Eva Jakob malte und zeichnete die Bilder intuitiv. Sie entstanden durch ihren Bezug zur Natur und zu spirituellen Themen. Sie arbeitete als Ergotherapeutin und in der heilpädagogischen Frühförderung mit Familien. Geomantische Aus- und Weiterbildungen vertieften die Natur wahrnehmung sowie das kreative Gestalten mit Naturmaterialien.
Barbara Zanetti
Barbara Zanetti
Aus dem Herzen gesprochen Nahtoderfahrung und Zusammenarbeit mit Elementarwesen, «Es musiziert durch mich hindurch» und Bilder im Koma: Das Gemeinsame dieser Erfahrungen ist eine Wirklichkeit, welche die Vernunft und die Wahrnehmung mit den fünf Sinnen übersteigt. Barbara Zanetti hat in Gesprächen hingehört auf Erfahrungen von Menschen, welche deren Leben prägten und ihm eine neue Ausrichtung gaben. Vorangestellte Reflexionen über grundlegende Themen eröffnen auch theoretisch ein Verständnis für solche Vorgänge. Intuitiv gemalte Bilder von Eva Jakob vertiefen in symbolischer Weise das Geschriebene.
ISBN 978-3-03818-367-9
Werd & Weber Verlag AG CH-3645 Thun /Gwatt www.weberverlag.ch neutral Drucksache
Aus dem Herzen gesprochen
Barbara Zanetti (*1962), Studium der evangelischen Theologie in Bern und Aix-en-Provence, seit 27 Jahren tätig in Teilzeitpfarrämtern im Berner Oberland. Psychotherapiestudium am C.G. Jung-Institut in Küsnacht, Ausund Weiterbildungen in Integraler Spiritualität und Kontemplation, Wahrnehmungs- und Intuitionsschulungen, langjähriger Kursbesuch von Yoga, Tai-Chi/Qigong prägen ihr Sein und ihre Arbeit mit Menschen. Freischaffend tätig in Praxis für spirituelle Begleitung. www.träume-deuten.ch.
Barbara Zanetti
Aus dem Herzen gesprochen
Erfahrungen und Besinnungen Mit Bildern von Eva Jakob
Gehe aus dem Kreis der Zeit hinein in den Kreis der Liebe. Rumi
Impressum Alle Angaben in diesem Buch wurden von der Autorin nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und von ihr und vom Verlag mit Sorgfalt geprüft. Inhaltliche Fehler sind dennoch nicht auszuschliessen. Daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autorin noch Verlag übernehmen Verantwortung für etwaige Unstimmigkeiten. Alle Rechte vorbehalten, einschliesslich derjenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wiedergabe. © 2021, Werd & Weber Verlag AG, Gwattstrasse 144, CH-3645 Thun/Gwatt Text: Barbara Zanetti Bilder: Eva Jakob Werd & Weber Verlag AG: Gestaltung / Satz: Julian Spycher, Celine Lanz Gestaltung Umschlag: Julian Spycher Lektorat: Madeleine Hadorn Korrektorat: Heinz Zürcher ISBN 978-3-03818-367-9 www.weberverlag.ch
neutral Drucksache
Der Verlag Werd & Weber wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2021–2024 unterstützt.
INHALT Hinführung............................................................................. 5 Blühen..................................................................................... 8 Intuition................................................................................ 12 Eins-Sein............................................................................... 16 Tore.......................................................................................20 Das Bewusstsein und seine Dimensionen............................22 Mystische Sichtweisen von Jesus Christus.......................... 27 Stille...................................................................................... 33 Erfahrungsbericht 1.............................................................. 35 Erfahrungsbericht 2.............................................................. 37 Erfahrungsbericht 3..............................................................40 Erfahrungsbericht 4..............................................................44 Erfahrungsbericht 5.............................................................. 47 Erfahrungsbericht 6.............................................................. 51 Erfahrungsbericht 7.............................................................. 53 Erfahrungsbericht 8.............................................................. 57 Erfahrungsbericht 9..............................................................60 Erfahrungsbericht 10............................................................ 62 Erfahrungsbericht 11............................................................66 Erfahrungsbericht 12............................................................69 Erfahrungsbericht 13............................................................ 74 Erfahrungsbericht 14............................................................ 76 Erfahrungsbericht 15............................................................ 81 Erfahrungsbericht 16............................................................84 Erfahrungsbericht 17............................................................ 87 Erfahrungsbericht 18............................................................ 91 Sterben und Tod – ein Geschmack der Ewigkeit................. 93 Literaturverzeichnis........................................................... 104
HINFÜHRUNG Kennen Sie diese Sehnsucht auch? Diese Sehnsucht nach einer anderen Welt, die unser Herz kennt? Einer Welt, in der die Liebe das Szepter führt. Einer Welt, in der wir immer wieder erfahren, dass alles mit allem verbunden ist, in kosmischer Weite – untrennbar. Träumen auch Sie von einer Welt, in der wir uns erfüllt fühlen, in Frieden, entspannt und kreativ sind? Wo wir mit unserem ganzen Wesen leuchten und blühen können und uns so gegenseitig bereichern und beschenken? Diese Welt ist zuerst einmal nicht ein äusserer Ort, sondern eine Frage, in welchem Bewusstsein wir leben. Ob wir uns alleine vom Verstand in seiner beschränkten Einsicht und seinem Kontroll bedürfnis leiten lassen oder vom Herzen her, das eben diese Welt der Sehnsucht und Träume kennt. Immer mehr Menschen in der heutigen Zeit machen – gesucht oder spontan – Erfahrungen, dass eine andere Stimme zu ihnen spricht als einzig der Kopf. Dass sie in gewissen Situationen von etwas geleitet werden, das sie kaum mit Worten benennen können: Ahnungen, Visionen, Träume, Stimmen. Oder dass sie Dinge wahrnehmen, welche alleine mit den fünf S innen nicht wahrnehmbar sind. Wir leben in einer Zeit, in der uns der Zugang zu Bewusstseinsräumen des Herzens leichter gemacht wird. Menschen haben in vergangenen Z eiten als WegbereiterInnen gewirkt und uns dadurch einen einfacheren, man könnte sagen niederschwelligeren Zugang zum Herzen ermöglicht. Zudem sind wir begleitet von vielen Lichtwesen aus der geistigen Welt, die uns dazu verhelfen möchten, den nächsten anstehenden Schritt in der menschlichen Evolution zu meistern. Die Idee zu diesem Büchlein ist nach einem Gespräch mit einem Menschen, dem die Stille und der Friede buchstäblich aus den Augen sprachen, langsam in mir herangereift. Es fragte in mir, was uns denn ermöglichen könnte, in diese Stille und in diesen Frieden hineinzuwachsen. Welche Tore uns zur Verfügung stehen für den Zugang zum All-Eins-Sein 5
und zur Quelle in unserem Herzen. Es zeigte sich, dass in diesem Büchlein Erfahrungen von ganz unterschiedlichen Menschen zu Worte kommen sollen. Bei der Auswahl habe ich mich von der Intuition leiten lassen und so einerseits vertraute und andererseits ganz unbekannte Personen zum Gespräch einladen dürfen. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes sind ihre Namen hier nicht genannt. Damit dennoch ein konkreter Mensch aus Fleisch und Blut hinter den Erfahrungen gespürt werden kann, sind der Jahrgang und die Berufsbezeichnungen dem Bericht angefügt. Wir haben uns jeweils aus dem Moment heraus in einem freien Gespräch leiten lassen, was gesagt sein soll. Es stellte sich heraus, dass es von meiner Seite her wenig zu bearbeiten gab an dem Erzählten. Ich versuchte, so nahe wie möglich bei dem Gesagten zu bleiben, und kleidete es in eine mir sprachlich passend erscheinende Form. Eine Absicht dabei ist, die Lesenden an eigene entsprechende Erfahrungen zu erinnern und sie zu ermutigen, diese wertzuschätzen und ihnen den nötigen Raum in ihrem Leben und im Alltag zu geben. Für einige von uns ist es noch fast ein Tabu, mit der Gabe von übersinnlicher Wahrnehmung oder mit heilenden Kräften gesegnet zu sein. Sie sprechen nicht darüber, zweifeln an ihren Wahrnehmungen und können so ihre Gaben nicht wirklich in den Dienst für alle stellen. Diese Erfahrungen, in denen Menschen sich besonders berührt, erfüllt, frei, verbunden mit allem, in Frieden gefühlt haben, sind uns allen zugänglich. Und sie können vertieft und erweitert werden, wenn wir daran anknüpfen und sie nähren und wachsen lassen. Sie können auch daran erinnern, dass wir das Getöse des Alltags und den Lärm der Gedanken im Kopf hinter uns lassen und nach innen lauschen können. Lauschen, hinspüren, was die Seele uns mitteilen möchte. Erfahren, was sich durch die Stille ausdrücken könnte, welches Potenzial noch in uns schlummert.
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Den Erfahrungsberichten vorangestellt sind einige Besinnungen zu Themen, welche mir in den erwähnten Zusammenhängen wesentlich erschienen. Sie sollen dazu dienen, die Erfahrungen auf verschiedenen Ebenen zu lesen und zu meditieren. So wie wir Menschen vielschichtige Wesen sind, kann uns das Erzählte auf unterschiedlichen Ebenen berühren und Resonanz geben. Diese Reflexionen mögen auch dazu anregen, eigene Befindlichkeiten und Erlebnisse in neuen Zusammenhängen zu sehen und ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln. Dank: Von ganzem Herzen danke ich Eva Jakob, welche ihre Herzensbilder für das Büchlein zur Verfügung stellt. Über dieses Sichtbare hinaus war sie mir von Anfang an eine wunderbare Begleiterin beim Werden dieses Werkes, von der ersten Idee an stand sie mir bei mit Ermutigung und feinem Gespür. Allen ungenannten Menschen, welche mir Teile ihrer Lebensgeschichte und Erfahrungen anvertrauten, danke ich herzlich, sie haben mich reich beschenkt und manches gelehrt. Dank auch an Sybille und Patrick Woodford, Hans Herrmann und Ruedi Bühlmann, welche mich in verschiedener Hinsicht unterstützten und ermutigten zu einer Veröffentlichung des Geschriebenen. Vielen Dank dem Werd & Weber Verlag, insbesondere der Lektorin Madeleine Hadorn, für die kompetente und herzliche Begleitung und die Realisierung des Buches. Goldiwil, August 2021
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BLÜHEN Erinnern Sie sich an Holunderblüten – an diese fein ziselierte weisse Dolde, gebildet aus unzähligen kleinsten Sternchen? Wie sie sich leicht schalenförmig dem Himmel entgegenstreckt, einem Bilde gleich für Hingabe und Empfängnis bereitschaft. Oder erscheint in Ihrer Vorstellung beim Stichwort Blühen eine leicht geöffnete samtblättrige Rose, in dunklen geheimnisvollen Rottönen gehalten? Welche Blüten, welche Blumen auch immer uns nahe stehen, sie können uns faszinieren in ihrer grenzenlosen Vielfalt an Formen, Farben und Düften. So entzückt uns der Frühling mit seinem Blühen auf eine eigene Art, in einer Leichtigkeit und Schwerelosigkeit, a nders als der Herbst mit der Fülle und Schwere seiner Früchte. Seit alters her wird die Blüte als Sinnbild für das Wesentliche gesehen, die Blume als krönender Abschluss verstanden. Es wird gesagt, dass im Evolutionsplan die Blüte die eigentliche Essenz und die höchste Konzentration an Lebenskraft in den Pflanzen darstellt. So wird nicht die Frucht, sondern die Blüte gebraucht in verschiedenen alten Traditionen des Heilens (z. B. mit Blütenessenzen). Wir Menschen sind verwandter mit den Blumen und Pflanzen überhaupt, als es oberflächlich gesehen den Anschein hat. Etwa 30 Prozent der Gene der Pflanzen kommen in ähnlicher Form auch beim Menschen vor. Ein Pflanzenbiologe des 19. Jahrhunderts vertrat sogar die These, dass Menschen Abkömmlinge der Pflanzen seien. Sollte der germanische Mythos von der Erschaffung der Menschen aus zwei Bäumen – der Mann aus der Esche, die Frau aus der Erle – auf einem wahren Kern beruhen? Wie auch immer, es scheint eine innere Verwandtschaft mit Pflanzen und Blumen auf, sodass wir unsere Seelenzustände auf sie übertragen. In Gedichten und heiligen Büchern, in Gemälden, auf Münzen und in Gärten, in Märchen und Träumen begegnen sie uns. Sie drücken unsere Gefühle und geheimen Regungen aus, sie bieten uns Sinn, Halt und Orientierung. 8
Blühen – auch wir Menschen besitzen die Fähigkeit zum Blühen, zum Verwirklichen des Wesentlichen. Wir sind eingeladen zu entdecken, welche Blume in uns angelegt und gerufen ist, in diesem Leben aufzublühen. Damit meine ich die ganz spezifischen, persönlichen Fähigkeiten und Begabungen, alles, was uns als Individuum ausmacht, was wir mitbringen auf diese Welt und was wir in unserem Leben erfahren und gelernt haben. Alle sind wir einzigartig, niemand anderes auf der Welt kann genauso diese Blume zum Blühen bringen. Wir sind eingeladen, dies zum Wohle von allen Wesen zu tun, diesen unseren Beitrag für die Welt zu leben. Tun wir es nicht, fehlt etwas im grossen Ganzen. Denn alle die persönlichen Begabungen stehen in einem Zusammenhang mit allem, was existiert. Leben wir bewusst und präsent, können Synergien entstehen, die sich von selbst ergeben. In der Geistesgeschichte gibt es die Vorstellung, dass Gott die geheimnisvolle Blume ist, die im gläubigen Menschen erblüht. Da kann sich die Frage stellen, was nötig ist, damit diese Blume sich in uns entfalten kann. Sodass wir im Eins-Sein mit dem göttlichen Geheimnis und mit allem, was ist, leben. Was braucht dieser Lichtsamen in uns, damit er sein Potenzial entfalten kann? Ebenso wie die unterschiedlichen Pflanzensamen unterschiedliche Bedingungen brauchen zum Blühen, so sind wir Menschen unterschiedlich in unseren Veranlagungen. Die Gespräche in diesem Büchlein mit so verschiedenen Menschen und ihre Erfahrungen mit anderen Bewusstseinszuständen zeigen, was hilfreich sein kann. Wir können voneinander lernen und uns gegenseitig inspirieren beim Blühen und unsere Seele entfalten lassen. In der Wüste gibt es Samen, welche jahrelang im Sand ruhen. Fällt dann einmal Regen, erblühen sie und es entsteht ein Garten voller Pflanzen. Das zeigt, dass wir mit allem guten Willen und Engagement, mit unserer spirituellen Praxis und mit geistlichen Übungen den Eintritt in andere Bewusstseinsdimensionen nicht einfach machen können. Es sind dazu auch die entsprechenden Be 9
Einfach Sein und Wachsen – Bewegung
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dingungen nötig, und diese können wir nicht selber erschaffen. Darum ist es immer auch Geschenk, Gnade. Und zugleich – paradoxerweise – ist es das Natürlichste der Welt, weil es unsere Heimat ist. Angelus Silesius drückt das zutreffend aus: «Die Ros’ ist ohne Warum, sie blühet weil sie blühet. Sie acht’ nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.» In dieser Lebensweise verlieren Schwierigkeiten und Schmerzen an Gewicht, erhalten eine andere Bedeutung. Reshad Feild drückt es so aus: «Wenn du in den Garten hinausgehst und auf einen Dorn trittst, dann vergiss nie, dankzusagen. Der Dorn mag wehtun, aber er ist dir auf dieselbe Weise gegeben, wie dir das Attar (die Essenz) der Rosen gegeben wird.» Und weiter: «Die Essenz der Rose wird nur frei, wenn der Rosenbusch wieder und wieder beschnitten worden ist und die Knospe sich zur Blüte geöffnet hat. Du musst wissen, dass den unmessbaren Augenblick, in dem die Knospe die Rose wird, nur jene kennen, die Rosen werden.»1 Der Same wächst heran in der Dunkelheit und in der Stille.
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INTUITION In vielen der niedergeschriebenen Erfahrungsberichte scheint eine besondere Art von Wissen und Erkenntnis auf. Es ist die Intuition, welche man kurz definieren könnte als die Fähigkeit, Einsichten und Zusammenhänge zu verstehen, welche mit dem Verstand nicht erfasst werden können. Und Fakten und Hintergründe zu wissen, die nicht bekannt sind. Die lateinische Wurzel des Wortes intueri meint: genau hinsehen, anschauen und intuitio: unmittelbare Anschauung. Damit wird die Fähigkeit bezeichnet, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen oder Gesetzmässigkeiten zu erhalten, ohne den Verstand. Dieser ist dann im Nachhinein tätig, beim Prüfen der intuitiven Einsichten und beim Umsetzen. Wenn wir intuitiv sind, dann bewegen wir uns auf einer anderen Bewusstseinsebene als auf derjenigen des Verstandes. Dieser ist, verglichen mit der Intuition, langsam und begrenzt im Erfassungsvermögen. Die Intuition könnte man als Sprung bezeichnen, sie braucht kein Transportmittel, sondern steigt unvermittelt aus der Tiefe unseres Seins auf. Sie steht in Verbindung mit der Kreativität, ist schöpferisch, erfinderisch, bringt wirklich Neues ans Licht im Gegensatz zum Verstand, der immer die gleichen Kreise zieht und sich im bekannten Rahmen bewegt. Mascha Kaléko drückt es im Gedicht «Herz contra Hirn» so aus: «Wie bemüht sich unser Intellekt, bis er ein Körnchen ‹Gold› entdeckt. Darauf gähnt Madame Intuition: ‹Ach, das …? – Das wusst’ ich immer schon!›»2 Intuition ist eine von drei Möglichkeiten, wie wir die Wirklichkeit erkennen können nach Ken Wilber3. Er spricht vom «Auge der Sinne» – empirische Wissenschaft, vom «Auge des Verstandes» – Philosophie, Logik und Mathematik, und vom «Auge der Kontemplation» –, welches bedeutet, die systematische und disziplinierte geistliche Praxis zur Öffnung der intuitiven und spirituellen Fähigkeiten des Selbst. Es wird etwa unterschieden zwischen oberflächlicher Intuition (personale Ebene) und solcher, welche aus der transpersonalen Dimen12
sion kommt. Ruth C. Cohn bezeichnet die personale Intuition als «… stillen Wanderer. Sie wandert von unseren augenblicklichen bewussten Fragen zu unserem inneren Speicherraum, wo vergessene und schlummernde Erinnerungen und Triebe lagern. Sie greift sie auf, ordnet sie neu und wandert still und schweigend wieder ins Bewusstsein zurück, wo sie urplötzlich die Antwort bringt, die wir gesucht haben.»4 Auf einer anderen Ebene könnte man Intuition bezeichnen als das Ohr der Seele. Denn die Seele ist das einzige Instrument, das sensibel genug ist, die leisesten Schwingungen des Lebens aufzufangen, diese Energien zu spüren, diese Feldströmungen zu fühlen und sie zu deuten. Eine weitere Dimension der Erfahrung, welche man der Intuition zuzählen könnte, ist der «flow». Er bezeichnet eine tranceartige Vertiefung, eine höchste geistige Aufmerksamkeit und Konzentration. Es ist ein fast rauschhaftes Aufgehen in einer Tätigkeit. Der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi, ein amerikanischer Psychologe, fand heraus, dass Menschen am glücklichsten sind, wenn sie sich mit aller Kraft selbstvergessen einer Aufgabe widmen, die im oberen Bereich ihrer Leistungsmöglichkeiten angesiedelt ist, um etwas ihnen Wertvolles zustande zu bringen. Sie verschmolzen quasi mit der Aufgabe, alles andere um sie herum wurde unwichtig. Gleichzeitig erlebten sie, dass ihnen Energie von aussen zukam. Sie hatten das Gefühl, mit der Aufgabe eins zu sein und so über sich selber hinauszuwachsen. Es war ein Fliessen von Energie zu der Aufgabe und wieder zum Menschen zurück, darum gab er diesem Zustand den Namen «flow»5. In der transpersonalen Dimension, aus dem Urgrund heraus, leuchtet noch eine andere Farbe der Intuition auf. Man könnte sie auch als «Herzwissen» bezeichnen. Sie ist direkt mit der Quelle verbunden und hat Zugang zu allem Wissen, zu aller Weisheit. Bisher hat die Menschheit vor allem aus der Erfahrung und dem damit verbundenen Wissen gelebt. Man hat erkannt, wie 13