Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007
NACHRICHTEN AUS DEN WERKSTÄTTEN
W E N D T & K Ü H N
Sie haben uns weltberühmt gemacht: Die musizierenden Grünhainichener Engel zum Konzert auf dem Engelberg.
Seite 2 | Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007
Liebe Leser der elfpunktepost Pünktlich zur Vorweihnachtszeit möchten wir Sie mit einer neuen Ausgabe unserer elfpunktepost erfreuen. Auch diesmal haben wir wieder viele spannende Geschichten aus unseren Werkstätten zusammengetragen, mit denen wir Ihnen die Wartezeit auf das große Fest ein wenig verkürzen wollen. Bestimmt freuen sich Ihre kleinen Engel schon darauf, bald wieder aus ihrem sommerlichen Schlummer geweckt zu werden! Apropos Schlummer: Wenn Sie Ihre Figuren aus unseren Werkstätten nach dem Fest wieder einpacken und sie ihren wohl verdienten Sommerschlaf genießen können, dann überraschen Sie Ihre Engelchen doch einmal mit einem ganz besonderen Weihnachtsgeschenk. Speziell für die vielen kleinen Figuren, die unsere Sammler über die Jahre zusammengetragen haben, wurde unsere „Schlummerkiste“ entwickelt. In 36 Kästchen, die perfekt auf die Größe der kleinen Kostbarkeiten abgestimmt sind, lassen sich die Engel – eingewickelt in zartes, weiches Seidenpapier – sauber und sicher verstauen, bis sie im nächsten Jahr unversehrt wieder hervorgeholt werden können. Ganz und gar nicht schläfrig geht es zurzeit in unseren Werkstätten zu. Zahllose fleißige Hände werkeln in Schneiderei, Dreherei, Leimerei, Taucherei und Malerei an den Figuren, die in der Weihnachtszeit wieder so vielen Menschen eine Freude machen werden. Wir haben wieder einen Blick hinter die Kulissen der Weihnachtswerkstätten geworfen und geben Ihnen spannende Einblicke in die Arbeitsgänge des Schneidens und Malens. In einer amüsanten Bildergeschichte erzählt Ihnen einer unserer Amorengel, wie er sich unter den geschickten Händen seiner Malerin von einem weiß getauchten Rohengel in eine kunstvolle Kreation verwandelt. Schon diese winzigen Fertigungsdetails lassen erahnen, wie viel Arbeit und Liebe bei jedem Schritt in die Entstehung unserer Engelchen fließt. Weitere interessante Einblicke in die großen und kleinen Geheimnisse unserer Manufaktur erhalten Sie auf unserer neu erschienenen DVD „Die weltberühmten Engel aus Grünhainichen“. Wir freuen uns sehr, dass die Regisseurin und „Mutter des Films“, Sabine Barth, in einem Bericht von der spannenden Entstehung des Filmes erzählt. Schließlich lernen Sie in dieser Ausgabe einen Mann kennen, ohne den es Wendt & Kühn wohl nie gegeben hätte. Als „graue Eminenz“ ebnete Albert Wendt, der Vater unserer legendären Grete, seiner Tochter den Weg zur Gründung der Werkstätten. Er selbst war als Leiter der Grünhainichener Gewerbeschule maßgeblich am weltweiten Erfolg des Holzspielzeugs aus dem Erzgebirge beteiligt und galt nicht nur als begnadeter Handwerker, sondern auch als visionärer Pädagoge. In Fortführung unserer Tradition stellen wir Ihnen in diesem Heft auch wieder ein paar außergewöhnliche Produktneuheiten vor. Drei kleine Margeritenengel bereichern unser Sortiment seit diesem Herbst. Lassen Sie sich von unseren Figuren verzaubern und immer wieder spannende kleine Geschichten erzählen! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine wunderschöne Vorweihnachtszeit und ein noch schöneres Fest im Kreise Ihrer Lieben, stimmungsvoll begleitet von den weihnachtlichen Figuren aus dem Hause Wendt & Kühn!
Herzlichst, Ihr Tobias Wendt
elfpunktepost
Inhalt Zauberhafte Neuigkeiten Seite 4 Fleißige Margeritenengel ergänzen die kleinen Himmelsboten. Filmgeschichten Seite 6 Wie es zum Film über den Zauber der weltberühmten Engel aus Grünhainichen kam.
Albert Wendt Der Gründervater war ein großer Förderer erzgebirgischen Kunsthandwerks.
Seite 8
Mit Pinsel und Farbe So erhalten die Engel ihre liebevolle Ausstrahlung.
Seite 10
Zu Besuch in der Holzwerkstatt Heidrun Jendro arbeitet hier seit 37 Jahren als Sägerin.
Seite 12
Kaleidoskop Seite 14 Sortimentsveränderungen, Schautage 2007/08 und Verschiedenes aus der Welt von Wendt & Kühn. Impressum Herausgeber: Wendt & Kühn KG Grünhainichen Gestaltung: brennerdesign, Zschopau Text: Dr. Sylva-Michèle Sternkopf, Flöha Fotografie: S+M Rümmler, Flöha; Fotoarchiv der Wendt & Kühn KG, Privatarchiv der Familie Wendt Druck: Druckerei E. Gutermuth, Grünhainichen Wendt & Kühn KG Chemnitzer Straße 40, D-09579 Grünhainichen Telefon: 037294/86 286, Telefax: 037294/86129 E-Mail: info@wendt-kuehn.de www.wendt-kuehn.de
Seite 4 | Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007
elfpunktepost
Zauberhafte Neuigkeiten aus der Himmlischer Sommerschlaf Was machen Ihre Wendt & Kühn Engel eigentlich im Sommer? Fristen sie ihr Dasein in tristen Pappkartons auf dem Dachboden oder zieren Sie auch in den Sommermonaten Ihre Vitrine? Für all jene Sammler, die ihre Engel nach Weihnachten sorgfältig verpacken und sich dann das ganze Jahr über auf den Moment freuen, wenn sie ihre Lieblinge endlich aus dem langen Sommerschlaf wecken können, haben wir uns etwas ganz Besonderes ausgedacht: Die Schlummerkiste. Die elegante Aufbewahrung im stilvollen Wendt & Kühn Design ist in 36 kleine Kästchen eingeteilt, von denen jedes genau so groß ist, dass es einen kleinen Himmelsboten in sich aufnehmen kann. Eingewickelt in zartes Seidenpapier genießen Ihre Figuren hier einen sanften Schlummer. So kann nichts verrutschen, abbrechen oder beschädigt werden, und wenn Sie dann im Advent die Englein wieder wecken, können Sie diese in unversehrter Anmut genießen.
Kindliche Kreationen 1935 entstand am Zeichenbrett von Olly Wendt eine reizende Serie unschuldiger, kleiner Engelskinder, die damals jedoch nur in sehr geringen Stückzahlen gefertigt wurde. Mehr als 70 Jahre später entschloss sich Wendt & Kühn zu einer Neuauflage der kleinen Kostbarkeiten, von denen 2005 und 2006 jeweils drei Kreationen wieder ans Licht geholt wurden. Aufgrund der
starken Nachfrage unserer Sammler wird diese Serie nun auch 2007 fortgesetzt. Der „Margeritenengel mit Teller und Vogel“, der „Margeritenengel mit Strickzeug“ und der „Margeritenengel mit Geschenken“ fügen sich in den Reigen der fröhlichen kleinen Freudenbringer ein und lassen als Weihnachtsgeschenk jedes Sammlerherz höher schlagen (Abb. rechts).
Schlummerkiste So sieht es aus, wenn Engel ihren Sommerschlaf halten. Sorgsam verpackt und noch mit einem Deckel verschlossen, finden die kleinen Engelmusikanten hier ihre Ruhe. 650/SK Schlummerkiste für Engel (voraussichtlich ab Ende Oktober im Handel erhältlich)
Stimmungsvoller Begleiter durchs Jahr 2008 gibt Wendt & Kühn seinen exklusiven Figurenkalender bereits zum elften Mal heraus. Er hat sich mittlerweile zu einer schönen Tradition entwickelt. Seien Sie auch diesmal gespannt auf zwölf kunstvoll gestaltete Monatsblätter. Darin erwachen die Figuren aus unserer Manufaktur zum Leben: Sie meistern kleine Abenteuer, begegnen in immer neuen Szenen dem Lauf der Jahreszeiten und erzählen spannende Geschichten. Jeden Monat erfreut Sie unser Kalender mit neuen stimmungsvollen Bildern, die in erster Linie Neuheiten aus unseren Werkstätten vorstellen. Übrigens: Die Monatszahl auf jedem Kalenderblatt wurde aus den Geburtstagszahlen des Hauses Wendt & Kühn gestaltet, welche seit 2006
elfpunktepost
Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007 | Seite 5
Grünhainichener Manufaktur Bewegende Bilder 1,2 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten am 1. Weihnachtsfeiertag 2006 die MDRSendung „Die weltberühmten Engel aus Grünhainichen”. Die liebevoll gedrehte Reportage aus den Grünhainichener Werkstätten lässt die Geschichte und die kunstvolle Figurenwelt von Wendt & Kühn lebendig werden. Seltene historische Aufnahmen erlauben spannende Einblicke in die sehr wechselvolle Geschichte der Traditionsmanufaktur. Bei dem Rundgang durch die Werkstätten kann man den Mitarbeitern beim Drechseln, Leimen und
634/70/9 Margeritenengel, sitzend mit Geschenken
634/70/8 Margeritenengel, sitzend mit Strickzeug
erhältlich sind. Als ganz besonderes Extra erwartet alle Sammler natürlich die original Wendt & Kühn Figur, welche den Echtholzrahmen unseres Kalenders ziert. Diesmal musiziert ein kleiner Engel mit Mandoline. Der Kalender 2008 ist in drei Vari-
634/70/7 Margeritenengel, sitzend mit Teller und Vogel
anten erhältlich: Entweder komplett mit Holzrahmen und Figur, oder – wenn man den Rahmen aus der Vorjahresedition verwenden möchte – als reine Kalenderblattsammlung, die ohne den Engel angeboten wird. Diesen kann man einzeln erwerben. 2008 Kalender 2008, komplett
die weltberühmten
engel aus grünhainichen Geschichten aus der Manufaktur.
DVD-Video | deutsch
529/3 DVD „Die weltberühmten Engel aus Grünhainichen“
Malen über die Schultern schauen und zahlreiche Liebhaber der Figuren erzählen von ihrer ganz besonderen Beziehung zu den kleinen Kompositionen. Pünktlich zur Weihnachtszeit kommt diese Reportage nun auf DVD heraus. Stilvoll präsentiert in der attraktiven Verpackung, ist sie mit Sicherheit nicht nur eine großartige Geschenkidee für alle Freunde des Hauses Wendt & Kühn, sondern auch eine interessante Bereicherung für alle Sammler und Liebhaber. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag auf der folgenden Seite, in dem uns die Regisseurin des Films, Sabine Barth, an ihren Erinnerungen an den Dreh teilhaben lässt.
Seite 6 | Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007
elfpunktepost
Als „Die weltberühmten Engel Der Film „Die weltberühmten Engel aus Grünhainichen“ wird ab Herbst 2007 bei Wendt & Kühn als DVD erhältlich sein. Bereits nach seiner Erstausstrahlung am ersten Weihnachtsfeiertag 2006 bekamen wir zahlreiche Anfragen, wann dieser Film in unser Sortiment aufgenommen wird. Nun ist es endlich so weit. Wir haben Sabine Barth aus diesem Anlass gebeten, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Als Regisseurin erzählt sie von den Dreharbeiten sowie über ihre persönliche Liebe zu Engeln, Blumenkindern und Spieldosen. Sabine Barth, Regisseurin des Films: Da war er nun im Herbst 2006, der Moment, um den mich alle Wendt & Kühn Fans beneiden würden: Für unsere Dreharbeiten durfte ich nach Herzenslust all die Figuren im Wendt & Kühn Sortiment auswählen, die für unseren Film aufgenommen werden sollten. Die Spieldose mit den Musikerengeln und der Melodie „Ihr Kinderlein kommet“ oder „Stille Nacht“? Margaritenengel oder doch lieber noch einige Blumenkinder? Das Ergebnis ist in unserem Film anzusehen. Eine Frage, die mir nach der Ausstrahlung von „Die weltberühmten Engel aus Grünhainichen“ immer wieder gestellt wurde, war: Wie kam es zu diesem Film?
Die Anfänge reichen sehr weit zurück… in die 30er Jahre nach Zwickau. Dort hatte mein Großvater väterlicherseits ein Engagement als Musikdirektor. Bei einem befreundeten Drechsler, der auch Holzfiguren anderer Hersteller verkaufte, sahen meine Großeltern Kurt und Gerda Barth zum ersten Mal die „Musikerkollegen“ mit den typischen grünen Flügeln mit elf weißen Punkten und verliebten sich sofort in sie. Ich selbst habe meine Großeltern leider kaum gekannt. Ich war noch sehr klein, als sie kurz hintereinander starben. Was von ihnen in der Familie erzählt wurde, war, dass sie als Musiker oft sehr wenig Geld hatten, dafür aber umso mehr Sinn für alles Schöne und Künstlerische, weit über die Musik hinaus. In den dreißiger Jahren in Zwickau haben sie sich Stück für Stück das Engelorchester zusammengespart. Nach dem Krieg ging die Familie nach Zeitz an das dortige Theater. Engel gab es dann schon bald keine mehr zu kaufen. Und so wurde zu jedem Weihnachtsfest mit großer Feierlichkeit der Engelberg aufgebaut. Der Großvater – selbst Dirigent und Komponist – wachte streng darüber, dass alle Engel an ihrem richtigen Platz waren. Meine Großeltern von Mutters Seite lebten im Erzgebirge. Von ihnen und meiner
Filmstudio Manufaktur Kameramann Oliver Kaufmann in der Holzbearbeitungswerkstatt von Wendt & Kühn während der Dreharbeiten zum Film.
Mutter habe ich die Liebe und den Sinn für die erzgebirgische Weihnachtstradition mitbekommen. Auch in der Familie meiner Mutter war Wendt & Kühn längst ein Begriff. Ich bin in Chemnitz aufgewachsen, da ist das Erzgebirge sehr nah. Den Engelberg erbten später meine Eltern, Dr. Felix und Brigitta Barth. Es gab sogar einen besonderen Tisch von meiner Großmutter, auf dem er bei uns zu Hause zur Weihnachtszeit aufgebaut wurde. Seit ich denken kann, gehört das Bild vom Engelberg von Wendt & Kühn auf dem kleinen Tisch zu meinem Gefühl von Weihnachten. Neben das Orchester der Musikerengel gehörte die Weihnachtsglocke, die uns die Bescherung ankündigte. Alle Freunde der Eltern, die uns in der Weihnachtszeit besuchten, liebten unsere Engel genauso wie wir selbst. Da mein Vater am 3. Januar Geburtstag hatte und die Weihnachtsdekoration noch stand, kam der Engelberg auch nach Weihnachten noch einmal zu Ehren. Es kam natürlich auch mal vor, dass mein Bruder Alex oder ich an die Tischkante stießen, wenn wir durch die Wohnung tobten und es dann alle Engel „abräumte“. Dann waren wir froh, wenn möglichst nichts zerbrochen war, weil es ja zu DDRZeiten schwer war, Ersatz zu bekommen. Inzwischen bin ich Filmemacherin gewor-
Himmlischer Glanz Kunstvolles Handwerk hat die Grünhainichener Engel weltbekannt gemacht.
elfpunktepost
Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007 | Seite 7
aus Grünhainichen” laufen lernten den und arbeite für das Fernsehen. Da war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich in Grünhainichen an der Tür der Werkstätten von Wendt & Kühn anklopfen würde. Jetzt wollte ich wissen, wo die Wiege für all die schönen Kindheitserinnerungen an den Engelberg stand.
Tief bewegt Ein inniges Zugehörigkeitsgefühl zum Hause Wendt & Kühn spricht aus den Worten von Margarete Stimpel, wenn sie über ihre Arbeit in den Werkstätten und ihr großes Vorbild Grete Wendt erzählt.
Ein erster 15 - minütiger Film „Grüne Flügel mit elf Punkten“, gesendet in der MDR-Reihe „Hierzulande“ im Jahr 2000, erzählt viel über die Herstellung der Wendt & Kühn Figuren und über die schwierigen Zeiten für Hans Wendt und die Familie in der DDR. Sein Sohn Tobias, der die Geschäftsleitung zwei Jahre später übernommen hat, hielt sich sehr im Hintergrund und wollte am liebsten nicht vor die Kamera. Er sagte damals: „Kommen Sie wieder, wenn ich selbst etwas geleistet habe“. Fünf Jahre später war es so weit. Inzwischen hatte ich angefangen, gemeinsam mit Oliver Kaufmann aus Bärenstein, Filme über die erzgebirgische Heimatgeschichte zu machen. Auf dem Weg zur Filmpremiere unseres MDR-Lebenslaufes über Barbara Uthmann in Annaberg machte ich von Dresden aus Halt in Grünhainichen. Tobias Wendt erzählte mir von den berührenden Fangeschichten, die Woche für Woche bei Wendt & Kühn ins Haus flattern. Das konnte ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen gut nachvollziehen. Es war spannend zu hören, für wie viele andere Menschen die Figuren von Wendt & Kühn
mit zur Familie gehören, so wie bei uns, und wie viele sehr emotionale Geschichten mit den kleinen Engeln, Blumenkindern oder Spieldosen verbunden sind. Tja, und was dann passierte, muss schon mehr als nur eine „himmlische Fügung“ gewesen sein. Unter der Redaktion von Elfi Schmidt durften wir im Auftrag des MDR unseren Film „Die weltberühmten Engel aus Grünhainichen“ für das MDR Festtagsprogramm 2006 realisieren. Während der Recherche und des Drehs gab es immer wieder ganz besondere Momente: Zum Beispiel, als ich den Film ausfindig machen konnte, in dem Marlene Dietrich zu einer Handkurbelspieldose mit Elfen von Wendt & Kühn singt (Blonde Venus). Unterwegs bei den Fans von Wendt & Kühn, die die gleiche emotionale Begeisterung für die Figuren leben, fühlte ich mich fast wie zu Hause, aber auch die Gespräche mit den langjährigen Mitarbeitern von Wendt & Kühn, die sich heute noch so herzlich an Grete und Olly Wendt erinnern, klangen lange nach. Frau Sighild Fankhänel, Assistentin der Geschäftsleitung, kennt sie alle und war eine schier unerschöpfliche Quelle bei unserer Recherche. Auch Hans Wendt, Geschäftsführer i.R., schaute regelmäßig in seiner gewohnt liebevoll-kritischen Art bei den Drehar-
beiten vorbei und stellte uns auch seine Zwillingsschwester Sigrid Wendt vor, die gerade aus New York zu Besuch war. Sie hat uns einige ihrer Portraits von Grete Wendt, die sie über die Jahre fotografierte, zur Verfügung gestellt und von ihrer tiefen Verbundenheit mit ihrer Tante Grete erzählt. Ein weiterer glücklicher Zufall bescherte uns im Advent 2006 die Möglichkeit, den Film schon einmal einem ganz besonderen Publikum vorzustellen. Eine große Sonderausstellung würdigte im Chemnitzer Industriemuseum das Wirken von Wendt & Kühn. Die Mitarbeiter der Manufaktur und alle Mitwirkenden wurden von der Firmenleitung zur Vorpremiere in die Ausstellungsräume eingeladen. Alle waren schon sehr gespannt auf unser Werk. Die positive Resonanz nach der Aufführung war für uns überwältigend. Zu dieser Zeit stand er schon wieder aufgebaut in Chemnitz, der Engelberg der Familie Barth – jeder Engel auf seinem Platz. Fernsehtipp: Der MDR sendet den Film „Die weltberühmten Engel aus Grünhainichen“ erneut im Weihnachtsprogramm: am 9. Dezember 2007, 23.30 Uhr und am 23. Dezember 2007, 16.00 Uhr
Vorpremiere im Chemnitzer Industriemuseum Freudig gespannt verfolgen die Besucher das Filmerlebnis mit Geschichten aus der Manufaktur - Hans Wendt, Sabine Barth, Tobias Wendt, Dr. Jörg Feldkamp (1. Reihe, v.l.n.r.)
Seite 8 | Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007
elfpunktepost
Albert Wendt - Gründervater Der Name Grete Wendt, der begnadeten Künstlerin und Schöpferin vieler unserer Figuren und Spieldosen, ist untrennbar mit der Geschichte unserer Manufaktur verbunden. Heute möchten wir Ihnen in unserem historischen Rückblick einen Mann vorstellen, der von Anfang an die
Albert Wendt Schuldirektor und Gründervater.
Gründerin unserer Werkstätten mit Rat und Tat begleitete und ohne den es die Firma Wendt & Kühn wohl nie gegeben hätte. Einen Mann, der das Talent von Grete Wendt erkannte und von frühester Jugend an förderte und der sie vor allem in dem Entschluss bestärkte, sich mit einer eigenen Firma selbstständig zu machen. Es war ihr Vater Albert Wendt, Direktor der Spielwarenfach- und Gewerbeschule in Grünhainichen. Hineingeboren in die Welt des Handwerkes war Grete schon als Kind in den Räumen der Gewerbeschule heimisch; sie bastelte und ließ die Eindrücke von Formen und Farben auf ihre Sinne wirken. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgte sie die Arbeiten der Schüler ihres
Schulklasse der Gewerbefachschule, ganz links im Bild steht Grete Wendt.
Vaters, wurde jedoch selbst nie von ihm in der Gewerbeschule unterrichtet. Albert Wendt half seiner Tochter, wo er nur konnte. So auch bei der Wahl, dem Kauf und der ersten Ausrüstung des alten Fachwerkgebäudes, eines alten Verlegerhauses, das als Firmensitz zum bekannten Engelhaus werden sollte. In jenem Fachwerkhaus, das wohl zu den schönsten im ganzen Ort gehört, befindet sich noch heute die Verwaltung, der Versand und vor allem der Ausstellungsraum der Firma Wendt & Kühn mit seinem berühmten großen Musterschrank. Dieser geheimnisvolle Schrank existierte bereits in den 1920er Jahren und birgt in seinem Inneren viele Figuren und Spieldosen, die seit der Firmengründung entstanden sind. Nach dem Kauf des Hauses und der Ausrüstungen waren die Mittel erschöpft, auch wenn das junge Unternehmen von Grete Wendt größte Sparsamkeit walten ließ. Oft hat der Vater an Lohnzahltagen den Weg zur Sparkasse angetreten, um dem kleinen Kreis der Mitarbeiter aus seinen zäh ersparten Rücklagen den verdienten Lohn zahlen zu können. Dieser Gang zur Sparkasse, den er auch in den nächsten Jahren so manches Mal zurückgelegt hat, ist ihm niemals schwer und mühsam geworden. Voller Stolz und stiller Freude durfte er, in allen Fragen und Entscheidungen bedacht und besonnen mitwirkend, den Aufstieg der kleinen Werkstätten zur führenden Firma miterleben. Die Chronologie seines Lebens Albert Wendt wurde 1851 als viertes von acht Kindern eines Drechslermeisters in Freienwalde/Pommern geboren. In seinem Elternhaus erlernte er zunächst das väterliche Handwerk mit all seinen verwandten Zweigen. Damit begann sein Interesse und die starke Neigung für Technik und Formgestaltung – ein wesentlicher Grundstein für den späteren Beruf. Von 1868 bis 1871 besuchte er das Lehrerseminar in Pölitz bei Stettin und war nach seiner Militärzeit in seinem
pommerschen Heimatort als Lehrer tätig. Im Jahre 1876 heiratete er und gab ein Jahr später seinen Lehrerberuf auf, um an der Gewerbeakademie und der Kunstakademie in Berlin zu studieren. Albert Wendt legte dort sein Staatsexamen ab und wurde 1879 als Lehrer in Jüterbog angestellt, wo er an der Mittelschule, der Präparandenanstalt und an der Regimentsschule unterrichtete. Von dort aus ging er ins Erzgebirge und nahm am 1. Juli 1884 seine Tätigkeit an der 1874 in Grünhainichen gegründeten Fachgewerbeschule für Spielzeugmacher auf. Seinerzeit hätte man sicher nicht geglaubt, dass er fast ein ganzes Leben – 35 Jahre lang – diese Schule leiten würde. Mit seiner Frau Hedwig bezog er eine
Die Schule (Abb. oben) und der Gewerbeschulanbau (Abb. unten) in einer historischen Aufnahme.
Wohnung im Schulgebäude, das 1879 neu errichtet worden war. In seiner Funktion als Schulleiter lag ihm nicht nur die gute Ausbildung der jungen Menschen am Herzen, sondern er hat sich auch mit großem Engagement in alle Zweige der hier im Erzgebirge ansässigen Industrie hineinvertieft. Kaum ein Unternehmen in der Umgebung war ihm fremd.
elfpunktepost
Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007 | Seite 9
und visionärer Pädagoge Unermüdlich versuchte er, neue Arbeitsmittel und -methoden zu finden. Dazu gehörten auch seine steten Bemühungen für die Einführung der Elektrizität im hiesigen Spielwarenbezirk. Ihm war klar, dass die Leistung der damals vorrangig mit Hand betriebenen Maschinen ohne die Nutzung neuer Kraftquellen kaum zu steigern war. Im Einsatz von Elektromotoren sah er dafür die geeignete Lösung. Doch die Überzeugung der Handwerker erwies sich als recht schwieriges Unterfangen. Manch Kleingewerbetreibender wollte vom Fortschritt nichts wissen und reagierte mitunter sogar boshaft. Einmal „bugsierte“ ihn eine Frau aus dem Nachbarort mit den Worten vor die Tür: „Was, Sie wollen mir den Teufel ins Haus holen?
Auszug aus dem Schreiben über die Errichtung des Elektrizitätswerkes an der Flöha in Grünhainichen.
Daraus wird nischt!“ Aber es wurde doch etwas daraus: So gelang es Albert Wendt schließlich, die Grünhainichener zu begeistern und bis 1895 errichtete Siemens & Halske für Grünhainichen eine Elektrizitäts-Centrale, die vierte in ganz Sachsen. Generatoren, verbunden mit einer Dampfmaschine, versorgten von nun an für die nächsten 30 Jahre Grünhainichen mit Strom. 15 Holzwarenhersteller und Handwerker sowie 12 Verlagsgeschäfte wurden im ersten Jahr mit der Centrale verbunden. Außerdem installierte man 30 Laternen zur Straßenbeleuchtung. Dass es in Grünhainichen „hell wurde“, war also auch der Verdienst von Albert Wendt. Ebenso wurde in die Fachschule investiert: 5000 Reichsmark standen bereit, um die
Der Blick in den Maschinensaal der Gewerbefachschule (Albert Wendt ganz links im Bild)
Elektrik einzubauen und moderne Arbeitsmaschinen zu kaufen. Zudem wurde die Gewerbeschule um die Jahrhundertwende mit einem Anbau erweitert. Um die Verbindung zwischen der Fachschule und den Belangen der Grünhainichener Produzenten noch enger zu knüpfen, wurde ein Fachschulausschuss geschaffen. Dadurch erhielt die Schule neben dem Unterrichten u.a. auch die Aufgabe, Spielwarenmuster für die ortsansässigen Handwerker zu entwerfen, die anschließend produziert wurden. Den Kontakt zur Wirtschaft pflegte Albert Wendt 34 Jahre lang über den örtlichen Gewerbeverein, der in seiner Blüte ca. 400 Mitglieder hatte. Obwohl er seine Schultätigkeit schon früher aufgeben wollte, füllte er auf Bitten des Ministeriums dieses Amt noch in der schweren Zeit bis zum Ende des 1. Weltkrieges aus. Erst 1919 ging „der alte Herr Direktor“, wie er liebevoll im Ort genannt wurde, in den wohlverdienten Ruhestand. Seine Arbeit und die Erfolge als Direktor der Grünhainichener Fachschule hatten Albert Wendt Anerkennung und Achtung nicht nur in der Region, sondern auch bei der damaligen Regierung und den Gewerbetreibenden gesichert. Er hatte viel geleistet und erreicht und so erlebte Albert Wendt auch große Dankbarkeit und Treue bei jenen Menschen, denen er Lehrer, Berater und Freund war. Die Staatliche Spielwaren- und Gewerbeschule wurde im August 1954 nach 80jährigem Bestehen geschlossen.
Die Ausbildung eigenständiger Gewerbetreibender vertrug sich nicht mehr mit der nun herrschenden Ideologie. Kurze Zeit diente das Gebäude als Berufsschule und von 1958 bis 1992 als Grundschule. Im Hintergebäude erhielten die Grünhainichener Schüler noch bis 1989 Werkunterricht. Und wie könnte es anders sein, auch dabei spielte der Rohstoff Holz eine sehr wichtige Rolle. Heute beherbergt das Gebäude ein Museum für Erzgebirgische Volkskunst und die Gaststätte „Zur Alten Gewerbeschule“. Albert Wendt stand auch im Ruhestand seiner Tochter Grete und seinem Sohn Johannes, der 1919 die kaufmännische Leitung von Wendt & Kühn übernommen hatte, bis zu seinem Tod am 16. August
Großvaterfreuden Mit Enkelsohn Hans Wendt scheint sich Albert Wendt großartig zu verstehen.
1932 stets mit Rat und Tat zur Seite. Das Bewusstsein, dass seine Ziele und Grundsätze, die er ein Leben lang verfocht, im Betrieb seiner Kinder auf fruchtbaren Boden gefallen waren, war ihm Dank und Anerkennung zugleich. Grete Wendt ehrte ihren Vater anlässlich seines Begräbnisses mit folgenden Sätzen: „Alles, was Du tatest, tatest Du um der Sache selbst willen. Auf ein Gedenkblatt schriebst Du mir einmal: ‚Jeder Mensch ist in seinem Leben nicht das wert, was er hat, sondern das, was er der Welt nutzt.’ Selbstlose Hingabe an eine Sache, das war Deine Art. Deshalb warst Du geachtet und geliebt in diesen Bergen von allen, die guten Willens sind.“
Seite 10 | Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007
elfpunktepost
Mit Pinsel und Farbe Bevor die reizenden Amorengelchen aus dem Hause Wendt & Kühn ihre Reise um die Welt antreten, durchlaufen sie zahlreiche Stationen, die ein unscheinbares Stückchen Holz in eine kleine Kostbarkeit verwandeln. Wir haben für Sie die Amorengel auf ihrem Weg durch die Malerei begleitet. Einige der vielen Malschritte werden hier beschrieben. Zu den Schautagen können Sie sich den gesamten Fertigungsablauf gern selbst ansehen (Siehe Seite 14). Wir lassen uns jetzt von einem Engelchen erzählen, was es in der Malerei alles erlebt:
Weiß getaucht. Alles beginnt ganz in weiß. Bevor ich meine unverwechselbare Bemalung erhalte, musste ich mich kopfüber in ein Tauchbad mit weißer Grundfarbe stürzen. Warum die Grundierung weiß ist, wollen Sie wissen? Nun, auf Weiß werden die Farben nicht verfälscht und erstrahlen in ihren schönsten Tönen. Schließlich will ich ja auch im hohen Alter noch gut aussehen! Nun beginnt eine ganz besondere Seite meines Werdens: Die Bemalung. Mit sanftem Rundpinsel wird zuerst der Hals in Hautfarbe bemalt. Dabei muss die überschüssige Farbe am Kopf sehr gut verstrichen werden, damit es später keine
Absätze in meinem Gesichtchen gibt. Ich lege nämlich großen Wert auf ein mustergetreues Aussehen! Nun kommt mein Kleidchen dran. Den oberen Kragenrand bildet eine zarte himmelblaue Linie, die meinem Kleid das gewisse Etwas verleiht. Dabei gibt sich die Malerin besondere Mühe. Mit einem so genannten Schlepper, das ist ein langer, dünner Pinsel, zieht sie die Linie haargenau neben der gerade aufgemalten Hautfarbe auf das Weiß. Dabei darf nichts verrutschen oder ineinanderlaufen!
Punktgenau. Neben der hellblauen Kragenlinie hat meine Schöpferin Grete Wendt meinem Kleid noch ein paar lustige Pünktchen verpasst. Dazu verwendet man keinen Pinsel, sondern ein kleines Punktholz. In Farbe getaucht, tupft damit meine Malerin nun viele zarte Pünktchen in einer schnurgeraden Reihe. Das kitzelt ein bisschen, aber ich verhalte mich ganz ruhig dabei. Dann sind meine Arme an der Reihe. Mein Kleidchen ist ja kurzärmelig, also müssen meine nackten Ärmchen in Hautfarbe bemalt werden. Dies geschieht mit einem geraden oder auch runden Malpinsel. Und schön gerade soll es werden, damit mein Kleidchen richtig sitzt! Natürlich hat mein Kleid auch an den Ärmeln das gewisse Etwas.
Der zarte hellblaue Rand ist seit meinem Entwurf in den 1920er Jahren bis heute noch zeitlos schön! Auch hier kommt wieder der Schlepper zum Einsatz, der mit langer, dünner Pinselspitze einen hauchdünnen Abschlussstrich genau neben die gerade aufgemalte Armfarbe zaubert. Ich freue mich, wie schön mein Kleidchen geworden ist!
Standfeste Beine. Jetzt kann ich mich mal ausruhen von der Anspannung, denn es geht auf das Nagelbrettchen: Ich werde am Sockel aufgesetzt und von lockerer Hand beim Bemalen um meine eigene Achse gedreht. Genau ab der Unterkante meines Kleidchens werden meine Beine nun hautfarben bemalt. Dabei bekommt auch das Pritschel, wie meine Malerin meinen Sockel manchmal nennt, ein bisschen Farbe ab. Aber das macht nichts, diese wird gut verstrichen, damit es später keine Absätze gibt. Währenddessen ich noch immer auf dem Nagelbrett ruhe und schon mal an Weihnachten denke, trägt meine Malerin die graue Sockelfarbe ganz gleichmäßig auf. Beim Bemalen muss sie sehr genau darauf achten, dass die Sockelfarbe nicht über meine Füßchen rutscht. Denn barfuß laufe ich schon seit fast 85 Jahren!
elfpunktepost
Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007 | Seite 11
Gesicht zeigen. Hui, ich bin schon ganz aufgeregt, jetzt bekomme ich endlich ein Gesicht! Zunächst einmal kümmert sich die Malerin um meine rosige Gesichtsfarbe, die mit einem größeren Pinsel aufgetragen wird. Bitte schön großzügig verstreichen, liebe Malerin, denn ich wünsche mir eine glatte Haut! Dann heißt es zwei lange Tage Geduld beweisen. Aber diese Trockenzeit ist wichtig, damit mich danach meine Malerin wieder richtig anfassen kann, ohne etwas zu verwischen. Denn bald geht ’s ins Detail…
Zum Abheben. Jetzt folgt meine Engelsprüfung – die Flügel werden bemalt. Mit einem geraden Flachpinsel trägt die Malerin das spezielle Flügelgrün des Hauses Wendt & Kühn auf. Und wieder heißt es: Sauber beschneiden und gut verstreichen, damit keine Nasen laufen. Denn nur mit perfekten Flügeln kann man richtig fliegen. Dann heißt es wieder warten. Mindestens sechs Stunden lang werde ich Engelsgeduld beweisen. Aber das mache ich gern, denn bald bin ich ein richtiger Grünhainichener Engel!
Zwiegespräch Diesen letzten prüfenden Blick müssen alle Figuren bestehen, bevor sie verpackt werden.
Haarige Angelegenheit. Juhu! Heute habe ich Friseurtermin, auf den ich mich schon von Anfang an freue! Meine Malerin versteht meine Aufregung und lässt mich selbst auswählen, ob ich blond oder brünett werden möchte. Wie 50 % meiner Geschwister entscheide ich mich für blond. Mit sicheren Händen führt die Malerin einen geraden Flachpinsel, und stolz betrachte ich bereits wenig später meine süßen Löckchen!
Punkt für Punkt. Mein großer Moment: Jetzt werde ich ein echter Engel von Wendt & Kühn. Genau elf Mal betupft die Malerin mit einem Punktholz meine Flügel, um jene kleinen weißen Punkte zu zaubern, die mein berühmtes Markenzeichen sind. Zum Schluss gibt mir eine Gesichtermalerin noch Augen, Nase, Mund und Wangen.
Endlich kann ich staunend und voller Glück in die vielen freundlichen Gesichter schauen, die auf mich herabblicken - doch davon erzähle ich Ihnen ein andermal. Jetzt nehme ich den goldenen Pfeil und Bogen in die Hand und hoffe, dass ich damit meinen neuen Besitzer tief im Herzen berühren kann.
Seite 12 | Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007
elfpunktepost
Zu Besuch in der Holzwerkstatt
Mit Freude bei der Sache Frau Jendro erzählt mit Leidenschaft und Freude von ihrer Arbeit bei Wendt & Kühn, denn es ist ein erfülltes Stück Leben, das sie seit 37 Jahren mit dem Engelhaus verbindet.
Heidrun Jendro bewohnte 18 Jahre lang mit ihrer Familie das Dachgeschoss des bekannten Engelhauses an der Chemnitzer Straße in Grünhainichen. Doch die Sägerin verbindet noch weit mehr mit diesem Haus und dem Unternehmen, das hier seit über 90 Jahren seine Heimat hat. Seit 37 Jahren arbeitet sie in der Engelwerkstatt und hat in dieser Zeit eine Menge erlebt. Wir haben sie befragt, was ihre Arbeit bei Wendt & Kühn so besonders macht. Frau Jendro, was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Freude? Heidrun Jendro: Seit 37 Jahren gehe ich jeden Morgen gern zur Arbeit. In unserem Haus fühle ich mich wirklich wohl und mag das Zusammensein und einen gelegentlichen Plausch mit meinen vielen netten Kollegen. Und natürlich liebe ich
auch die Figuren von Wendt & Kühn, an deren Entstehung ich Tag für Tag mitwirke. Am liebsten schneide ich die Einzelteile der Blumenkinder, sie sind schön handlich und lassen sich gut verarbeiten. Haben Sie eine Lieblingsfigur? Die Spieldose „Frühlingsreigen“ macht mir immer wieder Freude. Wie fröhlich die kleinen Kinder um den Maienbaum herum tanzen, daran kann ich mich gar nicht satt sehen. Hat sich in den 37 Jahren, die Sie bei Wendt & Kühn arbeiten, vieles verändert? Nein, wir fertigen immer noch sehr traditionell und legen großen Wert auf die Erhaltung alter Handwerkstechniken. Fast alles, was wir hier machen, wird nach wie vor in Handarbeit ausgeführt. Daran hat sich seit den Anfängen der Firma nicht viel geändert, und das ist auch gut so. Natürlich gibt es heute modernere Sägeblätter und Lehren, um präziser zu arbeiten. Wollten Sie schon immer Sägerin werden? Eigentlich war ich als Schleiferin vorgesehen, aber da ich Linkshänderin bin, lief die Schleifmaschine für mich sozusagen verkehrt herum. So kam ich zum Schneiden, und es macht mir sehr viel Spaß. Trotz des schnellen Arbeitstempos und des scharfen Sägeblattes, das sich nur
Firmensitz und zeitweilig auch Mitarbeiterwohnung Hier unter dem Dach des Fachwerkhauses wohnte Familie Jendro 18 Jahre lang, bis durch die Erweiterung der Manufaktur der Platz für das Lager gebraucht wurde.
elfpunktepost
Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007 | Seite 13
von Wendt & Kühn Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit, als Sie im Dachgeschoss des Engelhauses wohnten? Es war eine sehr schöne Zeit, mit der ich viele glückliche Erinnerungen verbinde. Meine zwei Töchter haben hier ihre Kindheit verbracht und sind in diesen Räumen aufgewachsen. Nach der schwungvollen Entwicklung des Unternehmens wurde das Dachgeschoss jedoch dringend benötigt und im Zuge der Modernisierung in den Jahren 1996/97 zum Archiv und Lager ausgebaut. Der Auszug fiel uns natürlich nicht leicht, aber ich habe das Glück, nach wie vor fast jeden Tag auf das geschichtsträchtige Haus blicken zu können. Zwei Blicke zurück Waren es früher wohl auch Männerhände (Abb. oben: Arbeiter vorn), die für den Figurenzuschnitt zuständig waren, hat sich bis heute am handwerklichen Prinzip an der Rolltischsäge kaum etwas verändert.
wenige Millimeter von den Fingern entfernt dreht, habe ich mich in all den Jahren nie ernsthaft verletzt. Da ist schon eine gewisse Fingerfertigkeit gefragt. Was ist die Besonderheit beim Zuschnitt der Teile? Was die Figuren von Wendt & Kühn auszeichnet, ist ihre Bewegungsfreude. Das wird durch schräge Schnitte der Drehformen erreicht, die der gewünschten Haltung entsprechend angeordnet und
miteinander verleimt werden. Dies muss natürlich an der richtigen Stelle und im richtigen Winkel geschehen. Bei dem Musikantenengel gibt es allein sechs verschiedene Winkelstellungen für die Arme, dazu kommen noch 30 unterschiedliche Beinvarianten. Jeder Engel ist individuell gestaltet. So hat ein Engel mit Geige eine andere Armhaltung als einer mit Kesselpauke. Meine Aufgabe ist es, das alles genau passend zu machen.
Der gleiche Arbeitsgang in den 1930er Jahren
Fingerfertigkeit am Sägetisch Durch die Vielzahl und der Variantenbreite der figürlichen Kompositionen ist bei der Arbeit am Sägeblatt für ständige Abwechslung gesorgt. Eine Sägelehre dient dabei als hilfreiches Arbeitsmittel.
Die Sägelehre Eine Besonderheit bei der Herstellung „bewegter“ Figuren ist die Verwendung der Sägelehre. Es handelt sich hierbei um kleine, immer gleich große Sperrholzbrettchen, die in eine Vertiefung im Sägetisch passen. Die Brettchen haben eingearbeitete Gegenformen, in die die zu zerschneidenden Teile gelegt werden. Sie sind sehr aufwendig herzustellen. So wird gewährleistet, dass die vorgesehenen Winkel der Schnitte immer eingehalten werden.
Seite 14 | Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007
elfpunktepost
Kaleidoskop 2007 erfahren bei Wendt & Kühn auch einige Figuren ihre vorerst letzte Auflage, um anschließend in den großen Musterschrank der Grünhainichener Manufaktur zurückzukehren. Neben jährlichen Neuauflagen verlassen auch ausgewählte Kompositionen unsere aktuelle Kollektion – und führen danach als gesuchte Sammlerstücke ein interessantes Eigenleben. Nachfolgend haben wir für Sie eine Kurzübersicht all jener Artikel zusammengestellt. Wenn Sie darunter vielleicht Ihren ganz besonderen Favoriten entdecken, dann sollten Sie nicht lange zögern – diese kleinen Sammlerstücke werden nach 2007 für mindestens fünf Jahre nicht mehr bei Wendt & Kühn zu finden sein: 5232/1/7 Mädchen mit Wiege, groß 5277/240 Kinder auf Serviettenring, 6305/N Luciazug 650/40 Lampionengel 634/15 Engel mit Schlitten und Baum 634/16 Engelpaar mit zwei Zahlensätzen 634/16l-r Engelpaar ohne Zahlen 634/18 Zahlensatz von 0 bis 9 634/47 Weihnachtsmann mit Schlitten
Vorweihnachtszeit ist Schautagezeit In der Vorweihnachtszeit lädt die Manufaktur Wendt & Kühn alle Freunde und Liebhaber des Hauses gleich zwei Mal zu den beliebten Schautagen ein: 31. 10. - 4. 11. 2007 (Reformationsfest) 1. - 2. 12. 2007 (1. Advent) jeweils von 10.00 - 17.00 Uhr Werfen Sie bei den interessanten Rundgängen durch die Werkstatträume einen Blick über die Schultern der fleißigen Kunsthandwerker, die mit Fingerfertigkeit und Liebe zum Detail die unverwechselbaren Figuren von Wendt & Kühn drechseln, schneiden, sägen, leimen, bemalen und schließlich sicher verpacken, damit sie zur Weihnachtszeit recht vielen Menschen eine Freude machen können. Während sich Eltern oder Großeltern viele aufschlussreiche Einblicke holen, sind die Kleinen in der liebevoll eingerichteten Holz-Bastelecke bestens aufgehoben. Mit etwas Glück sehen Sie bei Ihrem Rundgang durch die Werkstätten auch den einen oder anderen echten Engel vorbeihuschen. Wer möchte, kann sich mit den süßen Himmelsboten fotografieren lassen und das Foto gleich als tolle Geschenk-
Zauberklang Lauscht sie der feinen Melodie, werden Erinnerungen geweckt oder ist es einfach nur die große Freude an den liebevollen kleinen Figuren ?
Weitere Schautage-Termine für 2007 Wendt & Kühn Figurenwelt Seiffen, jeweils von 10.00 - 17.00 Uhr: 20. - 21.10. 2007 (Tag des traditionellen Handwerks) Termine für die Schautage 2008 Wendt & Kühn in Grünhainichen, jeweils von 10.00 - 17.00 Uhr: 1. - 3. 5. 2008 (Christi Himmelfahrt) 31. 10. - 2. 11. 2008 (Reformationsfest) 29. - 30. 11. 2008 (1. Advent)
Konzentriert bei der Sache An der Bastelstraße herrschte auch zu den Schautagen im Mai 2007 wieder mächtig Andrang. Große und kleine Kinder ließen hier voller Freude und ganz eifrig ihrer Fantasie freien Lauf.
Eine unvollständige Auswahl der 2007 letztmalig gefertigten Figuren: Engel mit japanischem Lampion (Art.-Nr. 650/40/5), Engel mit Schlitten und Baum (Art.-Nr. 634/15), Weihnachtsmann mit Schlitten (Art.-Nr. 634/47).
idee für seine Lieben verwenden. Für das leibliche Wohl ist natürlich auch gesorgt. Genießen Sie einen unvergesslichen Ausflug mit der gesamten Familie in das Grünhainichener Engelhaus – wir freuen uns auf Sie!
Wendt & Kühn Figurenwelt Seiffen, jeweils von 10.00 - 17.00 Uhr: 22. - 23. 3. 2008 (Ostern) 18. - 19.10. 2008 (Tag des traditionellen Handwerks)
elfpunktepost
Fünfte Ausgabe Herbst / Winter 2007 | Seite 15
von etlichen Spuren gezeichnet ist. Sie beglückt aber weiter unsere Eltern täglich …“ (Werner u. Barbara Günther, Oberstdorf) „… Beim Blättern und Lesen der elfpunktepost wurden alte Erinnerungen in mir wach. Die Freude war groß. So kenne ich Grete Wendt, mit ihrer freundlichen und gütigen Art, wenn sie zu uns in die Malerei kam. Ich war damals 20 Jahre alt, als ich im September 1945 meine Tätigkeit als Malerin aufnahm. Es war eine schöne Zeit. Gern denke ich zurück. Leider musste ich 1951 aufhören, weil ich nach Dresden verzog …“ (G. Enger, Pirna) Fototermin zu den Schautagen Kindliche Frühlingsimpressionen aus der Oster-Fotoecke (Abb. oben) und wunderschöne Erinnerungsbilder aus der Weihnachtswelt (Abb. unten) von Wendt & Kühn.
Stimmen und Gedanken „… Es sind einfach die zauberhaftesten Geschöpfe, die im Erzgebirge hergestellt werden. Ganz besonders stolz sind wir darüber, dass wir bereits in Besitz der Jahresfigur 2007 sind, allerdings stammt das Bayern-Pärchen aus dem Jahr 1937. Eine weitere Kostbarkeit besitzen unsere Eltern aus dem Jahr 1937. Am 17. Juli 1937 schenkte unser Vater seiner Frau zur Hochzeit eine Uhr von Wendt & Kühn, die leider durch Kriegswirren und Flucht
„… Ich bin 91 Jahre alt und denke immer, dass ich eigentlich mit dem Sammeln aufhören sollte; aber bei Ihren Engeln kann ich einfach nicht widerstehen ! …“ (Jutta Florin, Mülheim) „… Vielen Dank für das wunderschöne Heft. Ich habe meinen Resturlaub 2007 extra so gelegt, dass ich mit meiner Freundin zu den Schautagen nach Grünhainichen fahren kann… „ (Reglinde Kirschstein, Hannover) Ganz begeistert vom Aufenthalt in unserem Hause anlässlich der Schautage im
elfpunktepost Herbst / Winter 2007
Oktober 2006 waren auch die Mitglieder des Erzgebirgsvereines Dresden. Sie haben ein schönes Gedicht dazu verfasst, das wir unseren Lesern natürlich nicht vorenthalten möchten. Hier ein Auszug daraus: Bei Wendt & Kühn mal offene Tage da geh’n wir hin, ganz ohne Frage … Große Engel und ganz kleine und auch Blumenkinder, feine Beerenkinder, Umzugswagen, Frau‘n, die auf dem Rücken tragen einen Korb mit Holz und Moos, schwer ist er gewiss und groß Einzelteile, erst sehr kleine, Arme, Köpfe und auch Beine; alles wird dann noch geleimt, dass es sich zusammen reimt. Und ein jeder Engel braucht, in weiße Farbe eingetaucht, eine Zeit zum trocken werden, wie sie uns es zeigten, lehrten. Und dann sind die Maler dran ... Soll doch alles schön gelingen und den Käufern Freude bringen. Ein Detail, das ist noch wichtig nur so sind die Engel richtig, auf den Flügeln mit dem Grün elf Punkte, dann ist‘s Wendt & Kühn. (W. Hammermüller)
Das elfpunktepost-Abonnement Sie bekommen die elfpunktepost noch nicht zugeschickt? Dann nutzen Sie unseren Service und werden Abonnent unseres Kundenmagazins. Dazu senden Sie bitte die Postkarte (unten) vollständig ausgefüllt und frankiert an uns zurück. Oder Sie registrieren sich im Internet: Auf www.wendt-kuehn.de können Sie unter „Kontakt“ die elfpunktepost ganz einfach per Mausklick bestellen. Und schon ab der nächsten Ausgabe kommt sie zu Ihnen kostenlos ins Haus geflattert.
So finden Sie uns Die kleine Anfahrtsskizze weist Ihnen den Weg ins Stammhaus nach Grünhainichen (Herstellung und Verkauf/Abbildung unten) oder in die Wendt & Kühn Figurenwelt Seiffen (Verkauf).
Übrigens: Unter www.wendt-kuehn.de können Sie neben der elfpunktepost auch unseren elektronischen Newsletter bestellen. Dieser informiert Sie aktuell und in Kurzform über Neuheiten von Wendt & Kühn. Alle Abonnenten, welche die elfpunktepost bereits von uns zugeschickt bekommen, brauchen die Karte nicht ausfüllen. Sie erhalten die neue Ausgabe selbstverständlich sofort nach ihrem Erscheinen. Als Antwortkarte bitte hier an der Linie abtrennen
✁ Bitte ausreichend frankieren
NACHRICHTEN
AUS DEN WERKSTÄTTEN WENDT & KÜHN
Bitte registrieren Sie mich als neuen Abonnent der elfpunktepost* Name, Vorname
Straße
PLZ Wohnort
Bemerkungen
* Als registrierter Abonnent erhalten Sie die elfpunktepost, das aktuelle Kunden magazin der Werkstätten Wendt & Kühn, zweimal jährlich kostenlos nach Hause. Diese Karte bitte nur ausfüllen und abschicken, wenn Sie unsere elfpunktepost noch nicht zugeschickt bekommen.
Wendt & Kühn kg Werkstätten für feine figürliche Holzarbeiten und Spieldosen Chemnitzer Straße 40 09579 Grünhainichen