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Schifffahrt (Vorschau)

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Dr. Jürg Meister (Hrsg.)

Erich Liechti

Die Geschichte der Schifffahrt auf dem Thunerund Brienzersee

Erich Liechti

Dr. Jürg Meister (Hrsg.)

Das vorliegende Werk will mit aktualisierten Texten und sehr vielen neuen, meist unbekannten und nie publizierten Bildern die Flotte von Thuner- und Brienzersee sorgsam, aber auch unterhaltend porträtieren. Neben den klassischen Schiffsbildern vermitteln historische und aktuelle Aufnahmen aus den Innenräumen und Bordszenen aus der Zeit seit 1835 die faszinierende Atmosphäre der Schifffahrt. Pläne und Rekonstruktionen, diverse davon besonders wertvoll, ergänzen die Fotografien bei jedem Schiff. Die auch für jede Einheit mit viel Aufwand wieder neu recherchierten technischen Daten bilden einen weiteren festen Bestandteil des Werks.

Die Geschichte der Schifffahrt auf dem Thuner- und Brienzersee

DIE GESCHICHTE DER SCHIFFFAHRT AUF DEM THUNER- UND BRIENZERSEE

neutral Drucksache

ISBN 978-3-03818-340-2

No. 01-12-409142 – www.myclimate.org © myclimate – The Climate Protection Partnership

Werd & Weber Verlag AG, CH-3645 Thun / Gwatt www.weberverlag.ch

umschlag.indd Alle Seiten

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Thunersee

Bild: Samuel Krähenbühl

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NR. 1 RADDAMPFSCHIFF «BELLEVUE», SPÄTER «FAULHORN»

Nr. 1 Raddampfschiff «Bellevue», später «Faulhorn» Baufirma des Schiffkörpers

Cavé, Paris (Faubourg St-Denis)

Länge über Perpendikel

ca. 30,50 m*

(100’)

Länge insgesamt (auch bewegliche Teile)

ca. 39,50 m*

(130’)

Breite im Hauptspant

ca. 4,10 m

(13½’)

Breite über alles

ca. 7,62 m

(25’)

Seitenhöhe

ca. 2,14 m

(7’)

Mittlerer Tiefgang leer

ca. 0,76 m

(2½’)

Mittlerer Tiefgang beladen

?

Anzahl Schotten

?

Hersteller der Maschine Maschinenbauart

Cavé, Paris Stehende Niederdruck-Balancieranlage mit zwei Zylindern

Kolbenhub

?

Kolbendurchmesser

?

Leistung

Kesselhersteller Anzahl Kessel x Flammrohre Betriebsdruck Durchschnittl. Brennstoffverbrauch Druckkreisdurchmesser der Räder Anzahl Schaufeln Höhe x Länge der Schaufeln Durchschnittliche Probefahrts-Vmax Leerverdrängung Tragkraft Besatzung

16 PSnom (ca. 65 PSi) 1. Kessel:

2. Kessel, 1847:

Cavé, Paris

Escher Wyss & Cie

2×?

2×?

½ atü 1½ Klafter Holz für 38 km ? 10, Holz beweglich ? 19,3 km/h ? 200 Personen ?

* Die Längenangaben für die «Bellevue» sind widersprüchlich. Am sichersten erscheint uns das für den Transport auf den Brienzersee offiziell festgehaltene Mass von 130 Fuss, gerechnet über sämtliche (d. h. auch die beweglichen) Schiffsteile wie Bugspriet und Heckflaggenstock.

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NR. 1 RADDAMPFSCHIFF «BELLEVUE», SPÄTER «FAULHORN»

1834

ie von den Gebrüdern Knechtenhofer in Thun ins Leben gerufene AktiengeD sellschaft für die Einführung einer Schiffsverbindung zwischen Thun und Neuhaus bestellt, wohl durch die Vermittlung des Mitaktionärs Philippe Suchard, bei der Maschinenfabrik Cavé in Paris ein eisernes Dampfschiff in ähnlicher Ausführung wie das DS «lndustriel» auf dem Neuenburgersee. Die beweglichen Schaufeln waren eine Spezialität von François Cavé (1794–1875), der ein eigenes System geschaffen hatte, kurz bevor William Morgan ein anderes Konzept entwickelte, das bis heute in perfektionierten Formen weiterlebt.

1835

in Fuhrwerk mit letzten Bauteilen verlässt den Faubourg Saint-Denis bei Paris E am 26. Juni. Da offensichtlich grössere Komponenten und die Maschinen- und Kesselanlagen schon vorher spediert worden sind, ist es unter Aufbietung aller Kräfte möglich, das Schiff in Thun-Hofstetten sehr rasch zusammenzubauen: Bereits am 26. Juli findet nämlich der vielbestaunte Stapellauf und fünf Tage später, also am 31. Juli, die umjubelte Jungfernfahrt statt. Bereits im ersten Jahr sind 77 Einsatztage zu verzeichnen. Fest steht zudem, dass die berühmte, heute im Schlossmuseum Thun noch zu besichtigende (ursprünglich pedalbetriebene) Trompetenmechanik von allem Anfang an auf dem Schiff aufgestellt war.

1836

egelmässiger Fahrplandienst vom 15. Mai bis 15. Oktober. Das Schiff legt in R diesem Jahr 13’480 km zurück und befördert dabei 24’657 Personen.

1837

DS «Bellevue» erhält am 15. Mai das Monopol der Postbeförderung.

1843

I m Hinblick auf die zu erwartende Indienststellung des neuen DS «Niesen» wird die «Bellevue» im Januar auf dem Landweg auf den Brienzersee verbracht. Ein an sich logisch erscheinender Transport auf der weitestgehend noch natürlich fliessenden Aare wurde nach längerem Hin und Her verworfen. Das Schiff wird im Frühjahr sozusagen unverändert auf dem oberen See in Betrieb gesetzt; es trägt nun den Namen «Faulhorn».

1843–1856 Im Dienst auf dem Brienzersee: siehe Schiffslebenslauf Nr. 102. 1857

ach dem Beschluss, das DS «Faulhorn» wieder nach Thun zu transferieren, N wird es dort auf Stapel genau untersucht.

1857/58

er Transport und der anschliessende Stapelgang finden in diesem Winter D statt. Nach Erneuerung des Holzbaus wird entschieden, das Schiff als Reserve voll betriebstüchtig zu erhalten. Für die Sommermonate wird der Einsatz als Güterschiff erwogen.

1858/59

Als Winterschiff

im Jahr 1858 an 131 Tagen und 1859 an 142 Tagen auf dem Thunersee im Einsatz. 25

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NR. 1 RADDAMPFSCHIFF «BELLEVUE», SPÄTER «FAULHORN»

1860

weitere Verwendung als Passagierschiff wird untragbar – die Antriebselemente werden zur Versteigerung ausgeschrieben. Ein Mechaniker Aeschlimann aus Thun ersteigert am 28. Mai Kessel und Maschine für 900 Fr. Die Aggregate werden wahrscheinlich in seiner Werkstätte weiterverwendet. Am 19. November beschliesst der VR, die Schale des «Faulhorn» als Schleppschiff zu verwenden und entsprechend anzupassen.

1861

Die

1863

Reparatur

1864

Am

2. April kurz nach Mittag wird auf der Kursfahrt Thun ab 11.55 Uhr ein aus dem schleppenden «Neptun» und den Kähnen «Helvetia» und «Faulhorn» bestehender Konvoi vor Oberhofen von einem äusserst heftigen Sturm überrascht. Die Wellen bringen die zuhinterst eingereihte «Faulhorn» zufolge ihrer Topplastigkeit – die Ladung lag auf dem Deck des sonst leeren Schiffes – ins Rollen, wodurch die Deckladung verrutschte und das Schiff danach in kürzester Zeit kenterte. Glücklicherweise kann die Schleppverbindung hinter der «Helvetia» gekappt werden, so dass wenigstens die beiden vorderen Boote nicht in zusätzliche Gefahr geraten. Entschlossene Retter aus Oberhofen können zwei Matrosen und einen Teil der Fracht (Wein, Öl, Kaffee, Seife) in Sicherheit bringen. Die wichtigste Ladung, nämlich 330 Fässer und Säcke Salz, versinken in den Fluten, wofür der Kanton Bern als Inhaber des Salzregals einen Schadenersatz von 1186,35 Fr. einfordert. Leider findet auch Steuermann Glatthard den Tod in den Fluten.

Seither

Das Wrack der «Bellevue»/«Faulhorn» liegt heute noch in 120 Metern Tiefe und ist nach zahlreichen Versuchen am 27. Juli 2002 geortet worden. Die zugänglich gewordenen Bildfragmente zeigen nur kleine Teile des Schiffs, so bspw. die Stelle, wo das Bugspriet beim Umbau zum Schleppschiff abgesägt wurde.

Die

Pfahlgruppe in der Aare wird zum Liegeplatz des Schleppschiffes erklärt. von Schale und Holzbau.

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Zu den Fahrzeiten der «Bellevue» gab es praktisch noch keine Fotografie; die Bilddarstellungen des ersten Thunersee-Schiffes waren demnach etwa Kupferstiche, Lithografien oder Ölgemälde, deren Détailtreue meistens eher bescheiden war. Diese bekannte Aquatinta von Heinrich Siegfried vermittelt einen guten Einblick ins Aarebecken und eine etwas pauschalierte Wiedergabe des Dampfers. Sammlung J. Meister

Oberst Luternau, Kommandant der Eidg. Central-Militärschule in Thun, hat in seiner Freizeit einige recht präzise Tuschezeichnungen der «Bellevue» angefertigt. Hier das Schiff von achtern mit dem typischen Kugelheck. Gut sichtbar auch das gegen aussen nicht abgedeckte Schaufelrad. Sammlung E. Liechti

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Ebenfalls von Luternau die gut nachempfundene «Bellevue» in einer idyllischen Szene. Stadtarchiv Thun, SAT_3_16_S_15-17

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Aktualisierte Rekonstruktionszeichnung von Erich Liechti. Erich Liechti

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NR. 2 RADDAMPFSCHIFF «HELVETIA» I

Nr. 2 Raddampfschiff «Helvetia» I (im Volksmund gelegentlich «Schiff Matti» genannt) Baufirma des Schiffkörpers

Ateliers Le Normand, Le Havre

Länge über Perpendikel

20,80 m

(64 frz. ’)

Länge insgesamt (auch bewegl. Teile)

22,00 m

(ca.)

Breite im Hauptspant

2,93 m

(9 frz. ’)

Breite über alles

5,80 m

(ca.)

Seitenhöhe

2,00 m

(ca.)

Mittlerer Tiefgang leer

?

Mittlerer Tiefgang beladen

?

Anzahl Schotten

?

Hersteller der Maschine Maschinenbauart

Wahrscheinlich Maudslay, London Stehend oszillierende Niederdruckanlage

Kolbenhub

?

Kolbendurchmesser

?

Leistung Kesselhersteller Anzahl Kessel x Flammrohre Betriebsdruck

8 PSnom (ca. 35 PSi) Maudslay, London (?) 1×? Niederdruck

Durchschnittl. Brennstoffverbrauch

?

Druckkreisdurchmesser der Räder

?

Anzahl Schaufeln

?

Höhe x Länge der Schaufeln

?

Durchschnittl. Probefahrts-Vmax

?

Leerverdrängung

?

Tragkraft Besatzung

100 Personen ?

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NR. 2 RADDAMPFSCHIFF «HELVETIA» I

1838–1843 Im Dienst auf dem Brienzersee: siehe Schiffslebenslauf Nr. 101. 1843

ach dem Transfer der «Bellevue» auf den Brienzersee versetzt der in Vevey N garnisonierte Dragoner-Offizier und Weinhändler D. G. Matti sein DS «Giessbach» sofort auf den unteren See. Unter dem neuen Namen «Helvetia» nimmt das Boot seinen Thunersee-Dienst am 9. Mai auf.

1845

I n der Thuner Zeitung wird am 12. August bekannt gemacht, dass das Schiff, durch Escher-Wyss vollkommen erneuert, seine Fahrten wieder aufnimmt. Die vorgenommenen Arbeiten sind unbekannt.

1846

m 22. Juni tritt Matti sein Schiff der DGTB für 27’500 Fr. ab. Der Name des BooA tes bleibt weiterhin «Helvetia».

1851

ie «Helvetia» soll sich gemäss Protokollen in gutem Zustand befinden. Auf D beiden Seiten des Schiffes werden nicht näher definierte «Verstärkungen» angebracht, «um das starke Schwanken des Schiffes fast gänzlich zu beseitigen». Neuer Anstrich.

1853

eue Niedergänge in die Kajüten und neue Handläufe. Der Zustand von Decks N und Radkastenbalken wird bemängelt.

1854

Das Holzwerk wird wie angekündigt repariert. Neuer Anstrich.

1855

ie «Helvetia» ist zeitweise ausser Dienst – die Weiterverwendung des Bootes D wird offengelassen. Im VR wird von einem Neubau und von einer Versetzung des DS «Niesen» auf den Brienzersee gesprochen. Gegen Jahresende wird die «Helvetia» auf Stapel gezogen – die Inspektion ergibt alarmierende Befunde. Es wird erwogen, die von Rost zerfressene Schale gegebenenfalls als Schleppschiff weiterzuverwenden.

1856

ie Schale wird tatsächlich zum behelfsmässigen Schleppschiff umgebaut und D einem Herrn Ritschard in Brienz für jährlich 2000 Fr. vermietet. Maschine und Kessel sind noch unverkauft.

1857

er Mietvertrag mit Ritschard wird auf den 1. Juli gekündigt. Im November D gelingt es, Kessel und Maschine an die so genannte «Entsumpfungs-Direktion» zu verkaufen – Preis 3200 Fr. Die genannte Institution will mit den erworbenen Teilen einen Dampfbagger erbauen.

1858

Die «Helvetia»-Schale wird als schwimmendes Torfmagazin verwendet.

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Die von D. G. Matti vom Genfersee für den Brienzersee gekaufte und bald einmal auf den Thunersee überstellte «Helvetia» in einem aktualisierten Modell von Erich Liechti.

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