Skip to main content

UNI FRIZZ Frankfurt Wintersemester 2023/24

Page 1

UNI

2023/2024

G rati s

ANZEIGE

Das Magazin für Studierende | Wintersemester

Ganz anders als gedacht Warum sich ein Praktikum im Gesundheitsamt Frankfurt lohnt Folge uns auf Social Media:

frankfurt.de/gesundheitsamt-fan

›› LOGO GESUNDHEITSAMT FFM | ZENTRIERT | NEGATIV WEISS

LOGO GESUNDHEITSAMT FFM | ZENTRIERT | NEGATIV WEISS

BEDROHUNG? CHANCE?

AUFDREHEN

STIMMENGEWIRR

Umfrage zu ChatGPT

Kino, Konzerte, Kultur

Die Dondorf-Debatte


N I E D T Z T E J E T R A T S N N A D : R E D I E B M U I D U T S S E L D UA essen h i. e z li o .p e r ie r kar

.de


›› UNI FRIZZ INHALT 10 14

››

THEMEN 04

FORUM Diskutieren am Tresen, Frankfurter Charakterköpfe, Einkäufe aus der Luft

12

BEDROHUNG ODER CHANCE? Wie Frankfurts Hochschulen mit ChatGPT umgehen

18

14

IM STIMMENGEWIRR Chronik der Diskussion um die Druckerei Dondorf

16

„ICH ENGAGIERE MICH!“ Plakatwettbewerb des Deutschen Studierendenwerks

18

20

LONG COVID IM HOCHSCHULBEREICH Studie der Frankfurt University of Applied Sciences

20

24

SPIEL MIT DER IDENTITÄT Frankfurter Filmproduktion über Verbindungen

22

ABSCHALTEN UND AUFDREHEN Vorschau-Termine für Kino, Konzerte, Theater und Museen

26

SERVICE Nachhaltigkeit in der Küche

28

26

GASTRO Von Bagels bis Kimchi

30

ARENA Kino-Betreiber Christopher Bausch erinnert sich an sein Studium

22

IMPRESSUM FRIZZ Das Magazin Uni-Special

Redaktion: Varrentrappstr. 53, 60486 Frankfurt

Herausgeber und Verlag SKYLINE Medien Verlags GmbH Varrentrappstr. 53 60486 Frankfurt Tel. 069/97 95 17 20

Redaktionsleitung: Jürgen Mai

Internet-Adresse: frizz-frankfurt.de E-Mail Adresse: info@frizz-frankfurt.de

Redaktionelle Mitarbeiter: Riccarda Gleichauf, Daniela Halder-Ballasch, Sohra Nadjibi Anzeigen: Erk Walter (verantw.), Uwe Bauer, Anja Weigand Geschäftsführung: Erk Walter

Assistenz: Yvonne Wittmann Gesamtherstellung: FRITZ&friends Varrentrappstr. 53, 60486 Frankfurt Tel. 069/97 95 17 40 Art Direction: Silke Beck Artwork & Produktion: lithium3, Torsten Smend Datenschutzbeauftragter: Torsten Smend

frizz-frankfurt.de

Bildnachweis: Alle Fotos ohne nähere Angaben sind uns zur Verfügung gestellte Pressefotos. Druck und Verarbeitung: Dierichs Druck + Media GmbH & Co. KG Bankverbindung: Frankfurter Sparkasse, IBAN: DE59 5005 0201 0000 3454 66 Nachdruck von Bildern und Artikeln nur mit Genehmigung der Redaktion. Für unverlangt einge-

sandte Artikel wird keine Haftung übernommen. Bei Anfragen bitte Rückporto beifügen. Die mit Namen gekennzeichneten Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die durch den Verlag gestalteten bzw. erstellten Anzeigen sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages weiterverwendet werden. ISSN: 0946-5537

03


© Hendrik Nix

›› UNI FRIZZ FORUM SCHÖPFUNG IM STUDIONAXOS

Musiktheater neu denken

›› 20.-22.10., Naxoshalle, studionaxos.de

© Laureen Laser

„Musiktheater muss sich für neue Formen und andere Orte öffnen und muss weg vom Geniekult!“. Das sagt Alina Huppertz, Absolventin der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Die ausgebildete Sängerin ist nun erstmals als Regisseurin aktiv und hat sich für diese Premiere das Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn vorgenommen. Inszeniert wird in der Naxoshalle, für Huppertz „ein toller Ort“, der nicht

zuletzt ausreichend Platz für den 40-köpfigen Chor MainVokal und das fast 50 Musiker:innen starke Clara-Schumann-Orchester bietet. Um ihre Idee des Musiktheaters zu realisieren, wird das Stück in Fragmenten von hinten nach vorne gespielt und um Kontrapunkte durch Videoinstallationen und elektronische Musik bereichert. Premiere ist am 20.10. in der Naxoshalle. Huppertz erhielt für die Produktion das Ottilie-Roederstein-Stipendium des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.

PROJEKT VON STÄDEL UND GOETHE-UNI

KUNST TRIFFT WISSENSCHAFT

Kunst baut Brücken

Bending the Curve

›› staedelmuseum.de

›› fkv.de, bis 3.3.2024

Ohne Artenvielfalt ist auf der Erde keine menschliche Existenz möglich. Jedoch nimmt die Artenvielfalt in alarmierendem Tempo ab. Zu diesem Thema hat das Kurator:innenteam des Frankfurter Kunstvereins das Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum sowie den Zoo Frankfurt zu einer interdisziplinären Kooperation eingeladen. Ergebnis ist die Ausstellung „Bending the Curve – Wissen, Handeln, [Für]Sorge für Biodiversität“. Es geht um die Frage, wie der Negativtrend gestoppt oder sogar umgekehrt werden kann. Die in der Schau versammelten Positionen aus Kunst und Wissenschaft illustrieren Wege und Handlungsideen zur Erholung der Ökosysteme und dienen dem Ziel einer Schubumkehr in der Biodiversitätskrise. International renommierte und innovativ arbeitende Künstler:innen präsentierten raumgreifende Installationen ebenso wie Arbeiten aus dem Bereich der computergenerierten Wirklichkeit. Diese Werke treffen auf Positionen, die das Thema aus wissenschaftlicher Perspektive veranschaulichen, etwa durch Big-Data-Modelle, ein lebendes Ameisenvolk oder Ergebnisse innovativer Materialforschung. © Julia Lohmann Studio

Beim Projekt ARTEMIS Digital arbeiten das Städel Museum und der Lehrstuhl für Altersmedizin der Goethe-Universität an der Frage, wie digitale Kunstvermittlung zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz beitragen kann. Das – analoge – Vorgängerprojekt ARTEMIS (ART Encounters: a Museum Intervention Study) ging bereits seit 2014 der Frage nach, welchen Beitrag regelmäßige Museumsbesuche und die Beschäftigung mit Kunst leisten können, um das emotionale Wohlbefinden und das Kommunikationsverhalten von Menschen mit leichter bis mittelgradiger Demenz zu steigern und die Beziehung zu ihren betreuenden Angehörigen zu verbessern. Die Anwendung bei ARTEMIS Digital besteht aus Filmen, Tönen, Texten, Bildern und interaktiven Elementen. So wird zum Beispiel Max Liebermanns Werk „Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus“ von Vogelgesang und Gesprächen akustisch begleitet, um Menschen mit Demenz zu stimulieren. Johannes Pantel von der Goethe-Universität sagt: „Mit ARTEMIS Digital wollen wir die Debatte in Deutschland bereichern und mit einem attraktiven digitalen Kunstangebot zeigen, wie wir als Museum einen Beitrag zur Gesundheitsversorgung leisten können.“

Schluss mit prekärer Wissenschaft

© staedelmuseum.de

›› mittelbau.net

04

Es rumort im Wissenschaftssystem. Schon seit längeren protestiert der akademische Mittelbau unter dem Hashtag #IchBinHanna gegen befristete Verträge, die TVStud-Bewegung kämpft gegen prekäre Arbeitsbedingungen für Hilfskräfte und Tutor:innen und auch in der Studierendenschaft ist Unterfinanzierung – Stichwort Studium auf Schulden – ein Thema. Ein Bündnis aus Gewerkschafter:innen, Initiativen von Beschäftigtengruppen, Studierendenvertretungen und Hochschulgruppen möchte die Kämpfe nun zusammenführen und plant einen bundesweiten Aktionstag am 20. November. So kommentiert das Netzwerk für gute Arbeit in der Wissenschaft: „Uns eint, dass wir nicht länger zusehen wollen, wie das Wissenschaftssystem kaputtgespart wird und auf dem Rücken von prekär beschäftigten Wissenschaftler:innen und Studierenden am Laufen gehalten wird, während sich gleichzeitig die soziale Lage von Studierenden und Beschäftigten im Zuge der jüngsten Krisenerscheinungen weiter zuspitzt. Was wir brauchen, sind eine grundlegende Bildungswende, sichere Arbeitsbedingungen und ein Einkommen, das zum Leben und Studieren reicht. Mit diesen Forderungen richten wir uns an die Politik und Arbeitgeberverbände und gehen gemeinsam auf die Straße.“

frizz-frankfurt.de

Stadtsc


© Marc Behrens

2.500 EURO BEIM STADTFINDER-AWARD

Auszeichnung für AdA-Kantine ›› ada-kantine.org

Seit Juli 2020 bietet die AdA-Kantine jeden Freitag bis Montag eine solidarischen Mittagstisch in den Räumen der ehemaligen Akademie der Arbeit auf dem alten Uni–Campus an. Kürzlich wurde das Projekt mit dem mit 2.500 Euro dotierten ersten Preis des „Stadtfinder-Award“ ausgezeichnet. Er wurde

vom bundesweit tätigen Verein Wohnbund in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen verliehen. Deren Sprecherin Sara Schitt Pacifico kommentiert: „Der Stadtfinder-Award gibt uns als Verein die .Möglichkeit, lokale Gruppen und ihr Engagement sichtbar zu machen und finanziell zu unterstützen.“ Das Preisgeld wurde unter anderem von der Stiftung der Nassauischen Sparkasse, der Polytechnischen Gesellschaft, dem BUND-Kreisverband Frankfurt und dem Bund deutscher Architektinnen und Architekten in Hessen gestiftet.

MEDIZINGESCHICHTE IN 39 SCHERENSCHNITTEN

Frankfurter Charakterköpfe ›› Frankfurter Charakterköpfe: Die Scherenschnitte der Rose Hölscher in 39 Biografien; Hentrich & Hentrich

© Hentrich und Hentrich

„Das ist ein tolles Ding!“ Mit diesen Worten schickte Harro Jenss vor vier Jahren ein über 100 Jahre altes Büchlein aus Frankfurt an seinen Medizinhistoriker-Kollegen Benjamin Kuntz. Er hatte die Ausgaben in einem Online-Antiquariat entdeckt. Der Inhalt: 39 Scherenschnitte, die die damals 23-jährige Medizinstudentin Rose Hölscher während ihrer Medizinvorlesungen in Frankfurt angefertigt hatte. Sie ließ daraus ein Büchlein drucken und verteilte einige Exemplare mit dem Titel „Frankfurter Charakterköpfe“ an ihre Dozenten und Kommilitonen „als Erinnerung für spätere Zeiten“. Der Jagdinstinkt von Kuntz, Leiter des Museums im Berliner Robert-Koch-Institut, und Jenss, klinischer Internist im Ruhestand, war geweckt: Wer sind die 39 Männer? Was ist aus ihnen geworden? Wer ist Rose Hölscher? Gemeinsam mit der Frankfurter Stadthistorikerin Sabine Hock erforschen die beiden die Biographien, obwohl sie als Ausgangspunkt lediglich den Scherenschnitt und den Namen hatten. Das Ergebnis wurde nun im Verlag Hentrich & Hentrich veröffentlicht. Kuntz sagt: „Erstaunt hat uns, dass sich an der erst 1914 gegründeten Medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt bereits in den 1920er Jahren derart viele herausragende Ärzte und Wissenschaftler versammelten.“

ZUM 36. MAL EXGROUND FILMFEST

Chile im Fokus

›› 17.-26.11. in Wiesbaden, exground.com

Bereits zum 36. Mal findet im November das Exground Filmfest in Wiesbaden statt. Wie gewohnt ist das Programm opulent, mit Spielfilmen, Dokumentationen, Animationen, Experimentalfilmen, begleitenden Diskussionen, Ausstellungen, Lesungen und Konzerten quer durch die Landeshauptstadt. Der Länderfokus richtet sich in diese Jahr auf Chile und gibt jungen chile-

nischen Filmschaffenden eine Bühne. Zur Eröffnung läuft der opulent inszenierte Politthriller „1976“. Er spielt inmitten des chilenischen Staatsterrors und zeigt die gut situierte Hausfrau Carmen, die sich dazu entschließt, einem verwundeten Mann zu helfen und ihre wohlbehütete Existenz hinter sich zu lassen. Zu den weiteren Highlights zählen die amerikanische Independent-Komödie „Drugstore June“ und aus der Reihe „Made in Germany“ der Film „Leere Netze“, der Ungleichheiten in der Gesellschaft nachzeichnet.

IG T L Ä F L IE V T IS T R U F K N A FR Frankfurter . H C U A Berufsbildungstag ERZIEHER*IN SEIN für zukünftige Erzieher*innen

22.11.2023 | 9–15 Uhr Gesellschaftshaus Palmengarten

Mehr erfahren: frankfurt.de/erzieherin-sein-ist-mehr StadtschulamtFFM23_Berufsbildungstag_Erzieher_AZ_RZ_K2.indd 1

15.09.23 08:41


›› UNI FRIZZ FORUM WERKSCHAU VON BERTRAND MANDICO

Happy Birthday Filmkollektiv! ›› filmkollektiv-frankfurt.de

RINGVORLESUNGEN ANALOG UND DIGITAL

WISSENSCHAFT FÜR DIE STADT

Diskutieren am Tresen © Li-An Lim bx Unsplash

›› buerger.uni-frankfurt.de Mit der Bürger-Universität erinnert sich die Goethe-Universität an ihre Wurzeln in der Stadt Frankfurt und bietet den Frankfurter:innen die Gelegenheit, an all dem teilzuhaben, was Hochschule auszeichnet. Auch für das Wintersemester 2023/2024 haben sich wieder viele Wissenschaftler:innen zusammengetan, um über Fach- und Landesgrenzen hinweg Fragen zu grundlegenden und aktuellen Themen aufzugreifen und Lösungswege zu diskutieren – mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Führungen oder Streitgesprächen. Besonders spannend im neuen Programm klingt das neue Format „Wissen angezapft“. Dabei geht es raus aus dem Labor oder dem Hörsaal und rein in eine Bar, Kneipe oder ein Café. Die Teilnehmer:innen können bei Bier, Wein oder Limo erfahren, wie in Sternen Gold und Silber entsteht oder dass es zuweilen einen handfesten Streit braucht, damit sich Vertrauen bildet. Bei „Wissen angezapft“ geht es um Forschung und Menschen, um Durchbrüche und Flops, um Jubel und Frust. Und um das, was Menschen dazu antreibt, die Grundlagen unseres Wissens zu erweitern. Ein Tresen, zwei Forschende, eine Moderatorin, wahrscheinlich sogar ein Shantychor! Wir sind gespannt! Die Termine werden auf der Webseite der Bürger-Universität bekanntgegeben.

© Gesundheitsamt Frankfurt am Main

© SA 4.0 via Wikimedia Commons

Wie die Zeit vergeht: Der gemeinnützige Verein Filmkollektiv Frankfurt feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Der Verein, dessen Macher oft den kreativen Studiengängen der Goethe-Universität entstammen, hat sich zum Ziel gesetzt, das Frankfurter Kinoprogramm um gewagte, unabhängig kuratierte Filmprogramme, die aus inhaltlichen und/oder pragmatischen Gründen unterrepräsentiert sind, zu ergänzen. Zum Jubiläum wird das Filmkollektiv eine Werkschau über die fantastischen Filmwelten des französischen Künstlers Bertrand Mandico inklusive einer Ausstellung im Kinofoyer des DFF zeigen. Damit nicht genug: Auch ein szenisch-experimenteller Kurzfilm wird entstehen, bei dem Mandico bis Anfang November in Frankfurt im Ramen einer Masterclass selbst Regie führt. Der Arbeitstitel lautet „Die bitteren Monde“, eine Hommage an R.W. Fassbinders „In einem Jahr mit 13 Monden“ aus dem Jahr 1978.

Klimakrise, Strafrecht und Gerichte ›› contrust.uni-frankfurt.de/events

Mit gleich zwei Ringvorlesungen geht ConTrust im Wintersemester auf juristische Implikationen der Klimakrise ein. Die virtuelle Ringvorlesung „Klimakrise und Strafrecht“ widmet sich grundlegenden Fragen in Theorie und Praxis des Strafrechts, die die Klimakrise aufwirft. Dabei geht es zum Beispiel um die Klimaproteste der „Letzten Generation“, aber auch um kriminologische und rechtstheoretische Perspektiven. Mit Ausnahme der Podiumsdiskussion zum Auftakt (19.10.) finden die Veranstaltungen immer virtuell via Zoom-Meeting montags um 10.15 Uhr statt. Auch die – klassisch analoge – Ringvorlesung „Klima vor Gericht“ thematisiert das Wechselspiel zwischen Klimawandel und Recht. Im Rahmen von Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Streitgesprächen wird aus interdisziplinärer Perspektive an vier Terminen im HZ6 im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend diskutiert, wie im und durch Recht um den Umgang mit der ökologischen Krise gerungen wird. Beide Reihen werden von ConTrust organisiert, einer gemeinsamen Forschungsinitiative der Goethe-Universität und der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung Frankfurt.

AUSSTELLUNG ZUM JURIDICUM

Identität bewahren, Ressourcen nutzen ›› Ausstellung bis 24.10. (14-18 Uhr)

© Louis Hansel by Unsplash

06

Die Diskussion um die Zukunft des Juridicums, das ehemalige Gebäude der juristischen Fakultät der Goethe-Universität auf dem Campus in Frankfurt-Bockenheim, ist in vollem Gange. Ein wohltuender Beitrag in den oft hitzigen Gefechten ist die Ausstellung „Juridicum – Identität bewahren, Ressourcen nutzen, Potenziale aktivieren“. Hier zeigen Studierende und Forschende der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) Alternativen zu Abriss und Neubau und wie ein Umbau des Mehrzweckgebäudes aussehen könnte. Die Konzepte sind im Wintersemester 2022/2023 im Rahmen einer interdisziplinären Lehrveranstaltung in den Fachbereichen Architektur, Bauingenieurwesen und Geomatik sowie Soziale Arbeit und Gesundheit entstanden. Modelle, Pläne und Kartierungen zur möglichen Weiterverwertung des Gebäudes sind genauso dabei wie Kurzfilme. frizz-frankfurt.de

© Florian Mähl Frankfurt UAS

im Studierendenhaus Campus Bockenheim


Wir

Frankfurt


›› UNI FRIZZ FORUM PILOTPROJEKT MIT DER FRANKFURT UAS

Einkäufe aus der Luft

FRANKFURTER BÜRGERPREIS

Reden und Zuhören ›› nightlineffm.com

Bereits zum 16. Mal wurde in diesem Jahr der Frankfurter Bürgerpreis für Ehrenamtliche vergeben. Die Auszeichnung geht auf eine gemeinsame Initiative der Stadt Frankfurt und der Stiftung der Frankfurter Sparkasse, die die finanzielle Förderung übernimmt, zurück. Oberbürgermeister Mike Josef sagte bei der Preisverleihung: „Die vielen Menschen, die sich in unserer Stadt, neben ihren privaten und beruflichen Verpflichtungen, freiwillig für das Gemeinwohl einsetzen, beeindrucken mich persönlich stark. Sie sind für mich wahre Heldinnen und Helden des Alltags.“ Unter den Preisträger:innen ist auch ein studentisches Projekt der Goethe-Universität: Das anonyme und vertrauliche Zuhör-Telefon Nightline. 2013 ins Leben gerufen und über Spenden finanziert, stehen hier Studierende unter dem Motto „Du willst reden – wir hören zu“ für Gespräche zur Verfügung. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer haben an fünf Tagen die Woche immer von 20 bis 24 Uhr per Telefon, Mail oder Chat ein offenes Ohr, ganz gleich, ob es um Probleme im Studium, Stress in der Wohngemeinschaft, Existenzsorgen oder Liebeskummer geht.

SPORTBOX AM CAMPUS RIEDBERG

Auf die Türen, fertig los!

›› dosb.de/sportentwicklung/restart

150 Sportboxen haben der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und das Bundesministerium des Innern und für Heimat im Rahmen des Programms „ReStart – Sport bewegt Deutschland“ gefördert – und eine davon steht seit kurzem auf dem Campus Riedberg. Unter dem Motto „ „Auf die Türen, fertig los!“ können Medizinbälle, Kettlebells, Springseile und weiteres Trainingsequipment zum Sport im Freien kostenlos ausgeliehen werden. Vor Ort realisiert wird das Verleihangebot vom Zentrum für Hochschulsport (ZfH) der Goethe-Universität, dem Sportamt der Stadt Frankfurt und dem TSV Bonames. ZfH-Leiter Martin Miecke kommentierte: „Wir wollen Räume für Bewegung und Begegnung kreieren. Mit der Sportbox bieten wir genau das, sowohl für Studierende und Bedienstete am Campus Riedberg, insbesondere aber auch für die Anrainer im Stadtteil.“ Die Box ist öffentlich für jedermann und jederfrau mit Hilfe der App „SportBox – app and move“ zugänglich und befindet sich direkt neben dem Wissenschaftsgarten am Campus Riedberg.

C³S NIMMT ARBEIT AUF

me unserer Verantwortung zur Ausgestaltung des (post) digitalen Zeitalters.“ Zwölf neue Professor:innen sollen in den kommenden zwei Jahren in das C3S berufen werden, das vierköpfige Gründungsteam setzt sich aus den Fachbereichen Geistes-, Sozial-, Lebens- und Computerwissenschaften zusammen. Sprecher Prof. Dr. Christoph Burchard kommentiert: „Das C3S ist eine einmalige Chance für unsere Universität und Wissenschaftsregion. Wir werden in den kommenden Jahren die Strukturen schaffen, um die ‚Critical Computational Studies‘ mit Leben zu erfüllen.“ Das Institut ist bereits aktiv und lädt regelmäßig zu Virtual Talks ein. So geht es am 27.11. bei „Digitale Aufklärung und Künstliche Intelligenz“ um die Frage, was Aufklärungsphilosoph Immanuel Kant zu künstlicher Intelligenz zu sagen hätte.

Neue Wege in die Digitalität Mit dem C³S – die Abkürzung steht für Center for Critical Computational Studies – hat ein neues Institut der Goethe-Universität auf dem früheren Biocampus in der Siesmayerstraße die Arbeit aufgenommen. Ziele sind, rechner-, algorithmen- und datengestützte Methoden zu fundieren, zu entwickeln und anzuwenden. Dabei sollen die Wechselwirkungen von Mensch, Gesellschaft und Technologie kritisch in den Blick genommen werden. Uni-Präsident Enrico Schleiff sagte bei der Eröffnung: „Mit dem Center unterstreichen wir unser Bekenntnis zur Spitzenforschung und Methodenentwicklung und auch die Annah-

08

© Markus Spiske by Unsplash

›› c3s-frankfurt.de

frizz-frankfurt.de

© Thomas Fedra

Es ist eine deutschlandweite Premiere: Güter des täglichen Bedarfs werden per Drohne und Lastenrad vor die Haustür geliefert. Bei dem Projekt mit dem Namen DroLEx (Drohnen-Lastenrad-Express-Belieferung) ist neben dem im Darmstadt ansässigen Luft- und Raumfahrtunternehmen Wingcopter GmbH und weiteren Projektpartnern wie REWE auch die Frankfurt University of Applied Sciences am Start. Unter dem Namen „LieferMichel“ bietet das Pilotprojekt Bewohnerinnen und Bewohnern von Rehbach und Würzberg, zwei entlegene Ortsteile von Michelstadt, vorerst bis Ende 2023 die Möglichkeit, Lebensmittel und Gebrauchsgüter per Lieferdrohne und Lastenrad schnell und emissionsfrei nach Hause liefern zu lassen. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) fördert das Projekt mit insgesamt rund 430.000 Euro. Die Frankfurt UAS übernimmt die Lastenradfahrten und evaluiert den Dienst aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht. Tom Plümmer, Vorstand von Wingcopter, kommentiert: „Unser größtes Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln und gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern einen umweltfreundlichen und effizienten Service zu evaluieren, der in ländlichen Gegenden einen echten Mehrwert für die Bevölkerung schafft.“

© Isaak Papadopoulos

© Mark Pan4ratte by Unsplash

›› liefermichel.de


© Gesundheitsamt Frankfurt am Main

ANZEIGE

ANDERS ALS GEDACHT

Jennifer Brandl-Naumann weiß, warum sich ein Praktikum im Gesundheitsamt Frankfurt lohnt

© Florian Mähl Frankfurt UAS

F

ordert man Jennifer Brandl-Naumann auf, das Gesundheitsamt Frankfurt in drei Worten zu beschreiben, kommt die Antwort prompt: „Anders als gedacht!“ Die 33-Jährige lacht und erklärt: „Weil wir viel mehr sind als unsere Pflichtaufgaben. Tatsächlich denken die meisten beim Wort Gesundheitsamt noch immer an Corona. Dabei haben wir so viel zu bieten!“ Was das Haus mit Sitz in der Breite Gasse 28 den Menschen in der Stadt alles bietet und warum ein Praktikum in einer seiner Abteilungen so attraktiv ist, weiß Jennifer Brandl-Naumann, gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin und im Amt für das Praktikanten-Recruiting zuständig, ganz genau. Sie zählt auf: „Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention FRANS, Studentische Poliklinik, Kultur auf Rezept, Frühe Hilfen, Zahnputzstunde für Null- bis Dreijährige, Humanitäre Sprechstunde, Impfberatung, Babbeltelefon.“ Und damit ist die Liste der Möglichkeiten, die sich Praktikantinnen und Praktikanten diverser Fachrichtungen sowie Medizin- und Zahnmedizinstudierenden im Gesundheitsamt Frankfurt bieten, noch lange nicht zu Ende. „Als eines der größten deutschen Gesundheitsämter haben wir ein riesiges Aufgabenspektrum“, sagt die 33-Jährige. „Und grundsätzlich ist in allen Abteilungen und Stabsstellen unseres Amtes ein Praktikum möglich.“ Vorausgesetzt, es handelt sich um ein in der Schul- und Studienordnung festgeschriebenes Pflichtpraktikum oder, wie es bei den Medizinstudierenden heißt, eine Famulatur oder ein Praktisches Jahr. „Unser jüngster Praktikant ist 14 Jahre alt, die bislang älteste Ende 40“, erzählt Jennifer Brandl-Naumann.

Wer ins Gesundheitsamt hineinschnuppern will – die Länge kann zwischen ein paar Stunden und mehreren Monaten variieren – sollte sich mit einer Vorlaufzeit von vier bis fünf Monaten bewerben. Je aussagekräftiger die Bewerbung, desto besser. Über 30 Praktikantinnen und Praktikanten waren 2023 bislang in den verschiedenen Bereichen des Amts im Einsatz und geben sich in manchen Studiengängen quasi die Klinke in die Hand. „Es spricht sich herum, dass man bei uns spannende Einblicke erhält und viel machen kann“, sagt die Recruiterin. Beispielsweise das Team unterstützen, das für die Sozialberatung und für Aufgaben nach dem Prostituiertenschutzgesetz verantwortlich ist. Oder eine Ist-Analyse zu kommunalen Präventionsketten erstellen und damit das Projekt vorantreiben. Oder in der Kommunikation Pressemitteilungen verfassen und Videos für die Social-Media-Kanäle des Amts produzieren. Oder mit dem Team von Gut Geht’s die Stadtgesundheitskonferenz planen und sich um die Vernetzung von Akteuren kümmern, die sich in der Stadt für Gesundheitsförderung und

frizz-frankfurt.de

Prävention einsetzen. „Wer bei uns ein Praktikum macht, kann währenddessen auch bei diversen Institutionen, die ebenfalls in dem betreffenden Bereich tätig sind, hospitieren“, erläutert Jennifer Brandl-Naumann. Selbiges gilt für Medizinstudierende, die eine Famulatur oder ein Tertial ihres Praktischen Jahres (PJ) im Gesundheitsamt absolvieren wollen: Auch sie lernen – zusätzlich zum abwechslungsreichen Programm im Amt – die Arbeit der verschiedenen Kooperations- und Netzwerkpartner des Gesundheitsamts kennen, beispielweise die der Klinik des Frankfurter Flughafens. „Die angehenden Medizinerinnen und Mediziner rotieren im wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Turnus durch die verschiedenen Abteilungen unseres Hauses und haben dort jeweils einen ärztlichen Mentor oder eine Mentorin. So bekommen sie binnen kürzester Zeit Einblicke in die Infektiologie, die Kinder- und Jugendmedizin oder den Sozialpsychiatrischen Dienst und können dort auch schon mitwirken“, erklärt die Recruiterin. Zahnmedizin-Studierende begleiten die Zahnärztinnen und Prophylaxehelferinnen aus der Abteilung Zahnmedizin bei ihren Besuchen in Frankfurter Kitas und Schulen. „Wer sich auf bestimmte Schwerpunkte fokussieren will, kann uns das vorab mitteilen. Wir versuchen dann, ein entsprechendes Programm zusammenzustellen“, so Jennifer Brandl-Naumann. „Praktikantinnen und Praktikanten sind bei uns immer herzlich willkommen, egal ob sie kurz hospitieren oder mehrere Monate lang bleiben, ob sie noch zur Schule gehen oder schon studieren, ob sie einen medizinischen oder sozialen Hintergrund haben oder die Arbeit unseres Kommunikationsteams kennenlernen wollen“, sagt Dr. Peter Tinnemann, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts. „Wer bei uns hineinschnuppert, kann sehr viel kennenlernen und auch sehr viel machen, denn wir versuchen immer, unsere Praktikantinnen und Praktikanten in unsere praktische Arbeit einzubinden.“ Neugierig geworden? Für ein in der Schul- oder Studienordnung festgeschriebenes Pflichtpraktikum bewerben kann man sich per E-Mail an praktika.amt53@stadt-frankfurt.de. Wer sich für ein PJ im Gesundheitsamt interessiert, kann sich über das PJ-Portal der Goethe Universität Frankfurt bewerben. Alle Infos und Erfahrungsberichte von Famulantinnen, Praktikanten und PJlern findet man auf https://frankfurt.de/gesundheitsamt-praktikum

09


›› UNI FRIZZ FORUM WELTWEIT ANERKANNTE SAMMLUNG

Der Platz vor der Universitätsbibliothek an der Bockenheimer Warte in Frankfurt bekommt am 31. Oktober einen neuen Namen. Er wird nach Aron Freimann und seiner Ehefrau Therese benannt. Freimann war von 1898 bis 1933 für die damalige Stadt- und spätere Universitätsbibliothek tätig und baute eine große, weltweit anerkannte Sammlung jiddischer und hebräischer Werke auf. Laut Wikipedia gilt der von Freimann herausgegebene Katalog der Frankfurter Judaica-Sammlung mit rund 15.000 Titeln bis heute als der beste und umfangreichste JudaicaFachkatalog einer deutschen Bibliothek. Er umfasst die gesamte historische Literatur zur Wissenschaft des Judentums bis 1932. Freimann starb im Juni 1948 in New York. Für die Feierlichkeit anlässlich der Umbenennung des Platzes vor der Universitätsbibliothek hat sich seine Ur-Enkelin angesagt.

Wikimedi

SYMPOSIUM AN DER HFMDK

Füreinander sorgen ›› INfürSORGE, 24./25.11, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst,

hfmdk-frankfurt.de/thema/artists-body-symposium Die HfMDK gehört zu den wenigen Kunst- und Musikhochschulen, die Bewegung in der künstlerischen Ausbildung keinen Sonderstatus zuschreiben, sondern als Kernfach behandeln – und zwar interdisziplinär. Aus diesem Verständnis heraus ist „The Artist‘s Body“ als ein breit gefächertes und studienübergreifendes Modell entstanden. Es umfasst tägliche Angebote von Yoga über Pilates bis hin zu Tai Chi genauso wie Workshops und Symposien, die Wissenschaft, Kunst, Kultur und Bildung verbinden. So lädt die HfMDK in diesem Semester zur zweitägigen Veranstaltung INfürSORGE ein. Die Ankündigung verrät: „Es ist eine Zeit der Krisen, und diese Krisen schreiben sich ein in Leib und Seele. Auch an auch an Hochschulen und Universitäten scheinen Arbeits- und Studienlast immer weiter zu steigen. Einige erleben dies alles als persönliche Krise. Wir fragen uns, welche konkreten Angebote es gibt, sich angesichts dieser Lage nicht allein zu fühlen und füreinander zu sorgen. In Lectures, Panels, Gesprächen und Workshops sollen Praktiken der (Selbst)Fürsorge und der Verbundenheit mit der Welt vorgestellt, erforscht und reflektiert werden.“

BERUFSBILDUNGSTAG IM GESELLSCHAFTSHAUS PALMENGARTEN

Entdecke die Vielfalt des Berufs als Erzieher*in ›› frankfurt.de/erzieherin-sein-ist-mehr

Am 22.11.2023 (9-15 Uhr) findet der „Berufsbildungstag für zukünftige Erzieher*innen“ im Gesellschaftshaus Palmengarten in Frankfurt statt. Der Berufsbildungstag gibt Orientierung über die Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten in der Kindertagesbetreuung, wie in Krippen, Kindertageseinrichtungen, Horten und in der Ganztagsbetreuung. Denn alle Frankfurter Einrichtungen in der Kindertagesbetreuung brauchen dringend Verstärkung in ihren Teams. Bei dem Berufsbildungstag stellen sich über 45 Träger in der Kindertagesbetreuung vor. Sie vertreten ca. 700 Kindertageseinrichtungen in Frankfurt und werben um neues Personal. Die Teilnehmenden zeigen, wie vielfältig und interessant die Jobs als Erzieher*in in den Kindertageseinrichtungen sind. Die Fachschulen für Sozialpädagogik geben Infos, welche Voraussetzungen notwendig sind, um eine Ausbildung als Erzieher*in zu beginnen. Migranten*innen bekommen einen Einblick, wie eine berufliche Anerkennung möglich wird und wie sie ihre Deutschkenntnisse verbessern können. Auch die Bundesagentur für Arbeit und das Jobcenter sind vertreten und zei-

10

Markus winkler auf Unsplash

© Gkasperek - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Aron Freimann geehrt

gen, wie eine Weiterbildung während der Arbeitslosigkeit oder in Beschäftigung gefördert werden kann. Bei Vorträgen und Talkrunden können sich Besucher*innen informieren, welche Finanzierungsmöglichkeiten für die Ausbildung als Erzieher*in zur Verfügung stehen und welche Ausbildungsform für wen geeignet ist. Weiterhin erzählen Quereinsteiger*innen über ihren Weg in einen neuen Beruf als Erzieher*in. Der Berufsbildungstag stellt alle Infos zur Verfügung, die Interessierte brauchen, um Erzieher*in zu werden. Mit dieser speziellen Berufsmesse sollen die Ausbildung und der Beruf als Erzieher*in attraktiver gemacht und das Image gestärkt werden. Angesprochen werden Schüler*innen an weiterführenden Schulen, Studierende an den Fachschulen für Sozialpädagogik, Studienabbrecher*innen, potentielle Quereinsteiger*innen, Migranten*innen mit pädagogischer Ausbildung und alle, die sich über den Beruf als Erzieher*in informieren wollen. Der Berufsbildungstag wird von der Koordinierungsstelle „Fachkräftegewinnung und -bindung in der Kindertagesbetreuung“ im Stadtschulamt der Stadt Frankfurt organisiert. Die Ausrichtung des Berufsbildungstags ist eine von mehreren Maßnahmen, die die Koordinierungsstelle umsetzt, um dem Fachkräftemangel in der Kindertagesbetreuung entgegenzuwirken.

frizz-frankfurt.de


Ferhat Bouda, Ein Kind spielt in einer Siedlung nahe der Stadt Chinguetti, Mauretanien, 2018 © Ferhat Bouda, Agence VU, 2023

IB IN ASCHAFFENBURG BILDET AUS

Praxisorientiert in Gesundheitsfachberufen starten

museum-sinclair-haus.de kunst-und-natur.de

›› IB e.V. Medizinische Akademie Aschaffenburg, medizinische-akademie.de

Der Internationale Bund (IB) e.V. bietet in Aschaffenburg Ausbildungen (Dauer: Drei Jahre) in den Gesundheitsfachberufen Ergotherapie, Logopäanzeige_95x85_uni-frizz_sand.indd 5 die und Physiotherapie an. Praxiserfahrene Therapeuten, Ärzte und weitere Fachberufe führen in modern ausgestatteten Unterrichts- und Praxisräumen praxisorientierten und fachlich kompetenten Unterricht durch, um die Schüler:Innen auf die Befundung und Behandlung der Patienten vorzubereiten. Die Ausbildung der Ergotherapie beinhaltet das Training der Alltagsfähigkeiten, Bewegungs- und Konzentrationsübungen, therapeutische Spiele und kreative Techniken. Die Logopädie hilft Menschen mit Sprachverlust und Problemen des Spracherwerbs. Physiotherapeut*Innen führen individuelle therapeutische Maßnahmen für die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers durch. Internationale ERASMUSplus-Projekte eröffnen die Möglichkeit, im Ausland Erfahrungen zu sammeln. Ein ausbildungsbegleitendes Studium in Angewandte Therapiewissenschaften ist möglich. Bewerbungen sind jederzeit möglich unter medizinische-akademie.de.

05.10.23 10:49

facebook.com/frizzfrankfurt instagram.com/frizzfrankfurt HMKW.DE

Dein Medienstudium in Frankfurt

OTTO-HAHN-PREIS 2023 FÜR HERBERT WALDMANN

Zwischen Chemie und Biologie

© Markus Winkler by Unsplash

›› mpi-dortmund.mpg.de/direktoren/herbert-waldmann „Ich bin frei von Berührungsängsten.“ Mit diesen Worten charakterisiert Prof. Herbert Waldmann, Direkter am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie und Professor an der Technischen Universität Dortmund, seine Herangehensweise. Waldmann ist Chemiker, der an biologischen und medizinischen Themen forscht. Er wird nun in der Paulskirche mit dem Otto-Hahn-Preis 2023 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird gemeinsam von der Stadt Frankfurt am Main, der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) getragen. „Herbert Waldmann ist nicht nur ein herausragender Wissenschaftler und Hochschullehrer. Er hat durch seine Forschung neue Quellen für Wirkstoffe erschlossen und damit gesellschaftliche Verantwortung übernommen“, erläutert GDCh-Präsident Prof. Karsten Danielmeier. Der 66-jährige Waldmann, der an der Gutenberg-Universität in Mainz studiert hat, etablierte die Chemische Biologie als Forschungsgebiet, inspirierte innovative Forschung im Bereich der medizinischen Chemie und ebnete den Weg für neuartige therapeutische Interventionen in der Krebsforschung.

www.frizz-frankfurt.de

MEDIEN STUDIUM

INFO EVENTS rt 18.11. Open Day vor Ort 07.11. Master Info (online)

Jetzt mehr erfahren! AL EVE LE NTS

11


›› UNI FRIZZ UMFRAGE

››

BEDROHUNG ODER CHANCE? So ticken Frankfurts Hochschulen bei ChatGPT ChatGPT ist das aktuell prominenteste Beispiel, wie künstliche Intelligenz unseren Alltag verändert. Wir haben die hiesigen Hochschulen zum Umgang mit diesem Phänomen befragt.

FOLGENDE DREI FRAGEN HABEN WIR DEN MITGLIEDERN DER HOCHSCHULLEITUNGEN GESTELLT 1) Bedrohung oder Chance - wie steht Ihre Hochschule zu ChatGPT und künstlicher Intelligenz in Forschung und Lehre? 2) Bietet die Goethe-Uni Hilfestellungen für Lehrende und Studierende, um mit ChatGPT umzugehen, und wenn ja welche? 3) Was war das bislang beeindruckendste Beispiel rund um ChatGPT an Ihrer Hochschule - in positiver oder in negativer Hinsicht? Da ChatGPT vor allem den Umgang mit Texten adressiert, haben die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst sowie die in Offenbach ansässige Hochschule für Gestaltung mit allgemeinen Statements geantwortet.

„BESTEHENDE FORMATE NEU JUSTIEREN“ PROF. DR. CHRISTIANE THOMPSON (VIZEPRÄSIDENTIN FÜR LEHRE, STUDIUM UND WEITERBILDUNG) UND ULRICH SCHIELEIN (VIZEPRÄSIDENT & CIO) VON DER GOETHE-UNIVERSITÄT:

Fotos: Uwe Dettmar/Goethe-Universität

1) Die Goethe-Universität interpretiert die neue Software Chat GPT als ein Element digitaler Transformation, das wir in Bezug auf Lehre und Forschung reflektieren und als ein solches Element sinnstiftend in die zukunftsgerichtete Ausgestaltung von Studium und Lehre integrieren. Dabei stellt die neue Software einen Anlass dar, bestehende Lehr-, Studien- und Prüfungsformate im Hinblick auf ihre fachliche und didaktische Ausgestaltung zu überprüfen und ggf. neu zu justieren. Beim Integrationsprozess von Softwarelösungen wie Chat GPT kann die Goethe-Universität einerseits an den methodengeleiteten Weiterentwicklungsprozess ihrer digitalen Prüfungs- und Lehrpraktiken während der Corona-Jahre anknüpfen und andererseits auf etablierte Unterstützungsstrukturen im Bereich wissenschaftlichen Arbeitens zurückgreifen. 2) An der Goethe-Universität hat im Sommersemester eine AG ihre Tätigkeit aufgenommen, welche zum Einsatz von KI in Studium und Lehre berät und dazu für die Entscheidungsgremien Empfehlungen erstellt. Entstanden ist bereits eine Handreichung für Studierende zum regelkonformen Einsatz dieser Tools. Des Weiteren wurden erste Qualifizierungsmaßnahmen hinsichtlich des Einsatzes von KI für Lehrende erarbeitet und Änderungsbedarfe im Bereich Prüfungen (Formate, Ausgestaltung etc.) identifiziert. Eine Handreichung zur Anpassung der Eigenständigkeitserklärungen informiert Lehrende über Möglichkeiten, die Nutzung von textgenerierender KI zu eröffnen oder einzuschränken. 3) keine Antwort

„KI-LABOR IST EIN NOVUM“ In der Lehre und Forschung an der HfG Offenbach gehen traditionelle, werkstoffbezogene Fertigungstechniken Hand in Hand mit neuen, digitalen Methoden, darunter verstärkt auch mit Künstlicher Intelligenz. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, wurde ein KI-Labor implementiert – ein Novum, denn die HfG ist die einzige deutsche Kunsthochschule, die Fördermittel im KI-Bereich von Bund und Land erhalten hat. Das KI-Labor fördert die Zusammenarbeit zwischen Künstler:innen, Designer:innen und KI-Forschenden und stellt eine Prototypenwerkstatt, Arbeitsplätze, Equipment und Materialien für hochschulübergreifende Projekte zur Verfügung. Es bietet die Möglichkeit, interdisziplinär digitale Forschung an der Schnittstelle zwischen Kunst/Design und KI-Forschung zu verorten.

12

frizz-frankfurt.de

© Wonge Bergmann

PROF. BERND KRACKE, PRÄSIDENT DER HOCHSCHULE FÜR GESTALTUNG IN OFFENBACH


„DIE TECHNOLOGIE WIRFT AUCH FRAGEN AUF“

„STUDIERENDE ÜBERSCHÄTZEN DIE VERLÄSSLICHKEIT“

© Frankfurt UAS

PROF. DR. CLAUS RERUP, VIZEPRÄSIDENT AKADEMISCHE ANGELEGENHEITEN UND PROFESSOR FÜR MANAGEMENT AN DER FRANKFURT SCHOOL OF FINANCE & MANAGEMENT

PROF. DR. RENÉ THIELE, VIZEPRÄSIDENT FÜR STUDIUM UND LEHRE DER FRANKFURT UAS 1) Grundsätzlich betrachten wir ChatGPT oder andere KI-Tools nicht als Problem, sondern als Chance und Möglichkeit. So kann das Programm ein guter Ausgangspunkt für eine Inhaltserschließung in ein neues Themengebiet sein, da es etwa Übungsklausuren, Gliederungen oder Zusammenfassungen generieren kann. Umso wichtiger ist es, unseren Studierenden einen konstruktiven Umgang mit diesen Tools zu ermöglichen. Medienkompetenz oder auch die kritische Analyse von KI werden zu zentralen Future Skills und müssen gezielt in die Lehre unserer Hochschule integriert werden. Ziel wird es also sein, künftig mit und nicht gegen KI in der Lehre zu arbeiten. Das bedeutet auch, dass Prüfungsformen angepasst werden müssen – beispielsweise durch Reflexionsgespräche oder vergleichende Überprüfungsformen. Zudem werden Eigenständigkeitserklärungen, die unsere Studierenden bei jeder Abgabe einer schriftlichen Ausarbeitung vorlegen müssen, um Aspekte rund um KI-Programme wie ChatGPT erweitert. 2) Für Lehrende bietet das Digital Teaching and Learning Center (DigiTaL) unserer Hochschule zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten an, unter anderem die Impulsreihe „KI for Education: Wie Künstliche Intelligenz die Hochschullandschaft verändert“. Sie wurde von HessenHub-Teilprojekten an der Frankfurt University of Applied Sciences, der Technischen Hochschule Mittelhessen sowie der Justus-Liebig-Universität Gießen organisiert und adressiert vor allem Lehrende an hessischen Hochschulen. Die Erfahrungen aus dem Sommersemester 2023 zum Einsatz von Tools wie ChatGPT und Co. in der Lehre und Herausforderungen bei schriftlichen Arbeiten werden im Wintersemester 23/24 aufgegriffen und in weiteren Veranstaltungen thematisiert. Für Studierende gab es an der Frankfurt UAS bereits im Sommersemester 2023 sowohl Informationsveranstaltungen als auch Workshops zu „KI im Studienalltag“ und konkret zu KI-Tools, die im Studium unterstützen können. Das Programm wird im Wintersemester 23/24 fortgeführt. 3) Wie umfassend die neuen Möglichkeiten den Hochschulalltag erfassen, zeigte sich in einem hochschulweiten Diskussionsforum, zu dem Lehrende und Mitarbeitende der Frankfurt UAS eingeladen wurden. Die Resonanz war so umfassend, dass der virtuelle Konferenzraum an die Grenzen kam. Aufgrund dieser Erfahrung des Wissensbedarfs haben wir weitere Veranstaltungen mit hoher Nachfrage aufgesetzt. Zu erwähnen ist aber, dass Studierende die Verlässlichkeit derartiger KI-Tools überschätzen und in Einzelfällen dem kritischen Diskurs mit den Ergebnissen nicht hinreichend entsprechen. Hier sind wir als Hochschulen aufgefordert, die Lehr- und Lernmethoden entsprechend anzupassen.

1) Wir sehen KI vor allem als Chance. Sie wird die Art und Weise, wie geforscht, gelehrt und gelernt wird, verändern. Allerdings wirft die Technologie auch Fragen auf, beispielsweise bezüglich der Bewertung der Arbeit und der Lernerfolge der Studierenden. Wir haben daher für unsere Lehrkräfte und unsere Studierenden Leitlinien für den Umgang mit KI entwickelt. 2) Ja, wir haben einen Leitfaden für Lehrkräfte und Studierende entwickelt. Darüber hinaus bieten wir Workshops an, um den Studierenden zu zeigen, wie und wofür die Technologie eingesetzt werden kann, aber auch, um auf die ethischen Implikationen beim Einsatz von KI hinzuweisen. 3) Ein aktuelles Beispiel aus der Forschung ist ein Twitter-/X-basierter Inflationserwartungsindex, den Forscherinnen und Forscher der Frankfurt School entwickelt haben. Das Modell wertet deutsche Tweets auf Basis natürlicher Sprachverarbeitung aus und erstellt einen täglichen Inflationserwartungsindex – damit sind erstmals kurzfristige Inflationserwartungen für Deutschland in Echtzeit verfügbar. Um genügend Daten für diesen Feinabstimmungsprozess zu generieren, nutzt der Index die ChatGPT-API. Und natürlich spielt ChatGPT auch im Arbeitsalltag der meisten Kolleginnen und Kollegen im Universitätsmanagement und in der Administration eine Rolle, von der Textbearbeitung oder Übersetzungen bis hin zum Zusammenstellen von Mailinglisten. Hier sind die Geschwindigkeit und Genauigkeit der Technologie beeindruckend.

„EXPERIMENTIERFREUDE IST DA“ HOCHSCHULE FÜR MUSIK UND DARSTELLENDE KUNST (HFMDK) KI in Musik, Theater, Tanz und Forschung ist an der HfMDK in einzelnen Unterrichten und Projekten zwar durchaus Thema: Die Berührungspunkte sind in der Praxis allerdings – noch – klein. Die Experimentierfreude ist aber bereits da: So entstand beispielsweise in einem studentischen interdisziplinären Workshop eine Arbeit, bei der ChatGPT um verschiedene Mini-Scores gebeten wurde, also eine Reihe von Anweisungen oder Aufgaben zur Erstellung einer Aufführung oder als Ausgangspunkt für eine Improvisation. Diese Scores wurden aufgeführt. In der anschließenden Diskussion ging es um den Vergleich zu anderen von Menschen erarbeiteten Scores. Natürlich besteht Bedarf an Informationen zum Einsatz von KI-Tools im Unterricht. Davon zeugt zum Beispiel die Nachfrage nach ChatGPT-Infoveranstaltungen, Workshops und Austauschforen im Verbundprojekt „HessenHub“ zur digitalen Lehre an hessischen Hochschulen. Diese Angebote stehen allen Lehrenden der HfMDK offen, ebenso Handreichungen und Empfehlungen.

frizz-frankfurt.de

13


››

›› UNI FRIZZ STADT

Druckerei Dondorf in der Diskussion

IM STIMMENGEWIRR Die Diskussion um die ehemalige Druckerei Dondorf besticht durch zahlreiche Wendungen und immer neue Wortmeldungen. Eine Chronik der vergangenen Monate.

D

as Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik (MPIEA) ist eines der renommiertesten Forschungsinstitute, das in Frankfurt ansässig ist. Und verfolgt seit einigen Jahren den Plan, aufgrund der beengten Situation am bisherigen Standort im Grüneburgweg in das Gebäude der ehemaligen Druckerei Dondorf an der Bockenheimer Warte zu ziehen. Nachdem das MPIEA den ursprünglichen Plan, das Gebäude zu erhalten, im Jahr 2022 ad acta gelegt hat, begann eine Diskussion in der Öffentlichkeit. Da es zunehmend schwierig wird, bei den vielen Stimmen den Überblick zu behalten, drucken wir eine Chronik der letzten Wochen und Monate

1873: Das Fabrikgebäude in Bockenheim entsteht. Produziert werden hier in den nächsten Jahrzehnten u.a. Spielkarten, Papiere, gummierte Etiketten und Gesellschaftsspiele. 8. Februar 1944: Bei einem Luftangriff im 2. Weltkrieg werden große Teile des Gebäudes zerstört und später in Teilen wieder aufgebaut. 1961: Das Institut für Kunstpädagogik zieht ein und wird hier die nächsten 60 Jahre aktiv sein. Es ist eines der letzten Universitätsinstitute, das im Herbst 2022 auf den Campus Westend umzieht. 2012: Der Stadtteilverein „Freunde Bockenheims“ veröffentlicht die Broschüre „Alte Druckerei Dondorf. Die wechselvolle Geschichte eines Industriedenkmals“. Die 80-seitige Publikation wird in der aktuellen Debatte immer wieder zitiert. 2017: Das Hessische Landesamt für Denkmalpflege lehnt den Antrag des Ortsbeirats 2 ab, die Druckerei unter Denkmalschutz zu stellen. 2018: Das MPIEA präsentiert Pläne, wie das Industriegebäude im Sinne der Nachhaltigkeit saniert werden kann, um künftig Heimat für das Forschungsinstitut zu sein.

›› initiative-dondorf-druckerei.de aesthetics.mpg.de/institut/dondorfsche-druckerei.html

14


2021: Das MPIEA informiert den Ortsbeirat, dass eine Sanierung mit Erhalt der Fassade nicht möglich sei. Stattdessen soll eine Rekonstruktion erfolgen. Die Öffentlichkeit nimmt diese Information erst mit Monaten Verspätung wahr.

2023 24. Juni: Das Kollektiv „Die Druckerei“ besetzt das Gebäude. Es fordert den Erhalt des Gebäudes und die Suche nach einem alternativen Standort für das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik. Für die ehemalige Druckerei möchte das Kollektiv die Nutzung als freies und selbstverwaltetes kulturelles Zentrum durchsetzen. 10. Juli: Die Goethe-Universität stellt Strafantrag, der zwei Tage später zur Räumung der Druckerei durch die Polizei führt. Die Hochschule sieht sich zu diesem Schritt gezwungen, da sie als Besitzerin für alle Prozesse rund um die Liegenschaft die Verantwortung trage und Schaden von der Universität abwenden müsse. Angela Dorn, Ministerin für Wissenschaft und Kunst, äußert sich: „Der Protest der Besetzer der Druckerei hat wichtige Anliegen aufgegriffen, die auch zum Themenfeld des Instituts gehören. Umso mehr bedaure ich, dass sie nicht dazu zu bewegen waren, das Gelände freiwillig zu verlassen.“ 14. Juli: Das Institut für Sozialforschung veröffentlicht eine Stellungnahme: „Das Institut für Sozialforschung bedauert die Vorgehensweise der Universitätsleitung und betrauert den absehbaren Verlust des emblematischen Gebäudes in seiner Nachbarschaft. Die von den Besetzer:innen wie auch der lokalen Initiative zum Erhalt der Druckerei vorgebrachten Nutzungsvorschläge im Sinne der Etablierung bürgergesellschaftlicher Freiräume wurden zu keinem Zeitpunkt ernsthaft diskutiert. Die Irrationalität des Ganzen: hier, gleich an der nächsten Ecke, ist sie alltagspraktisch zu besichtigen.“ 19. Juli: Eine rund 20-köpfige Gruppe führt eine Kundgebung vor dem Präsidialgebäude auf dem Campus Westend durch und versucht sich Zuritt zur Sitzung des Senats zu verschaffen. Ein Sicherheitsdienst ist im Einsatz, dessen Eingreifen später vom AStA als unverhältnismäßig kritisiert wird. 20. Juli: In der Sitzung der Stadtverordneten weist Planungsdezernent Marcus Gwechenberger darauf hin, dass ein Abriss der Druckerei erst möglich ist, wenn die Fläche formell neu geordnet ist. Dies kann bis zu einem Jahr ab Antragstellung dauern. Zudem bringt der SPD-Mann sein Bedauern zum Ausdruck, dass das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, und spricht sich dafür aus, die Druckerei als industriegeschichtliches Zeugnis in Bockenheim zu erhalten. Gwechenberger möchte alle Beteiligten – das Max-Planck-Institut, das Land Hessen, die Goethe-Universität – an einen Tisch holen. 25. Juli: Patrick Cramer, seit 23. Juni neuer Präsident der Max-PlanckGesellschaft, kündigt an, sich zunächst einen umfassenden Überblick verschaffen und mit den verantwortlichen und maßgebenden Institutionen Gespräche führen zu wollen. Auf dieser Basis sollen dann weitere Entscheidungen getroffen werden. 1./3. August: Es beginnt die Zeit der offenen Briefe. Die Frankfurter Gesellschaft für neue Musik (fgnm e.v.) und die Koalition der freien Szene Frankfurt äußern sich schockiert über den „nachlässigen Umgang mit jüdischer Erinnerungskultur“. Kurz darauf taucht ein offener Brief von Mitarbeitern des Instituts auf. Sie kritisieren die Institutsleitung, nicht sensibel und verantwortungsbewusst mit dem Dondorf-Gebäude umzugehen. Ob der Brief tatsächlich von Mitarbeitern des Instituts stammt, bleibt unklar. 14. August: Der Frankfurter Städtebaubeirat (STBBR) spricht sich nachdrücklich für den Erhalt des Gebäudes aus. Auf dem Areal des Kulturcampus kann der Bau aus Sicht des STBBR ein Baustein einer innovativen, nachhaltigen und gemeinwohlorientierten Quartiersentwicklung sein. Das Expertengremium fordert, dass das Land Hessen als Eigentümer eine Pionierfunktion für die Umbaukultur einnehmen soll. 21. August: Der AStA der Goethe-Universität meldet sich zu Wort. Timo Wenninger, Referent für Wohnraum, sagt: „Anstatt die Druckerei abzureißen wäre es sinnvoller, eine geeignete Fläche für das Institut zu finden. Die Besetzer*innen der Dondorf-Druckerei haben 19 Tage lang vorgeführt, dass sich der Stadtteil einen solchen Ort als kulturellen Begegnungsraum wünscht.“ In der AStA-Mitteilung kommen weitere Initiativen zu Wort. So sagt Dani-

el Navon, Vorstand des Verbands jüdischer Studierender in Hessen: „Ein Abriss eines laut Expert*innen erhaltenswürdigen und entwicklungsfähigen Gebäudes, der mit damit vermeidbaren, hohen CO2-Emissionen verbunden wäre und gleichzeitig ein Stück jüdischer und industriell-lokaler Geschichte unsichtbar machen würde, lässt sich nicht mit den Werten und Selbstversprechungen unserer Gesellschaft vereinbaren.“ 15. September: Die Initiative „Eine Druckerei für alle“ stellt durch Sprecherin Fritzi Bender ein detailliertes Konzept für die Nutzung des Gebäudes vor. Demnach soll im Erdgeschoss ein Lern- und Erinnerungsort entstehen, zusätzlich ein Nachbarschaftscafé und eine Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt. Das erste Obergeschoss könnte künftig einen Kinderladen, ein Eltern-KindCafé, eine Bibliothek sowie Räume für nachbarschaftliche Nutzung beherbergen. Das zweite OG ist für Kunst und Handwerk mit Ateliers und Proberäumen vorgesehen. Das dritte OG schließlich für feministische, antirassistische und antifaschistische Initiativen. 19. September: Details zum runden Tisch von Marcus Gwechenberger werden im Planungsausschuss bekannt. Ihm gehören die Stadt, das Land, die Universität, das MPI und der Denkmalschutz an. Die Initiativen „Die Druckerei“ und „Initiative Dondorf-Druckerei sind nicht dabei und kritisieren die Besetzung. Der runde Tisch hat sich bereits einmal getroffen. Inhalte werden nicht bekannt. 22. September: Die Gruppe „Die Druckerei“ protestiert vor dem Standort des Max-Planck-Instituts am Grüneburgweg und macht deutlich, dass es aus ihrer Sicht nicht reicht, wenn das MPI das Druckerei-Gebäude saniert, sondern dass es eine komplett andere Fläche suchen soll. Die Polizei verhindert, dass die rund 60 Protestierenden das Gebäude betreten. Das MPIEA äußert in einer Pressemeldung einige Tage später sorgenvoll: „Wie während der Kundgebung vor dem Gebäude am Freitag deutlich wurde, wollen die Aktivist:innen von „Die Druckerei“ nicht mehr nur den Erhalt des Druckereigebäudes durchsetzen, sondern vor allem seine Nutzung für ihre eigenen Interessen erzwingen. Damit unterlaufen sie die aktuellen Bemühungen um den Erhalt und ignorieren die getroffenen Vereinbarungen zwischen dem Land Hessen und der Max-Planck-Gesellschaft.“ 16. Oktober: Wir übergeben die Daten für diese Ausgabe an die Druckerei. Zu diesem Zeitpunkt dauern die Gespräche der MPG-Leitung noch an. Der neue Präsident Cramer ist weiterhin dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. 31. Oktober: Die Universität soll die Dondorfsche Druckerei zurück an das Land Hessen geben. 1. November: Das Land Hessen übergibt die Dondorfsche Druckerei an das Max-Planck-Institut.

frizz-frankfurt.de

15


›› UNI FRIZZ LEBENSWELT

Deutsches Studierendenwerk prämiert Plakate

ICH ENGAGIERE MICH! Wie, wo und warum bringen sich Studierende in der Hochschule ein? Welchen Stellenwert hat soziales und gesellschaftliches Engagement für sei? Beim Plakatwettbewerb des Deutschen Studierendenwerks (DSW) zählten auch Studierende aus der Rhein-Main-Region zu den Gewinnern.

S

››

eit 1987 regt der Plakatwettbewerb des Deutschen Studierendenwerks Studierende aus den Studiengängen Grafikdesign, Kommunikationsdesign oder Virtuelle Kommunikation dazu an, sich mit aktuellen hochschulpolitischen Themen auseinanderzusetzen, eine Haltung zu entwickeln und diese zu visualisieren. Bei der 37. Auflage lautete das Thema „Ich engagiere mich!“. Zugelassen wurden 808 Plakate von 422 Studierenden aus 50 Hochschulen. Die von einer unabhängigen Fachjury ausgewählten Preisträgerinnen und Preisträger erhalten insgesamt ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Den ersten Preis gewann Jennifer Heil mit dem Plakat „Unbezahlbare Arbeit“. Die in Düsseldorf Studierende möchte dafür sensibilisieren, dass man für sein soziales Engagement oft wertvolle Dinge wie Dankbarkeit, Freude oder Zusammenhalt zurückbekommt, die unbezahlbar sind.

„…UND PRESSEN SIE IN IHRE MATRATZE“ Der zweite Preis ging an eine Studierende der Offenbacher Hochschule für Gestaltung. Verena Mack kommentiert ihr Werk „Überforderung“ wie folgt: „Mit meinem Plakat zeige ich das Gefühl von Überforderung angesichts aller täglich nachzukommenden Pflichten. Die anstehende Deadline für die Hausarbeit, der Studi-Job, das Ehrenamt, die sozialen Verpflichtungen usw. stapeln sich auf den Studierenden und pressen sie in ihre Matratze. Studium bedeutet oft viele Dinge parallel erledigen zu müssen und beim Zeitmanagement größtenteils auf sich gestellt zu sein. Wann bin ich produktiv? Wann mache ich Pause? Wann kümmere ich mich um Andere? Wann um mich selbst? Sage ich den unbezahlten Grafik-Job ab und engagiere mich lieber? Geh ich zur Party oder will ich morgen früh etwas für die Uni machen? Wo man die eigenen Prioritäten setzt und jeden Tag die Kraft findet sich mit all diesen Dingen auseinander zu setzten – und nicht einfach im Bett liegen zu bleiben – ist eine tägliche Herausforderung.“ Auch die Hochschule Rhein-Main und die Hochschule Darmstadt können sich über Preisträger aus ihren Reihen freuen. Wir haben auf dieser Doppelseite eine Auswahl zusammengestellt. Mit Charlotte Schröner, Professorin für konzeptionelle Gestaltung an der Hochschule Mainz, war auch eine Vertreterin aus der Rhein-Main-Region in der Jury aktiv. Ihr Fazit: „Eine Botschaft so zu verkürzen, dass sie auf eine rechteckige Fläche passt und von jemanden anderem verstanden wird, ist eine Kunst und Voraussetzung für visuelle Kommunikation. „Ich engagiere mich!“ war kein einfaches Thema. Viele TeilnehmerInnen gingen von ihrer eigenen Befindlichkeit aus und stellten die Belastungen des Studiums in den Mittelpunkt. Erfreulicherweise gab es auch Einreichungen, die die Möglichkeiten und die soziale Brisanz von gesellschaftlichem Engagement thematisierten.“

16

Das Gewinnerplakat: Unbezahlbare Arbeit von Jennifer Heil (Hochschule Düsseldorf)

frizz-frankfurt.de


„Überforderung“ brachte Verena Mack (HfG Offenbach) auf Platz 2.

„Wo beginnt Dein Engagement?“ fragt Victoria Johanna Lampe von der Hochschule Rhein-Main.

› Die vielen Möglichkeiten sich zu engagieren zeigt André Hofer (Hochschule Darmstadt) mit „Commitment is“

Maria Jenicek von der Hochschule Darmstadt gewann mit „Gründe Gutes zu tun“ den Publikumspreis

frizz-frankfurt.de

17


›› UNI FRIZZ FORSCHUNG

LONG-COVID: HOCHSCHULEN UNTERM BRENNGLAS Studie untersucht Langzeitfolgen Wie hat sich die Corona-Pandemie auf Studieren, Lehren und Forschen ausgewirkt? Die Ergebnisse der Studie „Long COVID im Hochschulbereich?“ liefern interessante Einblicke.

VULNERABLE GRUPPEN IM FOKUS Im Fokus standen dabei sogenannte „vulnerable“ Gruppen. Das lateinische Adjektiv lässt sich mit „verletzlich“ oder „verwundbar“ übersetzen. Unter vulnerablen Gruppen versteht man Menschen, die unter Krisen besonders leiden. Mit Blick auf die Hochschulen standen in der Studie von Haag und Schüller Menschen im Fokus, die Care-Aufgaben haben, über keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus in Deutschland verfügen, aus nicht-akademischen Haushalten stammen, eine Beeinträchtigung haben oder befristet beschäftigt sind. Die Befragten stammen von Hochschulen aus verschiedenen Bundesländern. In den Gruppendiskussionen wurden Gesprächsimpulse gegeben, zum Beispiel „Wie haben sie die Pandemie erlebt?“, „Wie hat sich die Pandemie konkret auf Studium/Beruf und Privatleben ausgewirkt?“, „Mit welchen Herausforderungen und Problemen waren sie konfrontiert?“ oder „Welche Chancen haben sich für sie ergeben?“. Die Aussagen wurden mit qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Haag und Schüller arbeiten am Gender- und Frauenforschungszentrum der Hessischen Hochschulen (gFFZ), das an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) angesiedelt ist. Der Titel der zwischen Januar und Juni 2023 entstandenen Studie - „Long COVID im Hochschulbereich? Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf vulnerable Gruppen in der Hochschule“ – ist ein Wortspiel. Haag erläutert: „Long-COVID meint in diesem Fall keine Langzeitfolgen aufgrund einer Erkrankung mit COVID-19, sondern steht symbolisch für längerfristige Auswirkungen der Pandemie im Hochschulbereich.“

18

ERGEBNISSE ZEIGEN AMBIVALENZEN UND GRAUTÖNE An vielen Stellen zeichnet sich ein differenziertes Bild mit Grautönen und Ambivalenzen. Dies zeigt sich zum Beispiel bei der wachsenden Digitalisierung. Haag erläutert: „Während die einen aus Vereinbarkeitsgründen etwa in der Digitalisierung eine Möglichkeit der Partizipation und Inklusion sehen, erleben andere digitale Lehre und Arbeit als Vereinsamung oder weitere Hürde für ihren Bildungs- und Karriereweg“, so Haag. Und weiter: „Es wird deutlich, dass Präsenzlehre im Vergleich zur Online-Lehre im Bereich sozialer Interaktion deutlich gewinnbringender und effektiver erlebt wird, die Online-Lehre hingegen gut dazu geeignet ist, Lehrinhalte flexibel zu vermitteln.“ Vor allem Studierende mit Care-Aufgaben äußern sich positiv zu hybriden Lehrformaten. Auch mit Blick auf Studienverläufe offenbar sich verschiedene Sichtweisen. Einige nehmen eine Verzögerung ihres Studienverlaufs wahr (durch gesundheitliche Beeinträchtigungen oder soziale Isolation), während für andere die Pandemie eher als Katalysator wirkte und das Studientempo erhöhte. Auch die Aussagen von Lehrenden und Forschenden sind erhellend. Sie attestieren neuen digitalen Lehr-Lernformaten innovative Vorteile, die sich vor

© Wes Hicks by Unsplash

© CDC by Unsplash

„D

ie Frage, ob wir im Hochschulbereich von Langzeitfolgen sprechen können, lässt sich in bestimmter Hinsicht bejahen. Auch wenn diese Folgen nicht durchweg belastend und negativ empfunden werden, sind sie spürbar. Hochschulen und Wissenschaft haben sich durch die Pandemie verändert und dies gilt es auch künftig stärker in den Blick zu nehmen, um aus der CoronaKrise zu lernen, wie man mit weiteren Krisen, die wir gegenwärtig erleben, umgehen kann.“ Das sagt Dr. Hanna Haag, die das Forschungsprojekt geleitet und gemeinsam mit Dr. Elke Schüller durchgeführt hat. Die beiden haben Anfang dieses Jahres Gruppendiskussionen mit Studierenden, Lehrenden und Akteuren, die rund um die Hochschulen beratend tätig sind, durchgeführt.

frizz-frankfurt.de

Eine der Forschungsfragen lautete, welche Vor- und Nachteile Online-Lehre hat


allem bei großen, übergreifenden Lehrveranstaltungen zeigen. Sie ermöglichen zum Beispiel, Gastrednerinnen oder Gastredner über große Distanzen einzubinden, was bei Präsenzveranstaltungen in der Form nicht möglich ist. Das klare Statement der Studie: „Es sollte keine schlichte und unhinterfragte Rückkehr zum Altgewohnten, nämlich den traditionellen Formaten der Präsenzlehre, geben.“ Befragt nach den Auswirkungen auf die Forschungstätigkeit überwiegen skeptische Äußerungen, da insbesondere die Lockdowns die wissenschaftliche Arbeit eingeschränkt und behindert haben. Durchwachsen sind die Aussagen zum Thema Home Office. „Für die einen bedeutet es beengte Arbeitsverhältnisse mit einem schlecht ausgestatteten Arbeitsplatz und fehlender räumlicher Trennung, für andere hingegen mehr Flexibilität und Familienzeit, die aber auch die Gefahr der Entgrenzung der Arbeit enthält“, skizziert Haag die Spannungsfelder. ›› frankfurt-university.de/pdf-pm-long-covid-ergebnisse

WIE KÖNNEN SICH STUDIEN- UND ARBEITSBEDINGUNGEN VERBESSERN? Die Autorinnen der Studie schließen ihre Veröffentlichung mit Handlungsempfehlungen. Diese fassen sie in vier Themen zusammen. 1) Inklusionspotenzial digitaler Formate

Aufgrund der Vorzüge digitaler Formate bei der Vereinbarkeit von Care und Studium/Beruf sei mehr Flexibilität in der Gestaltung von Lehr- und Arbeitszusammenhängen erforderlich sowie klare Vorgaben und Regelungen, unter welchen Umständen der Einsatz digitaler Medien möglich ist. Denkbar wäre laut Haag auch eine Regelung digitaler Credit Points für Studierende, sodass digitale Lehre einen festen Bestandteil im Studienplan einnimmt.

2) Diversität, soziale Gerechtigkeit und Umverteilung von Privilegien

Die Studienergebnisse zeigen zum Teil sehr deutlich, dass sowohl bezogen auf das Studium als auch hinsichtlich wissenschaftlicher Karrieren Leistungsfähigkeit ein wichtiges Thema ist. Diejenigen, die aus unterschiedlichen Gründen (z.B. sozialer Status, gesundheitliche Beeinträchtigungen) nicht so leistungsfähig sind, zögen oft den Kürzeren. Im Sinne diversitätsorientierter Hochschulpolitik müsse Chancengleichheit ermöglicht und Privilegien in Hochschulen umverteilt werden.

3) Sichere Arbeitsverhältnisse in der Wissenschaft

Die Sorgen junger Wissenschaftler:innen mit befristeten Verträgen zeigen sich auch in der Long COVID-Studie. Haag fordert daher strukturelle Veränderungen, damit Wissenschaftler:innen unterhalb der Professur mehr Sicherheit und damit Verbleibchancen in der Wissenschaft haben.

4) Empathie und Menschlichkeit statt Konkurrenz

In der Pandemie haben sich viele einsam gefühlt und gemerkt, wie wichtig es für die eigene Arbeit oder das Studium ist, miteinander in Kontakt zu sein. „Hochschulen sollten diese Bedürfnisse nach Kontakten fördern und kein Ort von Einzelkämpfern sein, sondern eine ‚akademische Familie‘, deren Angehörige aufeinander Rücksicht nehmen und füreinander Sorge leisten“, wünscht sich Haag.

Wissensdurst?

Für die Studie wurden Gruppendiskussionen durchgeführt

© Antenna by Unsplash

Neues lernen, bekanntes auffrischen oder vertiefen, Drinnen oder Draußen, in der Gruppe oder für sich. Wir bieten dir pro Jahr ca. 5.600 Kurse, Vorträge, Führungen u.v.m. zu den Für unterschiedlichsten Interessen. Student/-inn * en

vhs.frankfurt.de

-20%

* Mit gültigem Studentenausweis mit Hauptwohnsitz in Frankfurt am Main. Keine Ermäßigung auf Studienreisen, Prüfungsentgelte und Materialkosten.

frizz-frankfurt.de

19


›› UNI FRIZZ FILM

Frankfurter Filmproduktion über Verbindungen

SPIEL MIT DER IDENTITÄT Die ZDF-Miniserie FÜXE gibt einen Einblick in die oft verschlossene Welt der Studentenverbindungen. Gedreht wurde in Frankfurt.

A

EINE FRANKFURTER PRODUKTION Verantwortlich für die Produktion ist die Filmproduktionsfirma U5, die seit 25 Jahren in Frankfurt ansässig ist. „Die Serie spielt mit den Ambivalenzen, die dem Thema Verbindungen eigen sind“, erläutern die Geschäftsführer Katrin Haase und Oliver Arnold.

20

Frankfurt diente auch als Kulisse. Und zwar nicht nur die oft gezeigte, von Banken- und Bürotürmen geprägte Welt des Business, mit der die Hauptfigur Adem in Kontakt kommt, als er zunächst als Fahrer für den Immobilieninvestor Alfons, einem der „alten Herren“ der Verbindung, beginnt zu arbeiten. Auch eine seltener gezeigte Location spielt eine Rolle, denn auch die Villa Meister am Mainufer in Sindlingen war einer der wesentlichen Drehorte. Das 1904 errichtete schlossähnliche Anwesen dient als Kulisse für das Verbindungshaus.

DIE IDEE IN LETZTER MINUTE Zu Beginn der Arbeit an FÜXE stand der Aufruf des ZDF, für die Reihe „Das kleine Fernsehspiel“ Skizzen zum Thema „Sozialer Aufstieg“ einzureichen. Haase und Arnold kamen in Kontakt mit Joe Hofer. Der in Berlin wohnende Drehbuchautor hatte schließlich die Idee für die Hauptfigur, die ihre Herkunft verleugnet, um den eigenen sozialen Aufstieg zu ermöglichen. Allerdings wurde die Zeit knapp. „Eigentlich war das gar nicht machbar. Es blieb nur noch ein Wochenende bis zum Abgabeschluss“, erinnert sich der 35-Jährige, der übrigens einst in Mainz Publizistik und Filmwissenschaft studierte. Hofer machte sich trotzdem ans Werk und gab seinen eigenen Erfahrungen Raum. Denn er war selbst der erste aus der Familie, der studierte. Außerdem erinnerte er sich einen Freund, der nach der Schule in eine studentische Verbindung eintrat und den er einst besuchte. Angezündet von dem Thema arbeitete er den kompletten Samstag und Sonntag durch. Am Montag lag die ausgearbeitete Idee für den Pitch beim ZDF auf dem Schreibtisch und erhielt schließlich den Zuschlag. © A. Köhler Commons Wikimedia

dem Kameri ist ein junger ehrgeiziger Mann mit Wurzeln im Kosovo. Der BWL-Student sucht dringend ein Zimmer und wird bei einer schlagenden Verbindung fündig. Diese Welt fasziniert und ihre Möglichkeiten – die Kameradschaft, das Fechttraining, die beruflichen Kontakte – gefallen ihm. Doch kann ein gesellschaftlicher Aufstieg unter falschen Vorzeichen gelingen? Denn Adem spielt mit seiner Identität, leugnet seine Herkunft und gibt sich als Adam aus. Das ist der Stoff der vierteiligen Mini-Serie „FÜXE“. Nachdem die ersten beiden Teile bereits im ZDF gelaufen sind, werden die Folgen drei und vier am 23.10. ausgestrahlt. Wer alle vier Teile am Stücke sehen will, kann dies bereits jetzt in der Mediathek tun. Anfang Oktober wurden die ersten beiden Teile zudem auf dem Filmfest in Hamburg gezeigt und mit dem Produzentenpreis für die beste Serie ausgezeichnet. Die Jury begründete dies damit, dass es der Serie gelingt, komplexe Themen wie gesellschaftliche Teilhabe und Klassismus zu behandeln, ohne in Klischees oder Vereinfachungen zu verfallen. Auch UniFRIZZ durfte vorab reinschauen. Unser Urteil: Absolut sehenswert. Wir haben die vier Teile gebinged.

frizz-frankfurt.de

Sie Wi   

Me Erle 637 060 ww


rieren ihrer Schützlinge unterstützen. Je nachdem, wem Einlass in diese Zirkel gewährt wird, sichern sie entweder Macht und Wohlstand einer Elite oder sind Chance für einen Aufstieg.“ Für die Umsetzung des Stoffes holte sich U5 Rat von einem Experten: Dr. Stephan Peters. Der Politikwissenschaftler war während seiner Studiums in Marburg selbst einige Jahre Mitglied einer katholischen Studentenverbindung und tat dann das, was nur sehr wenige tun: Er trat aus und wurde zur Persona non grata. Dennoch widmete er sich dem Thema weiter aus der Forscherperspektive und schreib seine Doktorarbeit zum Thema „Elite sein: Wie und für welche Gesellschaft sozialisiert eine studentische Korporation?“ und der Frage, wie Verbindungen junge Menschen formen. Peters weiß, wie schwierig eine filmische Umsetzung des Themas ist. FÜXE sieht er jedoch als gelungen an: „Der innere Charakter einer Verbindung wird sehr gut wiedergegeben, auch wenn sicherlich einige Szene etwas überspitzt sind.“

roduktion Copyrights: ZDF, U5 Filmp

GmbH & Co. KG, Andrea

Enderlein, Tatiana Vdovenko

DIE MACHT VERBORGENER NETZWERKE Als Rahmen für die Serie dient die Welt der Studentenverbindungen. Die ZDF-Redakteure Christian Cloos und Jakob Zimmermann ordnen ein: „Verbindungen werden meist dann in der Öffentlichkeit thematisiert, wenn es um ihre mögliche Scharnierfunktion zu rechtsextremem Gedankengut geht. Wofür sie aber auch stehen, ist die Macht von Netzwerken im Verborgenen. Für die Kraft der Verbindungen von ‚alten Herren‘, die in Hinterzimmern die Kar-

Wird der tatsächliche Einfluss von Verbindungen in unserer Gesellschaft unterschätzt? Und werden sie sich in einer immer diverser werdenden Gesellschaft halten können? Susan Gordanshekan, die gemeinsam mit David Clay Diaz Regie führte, sagt zu diesem Thema: „Ich denke, dass Studentenverbindungen weiterhin Zulauf haben werden, da sie einen Gegenpol zu einer immer diverser und fortschrittlich werdenden Gesellschaft bilden. Es werden junge Menschen angesprochen, die sich gerade in der heutigen, schnelllebigen Welt nach den Werten und Ritualen einer solchen Institution sehnen und Gemeinschaft und Halt suchen. Durch die Kontakte zu den „alten Herren“ und zur Arbeitswelt, können sie sich ein Netzwerk aufbauen, das ein Vehikel für Karriere und sozialem Aufstieg bildet und somit von hohem Wert ist.“

Aktuelle Infoveranstaltungen unter www.ib-med-akademie.de

Sie möchten einen therapeutischen Beruf mit besten Jobchancen erlernen? Wir haben am Standort Aschaffenburg mit Sicherheit das passende Bildungsangebot für Sie:  Physiotherapie  Ergotherapie  Logopädie Medizinische Akademie Erlenmeyerstraße 4 – 6 63741 Aschaffenburg 06021 / 5 84 93 – 0 oder – 10 www.med-akademie.de

21


››

›› UNI FRIZZ VORSCHAU

Riccarda Gleichauf, Daniela Halder-Ballasch, Jürgen Mai, Sohra Nadjibi

Tim Vantol

© Simona voan Tol

© Sandra Ludewig

© Barbara Klemm

Sarah Lesch

Glan Hansard

w

Das geht in Frankfurt in den nächsten Monaten auf Bühnen, Leinwänden und in Galerien. ›› OKTOBER KINO Knapp dreieinhalb Stunden dauert Martin Scorseses neuestes Werk: Ölvorkommen, Korruption und Mord an Indigenen stehen im Mittelpunkt des Thrillers Killers Of The Flower Moon (Start:19.10.) mit Leonardo DiCaprio und Robert De Niro. 177 Kilometer ohne Schutzmaßnahmen und durch eine der gefährlichsten Meerespassagen will eine Langstreckenschwimmerin im Alter von 64 Jahren schwimmen. Die Biografie Nyad (19.10.) erzählt ihre Geschichte. Trinke ich zu viel? Diese Frage muss sich Bauleiter Mark in der deutschen Komödie One For The Road (26.10.) stellen. Der Killer (26.10.), gespielt von Michael Fassbender, versemmelt einen Auftrag und steht nun selbst im Fadenkreuz

LIVE Den Startschuss für eure Konzertreise im Wintersemester geben The Boss Hoss , die am 20.10. in der Jahrhunderthalle ihr neues Album Eletric Horsemen mit dem üblichen Mix aus Country, Rock und Rockabilly im Gepäck haben. Mit Kai & Funky sind zwei langjährige Mitglieder von Ton Steine Scherben gemeinsam mit Sängerin Birte Volta auf Tour und kommen am 21.10. ins Schon Schön nach Mainz. Am 25.10. folkrockt Tim Vantol mit Punktattitüde auf seiner Better Days-Tour im Wiesbadener Schlachthof. Stiller und bedächtiger wird es bei Singer-Songwriterin Alice Phoebe Lou mit ihrem experimentellen Mix aus Indie, Electronic und Jazz am 26.10. im Zoom. Wieder Schlachthof: Dort gibt sich am 30.10. Bob Vylan mit klarer politischer Attitüde und einem Spektrum von Punk über Reggae und Dub bis Grime die Ehre. Den Monat beschließt Annett Louisan mit humorvollen Songs über das Älterwerden: 31.10. Jahrhunderthalle.

BÜHNE Um unsere allgemeine psychische Gesundheit ist es schlecht bestellt. Höchste Zeit, der Einladung des Backstein Kollektivs zum Workout im Mental Gym zu folgen und die Schufterei im alltäglichen Hamsterrad infrage zu stellen. Interdisziplinär und performativ bietet das Gallus Theater dafür am 26./27.10. einen Reflexionsraum. Das Schauspiel Frankfurt zeigt am 26.10. noch einmal Virginia Woolfs Stück Orlando, in dem Kategorien wie Stand, Status, Geschlecht und Macht als scheinbar Unverrückbares demontiert werden. Der fließende Wechsel zwischen den Geschlechtern erzeugt größtmögliche Freiheit und keine Identitätskrise. In Dracula verwendet Re-

22

gisseurin Anna Wehner hingegen eine uralte, unsterbliche Figur, um Themen wie menschliche Grausamkeit und verschleierte Täterschaft als alle Zeiten überdauernde Pathologien szenisch auszuleuchten (Schauspiel Frankfurt, 27./30.10). Ein rosarot glitzerndes Ambiente verspricht das Kellertheater mit seiner queeren Bühnenshow Pride on Stage . Am 22. und 29.10. erwartet das Publikum ein abwechslungsreiches Programm aus fantastischen Theatermonologen und skurrilen Tanzund Gesangsdarbietungen.

KUNST In Paradise, Performance, Replica. Slovenian Photographic Ar t im Fotografie Forum Frankfurt präsentieren drei Künstler:innen in ihren Arbeiten das Spiel mit der Wiederholung, der Inszenierung von Rollen sowie den Blick auf die eigene Umgebung. Vanja Bućan hinterfragt in ihrer Serie Birds of Paradise (2021-2023) surrealistisch und humorvoll weibliche Rollen im pandemiebedingten Rückzug ins Häusliche (bis 7.1.2024). Die Schau Protest/Architektur. Barrikaden, Camps, Sekundenkleber im DAM Ostend widmet sich dem Phänomen Protest und seinem Wesen der Disruption. Gezeigt werden unter anderen Protestcamps von der Resurrection City 1968 bis zur Lobau bleibt!-Bewegung 2021/2022. Wer sind Frankfurts kleine Helfer? Stadtinsekten im Senckenberg Naturmuseum lädt dazu ein, kleine Lebewesen in Frankfurt gemeinsam mit Wissenschaftler:innen Senckenbergs zu erforschen. Denn: Sie sind für eine intakte Natur und auch für den Menschen unersetzlich (bis 1.12.2024).

›› NOVEMBER KINO In der „Captain Marvel“-Fortsetzung The Marvels (8.11.) müssen gleich drei Superheldinnen den Kampf gegen eine rachsüchtige Bösewichtin aufnehmen. Dass sie dabei die Plätze tauschen, sobald sie ihre Kräfte einsetzen, macht die Sache nicht einfacher. Patrick Dempsey wagt einen Ausflug ins Horrorgenre, dessen Zutaten Thanksgiving (16.11.), eine amerikanische Kleinstadt und ein maskierter Killer sind. Die Tribute von Panem – The Ballad Of Songbirds & Snakes (16.11.) ist das Prequel zu der bekannten Reihe, muss aber ohne Jennifer Lawrence auskommen. Das Biopic Napoleon (23.11.) mit Joaquin Phoenix zeigt den Aufstieg des französischen Heeresführers zum Kaiser und die destruktive Beziehung zu seiner großen Liebe Joséphine. Die legendäre Horror-Serie wird fortgesetzt: Mit Saw X (30.11.) kommt der zehnte Teil ins Kino

frizz-frankfurt.de


›››› › ›››› ABSCHALTEN UND AUFDREHEN

Varieté SPIN

Andy Warhol, im Jahr 1981 im Städtel fotografiert von Barbara Klemm

© Jim Rakete

© Barbara Klemm

© Jule Felice Frommelt

Annett Louisan

Sam Fender

Olgas Raum

Los geht es am 4.11. entweder mit klassischem Rock von The New Roses in der Batschkapp oder mit Deutsch-Punk von Slime im Schlachthof Wiesbaden. Am 6.11. erzählt Glen Hansard mit starker Stimme und klugen Texten seine neusten Geschichten in der Jahrhunderthalle. Selig feiern ihren 30. Geburtstag am 7.11. in der Batschkapp. Jungen Deutschpop gibt es am 10.11. von Fabian Wegerer in der Brotfabrik. Am 11.11. könnt ihr euch zwischen Therapy ? (11.11.) im Bett und Olli Schulz im Zoom entscheiden. Zwei Tage später kommt die zauberhafte Joy Denalane ins Zoom. Schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben The Subways und Ash , die am 20.11. gemeinsam im Bett auftreten. Dave Stewart kommt mit vielen Hits der Eurythmics im Gepäck am 26.11. in die Jahrhunderthalle und steht an diesem Tag in Konkurrenz zu Tasten-Derwisch Ben Folds , der das Kurhaus Wiesbaden mit dem Klavier zum Beben bringen wird. Jochen Distelmeyer, Frontmann der Sterne, kommt solo und akustisch am 27.11. in die Centralstation nach Darmstadt.

BÜHNE Ich lebe noch, aber ich bin nicht mehr ich: S o lautet das Leitmotiv des Stücks Regenblume , das auf der Interkulturellen Bühne am 3.11. Premiere feiert. Poetisch sym-

›› DEZEMBER KINO Das Biopic Maestro (6.12.) über den berühmten US-amerikanischen Dirigenten Leonard Bernstein, gespielt von Bradley Cooper, beleuchtet neben seinem größer werden Erfolg vor allem seine Ehe, die von einem großen Geheimnis belastet wird. Til Schweiger hat mit Das Beste kommt noch! (7.12.) mal wieder einen Film gemacht, in dem er neben Regie auch die Hauptrolle übernimmt. Das Musical Wonka (14.12.) mit Timothée Chalamet in der Titelrolle ist das Prequel von „Charlie und die Schokoladenfabrik“ und zeigt, wie ein junger Mann zu dem verrückten und ver-

bolisiert sie dabei den Glauben an das Leben, auch wenn es schmerzhafte (Folter-) Erfahrungen hervorbringt (4.11., 1./2.12.). Ab dem 2. November findet fast täglich eine Nachmittags- und Abendvorstellung von Spin - das Varieté, das sich dreht - im Neuen Theater Höchst statt. Egal ob Luftakrobatik oder Diabolo-Jonglage; Drehungen gehören bei der nonverbalen Show zum Repertoire der Künstler:innen. Am 30.11. lädt der legendäre Buchladen Land-in-Sicht im Nordend erneut zum OpenBookSlam ein, bei dem sowohl Buchhändler:innen als auch das Publikum ihre schrägsten Lektüreerfahrungen performen. Eine skurrile Reise in die Renaissance erfährt, wer sich auf Something Rotten! einlässt. Die Komödie ist eine Ode an Musicals und verhandelt humorvoll die Zukunft des Theaters. Zu erleben ab dem 17.11. täglich außer montags im English Theatre.

© Robin Laananen

LIVE

DZ Kunstsammlung zeigt Arbeiten von u.a. Cindy Sherman, Hiroshi Sugimoto und Wolfgang Tillmans (bis 3.2.2024).

Bob Vylan

Bob Vylan

KUNST Die Arbeiten des britischen Künstlers John Akomfrah in A Space Of Empathy in der Schirn setzen sich kritisch mit kolonialen Vergangenheiten, globaler Migration und der Klimakrise auseinander. Auf großformatigen Screens verbindet der Mitbegründer des Londoner Black Audio Film Collective (1982) eigene Filmaufnahmen mit Archivmaterial zu vielschichtigen Collagen (9.11.2023-28.1.2024). Barbara Klemm arbeitete von 1970 bis 2005 als Redaktionsfotografin für die FAZ, war zuständig für Politik und Feuilleton und lichtete wichtige Menschen in Politik und Kultur ab. Sie gilt als aufmerksame Zeitgenossin und Beobachterin der Menschen. Die Schau Barbara Klemm – Frankfurt Bilder im Historischen Museum zeigt 250 Fotografien ihrer Blicke auf die Stadt (9.11.2023-1.4.2024). Die Ausstellung Dialektik der Präsenz in der

frizz-frankfurt.de

23


››

Back to Back theatre Ugo Rondinone. Life Time

Dune 2

grämten Millionären Willy Wonka wurde, den Johnny Depp einst spielte. Noch ein musikalisches Biopic: Girl You Know It‘s True (21.12.) erzählt die Geschichte der Band Milli Vanilli, deren Erfolg verpuffte, als publik wurde, dass sie keinen ihrer Songs selbst gesungen haben. In Aquaman 2: Lost Kingdom (21.12.) rettet Jason Momoa Atlantis und die Welt vor der Zerstörung. Schräg klingt die Handlung des Thrillers Good Boy (21.12.): Christian lebt einem Mann, der ein Hundekostüm trägt und sich wie ein Hund verhält, was seine neue Bekanntschaft Sigrid verstört. Regisseurin Sofia Coppola bringt mit Priscilla (26.12.) die Geschichte von Elvis Presleys Frau auf die Leinwand–basierend auf ihren Memoiren „Elvis and Me“

LIVE Chuck Ragan sorgt mit seiner Band The Camaraderie am 1.12. im Schlachthof dafür, dass ihr mit gut geölter Stimme in den Dezember startet. Am 2.12. habt ihr die Wahl zwischen A-Cappella-Pop mit Maybebop unter dem Motto „Mehr Lametta“ im Neuen Theater Höchst und dem Unplugged-Auftritt von Geschichtenerzähler Gregor Meyle im Bürgerhaus Sprendlingen. Am 4.12. wird es laut: The Prodigy beschallen die Frankfurter Festhalle. Spannende Kombi: der italienische Komponist Teho Teardo und der deutsche Dada-Veteran Blixa Bargeld am 5.12. im Zoom. Etwas mehr Platz brauchen am Tag darauf Mando Diao, die mit Boblikov’s Magical World Tour im Schlachthof Station machen. Feine Sahne Fischfilet zerlegen am 14.12. die Offenbacher Stadthalle, melancholischer wird es am gleichen Tag bei Sarah Lesch im Zoom. Pohlmann bespielt bei seiner traditionellen Akustiktour am 15.12. die Brotfabrik. Irgendwo zwischen Dropkick Murphys und Green Day sind The Cloverhearts anzusiedeln – einen Eindruck bekommt ihr am 16.12. im Elfer Music Club. Traditionelle Termine zum Jahresende sind Peter and the Test Tube Babies , die am 23.12. genauso seit Jahren in der Batschkapp auftreten wie die Rodgau Monotones am zweiten Weihnachtsfeiertag. Und auch die U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern holen in guter Tradition zum Jahresende noch einmal die Kostüme aus dem Schrank und lassen sich am 29.12. im Zoom blicken. Merci, dass es euch gibt.

BÜHNE In zwei Theaterstücken im Mousonturm spielen künstliche Intelligenzen eine Rolle. Das inklusive Back to Back Theatre lässt in The Shadow Whose Prey The Hunter Becomes eine öffentliche Versammlung, in der Menschen mit Behinderung über ihre Benachteiligungen diskutieren, von einer plötzlich auftretenden KI beeinflussen (1./ 2.12.). Caroline Creuzburg (Frankfurt/Berlin) belebt am 1., 2., 3., 6. und 7.12. beide Studios mit dem hybriden Erzähl- und Erfahrungsraum Muskeln mit drei Frauen . Darin werden Elemente von Videogames, 3D-Echtzeit-Animation und interaktiver Performance experimentell verschränkt. Drei computergenerierte Frauenfiguren werden als archetypische Hypersubjekte festgelegt: Monsterin, Heldin und Komikerin. Zwischen Erinnerung und Zukunft verortet sich das diesjährige Textland-Festival. Am 8./9.12. diskutieren, lesen und performen die Autor:innen zum Thema Utopie oder

24

die Realität von morgen in der Evangelischen Akademie. Der Kabarettist Philipp Weber geht mit seinem Programm KI: Künstliche Idioten! unter die Propheten und bringt dem Publikum am 19.12. im Stalburg-Theater ein wichtiges Mittel gegen Zukunftsängste an die Hand: den Humor.

KUNST Die Gruppenausstellung ‘csa nti‘ Because of War – Healing and Resilience Back Home im Kunstspace Synnika präsentiert künstlerische Positionen und Perspektiven queerer Künstler:innen und ihrer Verbündeten, die in Ghana und der Diaspora leben und sich mit der Realität religiös und politisch motivierter Gewalt und Diskriminierung von LGBTQIA+ Personen auseinandersetzen. ‘csa nti‘ schafft Sichtbarkeit für queere Räume des Widerstands, die durch Medien, Kunst, Mode und Musik entstehen (bis 10.11.). Samson Schames stammte aus einer alteingesessenen Frankfurter jüdischen Familie. Seine Zeichnungen und Ölgemälde aus der Zeit bis 1933 zeigen seine Verbundenheit mit Frankfurt und seinen Landschaften. 1939 emigrierte er nach London. Fragmente des Exils im Jüdischen Museum thematisiert die drei wichtigen Lebensphasen Schames und setzt seine Frankfurter Zeit in Bezug zu seinem Werk im britischen Exil (bis 14.1.2024).

›› FRÜHJAHR KINO Das Biopic Bob Marley: One Love (11.1.2024) konzentriert sich auf die Entstehung des Albums Exodus, das kurz nach dem Attentat auf Marley und seiner Verbannung aus seiner Heimat Jamaika entstand. Die Neuverfilmung des Dramas Die Farbe Lila (18.1.) von 1985 mit „Arielle“ Halle Bailey in der Hauptrolle beleuchtet die Probleme afroamerikanischen Bevölkerung in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In Wise Guys (1.2.) spielt Robert De Niro in einer Doppelrolle zwei konkurrierende Mafiosi, die einander an den Kragen wollen. Vor Waffengewalt schreckt auch Argylle (1.2.) mit „The Witcher“ Henry Cavill nicht zurück, der einen unter Amnesie leidenden Spion verkörpert. Poor Things (8.2.) mit Emma Stone in der Hauptrolle sahnt ab. Die Variation des Frankenstein-Stoffs, angereichert um Feminismus und Sex, erhielt nicht nur brillante Kritiken, sondern gewann auch den Goldenen Löwe bei den Filmfestspielen in Venedig. Spider-Man Spin-off mit weiblicher Hauptrolle: Der Superheldenfilm Madame Web (14.2.) um die gleichnamige Hellseherin wird wohl als Prequel zur Spider-Man-Serie fungieren. Ein Revival: The Fall Guy (29.2.) ist die Kinoversion der 80er-Jahre-Serie „Ein Colt für alle Fälle“ rund um Stuntman Colt Seavers mit Ryan Gosling in der Titelrolle. Episch wird sicher auch der zweite Teil der Wüstenplanet-Saga Dune: Part Two (14.3.). Kleinere Brötchen backt Drive-Away Dolls (14.3.), die etwas lesbischere und etwas durchgeknalltere Version von „Thelma und Louise“. Mit Schneewittchen (21.3.) bringt Disney seine Geschichte rund um die

frizz-frankfurt.de

© Ben wolf

© Warner Bros

© Jeff Busby

›› UNI FRIZZ VORSCHAU


›››› ›››› Winterwerft

Titelfigur und die sieben Zwerge von 1937 als Realverfilmung wieder auf die Leinwand. Ex-Vampir Robert Pattinson spielt in Mickey 17 (28.3.) einen Klon, der sich zu helfen weiß. In Ghostbusters 2: Firehouse (28.3.) werden wie gewohnt Geister gejagt. Zum Abschluss noch Gigantisches aus dem Monster-Verse: In Godzilla x Kong: The New Empire (11.4.) machen die beiden Kolosse gemeinsame Sache, um gegen eine Bedrohung vorzugehen

LIVE Los geht es gerappt mit Prinz Pi (20.1., Batschkapp) und Trettmann (24.1., Jahrhunderthalle). Curtis Stigers lädt zur musikalischen Suche nach Neuem am 27.1. in die Alte Oper ein. Die Bitter Sweet Love-Tour von James Arthur gastiert am 30.1. in der Jahrhunderthalle. Am 15.2. kommt Wirtz in die Batschkapp, zwei Tage später macht Alexander Marcus die Stadthalle Offenbach nass. Großstadtgeflüster zerlegen den Wiesbadener Schlachthof (29.2.), wo am 2.3. auch Adam Angst gastiert. Die ehemalige Moloko-Sängerin Róisín Murphy (9.3.) dancefloort im Zoom. Folkpunkig kommen Northcote und Chris Cresswell am 10.3. in den Schlachthof Wiesbaden, indiefolkig wird es bei Dekker (11.3.) in der Brotfabrik, elektronisch mit Blaskapelle bei Meute in der Jahrhunderthalle, wo am 21.3. The 1975 melodischen Pop-Rock darbieten. Dazwischen kommt Enno Bunger mit dem wunderbaren Tourtitel „Der beste Verlierer“ am 15.3. in den Mousonturm. Siebenmal Festhalle: James Blunt (14.3.), Kontra K (16.3.), Jason Derulo (19.3.), Provinz (21.3.), Judas Priest (24.3.), Scooter (4.4.) und Simple Minds (12.4.) geben sich Frankfurts Gudd Stubb die Klinke in die Hand und eröffnen ein breites musikalisches Spektrum. Und wenn Madeline Juno ihre zauberhaften Stücke im Zoom (14.4.) präsentiert könnt ihr nach dem nächsten UniFRIZZ Ausschau halten.

© Searchlight Pictures

Käthe Kollwitz

© Sammlung David Lachenmann

© Ben wolf

© continuo theatre

Joy Denalane

Poor Things

KUNST „Alles ist Musik“ lautet der Untertitel der Schau Klangquellen im Museum Weltkulturen. Diese setzt sich mit Fragen wie „Welchen Einfluss hat unsere Umgebung auf unsere Hörwahrnehmung? In welchem Verhältnis stehen Umwelt, Klang, Mensch und Musik?“ auseinander (bis 1.9.2024). Vicco von Bülow aka Loriot gehört zum deutschen Kulturgut. Er gestaltete das erste Titelbild für die Satirezeitschrift Pardon mit und war einer der wesentlichsten Cartoonisten der Nachkriegszeit. In seiner TVSendung „Cartoons“ (1967-1972) setzte er einen gewissen Standard für komische Kunst. Die Schau Ach was. Loriot zum Hundertsten in der Caricatura zeigt das MultiTalent Loriot, der Zeichner, Autor, Regisseur und Schauspieler war (bis 25.2.2024). Käthe Kollwitz ist eine der berühmtesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Die Schau Kollwitz im Städel zeigt das Œuvre der Grafikerin, Zeichnerin und Bildhauerin, deren Werk sich zu gesellschaftlich wie politisch relevanten Themen äußerte und die in Deutschland vielfach instrumentalisiert wurde (20.3-9.6.2024).

Curtis Stigers

Als ZDF-Dreiteiler Ku’damm 56 faszinierte die Geschichte der alleinerziehenden Tanzschulinhaberin Caterina Schöllack und ihrer drei Töchter ein Millionenpublikum. Nun ist das gleichnamige Musical aus dem Berliner Theater des Westens vom 27.12.-7.1.2024 in der Alten Oper zu Gast. Von der aktuellen Stadtlabor-Ausstellung des Historischen Museums (Vom Versprechen der Gleichheit) wurde eine Gruppe junger Performer:innen des Schauspiel Frankfurt inspiriert. Unter der Regie von Martina Droste reflektieren sie in Und du bist raus ihre eigenen politischen Teilhabemöglichkeiten und setzen sich mit spielerischen Kommentaren zu der Ausstellung in Beziehung. Premiere ist am 17.2.2024. Die Winterwerft an der Orber Straße 57 steht für ein Festival mit wildem, revolutionärem Charakter. Vom 26.1. bis 6.2. blicken die Künstler:innen wieder unerschrocken in die Abgründe unserer Zeit, die sie kritisch hinterfragen, um einen Perspektivwechsel zu wagen. Das Festival bietet Raum für alle Ansätze aus Theater, Tanz, Musik, Poesie, Malerei und Bildhauerei.

frizz-frankfurt.de

© Ben Wolf

BÜHNE

25 27


›› UNI FRIZZ SERVICE

GRÜN UND GÜNSTIG

Nachhaltigkeit in der Küche

Ihr glaubt, eure WG-Küche ist in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit ein hoffnungsloser Fall? Alexandra Achenbach gibt euch mit ihrem neuen Ratgeber Tipps, um den Gegenbeweis anzutreten.

Auf 144 Seiten nimmt die Nachhaltigkeitsexpertin Achenbach die Leserinnen und Leser mit auf eine kurzweilige Reise. Sie beginnt bei Küchenbasics (Einrichtung, Organisation). Im folgenden Kapitel „Sauber, grün und rein“ geht es darum, wie die Kühe auch ohne teure Backofensprays, Hygienetücher und Chemie auf Dauer sauber bleibt. Es folgt „Einkaufen und Lagern“ mit Tipps und Tricks, wie ihr Vorratskammer und Kühlschrank zur grünen Zone macht. Natürlich dürfen auch nachhaltige Rezepte nicht fehlen, ehe es zum Ausklang um Upcycling und Resteverwertung geht mit Ideen für Apfelreste, Kaffeesatz und Brokkolistiele. So kommen 111 Ideen und Lifehacks zusammen, die ein breites Spektrum abdecken und dabei helfen, den eigenen Geldbeutel zu entlasten. Um das Gelesene rasch in die Tat umzusetzen, hat sich Achenbach zum Ende eines jeden Kapitels eine Challenge überlegt. Wir empfehlen die KlarSchiff-Challenge, bei der ihr eure Küche gründlich ausmistet und von Grund auf organisiert, genauso wie die Iss-Dich-Durch-Deine-Vorräte-Challenge. Denn 80 Kilogramm Lebensmittel, die jährlich in Deutschland pro Person in der Mülltonne landen, sind definitiv zu viel.

© Harry Grout by Unsplash

© oekom verlag

Was haben Sie studiert und welche Rolle spielte zu dieser Zeit Nachhaltigkeit? Ich habe Biologie studiert, im Umwelt- und Tierschutz gearbeitet, und dann Anfang der 2000er in Verhaltensökologie promoviert. Mein absoluter Wunschtraum. Ich war immer schon gern draußen in der Natur und neugierig, wie alles miteinander zusammenhängt. Allerdings spielte Nachhaltigkeit als solches damals nur theoretisch eine Rolle. Das Wort Klimaschutz war nicht Teil meines Vokabulars. Den tatsächlichen Startschuss für die Erkenntnis, dass ich selber mit all den Herausforderungen etwas zu tun habe, kam erst mit der Geburt meiner Kinder. Erst dann habe ich angefangen, mein Leben aktiv zu verändern. Wenn Sie auf Ihr eigenes Studium zurückblicken, welchen Fehler haben Sie zu dieser Zeit in Sachen Nachhaltigkeit gemacht? Ich habe vor allem zu lange nicht verstanden, welche verheerenden Folgen unser Lebensstil hat. Auch mein eigener. Da ging es weniger um übermäßigen Konsum, sondern viel mehr um Fernreisen, in die ich jeden erjobbten Cent gesteckt habe. Wie kamen Sie auf die Idee zu dem Buch? Die Idee kam tatsächlich von meinem Verlag, der auf mich zu kam. Wir kannten uns bereits von einem anderen gemeinsamen Buchprojekt. Was ist Ihr Lieblingskochrezept in dem Buch und warum? Ich LIEBE Brezn- und Brotchips. Super einfach, unkompliziert und das beste Resterezept für alte Backwaren.

Was können Sie speziell für Studierende empfehlen? Ich glaube tatsächlich, dass Studierende heute bereits viel weiter sind als ich zu meiner Hochschulzeit. Und es tut mir in der Seele weh, dass sie so früh im Leben mit so vielen und schwerwiegenden Problemen belastet werden. Deshalb tue ich mir ehrlich gesagt schwer mit einer Empfehlung, außer vielleicht: Verliert nicht den Mut und die Geduld mit all den Reaktionären, den Zweiflern und Klimaleugnern.

© Helena Heilig

K

ommt die Rede auf den Klimaschutz, geht es oft um die großen Themen: Erneuerbare Energien, Tempolimit, Kreislaufwirtschaft. Und es ist richtig: Um das 1,5 Grad-Ziel auch nur annähernd zu erreichen, braucht es strukturelle, gesamtgesellschaftliche Maßnahmenpakete. Die gute Nachricht: Auch im eigenen Zuhause kann jedermann und jederfrau nachhaltiger handeln. Bloggerin Alexandra Achenbach (livelifegreen.de) zeigt in ihrem neuen Ratgeber, wie das sogar mit wenig Geld möglich ist. Sich stapelnde PET-Flaschen in der WG-Küche, abgelaufene Joghurts im Kühlschrank und stumpfe Messer in der Besteckschublade? Das geht auch anders! Wir haben die preisgekrönte Bloggerin anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Buchs interviewt.

››

FR IZZ verlost 3 Exemplare. Teilnahme via E-Mail an gewinnspiele@frizzfrankfurt.de oder Postkarte an den Verlag. Kennwort „Nachhaltige Küche“. Gewinnbenachrichtigung via E-Mail. Einsendeschluss: 15.11.2023.

26

frizz-frankfurt.de

›› Alexandra Achenbach: Meine nachhaltige Küche – on a budget. 111 Ideen & Lifehacks für wenig Geld. oekom verlag ISBN 978-3-98726-037-7, ab 10,99€


›› UNI FRIZZ GASTRO

ALTERNATIVEN ZUR MENSA Es ist viel los in Frankfurts Gastroszene: Wir haben fünf Tipps für euch, wenn ihr mal Abwechslung vom Mensa-Essen benötigt.

BAGELS

ITALIENISCH

FRANZÖSISCH

Runder Genuss auf den Punkt

Eine Pizza mit Geschichte

Knackig-krosse Croques

Toller Kaffee, hübsches Geschirr, leckere Bagels.

Legendärer Ort für eine Pizza mit Kult-Potenzial.

Herzlich, frisch und hoher Wohlfühlfaktor: Genau so muss ein Café sein.

ESSEN: ■■■■■■ SERVICE: ■ ■ ■ ■ ■ ■ AMBIENTE: ■ ■ ■ ■ ■ ■

ESSEN: ■■■■■■ SERVICE: ■ ■ ■ ■ ■ ■ AMBIENTE: ■ ■ ■ ■ ■ ■

ESSEN: ■■■■■■ SERVICE: ■ ■ ■ ■ ■ ■ AMBIENTE: ■ ■ ■ ■ ■ ■

Dot. Viel kürzer kann ein Café nicht heißen. Der Name transportiert, dass die Betreiber des kleinen Ladens in der Wallstraße klare Konzepte bevorzugen. Das beginnt bei der sehr aufgeräumten Gestaltung, die mit klaren Formen besticht und auf Schnickschnack verzichtet. Und setzt sich fort beim kulinarischen Angebot: Bagels bilden im Dot den Schwerpunkt und werden in – vor allem – herzhaften, aber auch süßen Ausführungen von 4,50€ bis 9€ angeboten. Wir entscheiden uns für die Variante mit Lachs, Avocado und Spinat und sind sehr zufrieden: Das runde Gebäck mit dem Loch in der Mitte kommt leicht getoastet daher, die Zutaten sind frisch und knackig. Ein Hingucker ist das eigens für das Café hergestellte Geschirr, das von Keramik-Designerin Viola Beuscher gestaltet wurde und dank der tönernen Farbe mit blauen Punkten ganz wunderbar nach Sachsenhausen mit seiner Bembel-Historie passt. Der Kaffee ist kräftig mit bezaubernder Milchschaumgestaltung, der Service zugewandt und zügig. Und da wir auch einen Bildungsauftrag haben: Bagels werden zwar gerne mit den USA assoziiert, haben aber mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Wurzeln in Mittel- und Osteuropa. Der älteste Beleg findet sich aus dem Jahr 1610 in der jüdischen Gemeinde Krakaus.

Wer die Münchner Straße 41 betritt und kein Neuling im Bahnhofsviertel ist, wird unweigerlich zunächst einmal im Gedächtnis kramen: Wie war das nochmal, als die Terminus-Klause hier zum Kult-Laden avancierte? Das Innere ist nicht wiederzuerkennen mit luftig gestellten Tischen und einem schicken Holzregal, das daran erinnert, dass das Ciccione auch über eine gut sortierte Weinkarte verfügt. Wir sind jedoch zum Pizza essen hier. Die Macher, gegenüber bereits mit dem Yaldy erfolgreich, setzen auf „al taglio“. Das steht für „am Stück“, denn in der schicken Glasvitrine warten rechteckige Pizzastücke auf Blechen darauf, die Gäste glücklich zu machen. Wir genießen eine Melanzane (6,50€ Aubergine, Pecorino, frische Salsa Verde) und sind bereits nach dem ersten Biss von dem Teig – mehr als daumendick, unfassbar fluffig, dennoch knusprig – begeistert. Jedes Stück kommt noch einmal in den Ofen, der aufgeweckte Service veredelt es vor dem Servieren. Favorit des Tages ist die Variante (6,50€) mit Kürbis, Traube und Kapern, was eine sensationelle Kombination aus fruchtigen und salzigen Noten ist. Wir sind uns sehr sicher: Das Ciccione hat das Potenzial, den Kultfaktor dieser Adresse würdig fortzuschreiben.

„Blüten und Baguettes, die großen Seelentröster“ – dieses Zitat in Abwandlung eines Bonmots der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson kommt uns in den Sinn, als wir glücklich und zufrieden Fräulein Fleur verlassen. Wir haben ein knackig-krosses Croque Monsieur (9,50€) genossen und mal wieder gemerkt, dass es die einfachen Gerichte sind (wie hier mit viel Käse überbackene, gestapelte Toastbrotscheiben mit Schinken), die, gekonnt zubereitet, der Seele besonders schmeicheln. Wir haben uns an dem Ambiente erfreut mit üppiger Blumentapete, Omas Geschirr und einem extrem herzlichen und aufmerksamen Service, der uns die „Beerenliebe“ – eine ganz wunderbare Kombination aus Vanille-Rahmjoghurt, Tonkabohne, Granola, Beeren und Waldbeermark – versehentlich in der großen Variante (8€ statt 4,50€) gebracht hat, aber partout nur die ursprünglich georderte kleine Variante abrechnen wollte. Und wir ließen uns zum Abrunden einen exzellenten MohnKäse-Kuchen mit Birne auf der Zunge zergehen. Besonderheit: Fräulein Fleur ist zugleich eine Blumenbar. Wenn ihr also nach dem Café-Besuch noch etwas fürs Auge für die WG mitnehmen oder euch einfach selbst für die abgegebene Seminararbeit belohnen möchtet – hier habt ihr die Möglichkeit.

›› Dot. Wallstraße 3 (Sachsenhausen) Mo-So 10-18 Uhr instagram.com/dot.frankfurt

28

›› Ciccione Münchner Straße 41 (Bahnhofsviertel) Mo–Fr 12–14.30, 18-22 Uhr, Sa 17-23 Uhr instagram.com/ciccione.pizza

›› Fräulein Fleur Glauburgstraße 74 (Nordend) So/Di/Mi 9-17, Do-Sa 9-18 Uhr (069) 95 01 69 83, fraeulein-fleur.de frizz-frankfurt.de


LATEINAMERIKA

KOREANISCH

Eine Reise voller Geschmack

Von Kimchi bis Fried Chicken

Must-Go, um die Facetten Lateinamerikas zu probieren.

Mutige Kombi: Koreanischer Foodtruck im Frankfurter Biergarten.

ESSEN: nnnnnn SERVICE: n n n n n n AMBIENTE: n n n n n n

ESSEN: nnnnnn SERVICE: n n n n n n AMBIENTE: n n n n n n

„Wir sind die Magie des Südens“: Das Enamor wirbt auf seiner Webseite prägnant und lädt die Gäste zu einer Geschmacksreise durch lateinamerikanische Länder ein. Das Angebot des kleinen Bistros von Chefin Valentina Bedoya, das über kaum mehr als zehn Sitzplätze verfügt und die Gäste mit dem Schriftzug „Hola! You’re looking gorgeous today“ begrüßt, speist sich mit Gerichten aus Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Peru oder Mexiko. Dabei kommen immer wieder moderne Akzente zum Einsatz, die die Neugier und die Lust am Ausprobieren wecken. Unsere Wahl fällt auf Molito Burrito (Hühnchen, Black Bean Dip, mexikanische Sauce, 9,50€) und Aji de Gallina (15€). Bedoya serviert das fein-pikant gewürzte Hähnchen-Frikassee, eine peruanische Leibspeise, mit zwei halben Eiern und Oliven auf einer Waffel – schon rein optisch ein Genuss. Beide Gerichte lösen eine Geschmacksexplosion aus, die über die eher kleinen Portionsgrößen hinwegtröstet. Zum Ausklang probieren wir die „Maracuja Fruit Party“ (6€), die Maracuja Mousse, hausgemachtes Dulce de Leche und Shortbread-Crumble gekonnt kombiniert. Um die Mittagszeit agiert der Service am Anschlag, bedient aber stets herzlich und entgegenkommend. Wir kommen auf jeden Fall wieder, um die Reise fortzusetzen.

Bei unserem Streifzug durch die Stadt auf der Suche nach Alternativen zum Mensaessen darf ein Foodtruck nicht fehlen. Gangnam Kitchen hat einen festen Standort im Biergarten des Braustil. Inhaberin Amy Kim hat sich der südkoreanischen Küche verschrieben. Die angenehm übersichtliche Karte mit knapp zehn Gerichten reicht von der Nationalspezialität Kimchi (ab 4€) über Korean Fried Chicken (12€) und Bibimbap (12€) bis hin zu süß gefüllten Pfannkuchen mit Erdnüssen, Zimt und Walnuss (Hotteok, 5€). Unser Urteil fällt gemischt aus. Das Kimchi – scharf eingelegtes, leicht fermentiertes Sauerkraut – ist knackig frisch und weiß genauso zu überzeugen wie die pikant marinierten, saftig-frittierten Hähnchen-Teile. Das Bibimbap ist hingegen trotz der offensichtlich frischen Zubereitung etwas fad, unseres Erachtens fehlen sowohl Sesamöl als auch Chili-Soße. Ein Gaumenschmeichler sind hingegen wiederum die dampfgegarten und dann gebratenen Maultaschen (Mandu, 9€) auf Krautsalat. Der Service ist freundlich, allerdings warten wir recht lange, und die Speisen könnten durchgehend etwas heißer sein. Wer vor Ort auf den Bierbänken speisen möchte, muss beim Braustil Getränke ordern – unserem Hellen fehlt an diesem Tag leider die Spritzigkeit.

›› Enamor Oeder Weg 51 (Nordend) Mo/Do 10-20, Fr/Sa 10-21, So 10-no food left (0170) 49 74 735, latino-restaurant.de

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8.30–18.00 Uhr Samstag 8.30–9.30 Uhr + 17.00–18.00 Uhr Bockenheimer Landstr. 133 60325 Frankfurt/Main Telefon: 069/798 230 48, Fax: 069/707 900 40 www.kfz-referat.de, transporter@kfz-referat.de

Beruf:Politik

Demokratiekongress der Hertie-Stiftung Neue Wege in die Kommunalpolitik

Jetzt anmelden! Am 8. und 9. Dezember 2023 in Frankfurt. Die Teilnahme ist kostenfrei. www.ghst.de/kongress2023

›› Gangnam Kitchen Oeder Weg 57 (Nordend) Di-Fr 17-22, Sa 13-22 Uhr (0151) 61 99 70 79 gangnam.kitchen frizz-frankfurt.de

29


›› UNI FRIZZ ARENA

Lieber Gastgeber als Produzent

© Neue Visionen

V

enedig, Aschaffenburg, Frankfurt: Wer Christopher Bauschs Handynummer anruft, erlebt immer wieder eine Überraschung. Der Kinobetreiber ist viel unterwegs, sieht im Aschaffenburger Programmkino „Casino“ nach dem Rechten, sichtet neue Stoffe auf den internationalen Filmfestivals oder bespricht in einem „seiner“ drei Frankfurter Kinos (Cinema, Harmonie, Eldorado) mit seinem Team die nächsten Aktionen. Vor kurzem stand Bausch selbst auf der Bühne: Beim Kinoprogrammpreis des Bundesministeriums für Kultur und Medien nahm er mit seinen Mitstreiter:innen von Kulturstaatsministerin Claudia Roth den mit 20.000 Euro dotierten Spitzenpreis in Empfang. Roth sagte in ihrer Laudatio: „Die Preisträger des heutigen Abends stehen für den kulturell wertvollen Film abseits der großen Blockbustermaschinerie.“ Der Kinoprogrammpreis zählt zu den bedeutendsten jährlichen Auszeichnungen der Kinobranche. Bereits seit 1970 fördert der Bund damit die Verbreitung künstlerisch hochwertiger, deutscher Filme sowie die Entwicklung der Filmtheater als Kulturstätten. Wenn Bauschs Leben verfilmt würde, so würde sich ein Biopic anbieten, in dem der Protagonist erst im zweiten Anlauf seine Bestimmung findet. Denn der ursprüngliche Plan des gebürtigen Frankfurters, der bereits während sei-

Die Theorie von allem

© Sony Pictures

Kinobetreiber Christopher Bausch blickt zurück aufs Studium

nes Zivildiensts parallel im Kino arbeitete, war es, Filme zu produzieren. Sein Ziel Ende der 1990er Jahre: Die Filmakademie in Ludwigsburg. Bausch zählt zu den wenigen Bewerbern für das Studienfach Filmproduktion, deren Mappe akzeptiert wird. Umso schlechter fühlt er sich, als er nach wenigen Semestern abbricht: „Für meinen Geschmack war das Studium zu stark auf das kreative Werk ausgerichtet. Das war weit weg von dem, was in der Praxis wichtig ist. Nämlich die Frage, welches Publikum sich welchen Film anschaut.“ Bausch fühlt sich deutlich wohler in der Rolle des Gastgebers. Nach dem Abbruch des Studiums baut er seinen Wochenend-Studentenjob im MultiplexKino „Kinopolis“ in Sulzbach zur Vollzeitstelle aus und ergreift 2004 die Möglichkeit, das Aschaffenburger Programmkino „Casino“ wieder zu beleben. Das Risiko – „Wir mussten testen, ob Aschaffenburg Filmkunst kann“ – wird belohnt. 2016 kamen in Frankfurt das Harmonie Filmtheater in Sachsenhausen und das Cinema am Rossmarkt dazu, 2020 dann mitten in der Pandemie mit dem Eldorado in der Schäfergasse das älteste Kino der Stadt. Die Art und Weise, wie Bausch und sein Team die mittlerweile vier Kinos betreiben, könnte fast als Reaktion auf seine damalige Kritik an der Gestaltung des Studiums gedeutet werden. Denn das Publikum steht im Mittelpunkt. Kino wird als kultureller Ort und sozialer Treffpunkt verstanden, der auch dank pfiffiger gastronomischer Angebote zum Verweilen einlädt. Dies wurde auch in der Laudatio bei der Preisverleihung betont: „So muss modernes Kino sein.“

DIE LIEBLINGE DER PROFS

ZU GUTER LETZT: DER ABSACKER

Ausgezeichneter Lieblings-Vermeider: Jens Liebehenschel

YokYok Kiosk ›› Am Hauptbahnhof 6, Bahnhofsviertel, Mo-So 12-5 Uhr.

© Frankfurt UAS Sebastian Wolf

Gleich mehrere Preise hat Jens Liebehenschel in den vergangenen Monaten gewonnen. So landete der Professor für Mobile Systems Engineering am Fachbereich Informatik und Ingenieurwissenschaften der Frankfurt University of Applied Sciences bei der Auszeichnung „Professor des Jahres“ in der Kategorie „Ingenieurswissenschaften/ Informatik“ auf dem dritten Platz. Mit dem Preis kürt die UNICUM Stiftung Professorinnen und Professoren, die ihre Studierenden bei der Berufsvorbereitung in besonderer Weise unterstützen. Beim Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst erhielt Liebehenschel den 2. Preis. Und schließlich gewann er gemeinsam mit Prof. Dr. Jörg Schäfer den Innovationspreis des Fördervereins der Frankfurt UAS für das Lehrprojekt „Smart Education in der Informatik“, das kreative neue Wege in der Vermittlung geht. Wir haben versucht, mit dem 54-Jährigen über seine Lieblinge zu sprechen.

››

Lieblingsbuch: Ich habe kein Lieblingsbuch. Aber natürlich lese ich viel: Fachliteratur, Bücher über Unternehmensführung, manchmal einen dicken Wälzer an einem Tag. Zuletzt habe ich Kurzgeschichten in einer fremden Sprache genossen. Lieblingsort: An der Hochschule agiere ich mit Freude im Hörsaal. Ansonsten bin ich gerne an der frischen Luft, am liebsten mit dem Fahrrad. Lieblingsfilm: Ich bin überhaupt kein Fernseh- oder Filmeschauer. Wenn ich mal ins Kino gehe, dann am liebsten in Komödien. Zuletzt war ich mit meiner Frau in „Enkel für Fortgeschrittene“. Lieblingsmusik: Da kann ich mich nicht festlegen. Im Auto höre ich Radio, die normalen Sender. Liebstes Zitat: „Love it, change it or leave it“. Zum einen, weil da ganz viel IT drinsteckt. Und weil man Situationen immer wieder reflektieren sollte.

30

One for the road

›› Für die Leser:innen des UniFRIZZ hat Bausch abschließend zwei Filmempfehlungen. Einmal der Streifen „Die Theorie von allem“ (ab 26.10.), der die düstere Idee eines Multiversums präsentiert und der – außergewöhnlich für einen deutschen Film – beim Filmfestival in Venedig im Wettbewerb gezeigt wurde. Und die Tramödie „One for the road“, die den möglichen sozialen Abstieg durch Alkoholkonsum zeigt, aber ohne erhobenen Zeigefinger.

frizz-frankfurt.de

Wenn eine lieb gewonnene Institution umziehen oder von Grund auf renoviert werden muss, haben oft Bedenken die Oberhand. Kann der neue Ort an die Geschichte(n) des alten anknüpfen? Bleibt das Besondere, das Flair, das Urtümliche erhalten? Es sind Fragen wie diese, die uns bewegen, als wir die Tür des ehemaligen Corona-Testzentrums direkt gegenüber des Hauptbahnhofs öffnen und das YokYok betreten. Um die Ecke, in der Münchner Straße, hat der Kiosk sich den Ruf als „Kult“ im Bahnhofsviertel erarbeitet und zog die Nachtschwärmer, Wegebierkäufer und Cornerliebhaber magisch an. Wir schauen uns um, entdecken bekannte Aufkleber, Kühlschränke, Fotos, Schilder. Und natürlich Betreiber Nazim Alemdar, einer der Charakterköpfe des Viertels, der hier mehr als 200 Biersorten anbietet. Der neue Raum ist größer, wirkt zunächst etwas kühler. Aber man merkt schnell: Auch hier ist Platz für Geschichte und Geschichten.


LET’S

FACE IT

WE’RE

FUCKED FÜR 8 EURO INS THEATER!

Schüler:innen und Studierende bis 30 Jahren erhalten in allen Spielstätten des Schauspiel Frankfurt ermäßigte Karten! Schauspielhaus, Kammerspiele, Bockenheimer Depot. (Gastspiele und Premieren: 10 Euro. Auch im Vorverkauf!)

www.schauspielfrankfurt.de und folgt uns auf

AZ_UniFrizz.Lets face it.indd 1

05.10.23 10:28


Spitzenfußball! Spitzenkarte! Die neue Adler Card: überall einsetzbar Jetzt sichern!

Debit

www.frankfurter-sparkasse.de/ adlercard

OOO O O O OO Pet IBAN

ler er A d

DEO6

1822_Anzeige AdlerCard_220x297_08_2023.indd 1

OO O O O OOO

189 3 O 8 O

Gültig

9 1

22 8 1 6 2O

23

bis

O6/26

20.09.23 13:14


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
UNI FRIZZ Frankfurt Wintersemester 2023/24 by FRIZZ Skyline - Issuu