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Kletterfuehrer_2026_Loetscher_ez_Leseprobe

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Klettern

Zentralschweizer Voralpen

Ausgewählte Klettergärten und Mehrseillängen von 5c bis 7a

Melchtal I Engelberg I Rigi-Gersau I

Mythen-Ibergeregg I Bisistal

B Ein Teil des Zustiegs kann mit (E-)Bike auf (asphaltierter) Strasse mit Fahrverbot bewältigt werden.

( ) Saison mit Vorbehalt: Je nach Witterung können an Südwänden im Winter nach 2 bis 3 Schönwettertagen durchaus angenehme Bedingungen zum Klettern herrschen. Zu bedenken ist, dass der Zugang aufwendiger sein kann. In tiefen Lagen kann es im Sommer tagsüber mitunter zu warm werden zum Klettern.

* Zeit ab Stützpunkt (Spannorthütte bzw. Grassenbiwak)

Küssnacht

Alpthal
Schw yz
Muotathal
Brunnen
Gersau
Altdor f
Titlis
Engelberg
Goldau
Schlossberg
Ruchstock
Mythen

mässig lohnend

super!

Symbole und Charakterisierung der Kletterregionen

Die in diesem Führer detailliert beschriebenen 100 MSL – je zur Hälfte bisher kaum bekannte Neutouren seit 2012 und Sportklettereien älteren Datums – stellen eine Auswahl dar, nicht nur punkto klettertechnische Schwierigkeiten, sondern auch in qualitativer Hinsicht. Insofern darf allen Routen das Prädikat empfehlenswert attestiert werden, vielleicht vorbehaltlich zweier Neutouren mit einem ausgeprägteren alpinen Charakter .

Trotz dieser Selektion gibt es selbstverständlich Unterschiede bezüglich Routenqualität. Nur die wenigsten Routen bieten von unten bis oben ausschliesslich besten Fels und hervorragende, homogene Kletterei (im vorliegenden Führer wird dieses Prädikat nur gerade einer Handvoll Routen zugestanden).

Bisistal

schön/ sehr schön

Den restlichen Routen sind die Symbole oder zugeordnet, wobei man sich sinnvollerweise der Subjektivität solcher Differenzierungen bewusst sein sollte.

Bitte beachten: Weder die Länge einer Route noch jene des Zustiegs haben einen Einfluss auf die Beurteilung.

In nahezu allen längeren Routen in diesem Führer wird man auf kompakte, unterschiedlich stark strukturierte Platten treffen. Oft sind diese nicht ganz senkrecht und nur fein ziseliert wie auf dem Bild unten links in der Route Der Vogel und das Kind am Ofen. Hier sind in erster Linie gute Fusstechnik und Gleichgewicht gefragt.

Ebenso häufig sind Platten jedoch nahezu senkrecht und stärker bearbeitet, sei es mit scharfen Tropflöchern oder mit Querrillen und Schlitzen (wie auf dem Foto oben Mitte in der Route Lumpehond an der Alpler Flue). Mit zunehmender Steilheit kommt in diesen Wandzonen die Fingerkraft zur Geltung.

Reine Reibungsplatten dagegen findet man nur ganz sporadisch. Einzig im linken Sektor an der Rigi Hohflue gibt es zwei, drei Routen, welche über weitere Strecken in gewissem Mass Schleicherqualitäten verlangen (Neurose oben rechts).

Horizontal gebänderte Wandpartien sind häufig senkrecht, aber meist grossgriffig. Eine gute Portion Kraftausdauer verhilft hier zu genussvollem, zügigem Vorwärtskommen (Bild S. 7 ganz links: S.i.G. Barglen).

Melchtal

Die drei grossen Kletterwände im Melchtal ähneln sich sehr. Ofen, Cheselenflue und Barglen bieten alle einen abwechslungsreichen Mix aus Platten und gebänderten Wandzonen, wobei dazwischen oftmals Überhänge und kleine Dächer mehr Athletik bzw. Bänder oder instabile Zonen entsprechende Vorsicht beim Klettern erfordern.

Die Wände rund um Engelberg unterscheiden sich stärker voneinander als jene im Melchtal, im einzelnen kommen sie aber eher homogener daher.

Während am Sättelistock steile Wandkletterei Trumpf ist, findet man am Wissberg ausgeprägte Wasserrillenplatten (Foto unten Mitte: Aquarillos). Auch in der Titlissüdwand gibt es sie in mehreren Routen. Deutlich weniger ausgehöhlt, bisweilen sogar kaum wahrnehmbar sind sie in Thedy’s Gärtli an der Rigi Hohflue.

Risse und Verschneidungen dominieren am Schlossberg Gendarm (Foto unten rechts) und sie sind auch am SW-Pfeiler relativ häufig, wogegen die beiden andern SW-Wandrouten vor allem steile Wandkletterei anbieten.

Die Titlis Südwand schliesslich präsentiert sich ziemlich vielfältig. Platten in allen Variationen sind verbreitet, einige mit grossen Wasserrillen, andere mit Chickenheads garniert. Daneben vor allem im rechten Teil nahe des Titlispfeilers auch viel steile Wandkletterei, vor allem nach oben hin. Das unterste Wanddrittel allerdings ist eher als mehr oder weniger schwieriges Zustiegsgelände zu den oberen Zweidrittel zu betrachten, mit je nach Route 1–2 SL Schrofengelände.

Während an der Rigi Hohflue durchgehend geneigte, oft stark erodierte Schrattenkalkplatten die Kletterei prägen, findet man in den Gersauer Klettergärten vielfältigen Kalk vor, mit einem Akzent auf Tropflochplatten unterschiedlicher Ausprägung (s. dazu Beschrieb im entsprechenden Kapitel).

Der Fels an den Mythentürmen Peter & Paul wie auch auf der Holzegg unterscheidet sich deutlich von jenem in den andern Gebieten. Er ist von vielen Bruchkanten geprägt und zerrissen, ansonsten aber ziemlich glatt. Riss- und Leistenkletterei ist neben einigen geneigten Platten vorherrschend.

Die vergleichsweise bescheiden hohen, stark strukturierten Felsformationen an der Alpler Flue und am Alpler Stock ähneln jenen im Melchtal, mit einem Wechsel zwischen Platten, oft mit feinen Schlitzen, und senkrechten, gebänderten Wandstufen. Mutmasslich aufgrund eines höheren Sand-/Tongehalts fühlt sich der Hochgebirgskalk im Bisistal jedoch etwas weicher an und er ist weniger scharf.

Auch bei den Klettergärten gibt es eine qualitative Bewertung der Routen, allerdings nicht bei allen. Insofern ist zu beachten, dass fehlende * nichts mit mangelnder Qualität, sondern unzureichenden Bewertungsgrundlagen zu tun haben.

Stände mit schwarzem Pfeil befinden sich in der Route, jene mit rotem Pfeil liegen abseits davon.

Rigi/Gersau
Mythen Bisistal

Absicherung

Alle in diesem Führer beschriebenen Routen haben eingerichtete Stände, in der Regel mit zwei 10 mm Bohrhaken. Zwischensicherungen sind praktisch ausnahmslos 10 mm Bohrhaken in gutem Zustand (Stand 2025). Werden mobile Sicherungsmittel benötigt, wird deren empfohlene Anzahl und Grösse (BD Camelots) angegeben.

Mit P1, P2 und P3 wird beurteilt, in welchen Abständen die fixen Sicherungspunkte vorhanden sind, wobei zwischen den schwierigen und einfacheren Passagen der Route differenziert wird.

Mit (+) bzw. + wird angegeben, ob der Einsatz von mobilen Sicherungsmitteln möglich bzw. sinnvoll erscheint.

Da keine der in diesem Führer vorgestellten Routen P3 überschreitet , endet die Absicherungsskala an diesem Punkt.

P1

Bisistal

Dichte Absicherung mit Bohrhaken in Abständen vergleichbar mit jenen im Klettergarten.

An den schwierigsten Stellen Hakenabstände von 1–2 Metern und auch in einfacheren Passagen kaum mehr als 3–4 Meter. Potentielle Sturzlänge beträgt höchstens wenige Meter und Stürze sind harmlos.

Die Schlüsselstellen können oft mit Hakenhilfe bewältigt werden und die obligatorischen Schwierigkeiten bleiben mehr oder weniger deutlich unterhalb der maximalen.

Mobile Sicherungsmittel könnten u. U. zusätzlich eingesetzt werden, sind aber für die meisten verzichtbar. Deshalb werden unter P1 keine Angaben darüber gemacht.

P2 Auch hier sind die Schlüsselstellen gut mit Bohrhaken in kürzeren Abständen abgesichert. Allerdings kann es in den schwierigsten Stellen auch zwingende Kletterpassagen geben, wobei Stürze aber ungefährlich bleiben.

In einfacheren Passagen sind die Hakenabstände grösser und betragen mitunter bis ca. 5–6 Meter. Stürze beinhalten ein potentielles, wenn auch nicht schweres Verletzungsrisiko.

P1 und P2 unterscheiden sich bzgl. Absicherung der schwierigsten Passagen einer Kletterroute wenig. Die Differenzierung erfolgt in erster Linie wegen der Bohrhakenabstände in einfacheren Abschnitten, welche in mit P2 bewerteten Routen in der Regel grösser ausfallen. Ausserdem sind bei P2 Routen eher Schlüsselstellen zwingend frei zu klettern als bei P1, wo sie oft technisch bewältigt werden können.

P2 (+) Mobile Sicherungsmittel können zur Ergänzung der Absicherung hin und wieder eingesetzt werden. Wer im geforderten Schwierigkeitsgrad sicher unterwegs ist, kann jedoch auf das Mitführen von mobilen Sicherungsmitteln verzichten.

P2 + Mobile Sicherungsmittel sind zur Ergänzung der fixen Absicherung sinnvoll. Anzahl und Grösse von BD-Cams wird angegeben, ggf. auch jene von Keilen.

Mit P2+ bewertete Routen sind im Vergleich zu P2-Routen bei identischer Schwierigkeitsbewertung (z. B. 6a max.) anspruchsvoller, weil das Legen von mobilen Sicherungsmitteln neben Erfahrung bisweilen auch Kraft und Ausdauer erfordert.

P3 Grössere Hakenabstände mit zwingenden Kletterpassagen auch an schwierigen Stellen, allerdings mit geringem Verletzungsrisiko aufgrund der Steilheit.

In einfacheren Passagen auch Hakenabstände von mehr als 5 Metern mit entsprechend erhöhtem Verletzungsrisiko bei Stürzen.

Eine zusätzliche Absicherung mit mobilen Sicherungsmitteln ist (auch in schwierigen Passagen) nicht zwingend möglich!

P3 (+) Mobile Sicherungsmittel können zur Ergänzung der Absicherung hin und wieder eingesetzt werden. Wer im geforderten Schwierigkeitsgrad sicher unterwegs ist, kann jedoch auf das Mitführen von mobilen Sicherungsmitteln verzichten.

P3 + Mobile Sicherungsmittel sind zur Ergänzung der fixen Absicherung sinnvoll. Anzahl und Grösse von BD-Cams wird angegeben, ggf. auch jene von Rocks.

Sicher unterwegs beim Klettern – 10 Empfehlungen des SAC

1. Fit und gesund in die Berge

Klettertouren oder Klettern im Klettergarten in den Bergen erfordert Ausdauer. Die intensiven Belastungsreize für Herz und Kreislauf sowie Muskeln und Gelenke setzen Gesundheit und eine realistische Selbsteinschätzung voraus. Vermeide Zeitdruck und wähle das Tempo so, dass niemand überfordert ist.

2. Sorgfältige Touren-/Routenplanung

Karten, Führerliteratur, Internet und Experten informieren über Länge, Höhendifferenz, Schwierigkeit und die aktuellen Verhältnisse. Besonders Beachtung verdient der Wetterbericht, da Gewitter, Schnee, Wind und Kälte das Unfallrisiko stark erhöhen. Plane Alternativrouten! Informiere dich über nationale Bergrettungs-Notrufnummern (REGA 1414, Euro-Notruf 112).

3. Zweckmässige Ausrüstung

Passe die Ausrüstung dem Ziel an und achte auf ein geringes Rucksackgewicht! Vor Absturz und Steinschlag schützen

Seil und Helm, gutes Schuhwerk gibt Halt. Sonnenschutz mitnehmen. Für den Notfall: Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke, Mobiltelefon und Stirnlampe.

4. Verhältnisse checken

Gletscherrückgang, Ausaperung und Anstieg der Nullgradgrenze aufgrund des Klimawandels erhöhen die Steinschlaggefahr. Wichtig sind ein rechtzeitiger Aufbruch, die laufende Beurteilung der Wetter- und Geländesituation und die daran angepasste Routenwahl.

5. Partnercheck vor jedem Start

Unterlasse nie die gegenseitige Kontrolle mit Augen und Händen. Checke den Anseilknoten und Anseilpunkt, den Sicherungskarabiner, das Sicherungsgerät mit dem Blockiertest, den Klettergurt mit den Verschlüssen und im Klettergarten den Knoten im Seilende.

6. Volle Aufmerksamkeit beim Sichern

Achte auf folgende Punkte beim Sichern: Kein Schlappseil, richtiger Standort insbesondere in Klettergärten (nahe der Wand), Beobachten des Kletterpartners, Einhalten des Bremshandprinzips und der Gerätelinie, klare Kommandos und Kommunikation.

7. Alle Zwischensicherungen einhängen

Zwischensicherungen sind auch Lebensversicherungen – darum ist die richtige Handhabung ausschlaggebend: Einhängen aus stabiler Position, Stürze bei Klippen vermeiden – unkontrollierte Stürze, Bodensturzgefahr, korrekter Seilverlauf im Karabiner beachten, nicht hinter das Seil steigen.

8. Toprope nur an vorgesehenen Umlenkungen

Klettergärten sind oft mit unterschiedlichen Umlenkungen ausgerüstet. Folgende Grundsätze sollten in jedem Fall eingehalten werden: Kein Toprope an einzelnem Karabiner, bei stark überhängenden Routen nur mit eingehängten Zwischensicherungen klettern. Prüfe, dass das Seil richtig im Sicherungsgerät eingelegt ist.

9. Stände richtig handhaben

Auf Kletterrouten trifft man auf unterschiedlichste Standplätze. Einzelne Sicherungspunkte verbinden, nicht vertrauenswürdige Haken mit mobilen Sicherungsgeräten ergänzen, Selbst-Kameradensicherung nicht in Kettenglieder hängen.

10. Respekt vor der Natur

Das Hochgebirge bietet einen wertvollen Freiraum zum Bewegen in einzigartiger Wildnis. Geniesse diese Freiheit und respektiere die sensible Hochgebirgsnatur! Beachte Zutrittsverbote, lass keine Abfälle liegen und trete gegenüber anderen rücksichtsvoll und vorbildlich auf.

Routen

Exposition

Jahreszeit

Fels

Süd Bester Hochgebirgskalk, im Wechsel plattig oder gebändert; dazu in den meisten Routen 1 bis 2 (Gras-) Bänder

Kletterstil

Steile Wand- und Plattenkletterei an Leisten und Auflegern bzw. an feinen Strukturen und oft auch Tropflöchern; in der Hauptwand fast immer garniert mit dem einen oder andern Dach; Risse / Verschneidungen sind selten.

Abstieg

Abseilen; z. T. über die Routen, z. T. über separate Abseilpisten

Besonderes

Kletterverbot vom 15. Nov–15. Mai wegen Wildschutz. Bitte zudem bis am 15. Juni auf das Klettern verzichten (wichtiges Aufzuchtsgebiet). Weitere Info auf der Webseite des Kantons www.ow.ch und auf der Infotafel.

Vom Dorf Melchtal folgt man der Strasse Richtung

Stöckalp etwa 1,7 km bis Turrenbach. Hier links abzweigen und noch etwa einen halben Kilometer hoch bis zu P. 1007 am Hangfuss bzw. Waldrand (Fahrverbot, Parkmöglichkeiten).

Ab hier entweder zu Fuss oder mit Bike weiter der Strasse folgen bis zum Unter Boden. Dann auf dem markierten Wanderweg Richtung Wolfisalp. Für die Routen im linken Teil des Ofens (R1–8) verlässt man im offenen Gelände auf einem flacheren Wegstück in ungefähr 1740 m Höhe den Weg (verblassende blaue Markierung auf einem Stein am linken Wegrand), quert auf Wegspuren nach links und steigt zwischen zwei kleinen Waldstücken hoch zu Geröllhalde. Anschliessend gerade hoch über Gras und Geröll an den Wandfuss. Zu den übrigen Routen folgt man dem Bergweg weiter bis zu Flachstück oberhalb der Waldgrenze, wo der Bergweg nach rechts steil zur Wolfisalp hochführt. Hier linkshaltend auf Wegspuren durch die Geröllhalde und über steile Grasplanggen zu den Einstiegen. Zeit vom Parkplatz 2–2½ h (bis Unter Boden mit Bike möglich, was vor allem hinsichtlich des Abstiegs sehr zu empfehlen ist).

Ofen

Der Ofen ist das traditionsreichste und bedeutendste Sportklettergebiet der Zentralschweizer Voralpen. Unter Kennern geniesst er vor allem aufgrund seines ausgezeichneten, gebänderten Kalks mit unzähligen Schlitzen sowie Tropflöchern einen legendären Ruf.

Die ersten Touren hier entstanden in den frühen Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Unter ihnen der Indianerpfeiler, ein noch heute beliebter Klassiker, erstbegangen von Walter Britschgi und Franz Thalmann, welche neben Kurt Winkler zu den fleissigsten Erschliessern im Gebiet gehören.

Bisistal

Insgesamt zählt man am Ofen um die 40 MSL. Ein gutes Dutzend darunter stammt aus der ersten Erschliessungswelle, wurde nie saniert und mit der Zeit auch nicht mehr geklettert.

Fast ebenso viele sprengen den Rahmen dieses Führers, weil sie das Beherrschen des siebten Schwierigkeitsgrades voraussetzen, um sie geniessen zu können.

Die restlichen 15 in diesem Buch beschriebenen Routen sind ausnahmslos gut bis sehr gut mit Bohrhaken ausgerüstet. Sie verteilen sich je zur Hälfte auf die 220 m hohe Hauptwand sowie den etwas niedrigeren, stärker strukturierten Sektor Nünplatten links davon.

Trotz der exquisiten Routen bleibt der Andrang am Ofen bescheiden, was in erster Linie dem langen Zugang geschuldet ist. Wer nicht auf ein leistungsstarkes E-Bike zurückgreifen kann oder eine saftige Busse riskieren will, muss dafür gute zwei Stunden aufwenden. Jedermanns Sache ist dies nicht, lohnen aber tut es sich alleweil. Besonders im Herbst, wenn der schweisstreibende Zustieg lange im Schatten bleibt, die Südwand des Ofens dagegen viel Sonne und angenehme Temperaturen zum Klettern verspricht.

Die beiden Sektoren am Ofen. Rechts die zentrale, kompakte Hauptwand, wo über den schwach ausgeprägten Pfeiler im Bereich der Licht-Schatten-Grenze der Indianerpfeiler hochführt. Jenseits des dominanten Schwarzbalmdaches befinden sich die Routen des stärker strukturierten linken Wandteils. Herbststimmung am Ofen. Zwei Kletterer in Zabayone

Bisistal Mythen–Ibergeregg
Rigi–Gersau
Engelberg
Melchtal

Das Herzstück des Ofens bildet die kompakte, 200 m hohe Hauptwand (s. S. 29 ff). An diese schliesst sich links ein stärker strukturierter, etwas weniger hoher Wandteil an, welcher unter Kletterern als Sektor Nünplatten bekannt ist. Hier wurden zu Beginn der Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die ersten Routen am Ofen eröffnet: Dach (1980) und Der Vogel und das Kind (1982). Dann blieb es punkto Erstbegehungen längere Zeit still in diesem Winkel der Wand, weil sich das Interesse auf die Hauptwand konzentrierte, wo immer schwierigere Routen erstbegangen wurden. Erst Jahrzehnte später wurde Walter Britschgi hier erneut aktiv und bohrte einige neue Linien ein, darauf bedacht, kletterfreundliche Wandzonen miteinander zu verbinden. Entstanden sind zwar nicht sehr lange, dafür bestens abgesicherte Genussklettereien, darunter die beiden einfachsten, Spitzmuis, und der zwischenzeitlich sanierte und modifizierte Klassiker Der Vogel und das Kind, welche auch Gelegenheitskletterern im unteren 6. Schwierigkeitsgrad stressfreie Klettererlebnisse ermöglichen.

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Sechsbeiniger Esel

160 m (5 SL) – 7a (6b+ obl.) – P1 S. Caprez, R. Würsch 2008

Die jüngste Ofenroute am äussersten linken Rand des Sektors bietet auf 160 Klettermetern viel Abwechslung, sowohl bzgl. Gestein wie auch punkto Schwierigkeiten. Sie beginnt mit plattigem, abwärts geschichtetem Fels und wartet im weiteren Verlauf sowohl mit tollen, technisch anspruchsvollen plattigen Wandstufen wie auch mit einfacheren (Klötzlifels-) Passagen auf, wo der Fels z. T. nicht immer ganz zuverlässig ist.

Trotz anderer Erstbegeher ist die Route genauso perfekt ausgerüstet wie die benachbarten Wege. Sie kann deshalb ohne weiteres angegangen werden, um sich an etwas höheren Schwierigkeiten zu messen, zumal die zwei anspruchsvollen Schlüsselpassagen in der 3. und 4. SL kurz sind und auch technisch bewältigt werden könnten.

Gesteinsqualität: Neben vielen schönen Felspartien auch 2, 3 Passagen mit Gras bzw. minderer Felsqualität

Einstieg: Ganz am linken Rand des Sektors

Abstieg: 5 × Abseilen über die Route

Absicherung/Material: Komplett eingebohrt, Keile unnötig; 2 × 50 m Seil, 12 Express

Sechsbeiniger Esel SL4

Bisistal
Mythen–Ibergeregg
Rigi–Gersau
Engelberg
Melchtal

Flüeblüemli

165 m (6 SL) – 6b (6a obl.) – P1

W. Britschgi, R. Furrer

Die Route Flüeblüemli beginnt mit einer angenehmen

1. SL in griffigem Fels, ideal zum Einklettern. In der Folge offeriert sie weitere 6 SL von recht ausgeglichener Schwierigkeit, mal eher technisch, dann wieder ausdauermässig.

Toller Fels und einwandfreie Absicherung tragen zum rundum gelungenen Gesamteindruck bei.

Geboten wird in erster Linie Genusskletterei, garniert mit zwei, drei Schlüsselpassagen, welche das Salz in der Suppe darstellen. Die zweite SL verlangt neben Übersicht einiges an Kraftausdauer und der Einstieg in die zweitletzte SL ist ziemlich knifflig, wobei hier für einmal gefühlvolles Hinstehen gefragt ist. Die 4-malige Abseilerei über die Route gestaltet sich zügig und problemlos.

Gesteinsqualität: Guter, vielfältiger Fels

Einstieg: Ungefähr in der Mitte des Sektors am rechten Rand einer auffällig geschichteten Felszone (blauer Pfeil)

Abstieg: 4 × Abseilen über die Route gemäss Topo. Die Stände 1 und 4 werden ausgelassen.

Absicherung/Material: Super mit Bohrhaken (gelbe Plättchen) abgesichert, kein Bedarf an mobilen Sicherungsgeräten; 2 × 50 m Seil, 15 Express

Bisistal

Spitzmuis

200 m (7 SL) – 6a (5c obl.) – P1 W. Britschgi u. a.

Die einfachste Ofenroute bietet Genusskletterei ohne übermässigen Kraftaufwand. Mit recht viel Hin und Her, z. T. auch über Gras- und Geröllbänder, verbindet sie in der stark gegliederten Wand schöne, kompakte Wandpartien miteinander. Vorherrschend ist eher technische denn athletische Kletterei. Einzig in der allerletzten SL, wenn man die Schwierigkeit schon überwunden glaubt, verlangt ein kurzer, stumpfer Riss ein paar eher unangenehme Züge (6a).

Die Stelle lässt sich aber mit zwei, drei beherzten Griffen zum installierten Fixseil auch technisch bewältigen, wodurch sich die Schwierigkeiten der Route ziemlich homogen im Grad 5c bewegen .

Gesteinsqualität: 2, 3 Graspassagen; im übrigen fester, abwechslungsreicher Fels

Einstieg: Ungefähr in der Mitte des Sektors am rechten Rand einer auffällig geschichteten Felszone (blauer Pfeil)

Abstieg: 4 × Abseilen über die Route gemäss Topo. Die Stände 1 und 3 werden übersprungen.

Absicherung/Material: Super mit Bohrhaken abgesichert; 2 × 50 m Seil, 12 Express

Spitzmuis SL2: Stacheliger Fels am Ende der Querung kurz vor dem Stand
Bisistal
Mythen–Ibergeregg
Rigi–Gersau
Engelberg
Melchtal

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