Bewusst gesund leben
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natürlich www.natuerlich-online.ch Preis Fr. 9.80 | Oktober 2021
Titel 1 bis 2 Zeilen Zusatztext Titel Sterben 1 bis 2 Zeilen Das Nachdenken über den Zusatztext Tod ist ein Ja zum Leben Titel 1 bis 2 Zeilen Rheuma Zusatztext Eine Selbst(heilungs) Titel erfahrung 1 bis 2 Zeilen Zusatztext Sophrologie Die Lehre von der Besonnenheit des Geistes
Ungemolken Wie gut sind vegane Milchalternativen?
Schönes Haar Es geht auch ohne Shampoo
Krebs
Wie die Mistel Leiden lindert
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Samuel Krähenbühl
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne Liebe Leserin, lieber Leser «Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.» Diese Worte von Hermann Hesse passen zu der aktuellen Ausgabe von «natürlich». Denn es ist die erste Ausgabe, die wir beim Weber Verlag in Thun für Sie produzieren. Manches ist neu. Doch wir halten weiterhin die Tradition und Werte hoch, die «natürlich» seit 40 Jahren ausmachen. Ein Magazin wie «natürlich» braucht es in der aktuellen Situation nötiger denn je. «Mens sana in corpore sano» – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Dieses berühmte Zitat, das der oder die eine oder andere noch aus dem Latein-Unterricht kennen mag, bringt es auf den Punkt: Ein gerütteltes Mass an Vernunft und Verstand ist die wichtigste Voraussetzung, um gleichzeitig gesund und glücklich zu bleiben. Sicher: Es ist gut, dass wir die Erkenntnisse der Wissenschaft nutzen können. Nutzen bedeutet aber nicht, uns ihr untertan zu machen. Und dazu gehört auch, dass wir als Gesellschaft unsere abendländischen Werte im Umgang miteinander aufrechterhalten. Davon mehr in einem Gastbeitrag der «Naturärzte Vereinigung Schweiz». Und bei aller Aktualität sollten wir nicht vergessen, dass es Tausende von Krankheiten gibt, welche die Menschheit beschäftigen. Zweien davon ist je einen Schwerpunkt gewidmet: Zum einen der «Volkskrankheit» Rheuma und wie man sie überwinden kann. Und zum anderen dem Krebs: Wir gehen der Frage nach, was die alternative Heilmethode der Misteltherapie bei Brustkrebs bewirken kann.
Chefredaktor
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NATÜRLICHE STÄRKUNG Ayurveda Tipps für Ihr Immunsystem Ein
Ayurvedische Sichtweise Gesundheit wird im Ayurveda als Ganzheit verstanden, als sensibles Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele. Gesundheit ist viel mehr als das Fehlen von Krankheitssymptomen. In Jahrtausende alten Aufzeichnungen ayurvedischer Ärzte werden sechs Stufen einer Krankheit beschrieben, von ersten, leichten Ungleichgewichten bis hin zu ernsten Komplikationen, die nur noch schwer zu therapieren sind. Wie viel einfacher ist es doch, Ungleichgewichte der Doshas (die ayurvedischen Funktionsprinzipien Vata, Pitta und Kapha) mit korrigierenden Massnahmen in den Bereichen Ernährung, Tagesroutine und Verhalten frühzeitig auszugleichen.
Natürliche Prävention Eine grosse Palette bewährter Kräuter (Wurzeln, Blätter, Blüten, Früchte, Rinden etc.) wird seit Jahrtausenden bei unterschiedlichsten Gesundheitsstörungen eingesetzt, sowohl einzeln als auch in Kombination mit anderen Pflanzen und Mineralien. In Kombipräparaten verstärken sich die Inhaltsstoffe und Eigenschaften noch zusätzlich und die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältiger.
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Ayurvedisches Nahrungsergänzungsmittel Die ayurvedische Nahrungsergänzung «AYUimmun V» verbindet moderne Erkenntnisse mit traditionellem Wissen aus dem Ayurveda. Vitamin D3 und Zink tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Die ayurvedischen Inhaltsstoffe wie Ashvagandha ((Withania somnifera), Süssholzwurzel (Glycyrriza glabra), glabra Tulsi (Basilicum sanctum), Guduchi (Tinospocordifolia), Pippali (Piper longum) sowie Amalaki (Emblica ra cordifolia officinalis) cinalis werden in den ayurvedischen Schriften ebenfalls als Widerstandskraft unterstützend beschrieben.
Die Tagesdosis (1Kapsel) enthält: Vitamin D3 2.38 µg (47.5% der Referenzmenge), Zink 4.9 mg (49.6% der Referenzmenge). Enthält Süssholz – bei hohem Blutdruck mässig verwenden. Nicht empfohlen für Kinder, Schwangere und stillende Mütter.
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Inhalt GESUND SEIN
10 Sterben ie Auseinandersetzung mit D dem eigenen Tod gehört zu einem gesunden und erfüllten Leben.
12 Sophrologie Mit gestärktem Selbstvertrauen Herausforderungen meistern.
16 Haarpflege Was unser Haar nährt und was ihm schadet. Tipps für die Haupt-Sache.
GESUND WERDEN
32 Krebs Wie die Misteltherapie Betroffenen helfen kann.
37 Spaltung überwinden Die Corona-Impfung spaltet Gemüter und Gesellschaft. Wie ein neues Miteinander gelingen kann.
38 Aminosäuren Glücklich und gesund dank den «Bausteinen des Lebens».
19 Milchalternativen
42 Dankbarkeit
Sind Hafermilch und Co. wirklich ökologischer und gesünder als Kuhmilch? Eine kritische Betrachtung.
Die grösste aller Tugenden und ihre Risiken.
26 Sabine über . . .
Erlebe Dein
Leben neu!
46 Rheuma Eine Selbst(heilungs)erfahrung, die Mut macht.
. . . das Heilen.
50 Wolfs Heilpflanze
28 Leserberatung
Baldrian ist der Zenmeister unter den Pflanzen.
on Arthrose über Makula V degeneration bis hin zum nächtlichen Schwitzen.
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58 Remo Vetter Wie ein Garten helfen kann, zu innerer Ruhe zu finden.
Service 03 Editorial | 06 Leben und heilen | 31 Liebesschule | 54 Staunen und wissen | 62 Hin und weg | 63 Neu und gut 64 Rätsel | 65 Vorschau | 66 Eva unterwegs
Fasten erleichtert den Körper und beflügelt Geist und Seele nach der bewährten P. Jentschura Methode 7x7® KräuterTee – der geniale Basentee mit 49 Kräutern WurzelKraft® – der Rundumversorger mit 103 Pflanzen MeineBase® – das Original unter den Basenbädern mit pH 8,5
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leben & heilen
Viel Vollkorn schützt das Herz Erwachsene, die täglich mindestens drei Portionen Vollkorn verzehren, können damit Herz-Risikofaktoren wie eine Gewichtszunahme und einen Anstieg des Blutdrucks und Blutzuckerspiegels abmildern. Das berichten US-Wissenschaftler der Tufts University. Als Portion gilt zum Beispiel eine Scheibe Vollkornbrot, eine halbe Tasse Haferflockenmüsli oder eine halbe Tasse brauner Reis. krea
Corona
Mehr Speck auf den Rippen Die Schweizer Bevölkerung hat während der Pandemie massiv zugenommen: im Schnitt um 3,3 Kilogramm (verglichen mit 2019). Das zeigt eine Studie der Universität St. Gallen. Die Bevölkerungsgruppe der 45- bis 64-Jährigen bringt heute sogar satte 6,7 Kilogramm mehr auf die Waage als vor zwei Jahren. Zum Vergleich: Zwischen 2014 und 2019 hat die Bevölkerung im Durchschnitt nur 100 Gramm zugenommen. krea
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gewusst
Demenz
Risikofaktor Augenerkrankung? Forschende der Guangdong Academy of Medical Sciences in Guangzhou (China) haben gezeigt, dass Erkrankungen der Augen auf ein erhöhtes Risiko für Demenzerkrankungen hinweist. Dies gelte insbesondere für die altersbedingte Makuladegeneration, den Grauen Star (Katarakt) und diabetesbedingte Augenkrankheiten. Die Studienergebnisse wurden kürzlich im «British Journal of Ophthalmology» vorgestellt. Die Häufigkeit dieser Augenerkrankungen nimmt mit steigendem Alter zu. Gleiches gilt für Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Depressionen und Schlaganfall – auch solche Erkrankungen gelten als Risikofaktoren für Demenz heilpraxis.net
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Krankheit ist ein sinnvoller Versuch, den Menschen zurück in die Ganzheit zu führen.
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René Hirschi, Prozess-Begleiter
JalMQ�f:a Schule für Sterbe- und Trauerbegleltung
1 Schon ein Glas Alkohol ist ungesund Ein Glas Rotwein pro Tag ist gesund, lautet eine Volksweisheit. Eine Studie des Universitären Herz- und Gefässzentrums in Hamburg legt nahe, dass das nicht stimmt. Die Forscher untersuchten die Daten von 110 000 Menschen. Jene, die jeden Tag eine Stange Bier oder ein Glas Wein tranken, hatten im Vergleich zu Abstinenzlern ein erhöhtes Risiko, Herzvorhofflimmern zu bekommen. Frühere Studien hatten zudem gezeigt, dass auch moderater Alkoholkonsum das Risiko für manche Krebsarten, hohen Blutdruck und Leberkrankheiten erhöht. krea
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gesund sein | leben und heilen
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Vitamin C strafft die Haut
Hilfe für Arthrosepatienten
Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C ist unablässig für die Gesundheit. Und auch für die Haut ist das Antioxidans wichtig: Es schützt vor UV-Strahlen, wirkt der Hautalterung entgegen und hilft obendrein gegen Pickel und Altersflecken. Das bestätigen zahlreiche Studien. Viele Hautcrèmes enthalten deshalb Vitamin C. Man kann aber auch sehr viel günstiger eine ca. 10-prozentige Lösung selbst herstellen. Dazu einfach 10g Ascorbinsäure (=Vitamin C in Pulverform) in 100ml (Rosen)Wasser auflösen und in eine Sprühflasche abfüllen. Im Kühlschrank aufbewahren und täglich ein- bis zweimal das Gesicht damit einsprühen. Wenn es brennt die Lösung stärker verdünnen. krea
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och bis vor Kurzem galt Arthrose als nicht heilbar. Doch ein Knorpel kann sich sehr wohl regenerieren, wie neueste Forschungen belegen. Der Facharzt für Innere Medizin und Reha-Medizin Dr. Bernhard Dickreiter fasst den aktuellen Wissensstand zu Prävention und Ursachen sowie ihrer ganzheitlichen Behandlung leicht verständlich zusammen. Die von ihm entwickelte Zellbiologische Regulationstherapie erhält dabei viel Raum; aber auch Naturheilmittel wie Brennnessel, Teufelskralle oder MSM werden besprochen, ebenso die Rolle der Ernährung und Bewegung. Ein Kapitel widmet sich auch den operativen Therapien. So bietet das Werk eine gute Orientierungshilfe für Patientinnen und Patienten bei der Auswahl der passenden Therapie.
Dr. Bernhard Dickreiter «Arthrose ist heilbar. Die wahren Ursachen verstehen und gezielt behandeln», Herbig 2021, ca. Fr. 25.–
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leben und heilen | gesund sein
A lter
Methusalems haben besondere Darmflora Japanische Forscher der Kaio University of Medicine (Tokio) haben bei über 100-jährigen Frauen und Männern ein spezielles Darmbakterium entdeckt, das womöglich vor zahlreichen altersbedingten Krankheiten schützt, darunter Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Diabetes und Krebs. Was dafür sorgte, dass sich die besonderen Bakterien im Darm der Methusalems ansiedelten, ist bislang unklar. Andere Studien zeigten aber, dass Joghurt, Kimchi, Kombucha und Sauerkraut entzündliche Proteine im Darm reduzieren, während sie gleichzeitig die Vielfalt gesunder Bakterien erhöhen. Nature
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Yoga lindert Fatigue Eine Yoga-Therapie kann gegen krebsbedingte starke Müdigkeit (Fatigue) helfen. Frauen mit Brustkrebs scheinen dabei besonders davon zu profitieren. Dies zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie am Universitätsklinikum Würzburg. Die Mediziner untersuchten die Auswirkungen einer achtwöchigen Yoga-Therapie auf leichte bis schwere Fatigue bei 173 Patienten mit verschiedenen Krebsarten. Die Probanden wurden nach dem Zufallsprinzip der Yoga-Gruppe oder der Wartelisten-Kontrollgruppe zugeteilt. Patienten, die an den wöchentlichen Yoga-Sitzungen teilgenommen hatten, berichteten über weniger Müdigkeitsgefühle und Depressionen sowie einen stärkeren Anstieg ihrer Lebensqualität. Zudem zeigte sich, dass Frauen mit Brustkrebs nach der YogaTherapie weniger müde waren als Patientinnen mit anderen Krebsarten. MM
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g e s u n d s e i n | themenstichwort
«Ich will bei meinem Sterben dabei sein» Thomas Gröbly leidet unter der als unheilbar geltenden Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). In seinem berührenden, sehr persönlichen Essay macht er sich Gedanken über die existenziellen Fragen zu Leben und Tod, über das Sterben und die Suizidbeihilfe. Text: Thomas Gröbly
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ch habe keine Angst vor dem Sterben, ich möchte nur nicht dabei sein, wenn’s passiert», soll der Regisseur Woody Allen gesagt haben. In dieser witzigen Aussage kommt ein verbreitetes Unbehagen zum Ausdruck. Um Leiden zu vermeiden, wählen immer mehr Menschen die Abkürzung durch Suizidbeihilfe. Als Mensch mit der schweren Krankheit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) habe ich Verständnis – und gleichzeitig ein paar kritische Einwände. Sterben mit ALS kann schrecklich sein. Ich kann mich verschlucken und ersticken oder stürzen und den Kopf verletzen. Aber schon vorher werde ich mit gelähmten Beinen, Armen und Händen auf eine Rundumbetreuung angewiesen sein – Zähne- und Hinternputzen werden zum Trauerspiel. Wenn das Schlucken kaum mehr möglich ist, werde ich mittels Magensonde ernährt, und ein Atemgerät gibt mir Sauerstoff. Heute kann ich mir das kaum vorstellen; noch bin ich weitgehend selbständig. Vollständig von anderen abhängig zu sein, ist wahrlich schwer vorstellbar.
Der Tod als bürokratischer Verwaltungsakt Ein «ALS-Bekannter» von mir starb in Begleitung der Schweizer Suizidbeihilfe-Organisation «Exit». Auch in mir drängt sich die Frage auf, wie mein Ende aussehen wird. Einen Suizid mit oder ohne Suizidbeihilfe-Organisation schliesse ich nicht aus. Trotzdem stimmt mich das Sterben mit assistiertem Suizid skeptisch. Ich habe in meiner Arbeit als Trauerredner schon einige Male Angehörige von Menschen erlebt, die sich
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so das Leben genommen hatten. Fast durchgängig lautete die Kritik, die planmässige Durchführung des Sterbens habe kaum Platz für den Abschied gelassen. Die genau bestimmte Uhrzeit am Tag X zerstöre das Geheimnis des Sterbens und degradiere es zu einem bürokratischen Verwaltungsakt. Ich verurteile niemanden, der dieses Sterben wählt. Ich masse mir nicht an, den Leidensdruck beurteilen zu können, der jemanden diesen Weg gehen lässt. Aber assistierter Suizid ist für mich ein Ausdruck von Todesverdrängung, von Sterbe- und Todesangst. Der Tod – und noch mehr das Leiden im Sterben – darf nicht sein. Das Sterben soll möglichst schnell, sauber und diskret veranstaltet werden. Mit Suizidbeihilfe wird das Unverfügbare des Sterbens verfügbar gemacht. Der Tod wird zu einem minutiös geplanten Projekt mit einer klar definierten Agenda. Wer diesen Weg wählt, will die Kontrolle behalten und nichts dem Zufall überlassen.
Ein letzter Akt der Selbstoptimierung Ich sehe darin die konsequente Weiterführung der Selbstoptimierungskultur. Lebenslang muss ich lernen und mich verbessern. Täglich 10 000 Schritte gehen und das Gesicht faltenfrei halten, damit ich in Beruf und Liebe Erfolg habe. Wenn mein Körper trotz allen Bemühungen Defizite zeigt und nicht mehr einwandfrei funktioniert, muss ich schnell und möglichst anonym verschwinden. Dahinter steckt eine lange Geschichte der Tabuisierung des Todes, das sich im neoliberalen Menschenbild zugespitzt hat. Demnach ist jede und jeder für seinen Marktwert und sein Sterben selbst verant-
sterben | gesund sein wortlich. Assistierter Suizid als letzter Akt der Todesverdrängung und Selbstoptimierung: Für Überraschungen und Abenteuer im Leben – und im Sterben – bleibt kein Platz. Begründet wird das assistierte Sterben meist damit, dass man schweres Leiden vermeiden will. Ich möchte auch nicht (unmässig) leiden. Aber Schmerzen und Leiden gehören nun mal zum Leben. Die medizinischen Möglichkeiten, Leiden und Schmerzen erträglich zu machen, geben mir die Chance von neuen Erfahrungen, die ich vielleicht erst am Ende meines Lebens machen kann. Mit Suizidbeihilfe würde ich dies verhindern, denn das Sterben ist damit auf einen technokratischen Prozess reduziert: Man zieht den Stecker, das Licht geht aus. Es ist ein Sterben ohne Geheimnis und Poesie. Aus juristischen Gründen stehen unverzüglich Polizist, Staatsanwältin, Kantonsarzt und Bestatterin am Bett. Auch wenn sich alle Beteiligten Mühe geben – dem Sterben wird die Intimität genommen. Meine Bedenken gegenüber Suizidbeihilfe haben keine theologischen Gründe. Ein Gott der Liebe steht zu mir, wofür ich mich auch immer entscheide. Am meisten erschreckt mich, dass das Sterben beziehungslos wird. Zwar kann auch das Sterben mit Suizidbeihilfe von Angehörigen begleitet werden; aber die organisatorischen Bedingungen wirken erschwerend. Dabei sollte Sterben in einem Netz von Beziehungen mit viel Zeit und Raum geschehen dürfen – auch wenn ich alleine sterbe. Ein Sterbewilliger kann alles mit seinen Lieben besprechen, und diese können der Suizidbeihilfe zustimmen. Dennoch: Der Vollzug geschieht durchorchestriert mit den notwendigen Personen «all inclusive» in zwei Stunden. Die Angehörigen sind gezwungen, mitzuspielen und zu funktionieren. Da bleibt weder Raum noch Zeit für die eigenen Gefühle: weinen oder beten, schreien oder verstummen; oder die Zeit vergessen und sich vom Geheimnis des Sterbens berühren zu lassen. Assistierter Suizid ist ein Ausdruck unserer Zeit, in der Freiheit ein wichtiger Wert ist. Wir vergessen jedoch gerne, dass Freiheit immer Teil eines Beziehungsnetzes ist. Mit meinem Entscheid, meinem Leben ein Ende zu setzen, stelle ich meine Angehörigen vor vollendete Tatsachen und erschwere somit ihren Abschiedsprozess. Nicht nur die Folgen für die Angehörigen werden negiert, auch die gesellschaftliche Wirkung geht vergessen: Wird Suizidbeihilfe zu einer Selbstverständlichkeit, könnten hilfsbedürftige alte Menschen unter Druck geraten, sich das Leben zu nehmen. Es könnte eine Stimmung entstehen, in der kranke und schwache Menschen nur noch als soziale und finanzielle Last angesehen werden und Unerwünscht sind.
Wie ich mir mein Sterben vorstelle Wie anders sieht das Sterben in einem Hospiz aus. Mit meiner Krankheit kann ich mir Sterbefasten vorstellen: Ich esse nichts mehr, bis mein Körper geschwächt ist und am Schluss trinke ich auch nichts mehr. Ich weiss, dass das sehr qualvoll sein kann und mit dem Sterbefasten ein friedlicher Übergang keineswegs garantiert ist. Als Sterbender habe ich so aber alle Zeit, die ich brauche – meine Lieben können bei mir sein, ich kann Musik hören oder jemand liest mir ein Gedicht vor, wie es mir beliebt. Ich bin medizinisch betreut, sodass ich möglichst wenig Schmerzen habe. Ich kann den Sterbeprozess bewusst miterleben und vielleicht noch wertvolle Erfahrungen machen. Es geht in keiner Weise darum, das Sterben zu verherrlichen und zu romantisieren. Auch in einem Hospiz kann ich alle möglichen Regungen zeigen, Angst, Wut, Verbitterung, Verzweiflung oder Ruhe und Gelassenheit. Im Idealfall bin ich aber begleitet von Menschen, die mich so nehmen wie ich bin.
Amyotrophe Lateralsklerose Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine schwere Erkrankung des motorischen Nervensystems, bei der sämtliche Muskeln betroffen sind und so auch auch das Sprechen, Schlucken und die Atmung. Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf kann es zur vollständigen Lähmung der Skelettmuskulatur kommen. Die ALS ist nicht heilbar, durch eine Behandlung können ihre Symptome jedoch gelindert werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung nach der Diagnose beträgt drei bis fünf Jahre. Infos unter www.als-charite.de
Suizidbeihilfe betont ein selbstbestimmtes, «würdevolles» Sterben. Das ist meiner Ansicht nach eine Verkehrung des Würdebegriffs. Meist geht man davon aus, dass Würde durch Schmerz, Angst und Abhängigkeit verlorengehen kann. Würde hat viel mit Selbstbestimmung zu tun. Auf Hilfe angewiesen zu sein, ist jedoch urmenschlich und die Grundlage einer humanen Gesellschaft. Deshalb ist mir diese Definition wichtig: Würde ist unabhängig von Geschlecht, Rasse, Herkunft, Gesundheit, Bewusstsein oder Zurechnungsfähigkeit! Würde kann also nicht abnehmen. Mich fasziniert die Idee, dass ich mich bis zum letzten Atemzug entwickle, auch wenn es von aussen nach Abbau von Körper und Geist aussieht. Ein Leben mit grossen Einschränkungen und schwerem Leiden ist eine Herausforderung. Aber so stelle ich mir das vor: Freiheit im Leben wie im Sterben; ein Ja zum Leben, auch im Sterben. Bei aller Kritik respektiere ich jeden Entscheid für Suizidbeihilfe. Ich kann heute nicht sagen, ob es nicht doch mein Weg sein wird. Sterben bleibt ein Geheimnis und ein Abenteuer, bei dem ich ganz bewusst dabei sein möchte.
Thomas Gröbly (63) ist reformierter Theologe, Lyriker und ehemals Dozent für Ethik an der FHNW in Brugg sowie Inhaber des «Ethik-Labors» und des Verlages «Volleshaus» in Baden. Dieser Text ist ein Auszug aus seinem demnächst erscheinenden Buch «Einen Augenblick staunen – Variationen über Sterben, Nachhaltigkeit und friedfertiges Leben». Für Thomas Gröbly ist das Sterben ein grosses Ja zum Leben. Infos unter www.volleshaus.ch.
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sophrologie | gesund sein
Die Kunst des starken Selbsts Sophrologie ist die «Lehre von der Besonnenheit des Geistes». Sie verbindet östliche mit westlichen Philosophien mit dem Ziel der Heilung und Lebensschulung. Text: Fabrice Müller
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m 1. März 1999 stiegen die Ballonpiloten Bertrand Piccard und Brian Jones in Château d’Oex (VD) zu einer historischen Fahrt in die Lüfte: Sie umkreisten mit der Breitling Orbiter 3 als Erste die Erde nonstop in einem Ballon. Die Reise führte Piccard und Jones über Asien, den Pazifik, Mittelamerika und den Atlantik. Am 21. März landeten sie in der Wüste von Ägypten. Im Vorfeld dieses Abenteuers bereitete sich der Psychiater, Abenteurer und bislang einzige Schweizer Astronaut Bertrand Piccard unter anderem bei der Sophrologin Christiane Oppikofer aus Lausanne auf die Rekordfahrt vor. «Es ging in der Therapie darum, sich geistig und körperlich auf die Ziele des Projekts einzustimmen», erinnert sich Oppikofer. Gleichzeitig erhielt Piccard bei ihr die nötigen Werkzeuge, um vertieft an sich selbst zu arbeiten, um die bevorstehenden Herausforderungen zu meistern.
Ost trifft West Christiane Oppikofer praktiziert die Sophrologie seit 25 Jahren. «Ich litt damals unter einer schweren Krankheit», erzählt sie. «Dank der Sophrologie ging es mir wieder besser. Das hat mich dazu bewogen, mich selber zur Sophrologin ausbilden zu lassen.» Heute gibt sie zusammen mit Jörg Schneider entsprechende Kurse in der Deutsch- und Westschweiz. Bei der Sophrologie handelt es sich um eine Methode, die das körperliche und geistige Bewusstsein fördert mit dem Ziel, Krankheiten vorzubeugen oder zu lindern; ebenso kann sie helfen, persönliche Lebensziele zu erreichen. «Die Sophrologie kann als Synthese aus verschiedenen westlichen und östlichen Denkrichtungen bezeichnet werden», sagt Jörg Schneider, der eine Sophrologie-Praxis in Lausanne und Biel betreibt und sich als Vorstandsmitglied im Berufsverband
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Dank der Sophrologie ging es mir wieder besser. Das hat mich dazu bewogen, mich selber zur Sophrologin ausbilden zu lassen.
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«Sophrologie Suisse» und als Ausbildner für professionelle Sophrologen bei BewusstGesund in Thun engagiert. Die Sophrologie basiert auf der Phänomenologie nach Edmund Husserl und auf Gedanken der Existenzialphilosophie, insbesondere auf der Wertephilosophie von Max Scheler. Zudem vereint sie Einflüsse aus dem Raya Yoga, Buddhismus, der existentiellen Phänomenologie, der griechischen Philosophie und der Wertelehre (Axiologie). Entwickelt hat die Sophrologie 1960 der spanische Neuropsychiater Professor Alfonso Caycedo. «Er wollte einen neuen, ganzheitlichen Ansatz in die Psychiatrie einbringen und diese mit einfachen Übungen für die Patienten verbinden», erklärt Schneider. Obwohl Alfonso Caycedo bereits in den 60er-Jahren an der Methode arbeitete, wurde sie erst im Jahr 2001 fertig entwickelt. Seitdem wird sie mehrheitlich in Spanien und den romanischsprachigen Ländern, so auch in der Westschweiz, vermittelt bzw. praktiziert. In den meisten anderen Ländern ist die Sophrologie kaum bekannt.
Vom Profimusiker zum Therapeuten Wie Christiane Oppikofer kam auch Jörg Schneider aufgrund einer eigenen Krankheitsgeschichte zur Sophrologie. Der 54-Jährige spielte während 25 Jahren als Solo-Trompeter im Sinfonie Orchester Biel Solothurn und im Colle-
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Ich als Sophrologe habe das Wissen, der Klient die Macht, etwas zu verändern
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gium Novum Zürich. Daneben komponierte und interpretierte er unter anderem für das Schweizer Fernsehen die Musik mehrerer Dokumentarfilme. «Während einer Orchesterprobe verletzte ich meine Oberlippe», erzählt Schneider. Es folgten sieben Jahre mit verschiedenen Behandlungen – und der ständigen Unsicherheit, ob er, der Profimusiker, je wieder beschwerdefrei wird spielen können. «Ich stiess in dieser Zeit auf die Sophrologie und erlebte bald die ersten Erfolge», berichtet Schneider. Begeistert von der Methode absolvierte er die Ausbildung zum Sophrologen in Lausanne und Andorra. Seit vier Jahren setzt Schneider ganz auf die Sophrologie und steht nicht mehr als Profimusiker im Einsatz. Unter anderem bietet er für die Lernenden einer Versicherung sowie für die Studierenden der Hochschule der Künste in Bern und der Musikschule Biel Kurse zur Stressprävention an. «Mich sprechen der ganzheitliche Ansatz, das holistische Menschenbild wie auch die Begegnung mit den Patientinnen und Patienten auf Augenhöhe an», erklärt er seine Faszination für die Methode.
Die Stimme als Werkzeug Doch wie funktioniert die Sophrologie? Im Zentrum der Behandlung stehe die Entwicklung des Bewusstseins, erklärt Christiane Oppikofer: «Wir Sophrologen arbeiten mit
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zwölf dynamischen Entspannungstechniken an Körper und Geist.» Der Bewusstseinszustand, der auch als «état sophronique» bezeichnet wird, erlaube es der Klientin oder dem Klienten, sich besser auf Vorgänge im Innern, etwa Gefühle oder Erinnerungen, zu konzentrieren. Erreicht wird dieser Zustand durch eine bessere Körperwahrnehmung – ohne diese zu bewerten – und ruhiges Atmen. Zuerst wirken die Techniken auf der körperlichen Bewusstseinsebene. Unter Anleitung des Therapeuten begibt sich der Klient anschliessend auf eine Reise tief in seinen Körper - und zugleich auf eine Zeitreise: indem er Krankheitssymptome in Zusammenhang mit seiner Lebensweise bringt. «Dabei können Erinnerungen oder innere Bilder und Gedanken auftauchen, manchmal auch schmerzhafte Erfahrungen», erklärt Oppikofer. Und: «Meine Stimme ist bei dieser Arbeit ein wichtiges Instrument.» So spiele es eine Rolle, wie sie spreche, atme, die Pausen setze und welche Worte sie benutze, um in der Therapie ein bestimmtes Ziel zu erreichen. «Über die Stimme transportieren wir viele, zum Teil auch nonverbale Botschaften. Das ist vergleichbar mit einem Gesang.» Die spezifischen Techniken der Sophrologie helfen auch, die Selbstwirksamkeit zu aktivieren, das heisst, die Überzeugung eines Menschen, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können. Ebenso können mit Hilfe der Methode unbewusste Automatismen bewusst gemacht und durchbrochen werden. Dazu stellt sich der Klient die gewünschte Situation in der Zukunft vor und versucht zu fühlen, wie er sich dabei fühlen wird. Im entspannten Zustand prägen sich diese Vorstellungen tief ein und werden konkret «erlebt» – auf der geistig-seelischen, aber auch der körperlichen Ebene. «Ich als Sophrologe habe das Wissen, der Klient die Macht, etwas zu verändern», sagt Jörg Schneider. Er betont, dass der Klient mit der Zeit selber in der Lage sei, die Übungen mit Hilfe seiner Stimme durchzuführen.
Von Leiden und Zielen Auch wenn die Sophrologie mit der Hypnose verwandt ist, gibt es ein paar grundlegende Unterschiede zwischen den beiden Methoden: «Hypnotiseure haben eine andere Rolle als Sophrologen. Wir begleiten die Klienten und bewegen uns auf Augenhöhe mit ihnen», sagt Jörg Schneider. Zudem werde in der Sophrologie nicht suggeriert. Der Klient entscheide selber über ein Bild oder einen Gedanken, der ihm weiterhelfen soll.
sophrologie | gesund sein
Die Sophrologie kann bei unterschiedlichsten Themen eingesetzt werden. Die Palette reicht von körperlichen Beschwerden wie Schmerzen, Tinnitus über Schlafprobleme, Prüfungsängste bis hin zur Burnout-Prävention. Andererseits kann die Methode auch helfen, angestrebte Ziele etwa im Sport, Privatleben oder im Beruf zu erreichen. Christiane Oppikofer erzählt von einem Klienten, der unter Parkinson leidet. «Er liebt die Musik über alles, traute sich aber nicht mehr an Konzerte. Denn er fürchtete, das unkontrollierte Zittern seiner Hände und seines Kopfes könnte das Publikum stören.» Dank der Sophrologie-Therapie bekam der Klient seinen Stress ob des Zitterns in den Griff, konnte sein Zittern besser kontrollieren und fasste wieder Mut, Konzerte zu besuchen. «Eine andere Klientin, sie ist über 90 Jahre alt, hatte Angst vor dem Tod. Ich sprach mit ihr in der Therapie über Werte und philosophische Themen. Nun geht sie gelassener mit dem Thema Tod und Sterben um.» In der Praxis von Jörg Schneider lernte eine Cellistin, mit ihren Auftrittsängsten besser umzugehen. «Sie fand durch die Methode ihren persönlichen Raum zwischen dem, was aussen ist, und ihrem Inneren. In diesem Raum fühlt sie sich geborgen und geschützt», berichtet Schneider. Dies habe bei der Klientin ein starkes Erlebnis ausgelöst und sie tief berührt. «Sie hat nun ein anderes Bild von sich und kann besser mit ihrem Lampenfieber umgehen.» Der Therapeut fordert seine Klienten auf, ihre Eindrücke aus den Entspannungsphasen und Körperreisen schriftlich festhalten, zum Beispiel in Form eines Tagebuches. Darin beschreiben die Klienten zum Beispiel, was sie während einer spezifischen Technik erlebt und wie sie gewisse Körperempfindungen wie Wärme oder Kälte wahrgenommen haben. Immer wieder arbeitet Jörg Schneider auch mit Kindern. Sie bringen ihre Erlebnisse während der Sitzung oft in Form von Zeichnungen zum Ausdruck. Natürlich hat die Sophrologie auch ihre Grenzen. Vor allem bei schweren psychologischen Störungen, Neurosen und Schizophrenie arbeiteten sie nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt des Klienten, betonen Jörg Schneider und Christiane Oppikofer.
Links www.christiane-oppikofer.ch www.sofroy.ch (Jörg Schneider) www.sophrologiesuisse.com (Berufsfachverband)
Bucht ipp Florence Parot: «Sophrologie. Die Kunst des starken Ichs: Achtsamkeitsübungen für mehr Energie, Stärke und Selbstbewusstsein», Dorling Kindersley Verlag 2020, ca. Fr. 39.–
Von den Krankenkassen anerkannt Die Sophrologie gehört zu den alternativmedizinischen Methoden. Sie wird über die Zusatzversicherung für komplementärmedizinische Behandlungen von den Krankenkassen anerkannt.
Selbstwertgefühl steigern Urvertrauen und Selbstwert hängen zusammen. Deshalb haben Eltern eine prägende Rolle, wenn es um das Selbstwertgefühl ihrer Kinder geht: Sie sind die ersten, die einem vermitteln können, dass man ein wertvoller Mensch ist, der geliebt wird. Ausgrenzung, Niederlagen und andere äussere Faktoren können das Selbstwertgefühl zwar schwächen. Als Erwachsene sind wir für dieses aber – wie der Name sagt – SELBST verantwortlich. Denn Selbstwert ist eine Frage des eigenen Massstabs. Wie wir den Glauben an uns selbst stärken können:
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Nehmen Sie Komplimente mit Freude an Wer ein geringes Selbstwertgefühl hat, dem fällt das besonders schwer. «Damit kann ich unmöglich gemeint sein!», ist eine häufige Reaktion. Hören Sie auf mit solchen vernichtenden Urteilen über sich selbst!
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Machen Sie möglichst oft das, was Sie lieben Das erfüllt Sie und sorgt für innere Zufriedenheit.
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Schauen Sie auf das, was Sie können Machen Sie sich Ihre Stärken, Erfolge und Situationen, in denen Sie stolz auf sich waren bewusst. Fällt Ihnen nichts ein, fragen Sie Familie oder Freunde.
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Sorgen Sie für Erfolgserlebnisse Stecken Sie sich realistische Ziele und dokumentieren Sie Fortschritte: Führen Sie ein Erfolgstagebuch. Die spätere Lektüre stärkt das Selbstvertrauen.
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Helfen Sie Ihren Mitmenschen Geben Sie, sooft Sie können – eine helfende Hand, Komplimente: das macht Sie sympathischer (Benjamin-Franklin-Effekt). Und: Anderen etwas Gutes zu tun, führt dazu, dass man sich selbst gut fühlt.
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Transformieren Sie negative Glaubenssätze Aus «Ich habe das nicht verdient» wird «Ich bin es wert», aus «Ich bin zu alt für das» «Ich bin gut im Lernen von Neuem» usw. Funktioniert nicht? Auch das ist ein negativer Glaubenssatz (sog. Affirmation)! Machen Sie sich diese bewusst und üben Sie sich in der Umwandlung negativer Glaubenssätze.
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haarpflege | gesund sein
Eine haarige Geschichte Gesund soll es sein, kräftig und glänzend: Unser Haar ist ein Geschenk der Natur, das uns gleichermassen schmückt wie charakterisiert. Eine angemessene Haarpflege fördert das Wohlbefinden und steigert das Selbstbewusstsein. Text: Angela Bernetta
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b blond oder braun, lockig oder glatt: Wenn das Haar nach dem Aufstehen wüst vom Kopf absteht, sich weder von Bürste noch Gel bändigen lässt, schlägt das nicht wenigen aufs Gemüt. Ein drohender «Bad Hair Day» irritiert vor allem das weibliche Geschlecht – denn für viele Frauen ist ihre Haarpracht zentral und beeinflusst sowohl das Wohlbefinden als auch das Selbstbewusstsein. Eine deutsche Online-Befragung fand vor kurzem heraus, dass ein Grossteil der Frauen bei morgendlichem Zeitdruck eher auf Make-up oder ein passendes Outfit verzichten würden, als dem Tag unfrisiert entgegenzutreten. Und der Markt mit den Haarpflegeprodukten boomt: Gemäss Bundesamt für Statistik geben Schweizerinnen und Schweizer etwa 250 Mio. Franken jährlich für Shampoo, Haarconditioner und Co. aus. Das entspricht etwa zehn Prozent vom Gesamtumsatz des schweizerischen Kosmetikmarkts. Doch braucht unser Haar überhaupt so viel Pflegeprodukte? Und welche Pflege ist für welches Haar sinnvoll?
Haare bevorzugen Naturprodukte Unser Haar ist ein nachwachsender Rohstoff, der von der Haarzwiebel in der Kopfhaut produziert wird. Wird die Haarwurzel gut versorgt und erspart man dem Kopfhaar Stylingstress wie Dauerwellen und Chemiekeulen wie Farbveränderungen, trägt man viel zu dessen Gesundheit bei. Dann muss man nur noch die passenden Pflegeprodukte verwenden. «Herkömmliche Haarpflegeprodukte unterstützen unseren Haarschopf kaum», weiss die Naturcoiffeuse Silvia Burri. Sie beanstandet, dass ein beachtlicher Teil der Kosmetikindustrie die Inhaltstoffe von Haarpflegeprodukten hinter findigen Marketingstrategien, knackigen Schlagworten und kaum leserlichen Inhaltsangaben auf den Verpackungen – sehr klein geschrieben! – verstecken. Die diplomierte Hautund Haarpraktikerin mit langjähriger Berufserfahrung und eigenem Geschäft in Rüschlikon (ZH) moniert: «So gelangen problematische, chemische Zusätze wie Parabene, Sulfate oder Silikone nicht nur direkt über die Haut in unseren Organismus, sondern belasten auch die Umwelt über das Abwasser.» Aus eigener Erfahrung weiss sie, dass etwa der Gebrauch von chemischen Haarfarben zu Haarausfall führen kann. Ihrer Meinung nach sollte man das Haar ohnehin nur mit Produkten behandeln, die man auch essen kann. «Das setzt jedoch voraus, dass man lesen kann und auch versteht, was in den Produkten drinsteckt.»
Die richtige Haarpflege
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Das Haar mit lauwarmem Wasser waschen.
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Bei Haarseifen und Shampoos auf die Inhaltsstoffe achten.
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Ein- bis zweimal Haare waschen wöchentlich reicht normalerweise aus.
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Das Frottiertuch nach dem Waschen um das nasse Haar wickeln. Vorsichtig trocken drücken oder wringen, nie rubbeln.
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Nach Möglichkeit das Haar Luft trocknen lassen.
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Hundert Bürstenstriche täglich verteilen den Talg als natürlichen Balsam ins Haar.
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um Bürsten wird eine Naturhaarbürste Z empfohlen, etwa aus Wildschweinborsten.
Wenig Shampoo verwenden und dieses mit Wasser verdünnen.
Beim Föhnen nie die heisseste Stufe benutzen und in Wuchsrichtung föhnen. Das schliesst die Schuppenschicht und sorgt für Glanz.
Haar und Ernährung Wer gesundes und kräftiges Haar schätzt, sollte auf eine ausgewogene Ernährung achten. Wichtige Nährstoffe und Nahrungsmittel fürs Haar sind:
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Zink – Vollkornprodukte, Eier, Gemüse, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Muskelfleisch
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Eisen – Fleisch, Hülsenfrüchte, Petersilienwurzel, Schnittlauch, Vollgetreide, Leinsamen, Nüsse
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Vitamin C – Obst und Gemüse
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Biotin – Leber und Hefe
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Cystin – Eigelb.
iweiss – Fisch, Geflügel, Käse, Magerquark, Tofu, E rote Linsen, Eier, Nüsse, Leinsamen, Erbsen, Goji Beeren
Vitamine der B-Gruppe kurbeln den Eiweissstoffwechsel an.
Silicium – Ananas, Blattsalat, Erdbeeren, Karotten, Kürbis, Champignons, Blumenkohl, Kartoffeln, Vollgetreide, Meerrettich, Sonnenblumenkernen, Spargel
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gesund sein | haarpflege
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Unser Haarschopf besteht zwar aus abgestorbenen Zellen, dennoch macht das Haar unser Befinden sichtbar.
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Natürliche Pflege bei Problemhaar Die Anwendung von natürlichen Produkten kann bei Problemhaar eine Alternative zu Haarpflegeprodukte sein. Einige Beispiele:
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Natron – Reinigt die Kopfhaut ohne Tenside gründlich und wirkt gegen fettiges Haar.
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Apfelessig: Nach einer Spülung mit Apfelessig ist das Haar schön weich und lässt sich gut kämmen. Apfelessig wirkt auch gegen fettiges Haar.
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eilpflanzen: Brennessel, Kapuzinerkresse, Rosmarin, H Kamille oder Ingwer. Diese Heilpflanzen können als in viel Wasser vedünnter Tinktur ins Haar einmassiert oder als Teespülung verwendet werden. Heilpflanzen helfen bei fettigem Haar und beruhigen irritierte Kopfhaut.
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therische Öle: Rosmarinöl regt die Durchblutung Ä der Kopfhaut an und fördert das Haarwachstum.
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eebaumöl hat antibakterielle Eigenschaften und T hilft gegen Schuppen. Ylang-Ylang-Öl fördert den Haarwuchs und reguliert die Talgproduktion. Achtung: Verträglichkeit von ätherischen Ölen vorher testen!
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eilerde: Hilft nicht nur bei Akne und Ekzemen H im Gesicht, sondern entzieht der Kopfhaut auch überschüssiges Fett und bindet Schadstoffe. Die Talgdrüsenproduktion wird reguliert, das Haar fettet weniger schnell nach.
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Avocadokur: Die ölhaltige Frucht verleiht trockenem Haar Glanz. Auch verlängert eine Avocado-Kur den Farbschutz.
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Zitrone: Der Saft einer Zitrone ist ein Bleichmittel und reguliert die Talgproduktion bei schnell fettendem Haar.
Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten sind überzeugt, dass konventionelle Shampoos der Kopfhaut und dem Haar mehr schaden als nützen – indem sie etwa die Talgdrüsen zu stark anregen und dadurch das Haar schneller nachfetten lassen. Ob häufiges Haarewaschen die Talgproduktion tatsächlich ankurbelt, ist wissenschaftlich allerdings umstritten.
Das Haar lebt Gleichwohl ziehen nicht wenige Menschen die Haar und Umwelt lieben Naturprodukte wie Heilerde, Mehl, Kräuterauszüge oder Natron den gebräuchlichen Haarpflegemitteln vor. Auch Shampoo am Stück erlebt ein Revival. Die heutigen Er-
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zeugnisse haben allerdings nichts gemein mit der Kern- oder Haarseife von früher; vielmehr sind es Shampoos, denen man das Wasser entzogen hat. Sie sollen, je nach Produkt, einen für das Haar besseren pH-Wert haben als Flüssigshampoos. Allerdings enthalten viele Shampooseifen Glycerin, was Haut und Haar eher austrocknet. Silvia Burri geht bei der Haarpflege einen ganzheitlichen Weg: «Dieser bezieht die Inhaltstoffe von Haarpflegeprodukten genauso mit ein wie Umweltfaktoren, etwa Pflanzenfarben, und deren Wirkung sowie die psychischen Zusammenhänge bei Haut- und Haaranliegen.» Auch Sorgen und Stress wirkten auf Haut und Haar und liessen sie bisweilen verkommen, betont die Naturcoiffeuse. «Unser Haarschopf besteht zwar aus abgestorbenen Zellen, dennoch macht das Haar unser Befinden sichtbar.» Auch regelmässiges Bürsten und eine ausgewogene Ernährung (siehe Box) seien essenziell für kräftiges und gesundes Haar, betont Burri: «Isst man ungesund, sieht man das dem Haar an.» Gerät der Säure-Basen-Haushalt bei falscher Ernährung, Rauchen, Bewegungsmangel, Umweltgiften oder Stress aus dem Ruder, entziehe der Körper dem Haarboden bald einmal die Mineralstoffe, erklärt sie. Die Folge: Die Haarwurzeln werden durch den Mineralstoffmangel unterversorgt und verkümmern; das Haar wächst dann nicht mehr kräftig nach und kann schliesslich ausfallen.
No-Poo ist zeitgemäss Noch einen Schritt weiter gehen Anhängerinnen und Anhänger der No-Poo-Bewegung. Die Shampoo-Verweigerer und -Verweigerinnen reinigen das Haar lediglich mit Wasser. Ganz ohne Pflege geht es aber auch bei ihnen nicht: Mit einer Naturhaarbürste befreien sie die Kopfhaut täglich von Schweiss und Talg. Manche reinigen das Haar zusätzlich hie und da mit natürlichen Shampoos wie Natron oder Heilerde (siehe Box). Die No-Poo-Bewegung ist nicht nur ein Trend; vielmehr orientiert sie sich an allgemeinen Strömungen unserer Zeit. So versuchen sich ihre Anhängerinnen und Anhänger in einem Meer aus Konsumgütern wieder auf das Wesentliche zu besinnen. Auch, um in einer unüberschaubar gewordenen Welt die persönliche Kontrolle zu behalten respektive wieder zu erlangen. Zudem wollen sie die Umwelt vor Plastik und Tensiden bewahren und den Säureschutzmantel der Haut, den zu viel Seife und Schaum zu zerstören drohen, vor Umwelteinflüssen, schädlichen Bakterien und Allergien schützen. Viele No-Poo-Aficionados hoffen, dass sich nach einer längeren Zeit des Shampoo-Verzichts wieder hilfreiche Bakterien und Pilze auf der Haut ansammeln. Ob das tatsächlich der Fall ist, darüber sind sich Dermatologen allerdings uneins. Silvia Burri indes ist überzeugt: «Alles ist besser, als das Haar mit Chemie zu waschen.» Die Naturcoiffeuse rät stattdessen jedem – auch Männern -, das Haar mit natürlichen Haarpflegeprodukten zu behandeln und die Kopfhaut mit regelmässigen Bürstenmassagen zu verwöhnen, was die Haarwurzel stärke. Damit das Haar schön kräftig wird und bleibt – und wir voller Selbstbewusstsein in den Tag starten können.
Ungemolken Um die Milch tobt ein regelrechter Glaubenskrieg. Einiges spricht für sie, manches dagegen. Wie gesund und nachhaltig sind die veganen Varianten? Eine Einordnung. Text: Gundula Madeleine Tegtmeyer
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g e s u n d s e i n | milchalternativen
Pflanzendrink» statt «Pflanzenmilch» Der Begriff Milch ist in der Schweiz und in der EU seit 2017 rechtlich geschützt: Milch darf nur noch heissen, was aus Eutern gemolken wird. Pflanzliche Milchalternativen müssen anders bezeichnet werden, z. B. als «Sojadrink», «Reisdrink» usw. Kokosmilch ist das einzige Milchersatzprodukt, das Produzenten auch offiziell «Milch» nennen dürfen. Mit ihrem fruchtig-nussigen Geschmack eignet sie sich für Curries, Drinks oder Desserts, für den Alltag ist sie für viele aber wohl zu exotisch, weshalb sie in diesem Artikel nicht näher betrachtet wird.
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uhmilch hat viel von ihrem guten Ruf eingebüsst, nicht zuletzt wegen der zunehmend kritischen Haltung gegenüber der gängigen Massentierhaltung und den damit einhergehenden Treibhausgasemissionen und dem Wasserverschleiss: Laut der Organisation Water Footprint sind für ein Glas Kuhmilch (200 ml) rund 200 Liter Wasser nötig. Das Wasser wird für das Futter, das Putzen des Stalls, das Tränken der Tiere und die Milchproduktion selbst gebraucht. Der ernährungsbedingte Umweltfussabdruck lässt sich erwiesenermassen durch den Griff zu pflanzenbasierten Produkten reduzieren. Dabei gibt es allerdings einiges zu beachten. «Pflanzliche Produkte sind hinsichtlich der Produktion ressourcenschonender und weisen somit eine bessere Ökobilanz auf. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass das Produkt aus einer nachhaltigen Produktion kommt», gibt Matthias Meier zu bedenken. Meier ist Dozent für nachhaltige Lebensmittelwirtschaft an der Berner Fachhochschule für Agrar-, Forst – und Lebensmittelwirtschaften (HAFL). «Ersetzt man Kuhmilch durch pflanzenbasierte Milch, muss man sich bewusst sein, dass diese hinsichtlich Nährstoffzusammensetzung nicht gleichwertig ist», betont er. So fehle zum Beispiel in den Milchalternativen Calciumes sei denn, der lebenswichtige Mineralstoff wurde zugesetzt. Eine ausreichende Calcium-Versorgung ist unter anderem für den Erhalt gesunder Knochen sowie zur Vorbeugung von Osteoporose bedingten Knochenbrüchen wichtig. Das nur in Tiermilch enthaltene Vitamin B12 wiederum ist wichtig für die Zellteilung, Blutbildung und Nervenfunktion. Auch wichtig zu wissen: Je nach Rohstoff (siehe S. 22/23) unterscheiden sich die pflanzenbasierten Milchalternativen erheblich bezüglich des Gehaltes an Proteinen, Fett, Kohlehydraten und Vitaminen. Qualitativ hochwertige Sojamilch z. B. enthält mehr wertvolle Omega-3-Fettsäuren als Kuhmilch. Bleibt das Problem mit dem Calcium.
Gefahr der Mangelernährung Forschungsstudien belegen, dass eine ausreichende Calciumzufuhr besonders bei Kindern im Wachstum eine wichtige Rolle spielt. Katrin Annika Kopf ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Lebensmittelverarbeitung an der Berner Fachhochschule in Zollikofen. Als Expertin mit
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Ersetzt man Kuhmilch durch pf lanzenbasierte «Milch», muss man sich bewusst sein, dass diese hinsichtlich Nährstoffzusammensetzung nicht gleichwertig ist
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Spezialgebiet Milchforschung und nachhaltige Proteinquellen warnt sie vor Nährstoffmangel durch Milchersatz: «Bei Säuglingen und Kleinkindern sind pflanzenbasierte Getränke nicht zu empfehlen. Insbesondere bei veganer Ernährungsweise können sie zu Nährstoffmangel und daraus resultierenden Entwicklungsstörungen führen.» Vor allem die Versorgung mit qualitativ hochwertigen Proteinen, Calcium, Jod und Vitamin B12 müsse sichergestellt sein, betont Kopf. Gegebenenfalls müssten diese mit anderen Lebensmitteln oder Supplementen zugeführt werden. Bei Verzicht auf Kuhmilch auf dem kindlichen Speiseplan kann Calcium über Brokkoli, Spinat, Lauch, Grünkohl und den Verzehr von Nüssen ausreichend aufgenommen werden. B12 kann mittlerweile auch synthetisch hergestellt werden. Es wird dann etikettiert als Cyanocobalamin oder Cobalamin und wird Vegetariern und Veganern empfohlen. «Ersetzt man tierische Produkte innerhalb seiner Ernährung durch pflanzenbasierte Produkte, sollte man stets seinen individuellen Ernährungskontext betrachten», rät Lebensmittel-Experte Meier. «Wenn bisher hauptsächlich Kuhmilch in der täglichen Ernährung als Eiweisslieferant gedient hat, bietet sich der Ersatz durch Soja- oder Lupinenmilch an. Denn beide Alternativen sind ebenfalls reich an Eiweiss.» Kamen die Proteine bislang aus anderen Quellen, seien Reis-, Hafer- oder Mandelmilch gute Alternativen, denn sie enthalten wenig Proteine, dafür mehr Kohlenhydrate. Allerdings enthalten viele Pflanzenmilchprodukte künstlich zugesetzten Zucker und Salz sowie Verdickungsmittel. Geschmacklich hingegen hat Pflanzenmilch einiges zu bieten: Sojamilch schmeckt nach Bohne, Mandelmilch nussig, Hafermilch getreidig und süss. Welche vegane Milch für wen die richtige ist, ist also Geschmackssache. Oft sind es auch Mischungen, zum Beispiel Soja-Hafermilch, die diesbezüglich besonders überzeugen. Wer Pflanzenmilch aus Getreide mag, setzt besser auf Hafer- oder Dinkelmilch, denn Reis hat mit Abstand den grössten Wasserverbrauch. Am positivsten schneiden Pflanzendrinks aber ohnehin beim Tierschutz ab: Nach der Geburt wird den Kühen ihr Kalb meist innert wenigen Stunden weggenommen, um die Milch für die Milchproduktion verwenden zu können – auch auf Biohöfen. Die Kälber werden in der Regel für die Fleischproduktion gemästet. Kühe haben eine natürliche
Rezepte
Lebenserwartung von etwa 22 Jahren. Milchkühe werden laut Animal Rights aber selten älter als fünf Jahre. Sobald ihre Leistung nachlässt, haben sie für die Milchproduktion keinen Wert mehr und landen im Schlachthof.
Vorteile der Milchwirtschaft Konsumenten, die auf tierische Milch hauptsächlich aus Umweltgründen verzichten, gibt Experte Matthias Meier folgendes zu bedenken: «Kuhmilch hat im Vergleich zwar einen höheren Umweltfussabdruck. Dennoch macht es gerade in der Schweiz, wo zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus Dauergrünland besteht, Sinn, diese Flächen mittels Wiederkäuer für die Nahrungsmittelproduktion zu nutzen.» Aus Sicht einer standortangepassten Produktion sollte, die Milchproduktion auf der im Inland verfügbaren Futterressourcen erfolgen. Daraus ergebe sich eine Produktionsintensität, die die Regeneration der natürlichen Ressourcen wie Biodiversität, Boden und Wasser langfristig ermögliche. Ob pflanzliche Alternativen unterm Strich gesünder sind als Milch tierischer Herkunft – lässt sich nicht befriedigend klären. Zwar gilt auf Basis von Zell-, Tier- und Menschenstudien, dass pflanzliche Eiweisse aus Hülsenfrüchten oder Nüssen das Leben unserer Zellen eher verlängern als tierische Proteine. Und bei einer grossen Studie an 100 000 Schweden im Jahr 2017 zeigte sich: Milch-Vieltrinker hatten im Erhebungszeitraum ein um 32 Prozent erhöhtes Sterblichkeitsrisiko. Es wird vermutet, dass Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck mit der Unverträglichkeit tierischer Eiweisse zu tun haben. Auch zeigen Untersuchungen, dass ein hoher Konsum von Milchprodukten eventuell mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergeht. Experten raten daher, weder Kuh- noch Pflanzenmilch literweise zu trinken. Ganz darauf verzichten muss man aber nicht. Zumal man mit der Milch auch wertvolle Stoffe zu sich nimmt. Und da schneidet Kuhmilch mitunter besser ab als viele Alternativen, unter anderem eben etwa hinsichtlich Vitamine und Mineralstoffe. Viele Experten sind sich deshalb einig: wer Kuhmilch verträgt, sollte nicht ganz auf sie verzichten. Weltweit ist das allerdings eine Minderheit – etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung sind von einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) betroffen. In Europa nimmt die Häufigkeit deutlich zu; hierzulande ist bereits ungefähr jeder Fünfte betroffen. Besonders für sie sind Pflanzendrinks eine interessante Alternative zu tierischer Milch. Wer aus Umweltgründen seinen Milchkonsum drosseln will, schafft das übrigens am schnellsten über weniger Hartkäse und Butter: Für deren Herstellung werden 13 bis 18 Liter Milch pro Kilo gebraucht.
für jeweils ca. 1l
themenstichwort | g e s u n d s e i n
Haferdrink selbst gemacht
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8 0g Haferflocken in Bio-Qualität (fein) 1l Wasser 1 Prise Salz
Wasser aufkochen, Flocken darin quellen lassen, anschliessend pürieren. Den Haferbrei durch ein Baumwolltuch filtern, Hafermilch in eine Schüssel tropfen lassen. In Gefäss abfüllen. Verschlossen im Kühlschrank ist die Hafermilch etwa drei Tage haltbar.
Hanfdrink selbst gemacht
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10 EL Hanfsamen 1l Wasser einige Prisen Salz nach Belieben J e nach Vorliebe Süssungsmittel, z. B. Datteln, Reissirup, Kokosblütenzucker
Alle Zutaten in einen Mixer geben und verrühren, bis eine cremige Flüssigkeit entsteht. Hanfmilch in Gefäss abfüllen. Verschlossen im Kühlschrank ist die Hanfmilch bis zu drei Tage haltbar.
Lupinendrink selbst gemacht ● 200 g Süsslupinenkerne ● 1l Wasser ● zusätzlich Wasser zum Einweichen ● 1 Prise Salz Lupinensamen für 24 Stunden einweichen. Einweichwasser wegschütten. Die abgetropften Samen mit frischem Wasser und geschlossenem Deckel etwa eine Stunde bei mittlerer Hitze köcheln lassen. Das Wasser wiederum weggiessen. Die Samen gut spülen und mit einem Liter frischem Wasser auffüllen. Zu einer gleichmässigen Masse mixen. Die Masse durch einen Nussmilchbeutel oder ein Sieb filtern und die Lupinenmilch in Gefäss abfüllen. Im Kühlschrank aufbewahrt hält sie sich etwa drei bis vier Tage. Sie schmeckt leicht erbsig, mit längeren Einweichzeiten aber sahnig mild.
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KW 39/21
g e s u n d s e i n | milchersatz TATEN STATT WORTE NR. 331
TATENDRANG
RETTET DEN DORFKÄSE.
Gängige Milchalternativen im Überblick
Haferdrink Hafer ist ein wahres Powergetreide. Es enthält viele essenzielle Aminosäuren, die massgeblich am Muskelaufbau beteiligt sind, und wertvolle Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium. Ihre wertvollen wasserlöslichen Ballaststoffe gehen bedauerlicherweise während der Herstellung verloren. Haferdrink enthält ausserdem viermal weniger Eiweiss als Kuhmilch, ihr Fettanteil entspricht 1,5-prozentiger Kuhmilch. Und: Haferdrink ist eine Kalorienfalle, der Zuckeranteil ist deutlich höher als der von Kuhmilch. Der Nährstoffgehalt ist gering, dafür punktet Haferdrink mit ß-Glucan, einer Zuckerart, die hilft, die Verdauung zu regulieren und den Cholesterinspiegel senkt. In Sachen Ressourcen schneidet Haferdrink im Vergleich zu anderen Milchalternativen gut ab: Anbau und Herstellung verbrauchen deutlich weniger Wasser als z. B. Reis- und Mandeldrink; die Produktion verursacht weniger Treibhausemissionen als die von Sojaoder Kuhmilch. Zudem punktet Haferdrink mit kurzen Transportwegen, denn Hafer wächst auch in Europa. Hinweis: Menschen mit Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) sollten Haferdrink mit Glutenfrei-Siegel wählen. Haferdrink eignet sich gut zum Kochen und für Müesli und Süssspeisen, wie etwa Pudding; sie lässt sich sogar sehr gut Aufschäumen. So ist Haferdrink auch für den Kaffee bestens geeignet; es gibt mittlerweile sogar Haferrahm.
Mandeldrink
Wir unterstützen Bauern und Produzenten aus der Bergregion. Beispiel Schangnau: Hier konnten wir mit der Coop Patenschaft für Berggebiete die Dorfkäserei finanziell unterstützen, neu aufstellen und ihr einen willkommenen Absatzkanal bieten.
TATEN-STATT-WORTE.CH
Dieser Milchersatz besteht aus mit Wasser aufgegossenen Mandeln oder Mandelmus. Der Anteil der Mandeln ist indes gering, er beläuft sich auf zwei bis zehn Prozent. Folglich hat Mandeldrink kaum Vitamine und Nährstoffe. Der Fettgehalt entspricht etwa 1,5-prozentiger Kuhmilch. Auch ihr Eiweissgehalt ist mit 1,4 Gramm pro Liter gering. 80 Prozent der Mandelernte stammen aus dem fernen und trockenen Kalifornien – der Mandelanbau erfordert enorme Mengen an künstlicher Bewässerung, hinzu kommen lange Transportwege. Deshalb schneidet Mandeldrink in Sachen Umwelt schlecht ab. Ähnlich problematisch sieht es bei Pflanzendrinks aus Cashewnüssen aus. Ausserdem sind viele dieser beiden Produkte stark gesüsst. Mandelmilch schmeckt leicht nussig und eignet sich zum Backen, für Desserts und fürs Müesli.
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milchalternativen | g e s u n d s e i n
Sojadrink
Hanfdrink
Sojadrink enthält fast so viel Eiweiss (Proteine) wie Kuhmilch. Proteine sind die Bausteine für Zellen und Gewebe. Und sie sind – neben Kohlehydraten und Fetten – auch ein wichtiger Energielieferant. Soja-Isoflavone (sekundäre Pflanzenstoffe) haben eine ähnliche Wirkung wie das weibliche Hormon Östrogen. Während früher vermutet wurde, dass Isoflavone das Krebsrisiko steigern, gilt dies heute als wissenschaftlich widerlegt, laut dem Krebsforschungszentrum Heidelberg auch bei Brustkrebspatientinnen. Im Gegenteil wird sogar eine positive Wirkung auf hormonabhängige Krebserkrankungen angenommen.
Die alte Kulturpf lanze ist anspruchslos und resistent gegen Schädlinge – Nutzhanf ist somit ideal geeignet für die Biolandwirtschaft. Hanfsamen sind reich an essenziellen Aminosäuren, Mineralstoffen und Vitaminen; und sie enthalten neben Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren auch die mehrfach ungesättigte Gamma-Linolensäure. Letztere ist essenziell für eine intakte Hautbarriere. Hanfdrink wird aus Nutzhanf ohne THC- und CBD-Gehalt (psychoaktive Substanzen) erzeugt, was streng kontrolliert wird, und muss nicht gefiltert werden – somit bleiben die wertvollen Bestandteile in der Hanfmilch erhalten. Wie den meisten vegetarischen Milchalternativen, fehlt jedoch auch ihr das wichtige Calcium. Dafür ist sie reich an Vitaminen und Mineralstoffen (u. a. B, E, Eisen, Magnesium, Zink) und hat relativ viel Fett. Sie kommt mit nur wenigen Kohlenhydraten daher und ist somit auch fast zuckerfrei. Hanfdrink hat einen weiteren Vorteil: Sie enthält kein Cholesterin, dafür viel Kalium. Dadurch kann sie das Risiko für Arteriosklerose und den Blutdruck senken. Wie Getreidedrinks ist Hanfdrink frei von Laktose und Milcheiweiss, und deshalb gut geeignet für Allergiker.
Die Sojabohnen für Verarbeitung zu Sojarinks stammen meist aus Ländern Westeuropas, überwiegend aus Italien und Frankreich, mitunter aber auch aus Kanada. Achten Sie deshalb beim Kauf von Pflanzendrinks aus Soja auf Bio-Produktion aus Europa. Dann hat Sojamilch auch in Punkto Nachhaltigkeit die Nase vorn. Denn im Vergleich zu Kuhmilch benötig Sojamilch für die Produktion weniger als die Hälfte an Wasser. Hinweis: Bei Birkenpollen-Allergikern kann Soja eine Kreuzallergie auslösen, da die Proteinstrukturen ähnlich sind. Sojamilch ist geschmacklich etwas gewöhnungsbedürftig. Sie eignet sich aber gut zum Backen, Kochen und Aufschäumen; in heissem Kaffee flockt sie allerdings leicht aus. Aus Soja gibt es zudem viele Produkte, die herkömmliche Milcherzeugnisse ersetzen, wie zum Beispiel Joghurt, Quark, Käse oder Rahm.
Reisdrink Wie Mandeldrink besteht auch dieser Milchersatz überwiegend aus Wasser. Der Nähr- und Mineralstoffgehalt ist gering, deshalb werden Reisdrinks oft mit Zusätzen versehen. Reisdrink enthält kein Eiweiss und kaum Fett, aber doppelt so viel Zucker wie Kuhmilch. Der Reisanbau verbraucht viel Wasser; zudem nimmt Reis aus belasteten Böden leicht Arsen auf. Deshalb mehr noch als bei den anderen Produkten Bioqualität wählen! Das grosse Plus des Reisdrinks: er ist gut geeignet für Allergiker. Schmackhaft in Süssspeisen. Als Kaffeemilch nicht geeignet.
Hanfdrink eignet sich für Müsli ebenso wie zum Kochen, für die Zubereitung von Süssspeisen und zum pur geniessen.
Lupinendrink Die heimische Alternative zu Sojadrink: Die Süsslupine ist eine alte europäische Kulturpflanze und als regionaler Milchersatz zusammen mit dem Hanf die klare Siegerin in Sachen Nachhaltigkeit – auch weil die Verarbeitung vergleichsweise umweltverträglich ist. Und auch sie punktet mit wertvollen Inhaltsstoffen wie Kalium, Magnesium und Eisen. Die essenziellen Aminosäuren bleiben allerdings nur bei schonendem Verarbeitungsprozess erhalten. Mit 80 Kilokalorien pro 100 Milliliter ist die Lupinenmilch sehr gehaltvoll. Lupinensamen enthalten über 40 Prozent Eiweiss – mehr als Sojabohnen – und sind somit eine der hochwertigsten Proteinquellen überhaupt bei veganer Ernährung. Milchersatzgetränke aus Lupinen enthalten wenig Purin, sie sind somit auch empfehlenswert für Menschen, die an Gicht leiden. Und da es keine Kreuzallergie gibt und Lupinen weder Gluten noch Laktose, Milcheiweiss oder Sojaproteine enthalten, ist der Drink auch ideal für Allergiker. Es gibt zwar auch Lupinenkaffee aus Süsslupinen (er ist von Natur aus koffeinfrei), aber erst wenige Hersteller von Lupinendrink. Man kann sie aber leicht auch selbst herstellen aus Lupinensamen oder, schneller, Lupinenmehl. Das gilt auch für die anderen Milchersatzprodukte. Lupinendrink eignet sich sowohl für den Kaffee als auch zu Müsli oder zum puren Genuss.
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Rezepte des Monats
Sticht der Hafer den Otto «Wenn jemanden der Hafer sticht» – die Redewendung kommt nicht von ungefähr. Hafer gibt Power, zählt er doch zu den hochwertigsten Getreiden. Und Otto? Mit dem gleichnamigen Motor oder dem ostfriesischen Komiker hat dieser Haferotto nichts zu tun. Volle Kraft und heiteren Genuss bringt er dennoch auf den Tisch.
HAFEROT TO MIT R ANDEN für 4 Personen 200 g
Biofarm Haferkörner
1 EL
Biofarm Olivenöl
1
Zwiebel, fein gewürfelt getrockneter Majoran
4.5 dl
Wasser
1 Sträusschen Petersilie, Blättchen abgezupft und gehackt 1/2 TL
Kurkuma
1 dl
Rahm Salz und Pfeffer
Randenragout 2 EL
Biofarm Olivenöl
600-800 g
Rohe Randen
1. Haferkörner über Nacht in kaltem Wasser einweichen. Körner am folgenden Tag abgiessen.
1
Rote Zwiebel, in Ringen
2
Knoblauchzehen, klein gewürfelt
2. Randen schälen und in Würfelchen schneiden; mit Zwiebeln und Knoblauch im Olivenöl andünsten, mit Gemüsebrühe ablöschen; köcheln lassen, bis die Randen «al dente» sind. Orangensaft und Balsamico zugeben, weiter köcheln lassen, bis das Gemüse weich ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
2-3 dl
Gemüsebouillon
1
Orange, Saft
½ dl
Balsamico
Zubereitung
3. Parallel dazu Zwiebeln im Olivenöl andünsten, Hafer mitdünsten, mit Majoran würzen, Wasser zugeben, aufkochen. Getreide bei schwacher Hitze rund 20 Minuten köcheln lassen; dann auf der ausgeschalteten Wärmequelle 30 Minuten quellen lassen. Petersilie und Kurkuma unterrühren; Rahm unterrühren und Haferotto erwärmen. Mit Salz und Pfeffer würzen. 4. Haferotto mit dem Randengemüse anrichten.
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Salz und Pfeffer
Offeriert von biofarm.ch
Rezepte des Monats
Ayurvedisches FrüchteChutney Ein würziger Gaumenschmaus – das fruchtige Chutney erfreut nicht nur alle Geschmacksknospen, sondern wirkt gleichzeitig dem Food Waste entgegen: Vergessene Früchte aus der Znünibox, dem Wanderrucksack oder der Früchteschale finden hier eine sinnvolle Verwendung.
AYURVEDISCHES FRÜCHTE- CHUTNEY für 4 Personen 1 EL
Ghee
frische Ingwerwurzel (Grösse von ca. 2 Baumnüssen) 1 TL
Senfsamen
1 EL
Agni Plus Gewürzmischung
½ TL
Methia Gewürzmischung
500 g gemischte Früchte (z.B. 450 g frische und 50 g Trockenfrüchte) 125 ml Orangen- oder anderer Fruchtsaft 2 EL
Sharkara Zucker
½ TL
Himalaya Salz
1
gehäufter TL Tamarindenpaste
Zubereitung
1. Trockenfrüchte in wenig warmem Wasser einweichen. 2. Frische Früchte waschen, schälen und kleinschneiden. 3. Ingwer waschen, schälen, in kleine Würfel schneiden. 4. Ghee in einem Topf erwärmen. 5. Ingwer und Senfsamen in Ghee anrösten. 6. Agni Plus- und Methia-Gewürzmischungen beigeben und ebenfalls kurz anrösten. 7. Frische Früchte und Trockenfrüchte zu den Gewürzen in den Topf geben, gut umrühren und mitdünsten. 8. Sharkara Zucker und Himalaya Salz beifügen. 9. Mit Orangensaft ablöschen. 10. Chutney köcheln lassen, bis die Früchte gar sind, dabei gelegentlich umrühren. 11. Tamarindenpaste zugeben und gründlich vermischen. 12. Das Chutney am besten frisch geniessen. Im Kühlschrank ist es zwei Tage haltbar.
Offeriert von veda.ch
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Sabine Hurni Über die Wege des Heilens
W
er heilt, hat recht». Es ist ein Satz, der oft in Streitdiskussionen fällt, wenn es um die Wirksamkeit - oder eben die Unwirksamkeit - einer meist alternativen Heilmethode geht. Die Aussage «Wer heilt, hat recht», setzt allerdings voraus, dass jemand von etwas geheilt und die Heilung auf eine bestimmte Therapie zurückzuführen ist. Da es oft viele Wege sind, sein müssen, die schlussendlich zur gewünschten Heilung führen (siehe Rheuma-Selbsterfahrungsbericht ab S. 46), ist es schwierig zu bestimmen, wer denn nun wirklich recht gehabt hat. Ist es doch immer auch der Betroffene selbst, der mit seinem System Heilung zulässt; oft beeinflusst er sogar massgeblich die heilende Wirkung einer Therapie oder eines Medikamentes mit der Kraft seiner Selbstheilungskräfte. Viele Krankheiten und Beschwerdebilder sind eine Aufforderung an die Betroffenen, ihr Leben, ihre Lebensweise, ihr Umfeld, ihre Vergangenheit, ihre Ernährung und ihre Emotionen sehr genau zu reflektieren. Was notabene echt harte Arbeit ist! Niemand rollt gerne alte Verletzungen auf, verändert liebgewonnene Gewohnheiten oder verzeiht einem Menschen, der ihm grosses Leid angetan hat. Und doch – um Heilung zu erlangen braucht es oft diesen steinigen Weg.
Ein Heilungsmodell basierend auf der Entstehung von Krankheiten erarbeitete seinerzeit Paracelsus (1493-1494). Es hat heute noch seine Berechtigung. Der Schweizer Arzt, Naturphilosoph, Alchemist, Laientheologe und Sozialethiker ging davon aus, dass es für die Entstehung von Krankheiten fünf mögliche Ursachen gibt: • Die erste Ebene betrifft den Körper - die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse, die Aufnahme von Nahrung und die Umwelteinflüsse, die auf unseren Körper einwirken.
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• Die zweite Ebene bezieht sich eher auf unseren Energiekörper - auf das Nervensystem und die elektrischen Leitsysteme wie zum Beispiel die Meridiane. • In die dritte Ebene gehören die Kraft der Gedanken, die Emotionen und die Glaubenssätze. Hier geht es um schädliche Negativ-Programmierungen, Ängste, ständige Sorgen, fehlende Selbstliebe und Traumata. • Die vierte Ebene befasst sich mit der Intuition, dem Unterbewusstsein und Wahrnehmungsebenen, die wir mit unseren herkömmlichen Sinnen und unserem Verstand nicht erklären können. • Die fünfte Ebene ist der Weg der Selbstheilung das Geschehen lassen, das Geistige, der Glaube, das Gebet, die Energie der Engel, das Göttliche und die Rückverbindung mit dem Universum. Nachhaltiges Gesundsein erfordert die gleichzeitige Arbeit auf allen fünf Ebenen. Es kann sein, dass sich Magenschmerzen mit einer reinen Ernährungsumstellung verbessern - doch was, wenn durch eine Wirbelfehlstellung der Energiefluss blockiert bleibt? Oder sich, etwa durch ständiges Herunterschlucken von Frust oder Stress, Wut im Magen ansammelt? Vielleicht aus dem einfachen Grund, dass ihnen in der Kindheit eingetrichtert wurde, dass es sich für ein Mädchen nicht gehört, einen Wutausbruch zu haben. Oder dass Buben die Wut zumindest zügeln müssen. Ein Säureblocker kann das Problem vielleicht vorübergehend beheben; doch die Blockade bleibt. Wenn die Ursachenebene erst mal erkannt ist, kann die Behandlung entsprechend angepasst werden. Therapien für die erste Ebene finden sich ebenfalls in einer eher grobstofflichen Form. Heilpflanzenpräparate, Nährstoffe, Nahrungsergänzungsmittel, Ernäh-
sabine hurni
Demut | Das Göttliche im Alltäglichen erkennen und ehren hilft, ein glückliches und gesundes Leben zu führen.
rungsumstellungen oder auch homöopathische Präparate mit Niedrigpotenzen, die noch nahe bei der Heilpflanzenkunde sind. Insbesondere gute, abwechslungsreiche und naturbelassene Nahrung stärkt die erste Ebene. Wer den Verdacht hat, dass die Energie nicht frei fliessen kann aufgrund einer Blockade oder eines elektromagnetischen Störfeldes, der muss seine Therapie auf der zweiten Heilungsebene ansetzen. Dazu zählen Akupunktur, Yoga und die Beseitigung von Elektrosmog oder Störfeldern im Schlafraum – diese Massnahmen beleben und reinigen das Energiesystem des Menschen. Um die dritte Ebene der Heilung, die mentale Ebene, umzuprogrammieren, bedarf es oft der Hilfe eines Gegenübers. Das kann ein Familienmitglied sein, ein Freund oder eine professionelle Begleitperson, die hilft, den Glaubenssätzen auf die Schliche zu kommen. Man muss sein Hirn richtiggehend umprogrammieren, um längst überholte Denkmuster auszulöschen. Sagen Sie sich innerlich zehnmal: «Ich bin ein wertvoller Mensch». Schaffen Sie es? Oder kommt schon nach wenigen Wiederholungen ein Einwand aus der Denkabteilung? Nimm dich nicht so wichtig! Was glaubst du denn wer du bist? Was soll diese Selbsthuldigung?! Die Liste möglicher Einwände ist unendlich lang. Umso mehr müssen Sie üben: «Ich bin wertvoll!» Für die vierte Ebene des Unterbewusstseins können Familienstellen, Hypnose, Heilrituale oder auch die Meditation sehr heilsam sein. Es ist wichtig, dass wir unserer Intuition wieder vertrauen lernen (siehe «natürlich» 07/08). Sie ist der direkte Draht zum Unterbewusstsein. Wir sollten lernen, wieder viel öfter aus der Intuition heraus zu leben, herz- statt kopfgesteuert. Höhere Wesen und Mächte sind für die fünfte Ebene zuständig. Wir wissen, dass Menschen durch Gesundbeten schneller genesen, dass es wundersame Spontanheilungen gibt. Viele Menschen stehen in engem Kontakt mit ihren unsichtbaren geistigen Helfern, die ihnen entweder Heilung oder einfach Unterstützung im Leben bieten, wenn sie darum bitten. Jeder Mensch ist energetisch mit dem grossen Ganzen, den kosmischen Gesetzen und der Natur verbunden. Es ist wichtig, diese Verbindung wieder zu fühlen, zu pflegen und hegen. Denn die Erfahrung zeigt, dass gerade die fünfte, die feinstofflichste und subtilste Ebene sämtliche andere Ebenen durchdringen kann: Je höher die Ebene ist, desto mehr wirkt sich eine Veränderung in ihr auch auf alle darunterliegenden Ebenen aus.
Mit dieser Betrachtungsweise wird der Satz «Wer heilt, hat recht» zu einem höchst spannenden philosophischen und auch spirituellen Gedanken. Denn Heilung passiert schlussendlich über alle fünf Ebenen hinweg – vom Jenseitskontakt bis zum Apfel, den wir täglich essen: Ist nicht in beidem ein Funke Göttlichkeit? Im Gedanken an einen Verstorbenen wie auch in der Frucht eines Baumes? Schlussendlich aber spielt es eh keine Rolle, wer recht hat. Wichtig ist nur, dass wir glücklich sind und frei von Leiden.
abine Hurni ist dipl. Drogistin HF und NaturheilprakS tikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Lu-Jong-Kurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.
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sabine hurni | beratung
Beratung Vitamin E statt Blutverdünner Ich nehme einen schwachen Blutverdünner ein, da meine Blutplättchen «zusammenkleben». Könnte ich dieses Medikament allenfalls durch Vitamin E ersetzen? S. B., Winterthur
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aut dem Burgerstein Standartwerk für Nährstoffe, das im Haug-Verlag erschienen ist, kann die Tagesdosis von 100 – 400 mg Vitamin E durchaus der Bildung von Blutgerinnseln entgegenwirken: Es verlangsamt die Wirkung des Blutgerinnungsproteins und verringert dadurch die Tendenz der Blutplättchen, in den Adern zu verklumpen. Es ist somit ein natürlicher Blutverdünner, der das Blutungsrisiko bei gesunden Menschen jedoch nicht erhöht. Vitamin E schützt darüber hinaus Fette und Cholesterin vor Oxidationsschäden und kann das Cholesterin HDL vermehren. Zudem wirkt Vitamin E entzündungshemmend. Es lohnt sich also, sich mit diesem Vitamin einzudecken, insbesondere wenn Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt werden müssen. Das Vitamin hat zudem für viele weitere Organtätigkeiten einen enorm hohen Nutzen. So kann es Sehschwächen im Alter wie Linsentrübung oder Maculadegeneration verringern; es hilft Diabetikern, Spätfolgen ihrer Erkrankung zu reduzieren, wirkt bei Rheuma, PMS, Blutarmut und verhindert Oxidationsschäden an Nerven bei der Parkinson’schen Krankheit.
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Wichtig bei der Einnahme ist, dass es sich um natürliches Vitamin E handelt. Der Grund dafür ist, dass nicht alle Vitamin EFormen gleich aktiv sind. Die aktivste Verbindung ist das sogenannte alpha-Tocopherol. Es kommt als d-alpha-Tocopherol in der Nahrung sowie in Nahrungsergänzungsmitteln vor, die mit natürlichem Vitamin E arbeiten. Künstlich hergestelltes Vitamin E ist deutlich schwächer. In der Nahrung sind die Sonnenblumenkerne Spitzenreiter für die Vitamin E-Versorgung. Sie enthalten pro 100 Gramm 21 mg Vitamin E. Bei den Weizenkeimen sind es pro 100 Gramm 12 mg. Um auf die täglich notwendigen 100 bis 400 mg Vitamin E zu kommen, reicht die Nahrung jedoch nicht aus. Eigentlich sollte jeder Mensch ab und zu wenigstens 100 bis 200 mg Vitamin E als Nahrungsergänzung in Form von Kapseln einnehmen. Der präventive Nutzen für die Gesundheit ist enorm hoch und der Körper profitiert auf verschiedenen Ebenen davon. In Ihrem Fall wäre es sicherlich sinnvoll, ein hochdosiertes Präparat mit 400 mg Vitamin E einzunehmen. Eine Gefahr der Überdosierung besteht erst ab Dosen von über zwei Gramm pro Tag. Bitte sprechen Sie den Wechsel mit ihrer Ärztin ab.
themenstichwort | g e s u n d s e i n
Gesundheitstipp
Daumenarthrose Seit einem Jahr plagen mich (w, 62) Schmerzen im Daumensattelgelenk (diagnostizierte Arthrose), auf der linken Seite mehr als rechts (ich bin Linkshändlerin). Wie kann ich diese Entzündungen minimieren? Ein kleiner Erfolg bringt mir die Basenkur bereits. Was könnte sonst noch hilfreich sein? C. R., St. Gallen
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aufen Sie sich eine Flasche Johanniskrautöl und massieren Sie damit den dicken Muskel beim Daumenansatz jeden Abend kräftig ein. Das lockert die Muskulatur und schmiert das Gelenk. Oft sind bei einer Arthrose die Muskeln und Sehnen sehr verspannt – manchmal liegt das Problem sogar mehr bei den verspannten Muskeln als beim degenerierten Knorpel. Bleiben die Muskeln verspannt, baut sich der Knorpel noch schneller ab, weil gesunde Knorpelzellen mit immer weniger Nährstoffen versorgt werden. Ein grosses Augenmerk in der Behandlung der Daumengelenkarthrose sollte deshalb bei den Muskeln und Faszien liegen. Im untersten Bereich der Handfläche, kurz vor dem Übergang zum Handgelenk, befindet sich in der Mitte der Hand der Ansatz des Daumenmuskels. Diesen sollten Sie intensiv dehnen, z. B. mit Hilfe eines Korkzapfens oder Golfballs. Dazu legen sie den Zapfen oder den Ball auf einen Tisch und rollen darüber mit viel Druck den dicken Muskel der Daumenwurzel. Spreizen und dehnen Sie die ganze Hand, vor allem Daumen / Zeigefinger so oft es geht. Und noch etwas: schreiben Sie auf dem Smartphone mit dem Zeigefinger. Unser Daumengelenk ist im Handy-Zeitalter arg strapaziert! Zig-tausend Male tippt der Daumen auf das Smartphone. Das schwächt das Gelenk und fördert die Arthrose. Innerlich hilft Kurkuma sehr gut bei Arthrose. Die Gelbwurz wirkt entzündungshemmend und kann bei Rheuma und Arthrose wertvolle Dienste leisten. Doch viel wichtiger als die innere Therapie ist das Lösen der Muskeln.
Makuladegeneration Mein Vater (87) hat seit fünf Jahren rechts und seit kurzem links eine trockene Maculadegeneration. Was kann man tun, um den Verlauf positiv zu beeinflussen? V. B., Bern
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ei der altersbedingten Makuladegeneration treten Sehstörungen im zentralen Sichtfeld auf. Das äussert sich durch unscharfe Konturen, schwache Kontraste, Blendungsempfindlichkeit, Linien, die wellig oder verzerrt erscheinen oder durch einen schwarzen Fleck, der im zentralen Sichtbereicht zu wachsen beginnt. Meist beginnen die Beschwerden schleichend. Ist nur ein Auge betroffen, gleicht das gesunde Auge dies aus, sodass die Betroffenen kaum merken, dass etwas nicht stimmt. Erst wenn auch das zweite Auge anfängt zu degenerieren, können die Sehstörungen den Alltag beeinträchtigen. L eider kann man nicht viel dagegen machen; auch nicht von Seiten der Naturheilkunde. Allenfalls könnte Ihrem Vater die Heilpflanze Augentrost (Euphrasia) helfen. Es gibt Augentropfen, die Euphrasia in homöopathischer Form enthalten sowie Euphrasia-Tropfen, die man innerlich einnimmt. Beides könnte ein Stabilisieren und Stärken des Auges bewirken. Aber ob man den Prozess damit wirklich aufhalten kann, kann ich Ihnen leider nicht sagen. Generell wäre es gut, wenn Ihr Vater auch ein Omega-3-Fettsäurensowie ein Vitamin E-Präparat einnehmen würde. Diese Nährstoffe sind enorm wichtig für die Zellteilung und werden im Alter in grösseren Mengen benötigt. Ansonsten gibt es im Fachhandel auch Vitalstoffpräparate, die alle für die Augen wichtigen Mineralstoffe und Vitamine enthalten.
Stechpalmenblätter für das Immunsystem Die Stechpalmenblätter haben sehr klare Konturen und eine präzise Form. Sie gehören zu den wenigen Pflanzen, die auch im Winter ihre kräftig grüne Farbe behalten. Die Stechpalme (Ilex aquifolium) wird zur Weihnachtszeit gerne als Türkranz oder als Tischdeckoration verwendet. Viele Leute wissen nicht, dass die stacheligen Blätter auch sehr wirksam die Immunabwehr stärken. Wie anwenden: Die immergrünen Blätter stärken die Abwehrkräfte in der kalten Jahreszeit. Mit ihren zusammenziehenden Eigenschaften kräftigen sie die Schleimhäute und behindern so das Eindringen von Keimen und Bakterien über die Mund- und Nasenschleimhaut. Die Stechpalmenblätter stehen immer zur Verfügung und können frisch oder getrocknet als Heilmittel verwendet werden. Zum Sammeln eignen sich die oberen (jungen) Blätter. Zubereitung: Für die Teezubereitung zerbröckelt man ein Blatt und lässt es über Nacht in kaltem Wasser ziehen. Täglich 1 bis 2 Tassen davon trinken. Stechpalme kann man als Tee auch zu gleichen Teilen mit Salbei und Wermut kombinieren.
Weitere Tipps rund um die Stechpalme:
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Die Stechpalme gibt es auch als Bachblüte: Holly. Diese schützen vor dem Strudel negativer Gedanken und helfen, diese destruktive Schwingung umzuwandeln in Offenheit, Geduld und Mitgefühl. Die Essenz wirkt zudem gegen Ichbezogenheit, Neid und Missgunst.
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Am Morgen nüchtern genossen, wirkt Stechpalmentee anregend, sanft verdauungsfördernd und den Geist erfrischend.
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Die Stechpalme steht in einigen Kantonen unter Schutz. Man erhält die getrockneten Blätter im Zweifelsfall auch im Fachhandel.
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sabine hurni | beratung
Die
Patientenfrage
Vorvertragliche Anzeigepflicht bei der Krankenversicherung – was muss ich preisgeben?
Sicher haben Sie auch schon einen Ver-
Nächtliches Schwitzen Ich (m, 70) schwitze nachts oft in einem Ring um den Kopf herum von Schulter zu Schulter, aber weder am Kopf selbst noch unterhalb dieses Bereiches. Nicht jede Nacht, aber oft, im Sommer wie im Winter. Deutet das auf ein bestimmtes Organgeschehen während der Nacht hin? U. M.
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ch kann Ihnen nur Hypothesen unterbreiten: Wenn eine bestimmte Körperpartie anders reagiert als der Rest des Körpers, hängt das oft mit einem unterbrochenen Energiefluss zusammen. Wenn durch das Kopfkissen oder durch verspannte Nackenmuskeln ein Stau in der Halswirbelsäule entsteht, kann das einen Einfluss auf die Durchblutung haben. Oder aber Sie schwitzen stark aufgrund des Kissens, das vielleicht zu wenig atmungsaktiv ist. Beginnen Sie zu beobachten, ob das nächtliche Schwitzen einen Zusammenhang mit dem Nachtessen hat. Machen Sie eine Zeit lang abends Trennkost. Das heisst, entweder Fleisch und Gemüse oder Getreide und Gemüse, aber nicht Fleisch und Getreide kombiniert. Während des Experiments
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sollten Sie wenn möglich immer warm essen. Unter der Woche ohne Alkohol, am Wochenende darf es auch mal ein Glas Wein oder Bier sein, je nach Gewohnheit, die Sie pflegen. Mein erster Gedanke tendierte zu Herz und Blutkreislauf. Ich würde Ihnen empfehlen, dass Sie mit einem Weissdornpräparat allgemein das Herz und den Kreislauf in Schwung bringen. Und lassen Sie sich bei Gelegenheit die Nackenmuskulatur lösen; oder noch besser: Buchen Sie einige Sitzungen Fussreflexzonentherapie. Mit dieser Therapieform erreicht man alle Organsysteme, regt Kreislauf wie auch Energiefluss an und bringt die Wirbelsäule ins Lot. Was ihre Frage betreffend Organbezug betrifft, ist es so, dass sich in der von Ihnen genannten Körperregion die Schilddrüse befindet. Die Schilddrüse macht eher bei Frauen Probleme, kann aber durchaus auch bei Männern eine Unter- oder Überfunktion entwickeln. Das würden Sie auch aufgrund von anderen, starken Veränderungen bemerken, wie z. B. starke Gewichtsveränderungen, Müdigkeit, Haarausfall oder verstärktes Herzklopfen. Im Internet finden Sie einige Informationen zum Thema Schilddrüsenerkrankungen bei Männern. Wenn Sie sich bei den genannten Symptomen wiedererkennen, wäre eine Abklärung sicher angebracht.
sicherungsantrag ausgefüllt. Hierbei ist der Versicherungsnehmer dazu verpflichtet, für die tarifliche Einstufung relevante Informationen preiszugeben, die der Krankenversicherung eine Risikobeurteilung erlaubt. Welche Informationen jedoch als relevant gelten, führt regelmässig zu Verunsicherungen. Wenn Herr Müller beispielsweise eine neue Spitalzusatzversicherung abschliessen möchte – muss er dann unfallbedingte Kniebeschwerden angeben, auch wenn er seit längerer Zeit keine Beschwerden mehr hat? In diesem Fall: ja. Bei jeder Versicherung gilt eine Informationspflicht. Unfallbedingte Beschwerden können degenerative Folgen haben, die unter «Krankheit» laufen. Der Versicherung steht es also frei, den Antrag abzulehnen. Werden Informationen zurückgehalten, ist schnell von einer Anzeigepflichtverletzung die Rede. Weiss der Anzeigepflichtige beim Abschluss der Versicherung von einer erheblichen Gefahrentatsache, muss er diese wahrheitsgemäss mitteilen – ansonsten ist die Krankenversicherung berechtigt, den Antrag abzulehnen oder retrospektiv die Kündigung auszusprechen (Art.6 VVG a1). Anders als in der Grundversicherung (OKP) kann nämlich die Krankenkasse in der Zusatzversicherung (VVG) über die Aufnahme eines Versicherten bestimmen. Cathrine Arnold, Patientenberaterin SPO Mehr zum Thema Patientenrecht unter Schweizerische Stiftung SPO Patientenschutz, www.spo.ch Telefonische Beratung via Hotline 0900 567 047, Fr. 2.90/Min. Im Rahmen der SPO-Mitgliedschaft erhalten Sie diese Beratung unentgeltlich (044 252 54 22).
liebesschule | l e i l a d re g g e r
Liebe und . . .
Beziehungsverträge Jede Beziehung beruht auf Verträgen. In Liebesbe-
Ein unausgesprochener Pakt, den ich in meiner eige-
ziehungen sind sie meist unausgesprochen. Auch ohne sie auszuhandeln, kennen wir sie – denn Liebespartner besitzen ein feines Repertoire an Massnahmen, die uns genau spüren lassen, wenn wir ein Abkommen übertreten. Das geht so: Wenn du nicht pünktlich nach Hause kommst, dann werde ich dich das durch einen entsprechenden Gesichtsausdruck spüren lassen. Wenn du mir nicht richtig zuhörst, wenn ich von meiner Arbeit erzähle, dann wird dein Kaffee eine Spur mehr Zucker enthalten, als du magst. Wenn du dich mit der Nachbarin unterhältst, mit der ich Streit hatte, dann zeige ich dir zwei Abende lang die kalte Schulter. Liz Taylor sagte es besonders drastisch: «Wenn er fremd geht, bringe ich ihn um.»
nen Liebesbeziehung gefunden habe, geht so: Ich sehe nur einen Teil von dir, wenn du nur einen Teil von mir siehst: Ich tu so, als sähe ich deine hässliche Seite nicht – und erwarte von dir dasselbe. Wir haben es gewagt und uns diesen Vertrag bewusst gemacht – und ihn aufgelöst. Der Effekt war enorm: Ich sah auf einmal seinen missgünstigen, sich hässlich fühlenden und alleingelassenen Teil. Es scheint, als gehöre auch dieser zu dem Menschen, den ich liebe und mit dem ich mein Leben verbringen will. Eigentlich nicht überraschend: auch der Geliebte ist kein Engel. Auch er trägt ein Miststück in sich. Es ist nicht schlimm, dass wir so einen Teil in uns haben. Schlimm wäre es, ihn behalten zu wollen. Jetzt, mit dem Auflösen des Vertrags, windet sich dieses Miststück vor meinen Augen; es ist ihm sichtlich unangenehm, dass ich es mit den Augen der Liebe anschaue. Nichts fürchtet es mehr, denn es weiss: Durch das Geliebt- und Gesehen-Werden wird es sich allmählich auflösen.
Solche Strafandrohungen machen das Zusammensein vorhersehbar und gleichzeitig unsicher: Wie soll ich glauben, dass er mich wirklich liebt, wenn ich ihn täglich zu Liebesbeweisen nötige? Letztlich stehen wir vor der Wahl: Wollen wir, dass sich unser Geliebter frei bewegen kann? Oder muss er einen Riesenslalom durch unsere Reaktionen absolvieren?
Ein Liebespaar kann sich entschliessen, mit Liebe und möglichst viel Humor seine unausgesprochenen Verträge bewusst zu machen – und aufzulösen. Das heisst nicht, Verletzungen und Unachtsamkeit in einer Beziehung zu dulden. Sondern im Gegenteil sie miteinander offen zu betrachten und mit ihrer Hilfe herauszufinden, wer wir sind, was wir voneinander brauchen und wie wir unsere Beziehung gemeinsam noch schöner machen können. Das ist ein tiefer Prozess des Zusammenkommens, den ich nur empfehlen kann. Die beiden Liebenden lernen sich so tiefer kennen und können sich immer wieder neu füreinander entscheiden: Passen ihre tiefsten Motivationen und Werte wirklich zueinander? Ist ihre Liebe gross genug, sich immer tiefer aufeinander einzulassen?
natürlich 07|08-2021
fotos: getty-images.com
Unsere Liebe hat es ausgehalten, das Hässliche voneinander zu sehen. Jetzt kommt noch eine grössere Herausforderung: Sind wir auch bereit, die andere geheime Seite aneinander zu sehen – die zutiefst schöne und überwältigende? Daran üben wir uns noch.
L eila Dregger ist Journalistin und Buchautorin (u. a. «FrauSein allein genügt nicht», Edition Zeitpunkt). Sie begeistert sich für gemeinschaftliche Lebensformen und lebt seit über 16 Jahren in Tamera, Portugal, wo sie beim Verlag Meiga und der Globalen Liebesschule mitarbeitet.
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misteltherapie | g e s u n d s e i n
Krebs – mehr als ein lokales Geschehen Mit komplementärmedizinischen Massnahmen können Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung verringert werden. Allen voran die Misteltherapie, die wohl wichtigste Massnahme in der integrativen Krebsbehandlung. Text: Sabine Hurni
Der Oktober steht im Zeichen der rosa Schleife. Sie ist das Symbol für Brustkrebs, einer Krebsart, an der in der Schweiz jährlich rund 6000 Frauen erkranken. Die Diagnose trifft die Betroffenen oft unerwartet: Eben noch waren sie kerngesund – und von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr, wie es war. Viele Frauen verlieren durch den Diagnoseschock das Vertrauen in ihren Körper und hinterfragen sich, was sie im Leben anders oder besser hätten machen können, um den Tumor zu verhindern. Die Frage nach dem Warum lässt sich bei Brustkrebs und auch bei den meisten anderen Krebsarten jedoch nicht beantworten. Sie folgen selten dem klassischen UrsacheWirkungs-Prinzip. Krebs kann jede Frau und jeden Mann treffen. Jederzeit. Und es ist immer der falsche Moment.
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Alles, was das Immunsystem stärkt, hilft auch der Krebsprävention.
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Wenn der Zellmüll entartet Alle Zellen unseres Körpers sind dem Zyklus des Entstehens, Seins und Vergehens unterworfen. Sie teilen sich, bringen Tochterzellen hervor, geben Erbinformationen weiter und sterben ab. Bei der riesigen Anzahl Zellen, die laufend entstehen und eingehen, kommt es immer wieder zu «Unfällen», bei denen sich entartete Zellen bilden. Das Immunsystem kommt normalerweise mit diesem Zellmüll gut zurecht – er wird durch die weissen Blutkörperchen aufgefressen und somit vernichtet. Ist das Immunsystem allerdings schwach, nehmen die entarteten Zellen mehr Raum ein und es entsteht ein Zellverband daraus: ein Karzinom. Die fehlerhaften Zellen lassen sich von Blutgefässen ernähren, wachsen ungehemmt, bedrängen benachbarte Organe und können ihren Ursprungsort verlassen, indem sie sich über die Blut- und Lymphbahnen im Körper ausbreiten. So können sich an anderen Orten Tochtergeschwülste bilden, sogenannte Metastasen. Obwohl die fehlerhaften Zellen in einem bestimmten Organ zu einem Karzinom heranwachsen, ist Krebs kein ausschliesslich lokales Geschehen. Das Entstehen eines Tumors wird vielmehr durch das Zusammenspiel von vielen verschiedenen Faktoren begünstigt: Angefangen von genetischen Voraussetzungen über den Nährstoffhaushalt, den Konsum von Genussgiften wie Alkohol, Nikotin und Kaffee
bis hin zu Schadstoffen aus der Umwelt, Strahlung, Viren oder auch seelischer Belastung und Stress. Aber auch wenn die genauen Ursachen bis heute meist unklar sind, kann man sagen: Alles, was das Immunsystem stärkt, hilft auch der Krebsprävention. Weil Krebs eine so komplexe Erkrankung ist, reicht es nicht, bei einer Krebserkrankung ausschliesslich die fehlerhaften Zellen zu behandeln. Es geht vielmehr darum, einen ganzheitlichen Weg zu finden, bei dem sowohl die Zellen als auch die betroffene Person im Zentrum stehen. Gerade bei der modernen Brustkrebstherapie rücken aus diesem Grund die Schulmedizin und die moderne Naturheilkunde näher zusammen. Die Schulmedizin richtet ihr Augenmerk auf krank machende Vorgänge; sie kann Krebserkrankungen mittels Chemotherapie, Strahlentherapie oder Operation bekämpfen. Die Komplementärmedizin hingegen fokussiert darauf, wie Gesundheit entsteht und erhalten wird. Ihre Methoden stärken die gesunden Kräfte des Körpers und helfen so, mit der Krankheit selbst und mit Nebenwirkungen der Behandlung besser umgehen zu können. «Auf diese Weise vereint man das Beste aus beiden Welten», erklärt Dr. Teelke Beck, Gynäkologin und Senologin (Spezialistin für Brusterkrankung) in der Praxis gynosense in Uster (ZH).
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Dr. med. Teelke Beck
gefragt:
«Es hilft, das Spritzen zu ritualisieren» Viele Brustkrebspatientinnen möchten ihre onkologische Behandlung komplementärmedizinisch unterstützen. Einer der Grundpfeiler ist die Misteltherapie. Die Spezialistin für Brusterkrankungen, Dr. med. Teelke Beck, erklärt, wie Mistelextrakte die Nebenwirkungen von schulmedizinischen Krebstherapien lindern und die Lebensqualität erhöhen können.
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Oft verringern sich auch die Schmerzen und die Betroffenen haben mehr Energie. Zudem ist die Misteltherapie in der Lage, das Rhythmische, in dem wir leben, zu verstärken.
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Frau Beck, wie gut ist die Mistel erforscht? Es gibt viele klinische Studien, die belegen, dass die Mistel das Wohlbefinden von Krebspatientinnen positiv beeinflusst, ohne dabei eine schulmedizinische Therapie zu beeinträchtigen. Mistelextrakte wirken als Vielstoffgemische und bekämpfen bösartige Zellen, unterstützen das Abwehrsystem und setzen Endorphine frei, die zur Stimmungsaufhellung beitragen.
Wie wird eine Misteltherapie durchgeführt? Idealerweise wird mit einer Misteltherapie so früh wie möglich begonnen. Zu Beginn wähle ich unter den verschiedenen Mistelpräparaten jenes aus, das mir für den individuellen Fall passend scheint. Die Patientinnen spritzen sich die Mistelextrakte zwei- bis dreimal pro Woche selbst unter die Haut. Eine Wirkung tritt erst nach einigen Wochen ein. Ich empfehle grundsätzlich eine Therapiedauer von wenigstens zwei Jahren ohne Pausen, optimalerweise länger. Die Kosten für eine Therapie mit Mistelpräparaten, die in der Schweiz als Arzneimittel zugelassen sind, werden von der obligatorischen Grundversicherung übernommen.
Können Sie eine besondere Erfahrung mit der Misteltherapie aus Ihrem Wirken schildern? Kürzlich an einem Vortrag über die Misteltherapie meldete sich eine Frau und sagte, man solle sich nicht abschrecken lassen, nur weil manche das Gefühl haben, sie könnten nicht lernen, sich die Injektionen selbst zu geben; das könne jede lernen. Daraufhin steht eine andere Zuhörerin auf und ruft: «Kann ich bestätigen, hätte ich auch nicht gedacht!» Das hat mich sehr gefreut. Sobald Patientinnen merken, dass ihnen die Misteltherapie guttut, ist das Sich-selber-Spritzen keine Hürde mehr. Es hat sich bewährt, die Prozedur zu ritualisieren: Ich halte die Frauen an, nach dem Spritzen 10 bis 15 Minuten liegenzubleiben und diese Zeit zu nutzen, um runterzufahren. Denn viele Patientinnen sind im Alltagsleben so angespannt, dass sie kaum mehr Zeit für sich selbst finden.
Dr. med. Teelke Beck ist spezialisiert auf die Diagnostik und Therapie von Brusterkrankungen und -chirurgie, sowie auf die Beratung und Durchführung komplementärer Therapien. Sie hat eine Praxis im Gesundheitszentrum gynosense in Uster (ZH).
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Die Mistel in der Krebstherapie Der wichtigste Bestandteil der komplementärmedizinischen Krebsbehandlung ist die Misteltherapie. Kombiniert man diese mit den schulmedizinischen Interventionen, kann sie die Nebenwirkungen der entsprechenden Therapien abschwächen und so die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Teelke Beck beobachtet an ihren Patientinnen, dass sie weniger an Müdigkeit, Schlafstörungen, Übelkeit oder Appetitmangel leiden. «Oft verringern sich auch die Schmerzen und die Betroffenen haben mehr Energie. Zudem ist die Misteltherapie in der Lage, das Rhythmische, in dem wir leben, zu verstärken», erklärt Beck und betont: «Rhythmen wie Tag und Nacht, Entspannung und Anspannung, Hunger und Sättigung sowie zyklische Wiederholungen sind äusserst wichtig für eine stabile Gesundheit.» Das Wissen über die heilsame Wirkung der Mistel (Viscum album) stammt aus der anthroposophischen Medizin. Wegweisend bei der Begründung der Misteltherapie war die Frauenärztin Ita Wegman (1876 - 1943). Sie gründete nicht nur eine anthroposophische Privatklinik in Arlesheim, aus der die heutige Klinik Arlesheim hervorging, sondern entwickelte Jahre zuvor auch das erste Mistelpräparat: In ihrer Praxis in Zürich behandelte sie bereits 1917 Krebspatientinnen mit Mistelinjektionen. Mit Erfolg: 1935 gründete Wegman gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen in Arlesheim (BL) den Verein für Krebsforschung, dessen Aufgabe noch heute die kontinuierliche Weiterentwicklung der Integrativen Krebsbehandlung und speziell der Misteltherapie ist. Mistelextrakte können das Immunsystem anregen, Tumorzellen schädigen und die Erbsubstanz schützen. Die häufig zu beobachtende stimmungsaufhellende und schmerzreduzierende Wirkung von Mistelextrakten wird auf eine vermehrte Ausschüttung von körpereigenen, morphiumähnlichen Substanzen zurückgeführt. Mistelextrakte enthalten rund 600 Eiweissstoffe, insbesondere Mistellektine und Viscotoxine, die das Absterben der Krebszellen fördern und die Aktivität der körpereigenen Immunabwehr anregen.
misteltherapie | g e s u n d s e i n
Im Sommer hat die Mistelpflanze einen hohen Viscotoxingehalt, im Winter hingegen ist der Gehalt an Mistellektinen besonders hoch. Deshalb wird die Mistelpflanze zweimal im Jahr, im Juni und im Dezember, von Hand geerntet, verlesen und mittels einer Fermentation zu Pflanzensäften verarbeitet. Durch die Vermischung der Sommer- und Wintersäfte mit einer speziellen Maschine entsteht ein Arzneimittel, das drei wichtige Schwerpunkte in der integrativen Krebstherapie angeht: 1. Dank einer erhöhten Aktivität kann die körpereigene Abwehr die Tumorzellen besser als solche erkennen, sodass diese nicht so leicht Metastasen bilden. 2. Operation, Bestrahlung und/oder Chemotherapie schwächen das Immunsystem erheblich. Wird es mithilfe einer Misteltherapie gestärkt, kann es sich gegen andere Krankheiten, wie z. B. Infektionen, besser wehren und die Patientin kommt schneller wieder auf die Beine. 3. Ein intaktes Immunsystem hilft in der Nachsorgephase, Rückfällen vorzubeugen. Deshalb sollte die Misteltherapie auch nach der eigentlichen Krebstherapie fortgesetzt werden.
Nährstoffreiche Pflanzenkost als Basis In der integrativen Krebstherapie spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Dorin Ritzmann, Fachärztin Gynäkologie und Phytotherapeutin mit eigener Praxis in Dietikon (ZH), erforscht seit gut 13 Jahren die Wirkung von sekundären Pflanzenstoffen, sogenannten Polyphenolen, auf den Körper. Natürliche Polyphenole kommen in Pflanzen als bioaktive Substanzen vor und dienen ihnen als Farb-, Geschmack- oder Gerbstoffe. Oft schützen Polyphenole die Pflanze vor Frassschäden und dienen ihr als Sonnenschutz und bei Verletzungen. Diese besonderen Substanzen wirken auch auf den menschlichen Körper stark gesundheitsfördernd, antioxidativ und auch krebsvorbeugend. Da in industriell verarbeiteten Lebensmitteln kaum noch Polyphenole vorkommen, steigt das Risiko für Krebsund Stoffwechselerkrankungen sowie Entzündungen. Aus diesem Grund empfiehlt Ritzmann ihren Patientinnen eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel frischem Gemüse und das tägliche Trinken von Grünsaft aus frischen Salatund Gemüseblättern, Früchten oder Beeren, Kräutern und Wildkräutern. Im Winter darf es auch Blattknospe sein. Wurzelgemüse, Gemüsefrüchte (z.B. Gurken, Tomaten, Zucchini, Peperoni), Zusätze, Dörrfrüchte und gekochtes Gemüse gehören nicht in diesen Saft. Zwei Stunden vor und nach dem Trinken von Grünsaft, sollten keine Milch eiweisse gegessen werden, da diese die Aufnahme von Polyphenolen vermindern können. Von ihren mehr als 5000 Patientinnen seien sehr wenige an Krebs erkrankt. Gute Erfahrung mit Grünsäften macht Doris Ritzmann auch in der integrativen Krebstherapie. Sie stellt ihren Patientinnen jeweils ein Rezept für Grünsaft aus, wenn sie wegen einer Krebserkrankung behandelt werden. «Man kann den Körper während einer Krebstherapie optimal unterstützen, wenn man ihm in dieser Zeit ein Maximum an polyphenolreicher Frischkost zuführt», erklärt die Gynäkologin und Phytotherapeutin. «Ich empfehle den Betroffenen, dass sie jeweils 48 Stunden vor und
24 Stunden nach der Chemotherapie ausschliesslich Grünsaft und Wasser zu sich nehmen – etwa einen halben Liter über den Tag verteilt.» Die Nebenwirkungen der Chemotherapie liessen sich auf diese Weise erheblich reduzieren; dies habe Andreas Michalsen, Professor für Klinische Naturheilkunde der Charité Berlin und Chefarzt der Abteilung Innere Medizin und Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin, in Studien nachweisen können.
Phytotherapie – die Kraft der Heilpflanzen Neben der Mistel gibt es zahlreiche weitere Heilpflanzen, die bei einer Krebstherapie wertvolle Hilfe leisten können. Allen voran die Schafgarbe (Achillea millefolium). «Schafgarbentropfen verschreibe ich ab Beginn der Chemotherapie», erklärt Dorin Ritzmann. «Schon mit einmal täglich zehn Tropfen Schafgarben-Urtinktur lässt sich die Knochenmarkserholung beschleunigen.» Sie beobachte, dass sich die Frauen rascher erholen und sich die Chance erhöht, dass die Therapie wie geplant durchgeführt werden kann. Für die onkologische Nachbehandlung und die Reduktion von Nebenwirkungen einer Therapie arbeitet Ritzmann mit einer Reihe von bewährten Heilpflanzen: – Mundspülung mit Odermennig (Agrimonia eupatoria), z.B. ein starker Tee oder die Urtinktur mit Wasser verdünnt. Auch die Spülung mit Eberraute (Artemisia abrotanum), als Tee, vermindert offene Schleimhautbereiche im Mund.
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Ganzheitliche Krebsbehandlung mit Misteltherapie
– Bei Durchfall während einer Chemotherapie Helfen ein bis zwei Teelöffel Johannisbrotmehl (Ceratonia siliqua) in warmem Wasser gelöst – schluckweise trinken. Dies ist ein Schleimhautpfleger, der gleichzeitig eine sehr gute Wirkung auf das Mikrobiom von Magen und Darm hat. – Gegen Übelkeit helfen Ingwertabletten, wie man sie in Drogerien und Apotheken erhält, zum Beispiel Zintona. – Für die Hautpflege nach einer Strahlentherapie hat sich eine Emulsion aus Wildem Yams, Weissdorn und Rotklee bewährt. Laut Studien wenden bis zu 80 Prozent der Brustkrebspatientinnen irgendeine Art der Komplementärmedizin an. Dabei ist eine offene Kommunikation wichtig: Alle ergänzenden Massnahmen sollten mit den behandelnden medizinischen Fachpersonen abgesprochen werden. Neben der Misteltherapie und der Ernährung gehören auch Bewegung und Entspannung zum Grundpaket der integrativen Medizin. «Entspannung ist enorm wichtig, weil dadurch der Parasympathikus aktiviert wird. Dieser ist als Teil des vegetativen Nervensystems für die Regeneration zuständig», erklärt Senologin Teelke Beck. «Entspannung kommt in unserem Leben definitiv zu kurz. Wir müssen neben dem Schlaf auch tagsüber Pausen einlegen und herunterfahren». Möglich ist dies mit ergänzenden Therapien wie Yoga, Achtsamkeit, Atemübungen oder Spaziergänge in der Natur. Denn dort sind wir, genau wie die Mistel, verbunden mit dem Kosmos und allen Elementen.
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Entspannung ist enorm wichtig, weil dadurch der Parasympathikus aktiviert wird. Dieser ist als Teil des vegetativen Nervensystems für die Regeneration zuständig.
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Bucht ipps
Kostenlose Broschüre bestellen: www.iscador.ch/gkb0921 Ganzheitliche Krebsbehandlung Erfahren Sie mehr über die Ursachen und integrativen Behandlungsmöglichkeiten von Krebserkrankungen.
Andreas Michalsen: «Mit Ernährung heilen. Besser essen – einfach fasten – länger leben», Insel 2019, ca. Fr. 39.–
Anna Cavelius, Daniela Paepke: «Beschwerdefrei durch die Krebstherapie. Nebenwirkungen mit naturheilkundlichen Therapien wirkungsvoll lindern», Gräfe und Unzer 2018, ca. Fr. 24.–
coronaimpfung | gesund sein
Gemeinsam Gräben überwinden Die freie Entscheidung über seinen Körper und der Druck der Gesellschaft, das Richtige zu tun – ein Gastbeitrag der Naturärztevereinigung Schweiz (NVS) über das Impfdilemma.
Standpunkt
Niemand hat sich gewünscht, in eine Lage versetzt zu werden, in der wir Entscheidungen treffen müssen, durch die womöglich die eigene körperliche Integrität und das Wohlergehen einer ganzen Gesellschaft gegeneinander abgewogen werden müssen. Und das basierend auf nur teilweise gesichertem Wissen, widersprüchlichen Medienberichten und Ideologien. Und trotzdem kommen wir nicht darum herum, uns genau dieser Herausforderung heute zu stellen. Ganz besonders diejenigen, die sich bis dato nicht haben impfen lassen. Wir, die NVS, beobachten mit Sorge, wie sich immer grössere Gräben auftun. Die Risse gehen durch Familien, Freundschaften, Firmen, Vereine und politische Parteien. Der Druck, sich impfen zu lassen, wird grösser und grösser. Jene, die es nicht tun, werden je länger je mehr zu Tätern abgeurteilt, welche die Schuld an der nächsten Welle tragen – und noch mehr selbst schuld sind, sollten sie dann auch noch an Covid-19 erkranken. «Sollen sie ihre Gesundheitskosten doch selbst tragen, diese Egoisten!» – solche Forderungen gehen uns definitiv zu weit. Die Schweizer Gesetzgebung kennt zu Recht keinen allgemeinen Impfzwang. Auch Nicht-Geimpfte wollen keinen erneuten Lockdown. Auch sie wollen den Zusammenbruch unseres Gesundheitssystems verhindern und Risikogruppen schützen. Viele verzichten nach wie vor, etwa auf grosse Feste und Reisen, leben zurückgezogen und schützen damit sich und ihr Umfeld sehr effektiv vor einer Ansteckung. Oberstes Ziel aller Covid-19-Massnahmen war es stets, dafür zu sorgen, dass das Gesundheitssystem nicht kollabiert. Ist uns das durch die gemeinsamen Anstrengungen nicht recht gut gelungen? Was wollen wir jetzt mit den Impfungen erreichen? Viele Impfwillige haben sich aus Angst vor Erkrankung oder Solidarität impfen lassen. Das sind nachvollziehbare Beweggründe, die wir achten und wertschätzen. Aber wie viele von ihnen haben es gemacht, um einfach wieder in ihr «altes» Leben zurückkehren zu können? Problematisch aus unserer Sicht ist nicht, ob sich jemand impft oder nicht, sondern, dass viele - Geimpfte wie Ungeimpfte - sorglos geworden sind, sich nicht mehr an die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) halten und sich insgeheim moralisch über andere erheben, die sich nicht so wie sie entschieden haben.
Naturärztevereinigung Die NVS Naturärztevereinigung Schweiz ist der grösste und älteste Berufsverband der Schweiz in den Bereichen Komplementärtherapie und Naturheilkunde.
Wir appellieren an alle: schliessen Sie nicht von sich auf andere. Denken Sie daran, dass unsere Gesellschaft auf Toleranz, Grosszügigkeit und Solidarität aufgebaut ist. Es gibt kein richtig oder falsch in dieser Situation. Es gibt bloss die Selbstverantwortung, die darauf baut, dass jeder und jede für sich persönlich abwägt, welcher Weg der richtige für sie oder ihn ist - und dann für sich eine Entscheidung trifft. Bleiben wir respektvoll mit den Menschen in unserem Umfeld und verurteilen wir nicht jene, über deren Beweggründe wir nichts wissen. Druckversuche und Pauschalverurteilungen machen unsere Gesellschaft krank und schaffen unnötige Gräben. Ist es nicht das, was wir am allerwenigsten möchten?
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Garten
Die Bausteine des Lebens Unser Körper besteht zu rund 20 Prozent aus Proteinen. Sie gehören zu den Grundbausteinen aller Zellen. Es sind kuriose Gebilde, die aus 21 Aminosäuren aufgebaut sind. Je besser wir mit diesen versorgt sind, desto älter, glücklicher und gesünder können wir werden. Text: Erna Jonsdottir
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aminosäuren | gesund sein
Fleischersatz | Heute gibt es zahlreiche fleischähnliche Produkte aus Pflanzen mit einem hohen Eiweissgehalt, wie etwa diese Sojaburger. Neben Hülsenfrüchten sind Auberginen, Hanfsamen sowie Quark sehr proteinreich, ebenso Eier, Fleisch und Fisch.
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Proteine sind Makromoleküle, die aus Aminosäuren aufgebaut sind. Diese bestehen hauptsächlich aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und – seltener – Schwefel.
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ie sind winzig kleine Superhelden: die Aminosäuren. Ohne sie gäbe es auf dieser Erde kein Leben. Trotzdem können die wenigsten Menschen mit dem Begriff wirklich etwas anfangen. Deshalb vorab etwas vereinfacht erklärt: Der menschliche Körper, der bis zu 20 Prozent aus Eiweiss gebaut ist, braucht Aminosäuren. Diese verbinden sich zu den Proteinen (Umgangssprachlich auch Eiweisse genannt). Und die sind Energielieferant sowie Baumaterial für unseren Körper und bewirken eine Vielzahl an Wundern: gesunde Haut und schönes Haar, belastbare Knochen, starke Muskeln, stabile Blutbahnen, aber auch hochwirksame Immunzellen, Botenstoffe und Antikörper. Und während Transportproteine lebenswichtige Vitamine und Mineralien durch die Blutbahn schleusen, produziert unser Körper mit Hilfe der richtigen Proteinen Glücks-, Schlaf- und Sexualhormone. Und sie spielen wohl auch eine entscheidende Rolle in Sachen Lebensspanne. Laut der niederländischen Gerontologin Eline Slagboom gibt es keine «Altersgene». In der Formel für ein gesundes Altern spielen gemäss ihrer Studie, die 2019 in der Fachzeitschrift «Nature» publiziert wurde, vielmehr die fünf Aminosäuren Histidine, Isoleucine, Leucine, Valine und Phenylalanine eine zentrale Rolle. Deren Spiegel im Blut soll in direktem Zusammenhang mit unserer Lebensdauer stehen. Doch es gibt noch viele weitere wichtige Aminosäuren.
Essenziell, semi- und nicht-essenziell Heute sind rund 400 verschiedene Aminosäuren bekannt; lediglich 21 davon sind Baustoffe, die in unserem Körper zum Einsatz kommen, sprich aus denen unser Organismus alle wesentlichen Eiweissstrukturen bauen kann. Der Begriff Aminosäure wird oft als Synonym für «proteinogene Aminosäuren» benutzt. Sie gehören alle zur Gruppe der alpha-Aminosäuren und haben dieselbe Struktur, weshalb sie auch L-Aminosäure genannt werden. Dabei unterscheidet man die essenziellen Aminosäuren, die durch die Nahrung zugeführt werden müssen, von den nicht essenziellen, die vom Organismus selbst synthetisiert werden können. Mit Hilfe der essenziellen Aminosäuren sind wir in der Lage, alle nicht essenziellen Aminosäuren zu bilden, was umgekehrt nicht funktioniert! Dann sind da noch die semiessenziellen Aminosäuren. Sie werden vom Körper nur in bestimmten Situationen, zum Beispiel beim Heranwachsen, benötigt.
Besonders wichtig ist Arginin, eine Aminosäure, die im Harnstoffzyklus entsteht, und zwar aus der StickstoffabbauZwischenstufe Carbamoylphosphat, aus Ornithin und Aspartat. Ornithin ist in Fisch, Fleisch, Eier, Quark und Milch enthalten, Aspartat vor allem in Soja. Deshalb ist die Arginin-Produktion so schwierig – und der Grund für eiskalte Füsse: denn kein oder zu wenig Arginin bedeutet enge Blutgefässe. Andersherum gilt: Weil Arginin die Blutgefässe öffnet, ist dieser Lebensbaustein wichtig für die Durchblutung der Skelett- und Herzmuskulatur ebenso wie für die Libido – ein wahres Potenzmittel soll die Aminosäure sogar sein. Und sie hilft auch bei der Fettverbrennung und beim Muskelaufbau.
Hanf statt Fleisch Als kleinste Bausteine von Proteinen sind alle Aminosäuren für jeden Stoffwechselvorgang des Körpers verantwortlich. Die essenziellen Aminosäuren sind dabei unentbehrlich. Landen diese nicht von unserem Teller im Magen und in der Blutbahn, macht unser Körper einen Baustopp. So werden zum Beispiel nicht mehr genügend Hormone produziert, weshalb wichtige Körperfunktionen nicht mehr gewährleistet sind. Die Folge: Wir sind schlapp, müde, traurig oder haben keine Lust mehr auf Sex. Sehr proteinreich sind Fleisch, Fisch, bestimmte Milchprodukte wie Quark oder Parmesan, Eier, Sojaprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte wie etwa Linsen, Erbsen oder Kichererbsen. Mit Ausnahme der Hülsenfrüchte enthalten pflanzliche Lebensmittel allgemein weniger Protein als tierische und liefern dem Körper deshalb weniger essenzielle Aminosäuren. Menschen, die keine tierischen Produkte essen, sollten deshalb Aminos aus anderen Quellen zu sich nehmen. Eine gute Wahl ist Hanfprotein: Hanfsamen bestehen (ähnlich wie der Mensch) zu rund 20 bis 25 Prozent aus Protein. Dieses verfügt über alle essenziellen Aminosäuren und das in ausreichender Menge und in einem sehr guten Verhältnis zueinander (Aminosäurenprofil): Hanfprotein verfügt über ein top Fettsäurenmuster sowie über einen hohen Mineralstoff- und Vitamingehalt. Mineralstoffe und Vitamine sind bekanntlich ebenso wichtig wie die Aminosäuren selbst. Denn auch wenn man alle 21 Hauptaminos in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung hat, kann die Produktion von Hormonen
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Superfood | Hanfsamen enthalten alle essenziellen Aminosäuren und sind gut verdaulich. Ausserdem liefern sie wertvolle Mineralstoffe und Vitamine. Damit sind sie eine optimale Proteinquelle nicht nur für Vegetarier.
Was zeigt ein Aminogramm? Das Aminogramm ist das Ergebnis eines Testverfahrens, mit dem sich die Konzentration einzelner Aminosäuren im Blut bestimmen lässt. Das individuelle Aminosäuren-Profil zeigt, mit welchen Eiweissbausteinen man gut versorgt ist und welche fehlen. Hier die Übersicht:
Die wichtigsten Aminosäuren Alanin nicht essenzielle Aminosäure: Reguliert den Blutzuckerspiegel und spielt vor allem bei der raschen Energielieferung eine entscheidende Rolle. Arginin semiessenzielle Aminosäure: Weitet Blutgefässe und sorgt so für einen gesunden Blutdruck. Asparagin nicht essenzielle Aminosäure: Regt die Nierenproduktion an und unterstützt dadurch den Organismus bei der Entgiftung. Sie wirkt deshalb harntreibend und blutreinigend. Ausgangsstoff chemischer Botenstoffe (Neurotransmitter). Asparaginsäure nicht essenzielle Aminosäure: Unterstützt die Umwandlung stickstoffhaltiger Abbauprodukte in den ungiftigen Harnstoff, der dann über die Nieren ausgeschieden werden kann. Hauptbestandteil von Synapsen und Neurotransmittern. scheitern. Die Schilddrüse z. B. kommt mit der Hormonproduktion nicht hinterher, wenn ihr Selen fehlt. Denn ohne Selen funktioniert die Umwandlung des wichtigsten Schilddrüsenhormons Thyroxin in Trijodthyronin nicht. Die Folge: Der Stoffwechsel macht schlapp. Noch ein Beispiel? Ohne Zink kann Tryptophan das Glückshormon Serotonin und das Schlafhormon Melatonin nicht bilden. Dann sind wir nicht nur unglücklich, sondern schlafen auch schlecht. Sogar Depressionen können die Folge sein. Ist der Körper hingegen mit ausreichend Zink versorgt, wird Tryptophan – eine essenzielle Aminosäure - im zentralen Nervensystem zu Serotonin und Melatonin biotransformiert – und wir bleiben froh, ausgeschlafen und gesund.
Schutz vor Corona und anderen Erregern Der Internist und Molekularmediziner Ulrich Strunz erklärte in seinem Buch «Blut – Die Geheimnisse unseres flüssigen Organs» lange vor vielen anderen, weshalb «Serotoninpillen» nicht helfen können: Serotonin wird in der Darmschleimhaut und im Gehirn produziert. «Weil aber das in der Darmschleimhaut produzierte Serotonin nicht ins Gehirn transportiert werden kann (dazwischen steht die Blut-Hirn-Schranke), muss sich das Oberstübchen sein Serotonin selbst machen.» Deshalb helfe Tryptophan aus der Apotheke plus Zink! «So kommt wieder Freude auf», schreibt Strunz. Denn Tryptophan werde an der Blut-HirnSchranke nicht aufgehalten. Spannendes erfährt der Leser auch in seinem neuen Buch «Die Amino-Revolution». Der Arzt schreibt von der Angst, die uns empfänglicher und empfindlicher für eine mögliche Infektion macht – ein aktuelles Thema angesichts von Corona. «Tun Sie etwas gegen Ihre Angst. Mit Aminos. Mit Vitalstoffen. Bauen Sie sich eine Mauer gegen Corona und Co.!», rät Strunz.
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Glutamin nicht essenzielle Aminosäure: Dient als «Futter» für das Immunsystem und den Darm. Zuständig für den Aufbau der Muskelproteine und verhindert gleichzeitig deren Abbau. Wichtiger Bestandteil des wichtigen Radikalfängers und Entgifters Glutathion. Glutaminsäure nicht essenzielle Aminosäure: Ausgangsstoff für Neurotransmitter wie Glutamat, das die Konzentration und Lernfähigkeit fördert, und GABA, das auf die Nervenzellen dämpfend wirkt. Beteiligt an der Entgiftung im Citratzyklus. Glycin nicht essenzielle Aminosäure: Bestandteil von Kollagen und damit wichtig für Bindegewebe und Gelenkknorpel. Ist beteiligt an der Regulierung des Blutzuckerspiegels und an der Synthese von Gallensäure. Wichtiger Bestandteil des wichtigen Radikalfängers und Entgifters Glutathion. Histidin semiessenzielle Aminosäure: Ist notwendig beim Aufbau eisenhaltiger Moleküle, wie dem Eisenspeicher Ferritin, und Bestandteil des Hormons Histamin, das eine zentrale Rolle bei der Abwehr gegen Fremdstoffe (Entzündungsreaktionen) spielt. Bindet das Eisen im roten Blutfarbstoff (Hämoglobin), das für den Sauerstofftransport und für die Pufferung des pH-Wertes im Blut von grosser Bedeutung ist. Für die Wundheilung und Gewebereparatur entscheidend. Isoleucin essenzielle Aminosäure: Reguliert das Hormon Insulin und aktiviert die Ausschüttung des Wachstumshormons Somatotropin. Dient als Energielieferant und ist massgeblich beteiligt an Muskelaufbau und -regeneration. Leucin essenzielle Aminosäure: Beteiligt am Proteinstoffwechsel in Muskulatur und Leber; hemmt gleichzeitig den Abbau von Muskelgewebe und fördert Heilungsprozesse. Lysin essenzielle Aminosäure: Unentbehrlich für die Stabilität von Kollagen und damit Gelenken, Haut und Bindegewebe. Unterstützt die Immunabwehr gegen Viren. Hilft bei der Aufnahme von Kalzium (Zähne und Knochen).
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Arginin soll ein wahres Potenzmittel sein. Es verbessert die Durchblutung und schützt so auch das Herz.
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Methionin essenzielle Aminosäure: Spielt in vielen Stoffwechselprozessen und beim Proteinaufbau eine wichtige Rolle. Ausgangssubstanz für Adrenalin, L-Carnitin und Kreatin. Wirkt antikanzerogen und antioxidativ. Methyliert Histamin, wodurch es das Gewebshormon in seiner Funktion beeinträchtigt – so können allergische Reaktionen gebremst werden. Ornithin nicht essenzielle Aminosäure: Bestandteil des Harnstoffzyklus, der zur Ammoniakentgiftung dient. Unterstützt die Leberfunktion und wirkt potenzfördernd. Phenylalanin essenzielle Aminosäure: Ausganssubstanz für Tyrosin und damit auch von Insulin, Melanin, dem Vorläuferstoff des Hauptpigments, und Thyroxin, dem Schilddrüsenhormon. Kann umgewandelt werden in Dopamin und Serotonin und hat dadurch eine anregende Wirkung. Wirkt schmerzlindernd und stimmungsaufhellend. Prolin nicht essenzielle Aminosäure: Wichtiger Bestandteil von Kollagen und beteiligt an der Regeneration von Knochen- und Knorpelentzündungen. Unterstützt den Gelenkaufbau und die Geweberegeneration; blockiert den Knorpelabbau. Serin nicht essenzielle Aminosäure: Dient als Grundbaustein vieler Membranen (hochkonzentriert in Zellmembranen des Gehirns) und spielt dadurch eine entscheidende Rolle bei der Reizübertragung der Neuronen. Beeinflusst Gedächtnis und Erinnerungsvermögen positiv. Taurin Abbauprodukt der Aminosäuren Cystein und Methionin – eine Aminosulfonsäure, d. h. eine organische Säure mit einer Sulfonsäureund einer Aminogruppe. Ist an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt. Threonin essenzielle Aminosäure: Hält die Blutgefässe elastisch. Essenziell für Bindegewebe und Knochen. Wichtig für die Produktion von Immunglobulinen und Antikörpern. Schützt Magen und Darm. Tryptophan essenzielle Aminosäure: Bestandteil der Muskulatur, aber auch unterschiedlicher Enzyme, sowie Ausgangsstoff für Serotonin, Melatonin und Vitamin B3. Wirkt stimmungsaufhellend und schlaffördernd. Tyrosin nicht essenzielle Aminosäure: Spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Hormonen und Neurotransmittern. Hat Einfluss auf Stimmung, Appetit und Energielevel. Tyrosin wird im Körper aus Phenylalamin gebildet. Valin essenzielle Aminosäure: Fördert Aufbau und Erhalt von Muskeln. Beugt einem erhöhten Proteinabbau vor, was die Widerstandsfähigkeit gegenüber Infektionen und auch die Wundheilung verbessert. Regt die Insulinausschüttung an, sorgt für die Regulation des Blutzuckers und zusätzlich für eine schnelle Aufnahme aller Aminosäuren in Muskulatur und Leber.
Dass sich schwere Covid-19-Verläufe mit Aminosäuren bekämpfen lassen, darauf setzt zum Beispiel Professor Stefan Schreiber von der Uniklinik Kiel. Konkret mit einer Kombination aus Vitamin B3 und Tryptophan. Von anderen CovidInfektionen (Sars- und Mers-CoV) sei schon länger bekannt, dass es im Krankheitsverlauf zu einem Tryptophan-Mangel gekommen sei, so Strunz. Dies wiederum habe dazu geführt, dass der Körper nicht mehr genug des Immunvitamins B3 bauen konnte. Laut der deutschen Ärztezeitung will man in Kiel nun im Rahmen der Studie «CoVit» herausfinden, ob Covid-Patienten mit zusätzlichem B3 geholfen werden kann. Strunz fragt sich: «Warum bekommen die Patienten nicht direkt Tryptophan? Besser noch: alle Aminos im Paket? Weil das Immunsystem doch genau daraus besteht?» Sicher: Eiweisse tun uns gut. Sie halten gesund – nachweislich. Was aber trotz aller Begeisterung für die Bausteine des Lebens nicht vergessen werden darf: Mit der Zufuhr von Aminos ist es nicht getan. Für den optimalen Stoffwechsel und ein erfülltes Leben braucht es immer auch alle notwendigen Vitalstoffe sowie allgemein eine gesunde Lebensführung mit guten Sozialkontakten, ausreichend Bewegung, Sonnenlicht und frischer Luft.
Bucht ipps
Ulrich Strunz: «Die Amino-Revolution: Der Alters-Code entschlüsselt – forever young mit Eiweiss, dem Grundstoff des Lebens», Heyne Verlag 2021, ca. Fr. 27.–
Ulrich Strunz: «Blut. Die Geheimnisse unseres ‹flüssigen Organs›. Schlüssel zur Heilung», Heyne Verlag 2016, ca. Fr. 28.–
Ulrich Kübler: «Das Geheimnis der Aminosäuren und Spurenelemente» Tredition, 2016, ca. Fr. 15.–
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dankbarkeit | gesund sein
Danke – fünf Buchstaben mit grosser Wirkung Seit jeher ist Dankbarkeit ein wichtiges Thema in Religion und Philosophie. Die Psychologie hingegen hatte bis vor kurzem wenig Interesse daran. Die jüngere Forschung zeigte aber rasch: Zufriedenheit und Wohlbefinden im Leben hängen eng mit Dankbarkeit zusammen. Doch das Gefühl hat auch seine Schattenseiten. Text: Ümit Yoker
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ein Rücken schmerzt, ich schlafe schlecht. Die paar Stufen bis zu meiner Wohnung rauben mir den Atem. Ich verliere öfter die Geduld als sonst; manchmal bin ich ungerecht. All das fällt mir nicht schwer zuzugeben, zu beklagen in grosser Runde, beim Abendessen mit Freunden etwa. Doch eines behalte ich dabei oft für mich: trotz der Unbill bin ich unglaublich dankbar. Dankbar dafür, dass ich im Alter von bald 43 Jahren eine ganz normale Schwangerschaft mit ihren ganz normalen Beschwerden erlebe. Warum bloss geht mir das weniger leicht über die Lippen, als über die Beschwerden zu klagen oder zu erzählen, dass ich meine Kinder zu viel anraunze? Es scheint fast, als hafte dem Satz «Ich bin dankbar für …» etwas Altmodisches an. Ein Eingeständnis, das nicht passt zum Selbstverständnis unserer Zeit, in der jeder seines Glückes Schmid ist und alles nur eine Frage des Willens. Robert Emmons gehörte vor bald zwanzig Jahren zu den ersten Psychologen, die das Gefühl der Dankbarkeit systematisch untersuchten. Obwohl seit Tausenden von Jahren immer wieder Thema in Religion und Philosophie, hatte sich die wissenschaftliche Forschung lange kaum dafür interessiert. Die Dankbarkeit gehöre zu den am meisten vernachlässigten aller Tugenden; dabei sei sie von unschätzbarem Wert als Kitt des sozialen Zusammenlebens, schreibt der amerikanische Psychologe in seinem Buch «The Psychology of Gratitude». Wir lebten, so Emmons, «in einer Gesellschaft, die sich nicht gerne in der Schuld fühlt». Was uns an Gutem zustösst im Leben, schreiben wir deshalb lieber uns selbst zu, als dass wir andere dafür verantwortlich machen. Dankbarkeit jedoch bedeutet auch zuzugeben, dass wir abhängig sind und verletzlich.
Loslassen vom Kreisen um sich selbst «Es ist vor allem das Leistungsdenken, das den Menschen zu schaffen macht, die zu uns kommen», sagt Tobias Karcher, Leiter des Lassalle-Hauses in Edlibach (ZG), dem Bildungszentrum für Spiritualität der Jesuiten. «Wir haben heute die Vorstellung so stark verinnerlicht, dass wir das Leben aktiv steuern und im Griff haben, dass wir nur
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Dankbarkeit ist nicht nur die grösste aller Tugenden, sondern auch die Mutter von allen.
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Marcus Tullius Cicero (106–43 v. Chr.), römischer Politiker und Philosoph
schwer Dinge geschehen lassen und annehmen können. Eine spirituelle Grundhaltung steht einem solchen Denken jedoch diametral entgegen», betont Karcher. Allen Wegen zur Spiritualität gemeinsam sei schliesslich die Achtsamkeit, und diese bedeute ein Loslassen vom Kreisen um sich selbst, ein sich Öffnen gegenüber der Welt. Was wiederum zum Bewusstsein führe, wie vieles uns einfach geschenkt ist: die Schöpfung, die Liebe, ja, das Leben überhaupt. Erst mit diesem Bewusstsein öffne sich der Raum, um tiefe Dankbarkeit zu empfinden, sagt Karcher. «Achtsamkeit und Dankbarkeit sind untrennbar miteinander verbunden.» In der psychologischen Forschung verstand man unter Dankbarkeit zu Beginn in erster Linie das Gefühl, das sich einstellt, wenn einem jemand in irgendeiner Form die Hand reicht. Je grösseren Wert diese Hilfe für uns hat, je mehr sie den Wohltäter kostet und je altruistischer wir dessen Motivation einschätzen, stellten Psychologen bald fest, desto dankbarer fühlen wir uns auch. Erst später wurde auch derjenigen Dankbarkeit vermehrt Beachtung geschenkt, die mehr Grundhaltung ist, denn konkrete Reaktion auf erhaltene Hilfe.
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gesund sein | dankbarkeit
Dankbar sein – und aufwärts geht‘s
Wege zu mehr Dankbarkeit im Alltag So eindeutig liess sich in der psychologischen Forschung schon nach kurzer Zeit ein Zusammenhang zwischen Dankbarkeit und mentalem Wohlbefinden feststellen, dass man bald auch nach Wegen suchte, das Gefühl in Therapien mit praktischen Übungen zu stärken. Einige davon erlangten dabei besonders schnell Beliebtheit, auch im Alltag:
Die Liste Zu den gängigsten Ansätzen gehört die Dankbarkeitsliste: Man notiert sich vor dem Schlafengehen beispielsweise drei Dinge, für die man an diesem Tag besonders dankbar ist. Die Methode ist in der klinischen Psychologie sehr beliebt, weil sie sich rasch und unkompliziert umsetzen lässt und doch ebenso wirksam Stress reduziert wie manch andere, deutlich aufwändigere Intervention. Selbst wer zu Beginn das Gefühl hat, nichts aus seinem Leben auf die Liste setzen zu können, scheint mit der Zeit mehr und mehr Dinge zu finden, für die er oder sie dankbar sein kann.
Die Kontemplation Die Aufforderung zum Nachdenken über Dinge, die einem dankbar machen, ist zwar weniger systematisch angelegt als die Dankbarkeitsliste. Doch auch sie hat in klinischen Settings gute Wirkung gezeigt: So heben die wenigen Minuten, in denen man sich bewusst auf etwas Gutes besinnt, oftmals genügend die Stimmung, um sich auf eine anschliessende Therapiestunde einzulassen. Diese Kontemplation ist auch den Jesuiten alles andere als fremd. Tobias Karcher, Leiter des Lassalle-Hauses, sagt: «Das Gebet des Tagesrückblicks hilft, den Tag mit Gedanken der Dankbarkeit abzuschliessen.» Das ermögliche es dem Menschen loszulassen. Viel zu oft jedoch sähen wir am Ende des Tages bloss, was wir alles nicht geschafft hätten.
Der Besuch Die grösste kurzzeitige Wirkung konnten Psychologen bisher dem sogenannten Dankbarkeitsbesuch nachweisen. Sie verglichen dazu Menschen, die jemandem, dem sie besonders viel verdankten, einen Brief schrieben und diesen dann der Person vorbeibrachten und vorlasen, mit Menschen, die stattdessen für sich einen kurzen Text über ihre Kindheitserinnerungen verfassten. Erstere fühlten sich sowohl direkt nach der Dankbarkeitsübung als auch noch einen Monat später zufriedener und weniger depressiv als die Vergleichsgruppe.
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So oder so: Die Studien der vergangenen Jahrzehnte lassen heute kaum mehr Zweifel daran, wie eng die Gefühle von Dankbarkeit mit psychischer Gesundheit und Zufriedenheit verbunden sind: Dankbare Menschen sind besser vor Stress und Depressionen geschützt; sie führen engere Sozialbeziehungen und können nicht nur auf mehr Unterstützung aus ihrem Umfeld zählen, sondern bitten in schwierigen Situationen auch leichter um Hilfe. Sogar zu besserem Schlaf soll die Dankbarkeit verhelfen, wie eine Studie des britischen Psychologen Alex Wood zeigt, einem der wichtigsten Forscher in diesem Bereich. Wood stellte gemeinsam mit Kollegen fest, dass das Ausmass positiver beziehungsweise negativer Gedanken vor dem Einschlafen und die Dauer und Qualität des Schlafs deutlich mit Gefühlen der Dankbarkeit zusammenhängen. Anders gesagt: Wer abends im Bett nicht über Problemen grübelt, sondern sich am Geschenk des Lebens freut, sich in einer kurzen Rückschau dankbar an die schönen Dinge des Tages erinnert, schläft in der Regel auch schneller ein und besser durch. Für den englischen Philosophen Francis Bacon war zwar klar: «Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.» Laut moderner Forschung ist das aber nicht restlos geklärt. Demnach bleibt bei all den Ergebnissen die Frage offen, was zuerst da ist: die Dankbarkeit oder Glück und Gesundheit? Sind manche Menschen dankbarer als andere, weil ihnen mehr Erfreuliches im Alltag widerfährt? Oder gibt es Menschen, die von Natur aus häufiger Dankbarkeit empfinden und deshalb Umfeld und Umstände wohlwollender beurteilen? Sicher sind sich Psychologen nur, dass das Gefühl in der Regel eine Aufwärtsspirale in Gang setzt: Je dankbarer wir sind, desto eher nehmen wir Hilfsangebote anderer Menschen überhaupt erst wahr – was wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass wir künftig anderen ebenfalls öfters Unterstützung anbieten.
Gutmütiger Meister, dankbarer Sklave? Alles eitel Sonnenschein also? Forscher wie Alex Wood und Robert Emmons begannen in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu hinterfragen, ob das Gefühl von Dankbarkeit tatsächlich nur positive Seiten hat. Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil ob all der vielversprechenden Forschungsresultate bald auch die Suche nach therapeutischen Ansätzen einsetzte: Dankbarkeit sollte mit praktischen Übungen gezielt gefördert werden, um psychisches Leiden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern (siehe «Wege zu mehr Dankbarkeit im Alltag») • Zum Beispiel: Muss der Sklave dem Meister dankbar sein, wenn dieser ihn grossmütig und mitfühlend behandelt? Verdient der Meister Anerkennung dafür, dass er sich in einem ungerechten System so gerecht wie möglich verhält, wenn er dieses durch seine Position doch gleichzeitig aufrechterhält? Solche Fragen liessen sich aus ethischer Sicht schwer beantworten, schreiben Wood und Emmons gemeinsam mit Kollegen in der Studie «A Dark Side of Gratitude?» – und doch seien sie allgegenwärtig: Schulde man etwa dem Angestellten eines frag-
dankbarkeit | gesund sein
würdigen Unternehmens Dank dafür, dass er einen vor dubiosen Geschäftspraktiken warne, wenn er doch weiterhin dort arbeite? • Es gelte genau hinzuschauen, wie, wann und wem Dankbarkeitsbekundungen nützen, sind Wood und Emmons überzeugt. So empfänden zum Beispiel auch Opfer häuslicher Gewalt Dankbarkeit ihrem Partner gegenüber – was die Wahrscheinlichkeit erhöhe, in einer solchen Beziehung zu bleiben und die verzerrte Sicht des Täters auf einem selbst zu projizieren. • In Gesellschaftsstrukturen, in denen Menschenrechte missachtet und Bevölkerungsgruppen systematisch unterdrückt werden, scheint es sich ähnlich zu verhalten. So habe er ausgerechnet in den unfreisten Ländern die dankbarsten Menschen angetroffen, schreibt Wood in derselben Studie. Selbst Aggressionen und Gewalt des Staatsapparats gegenüber der Bevölkerung erschienen hier bisweilen in positivem Licht und als notwendig und rechtens - ja als Garant für Sicherheit und Freiheit. Zur Folge habe das, vergleichbar mit missbräuchlichen Paarbeziehungen, dass Menschen gravierende Missstände zu lange hinnähmen und sich zu wenig für ihre Rechte stark machten. Eine nicht unwesentliche Rolle komme dabei auch den grossen Religionen zu, die fast einhellig eine moralische Verpflichtung zur Dankbarkeit erklären. Eine Aufforderung, die an der Seite autoritärer Staaten leicht zum Instrument sozialer Kontrolle werde und wohl auch immer wieder dazu beigetragen habe, Menschen dem Staat zu unterwerfen. Deshalb: Sicher tun wir gut daran, uns mehr in Dankbarkeit zu üben. Doch schadet es auch nicht, das Gefühl immer mal wieder zu hinterfragen.
Weltweisheit Es klingt ein Lied vom Himmel nieder So wunderlieb, so klar, so rein, Und deine Seele singts ihm wieder; Sie will dem Himmel dankbar sein. Die andern lauschen rings im Kreise; Dann siehst du, dass sie lächelnd weitergehn. Sie sind zu klug, sie sind zu weise, Um das, was dich beseligt, zu verstehn. Es kommt ein Strahl vom Himmel nieder; Er leuchtet in dein Herz hinein, Und dieses strahlt in andern wieder; Es will dem Himmel dankbar sein. Doch diese andern stehn im Kreise Und lächeln über dich, das grosse Kind. Sie sind zu klug, sie sind zu weise Und drum für das, was dich beseligt, blind. Und käm der Himmel selbst hernieder, Um dankbar dann auch dir zu sein, Und füllte alle deine Lieder Mit seinem ganzen Sonnenschein, Die andern ständen rings im Kreise Und fiel das Lächeln ihnen wohl nun schwer, Sie blieben doch so klug, so weise Für das, was dich beseligt, wie vorher. Karl May (1842– 1912)
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gesund werden | rheuma
Rheuma Eine Selbst(heilungs)erfahrung Kann ich mein Rheuma loswerden? Ohne Medikamente? Nein, antwortete der Rheumatologe. Doch, sagte ich. Mein Rheumatologe war ein guter Verlierer. Aber dass ich meinen Heilungsverlauf mit seinen anderen Patienten teile, wollte er nicht. Meine Genesung sei eine individuelle Ausnahme. Inzwischen bin ich seit acht Jahren völlig beschwerdefrei – und freue mich, wenn andere Rheuma patienten von meiner Erfahrung profitieren können. Text: Leila Dregger Illustration: Sonja Berger
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rheuma | gesund werden
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s begann mit einem schmerzenden Knie. Das MRT zeigte eine kleine Entzündung. Ich versuchte Gymnastik, Massagen, warme Kissen, Heilbäder und am Ende eine hochdosierte Kortisonspritze direkt ins Knie. Das half nur kurz; der Schmerz kam wieder. Stärker, lästiger, vor allem morgens nach dem Aufstehen. Diesmal half die Spritze nicht mehr. Dann schmerzte auch das rechte Handgelenk. Gelenkschienen halfen nur mässig. Dann tat die Schulter weh, bald auch einzelne Finger. Erst ein befreundeter Naturheilpraktiker machte mich darauf aufmerksam, dass die Beschwerden systemisch sein müssen. «Vielleicht Rheuma», meinte er. Rheuma? Ist was für alte Frauen! Ich verdrängte seine Vermutung. Doch dann kam ich morgens kaum noch aus dem Bett, wusste nicht, wie mich anziehen, da jede Bewegung weh tat. Schmerzmittel halfen nicht. Warm Duschen war meine einzige Erleichterung. Es war, als hätte mich eine riesige Hand in die Mangel genommen. Der Schmerz isolierte mich. Ich hasste mitleidige Blicke und gute Ratschläge, und helfen konnte mir eh niemand. Ich war permanent müde, schwer, mutlos. Zu den Belastungsschmerzen kamen punktuelle Attacken. Ohne Vorwarnung tat irgendein Punkt meines Körpers so weh wie heftigste Zahnschmerzen: zum Schreien! Es konnte in der Schulter, in der Wade, im Handteller sein und dauerte Stunden. Nichts half. Ich musste lernen, mental mit Schmerz umzugehen: einen geistigen Hebel zu finden, den ich dazwischenschieben konnte. So lernte ich, mich trotz Schmerz zu öffnen, mit Schmerz präsent zu sein. Es war eine geistige Kraftaneignung, die ich nicht missen möchte. Und wie selig war jedesmal der Moment, wo der Schmerz ging. Betroffene kennen das. Eine befreundete langjährige Rheumatikerin hatte so gut gelernt, ihren Schmerz zu integrieren, dass sie unwissentlich ein Wochenende lang einen Bandscheiben-Vorfall «aushielt». Schliesslich suchte ich einen Rheumatologen auf – die Diagnose war eindeutig: Der Ultraschall zeigte Entzündungen in zahlreichen Gelenken und die Blutuntersuchung einen hohen Rheumafaktor (das Vorhandensein von Antikörpern der Autoimmunreaktion). «Wie konnten Sie so lange den Schmerz aushalten?», fragte der Arzt. Ich brach in Tränen aus. Endlich jemand, der mich verstand! Ich fragte nach natürlicher Heilung. «Bei ihrem Befund hilft keine Naturmedizin mehr. Sie werden um eine Rheumatherapie nicht herumkommen», war sich der Arzt sicher. «Damit müssen wir sofort beginnen, um überhaupt noch eine Chance zu haben.» Ich informierte mich über die Nebenwirkungen der Rheumatherapie – und entschied mich dagegen. Ein sehr spezielles Jahr begann. Ich liess (fast) nichts unversucht: Chinesische Medizin und Akupunktur, Ernährungsumstellung, Ayurveda, Homöopathie, Einstellung des Säure-Basen-Haushaltes und endlich das Lauschen auf mein Inneres. Heute weiss ich: Rheuma hat mir den Weg zu meiner Selbstliebe und Lebensfreude gezeigt.
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) Der TCM-Arzt las meinen Zungenbelag und meine Iris – und fand das Bild des Reisbauern: im trüben Wasser stehend, feststeckend, unbewegt. Ja, so fühlte ich mich! Er empfahl mir Bewegung – körperlich und geistig. Ich sei in einem zu starren Weltbild gefangen, meinte er, ich müsse neue geistige Wege beschreiten und mich auch körperlich bewegen. Doch genau das war unmöglich: Als ich den TCM-Arzt aufsuchte, taten die Fussgelenke bereits so weh, dass ich kaum gehen konnte. Nordic Walking entlastete zwar die Füsse, aber belastete die Handgelenke, die auch schmerzten. Jede Bewegung belastete ein anderes Gelenk und erzeugte neue Schmerzen. Wochenlang liess ich mich akupunktieren. Der Akupunkteur fand es ein gutes Zeichen, dass die behandelten Stellen sich jeweils besserten, schien aber blind dafür, dass der Schmerz dann anderswo ausbrach. Ich beendete die Behandlung.
Ernährung Fleisch, Milchprodukte, Weissmehl, Zucker, Kaffee, Alkohol, Rauchen – all das sind Risikofaktoren für Rheuma. Die meisten rheumatischen Erkrankungen lassen sich durch Ernährungsänderung lindern. Doch viele schmerzerfüllte Rheumatiker versuchen eher komplizierte Therapien, als auf eine Bratwurst zu verzichten. So ging es mir auch. Üppig zu essen, war mein Trost. Doch mir kam ein Zufall zu Hilfe: Freunde probierten Rohkost und luden mich ein, mitzumachen. In einer temporären gemeinsamen Küche lernten wir die Zubereitung von Rohkostsuppe, -torte, -brot, -aufstrich. Wir sammelten Kräuter und pressten Smoothies. Ich stellte fest, dass auch Salat und Gemüse satt machen können, nahm wunderbar ab, fühlte mich leichter und gesünder. Ich ass ein halbes Jahr lang ausschliesslich Rohkost; danach auch wieder Suppe, Reis und gedünstetes Gemüse. Konsequent verzichtete ich auf die obgenannten Risikofaktoren. Aber das Rheuma blieb.
Homöopathie Homöopathie gilt als Unterstützung für die Rheuma-Schmerzlinderung. Ein Homöopath sagte sogar, dass über 60 Prozent seiner Rheuma-Patienten völlig geheilt seien. Für mich war das beste bei der Homöopathin die ausführliche Anamnese: Ich erfuhr von ihr die Zusammenhänge persönlicher Verhaltensweisen und meiner Geschichte von Krankheit und Therapie. Sie sagte: «Symptome sind Hilferufe der Seele. Werden sie unterdrückt, tauchen sie in anderer, stärkerer Form wieder auf, bis wir sie nicht mehr unterdrücken können.» Dieser Satz war wichtiger als all die Globuli, die ich verschrieben bekam: Meine Seele will über meine körperlichen Symptome zu mir sprechen – und ich hörte einfach nicht zu.
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g e s u n d s e i n | themenstichwort
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rheuma | gesund werden
Nach innen schauen Warum hatte ausgerechnet ich Rheuma – und meine Geschwister mit dem gleichen Erbgut nicht? Warum bewirkte ausgerechnet bei mir der gelegentliche Genuss von «bösen» Lebensmitteln eine so schwere Krankheit, wo doch andere sehr viel üppiger schlemmten? Was will meine Seele mir sagen? Endlich stellte ich mir die richtigen Fragen. Ich lauschte nach innen – und fand wieder das Bild des Reisbauern: Ich steckte fest in meinem Leben. «Starrsinnig», «engstirnig», so beschreiben Psychosomatiker den Charakter des typischen Rheumapatienten. Seit wann glaubte ich, irgendetwas im Leben wäre wichtiger als Liebe, besonders die Liebe zu sich selbst? Wann war mein Selbstwertgefühl derart eingebrochen? Tagebuch, Traumdeutung und substanzielle Gespräche brachten mich meiner seelischen Realität näher: Ich hatte Verluste in der Liebe erlitten, meine Wut heruntergeschluckt, war verzagt und mutlos geworden. Ich hatte aufgehört, mich am Leben zu freuen, mich für etwas einzusetzen, was ich liebe – und war in seelische Passivität geraten, während ich äusserlich wie ein Roboter funktionierte. Wäre ich meine Seele, riefe ich auch um Hilfe! Jetzt, endlich, hörte ich ihre Botschaft: «Tu was, wach auf, ergreife dein Leben wieder, erzeuge Liebe, folge der Freude!» Ich gehorchte. Ich betrachtete manches vernachlässigte Stück meines Selbsts und übte Gnade und Selbstliebe – bis sich mein Selbst, mein Innerstes wieder öffnete. Das Leben kehrte zu mir zurück wie die Sonne nach einem trüben Tag. In dieser Zeit war ich zu einer schamanischen Schwitzhütte eingeladen, einem Heilritual. Im Dunkeln, dicht an dicht zu anderen Körpern sitzend, dem Zischen des Wassers auf den heissen Steinen und den Gesängen einer fremden Sprache lauschend, liess ich die letzten bösen Geister los, die mich besetzten – Stress, Leistungsdruck, Selbststrafe durch Einsamkeit. Ich hatte das Gefühl, in einer übergrossen Gebärmutter meiner zweiten Geburt entgegenzugehen. Als ich aus der Schwitzhütte kroch und dann am Feuer stand, bebend vor Lebendigkeit, war ich sicher, ganz geheilt zu werden.
Säure-Basenhaushalt Fast ein Jahr lang hatte ich vor diesem Heilritual alles ausprobiert, was Hilfe versprach. Endlich fühlte ich mich gesund, leicht, lebensfroh. Der Schmerz war zwar noch da, aber er hatte keinen Zugriff mehr auf mein Innerstes, auf mein Selbst. Nun wartete ich geduldig und voller Optimismus auf ein letztes Puzzlestück für meine Heilung – und es kam. Schon seit Monaten hatte ich auf alles verzichtet, das den Körper übersäuert – auf Zucker, Mehl, Fleisch; auch Wut habe ich nicht mehr heruntergeschluckt. Ich nahm basische Bäder,
Rheuma Rheuma ist ein Sammelbegriff verschiedener, meist entzündlicher und chronischer Krankheiten, die vor allem den Stütz- und Bewegungsapparat des Körpers befallen, aber auch auf innere Organe übergehen können. Die häufigste rheumatische Erkrankung ist rheumatische Polyarthritis oder rheumatoide Arthritis (RA): eine schubförmig verlaufende, chronische, schmerzhafte Entzündung vor allem von Gelenken im ganzen Körper, die letztlich Knochen, Bindegewebe und Knorpel zerstört. Rheumatoide Arthritis gilt als Autoimmunerkrankung: das Immunsystem greift das eigene Gewebe an. Mögliche Ursachen sind Vererbung, Rauchen, Übergewicht und Infektionen, aber auch Essgewohnheiten und psychische Ursachen. Rheumatoide Arthritis gilt als nicht heilbar; es kann aber eine Remission erreicht werden: Die Krankheit kommt zur Ruhe.
Weitere Informationen: www.rheuma-schweiz.ch www.rheumaliga.ch
um die Säure auszuleiten. Um den pH-Wert weiter zu senken, nahm ich schliesslich ein Säure- Basen- B alancePräparat auf Mineralbasis, das in jeder Drogerie für ein paar Franken zu haben ist. Darauf schien mein Körper gewartet zu haben: Eine Woche später waren die Schmerzattacken weg. Und blieben verschwunden. Der Ultraschall fand keine Entzündungen mehr. Ein einziges Mal – nach einem Urlaub, als ich der Lust auf Fleisch gefolgt bin – hatte ich noch eine Schmerznacht. Es war wie eine Erinnerung: bleibe achtsam. Bleibe bei dir. Was mich geheilt hat? Alles zusammen, glaube ich. Die grosse Wende kam, als ich endlich auf meine Seele hörte und aktiv wurde, der Schwere trotzte und mein Schicksal in die Hand nahm. Ja, Rheuma hat mir geholfen, meine unbewusst pessimistische und leidende Einstellung zu ändern und voll ins Leben zu treten! Als Tipp für alle Betroffenen kann ich nur sagen: Werdet aktiv für eure Heilung! Erobert euer Leben zurück. Gebt nicht auf. Heilung ist möglich!
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gesund sein | heilpflanze
Der Zenmeister Der Baldrian ist der Meditationslehrer unter den Pflanzen. Er öffnet Herzen. Und er lehrt uns, zur Ruhe zu kommen, Stille zu erfahren, zu uns selbst zu kommen. So ist Baldrian ein idealer Begleiter für den Übergang in die winterliche Tiefe. Text: Steven Wolf
Bald ist es so weit! Samhain naht. Für Hexen ist es das Fest der Feste, das in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November gefeiert wird. Uns ist es besser bekannt als Allerheiligen oder Halloween. Damit endet die helle und warme Jahreszeit. Samhain naht: «Wo tanzen die Ahnen in finsterer Nacht, Ist Cailleach * unter dem Holler erwacht. Die Schleier sind brüchig in dieser Zeit, wenn die Magie des Lebens sich mit der des Todes vereint. Wohl an, deckt die Tische mit Speis und Trank, Entfacht die Feuer und schenkt der Göttin euren Dank. Das Hexenjahr dem Ende sich neigt, Wenn der erste Strahl der Sonne sich zeigt.»
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Das Kräuterjahr dem Ende sich neigt, wenn nach der Samhainnacht der erste Strahl der Sonne sich von neuem zeigt.
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Im Zeichen der Luft So lautet ein Gedicht, dessen Urheber ich nicht eruieren konnte. Ich würde das letzte Zeilenpaar abwandeln: «Das Kräuterjahr dem Ende sich neigt, wenn nach der Samhainnacht der erste Strahl der Sonne sich von neuem zeigt.» Zumindest oberirdisch verabschieden sich viele Heilkräuter. Unterirdisch kommen manche aber erst jetzt in die volle Kraft. Zum Beispiel der Baldrian, dessen Wurzelstock man im Herbst – oder aber im Frühjahr, vor dem Austreiben – erntet. Der Baldrian (Valeriana officinalis) ist ein Meisterkraut der inneren Stille, der Achtsamkeit und der Vermittlung. Er wächst in feuchten Waldlichtungen, an Waldrändern und auf feuchten Wiesen, in der Nähe von Bächen, Flüssen und Seen. An seiner schlanken, aufrechten und hohen Gestalt erkennt man im Baldrian die Präsenz des Planeten Merkur. Auch sein rhythmischer Aufbau, die Blatt-Stängelausprägung, der hohle Stängel und seine rosa schimmernden Schirmblütendolden verweisen auf den geflügelten Götterboten Merkur. Der stärkste Teil des Baldrians ist in seiner Wurzel verborgen: die Merkurpflanze bildet einen kräftigen, gelblichweissen Wurzelstock mit vielen Nebenwurzeln und kurzen Ausläufern. Der intensive Baldriangeruch entwickelt sich erst mit dem Trocknen der Wurzel. * eine hexenhafte Riesin
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Die Merkurenergie ist dem Element Luft zugehörig. Die Leichtigkeit und die Beweglichkeit des Luftelementes machen uns wach und dynamisch. Das hilft, uns für Neues zu öffnen und Unbekanntes besser zu verstehen – Merkurpflanzen dienen in Kräuterrezepturen immer als Vermittler, Friedensstifter und Brückenbauer. Deshalb besitzt der Baldrian eine enge Verwandtschaft zum Lebensgeist, zum Spiritus vitalis. Seine äusserst flinke Energie lässt einem die Leichtigkeit des Lebens spüren. Baldrian gilt als Vermittler zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein ebenso wie zwischen Götterwelt und irdischen Mächten. Die Merkurkraft im Baldrian beherrscht die Balance des Stoffwechsels, des Hormonsystems, der Sprech- und Hörorgane und der Atemwegsorgane. Er wirkt auf den Blutdruck, den Puls, die Atemfrequenz und reguliert die Verdauung. Mit seinen rhythmisch angeordneten Blättern, dem gekerbten Stiel, den weissrosafarbenen Schirmdolden und dem süsslich/schweren Duft, gibt sich der Baldrian als Nerven- und Herzpflanze zu erkennen. Der von Merkur geprägte Baldrian wirkt aus unserer Mitte heraus. Er harmonisiert den Rhythmus des Ein- und Ausatmens, des Herzschlages und der An- und Entspannung. Es ist dieser harmonisierende, rhythmische Pol, der uns gesund hält. Warum? Weil das ganze System Mensch Rhythmus ist. Herz- und Atemfrequenz, Kreislauffunktion, Darmbewegung,
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gesund sein | heilpflanze
Verborgen Kraft | Vom Baldrian - dessen Blüten von Mai bis August Insekten erfreuen - verwendet man die Blätter, hauptsächlich aber den Wurzelstock, den man im Herbst oder Frühjahr ausgräbt, reinigt und trocknet. Der Tee daraus wirkt beruhigend, nervenstärkend, schlaffördernd, krampflösend, schmerzstillend und blutdrucksenkend.
Menstruation, Hormonhaushalt - all das würde stagnieren, wenn wir nicht einem rhythmischen Pol unterstellt wären, der in allen Körperfunktionen die Waage hält und immer wieder für Gleichgewicht und Ausgewogenheit sorgt. Im Brustkorb lebt das Fühlen, die Atem- und Blutbewegung. Durch das Gefühl von Freude, Scham oder Wut verändert sich der Rhythmus des Herzens und der der Atmung. Manchmal erröten wir, ein anderes Mal lässt Furcht oder Schreck den Atem stocken oder gar das Blut in den Adern gefrieren. Deshalb ist langanhaltender Stress so ungesund; er führt zu Anspannungen, zur Destabilisierung des Stoffwechsels und schlussendlich zu einer Fehlsteuerung innerer Organe.
Für starke Nerven Die Energie des Baldrians hat eine starke Wirkung auf unsere Nervenreize. Das kann man auch von der Signatur der Wurzel ableiten, sieht diese doch unserem Nervensystem ähnlich. Nehmen wir sie zu uns, etwa als Tee, Tinktur oder auch im Weisswein angesetzt, wirkt die Kraft des Baldrians wie Strom auf unseren Körper. Sie ist der übertragende, zündende Funke im Nervensystem, das Lichtspektakel das durch unser Hirn blitzt. Die Baldrianwurzel wirkt teils über die Grosshirnrinde, teils über das vegetative Nervensystem und interagiert aktiv mit den Nervenzellen. Hier sorgt die Baldrianwurzel für eine reibungslose Weiterleitung von Signalen zwischen den Organen und dem gesamten menschlichen System. Wenn diese Bereiche harmonisch aktiviert werden, fühlen wir uns glücklich und entspannt. Deshalb ist Baldrian ein natürliches Anti-Stressmittel für Körper, Geist und Seele. Dennoch wirkt er nicht betäubend. Im Gegenteil. Baldrian macht wach, aufmerksam und beeinträchtigt weder Konzentrations- noch Leistungsfähigkeit. Baldrian ist bekannt als Heilmittel bei Einschlafstörungen; er greift aber nicht aggressiv in den natürlichen SchlafWach-Rhythmus ein. Vielmehr kommt seine einschlaffördernde Wirkung über die Entspannung zustande. Als Vermittler- und Balancepflanze gleicht er ein zu viel an Schlaf mit Wachsein aus, und die Schlaflosigkeit mit Schlaf. Baldrian wirkt bei allen Zuständen von Nervosität, Schlaflosigkeit, Angst- und Spannungszuständen sowie Konzentrationsschwäche sehr ausgleichend. Dabei wirkt die Heilpflanze nicht direkt auf das Herz; vielmehr wirkt sie über das Hirn auf die Steuerung des Herzens: man wird ruhiger, entspannter und kann besser mit den einströmenden Reizen des Alltags umgehen. So lädt Baldrian leere Batterien auf. Gleichzeitig wirkt er als Herzöffner. Durch dieses Wirken kann aus Angst, Liebe entstehen.
Dialog mit der Merkurkraft In der Pflanzenmeditation begegnet mir der Baldrian als ein menschenähnliches, Buddha gleiches Wesen: zutiefst zufrieden im Schneidersitz in einer Höhle ruhend, umgeben
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von einem lilafarbenem Schleierlicht. Seine Botschaft kann ich so übersetzen: «Ich besitze die Meisterschaft der Tiefenentspannung, der Ausgeglichenheit und der Wachheit des Augenblickes. Ich dringe tief, bis in deinen molekularen Raum vor. Von dort steigere ich deine Fähigkeit, dich trotz der vielen Ablenkungen auf das Wesentliche und den Puls des Augenblicks konzentrieren zu können. Gemeinsam erschaffen wir deinen eigenen Raum der Gelassenheit und Stille. Ich helfe dir, dass du ganz bei dir sein kannst und die Kraft in deiner Ruhe spürst. Ich beruhige deine übersteigerte Gedankenaktivität und die Neigung zur Gedankenflucht. Deine Ängste können verfliegen, deine Freude wird grösser und du findest Lösungen. In diesem Raum lehre ich dich, ehrlich mit dir selbst zu sein. Ich helfe dir wahrzunehmen, was in deinen eigenen Bereich der Verantwortung fällt und was nicht.»
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Der Baldrian weckt die Lebensgeister. Seine Merkurenergie wirkt als Vermittler, Friedensstifter und Brückenbauer.
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«Slow Down and Take it Easy»-Tee Für die Zubereitung eines Baldriantees benötigt man 1 Teelöffel Baldrianwurzel (Valerianae radix). Man übergiesst die geschnittenen Wurzelstücke mit 250-300 ml kochendem Wasser und lässt den Tee mindestens zehn Minuten zugedeckt ziehen. Dann den Tee in kleinen Schlucken trinken.
Wirksamer ist der Kaltwasserauszug Hierzu lässt man 1 Teelöffel der geschnittenen Baldrianwurzel während gut 12 Stunden in 300 ml kaltem Wasser stehen. Dann absieben und die Wurzelstücke nochmals wie oben mit kochendem Wasser überbrühen und fünf Minuten ziehen lassen. Kalt- und Warmauszug mischen und langsam trinken. Bei Bedarf mit etwas Honig süssen.
Schmackhafte Blätter Die Blätter des Baldrians sind essbar. Frische Austriebe sind sie am leckersten: Ihr Geschmack erinnert an Feldsalat. Hin zur Blütezeit lässt das Aroma stark nach. Optimalerweise sammelt man die Blätter deshalb bevor gegen Ende April die langen Blütenstiele emporschiessen. Doch grundsätzlich können die Blätter bis Oktober gepflückt und Salaten beigemischt werden. Sie eignen sich auch prima für Smoothies oder Eintöpfe.
Steven Wolf hat schon als Kind von seiner Grossmutter altes Pflanzenwissen gelernt und weiss um die Kraft der Natur mit all ihren sichtbaren und unsichtbaren Wesen. Er lebt in Escholzmatt, wo er zusammen mit seiner Partnerin ganzheitliche Pflanzenkurse für interessierte Menschen durchführt. Im Lochweidli steht dafür eine eigens gebaute Schuljurte. www.pflanzechreis.ch
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staunen & wissen
Trinkhalme
Schadstoffe in Papierröhrli Trinkhalme aus Papier statt Plastik schonen angeblich die Umwelt. Sie sind allerdings problematisch, wie ein Labortest der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt: Alle untersuchten Papierröhrchen waren mit dem möglicherweise krebserregenden Stoff 3-Monochlorpropandiol (3-MCPD) belastet. Gemäss der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit kann dieser Stoff Nieren und Hoden schädigen. Die Behörde empfiehlt stattdessen Röhrchen aus Glas, Silikon oder Edelstahl. krea
Nut z t ier e
Weniger Antibiotika fürs Vieh Der Vertrieb von Antibiotika für Tiere ist laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) in den letzten 10 Jahren deutlich zurückgegangen: von 62 350 kg in 2010 auf 28 078 kg in 2020. Der Trend setzte sich auch im vergangenen Jahr fort; besonders stark gesunken (-9 %) ist in 2020 der Absatz kritischer Antibiotikaklassen. krea Gly phosat
Auch schlecht fürs Hirn Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO stuft Glyphosat als «wahrscheinlich krebserregend» ein. Darüber hinaus hat es laut Agraringenieur und Humanbiologe Anton Safer auch negative Auswirkungen auf den Darm, das Gehirn und den Stoffwechsel. Zudem sei es durch den vermehrten Einsatz des Unkrautgifts zu einer starken Zunahme von Antibiotikaresistenzen gekommen. Das Gift reichert sich im Grundwasser, in den Böden, in Pflanzen und Tieren an und landet schliesslich über die Nahrungskette auf unseren Tellern. Gemäss Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) sind in der Schweiz 46 Produkte mit dem Wirkstoff Glyphosat zugelassen, 18 davon auch für Privatanwender. Die deutsche Bundesregierung will das Gift bis Ende 2023 verbieten. health point 54
staunen und wissen
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Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Aber es ist deine Schuld, wenn sie so bleibt.
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Die Ärzte, deutsche Punkrockband
Corona
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Fitmacher Sanddorn Viele kennen die Früchte des stacheligen Ölweidengewächses vor allem als natürliche Vitamin-C-Spender. So decken bereits 2 bis 4 EL den Tagesbedarf von 100 Milligramm. Doch Sanddornbeeren können nicht nur das Immunsystem stärken, sondern sind auch ein gutes Mittel gegen Erschöpfungszustände. Zu verdanken ist dies der idealen Zusammensetzung der Vitamine A, C und E sowie den Mineralstoffen und zahlreichen sekundären Pflanzenstoffen. Zudem gilt Sanddorn als Lichtpflanze, weshalb sie in der dunklen Jahreszeit auch das seelische Wohlbefinden verbessern kann. Rühren Sie dazu 2 bis 3 EL Sanddornsaft in Joghurt, Müsli, warme Milch oder Tee; Sie können den Saft auch löffelweise pur einnehmen. Tipp: Achten Sie beim Kauf auf Produkte, die wertvolles Fruchtfleisch enthalten. MM
Spürhunde effizienter als Tests Hunde können nicht nur Drogen, Malaria, Diabetes und Lungenkrebs, sondern auch eine Infektion mit dem Coronavirus erschnüffeln. Forscher der Tierärztlichen Hochschule Hannover haben dazu eine Studie gemacht und ihre Ergebnisse im Fachblatt «BMC Infectious Diseases» veröffentlicht: Zehn spezialisierte Spürhunde haben 92 Prozent von über 5000 Proben korrekt identifiziert – und dies sehr viel schneller als herkömmliche Tests. In Frankreich, Finnland und anderen Ländern sind Corona-Spürhunde bereits erfolgreich im Einsatz. Doch in der Schweiz stockt die Ausbildung. Im Frühling lancierte das Universitätsspital in Genf zwar eine Studie mit Spürhunden. Im Rahmen dessen sollten drei Hunde im Kompetenzzentrum der Armee ausgebildet werden, um Coronaviren aufzuspüren. Wegen der tiefen Fallzahlen im Frühling und den damit verbundenen fehlenden Trainingsmöglichkeiten für die Hunde wurde die Studie aber eingestellt. Ob sie wiederaufgenommen wird, ist noch nicht gewiss. krea
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dämmerung steigt am Osthorizont langsam ein blauer dunkler Schatten auf – der Erdschatten, der die Tagund Nachtgrenze anzeigt. Er steigt nach Sonnenuntergang immer höher und geht schliesslich in den dunklen Nachthimmel über. Am besten ist der Erdschatten von erhöhten Standorten aus in der klaren Luft zu sehen, da man sich auf Bergen meistens oberhalb der Dunstschicht befindet.
Sternen
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Ein Astronaut auf dem Mond wäre nach Sonnenuntergang schlagartig in tiefste Dunkelheit eingehüllt. Auf der Erde ist es unmittelbar nach Sonnenuntergang immer noch ziemlich hell, da durch die Atmosphäre das Sonnenlicht gestreut und teilweise in seine Farbkomponenten zerlegt wird. Das gleiche Phänomen kann natürlich auch vor Sonnenaufgang beobachtet werden. In diesem Fall sinkt mit fortschreitendem Tagesanbruch der Erdschatten zum Westhorizont ab.
Wenn der Erdschatten am Horizont aufsteigt Nach Sonnenuntergang kann bei klarem Wetter am Himmel ein schönes Farbenspiel beobachtet werden. Während auf der Sonnenseite die typischen Dämmerungsfarben erscheinen, sind auf der gegenüber liegenden Seite des Himmels zuerst zarte rosa Farbtöne zu sehen. Mit der fortschreitenden Abend-
Das Bild wurde am Abend von Rorschacherberg (SG) aus aufgenommen. Unter der Nebeldecke befindet sich der Bodensee. Andreas Walker
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buch-
tipp Es lebe der Boden!
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irekt unter unseren Füssen verbirgt sich ein fantastisches, vielen fast gänzlich unbekanntes Reich: Der Boden ist einer der artenreichsten Lebensräume überhaupt. Es ist das Reich der Asseln, Springschwänze, Fadenwürmer, Erdamöben, Wurzelfüssler, Nematoden, Spalt- und Schimmelpilze, Algen, Fäulnis- und unzähligen anderen Bakterien. Nur dank dieser Lebensgemeinschaft ist die Produktion von gesunden Lebensmitteln möglich; ebenso sorgt sie für sauberes Trinkwasser. Das ist aber bei weitem nicht alles. Dieses Buch zeigt, wie die Bodenspezialisten aussehen und welche unverzichtbaren Dienste sie für Mensch und Ökosystem leisten.
Atlant und Siriporn Bieri «Der Dschungel im Boden. Ein Bilderbuch über eine der wichtigsten Ressourcen der Menschheit» Werd & Weber Verlag 2021, ca. Fr. 29.–
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gewusst
Ein verzweigter Regenbogen Ein Regenbogen entsteht durch Lichtbrechung: Das weisse Licht wird durch die Regentropfen, ähnlich wie in einem Glasprisma, in die Spektralfarben rot, gelb, grün, blau und violett zerlegt. In der Natur können wir einen Regenbogen beobachten, wenn fallender Regen oder ein Wasserfall von der Sonne (oder vom Mond) beschienen wird. Die beobachtende Person hat dabei die Sonne im Rücken und der Mittelpunkt des Regenbogens entspricht dem Gegenpunkt der Sonne (oder des Mondes). Ausserhalb des Hauptregenbogens (primärer Regenbogen) erscheint oft noch ein schwächerer Nebenregenbogen (sekundärer Regenbogen). Beim primären Regenbogen ist die rote Farbe aussen und das Violett befindet sich an der Innenseite. Beim sekundären Regenbogen sind die Farben umgekehrt angeordnet. In seltenen Fällen scheint die Sonne in einem flachen Winkel über ein Gewässer und wird von diesem reflektiert. Dieser helle Lichtfleck wirkt in dieser Situation wie eine zweite Sonne und es kann dadurch ein weiteres Fragment eines Regenbogens am Himmel entstehen. Dieses erscheint dann versetzt zum ursprünglichen Regenbogen – es entsteht eine Regenbogenverzweigung. Das Foto wurde am Bodensee aufgenommen. Andreas Walker
Es geht auch ohne E412
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Viele Joghurts und andere Lebensmittel enthalten Guarkernmehl (E412). Die Hersteller setzen es zum Verdicken, Gelieren oder als Füllstoff ein. Das Mehl w ird aus der giftigen Guarbohne (Cyamopsis tetragonoloba) hergestellt und kann vom Darm nicht aufgenommen werden. Bei empfindlichen Menschen kann es die Verdauung stören und Blähungen oder Bauchkrämpfe verursachen Viele Bioprodukte enthalten kein E412. krea
Garten
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garten | gesund sein
Überfluss | Gärtner können bis tief in den Herbst hinein nicht nur Gemüse und Blüten ernten, sondern auch Samen für das kommende Gartenjahr.
Slow down Langsamkeit in einer hektischen Welt ist ein Segen. Wie der Garten helfen kann, zu innerer Ruhe zu finden. Text Remo und Frances Vetter
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ie frühen Jäger, Sammler und Wandervölker verbrachten täglich nur drei bis fünf Stunden mit dem, was wir «Arbeit» nennen: Nahrung suchen und zubereiten sowie Obdach, Kleider und Werkzeuge herstellen. Den Rest des Tages unterhielten sie sich, ruhten oder tanzten. In der heutigen Zeit sind viele gezwungen, an sechs Tagen zu krampfen und dazu oft eine Arbeit zu verrichten, die uns nicht befriedigt: Umfragen haben gezeigt, dass nur etwa zehn Prozent der Befragten ihre Arbeit beglückt, beziehungsweise sich mit ihrer Tätigkeit identifizieren können. Wir unterscheiden zwischen Arbeits- und Freizeit. Aber auch ihre Freizeit stopfen so manche mit so vielen Aktivitäten voll, dass sich der Körper nicht mehr erholen kann. Freizeitindustrie und Wellness-Tourismus boomen: Wir suchen unser Glück in allen möglichen Aktivitäten. Meist zerrinnt uns dabei die Zeit wie Sand zwischen den Fingern. Dabei wurden in den letzten Jahrzehnten viele Maschinen und Hilfsmittel zur Zeitersparnis entwickelt - mehr Zeit haben sie uns aber offenbar nicht gebracht. Und Befriedigung auch nicht. Denn paradoxerweise ist es oft so: Je mehr physische und psychische Energie wir in materielle Ziele stecken, umso schwerer wird es, sie zu erlangen. Denn wir müssen immer noch mehr arbeiten, geistig wie körperlich, und noch mehr natürliche Ressourcen aufwenden, um die immer grösser werdenden Erwartungen zu erfüllen. Die Seele kommt da nicht mehr mit.
Wenn die Seele zurückbleibt Unser ehemaliger, heute 90-jähriger Hausarzt, den wir zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen konnten und der uns in unserem abgelegenen Bauernhaus bei Bedarf besuchte – egal ob es regnete, schneite oder stürmte, erzählte uns eine Geschichte, an die wir uns wohl ewig erinnern. Er arbeitete 25 Jahre in einer abgelegenen Missionsstation in Afrika. Einmal hatte er einem Eingeborenen, der zuvor noch nie ein Fahrzeug bestiegen hatte, angeboten, ihn mitzunehmen. Schon nach kurzer Fahrzeit habe dieser geschrien, die Türe aufgerissen, sich aus dem fahrenden Auto gestürzt und sei schreiend davongerannt. Als der Arzt das Dorf nach einigen
Wochen wieder besuchte, fragte er besagten Einheimischen, warum er sich denn aus dem Auto gestürzt habe. Der antwortete: Meine Seele ist nicht mitgekommen. Meine Seele ist im Dorf zurückgeblieben! Geht es uns heute nicht oftmals genauso? Kommt unsere Seele noch mit bei der ganzen Hast und Hetze? Kann unser Hirn all die auf uns einprasselnden Eindrücke tatsächlich verarbeiten oder zumindest «verdauen». Wir stellen das in Frage. Und plädieren darum dringend für mehr Langsamkeit in unserem Leben. Was dabei hilft? Gärtnern! Probieren Sie es doch einfach aus. Gerade an sonnigen Herbsttagen macht die Gartenarbeit so richtig Freude – zumal man nun vieles ernten kann. Andererseits wird es schon bald Zeit, den Garten und die Balkonpflanzen auf den bevorstehenden Winter vorzubereiten.
Dankbar für die Fülle Vor den ersten Frostnächten müssen Weisskohl und Kohlrabi, aber auch Salate, Radieschen und Spinat geerntet werden. Besser kälteverträglich sind Grün- und Rosenkohl, Pastinaken, Zuckerhut und Lauch. Sie vertragen problemlos einige Minusgrade. Auch Karotten, Randen, Endivien und Feldsalat sind nicht empfindlich. Wir sind dankbar für die frische Fülle, die uns auch noch der Herbst bietet.
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Wir suchen unser Glück in allen möglichen Aktivitäten. Meist zerrinnt uns dabei die Zeit wie Sand zwischen den Fingern.
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g e s u n d s e i n | themenstichwort Meditativ | Wer sich einlässt auf die Natur und ihre Rhythmen, der kann im Garten zu innerer Ruhe finden. Leistungsdenken hat hier keinen Platz. Deshalb sollten Gartenneulinge besser klein anfangen.
Richtig lagern
Mediterrane Kräuter können Anfang Oktober oft noch ein letztes Mal abgeerntet und getrocknet werden. Die meisten Thymiansorten, Majoran oder Oregano werfen ihre Blätter ab, wenn sie es nicht schon getan haben. Basilikum, dessen Blätter wir als Pesto mit Knoblauch, Salz, Pinienkernen und Parmesan konservieren, hält im Kühlschrank mehrere Monate. Die Mixtur einfach in ein Schraubglas füllen und fingerdick mit Olivenöl bedecken. Strauchbasilikum kann nach einem Rückschnitt bis auf etwa 10 cm hell und kühl im Topf überwintern. Robustere Kräuter wie Petersilie, Schnittlauch oder Liebstöckel können zumindest in milden Lagen oft noch bis Mitte Oktober geerntet (und allenfalls eingefroren) werden. Petersilie und Schnittlauch können auch in Töpfen auf die helle Fensterbank gestellt werden, sodass man den ganzen Winter hindurch frische Kräuter für die Küche hat. Dazu werden sie aus dem Topf genommen, die Wurzeln geteilt und neu eingetopft. Bis Mitte des Monats kann man noch Asia-Salatsorten aussäen. Sie sind kaum frostempfindlich, wachsen schnell und können wie Pflücksalat geerntet werden. Wir ziehen sie – wie den Winterkopfsalat – seit Jahren in Anzuchtplatten vor und setzen sie dann ins Hochbeet oder in die Kübel vor dem Haus.
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Die meisten Tomatenpflanzen verlieren bei kühleren Temperaturen ihre Kraft. Sie werden gelb oder handeln sich bei herbstlichen Temperaturen und morgendlichem Nebel Krankheiten ein. Zudem reifen die Früchte nicht mehr. Ernten ist angesagt: Auch grüne Tomaten werden bei anhaltend kühlen Temperaturen abgeerntet. Sie reifen im Haus ganz gut nach. Dazu werden sie an einem kühlen Ort schön säuberlich nebeneinandergelegt. Gut geeignet für die Lagerung ist eine Unterlage aus Karton; den Reifeprozess beschleunigen ein, zwei Äpfel, die man zwischen oder neben die Reihe legt. Sie stossen das Reifegas Ethylen aus, das die Tomaten nachreifen lässt. Bei uns in der Küche werden die nachgereiften Tomaten meist verkocht. Gemüse wie Karotten und Pastinaken bleiben in der Erde und werden bei Bedarf geerntet. In Gegenden mit frostreichen Wintermonaten und in Höhenlagen ist es allerdings ratsam, das Wurzelgemüse aus dem Boden zu nehmen. Es kann gut im Vorratskeller nachreifen. Erde, die noch an den Wurzeln haftet, sollte nicht entfernt werden, da Wurzelgemüse ungewaschen besser lagerfähig sind. Zwiebeln, Kartoffeln, Randen und Rüben sollten unbedingt frostfrei eingelagert werden. Gesunde, einwandfreie Kürbisse lassen sich gut im kühlen Keller auf bewahren, damit man sie im Winter in aller Ruhe verarbeiten kann. Auch Randen halten viele Wochen und können später zu Pickles und Chutneys verarbeitet werden. Früher hat man das Wurzelgemüse im Garten in sogenannten Mieten gelagert. Das ist auch heute noch eine gute Methode. Dazu wird an einem trockenen, geschützten Ort eine 20 bis 30 Zentimeter dicke Schicht sauberes Stroh ausgebreitet und das Gemüse darauf pyramidenförmig aufgeschichtet. Das Ganze wird mit einer Schicht sauberem Stroh und etwa 20 Zentimeter Erde abgedeckt. Zur Sicherheit legen wir unter und auf die Miete ein engmaschiges Gitternetz, damit sich keine Nagetiere über das Gemüse hermachen. Wenn mit sehr kaltem Wetter zu rechnen ist, kann die Miete mit zusätzlichem Stroh, Planen oder Vlies abgedeckt werden. Auf diese Weise lagern wir Wurzelgemüse wie Karotten, Kartoffeln und Randen.
Gemüsesamen und Gärtnergold Da wir nur biologisches Gemüse anbauen und keine Hybriden, können wir von vielen Pflanzen wie Tomaten, Zucchini, Gurken und Kürbissen Samen gewinnen. Dazu nehmen wir bei der Verarbeitung in der Küche die Samen aus dem Fruchtfleisch heraus, trocknen sie gut und lagern sie bis zum Frühjahr in Papiertüten oder gut verschlossen und dunkel gelagert in Büchsen oder Gläsern. Bohnen-, Erbsen- und Paprikasamen sind sehr leicht zu ernten, da man sie nur aus den Hülsen beziehungsweise aus der Frucht nehmen muss. Nach dem Trocknen lagert man sie bis zur Aussaat im kommenden Frühling wie oben beschrieben.
garten | gesund sein
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Die Düngung mit Kompost ist ein ideales, einfaches und kostengünstiges Mittel zur Bodenpf lege.
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Gartenarbeiten im Oktober Nutzgarten Bis zur Aussaat schrumpft bei uns das Lager allerdings: Denn nebst selbst gemachten Kräuterölen und -essigen, Chutneys, Pestos und Konfitüren bringen wir oft auch Kräuter- und Gemüsesamen als Mitbringsel, wenn wir bei Gartenfreunden eingeladen sind. Wer einen Garten pflegt, sollte unbedingt kompostieren. Die Düngung mit Kompost ist ein ideales, einfaches und kostengünstiges Mittel zur Bodenpflege. Kompost verbessert aber nicht nur die Bodenqualität, sondern reduziert auch den Abfall in Garten und Küche: Auf dem Komposthaufen wird allerlei «Grünzeug» in wertvollen Humus umgewandelt. Zum Kompostieren braucht man ein halbschattiges Plätzchen. Ein guter Kompost stinkt zwar nicht, im Gegenteil. Aber um eventuellen Ärger aus dem Weg zu gehen, sollte er nicht gerade unter dem Fenster des Nachbarn angelegt werden. Ist der Platz bestimmt, benötigt man Sammelbehälter. Es gibt im Gartenfachhandel zahlreiche Versionen aus Kunststoff und Metall. Den gleichen Dienst erfüllen auch einfache und günstige Gestelle aus Holz. Das Kompostmaterial sollte wenn möglich Kontakt zum Erdreich haben, damit die im Boden lebenden Mikroorganismen und Kleinstlebewesen direkten Zugang bekommen. Daher eignen sich geschlossene Kompostsysteme nur bedingt; auch kann Wasser bei ihnen oft nicht ungehindert abfliessen. Bei Staunässe aber dauert der Kompostiervorgang länger oder wird durch Fäulnis sogar verhindert. Ideal sind drei bis vier Behälter (natürlich hat nicht jeder Gärtner Platz für ein solches System; Hobbygärtner kommen auch gut mit einem oder zwei Kompostbehältern aus.) Im Ersten werden die Abfälle aus Küche und Garten gesammelt. Der Zweite dient dem Aufsetzen des Komposts. Darunter verstehen wir eine gute Durchmischung der verschiedenen anfallenden Abfälle. Oft machen Hobbygärtner den Fehler die Materialien wie zum Beispiel Grasschnitt schichtenweise in den Kompostbehälter zu geben, was zur Folge hat, dass es zu einer Verpappung und damit verbundener Fäulnisbildung und Gestank führt. Im dritten und vierten Behälter wird der fertige Kompost umgeschichtet, bis er gebraucht wird. Durch die Umschichtung erreichen wir eine optimale Durchmischung der abzubauenden Materialien und erleichtern den Abbau durch die Mikroorganismen. Ein gut gereifter Kompost hat einen angenehmen Geruch. Im Idealfall wird der fertige Kompost schon im Herbst in die Erde eingearbeitet und nicht erst kurz vor dem Pflanzen im Frühjahr.
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Feder- und Rosenkohl anhäufeln, Endivie, Zuckerhut und Bleichsellerie einbinden.
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Auf abgeerntete Beete Spinat und Nüssler sowie Senf als Gründüngung säen.
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Spargellaub handbreit über dem Boden abschneiden.
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Beerenpflanzen, Wildhecken, Obstbäumchen pflanzen.
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Räben und Kürbisse ernten, kühl und trocken aufbewahren.
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Letzte Kräuter ernten, vor allem die heilkräftigen Wurzeln von Beinwell und Baldrian (siehe Seite 50ff ).
Rhabarber neu pflanzen oder alte Stöcke mit Kompost oder verrottetem Mist abdecken.
Ziergarten
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Exotische Kübelpflanzen, die Frost nicht ertragen ins Winterquartier zügeln.
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Sommerflor in Kistchen mit kältetoleranten Herbstpflanzen ersetzen.
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Blumenzwiebeln für die Frühlingsblüte in den Boden setzen.
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Mit geräumten und geputzten Töpfen und Kübeln einen bunten Frühling vorbereiten: möglichst niedere Sorten wie Wildtulpen, Krokusse und Traubenhyazinthen verwenden.
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Rabatten und Beete abräumen, lockern und mulchen oder mit Sträuchern, Stauden und Blumenzwiebeln bepflanzen.
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Der Rasen wächst an milden Tagen noch; vor Winterbeginn auf ca. 4 cm schneiden. Moos und Laub abrechen, kompostieren.
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Laub- und Schnittabfälle als Winterquartier für Nützlinge aufschichten.
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Impuls-Workshop zur Ausbildung Supervision Kompakt Kurz und prägnant gibt Ihnen Monica Strickler-Maurer einen praktischen und theoretischen Einblick in unsere einjährige Ausbildung. Die Grundlagen des systemischen Denkens und Handelns sind die Basis der vielen Tools, die Sie als Supervisorin und Supervisor in Ihrer Beratungspraxis anwenden können. Sie erwerben theoretische und handlungspraktische Grundlagen für die Beratung von Einzelpersonen und/oder Teams. Unser Dozententeam besteht aus Expertinnen und Experten mit langjähriger Praxiserfahrung und Know How auf dem neusten Stand.
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Kontakt mail@natuerlich-online.ch www.natuerlich-online.ch Herausgeber und Verlag Werd & Weber Verlag AG Gwattstrasse 144, CH-3645 Thun/Gwatt Tel. +41 33 336 55 55 Verlegerin Annette Weber-Hadorn a.weber@weberverlag.ch Verlagsleiter Zeitschriften Dyami Häfliger d.haefliger@weberverlag.ch Redaktionsadresse «natürlich» Gwattstrasse 144, CH-3645 Thun/Gwatt Chefredaktor Samuel Krähenbühl s.kraehenbuehl@weberverlag.ch Redaktionsteam Andreas Krebs a.krebs@weberverlag.ch Sabine Hurni (Leserberatung) s.hurni@weberverlag.ch Autoren Angela Bernetta, Leila Dregger, Thomas Gröbly, Erna Jonsdottir, Fabrice Müller, Eva Rosenfelder, Gundula Madeleine Tegtmeyer, Remo Vetter, Andreas Walker, Steven Wolf, Ümit Yoker Grafik/Layout Shana Hirschi Copyright Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung durch den Verlag. Für unverlangte Einsendungen wird jegliche Haftung abgelehnt. Anzeigenleitung Dino Coluccia, Tel. +41 76 324 64 45 d.coluccia@weberverlag.ch Anzeigenadministration/Marketing Blanca Bürgisser Tel. +41 33 334 50 14 b.buergisser@weberverlag.ch Mediadaten unter www.natuerlich-online.ch/werbung Aboverwaltung abo@natuerlich-online.ch Tel. 058 200 55 60 Druck Vogt-Schild Druck AG, CH-4552 Derendingen Werd & Weber Verlag AG www.weberverlag.ch
Kräutermedizin In der Tibetischen Medizin ergänzen Kräutermischungen die ganzheitliche Behandlung. Wie wir vom Erfahrungsschatz aus dem Himalaya profitieren können.
Schamanische Reisen. Wie wir verlorene Seelenanteile zurückholen und integrieren – und so unsere Lebensaufgabe meistern. Trauern. Was, wenn der Tod das Schönste ist, das uns erwartet? Tröstende Gedanken unserer neuen Kolumnistin, der Trauerbegleiterin Alice Hofer.
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huhn. Wieso das Traditionsgericht in der Grippesaison wieder öfters aufgetischt werden sollte. Und was die Hühner davon haben. Viktor
Schauberger. Die Natur kapieren und kopieren – lernen vom Meister der Naturbeobachtung.
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Jakobsweg. Pilgern ist Entschleunigung pur. Schenken. Geschenke machen, macht glücklich. Doch was sind sinnvolle und nachhaltige Geschenke?
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«natürlich» 11\21 erscheint am 30. Oktober 2021 Kontakt /Aboservice: Telefon 058 200 55 62 oder abo@natuerlich-online.ch, www.natuerlich-online.ch
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g e s u n d s e i n | themenstichwort
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Naturzeit Das Hamsterrad dreht wieder mal. Es ist, als ob das Schicksal den Lebensteig tüchtig durchwalken würde. Und das nicht nur da draussen, wo Corona die Welt auf den Kopf stellt und kein Mensch von den Folgen verschont bleibt, sondern ebenso da drinnen in mir – da wo Herz und Seele rumpeln. Es scheint so, als ob nichts mehr so sein kann, wie es einmal war; statt sich festzuhalten, bleibt wohl nichts anderes übrig, als in den Fluss des Lebens zu springen und zu schwimmen. Wohin? Gute Frage. Wenn ich keine Antwort mehr habe, gehe ich hinaus zu Bäumen und Blumen, Käfern und Würmern – was meine Hündin immer toll findet. Wobei sie mehr an Duftmarken und freigelegten Mauslöchern interessiert ist, die ihr offensichtlich tiefen Einblick ins Wahrhaftige geben. Nach einer ausgiebigen Runde über die Felder verweilen wir immer kurz an «unserem» Platz. Hier am gurgelnden Bach, inmitten von heranwachsenden Weiden und Espen mit ihrem stets etwas zitternden Laub, den sich wiegenden Birken und je nach Jahreszeit blühenden Blumen, den Schmetterlingen, Hummeln, Libellen und allerlei Kriechgetier sitzen wir für eine Weile. Anhalten. Still werden. Lauschen. Dem Summen und Vogelgezwitscher. Vor allem im Frühjahr steigert sich ihr Gesang zum prächtigen Konzert. Doch jetzt, wo der Herbst sich bereits mit dem leicht modrigen Geruch nach Erde ankündigt, verstummen sie mehr und mehr. Viele Felder sind schon gemäht, doch noch ist alles grün und satt vom vielen Regen dieses Sommers. In der Natur hält die Zeit an. Der Atem strömt sanft in meinen Bauch; mit jedem Atemzug verschwindet die Spannung im Zwerchfell mehr und mehr, und während die Bauchdecke sich wohlig wölbt, beginnt auch das Alltagskino im Kopf herunterzufahren. Jetzt erst werden auch die Geräusche der «kleinen Welt» hörbar: Leise knackt es im Geäst; unter den Blättern raschelt etwas, lautlos hüpft eine Amsel scheu zum Bach, äugt zu uns. Ein Goldsommerhähnchen flitzt an uns vorbei. Über meine Hand spaziert eine Spinne. Ihre Netze glitzern zwischen den Grashalmen im Morgenlicht. Mit dem Milan, der hoch über uns seine Kreise zieht, lösen
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Rosenfelder Eva unterwegs
sich auch meine Gedanken, werden weiter, offener und breiten sich in der Landschaft aus. Mehr und mehr fühle ich mich als Teil dieser Natur – so wie ich gerade jetzt und heute bin. Wenn wir weiterstrolchen – wie mir scheint nach unendlich langer Zeit, doch sind wohl kaum mehr als zehn Minuten vergangen –, wirkt dieser kurze Moment der Stille nach. Wenn der Stress mir auflauert, sich an meinen Nacken klammert, entkomme ich ihm, indem ich mich in diese Naturzeit «beame». Und tatsächlich gelingt es immer besser, diesen Seinszustand abzurufen und als die «echte Wirklichkeit» in mir zu verankern. Handkehrum erscheint mir die «Realität», wie wir sie gemeinhin als solche verstehen, oft wie ein schlechtes Theater. So lasse ich den Vorhang bewusst des Öfteren fallen, um das wahre Leben und seine Kraft in mein Leben und Sein einströmen zu lassen.
Das wahre Leben leben – meine Hündin ist darin schon fortgeschritten. Kaum zuhause angekommen, stürmt sie zu ihrem Fressnapf, fixiert mich heftig wedelnd mit ihren leuchtenden Knopfaugen – glücklich schon über die nächste Freude des Daseins. Wie recht sie doch hat! Diese Fähigkeit, die unbändige Freude überall anzutreffen und zu zelebrieren, hat sie sich wie alle Tiere bewahrt. Und dieser aus purem Glück entstandene Mischling ist auch immer bereit, das Glück zu erleben, wenn es gerade unverhofft aufleuchtet. Als geübte Mäusejägerin weiss meine Hündin: So schnell wie es kommt, geht es auch wieder, das Glück des Augenblicks. So gilt es, stets wachsam lauschend, offen und in freudiger Erwartung unterwegs zu sein. Während ich in solche Gedanken vertieft dem wedelnden Hund den Napf fülle und ein Nieselregen die Fenster verschleiert, fühle ich mich einmal mehr vom Leben beschenkt.
Eva Rosenfelder ist Autorin/Journalistin BR. In ihrer Serie schreibt sie für «natürlich» über kleine und grosse Glücksmomente des Alltags. Mehr über die Autorin und ihre Angebote wie Naturspaziergänge und Naturorakel erfahren Sie unter www.natur-und-geist.ch
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INFORMATIONSABEND METHODE EPI AN DER FACHSCHULE FÜR MEDIALITÄT IN BERN Eine nichtinvasive-energetische Methode zur erfolgreichen Behandlung vieler Probleme «Ich bedaure nur, dass ich Herrn Jacob nicht schon vor 20 Jahren kennengelernt habe, das hätte die Sache für mich einfacher gemacht. » Dr. P. Kaeser, Dr. spec. FMH, Allergologe Nach ihrem durchschlagenden Erfolg in der welschen Schweiz wird die Methode EPI (Extraktion pathologischer Informationen) nun endlich auch in der Deutschschweiz an der Fachschule für Medialität in Bern vorgestellt. Die Methode EPI, die von Hannes Jacob entwickelt wurde, ist eine nicht-invasive energetische Technik auf der Basis des Geistigen Heilens. Sie löscht pathologische Informationen im nicht-physischen Teil des Körpers. Der materielle Ausdruck dieser Auslöschung ist die Auflösung der Symptome. Die zugrundeliegende Ursache ist damit beseitigt. Z. B. bei Allergien: Nach klinischen Studien, die von Hannes Jacob in Zusammenarbeit mit Ärzten durchgeführt wurden, führt die EPI-Technik bei 90 % der Patienten zu Verbesserung oder zum Verschwinden der Symptome und dies nach nur einer Behandlung. In regelmässiger Zusammenarbeit mit Ärzten behandelt Hannes Jacob erfolgreich viele Personen, denen die Schulmedizin nicht mehr weiterhelfen kann. Hannes Jacob stellt an diesem Abend die Methode und deren Anwendung vor. Danach können sich Interessierte
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kostenlos behandeln lassen. Behandelt werden an diesem Abend nur Personen mit Allergien (nicht – anaphylaktische Reaktionen) oder Arthrose, weil bei diesen Krankheiten die Wirkung sofort ersichtlich ist. Wenn Sie sich oder einen Bekannten kostenlos behandeln lassen möchten, melden Sie sich bei uns per Mail. Datum Donnerstag, 21. Oktober 2021 Zeit 19.00 bis ca. 21.00 Uhr Ort Münstergasse 35, 3011 Bern, 1. Stock Kosten Eintritt frei, aber Anmeldung obligatorisch. obligatorisch. Referent Hannes Jacob, Trance-Heiler, dipl. Lehrer Arthur Findlay College, Stansted, GB. Buchautor und Entwickler der EPI-Heilmethode www.hannesjacob.ch / www.frequences.ch Organisator Fachschule für Medialität www.fachschulemedialitaet.ch Anmeldung bei info@fachschulemedialitaet.ch
Behandlung eines Babys
HANNES JACOB: SPIRITUALITÄT & WISSENSCHAFT 416 Seiten, 12,9 × 20 cm, gebunden, Hardcover. Mit 51 Abb. ISBN 978-3-03922-032-8 | CHF 49.– / EUR 40.– Aus der scharfen und methodischen Feder des Therapeuten und Heilers Hannes Jacob kommt dieses Arbeitsbuch, das Dekodierungsschlüssel und geeignete Werkzeuge für einen konkreten Dialog mit spirituellen Führern und Verstorbenen bietet. Jacob besteht auf einer gesunden Praxis für Körper und Geist und richtet sich an jeden, der versucht, anderen durch Heilung zu dienen! Das Buch verdeutlicht das Rätsel der Empfindsamkeit, das die Poesie mit ihrer Magie durchdringt.
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Hannes Jacob ist Therapeut, Heiler und Buchautor. Er ist der Entwickler der Heilmethode EPI («Extraction of Pathological Information») sowie der Gründer und Direktor von Fréquences, der Schweizer Schule für Heilung. Er unterrichtet in Frankreich und in der Schweiz.
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