Der weit über Zermatt hinaus bekannte Künstler und Musiker Urs Biner, alias Dan Daniell, hat als Schöpfer des kleinen Schwarznasenschafs Wolli und als Autor der Wolli-Buchreihe eine für Zermatt symbolträchtige und authentische Geschichtenwelt erschaffen, die
Wolli im Winterland
Wolli im Winterland viel Freude bereitet. In diesem Bildband für Kinder erlebt Wolli Abenteuerliches im Winterland Zermatt. Die detailreichen, bunten Illustrationen wurden von der Grafikerin und Künstlerin Martina Friedli kreiert.
Wolli im Winterland Dan Daniell
Werd & Weber Verlag AG CH-3645 Thun / Gwatt www.weberverlag.ch www.werdverlag.ch
ISBN 978-3-03818-214-6
Martina Friedli
Frühmorgens im Stall Es war mitten im Winter. Schneeflocken, so gross wie Tennisbälle, fielen vom Himmel. Wolli, Blüemli, Fleckli, Pelzli und all die anderen Schafe schliefen noch ganz fest auf ihrem Strohbett, als der Schäfer Heini morgens um 6 Uhr auf Furi die Stalltüre öffnete. «Bäh, bäh – guten Morgen ihr Lieben», rief er in den Stall. Wolli rieb sich die Augen und blärrte im Halbschlaf: «Hallo Heini, sag mir, wie wird der Tag?» «Ach Wolli, es hat mehr als einen halben Meter Neuschnee gegeben.
Ich weiss nicht, ob ich euch heute ins Freie lassen kann», antwortete der Schäfer mit gerunzelter Stirn. Wolli war auf einmal quietschfidel, ging auf Heini zu und sagte: «Bitte, bitte lass uns trotzdem aus dem Stall, wir haben doch einen wuscheligen Winterpelz und frische Luft ist gesund für Geist und Seele. Weisst du, es ist so lange her, dass wir einen Schneemann bauen durften und heute wäre doch der geeignete Tag dazu!» «Wolli, Wolli, du und deine Ideen – ok, ich bring euch mal das Frühstück und danach könnt ihr euren Schneemann bauen!» Wolli war überglücklich.
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Der Schneemann Nur sehr zögerlich blickte die Sonne gegen Mittag hinter den Wolken hervor. «Huhu, hallo liebe Sonne, komm raus und lache ein wenig für uns!», schrie Wolli zum Himmel empor und hüpfte durch den luftig-leichten Zuckerschnee. All seine Artgenossen wurden von Wollis Begeisterung angesteckt. Die ganze Schafherde beteiligte sich am Bau des Schneemanns und auch Heini half kräftig mit. «Komm Lumpi, wir holen noch eine alte Mütze und eine Karotte, damit der Schneemann auch nach Schneemann aussieht!», brummte Heini in seinen Bart und beide schlenderten zum Stall.
Es wurde ein bombastischer Schneemann mit Nase und Mütze. Selbst Heini freute sich und steckte Mister Schneemann eine alte Tabakpfeife in den Mund. Wolli war begeistert: «So einen Schneemann hat noch nie jemand gesehen.» Erschöpft, müde und überglücklich zottelte die Schafherde bei Sonnenuntergang zurück in den Stall. Der Schäfer sagte «Gute Nacht ihr Lieben», zog seinen Hut ins Gesicht, nahm den Lärchenstock und schloss die Stalltüre. Ein Tag ging zu Ende und Heini war zufrieden, seine Augen leuchteten voller Stolz. «Meine Schafe, so viel Freude bereiten sie mir!»
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Frida Vogelsang «Ich hab’ einen Traum, ein Lied für dich!» Die Stimme von Frida Vogelsang, die auf dem Fenster sass, ertönte schon frühmorgens. Wolli rieb sich die Augen und fragte: «Frida Vogelsang, wo warst du? So lange ist es her, ich habe deine Stimme so sehr vermisst!» «Mein liebes Wolli, ich habe dir doch von den vielen Konzerten erzählt! In Paris, London und sogar in Moskau war ich und habe vielen Menschen meine Lieder zum Besten gegeben.» «Warum hast du mich nicht mitgenommen?», fragte Wolli ganz traurig. «Es wird die Zeit kommen und dann, dann Wolli wirst du mich bestimmt einmal auf meinen Reisen begleiten», tröstete Frida Vogelsang. «Übrigens habe ich vor dem Stall diesen riesigen Schneemann
gesehen. Wer hat den gebaut?» «Wir, wir alle haben den gestern mit grosser Mühe gebaut. Gefällt er dir?» «Ja, so einen grossen, schönen Schneemann habe ich noch nie gesehen – aber warum hat er keine Nase?», lächelte Frida Vogelsang vom Fenster herab. «Wie? Keine Nase, natürlich hat der Schneemann eine Nase, Heini selbst hat ihm eine Karotte ins Gesicht gedrückt», erklärte Wolli ganz aufgebracht. «Die ist weg!», zwitscherte Frida Vogelsang. «Bestimmt hat die jemand in der Nacht gestohlen.» Wolli schaute Frida Vogelsang fragend an und sagte: «Ja, aber ein Schneemann ohne Nase – das ist doch gar kein richtiger Schneemann. Wer kann nur so gemein sein und eine Nase klauen?»
Wo ist die Nase Als der Schäfer die Stalltür öffnete, sah er gleich, dass Wolli traurig in einer Ecke sass und weinte. «Wolli, was ist denn pas- siert? Die Sonne scheint und das Matterhorn zeigt sich von seiner schönsten Seite, es ist ein wunderschöner Wintertag. Ihr kommt jetzt alle raus in den Schnee, um ein paar Stunden die frische Luft zu geniessen!» «Ja, ja, aber jemand hat die Nase
vom Schneemann gestohlen», schluchzte Wolli vor sich hin. Der Schäfer zündete sich die Pfeife an und sagte ganz ruhig: «Wolli, die Nase werden wir sicherlich wieder finden, ansonsten habe ich bestimmt irgendwo noch eine Ersatznase.» So begab sich die Schafherde ins Freie und alle blärrten, hüpften und sprangen in der weissen Schneepracht herum.
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Timy Während Wolli sich mit einer grossen Lupe auf Spurensuche machte, bekam Blüemli nicht genug von der weissen Pracht. «Schau Fleckli, ich zeichne einen Engel in den Schnee». Lumpi, der Spürhund, schnüffelte mit seiner Nase jedem Geruch nach und versuchte die Tierspuren zu deuten. Doch dann, plötzlich… «Gugguseli, Gugguseli», tönte es vom Kopf des Schneemanns. Pelzli entdeckte als erstes das Eichhörnchen Timy. «Wolli, Wolli, Gugguseli!» Doch Wolli blickte nicht auf und hatte überhaupt keine Lust mit Timy zu spielen. «Lass mich in Ruhe, jemand hat die Nase von meinem Schneemann geklaut und jetzt muss ich sie suchen!» In wenigen Sekunden sass Timy neben Wolli, schlug seine kleinen Arme über den Kopf und fing an zu stottern: «Mein lieber Freund, wie soll ich dir das erklären, Wolli bitte,
du darfst nicht traurig sein. Weisst du, gestern Nacht als ich auf der Suche nach meinen versteckten Nüssen war, kam ich an diesem wunderschönen Schneemann vorbei, seine rote Nase leuchtete so schön im Mondschein und da konnte ich einfach nicht widerstehen… Sie schmeckte sooo gut. Endlich mal was Vitaminreiches und nicht immer diese langweiligen Nüsse! Bitte Wolli, verzeih mir, ich werde Dir auch gleich eine neue Nase suchen.» Für ein paar Minuten blieb es ganz still zwischen den beiden. Dann sprang Wolli auf, zauberte ein Lächeln in sein Gesicht und sagte: «Timy, ich verzeih dir, doch du musst mir versprechen, dass du das nächste Mal nicht einfach etwas nimmst, was dir nicht gehört!» «Versprochen», antwortete das Eichhörnchen, «und jetzt hole ich Dir eine neue Nase!» Schon hüpfte Timy in Windeseile davon.
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