Kapital zu schlagen. Die schwachen Geschäftszahlen deuten auf eine verkürzte Lebenserwartung hin. „Beyond Meat hat uns schon inspiriert“, sagt Pascal: „Vor allem, weil sie so früh eine Lösung für ein globales Problem bieten konnten.“ Aber das Unternehmen habe auch fatale Abkürzungen

HEUTE STEAK!
genommen, wie sie in der Lebensmittelindustrie nicht selten seien: „Mit Zucker und Salz lässt sich der Geschmack eines Produktes leicht beeinflussen, mit Geliermasse und Methylzellulose sofort die gewünschte Konsistenz erzeugen. Nur: Solche Formulierungen sind nicht konsumentenfreundlich.“ Planted Foods lernt aus den Fehlern der Konkurrenz. Dennoch bleibt der Weg zum Ziel lang und beschwerlich. Kann ein Steak ohne Fleisch jemals so funktionieren wie ein Marlboro-Cowboy ohne Zigarette?
„Wir möchten Lösungen für traditionelle Gerichte bieten, die immer noch beliebt sind und der klassischen Vorstellung von ausgewogenem Essen entsprechen“, erklärt Pascal: ein Drittel Kohlenhydrate, ein Drittel Gemüse und Früchte und ein Drittel Proteine. „Wir bieten die pflanzlichen Proteine für Fajitas, orientalischen Kebab, für eine Piccata oder vielleicht sogar für ein Wiener-Schnitzel-Gericht.“
Wir degustieren ein Menü, das uns François, ein Koch der französischen Haute Cuisine und Produktentwickler bei Planted Foods, frisch zubereitet: ein in kleine Würfel geschnittenes Steak, gebraten im Wok asiatischen Stils mit Chilischoten und Sojasprossen. Es schmeckt hervorragend. Man wüsste gern, wie groß François’ Beitrag zu diesem Ergebnis war.
Energiewende als Investment: STABILITÄT,
In der Schweiz darf Pascal Bieri sein Planted Steak noch als „Steak“ verkaufen, in der EU ist das nicht mehr erlaubt. Grünes Licht in der EU gibt es weiterhin für pflanzliche Burger, Wurst und Schnitzel.

Die Energiewende ist längst mehr als ein ökologisches Projekt – sie ist ein zentrales Investmentthema unserer Zeit. Geopolitische Spannungen machen die Schwächen fossiler Energiesysteme deutlich sichtbar: Abhängigkeiten von politisch instabilen Regionen, fragile Lieferketten und volatile Preise belasten Wirtschaft und Gesellschaft in Europa spürbar. Versorgungssicherheit sowie nachhaltige, leistbare Energie werden damit zu entscheidenden Zukunftsfaktoren. Die oekostrom AG sieht darin Verantwortung und Chance zugleich. Unser Ziel ist es, die Energiewende konsequent voranzutreiben – mit sauberer, erneuerbarer Energie aus heimischen Quellen. Als größte unabhängige Anbieterin sauberer Energie in Österreich investieren wir nicht nur in den Ausbau erneuerbarer Erzeugung sondern auch in intelligente Speicherlösungen, stabile Handelssysteme und innovative Produkte für unsere Kund:innen. Damit stärken wir nicht nur die Energieunabhängigkeit, sondern schaffen die Basis für ein resilientes Geschäftsmodell und nachhaltiges Wachstum.
Mehr Informationen zur oekostrom AG: https://oekostrom.at/
Jetzt informieren zur oekostrom AG-Aktie: https://oekostrom.at/aktie/
Über Vorverurteilungen in Strafverfahren und das zahnlose Recht auf Unschuldsvermutung.
DIE LETZTEN JAHRZEHNTE waren geprägt von einem tiefgreifenden Wandel der Medienlandschaft. Die schrittweise Verdrängung klassischer Printmedien durch jederzeit verfügbare digitale Inhalte verstärken die Einflusskraft der Massenmedien weiter. Diese Entwicklungen haben im Bereich des Strafrechts erhebliche Auswirkungen für Beschuldigte. Noch bevor eine rechtliche Klärung und ein Schuldspruch eines Gerichts erfolgt, sehen sich Betroffene häufig einem öffentlichen Urteil ausgesetzt. Rechtliche Schutzmechanismen zugunsten von Beschuldigten werden in diesen Fällen durch die mediale Vorverurteilung ausgehebelt.
Auf der einen Seite gilt jede Person bis zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig. Dieser Grundsatz der Unschuldsvermutung ist auch verfassungsrechtlich abgesichert. Adressaten sind neben den Strafverfolgungsbehörden auch die Medien. Daher sieht das Mediengesetz einen Entschädigungsanspruch für denjenigen vor, der in einem Medium als überführt oder schuldig dargestellt oder als Täter bezeichnet wird, wenn dieser faktisch nur tatverdächtig ist. Dem gegenüber steht das Recht auf Information und die freie Meinungsäußerung. Diese Grundrechte sind ebenfalls verfassungsrechtlich abgesichert. Darunter fällt auch, aufgrund ihrer wichtigen Rolle in einer demokratischen Gesellschaft, die Freiheit der Presse. Aufgrund dieser völlig unterschiedlichen Zielsetzungen der genannten Prinzipien ergibt sich naturgemäß ein – in Wahrheit nicht aufzulösendes –Spannungsverhältnis. Für Betroffene wäre es von immenser Wichtigkeit, dass sämtliche Akteure mit Bedacht agieren und ihr Bestmögliches tun, um trotz dieses Spannungsverhältnisses sowohl den Beschuldigtenrechten als auch dem Recht auf Information in angemessener Weise zum Durchbruch zu verhelfen. Aufgrund eigener Erfahrungen in der Strafvertei-

»Der von den Medien ausgetragene Kampf um Schlagzeilen und höhere Klickzahlen geht regelmäßig zulasten einer unbeeinflussten Wahrheitsfindung.«
Vita
Norbert Wess Partner WKK Law Rechtsanwälte
Zu den Fachgebieten des 1975 geborenen Strafverteidigers gehören Wirtschafts- und Korruptionsstrafrecht, Compliance und Finanzstrafrecht. Der gebürtige Mödlinger ist aktuell etwa für Rene Benko und Ex-ORF-General Roland Weißmann tätig.
digung darf bezweifelt werden, dass diese Balance in der heutigen Zeit noch aufrechterhalten wird. Dazu sei nur eines von vielen aktuellen Beispielen genannt: Im Rahmen des gegen Rene Benko geführten strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens, das nicht öffentlich ist, kam es am 23. Jänner 2025 zu dessen Festnahme. Am Tag nach der Festnahme lieferte ein Pressespiegel sage und schreibe 458 (!) Einträge über Rene Benko. In den kommenden Wochen stieg diese Zahl auf über 2.000 (!) nationale und internationale Medienberichte, wobei hier die zigtausenden Einträge auf Social-Media-Plattformen gar nicht mitberücksichtigt sind. In zahlreichen dieser Medienberichte wurde die Unschuldsvermutung mit Füßen getreten und nicht nur bei Rene Benko. Auch dessen Familienmitglieder wurden mit Fake News wie Scheidungsgerüchten konfrontiert. Hinzu tritt, dass man sensible Aktenbestandteile oder oftmals aus dem Zusammenhang gerissene Chatnachrichten zuerst aus den Medien erfährt, bevor sie der Verteidigung zugestellt werden.
Zusammenfassend entsteht für die Bevölkerung der Eindruck, eine Verurteilung sei nur noch Formsache. Getrieben vom Prinzip „Only bad news are good news“ geht der von den Medien ausgetragene Kampf um Schlagzeilen und Klickzahlen zulasten der Rechte von Prozessbeteiligten und der Chance auf unbeeinflusste Wahrheitsfindung. Durch das gezielte Weitergeben sensibler Akteninhalte und deren breite Veröffentlichung in klassischen wie digitalen Medien wird die gesetzlich vorgesehene Nichtöffentlichkeit des Ermittlungsverfahrens unterlaufen. Beschuldigte werden an den Pranger gestellt, bevor ein Gericht über ihre Schuld entscheidet. Die Frage, ob dies mit den Grundsätzen eines fairen Verfahrens und der Unschuldsvermutung vereinbar ist, dürfen Sie, liebe Leserinnen und Leser, selbst beantworten.
Die deutsche Riesterrente zur Förderung der privaten Vorsorge gilt als Flop. Ab 2027 soll eine Reform des AltersvorsorgeDepots den Karren wieder flottmachen. In Österreich lässt die Reform der geförderten Zukunftsvorsorge weiter auf sich warten.
ZUR ERINNERUNG ein kurzer Rückblick über die Zukunftsvorsorge: Die österreichische Pensionsreform 2003 führte zu deutlichen Kürzungen in der staatlichen Säule. Als Ausgleich wurde mit der Zukunftsvorsorge ein prämiengefördertes Vehikel geschaffen. Mit der Finanzkrise 2008/09 wurden die Konstruktionsfehler offensichtlich: Wegen der Kombination aus einem Mindestanteil an österreichischen Aktien und einer Kapitalgarantie wurden viele Verträge ausgestoppt, der ertragsbringende Aktienanteil sank auf null. Alle Fondsgesellschaften stoppten umgehend das Neugeschäft. Von den 19 Versicherungen sind vier noch aktiv am Markt. Das Desaster dieses vermeintlichen Leuchtturmprojekts ließ die kommenden Regierungen völlig kalt. Alle ab dem Jahr 2008 tätigen sieben ÖVP-Finanzminister glänzten mit Untätigkeit, auch der jetzige SPÖ-Säckelwart Markus Marterbauer zeigt keinerlei diesbezügliche Aktivitäten.
Vielleicht kann ihn der Blick zu Lars Klingbeil motivieren, dem ebenfalls sozialdemokratischen Finanzminister in Deutschland. In der Bundesrepublik war die Lage ähnlich: Die 2002 eingeführte Riesterrente scheiterte an einer Kombination aus hohen Kosten und Kapitalgarantie auf Einzahlungen samt staatlicher Förderungen. Doch jetzt wird die geförderte private Vorsorge wieder attraktiv: Die zwingende Kapitalgarantie fällt ab dem Jahr 2027. Für das Altersvorsorge-Depot sollen auch reine Aktienfonds inklusive ETFs förderfähig sein. Dazu ist vorgesehen, dass unter anderem Standardprodukte mit einem Kostenlimit von einem Prozent zur Auswahl stehen müssen.
Die Förderungen sind vor allem für niedrige Raten wesentlich höher als in Österreich. Für jeden Spar-Euro gibt es für die ersten 360

»Deutschland fördert nicht nur mit viel höheren Beträgen, sondern gestaltet auch die Produktlandschaft in der geförderten Privatvorsorge völlig neu.«
VitaMartin Kwauka Finanzjournalist
Der leidenschaftliche Weinbauer (67) ist seit 23 Jahren Finanz- und Wirtschaftsjournalist. Zu den wichtigsten Stationen des gebürtigen Deutschen zählen die langjährige Chefredaktion des Magazins „Format“ und das seit 2015 von ihm organisierte Finanzjournalistenforum. Sein Steckenpferd ist die Altersvorsorge. Sich selbst beschreibt der studierte Agrarökonom als chronisch neugierig.
Euro im Jahr 50 Cent Förderung vom deutschen Staat. Bis 1.800 Euro sind es 25 Cent pro Euro. Das heißt, das Altersvorsorge-Depot wird bei voller Einzahlung jährlich mit 540 Euro vom Staat aufgestockt. Zusätzlich gibt es eine Kinderzulage von 300 Euro pro Kind selbst für kleine Einzahlungen. Wer als alleinstehende Mutter mit einem Kind zum Beispiel 360 Euro im Jahr aufbringt, erhält also 480 Euro Zuschuss. Zum Vergleich: In Österreich wurde die Förderung von anfangs 9,5 Prozent im Jahr 2012 halbiert. Aktuell wird die Zukunftsvorsorge mit 4,25 Prozent Prämie unterstützt. Die erwähnte alleinerziehende Mutter mit Kind erhielte in Österreich bei 360 Euro Jahresbeitrag bloß 15,30 Euro Zuschuss. Deutschland fördert mit viel höheren Beträgen und gestaltet jetzt auch die Produktlandschaft in der geförderten Privatvorsorge neu. Künftig sind dadurch in guten Börsenphasen sogar zweistellige Renditen möglich.
Dazu ein Rückblick über die verpassten Erträge der vergangenen zehn Jahre: Mit einem ETF auf den Weltaktienindex MSCI waren seit April 2016 Renditen von etwas über 200 Prozent möglich. Mit dem ATX TR wären sogar 255 Prozent zu holen gewesen. Das Kapital der privaten Vorsorge hätte sich nach Abzug der Kosten mehr als verdoppeln, ja sogar verdreifachen können. Diese Werte gelten für Einmalzahlungen. Eine auf Raten angesparte Zukunftsvorsorge in einer Variante mit 100 Prozent ATXAktien hätte ohne Kapitalgarantie ebenfalls spektakuläre Gewinne erzielt. Dafür müsste man angesichts knapper Kassen nicht einmal die Förderung erhöhen. Es müssen nur die Förderrichtlinien adaptiert werden, dass Kunden wahlweise auf Garantien verzichten können und auch reine Aktiendepots möglich sind.
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