SCHLOSS SCHADAU
Die Geschichte

Scherzligen, Strättligen, Thun Panorama
Claudia Stich
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Claudia Stich
Scherzligen, Strättligen, Thun Panorama
8 Thun – Stadt der Gärten, Berge und Geschichten
10 Erste menschliche Spuren
11 Vom Anfang zur Kleinstadt
11 Die Rolle Thuns in der Schweiz und der Berner Herrschaft
12 Wer regierte Thun in früheren Zeiten?
14 Wo Offiziere flanierten und Kanonen hallten
20 Adel und seine Landsitze
22 Von der Durchgangsstation zum Sehnsuchtsort
26 Thun und seine illustren Gäste
36 Von Jahrhunderten getragen –Ankunft im 21. Jahrhundert
40 Strättligen
41 Strättligen – Geschichte eines besonderen Landstrichs
43 An den Ufern der Zeit –Die Anfänge von Strättligen
45 Zwischen Königreichen und Kirchwegen – Strättligen im frühen Mittelalter
46 Kirchliches Leben in Strättligen –Zwischen Grenzen, Glocken und Grabstätten
48 Die Freiherren von Strättligen –Aufstieg, Glanz und Echo eines vergessenen Adelsgeschlechts
53 Anna von Velschen – eine Frau in einer Männerwelt
54 Strättliger Burg – Ort der goldenen Lust
55 Von Türmen, Parks und Blickachsen –wie sich die Reichen in Strättligen niederliessen und das Volk sich unter wallmenden Dächern ein Zuhause schuf
60 Leben und Bauen in Strättligen –einst zwischen Hofstatt und Tätschdach
62 Die Geburt einer neuen Gemeinde: Strättligen im Wandel der Zeit
66 Scherzligen und seine Kirche
67 Scherzligen – Vom vorchristlichen Ursprung zum kulturellen Quartier
74 Kirche Scherzligen – Begleiterin auf wechselnden Pilgerwegen
76 Zwischen Mythos und Geschichte –Die Strättliger Chronik und Scherzligen
78 Von der frühchristlichen Kultstätte zum spirituellen Wahrzeichen
82 Vom Fundament zum Himmel –die Baugeschichte der Kirche Scherzligen
84 Gemalte Geschichten an den Wänden
90 Das Erbe unter der Empore –Anna von Velschen
93 Wenn Baumeister von Sonne und Mond geleitet werden
93 Ein Ort der Besinnung – damals wie heute
94 «Lichtkirche Scherzligen»
100 Die Bauherrenfamilien von Schloss Schadau stellen sich vor
101 Von Kronen, Kurien und Charakteren
104 Die Familie von Erlach: Mächtige Dynastie und ihre einflussreiche Geschichte
108 Die Familie von May: Einflussreiche Spuren einer Dynastie
110 Die Familie de Rougemont: Von Winzern zu Weltbürgern
112 Familienstammbaum «de Rougemont»
114 Familienstammbaum «Loewenberg und Schadau»
115 Von Generation zu Generation –Geschichten der de Rougemont-Männer auf Schadau
135 Testament von Alfred Denis Lous von Rougemont vom 7. Juli 1908
137 Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Adelsfamilien
140 Verbundene Adelslinien am Thunersee
148 Interview mit Michel de Rougemont, Président de la Caisse de famille Rougemont
156 Schloss Schadau –ein Schloss für die Geschichte
157 Wenn ein Schloss zu früh geboren wird …
158 Die Besitzer von Schloss Schadau und ihre architektonischen Spuren
160 Schloss der «de Rougemonts» –Wie der Historismus Schloss Schadau neu erschuf
163 Zwischen Bewahren und Erneuern –der lange Weg zum Schlossneubau
178 Schloss Schadau –Stil, Haltung und feines Leben
190 Zwischen Schloss und Erde: Die Schadaugärtnerei und das Schadaugut
194 Schloss Schadau im Spiegel der Zeit – 20. und 21. Jahrhundert
195 Der Verkauf des Schlosses Schadau: Ein Vermögensstreben im Schatten des Erbens
198 Vom Baukonsortium zum Stadtbesitz
200 Kriegsjahre des Schlosses Schadau –Gemüse statt Rosenzucht
201 Sanierungen – Die behutsame Erneuerung von Schloss Schadau
212 Schadaupark – ein Juwel historischer Gartenkunst
213 Der Landschaftspark von Schloss Schadau in seiner 300-jährigen Geschichte
218 Aus dem Garten wird ein englischer Landschaftspark
224 Ein Ort der Begegnung: Die Schadau als öffentlicher Rückzugsort
226 Ein Park, der seine Geschichte atmet
228 Achtsamkeit im Schlosspark –Neue Wege zwischen Geschichte, Natur und innerer Ruhe
230 Panorama-Bild
231 Ein Fenster zur Welt – Das Thuner Panorama von Marquard Wocher
232 Marquard Wocher –Ein Leben für das Bild
240 Ein Bild wird Welt –
Die Entstehung des Thuner Panoramas
244 Das Rundhaus von Basel –Wo die Welt im Kreis stand
249 Nachklang und Wiederentdeckung –Das Panorama nach 1830
253 Ein neues Zuhause für ein altes Meisterwerk – Die Rotunde im Schadaupark
259 Danksagung
261 Literaturnachweise
263 Bildnachweis
267 Die Autorin
268 Impressum


Einst nannten die Bewohner Thuns ihre Heimat liebevoll die «Stadt der Gärten und Kongresse». Sie erlebten, wie aus einer kleinen, von einer Ringmauer umschlossenen Siedlung eine Stadt heranwuchs, die Schritt für Schritt über ihre Mauern hinauswuchs. Doch Thun ging dabei stets eigene Wege – Wege, die uns heute wertvolle Einblicke gewähren: in frühmittelalterliche Machtverhältnisse, in die Entstehung geistlicher und weltlicher Zentren, in bürgerliches Selbstverständnis, militärische Strukturen und nicht zuletzt in die Anziehungskraft einer Landschaft, die von Natur aus privilegiert scheint. Wer sich heute Thun nähert – sei es über die Ebene des Aaretals oder entlang der glitzernden Wasserfläche des Thunersees – begegnet mehr als nur einer Stadt. Man begegnet einem Ort, der wie eine Schnittstelle zwischen Natur und Geschichte wirkt, zwischen ländlicher Tradition und städtischem Aufbruch. Thun ist kein urbanes Zentrum im klassischen Sinne, und doch ist es ein kultureller Angelpunkt: ein Ort, an dem sich Landschaft und Baukunst, Herrschaft und Alltag, Erinnerung und Gegenwart begegnen und miteinander verschmelzen.
Die Geschichte der Stadt ist wechselvoll: von der zähringischen Gründung über die Jahrhunderte unter bernischer Herrschaft bis hin zur Rolle als militärisches und industrielles Zentrum. Jede Epoche hat ihre Spuren hinterlassen, und doch ist Thun stets eigenständig geblieben – ein Spiegel grösserer Zusammenhänge und zugleich ein einzigartiges Kapitel der Schweizer Geschichte. Heute sehen viele Besucher Thun als das, was es längst auch für seine Bewohner ist: ein Paradies. Jährlich kommen Gäste aus aller Welt, um die Stadt an der Aare – und nicht direkt am See – zu
← Ansicht der Stadt Thun, gewidmet Sophie Wilhelmine (1711–1751), Prinzessin von Oranien und Nassau.
Denis
banquier à Paris
° 25 janvier 1759
† 4 août 1839
Loewenberg
∞ 18 septembre 1787
St-Aubin
DE JEANNERET
Charlotte
° 1768
† 28 février 1789
Paris
Marie Françoise
° 29 juin 1788
Paris
† 13 août 1789
Paris
∞ 7 janvier 1790
Paris DE MONTESSUY
Adélaïde
† 13 janvier 1841
Paris
Denis Marie
banquier à Paris
° 16 août 1791
† 12 janvier 1863
Paris
∞ 25 février 1818
Paris DE THELLUSSON
Jeanne Hersillie
° 1801
† 11 juin 1865
Morat (Loewenberg)
Sophie Denise Anna
° 14 juillet 1827
Neuchâtel
† 22 mai 1896
∞ MALLET
Arthur
banquier à Paris
° 1821 † 1892
Louise Laurence Adélaïde Cécile
Françoise Adélaïde (Adèle)
° 2 octobre 1794
Neuchâtel
† 16 mai 1822
Paris
∞ 25 juillet 1813
Berne
DE GRAFFENRIED DE VILARS
Frédéric
chambellan du roi de Bavière
° 1786
† 23 avril 1816
° 27 décembre 1829
Paris
† 5 février 1925
Paris
∞ 14 janvier 1850
Paris
DE ROUGEMONT
Alfred Jean Léopold banquier
° 21 octobre 1824
Paris
† 8 janvier 1852
∞ 30 avril 1861
Paris
BÉRARD
Edouard Philippe
Charles Edouard
° 17 mai 1798
Neuchâtel
† 12 février 1810
Paris
Louise Uranie
° 17 mai 1800 Paris ∞ 1818
DE MÜLINEN
Albert Rodolphe diplomate wurtembergeois
Abram Denis Alfred o cier fédéral
à
° 7 février 1802
Paris
† 7 mai 1868 oune (Schadau)
∞ 2 octobre 1826
Champion (Gampelen/BE)
DE POURTALÈS
Sophie
° 11 juillet 1807
Neuchâtel
† 5 avril 1882
Paris
Emile Adolphe à la Chartreuse
d’Hilterfingen ( oune)
° 20 octobre 1805
Paris
† 25 février 1844
Naples
∞ 23 septembre 1830
Neuchâtel
DE POURTALÈS
GORGIER
Cécile
° 20 juin 1812
† 30 juin 1833 en Italie
∞ février 1835
DE BONSTETTEN
Adélaïde Sophie Marguerite
° 19 février 1814
Berne
† 20 juin 1883
Hilterfingen
Elisa Denise Laurence
° 12 décembre 1831
Paris
† 16 mars 1836
Neuchâtel
Frédérique Louise Isabelle
° 3 septembre 1833
Paris
∞ 5 novembre 1855
Holenfirmar/Berlin
DE BETHMANN
HOLLWEG
Félix Charles Maurice
° 1824
† 1900
Jean Frédéric Albert
° 18 mars 1837
Paris
† 12 décembre 1899
Genève
∞ 2 juin 1880 oune
DE CONSTANT
REBECQUE
Mina Justine Anna
Sophie Clara Marguerite
° 21 mai 1881
Genève
∞ 13 janvier 1905
Genève
PICTET
Henri Eugène
† 25 septembre 1905
Genève
Heinrich Wilhelm
Alice Laurence
° 30 juillet 1882
oune (Schadau)
† 1913
Munich
∞ 2 avril 1902
Berne
VON SWAINE
Carl Alexander
° 3 octobre 1885
Genève
† 3 novembre 1908 oune (Schadau)
Als Abram Denis Alfred de Rougemont-de Pourtalès im Jahr 1837 das Schadaugut bei Thun erwarb, war er keineswegs der erste seines Namens an diesem schönen Ort am Thunersee. Sein jüngerer Bruder, Rodolphe Emile Adolphe, ein Diplomat im preussischen Dienst, hatte bereits sechs Jahre zuvor das Bächigut mit dem charmanten Landhaus «Chartreuse» gekauft. Obwohl die Chronik des Sigriswiler Pfarrherrn Karl Howald Alfred de Rougemont als «horrent» wohlhabend beschreibt und seinen Bruder Adolphe als «übermässig» reich bezeichnet, lohnt es sich, eine Generation zurückzublicken – zu ihrem Vater, Denis de Rougemont. Denn die Ämter, die Alfred und Adolphe zeitlebens innehatten, hätten einen solchen Lebensstil mit so prächtigen Besitzungen wie Schloss Schadau und der Chartreuse kaum ermöglicht. Das grosse
Vermögen, das sie genossen, stammte vielmehr aus dem Erbe ihres Vaters, des wohlhabenden Bankiers Denis de Rougemont, aber auch aus vorteilhaften Heiraten, wie etwa der Vermählung Alfreds mit Sophie de Pourtalès. Sie war die Enkelin von Jacques-Louis (1722–1814), dem «roi des négociants», der als einer der reichsten Männer seiner Zeit galt.
Denis de Rougemont (1759–1839):
Der patriarchale Grundsteinleger –Erfolg, Einfluss und Vermögen
↓ Notizbuch von François-Antoine I. (1613–1694), Pfarrer in Saint-Aubin.

Denis de Rougemont, geboren 1759, entstammte der dritten Ehe von Jean-Jacques de Rougemont (1705–1762) und Marie Marguerite Masson (1739 –1803). Nach einer dreijährigen Ausbildung in Holland trat er 1778 in die Pariser Bank der Familie ein. Als sein Halbbruder François-Antoine VI 1781 verstarb, übernahm Denis die Leitung der Familiengeschäfte, mit Bedacht, Weitsicht und einem ausgeprägten Sinn für Verantwortung. Von protestantischer Strenge und nüchterner Klarsicht geprägt, führte er die Geschäfte mit seltener Umsicht. Er verstand es, die finanziellen Unruhen am Ende des 18. Jahrhunderts zu nutzen und sich in unsicheren Zeiten rechtzeitig zurückzuziehen, ohne das Fundament seines Erfolgs zu gefährden. So wuchs die Bank Rougemont zu einem der bedeutendsten Institute auf dem Pariser Parkett, inmitten jener Welt, in der Genfer, Basler, elsässische und neuenburgische Bankiers das Wirtschaftsleben bestimmten.


Bereits mit sechsundzwanzig Jahren war Denis fest in der Pariser Gesellschaft verankert. Er war ein geschickter Netzwerker, der die Kunst verstand, sich in den Adelskreisen des «Ancien Régime» zu bewegen, ohne seine Herkunft zu verleugnen. 1784 erhielt er vom preussischen König die Erneuerung des Adelsbriefs für seine Familie. Seither trug die Bank den Namen «Denis de Rougemont.»
Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau Charlotte de Jeanneret und der gemeinsamen Tochter Marie Françoise heiratete er 1790 erneut: Adélaïde de Montessuy de Villejust, Tochter des preussischen Finanzvertreters am Pariser Hof. Mit ihr hatte er sechs Kinder, unter ihnen Abram Denis Alfred de Rougemont (1802), den späteren Besitzer der Schadau.
Zur Festigung seiner geschäftlichen Stellung verband sich Denis 1786 mit dem Zürcher Bankier Hottinger. Die gemeinsame Unternehmung
diente dem Handel zwischen der Schweiz und Frankreich, bestand aber nur bis 1790. Es waren politische Differenzen, die zu einer Trennung führten, die persönliche Freundschaft jedoch blieb.
Als die Revolution Paris erschütterte, bewahrte Denis kühlen Kopf. Er liess die Geschäfte ruhen und zog sich 1793 nach Neuenburg zurück, von wo aus er seine Korrespondenz weiterführte. Wann immer politische Stürme aufkamen, fand er Zuflucht in der Eidgenossenschaft, in Neuenburg oder auf seinem Anwesen Loewenberg bei Murten, das er 1794 erworben hatte.
Doch Denis widmete sich nicht allein dem Erfolg seiner Bank. Er legte grossen Wert auf das Ansehen der Familie und den Namen «de Rougemont.» Oft unterstützte er seine weniger erfolgreichen Geschwister, scheute sich aber ebenso wenig, ihnen in seinen Briefen klare Worte zu schreiben, wenn ihm etwas missfiel.

↑ Lettre de Nobless (Adelsbrief) für die Rougemonts vom Duc Louis de Bourbon 1683 in Chantilly. Louis II de Bourbon-Condé war einer der bedeutendsten französischen Feldherren des 17. Jahrhunderts.





← Das Schloss und sein Garten um 1900.
↑ An der Schlossfassade begegnet man überall Fabelwesen. Gestalten schmücken das Mauerwerk und verleihen dem Bau eine geheimnisvolle, beinahe märchenhafte Ausstrahlung.
Vom Kirchlein Scherzligen führt ein Kiesweg durch den Park hinauf zur Freitreppe und zur grossen, dunklen Holztüre des Hauses. Man betritt die Repräsentations- und Gesellschaftsräume, die den wirklichen Reichtum der Familie widerspiegeln, auch wenn ein Teil während des Ersten Weltkriegs veräussert oder an die Erbenfamilie von Swain nach Deutschland verschickt wurde.
Wie ein roter Faden zieht sich der Historismus durch die Innenausstattung: 78 Räume liegen in zwei rechtwinklig angeordneten Hauptvolumen, deren südseitige Zimmer besonders reich ausgestattet sind. Sonnige Aussenräume, der Blick auf See und Berge sowie Leder- und Goldtapeten erzählen von einem Glanz, der längst vergangen und doch spürbar geblieben ist.
Ein wahres Prunkstück des Schlosses offenbart sich bereits in der Eingangshalle: die von Joseph Hubert Verbunt (1809–1870) geschaffene Sandsteintreppe. Üppig verziert mit Fabelwesen, Ran-

ken und expressiven Gesichtern, führt sie hinauf in die Gesellschaftsräume und gilt als Meisterwerk des aus Tilburg stammenden holländischen Bildhauers.
Verbunts Handwerk war einzigartig und weitherum bekannt. Seine Herkunft aus einer angesehenen Familie prägte ihn ebenso wie ein frühes persönliches Unglück. Der Tod seines Vaters und der Verlust seines kaum ein halbes Jahr alten Bruders machten ihn zum Einzelkind und bewahrten ihn zugleich vor dem damals verpflichtenden Militärdienst. Dieses Schicksal eröffnete ihm letztlich den Weg, sich ganz der Kunst zu widmen. Aus seiner Hand stammt auch der Brunnen im Innenhof des Bundeshauses in Bern, ein weiteres Zeugnis seines Könnens. Auch in den Schlössern Oberhofen und Neuenburg war er bildhauerisch tätig.
Sein Vater, Gerardus Verbunt, wird als Tuchfärber und Fabrikant bezeichnet. Die Familie gehörte zu den angesehenen Häusern Tilburgs; sein Grossvater, Josephus Verbunt, war sogar Stadtrat. Mehrere Mitglieder der Familie waren Kaufleute und Tuchhändler und durch Heirat mit führenden Regentenfamilien der Stadt verbunden. Vor diesem Hintergrund wird sichtbar, dass Joseph Hubert Verbunts Weg zur Kunst nicht nur seinem persönlichen Talent, sondern auch der kulturell und wirtschaftlich geprägten Umgebung seiner Herkunft entsprang. Die Sandsteintreppe im Schloss Schadau zählt heute zu den eindrucksvollsten Spuren, die er hinterlassen hat.
← Die beeindruckende Schlosstüre beim Haupteingang, 2026. → Der Eingang mit seiner imposanten Sandsteintreppe, flankiert von schützenden Fabelwesen und kunstvollen Verzierungen – ein wahres Juwel meisterlicher Handwerkskunst von Joseph Hubert Verbunt.


Im Empfangszimmer klingt das einst vorhandene, später entfernte Renaissance-Täfer nach. An der Tür prangen die Allianzwappen der Familien von Erlach–von Graffenried und de Rougemont–de Pourtalès, und am Kamin zeugen Initialen und Baudaten von der Bauherrschaft. Das Billardzimmer zeigt im Parkett rechteckige Nussbaumfelder, die den ehemaligen Standort des Billardtisches verraten. Gleich daneben liegt die Bibliothek mit ihren Eichenregalen – einst gefüllt mit über 3000 Bänden aus dem Besitz von Louis de Rougemont, von Klassikern bis zu Werken über chinesische Handmalerei und Naturkunde.
Das wirkliche Herzstück des Hauses ist der Rougemontsaal: eine Stuckdecke mit Tierkreiszeichen und Kontinentalallegorien, begleitet von floralen Ledertapeten, über die exotische Papa-
← Tierstilleben in den Täferfüllungen des ehemaligen Esszimmers. 2026.
→ Blick vom Esszimmer durch den kleinen Salon bis hin zum Rougemontsaal.
geien schweifen. Im Esszimmer entfaltet sich eine naturkundliche Galerie aus fein gemalten Vögeln und Fischen des Thunersees. Der Rauchsalon schliesslich öffnet sich unter einem gemalten Himmel, eingefasst von illusionistischen Holzfriesen – ein Raum, der von der Kunst des Scheins lebt.
Die Raumgestaltung des Schlosses folgt dem klassischen Aufbau historistischer Châteaux: Im Souterrain lagen die Küchen mit zum Teil geschnitzten Schränken aus Eichenholz – die leider ebenfalls verschwunden sind – sowie Arbeitsräume, verborgen unter den repräsentativen Geschossen.
Im Erdgeschoss entfaltete sich die Welt der Empfänge: hohe Räume, geschaffen für Besuch, Gesellschaft und Zeremonie.

→ Das ehemalige Esszimmer mit den Tierstillleben in den Täferfüllungen.
↓ Eines der kunstvoll gestalteten Cheminées im Schloss Schadau mit den Initialen von Alfred de Rougemont, dem Erbauer des Schlosses. Noch heute erzählen diese fein gearbeiteten Details von jener Zeit, in der Architektur, Handwerk und persönliche Handschrift untrennbar miteinander verbunden waren.


