Sylvie Doriot Galofaro
Gaston Barras
Ein Schicksal in Crans-Montana und in der Welt
Gaston Barras
Sylvie Doriot Galofaro
Gaston Barras Ein Schicksal in Crans-Montana und in der Welt Dieses Werk wurde von der Gemeinde Crans-Montana unterstützt.
Impressum Alle Angaben in diesem Buch wurden von der Autorin nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und von ihr und vom Verlag mit Sorgfalt geprüft. Inhaltliche Fehler sind dennoch nicht auszuschliessen. Daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autorin noch Verlag übernehmen Verantwortung für etwaige Unstimmigkeiten. Alle Rechte vorbehalten, einschliesslich derjenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wiedergabe. © 2026 Weber Verlag AG, 3645 Thun/Gwatt Autorin: Sylvie Doriot Galofaro Die Originalversion in französischer Sprache ist erschienen in: SLATKINE REPRINTS SA, sous la marque EDITIONS SLATKINE, 4 place du Bourg-de-Four, Case postale, CH-1211, Genève, Suisse. Weber Verlag AG Verlags- und Projektleitung: Annette Weber-Hadorn Cover, Layout und Satz: Bettina Ogi Bildbearbeitung: Adrian Aellig Korrektorat: Corinne Kneubühler, Sophie Souvignier Der Weber Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2026–2028 unterstützt. ISBN 978-3-03818-930-5 www.weberverlag.ch mail@weberverlag.ch Auslieferung EU Brockhaus Commission GmbH Postfach 1220 D-70803 Kornwestheim info@brocom.de
VORWORT
G
aston ist mein Cousin. Er ist jemand, der an seiner Familie interessiert ist, auch an den entfernteren Mitgliedern, eine Art Patriarch, der gern weiss, was geschieht und gesagt wird, und der nicht zögert, seine Meinung zu äussern. Gaston wendet seiner Familie eine wohlwollende Aufmerksamkeit zu. Ich freue mich immer sehr, ihn zu treffen. Wenn ich in Crans zu Besuch bin, schaue ich in der Agentur vorbei, wo er immer noch das Zepter schwingt. Dann nimmt er sich Zeit, mit mir auf der Terrasse eines Cafés die Neuigkeiten aus Familie und Gemeinde zu besprechen! Wir sind beide Walliser, beide gebürtig aus Chermignon. Das Wallis ist ein wunderschönes Land. Ich weiss: Das ist keine besonders originelle Aussage. Aber wie soll man sonst die Rhone, die durch das Tal schlängelt, die Berge, die Reben, die Maiensässe, das so besondere Klima und den so blauen Himmel treffend beschreiben? Eine so schöne, aber auch so raue Umgebung. Das wenig fruchtbare Land, die Hangfelder, die Alpweiden in der Höhe, eine Umwelt, die Menschen hervorgebracht hat, die ihrer Heimaterde und ihrer Unabhängigkeit verbunden sind, und zugleich eine Schicksalsgemeinschaft, eine Art Gemeinschaftssolidarität, um der Härte der Zeiten zu begegnen. Die Walliser sind gleichzeitig pragmatisch, unermüdliche Arbeiter und Philosophen, die Augen zum Himmel gerichtet. Gaston Barras entspricht diesem Land. Er hat seine Qualitäten und seine Beständigkeit. Er hat sich mit unerschütterlichem Willen dafür eingesetzt, das Hochplateau von Crans-Montana und seinen Golfplatz in der ganzen Welt bekannt zu machen und zum Strahlen zu Vorwort 5
bringen. Er hat einen unglaublichen Sinn für Kommunikation, er versteht es, Netzwerke aufzubauen. Er hat bei uns Besucher und Golfer aus aller Welt empfangen, und nicht die unbedeutendsten. Gaston und das Golf, das ist eine Liebesgeschichte. Er hat den Golfplatz von Crans-Montana entwickelt und zu dem gemacht, was er ist: der schönste Höhengolfplatz. Chapeau, Gaston! Micheline Calmy-Rey Bundesrätin (2003–2011) Bundespräsidentin 2007 und 2011
Gaston, mit seiner Cousine Micheline Calmy-Rey, und Faustine Cordonier-Rey, seiner mütterlichen Tante, St.-Georgs-Fest, Chermignon, 2003.
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BIOGRAFISCHE ECKDATEN Zusammenfassung des Lebens von Gaston Barras
«I
ch habe den kaufmännischen Sinn meines Grossvaters mütterlicherseits, Ignace-Louis Rey, und vor allem den meiner Mutter Josette geerbt, sowie den Starrsinn der Barras, meines Vaters Victorin und meines Grossvaters François-Siméon...», erzählt Gaston Barras und fügt hinzu: «Das ist das Erbe, das mir erlaubt hat, Gaston Barras zu werden.» Bevor er den Lauf seines Lebens zurückverfolgt, erinnert er daran, dass er einer der zwei letzten noch lebenden Gemeindepräsidenten des Hochplateaus von Crans-Montana ist, die in den 1960erJahren des letzten Jahrhunderts im Amt waren. Damals bildeten sechs Gemeinden die Region der «Noble et Louable Contrée», die sich im Herzen des Wallis am rechten Rhoneufer von der Ebene bis zum Gletscher der Plaine Morte erstreckt. Von West nach Ost: Icogne, Lens, Chermignon, Montana, Randogne und Mollens. Als Gründer einer Immobilienagentur bereits 1954, als Gemeinde- und Burgerpräsident von Chermignon von 1964 bis 1984 hat er sich rückhaltlos für den Tourismus und insbesondere für die Entwicklung des Golfsports eingesetzt, den er als den wirtschaftlichen «Motor» des Ferienorts bezeichnet. Weitere sportliche Aktivitäten wie Eishockey oder Skifahren haben sein Leben ebenfalls geprägt. Als die Golfpioniere Antoine Barras, René Payot und Albert Bonvin 1939 zum ersten Mal die Swiss Open in Crans veranstalten, ist Gaston Barras acht Jahre alt – und nimmt bereits am Turnier als Caddie teil! Er wird selbst Spieler und eine Art «Mädchen für alles» bei dem Wettkampf, wie er gern zu sagen pflegt. Ab 1954 arbeitet er mit dem Komi7
Sebastian Söderberg, Sieger des Omega European Masters 2019, mit Gaston und Raynald Aeschlimann, Präsident/CEO von Omega.
tee des Golf-Club Crans-sur-Sierre zusammen, den er seit 1981 präsidiert. 1964 übernimmt er die Verantwortung für die Organisation des Opens und wird anschliessend dessen Präsident. 1983 verleiht die European Tour dem Turnier den prestigeträchtigen Titel «European Masters»: Es gewinnt damit eine internationale Dimension und wird eines der bedeutendsten in Europa. Er wird zum «Sportpromotor der Schweiz des Jahres 2000» gewählt, nachdem er seit 1996 als «Monsieur Golf» bezeichnet worden war. Später wird sich zeigen, warum. Ab den 1950er-Jahren stellt Golf auf dem Hochplateau mehr als nur einen Sport dar. Es ist eine echte Öffnung zur Welt, denn oft ist es anlässlich eines Treffens oder eines Wettkampfs, dass manche jungen Menschen das Wallis zum ersten Mal verlassen. Und es sind ehemalige Caddies, die das Schicksal des Orts in die Hand genommen haben. 8 Gaston Barras
Wie waren all diese «Heldentaten» möglich? Woher bezieht Gaston Barras seine Energie? Sein Charakter, sein Humor und seine Hartnäckigkeit haben zweifellos die Entwicklung von Crans-Montana, das er so sehr liebt, geprägt. Laut France Massy im Nouvelliste vom 9. September 2018 «hat Gaston Barras dazu beigetragen, den Golfsport auf dem Hochplateau und in der gesamten Schweiz zu demokratisieren». Die Journalistin fasst auch sein Wirken für das Jahr der 125-Jahr-Feier des Ferienorts zusammen. Gaston Barras verstarb im März 2021 im Alter von 89 Jahren in seiner Heimat Crans-Montana.
Frühe Kindheit: Der Liebling der Familie Gaston Barras wurde am 5. Juli 1931 in Montana, auf dem Gemeindegebiet von Randogne, in einem Haus geboren, das sich fast gegen-
Gaston als Kind, ungefähr vier Jahre alt, um 1935.
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Montana im Winter um 1930, zur Zeit seiner Geburt.
Avenue de la Gare um 1935, links das alte Hotel Mirabeau, die Arkaden, die es noch immer gibt, heute Fondation de Watteville. Gegenüber das alte Haus Taillens, darunter das alte Kino Casino. Oben Lumière et Vie und oben rechts das Schloss des Grafen de la Boëssière-Thiennes (abgerissen).
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Montana um 1930.
über der heutigen Bäckerei Taillens in der Avenue de la Gare befindet. Ursprünglich aus Chermignon, fühlte er sich Randogne aufgrund seiner Geburt in dieser Gemeinde immer «verbunden». Seine Mutter Josette entband also nicht im Krankenhaus, sondern mithilfe einer Hebamme zu Hause.
Zuerst die Molkerei in Montana, dann Josette in Crans 1925 eröffnet Victorin Barras, Gastons Vater, Käser mit Diplom der Landwirtschaftsschule Châteauneuf, eine erste Molkerei in MontanaStation, einem damals florierenden Kur- und Ferienort, dessen Bewohner grösstenteils keine Einheimischen sind, sondern Landsleute aus anderen Kantonen und Ausländer. 1927 heiratet er Josette Rey, die aus einer Kaufmannsfamilie stammt. Gaston ist der Älteste von fünf Söhnen. Man gibt ihm den Vornamen Gaston. «Unser Nachbar, ein FriBiografische Eckdaten 11
Victorin und Josette Barras vor ihrer ersten Molkerei in Montana-Station, um 1930.
seur belgischer Herkunft namens De Croon, hiess Gaston. Meine Mutter fand das einen schönen Vornamen und wählte ihn, ergänzt durch François.» Von seiner Mutter erbt er den fleissigen, extrovertierten und fröhlichen Charakter. Lange Zeit führte Josette die Molkerei in Montana und anschliessend jene in Crans, die auch zum Lebensmittelgeschäft wurde. Das Journal de Sierre vom 4. September 1987 erzählt durch die Feder von Pierre Ducrey, wie Josette niemals Ferien hatte: «Madame Josette Barras – Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag» – denn sie wurde am 4. September 1907 geboren, als zehntes von elf Kindern. «Mein Vater, Ignace-Louis Rey, führte drei Dorfläden in Ollon, Chermignon und Montana-Village.» Er starb mit 44 Jahren an einem Maultiertritt. Sein jüngstes Kind war kaum 15 Tage alt. Josette war 2 Jahre alt und hat ihn nie gekannt. Sie erzählt weiter, wie die grosse Familie von ihrer Mutter Célestine aufgezogen wurde. «Wir schliefen alle in einem Zimmer, ohne Licht und ohne Wasser. Wir wuschen 12 Gaston Barras
Josette und ihre Zwillinge René und Roger, 1934.
uns am Dorfbrunnen. Drei meiner Geschwister wurden nicht älter als 2 oder 3 Jahre. Aber andere wurden 80 und sogar 90 Jahre alt.» Sie heiratet mit 19,5 Jahren Victorin, der acht Jahre älter ist und wie sie aus Chermignon stammt. Kurz nach ihrer Hochzeit 1927 wohnen sie in einem «Maiensäss» in der Nähe des heutigen Robinson in Crans, ohne Strom, Wasser oder Heizung. Gemeinsam führen sie die Molkerei von Montana-Station und liefern die Milch in die Hotels von Crans und in die Sanatorien von Montana und sogar bis nach Mollens. «Alle Transporte machten wir mit Holzrückenträgern, randvoll und schrecklich schwer. Der Tag begann in der Morgendämmerung, im Sommer wie im Winter. Wir hörten nie auf, nicht einmal sonntags. Im Winter zog ich dicke Socken über meine Stiefel, da ich nur schlechte Schuhe hatte.» Mit der Krise von 1929 nehmen die Konkurse zu, und das PalaceBellevue (ehemaliges Sanatorium Beauregard) «zahlt die drei Monate Milchlieferungen nicht», erzählt Josette. Dann geht die englische Biografische Eckdaten 13
Das Sanatorium Beauregard, um 1900, das spätere Palace-Bellevue von Montana.
Gesellschaft, Eigentümerin des Palace-Bellevue, Konkurs und alle verlieren Tausende von Franken. Zahlreiche Hotels und Kliniken schliessen darauf ihre Türen. «Aber das Leben ging trotzdem weiter. Am 5. Juli 1931, einem Sonntag, arbeitete ich wie die anderen, als Gaston seine Ankunft ankündigte.» 1934 kommen die Zwillinge Roger und René vorbei, 1939 Richard und 1941 Georges. «Meine fünf Söhne wurden zu Hause geboren. Wir behielten die Molkerei in Montana bis 1939. Dann verkauften wir sie an die Familie Mabillard und zogen nach Crans, an den heutigen Standort des Restaurants Le Plaza. Dort verbrachten wir den Krieg. Victorin wurde oft eingezogen. Ich musste daher die gesamte Last des Geschäfts tragen. Er starb 1956.» Josette hatte keinen einzigen freien Tag, ging aber jeden Sonntag zur Messe und unternahm Wallfahrten nach Lourdes, nach Rom und nach Einsiedeln. Man versteht, von wem Gaston seinen Charak14 Gaston Barras
Gastons Familie in den 1940er-Jahren: von links nach rechts René, Georges, Gaston, Josette, Richard, Victorin und Roger.
ter hat! Sie hatte einen aussergewöhnlichen Sinn für öffentliche Beziehungen, und alle Touristen sowie die Einheimischen kannten sie. Ihr Enkel François erzählt, dass er ihr zu ihrem 70. Geburtstag ein Wochenende in Paris schenkte. Nicht weniger als fünf Personen erkannten sie und kamen, um sie zu begrüssen, als sie auf den grossen Boulevards der französischen Hauptstadt spazierten. Das zeigt ihre Popularität bei den Pariser Touristen, die so zahlreich in Crans waren!
Tante Léonie und die Landschaft rund um Chermignon Im Alter von 5 Jahren zieht Gaston zu seinen Grosseltern nach Chermignon, die im Dorf mit drei ihrer ledigen Kinder leben: Alfred, Céline und Léonie. «Ich verabschiedete mich von meiner Mutter mit einem gewissen Bedauern, und mein Vater brachte mich zu Fuss nach Biografische Eckdaten 15
Gaston auf dem Maultier, zwischen seinen beiden Brüdern René und Roger, um 1937 in Crans. Von links nach rechts: Josette Barras, Fernande Bonvin, François-Siméon Barras, Grossvater väterlicherseits von Gaston, und seine Tochter, Léonie.
Chermignon. Damals kam es manchmal vor, dass Enkel bei ihren Grosseltern wohnten, es ging mir sehr gut. Alle waren nett zu mir, ich war der Liebling der Familie.» Es ist vor allem seine Tante Léonie, die sich um ihn kümmert und ihm alles beibringt, von der Schule bis zur Religion. Die 1940er-Jahre sind Jahre harter Arbeit für Gaston, der kaum neun Jahre alt ist, und es werden alle Hände für die Landarbeit gebraucht. Er hilft bei der Versorgung der Tiere: vier oder fünf Kühe, zwei Schweine, eine Ziege, Schafe, Hühner, Kaninchen und vor allem eine Katze, die er liebt. 16 Gaston Barras
Die Familien Rey und Barras aus Chermignon, Gastons Grosseltern Der Grossvater François-Siméon Barras ist Landwirt und besitzt zudem Weinberge in Ollon. Als junger Mann arbeitete er in den 1890erJahren für die Familie Seiler aus Zermatt und transportierte die Kunden auf seinem Maultier vom Bahnhof Visp bis zur Station. Das ist der Beginn des Tourismus.
François-Siméon Barras (Mitte) und seine Mulitreibergefährten, Zermatt um 1890.
Ebenfalls in Chermignon beantragt der Grossvater mütterlicherseits, Ignace-Louis Rey, ein Händler, 1907 die Erlaubnis, in Crans südlich des heutigen Hôtel du Golf eine Buvette zu betreiben, um den Touristen im Sommer Bier, Limonaden und Liköre zu servieren. Die Gemeindeverwaltung von Lens erteilt die Genehmigung für 1907. Diese Buvette wird später zum Abschlag des 15. Lochs verlegt. Sie wird von Josettes Schwester, Marie Barras-Rey, geführt. Die Familie Rey hat ein Händlergen. Ein Onkel Gastons mütterlicherseits, Henri Rey, beschreibt dieses Familientalent in einem Artikel Biografische Eckdaten 17
im Nouvelliste vom 9. Januar 1986: «Henri Rey, das Leben auf Hundert Touren» – darin erfährt man, dass er mit acht Jahren bereits Händler war. Er wurde 1901, am 6. November, geboren; sein Vater ist Viehhändler und der erste Metzger der Region Montana-Vermala. «Mit sechs oder sieben Jahren war ich schon Lieferant. Mein Vater lud die Waren in Granges auf den Karren, spannte das Maultier ein, liess mich auf die Bank klettern und gab mir die Zügel (…). Fahr nach Lens und liefere. Wenn das Maultier zu weit nach rechts geht, ziehe an der linken Leine (…). Das waren meine ersten Fahrstunden!» Er ist acht Jahre alt, als sein Vater unter tragischen Umständen stirbt: Er erhält zwei Huftritte vom Maultier. Er hatte das Maultier beladen. Beim Aufstieg von Granges nach Ollon löste sich ein Seil, was das Tier nervös machte und zum Ausschlagen brachte. «Zwei Huftritte, und mein Vater lag auf dem Boden, schwer verletzt. Er starb am folgenden Tag (…).» Philippine Bonvin-Rey, seine Tochter und damit Gastons Tante, war dabei und hat das Ereignis erzählt. Ihr Bruder Henri und sie müssen sich allein durch-
Josettes Brüder emigrieren in die USA: François, Joseph-Louis, Gastons Pate, und Antoine. 18 Gaston Barras
Joseph-Louis Rey in seinem Restaurant Rey et Pierre in New York anfangs der 1950er-Jahre.
schlagen. 1925 eröffnet Henri seine erste Metzgerei in Glarey, dann weitere Geschäfte, weshalb Gaston sagen wird, er habe von den Reys den Geschäftssinn geerbt. Er wird Erster beim Walliser Metzgerwettbewerb. Übrigens ist Henris Sohn, Georges Rey, der berühmte Cousin Gastons, der in den 1960er-Jahren eines der besten Restaurants New Yorks eröffnet. Drei der Brüder Josettes, Antoine, François und Joseph-Louis, wandern in die Vereinigten Staaten aus, während Henri und seine Schwestern Faustine, Marie und Philippine im Wallis bleiben. Doch kehren wir zurück zum bäuerlichen und behüteten Leben der Kindheit Gastons.
Das Nomadenleben und das Patois Die Familie zieht entsprechend den Feldarbeiten um. Der Hauptwohnsitz ist in Chermignon; das Haus, das direkt neben dem Gemeindehaus liegt, gehört noch immer Gaston Barras. Im April/Mai und während der Weinlese im September/Oktober zieht sie hinunter nach Ollon, dem Wohnort der Chermignoner in den Weinbergen knapp oberhalb der Rhoneebene, wohin das ganze Dorf umzieht, einschliesslich Schule, Post und Pfarrer. Dieses Nomadenleben wurde im ganzen Wallis gelebt, aber Gaston ist einer der Letzten, der es von klein auf kannte. In Ollon besitzt Grossvater François-Siméon Barras eine Weinpresse und kann so seinen Wein verkaufen. Das Haus in Ollon ist ein grosses Steinhaus südlich des Dorfes, mit Scheune und Stall für die Tiere und einem Weinkeller. Auch Tante Léonie und Gaston ziehen im Frühjahr und Herbst auf das Maiensäss, nach Menthary, in Plans-Mayens oberhalb des Hôtel Le Crans, wenn die Herde auf die Alp hinaufzieht oder wieder herunterkommt. Zu Hause spricht man Patois und ein wenig Französisch. Gaston beherrscht das Patois noch immer, eine Sprache, die leider verschwindet, und erinnert sich gern an Ausdrücke, die ihn geprägt haben, wie «bougre de goche» oder «Lausbub» für ungezogene Kinder. Biografische Eckdaten 19
Die Grosseltern väterlicherseits von Gaston: François-Siméon Barras und Catherine, geb. Coquillard.
Als die Familie mit ihrem von einem Maultier gezogenen Wagen von Chermignon nach Ollon umzieht, ist das eine Szene für sich. Der Grossvater vergisst nicht, seine beiden Hüte mitzunehmen, den einen für werktags, den anderen für die Messe. Auch die Grossmutter nimmt ihre Sonntagskleidung mit. Die von Léonie geführten Tiere machen sich auf den Weg. Jeden Sonntag kommt einer der Brüder von Grossvater François-Siméon zu Besuch: François-Henri, Pierre-Léon, PierrePaul oder Pierre-Louis. Der Familienzusammenhalt ist sehr stark. Dieser «Halbnomadismus» prägt die Organisation des Lebensunterhalts des Volkes, das autark in verschiedenen «Stufenhütten» in den Weinbergen in den Bergen lebt. Die Ankunft des Tourismus wird diesen Zustand auf den Kopf stellen und nicht nur das Leben dieser Bevölkerung verändern, sondern auch die bebaute Landschaft, die sich damals auf kleine Bauten beschränkte: Dorfhäuser, die an eine Stallscheune angebaut waren, die oft mit einer anderen Familie geteilt wurde.
Schule und Religion Mit sechs Jahren geht Gaston in Chermignon und in Ollon zur Schule. Er ist begabt, und seine Lehrerin ist Frau Jeanne Romailler. Die «Régente Romailler», wie man sie nannte, ist die Einzige, der es gelungen ist, ihn auf einem Holzscheit knien zu lassen. In einer Rede, die er Jahre später zum 90. Geburtstag einer Verwandten von Jeanne 20 Gaston Barras
Romailler halten wird, erweist er ihr mit seinem typischen Humor die Ehre: «Ich sagte, ich sei bei meiner ersten Geliebten» (frz. maîtresse, Lehrerin oder eben Geliebte). Später organisierten ihre ehemaligen Schüler Anlässe, um sich mit ihr zu treffen; so streng war sie am Ende doch nicht. Von klein auf hatte Gaston einen Sinn für Beziehungen. In der Kirche von Montana getauft, feiert Gaston in Chermignon die Erstkommunion und die Firmung mit 12 Jahren in der Kirche von Lens. Sonntags geht man in Lens zur Messe, das ist die grosse Kirche und die Pfarrgemeinde, während man unter der Woche zur «stillen Messe» in Chermignon geht. Gaston dient oft in der Messe und ist der Religion sehr verbunden. Die Beerdigungen finden in Lens statt, das bis 1905 die «Hauptstadt» des Grand Lens ist, d. h. die Gemeinden Lens, Icogne, Montana und Chermignon bilden eine einzige Gemeinde. Dann folgt die Trennung und neue Pfarrgemeinden werden gegründet. Dennoch bleibt man miteinander in Kontakt, und die Dorfbewohner treffen sich zu Festen oder Prozessionen. Am 1. August ministriert Gaston am Patronatsfest von Lens, das dem heiligen Petrus in Ketten
Patronatsfest zu Ehren St. Georgs auf dem Platz vor der Kapelle von Chermignon d’En-Haut um 1910, ganz in der Nähe des Familienhauses. Im Vordergrund ist François-Siméon Barras mit seinem Schnurrbart zu erkennen.
Biografische Eckdaten 21
Die Pfarrkirche von Lens, um 1900.
g ewidmet ist. In Chermignon ist am 23. April der Tag des Heiligen Georgs. Diese Veranstaltung stellt noch heute das Dorffest dar, das nicht nur das Dorf, sondern auch die in Chermignon gebürtigen Burger, die weggezogen sind, vereint. Letztere verpassen es nicht, jedes Jahr zu dieser Feier, dem Symbol der Chermignoner Identität, zurückzukehren. Schon als Kind nimmt Gaston auch an den drei Bittprozessionen teil, um den Segen für die Ernte zu erbeten: Die erste beginnt um fünf Uhr morgens, und man zieht durch die Felder von Chermignon nach Lens und zurück. Die zweite führt bis zum Christus-König in Lens. Je nach Jahr wandert man bis nach Chermignon-Dessous. Die dritte Prozession führt das Volk bis nach Icogne, wo man «Ora pro Nobis» (lat. Bete für uns) singt, was Gaston sagen lässt: «Alle sangen, und der Roggen wuchs.» Durch diese Gebete und Prozessionen hofft man, das Wetter zu beeinflussen; manchmal betet man für Regen, andernfalls ruft man die Sonne an, damit das Getreide wächst. Heute isst man noch immer Roggenbrot, ein emblematisches kulinarisches Erbe des Wallis. Gaston hat auch in Ollon beim Tod von Papst Pius XI. im Februar 1939 die Glocke geläutet. Vor allem aber geht er während der Fasten22 Gaston Barras
zeit mit Tante Léonie zu Fuss zur Wallfahrt von Longeborgne nahe Bramois der Rhone entlang, um den Einsiedler zu besuchen. Seine Grossmutter väterlicherseits, Catherine Barras, geb. Coquillard, nimmt einmal im Jahr den Zug nach Einsiedeln, einem wichtigen Wallfahrtsort in der Deutschschweiz.
Alpaufzug und Tiere Gastons Vater ist für die Alp Corbyre oberhalb von Plans-Mayens verantwortlich. Man nennt ihn den Prokurator. Die Bauern ziehen auf verschiedene Alpen: Corbyre liegt dem Dorf am nächsten. «Wenn man gegenüber, im Tälchen von Réchy, keinen Schnee mehr sieht, ist es Zeit für die Rinder, auf die Alp zu ziehen», erzählt Gaston. Die Menschen aus Chermignon steigen sogar auf Alpen, die sie auf dem anderen Rhoneufer besitzen oder pachten, in Bouzerout, rechts des Réchy-Tälchens oberhalb des Dorfes Grône, und auf jene, die im Val d’Anniviers liegen. Man steigt mit dem Vieh bis nach Siders hin-
Auf der Alp in den Verdets nahe Corbyre, um 1910.
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unter, dann den Berg wieder hinauf bis nach Vissoie, und einige gehen noch höher bis zur Alp Château-Pré, die heute teilweise vom Stausee Moiry bedeckt ist. Gaston erinnert sich auch an eine Alp namens Chermignon oberhalb von Albinen, nahe Leuk. Die Hérens-Kühe spielen eine wichtige Rolle in Gastons Familie. Sein Grossvater und sein Vater besassen mehrere, darunter «Couronne», die drei Jahre in Folge in Corbyre siegte. Dieses aussergewöhnliche kleine Rind wird gut behandelt: Vor dem Alpaufzug und dem berühmten Kuhkampf bittet der Vater den Jungen zu überprüfen, wie viele Kühe bereits auf der Alp sind. Er kehrt dann zum Vater zurück, der auf dem Maiensäss Menthary wartet, und sagt ihm, es sei gut, man könne Couronne bringen. In diesem Moment gibt er der Kuh eine Scheibe Roggenbrot, das in Schnaps getaucht ist. Der Schnaps hat Couronne wohl gutgetan, sie gewinnt! Angesichts ihres Alters musste sie schliesslich dennoch zum Schlachthof gebracht werden. Josette, Gastons Mutter, fotografiert Couronne auf dem Golfplatz, ungefähr am Anfang des 9. Lochs, das noch eine Weide ist, bevor sie in den Schlachthof gebracht wird; nur hat sie vergessen, den Film aufzuziehen, der in die alten Fotoapparate eingelegt wurde... Die Fotos existieren nur noch in Gastons Erinnerungen. Eine weitere Anekdote mit einem Tier hat seine Kindheit geprägt. Eines Tages, als er die Wiesen in Ollon mäht, fängt er einen kleinen Hasen, den er sofort adoptiert. Er bringt ihn zu den Kaninchen auf das Mayen de la Carrière, nördlich von Crans. Als er bereits etwas grösser ist, ist der Hase sehr scheu: Als Gaston die Stalltür etwas zu heftig öffnet, erschrickt der Hase, rennt gegen die Wand und betäubt sich...
Die Persönlichkeiten der Region, die Schützenvereine und die Missionare Sehr früh lernt Gaston die lokale Politik kennen, denn in Chermignon steht das Haus seines Grossvaters direkt neben dem Gemeindehaus. Manchmal hört er die Rufe oder die Enttäuschung der Männer, 24 Gaston Barras
die sich versammeln, um die Angelegenheiten des Dorfes zu debattieren. Er erfährt von den Präsidenten der Zeit seines Vaters: Präsident Albert Romailler (1909–1916), der seinen Platz an Géronce Barras (1917–1920) abtritt, der ihn wiederum an Präsident Romailler zurückgibt (1921–1924). 1925 wird Victor Bonvin (1925–1936) die Entwicklung des Ferienorts Crans erleben, vor allem aber Isaïe Duc, geboren 1894 und bis zu seinem Tod 1958 viermal zum Präsidenten gewählt. Sein Grossonkel mütterlicherseits, Joseph Rey, damaliger Vizepräsident, ist der Grossvater von Micheline Calmy-Rey, Bundesrätin und zweifache Bundespräsidentin 2007 und 2011. Im Dorf ist das politische Leben intensiv, geprägt durch den beständigen Kampf zwischen zwei Familienparteien, den Weissen («Blancs») und den Gelben («Jaunes»), von denen jede ihre eigene Musikkapelle hat. Es gibt viele Eifersuchtsgeschichten, einige entstehen sogar aus Kritik an den musikalischen Qualitäten einer der Kapellen, was in Konflikten endet.
Die Einwohner von Chermignon in den 1920er-Jahren. François-Siméon Barras und seine Kinder Victorin und Léonie befinden sich in der Menge.
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Etikette des Weins «L’Ancienne Cible de Chermignon» mit den Wappen der vier Familien Barras, Bonvin, Duc und Borgeat.
Dann gibt es die «Cibles» (Schützenvereine), die noch immer existieren. Gaston ist übrigens Mitglied der «Cible Ancienne», gegründet 1798, um, wie die Gründungsurkunde festhält, die christliche Gesellschaft gegen die französischen Revolutionäre zu verteidigen. Die Mitglieder werden «Cibarres» genannt, und auf der Fahne des Schützenvereins ist das Wappen der Barras abgebildet. Beim Gefecht im Pfynwald 1799 nahmen die «Cibarres» an der Schlacht teil, auf der Seite der Oberwalliser gegen die von den Unterwallisern unterstützten französischen Truppen. In Chermignon gibt es zwei Schützenvereine, den eben erwähnten von 1798 und den neuen, gegründet während des Sonderbundskrieges 1847, einem Konflikt zwischen Konservativen und Liberalen. Die Schützenvereine spielten eine militärische Rolle, denn sie ermöglichten die Rekrutierung von Personen, die den Umgang mit Waffen beherrschten. Im internationalen Kontext der napoleonischen Kriege, zum Zeitpunkt der Invasion der Revolutionstruppen, entstanden sie im 19. Jahrhundert vielerorts im Wallis. Heute dienen die Cibles der Pflege der Schiesskunst und der Stärkung der Freundschaftsbande. Sie besitzen oft Weinberge, um die sich die Mitglieder gemeinsam kümmern. Der katholische Glaube ist in Chermignon lebendig, und der Klerus wird respektiert. In diesem Zusammenhang erinnert sich Gaston an eine Bemerkung, die Bischof Adam von Sitten in den 1960er-Jahren 26 Gaston Barras
an ihn richtete, bezüglich des Gehalts des Pfarrers der Pfarrei, das damals von der Gemeinde für seine Dienste bezahlt wurde. Er war der Bestbezahlte im Wallis! Proportional zu seiner Einwohnerzahl ist das Dorf dasjenige, das die meisten Offiziere und Priester der gesamten Region hervorgebracht hat. Bei den Barras, Bonvin, Cordonier, Rey, Robyr, Bagnoud, Mudry und anderen einheimischen Familien wimmelt es von Pfarrern, Äbten, Chorherren sowie Weissen Brüdern und Vätern. Letztere gehen als Missionare nach Afrika, nach Kamerun, Guinea, Senegal, Madagaskar oder Gabun, während die Chorherren von Saint-Maurice, wie Martin Rey, im Sikkim im Himalaya tätig sind.
Die Dynamik der Chermignoner Die Menschen aus Chermignon sind dynamisch. Pioniere, von denen die meisten aus dem Dorf stammen, werden in der MontanaStation und dann in Crans Läden eröffnen: Gédéon Barras, Victorin Barras, Auguste Duc, Augustin Rey, der Briefträger, der 1911 die Post in Montana und 1929 die in Crans gründet. Seine Söhne: Gaston Rey wird Postdirektor in Montana und der andere, Marcel Rey, in Crans. Schon als kleines Kind hat Gaston Kontakt zu «internationalen» Chermignonern, d. h. solchen, die verreist sind und das Wallis verlassen haben, um im Ausland zu arbeiten, die meisten in der Hotellerie. Sie werden eine Gesellschaft der Hotelangestellten gründen, die 1931 zur künftigen Gesellschaft der Hoteliers wird und die Hoteliers von Crans und Montana vereint. Zunächst aber wird diese Gesellschaft Leute aus den Dörfern rekrutieren, die in Hotels in Nizza, Cannes, Monaco, Évian, Deauville, Paris, London, Italien und anderswo arbeiten wollen. Ziel ist es, ihnen eine Arbeitsstelle zu finden, denn zu dieser Zeit ist das Wallis arm. Die erste Pension in Crans ist die Pension du Pas de l’Ours, erbaut 1912, gefolgt vom ersten Hôtel du Golf 1914. Biografische Eckdaten 27
Crans-sur-Sierre in den 1950er-Jahren, im Hintergrund die Hotels Rhodania und Bristol und im Vordergrund das Sporting.
Weitere Unterkünfte und Pensionen entstehen, wie das Institut Alpina im Jahr 1912, das 1915 zum Hôtel Alpina wird, oder 1918 die Pension des Alliés, die an den historischen Kontext des Ersten Weltkriegs erinnert und 1930 zum Hôtel Beau-Séjour wird. Das erste grosse Hotel ist jedoch das Hôtel Continental, erbaut von David Barras 1926. Dann baut der Architekt Markus Burgener, Präsident der Entwicklungsgesellschaft von Crans, in den 1930er-Jahren seine grossen rechteckigen Blöcke, wie das Rhodania, und erweitert das Hôtel du Golf. Gastons väterliche Grossmutter Catherine Barras (geb. Coquillard) hat einen Bruder: François Coquillard, der 1928 mit dem Architekten Markus Burgener das Sporting erbaut. Éphyse Rey eröffnet das Hôtel Royal (1928), Élysée Bonvin erweitert das Hôtel du Golf (1929). Der zukünftige Präsident von Chermignon, Antoine Barras (1958–1964), eröffnet das Hôtel Eden (1930); er wird Gastons Vorbild sein, dem er als Präsident von Chermignon (1964– 1984) nachfolgen wird, wie wir später sehen werden. Neben den Hotels prägen Sanatorien und Kliniken das Territorium des Hochplateaus. Einige Chermignoner liefern ihnen Milch, darunter Gaston, der die Ar28 Gaston Barras
beit seines Vaters fortsetzt. Ein weiterer Barras, Marcel, der spätere Caddie-Master, bringt ebenfalls täglich Milch von Chermignon zur Clinique de la Moubra von Dr. Ducrey für seinen Vater Henri Barras. In den 1930er-Jahren muss der Eigentümer David Barras sein Hôtel Continental infolge der Krise von 1929 verkaufen. Zu beachten ist, dass er der Grossvater von Claude Barras ist, dem für seinen Animationsfilm «Ma vie de Courgette» (2016) bekannten Regisseur. Im Dorf rhythmisieren die Jahreszeiten das Leben. Ab dem Frühling muss das Vieh ausgetrieben werden, und die Familien, einschliesslich der Kinder, bearbeiten die Felder. Im Winter hingegen hat man Zeit zum Trinken und Kartenspielen. Zu dieser Zeit hat es noch viel Schnee, und man kann bis nach Siders Ski fahren. Andere folgen auf Schlitten. Einige Jugendliche wie René Rey profilieren sich bereits als ausgezeichnete Skifahrer. Die ersten Skirennen finden bei den Girettes statt, wo beim Georgsfest in Chermignon das gesegnete Roggenbrot verteilt wird. Gastons Vater Victorin schenkt ihm zu seinem 11. Geburtstag ein Paar Holzski aus dem begehrtesten Hickoryholz, gekauft bei Alex Sports. Gaston ist stolz und freut sich über dieses schöne Geschenk. Oberhalb der Station werden zwei Bobschlitten-Pisten gebaut, eine in Crans und eine in Montana. Man spielt auch Eishockey auf festgestampftem Schnee oder auf gefrorenen Seen. Gaston ist jetzt 12 oder 13 Jahre alt. Er erinnert sich mit Wehmut an diese aussergewöhnliche Lebendigkeit. In Ollon geht er zur Primarschule. Oft muss er das Mittagessen zu seinem Grossvater und seinem Vater bringen, die am Weinberg arbeiten, und dann wieder zur Schule gehen. Es wurde viel gelaufen!
Märkte Ab dem Alter von 10 Jahren geht Gaston mit seiner Tante Léonie zum Markt in Siders, um unter anderem Ziegen und Schafe zu verkaufen oder zu kaufen. Sie gehen zu Fuss hinunter, von Chermignon über Diogne und Corin. Die ganze Region trifft sich in Beaulieu, einem Quartier Biografische Eckdaten 29