Haarausfall Natürliche Hilfe.

Eisen Wie die Ernährung unterstützen kann.
Resilienz
Die innere Superkraft.

Gedankenkarussell Raus aus der Negativspirale.
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Haarausfall Natürliche Hilfe.

Eisen Wie die Ernährung unterstützen kann.
Resilienz
Die innere Superkraft.

Gedankenkarussell Raus aus der Negativspirale.
Das können Anzeichen von Durchblutungsstörungen im Gehirn sein.


Bei Vergesslichkeit und Konzentrationsmangel. Erhältlich in Apotheken und Drogerien.

Dies ist ein zugelassenes Arzneimittel.
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Schwabe Pharma AG, Küssnacht am Rigi

Liebe Leserschaft
Genozid, Krieg, Hungersnot – angesichts des momentanen Weltgeschehens ist es nicht immer einfach, hoffnungsvoll zu bleiben. Doch gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, an das Gute zu glauben. Denn Hoffnung und Optimismus ermöglichen es uns, neue Wege zu finden, wie wir die Welt ein bisschen besser machen können.
Krisen zu meistern ist nicht immer einfach. Der Schlüssel dafür ist die Resilienz. In unserem Artikel zeigen wir, was hinter dem Begriff steckt und wie Sie Ihre eigene Resilienz stärken können. An manchen Tagen überwiegen die schlechten Gedanken. Wir erklären, wie es Ihnen gelingt, die Negativspirale zu durchbrechen.
Beim Bürsten bleibt mehr hängen, im Waschbecken sammeln sich die Haare und plötzlich fällt es auf: Es wird weniger auf dem Kopf. Wir geben Tipps, wie Sie Ihre Haare stärken können.
Die pflanzliche Vielfalt des Frühlings lockt nicht nur nach draussen, sondern bereichert auch unsere Küche. Wir stellen drei leckere saisonale Rezepte vor und zeigen Ihnen, welche Küchenkräuter nicht nur schmackhaft, sondern auch gut für die Gesundheit sind. Yves Scherer widmet sich dem Spitzwegerich. Dieser mag unscheinbar wirken, ist jedoch ideal, um kleine Blessuren unterwegs zu behandeln.
Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre.

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SCHWERPUNKT
6 Gedankenkarussell
Raus aus der Negativspirale.
12 Lachen
Wie Humor helfen kann.
GESUNDHEIT
32 Omega-3 Stärkung für Herz-Kreislauf.
22 Haarausfall
Stärken der Haare mit natürlichen Mitteln.
26 Eisen
Wie die Ernährung unterstützen kann.
KOLUMNE
52 Sabine Hurni über … … Hibiskus.
FOKUSTHEMA
60 Hexenmedizin Eine Heilkunst zwischen den Welten.
HEILPFLANZEN
82 Spitzwegerich Erste Hilfe am Wegesrand.
NATUR UND FREIZEIT
94 Murmeltier Pfiffige Frühjahrsboten der Alpen.
3 Editorial / 38 Gesunder Geist / 40 Gesunder Körper / 46 Kurz gefasst 54 Beratung / 59 Liebesschule / 108 Ihre Seite / 110 neu und gut / 110 hin und weg / 112 Rätsel / 113 Vorschau / 114 Anderswelt
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Negative Gedanken kennen alle. Wer weiss, wie man den Strudel unterbrechen kann, gewinnt die Kontrolle zurück. Das kann auch schon
Text: Corinne Kneubühler, Illustration: Lorena Hadorn
Manchmal reicht ein einziger schlechter Moment, um eine Kette in Gang zu setzen: Ein Gedanke führt zum nächsten, das Gefühl verdüstert sich, der Blick auf die Welt verengt sich. Was als kleine Verstimmung beginnt, wird zur Negativspirale, die sich von selbst weiterdreht. Das Tückische: Je länger man darin steckt, desto natürlicher fühlt sie sich an. Die gute Nachricht ist, dass diese Spirale nicht unausweichlich ist, auch wenn es sich so anfühlen mag. Mit konkreten Methoden und einem achtsamen Bewusstsein lässt sie sich unterbrechen, und mit ein wenig Übung sogar verhindern.
Der erste Schritt
Bevor man aus der Negativspirale herausfinden kann, muss man sie erkennen. Das klingt einfacher als es ist, denn Grübeln fühlt sich oft wie produktives Nachdenken an. Allerdings gibt es hier einen entscheidenden Unterschied: Beim sogenannten produktiven Denken kommt man schlussendlich zu Erkenntnissen und Entscheidungen, beim Grübeln drehen sich die Gedanken im Kreis, ohne voranzukommen.
Sobald man sich diesem Grübel-Zustand bewusst wird, kann auch schon die wirksamste Methode angewendet werden: der Gedankenstopp. Dazu sagt man innerlich (oder auch laut) «Stopp». Wer möchte, kann sich auch ein
«
Bevor man aus der Negativspirale herausfinden kann, muss man sie erkennen. »
grosses rotes Stoppschild vorstellen. Diese Technik aktiviert einen anderen Bewusstseinszustand und gibt dem Geist die Möglichkeit, eine neue Richtung einzuschlagen.
Aktives Erden
Die aus der Traumatherapie stammende 5-4-3-2-1-Technik soll dabei helfen, sich wieder in der Realität zu verankern und die Gedankenspirale zu verlassen. Dabei konzentriert man sich auf die eigene Sinneswahrnehmung: Man nennt bewusst fünf Dinge, die man sehen kann, vier, die man hören kann, drei, die man ertasten
«
Eine aufrechte, offene Haltung sendet dem Gehirn Signale von Stärke und Selbstbewusstsein.

kann, zwei, die man riechen kann und eines, das man schmecken kann. Diese Methode fordert genügend Aufmerksamkeit, um die Gedanken aktiv umzulenken und die Negativität zu unterbrechen. Ähnlich funktioniert das aktive Aufschreiben der Gedanken auf Papier. Was auf dem Blatt steht, verliert an innerem Gewicht. Ausserdem lohnt es sich, das Niedergeschriebene durchzulesen und zu überprüfen, ob diese Aussagen tatsächlich stimmen. Sind meine Gedanken wirklich wahr – oder eher eine Vermutung? Oft entpuppen sie sich nämlich als reine Interpretation, fühlen sich aber im Kopf nach unumstösslicher Wahrheit an.
Der Körper als Verbündeter
Dass die Stimmung den Körper beeinflusst, ist bekannt. Doch der Einfluss wirkt auch in die andere Richtung: Der Körper beeinflusst die Stimmung. Diese Wechselwirkung kann man nutzen, um das Gedankenkarussell zu stoppen. Wer sich bedrückt fühlt, zeigt das meistens auch in der
eigenen Körperhaltung: angespannte und eingezogene Schultern, gesenkter Kopf, zusammengefallener Oberkörper. Diese Haltung signalisiert dem Gehirn Angst, Unsicherheit und Hilflosigkeit, was die negativen Emotionen verstärkt. Um also aus der Negativspirale auszubrechen, konzentriert man sich auf den Körper: Schultern zurück, Brust leicht geöffnet, Blick geradeaus. Eine aufrechte, offene Haltung sendet dem Gehirn Signale von Stärke, Selbstbewusstsein und Handlungsfähigkeit, was positive Gefühle begünstigt und unterstützt.
Heldinnenhafte Haltung
Die amerikanische Sozialpsychologin Amy Cuddy hat gezeigt, dass sogenannte «Power Poses» (also ausladende, raumeinnehmende Körperhaltungen) nicht nur die Selbstwahrnehmung, sondern auch hormonelle Prozesse beeinflussen. Spezifisch geht es um das Dominanz-Hormon Testosteron und das Stress-Hormon Cortisol. Wer einen hohen Testosteron- und einen tiefen Cortisol-Spiegel hat, fühlt sich selbstbewusster, mutiger und signalisiert das auch dem eigenen Umfeld. Amy Cuddy konnte wissenschaftlich belegen, dass das jedoch nicht bedeutet, dass Personen mit einem grundsätzlich höheren Cortisolspiegel keine Chance haben, denn die englische Devise «Fake it ‘til you make it» funktioniert tatsächlich. Wer schon nur zwei Minuten lang eine sogenannte «Power Pose» einnimmt, kann den eigenen Testosteron-Spiegel um 20 Prozent heben und den Cortisol-Spiegel um 10 Prozent senken. Besonders in Situationen, in denen man sich stark präsentieren möchte, beispielsweise vor einem Bewerbungsgespräch, lohnt es sich also, eine solche Pose einzu-
«
Gedanken sind flüchtige mentale Ereignisse, keine immerwährenden Wahrheiten.

nehmen. Ein Beispiel dafür ist die «Wonder Woman»-Pose, bei der man sich breitbeinig hinstellt, beide Hände in die Hüfte stemmt, das Kinn nach oben reckt und die Schultern zurückwirft. Bereits zwei Minuten bewusst aufrechtes Stehen können das innere Erleben spürbar verändern. Auch Bewegung senkt den Cortisolspiegel und funktioniert als unmittelbares Mittel gegen schlechte Stimmung. Sie muss nicht intensiv sein: Schon ein zügiger Spaziergang von zwanzig Minuten senkt das Cortisol, fördert die Ausschüttung von Endorphinen und schafft Abstand vom negativen Gedankenkarussell.
Den Geist beruhigen
Meditation ist nicht direkt eine Technik, mit der negative Gedanken vertrieben werden können. Das Ziel ist vielmehr, das eigene Verhältnis zu diesen Gedanken zu verändern. Das gelingt durch Achtsamkeit und Aufmerksamkeit mit dem eigenen Dasein. Wer meditiert, lernt, Gedanken als das zu sehen, was sie sind: flüchtige mentale Ereignisse, keine Befehle und keine immerwährenden Wahrheiten.
Am einfachsten gelingt der Zugang zum Meditieren über eine Atemmeditation. Dazu setzt man sich bequem hin, schliesst die Augen und richtet die Aufmerksamkeit auf den Atem: Das Ein- und Ausströmen der Luft, die leichte Bewegung des Brustkorbs oder des Bauchs. Sobald Gedanken auftauchen (und das werden sie), nimmt man diese wahr, ohne ihnen aber zu folgen. Man versucht, die Gedanken anzunehmen, sie im nächsten Atemzug wieder loszulassen und sanft mit der Aufmerksamkeit zurück zum Atem zu
kehren. Dieser Prozess des aktiven Wahrnehmens und Zurückkehrens ist auch das, was man üben kann. Mit der Zeit wird es leichter, aus dem Strudel der Gedanken herauszutreten und im Inneren eine beobachtende Rolle einzunehmen. Dabei ist es wichtiger, regelmässig zu meditieren als allzu lange. Zehn Minuten pro Tag reichen völlig aus. Wer dies über mehrere Wochen hinweg macht, kann die eigenen Emotionen nachweislich besser regulieren.
Die innere Stimme
Eine weitere Methode funktioniert über Affirmationen. Diese setzt direkt bei der inneren Stimme an. Die innere Stimme ist oft die treibende Kraft der Negativspirale. Mit Aussagen wie «Du bist nicht gut genug», «Du kannst das nicht» oder «Du schaffst das eh nie» kommentiert, bewertet und verurteilt sie einen ständig. Affirmationen machen genau das Gegenteil.
Affirmationen sind bewusst formulierte, positive Aussagen, die der negativen inneren Sprache eine neue Richtung geben. Das Wichtigste ist dabei, dass sie glaubwürdig formuliert sind. Nur so können die Affirmationen die Negativspirale bremsen. Das ist aber gar nicht so leicht, denn negativen Gedanken glauben wir meistens schneller und sie bleiben uns auch mehr in Erinnerung als positive. Wer gerade in einem Tief steckt, wird Aussagen wie «Ich bin unbesiegbar» nicht annehmen können. Wirksamer sind Formulierungen mit kleinen Meilensteinen zu verbinden, wie beispielsweise «Ich schaffe es, diesen Moment durchzustehen» oder «Ich habe schon Schwierigeres gemeistert».
«
Die Negativspirale baut
sich über Zeit auf – und braucht auch Zeit, um sich wieder aufzulösen. »
Wie die anderen bisher genannten Methoden entfalten auch Affirmationen ihre Wirkung durch Wiederholung. Man spricht sie morgens, abends oder immer dann aus, wenn die negativen Gedanken anziehen. Zusätzlich können die Affirmationen schriftlich festgehalten werden. Auf Zetteln sichtbar im Raum platziert oder täglich ins Tagebuch geschrieben verstärken sie den positiven Effekt.
Achtsam im Alltag
Ähnlich wie Meditation und Affirmationen funktioniert der Ausbruch aus der Negativspirale durch Achtsamkeit. Gemeint ist damit eine Grundhaltung gegenüber dem eigenen Erleben. In einer achtsamen Haltung beobachtet man Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen, ohne sie sofort zu bewerten oder zu verändern. Dadurch soll der Geist im Hier und Jetzt verankert werden und die Möglichkeit für Veränderung am aktuellen Zustand wird eröffnet. Im Alltag kann Achtsamkeit auf vielfältige Art und Weise eingeübt werden. Das bewusste Geniessen einer Mahlzeit, das Spüren des Wassers beim Händewaschen, das aufmerksame Zuhören in einem Gespräch – jeder Moment kann zur Übungsfläche werden.
Achtsamkeit ist besonders auch mit den anfangs erwähnten Techniken zum aktiven Unterbruch der Gedanken verbandelt. Achtsamkeitsübungen funktionieren in vier grundsätzlichen Schritten: Innehalten, tief Atmen, Beobachten, was gerade geschieht, und dann achtsam Weitermachen. Diese kleine Sequenz soll die Routine unterbrechen und schafft Raum für einen bewussteren Alltag.
Sprache als Stimmungsbarometer
Nicht nur der eigene Körper und die Gedanken, die sich an die eigene Person richten, beeinflussen unsere Selbstwahrnehmung. Es gibt eine Gewohnheit, die die Negativspirale still und leise nährt, ohne dass man es bemerkt: das

Lästern. Sich über andere auszulassen, Situationen schlecht zu reden oder im Gespräch in Klagen zu verfallen, mag kurzfristig wie ein Ventil wirken, doch langfristig hält es die negative Grundstimmung aufrecht und vertieft sie sogar. Die Sprache, die wir verwenden, formt unsere Wahrnehmung. Wenn wir uns ständig darauf fokussieren, was nicht funktioniert, wen wir nicht mögen oder was uns ärgert, und deshalb auch oft über negative Themen sprechen, trainiert das unser Gehirn darauf, diese negativen Dinge besonders stark wahrzunehmen. So beginnt der Teufelskreis: Je mehr wir negativ über Personen und Umstände sprechen, desto mehr nehmen wir diese wahr, desto mehr sprechen wir darüber.
Das soll aber nicht heissen, dass man nie über negative Umstände sprechen soll, es geht vielmehr darum, sich dabei der eigenen Intention bewusst zu sein und auf die Wortwahl zu achten. Aktiv nicht zu lästern, bedeutet nicht, alles schönzureden oder Konflikte zu verdrängen. Es bedeutet, bewusst zu wählen, worüber man spricht und

welche Energie man damit in Gespräche trägt. Ein hilfreicher Schritt ist, Gespräche bewusst in eine konstruktive Richtung zu lenken: Was läuft gut? Was ist die Lösung zu einem Problem? Was schätze ich an der Person oder der Situation? Diese kleinen Umlenkungen summieren sich und verändern mit der Zeit nicht nur das äussere, sondern auch das innere Klima spürbar.
Übung macht den Meister
Was bei all diesen Methoden wichtig ist, ist das Durchhaltevermögen. Keiner dieser Ansätze wirkt wie ein Lichtschalter und beseitigt negative Gedanken sofort nachhaltig. Die Negativspirale baut sich über Zeit auf – und braucht auch Zeit, um sich wieder aufzulösen. Wer die Techniken regelmässig, und vor allem nicht erst dann einsetzt, wenn man schon tief in der Spirale steckt, baut sich eine innere Grundlage auf, die einen stabiler macht. Das lohnt sich allemal, nicht weil das Leben dann keine Tiefen mehr kennt, sondern weil man weiss, wie man wieder nach oben kommt. •
Sozialpsychologin Amy Cuddy spricht in ihrem TED-Talk «Your Body Language May Shape Who You Are» über die Wirkung der eigenen Körperhaltung. Englisch, www.youtube.com.
Sollten Sie sich akut in einer psychisch schwierigen Situation befinden, hilft die Dargebotene Hand unter der Notrufnummer 143 rund um die Uhr.
Ein spontanes Lächeln, ein befreiendes Lachen oder ein augenzwinkernder Blick auf das eigene Leben – Humor begleitet uns oft ganz selbstverständlich im Alltag. Doch was passiert, wenn er fehlt? Humor ist weit mehr als Unterhaltung: Er gilt heute als ernstzunehmender Faktor für unsere körperliche und psychische Gesundheit.
Samuel Krähenbühl
Viele Menschen kennen Situationen, in denen ein kleiner Scherz die Stimmung hebt oder ein Lachen Spannungen löst. Humor kann verbinden, entlasten und neue Perspektiven eröffnen. Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt sich seine besondere Kraft: Er hilft, Abstand zu gewinnen und schwierige Situationen neu zu bewerten. So wird Humor in der Fachliteratur sinngemäss als Fähigkeit beschrieben, selbstbelastenden Erfahrungen eine neue, weniger bedrohliche Bedeutung zu geben.
Forschungen zeigen, dass Humor nicht nur subjektiv als wohltuend erlebt wird, sondern auch messbare Effekte im Körper auslösen kann. Lachen aktiviert das HerzKreislauf-System, senkt Stresshormone und fördert das Immunsystem. In diesem Zusammenhang wird Humor auch als natürlicher Regulationsmechanismus zur Stressreduktion beschrieben, der Körper und Psyche gleichzeitig anspricht.
Wirkung auf Körper und Psyche
Humor entfaltet seine Wirkung auf mehreren Ebenen. Körperlich führt Lachen zu vertiefter Atmung, lockert die Muskulatur und kann Schmerzen lindern. Psychisch unterstützt Humor die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen. Er schafft Distanz und eröffnet neue Perspektiven. So wird Humor in der psychologischen Forschung häufig als wichtige Ressource zur emotionalen Selbstregulation eingeordnet. Er kann helfen, Ängste zu redu-
zieren und schwierige Gefühle besser zu verarbeiten. Gleichzeitig stärkt er soziale Beziehungen – nicht zuletzt, weil gemeinsames Lachen Nähe schafft. Entsprechend wird Humor auch als soziales Bindemittel mit hoher kommunikativer Wirkung beschrieben.
Humor im Gesundheitskontext
In Therapie und Gesundheitsförderung wird Humor zunehmend bewusst eingesetzt. Beispielsweise mit Clownbesuchen in Kinderspitälern sowie in Alters- und Pflegeheimen. Ein feinfühliger, situationsangepasster Humor kann die therapeutische Beziehung stärken und eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen.
« Humor hilft, selbstbelastenden Erfahrungen eine neue, weniger bedrohliche Bedeutung zu geben. »
Dabei geht es nicht um oberflächliche Witze, sondern um eine Haltung, die Leichtigkeit ermöglicht. Fachlich wird
Humor hier als interaktive Kompetenz verstanden, die gezielt zur Unterstützung von Heilungsprozessen eingesetzt werden kann. Gerade im Umgang mit chronischen Belastungen kann er dazu beitragen, neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. In diesem Zusammenhang sind auch die zunehmenden Lachclub-Angebote mit LachYoga zu erwähnen. Lach-Yoga kann bei Verspannungen und Stress helfen und fördert die ganzheitliche Atmung.
Humor ist lernbar
Ein entscheidender Punkt: Humor ist keine starre Persönlichkeitseigenschaft. Vielmehr lässt er sich entwickeln. Schon kleine Veränderungen – etwa der bewusstere Blick für Alltagskomik oder die Bereitschaft, über sich selbst zu schmunzeln – können einen Unterschied machen. Dabei bedeutet Humor nicht, Probleme zu verdrängen. Vielmehr beschreibt er eine innere Haltung, die es erlaubt, zwischen Ernst und Leichtigkeit flexibel zu wechseln.
Ein anderer Blick auf den Alltag
Gerade in einer oft angespannten Welt kann Humor eine wertvolle Ressource sein. Er schafft kleine Pausen, lockert festgefahrene Situationen und bringt neue Perspektiven. Auch wenn er Herausforderungen nicht auflöst, kann Humor helfen, besser mit ihnen umzugehen –Schritt für Schritt und manchmal mit einem überraschend leichten Blick. •
Was ist überhaupt Humor?
Michael Titze nennt in seinem Buch «Wer zuletzt lacht …» folgende Definition des Begriffs: Humor entsteht durch die Mischung von drei Elementen (Humorformel): Erstens, es gibt ein Problem. Zweitens, dieses Problem wird ernst genommen. Und drittens, es kommt ein Schuss Heiterkeit dazu. Sie kennen den weisen Spruch: «Kitzliche Sachen löst man am besten mit Lachen.» Denn wenn man verbissen ist, findet man keine kreative Lösung für ein Problem. Das Lachen bewirkt Lockerung, Entspannung und fördert gute Lösungen.
Buchtipps
Fischer, F.; Peifer, C.; Scheel, T. (Hrsg.) (2024): Humor – ein ernstzunehmender Gesundheitsfaktor. Grundlagen und Forschung für den praktischen Einsatz. Hogrefe, Bern.
Titze, Michael (2018): Wer zuletzt lacht … Die Kunst humorvoller Selbstbehauptung. Schattauer, Stuttgart.

Humor kann Angst lindern, Nähe schaffen und selbst in schwierigen Lebenssituationen Leichtigkeit bringen. Davon ist Fredi Buchmann überzeugt, der als Begegnungsclown «Fridolin» früher viele Kinder besuchte und heute noch Clown-Besuche in Alters- und Pflegeheimen macht. Im Interview erklärt der Präsident von HumorCare Schweiz, warum ein Lächeln oft mehr sagt als Worte – und wo die Grenzen des Humors liegen.
Samuel Krähenbühl
«natürlich»: Wie sind Sie zum Thema Humor und Clownerie gekommen?
Fredi Buchmann: Humor hat mich eigentlich schon mein ganzes Leben begleitet. Mein Vater war Pfarrer und es war ihm wichtig, dass die Menschen in seinen Predigten mindestens einmal lachen konnten. Diese Haltung habe ich früh mitbekommen. Intensiv mit Humor beschäftigt habe ich mich aber erst nach meiner Pensionierung. Zuvor hatte ich ein Burn-out. In dieser Phase wurde mir bewusst, wie wichtig Leichtigkeit ist. Kurz danach entdeckte ich zufällig eine Clown-Ausbildung – und das hat bei mir etwas ausgelöst. Danach habe ich begonnen, als Clown Hausbesuche
bei Familien mit Kindern mit einer Behinderung zu machen. In den Kinderspitälern wird dieses Segment durch die Theodora-Stiftung abgedeckt. Zu Hause durch uns.
Was hat Sie an der Clownerie besonders angesprochen?
Die Möglichkeit, Menschen direkt zu erreichen – ohne viele Worte. Clownerie ist oft nonverbal, sehr feinfühlig und stark auf das Gegenüber ausgerichtet. Man improvisiert viel und reagiert auf das, was gerade entsteht. Das hat mich fasziniert und gleichzeitig auch persönlich bereichert.
«
Ein kleiner Moment des Lachens kann unglaublich viel bewirken. »
Wie erleben Sie diese Begegnungen mit Kindern? Kinder reagieren meist sehr unmittelbar. Sie lachen schnell, sind offen und neugierig. Gleichzeitig brauchen sie – besonders wenn sie krank oder beeinträchtigt sind – viel Sensibilität. Ein Clownbesuch beginnt deshalb immer vorsichtig. Man tastet sich heran, oft über kleine Requisiten oder spielerische Elemente. Wichtig ist, Vertrauen aufzubauen und das Kind nicht zu überfordern.
Wie haben Sie sich auf solche Besuche vorbereitet?
Im Rahmen meiner Tätigkeit beim Trägerverein «Huusglön» klärten wir im Vorfeld mit den Eltern oder Bezugspersonen, was das Kind mag oder eher nicht. Hat es Ängste? Was interessiert es? Darauf bauten wir unser Programm auf. Und wir gingen fast immer zu zweit – das ermöglichte ein besseres Zusammenspiel und schaffte eine besondere Dynamik. Am Ende unserer Besuche überreichten wir dann den Eltern auch einen Feedback-Bogen mit einer Beurteilung zum Ausfüllen.
Welche Wirkung kann Humor bei Kindern haben? Humor kann Angst reduzieren und Spannungen lösen. Gerade in belastenden Situationen – etwa bei Krankheit –schafft er Momente von Leichtigkeit. Kinder können für einen Moment einfach Kind sein und den Alltag vergessen. Das ist unglaublich wertvoll.
Sie sind auch als Clown in Alters- und Pflegeheimen tätig. Was ist dort anders?
Bei älteren Menschen, insbesondere bei Demenz, steht das Nonverbale noch stärker im Vordergrund. Oft funktioniert Sprache nicht mehr gut, aber Emotionen und Erinnerungen sind noch da. Musik spielt eine grosse Rolle: Viele Menschen können Lieder aus ihrer Jugend noch mitsingen, auch wenn sie sich sonst kaum ausdrücken können.
Wie reagieren ältere Menschen auf Clowns?
Sehr unterschiedlich. Manche sind sofort offen, andere brauchen Zeit. Wichtig ist, respektvoll mit Nähe und Distanz umzugehen. Humor darf nie auf Kosten der Person gehen. Ältere, demente Menschen dürfen nicht den Eindruck bekommen, dass der Clown sie auslachen will. Wenn es gelingt, entsteht oft ein sehr berührender Moment – ein Lächeln, ein Blickkontakt oder gemeinsames Singen.
Gibt es auch Grenzen von Humor?
Ja. Humor ist nicht in jeder Situation angebracht. Besonders im Umgang mit psychisch belasteten Menschen braucht es viel Feingefühl. Humor darf nie aufgesetzt oder erzwungen wirken. Deshalb arbeiten wir auch beim Verein HumorCare CH mit klaren ethischen Richtlinien und legen Wert auf eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung unserer Mitglieder, bevor wir sie aufnehmen.
Was bewirkt Humor Ihrer Erfahrung nach?
Humor kann vieles erleichtern. Er verändert nicht die Situation selbst, aber die Art, wie wir ihr begegnen. Gerade bei Kindern und älteren Menschen sieht man das sehr deutlich: Ein kleiner Moment des Lachens kann unglaublich viel bewirken.
Was bedeutet Humor für Sie persönlich?
Für mich ist Humor tatsächlich der «Schwimmring des Lebens». Er hilft, auch schwierige Situationen besser zu tragen – und manchmal sogar mit einem Lächeln. •
Fredi Buchmann
Fredi Buchmann (*1945) ist Präsident von HumorCare Schweiz mit Sitz in Sigriswil und engagiert sich seit vielen Jahren für den Einsatz von Humor im Alltag und in der Pflege. Der ausgebildete kaufmännische Angestellte und Sozialpädagoge entdeckte nach seiner frühzeitigen Pensionierung seine Leidenschaft für die Clownerie. Als ausgebildeter Besuchsclown «Fridolin» beim Trägerverein Huusglön sowie als Mitgründer desselben brachte er früher Lebensfreude in Familien sowie in Alters- und Pflegeheime. Heute liegt sein Schwerpunkt insbesondere auf seinem Engagement als Präsident von HumorCare Schweiz. www.humorcare.ch


Schwestern! wollt ihr wissen, Wie ich mich vergnüge, Dass ich immer scherze, Dass ich immer singe, Dass ich auch im Winter, Wenn auch schon die Rosen Unser Haupt nicht krönen, Doch noch immer scherze?
Machts wie ich, und liebet! Doch liebet nicht nur Männer: Liebet auch die Tugend; Liebet schöne Bücher; Stimmet auch die Saiten, Dichtet schöne Lieder; Singet von der Liebe!
Liebt ihr aber Männer; O! so liebt nur einen, Liebet ihn recht zärtlich, Scherzt mit eurem Freunde: So seyd ihr recht glücklich!
Johanne Charlotte Unzer (1725–1782)
Manchmal scheint es, als könnten alle anderen viel besser mit schwierigen Situationen umgehen. Doch Resilienz kann erlernt und trainiert werden. Wie gelingt das? Und was bedeutet Resilienz überhaupt?
Corinne Kneubühler
Wer die Zeitung aufschlägt, Nachrichten hört oder in den sozialen Medien scrollt, wird von den Krisen unserer Zeit nahezu erschlagen. Klimakrise, Inflation, Hungersnöte, Kriege, die kein Ende nehmen, Gewalt – die Welt scheint ein besonders bedrohlicher und herausfordernder Ort zu sein. Immer mehr Menschen erleben Ohnmachtsgefühle, Zukunftsangst und depressive Verstimmungen. Dabei haben wir Menschen eine Fähigkeit, die genau dafür eingesetzt werden kann: die Resilienz.
Der Begriff der Resilienz kommt vom lateinischen «resilire», was so viel bedeutet wie zurückspringen, abprallen oder nicht anhaften. Er wird seit den 1950er-Jahren verwendet, als die beiden Forschenden Jack Block und Emmy Werner eine psychische Widerstandskraft gegen Krisen beschrieben. Auch heute steht Resilienz für die psychische Widerstandsfähigkeit, Krisen und schwierige Lebensumstände zu bewältigen. Ausserdem beinhaltet Resilienz die Fähigkeit, solche Erlebnisse als Chance zur eigenen Weiterentwicklung zu sehen und zu nutzen, das bedeutet, selbst aktiv zu werden und sich der gefühlten Ohnmacht zu widersetzen.
Die Krise erkennen
Von einer stressigen Situation am Arbeitsplatz über Naturkatastrophen bis zu Schicksalsschlägen – was eine persönliche Krise auslöst, ist höchst unterschiedlich von Person zu Person. Wie sehr einem beispielsweise die Klimakrise belastet, hängt davon ab, welchen Bezug man selbst zum Naturschutz hat. Auch Faktoren wie die Klassenzugehörigkeit spielen eine Rolle, so spürt eine Familie mit geringem Einkommen schneller die Belastung durch die Inflation als ein lediger, gut bezahlter Geschäftsführer. Grundsätzlich sind daher Menschen, die Minderheiten angehören höheren psychischen Belastungen ausgesetzt. Allerdings hat auch die Persönlichkeit jeder Person damit
zu tun, was sie überhaupt belasten kann. Eine sehr empathische, sensible Person kann beispielsweise selbst schneller in eine Krise geraten, wenn sie von Menschen in Krisen umgeben ist, auch wenn die Krise ursprünglich nicht auf die eigene Person zugetroffen hat.
In der Psychologie gibt es dazu das VulnerabilitätsStress-Modell. Das Modell versucht, die unterschiedliche Belastbarkeit von Menschen zu erklären. Dabei spielt die Vulnerabilität, oder die Anfälligkeit, eine grosse Rolle. Wer eine hohe Vulnerabilität hat, ist anfälliger für Stress und für psychische Erkrankungen. Wie vulnerabel eine Person ist, hängt dabei von genetischen, sozialen und psychologischen Faktoren ab. Wer die eigene Resilienz trainiert, kann die Vulnerabilität senken.
Wundermittel Resilienz
Die Forschung seit den 1950er-Jahren hat in der Resilienz so viele positive Auswirkungen für den Menschen erkannt, dass man sie fast als Wundermittel oder als Superkraft bezeichnen kann.
«
Was uns belastet, ist von Person zu Person unterschiedlich. »
So bleiben resiliente Personen beispielsweise psychisch und körperlich gesünder und können auch unter Belastung aktiv denken und handeln. Hier entsteht eine Art Wechselwirkung: Wer resilient ist, kann schwierige Situationen einfacher überstehen, was wiederum die Resilienz steigert. Ängste werden reduziert und neue Handlungsmöglichkeiten erkannt, man reagiert auch weniger mit Verspannungen oder anderen körperlichen Reaktionen. Man bekommt schon fast den Eindruck, wer resilient ist, wäre unverwundbar und könne alles, was einem widerfährt, egal wie schlimm, locker wegstecken.
«Das kann nicht die Erwartung sein», betont Dr. Moritz Senarclens de Grancy, Psychoanalytiker und Kulturwissenschaftler. «Resilienz kann Krisen nicht verhindern. Auch resiliente Menschen erfahren Krisen und begegnen herausfordernden Situationen.» Mentale Stärke darf also nicht als stabile, starre Mauer verstanden werden, sondern viel eher als organische Hecke: Sie kann dichter und höher werden, bleibt aber durchlässig. Mit jedem Erlebnis, das wir überstehen, wächst diese Hecke und damit auch die Person selbst.
Geteiltes Leid ist halbes Leid
Bereits in der Kindheit besitzen wir Resilienz. Dabei spielt das soziale Umfeld, speziell die Familie, eine grosse Rolle. Allein resilient sein braucht viel mehr Ressourcen, als wenn man von seinem Umfeld unterstützt wird. In seinem Praxisalltag sieht Senarclens de Grancy, dass seine Klient*innen einschneidende Erlebnisse besser verarbeiten können, wenn es in ihrer Vergangenheit Menschen gab, mit denen sie eine gute und enge Beziehung hatten. Wenn sich ein Kind von seinen Bezugspersonen ernstgenommen und akzeptiert fühlt, dann entwickelt es ein hohes Selbstwertgefühl. «Resilienz ist auch ein sozialer Vorgang, der voraussetzt, dass Menschen positive soziale Bindungen haben und diese als Ressource nutzen können», sagt Senarclens de Grancy. Das bedeutet, dass auch hier eine gegenseitige Wirkung entsteht. Habe ich ein stabiles, resilientes Umfeld, dann bin auch ich eher resilient, was wiederum die Menschen in meinem Umfeld resilienter macht. Das sei kein neues Konzept, sagt Senarclens de Grancy, schliesslich findet sich diese Wahrheit auch im Volksmund: «Wie sagt man so schön? Geteiltes Leid ist halbes Leid!»
Resilienz selbst in die Hand nehmen
Die gute Nachricht: Obwohl bei der Krisenbewältigung auch genetische Faktoren eine Rolle spielen, kann Resilienz erlernt und trainiert werden. «Resilienz ist nicht angeboren», versichert Senarclens de Grancy. Das Resilienz

Zentrum Schweiz hat dazu das Modell des Resilienzrads© entwickelt. Dieses soll als eine Art Kompass fungieren, und der Orientierung dienen. Die acht Faktoren, auf denen das Resilienzrad© basiert, sind Akzeptanz, Optimismus, Selbstverantwortung, Lösungsorientierung, Zukunftsorientierung, Zugang zur Kreativität, Netzwerkorientierung sowie Achtsamkeit & Selbststeuerung. Das Rad deckt sich mit anderen Modellen wie dem Sieben-Säulen-Modell oder dem TriCoreTM-Modell. Worauf bei allen Modellen Wert gelegt wird, ist auf die Akzeptanz, auf das Vertrauen und auf die eigene Handlungsfähigkeit.
Akzeptanz als erster Schritt
Der erste Schritt, die eigene Resilienz zu fördern, ist es vergangene und aktuelle Erfahrungen anzunehmen und zu akzeptieren, was nicht verändert werden kann. Akzeptanz klingt jedoch einfacher, als es ist. Die meisten Menschen finden bereits bei sich selbst Dinge, seien es Gewohnheiten oder körperliche Merkmale, die sie nicht mögen und nicht akzeptieren. Oft ist diese fehlende Akzeptanz mit einem Druck verbunden, der nicht nur von uns selbst, sondern auch von der Gesellschaft kommt.

Wir wünschen uns, gesund, fit und schön zu sein, keine Fehler zu machen und die Kontrolle über das eigene Leben zu haben. Das Unvollkommene zu akzeptieren, kann jedoch geübt werden. Das gelingt beispielsweise mit Affirmationen. Eine solche Affirmation ist: «Ich akzeptiere Misserfolge, Konflikte, Belastungen und Leid als Teil des Lebens.»
Vertrauen in die eigene Wirksamkeit
Auch Vertrauen gehört zu den wichtigsten Pfeilern der Resilienz. Krisensituationen nicht allein aushalten zu müssen stärkt auch die eigene Belastbarkeit. Dafür hilft es, sich bewusst zu werden, wie gross das eigene Umfeld überhaupt ist. Versuchen Sie, die Menschen zu notieren, denen Sie vertrauen und bei denen Sie sicher sind, auf sie zählen zu können. So visualisieren Sie Ihr eigenes Netzwerk, was ein Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit und Gemeinschaft geben kann. Sie sehen genau, wo Sie sich aufgehoben fühlen, und dass Sie nicht auf sich allein gestellt sind, gerade in herausfordernden Situationen. Auf Menschen, denen wir vertrauen, können wir aufbauen und es entstehen starke und stärkende Beziehungen.
Genauso wichtig ist das Vertrauen zu sich selbst. Dieses ist eng verbunden mit der Selbstwirksamkeit. Vertraue ich darauf, dass ich mit meinen Handlungen etwas bewirken kann? Fühle ich mich machtlos oder kann ich aktiv werden? Durch diese Sicherheit fällt man weniger schnell in die anfangs beschriebene Hilflosigkeit oder Ohnmacht und es gelingt einem leichter, sich stark und herausfordernden Situationen gewachsen zu fühlen. •
«
Ein resilientes Umfeld macht auch mich resilienter – und umgekehrt.

Beim Bürsten bleibt mehr im Kamm hängen, im Waschbecken sammeln sich die Haare – und plötzlich fällt es auf: Es wird weniger auf dem Kopf. Haarausfall ist meist ein Hinweis des Körpers, dass er aus dem Gleichgewicht geraten ist. Unter anderem können Hormonumstellungen, Stress oder Nährstoffmangel Haarwurzeln angreifen und zu Haarausfall führen. Stärken Sie Ihre Haare frühzeitig mit spezifischen Heilpflanzen, lokalen Pflegeanwendungen und einer ausgewogenen Ernährung.
Laura
Columberg
Wie zeigen sich Ihre Haare aktuell? Wirken sie kräftig und voll oder bemerken Sie zunehmend Haare in der Bürste, im Waschbecken oder auf dem Kopfkissen? Haarausfall betrifft Frauen wie Männer, und beginnt oft unauffällig. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass ein gewisser Haarverlust völlig normal ist. Im Durchschnitt verliert ein Mensch täglich zwischen 50 und 100 Haare. Dieser natürliche Prozess gehört zum Haarzyklus, der zwischen zwei und sieben Jahren andauert. Dabei fallen alte Haare aus und neue wachsen nach.
Auch die Jahreszeiten können einen Einfluss auf den Haarzyklus haben. Viele Menschen beobachten insbesondere im Herbst oder im Frühjahr einen vermehrten Haarausfall. Dieses Phänomen ist tatsächlich bekannt: Ähnlich wie bei Tieren unterliegt auch das menschliche Haarwachstum saisonalen Schwankungen. So treten im Spätsommer vermehrt Haare in die sogenannte Ruhephase (Telogenphase) ein und fallen einige Wochen später aus.
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Haarausfall betrifft Frauen und Männer gleichermassen.
Ein möglicher Erklärungsansatz liegt darin, dass das Haar im Sommer eine schützende Funktion für die Kopfhaut übernimmt und in dieser Zeit dichter ist. Mit dem Wechsel in die dunkleren und kälteren Monate werden vermehrt ältere Haare abgestossen. Dabei handelt es sich um einen natürlichen, vorübergehenden Prozess, der sich innerhalb von zwei bis drei Monaten von selbst reguliert und keinen Grund zur Sorge darstellt. Wenn der Haarausfall jedoch über das normale Mass hinausgeht – also deutlich mehr als 100 Haare pro Tag verloren gehen, lichte Stellen auf der Kopfhaut oder kreisrunde Löcher erkennbar werden, spricht man von behandlungsbedürftigem Haarausfall.
Häufige Formen des Haarausfalls (Alopezie)
• Erblich bedingter Haarausfall (Androgenetische Alopezie): Häufigste Form bei Männern, sichtbar durch Geheimratsecken und Ausdünnung am Hinterkopf. Bei Frauen seltener, diffuse Ausdünnung im Scheitelbereich. Entwickelt sich langsam über Jahre. Mögliche Ursache: genetisch bedingte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber Dihydrotestosteron (männliches Sexualhormon).
• Diffuser Haarausfall: Gleichmässige Ausdünnung über die gesamte Kopfhaut. Vermehrter Haarverlust beim Waschen oder Kämmen. Mögliche Ursachen: Infekte, Stress, hormonelle Veränderungen, Nährstoffmangel oder Medikamente.
• Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Plötzlich auftretende, klar abgegrenzte kahle Stellen. Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Haarfollikel angreift. Mögliche Ursachen: genetische Faktoren, Stress.

• Mechanisch bedingter Haarausfall (Traktionsalopezie): Durch mechanische Belastung, straffe Frisuren wie Pferdeschwanz und Dutt. Typisch Haarverlust an Stirn und Schläfen. Frauen häufiger betroffen.
• Vernarbender Haarausfall: Seltene, meist irreversible Form. Haarfollikel werden durch Entzündungen zerstört und durch Narbengewebe ersetzt. Haare wachsen nicht mehr nach. Kopfhaut wirkt glatt, glänzend, oft Juckreiz oder Schmerzen. Mögliche Ursachen: Hauterkrankungen, Infektionen, Verletzungen.
Es gibt viele verschiedene Formen von Haarausfall. Hier werden aus Platzgründen einige der häufigsten Formen genannt. Lassen Sie sich bei Verdacht auf Haarausfall von einer gesundheitlichen Fachperson umfassend beraten.
Tipps und Tricks für gesundes
Aus naturheilkundlicher Sicht wird Haarausfall nicht isoliert betrachtet, sondern als Zeichen dafür, dass der Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist. Daher lohnt sich nebst der lokalen Behandlung auch die innerliche Stärkung. Besonders häufig stehen hormonelle Veränderungen, chronischer Stress, Immunschwäche oder eine
unzureichende Nährstoffversorgung im Zentrum, die die Durchblutung der Kopfhaut reduzieren, wodurch die Haarwurzel schlechter versorgt wird.
Für gesundes Haar sind folgende Nährstoffe wertvoll, da sie direkt an der Bildung und Erhaltung der Haarstruktur beteiligt sind: Biotin (Vitamin B7) spielt eine zentrale Rolle beim Zellstoffwechsel in den Haarfollikeln und kommt reichlich in Eiern, Nüssen und Vollkornprodukten vor. Eisen unterstützt die Sauerstoffversorgung der Haarwurzel. Gute Eisenquellen sind rotes Fleisch, Hülsenfrüchte, Goldhirse, Randen und grünes Blattgemüse. Zink ist am Aufbau von Keratin beteiligt, dem Hauptbestandteil des Haares, und steckt unter anderem in Kürbiskernen, Käse und Vollkornprodukten. Vitamin E wirkt als Antioxidans, schützt die Haarfollikel vor oxidativem Stress und ist in Sonnenblumenkernen, Mandeln und Avocados enthalten. Zudem tragen Omega-3-Fettsäuren, wie sie in fettem Fisch oder Leinsamen vorkommen, zur Gesundheit von Kopfhaut und Haarfollikeln bei. Reicht die Versorgung dieser Nährstoffe über die Ernährung nicht mehr aus oder wird ein Mangel diagnostiziert, kann Supplementierung sinnvoll sein. Im Fachhandel finden
Links: Randen sind eine gute Eisenquelle und Eisen wiederum stärkt die Sauerstoffversorgung der Haarwurzeln.
Rechts: Rosmarin kann das Haarwachstum anregen.

sich diverse Produkte in Tabletten- oder Kapselform, die ergänzend eingenommen werden können. Sinnvoll ist eine Mindesteinnahmedauer von drei bis sechs Monaten, um Veränderungen feststellen zu können.
Heilpflanzen
Auch Heilpflanzen können das Haarwachstum unterstützen, indem sie die Durchblutung der Kopfhaut fördern, Entzündungen reduzieren oder die Haarfollikel stärken. Brennnessel (Urtica dioica) enthält Mineralstoffe wie Eisen und Kieselsäure, die die Haarwurzel nähren und die Kollagenbildung fördern, während Rosmarin (Rosmarinus officinalis) durch seine anregende Wirkung auf die Kopfhautdurchblutung und die enthaltenen ätherischen Öle, das Haarwachstum stimulieren kann. Sägepalme (Serenoa repens) wird vor allem bei hormonell bedingtem Haarausfall eingesetzt, da sie die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron hemmen. Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) liefert Proteine, die die Haarstruktur stärken und die Kopfhaut pflegen.
Zusätzlich werden Schachtelhalm (Equisetum arvense) und Klettenwurzel ( Arctium lappa) geschätzt: Schachtelhalm ist reich an Kieselsäure, die die Haarfestigkeit erhöhen kann, während Klettenwurzel durch enthaltene Bitterstoffe und Gerbstoffe das Haarwachstum unterstützen und Kopfhautprobleme reduzieren kann. Die Anwendung genannter Heilpflanzen kann lokal in Form von Einreibungen auf der Kopfhaut, aber vor allem innerlich erfolgen. Eine Fachperson in der Drogerie, Apotheke oder Naturheilpraxis kann Sie individuell beraten und Ihnen zum Beispiel eine Tinkturenmischung oder einen spagyrischen Spray zusammenstellen und Hinweise zur Dosierung geben.
Sanfte Pflege
Zusätzlich lohnt sich eine schonende Haarpflege. Beim Bürsten sollte man sanft und moderat vorgehen: Beginnen Sie an den Spitzen und arbeiten sich langsam in Richtung Ansatz vor, um Haarverlust durch mechanische Überbelastung zu vermeiden. Für Geschmeidigkeit können Sie ein Haaröl in die Spitzen einmassieren. Zudem empfiehlt sich das Bürsten bei trockenem Haar – da nasses deutlich bruchanfälliger ist. Wählen Sie Naturborsten zum Beispiel Wildschweinborsten, da diese schonender sind. Auch die Kopfhautpflege spielt eine wichtige Rolle: Regelmässige, sanfte Massagen fördern die Durchblutung der Haarfollikel und können so das Haarwachstum unterstützen. Dabei genügen 1–2 Minuten täglich, bei Bedarf lassen sich pflegende Öle wie Arganöl, Kokosöl oder Rosmarinöl einbeziehen. Es geht aber auch gut ganz ohne Öl, mit kreisenden Bewegungen der Fingerkuppen. Haarausfall beruht meist auf tieferliegenden Gründen und sollte achtsam und frühzeitig beachtet werden. Die lokale Behandlung reicht oft nicht aus, wenn ursprünglich verursachende Themen bestehend bleiben. Achten Sie Ihre Haare und tun Sie ihnen ab und an etwas Gutes. Schon Rapunzel wusste: Wer sanft bürstet, hat länger Freude an seiner Mähne. In diesem Sinne: auf gesunde Haare! •
Laura Columberg
Dipl. Naturheilpraktikerin TEN mit eigener Praxis auf dem Bözberg/AG. Spezialisiert auf Frauen- und Kinderheilkunde. www.praxiscolumberg.ch


Müdigkeit, Leistungsschwäche und Schwindel – Eisenmangel zeigt sich auf vielfältige Weise. Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung kann helfen, dem Mangel vorzubeugen, insbesondere, wenn man Lebensmittel, die die Eisenaufnahme fördern, gekonnt kombiniert.
Blanca
Fehlt es dem Körper an Eisen, hat das weitreichende Folgen. Denn das Element ist Teil der Blutkörperchen und hat dort die Aufgabe, Sauerstoff zu binden, damit dieser über die Blutbahnen zu den Zellen transportiert werden kann. Ein Mangel des Spurenelements führt also zu Sauerstoffmangel im gesamten Körper. Dies kann sich in einer Vielzahl von Symptomen zeigen, die sehr unterschiedlich sein können: Müdigkeit, Leistungsschwäche, Blässe, Haarausfall, depressive Verstimmungen, brüchige Nägel oder Schwindel. Vor allem wenn diese Beschwerden in Kombination auftreten, kann dies ein Hinweis auf Eisenmangel sein. Dies trifft laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf etwa ein Drittel der Weltbevölkerung zu.
Der Ursache auf der Spur
Die Gründe für Eisenmangel sind ebenso vielfältig wie die Anzeichen. Ein wesentlicher Grund kann der Blutverlust während der Periode sein, weshalb menstruierende Personen laut Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährungsforschung (SGE) deutlich mehr Eisen benötigen. Generelle Empfehlungen sind für diese daher 15
und für andere Personengruppen die Aufnahme von mindestens 10 mg Eisen pro Tag. Bei Schwangeren ist der Bedarf sogar noch höher, nämlich 30 mg, damit das Ungeborene genügend versorgt wird. Es können aber auch der Blutverlust aufgrund einer Verletzung oder Operation sowie chronische Erkrankungen, die die Eisenaufnahme erschweren, ein Grund für den Mangel sein.
Pflanzliche Power
Der Körper kann Eisen nicht selbst produzieren und muss es über das Essen aufnehmen. Deshalb ist eine ausgewogene Ernährung entscheidend, um einem Mangel vorzubeugen. Dafür sollte man so oft wie möglich frisch und mit saisonalen, regionalen und biologischen Zutaten kochen und bewusst eisenhaltige Lebensmittel in die Ernährung integrieren. Die meisten Menschen denken dabei zuerst an Fleisch. Doch auch pflanzliche Produkte können das Spurenelement enthalten, wie zum Beispiel Hülsenfrüchte. Was die kleinen Kraftpakete zudem besonders wertvoll macht, ist ihr hoher Eiweissgehalt, der dafür sorgt, dass das Eisen vom Körper besser aufgenommen werden kann. Da ungekeimte Hülsenfrüchte aber auch

Phytinsäure enthalten, die die Eisenaufnahme hemmt, sollten sie über Nacht eingeweicht werden. Dadurch sinkt der Phytinsäuregehalt und das Eisen kann besser aufgenommen werden. Ein einheimisches Superfood, das neben zahlreichen Nähr- und Vitalstoffen viel Eisen enthält, ist die Hirse. Pro 100 g liefert sie 7 mg und deckt damit bereits einen guten Teil des täglichen Bedarfs ab. Ein weiterer Vorteil: Das Pseudogetreide ist glutenfrei, genauso wie Amaranth und Quinoa. Sie alle sollten regelmässig auf dem Speiseplan stehen. Auch grünes Blattgemüse wie Mangold, Spinat und Löwenzahn enthält relativ viel Eisen. Wichtig: Spinat unbedingt blanchieren, um die enthaltene Oxalsäure zu reduzieren, da diese die Eisenaufnahme hemmen kann.
Eine simple, aber effektive Methode, die eigene Aufnahme zu erhöhen, ist das Hinzufügen von Gerstengras-Pulver zum Wasser oder Smoothie. Das Pulver enthält neben Eisen zahlreiche weitere Mineralien, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe sowie einen hohen Chlorophyllanteil.
Die Kombination machts aus Neben eisenhaltigen Lebensmitteln ist es entscheidend, sogenannte Eisenförderer und -hemmer zu kennen. Das sind Stoffe, die die Aufnahme von Eisen begünstigen beziehungsweise blockieren. Einer der wichtigsten Förderer
ist Vitamin C. Um die Eisenaufnahme zu erhöhen, kann man ganz einfach einen Spritzer Zitronensaft auf die Mahlzeit geben. Auch Vitamin-C-reiche Kräuter, Beeren und Früchte sollten zum Essen genossen werden. Zum Frühstück kann man sich beispielsweise mit dem Porridge einige Apfelschnitze oder eine getrocknete Feige mitkochen.
Zu den gängigsten Eisenhemmern zählen Kaffee sowie Grün- und Schwarztee aufgrund der darin enthaltenen Tannine. Deshalb sollte man diese Getränke frühestens zwei Stunden nach dem Essen trinken. Weitere hemmende Stoffe sind Phosphate, die in vielen verarbeiteten Lebensmitteln und Softdrinks vorkommen, ebenso wie hohe Kalziummengen, zum Beispiel aus Milchprodukten. Deshalb sollte man zum Frühstück die Haferflocken lieber nicht mit Kuhmilch aufgiessen. Die Milch sollte lieber für sich nach dem Essen getrunken werden.
Die Kraft der Kräuter Nicht zu unterschätzen ist die Wirkung von Gewürzen und Kräutern, die den Stoffwechsel ankurbeln. Insbesondere die Brennnessel ist ein wahres Superfood mit hohem Eisengehalt. Die Anwendungsmöglichkeiten sind enorm vielfältig und reichen weit über den Genuss als Tee hinaus. Im Salat, als Pesto oder in der Suppe, ist sie nicht nur schmackhaft, sondern auch reich an Eisen, Vitamin C, Magnesium und vielen weiteren Nährstoffen. •

Eisenmangel ist ein häufiges Anliegen, so auch in der Praxis von Orlanda Senn in Brunnen. Wir haben mit der TCM-Therapeutin darüber gesprochen, wie sie das Problem ganzheitlich angeht.
natürlich»: Welche Erfahrungen machen Sie in Ihrer Praxis mit Menschen, die an Eisenmangel leiden?
Orlanda Senn: Eisenmangel ist ein häufiges Thema in meiner Praxis. Manche Menschen sind verzweifelt, weil sie sich gesund ernähren, hochdosierte Eisenpräparate einnehmen oder Infusionen erhalten und nach ein paar Monaten sind sie wieder am gleichen Tiefpunkt.
Wie betrachtet die Naturheilkunde Eisenmangel?
Für mich als TCM-Therapeutin spielt der Ferritinwert und die schulmedizinische Diagnose «Eisenmangel» keine Rolle. In den traditionellen Medizinsystemen konnte man ja nicht Blut nehmen und auf den Übeltäter zeigen. Wichtig ist für mich, welche Symptome die Person hat, zum Beispiel starke Müdigkeit, Schlafbeschwerden, Schwindel oder depressive Verstimmung. Oft sind erschöpfte Personen bei mir, deren Ferritinwert optimal ist. Gleichzeitig gibt es Personen mit einem ganz tiefen Ferritinwert, die sich gesund fühlen. Eisen ist also nicht der einzige Grund für diese typischen Beschwerden.
Welche Schritte empfehlen Sie aus naturheilkundlicher Sicht bei chronischem Eisenmangel?
Gemeinsam mit der Patientin stelle ich ein Therapieprogramm zusammen. Das könnte eine Kombination aus Akupunktur und chinesischer Kräuterheilkunde sein. Oder Schüsslersalze (zunächst Ferrum Nr. 3 D12, eventuell sind
weitere nötig), ein tief dosiertes Eisenpräparat und die Patientin kocht sich immer wieder Kraftsuppe, die sie einnimmt. Man muss sich auf viele Monate Therapie einstellen. Das Therapieprogramm ist individuell nach Bedürfnissen und Bereitschaft der Person zusammengestellt. Dann kommen zwei ganz wichtige Punkte dazu, ohne die langfristig jede Therapie scheitert. Erstens: Eisen lagert sich nur in Ruhe ein. Wer Beschwerden wegen Eisenmangel hat, soll ruhen. Gemütliches Spazieren ist erwünscht, kräftezehrenden Sport aber soll man während der Therapie meiden oder portionieren. Zweitens: Alle Mineralien werden durch Tageslicht aktiviert. Wir brauchen zwingend Tageslicht, ideal sind dreimal täglich 20 Minuten draussen sein, auch bei bedecktem Himmel. Nutzen Sie also Arbeitswege, Pausen und Freizeit gerne draussen.
Orlanda Senn
Orlanda Senn ist Heilpraktikerin mit eidg. Diplom (Schwerpunkt TCM) und Autorin. Die Naturheilkunde ist ihre Leidenschaft. Sie praktiziert seit über 20 Jahren in Brunnen. www.orlanda.ch


Wer hat sie nicht schon gesehen? Die Menschen, die sich im Winter kurzärmlig und ohne Socken im Freien aufhalten, während wir bereits im November Handschuhe und warme Stiefel überziehen. Kalte Hände und Füsse führt man meist auf Durchblutungsstörungen zurück. In der Traditionellen Chinesischen Medizin – kurz TCM – sieht man das anders.
Kalte Extremitäten und überhaupt die Neigung zu frösteln ist in der TCM auf die mangelnde Nieren-Energie (Nieren-Yang) zurückzuführen. Das bedeutet nicht, dass das Organ erkrankt ist, sondern dass die Energie, die nach TCM der Niere zugeordnet wird, nicht richtig fliesst. Die Niere wird auch oft als die Wurzel des Lebens bezeichnet. Sie speichert die Lebensenergie und ist massgeblich dafür verantwortlich, dass das Innerste des Menschen, also Knochen, Mark und Gehirn funktionieren. Der Niere wird in der TCM die Emotion Angst zugeordnet, was zum Beispiel auch den Ausdruck «Da habe ich kalte Füsse bekommen» verdeutlicht.
Wenn die Durchblutung stockt
Wenn Kälte im Körper stark vorhanden ist, verlangsamen sich die physiologischen Abläufe. Energie und Blut fliessen dann nur noch verlangsamt. Dadurch bauen sich
Blockaden auf, die für Steifheit, Unbeweglichkeit und Schmerzen in den betroffenen Körperteilen sorgen. Die TCM hilft beim Lösen dieser Blockaden. Sie kann aber auch präventiv eingesetzt werden, um grösseren Beschwerden, wie Angina Pektoris oder Herzinfarkt vorzubeugen.
Wie funktioniert TCM?
Die TCM-Fachperson nimmt sich in der ersten Sitzung Zeit für ein ausführliches Gespräch. Hinzu kommt die Diagnose von Puls und Zunge. Der Allgemeinzustand und allfällige Vorerkrankungen des Patienten sind ebenfalls wichtig, denn die Traditionelle Chinesische Medizin ist auf individuell angepasste Behandlungskonzepte spezialisiert. Eine Symptomatik wird an ihrer Wurzel behandelt und die Therapie deshalb dem einzelnen Patienten und seiner Konstitution angepasst.
Behandlungsmethoden
In der TCM verbinden die Leitbahnen (Meridiane) alle Gewebe und Strukturen des Körpers zu einer integrierten Ganzheit. Deren allgemeine Funktion besteht darin, den Transport von Qi (Energie) und Blut durch den Körper zu gewährleisten. Alle Organe, Sinnesorgane, Gewebe werden dadurch genährt, versorgt und gewärmt.
Um die Niere zu stärken oder die Durchblutung zu fördern gibt es in der Traditionellen Chinesischen Medizin verschiedene Behandlungsansätze. Durch Akupunktur können Blockaden gelöst und der Qi-Fluss gekräftigt werden. Die Kälte kann in der Akupunktur mit verschiedenen Behandlungsanwendungen aus dem Körper vertrieben werden. So kommt z. B. getrocknetes Beifusskraut in Form von Moxa zur Anwendung. Oft werden ergänzend eigens zusammengestellte Rezepturen von chinesischen Heilkräutern verordnet, die auf die inneren Organe wirken. Auch spezielle Tuina-Massagen sorgen dafür, dass der Blutfluss in den Körperarealen optimiert wird und somit Kälte- und Durchblutungsprobleme optimiert werden.
Wichtig ist es, um eine harmonische Lebensführung bemüht zu sein, sein Leben auf die Jahreszeiten bzw. auf Wetterverhältnisse einzustellen. Ernährung spielt in der TCM eine herausragende Rolle. So ist es wichtig, bei bereits vorhandener Kälte-Störung viel warme und gekochte Speisen zu sich zu nehmen. Ein warmes Früh-
stück heizt bereits am Morgen Ihren «Brennofen» ein und versorgt den Körper mit Wärme und Energie. Auch Tees mit Fenchel, Kümmel, Anis, Zimt, frischen Ingwer haben eine wärmende Eigenheit. Rohkost und eisgekühlte Getränke und Tiefkühlspeisen sind in diesem Falle nicht sinnvoll.
Gut ausgebildete Therapeut:innen
Wer eine TCM-Fachperson sucht, wählt am besten ein Mitglied eines Fachverbandes wie des TCM Fachverband Schweiz. So ist gewährleistet, dass er/sie eine kontrollierte Ausbildung sowie regelmässige Weiterbildung nachweist.
Beteiligt sich meine Krankenkasse an den Kosten?
Wenn Sie über eine Zusatzversicherung im Bereich Komplementärmedizin verfügen, werden Behandlungen von den Krankenkassen in der Regel vergütet. Wir empfehlen auf jeden Fall, vorgängig mit Ihrer Krankenkasse genau abzuklären, in welchem Umfang die Behandlungskosten übernommen werden.
Detaillierte Informationen sowie gut ausgebildete TCMFachpersonen finden Sie unter www.tcm-therapeuten.ch



Akupunktur und Tuina Massage sorgen dafür, dass der Blutfluss im Körper verbessert wird. © Markus Steurer für TCM-FVS

Omega-3-Fettsäuren gehören zu den wichtigsten Nährstoffen für unseren Körper – und doch nehmen wir oft zu wenig davon auf. Besonders das HerzKreislauf-System profitiert von Omega-3, daneben entfalten die Omega-3-Fettsäuren zahlreiche weitere positive Wirkungen. Sie können sogar helfen, Krankheiten vorzubeugen. Ein Nährstoff, der längst mehr ist als nur «Fett».
Yvonne Rossel
Die Fette sind für viele Menschen ein rotes Tuch unter den Nährstoffen. Haben sie doch den Ruf, kalorienreich und ungesund zu sein, was bei den meisten Fetten auch der Fall ist. Äusserst wichtig, wenn nicht sogar lebensnotwendig sind hingegen die ungesättigten Fettsäuren, wie zum Beispiel die Omega-3-Fettsäuren. Die Omega-3-Fettsäure ist eine sogenannte ungesättigte Fettsäure. Die Namensgebung hat mit der chemischen Strukturformel zu tun. Neben Omega-3-Fettsäuren gibt es auch weitere ungesättigte Fettsäuren, wie beispielsweise Omega-6 und Omega-9. Dennoch sollte den Omega-3-Fettsäuren besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, da sie für zahlreiche wichtige Körperfunktionen eine zentrale Rolle spielen. Im Gegensatz zu den anderen Fettsäuren fehlen sie häufig in unserer Nahrung oder können nicht verstoffwechselt werden.
Es gibt zwei Sorten von Omega-3-Fettsäuren. Die einen wirken mehr auf das Gehirn, die anderen mehr auf die Herzaktivität. Diese beiden biologisch aktiven Omega3-Fettsäuren werden als EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) bezeichnet. Während Fischöl mehr EPA aufweist, ist in den Algenpräparaten mehr DHA vorhanden. Beide Fettsäuren haben ähnliche Wirkungen. Sind die gesundheitlichen Probleme eher auf die Gehirnaktivität und mangelnde Konzentration zurückzuführen, empfiehlt es sich, ein Präparat mit mehr DHA zu wählen, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind beide Omega-3-Fettsäuren angezeigt und wenn es hauptsächlich um entzündliche Erkrankungen geht, ist EPA die bessere Wahl.
Wichtige Fette für den Körper
Während der Eiszeit war das Meer eine wichtige Nahrungsquelle für die Menschen. Es wird vermutet, dass die reichlichen Omega-3-Fettsäuren aus dem Fisch und den Muscheln die Hirnfunktion förderte und die menschliche Evolution beschleunigte. Die Menschen überlebten nicht nur, sondern erfanden dank grösserer Hirnleistung diverse Werkzeuge und Techniken. Sie waren plötzlich fähig, andere Erdteile zu entdecken und sich auszubreiten. Die Omega-3-Fettsäure ist Bestandteil von Körperfetten, die sich in sogenannte Botenstoffe für verschiedene Funktionen im Körper umwandeln. So helfen sie zum Beispiel, zu verhindern, dass sich ein Blutgerinnsel in unserem Kreislauf bildet. Zudem wird die Herzmuskel-Struktur positiv beeinflusst. Auch die Zellen benötigen reichlich Omega-3, um elastisch und durchlässig zu sein. In kälteren Regionen wie im Norden oder im Meer sind die Lebewesen besonders darauf angewiesen.
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spielen für zahlreiche wichtige Körperfunktionen eine zentrale
Omega-3-Fettsäuren sind ihr «Frostschutzmittel». Darum zählen Fische und auch spezifische Algen zu den wichtigsten Quellen dieses wertvollen Stoffes. Der Heilbutt, ein zuverlässiger Omega-3-Lieferant, weist sehr viel Fett auf und lebt in kalten Gewässern zwischen 3 und 9 Grad Celsius. Auch unser Nervensystem ist auf Omega-3-Fettsäuren angewiesen. Sie werden in grossem Umfang in den Nervenzellen eingelagert und tragen zur Struktur und Funktion der Zellmembranen bei. Man geht davon aus, dass dadurch die Weiterleitung von Nervenimpulsen positiv beeinflusst wird.
Besonders das Herz-Kreislauf-System kann von zahlreichen positiven Wirkungen profitieren:
• Unterstützung der Herzfunktion
• Als Taktgeber bei Herzrhythmusstörungen
• Leicht blutdrucksenkend
• Beitrag zur gesunden Struktur des Herzmuskels
• Schutz vor der Bildung von Blutgerinnseln
• Unterstützend bei der Gewichtsreduktion
• Förderung elastischer und funktionsfähiger Zellen
Auch auf den Cholesterinspiegel haben die ungesättigten Omega-3-Fettsäuren einen positiven Einfluss. Dies nicht im Sinn eines klassischen Cholesterinsenkers, sondern eher als Schutzfaktor für die Blutgefässe. Unterstützung bekommen Sie bei dieser Aufgabe von den Omega-9Fettsäuren, wie sie reichlich in Olivenöl vorkommen.
Weitere Studien zeigen, dass Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend wirken und das Risiko für rheumatische Erkrankungen sowie kognitive Beeinträchtigungen im Alter senken können. Sie können positive Effekte auf den Stoffwechsel haben, etwa bei Typ-2-Diabetes und unterstützend wirken bei ADHS, PMS oder Migräne. Auch die Haut kann profitieren, beispielsweise bei Psoriasis und Neurodermitis. Darüber hinaus unterstützen Omega3-Fettsäuren gesunde Schleimhäute, etwa bei trockenen Augen oder Vaginalschleimhäuten. Die ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren ist auch in der Schwangerschaft von grosser Bedeutung, da diese Fettsäuren die Entwicklung des Nervensystems des heranwachsenden Kindes unterstützen. Hinweise legen nahe, dass sie ausserdem das Risiko für Allergien und Asthma beim Kind senken könnten. Auch für die Mutter können sie hilfreich sein, beispielsweise im Zusammenhang mit dem seelischen Wohlbefinden nach der Geburt.
Omega-3-reiche Lebensmittel
Wir leben in einem Schlaraffenland, was die Ernährung betrifft. Trotzdem sind unsere Grundlebensmittel nicht mehr zuverlässige Omega-3-Lieferanten. Dies aus verschiedenen Gründen: In der modernen Viehzucht werden die Tiere mit Soja gefüttert, was sich leider in der Fleischqualität negativ widerspiegelt und gegenüber zu früher die Fettsäure Omega-6 ansteigen lässt. Diese Fettsäure kann stille Entzündungen fördern und Herzkreislauferkrankun -

gen begünstigen. Für eine Omega-3-reiche Ernährung empfiehlt sich deshalb ein geringerer Fleischkonsum sowie die bewusste Wahl von qualitativ hochwertigem Fleisch aus möglichst natürlicher Tierhaltung. Um Omega-3 aus tierischen Nahrungsquellen zuzuführen, müsste man mindestens zwei Mal pro Woche fetten Meerfisch essen. Vegetarische Alternativen sind Leinöl, Hanföl und Rapsöl. Alle drei weisen eine beachtliche Menge an Omega-3-Fettsäuren auf. Ebenso Macadamianüsse, Baumnüsse und Kastanien.
Leider sind die pflanzlichen Omega-3-Fettsäuren nicht ganz so zuverlässige Quellen wie jene aus fettem Meerfisch, weil sie vom Körper zuerst umgewandelt und aktiviert werden müssen, was immer mit einem gewissen Verlust verbunden ist. Meerfisch und Algen hingegen enthalten bereits die aktive und gut verwertbare Form der Omega-3-Fettsäure. Für eine gute und ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren, kann es deshalb sinnvoll sein, direkt Fisch- oder Algenöl einzunehmen. Oder statt Fisch auch Algen in den Speiseplan aufzunehmen.



Oben: Leinöl ist ein guter vergetarischer Omega-3-Lieferant.
Mitte: Algen sind reich an Omega-3-Fettsäuren.
Unten: Während der Schwangerschaft ist Omega-3 wichtig für die Entwicklung des Nervensystems des Fötus.

Wer die Omega-3-Fettsäuren in Form von Kapseln einnehmen möchte, ist mit einer breiten Auswahl an Produkten konfrontiert. Doch genauso wie beim Kauf von Fisch, sollte auch bei der Wahl eines Fischölpräparates die Qualität an erster Stelle stehen. Die Fischölprodukte werden meist vom Dorsch, Makrele, Hering oder der Sardine gewonnen. Um die Überfischung zu vermeiden, empfiehlt es sich, Algenpräparate zu berücksichtigen. Es handelt sich dabei um gezüchtete Mikroalgen (mikroskopisch kleine, einzellige Algen) der Sorte Schizochytrium sp. Die Algen werden in grossen Behältern mit künstlichem Meerwasser und anderen Nährstoffen gezüchtet. Somit können Schadstoffbelastungen ausgeschlossen werden. Wählt man trotzdem ein Präparat aus Fischöl, sollte der Fisch auf Schwermetalle und andere Schadstoffbelastungen kontrolliert sein. Es lohnt sich, ein nachhaltig zertifiziertes Fisch-Label zu wählen. Ein Omega-3-Präparat sollte man zu einer Mahlzeit einnehmen, weil der Körper das Fisch- oder Algenöl in Kombination mit anderen Nahrungsfetten besser aufnehmen kann.
Zum Wohle der eigenen Gesundheit lohnt es sich, ein Augenmerk auf die Omega-3-Fettsäuren zu richten. Ihre vorbeugenden und auch therapeutischen Wirkungen sind so vielseitig und kommen in verschiedensten Anwendungsgebieten zum Einsatz. Eine wichtige Rolle können Omega-3-Fettsäuren unter anderem bei der Linderung von Entzündungen spielen. •
Es gibt eine breite Auswahl an Omega-3-Kapseln.
Wie steht es um Ihren Omega-3-Spiegel?
Um Ihren Bedarf an Omega-3-Fettsäuren zu testen, können Sie in der Naturheilpraxis einen sogenannten Trocken-Bluttest machen lassen. Dieser gibt Aufschluss über sämtliche Fettsäuren und auch das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6. Ideal wäre ein Verhältnis von mindestens 5:1, also 5 Teile Omega-6 zu einem Teil Omega-3. Aufgrund dieses Wertes lässt sich feststellen, ob das Omega-3- aus Ihrer Nahrung ausreichend ist, oder ob es angezeigt ist, ein Fisch- oder Algenölpräparat einzunehmen.
Rezept Omega-3-Smoothie
100 g Himbeeren frisch oder gefroren
50 g wilde Heidelbeeren frisch oder gefroren
1–2 TL Ahornsirup
1 dl Pflanzenmilch
1 kleiner Becher Nature-Joghurt (optional weglassen und 1 dl mehr Pflanzenmilch beigeben)
2000 mg Omega-3-Algenöl (je nach Anbieter 4 bis 8 Kapseln aufstechen oder 1 TL bis 1 EL Algenöl)
Alle Zutaten ohne Omega-3-Öl in einem Hochleistungsmixer mixen. Omega-3-Öl erst am Schluss beigeben und nur noch kurz weiter mixen.

Ein normaler Blutdruck ist eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes Herz-Kreislauf-System. Dabei spielt das Endothel eine zentrale Rolle, die feine innere Zellschicht der Blutgefässe. Es hilft, die Gefässweite flexibel anzupassen und damit eine normale Durchblutung zu ermöglichen.
Mit zunehmendem Alter, hormonellen Veränderungen, zum Beispiel bei Frauen in den Wechseljahren, oder bei anhaltender Belastung kann die Gefässfunktion empfindlicher werden. Umso wichtiger sind grundlegende Massnahmen wie Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress. Auch bestimmte pflanzliche Inhaltsstoffe werden in der Forschung zunehmend beachtet. Besonders im Fokus stehen Kakaoflavanole. Diese natürlich in der Kakaobohne vorkommenden Pflanzenstoffe wurden wissenschaftlich untersucht. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt für Kakaoflavanole, dass sie zur Erhaltung der Elastizität der Blutgefässe beitragen und so eine normale Durchblutung unterstützen – vorausgesetzt, täglich werden 200 mg aufgenommen. Ein gut funktionierendes Gefässsystem gilt dabei als wichtige Grundlage für die Aufrechterhaltung normaler Kreislauffunktionen.
In herkömmlicher Schokolade ist diese Menge meist kaum zuverlässig erreichbar, da Kakaoflavanole bei der Verarbeitung teilweise verloren gehen. Deshalb gibt es standardisierte Nahrungsergänzungsmittel wie PhytoCacao® Cardio mit flavanolreichem Spezialextrakt EPI+ aus der Kakaobohne. Eine Tablette liefert 200 mg Kakaoflavanole und entspricht damit der Menge, für die die wissenschaftlich geprüfte physiologische Wirkung beschrieben ist.
PhytoCacao® Cardio richtet sich an Menschen, die ihre Gefässgesundheit im Rahmen eines gesunden Lebensstils bewusst und langfristig unterstützen möchten – als Teil eines ganzheitlichen Ansatzes für das Herz-Kreislauf-System. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise.
Weitere Informationen: www.phytocacao.ch

Neben Rauchen, Bewegungsmangel und chronischem Stress ist eine ungesunde Ernährung und ihre Folgen einer der grössten Risikofaktoren für die Herz-KreislaufGesundheit. In diesem Artikel informieren wir Sie deshalb über diese Risiken und darüber, welche Ernährungsform besonders gut fürs Herz ist.
Sophie Souvignier
Zu viel Fleisch und Salz, zu wenig Gemüse, Früchte und Vollkornprodukte, dazu noch Fertigprodukte, Snacks und süsse Getränke –dies sind die häufigsten Ernährungsfehler der Schweizer Bevölkerung. Dabei zählt eine ausgewogene Ernährung zu den wichtigsten beeinflussbaren Faktoren für die (Herz-)Gesundheit. Peter Ferloni von der Schweizerischen Herzstiftung erläutert dies weiter: «Zusammen mit Bewegung hat sie den grössten präventiven Effekt, da sie direkt auf Blutdruck, Blutfette, Blutzucker und das Körpergewicht wirkt.» Wenn diese Werte dauerhaft in einem negativen Bereich sind, kann es zu Arteriosklerose kommen, die häufig auch als «Gefässverkalkung» bekannt ist. Durch diese Ablagerung des Blutfett LDL-Cholesterin an
der Innenwand der Gefässe werden zudem Entzündungsreaktionen ausgelöst. Wenn diese Ablagerungen aufbrechen, kann der Blutfluss dadurch sogar vollständig blockiert werden. «Je nach blockiertem Gefäss kommt es zu einem Herzinfarkt, einem Hirnschlag oder zu einem Verschluss einer Beinarterie», warnt Peter Ferloni. Es gibt jedoch präventive Schritte, die ergriffen werden können.
Ein
Je früher eine Umstellung des Lebensstils durchgeführt wird, desto höher sind die Erfolgschancen. Neben einer ausgewogenen Ernährung, regelmässiger Bewegung, der Reduktion von Übergewicht und einem sofortigen Rauchstopp kann auch eine medikamentöse Behandlung erfol-
gen, die mit einer ärztlichen Fachperson abgeklärt werden sollte. Eine Ernährungsumstellung, weg von stark verarbeiteten, zucker- und fetthaltigen Lebensmitteln, sollte auch eine geringere Salzaufnahme beinhalten. Die durchschnittliche Tagesaufnahme in der Schweiz liegt mit neun Gramm vier über der Empfehlung des BLV und erhöht zusätzlich den Blutdruck und die Belastung der Nieren. Es gibt jedoch auch Lebensmittel, die das Herz unterstützen, wie Nüsse und Hülsenfrüchte. «Sie sind sehr nährstoffreich und enthalten gesunde Fette und viel Protein», empfiehlt Peter Ferloni und erläutert weiter: «Die mediterrane Ernährung ist eine der bestuntersuchten und wirksamsten Ernährungsformen für das Herz. Sie basiert auf viel Gemüse, Früchten, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und hochwertigen pflanzlichen Ölen. Fisch kann regelmässig, Fleisch hingegen nur in kleinen Mengen konsumiert werden.» Eine herzgesunde Rezeptidee finden Sie auch in dieser Ausgabe auf Seite 75 mit dem Forellenfilet auf saurem Gemüsekompott.
Drei Ernährungsregeln für ein gesundes Herz
Peter Ferloni gibt drei Ernährungsregeln an: «Erstens sollten frische und möglichst unverarbeitete Produkte verwendet werden. Zweitens sollten hochwertige pflanzliche Fette statt tierischer und stark verarbeiteter Produkte gewählt werden. Drittens sollte ein bewusster Umgang mit Salz und Zucker stattfinden, insbesondere durch die Reduktion von Fertigprodukten und Softdrinks.» Er klärt ausserdem über Ernährungsmythen auf, zum Beispiel, dass Eier schädlich fürs Herz seien. In normalen Mengen seien diese unproblematisch und sogar
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Je früher eine Umstellung des Lebensstils durchgeführt wird, desto höher sind die Erfolgschancen. »
gesund. «Auch die Annahme, ein tägliches Glas Alkohol sei gesund, gilt heute als überholt. Ebenso sind viele Light-Produkte weniger vorteilhaft, als sie wirken, weil sie häufig Zusatzstoffe enthalten», erläutert Peter Ferloni. Insgesamt gilt, dass eine herzgesunde Ernährung so früh wie möglich begonnen werden sollte, da Arteriosklerose lange unentdeckt bleiben kann. Ein guter Start sind eine tägliche Portion Gemüse oder Früchte zusätzlich, das Ersetzen von Süssgetränken durch Wasser oder Tee, mehr pflanzliche Mahlzeiten und die Verwendung von Oliven- oder Rapsöl statt Butter.
Mehr Informationen und Tipps finden Sie auf der Webseite der Schweizerischen Herzstiftung und in der Broschüre «Gesunde Ernährung für Herz und Gefässe», gratis bestellbar auf www.swissheart.ch/shop. •


Markus Kellenberger
Mitgefühl und Empathie – das ist doch dasselbe, höre ich immer wieder, doch das stimmt nicht ganz. Der Unterschied ist zwar nur subtil, aber in der Wirkung entscheidend. Beim Mitfühlen oder Mitleiden mache ich den emotionalen Zustand eines anderen Menschen zu meinem eigenen. Dadurch entsteht eine Distanzlosigkeit, die sich oft in Ratschlägen ausdrückt, die mehr mit meinen Wünschen zu tun haben, als mit den wirklichen Bedürfnissen meines Gegenübers.
Sich nicht im Mitgefühl verlieren Empathie hingegen ist eher ein «Einfühlen» als ein «Mitfühlen», auch wenn es das nicht ausschliesst. Sie ist die Fähigkeit, die Gefühle, Gedanken und Perspektiven eines Man sitzt sich gegenüber, erzählt, was einem bewegt – und spürt: da ist jemand, der nicht urteilt, sondern Geduld hat und versteht. Von Mensch zu Mensch Empathie empfangen und Empathie schenken zu dürfen, ist oft heilsamer als jeder Ratschlag –aber längst nicht mehr selbstverständlich. Zum Glück lässt sich Empathie lernen.
anderen Menschen wahrzunehmen und zu verstehen, ohne sie mit den eigenen zu verwechseln. Und genau darin liegen die zwei grossen Stärken der Empathie: Ich verliere mich vor lauter Mitgefühl nicht in den eigenen Emotionen, und ich kann auch Menschen zuhören und verstehen wollen, deren Gefühle oder Ansichten ich nicht teile. Beides hilft, um – falls nötig – pragmatische statt gefühlstrunkene Lösungen zu finden.
Ein gutes Beispiel dafür, was den Unterschied zwischen Mitgefühl und Einfühlen ausmacht, ist das Drama um den vermutlich ertrunkenen Buckelwal Timmy. Menschen, die sich allein von ihrem Mitgefühl leiten liessen, wollten das Tier um jeden Preis retten, und meinten es durchaus gut; Menschen, die bei allem Mitgefühl zu ver-
stehen versuchten, was da passierte, stellten fest, dass der Wal mit uns nichts zu tun haben und in Ruhe sterben wollte, so hart das auch war.
Das andere aushalten lernen
Im Alltag zeigt sich Empathie zum Glück selten so spektakulär. Sie lebt meist in kleinen und oft unscheinbaren Gesten, zum Beispiel im Zuhören ohne zu unterbrechen oder im Nachfragen statt im Bewerten. Empathische Menschen nehmen nicht nur Worte wahr, sondern auch die Zwischentöne, die Unsicherheit in der Stimme, die Müdigkeit im Blick oder das fast unmerkliche Zögern in einem Satz. Und so bedeutet Empathie häufig auch, dass man bei aller Betroffenheit aushalten muss, wenn es einem Menschen – oder einem Wal – nicht gut geht, und zu akzeptieren, dass es nicht für alles Lösungen gibt. Vielleicht ist Empathie deshalb weniger eine Fähigkeit als eine Haltung: die Bereitschaft nämlich, das Gegenüber gelten zu lassen. Und zwar so, wie es gerade ist – und nicht so, wie wir es gerne hätten.
Im Privaten schafft Empathie Nähe, und macht Beziehungen tragfähig, weil sie Partnerinnen und Partnern das Gefühl gibt, gesehen und verstanden zu werden. Konflikte verlieren ihre Schärfe, wenn jemand versucht, die Welt auch durch die Augen des anderen zu betrachten. Dadurch entsteht ein Raum, in dem sich Menschen mit unterschiedlichen Ansichten und Gefühlslagen begegnen und Streit oder Missverständnisse friedlich beilegen können.
Empathie als Schlüssel zum Erfolg
Auch im Beruf ist Empathie längst mehr als ein «Soft Skill». Sie entscheidet darüber, ob Teams funktionieren, ob Führung gelingt und ob Vertrauen entsteht. Wer sich als vorgesetzte Person in die Mitarbeitenden hineinversetzen kann, erkennt deren Bedürfnisse früher, und kann auftretende Spannungen entschärfen, bevor sie eskalieren. Das schafft ein Arbeitsklima, in dem sich Menschen einbringen und ihre Fähigkeiten weiter entwickeln können. Verschiedene Studien zeigen sogar, dass empathische Führungskräfte ihre Teams stärker motivieren und damit letztlich erfolgreicher machen, als hartgesottene Einpeitscherinnen und Einpeitscher.
Und genau hier liegt eine weitere Stärke der Empathie –sie verbindet. Als Philosoph und Psychiater untersucht Thomas Fuchs seit langem, was unsere Gesellschaft braucht, was sie vorwärts bringt und ganz besonders in schwierigen Zeiten auch menschlicher macht. «Empathie», sagt er, «ist so etwas wie der Klebstoff unserer Gesellschaft, denn ohne sie können wir Menschen nicht miteinander umgehen und auch nicht über persönliche Grenzen hinweg miteinander kooperieren.» Letzteres geschieht, weil Empathie Unterschiede nicht aufhebt, sondern für alle verstehbar macht. In unserer aufgewühl-
ten Zeit, in der alle gehört werden aber nicht zuhören wollen, und – ganz besonders in der Politik – gegensätzlichen Positionen immer unvereinbarer zu sein scheinen, wirkt Empathie wie ein Gegengift. Aber: Sie ist leise, sie braucht Geduld, und sie beginnt nicht im Grossen, sondern in kleinen Momenten. Vielleicht im nächsten Gespräch, vielleicht auch im nächsten Zuhören. •
Buchempfehlungen
Sina Haghiri: «Besser als du denkst – Wie Empathie uns selbst und vielleicht sogar die Welt verändern kann», Verlag Penguin, 2026
Werner Bartens: «Empathie – Weshalb einfühlsame Menschen gesund und glücklich sind», Verlag Knaur, 2017
Empathisch sein lässt sich üben
Empathisch sein heisst, das Gegenüber verstehen zu wollen, und das auch dann, wenn man nicht dasselbe fühlt oder denkt. Diese sieben Schritte helfen Ihnen, empathischer zu werden:
1. Wahrnehmen statt reagieren: Beobachten Sie Ihr Gegenüber bewusst: Mimik, Stimme, Körpersprache. Oft zeigt sich mehr zwischen den Worten als in ihnen.
2. Aktiv zuhören: Nicht unterbrechen, nicht sofort Lösungen anbieten. Wiederholen Sie in eigenen Worten, was Sie verstanden haben – das schafft Klarheit und Vertrauen.
3. Perspektive wechseln: Fragen Sie sich: Wie fühlt sich die geschilderte Situation aus Sicht meines Gegenübers wohl an? Dieser gedankliche Schritt ist zentral für Empathie.
4. Vorurteile hinterfragen: Eigene Bewertungen bewusst zurückstellen. Offenheit ist die Voraussetzung dafür, andere wirklich zu verstehen.
5. Gefühle benennen: Formulieren Sie vorsichtig, was Sie wahrnehmen: «Ich habe den Eindruck, das beschäftigt dich sehr.» Das zeigt Resonanz, ohne zu übergehen.
6. Eigene Grenzen achten: Empathie heisst nicht, alles mitzutragen. Achten Sie auf Ihre eigenen Gefühle – Distanz ist Teil gesunder Empathie.
7. Regelmässig üben: Empathie wächst mit der Erfahrung. Gespräche, Begegnungen, Literatur und auch Filme können helfen, sich in andere hineinzuversetzen.
Haben Sie Fragen?
Markus Kellenberger begleitet Menschen auf der Reise ins Innere und beantwortet Ihre Fragen aus den Bereichen Leben, Liebe, Glaube und Spiritualität persönlich und ganzheitlich. m.kellenberger@weberverlag.ch
Lange hat sich die Medizin an Männern orientiert. Viele Studien und Therapien wurden basierend auf den Daten von männlichen Patienten entwickelt. Dadurch werden viele Krankheiten bei Frauen zu spät oder falsch diagnostiziert. Wir haben mit Prof. Meyer-Zürn vom Universitären Herzzentrum Basel darüber gesprochen, wie die Gendermedizin versucht, dies zu ändern.
Interview: Blanca Bürgisser
natürlich: Was beinhaltet die Gendermedizin?
Prof. Meyer-Zürn: Die Gendermedizin, auch geschlechtersensible Medizin genannt, untersucht und berücksichtigt systematisch Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Bezug auf Erkrankungshäufigkeit, Symptome, Diagnostik, Therapie und Prognose. Ziel ist es, die Gesundheit aller Geschlechter zu verbessern, indem sowohl das biologische Geschlecht (eng. «sex») als auch das soziale Geschlecht (engl. «gender») in medizinische Entscheidungen einbezogen werden.
Dabei geht es nicht nur um Unterschiede zwischen Frauen und Männern, sondern auch um geschlechtsspezifische Lebensumstände, Rollenbilder und Zugänge zum Gesundheitssystem, die sich auf Krankheitsverläufe und Behandlungsergebnisse auswirken können.
Wieso braucht es die Gendermedizin?
Gendermedizin ist notwendig, weil die Medizin lange Zeit nicht so neutral war, wie man angenommen hat. Viele Studien, Leitlinien und Therapien basieren überwiegend auf Daten von Männern – mit der Folge, dass Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu wenig berücksichtigt werden. Heute wissen wir, dass sich zahlreiche Erkrankungen bei Frauen und Männern unterschiedlich äussern.
Gendermedizin hilft, diese Unterschiede zu erfassen und in die Versorgung zu integrieren. Ziel ist es, Diagnosen früher zu stellen, Therapien anzupassen und die Behandlungsqualität insgesamt zu verbessern, für alle Geschlechter. Somit ist die Gendermedizin ein zentraler Bestandteil der personalisierten bzw. Präzisionsmedizin:
Sie trägt dazu bei, Diagnostik und Therapie individueller, zielgerichteter und wirksamer zu gestalten. Zahlreiche Studien zeigen, dass eine geschlechtersensible Herangehensweise die Versorgungsqualität verbessert und dazu beitragen kann, Fehldiagnosen sowie Unter- oder Übertherapie zu vermeiden.
Können Sie einige Beispiele nennen, wie die Medizin bisher auf Cis-geschlechtliche Männer ausgerichtet war und welche Folgen das bis heute hat?
Beim Herzinfarkt etwa orientierten sich Lehrbücher lange an den «typischen» Symptomen bei Männern, wie dem starken Brustschmerz. Frauen zeigen jedoch häufiger unspezifischere Symptome wie Übelkeit, Müdigkeit oder Atemnot – was dazu führt, dass Herzinfarkte bei ihnen noch immer häufig erst später erkannt werden.
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Viele Studien und Therapien basieren überwiegend auf Daten von Männern.
Hinzu kommt, dass Frauen häufiger an sogenannten nichtobstruktiven Herzkranzgefässerkrankungen leiden, also an Durchblutungsstörungen ohne relevante Gefässverengung, etwa im Rahmen einer Erkrankung der kleinsten Blutgefässe des Herzens. Diese Form der Erkrankung wird in der klinischen Praxis noch immer zu selten erkannt, da sie in klassischen diagnostischen Algorithmen lange nicht ausreichend berücksichtigt wurde.
Ein weiteres Beispiel zeigt sich bei der Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz). Frauen entwickeln häufiger eine Form der Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion, während bei Männern häufiger die klassische Form mit reduzierter Auswurffraktion auftritt. Diese Unterschiede haben wichtige diagnostische und therapeutische Konsequenzen, da sich Symptome, Krankheitsverlauf und Behandlungsmöglichkeiten unterscheiden können.
Zudem werden frauenspezifische Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oft zu wenig berücksichtigt. Dazu zählen beispielsweise Schwangerschaftskomplikationen wie Hypertonie, Diabetes oder Präeklampsie, Rheumaerkrankungen sowie eine frühe Menopause, die das kardiovaskuläre Risiko deutlich erhöhen können.
Auch bei Medikamenten gibt es Unterschiede. Frauen haben im Schnitt einen anderen Stoffwechsel, eine andere Körperzusammensetzung und hormonelle Einflüsse, die Wirkung und Nebenwirkungen beeinflussen.
Diese historisch gewachsene Ausrichtung wirkt bis heute nach. Sie zeigt, wie wichtig es ist, geschlechterspezifische Unterschiede systematisch zu berücksichtigen, um eine wirklich gerechte und wirksame medizinische Versorgung zu gewährleisten.
Welche Schritte haben Sie in die Wege geleitet, um dies zu ändern?
Am Universitätsspital Basel haben wir das «Women’s Heart Health Programm» aufgebaut, um geschlechterspezifische Kardiologie strukturell in Klinik, Forschung und Lehre zu verankern.
Ein zentraler Bestandteil ist die Frauenherzsprechstunde, in der Patientinnen mit kardiovaskulären Beschwerden gezielt, differenziert und ganzheitlich abgeklärt werden – mit besonderem Fokus auf Herzerkrankungen, die bei Frauen eine wichtige Rolle spielen.
Ergänzend dazu haben wir ein Forschungsprogramm im «Cardiovascular Research Institute Basel» etabliert, das sich gezielt mit kardiovaskulären Erkrankungen bei Frauen beschäftigt. Ziel ist es, bessere wissenschaftliche Evidenz zu schaffen, um Diagnostik und Therapie künftig geschlechterspezifischer und präziser gestalten zu können.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Ausund Weiterbildung: Wir bilden sowohl Studierende der Universität Basel als auch medizinisches Fachpersonal
gezielt im Bereich der Frauenherzgesundheit aus. Darüber hinaus ist auch die Aufklärung der Bevölkerung ein wichtiger Teil des Programms, um das Bewusstsein für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen zu stärken und eine frühere Diagnose zu ermöglichen. Insgesamt verfolgen wir damit einen integrierten Ansatz, der Versorgung, Forschung und Weiterbildung verbindet – mit dem Ziel, geschlechtersensible Kardiologie nachhaltig in der klinischen Praxis zu verankern.
Welche Rolle spielt die geschlechterspezifische Sozialisierung des Gesundheitspersonal?
Die geschlechterspezifische Sozialisierung des Gesundheitspersonals spielt eine wichtige Rolle in der täglichen klinischen Praxis, meist unbewusst. Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachpersonen werden nicht nur von ihrem medizinischen Wissen, sondern auch durch gesellschaftliche Vorstellungen von Geschlecht geprägt. Diese sogenannten «impliziten Biases» können Einfluss darauf haben, wie Symptome von Patientinnen und Patienten wahrgenommen, interpretiert und behandelt werden.
Ein gut dokumentiertes Beispiel ist der Umgang mit Schmerzen: Studien zeigen, dass Schmerzen bei Frauen im Durchschnitt häufiger als emotional oder psychosomatisch eingeordnet werden, während bei Männern eher eine organische Ursache vermutet wird. Das kann dazu führen, dass ernsthafte Erkrankungen bei Frauen später erkannt oder weniger konsequent abgeklärt werden.
Ähnliche Muster finden sich auch in der Kardiologie, wo Beschwerden von Frauen – insbesondere bei unspezifischer Symptomatik – teilweise weniger schnell als potenziell kardial eingeordnet werden.
Diese Effekte sind in der Regel nicht Ausdruck bewusster Diskriminierung, sondern Resultat historisch gewachsener medizinischer Leitbilder und gesellschaftlicher Stereotype. Deshalb ist es wichtig, geschlechtersensible Medizin nicht nur auf biologische Unterschiede zu beschränken, sondern auch soziale Einflüsse im medizinischen Alltag zu berücksichtigen. Wenn Fachpersonen ihre eigenen Denkweisen hinterfragen, gut geschult sind und nach klaren Abläufen arbeiten, hilft das, Vorurteile zu vermeiden und alle Patientinnen und Patienten gerecht zu behandeln. •
Christine Stefanie Meyer-Zürn
Prof. Christine Stefanie Meyer-Zürn ist Oberärztin am Universitären Herzzentrum Basel. Mit dem Aufbau des «Women's Heart Health Programm» möchte sie geschlechterspezifische Kardiologie strukturell in Klinik, Forschung und Lehre verankern.
UMWELT
Wie ein Zürcher Start-up
Korallenriffe kreiert
Der Anstieg der Meerestemperatur setzt Korallenriffen massiv zu. Fachpersonen gehen laut nationalgeographics.de davon aus, dass bereits 80 Prozent der Riffe weltweit in schlechtem Zustand sind. Das liegt unter anderem daran, dass die Hitze Korallenbleiche verursacht. Dabei stossen die Polypen die Algen ab, die sie mit Nährstoffen versorgen. Dauert dieser Zustand zu lange an, sterben die Korallen ab. Das ist schlecht für Mensch und Umwelt. Denn Korallen schützen Küstenregionen vor starken Wellen und Erosionen, beheimaten eine unglaubliche Artenvielfalt und stellen ein üppiges Fischfanggebiet dar. Das Zürcher Start-up rrreef setzt sich dafür ein, Korallenriffe zu rehabilitieren und neue zu schaffen. Dafür arbeiten Sie mit 3D-gedruckten Terrakotta-Blöcken, die sie über- und nebeneinander stapeln. Ihr erstes so erstelltes Riff vor der kolumbianischen Insel San Andrés ist ein grosser Erfolg. In den fünf Jahren des bisherigen Bestehens haben sich erste Korallen angesiedelt und Fische tummeln im Terrakotta-Riff. Die Meeresbiologin Hanna Kuhfuss, CoGründerin von rrreef, geht davon aus, dass in weiteren fünf Jahren das komplette Riff von Korallen bedeckt sein wird. Auf natürliche Weise würde es Jahrzehnte dauern, bis ein solches Gebilde entsteht. Mehr über die Arbeit von rrreefs, und wie Sie das Team unterstützen können, erfahren Sie auf rrreefs.com. bbu


Weltweit gibt es etwa 400 Hummelarten, davon sind rund 40 in der Schweiz heimisch.
Hummeln können kein Rot sehen, weshalb sie rote Blüten meiden. Dafür lieben sie blaue Blumen besonders.
Manchmal machen Hummeln kleine Löcher an die Unterseiten von Blüten, damit sie nicht in die Blüte krabbeln müssen, um an den Nektar zu kommen.
Hummeln kratzen den Pollen mit ihren vordersten Beinen ab und kleben ihn für den Transport an die hintersten Beine.
Hummeln legen ihre Eier in einer Kugel aus Blütenstaub.
Weibliche Hummeln haben einen Stachel. Da sie sehr friedlich sind, stechen sie jedoch kaum. bbu


Bei Clownfischen hat das Weibchen das Sagen. Und das, obwohl alle Clownfische als Männchen geboren werden. Der grösste und älteste der Fische wird jeweils ausgewählt, die Gruppe anzuführen. Dafür wandelt er sich zu einem Weibchen. Der zweitälteste Fisch wird zum Begatter. Er kümmert sich um die Eier und sorgt dafür, dass diese bis zum Schlüpfen keinen Schaden nehmen.
Der Wechsel des Geschlechts beginnt, sobald der Fisch die Führung übernommen hat und dauert insgesamt ein Jahr. Neuste Forschungsergebnisse haben gemäss der Tierwelt gezeigt, dass die Geschlechtsumwandlung dabei jeweils im Gehirn beginnt und erst dann bei den Geschlechtsorganen vonstatten geht. bbu

BUCHTIPP
Mit dem Klassiker «Was blüht denn da?» lassen sich über 870 Blütenpflanzen bestimmen. Die aktualisierte Neuausgabe ermöglicht durch Einteilung in Blütenfarbe und -form eine schnelle Bestimmung der Pflanzen. Dank mehr als 2000 naturgetreuen Zeichnungen findet man sich im Buch gut zurecht.
Neben den Texten und Bildern weisen Hinweispfeile auf die wichtigsten Bestimmungsmerkmale hin. Auch Arten mit Verwechslungsgefahr werden gezeigt, mit Tipps, wie diese unterschieden werden können.
Damit man auch unterwegs jederzeit auf das Wissen zugreifen kann, gibt es eine dazugehörende App, die über einen Code im Buch freigeschaltet werden kann.
Was blüht denn da?
Kosmos, 2025, ca. Fr. 29.90
ISBN 978-3-440-18088-4
UMWELT
Bei Gemüseanbau denken die meisten zuerst an weite Felder und ländliche Gebiete. Das müsste nicht so sein. Wie geo.de berichtet, hat ein Forschungsteam aus Deutschland und den Niederlanden ausgerechnet, dass in europäischen Städten ein riesiges Potenzial für Gemüseanbau besteht. Die Forschenden kommen zum Schluss, dass die Städte rund einen Drittel der Frischkost-Versorgung abdecken könnten.
Für ihre Berechnung haben die Forschenden die Stadt- und Dachflächen ermittelt, die für den Gemüseanbau geeignet sind. Dabei haben sie auch das lokale Klima und die Bevölkerungsdichte berücksichtigt. Bepflanzungssysteme wie Hydrokultur oder vertikale Landwirtschaft haben sie nicht miteinbezogen. Würde man diese berücksichtigen, könnte das Potenzial sogar noch grösser sein.
Der städtische Gemüseanbau hätte grosse Vorteile für Umwelt und Gesundheit. «Durch die Integration der Landwirtschaft in die Stadtplanung könnten Städte den lokalen Zugang zu Lebensmitteln verbessern, den Transport von Lebensmitteln reduzieren, das Engagement der Gemeinschaft stärken und eine gesündere Ernährung fördern», erklärt Mitautor Diego Rybski gegenüber geo.de. bbu


TIERE
Die Zahl der Feldhasen ist in der Schweiz in den letzten Jahren drastisch gesunken. Während im Kanton Genf in den 1960er-Jahren noch 60 Feldhasen pro Quadratkilometer lebten, waren es 2020 nur noch zwei. Der Rückgang liegt daran, dass dem Langohr zunehmend der Lebensraum fehlt. Der Feldhase ist auf offene, strukturreiche Agrarlandschaften angewiesen, die genügend Hecken, Feldgehölze, Brachen und Rückzugsräume bieten. Diese werden jedoch immer seltener in der Schweiz.
Deshalb setzt BirdLife Schweiz auf gezielte Artenförderungsprojekte, die zeigen welche Massnahmen nötig sind und wie diese gemeinsam mit Landwirt*innen umgesetzt werden können. Von mehr solchen Biodiversitätsflächen profitieren nicht nur die Feldhasen, sondern auch Kiebitz, Steinkauz, Schwarzkehlchen, Dorngrasmücke und viele mehr. bbu


Publireportage

Vitalpilze für Herz-Kreislauf und Durchblutung: Reishi und Auricularia
Vitalpilze sind seit Jahrhunderten zentrale Begleiter der ganzheitlichen Gesundheitsförderung. Reishi und Auricularia haben sich besonders für die Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems bewährt.
Reishi – Kardiovaskuläre Stabilität
Der Reishi (Ganoderma lucidum) wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin als eines der höchstrangigen Heilkräuter eingestuft. Mit über 119 verschiedenen Triterpenen, Vitaminen und Mineralstoffen wie Magnesium und Zink unterstützt er die natürlichen Körperregulationsmechanismen. Seine antioxidativen Eigenschaften senken oxidativen Stress, einen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Die Triterpene wirken entzündungshemmend und regulieren Stressreaktionen sowie Blutdruckwerte auf natürliche Weise. Studien zeigen signifikante Verbesserungen bei regelmässiger Anwendung.
Auricularia – Mikrozirkulation und Durchblutung
Das Judasohr (Auricularia auricula) wird seit über 1500 Jahren verwendet und zeichnet sich durch seine Fähigkeit aus, die Blutviskosität zu optimieren und die Mikrozirkulation zu fördern. Seine spezifischen Polysaccharide senken LDL-Cholesterin und unterstützen die Elastizität der Blutgefäße.
Synergetische Kombinationswirkung
Reishi und Auricularia ergänzen sich ideal: Während Reishi antioxidativ und entzündungshemmend wirkt, verbessert Auricularia gezielt die Durchblutung und den Lipidstoffwechsel. Diese komplementären Mechanismen schaffen eine umfassende Unterstützung für die kardiovaskuläre Gesundheit.
Mykoplan® Vitalpilze Schweiz AG info@mykoplan.ch, www.mykoplan.ch






FILMTIPP
Die Basler Architektin Barbara Buser rettet Gebäude und baut diese mit wiederverwendetem Baumaterial um. Wo andere abreissen, sucht sie nach Möglichkeiten, das Bestehende neu zu beleben.




Im Film «Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit» blickt die Architektin zurück auf ihr Leben und Schaffen und erzählt aus einer Familiengeschichte, die von intellektuellen Frauen geprägt ist. Nach dem Studium arbeitet die Architektin im Sudan, danach in Tansania, wo sie lernt, mit wiederverwendetem Material zu bauen. Zurück in Basel wird sie die erste Fähr-Frau auf dem Rhein. Zusammen mit Eric Honegger gründet sie kurz vor der Jahrtausendwende das «baubüro in situ» und später weitere Firmen, die alle nach einem Prinzip arbeiten: Kreislaufwirtschaft statt Verschwendung und «Caring Economy» statt Profitorientierung.
Der Film trifft den Nerv einer Zeit, in der Klimawandel, Rohstoffknappheit und soziale Spannungen immer deutlicher werden. Trotz aller Herausforderungen verlässt man den Film inspiriert von Barbara Busers Engagement, voller Hoffnung für die Zukunft. bbu
Das Wetter, das Wochenende, die Wirtschaft – wer kennt sie nicht, die typischen, etwas langweiligen Gesprächsthemen, wenn man nicht genau weiss, was sagen. Doch eine Studie, die im Journal of Personality and Social Psychology erschienen ist, zeigt, dass Smalltalk trotzdem kein unbedeutender Zeitvertrieb ist. Das Forschungsteam rund um Elizabeth Trinh von der Universität Michigan hat herausgefunden, dass das Thema einer Unterhaltung gar nicht so wichtig ist dafür, wie wir diese wahrnehmen. «Was den Spass wirklich ausmacht, ist das Engagement der Gesprächspartner*innen», erzählt die Studienleiterin gegenüber geo.de.
Das Fazit der Studie: Lassen Sie sich aus Angst vor Langeweile nicht von einem Gespräch abhalten. Denn auch Smalltalk ist eine gute Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen. Die Zeit mit dem Gegenüber ist viel wichtiger als das Thema des Gesprächs. Und wie zahlreiche andere Studien zeigen, sind soziale Interaktionen essenziell für das psychische und körperliche Wohlbefinden, egal wie gehaltvoll diese Interaktionen schlussendlich sind. bbu

Long-Bluse von PETER HAHN. Passt bestens zum Lagen-Look - Etwas länger geschnitten mit einer Falte im Rücken und kürzerem Vorderteil. 72% Baumwolle, 25% Polyamid, 3% Elasthan. Zertifiziert nach Standard 100 by OEKO-TEX® Maschinenwaschbar.






Wenn die Temperaturen ansteigen, sollten wir es den Pharaon*innen im alten Ägypten gleichtun: Sie tranken warmen Hibiskustee, um die Körperwärme zu reduzieren und die Verdauung zu unterstützen. Offenbar waren Hibiskusblüten damals ein beliebtes Sommergetränk, das auch als zeremonielle Opfergabe verwendet wurde. Hierzulande denken wir gar nicht so oft an diesen erfrischenden und schmackhaften Tee, den viele Leute als Früchtetee einordnen, obwohl er eigentlich ein Kräutertee ist, gewonnen aus dem fleischigen Blütenboden der afrikanischen Hibiskusart Hibiscus sabdariffa.
sondern
Hibiskus ist eng verwandt mit der Malve und dem Eibisch. Die Pflanzen gehören zur Familie der Malvengewächse. In der Volksmedizin wird der Hibiskus, oder auch Karkadeh, der afrikanische Name für die Blüten, wegen des Gehalts an sekundären Pflanzenstoffen wie Chlorogensäure, Querzetin, organischen Fruchtsäuren und Anthocyanen zur Stärkung des Immunsystems und zur Harmonisierung eines zu hohen Blutdrucks eingesetzt. Man schreibt die Wirkung auf den Blutdruck vor allem den roten Farbstoffen, den Anthocyanen, zu. Diese wirken antioxidativ, entzündungshemmend und leicht blutdrucksenkend. Darüber hinaus hilft der Hibiskus auch mit, die Blutgefässe elastisch zu halten. Für den Blutdruck wie auch für die Elastizität der Blutgefässe trinkt man den Tee dreimal pro Tag. Bereitet man hingegen einen starken Hibiskustee zu, indem 30 Gramm Blüten in einem Liter Wasser 10 Minuten köcheln, kann dies einen positiven Effekt auf die Stimmung haben. Laut einer Studie verbesserte sich die Stimmung der Probegruppe innert 7 Tagen. Sie hatten weniger Zukunftsängste, fühlten sich entspannter und hatten seltener Herzklopfen. Der mässige Genuss von Hibiskustee hat keinen negativen Effekt auf die Gesundheit, sollte jedoch vorsichtshalber in der Schwangerschaft und Stillzeit eher gemieden werden, weil er die Menstruation stimuliert. Untersuchungen dazu gibt es aber nicht. Dabei sollte man aber beachten, dass es sich beim Hibiskus um einen Heiltee handelt, den man im Sommer durchaus täglich, jedoch nicht dauerhaft in grossen Mengen trinken sollte. Besser ist es, den Tee als schmackhafte Ergänzung zu Wasser zu betrachten.
Nicht nur seine Farbe, auch sein Geschmack macht den Hibiskus zu einem idealen Sommergetränk: Er ist fruchtig im Geschmack, leicht herb und angenehm säuerlich. In Nordafrika und im Nahen Osten wird Karkadeh seit langer Zeit als kühlendes Erfrischungsgetränk geschätzt. In Ägypten ist es der wohl am häufigsten getrunkene Tee, der lauwarm oder auch heiss genossen für die nötige Abkühlung sorgt und den Flüssigkeitsbedarf deckt. Hierzulande tun wir uns noch schwer, es den Menschen aus heissen Klimazonen gleichzutun und im Hochsommer heissen oder zumindest lauwarmen Tee aus kühlenden Kräutern zu trinken. Denn mit frischer Minze, einem Spritzer Zitronensaft oder einigen Beeren verfeinert, wird er zu einem ebenso schönen wie wohltuenden Sommertrunk für heisse Tage. Nicht zuletzt deshalb, weil Hibiskus in der östlichen, wie auch in der westlichen Naturheilkunde als ein Heilmittel mit kühlenden Eigenschaften gilt. Gute Qualität erkennt man daran, dass die getrockneten Blütenkelche tiefrot bis burgunderfarben sind. Wirken sie verblasst, waren sie vermutlich zu lange oder falsch gelagert. Die frischen Blüten weisen zudem einen fruchtigen Duft auf und haben ein leicht florales Aroma. Auch dies ein Anzeichen für gute Qualität und Frische.
Generell sind Lebensmittel in intensiver Farbe besonders wertvoll für unseren Körper. Denken wir nur an das tiefe Gelb des Kukumapulvers, an die Holunderbeeren mit ihrem fast schwarzen Saft und an die Waldheidelbeeren, die beim Naschen eine verräterisch schwarze Zunge hinterlassen. Intensive Farben deuten auf einen hohen Gehalt an Pflanzenfarbstoffen hin, wie die Anthocyane, die Polyphenole oder Cyanoide. Je farbiger ein Gemüse, eine Frucht oder eine Blüte, desto besser schützen sie unsere Zellen. Der Sommer bietet eine ganze Fülle an farbenfrohen Gemüse- und Beerensorten, die allesamt reich an antioxidativ wirkenden Pflanzenstoffen sind. So zum Beispiel die Brombeeren, Johannisbeeren, Peperoni, Kirschen, Auberginen und roten Zwiebeln. Die Farben dienen den Pflanzen als Sonnenschutz und sind imstande, UV-Strahlung zu absorbieren. Dieser Effekt lässt die Pflanze stressfrei an der prallen Sonne wachsen und gedeihen. Wenn nun also im Sommer diese Vielfalt an Beeren und Gemüse verfügbar ist, kann ich Sie nur ermuntern: Greifen Sie zu! Je farbenfroher die Speisen und Getränke sind, desto besser. •
Sabine Hurni
Sabine Hurni ist Fachfrau für Ernährung, Naturheilkunde und Spiritualität. In der Kolumne «Sabine Hurni über…» befasst sie sich mit Ernährung als Medizin und Gesundheit auf allen Ebenen. In ihrer Praxis begleitet und berät sie Menschen ganzheitlich. www.sabinehurni.ch



NAGELPILZ
Seit beinahe 30 Jahren habe ich an meinem rechten grossen Zehennagel einen Nagelpilz, den ich mit allen Mitteln bekämpft habe. Der Pilz ging zwar nicht weg, breitete sich aber auch nicht weiter aus. Das ist nun anders. Jetzt habe ich den Pilz an allen Nägeln und auf der Fusssohle. Ich muss entsprechende Medikamente einnehmen und verwende einen Nagellack. Ich bin 70 Jahre alt. Gibt es ein natürliches Mittel, das ich unterstützend zur medizinischen Behandlung anwenden kann? U. L., Luzern
Nagelpilze hängen häufig mit dem Darm zusammen. Wenn die Darmflora im Ungleichgewicht ist, kann sich ein Fuss- oder Nagelpilz besser entwickeln. Ich denke deshalb, dass es gut wäre, wenn Sie Ihren Darm aufbauen. Solange dieser im Ungleichgewicht ist, können äusserliche Massnahmen fast nicht greifen. Verdoppeln Sie die Ballaststoffmenge in Ihrer Nahrung.
Essen Sie täglich Rosinen, Nüsse, Samen, Kokosflocken, Weizenkleie, Vollkornprodukte, Gemüse und Hülsenfrüchte. Wir sollten pro Tag rund 30 Gramm Nahrungsfasern einnehmen. Leider liegt dieser Wert bei vielen Menschen weit darunter. Steigern Sie jedoch langsam, damit sich Ihr Darm an die unverdaubaren Fasern gewöhnen kann, sonst kann es sein, dass Sie Blähungen bekommen.
Dann würde ich Ihnen auch vorschlagen, mit Heilerdekapseln zu arbeiten. Sie binden Keime und Pilzsporen an sich und scheiden sie aus. Die Kapseln finden Sie in der Drogerie. Kaufen Sie sich zudem ein Fläschchen Propolis. Das ist ein Harz, das die Bienen produzieren, um die Brut vor Keimen zu schützen. Propolis gibt es im Fachhandel als Tinktur, die Sie äusserlich direkt auf die befallenen Stellen tupfen und gleichzeitig einnehmen können.
Ich hoffe, das bringt Sie weiter! Was die Pülverchen zum Aufbau der Darmflora betrifft: Die sind zwar gut und eignen sich hervorragend als Begleittherapie zur ballaststoffreichen Ernährung und zum Aufbau der Darmflora nach der Einnahme des Antimykotikums. Das Pulver OHNE eine Ernährungsumstellung bringt jedoch wenig.
«
Heilerde und Propolis können unterstützend gegen Pilze wirken.
OMEGA-3-FETTE ERHÖHEN
Jährlich muss ich das Blut untersuchen lassen. Dieses Jahr bat ich die Ärztin, auch die Werte von Omega 3 und 6 analysieren zu lassen. Ich war geschockt, als ich sah, dass der Omega-6-Wert erhöht war, da ich mich sehr gesund ernähre. Das Labor empfiehlt, die Omega-3-Fette zu erhöhen, indem ich zweimal die Woche Thunfisch, Lachs, Makrelen usw. esse, oder ein Fischölpräparat einnehme. Wie sieht es mit gutem Fischöl aus bei den verschmutzten Meeren? Könnten Sie mir ein Produkt empfehlen?
L. B., Winterthur
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es kratzt gehörig am Ego, wenn die Nährstoffwerte des Blutbildes trotz gesunder und abwechslungsreicher Ernährung nicht so sind wie sie sein sollten. Aber bitte bleiben Sie liebevoll mit sich selbst – es ist schlicht ein Ding der Unmöglichkeit, alles richtig zu machen. Es reicht, das Bestmögliche zu tun. Wenn das nicht reicht, dann müssen wir wohl oder übel zu einem Supplement greifen. Dazu sind sie da. Das ideale Verhältnis zwischen den Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sollte 1:1 bis 1:5 sein. Tatsache ist, dass die meisten Leute in der Ernährung ein Verhältnis von 1:20 haben. Das erhöht das Risiko für chronische Entzündungen, Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Immunerkrankungen. Dass das Verhältnis so extrem ist, liegt an der Ernährung. Sonnenblumenöl, der Genuss von Tieren, die mit Kraftfutter grossgezogen wurden und Fertiggerichte aus dem Tiefkühlregal, Chips und Aufbackbrötchen liefern dem Körper Fette die reich an Omega-6-Fettsäuren sind. Durch den Konsum von Weidefleisch und Wildfisch, Olivenöl und frisch zubereiteten Gerichten kann der Omega-6-Spiegel gesenkt werden.
Es gibt im Fachhandel sehr gute Omega-3-Präparate, die so rein wie möglich sind. Algenöl ist okay für Vegis, unterscheidet sich aber betreffend Verunreinigungen des Meerwassers nicht wesentlich, da die Algen im selben Wasser leben wie die Fische. Es gibt als Alternative sehr gute Leinölpräparate, diese Öle werden allerdings nicht ganz so effizient aufgenommen wie das tierische Omega-3-Fett. Ergänzend zum Präparat können Sie Walnüsse geniessen, täglich frisch gemörserte Leinsamen in Ihr Frühstücksmüesli geben, ab und zu qualitativ guten Fisch essen und immer mal wieder zu einem Stück Alpkäse greifen.
GESUNDHEITSTIPP

Rosskastanie –Gegen schwere Beine
Wenn die Temperaturen steigen, dehnen sich die Blutgefässe aus, um den Körper zu kühlen. Deshalb leiden viele Leute, vorwiegend Frauen, in den Sommermonaten an geschwollenen Knöcheln, müden Beinen oder schweren Füssen, was überaus lästig ist. Da sich das Problem beim Sitzen und Stehen verstärkt, sollte man die Beine im Sommer genug bewegen.
So hilft die Rosskastanie: Der Extrakt aus Rosskastaniensamen ist reich an Aescin. Dieser Inhaltstoff wirkt gefässabdichtend und verhindert, dass Lymphflüssigkeit aus den Venen ins Gewebe austritt. Das verringert Schwellungen und belebt die Beine.
Wie anwenden: Kühlende Venensalben auf der Basis von Rosskastanienextrakt entlasten die Beine im Hochsommer. Wer starke Probleme hat, sollte daran denken, im nächsten Jahr bereits im Mai mit einem Rosskastanienpräparat vorzubeugen. Erhältlich als Tabletten oder Tinktur in Apotheken und Drogerien.
Tipps rund um die Beine:
• Beine abends hochlagern.
• Kalte Güsse: Beine nach dem Duschen kalt abspritzen.
• Genug trinken und viel Gemüse essen.
• Bewegung in Form von Nordic-Walking, Wandern, Velofahren, Schwimmen oder Aquafit ist ideal.
• Tragen Sie stützende Kniestrümpfe, wenn Sie lange stehen oder sitzen müssen.
• Haben Sie eine Kneippanlage in Ihrer Nähe? Es ist das Beste, was Sie Ihren Beinen schenken können. shr

Ich, 70 Jahre alt, habe einen noch nie gehabten Fettbauch und möchte gerne mit Naturmitteln und Tee abnehmen.
Die Ernährung haben wir jetzt umgestellt mit Infos von Ernährungsdoc im TV.
S. C., Schwyz
Ich gehe davon aus, dass Sie, seit Sie die Ernährung umgestellt haben, sich an die Ernährungspyramide und die Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung halten. Das heisst: Gemüse und Obst bilden die Grundlage jeder Mahlzeit. Ab 60 ist es zudem wichtig, zu jeder Hauptmahlzeit (Frühstück, Mittagessen und Abendessen) neben Gemüse, Obst und Vollkorngetreide auch Proteine zu essen, damit die Muskulatur kräftig bleibt. Das können Milchprodukte wie Joghurt, Quark und Käse sein, Eier, Fleisch, Fisch, Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Tofu und Fleischersatzprodukte aus Gelberbsen. Die Mahlzeiten sollten ausgewogen sein.
Da wir im Alter schrumpfen, aber leider nicht gleichzeitig abnehmen, verlagert sich mehr Fett rund um den Bauch … Es ist wichtig, dass Sie sich angewöhnen, dass 80 Prozent der Abendmahlzeiten leicht sind. Das heisst, bereiten Sie sich eine Suppe zu oder essen Sie Gemüse mit etwas Fleisch oder Linsen. Machen Sie zwischen den Mahlzeiten drei bis fünf Stunden Pause und versuchen Sie alle drei Mahlzeiten warm zu essen. Morgens zum Beispiel ein gedämpfter Apfel mit einer Vollkornreiswaffel.
Versuchen Sie die Hauptmahlzeit am Mittag zu sich zu nehmen und essen Sie Ihre Nahrung so oft es geht leicht flüssig. Zucker und Alkohol nur in Ausnahmefällen geniessen, zum Beispiel am Wochenende. Unterstützung
bieten sämtliche Gewürze wie Ingwer, Kurkuma, Kardamom, Kreuzkümmel, Koriandersamen, Pfeffer sowie alle frischen Kräuter. Die Gewürze regen den Stoffwechsel an und helfen den Zellen, ihre Aktivität hochzuhalten. Im Ayurveda gilt die Regel: Um ein Grundnahrungsmittel zu verdauen (meist hat es den Geschmack Süss), benötigt der Verdauungsapparat alle anderen Geschmacksrichtungen. Dies erreichen Sie nur, wenn Sie mit Gewürzen arbeiten und am Schluss über das fertige Essen etwas Zitronensaft geben. Das tut nicht nur gut, es befriedigt auch den Gaumen so nachhaltig, dass die Sättigung lange anhält und die Lust auf Süsses abnimmt.
Dieser Gewürztee hilft, den Stoffwechsel sanft anzuregen: 1 Liter Wasser für 5 Minuten kochen und das Wasser danach in eine Thermoskanne füllen. 2 Kardamomkapseln, 2 dünne Scheiben Ingwer, 2 Pfefferkörner, 1 Pimentkorn, 1 Nelke und 1,3 cm langes Stück Zimt zum Wasser geben. 20 Minuten ziehen lassen und im Verlauf von vier Stunden trinken.
« Regelmässige Essenspausen und eine warme, ausgewogene Ernährung bringen den Körper in Balance. »


Andrea Fischbacher
Was Sie darüber wissen sollten: Was sind Orte der Kraft? Gibt es sie? Müssen Sie daran glauben? Blicken Sie mit der Forschungsstelle Kraft- & Kulturorte Schweiz hinter die Kulissen. Erfahren Sie, was bis heute über kraftvolle Plätze und Linien bekannt und erforscht ist. Die erstmalige systematische Zusammenstellung gibt Antworten. Machen Sie sich auch Gedanken über den gesellschaftlichen Umgang mit den Naturphänomenen. Und darüber, wie findige Menschen die verbreitete kollektive Abwehrhaltung umgehen und Geschichten voller Drama und Magie verkaufen. Zu Recht? Reden Sie mit! Zuvor wünschen wir Ihnen gute Lektüre.
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132 Seiten, 14,8 × 21 cm, broschiert, Softcover mit 30 Abbildungen. ISBN 978-3-03818-630-4
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Was uns trägt, wenn Antworten fehlen
Eine Patientin meldet sich bei der SPO: Sie litt über Jahre unter Müdigkeit, geringer Belastbarkeit und häufigen Infekten. Immer wieder wurde sie untersucht, mehrfach auch ihr Herz – ohne Befund. Erst viele Jahre später wurde ein angeborener Vorhofseptumdefekt entdeckt, also ein kleines Loch in der Herzscheidewand, die das Herz in eine rechte und eine linke Hälfte trennt. Der Defekt wurde operativ verschlossen, die Beschwerden besserten sich deutlich. Die Frage, die sie seither beschäftigt: Hätte man das nicht früher erkennen müssen?
Solche Verläufe, bei denen es lange dauert, bis eine Ursache gefunden wird, begegnen uns bei der SPO immer wieder und sind keine Seltenheit. Kleine, angeborene Herzfehler können in Standarduntersuchungen lange verborgen bleiben. Ohne klare medizinische Hinweise, wie in diesem Fall, wird auch nicht gezielt danach gesucht, da weiterführende Untersuchungen aufwendig sind.
Auch wenn die Abklärungen der SPO zeigten, dass das medizinische Vorgehen korrekt war, bleibt für Betroffene oft eine lange Zeit geprägt von Unsicherheit und körperlicher Belastung.
Es braucht Kraft, mit solchen Unsicherheiten zu leben, besonders dann, wenn trotz intensiver Anstrengungen keine Antworten gefunden werden. Resilienz bedeutet hier nicht, alles einfach auszuhalten, sondern dranzubleiben und Vertrauen in den eigenen Körper zu behalten, auch wenn Befunde fehlen.
Fachliche Einordnungen, wie sie unabhängige Patientenorganisationen ermöglichen, helfen, solche Verläufe besser zu verstehen und einzuordnen. Auf Ihrem Weg zur Diagnose oder darüber hinaus.
Susanne Gedamke, Geschäftsführerin SPO
Mehr zur Organisation:
Schweizerische Patientenorganisation SPO spo.ch
Die SPO bietet medizinische und zahnmedizinische Beratungen.
Kostenlose Kurzberatungen (Deutsch) buchen auf: www.spo.libracore.ch/onlinetermin
Für Beratungen auf Französisch, Italienisch oder Englisch kontaktieren Sie uns telefonisch: 044 252 54 22
Meine Schwester, 63 Jahre, hat seit knapp 2 Monaten eine zunehmende Steife und Schwellung in Händen und Füssen, die sie besonders morgens spürt. Mit Mobilisation kommt sie dann immer besser durch den Tag. In den letzten Nächten erwachte sie mit Schmerzen und konnte dann ab ca. 3 Uhr nicht mehr schlafen. Da unsere Mutter mit 60 Jahren an Polyarthritis erkrankt ist, vermuten wir auch bei meiner Schwester eine rheumatische Erkrankung. Die Bluttests waren negativ. Vielleicht hätten Sie ein paar wertvolle Tipps für einen ganzheitlichen Behandlungsansatz? E. D., Brig
Bei steifen Gelenken und Schwellungen geht es darum, das Nieren/Blasen-System des Körpers zu aktivieren und gleichzeitig dem Körper viel Wärme zuzuführen. Es ist wichtig, dass Ihre Schwester von früh bis spät warme Mahlzeiten zu sich nimmt. Eine Frucht zwischendurch oder ein kleiner Salat als Beilage zum Mittagessen sind okay, ansonsten sollte alles gekocht und möglichst frisch zubereitet sein. Ein Porridge, gekochte Apfelstücke oder getoastetes Brot zum Frühstück, eine warme Mittagsmahlzeit und abends eine Suppe oder etwas ähnlich Leichtes wären ideal. Auch was das Trinken betrifft, ist es sinnvoll, warme Getränke zu sich zu nehmen. In diesem Fall: Ingwerwasser (einige Scheiben Ingwer in 1 Liter Wasser 10 Minuten kochen).
Sie soll häufig mit Kreuzkümmel kochen. Ganze Samen kaufen, einen Teelöffel davon im Mörser zerkleinern und dann in Ghee oder Olivenöl etwas anrösten, bevor der ganze Rest in die Pfanne kommt. Kreuzkümmel harmoniert gut mit Chili, Koriandersamen, Safran und Zimt. Mit Kreuzkümmel kann man sogar Wickel machen, indem man die Samen mörsert, mit heissem Wasser eine dicke Paste anrührt und diese auf das schmerzende Gelenk streicht.
In der westlichen Naturheilkunde ist es die Brennnessel, die bei Gelenkschmerzen und Morgensteifigkeit gute Dienste leistet. Gerne täglich drei Tassen davon trinken und allgemein auf eine hohe Trinkmenge achten, damit die Nieren gut durchgespült werden.
Sabine Hurni, Drogistin, Naturheilpraktikerin und Ayurveda-Expertin, beantwortet ihre Fragen zu Gesundheitsund Ernährungsthemen persönlich und ganzheitlich: s.hurni@weberverlag.ch
Bin ich eigentlich schön? Jeder Mensch hat sich wahrscheinlich irgendwann in seinem Leben diese Frage gestellt. Denn nichts steigert unsere Chancen in der Liebe so sehr wie äusserliche Attraktivität. (Jedenfalls bei Frauen. Bei Männern ist statistisch Prestige noch wertsteigernder.)
Wir können uns diese Frage auf zwei Arten beantworten: Durch Vergleich oder durch Liebe. Für den Vergleich steht heute eine ganze Industrie zur Verfügung: Überall in Werbung und Internet finden wir Schönheitsideale, mit deren Perfektion wir uns vergleichen können. Abweichungen vom Ideal sind Makel. Um sie auszumerzen, geht man in Fitnessstudios, Schönheitssalons, zur Diätberatung, Facelifting und vieles mehr. Doch diesen Kampf können wir nie gewinnen. Selbst die Schönsten der Schönen kennen an sich noch «Fehler», die sie nachts nicht schlafen lassen.
Ich finde es erfolgsträchtiger, uns mit den Augen eines Menschen sehen zu lernen, der in uns verliebt ist. Schenken wir ihm Glauben! Denn das können Liebende füreinander tun: Die Schönheit des anderen sehen, wo dieser sie nicht selbst sehen kann. Ja, manchmal erwecken sie diese Schönheit überhaupt erst, die vorher noch schlummerte. Sie wird dann auch für andere sichtbar, wenn wir es glauben und annehmen, uns demnach bewegen und entsprechend von uns denken.
Hören wir nur einmal, was Madschnun, der vor «Liebe Verrückte,» im persischen Epos «Madschnūn Lailā» über seine Liebste sagte: «Ihre Augen glichen denen einer Gazelle – ein einziger Wimpernschlag konnte die Welt in Trümmer legen.» «Ihr Gesicht lässt Blumen erblühen und verleiht ihnen Farbe.»
Lässt sich ein solches Aussehen herbeistylen? Sicher nicht. Wir dürfen davon ausgehen, dass die so beschriebene junge Frau vor der Begegnung mit Madschnun so über sich dachte wie alle jungen Frauen vor dem Spiegel: Nase zu gross oder klein, Busen ebenso, und hoffentlich sieht niemand den hässlichen Pickel.

Doch Schönheit, die zählt, die ans Herz geht, die uns zum Lieben bringt, ist keine, die man mit Zahlen messen kann. Sondern sie ist eine Spiegelung des Innersten, von mir aus der Seele. Eine solche Schönheit braucht Ecken und Kanten. Perfektion und absolute Harmonie im Aussehen sind – wie in der Musik – langweilig und unerotisch.
Platon fand: «Eros ist das Streben nach dem Schönen an sich.» Und Christian Morgenstern sagte: «Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.»
Das gilt auch für uns selbst. Auf Dauer dürfen wir es aber nicht unseren Geliebten überlassen, uns schön zu finden. Wir müssen es schon selbst lernen. Auch damit der Geliebte es nicht vergisst.
«Wenn du in den Spiegel schaust und findest dich nicht schön, dann hast du nicht richtig geschaut», sagte Sufi-Grossmeister Pir Vilayat Khan. Richtig schauen, heisst, mit den Augen der Liebe zu schauen. Das können wir üben.
Also – beim nächsten Mal, wenn uns ein Spiegelbild zum Beispiel in einer Umkleidekabine in Wut oder Scham versetzt – schauen wir noch einmal hin! Wer ist dieser Mensch, wenn er den Stress und die Hektik einmal beiseitelässt?
Schicken wir ihm etwas Liebe! Und schauen wir noch einmal neu hin!
Leila Dregger
Leila Dregger ist Journalistin und Buchautorin. Sie begeistert sich für gemeinschaftliche Lebensformen, lebte u. a. über 18 Jahre in Tamera, Portugal, sowie in anderen Gemeinschaften. Am meisten liebt sie das Thema Heilung von Liebe und Sexualität sowie neue Wege für das Mann- und Frau-Sein.

Die Geschichte der Hexenmedizin ist die Geschichte der Hagazussa, den alten Heilerinnen und Heilern Europas. Sie kannten die Kräfte von Pflanzen und Ritualen und bewegten sich mit ihrer Medizin an der Grenze zwischen der Menschenwelt und jener der Geister. Manche ihrer Mittel konnten heilen, andere berauschen oder sogar töten. Mit ihrem Wissen legten sie den Boden, auf dem heute die Naturheilkunde gedeiht.
Markus Kellenberger
Hexenmedizin! Allein schon das Wort hat eine gewisse magische Kraft und löst bei vielen einen grusligen Schauder gepaart mit einer nach Sensationsgier schmeckenden Neugierde aus. Verrät uns der Autor in diesem Artikel womöglich das Geheimnis der berühmten Flugsalbe, und dazu noch ein brauchbares Rezept? Ja, das könnte er, denn es gibt viele davon, überlieferte, erfundene und solche, die beides sind. Bei einigen davon darf man aufgrund der erwähnten Zutaten tatsächlich eine gewisse Wirkung vermuten, wenn auch nicht die gewünschte, denn bei den meisten Ingredienzien, wie zum Beispiel Biberfett, ist von vornherein klar, dass sie nicht zum fliegen taugen. Andere hingegen haben durchaus das Potenzial, Menschen zumindest einen Seelenflug zu bescheren, denn sie sind hochgradig psychoaktiv – aber teilweise auch hochgiftig, wie der Schierling, die Tollkirsche, das Bilsenkraut oder die Alraune. Eine falsche Dosierung – und der erhoffte Flug endet im Spital oder bei den Ahnen in der Anderswelt.
Genau aus diesem Grund, weil alte Hexenmedizin durchaus gefährlich bis tödlich sein kann, kenne ich niemanden persönlich, der jemals eine nach alten Rezepten hergestellte Flugsalbe ausprobiert hat. Vom Hörensagen hingegen kenne ich diesbezüglich viele fantastische Geschichten – aber das mit den Geschichten ist immer so eine Sache, und die beginnt allein schon bei unserem Hexenbild. Vermutlich hat noch niemand von uns je eine «wahre Hexe» gesehen, und dennoch haben wir alle ein recht konkretes Bild vor Augen, wenn wir uns eine vorstellen. Geprägt von Gemälden und Stichen aus dem Mittelalter, aus Märchen und aus Filmen, die diese Bilder weiter bis in die Gegenwart transportierten, denken wir uns Hexen meistens als alte Frauen mit Hakennase und Warzen, die mit dürren Fingern Hänsels Fleisch prüfen, in dunklen Hütten Zau-
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Hexenmedizin! Allein schon das Wort hat eine gewisse magische Kraft. »
bertränke zubereiten oder mit spitzen Hüten ausgestattet auf Besen reiten. Als Kontrast dazu gibt es aber auch die Hexe als wollüstig-nacktes Weib, das sich an satanischen Sexorgien beteiligt und Männern den Verstand raubt.
Hexenmedizin ist ganzheitliche Heilung Ähnlich gegensätzlich sind unsere Vorstellungen bezüglich der Hexenmedizin. Für die einen ist sie Aberglaube oder Teufelszeug, für andere wiederum eine sagenhafte Wunderkraft, und beides enthält ein Körnchen Wahrheit und hat am Ende mit der Realität doch sehr wenig zu tun. Denn: Hexenmedizin ist nicht allein das Wissen darum, wie man eine Flugsalbe braut, krank machende Dämonen austreibt, einen Liebeszauber herstellt oder Drogen für einen Trip kombiniert. Wolf-Dieter Storl, der ausgewiesene Experte für vorchristliche Bräuche, Rituale und spirituelle Weltvorstellungen, sagt es so: «Wahre Hexenmedizin bedeutet Heilwerden, die Wiederherstellung des Wunders und der Magie in der inneren und äusseren Natur. Sie ist die Wie-

Die Tollkirsche, auch Belladonna genannt, ist eine klassische Hexenpflanze.
derbevölkerung der Wiesen und Wälder und Seen mit dem lustigen, bunten Elfenvolk, den Naturgeistern Pans und mit strahlenden Engeln. Hexenmedizin ist die Fähigkeit, sich an ihnen zu freuen und ihre heilenden Gesänge, Worte und Hinweise aufnehmen zu können.» Und um das zu können, meint er, müssten wir bereit sein, die Mauern um unsere Häuser und Siedlungen niederzureissen, um an deren Stelle wieder dornige Hecken zu pflanzen. Denn dort, in diesen Hecken, liegt der Ursprung der wahren Hexen und ihrer magischen Medizin.
Die ersten Bäuerinnen und Bauern in Europa schlugen in die alles überdeckenden wilden und dichten Wälder grosse Lichtungen. In diesen Lichtungen bauten sie ihre Hütten, legten sie ihre Felder an und hüteten sie das wenige Vieh. Zwischen Siedlung und Wald liessen diese Menschen dichte Dornenhecken wachsen, als Schutz gegen alles, was sie aus den dunklen Waldungen heraus bedrohte: wilde Tiere, gefährliche Dämonen und Geister. Und ganz in der Tradition der Schamaninnen, die bei jagenden und sammelnden Völkern die Verbindung zwischen der Menschen–und der «Anderswelt» herstellen, übernahmen die Hagazussa, die «Heckenreiterinnen» die Aufgabe, zwischen den Menschen und den Waldwesen und Waldgeister zu vermitteln. Und auch die Hagazussa kannten aus Überlieferung und Erfahrung die Wirkkraft der vielen unterschiedlichen Pflanzen, die in Hecken und angrenzend im Wald wuchsen. Die Hagazussa waren für Germanen und Kelten weise Frauen und auch Männer, die über die Geistwesen und über die Kraft der Heilpflanzen Bescheid wussten.
Der Ursprung der Hexenmedizin
In der Vorstellungswelt unserer Vorfahren gab es noch keine Bakterien und Viren, die Krankheiten verursachen können. Unerklärliche Fieber, Ausschläge oder Geschwüre wurden aus ihrer Sicht von bösen Geistern verursacht –und mussten mit entsprechenden Mitteln auch behandelt, respektive «ausgetrieben» werden. Empirisch wussten die weisen Frauen und Männer, welche Pflanzen in welcher Form gegen Fieber oder Geschwüre halfen. Sie dachten dabei aber nicht in Kategorien wie «Wirkstoffe», sondern gingen davon aus, dass der einer Heilpflanze innewohnende Geist im Körper eines Befallenen gegen die krank machenden Geister kämpft. Aus diesem Grund war es äusserst wichtig, den Pflanzengeist mit passenden Ritualen, Gesängen und Beschwörungen zu unterstützen. Bei dieser Arbeit waren die Heilerinnen und Heiler alles andere als zimperlich, und deshalb kamen auch Pflanzen zum Einsatz, die psychoaktiv waren und deren Gift sehr wohl Krankheiten austreiben, bei falscher Dosierung den Patienten aber auch intensive Halluzinationen bescheren oder das Leben kosten konnten. Das ist der Ursprung der wahren Hexenmedizin.
Bis in das Jahr 1000 hinein war das Wort «Hagazussa» im Althochdeutschen als Bezeichnung für heilkundige Menschen gebräuchlich. Doch Sprache verändert sich. Hagazussa wurde zu Hagzus abgekürzt, und daraus wurde durch weitere Abschleifungen in der Aussprache und mit der Verschmelzung von Silben schliesslich Hecse oder Hexse gemacht – und voilà, im 13. Jahrhundert war das
Wort Hexe weitgehend etabliert und besteht bis heute, ebenso wie viele der Vorurteile, die dank der ab dem 15. Jahrhundert einsetzenden Verteufelung von Hexen bis heute überlebt haben (siehe «Eine kurze Geschichte der Inquisition»).
Zwischen Verteufelung und Verklärung
So bestehen bis heute Vorurteile gegen Pflanzen, die von den alten Hexen mit grossem Selbstverständnis verwendet wurden. Diese Dämonisierung begann im Zuge der fortlaufenden Christianisierung in Europa schon lange vor der eigentlichen Hexenverfolgung. So war die im 11. Jahrhundert lebende Ikone der heutigen Pflanzenheilkunde, die Äbtissin Hildegard von Bingen, fest davon überzeugt, dass einige der von Hexen verwendeten Heilpflanzen nur dort wachsen konnten, wo der Teufel seine Finger im Spiel hatte. Der Fliegenpilz ist ein gutes Beispiel dafür. Er gilt als giftig und gefährlich, wird aber richtig dosiert bis heute bei verschiedenen Naturvölkern von Schamaninnen und Schamanen als Mittel zum Seelenflug und zur Ekstase genutzt. In einigen alten Rezepten wird er denn auch als Bestandteil der eingangs erwähnten «Flugsalbe» genannt. Andere Pflanzen mit halluzinogener bis hin zu hochgiftiger Wirkung sind die unterschiedlichsten Nachtschattengewächse, die in der traditionellen Hexenmedizin eine wichtige Rolle spielen, dazu gehören Binsenkraut, Tollkirsche, Alraune und Stechapfel (siehe Box «Hexenkräuter und Zaubermittel»).
Wo immer es eine Verteufelung gibt, passiert auch das Gegenteil davon, im Falle der Hexenmedizin in Form einer romantisierenden Verklärung. Doch die Hagazussa waren nicht einfach nur «gute» oder «liebe» Frauen. Von ihnen hing das körperliche und seelische Überleben ihrer Gemeinschaft ab, und der tägliche Kampf gegen böse Geister, die Menschen und ihr Vieh befallen können, war ihre Hauptaufgabe. Und um die bewältigen zu können, wählten sie die aus ihrer Sicht nötigen Mittel aus der Natur und die dazu gehörenden Rituale. Einige davon würden wir heute kaum überleben.
Zum Glück aber hat sich die Hexenmedizin mit der Zeit und mit uns gewandelt, und so sind wir in unserem Alltag von ihr umgeben, ohne sie direkt als das wahrzunehmen. Ohne das Wissen der Hexen gäbe es Phytotherapie, Spagyrik oder Homöopathie wohl kaum. Der wahre Erbe der Hexenmedizin ist heute die Naturheilkunde mit all ihren Aspekten. Sie mag sich zwar nicht mehr so spektakulär mit Flugsalben beschäftigen, aber trotz Aufklärung, Laborbefunden und chemischen Analysen arbeitet sie im Kern ihres Wesens noch immer mit derselben Urkraft, die auch schon die Hagazussa nutzten: die heilende Verbindung zwischen unserer Welt – und jener der Geister. •
Buchtipp & Hilfreiche Website
Storl, Rätsch, Müller-Ebeling: «Hexenmedizin – die Wiederentdeckung einer verbotenen Heilkunst», AT Verlag, 2011
Hexenmuseum Schweiz, Gränichen: www.hexenmuseum.ch
Hexenkräuter und Zaubermittel
Ursprünglich kümmerte sich die Hexenmedizin um die zwei grossen Bereiche Sexualität (vom Liebeszauber über Abtreibungen bis zur Geburt und Sterbehilfe) und die Austreibung von krank machenden Dämonen. Entsprechend wurden für die gewünschten Behandlungen stark wirkende Pflanzen verwendet, die je nach Dosis berauschend und Halluzinationen auslösend oder giftig und auch tödlich wirken. Nachtschattengewächse wie das Bilsenkraut, die Tollkirsche (auch bekannt als Belladonna), der Stechapfel oder die Alraune erfüllten diese Bedingungen und wurden bereits in vorchristlicher Zeit von pflanzenkundigen Frauen und Männern für Heilungen, Zaubermittel und Rituale verwendet.
Diese Hexenpflanzen wurden aber nicht nur als Aphrodisiakum, als Heil-, Abtreibungs- oder Wehenmittel angewendet: auch dem Bier wurden oft Bilsenkrautsamen oder Stechapfel zugegeben, weil das den Rausch bis hin zu halluzinogenen Zuständen verstärkte. Mit der Einführung des deutschen Reinheitsgebots für Bier im Jahr 1516 wurde das jedoch verboten.
Giftpflanzen in der Naturheilkunde
Bilsenkraut, Tollkirsche und Stechapfel haben als «hexisch» verschriene Pflanzen die Inquisition überlebt und werden bis heute medizinisch verwendet. In der Naturheilkunde gibt es heute zahlreiche Mittel aus Nachtschattengewächsen in spagyrischer und homöopathischer Form. Das Schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) kommt bei Unruhe, Magenkrämpfen und nervösen Herzbeschwerden zum Einsatz und ist Bestandteil von Narbensalben. Die Tollkirsche wiederum ist ein Mittel gegen Entzündungen, und wird bei Mittelohr- und Halsentzündungen und bei Fieber angewendet, der Stechapfel (Datura stramonium) wird bei krampfhaftem Husten und Schlafstörungen und die Alraune bei Migräne und Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Wichtig zu wissen: Selbstverständlich kann man all diese Pflanzen sammeln, und es gibt auch überlieferte und sogar auf den Esoterik-Markt ausgerichtete neuzeitliche Rezepturen zur Herstellung von Hexenmedizin mit überlieferten Ingredienzen. Aber: von deren Anwendung – insbesondere als Frischpflanze, Rohdroge oder Tee – ist dennoch abzuraten. Bereits in kleinen Mengen falsch dosiert sind Nachtschattengewächse hochgiftig.

der
Am Anfang der Inquisition standen nicht Hexen und Hexer im Fokus, sondern Menschen, die ihr Christentum nicht nach den Regeln der Kirche leben wollten. Erst mit dem Buch «Hexenhammer» nahm die gnadenlose Jagd auf vermeintliche Hexen richtig Fahrt auf. Beendet wurde die Hexenverfolgung erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts, die Inquisition selbst lebt bis heute fort.
Markus Kellenberger
Die mittelalterliche Inquisition entstand nicht aus dem Nichts, sondern aus einem tiefgreifenden Wandel innerhalb der europäischen Gesellschaft. Neue Glaubensgruppen wie die Katharer oder Waldenser gefährdeten den alleinigen Machtanspruch der Kirche des Heiligen Römischen Reiches, und so entschloss sich Papst Gregor IX. im Jahr 1231, diesem Treiben mit der Einführung der Inquisition ein Ende zu setzen. Die Inquisition sollte diese Entwicklung stoppen, indem sie die Verfolgung von sogenannten Ketzern und Häretikern, also Menschen, die von den Glaubenssätzen der römischen Kirche abwichen oder an ihnen zweifelten, zur Pflicht machte. Wobei: Hier ging es letztlich weniger um Glaubensfragen, als um die gnadenlose Durchsetzung eines reinen Machtanspruchs.
Die eigentliche Hexenverfolgung begann jedoch erst später gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Bis dahin galt der Glaube an Hexen oder deren Tätigkeiten eher als ein zu vernachlässigender Aberglaube. Der entscheidende Wendepunkt lag in einem theologischen Umdenken: Basierend auf Schriften von Kirchenlehrern wie Thomas von Aquin wurde die Hexerei nun nicht mehr als irrige Vorstellung, sondern als bewusste Abkehr von Gott interpretiert. Im Zentrum stand dabei die Idee eines Paktes mit dem Teufel. Wer zauberte, so die neue Lehre, tat dies nicht aus eigener Kraft, sondern im Bündnis mit dämonischen Mächten, und fiel nun ebenfalls in den Zuständigkeitsbereich der Inquisition.
Tödlicher Bestseller aus dem Mittelalter
Diese Entwicklung wurde durch mehrere Faktoren verstärkt. Eine wichtige Rolle spielte die päpstliche Bulle von 1484, die die Verfolgung von Hexen ausdrücklich legitimierte. Und hier wird es interessant: Den Text für diese Bulle schrieb nicht etwa der zuständige Papst Innozenz
«
Hexen und Hexer wurden zu Projektionsflächen für Angst, Unsicherheit und Leid. »
VIII., sondern der Inquisitor und Dominikanermönch Heinrich Kramer, der drei Jahre später als Autor des sogenannten «Hexenhammer» (Malleum Maleficarum) traurige Berühmtheit erlangte. In diesem Werk, das dank des neu erfundenen Buchdruckes innert kurzer Zeit in ganz Europa verbreitet werden konnte, lebte der Mann seine –man kann es nicht anders sagen – perversen Fantasien aus, die sich vornehmlich auf Frauen bezogen. Ein Grund dafür dürfte sein, dass in dieser Zeit die Zölibatspflicht, also die absolute sexuelle Enthaltsamkeit für alle geweihten Mitglieder der Kirche, festgeschrieben wurde. Kein Wunder, schlummerte deshalb aus Kramers Sicht in jeder Frau der Kern des Bösen, die Macht der Verführung, und der Wille, sich jederzeit mit dem Teufel zu paaren.
Das Buch wurde quasi zum ersten Bestseller. Es bediente nicht nur die Sensationslust der Leserschaft, sondern lieferte auch gleich die Gründe für Missernten, Krankheiten und Seuchen wie die Pest und für gesellschaftliche und militärische Konflikte. An allem waren laut Kramer

die Hexen schuld, und sein Buch wirkte in der Folge wie ein Brandbeschleuniger, denn überall in Europa suchten die Menschen nach Sündenböcken für ihre Schicksalsschläge – und nun fanden sie sie. Hexen und Hexer wurden zu Projektionsflächen für Angst, Unsicherheit und Leid.
Die Schweiz als Hotspot der Hexenverfolgung
Innerhalb Europas nahm die Schweiz dabei eine besondere Rolle ein. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl gehörte sie zu den Regionen mit der intensivsten Hexenverfolgung. Besonders stark betroffen war das Waadtland, das Wallis, Luzern und das Freiburger Land, wo im Laufe der Inquisition schätzungsweise 2000 Frauen und Männer hingerichtet wurden. Die Gründe für diese Intensität liegen vor allem in der politischen Struktur der damaligen Schweiz. Die Macht war stark dezentral organisiert. Es gab keine zentrale Instanz, die Verfahren einheitlich regelte oder eingrenzte. Lokale Behörden konnten weitgehend eigenständig urteilen, was zu grossen Unterschieden, aber auch zu einer hohen Willkür führte. Hinzu kamen konfessionelle Spannungen nach der Reformation: Sowohl katholische als auch reformierte Gebiete versuchten, ihre religiöse Reinheit zu demonstrieren, indem sie besonders streng gegen vermeintliches «Übel» vorgingen.
Die Inquisition wurde nie beendet
Auch die Bevölkerung selbst spielte eine wichtige Rolle. In Zeiten von Krisen übten Dorfgemeinschaften oft erheblichen Druck auf die Behörden aus, gegen vermeintliche Verursacher von Unglück vorzugehen. Die Hexenverfolgung war daher nicht nur ein von oben gesteuertes Phänomen, sondern auch Ausdruck kollektiver Ängste
und sozialer Spannungen. Ein besonders spätes Beispiel ist der Fall Anna Göldi, die 1782 wegen Hexerei in Glarus hingerichtet wurde. Ihr Prozess gilt als einer der letzten offiziell geführten Hexenprozesse in Europa und zeigt, wie lange sich diese Denkweisen halten konnten. Die Hexenverfolgung wurde also beendet, die Inquisition als Institution hingegen nicht. Sie wurde von der katholischen Kirche nur umbenannt, zuletzt im Jahr 2022 von Papst Franziskus. Seither heisst sie «Dikasterium für die Glaubenslehre». Offiziell verfolgt die moderne Inquisition keine Hexen mehr, aber ihre Kernaufgaben sind seit ihrer Gründung vor knapp 800 Jahren die selben geblieben: die Förderung und der Schutz des richtigen Glaubens, und die Korrektur falscher Lehren.
Es gibt immer wieder neue «Hexen»
Die Frage nach der Zahl der Opfer der Hexenverfolgung wurde lange Zeit stark übertrieben. Während frühere Schätzungen von Millionen sprachen, geht die heutige Forschung von deutlich niedrigeren, aber dennoch erschütternden Zahlen aus. Insgesamt wurden in Europa bis zu 60 000 Menschen (davon drei Viertel Frauen) wegen Hexerei verurteilt und hingerichtet. Diese Zahlen machen deutlich: Die Hexenverfolgung war kein randständiges Phänomen, sondern ein tief in der Gesellschaft verankertes System von Angst, Kontrolle und Deutung. Sie zeigt, wie religiöse Vorstellungen, politische Interessen und soziale Krisen ineinandergreifen können – mit fatalen Folgen für die Betroffenen. Ein Mechanismus, der auch heute noch funktioniert, wenn auch aus anderen Gründen. Der wieder erstarkende Antisemitismus ist ein Beispiel dafür. •


Andrea Fischbacher
Der vierte Band der Sonntagswanderungen führt Sie an die kraftvollsten und schönsten Plätze im Engadin mit seiner einzigartigen Natur und Kultur. Die Religionswissenschafterin und Kulturortexpertin Dr. Andrea Fischbacher erschliesst weitere Kraftwege und -orte, wiederum mit exakten Angaben zu den Kraftplätzen. Folgen Sie ihr ins Engadin, von Maloja bis Zernez, immer auch unter Einbezug der jeweiligen Talzugänge. Lassen Sie sich inspirieren und geniessen Sie die wunderbaren Kräfte.
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Der Frühling steht vor der Tür, es wird wärmer draussen, die ersten Knospen beginnen zu blühen und überall wird es grün. Warum nicht etwas von diesem Grün zu sich in die Küche holen? Küchenkräuter sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern wahre Alleskönner. Sie sind voller wertvoller Inhaltsstoffe, fungieren als schmackhafte Begleiter von Gerichten, teilweise als Arzneimittel und sind mit der richtigen Anleitung einfach in Anbau und Pflege.
Julia Zimmermann
Küchenkräuter, egal ob frisch, getrocknet, gerieben oder geschnitten bereichern jede Küche. In der Schweiz wurden Kräuter und Heilpflanzen ursprünglich als Wildpflanzen gesammelt oder, wenn sie in grösseren Mengen benötigt wurden, aus dem Ausland importiert. Der Anbau wurde erst in den 1980er–Jahren populär, als Ricola damit warb, für ihren Kräuterzucker ausschliesslich in der Schweiz gezogene Pflanzen zu verwenden.
Heute gibt es Bauernhöfe mit Hofläden, die sich auf Kräuter spezialisiert haben und diese entweder in getrockneter Form oder direkt im Topf im grossen Stil verkaufen. Auch viele Gärtnereien bieten Kräuter an, diese dann jedoch vermehrt im Samentütchen oder als Setzling, sodass man die Kräuter von Grund auf zu Hause ziehen kann. Zieht man die Küchenkräuter selbst, so muss man auf einige Dinge achten, damit sich die Kräuter in der Küche oder auf dem Balkon auch so richtig wohlfühlen. Dazu gehören der richtige Aussaatzeitpunkt, die Verwendung von guter Erde oder Humus, Nachbarpflanzen, mit denen sie sich vertragen, das regelmässige Giessen und der richtige Standort. Damit es mit dem eigenen Kräutergarten auch klappt, haben wir für euch eine kleine Auswahl von bekannten, fast vergessenen und solchen Kräutern, denen man ganz besondere Kräfte nachsagt, zusammengestellt sowie Tipps, wie sie am besten gedeihen.
Schnittlauch und Petersilie: die Klassiker Schnittlauch und Petersilie gehören zu den bekanntesten und bedeutendsten Küchenkräutern der Schweiz. Beide sind nicht sehr anspruchsvoll, fühlen sich aber im hellen Halbschatten und nährstoffreicher Erde am wohlsten.
Petersilie wie Schnittlauch sollte man vorwiegend frisch verwenden und sie verfeinern wunderbar Salate und Suppen. Petersilie eignet sich auch für Fleischgerichte, in Kombination mit Kartoffeln und Karotten sowie in Gratins. Aus Petersilie lassen sich sogar ein Smoothie und Pesto herstellen, diese enthalten dann besonders viel Vitamin C. Verwendet werden von der Petersilie Stängel und Blätter, sie können je nach Sorte kraus oder glatt sein. Beim Schnittlauch kann man auch die Blüten verwenden, sie verschönern Gerichte als essbare Deko. Schnittlauch enthält viele Vitamine und Ballaststoffe, die die Darmtätigkeit anregen. Bis man von den beiden Kräutern kosten kann, braucht es zwar wenig Aufwand, aber etwas Geduld. Schnittlauch keimt nur bei Temperaturen unter 18 Grad, Petersilie bei etwa 25 Grad. Beide haben eine Keimdauer von etwa vier Wochen, die Aussaat kann danach ab etwa Mitte April begonnen werden und ab dem späten Frühjahr kann man die ersten Kräuter ernten.
« Selbst gezogene Kräuter brauchen den richtigen Standort und Pflege. »
Thymian und Rosmarin:
ein unschlagbares Duo
Hierzulande ebenfalls sehr bekannt und in der Küche besonders beliebt sind Thymian und Rosmarin. Beide bevorzugen sonnige Standorte und kommen mit wenig Wasser aus, der Boden darf auch etwas steinig sein, sollte jedoch niemals Staunässe produzieren. Pflanzt man die Kräuter in einen Topf, sollte dieser dementsprechend über ein Loch im Topfboden verfügen, damit das Giess- oder Regenwasser gut abfliessen kann. Pflanzen und ernten kann man die beiden Pflanzen ganzjährig, im Winter müssen sie aber gut geschützt sein, denn sie sind nicht frosthart. Ihr Aroma ist im Winter weniger intensiv als im Sommer, sie sind aber in der Küche universell einsetzbar. Rosmarin eignet sich sogar zum Verfeinern von Desserts und beiden wird als Tee schleimlösende Wirkung bei Erkältungen zugeschrieben.
Ysop: vergessener Alleskönner Besser bekannt unter dem Namen Eisenkraut gleicht der Geschmack von Ysop dem von Salbei und Thymian. Die etwas bitteren Blätter eignen sich ausgezeichnet zum Würzen und sind universal in der Küche einsetzbar. Ysop ist auch beliebt als Heilpflanze, seine Inhaltsstoffe haben eine sekretlösende, antivirale und entzündungshemmende Wirkung. Die Samen kann man ab April mit Anzuchterde auf der Fensterbank aussäen, wobei sie nur etwa mit einem halben Zentimeter Erde bedeckt sein sollten. Nach dem Keimen kann man die Setzlinge pikieren und etwa im Mai in ein Beet auspflanzen. Ysop ist sehr pflegeleicht und gedeiht auch auf trockenerem Boden, zudem ist er relativ frosttolerant und dank seiner ätherischen Öle und dem sehr intensiven Duft resistent gegen Schädlinge und Krankheiten.
Bohnenkraut: nomen est omen
Hier ist der Name Programm, wobei das Bohnenkraut aber nicht etwa zur Gattung der Bohnengewächse gehört, in der Küche jedoch ausgezeichnet mit selbigen sowie Hülsenfrüchten aller Art harmoniert. Der starke, würzige Geschmack passt zudem zu Fleisch, Fisch und eignet sich für Saucen und Marinaden und sollte, sofern frisch verwendet, mitgekocht werden. Die Samen brauchen viel Sonne zum Wachsen und etwa 20 cm Abstand zueinander. Bohnenkraut bevorzugt dementsprechend warme und helle aber eher karge Standorte, Staunässe und zu lehmiger Boden können das Wachstum hemmen. Es kann helfen, der Erde etwas Sand zuzugeben, dieser sollte jedoch nie überwiegen.
Estragon: das Anti-Drachenkraut
In Ägypten als Heilmittel gegen Drachenfeuer und -bisse bekannt, ist er heute bei unseren französischen Nachbar*innen aus der Haute Cuisine kaum mehr wegzudenken. Sein feines, mild-süssliches Aroma erinnert an Anis und begleitet insbesondere vegetarische Gerichte und Salate hervorragend, gedünstet in Butter und mit Salz und Pfeffer kann Estragon auch als Gemüse serviert werden. Als Küchenkraut ist er in einem einzelnen Topf am Fenster am wohlsten, denn er mag feuchten Boden und viel Sonne,

Lavendel mag sonnige Standorte besonders.
gerade Russischer Estragon ist aber darüber hinaus nicht sehr anspruchsvoll und mehrjährig, man sollte einzig darauf achten, dass er keinem Frost ausgesetzt ist. Auspflanzen kann man Estragon ab Mai und dann die gesamte Wuchsdauer über bis Ende Sommer die zarten grünen Blätter der Triebspitzen ernten.
Kerbel: pflegeleichter Begleiter
Der Anbau von Kerbel gelingt auch Anfängern, da er weder wählerisch beim Standort noch dem Aussaatzeitpunkt und zudem resistent gegen Frost ist. Pflanzt man Kerbel zeitversetzt, hat man von Frühjahr bis Ende Sommer fortlaufend Kerbel. Die Samen müssen zum Keimen nur mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt werden, sollten aber regelmässig gegossen werden, genau wie der Kerbel später. Kerbel ist ein natürlicher Geschmacksverstärker und eignet sich bestens zum Würzen und zum Verfeinern von Eierspeisen, verwenden kann man Blätter und Samen.
Minze und Lavendel: die Dessertkräuter
Im Kräutergarten nicht fehlen dürfen die Kräuter, die unseren Desserts das gewisse Extra verleihen. Minze und Lavendel eignen sich dafür besonders gut. Minze ist äusserst pflegeleicht und gedeiht am besten unter sonnigen bis halbschattigen Bedingungen. Fühlt sie sich wohl, kann sie sich rasant ausbreiten und sollte daher eher alleine stehen, um andere Kräuter nicht zu verdrängen. Die Samen der Minze gedeihen am besten im Frühjahr und mit viel Licht und Wasser, weshalb sie bis zum Keimen nicht mit Erde bedeckt werden sollten. Auch Lavendel mag Standorte mit viel Sonneneinstrahlung, jedoch im Gegensatz zur Minze eher nährstoffarmen, trockenen Boden.

Haltbarmachung
Ist das Anlegen des Kräutergartens und die Ernte erfolgreich, so ist es vielleicht nicht immer möglich, die Küchenkräuter sofort zu verwenden. Deshalb empfiehlt es sich, überschüssige Kräuter zu trocknen und in einem luftdicht verschlossenen Gefäss aufzubewahren, sodass man noch länger Freude daran hat. Man muss sich jedoch gut darüber informieren, welche Kräuter getrocknet noch schmecken, denn es gibt einige, die beim Trocknungsprozess ihr Aroma verlieren.
Viel Spass beim Kräuterpflanzen! •


Der Juni steht ganz im Zeichen der Sonne. Am 21. des Monats ist nicht nur kalendarischer Sommeranfang, sondern auch Sommersonnenwende, der längste Tag des Jahres. Die Sonnenstunden sorgen bei Obst und Gemüse für einen intensiven Geschmack. Und auch der eigene Garten wird zu einer Oase des Genusses, denn Kirschen, Tomaten und unterschiedliche Kräuter können nun geerntet werden. Wir geben Ihnen Inspiration zum anschliessenden Verzehr.
Sophie Souvignier
Auch in dieser Ausgabe nehmen wir Sie in unserer Reihe «Regional und Saisonal Essen» auf eine kulinarische Entdeckungsreise durch die Schweiz mit. Neben einer besseren Ökobilanz bringt die saisonale Ernährung auch mehr Abwechslung in die Ernährung, wodurch mehr Vitamine, Mineralien und andere Nährstoffe aufgenommen werden. Ausserdem erlebt man die geschmackliche Vielfalt der Schweiz und gewinnt neue Aromen in der Küche. Das regionale Kochen gelingt ganz einfach, wenn man einen Wochenmarkt oder einen Hofladen besucht. Hier unterstützt der Einkauf zusätzlich direkt regionale Landwirt*innen und Hersteller*innen.
Der Sommer ist da
Im Juni bieten die Obst- und Gemüsestände eine breite Auswahl regionaler Produkte, die eine grosse Vielfalt ermöglichen. Wussten Sie zum Beispiel, dass Sie die Blätter des Kohlrabis wie Spinat zubereiten können? Auch ansonsten ist die Knolle ein vitaminreicher Alleskönner, der sowohl gekocht als auch roh genossen werden kann. Auch der Fenchel, der im heutigen Hauptgericht verwendet wird, ist ein Blütengemüse, das nur so vor Vitamin A, B und C strotzt und auch als Heilpflanze sehr beliebt ist. Der Sommer ist die perfekte Jahreszeit für regionale und saisonale Kost, denn nichts übertrifft Kräuter, Obst und Gemüse aus dem eigenen Anbau. Selbst auf dem kleinsten Balkon wachsen Kräuter wie Petersilie, Basilikum und Dill. Diese geben jedem Gericht eine besondere Geschmacksnote und können ganz einfach Farbe und
Kreativität in die eigene Küche bringen. Neben den besonderen Aromen enthalten Kräuter Vitamine und Ballaststoffe und viele können zudem in der Naturheilkunde eingesetzt werden. Das Beste: Kräuter im eigenen Anbau sollten regelmässig geerntet werden, um ein buschiges Wachstum zu fördern, ein häufiger Nutzen in der Küche ist also von Vorteil. Die Schweiz ist mit ihren Flüssen und Seen ein Paradies für Angler*innen und Köch*innen, und neben Fischen aus dem Bodensee können natürlich auch frische Fänge aus den Gewässern Ihrer Region gewählt werden.
Rote Wunderfrüchte
Rot ist die Farbe des Sommers, nicht zuletzt, weil er die Zeit von Kirschen, Tomaten und anderen Beeren ist. Die kleinen, runden Steinfrüchte locken ab Juni von den Bäumen mit ihren kräftigen Farben und viel Folsäure, Vitamin C sowie Eisen, Magnesium, Kalzium und Kalium. Der süsse Energielieferant bringt viel Geschmack in Desserts, aber Vorsicht bei der Ernte: Kirschen reifen nicht nach und sollten schnellstmöglich verzehrt werden. Hier sorgt Regionalität für einen klaren Vorteil, vor allem wenn der Kirschbaum im eigenen Garten steht. Ein weiterer roter Star des Sommers ist die Tomate. Die Beere ist eines der beliebtesten Gemüse der Schweiz und liebt Wärme, sie sollte daher nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden. In unserer Version der Tomatensuppe ist sie der Geschmacksstar, der mit Provitamin A, Vitamin B und C zudem wichtige Nährstoffe in unsere heutigen Rezeptvorschläge bringt.

Zubereitung
Die Tomaten gut waschen und auf ein rundes Kuchenblech geben. Honig, Salz und Olivenöl zugeben.
Die Thymianzweige darübergeben und dann das Blech für 10 –12 Minuten auf den Grill stellen. Falls möglich, am besten den Grill zudecken.
Die Tomaten sind gut, wenn sie leicht aufgeplatzt sind und ihr süsslicher Saft sich mit dem Öl und dem Honig vermischt, dazu können die Tomaten von Zeit zu Zeit mit einem Löffel vorsichtig umgerührt werden.
Das Blech vom Grill nehmen und die Tomaten auf eine grosse Platte oder in einer breiten Schüssel anrichten, mit Basilikum, Fleur de sel und dem frischen Ricotta garnieren und geniessen, solange die Tomaten noch lauwarm sind.

Rezept
TSCHANZ KOCHT! FÜR FREUNDE
Autor: Adrian Tschanz
240 Seiten, 225 mm x 265 mm
ISBN 978-3-03818-085-2
CHF 59.–
Zutaten
640 g bunte, kleine Cherrytomaten
4 EL flüssiger Honig
2 TL Salz
1 EL Fleur de sel
4 EL Olivenöl
250 g Ricotta, frisch
1 Zweig Thymian
1 Zweig Basilikum

Zubereitung
Fischfilets entgräten. Knoblauch und Zwiebel fein hacken, Lauch und Fenchel in feine Streifen und die Tomaten in kleine Würfel schneiden. Zwiebel und Knoblauch im Olivenöl andünsten, Fenchel und Lauch beigeben und weiterdünsten.
Das Ganze mit Weisswein ablöschen, mit Fischfond auffüllen und leicht einköcheln lassen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Tomaten beigeben. Fischfilets in der Suppe ziehen lassen bis sie gar sind. Zum Schluss wenig Safran der Suppe beigeben.
40 g Bodenseefischfilets (Felche, Hecht, Trüsche, Aal, Wels usw.)
1 Knoblauchzehe
1 kleine Zwiebel
50 g Lauch
50 g Fenchel
100 g Tomaten
600 ml Fischfond Salz und Pfeffer
Safran
100 ml trockener Weisswein
50 ml Olivenöl

Zubereitung
Für die Schokoladencreme Rahm aufkochen und über die Kuvertüre giessen. Mit einem Stabmixer gut durchmixen, in den Gläsern verteilen und für mindestens 2–3 Stunden abkühlen lassen.
Etwas Kirschensaft mit der Speisestärke verrühren. Den restlichen Saft gemeinsam mit dem Zucker in den Topf geben und leicht erhitzen. Die Speisestärke einrühren und eine Minute köcheln lassen. Vom Herd nehmen und die Kirschen zugeben. Zurück auf den Herd stellen und eine weitere Minute köcheln lassen, danach auskühlen.
Die Kirschen über die Schokoladencreme verteilen und kalt servieren.

Rezept
ALPE-CHUCHI ZENTRALSCHWEIZ
Autorin: Anna Husar
240 Seiten, 160 mm x 230 mm
ISBN 978-3-03818-204-7
CHF 39.–
Zutaten
für 4 Portionen
500 ml Vollrahm
200 g Felchlin Kuvertüre, Maracaibo 65%
150 ml Kirschensaft
35 g Zucker
1 TL Speisestärke
250 g Kirschen, entsteint

Die Verbindung von gesunder Erde, nährstoffreichen Pflanzen und menschlichem Wohlbefinden wird heute neu gedacht. Das Konzept «Farm to Face» steht für eine transparente, nachhaltige Herkunft von Wirkstoffen – direkt vom Feld auf die Haut. Ein herausragendes Beispiel für diesen Ansatz ist OliPhenolia, entwickelt von der Fattoria La Vialla in der Toskana.
Seit Jahrhunderten gilt die Olive als Symbol für Vitalität und natürliche Schönheit. Besonders ihre Polyphenole – sekundäre Pflanzenstoffe mit hoher biologischer Aktivität – sind in den Fokus der Forschung gerückt. So entstand OliPhenolia: ein innovatives Konzept, das die Inhaltsstoffe der Olive sowohl für die innere als auch für die äussere Anwendung nutzbar macht. Bei der Kaltpressung von Oliven entsteht neben Olivenöl auch Vegetationswasser – ein Nebenprodukt, das reich an wasserlöslichen Polyphenolen ist. In einem schonenden Verfahren wird daraus ein hochkonzentrierter Extrakt gewonnen: OliPhenolia®, ein natürlicher Phytokomplex mit bioverfügbaren Olivenpolyphenolen. Der Extrakt bildet das Herzstück der OliPhenolia-Produkte und steht für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen: Was früher ungenutzt blieb, wird zu einem wertvollen Wirkstoff.
Biodynamische Nahrungsergänzung
Die flüssigen OliPhenolia-Nahrungsergänzungsmittel werden aus frischen biodynamischen Oliven und Olivenblättern hergestellt – ohne Hitze oder chemische Lösungs-
mittel. Mit ihrem hohen Gehalt an Polyphenolen unterstützen sie den Körper im Kampf gegen oxidativen Stress und tragen zum allgemeinen Wohlbefinden bei.
Demeter-zertifizierte Kosmetik
Parallel dazu wurde eine Demeter-zertifizierte Kosmetiklinie entwickelt, die denselben Wirkstoffkomplex nutzt. Die Produkte bestehen zu einem Grossteil aus biodynamischen Rohstoffen, die auf den Feldern der Fattoria La Vialla angebaut werden. Die Kombination aus Olivenpolyphenolen, kaltgepresstem Olivenöl und weiteren pflanzlichen Inhaltsstoffen entfaltet eine antioxidative, beruhigende und regenerierende Wirkung. Regelmässige Anwendung kann helfen, die Haut zu schützen, zu revitalisieren und ihr Erscheinungsbild sichtbar zu verbessern.
OliPhenolia steht für einen neuen Weg in der Naturkosmetik und Nahrungsergänzung, der Landwirtschaft, Wissenschaft und Hautpflege verbindet. Der ganzheitliche Ansatz betrachtet Haut als Teil eines grösseren Systems, das von Ernährung, Umwelt und Lebensweise beeinflusst wird. oliphenolia.com

Reis wird bereits seit Jahrtausenden angebaut und gehört noch heute in vielen Regionen zu den Grundnahrungsmitteln. Auch hier ist Reis beliebt, nicht zuletzt dank der Sortenvielfalt und der unterschiedlichen Zubereitungsarten. Zudem ist Reis auch noch gesund, er enthält viele Mineralstoffe, Vitamine und Kohlenhydrate sowie Ballaststoffe, die lange satt machen.
Julia Zimmermann
Michael Blatter ist schon lange von diesem kleinen Wunderkorn fasziniert. Der ehemalige, erfolgreiche Unternehmer aus Wetzikon bei Zürich hatte bereits zu Zeiten als Geschäftsmann in der IT–Branche, als Ausgleich zum stressigen Alltag, mit der Kultivierung von Reis zu experimentieren begonnen. Er startete Anbauversuche im Garten seines Tessiner Häuschens und wollte der Welt beweisen, dass man auch im Tessin erfolgreich Reis anbauen kann, ohne die Verwendung von Pestiziden.
Denn eine mit Pestiziden und künstlichen Düngemitteln unterstützte Reisproduktion ist nicht so ertragsreich, wie sie sein könnte und liefert ein Endprodukt, das nicht schadstofffrei ist, also messbare Rückstände des künst-
lichen Dün gers aber auch der eingesetzten Pestizide aufweist. Zudem wird der Anbau so von Jahr zu Jahr schwieriger, da der fruchtbare Boden unter den Pestiziden leidet. Michael Blatter realisierte sehr bald, dass es für seine geplante Zucht kein pestizidfreies Saatgut gab. In der heutigen Zeit, wo die Konsument*innen immer mehr Wert auf ökologische, nachhaltig produzierte und gesunde Lebensmittel legen, war dieser unbefriedigende Zustand ein Weckruf für Michael Blatter.
Die Vision
Sein Wirken als Unternehmer brachte ihn zu dieser Zeit nach Thailand. Bei seinen Besuchen musste er feststellen, dass auch in Thailand die Pestizide sowie die Wasserknappheit zum Problem werden. So führt insbeson-
dere die Wasserknappheit zunehmend zu Ernteausfällen, was zu steigender Armut führt. Blatter war erschüttert und wollte den Reisbäuer*innen vor Ort helfen. Dank guter Kontakte begann er deshalb seine Reisexperimente auf Testfeldern in Thailand fortzuführen.
Hi–Rice revolutioniert den Reisanbau
Um sein Ziel, Reisanbau mit weniger Wasserverbrauch, ohne Dünger oder Pestizide und mit höherem Ertrag zu erreichen, war Blatter gezwungen, den Reisanbau «neu zu denken». Er musste selbst Saatgut produzieren, mit verschiedenen Anbaumethoden experimentieren und einige herbe Rückschläge einstecken. Schliesslich gelangte er zu einer pestizidfreien Anbaumethode, die 20 mal weniger Wasser benötigt und gründete das Start-upUnternehmen Hi–Rice. Bei Hi–Rice setzt man sich dafür ein, dass die Konsument*innen keine Kompromisse zwischen Qualität, Gesundheit und Geschmack eingehen müssen und die Mitarbeitenden fair entlöhnt werden. Dank der neuen Anbaumethode haben sich die von Hi–Rice bewirtschafteten Böden deutlich erholt und man hat mittlerweile statt einer, drei Ernten pro Jahr. Dies ermöglicht zusätzlich finanzielle Unterstützung vor Ort bei Optimierungsarbeiten wie beispielsweise bei Maschinen oder Lagerhäusern.
Blick in die Zukunft
Nach über 15 Jahren Forschungsarbeit kann Hi-Rice auf einen fortgeschrittenen Produktionsstand blicken. Gegenwärtig werden von Hi–Rice hauptsächlich in sechs Regionen Thailands Reis und Saatgut auf rund 70 Hektaren produziert. Weitere Regionen in Thailand und in der Schweiz (Tessin und Aargau) sind in Entwicklung. Neuerdings zeigt auch Marokko Interesse an der neuen Reisanbaumethode, die deutlich weniger Wasser beansprucht.
Obwohl noch ein Start-up, ist Hi–Rice nicht nur daran, ihr Anbaugebiet zu erweitern, sondern investiert auch kontinuierlich in die Forschung, um sich stets zu verbessern und den Kunden einwandfreie Produkte liefern zu können. Bereits jetzt sind sie in der Produktion weit fortgeschritten und beliefern verschiedene Reismühlen in der Schweiz.
Für Neugierige bietet Hi–Rice noch viele weitere spannende Fakten zum Start–up auf ihrer Webseite, wo man den Reis auch direkt beziehen und sich von vielfältigen Rezeptideen inspirieren lassen kann. •
hi-rice.swiss


Links: Saatgut Produktion
Rechts: Der Reis wird oft auf der Strasse getrocknet

Eiweiss gehört zu den wichtigsten Baustoffen unseres Körpers. Muskeln, Organe, Enzyme, Hormone und Immunsystem sind darauf angewiesen. Oft wird übersehen, dass nicht jedes Protein gleich aufgebaut ist. Hier rückt Hanfprotein zunehmend in den Fokus moderner Ernährung.
Das Eiweiss aus Hanfsamen gilt als besonders spannend, es enthält alle essenziellen Aminosäuren und gehört damit zu den vollständigen pflanzlichen Proteinen. Darüber hinaus liefert es weitere Aminosäuren in einer natürlichen Kombination, wie sie in dieser Form in der Pflanzenwelt selten vorkommt.
Besonders interessant sind zwei natürliche Proteinfraktionen: Edestin und Albumin. Edestin ist das Hauptspeicherprotein des Hanfsamens und gehört zur Gruppe der Globuline. Seine Struktur ähnelt menschlichen Blutproteinen im Plasma, was seine gute Verwertbarkeit erklären könnte. Ergänzt wird es durch Albumin – ein Protein, das im Körper unter anderem für den Transport von Nährstoffen verantwortlich ist.
Diese Eigenschaften erklären, weshalb Hanfprotein bei ernährungsbewussten Menschen, Sportlern*Innen sowie im Alltag Beachtung findet. Gute Proteine sollen sättigen und dem Körper hochwertige Bausteine liefern. Wer seine Muskeln pflegt, unterstützt Haltung, Energie
und Lebensfreude – und ja, manchmal merkt man das auch dort, wo Lebensfreude ganz persönlich wird.
Hanfsamenprotein ist mehr als nur Eiweiss. Es gilt als sehr gut verdaulich, enthält keine Trypsininhibitoren –Stoffe, die bei anderen Pflanzenproteinen die Verdauung erschweren können – und ist eingebettet in eine natürliche Matrix aus wertvollen Fettsäuren sowie Mikronährstoffen – Magnesium, Eisen und Zink. Proteine spielen im Stoffwechsel eine zentrale Rolle. Sie unterstützen den Erhalt von Muskelmasse, sind an vielen Regulationsprozessen beteiligt und tragen zur Leistungsfähigkeit bei. Auch Gehirn und Nervensystem profitieren, denn ein gut versorgter Körper arbeitet oft ruhiger und klarer.
Wer auf natürliche Quellen setzt, findet im Hanfsamen eine bemerkenswerte Nährwertdichte. Eiweiss, gute Fette und Mikronährstoffe treten hier gemeinsam auf –nicht künstlich zusammengesetzt, sondern von der Natur sinnvoll verpackt.
Vielleicht liegt genau darin seine Stärke: Hanf liefert Eiweiss nicht isoliert, sondern eingebettet in ein natürliches Nährstoffsystem. Eine alte Kulturpflanze zeigt damit Antworten auf moderne Ernährungsfragen.
Nächste Kolumne: Weshalb sind Hanffettsäuren für Haut, Herz und tägliches Wohlbefinden so interessant?

Viele Menschen suchen abends Ruhe – und finden stattdessen Kopfkino, innere Anspannung oder unruhigen Schlaf. Wer davon betroffen ist, kennt das Problem meist längst. Spannender ist deshalb die Frage: Welche Rolle kann medizinisches Cannabis heute dabei spielen?
Die moderne Forschung beschäftigt sich zunehmend mit Cannabis und seinem Einfluss auf Schlaf, Stress und Nervensystem. Im Zentrum steht das körpereigene Endocannabinoid-System – ein Regulationsnetzwerk, das unter anderem Schlafrhythmus, Stimmung, Appetit, Schmerzempfinden und innere Balance mitsteuert. Genau hier können Cannabinoide ansetzen.
Besonders bekannt sind CBD und THC. CBD wird häufig im Zusammenhang mit Entspannung, innerer Ruhe und natürlichem Abschalten untersucht. THC kann – je nach Dosierung, Präparat und medizinischer Situation – Einfluss auf Einschlafen, Schlafqualität oder nächtliche Unruhe nehmen. Entscheidend bleibt jedoch: Cannabis wirkt individuell. Darum entwickelt sich «Medical Cannabis» heute klar weg vom Klischee und hin zur Präzision. Standardisierte Extrakte, definierte Wirkstoffverhältnisse, Tropfen, Kapseln oder andere Darreichungsformen ermöglichen gezieltere Anwendungen als früher. Im Mittelpunkt steht nicht Rausch, sondern Regulation und Lebensqualität.
Viele Betroffene wissen nicht, an wen sie sich wenden können. Manche sprechen offen mit ihrem*r Ärzt*in, an-
dere zögern noch. Gleichzeitig wächst in spezialisierten Apotheken das Wissen über «Medical Cannabis», mögliche Darreichungsformen, Unterschiede zwischen CBD und THC sowie Fragen zur Verträglichkeit. Oft beginnt gute Orientierung mit einem ersten vertraulichen Gespräch.
Wichtig bleibt auch der Alltag: Bildschirmlicht bis spät in die Nacht, Alkohol, dauerhafte Anspannung oder Bewegungsmangel können das Nervensystem zusätzlich belasten. Cannabis wird deshalb zunehmend als möglicher Baustein betrachtet – nicht als Ersatz für gesunde Gewohnheiten, sondern als Ergänzung dort, wo Unterstützung sinnvoll sein kann. Vielleicht liegt genau darin der moderne Blick auf Cannabis: nicht Flucht vor Problemen, sondern Hilfe, damit der Körper wieder besser zu seinem natürlichen Rhythmus findet.
In der nächsten Kolumne schauen wir, weshalb chronische Schmerzen oft komplexer sind als gedacht – und welche Rolle Cannabis dabei heute spielt.
Roger Urs Bottlang
Roger Urs Bottlang beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Hanf –von medizinischer Anwendung bis zu Ernährung, Fasern und Innovationen. Im «natürlich» wird er in seiner Kolumne Einblick in die reiche Geschichte der Heilpflanze bieten, ebenso wie in ihre Nutzungsmöglichkeiten.
Harmonius GmbH – natuerlich.hanf@gmail.com


Der Spitzwegerich ist eine grossartige Heilpflanze, die uns das ganze Jahr über frisch zur Verfügung steht. Wer sie im Notfall braucht, muss sie nicht lange suchen.
Yves Scherer
Auf einer kürzlich veranstalteten Kräuterwanderung durch den Wald interessierten sich die Teilnehmenden für schmerzstillende Pflanzen. Zu unseren Füssen standen zuverlässig und bescheiden einige Spitzwegeriche, die sich sogleich ins Gespräch brachten. «Wie stark schmerzstillend wirken die denn?», wollte eine junge Frau wissen. Ich lud sie zu einem Experiment ein und hielt ihr ein paar Brennnessel-Zweige hin. Die Frau nahm die Nesseln und schlug sich damit mehrmals auf den Unterarm, wo sich sogleich ein Ausschlag mit starkem Juckreiz bildete. Dann pflückten wir ein paar Blätter vom Spitzwegerich und die junge Frau rieb diese auf die schmerzende Stelle bis der Saft ihre Haut grün färbte. «Wow! Das wirkt tatsächlich! Ich spüre nichts mehr von den Nesseln.» Von Neugier ge-
packt überwanden nun auch die anderen aus der Gruppe ihre Angst vor den Brennnesseln, pieksten mit den Blättern ihre Unterarme und bestätigten nach der Behandlung mit dem Spitzwegerich dessen schmerzstillende Wirkung. Allerdings mussten wir alle die Behandlung zwei- oder dreimal wiederholen bis von der Hautirritation der Nesseln endgültig nichts mehr zu spüren war.
Die Gattung der Wegeriche heisst so, weil die verschiedenen Arten gerne am Wegesrand wachsen. Das germanische Wort «rich» oder «rik» bedeutet Herrscher bzw. Fürst. Die Wegeriche sind demnach die Herrscher der Wege oder die fürstlichen Wegbegleiter. Der Gattungsname Plantago kommt vom lateinischen Planta für

Die Blüten der Wegeriche – hier des Spitzwegerichs –enthalten viel wohltuenden Pflanzenschleim.
«Pflanze» oder «Fusssohle». Die indigenen Völker Nordamerikas nannten die Wegeriche «Fussstapfen des weissen Mannes», weil sich die bis dahin auf dem amerikanischen Kontinent unbekannte Pflanze entlang der Siedler-Trecks ausbreitete. Der botanische Name des Spitzwegerichs könnte man mit «Lanzettblättriger Wegerich» übersetzen.
Breitwegerich (Plantago major), Spitzwegerich (Plantago lanceolata) und mittlerer Wegerich (Plantago media) sind in ihrer Erscheinungsform und medizinischen Wirkung sehr ähnlich. Gut zu unterscheiden sind sie an ihrer Blattform. Der Breitwegerich hat breite Blätter, der Spitzwegerich spitze und die Blattform des mittleren Wegerichs liegt zwischen diesen beiden. Die Blätter der Wegeriche stehen grundständig an der Pflanzenbasis und bilden eine Rosette, der dünne Pflanzenstängel trägt an seiner Spitze den ährenförmigen Blütenstand mit auffälligen weissen Staubbeuteln, die ringförmig abstehen.
Erste-Hilfe-Kraut für kleine Verletzungen
Pflanzen, denen wir auf Schritt und Tritt begegnen, schenken wir gemeinhin nicht viel Aufmerksamkeit. Es sei denn, sie verwöhnen uns mit prächtigen Blüten und
betörenden Düften. Der Spitzwegerich tut beides nicht. Anstatt seine Energie an ein attraktives Erscheinungsbild zu verschwenden, investiert der Spitzwegerich lieber in seine soliden Heilkräfte. Der stets griffbereite Spitzwegerich bietet sich als Erste-Hilfe-Kraut für Hieb-, Stich- und Schnittverletzungen an. Wie das Hirtentäschelkraut und der Beinwell sind auch die Wegeriche sogenannte Soldatenkräuter. Zuverlässig stillen sie Blutungen, desinfizieren Wunden und reduzieren lokal das Schmerzempfinden von verletztem Gewebe. Zur schnellen Wundversorgung kann ein Brei der gequetschten Pflanze auf die Wunde gelegt werden. Kräuterpfarrer Johann Künzle soll gesagt haben: «Ein solcher Verband ist der erste und manchmal der beste Notverband, denn die Heilung solcher Wunden geht rasch vor sich. Wie mit Goldfäden näht der Wegerichsaft den klaffenden Riss.»
Das wussten auch viele Ärzte, die im Zweiten Weltkrieg Wunden mit Spitzwegerich-Anwendungen behandelten.
Um Splitter aus der Haut zu ziehen, eignet sich die Auflage von Brei aus gequetschten Wegerichsamen, die die Haut aufweichen. Sind diese für einmal nicht zur Hand, hilft das wiederholte Einweichen der betroffenen Stelle in Wasser, um Fremdkörper aus dem Gewebe zu befördern.







Spitzwegerichkraut sollte nach Möglichkeit frisch verwendet werden.
«
Der Wirkstoff Aucubin wirkt wie ein natürliches Antibiotikum gegen Bakterien. »
Die wundheilungsfördernde Wirkung des Spitzwegerichs ist das Ergebnis eines raffinierten Wirkstoffgemisches: Reizmildernde Schleimstoffe, die in den Samen und Blättern enthalten sind, schützen verletzte Haut wie ein dünnes Pflaster, Gerbstoffe stoppen Blutungen und verschliessen offene Wunden, während die Flavonoide Entzündungen lindern. Das in der frischen Pflanze enthaltene Iridoidglykosid Aucubin ist ein natürliches Antibiotikum. Es hemmt das Wachstum von infektiösen Bakterien, etwa Eitererregern oder Salmonellen.
Alle Wegerich-Arten sind hervorragende Wundheilmittel. Auch Insektenstiche, Schleimhautdefekte, juckende Hautirritationen, Sonnenbrand und leichte Verbrennungen lassen sich gut mit Frischpflanzenzubereitungen oder verdünnter Tinktur behandeln. Wer auf einer Wanderung Druckstellen an den Füssen verspürt, legt sich ein paar Wegerichblätter in die Schuhe. Diese wirken der Blasenbildung entgegen.
Das bewährte Hustenmittel
Bei der Einnahme von Spitzwegerich legt sich der Pflanzenschleim als dünner Schutzfilm auf die Schleimhäute der Mundhöhle und der oberen Bronchien. Auch hier kommt die entzündungshemmende, desinfizierende Wirkung der Pflanze zur Geltung. Der Hustenreiz wird deutlich gemildert. Speziell für Kinder sind Spitzwegerich-Anwendungen gut geeignet, auch bei therapieresistentem Reizhusten und Bronchitis. Die im Spitzwegerich enthaltene Kieselsäure festigt das Lungengewebe. In mehreren Studien konnten für die Wirkstoffe Aucubin und Acteosid eine schützende Wirkung auf die Leber nachgewiesen werden. Die Iridoidglykoside zeigen ausserdem eine krampflösende, antivirale und immunstimulierende Wirkung. Für Spitzwegerich-Anwendungen sind keine unerwünschten Nebenwirkungen bekannt. Seine Heilwirkung kann man sich mit folgendem Reim einprägen: «Schmerzen, Husten und Bakterien schickt der Spitzwegerich in die Ferien.» •

Wundpflaster
Für die Erstversorgung von oberflächlichen Wunden, Hautirritationen und Insektenstichen kann das frische Kraut von Spitz- oder Breitwegerich zu einem Brei zerstossen werden. Der Brei wird in einem sauberen Baumwolltuch auf die Wunde gelegt. Dabei soll der Pflanzensaft durch das Tuch auf die Haut gelangen. Ist der Brei zu trocken, kann er mit wenig Wasser vermengt werden.
Hustentee
Eine Hustentee-Mischung kann aus drei bis vier der folgenden Pflanzen bestehen: Spitzwegerich (Plantago lanceolata), Huflattich (Tussilago farfara), Isländisch Moos (Lichen islandicus), Malve (Malva sylvestris), Eibisch (Althaea officinalis), Süssholz (Glycyrrhiza glabra) und Anis (Pimpinella anisum). Die Pflanzen können zu gleichen Teilen gemischt werden, ausser Süssholz und Anis, die aufgrund ihres starken Geschmacks zurückhaltend dosiert werden.
Für die Gewinnung eines möglichst grossen Anteils des reizlindernden Pflanzenschleims legen Sie 3–4EL der Kräutermischung für 1–2 Std. in 1 Liter lauwarmem Wasser ein, erhitzen Sie die Mischung anschliessend bis zum Siedepunkt und lassen sie für etwa 10 Minuten ziehen. 3–4 Tassen über den Tag verteilt trinken.
Yves Scherer
Yves Scherer ist Herbalist, diplomierter Naturheilpraktiker und visueller Gestalter. Er unterrichtet Phytotherapie an verschiedenen Fachschulen und bietet eine eigene Ausbildung in Pflanzenheilkunde und Kräuterwanderungen an: www.medizingarten.ch www.medizinwald.ch

Publireportage

Herzensruhe mit Passiflora incarnata
Der Signaturenlehre folgend gehen wir davon aus, dass die Gestalt einer Pflanze der Schlüssel zu ihrer Heilkraft ist. Oder anders ausgedrückt: Die äussere Erscheinung ist der Ausdruck ihres ureigenen Wesens. Darin gründet ihre enorme Heilkraft – sowohl auf psychischer als auch auf körperlicher Ebene. Ihre Heilkräfte lassen sich somit aus der Wesensbeschreibung ableiten.
Betrachten wir die Passionsblume, Passiflora incarnata, so fallen die wunderschönen Strahlenkränze ihrer Blüten auf. Durch farbliche Angleichung vollzieht die Pflanze eine Harmonisierung – hin zu ihrer Mitte. Analog zur Blütenmitte ist unsere Mitte das Herz.
Und zu diesem hat die Passionsblume eine besondere Beziehung – zum körperlichen Organ selbst wie auch im übertragenen Sinne zum «psychischen» Herzen. Mit ihrem Wesen vermag sie die Unruhe unseres Herzens auf mehreren Ebenen zu stillen und unterstützt den Prozess des Abschiednehmens. Denn so lehrt uns diese Pflanze: Der Mensch schreitet von Lebenskreis zu Lebenskreis und sollte dies bejahend tun können.
Ebenso löst Passiflora auf körperlicher Ebene Unruhezustände, lindert Schlafstörungen und Spannungskopfschmerzen.
Zu sich selbst finden
Die harmonisierende Passionsblume hilft uns, unseren ureigenen inneren Ton wiederzufinden und vermag unsere Mitte zu stärken. Das Wesen der Passiflora schenkt uns Zentrierung von Körper, Geist und Seele – Entspannung und innere Stille.
Im Buch weiterlesen: www.pflanzliche-urtinkturen.com
R. Kalbermatten, Schweizer Biochemiker, Arzneipflanzenforscher und Gründer der Ceres Heilmittel AG

Im Schächental, einem Seitental der Reuss im Kanton Uri, beginnt unsere zweitägige Wanderung. Vom Talboden hinauf bis zum Klausenpass –vorbei an Alpwiesen, Alpbeizli und würzigem Alpkäse. Nach dem Morgenschwumm im Gletscherseeli geht es weiter auf den Urnerboden. Die grösste Alp der Schweiz: weit, wild und ziemlich eindrücklich.
Maria-Theresia Zwyssig
Manchmal beginnt eine gute Geschichte mit einem Satz, der hängen bleibt: «Es isch nimme wiit.» Gesagt hat das Sepp, der Postautochauffeur, als ich mich im Dauerregen mit dem Velo den Klausenpass hochkämpfte. Er hielt kurz an, lächelte und es stimmte: Es war nicht mehr weit. Aus dieser Begegnung wurde mehr als ein kurzer Schwatz. Und genau dort beginnt unsere Wanderung: im Urner Schächental, unterhalb des Klausenpasses.
Duft von Heu
Wir starten in Unterschächen auf rund 1000 m. Der Wegweiser verspricht: «Alp Äsch, Ort der Kraft, 3 km.» Kraft? Die werden wir später noch brauchen. Oder vielleicht steckt sie bereits im ersten Plättli mit Käse, Wurst und saurem Most. Der Weg führt sanft durchs Tal, vorbei an sonnengebräunten Holzhäusern und saftigen Matten. Es riecht nach frisch gemähtem Gras, Kräutern und Stall –würzig und ein bisschen wild. Neben uns rauscht die Schächen: kühl und klar. Am Wegrand kann man moosbedeckte, kleine Öffnungen entdecken, die «Nitlä» – im Urnerdialekt, abgleitet vom Rahm. Früher dienten sie als natürliche Kühlschränke für Milch, Fleisch und Kartoffeln. Heute würde man wohl «Bio-Kühlkonzept» dazu sagen. Wir gehen in die «Nitlä» rein, der Temperaturunterschied ist immens. Eine willkommene Abkühlung an diesem heissen Sommertag.
Wir schweifen mit dem Blick auf die gegenüberliegende Talseite – in den steilen Hängen wird das Gras gemäht, wer genau hinschaut, sieht die Klausenpassstrasse, wie sie sich nach oben schlängelt. Nach rund einer Stunde erreichen wir die Alp Äsch auf 1239 m. Ein paar Häuser, eine kleine Kirche, der tosende Stäubifall – und natürlich das «Gaschthefli.» Sepp und seine Frau Anita führen es an wenigen Sommerwochenenden: herzlich, unkompliziert und echt.
Mit dem «Schiffli» in die Höhe Nach der Stärkung geht’s weiter – in die Höhe. Wir treffen auf Wisi Gisler. Langer Bart, ruhige Stimme, hier zuhause. Im Winter lebt der pensionierte Schreiner allein hier oben. «Ich ha gääre wes still isch», sagt er und zuckt mit den Schultern. Sein Reich: die kleine Seilbahn. Oder, wie man im Urnerland sagt: ein «Schiffli». Drei Personen passen in die Holzkiste. Mehr Vertrauen als Platz braucht es auch. Die Konstruktion wirkt … sagen wir: charmant rustikal. Wisi lächelt: «Hät bis jetzt immer gha. Güeti Fahrt.» Das reicht. Im Kanton Uri gibt es über 30 solche Schiffli und so ist es das dichteste Seilbahnnetz der Schweiz.

Der Stäubifall bei der Alp Äsch.

Langsam hebt das Schiffli ab. Unter uns das Tal, über uns der Himmel. Keine Masten – einfach Seil, Luft und Aussicht. Und die wird mit jedem Meter spektakulärer. Das ganze Schächental liegt uns zu Füssen. Wild und wunderschön. Auf der Innenseite der Türe steht der Spruch: «Hoffnig – Hit und morä derzwische ä Stäg ubers Tobel Gnad God wenn er zämghyd» – Autor: Karl Imfeld
Oben angekommen: Die Zeit steht still Auf der Oberalp auf 1843 m, erwarten uns ein paar neugierige Kinder. Für sie ist das hier kein Ausflugsziel. Es ist ihr Sommer. Ihr Alltag. Vier Älplerfamilien verbringen den Sommer auf dieser Hochebene. Eine davon ist die Familie Kempf. Esther empfängt uns freundlich und bietet Platz im Beizli. Die Luft ist klarer hier oben, fast ein bisschen schärfer und bietet freie Sicht auf die Urner Gipfel. Wir bestellen Kaffee. Ohne Schnaps! Ohne «mit Schuss». Der Altdorfer Spitalpfarrer Josef Müller sammelte ab 1910 alte Urner Sagen, in einer heisst es: «Schwarz wie dr Tiifel, heiss wie d’Hell – und siess wie d’Liebi», so müsse der Kaffee sein. Esther führt uns in ihre Landfrauenstube. 2012 gewann sie bei «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» mit ihren Älplermagronen. Unbedingt ein Stück Alpkäse kaufen, der ist würzig, kräftig und mit genau so viel Charakter wie dieser Ort. Und wer noch einen Moment Zeit hat: Das kleine Alphüttenmuseum erzählt vom Leben hier oben um 1800. Man könnte einfach hierbleiben. Einfach sitzen, schauen, nichts tun. Aber der Weg zieht uns weiter. Ein Blick zurück, ein Winken zu Esther: «Uf Wiederlüägä.»
Zwischen Himmel und Fels
Wir wandern weiter auf dem Schächentaler Höhenweg Richtung Klausenpass. Die Landschaft wird rauer: schroffe Felsen, schmaler, steiniger Weg. Gegenüber ragen die Schächentaler Windgällen und der Glatten auf – kantig,
fast ein bisschen dramatisch stehen sie da. Je nach Licht wirken sie grau und abweisend, dann plötzlich wieder warm und fast weich. Der Weg verläuft angenehm, immer wieder öffnen sich kleine Plateaus. Auf der Chammlialp wartet das nächste Alpbeizli – hier liegt die höchste Urner Kuhalp der Familie Stadler. Wer hier nicht kurz anhält verpasst etwas. Gestärkt geht es weiter bis zum Klausenpass auf 1948 m, einem geschichtsträchtigen Übergang zwischen Uri und Glarus. Motorradfahrer*innen nehmen die Helme ab, Velofahrer*innen machen ein Selfie beim Passstein, Wandernde verweilen. Der Name «Klausen» geht auf den heiligen Nikolaus, den Schutzpatron der Berg- und Alpbewohnenden zurück. Etwas abseits steht die Bruder Klaus Kapelle. Die Passstrasse ist erst seit 1900 durchgehend befahrbar. Was heute nach einer gemütlichen Panoramafahrt aussieht, war damals ein echtes Pionierprojekt. Besonders bekannt wurde der Pass durch die Klausenrennen der 1920er- und 1930er-Jahre: Rennfahrer aus aller Welt jagten ihre Maschinen über die Strecke. Mit etwas Fantasie hört man vielleicht noch heute ferne Motoren neben den Kuhglocken.
Abendlicht am Klausen
Ein kurzer, sanfter Abstieg führt zum Hotel, eingebettet in dieser Bergwelt, fast ein wenig verloren – und genau deshalb so besonders. Der Blick öffnet sich direkt auf den Urirotstock. Ankommen, Rucksack abstellen, die angenehme Müdigkeit in den Beinen spüren. Der Kopf voller Bilder. Das Nachtessen auf der Terrasse, die Berge beginnen rötlich zu leuchten und mit etwas Glück hört man den Alpsegen, den Betruf. Ein uraltes Schutzgebet das von der Stimme eines Älplers in die Weite hallt. Vielleicht versteht man nicht ganz alles, aber man spürt es. Ein perfekter Wandertag.
Tag zwei: Von der Stille ins Staunen
Gestärkt laufen wir in der Morgenfrische los – unser Ziel heute: der Urner Boden. Die ersten Schritte sind noch etwas steif, der sanfte Anstieg zur Passhöhe bringt uns in Gang. Nach dem Kiosk biegen wir rechts ab Richtung Fisetenpass – 3 h 10 min laut Wegweiser, klingt machbar. Der Weg steigt in Kehren den Hang hinauf bis zur Anhöhe. Dann plötzlich: Geröll. Viel Geröll. Und mittendrin das Griessseeli. Ein türkisblauer Farbfleck in der kargen Landschaft. Ein Gletschersee, erst in den letzten Jahrzehnten entstanden, stiller Zeuge des Wandels. Der Kontrast könnte nicht grösser sein, eben noch wanderten wir durch saftige Wiesen, und einen Schritt später fühlt es sich an wie auf einem anderen Planeten. Grau, karg, fast mondartig. Wir setzen uns hin, sagen nichts und staunen. Irgendwann beginnen wir Steinmännchen zu bauen, ein stilles Spiel in einer stillen Landschaft. Es zieht uns zum Wasser, unten überqueren wir auf einer Brücke den Fätschbach. Und ja – es gibt immer jemanden, der sagt: «Chunsch ou?» Das



Oben: Das Griessseeli. Bitterkalt und erfrischend.
Links: Zur stärkung: frischer Alpkäse.
Rechts: Wisi Gisler macht eine Pause auf seinem Schneetöff.

Links: Blick auf den Urnerboden – die grösste Alp der Schweiz. Rechts: Begegnung mit Buschauffeur Sepp am Klausenpass.

Wasser ist eiskalt. Ein paar Züge und es wird nicht wärmer. Die Begleitung bleibt am Ufer, lacht, fotografiert und hält zumindest die Füsse rein.
Weiterziehen
Nach der Pause geht es weiter Richtung Griessbödemli und zum Gemsairenhüttli – eine weitere Gelegenheit, um ein Stück Alpkäse zu kaufen. Die Aussicht begleitet uns – gegenüber die Jägerstöcke als markante Dolomiten des Urnerbodens. Wir folgen der Hochebene, vorbei an verstreuten Findlingen. Der Clariden-Höhenweg ist ein Gratweg.
Der grosse Schluss
Am Fisetengrat angekommen, wartet ein vorletztes Highlight: die Seilbahn hinunter auf den Urnerboden – ein sanftes Zurückgleiten. Der Urnerboden ist mehr als eine Alp. Er ist eine Bühne. Die grösste Alp der Schweiz – weit, offen, beeindruckend. Im Winter leben hier rund 30 Menschen, im Sommer etwa 500. Einmal im Jahr wird es besonders eindrücklich: bei der «Bodäfahrt.» Dann ziehen rund 1000 Kühe von den höher gelegenen Alpen zurück auf den Urnerboden. Ein Schauspiel, das man nicht erklären muss – man muss es erlebt haben. Jährlich entstehen hier rund 200 Tonnen Käse. Nehmen Sie welchen mit – es wäre fast unhöflich, es nicht zu tun. Hier endet unsere zweitägige Wanderung. Das Postauto bringt uns zurück nach Unterschächen. Vielleicht sitzt Sepp am Steuer. Vielleicht erzählt er Ihnen eine Geschichte. Und vielleicht sagt er: «Prächtig scheen im Schächetal.» Und wir wissen ganz genau, was er meint. •
Kurz & praktisch
Tag 1: Unterschächen – Hotel Klausenpass
Route: Unterschächen – Äsch – Oberalp –Klausenpass – Hotel Klausenpass
Wanderzeit: ca. 3h
Distanz: 10 Kilometer
Aufstieg: 530m
Übernachtung: Hotel Klausenpass
Tag 2: Hotel Klausenpass – Urnerboden
Route: Hotel Klausenpass – Klausenpass –Gletscherseeli – Fisetenpass (auf dem Clariden-Höhenweg)
Wanderzeit: ca. 3h 30min
Distanz: 11 Kilometer
Aufstieg: 615m
Maria-Theresia Zwyssig
Maria-Theresia Zwyssig ist Abenteurerin und Referentin und weltweit zu Fuss und mit dem Fahrrad unterwegs – mehr auf www.mariatheresia.ch


Der «Bio Marché» findet vom 19. bis 21. Juni 2026 zum 26. Mal statt. Auch dieses Jahr werden wieder rund 30 bis 35 000 Bio-Fans in der Altstadt von Zofingen erwartet. Diese dürfen sich auf eine einmalige Mischung aus stimmungsvollem Bio-Markt, nationaler Bio-Plattform und Festival für die ganze Familie freuen.
Im riesigen Verkaufs- und Degustationsmarkt wartet eine breite Vielfalt an Bio-Produkten aus nah und fern darauf, entdeckt zu werden. Wer Informationen aus erster Hand sucht, findet an den meisten Ständen den direkten Kontakt zum Produzenten. Bio Suisse, der Dachverband der Schweizer Knospe-Betriebe, zeigt in der «Bauerngasse» gemeinsam mit ihren Lizenznehmern die Vielfalt der Schweizer Bio-Landwirtschaft. Auch Hauptsponsorin Coop ist vor Ort und präsentiert im «NaturaplanVillage» die Vielfalt ihres Bio-Sortiments.
Bio? Aber sicher!
Der Bio Marché ist eine reine Bio-Messe. Ob Grossverteiler oder Kleinstmanufaktur, ob Bauernbetrieb oder Händler: Sie alle müssen strenge Zulassungsbedingungen erfüllen. Dass diese Vorgabe auch wirklich eingehalten wird, dafür
sorgt eine unabhängige Kontrollstelle, welche die Aussteller und deren Produkte sowohl im Vorfeld als auch vor Ort auf die Einhaltung der Zulassungsbedingungen überprüft.
Ein Festival der Sinne!
Der Bio Marché ist aber nicht nur der «grösste Bioladen der Welt», sondern auch ein riesiges Erlebnisfestival: Der FoodCourt und weitere Bio-Festwirtschaften locken mit Köstlichkeiten, ein Besuch im mit viel Liebe eingerichteten Streichelzoo ist ein Genuss für Herz und Seele. Gaukler und Strassenmusiker verschiedenster Stilrichtungen verbreiten fröhliche Festivalstimmung, und bei der Markthalle gibt's am Freitag und Samstag nach Marktschluss ein Konzert.
Eintritt frei! www.biomarche.ch


«Pfiieet!», hört man in den Bergen von weit her die Murmeltiere. Zu Gesicht bekommt man die scheuen Alpenbewohner dank ihrer guten Tarnung jedoch nicht immer. Dank ihrem ausgeklügelten Höhlensystem gelingt ihnen die schnelle Flucht. Wir stellen die pfiffigen Baukünstler vor.
Blanca Bürgisser
Das in der Schweiz heimische Alpenmurmeltier (Marmota marmota) lebt, wie es der Name bereits verrät, oberhalb der Baumgrenze in den Alpen. Doch das war nicht immer so. Während der Eiszeit waren die Murmeltiere in der Steppe beheimatet. Erst mit den steigenden Temperaturen zog es die Nagetiere in die Höhe.
Im September, wenn die Tage kälter und kürzer werden, beginnen die Murmeltiere, die Haupthöhle in ihrem Bau, den Kessel, mit Heu auszukleiden. Im Oktober zieht sich dann die ganze Familie für den Winterschlaf in den Bau zurück. Sie versperren alle Zugänge zu ihrer Höhle mit Erde, Steinen, Gras und Kot, sodass sie gut vor der Kälte geschützt sind. Die ganze Familie kuschelt sich eng zusammen und beginnt den Winterschlaf. Dabei nehmen sie die Kleinsten in die Mitte, um diese zu wärmen. Kaum hat der lange Schlaf begonnen, fährt das gesamte Körpersys-
tem der Murmeltiere herunter. Ihre Körpertemperatur sinkt von etwa 39 Grad auf 3 bis 6 Grad, ihr Herz schlägt nur noch wenige Male pro Minute und die Atmung verlangsamt sich massiv. Dadurch brauchen die Murmeltiere kaum Energie und überleben den Winter, ohne zu fressen oder zu trinken. Nur alle zwei bis vier Wochen erwachen sie. Forschende gehen davon aus, dass diese kurze Wachphase dazu dient, Blase und Darm zu entleeren. Dafür haben die Murmeltiere eine spezielle Höhle in ihrem Bau, die nur als Toilette dient.
Der Winterschlaf dauert rund sieben Monate. Je nach Temperaturen verlassen die Murmeltiere im April oder Mai ihren Bau wieder. Kaum zurück an der Oberfläche beginnt auch schon die Paarungszeit. Bei der Brunst geht es teils wild zu und her. Es kommt zu Verfolgungsjagden, die oftmals von lauten Schreien untermalt sind. Teils beissen sich die Tiere sogar.

Wenn sie eine Gefahr sichten, stossen Murmeltiere einen lauten Kehlkopfschrei aus, der sich für uns wie ein Pfiff anhört.
Die Murmeltiere haben eine strenge Nachwuchsregulierung. In einer Familie darf sich jeweils nur das ranghöchste Weibchen paaren. Wird ein anderes Weibchen schwanger, wird dieses so lange verfolgt und gestresst, bis es die Föten verliert. Klappt das nicht, werden die Babys nach der Geburt getötet. Da das ranghöchste Weibchen aber auch genügend Fettreserven braucht, um schwanger zu werden, gibt es nicht jedes Jahr Nachwuchs. Nach rund fünf Wochen Tragzeit kommen ein bis sechs Junge auf die Welt. Bei der Geburt sind die Babys blind und haben noch kein Fell. Sie verbringen die erste Zeit ihres Lebens im Bau, wo sie von der Mutter gesäugt werden. Nach sechs Wochen wagen sie sich an die Oberfläche und schliessen sich dem Familienleben an.
Die Jungen sind erst nach zwei bis drei Jahren ausgewachsen. So lange bleiben sie bei der Familie und helfen dabei, auf die Kleinen aufzupassen. Eine Murmeltierfamilie kann bis zu 20 Tiere umfassen. Die Familienmitglieder erkennen sich gegenseitig am Geruch ihrer Wangendrüsen. Deshalb reiben sie zur Begrüssung die Nasen aneinander, um den Duft besser wahrzunehmen. Die Männchen markieren mit dem über die Wangen abgesonderten Sekret auch ihr Revier. Dieses verteidigen die Murmeltiere nicht nur gegenüber ihren Feinden, sondern auch gegen fremde Artgenossen. Damit die Jungen lernen sich zu verteidigen, kommt es immer wieder zu Kämpfen unter den Familienmitgliedern.
Ein Tier hält immer Wache, damit die anderen ungestört fressen können.
Nicht verzagen, weitergraben
Murmeltiere sind wahre Meister der Baukunst. Ihre Körper sind perfekt auf das Graben ausgerichtet. Die Vorderpfoten mit je vier langen Krallen dienen zum Buddeln. Mit den Hinterpfoten, die mit je fünf Krallen ausgestattet sind, schleudern sie die Erde aus dem Weg. Auch die Zähne nutzen sie zum Graben: Ihre Nagezähne sind sehr robust und wachsen das ganze Leben nach. Dadurch ist es nicht schlimm, wenn ein Stück vom Zahn abbricht. Die Abnutzung verhindert gar, dass die Zähne zu lang werden. Sogar die Ohren der Nagetiere sind auf das Graben ausgerichtet. Sie liegen eng am Kopf und sind dicht behaart, dadurch gerät beim unterirdischen Buddeln keine Erde in die Gehörgänge.
Die fleissigen Baukünstler graben ein ganzes Netz an Gängen mit verschiedenen Höhlen. Kein Wunder, schliesslich verbringen die Nagetiere mehr als die Hälfte ihres Lebens unter der Erde. Und das, obwohl sie im Dunkeln nicht sehen können. Durch die feinen Tasthaare im Gesicht und an den Vorderbeinen können sie ihre Umgebung aber perfekt wahrnehmen. Murmeltiere bauen je einen Bau für den Sommer und einen für den Winter. Der Sommerbau liegt nur etwa 1,5 Meter unter der Erde. Er dient neben dem Schlafen auch zum Abkühlen an heissen Tagen und als Nistkammer für den Nachwuchs. Der Winterbau hingegen liegt bis zu sieben Meter tief, da die Erde so weit unten nicht gefriert. Beide Bauten haben neben einem Haupteingang verschiedene Seiteneingänge, über die die Murmeltiere schnell vor Fressfeinden in Sicherheit fliehen können.
Immer auf der Hut
Die Sonne strahlt über die Berggipfel, eine leichte Brise weht durch die Landschaft und mitten auf der Alpenwiese grast eine Murmeltierfamilie. «Pfiieet!» Schlagartig verschwinden alle im Bau. Erst als sie sicher sind, dass der kreisende Adler verschwunden ist, wagen sie sich langsam wieder aus der Höhle. Dann wird weitergefressen. Schliesslich müssen sich die Murmeltiere in den warmen Monaten ihren Winterspeck anfressen. Dafür essen sie täglich bis zu 1,5 Kilogramm Pflanzen. Am meisten mögen sie solche mit einem hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, wie zum Beispiel den Alpenklee.


Oben: Das Murmeltier hält Ausschau nach Feinden, damit es die anderen rechtzeitig warnen kann.
Unten: Eine Murmeltierfamilie kann bis zu 20 Tiere umfassen.

Murmeltierbauten können bis sieben Meter unter die Erde reichen.
Damit die Murmeltiere ungestört fressen können, hält immer mindestens ein Tier der Familie Wache. Erblickt dieses eine Gefahr stösst es einen lauten, schrillen Schrei aus. Dieser kommt aus dem Kehlkopf und tönt für die menschlichen Ohren wie ein Pfiff. Die Hauptfeinde der Murmeltiere sind der Fuchs und der Adler. Doch auch Wander*innen, die den scheuen Alpenbewohnern zu nahekommen, können diese in die Flucht schlagen. Dies ist nicht nur ein Stressfaktor, sondern hindert die Tiere auch am Fressen, was wiederum die Überlebenschancen der Murmeltiere verschlechtert. Haben sie nicht eine genügend dicke Fettschicht, kann es sein, dass sie im Winter erfrieren.
Ein weiterer Faktor, der sich negativ auf die Futtermenge der wachsamen Nagetiere auswirkt, ist der Klimawandel. Durch die Erderwärmung verändert sich die Alpenflora und -fauna, wertvolle Pflanzen verschwinden nach und nach aus dem Lebensraum der Murmeltiere. Zusätzlich machen die steigenden Temperaturen ihnen zu schaffen. Denn Murmeltiere sind nicht in der Lage sich durch Schwitzen abzukühlen, stattdessen ziehen sie sich zurück, entweder in den Schatten oder in ihren Bau – Orte, an denen sie nicht Fressen können.
Glückliche Beobachtung
Wenn Sie das Glück haben, ein Murmeltier zu erspähen, sollten Sie dieses am besten aus der Ferne beobachten, um es nicht zu erschrecken und beim Fressen zu stören. Ebenfalls sollten Sie leise sprechen und laute Geräusche vermeiden. Beim Fotografieren gilt: kein Blitz.
Doch wo ist die Chance die scheuen Alpenbewohner zu treffen am grössten? Murmeltiere sind in den Schweizer (Vor)Alpen weit verbreitet. Am häufigsten sind sie im Wallis und in Graubünden im Schweizerischen Nationalpark. In manchen Regionen wie in Saas-Fee haben sich die Murmeltiere mittlerweile an die Wandernden gewöhnt und sind sehr zutraulich. •
Während in der Schweiz nur das Alpenmurmeltier heimisch ist, existieren weltweit 15 Murmeltierarten. Davon ist nur das Steppenmurmeltier (Marmota bobak) ebenfalls in Europa anzutreffen, die restlichen Arten leben in Nordamerika und Asien.
Das Schwarzhutmurmeltier (Marmota camtschatica) lebt in noch kälteren Gefilden als das Alpenmurmeltier hoch in den Bergen im Norden Sibiriens. Im Winter wird es dort bis zu -30 Grad und im Sommer taut nur die oberste Schicht des Bodens auf. Deshalb können sie keine tiefen Bauten graben, sondern müssen diese speziell isolieren. Doch nicht alle Arten leben in kühlen Höhenlagen. Das Gelbbauchmurmeltier (Marmota flaviventris) lebt beispielsweise in warmen, trockenen Gegenden von Kanada bis Kalifornien.
Die wohl seltenste Murmeltierart und zugleich eines der seltensten Tiere Nordamerikas, ist das Vancouver Murmeltier (Marmota vancouverensis), das nur auf Vancouver Island lebt. Man erkennt es an seinem dunkelbraunen Fell und der weissen Schnauze.



Oben Links: Das Gelbbauchmurmeltier lebt in warmen, trockenen Gegenden von Kalifornien bis Kanada.
Oben Rechts: Das Vancouver Murmeltier lebt einzig auf Vancouver Island.
Unten: Die langen Krallen an den Vorderpfoten eignen sich bestens zum Graben.


Neue Züchtungen sagen der Tomatenkrankheit Nummer eins – der Krautund Braunfäule – den Kampf an. Die neuen Sorten lassen sich ohne den Schutz eines Tomatenhauses direkt im Garten oder im Topf auspflanzen und gedeihen ohne viel Pflege.
Irène Nager, JardinSuisse
Was wäre ein Sommer ohne Tomaten? In verschiedenen Grössen, Formen und Farben von Rot über Gelb bis hin zu Orange gehören sie hierzulande zu den beliebtesten Gemüsesorten. Kaum sind keine Fröste mehr zu erwarten, kann es mit dem Pflanzen der Setzlinge losgehen. Denn die Ernte vom eigenen Strauch schmeckt einfach am besten. Alles, was es braucht, ist eine gute Erde, genügend Sonne, Wasser und Dünger: Das Kultivieren von eigenen Tomaten ist keine Hexerei. Oder besser gesagt «wäre», denn viel zu oft machen den Hobbygärtnernden lästige Pilzkrankheiten einen Strich durch die Rechnung. Allen voran die Krautund Braunfäule: Sie ist die Spielverderberin Nummer eins, lässt sie doch die Blätter und Triebe der Pflanzen innert weniger Tage braun werden, führt zu faulenden Stellen an den Früchten und oft zum Totalausfall der Ernte.
Es gibt jedoch gute Neuigkeiten an der Tomatenfront: Züchterinnen und Züchter haben in den letzten Jahren gezielt daran gearbeitet, resistente Sorten zu entwickeln. Diese lassen sich ohne den Schutz eines Tomatenhauses im Garten oder im Topf anbauen. Während bei normalen und «toleranten» Sorten die Kraut- und Braunfäule bei feuchtem Wetter im Sommer oft auftritt, zeigt sie sich bei resistenten Sorten kaum noch oder erst im Herbst, wenn die Ernte bereits weit fortgeschritten ist.
Sie sind als Setzlinge in Gärtnereien und Gartencentern unter der Bezeichnung «Piresistente» Tomaten erhältlich. Das Kürzel «Pi» steht dabei für Phytophthora infestans, den wissenschaftlichen Namen des Erregers der Krautund Braunfäule.
Bereits ist eine ganze Palette verschiedener geschmackvoller Sorten erhältlich, von der Cocktailtomate bis hin zum länglichen Mini-San-Marzano-Typ. Durch die reduzierte Krankheitsanfälligkeit sind sie ideal für den biologischen Anbau im Gemüsegarten oder auf Balkon und Terrasse.
Nach Einschätzungen von Fachpersonen dürften sich resistente Tomatensorten in den nächsten Jahren einen fixen Platz in den Sortimenten erobern. Sie versprechen, ein echter «Gamechanger» in der Tomatenkultur zu werden. Fragen Sie in Gärtnereien und Gartencentern nach den neuen resistenten Tomatensorten, damit Sie im Sommer eine reiche Ernte von gesunden Pflanzen geniessen können.
Woher stammt die Tomate?
Die Tomate war ursprünglich in Mittel- und Südamerika heimisch und kam im Gepäck der spanischen Eroberer Ende des 15. Jahrhunderts nach Europa. Schnell verbreitete sie sich und ist heute in unserer Küche unverzichtbar, sei es als sommerlicher Salat mit Mozzarella und Basilikum oder als Spaghetti-Saucen-Klassiker. Der Name «Tomate» soll vom aztekischen Wort «Tomatl» stammen, was sich mit «Schwellfrucht», beziehungsweise als «wasserhaltige Frucht» übersetzen lässt. •
Vorbeugen ist die halbe Ernte
Nebst der Wahl von resistenten Sorten gibt es eine ganze Reihe weiterer vorbeugender Massnahmen, die wesentlich dazu beitragen, die Tomatenpflanzen kräftig und gesund durch die Saison zu bringen:
• Einen möglichst sonnigen Standort wählen.
• Bei Pflanzungen in Töpfe immer neues Substrat verwenden.
• Düngen, düngen, düngen … Tomaten brauchen regelmässige Nährstoffgaben. Befolgen Sie dabei die Herstellerangaben auf dem Düngemittel.
• Einen ausgewogenen Tomatendünger verwenden und zugleich auf eine gleichmässige Wasserversorgung achten, damit Kalzium kontinuierlich aufgenommen werden kann. Besonders die grossfruchtigen Sorten reagieren empfindlich auf Feuchtigkeitsschwankungen und können von Blütenendfäule betroffen sein.
• Direkt in den Wurzelbereich giessen, die Blätter möglichst nicht benetzen.
• Staunässe vermeiden.
• Die kleinen Seitentriebe, die in den Blattachseln wachsen, regelmässig entfernen. So bleibt die Pflanze luftig, die Blätter trocknen rasch ab und die ganze Kraft geht in den Haupttrieb.
• Die Erde unter den Tomatenpflanzen mit organischem Material wie Rasenschnitt mulchen, um Spritzwasser vom Boden her zu reduzieren.
• Zwischen den Tomatenpflanzen ausreichende Pflanzabstände von 60–80 cm einhalten.
« Tomaten sind sehr beliebt und lassen sich mit wenig Aufwand selbst anbauen. »
• Eine Unterpflanzung mit Basilikum, Peterli oder Ringelblumen wehrt Schädlinge ab, fördert die Bodengesundheit und das Wachstum.
JardinSuisse ist der Unternehmerverband Gärtner Schweiz. Ihm gehören 1700 Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus, der Topfpflanzen- und Schnittblumenproduktion, der Baumschulproduktion sowie des gärtnerischen Detailhandels an. Der Branchenverband bietet seinen Mitgliedern eine umfassende Palette an Dienstleistungen an. Dazu gehören beispielsweise die Beratung, die Unterstützung bei der Werbung, die Zertifizierung von Produktionsbetrieben und vieles mehr. Jardin Suisse betreut zudem die gärtnerische Berufsbildung von der Grundbildung bis zur Höheren Fachprüfung (Gärtnermeister*in).



Oben: Bereits ist eine ganze Palette von resistenten Tomatensorten erhältlich, von der Cocktailtomate bis zur länglichen Mini-San Marzano-Typ.
Unten Links: Neu gezüchtete Sorten ermöglichen einen Anbau von Tomaten im Freiland. Die gefürchtete Kraut- und Braunfäule hat keine Chance.
Unten Rechts: Kraut- und Braunfäule kann Triebe und Früchte befallen. Zum Glück gibt es nun resistente Sorten, welche kaum mehr befallen werden.

Über 200 Vogelarten wurden im Reussdelta bis heute beobachtet. Das Gebiet ist nicht nur ein Paradies für Vögel, sondern auch für Fische, Insekten und Amphibien. An warmen Tagen laden Grillplätze und ein Naturlehrpfad zum Verweilen ein.
Am südlichsten Zipfel des Urnersees mündet die Reuss in den Vierwaldstättersee. Früher bereitete der Fluss der Bevölkerung der Urner Reussebene grosse Sorgen, da er für katastrophale Überschwemmungen sorgte. In mehreren Schritten wurde die Reuss begradigt und verbaut. Später wurde die Naturlandschaft durch den Bau der Autobahn zerschnitten. Inzwischen steht jedoch ein Teil des Reussdeltas unter Naturschutz. Mit Kies, der beim Bau des Gotthard-Eisenbahntunnels aus dem Berg gebrochen wurde, hat man im See sechs Inseln aufgeschüttet. Da diese nicht betreten werden dürfen, kann sich die Natur darauf ungehindert entwickeln.
Im Delta findest du Uferabschnitte, an denen man im Sommer baden oder bräteln kann. Neben einem grossartigen Naturlehrpfad gibts einen elf Meter hohen Turm, den du besteigen kannst, sowie eine Beobachtungsplattform mit Blick auf die Weiherlandschaft. Doch nicht nur für Menschen ist das Delta ein beliebter Ort zum Erholen, auch Vögel legen hier auf ihrem Zug in den Süden eine letzte Rast ein, bevor der anstrengende Weg über die Alpen beginnt. Die Riedwiesen, Auenwälder und Kiesbänke bieten ihnen Schutz und Nahrung. Bis heute wurden hier 225 Vogelarten beobachtet, wovon etwa 40 im Delta brüten. Unter diesen ist auch der Flussregenpfeifer, der auf ungestörte Kiesflächen angewiesen
«
Bis heute wurden im Reussdelta 225 Vogelarten beobachtet. »
ist. Seine gut in einer Kiesmulde versteckten sandfarbigen Eier haben eine spezielle Form und können deshalb nicht davonrollen. Im See und in den Gräben leben 30 Fischarten, darunter auch das seltene Bachneunauge. Mit etwas Geduld lässt sich das aalähnliche Tier, dessen Vorfahren das Zeitalter der Dinosaurier noch miterlebt haben, von April bis Mai vom Holzbrückchen beim Lehrpfad aus beobachten.
Als häufigste Säugetiere lassen sich am frühen Morgen regelmässig Rehe blicken. Zudem kommen hier je vier Amphibienarten und Reptilienarten vor, etwa Ringelnattern, Gelbbauchunken, Feuersalamander und Zauneidechsen. Auch eine gewaltige Anzahl Insekten summt durch das Reussdelta. Darunter sind Arten, die man sonst fast nirgends entdeckt. Eine besondere Bewohne-

Der Flussregenpfeifer ist auf ungestörte Kiesflächen angewiesen.
rin ist die Sägehornbiene, die sandigen Boden zum Nisten braucht und ausschliesslich Pollen des Blutweiderichs sammelt. Kein Wunder ist sie so selten!
Tipp: Das Reussdelta hat wohl die schönste Webseite aller Naturschutzgebiete der Zentralschweiz und informiert bestens über alle möglichen Aktivitäten im Gebiet: www.reussdelta.ch •


NATURERLEBNISSE IN DER ZENTRALSCHWEIZ
252 Seiten, 210 mm x 140 mm
ISBN 978-3-03818-832-2
CHF 29.–

Schlafen im ehemaligen Stall, luxuriöses Campieren neben Geissen oder umfangreicher Resort-Genuss gleich neben dem Reiterhof: Die Schweizer Parahotellerie hat für Tierfreund*innen so einiges im Angebot.
Anita Suter
Jugendherberge Baden:
Schlafen im Pferdestall
Im Netzwerk der Schweizer Jugendherbergen ist keine wie die andere. Allesamt warten sie mit individuellem Charakter und charmanten Eigenheiten auf. So etwa auch die Jugendherberge in Baden, direkt an der Limmat gelegen: Sie ist in einem ehemaligen Pferdestall untergebracht! Was sich von aussen immer noch so präsentiert, ist im Innern längst umgestaltet und renoviert. Das bedeutet natürlich auch, dass die Pferde ausgezogen sind. Dafür lassen sich am Flussufer Biber, Reiher und Wasservögel beobachten, ausserdem bieten sich die Tierpärke Kloster Gnadenthal und Roggenhausen als Ausflugsziele an. youthhostel.ch
BnBs mit Esel und Alpakas
Auf dem Eselhof Säge im schaffhauserischen Buch wird im Vierbettzimmer, in einem der zwei Strohräume oder im eigenen Wohnmobil übernachtet und – der Name hats verraten – man begegnet Eseln. Diese lassen sich von Gästen auf einen Spaziergang ausführen. Oder ist es vielleicht andersherum? In «Uelis Stöckli» im bernischen Meikirch wird derweil im ehemaligen Kuhstall genächtigt. Das 2025 umgebaute Bed and Breakfast wartet mit einer ganzen Schar von Tieren – von Alpakas bis zu Schafen – auf. Beide Unterkünfte gehören zum Angebot von BnB Switzerland, eine Schweizer Plattform, bei der sich private Gastgeberinnen und Gastgeber ums Gästewohl kümmern.
bnb.ch/2059 (Eselhof Säge),
bnb.ch/2845 (Uelis Stöckli)
Camping Aaregg:
Tierisches am Brienzersee
Beim Camping Aaregg, Mitglied von Swisscamps.ch, ist es nicht so sehr die Unterkunft selbst, als vielmehr die Lage am malerischen Brienzerseeufer, die bei Tier- und Naturverbundenen punkten dürfte. Rundherum bieten sich diverse entsprechende Ausflugsmöglichkeiten an, angefangen beim Tierpark mit seinen Hirschen, Steinböcken und Gämsen, über das Freilichtmuseum Ballenberg – bei dem nebst historischen Bauernhäusern auch zahlreiche Hoftiere zugegen sind – bis hin zur Trauffer Erlebniswelt mit seinen (zugegebenermassen hölzernen) Kultkühen.
swisscamps.ch, aaregg.ch
TCS Camping Eymatt: Geissen und Höfe
Ebenfalls im Kanton Bern, am hauptstadtnahen Wohlensee, wird auf dem TCS Camping Bern Eymatt an ruhiger Lage mitten im Grünen gecampt. Hier gibt es nicht nur schmucke Stellplätze und formidable Glamping-Unterkünfte, sondern auch: Geissen! Wer die mit zahlreichen Bauernhöfen gespickte Umgebung erkundet – hier bieten sich das Velo oder ein E-Bike an – darf sich ebenfalls auf tierische Begegnungen freuen. Übrigens: Auf allen TCSCampingplätzen sind Hunde auf den Stellplätzen erlaubt. Bei den Mietunterkünften gelten unterschiedliche Regelungen. camping.tcs.ch
Hundefreundliche Ferienwohnungen
Ferienwohnungen für alle Bedürfnisse – auch jenes eines potenziell mitreisenden Haustiers – versammelt Interhome auf seiner Plattform. Dort lassen sich Ferienhäuser und Apartments in der ganzen Schweiz (und auch darüber hinaus) ganz einfach suchen und finden – beispielsweise auch mit dem Filter «Haustiere erlaubt». Europaweit stehen über 15 000 haustierfreundliche Unterkünfte zur Auswahl. interhome.ch
Mitten im Geschehen:
Reka-Feriendorf Urnäsch
Im Mai ziehen hier die Appenzeller Senninnen und Sennen in traditioneller Tracht mit ihren Tieren auf die Alp, im Herbst wird das schönste Vieh prämiert. Und selbst wenn in der Region kein traditionelles Fest ansteht, dreht sich im Reka-Feriendorf Urnäsch alles um Tiere und die Natur. Auf dem Gelände des Feriendorfs teilen sich Feriengäste den Aufenthalt mit Zwerggeissen, Ponys, «Chüngeli» und weiteren tierischen Bewohnern. Wer will, hilft im Stall mit oder übt sich im Reiten. Gut zu wissen: Ähnliche Tier- und Naturerlebnisse bieten auch andere Reka-Feriendörfer – und im Swiss Holiday Park in Morschach, dem grössten Ferien- und Freizeitresort der Schweiz, warten auf dem Erlebnishof «Fronalp» Pferde, Ponys und zahlreiche Kleintiere auf Besuch. reka.ch


Oben links: Vom Kuhstall zum Bijou: Ueli's Stöckli in Meikirch verbindet Denkmalschutz mit Hotpot und Alpaka-Spaziergängen. Buchbar über BnB Switzerland. Unten: Glamping mit Seeblick auf dem Camping Aaregg am Brienzersee (Swisscamps) und tierische Begegnungen auf dem Eselhof Säge in Buch SH (BnB Switzerland).
Wir suchen für jeden Monat ein schönes Natur- oder Landschaftsbild. Senden Sie das Bild per E-Mail in hoher Auflösung (mindestens 3 Megabyte) per E-Mail an bild@natuerlich-online.ch unter Angabe Ihrer Adresse (Querformat bevorzugt). Das aus Sicht der Redaktion schönste Bild wird jeweils abgedruckt und mit einem Gutschein des Weber Verlags im Wert von CHF 50.– belohnt.
Weitere Bilder werden bei uns auf der Website natuerlich-online.ch aufgeschaltet.






Bild des Monats
1: Bruno Schmidiger
2: Susanne Mächler
3: Franziska Ulmann
4: Brigitte Schori
5: Monika Stockinger
6: Therese Krebs
7: Sarah Rappo
8: Monika Stockinger



In der letzten Ausgabe haben wir fälschlicherweise ein Bild der invasiven Kanadischen Goldrute anstelle der heimischen Echten Goldrute abgebildet.
Die Echte Goldrute wird weniger hoch (bis 1 m) als die Kanadische Goldrute. Sie ist weniger stark verzweigt, hat eher traubige Blütenstände und längere Zungenblüten. Die Kanadische Goldrute hat eher bogige Zweige, die pyramidenförmig angeordnet sind.

Fragen, Anregungen, Lob oder Kritik sind willkommen. Die Leserbriefe müssen mit der vollständigen Adresse versehen sein. Die Redaktion behält sich vor, Briefe zu kürzen. Schicken Sie Ihren Brief per E-Mail an: leserbriefe@natuerlich-online.ch oder per Post an «natürlich», Leserbriefe, Gwattstrasse 144, 3645 Thun/Gwatt.

Psychosoziale, anerkannte Weiterbildungen mit eidg. Diplom
Viele Beziehungsprobleme, Stresserkrankungen, depressive Verstimmungen u. a. psychosomatische Störungen zeigen raschere Besserungstendenzen, wenn im beraterischen Gespräch der Körper in aktiver oder passiver Form einbezogen wird. Der IKP-Ansatz beinhaltet neben dem psychosozial-beraterischen Gespräch auch das Erleben und Erfahren über den Körper sowie den Einbezug kreativer Medien. Weitere Informationen unter www.ikp-therapien.com

Venenbeschwerden?
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IMPRESSUM
46. Jahrgang 2026, ISSN 2234-9103
Erscheint 8-mal jährlich
Verbreitete Auflage: 14 432 Exemplare (WEMF/KS beglaubigt 2025)
Kontakt
mail@natuerlich-online.ch, www.natuerlich-online.ch
Redaktion, Herausgeber und Verlag
Weber Verlag AG , Gwattstrasse 144, CH-3645 Thun Tel. +41 33 336 55 55, leserbrief@natuerlich-online.ch www.weberverlag.ch
Verlagsleitung
Annette Weber-Hadorn a.weber@weberverlag.ch
Dyami Häfliger d.haefliger@weberverlag.ch
Verlagsleiter Zeitschriften
Samuel Krähenbühl s.kraehenbuehl@weberverlag.ch
Chefredaktorin
Blanca Bürgisser b.buergisser@weberverlag.ch
Leser*innenberatung
Sabine Hurni s.hurni@weberverlag.ch
Weitere Autor*innen
Corinne Kneubühler, Samuel Krähenbühl, Laura Columberg, Blanca Bürgisser, Yvonne Rossel, Sophie Souvignier, Markus Kellenberger, Sabine Hurni, Leila Dregger, Julia Zimmermann, Roger Urs Bottlang, Maria-Theresia Zwyssig, Irène Nager, Anita Suter
Grafik/Layout
Shana Hirschi, Nina Ruosch
Korrektorat Konrad Venetz
Copyright Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung durch den Verlag. Für unverlangte Einsendungen wird jegliche Haftung abgelehnt.
Anzeigenleitung
Thomas Kolbeck, Tel. +41 79 269 73 21 t.kolbeck@weberverlag.ch
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AVD Goldach
Bildnachweise
Andrea Abegglen: 3, 52 Lorena Hadorn: 6–11
Sonja Berger: 17 hi-rice: 78–79
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Maria-Theresia Zwyssig: 88–92
Irène Nager: 100–103
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Markus Kellenberger
We nn mir hin und wieder die Welt auf den Kopf zu fallen droht, was nach einem Blick auf die Schlagzeilen in verschiedenen Zeitungen durchaus passieren kann, dann hilft in der Regel ein ausgedehnter Waldspaziergang, um die Seele wieder zu beruhigen. An Regentagen hingegen zeige ich mich in solchen Fällen eher wasserscheu, und dann schnappe ich mir das Buch, in dem ich schon lange wieder mal lesen wollte und setze mich in eins der dazu geeigneten Cafés in der Umgebung. Dort bestelle ich mir einen Cappuccino –und wenn’s hat, gerne auch noch etwas Süsses, die Tageszeit spielt dabei keine Rolle. Das habe ich nicht von meiner Mutter geerbt, sondern von meinem Grossvater. In dem Punkt waren wir uns immer einig.
So sass ich an einem Regentag also wieder mal in einem Café. Nach einigen Schlucken Cappuccino, der ersten Hälfte der Cremeschnitte und knapp drei gelesenen Seiten ertönte direkt vor mir eine Stimme. «Exgüsi, ist hier noch frei?» Erstaunt schaute ich von meinem Buch auf und kurz in das Gesicht, das die Frage gestellt hatte. Dann blickte ich rasch nach links und nach rechts, stellte fest, dass ich an diesem Vormittag noch immer der einzige Gast war, und sieben leere Tische zur Auswahl standen. «Äh ja, hier ist noch frei», sagte ich, worauf sich der mir unbekannte Mann schräg vis-à-vis von mir hinsetzte und bei der flink herbeigeeilten Serviererin eine Schale bestellte. Komischer Kauz, dachte ich, zog mein aufgeschlagenes Buch etwas näher zu mir hin, fand den Satz, in dem ich unterbrochen worden war und … «Ich habe schon ewig niemanden mehr in einem Café ein Buch lesen gesehen», sagte der Mann.
Langsam lehnte ich mich zurück und schaute mein Gegenüber zum ersten Mal richtig an. Da sass ein unauffällig gekleideter Herr, etwas besser rasiert als ich, dafür mit schüttererem Haar. Die Augen hinter der zeitlosen Brille waren klar, und die Falten im Gesicht verrieten, dass er ungefähr in meinem Alter sein musste. Insgesamt wirkte er entspannt und eigentlich ganz sympathisch. Es ist schon interessant, was man alles wahrnimmt, wenn man einen

Menschen richtig anschaut. «Ja», entfuhr es mir, «und ich habe schon lange niemanden mehr in einem Café eine Schale bestellen gehört.» Und so sassen wir da, zwei komische ältere Käuze und unterhielten uns noch eine zweite Schalen- und Cappuccino-Länge über das, was einmal war, und was davon vielleicht sogar besser war (die Musik auf jeden Fall, ja, ja!), warum einem die Welt manchmal auf den Kopf fällt, und wie gut es tut, mit der eigenen Nostalgie nicht ganz allein zu sein.
Seit diesem Vormittag denke ich öfters darüber nach, warum wir uns – ich schliesse mich da mit ein – nicht öfters einfach zu irgendjemandem setzen und ein Gespräch beginnen. Einfach so. Es sitzen und stehen ja täglich überall genug Leute allein herum, die meisten davon auf ihr Handy starrend, und es würde mich nicht wundern, wenn einige davon durchaus froh wären, überraschend wieder mal mit einem richtigen Menschen ein paar Worte zu wechseln. Es muss ja nichts Tiefschürfendes sein, und ich bin sicher: Selbst ein einziges unverfängliches Gespräch mit einem fremden Menschen über das Wetter macht die Welt zu einem besseren Ort. Ich weiss, das braucht eine gehörige Portion Mut, ist im Grunde aber gar nicht so schwer. Lassen Sie sich etwas einfallen – und denken Sie daran: Je nach Situation könnte ein unverfängliches «exgüsi, ist hier noch frei» schon mal ein guter Anfang sein.
PS: für die Jüngeren unter uns: Eine Schale ist die traditionelle deutschschweizer Variante eines Cappuccino, eine Tasse mit Kaffee und viel Milch, aber ohne Schaum – und leider auch ohne Schokopulver.
Markus Kellenberger
Markus Kellenberger ist Autor und Journalist. In der Kolumne «Anderswelt» betrachtet er Alltägliches – nicht nur – aus schamanischer Sicht, und an seinen «Feuerabenden» im Tipi begleitet er Menschen auf der Reise ins Innere. markuskellenberger.ch

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