

Thomi rettet das Meer
Autor: Frank Demenga
Illustratorin: Christina Wald
Thomi rettet das Meer
Autor: Frank Demenga
Illustratorin: Christina Wald
Für all jene Kinder, die erkennen, was das Meer, die Natur und ihre Lebewesen für uns Menschen bedeuten müssen.

Thomi wohnt an einem schönen Ort, direkt am Meer. Manchmal schillert es grün, blau und türkis. Frühmorgens, wenn alle noch schlafen, geht er in die Küche, stibitzt ein wenig Brot und springt damit zum Strand hinunter. Schon von Weitem sieht er Alfred, den Fischer. Alfred muss Thomis Mutter jeden Morgen frische Fische für ihre kleine Fischstäbchenfabrik ins Haus bringen. «Fische doch nicht hier, Alfred!», ruft Thomi ihm zu. «Sonst gibt es bald keine Fische mehr. Sie sind doch meine Freunde.»
Alfred lacht: «Du kannst dich freuen, denn sie haben nicht angebissen heute Nacht. Na ja, dann fische ich halt dort drüben.» Thomi sieht, wie Alfred vom Felsen steigt und dem Meer entlang geht.
Eigentlich mag Thomi Alfred gerne; aber es macht ihn traurig, wenn Alfred die Fische, die doch Thomis Freunde sind, aus dem Meer zieht.

Thomi wirft Brotstückchen ins Wasser, und schon kommen die Fischchen angeschwommen und knabbern am Brot herum. Lustig plätschert es dabei.
«Sie haben ‹Danke› gesagt!», ruft Thomi fröhlich.
Die Meeresluft ist warm und das Wasser schön blau.
Doch was ist das? «Da schwimmt ja Abfall auf dem Wasser … und gelber Schaum.»
Thomi erschrickt. «Alfred! Alfred!», ruft er.
Aber Alfred hört ihn nicht mehr.
«Dann sag ich es Mama.»
Thomi rennt zum Haus zurück.


«Narzissa! Edgar!», ruft die Mutter: «Kommt! Ich habe eine Überraschung für euch.» Thomis ältere Schwester Narzissa stürmt in die Fischküche.
Ihr Zwillingsbruder Edgar folgt ihr fast widerwillig, denn er wollte gerade eine komplizierte Rechnungsaufgabe lösen. Feierlich eröffnet ihnen die Mutter: «Kinder, wir haben jetzt so viel Geld verdient mit den Fischstäbchen, dass ich eine grosse, moderne Fischstäbchenfabrik bauen kann.» Edgar fällt es schwer, seine Gefühle zu zeigen. Trocken meint er: «Bald stinkt es in unserem Haus nicht mehr nach Fisch.» Narzissa frohlockt: «Juppi! Wir sind reich! Jetzt kannst du endlich ein schnelles, rotes Auto kaufen.»
«Und wisst ihr was, Kinder?», fragt die Mutter lächelnd und schwenkt einen Brief hin und her. «Ihr habt im Wettbewerb für Kopfrechnen den ersten Preis gewonnen. Ihr seid die schnellsten Kopfrechner der Stadt. Ihr dürft in die Schweiz nach Bern reisen, ins Albert-Einstein-Haus und danach ins Berner Puppentheater.»
«Edgar!», jubelt Narzissa ausser sich vor Freude, «wir sind berühmt! «Ja», meint Edgar fast ein bisschen stolz, «weil wir so schnell rechnen können wie Albert Einstein. Der hat in Bern die berühmteste Rechnung der Welt erfunden.»
Narzissas Stimme überschlägt sich fast vor Freude. «Das muss ich gleich posten! Aber … oh nein! Mein Handy ist kaputt!» «Wirf es weg, Schätzchen», meint die Mutter, «ich kaufe dir ein neues.» Und schwupps! Das Handy fliegt durchs offene Fenster zum Strand hinunter. «Warum schmeisst du das einfach weg?», ruft Thomi, der soeben in die Küche gekommen ist, empört. «Ich habe Abfall im Meer gesehen. Habt ihr den auch ins Wasser geworfen?» «Ja, warum nicht?», antwortet seine Schwester Narzissa schnippisch. «Das darf man nicht! Dann wird das Wasser schmutzig und die Fische sterben.» Thomi ist wütend.


Da kommt der Fischer Alfred mit dem Fischkorb in die Küche. Die Mutter tritt zu ihm, greift in den Korb und zieht einen einzigen kleinen Fisch heraus.
«Ist das alles, Alfred?» Sie starrt in den Korb. «Und das? Ein Schuh!»
Entschuldigend meint der Fischer: «Die Flut hat Abfall an den Strand gespült».
«Alfred», sagt die Mutter streng, «ich zahle Ihnen nicht einen Lohn, damit Sie mir Abfall bringen!»
Alfred mag es nicht, wenn man ihn zu Unrecht kritisiert.
Trotzig antwortet er: «Sie wollten nicht anbeissen, heute Nacht. Wenn das Wasser schmutzig ist, tauchen die Fische unter.» «Papperlapapp!», sagt Thomis Mutter. «Ab heute bringen Sie mir die doppelte Menge Fische.
Wir bauen eine neue Fischstäbchenfabrik. Wir brauchen das Geld!» «Ich … ich … habe ver… verstanden», stottert Alfred.

Da hat Thomi eine Idee: «Mama, du könntest doch mit etwas anderem Geld verdienen als mit Fischstäbchen!»
«Womit denn?», fragt sie, halb lachend, halb verärgert, «Fischstäbchen herstellen ist mein Beruf. Ich kann nichts anderes und die Leute in der Stadt lieben meine Fischstäbchen. Sie gehen weg wie warme Brötchen.»
«Eben, du könntest doch frische Brötchen verkaufen. Die würden weggehen wie heisse Fischstäbchen.»