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Wendt & Kühn - elfpunktepost 30 (Frühjahr/Sommer 2020)

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DAS MAGAZIN

AU S D E M H AU S E W E N DT &  K Ü H N

30. AUSGABE

FRÜHJAHR/SOMMER 2020


L I E B E F R E U N D E U N S E R E R M A N U FA K T U R , beim Schreiben dieses Vorwortes erinnerte ich mich nochmals an den zurückliegen­ den Jahreswechsel. Vielleicht ging es Ihnen dabei wie mir? Das Bewusstsein darü­ ber, dass nicht nur ein neues Jahr, sondern ein neues Jahrzehnt begann, hat meine Gedanken weiter schweifen lassen als sonst bei einem Jahresanfang. Was nehme ich mit aus den vergangenen zehn Jahren, was bleibt? Und was erwartet uns wohl in den 2020ern, die jetzt beginnen?

4 Für kleine Erdenbürger Geschenk-Tipp

5 Entwürfe für den Katalog 1937 Fundstück

P wie Profilstäbe Grünhainichener Lexikon

6 Klangvoll und herzlich Ab sofort im Sortiment

12 Anmutiges Meisterstück Rarität: Madonna 15 Frühlingserlebnisse bei Wendt & Kühn Veranstaltungen 16 Olly Wendt: Talent. Schicksal. Lebenswerk. Titelgeschichte 20 Ein Blumenkind zum Anbeißen Lebendige Tradition 21 Leserpost Aus Zuschriften zitiert 500 Jahre Industriekultur in Sachsen Glanzlicht 22 Auf Wiedersehen Bis Jahresende 2020 im Sortiment

In unserem Familienunternehmen blicken wir voller Spannung und Vorfreude auf die Etappe, die vor uns liegt, denn es jähren sich einige Ereignisse, die als Meilen­ steine unserer Manufakturgeschichte gelten. So ist es 2020 genau 100 Jahre her, dass Olly Sommer als Absolventin der Staatlichen Kunstgewerbeschule Dresden (früher: Königlich-Sächsische Kunstakademie) nach Grünhainichen kam und in der Firma meiner Großtante Grete als talentierte Malerin begann. „Dieser junge Betrieb hat mich so sehr gefesselt – er wurde mir zum Schicksal“, schrieb sie viele Jahre später an eine Freundin. Ihr Talent verlieh der Produktgestaltung bei Wendt & Kühn eine neue, eigenständige Handschrift. Und ihre Liebe zu ­Gretes Bruder Johannes sollte ein wichtiger Baustein unserer Familiengeschichte wer­ den. Als Reminiszenz an ihr Lebenswerk kehrt in diesem Jahr einer ihrer beson­ ders schönen Entwürfe, der Engel mit goldfarbenem Herz und Blume, ins aktu­ elle Sortiment zurück. Meiner Omi Olly haben wir ab Seite 16 ein ausführliches Porträt gewidmet. Und welche ganz persönlichen Erinnerungen ich bis heute an sie bewahrt habe, lesen Sie auf Seite 19. Es verwundert Sie sicher nicht, dass wir ab Anfang April dieses Jahres unsere aktu­ elle Sonderausstellung in Grünhainichen ebenfalls Olly Wendt widmen werden. Zahlreiche Figuren, Zeichnungen, Fotografien und bisher nie gezeigte Dokumente, aber auch Sachzeugnisse aus ihrem Alltag zeichnen das Bild ihrer vielschichtigen Persönlichkeit. Sie bieten ganz private Einblicke in das Leben einer Frau, die – Seite an Seite und auch im kreativen Wettstreit – mit unserer Firmengründerin Grete Wendt arbeitete. Wenn ich meinen Blick noch ein Stück weiter in diesem neuen Jahrzehnt nach vorn schweifen lasse, dann bleibe ich im Jahr 2023 hängen, in dem wir den 100. Geburts­ tag unserer inzwischen legendären Engelmusikanten feiern werden. Die ersten drei Elfpunkteengel erblickten 1923 das Licht der Welt. Bis heute sind die Engel mit elf weißen Punkten weltweit unser Markenzeichen und begehrte Sammelob­ jekte zugleich. Ich wünsche Ihnen mit dieser 30. Ausgabe der elfpunktepost eine interessante und inspirierende Zeit. Ihre

Claudia Baer, geb. Wendt

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G E S C H E N K-T I P P

Für kleine Erdenbürger M

it großen Schwingen schwebt er am Himmel und trägt ein kleines, liebevoll geschnürtes Bündel in seinem roten Schna­ bel – das Bild, wie der Storch die Babys bringt, kennt jeder. Es wird von Generation zu Gene­ ration weitergetragen. Die Frage, ob dem wirk­ lich so ist, kann nur jeder selbst beantworten. Belegt aber ist, dass sich zumindest der Storch von Wendt & Kühn dieser glücksbringenden Aufgabe angenommen hat. Und so ist der lang­ beinige Klapperstorch frisch gebackenen Eltern ein Andenken an einen ganz besonderen Tag. Den Großeltern überbringt er die frohe Bot­ schaft höchstpersönlich und dem neuen Erden­ bürger wird er Wegbegleiter durchs Leben sein. Ob Mädchen oder Junge – passend zum Geschlecht des Neugeborenen kann zwischen einem rosa oder hellblau verzierten Steckkis­ sen gewählt werden. Für das ganz individu­ elle i-Tüpfelchen sorgen der Name und das Geburtsdatum des Neuankömmlings, die von den Malerinnen der Manufaktur mit feinem Pinselstrich auf dem Sockel der Figur aufge­ bracht werden können.

stehen auf dem Sockel bis zu 28 Zeichen zur Verfügung. FÜR DIE BESCHRIFTUNG

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Welch wundervolle Figur, um dem kleinen größten Glück Ausdruck zu verleihen.


FUNDSTÜCK

ENTWÜRFE FÜR D E N K ATA L O G 1 9 3 7

D

enkt man an einen Figurenkatalog, kommen einem ver­ mutlich eher die Bilder im Buchinneren in den Sinn. Dass es aber auch aufwendig ist, eine Titelseite zu gestal­ ten, zeigen die Entwurfsstudien, die wir in unserem Archiv entdeckt haben. In mehreren Aquarellzeichnungen näherte sich (vermutlich) Grete Wendt der Aufgabe: Sie punktete, karierte, gruppierte Quadrate. Ein kräftiges Rot, wie es bereits beim Katalog 1930 zum Einsatz kam, sowie verschiedene Grüntöne charakterisieren die Entwürfe. Das Firmensignet präsentiert sich mal klein gerahmt, mal nahezu seitenfüllend. Die Wahl fiel schließlich auf eine eher schlichte Variante mit grünen Balken am oberen und unteren Seiten­ rand, die mittig unterbrochen sind. Auf die Position des ­Signets wies Grete Wendt die Druckerei mit einer Notiz auf dem finalen Entwurf hin: „Stich so wie hier, also Fichtenspitze Mitte vom leeren Feld.“ Die Druckerei arbeitete präzise – der Auftrag vom 1. Oktober 1937 wurde in gewünschter Form ausgeführt. In den Folgejahren entstan­ den in unterschiedlichen Abständen weitere Kataloge. Dieser Tradi­ tion folgend, veröffentlichen wir jährlich ein Figurenbuch mit dem aktuellen Sortiment. Lassen Sie sich überraschen, für welches Titelmo­ tiv des Nachschlagewerks wir uns in diesem Jahr entschieden haben.

G RÜ N H A I N I C H E N E R L E X I KO N

P W I E P R O F I L S TÄ B E

G

eht man zwischen den Regalen des Holzlagers entlang, findet man neben großen Holzbohlen, eckigen Kanthöl­ zern und Rundstäben auch Hölzer, deren Querschnitte die spätere Gestalt bereits erahnen lassen: Hier lagern Sterne, Geigen, Gitarren, Heinzelmännchen-Schuhe und Notenbü­ cher „am Stück“. Einen halben Meter sind die sogenannten Profil­ stäbe lang. Einfache Formen werden gesägt. Sind die Querschnitte jedoch komplexer, muss zusätzlich gefräst werden. Für jedes Profil – und es gibt weit über 100 verschiedene! – wird ein spezielles Fräs­ werkzeug aus Werkzeugstahl hergestellt. Dieses wird in eine Tisch­ fräsmaschine eingesetzt und formt aus dem Holzstab das gewünschte Profil. Dafür sind oftmals mehrere Fräsdurchgänge notwendig. In Präzisionsarbeit werden die Profilstäbe anschließend an der Roll­ tischsäge in millimeterdünne Scheibchen geschnitten. Aus einem einzigen Stab können beispielsweise 125 kleine Sterne für die Grün­ hainichener Engel® entstehen. So war es bereits in den Anfangsjah­ ren der Manufaktur, und so ist es heute – hat sich das Profilfräsen doch als äußerst effektive Arbeitstechnik bewährt.

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AB SOFORT IM SORTIMENT

Klangvoll und herzlich ...

N

H

K L E E B L AT T, V E R G O L D E T

W

Ü

I

GLÜCKSBOTE, ENGEL MIT

ME

ENGEL MIT HOLZRÖHRENTROMMEL

650/79

N

... rhythmisch und königlich sowie blumig und tierisch außergewöhnlich präsentieren sich die diesjährigen Frühjahrs- und Maineuheiten von Wendt & Kühn. Zudem überraschen wir im Olly-Wendt-Jahr mit ganz besonderen Entwürfen der talentierten Designerin – von kecken Pinguinen bis zu anmutigen Engeln.

ENDT &

K

650/122

I M TA K T

Eine Röhre aus Holz, an den beiden Sei­ ten unterschiedlich tief ausgehöhlt und an den Enden mit Schlitzen versehen – so lässt sich das Instrument beschreiben, das der neue Engelmusikant in diesem Jahr spielt. Im weltberühmten Orches­ ter wird er mit seiner Holzröhrentrom­ mel für den nötigen Rhythmus sorgen.

Dazu schlägt er mit einem Schlägel mal auf die eine, mal auf die andere Seite der Röhre und erzeugt zwei unterschiedliche Klänge, die eine schwungvolle Tonfolge entstehen lassen. Auch er wird beim gro­ ßen Jubiläumskonzert zum 100. Geburts­ tag der Grünhainichener Engel® im Jahr 2023 seinen musikalischen Beitrag leis­ ten und dafür sorgen, dass dieses Ereignis in aller Munde – besser: Ohren – bleibt. Klangkunst mal zwei: Jeweils abgestimmt auf den blonden oder dunklen Haar­ schopf des Engels, präsentiert der Musiker mit den grünen Flügeln und den elf wei­ ßen Punkten seine Holzröhrentrommel in zwei unterschiedlichen Farbvarianten.

Bitte beachten Sie: Die Artikel aus unserer Manufaktur erhalten Sie bei Ihrem Fachhändler oder in den haus­ eigenen Geschäften von Wendt & Kühn in Grünhainichen und in Seiffen sowie auf unserem Online-Marktplatz unter www.wendt-kuehn.de.

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GLÜCKSBRINGER

„Jeder ist seines Glückes Schmied“, besagt eine Redewendung. Und doch gibt es Momente im Leben, in denen eine gewis­ sermaßen geschenkte Portion Glück nicht schaden kann. Ob zu einer Prüfung, zum Start in einen neuen Lebensabschnitt oder an guten Tagen wie dem Geburtstag. Und in Situationen, in denen das Glück ganz weit weg zu sein scheint, ganz besonders. Dann ist der Engel mit goldenem Klee­ blatt zur Stelle. Und damit seine Mission auch ganz gewiss gelingt, beschriften die Malerinnen der Manufaktur seit diesem Jahr auf Wunsch den Figurensockel in kunstvoller Typografie mit einer persön­ lichen Glücksbotschaft. Im vorderen Sockelbereich stehen bis zu zehn, im hinteren vier Zeichen zur Verfügung.


AB SOFORT IM SORTIMENT

E N G E L M I T L I E D E R ­B U C H UND VOGEL, IM STERN, GROSS

(30 cm)

772/12 ENGEL MIT LIEDERBUCH UND VOGEL, IM MOND, GROSS

(30 cm) ohne Abbildung

771/12 ENGEL MIT LIEDERBUCH U N D V O G E L , A U F S C H W E I F, GROSS

(30 cm) ohne Abbildung

773/12

S T I M M L I C H E V E R S TÄ R K U N G

Mit ihrem Ausdruck und ihrem Charme verzaubern sie: die Grünhainichener Engel®. Am bekanntesten sind wohl die etwa sechs Zentimeter hohen Orches­ terengel. Doch es gibt sie auch in grö­ ßerer Ausführung – mit einer Höhe von 30 Zentimetern sind sie ein Blickfang für jede Dekoration. Sie musizieren auf Mond, Stern und Schweif und spielen klangvoll Geige, Harfe, Trompete und Waldhorn. In diesem Jahr erhalten sie nun erstmals stimmliche Verstärkung. Der neue große Engel widmet sich ganz dem Gesang und begleitet seine Musi­ kerfreunde mit lieblicher Stimme. Das Vögelchen stimmt fröhlich mit ein. Ganz gleich, ob an einer Schnur hängend oder bei Mond und Stern im formschönen Aufsteller stehend (wird selbstverständ­ lich mitgelie­fert): Der neue Himmels­ bote macht in jeder Deko-Lage eine gute Figur.

MARGERITENENGEL MIT HERZ UND BLUME

634/5

ZUM JUBILÄUM

100 Jahre ist es her, dass Olly Sommer, später Wendt, zu Wendt & Kühn kam und sich zu einer begnadeten Designerin entwickelte. Das Jubiläum ihres Firmen­ eintritts feiern wir mit der Wiederauflage eines ganz besonderen Olly-Wendt-Ent­ wurfs: dem Engel mit goldfarbenem Herz und Blume (13 cm), den sie im Februar 1925 entwarf und in dessen Blumentülle eine Kerze eingesteckt werden kann.

V O N D E R M I T TA G S S O N N E G E K Ü S S T

J U N G E M I T M I T TA G S G O L D

5248/26

Bald schon werden wir den Sommer begrüßen – der neue Blumenjunge steht bereits in den Startlöchern. Mit fescher Kappe, feinem Hemd und lässig nach oben gekrempel­ ter Hose mit schickem Karo-Innenfutter spaziert er der Sonne entgegen. Liebevolle Details, die der Figur ihren fröhlichen Charme verleihen. In den Händen hält er eine kunstvoll bemalte, leuchtend gelbe Blume: das Mittags­ gold. Ihren Namen verdankt sie ihrer Vorliebe für sonnige Lagen, an denen sie bevorzugt zur Mittagszeit ihre Blüten öffnet. Ihr aufwendig gefertigtes hölzernes Abbild erfreut hingegen auch unabhängig von der Wetterprognose.

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AB SOFORT

W

FÜR VERLIEBTE

Ü

I

N

H

ME

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IM SORTIMENT

ENDT &

K

Verliebt halten sich die beiden an den Händen und scheinen die Welt um sich herum zu vergessen. Sie im zartrosa Punk­ tekleid, er mit feinem Hemd und elegan­ tem Zylinder. Die Täubchen auf dem Perlenbogen schauen dem Liebespaar vergnügt zu. Ein gefühlvolles Geschenk zur Hochzeit, zur Verlobung und zu allen Anlässen, bei denen zwei Menschen ihre Liebe feiern. Und damit die Erinnerung an diesen Tag nie vergehen mag, kann der Sockel mit einer Beschriftung versehen werden. In kunstvoller Typografie brin­ gen unsere Malerinnen eine persönliche Widmung, die Namen der Beschenkten oder ein Datum auf. Der Indivi­duali­ sierungsservice ist bei diesem Artikel für bis zu 36 Zeichen kostenfrei.

IM VORDEREN UND HINTEREN S O C K E L B E R E I C H stehen in Summe bis zu 36 Zeichen zur Verfügung. Auch eine Beschriftung auf der Unterseite des Sockels ist möglich (maximal 36 Zeichen).

L I E B E S PA A R I M B O G E N M I T D R E I TÄU B C H E N

(Höhe 14,5 cm)

5407/3

NAHEZU AUSVERKAUFT

In der vorigen Ausgabe der elfpunktepost kündigten wir das auf 1.915 Stück limi­ tierte Buch „Geschichten aus der Manu­ faktur“ an, das seit Februar dieses Jahres erhältlich ist. Außerordentlich viele elfpunktepost-Leser nutzten die Möglichkeit, mittels der damals beigefügten Karte das Buch zu bestellen. Aus diesem Grunde sind höchstens noch vereinzelte Exem­ plare beim Fachhändler erhältlich.

BUCH „GESCHICHTEN AUS DER M A N U FA K T U R “, 1 6 0 S E I T E N , L I M I T I E R T AUF 1.915 EXEMPLARE

EB2020

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MARGERITENENGEL, SITZEND,

HEINZELMÄNNCHEN

MIT CHRISTBAUMSPITZE

MIT BÜGELSÄGE UND BEIL

634/70/40

5243/19

AUF HOCHGLANZ POLIERT

GUT GESCHÄRFT

Unermüdlich, aber sehr behutsam lässt der kleine Margeritenengel das karierte Poliertuch über die nostalgische Baum­ spitze gleiten, die zur Weihnachtszeit blitzblank den Christbaum krönen soll. Dafür macht sich der fleißige Helfer des Weihnachtsmannes bereits in den Som­ mermonaten ans Werk. Ob er wohl weiß, dass sich die Gestaltung der klas­ sischen Christbaumspitze vermutlich an der preußischen Pickelhaube orien­ tierte? Geschichtsfachmann oder nicht, in Sachen Weihnachtsvorbereitung ist er definitiv ein Experte.

Bereits in den vergangenen Jahren haben sich die Heinzelmännchen, deren Ent­ wurf von 1925/26 stammt, als tüchtige Gehilfen in Haus und Garten erwiesen. Nun stellen sie ihre Fähigkeiten bei der Holzbearbeitung unter Beweis. Mit Beil und Bügelsäge ausgestattet, zieht ein wei­ teres Mitglied der fleißigen Bande in den Wald. Damit die Heinzel nicht unver­ richteter Dinge wiederkommen, waren in unserer Manufaktur wahre Werkzeugma­ cher am Werk: Das Sägeblatt wurde aus Blech gestanzt, das Beil geschärft und mit höchster Präzision in Form geschliffen.


AB MAI IM SORTIMENT

ENGEL MIT KASPER UND SCHIRM,

GEKRÖNTE FORTSETZUNG

SITZEND

Bereits im vergangenen Jahr gaben die Kronenengel als Trio ihr Debüt. Mit ihrem anmutigen und dennoch kind­ lich-fröhlichen Wesen und den pastel­ lig zurückgenommenen Farben erober­ ten sie die Herzen vieler Sammler. Olly Wendt (geb. Sommer) entwarf diese Figu­ rengruppe bereits vor 1937. Wie schön, dass sich im großen Musterschrank wei­ tere Vertreter finden – so hält im OllyWendt-Jahr der Engel mit dreizackigem Leuchter Einzug ins Sortiment. Diesmal sogar in einer größeren Ausführung: Er misst stolze 17 Zentimeter.

650/170

MIT SCHIRM UND CHARME

Er ist ein komischer Held, bringt mit sei­ nem schelmischen Wesen nicht nur Kin­ der zum Lachen und kommt stets kun­ terbunt gekleidet und mit Zipfelmütze daher: der Kasper. Sein vergnügt-verspiel­ ter Charakter überträgt sich auch auf den fünf Zentimeter großen Grünhainichener Engel®, in dessen Arm er liegt. Das mun­ tere Arrangement wird von einem kleinen Schirmchen komplettiert, das die som­ merliche Leichtigkeit dieser Figur unter­ streicht. Eine charmante Aufforderung, den Tag zu genießen.

KRONENENGEL MIT LEUCHTER

6236/2

Bei diesen Abbildungen handelt es sich um Archivaufnahmen. Die Pinguine sind ab Juni erhältlich.

NACHSCHLAGEWERK

Auch in diesem Jahr soll das Figurenbuch Wegbegleiter für Wendt & Kühn-Sammler sein. Eine Übersicht aller aktuell im Sor­ timent befindlichen Artikel macht es zum Nachschlagewerk – sowohl für Neueinstei­ ger als auch für „alte Hasen“.

PINGUIN, KLEIN, STEHEND

5256/1

(4 cm)

PINGUIN, MITTEL, STEHEND

(5 cm)

5256/2

PINGUIN, GROSS, LESEND

(5,5 cm)

5256/5

FRÖHLICHE FRACKTRÄGER

Stets am 25. April wird der internatio­ nale Weltpinguintag gefeiert – ab Juni haben dann auch die Pinguine von Wendt & Kühn ihren großen Auftritt. Um sich an dem Trio zu erfreuen, müssen Liebhaber nicht extra in die Antarktis rei­ sen, die Pinguine watscheln mit ihren gro­ ßen gelben Brettchenfüßen direkt zu ihnen nach Hause. Ihr schwarz-graues Gefieder wirkt durch die lasierende Bemalung bau­ schig und weich. Das gestalterische i-Tüp­ felchen ist wohl der drehbare Kopf des gro­ ßen und mittleren Pinguins, der sie mal verstohlen zur einen, mal keck zur ande­ ren Seite schauen lässt.

Olly Sommer, später Wendt, gestaltete die Figurengruppe – neben vielen ande­ ren Tierfiguren – bereits zwischen 1922 und 1925 und hinterließ einen fantasie­ vollen Entwurf, der noch heute verzückt. Als Geschenk für kleine Entdecker, die es den Pinguinen gleichtun und mit großen Augen die Welt erkunden. Als Zeichen der Zuneigung für einen Menschen, mit dem man in treuer Pinguin-Manier für immer gemeinsam durchs Leben gehen will. Und natürlich für alle Fans der lie­ benswerten Frackträger.

FIGURENBUCH 2020

510/2020

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AB MAI IM SORTIMENT

E N G E L R E I C H B E M A LT,

E N G E L R E I C H B E M A LT,

E N G E L R E I C H B E M A LT,

GRÜN, KLEIN, MIT

GRÜN, MIT LICHTNAPF

GRÜN, MIT VIOLINE

GRÜN, KNIEND

(8,5 cm)

(8,5 cm)

(6,5 cm)

553/1Rgruen

553/2Rgruen

553/3Rgruen

LICHTNAPF

(5,5 cm)

553/Rgruen

MEISTERSCHAFT IN GRÜN

Die reich bemalten Engel in ihren blauen und roten Roben sind längst unverzicht­ barer Teil des Sortiments geworden. Mit ihren bodenlangen, wallenden Kleidern und den goldfarbenen Blumenkränzen auf den Köpfen strahlen sie Anmut und Eleganz aus. 2012 ergänzten ein großer orangener und ein großer grüner Engel die Figurengruppe. Der grüne stand nun Modell für die Bemalung seiner kleinen Geschwister, die ab Mai neue Dekora­ tionsmöglichkeiten eröffnen. In unter­ schiedlicher Größe und jeweils den Kopf leicht zur linken oder rechten Seite geneigt (außer der Geigenspieler), ste­ hen sie in Meisterschaft und Raffinesse ihrem großen Vorbild in nichts nach. Nur wenige andere Figuren vereinen die Perfektion von Formgebung und Farb­ gestaltung so eindrucksvoll wie die reich bemalten Engel.

SPIELDOSE MIT UNTER DEM BAUM SITZENDEN ENGELN

5336/41A

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E N G E L R E I C H B E M A LT,

STERNENGLANZ UND WEIHNACHTSKLANG MUSIKALISCHER VORGESCHMACK:

Eine Hörprobe der Melodien finden Sie auf unserer Internetseite www.wendt-kuehn.de.

Ein altes Schwarz-Weiß-Foto aus den 1950er Jahren zeigt Grete Wendt vor einer Messevitrine. Behutsam betätigt sie den Schlüssel einer Spieldose. Neben ihr stehen weitere Dosen, eine fantasie­ voller als die andere. Schaut man genau hin, ist auch eine Spieldose mit einem Baum, sitzenden Engeln und goldglän­ zenden Sternen zu erkennen – vermut­ lich ausschließlich ein Muster für die Messe. Es ist anzunehmen, dass diese Spieldose nie verkauft wurde. Würde Grete Wendt heute sehen, dass das 30 Zentimeter hohe Schmuckstück in leicht überarbeiteter Form nun ins Sor­ timent gelangt – sie würde wohlwollend lächeln. Am Fuße des Baumes haben sich sieben Engel niedergelassen und stimmen in die Weihnachtsmusik ein. Dabei stehen Klassiker wie „Stille Nacht“ und „O du fröhliche“ sowie erstmals auch die Melo­ die des englischsprachigen Weihnachts­ liedes „We wish you a merry Christmas“ zur Auswahl. Ein Hauch von Nostalgie erfüllt den Raum, wenn sich der Baum mit den 21 sanft schwingenden Sternen anmutig dreht.


AB MAI IM SORTIMENT

Prinzessinnen-Schick Beim Anblick der neu aufgelegten Wendt & Kühn-Prinzessin werden Dornröschen und Schneewittchen vermutlich staunen. Wir erzählen warum und werfen einen Blick auf die Geschichte und Herstellung einer außergewöhnlichen Figur.

K

nauldamen gehören seit den 1930er Jahren zum Sorti­ ment unserer Manufaktur. Sie nennen sich Bayerin, Großmutter, Schwedin, Dänin, Köni­ gin, Russin, Schwarzwälderin und auch Prinzessin. Insgesamt 16 verschiedene Knaulfrauen finden sich im Firmenka­ talog von 1937. Sie alle eint der bau­ chige Rock, unter dem ein Wollknäuel aufbewahrt werden kann, dessen Faden durch ein kleines Loch zu den Strick- oder Häkelnadeln gezogen wird. Die funkti­ onstüchtigen Figuren schützen die Wolle an einem sicheren Ort vor dem Durchein­ ander – praktisch und dekorativ zugleich. Die Knauldame mit dem klangvollen Namen „Prinzessin“ wird ab Mai 2020 wieder aufgelegt. Ihr leuchtend gelber

Rock wird lasierend bemalt, sodass ein Wechselspiel unterschiedlicher Farbnu­ ancen entsteht. Für das Malen des Strei­ fenmusters war zunächst eine detektivi­ sche Vorarbeit nötig. Alte Schwarz-WeißKataloge ließen nur erahnen, welche Far­ ben zum Einsatz gekommen sind. Und so wurden verschiedene Versionen getes­ tet und Helligkeitswerte verglichen, bis schließlich das passende Farbarrangement gefunden war. Der markante Kragen der feinen Dame erfordert besonderes handwerkliches Geschick. Nur schwer lässt sich erahnen, wie der hölzerne Halsschmuck „gefaltet“ wird. Roland Stanzel, Meister der Drehe­ rei, lüftet das Geheimnis: „Alles beginnt mit einer Holzscheibe, in deren Mitte sich ein Loch befindet. Mit einer Oberfräse

KNAULDAME PRINZESSIN, GELBES KLEID

5272/11gelb

werden zunächst 20 Kerben in die Ober­ seite der Scheibe gefräst. Anschließend beginnt das Spiel von vorn – nun auf der Unterseite und exakt in den Zwischen­ räumen der oberen Kerben. 40 Mal wird das Werkstück folglich von einem Mit­ arbeiter per Hand an die Fräse geführt, bevor anschließend noch nachgeschliffen wird.“ Ein hoher Aufwand, einer Prin­ zessin wahrlich würdig. Und so hinter­ lässt die 20 Zentimeter hohe Knauldame in ihrer einzigartigen Formsprache nicht nur bei Freunden des feinen Stricks einen bleibenden Eindruck. Übrigens: Die Knauldame „Prinzessin“ ist in den hauseigenen Geschäften von Wendt & Kühn in Grünhainichen und Seiffen auch in einer blauen Bemalung und mit Rosenmuster erhältlich.

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R A R I TÄT

ANMUTIGES MEISTERSTÜCK Ganz hinten im Regal des historischen Musterarchivs hatte sie gestanden, mit einem seidenen Tuch bedeckt: eine große, schlanke Madonna in rotem Gewand. Anmutig, elegant, den Blick liebevoll auf das Christkind in ihrem Arm gerichtet. Es brauchte seine Zeit, bis das außergewöhnliche Meisterwerk nun endlich als Rarität ins Sortiment zurückkehren kann. Lesen Sie, was Grete Wendt zu diesem Entwurf inspiriert haben könnte, welch hohe Handwerkskunst für die Fertigung vonnöten ist und wie wir die Übergabe Ihrer Madonna zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.

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I N S P I R AT I O N S Q U E L L E

Die Frage, wie und wann es zu dem Ent­ wurf der großen Madonna kam, konnte trotz umfangreicher Recherchen nicht abschließend geklärt werden. Ob sich Grete Wendt für das Marien-Thema im religiösen Sinne interessierte oder ob sie eher mit humanistischem Blick auf die Madonnen-Darstellungen als Verbildli­ chung von Mutter und Kind schaute, ist ebenfalls nicht überliefert. Dokumentiert ist jedoch, dass ihr ein Madonnenbild besonders gefiel: das Bild der „Madonna mit der Birnenschnitte“ von Albrecht Dürer (1471-1528). Eine Reproduk­ tion des Werkes hing an der Wand ihres Wohnzimmers. I N N E U E M G E WA N D

Die Form der Madonnen, die nun ins Sortiment zurückkehren, basiert auf der historischen Vorlage. Hinsicht­ lich der Farbgestaltung stellten wir uns der anspruchsvollen Aufgabe, die eher schlichte Original-Bemalung um neue, kunstvolle Versionen zu ergänzen. Ent­ standen sind zwei Madonnen mit bewusst ganz unterschiedlicher Anmutung: Wäh­ rend die Madonna im dunkelblauen Kleid vor allem Eleganz ausstrahlt, berührt das Exemplar im hellblauen Gewand durch sein zartes Wesen. Ganz gleich, in wel­ cher Ausführung – die beeindruckenden Großfiguren stehen wie kaum ein anderer Artikel mit ihrer kunstvollen Bemalung für eine Meisterschaft unserer Manufak­ tur, die ihresgleichen sucht.

MADONNA MIT CHRISTKIND, STEHEND, GROSS, HELLBLAU

(42 cm)

550/MstG/B

HÖCHSTE HANDWERKSKUNST

Alles beginnt mit einer Holzbohle. Aber nicht mit irgendeiner, sondern einer min­ destens 40 Zentimeter breiten. „Das sind schon ganz schön große Bäume“, sagt der Meister der Dreherei Roland Stanzel – nicht ohne Stirnrunzeln, denn er ist bei Wendt & Kühn auch für die Holzbeschaffung verantwortlich, und diese gestal­ tet sich bei solchen Sonderma­ ßen nicht immer einfach. Ist eine geeignete Bohle gefunden, werden die verschiedenen Teile gedrech­ selt, gesägt, geschliffen und ver­

G R E T E W E N D T in ihrem Wohnzimmer (1944), an der Wand Albrecht Dürers Madonnenbild.

MADONNA MIT CHRISTKIND, STEHEND, G R O S S , R E I C H B E M A LT

(42 cm)

550/MstG/R

leimt 1 . Während die Figuren anschlie­ ßend üblicherweise auf eine Tauchnadel gesteckt und kopfüber in ein Farbbad getaucht werden, ist das bei dieser Größe nicht möglich. Die Madonnen erhalten deshalb mit einem breiten Pinsel ihr wei­ ßes Unterkleid. Dieses muss vollkommen eben sein, damit der wohl aufwendigste Teil der Fertigung beginnen kann: die meisterhafte Bemalung, die wir Ihnen am Beispiel der dunkelblauen Madonna zei­ gen möchten. Strich für Strich formt sich ihr Kleid. Damit der Rock des Gewandes in unzähligen Blautönen schimmert, wird lasierend bemalt. Auch der rote Mantel erhält so seine plastische Anmutung.

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UNVERGESSLICH: E R L E B N I S R E I S E „ M A D O N N A“

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AUFGRUND DER AUFWEND I G E N F E R T I G U N G ist die Stückzahl auf insgesamt maximal 100 Exemplare pro Jahr limitiert. Die Madonnen ordnen sich als Raritäten, die ausschließlich auf Bestellung gefertigt werden, in das Sortiment ein.

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Jetzt wird es blumig: Mit feinem Pinsel zeichnet die Malerin die goldenen Linien auf den roten Unter­ grund. Jeder Pinselstrich muss sitzen, damit das flo­ rale Gesamtbild „aufgeht“. Zuvor hat sie den Rand des Mantels mit hauchdünnen Linien verziert: Etwa 140 zarte Striche, nach oben ergänzt um 70 kleine Bögen, lassen die beeindruckende Bordüre entste­ hen 2 . Auch das Muster auf der Vorderseite faszi­ niert: Zunächst setzt die Malerin 126 winzige Kreuze, bevor sie diese durch 216 spitze Ellipsen zu einem geometrischen Muster verbindet 3 . Der Sockel, auf dem die Figur in einem Wolkenmeer zu stehen scheint, verblüfft ebenfalls. Täuschend echt türmen sich die bauschigen Wolkenberge auf. Für diesen besonderen Farbverlauf taucht die Malerin einen dicken Pinsel jeweils halbseitig in Weiß und Hell­ blau. So entsteht ein harmonischer Farbverlauf 4 . Zu guter Letzt erhält die Madonna von der Gesich­ termalerin ihr seliges Antlitz 5 , bevor sie schließlich das Christkind in Empfang nimmt. Einfach himm­ lisch – im wahrsten Sinne des Wortes.

Einem außergewöhnlichen Meisterstück würdig, bieten wir Ihnen die Möglichkeit, Ihre Madonna bei Wendt & Kühn feierlich in Empfang zu nehmen*. Dazu stellen wir Ihnen ein exklusives Programm zusammen, das eine unvergessliche Begegnung mit dem Mythos von Wendt & Kühn be­inhaltet. Am Stammsitz in Grünhainichen über­ reichen wir Ihnen Ihre Madonna feier­ lich und Sie lernen die Malerin kennen, die Ihre Figur vollendet hat. Im weltbe­ rühmten Spielzeugdorf Seiffen, in dem sich unsere Wendt & Kühn-Figurenwelt befin­ det, erwarten Sie weitere Programm-High­ lights. Den Termin Ihrer Reise stimmen wir selbstverständlich individuell mit Ihnen ab. Alle Details zum Reiseangebot (Leistungen, Preis etc.) erfahren Sie auf unserer Internet­ seite www.wendt-kuehn.de, Rubrik „Erle­ ben“ unter „Erlebnisreise Madonna“ oder telefonisch unter (037294) 86 128. * Mit der Bestellung bei Ihrem Händler vor Ort wird eine Anzahlung in Höhe von 500 Euro fällig. Den restlichen Kaufpreis zahlen Sie bei Abholung.


FRÜHLINGSERLEBNISSE BEI WENDT & KÜHN

Von Grünhainichen in die ganze Welt 380 Orte, 67 Länder, 6 Kontinente – der Engel mit Koffer reiste in den vergangenen zwei Jahren als Weltenbummler um die Erde. Nun lädt er Sie in seine Heimat ein: zu den WeltenbummlerSchautagen am 1. und 2. Mai 2020 in Grünhainichen.

D

ie zahlreichen Zusendungen rei­ sefreudiger Sammler inspirierten uns zu den diesjährigen MaiSchautagen, die ganz im Zeichen des Rei­ sens stehen. Erfahren Sie spannende Details zu Wendt & Kühn weltweit: In welche 26 Länder werden die Figuren verschickt? Auf welchen Reisen fanden die Gestalterinnen Ideen für ihre Entwürfe? Weitere Aktio­ nen runden Ihren Besuch ab: Mit Sonnen­ hut, Koffer und Hawaii-Blumenkette ent­ stehen eigene Weltenbummler-Fotos zum Schmunzeln. Eine Bilderschau dokumen­ tiert die vielfältigen Reiseziele des Welten­ bummlers in nah und fern, und eine Kin­ dertanzgruppe sorgt mit Tänzen aus aller Welt für den nötigen Schwung.

Wie die weltbekannten Elfpunkteengel und fröhlichen Blumenkinder in meister­ licher Handarbeit entstehen, erleben die Besucher in den verschiedenen Werkstatt­ räumen. Während die Kleinen an der Bas­ telstraße kreativ werden, lassen sich die Großen von fantasievollen Figurenarrange­ ments zu Deko- und Geschenkideen inspi­ rieren. Und da Reiseerlebnisse, die man mit lieben Menschen teilen kann, die schöns­ ten sind, packen Sie doch gleich die ganze Familie, den Partner oder Ihre Freunde ins „Reisegepäck“. Reise-Lust: Auch wir möchten Sie auf eine Reise schicken und verlosen drei Kurz­ trips nach Hamburg zum Konzert des renommierten Leipziger Gewandhausor­ chesters in der Elbphilharmonie. Sechs weitere Gewinner überraschen wir mit einem Abo des Reisemagazins „Geo Sai­

son“. Beantworten Sie dafür die drei Fra­ gen auf der Postkarte in der Heftmitte und bringen Sie diese zu den Mai-Schautagen nach Grünhainichen mit oder senden Sie uns die Karte bis zum 2. Mai 2020 per Post. Auch auf unserer Internetseite unter www.wendt-kuehn.de können Sie das Ant­ wortformular ausfüllen. Übrigens: Die Mai-Neuheiten werden an diesen Tagen in Grünhainichen und in der Figurenwelt in Seiffen ihren ersten großen Auftritt haben. Ab 4. Mai gehen sie dann auf die Reise zu den Wendt & Kühn-Fach­ händlern weltweit. M A N U FA K T U R I N G R Ü N H A I N I C H E N

Schautage jeweils 10 bis 17 Uhr: 1. und 2. Mai 2020, 28. und 29. November 2020 (1. Advent)

Kunterbuntes Osterallerl-Ei

Kreative Frühlingswerkstatt

H

M

ier ein Ei, dort ein Ei – in der Wendt & Kühn-Welt in Grünhai­ nichen dreht sich in diesem Jahr alles um das kunterbunte Oval. Während die Jüngsten ihr persönliches Osterkörbchen gestalten und bei der anschließenden Oster­ eier-Suche mit kleinen Naschereien befüllen, können die Großen die his­ torische Oster-Schau bestaunen. Und wer noch auf der Suche nach einem Ostergeschenk ist, wird natürlich ebenfalls fündig. W E N D T & K Ü H N - W E LT IN GRÜNHAINICHEN

jeweils 10 bis 17 Uhr: 10. bis 13. April 2020 (Ostern)

öchten Sie in ­frühlingshafter Atmosphäre selbst einmal zum Künstler werden? In den Tagen um Ostern können Sie in der Figurenwelt in Seiffen ganz persön­ liche Schmuckstücke für Ihren Oster- oder Frühjahrs­ strauß gestalten – vom farbenfrohen Ei bis zum zarten Blümchen. Am Osterwochenende (11. und 12. April 2020) können Sie zudem unseren Leimerinnen und Malerinnen über die Schultern schauen, wenn sie in feiner Handarbeit Figuren zum Leben erwecken. WENDT & KÜHN-FIGURENWELT IN SEIFFEN

jeweils 10 bis 17 Uhr: 6. bis 19. April 2020 (Frühlingswerkstatt) 12. bis 25. Oktober 2020 (Herbstwerkstatt) 17. und 18. Oktober 2020 (Schautage zum Tag des traditionellen Handwerks)

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Olly Wendt

TA L E N T. SCHICKSAL. LEBENSWERK.

100 Jahre ist es her, dass Olly Sommer, später Wendt, als Gestalterin zu Wendt & Kühn kam – ursprünglich gedacht als „Zwischenstopp“ in ihrer Laufbahn als Kunstgewerblerin. Warum sie doch ein Leben lang blieb, erfahren Sie auf den folgenden Seiten. Wir zeichnen den Weg einer Frau, deren Leben immer wieder unerwartete Wendungen nahm, die großes Glück, aber auch unendliches Leid erfuhr. Wer war die D ­ esignerin, die Seite an Seite mit Firmengründerin Grete Wendt arbeitete? Was prägte sie? Wir nehmen Sie mit auf eine Reise, die uns über Riga und Dresden schließlich nach Grünhainichen führt.

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K I N D H E I T, J U G E N D , AUSBILDUNG

Olga Sophie Emilia Sommer, kurz Olly genannt, wurde am 27. Mai 1896 als jüngstes von fünf Kindern in Riga gebo­ ren. Zusammen mit ihrer Familie wohnte sie in einer großen, bürgerlich eingerich­ teten Wohnung am Nikolai- und Bastei­ boulevard am Stadtkanal. Besonders mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Herbert fühlte sie sich eng verbunden. „Wir waren unzertrennlich und dafür bekannt. Alles wurde gemeinsam gemacht“, beschrieb Olly einst das innige Geschwisterverhält­ nis. Wenn sie sich nicht gerade mit Her­ bert beim selbst erdachten Spiel „Teu­ felchen“ vergnügte, widmete sich Olly schon als kleines Mädchen den schö­ nen Künsten – sie zeichnete, spielte Kla­ vier und verfasste später eigene Gedichte. Ende Juni 1913 siedelten die Sommers nach Deutschland über und bezogen eine Wohnung in Dresden. Warum die Fami­ lie Riga verließ, kann heute nicht ein­ deutig geklärt werden – vielleicht zog es den Vater, in Sachsen geboren, nach sei­ ner Pensionierung zurück in die alte Hei­ mat oder man folgte dem älteren Bruder Herbert, der bereits in Dresden studierte. Vielleicht war es aber auch ein Zusam­ menspiel verschiedenster Umstände – möglicherweise auch gesellschaftspo­ litischer Natur –, die den Entschluss bewirkten. Fest steht jedoch, dass es für die Tochter, die sich mit ihrer Geburts­ stadt sehr verbunden fühlte, kein leichter Schritt war. Im September 1915 meldete sich Olly für einen Kurs in der Dresd­ ner Filiale der Berliner Zuschneide-Aka­ demie an. Damals hätte man ihr vermut­ lich eher eine Zukunft in der textilen Gestaltung vorhergesagt, zumal sie auf diesem Gebiet recht talentiert schien. Das Abschlusszeugnis bescheinigt ihr im Januar 1916 Bestnoten: „Schnittzeich­ nen, deutsche, englische und französi­ sche Form: besonders gut; Maßnehmen, Berechnen der Stoffe, Farbenharmonie: sehr gut.“ (Auch noch während ihres Stu­ diums an der Staatlichen Kunstgewerbe­ schule besuchte sie einen Handnähkurs.) An die Gestaltung von Holzfiguren war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken, ihr Interesse galt zunächst dem Mode­-

design. So schrieb sie sich auch im Sep­ tember 1917 in die Fachklasse für Mode an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Dresden ein – unter der Leitung von Pro­ fessorin Margarete Junge, bei der auch Firmengründerin Grete Wendt zehn Jahre zuvor studiert hatte. K R E AT I V I TÄT, L I E B E , VERLUST

Am 15. Februar 1920 folgte Olly der Emp­ fehlung ihrer Professorin und kam als Prak­ tikantin zu Wendt & Kühn nach Grün­ hainichen. Zuvor hatte sich Grete Wendt mit einem Gesuch um kreative Verstär­ kung an ihre frühere Lehrerin gewandt, denn mit dem Ausscheiden der zweiten Firmengründerin Grete Kühn nach deren Heirat fehlte nun eine geschickte Male­ WÄ H R E N D I H R E R A U S B I L D U N G bei Prof. Junge fertigte Olly Wendt auch Kostümzeichnungen an.

LIEBEVOLLE NECKEREIEN

(um 1925) münden im Familienglück zu viert (Juli 1936). Die Zwillinge inspirierten Olly zum Entwurf eines Kinderpaars.

rin und Gestalterin. Eine Woche vor Ollys Arbeitsbeginn teilte ihr Grete Wendt in einem Brief die letzten wichtigen Informa­ tionen mit: „Sehr geehrtes Fräulein Som­ mer! Ich denke, dass Fräulein Junge Sie von meinem Schreiben unterrichtet hat. Ich habe jetzt ein Zimmer für Sie erwirkt bei einer Wirtin, Frau Schuhmachermeis­ ter Krehan. (...) Die Wohnung steht Ihnen sofort zur Verfügung, sodass Sie am 15.2. Ihre Tätigkeit hier beginnen könnten.“ Sie schloss mit den Worten: „Ich würde mich freuen, wenn Sie sich gut einarbeiteten und Freude an Ihrer Tätigkeit hier finden wür­ den.“ Und wie sie Freude an ihrer Tätigkeit fand! Obwohl sie zunächst nur ein Prak­ tikum für ein einziges Jahr im Sinn hatte, sollte sie ein Leben lang bleiben. „Dieser junge Betrieb hat mich so sehr gefesselt – er wurde mir zum Schicksal“, wird Olly viele Jahre später an eine Freundin schreiben. Die ersten Figuren, denen sich die frisch gebackene Absolventin widmete, waren die „Lippersdorfer Engel“, für die sie eine neue Bemalung erarbeitete. Es folgte die kunst­ volle Verzierung von Figuren, deren Form Grete Wendt entworfen hatte. Olly ver­ lieh ihnen durch eine reiche Ornamentik einen besonderen Charakter. Die Künstle­ rin wird in den Folgejahren auch eine Viel­ zahl eigener Figuren entwerfen: Margeri­ tenengel, Tierfiguren, die Mondfamilie ...

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lermeister Gebhardt Heinz nach Waal ins Allgäu, wo er als Flüchtling aufgenommen wurde und eine Lehre als Drechsler absol­ vieren konnte. Sigrid folgte ihrem Bruder wenige Monate später. EINER VON DREI ENGELN,

die Olly Wendt als Wie­ dersehensgeschenk für ihren Mann Johannes entwarf, nachdem er 1945 in russische Gefangen­ schaft geraten war. Olly wird dieses Geschenk jedoch nie überreichen können.

In Grünhainichen entdeckte Olly jedoch nicht nur die Liebe zum figürlichen Gestal­ ten, auch den Mann fürs Leben fand sie in dem kleinen Erzgebirgsdorf. Sie ver­ liebte sich in Grete Wendts Bruder Johan­ nes, den kaufmännischen Leiter von Wendt & Kühn. Im heutigen Sprachge­ brauch würde man die Bilder von Olly und Johannes aus einem Album von 1925 wohl als moderne „Foto-Lovestory“ bezeich­ nen – lassen sie doch das Knistern erah­ nen, das bereits Mitte der 1920er Jahre in der Luft gelegen haben muss, als die bei­ den turtelnd durch den Garten der Manu­ faktur streiften. Die Heirat am 19. Feb­ ruar 1930 krönte die Verbindung der Lie­ benden. Noch im gleichen Jahr erblickten die Zwillinge Hans und Sigrid das Licht der Welt. Im September 1945 nimmt das Leben der Familie eine dramatische Wendung: Das Familienglück wird vom Verlust des Ehe­ mannes und Vaters überschattet. Johan­ nes geriet in russische Gefangenschaft, aus der er nie heimkehren sollte. Einmal noch hatte Olly die Gelegenheit, Johannes nach seiner Verschleppung zu sehen. Er war in ein Außenlager von Buchenwald gebracht worden, und Olly hat versucht, ihm Win­ terkleidung ins Lager zu bringen. Wohin ihn sein Weg dann führte und wie sein Leben auf tragische Weise endete, blieb viele Jahre ungewiss – eine schier uner­ trägliche Situation für die Familie. Aus Angst, auch noch ihre Kinder zu verlieren, schickte Olly ihren Sohn Hans zu Drechs­

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Von dem unendlichen Schmerz und der Hoffnung, ihren geliebten Ehemann doch eines Tages wiederzusehen, zeugen drei Brokatengel, die Olly 1945/46 als ein Wie­ dersehensgeschenk für ihn entwarf. Auch ihr Brief zu Hans’ 22. Geburtstag – sie­ ben lange Jahre waren seit Johannes’ Ver­ schwinden vergangen – legt Zeugnis ab von Ollys immerwährender Zuversicht: „Und liegt seit dem Jahre 45 der dunkle Schatten über dem Engelhaus, so wollen wir doch immer wieder aufs Neue gläubi­ gen Herzens die Hoffnung auf eine bal­ dige Wiedervereinigung mit Vati nicht auf­ geben. Diesen Wunsch setze ich heute all den andern Wünschen für dich, mein lie­ ber nun schon so großer Junge, voran.“ Erst im Oktober 1962 sollte Olly die offizi­ elle Benachrichtigung erhalten, dass Johan­ nes am 7. Dezember 1945 im russischen Internierungslager Tscherepowez verstor­ ben war. „ARBEIT IST EIN SEGEN“

Ablenkung, wenn nicht gar Trost, fand Olly in den schicksalhaften Jahren in ihrer Arbeit. Ihr ganzes berufliches Leben stellte sie in den Dienst der Manufaktur. Auch nach der Verstaatlichung Wendt & Kühns im Jahr 1972 blieb sie Angestellte, nun jedoch beim Volkseigenen Betrieb WerkKunst. Ihre Trauer über die Enteignung verarbeitete sie in dem Gedicht „Es ist das Gleiche, und ist es nicht“, das mit den Zeilen „Nur dies allein ist, was mich trau­ rig stimmt, und viel jetzt von der Freude nimmt“ endet. Ihrer Kreativität kann die staatliche Leitung glücklicherweise nichts anhaben, ihr künstlerisches Schaffen wird sogar vom Kulturbund der DDR ausge­ zeichnet. Eine besondere Wertschätzung ihrer Arbeit wird ihr 1988 zuteil, als ihr der Warenzeichenverband Expertic die Ehrenplakette für ihre Verdienste verlieh. Neben den Entwürfen für die Kollektion der Manufaktur gestaltete die Künstle­ rin auch immer wieder ganz persönli­

che Figuren für Freunde und Familien­ mitglieder. Zudem hatte sie eine Vorliebe für das Bemalen alltäglicher Gegenstände wie Kaffeedosen oder Kosmetikschach­ teln, um sie an Freunde oder Gäste zu verschenken. 1980 beschrieb die inzwi­ schen 84-Jährige in einem Brief, wie sehr ihr die Arbeit am Herzen lag, auch noch im hohen Alter: „Ich bin dankbar und zufrieden, dass ich es so noch kann, denn: Arbeit ist ein Segen.“ Am Morgen des 28. April 1983 kam sie zum letzten Mal zur Arbeit in die Malstube, in der sie über 60 Jahre lang ihre kreativen Spuren in der Geschichte von Wendt & Kühn hinter­ lassen hatte. Am 13. Juni 1991 schloss Olly für immer die Augen. Nicht ohne als tiefsinniger, feinfühliger und warmherziger Mensch, als liebevolle Ehefrau, Mutter und „Omi“ und als großartige Gestalterin für alle Zeit in Erinnerung zu bleiben. Seien Sie bereits jetzt gespannt auf die Herbstausgabe der elfpunktepost, in der wir in einem zweiten Teil Olly Wendts künstlerisches Schaffen sowie den spannenden kreativen Wettbewerb mit Firmengründerin Grete Wendt näher betrachten.

NEUE SONDERAUSSTELLUNG

TA L E N T – S C H I C K S A L – LEBENSWERK

100 Jahre Firmeneintritt Olly Wendt Auch die neue Sonderausstellung in der Wendt & Kühn-Welt in Grün­ hainichen ist Olly Wendt gewidmet. Zahlreiche Figuren, Zeichnungen, Fotografien und bisher nie gezeigte Dokumente, aber auch Sachzeugnisse aus dem Alltag zeichnen ein Bild ihrer vielschichtigen Persönlichkeit. Sie bieten ganz private Einblicke in das Leben einer Frau, die Seite an Seite – und auch im kreativen Wettstreit – mit Firmengründerin Grete Wendt arbeitete. 4. April 2020 bis Frühjahr 2021, Wendt & Kühn-Welt in Grünhainichen


WENN ICH AN MEINE OMI DENKE, S E H E I C H E I N E WA R M H E R Z I G E U N D S T I LV O L L E F R A U Interview mit der Enkelin von Olly Wendt und heutigen Firmeninhaberin Claudia Baer

Frau Baer, wenn Sie von Olly Wendt sprechen, dann verwenden Sie oft die liebevolle Bezeichnung „meine Omi“. Was erwärmt Ihr Herz, wenn Sie an Ihre Omi denken? Ich verbinde in der Tat sehr viele schöne Erinnerungen mit meiner Omi, die ich als eine warmherzige und freundliche Frau erlebt habe. Wenn ich als Kind zu ihr kam, mit einem Buch unter dem Arm, hat sie sich stets Zeit genommen, mir da­raus vorzulesen. Gern hörte ich ihre wohltuende, beru­ higende Stimme, die ihrem friedvollen Charakter entsprach. Ich habe sie nie­ mals klagen hören oder im Streit mit O L LY W E N D T ( 8 7 J A H R E ) jemandem erlebt. Und obwohl sie die meiste Zeit ihres Lebens im eher rauen Erzgebirge verbrachte, liebte sie immer den Strand und das Meer. Eine Sehnsucht, die ich übrigens teile. Was gehört noch zu Ihren Erinnerungen an Olly Wendt? Sie war eine fleißige und disziplinierte Malerin, eine begabte Desi­ gnerin und eine sehr stilvolle Frau, die Literatur und Musik über­ aus liebte. Es verwundert also nicht, dass sie gern las und klassi­ sche Musik hörte. Einen Fernseher hingegen besaß sie zu keiner Zeit. Sie hatte als Kind Tanz- und Klavierunterricht genommen, auch Zeichenunterricht bei einer Künstlerin. Zur Wohnkultur – und das keinesfalls nur an Festtagen – gehörte eine glatt aufge­ legte Damast-Tischdecke mit den entsprechenden Stoffserviet­ ten. Außerdem erinnere ich mich daran, dass sie eine rege schrift­ liche Korrespondenz mit Verwandten und langjährigen Freun­ dinnen in vielen Ländern pflegte. Dazu gehörten auch liebevoll ausgesuchte und verpackte Geschenke, die in der Vorweihnachts­ zeit – nach den jeweiligen Zielländern zeitlich gestaffelt – von Grünhainichen aus auf den (Post-)Weg gebracht wurden. Sie interessierte sich dafür, was in der Welt passierte, las Zeitungen und hörte gern Radio. Beeindruckt hat mich unter anderem, wie

diszipliniert sie war. Es gilt als verbrieft, dass sie jeden Arbeitstag ihres Lebens pünktlich um sechs Uhr morgens in der Malerei begonnen hat. Dort war ihr der Zusammenhalt der, wie sie sagte, „Mädels“ – darunter auch Frauen kurz vor dem Renteneintritt – sehr wichtig. Dazu wurde häufig gemeinsam gesun­ gen. Bekannt ist ebenso, dass sie nie­ mals Dederon-Schürzen, sondern stets geschneiderte Arbeitskittel trug. War es schwer, sich als talentierte Designerin an der Seite von Grete Wendt im selben Unternehmen zu behaupten? Tante Grete und Omi respektierten sich, beiden war die Meinung der jeweils anderen äußerst wich­ tig. Es herrschte kein Konkurrenzkampf. Wohl aber ein beflügeln­ der Wettstreit, in dessen Ergebnis wir heute über einen wunder­ vollen Musterschatz verfügen, der durch zwei sehr unterschied­ liche künstlerische Handschriften geprägt worden ist. Und da ist dann noch die Sache mit der Zitronenspeise … Was hat es denn damit auf sich? Ja, meine Omi besaß ein Rezept für eine Zitronenspeise. Diese bereitete sie immer dann zu, wenn sich jemand in der Familie, im Unternehmen oder im Dorf nicht wohlfühlte. Diese Zitro­ nenspeise schmeckte nicht nur gut, sondern sie war auch leicht und unterstützte nach Meinung meiner Omi die Heilung. Bald war die Speise populär und in Grünhainichen beliebt. Ich habe sie ebenfalls gern gegessen, auch wenn ich nicht erkrankt war, und bereite sie noch heute zu. Die Rezeptur ist überliefert und befindet sich in unserem Archiv. Wir lüften für Sie ein Familiengeheimnis: Das Rezept zu Olly Wendts legendärer Zitronenspeise finden Sie auf www.wendt-kuehn.de, Rubrik „Erleben“ unter „Olly Wendt“.

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LEBENDIGE TRADITION

| Te i l 15

Ein Blumenkind zum Anbeißen Alles begann mit der Wendt & Kühn-Sammlung der Uroma. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit stellte sie ihr Engelorchester auf. Sie war die gute Seele der Familie, und Anna Theresa Arndt aus Radeberg bei Dresden verbrachte viele unbeschwerte Stunden bei ihr – nicht ohne Folgen …

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chon seit ich denken kann, gehören für mich die Engel zur Adventszeit dazu. Mein ganze Familie wurde angesteckt“, erzählt Anna Theresa, und ihre Augen leuchten. Auch die 22-Jährige besitzt bereits eine eigene kleine Sammlung, zu der Geburtstagsen­ gel ebenso gehören wie der Engel mit vergoldetem Herz und ein Engel mit Kuchen. Letzterer zählt zu ihren Lieblings­ figuren. Das hat seinen Grund: Die junge Frau hat nicht nur ein Faible für Wendt & Kühn, sondern auch für Torten, Kuchen und Pralinen. Dass diese beiden Leidenschaften wunderbar zusammen­ passen, bewies die gelernte Konditorin, als sie ihre Tante vor einiger Zeit mit einer ganz besonderen Geburtstagstorte überraschte. „Sie hat am 25. Dezember Geburtstag und liebt vor allem die Marge­ ritenengel. Also habe ich mich im Morgengrauen spontan in die Küche gestellt und ihr einen Engel gebacken. Sie war außer sich vor Freude“, berichtet Anna Theresa stolz. Und so zögerte die ver­ sierte Teigkünstlerin keine Sekunde, als wir sie fragten, ob sie für diese elfpunktepost-Geschichte erneut eine Figur backen wolle. Ihre Wahl fiel auf das Blumenkind mit Kleeblatt. „Nach dem Tod meiner Uroma habe ich das Mädchen aus ihrer Sammlung erhalten. Es erinnert mich jeden Tag an sie und gibt mir ein Gefühl der Geborgenheit“, beschreibt sie die besondere Verbindung zu der Figur. Voller Tatendrang machte sich Anna Theresa, die sonst in der Familienbäckerei und -konditorei Eisold Köstlichkeiten kreiert, ans Werk. Zunächst studierte sie den Aufbau, die Formen und Pro­ portionen der Figur und kam schnell zu der Erkenntnis: „Keine einfache Aufgabe, denn erst jetzt wurde mir richtig bewusst, mit welcher Detailliebe und Perfektion die hölzerne Figur gestaltet wurde.“ Sie baute ein Gestell, das dem Mädchen Halt geben sollte, nahm Maß und verrührte schließlich Zucker, Mehl, Nüsse, Eier. Biskuitschicht für Biskuitschicht, unterbrochen durch eine scho­ koladene Ganache und eine Nusscreme, gewann der Grundkör­ per an Höhe, bevor er in Form geschnitten wurde. Während die

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B A C K K U N S T : Anna Theresa Arndt und ihr zuckersüßes Blumenkind. Auf das essbare Kleeblatt musste aus statischen Gründen verzichtet wer­ den, was dem zauberhaften Charme des Tortenmädchens aber keinen Abbruch tut.

hölzernen Figuren nun für gewöhnlich ihr Unterkleid durch ein „Tauchbad“ in weißer Farbe erhalten, hüllte die Konditorin das Blumenkind mit einer Zuckerschicht ein. Bevor sie zum Farbpin­ sel griff, schaute sie ihrem Holzmodell tief in die Augen, um die Finessen der Bemalung zu ergründen. „Vor dem Gesicht hatte ich anfänglich wirklich Respekt – schließlich sollte es dem Original in nichts nachstehen“, beschreibt die junge Frau ihre Anspannung. Und es gelang! Anschließend mischte sie essbare Pastellkreidefar­ ben so lange, bis sie die Farbtöne für Blumenkranz und Blüten­ bordüre gefunden hatte, die dem Modell schon ziemlich nahe­ kommen. Bei über 400 Farbtönen, mit denen die Malerinnen bei Wendt & Kühn arbeiten, eine wahre Herausforderung. Nach über vier Stunden Backen, Modellieren und Verzieren ist das Tortenwerk vollbracht: Holzblumenkind, seine zucker­ süße Schwester und Anna Theresa strahlen um die Wette. Sichtlich erleichtert, etwas erschöpft und um die Erkenntnis rei­ cher, dass sowohl das Backen als auch die Holzgestaltung wahre Handwerkskünste sind. „Meine Uroma wäre stolz auf mich“, ist sie sich sicher. Was später mit dem essbaren Blumenkind geschähe, dessen Bestimmung bei solch lecke­ ren Zutaten natürlich auch die Gaumenfreude ist, fragten wir Anna Theresa lieber nicht. Wir trös­ teten uns stattdessen mit dem Gedanken, dass zumindest sein hölzerner Zwilling noch für viele Jahre Freude bereiten wird.


LESERPOST

I

ch möchte mich für die Freude, die Ihre Figuren schenken, bedanken. Sie sind meine große Leidenschaft. Die Blumenkin­ der und Engel erfreuen mich jeden Tag – sie machen mein Leben bunt und positiv. L. BURKINA

| Rjasan, Russland

SACHSENS GLANZLICHTER

I

ch war zu den Schautagen in Grünhai­ nichen – und war begeistert. Alle Mitar­ beiter waren sehr freundlich und hatten ein offenes Ohr. Sie haben alle Fragen geduldig beantwortet. Ein großes Kompliment an die Belegschaft. Ich bin beeindruckt von all den Arbeitsabläufen und dem Kunsthandwerk. Habe ich Ihre Figuren schon vorher geliebt, wertschätze ich sie nun noch viel mehr. M. LINKE

| Berlin

I

ch habe meinen Kindern stets die entzü­ ckenden Engelmusikanten geschenkt und glücklicherweise haben sie sie gut behandelt, sodass ihre eigenen Kinder sich nun daran erfreuen können. Mein Sohn, der in Lon­ don lebt, erzählte, dass meine Enkel inzwi­ schen noch mehr daran interessiert sind, alle Engel auf dem Kaminsims zu arrangieren, als den Weihnachtsbaum zu schmücken. Mei­ ner kleinen Enkelin habe ich das Blumen­ mädchen mit Vergissmeinnicht zur Taufe geschenkt. M. LUNDBORG

| Lund, Schweden

M

it dem Engelchen auf Sternschnuppe verbinde ich meine frühesten Kind­ heitserinnerungen an die Familienweih­ nachtsfeste. Immer habe ich bei der Ankunft bei den Großeltern zuerst eben dieses Engel­ chen gesucht, und wenn ich es gefunden hatte, habe ich mich gefreut, wie sich eben nur ein Kind freuen kann. Nach dem Heim­ gang meiner Großmutter ist das Engelchen in meinen Besitz gelangt. Und jetzt bin ich der Großvater und erfreue mich an den leuchtenden Augen meiner Enkel. Parado­ xerweise haben auch sie sich in das Engel­ chen auf der Sternschnuppe „verliebt“. H. MERZ

| Dresden

| Te i l 1 3

Im Jahr der Industriekultur erinnert Sachsen an das goldene Zeitalter

B

ergbau, Textilien, Maschinen, Eisenbahn, Autos und Mikrochips – Sach­ sen wird bis heute stark durch seine Industrie geprägt. 500 Jahre Indust­ riegeschichte, die der Freistaat 2020 mit dem „Jahr der Industriekultur“ begeht, erzählen von einer von Boom-Phasen und Niederschlägen gepflaster­ ten Epoche zwischen den legendären Anfängen im Bergbau und dem Zweiten Weltkrieg bis hinein in die Zeit der DDR. Es war der den Sachsen innewoh­ nende Arbeits-, Erfinder- und Unternehmergeist, der das Land zu Blütezeiten an die deutsche Wirtschaftsspitze katapultierte. Fabriken entstanden, Lokomo­ tiven und Automobile kamen in den Verkehr, schmucke Villen wurden gebaut. Zum Gesamtbild des sächsischen Industriekulturerbes gehören auch Handwerk und Manufakturen. Das Kunsthandwerk kann durchaus als einer der Profiteure dieser rasanten Zeit betrachtet werden. Auch Grünhainichen nutzte die Chance. Die Gründung der Spielwaren- und Gewerbeschule 1875 und die frühzeitige Elektrifizierung des Ortes im Jahr 1895 bereiteten den Boden für das goldene Handwerk. Und auch, dass Grünhainichen 1875 an das deutsche Eisenbahn­ netz angeschlossen wurde und Waren von hier aus zu Messen unter anderem nach Leipzig und in die ganze Welt transportiert werden konnten, bot beste Bedingungen. Um 1900 waren in Grünhainichen sieben Spielwarenbetriebe und über 1.000 „Hausindustrielle“ handwerklich tätig. Wendt & Kühn kam 1915 hinzu. Seitdem ist das Unternehmen als eine der bedeutendsten Traditi­ onsmanufakturen für sein feines Kunsthandwerk weltweit bekannt und erzählt seinen Kunden und Gästen in der Wendt & Kühn-Welt in Grünhainichen und der Figurenwelt in Seiffen aus seiner über 100-jährigen Geschichte. Lebendig gebliebene Sachzeugen dieses goldenen Zeitalters präsentieren sich auf der touristischen „Route der Industriekultur in Sachsen“ – ob in Museen oder in immer noch aktiven Produktionsstätten. Sie alle haben sich fein gemacht im „Jahr der Industriekultur“. Erstmals wird diese spannungsgeladene Geschichte bei der 4. Sächsischen Landesausstellung an authentischen Eine Empfehlung der Tourismus Marketing Orten in großartiger Form präsentiert.

Gesellschaft Sachsen mbH

4. Sächsische Landesausstellung „Boom! 500 Jahre Industriekultur in Sachsen“ 25. April bis 1. November 2020 an authentischen Schauplätzen in Chemnitz, Zwickau, Crimmitschau, Oelsnitz und Freiberg. Zentralausstellung: im Audi-Bau in Zwickau www.boom-sachsen.de

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BIS JAHRESENDE IM SORTIMENT

| 2020

Auf Wiedersehen Die abgebildeten Figuren werden in diesem Jahr vorerst letztmalig dem Fachhandel zum Verkauf angeboten. Anschließend kehren sie für mindestens fünf Jahre in den historischen Musterschrank der Manufaktur zurück.

MÄDCHEN MIT KURZEM LAMPION

M Ä D C H E N M I T WA G E N U N D JA PA N I S C H E M L A M P I O N

6228/N/5

6228/N/6

HASENMUSIKANT MIT BECKEN

HASENMUSIKANT MIT HARFE

HASENMUSIKANT MIT TRIANGEL

ENGEL MIT HARMONIKA, AUF KLEMME

ENGEL MIT LIEDERBUCH UND VOGEL, AUF KLEMME

5350/11

5350/14b

5350/16

650/90/8

650/90/12b

ENGEL, KLEIN, MIT MANDOLINE

ENGEL, KLEIN, MIT BUCH

ENGEL, KLEIN, MIT ZWEI STERNEN

ENGEL MIT HARFE, AUF KLEMME

ENGEL MIT BASSTROMPETE, AUF KLEMME

650/k/4a

650/k/12a

650/k/52a

650/90/14

650/90/28

MARGERITENENGEL, SITZEND, MIT LICHTERKRANZ

MARGERITENENGEL, SITZEND, MIT NADEL U N D FA D E N

MARGERITENENGEL, SITZEND, MIT HASE UND MÖHREN

E N G E L M I T G I TA R R E , AUF KLEMME

ENGEL MIT KLARINETTE, AUF KLEMME

650/90/38

650/90/41

634/70/10

634/70/11

634/70/12

ENGEL MIT MANDOLINE, IM MOND

ENGEL MIT HARMONIKA, IM STERN

ENGEL MIT TROMMEL, AU F KO M E T

ENGEL MIT N O T E N B L AT T, IM MOND

ENGEL MIT FA N FA R E , AUF SCHWEIF

ENGEL MIT FA G O T T, IM STERN

650/70/4

650/70/8

650/70/10

650/70/12

650/70/15

650/70/43

I M P R E S S U M elfpunktepost · 30. Ausgabe · Grünhainichen, Mär z 2020 Herausgeber: Wendt & Kühn KG, Chemnitzer Straße 40 · 09579 Grünhainichen · Telefon (037294) 86 286 info@wendt-kuehn.de · www.wendt-kuehn.de Verantw. Redakteure, V.i.S.d.P.: Claudia Baer, Thomas Rost, Wendt & Kühn · Redaktion: Lena Sabotta, Wendt & Kühn Gestaltung: schech.net | Strategie. Kommunikation. Design. · Bild: Lucie Eisenmann (2, 23), Jörg Simanowski (4), Sabrina Rothe (5), AdobeStock (7), Juliane Mosterz (12, 14, 20), AdobeStock / Sebra (15), Wendt & Kühn (5, 11, 13, 16-19), August Horch Museum Zwickau (21) · Druck: Druckerei Gutermuth, Grünhainichen

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K E R Z E „ G E B U R T S­TA G S Z U G “

WK/GZ SERVIETTEN „ G E B U R T S TA G S Z U G “

526/22/GZ


W W W.W E N D T- K U E H N . D E


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Wendt & Kühn - elfpunktepost 30 (Frühjahr/Sommer 2020) by Wendt & Kühn - Issuu