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Mis Magazin 2 2021 (E-Paper)

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FÜR DESIGN V ERLIEBTE UND GENIES SER

N˚ 2 | S O M M E R 2 0 21 | B E R N | F R . 14 . –

SPITZENKOCH MARCUS G. LINDNER

REBELL DER NACHHALTIGKEIT


Foto: Nadine Strub

E D I TO RI A L

IMPRESSUM Herausgeber Werd & Weber Verlag AG Annette Weber-Hadorn Gwattstrasse 144, 3645 Thun  /  Gwatt Telefon 033 336 55 55 redaktion@mis-magazin.ch mis-magazin.ch Redaktionsteam Daniela Dambach (Chefredaktorin) Bettina Ogi (Art Direction) Fabienne Righetti (Kundenberaterin, Marketing) Alain Diezig (red. Mitarbeit) Anja Rüdin (red. Mitarbeit) Adrian Aellig (Bildbearbeitung) Werbung und Beratung Fabienne Righetti, Telefon 033 336 55 55 inserate@mis-magazin.ch Die Mediadaten sind zu finden auf mis-magazin.ch. Auflage (Nr. 2, Sommer 2021) 50 000 Expl. Erscheinungsweise 4 × jährlich. Die nächste Ausgabe erscheint am 29. September 2021. Foto Fotografinnen und Fotografen gemäss Quellen­angabe oder stock.adobe.com Druck AVD GOLDACH AG, avd.ch

Abonnements Jahres-Abo: 4 Ausgaben für Fr. 48.– Schnupper-Abo: 2 Ausgaben für Fr. 24.– Bestellung: mis-magazin.ch, abo-service@mis-magazin.ch Nachbestellung Schicken Sie uns Ihre Bestellung mit Adresse und entsprechendem Geldbetrag in einem Kuvert zu. Einzelpreis: Fr. 14.–. Für andere Wünsche kontak­ tieren Sie uns bitte unter redaktion@mis-magazin.ch. Trotz grösstmöglicher Sorgfalt bei der Recherche kann keine Haftung für Irrtümer oder Fehler übernommen werden. Alle Angaben sind bei Drucklegung gültig, doch behält sich MIS MAGAZIN das Recht auf Ände­rungen vor. Die angegebenen Preise gelten bis 31.07.2021. Für das Copyright der Produktabbildungen sind die anbietenden Geschäfte verantwortlich, ausser es ist explizit anders vereinbart worden.

Liebe Leserin, lieber Leser Im Gespräch mit verschiedensten Menschen – von der Meeresbiologin bis zum Modeschöpfer – habe ich versucht, «Nachhaltigkeit» zu definieren. Sie ahnen es bereits: Sie ist vielfältig wie die Arten in einer Biodiversitätsoase. Und dass «nachhaltig» heutzutage jedem beliebigen Substantiv selbstverständlich vorangestellt wird wie das Amuse-Bouche der Vorspeise, macht die Sache natürlich nicht gerade übersichtlicher. Deren Fassbarkeit dient, diese auf konkrete Konzepte herunterzubrechen wie jene von klugen Köpfen, die nicht nur hinterfragen, sondern handeln: Korallenriffbausteine aus dem 3D-Drucker (S. 52), Upcycling-Couture aus Altkleidern (S. 32) oder Fairtrade-Schmuck jenseits von Gendernormen (S. 24). Für mich definiere ich Nachhaltigkeit auch als «Langliebigkeit»: Je mehr ich mich bewusst für etwas entscheide, desto mehr liebe ich es und desto länger lebt es. Und umgekehrt. Was uns mehr vergiftet als voranbringt ist, die eine Lebensphilosophie gegen die andere auszuspielen, kleine Fortschritte kleinzumachen, und mit dem Finger aufeinander zu zeigen … man benutze die Finger lieber, um das vorliegende Magazin durchzublättern und sich von all den freudvollen Möglichkeiten anregen zu lassen. Denn auch die Sommerausgabe ist für «Langliebigkeit» gemacht: mit unverderblichen und immergrünen Inspirationen. Herzlich, Daniela Dambach

Unterstützt durch Produktplatzierungen. Das Kopieren, Wiederverwerten und Verbreiten der redaktionellen Inhalte und Inserate Dritter ist ohne ausdrückliches Einverständnis untersagt. Verstösse gegen dieses Verbot werden rechtlich verfolgt. Das Urheberrecht liegt bei MIS MAGAZIN.

Chefredaktorin daniela.dambach@mis-magazin.ch

Aufgrund der Corona-Krise sind Änderungen bei den Veranstaltungen u. Ä. nach Drucklegung möglich. Bitte konsultieren Sie die entsprechenden Webseiten der Veranstalter und des BAG. Medienpartner von Cover Produktion: Anja Zurbrügg, MIS MAGAZIN Foto: Anja Zurbrügg | Model: Spitzenkoch Marcus G. Lindner | Location: Hotel Bergwelt, Grindelwald

mis-magazin.ch

facebook.com/mismagazin

instagram.com/mis_magazin mis-magazin.ch | 2 · 2021

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INH A LT

KUNST DES

UPCYCLINGS

Foto: Sabine Bösch

NATURNAH

Fairtrade-Schmuck, der mit Stereotypen bricht.

So kunstfertig und doch bodenständig kocht Marcus G. Lindner in der «Bergwelt».

3 EDITORIAL

Nicht jeder Kreis verläuft rund …

6 – 7 HINTER DEN KULISSEN

Das «vernebelte» Titelfotoschooting in der «Bergwelt Grindelwald».

40 – 46 WOHNEN

Minimalistisches Familienleben im «Tiny House».

47 RATGEBER

Beim Anlegen Werthaltungen ausdrücken.

8 – 14 NEWS & HIGHLIGHTS

48 – 51 REPORTAGE

15 – 21 TITELSTORY

52 – 55 ENGAGEMENT

Gerade gesichtet: Accessoires aus Apfelleder und Bademode aus recycelten PET-Flaschen.

Marcus. G. Lindner erfüllt das neue Resort «Bergwelt» mit mediterran-rebellischen Düften.

22 – 23 MEN’S WORLD

Lieblingsstücke mit langer Lebensdauer.

24 – 39

4

Foto: Flavio Leone

Foto: Anja Zurbrügg

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2 · 2021 | mis-magazin.ch

MODE & ACCESSOIRES

Lokales Design, das achtsam gemacht und sorgfältig ausgesucht ist.

Von Gastfreundschaft und Pioniergeist zum Erhalt der Umwelt.

Wie ein Zürcher Frauen-Start-up Riffe aufforsten will.

56 – 64 GENUSS & GASTRO

Taste statt Waste – Ideen für bewussteren Genuss.

65 – 69 TOOLS & TECHNIK

Das macht Autos und deren Produktion nachhaltiger.

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INH A LT

KULINARISCHER

PIONIERGEIST

Foto: zvg

52

Ozeane retten mithilfe von Strukturen aus dem 3D-Drucker.

70 – 79 AUSFLUSGSTIPPS

80 – 81 EVENTS & TERMINE

Her mit dem guten Sommerleben!

82 WETTBEWERBE

Preise für Designverliebte und Geniesser.

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Foto: Anja Zurbrügg

Erholungsorte, welche die Energie erneuern!

mis-magazin.ch | 2 · 2021

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HIN T E R D E N K UL IS S E N

Doppelt geschossen hält besser: Das Fototeam fängt das Fingerspitzen­ gefühl von Marcus. G. Lindner ein, der auf eine lange gastronomische Laufbahn zurückblickt.

TEXT | FOTO DANIELA DAMBACH

Nebel mitten im Sommer? Blitzlichtgewitter? Sie steckt voller Überraschungen, die Grindelwaldner «Bergwelt», in der das Titelfotoshooting noch vor der offiziellen Eröffnung stattfand. TEXT | FOTO DANIELA DAMBACH

Die Luft knisterte, wie immer, wenn der Beginn von etwas Entdeckungswürdigem kurz bevorsteht: Am 11. Juni öffnete das neue, luxuriöse Designhotel «Bergwelt Grindelwald» seine Pforten. In dieses Knistern mischte sich feiner Nebel, der auf mystische Weise scheinbar zwischen den Marmorstein-Platten emporstieg, um sich sogleich wieder zu lichten… – und die Fotolinse auf Marcus. G. Lindner freizugeben. Der Spitzenkoch schenkte Fotografin Anja Zurbrügg seinen fokussiertesten Blick, vergleichbar mit jenem, den er auf seine urban-alpinen Gerichte richtet. Wohin das Fototeam die Kamera auch lenkte, das Resort hält Lounge-Ecke für Lounge-Ecke und Suite für Suite, was es verheisst: es weckt die Neugierde und hält die Sinne mit Entdeckungen wach. 6

2 · 2021 | mis-magazin.ch

Schönes muss man hier nicht lange suchen: Die Speisen sind kunstfertig und boden­ständig zugleich dank vertrauten Zutaten und virtuosem Händchen. Feuer und… Eis! Das «Fire and Ice»-Spa bietet auf 800 m2 heisskalte Erholung.


HIN T E R D E N K UL I S S E N

Wände für Wow-Momente: Sogar die stilvollen Gänge des Hotels mit 90 Zimmer und Suiten taugen als Fotokulisse.

Marmorstein und Eisen bricht, nur diese Fotoset-Liebe nicht! Die Fotografen Tanja Zurbrügg und Simon Kurt inszenieren Marcus G. Lindner im Eingangs­bereich des Luxushotels.

Sechs-Augen-Prinzip: Zeitschriften­ verlagsleiter Dyami Häfliger und das Foto-Team beraten in der Showküche, wie der Titelmann unter den DesignLampen am besten zur Geltung kommt.


NE W S & HI GHL I GH T S

ÜBER STOCK UND BERNER PFLASTERSTEIN «Löibele» oder mit dem Fahrrad über Pflasterstein rattern, hie und da Stopps einlegen: Die neue «Bärn»-Kollektion von «L&E» ist für die Lebensweise der Hauptstädter erdacht. Aus einem nachhaltigen, wasserbasierten Mikro­ faser-Kunstleder fertigen die Ateliermitarbeitenden in Skopje die Unisex-Modelle liebevoll von Hand, nummerieren und signieren sie. lnelondon.com Fr. 549.–

DIE LACKIERTE? Das ist hier sicher nicht die Natur! Denn «Kure Bazaar» steht als Nagellack einer neuen Generation für 90% vegane Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs wie Zellstoff, Getreide, Baumwolle, Kartoffeln und Mais. Hier stimmt nicht nur die Haltung, sondern auch die splitterfreie Haltbarkeit der strahlenden Farbnuancen. pflegbar.ch

Fr. 34.90

NATURKOSMETIK:

MIT DER KRAFT EINES GANZEN

GARTENS Was heute Trend ist, ist für «Dr. Hauschka» seit 1967 Alltag: Die vitale Kraft der Natur nutzen für eine gute Selbstfürsorge – vom Reinigen, Stärken und Pflegen bis hin zum Schmücken. Im Heilpflanzengarten am Fusse der Schwäbischen Alb und auf Feldern von Partnern in aller Welt gedeihen die Kräuter und Blüten, aus denen «Dr. Hauschka» mit viel Handarbeit die kostbaren Rohstoffe für die Pflegelinien gewinnt. Dabei orientiert sich «Dr. Hauschka» am Rhythmus der Natur und verzichtet auf synthetische Beigaben wie Duft- oder Konservierungsstoffe. Wie kraftvoll diese Impulse aus wertvollen Pflanzenauszügen sind, zeigt die intensive Kur, welche die tägliche Basispflege ergänzt. Knackt man abends vor dem Zubettgehen die Ampullen auf, ist es, als würde man das Törchen zu einem Garten in voller Blüte auftun: Auszüge aus Zaubernuss sowie Madonnenlilie und Silber fördern die hauteigenen Regenerationsprozesse und helfen der Haut zurück in ihr natürliches Gleichgewicht zu finden. Dank den 28 Extraportionen Energie ist es leicht, einen strahlenden Sommerteint zu bekommen – fast so leicht wie Blümchengiessen. dr.hauschka.ch

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2 · 2021 | mis-magazin.ch

DA, RUM! Rebellen müssen nicht immer auf alles antworten – schon gar nicht auf die Frage, warum sie mal nicht mit Hochprozentigem prosten. Das Zürcher Start-up «Rebels 0.0%» hat Alternativen zu Aperitif, Gin und Rum entwickelt, die auch ohne Alkohol typisch komplexe Aromen hervorbringen. rebels00.com

Fr. 119.–

Fr. 21.50

GENAU MEIN (AB-)FALL! Die Bieler Designerin Veronica Antonucci erliest Acryl­glas-Reste in ihrer nächsten Umgebung, um daraus mittels Laserschnitt Unikate zu fertigen wie den Ohr­schmuck «Yule» in Zitronengras- und Piniengrün. vanto.ch

C(O)OLLAGE In der Nähstube von Rahel Barendregt entstehen aus Stoffresten bunte Pullover, um die sich RetroFans fetzen – schliesslich ist jeder ein Unikat! Bazaar58, Gerechtigkeitsgasse 58, Bern. bazaar58.com

Fr. 218.–


GIBTS DOCH

GARLIC!

ab Fr. 100.–

Von wegen von der Hand in den Mund – vom Mund zum Ohr! Denn lauchstiellange hat Designerin Sophie Mercedes Lardon die Methode ausgeknobelt, wie sie aus hauchdünnen Knoblauchscheiben oder Artischocken­blättern OhrschmuckUnikate kreiert. Reak­tio­nen, welche die Baslerin von schmückfreudi­ gen Geniessern erntet: Will ich (L)auch! studio.mercedes (Instagram)

PREMIUMSECONDHAND:

Foto: minutuea; Andrea Andersson

ZWEITE LIEBE MACHT SEHEND

Fr. 115.– Fr. 210.–

… SCHAFFT VERBINDUNG Einerseits verbindet der Gürtel «Lia» den Kopf-Herz-Bereich mit den Füssen, andererseits Stil­sicherheit mit Nachhaltigkeit. Denn das cognacbraune Accessoire ist aus 100% pflanzlich gegerbtem Leder gefertigt von hiesigen Rot­hirschen, die zur Bestands­ regulation erlegt wurden. cervovolante.com

RUNDREISE UM … … das Handgelenk – dazu laden die Schwestern Natalie und Julie Samuel mit ihrer «Watch Bag» aus Ananasleder ein. Multifunktio­nal tragbar, macht sie auch gerne einen Abstecher zum Gürtel oder einen Alleingang als Münz-Porte ­-monnaie. lessoeursboa.com

Liebe macht blind, heisst es. Doch bei einer zweiten Liebe, wie sie erlesene SecondhandStücke entfachen, verhält es sich gerade andersrum: Sie macht sehend, weil sie einen erkennen lässt, wie viele noch liebenswürdige Schätze der Altkleidertonne geweiht sind und wie nachhaltig es ist, deren Lebenszyklus zu ver­ längern. Kleidung neu 1 zu produzieren, bedeutet schliesslich auch immer eine Belastung für die Umwelt. Lange bevor Beobachter dem Secondhand-Geschäft einen Zuwachs prognostizierten – auch bedingt durch die zunehmende Sensibilisierung der Gesellschaft auf «Slow Fashion» – erkannte Eva Moesch das Potenzial. Schon vor vierzehn Jahren eröffnete sie ihre Secondhand-Boutique «Courage», in der es wählerisch und nie wühlerisch hergeht: Die Bernerin mit Zugang zu exklusiven Kleiderschränken kuratiert ausschliesslich Klassiker und Kultstücke von Luxuslabels wie Hermès, Fendi, Prada, Burberry oder Louis Vuitton. Nicht selten betritt eine Schatzsucherin den Laden mit flachen Flip-Flops – und verlässt ihn mit hochhackigen «Louboutines», die nicht aussehen wie von «zweitem Fuss», sondern: so gut wie neu. Courage, Seftigenstrasse 34, Bern. courage-bern.ch

1 Boutique-Inhaberin Eva Moesch hat ein Händchen für vorgeliebte Highend-Mode.

mis-magazin.ch | 2 · 2021

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A NEW SENSE OF TIME.

Kramgasse 21, 3011 Bern – www.uhrsachen.ch


NE W S & HI GHL I GH T S

DER APFEL GEFÄLLT …

Aus Äpfeln gemacht: Portemon­naie «Carola» aus wasser­abweisendem, strapazierfähigem «Apple Peel», handgefertigt in einer Florentiner Manufaktur. (Fr. 145.–) sohotree.ch

… auch weit vom Stamm: Wie die Brüder Lucas und Claudius Knecht aus Überresten der Mostproduktion lederartige Mode­ accessoires fertigen. TEXT DANIELA DAMBACH | FOTO ZVG

Woran man beim Biss in einen knackigen Apfel denkt? An den Doktor, der dank täglichem Genuss von Gravensteiner und Co. sprichwörtlich hinfällig sei, an Vitamine, an den Apfelüberrest, für den es in jedem Kaff einen eigenen Begriff gibt. An all das, aber bestimmt nicht an: Leder! Das ändert sich pfeilschnell mit den Accessoires von «Sohotree»: Sie bestehen aus Apfelleder, sogenanntes «ApplePeel», auf das die Gebrüder Knecht bei ihren Recherchen zu Lederalternativen stiessen. Der Groschen fiel vor rund drei Jahren, als Lucas Knecht sich in Florenz in einem Fachgeschäft inmitten von Ledersachen wiederfand und ins Grübeln geriet: Das vermeintliche Naturprodukt ist mit Chemikalien behandelt, die Herkunft der Häute ist

intransparent und Leder hat wie Fleisch eine miserable Ökobilanz – gar nicht zu reden vom Leid der Tiere, die für ihre Haut ihr Leben lassen. Der innerliche Apell führte zum Apfel: Die Brüder machten eine Methode ausfindig, bei der sich getrocknete Stängel, Kerne und Schalen von Äpfeln aus dem italienischen Südtirol zu einem lederartigen Material verarbeiten lassen. Diese überschüssigen Nebenprodukte der Mostproduktion werden zu einem mehlfeinen Granulat zermahlen und mit biologischem Kunststoffersatz gemischt, sodass eine klebrige Masse entsteht, die auf eine recycelte Baumwollmatte aufgetragen und geprägt wird. «Der Vorteil ist, dass dieser pflanzliche Rohstoff in rauen Mengen verfügbar ist», erklärt Lucas Knecht. «Das ist ein Voraussetzung für das Erreichen des Ziels, dass veganes Leder keine Alternative mehr ist, sondern die Norm.» Vergangenes Jahr ging die erste Kollektion an Kleinaccessoires der findigen Jungunternehmer – sie führen auch eine Miet-Plattform für Luxusuhren und eine Web-Agentur – weg wie heiss frittierte, in Vanillesauce schwimmende Apfelringe an einem nasskalten Sonntag. Sich im Schatten eines Apfelbaums ausruhen wollen die Zürcher nicht: Sie pflegen ihr Sortiment an Portemonnaies, Necessaires und Handyhüllen weiter – und hegen Pläne für Rucksäcke und Turnschuhe aus dem ökologisch appetitlicheren Leder. mis-magazin.ch | 2 · 2021

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