Heinz Amstad / Jürg Meister
Die Geschichte der Schifffahrt auf den Zuger Seen
Heinz Amstad / Jürg Meister
Die Geschichte der Schifffahrt auf den Zuger Seen
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Impressum Alle Angaben in diesem Buch wurden von den Autoren nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und von ihnen und dem Verlag mit Sorgfalt geprüft. Inhaltliche Fehler sind dennoch nicht auszuschliessen. Daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autor/Autorin noch Verlag übernehmen Verantwortung für etwaige Unstimmigkeiten. Alle Rechte vorbehalten, einschliesslich derjenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wiedergabe. © 2026 Weber Verlag AG, 3645 Thun/Gwatt Autoren: Heinz Amstad, Jürg Meister Bild Backcover: A. Busslinger Weber Verlag AG Verlagsleitung: Annette Weber-Hadorn Projektleitung: Samuel Krähenbühl Satz: Shana Hirschi, Ian Tim von Känel Bildbearbeitung: Shana Hirschi, Ian Tim von Känel ISBN 978-3-03818-818-6 www.weberverlag.ch mail@weberverlag.ch inem Der Weber Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit e Strukturbeitrag für die Jahre 2026–2028 unterstützt. Auslieferung EU Brockhaus Commission GmbH Postfach 1220 D-70803 Kornwestheim info@brocom.de
Heinz Amstad / Jürg Meister
Die Geschichte der Schifffahrt auf den Zuger Seen
Inhaltsverzeichnis
Wo Wasser Geschichte schreibt 6 Zukunft braucht Herkunft 8 Vorbemerkungen der Autoren 10 Ein Dankeswort 14 Vorwort zum Inhalt 16 Zugersee Die Schifffahrt auf dem Zugersee vor 1852 24 1852 bis 1896: Der Berg Rigi ruft und die Boomjahre 30 1897 bis 1977: Die Schifffahrt dient der Naherholung der Zuger Bevölkerung 40 1978 bis heute – Erlebnisschifffahrt 58 Zugersee-Flotte im Laufe der Zeit 76 Nr. 1 Raddampfschiff Rigi (I) Nr. 2 Raddampfschiff Stadt Zug Nr. 3 Raddampfschiff Helvetia Nr. 4 Schraubendampfer, später Motorschiff Rigi (II) Nr. 5 Motorschiff Schwan (I) Nr. 6 Motorschiff Schwyz (I) Nr. 7 Motorschiff Zug (I) Nr. 8 Motorschiff Rigi (III) Nr. 9 Motorschiff Schwyz (II) Nr. 10 Motorschiff Schwan (II) Nr. 11 Motorschiff Zug (II) Nr. 21 Motorschiff Dornröschen Nr. 31 Motorboot Titan (I) Nr. 32 Motorboot Titan II Nr. 33 Motorboot Titan III Nr. 34 Motorschiff Titan (IV) Nr. 41 Nauen Winkelried (II) Nr. 51 Motorschiff Yellow
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78 86 102 112 146 160 176 198 216 232 248 260 270 274 278 282 290 296
Inhaltsverzeichnis
Ägerisee Schifffahrt vor 1890 auf dem Ägerisee 1890 bis 1928: Euphorischer Start mit bitterem Ende 1929 bis 1972 mit dem Motorbootbetrieb Nussbaumer 1972 bis heute: Der Weg zur Professionalisierung Ägerisee-Flotte im Laufe der Zeit
306 312 324 334 348
Nr. 101 Schraubendampfer Morgarten (I) (zwischenzeitlich Benzin-Motorschiff) Nr. 101 Motorschiff Morgarten (I) Nr. 102 Motorschiff Morgarten (II) Nr. 103 Motorboot Morgarten (III ex Annemarie) Nr. 104 Motorboot Josy (ex Basilea) Nr. 105 Motorboot Aegeri Nr. 106 Motorschiff Victory Nr. 107 Motorschiff Ägerisee
350 351 364 376 386 390 400 410
Endnoten 424 Fazit 432 Abkürzungen 433 Quellenverzeichnis und Archiverschliessung 434 Sponsoren 440
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Wo Wasser Geschichte schreibt
Dr. Ernst Guggisberg, Staatsarchivar Kanton Zug 1 Die Geschichte der Schifffahrt auf dem Zuger- und Ägerisee ist mehr als die Chronik der 1852 aufkommenden Dampfschifffahrtsgesellschaften, deren Schiffstypen und Anlegestellen. Sie erzählt von den Menschen, die seit Jahrhunderten am, mit und um die für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung des heutigen Kantons Zug prägenden Seen leben. Diese Geschichte am Wasser war allerdings oft weniger ruhig, als es die idyllische Ansicht des Landschaftsmalers Thomas Anton Wickart (1798–1876) vermuten lässt, der den Blick auf Schloss Buonas auf der bewaldeten «Buchennase» im Zugersee um 1835 schweifen lässt.2
Foto S. Trümpler
Das vorliegende Buch eröffnet einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte der touristischen und verkehrstechnischen Nutzung dieser beiden Gewässer im Wechselspiel mit dem Ausbau der Eisenbahnlinien im 19. Jahrhundert, der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen. Rund um die beiden Seen reicht die Beziehung zwischen Mensch und Wasser jedoch weit tiefer zurück. Die prähistorischen Pfahlbausiedlungen entlang des Ufers zeugen davon, dass die Seen schon seit Jahrtausenden als Lebens- und Verkehrsraum genutzt und mit Nauen, Nachen und Einbäumen befahren wurden. Besonders der Zugersee ist seit Jahrhunderten auch Schauplatz einschneidender historischer Ereignisse: Sei es die Katastrophe von 1435, als die Häuserreihe an der sogenannten Untergasse von Zug abbrach und im Wasser versank; sei es die pionierhafte «Absenkung des Zugersees» durch den Zuger Stadtbaumeister Jost Knopfli (1550/52–1634) in den Jahren 1591/92,
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wodurch der Weg zwischen Cham und Zug vor Überschwemmung geschützt und durch die Senkung des Seespiegels neues Kulturland gewonnen werden sollte. Der Eingriff veränderte den Ufersaum nachhaltig und führte gleichzeitig leider auch zu Rutschungen und Schäden entlang desselben. Oder sei es die Vorstadtkatastrophe von 1887, die eindrücklich vor Augen führte, wie eng Natur, Technik und menschliches Handeln miteinander verflochten sind. Die Ereignisse offenbaren, dass die Seen weit mehr als pittoreske Schönheiten touristischer Erholung waren. Mit Quellenzeugnissen aus zugerischen Erinnerungsinstitutionen sowie persönlichen Geschichten zeichnen die beiden Hauptautoren und weitere Mitwirkende ein lebendiges Panorama der Zugersee- und der Ägeri-
see-Schifffahrt in ihren regionalpolitischen und -wirtschaftlichen Bezügen nach. Sie vermögen sichtbar zu machen, wie eng die Entwicklung der Schifffahrt mit der Geschichte des Kantons Zug verbunden ist – und wie die beiden Seen bis heute Menschen, Orte und Generationen prägen und miteinander verbinden.
Thomas Anton Wickart (1798–1876): Blick auf Schloss Buonas, um 1835 StA Zug K 1.1.2.25
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Zukunft braucht Herkunft
Philipp Hofmann, Geschäftsführer der Zugersee- und Ägerisee-Schifffahrt 1 «Zukunft braucht Herkunft.» Dieser Satz begleitet mich, seit ich für die Schifffahrt auf dem Zuger- und dem Ägerisee Verantwortung tragen darf. Das vorliegende Buch erzählt, woher wir kommen – von den ersten Dampfschiffen, von Stegen und Routen, vor allem aber von den Menschen, die den beiden Seen seit Generationen ihr Leben und ihre Arbeit anvertraut haben. Wer dieses Erbe kennt, spürt, welch kostbares Gut uns überantwortet ist.
Foto J. Weibel
Aus diesem Wissen erwächst beides: Stolz und Verpflichtung. Stolz, eine über 170-jährige Tradition fortzuführen, die weit mehr ist als das Befördern von Fahrgästen. Und die Verpflichtung, die Schifffahrt auch in Zukunft erfolgreich, verlässlich und nahe bei den Menschen zu betreiben. Denn in dieser wunderbaren Gegend leistet sie etwas zutiefst Verbindendes: Sie eröffnet allen den freien Zugang zum See – zur Weite des Wassers, zu Ausblicken, die man vom Ufer aus nie erlebt, zur eigenen Heimat aus einer neuen Perspektive. Verpflichtung heisst für uns auch, vorauszudenken. Wir arbeiten aktiv daran, die Schifffahrt in ihre nächste Phase zu führen und Schritt für Schritt vom Diesel auf alternative Antriebe umzustellen. Den ersten Schritt haben wir auf dem Ägerisee bereits erfolgreich getan: Dort verkehrt heute mit dem MS Ägerisee ein elektrisch betriebenes Kursschiff – leise, sauber und im Einklang mit der Lieblichkeit dieses Bergsees. Was hier gelingt, weist den Weg für morgen. Zugleich kennen wir unseren Platz. Der Zugersee liegt geografisch eingebettet zwischen dem Vier-
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Zukunft braucht Herkunft
waldstättersee und dem Zürichsee in einer Region mit bewusst moderatem Tourismusaufkommen. Wir müssen nicht die grössten sein – wir wollen die feinsten sein. Deshalb setzen wir auf eine klare Positionierung: erstklassige Gastronomie an Bord, verbunden mit der Ruhe und Schönheit unserer Seen. Eine Fahrt soll zum Erlebnis werden – kulinarisch, landschaftlich und menschlich. Genau darin liegt unsere Stärke: nicht in der Masse, sondern in der Qualität jeder einzelnen Begegnung auf dem Wasser.
Philipp Hofmann: «Wir setzen auf erstklassige Gastronomie, verbunden mit der Ruhe und Schönheit unserer Seen.» Foto: SGZ
Ich danke allen, die dieses Buch ermöglicht haben, und allen, die unsere Schifffahrt Tag für Tag tragen. Möge die Lektüre Sie ebenso begeistern, wie es uns erfüllt, dieses Erbe in eine gute Zukunft zu steuern.
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Vorbemerkungen der Autoren
Der vorliegende Band unterscheidet sich in mancher Hinsicht von den vorangehenden Publikationen des Weber Verlags zum Thema Schifffahrt. Wohl bilden die klassischen Schiffsporträts einen zentralen Teil dieser Arbeit, aber der Rahmen ist dieses Mal weiter gefasst: Die geschichtlichen Hintergründe werden stärker gewichtet und in regionalwirtschaftliche und auch regionalpolitische Zusammenhänge gestellt. Diese ehrgeizige Zielsetzung konnte sich nur in sehr kleinem Umfange auf vorbestehende Literatur abstützen, sondern musste durch intensive Quellenarbeit in Archiven, Institutionen und auch Schlüsselpersonen erarbeitet werden. So sind zahllose Stunden im Staatsarchiv Zug angefallen, aber auch in der Stadtbibliothek Zug und im Archiv der Gemeinde Oberägeri. Dank der minutiösen Repro-Arbeit von Dr. Beat Zumstein, Basel, konnten wir überdies wichtige Bestände aus dem Bundesarchiv in Bern in die Arbeit einbeziehen. Auch die von den Herren Horlacher und Zumstein vorbildlich erarbeiteten Erkenntnisse aus dem EscherWyss-Bestand in der Stadtbibliothek Zürich haben manche Unsicherheiten in Gewissheiten verwandelt. Das vorliegende Buch kann in diesem Sinne als weitestgehend «bottom-up» erarbeitet gelten. Da sich manche Entwicklungen im Zugerland aus persönlichen Initiativen oder unter der Schirmherrschaft von Notabeln und prägenden Persönlichkeiten abgespielt haben, kommt dieser Band streckenweise personenbezogener daher als die bisherigen Schiffspublikationen. Aber auch das Alltagsleben rund um die beiden Seen ist von lebendigen Figuren, Männern und Frauen in unterschiedlichsten Situationen, aber auch von Originalen und Aussenseitern belebt, was die Texte da und dort lebendiger, farbiger und fassbarer macht.
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Bildersprache und Auswahl Die Bildauswahl gestaltete sich nicht einfach. Zunächst aus dem eher simplen Grund, dass das Zugerland zu keiner Zeit im Brennpunkt der Bildautoren verschiedenster Prägung stand: die Auswahl war grundsätzlich – und vor allem im Quervergleich mit touristisch prominenteren Seelandschaften – eher bescheiden. Auch haben die zur Diskussion stehenden Schiffe, vor allem in den frühen Epochen, kaum eine hinreichende immanente Ausstrahlung gehabt, welche die Fotografen von nah und fern in Scharen hergelockt hätte. Immerhin ist es weitgehend gelungen, jedes beschriebene Schiff einigermassen vollständig über seine Betriebszeit hinweg bildlich zu dokumentieren. Bei der Auswahl galt das Prinzip der Priorität des Dokumentationswertes. KI-generierte Bilder und Texte haben auch in der Fachliteratur Einzug gehalten. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Erstellung des Texts kein Ergebnis von KI-Aktivitäten ist. Das im Original schwarzweisse Titelbild wurde von Sonja Berger, Graphikerin des Weber Verlags, in Koordination mit den Autoren koloriert und bearbeitet.
Zitate und Quellenhinweise Neu in der hiesigen Schifffahrtsliteratur ist ein gewisser Umfang von Quellenhinweisen und Erläuterungen. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass diese Veröffentlichung zur Zuger Kantonsgeschichte gehören wird, wo letztlich eine wissenschaftliche Vorgehensweise und Niederschrift erwartet wird. Da der strikt akademische Zitatenapparat aber in der Regel für den Durchschnittsleser eher abschre-
Vorbemerkungen der Autoren
ckend wirkt und die Lesefreude trüben kann, mussten wir einen Mittelweg finden. Dieser liegt darin, dass wir erstens abgekürzte Quellenverweise verwenden und zweitens diese nur da anwenden, wo dies geboten erscheint. Mit Zitaten überfüllte Druckseiten enthält diese Arbeit schon deshalb nicht, weil diese in ihrer Ausformulierung je in einem kapitelweisen Anhang abgelegt sind.
Schreibweise von Schiffsnamen Man findet in der deutschsprachigen Schiffsliteratur verschiedene Schreibweisen von Schiffsnamen und Artikelbezeichnungen für Schiffe vor. Schwören einige Autoren auf Versalien, sind andere davon überzeugt, Schiffsnamen seien in fetter Schrift (bold) oder schräggestellt (kursiv) hervorzuheben.
In Absprache mit dem Verlag halten wir uns diesbezüglich an die Regeln nach Duden.
«Das Buch verbindet klassische Schiffsporträts mit regionaler Geschichte, prägenden Persönlichkeiten und dem Leben rund um die beiden Seen.»
Herbst zieht ins Land – das Zuger Seebecken ist der Heimathafen der Zugersee-Schiffe Foto: A. Busslinger
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Vorbemerkungen der Autoren
Danach bezieht sich der Artikel stets auf das nachfolgende Nomen (das MS Rigi, der Raddampfer Stadt Zug, das Motorboot Aegeri) – und dies ohne Anführungszeichen. Gibt es verschiedene Schiffe mit dem gleichen Namen, so zeichnen wir die Spezifikation mit römischen Ziffern in Klammern aus – z. B. MS Zug (II).
«Das vorliegende Buch kann in diesem Sinne als weitestgehend «bottom-up» erarbeitet gelten.»
Fehlt ein Nomen vor dem Schiffsnamen, so ist das Schiff in der deutschen1 Sprache weiblich (die «Rigi», die «Ägerisee», die «Zug»). Hier sind Anführungszeichen vorgesehen, damit es keine Verwechslung mit dem ursprünglichen Begriff gibt. (Wir kamen von der Rigi her und bestiegen die «Rigi» in Arth, um nach Zug zu fahren.) Gibt es verschiedene Schiffe mit dem gleichen Namen, so setzen wir die römische Nummerierung ausserhalb der Anführungszeichen (z. B. die Renovation der «Schwan» II).
Co-Autorenschaft Neu ist aber auch die doppelte Autorenschaft. Diese hat sich sehr gut bewährt und ruht auf einer pragmatisch-freundschaftlichen Zusammenarbeit, technisch realisiert durch eine gemeinsame, beidseits über Google Drive jederzeit zugängliche Dokumentation und letztlich ein integriertes Manuskript. Ganz grob bestand eine undogmatische Arbeitsteilung in dem Sinne, dass sich Jürg Meister schwerpunktmässig um die Schiffe selbst kümmerte, während Heinz Amstad das integrale Projektmanagement, den ganzen geschichtlichen Teil und die Aussenkontakte betreute. Die jeweiligen daraus resultierenden Texte, Legenden und Darstellungen wurden wechselseitig auf Herz und Nieren geprüft, sodass im Endeffekt ein homogenes Buch entstanden ist.
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Oben: Sie tragen die Hauptlast des Zugersee-Verkehrs: MS Rigi (links) und MS Zug vor der gleichnamigen Stadt. Foto: A. Busslinger
Unten: Es liegen zwar bloss elf Schiffbaujahre dazwischen, aber die Unterschiede sind sicht- und spürbar: MS Zug 2003 erbaut, MS Rigi 1992. Foto: A. Busslinger
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Ein Dankeswort
An dieser Stelle danken wir zahlreichen Menschen, die zum Gelingen dieses Werkes beigetragen haben. Staatsarchivar Dr. Ernst Guggisberg ermöglichte uns die Archiverschliessung des Staatsarchivs Zug, unterstützt durch Kamela Wigger und Matthias Bösel. Weitere Schlüsselpersonen waren Philipp Hofmann, der uns das Privatarchiv der ZVB öffnete (integriert im Staatsarchiv Kanton Zug), Dr. Thomas Glauser vom Stadtarchiv Zug, Nadia Christen von der Zuger Dokumentation der Bibliothek Zug und Daniel Marti, Gemeindearchiv Oberägeri sowie Dr. Fabian Henggeler, Gemeindearchivar Unterägeri. Aus Unterlagen weiterer Quellenerschliessungen konnten wir Wissenswertes in das Buch einarbeiten dank Andreas Faessler, Dr. Thomas Fähndrich, Rolf Gwerder, Dr. Renato Morosoli, Dr. Stefan Hochuli, Martin Stuber und Dr. Beat Zumstein.
Für ein solch umfassendes Vorhaben braucht es nebst einem risikofreudigen Verlag und volontären Autoren auch Sponsoren, damit das Buch zahlbar auf den Büchermarkt kommt. An dieser Stelle ein Dankeschön an den Kanton Zug (SwissLos), die Stadt Zug, die Ernst Göhner Stiftung, den Kanton Schwyz, die Alice & Walter Bossard Stiftung, die Gemeinde Unterägeri, die Gemeinde Risch, Valiant, die Gemeinde Arth, die Gemeinde Küssnacht am Rigi, den Verein MS Schwan und Gastronautic. Wir empfehlen, die entsprechende Zusammenstellung im Anhang zu beachten.
Die Oral History ermöglichte es uns, aus gezielten Interviews und Gesprächen, von Zeitzeugen Zusammenhänge zu klären und Lücken zu schliessen. Ein Dankeschön an: Hugo Berchtold (Steinhausen), Esther Enzler (Oberwil), Hans, Josefine und Sonja Meier (Alosen), Patrik Nussbaumer (Oberägeri) und Martin Weiss (Küssnacht).
«Für ein solch umfassendes Vorhaben braucht es eine vielfältige Unterstützung.»
Die breit abgestützte Fotosammlung der beiden Autoren konnte verdankenswerterweise ergänzt werden durch Bilder aus den Sammlungen von Ernst Bieri, Markus Fröhlich, Robert Horlacher, Kurt Hunziker, Robert Knöpfel, Lukas Reimann, Ernst Mischler und Xaver Schön. Ausserdem konnten wir als Erste dank dem Stadtarchiv Zug auf das umfangreiche Fotoarchiv von Rupy Enzler zugreifen; der «rasende» Radio- und Zeitungsreporter hinterliess rund 150 000 Bilder über den Kanton Zug.
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Vom Verlag her erfuhren wir wertvolle Unterstützung durch die Verlagsleiterin Annette Weber-Hadorn, den Projektleiter Samuel Krähenbühl sowie die Gestalterinnen Sonja Berger und Shana Hirschi. Wir danken herzlich für die wertschätzende Zusammenarbeit.
Der Zugersee vom Süden her gesehen mit Arth im Vordergrund und Walchwil am rechten Ufer, fotografiert vom Gleitschirm aus, gestartet auf der Rigi. Foto: A. Busslinger
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Vorwort zum Inhalt
Zum Zugersee Der Zugersee ist lieblich eingebettet zwischen Mittelland und Voralpen, getrennt durch die Halbinsel Chiemen. Der Fotograf Guido Besalgia äussert sich fasziniert: «An dieser Stelle teilt sich der Zugersee in zwei Welten. Nichts stört die Sicht nach Norden hinaus ins flache Mittelland. Hier zeigt sich die Landschaft als Meer. Drehen wir uns um 180 Grad nach Süden, ist der Zugersee ein Bergsee»1.
lenkette touristischer Höhepunkte Heerscharen von in- und ausländischen Gästen an. Sich in diesem Umfeld zu behaupten, hat die Zugersee-Schifffahrt seit der Eröffnung der rechtsufrigen Eisenbahn 1896 stets herausgefordert. Allen Schwierigkeiten zum Trotz: Die Zuger Bevölkerung liebt ihren Zugersee, und wenn es drauf ankommt, steht sie auch zur Schifffahrt.
Mit seiner Fläche von rund 38 km2 zählt er zu den zehn grössten Schweizer Seen, ist grösser als der Brienzersee und etwas kleiner als der Bielersee. So idyllisch die Blicke in der Horizontale über die Wasseroberfläche schweifen, so unrühmlich sieht der Zugersee in der Vertikalen aus.
Eine Schifffahrt auf dem Zugersee ist wie Ferien. Die Heimat aus neuer Perspektive betrachtend, lässt sich der Fahrgast über das Wasser gleiten, verbunden mit einer erholsamen Auszeit, einem kulinarischen Ausflug oder einer geschäftlichen Besprechung. Auswärtige Gäste sind immer wieder erstaunt über die landschaftlichen Szenerien und abwechslungsreiche Ausblicke, sei es auf die Zuger Altstadt, die Schlösser St. Andreas und Buonas, die steilen Flanken des Rigimassivs.
Ab der Hälfte bis zur tiefsten Stelle von 200 Metern hat kein Lebewesen den lebensnotwendigen Sauerstoff mehr zum Leben. Gründe sind frühere Umweltsünden, als zu viel Phosphat in den See gelangte und nun wegen der langen Verweildauer des Wassers – von über 14 Jahren – auf dem Seegrund festsitzt. Diese spezielle Durchflusssituation ist dem Zufluss Lorze zu verdanken, der bei Cham fast am gleichen Ort den See verlässt, wo er vorher vom Ägerital herkommend einfliesst. Die Zugersee-Schifffahrt hat sich zwei kräftigen Konkurrentinnen zu stellen: im Norden der Zürichsee, an dem eine Million Menschen wohnen und die Schifffahrt – eingebettet in den öffentlichen Verkehr des ZVV – nahezu ein Selbstläufer ist. Im Süden zieht der Vierwaldstättersee, ebenfalls kaum eine halbe Stunde Fahrzeit von Zug entfernt, mit einer attraktiven Schiffsflotte und einer ganzen Per-
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Was der Autor A. M. im Zuger Kalender2 von 1937 schreibt, kommt auch nach rund 90 Jahren immer noch gut an: «Wer etwas ganz Schönes im Leben geniessen will, erlaube sich eine Fahrt auf dem lieblichen Zugersee. Unwillkürlich wird man der zugerischen Dichterin Isabella Kaiser3 beistimmen müssen, die vom Zugersee gesungen hat: Und wendest du im Abschiedsleide Dein scheues Aug’ der Sonne zu, So ist im bräuterlichen Geschmeide Kein Erdensee so schön wie du.»
Vorwort zum Inhalt
Die beiden Zuger Seen sind von alters her auch Quellen des Fischfanges. Obwohl ihre Boote auch zur Schifffahrt gehören, beschränken wir uns in diesem Buch auf die Fahrgastschifffahrt. Sammlung H. Amstad, Ägerisee um 1950
Zum Ägerisee Vor 65 Jahren gab der damalige Verwaltungsratspräsident der Schifffahrtsgesellschaft Emil Weber zu Protokoll: «Hoffen und Enttäuschung, Freude und Trübsal waren seit jeher die Begleiter unseres vom Wetter abhängigen Unternehmens. Trotz diesen Faktoren schwingt die Liebe zum See unvermindert obenauf. Die ideale Einstellung der Ufergemeinden und all derjenigen, welche Jahr für Jahr den Zugersee befahren, ermuntern uns, dem Freude und Erholung spendenden Unternehmen die Treue zu halten. Möge diesem Grundsatz auch in Zukunft nachgelebt werden.»4
Der Ägerisee liegt in einem der für viele Menschen schönsten Täler der Schweiz. Die Nähe der Berge, das klare Wasser und der Blick der Wohnbevölkerung von Unter- und Oberägeri hinüber an die Flanken des Bergwaldes vom Rossberg strahlen etwas Einzigartiges aus. Oder wie sich ein Dichter um die Jahrhundertwende des 19. Jahrhunderts ausdrückte: «Lieblichkeit und Ernst charakterisieren diesen schönen Bergsee.»5 Der fünf Kilometer lange Ägerisee ist in der Tat ein Juwel. Die Wasserqualität ist hoch, sodass das Wasser seit 1992 als Trinkwasser genutzt wird. Die Ufer sind ausser ein paar Strandbädern weitgehend unverbaut. Seit je-
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Vorwort zum Inhalt
her ist der See bekannt für seinen Fischfang. 2005 waren es zum Beispiel zwölf Tonnen, wovon 6,8 Tonnen Felchen, mehr als aus dem Zugersee. Zudem bleiben Seeforellen und Rötel zahlreich in den Netzen hängen. Der Hauptzufluss des Ägerisees ist der Hüribach, sein Abfluss in Unterägeri die Lorze, die dann bei Cham in den Zugersee fliesst und von dort nordwärts beim Reussspitz in die Reuss mündet. Ein Alleinstellungsmerkmal des Ägerisees ist die letzte kommerziell genutzte Flösserei Mitteleuropas.
Der bekannte Mitte-Politiker Gerhard Pfister aus Oberägeri ist seit der Gründung der AeS AG deren Verwaltungsratspräsident. Er spricht den Bewohnerinnen und Bewohnern aus dem Herzen, wenn er sagt: «Im Ägerital verschmelzen sanfte Hügel, ein klarer See und stille Wälder zu einer Landschaft von wunderbarer Schönheit. Die Lebensqualität ist hoch. Auch wenn die Dörfer stark gewachsen sind, bleibt die Natur nahe und erlebbar. Und die ÄgeriseeSchifffahrt wird gleichermassen von der Bevölkerung wie von Besuchern sehr geschätzt.»
Zu thematischen Abgrenzungen Zu den beiden Zuger Seen gehören nicht nur Schiffe, sondern auch Menschen auf Schiffen und solche, die die Schifffahrt betreiben. Die beiden Zuger Seen stehen auch ausserhalb der Schifffahrt immer wieder im Fokus von Politik und gesellschaftlichen Themen. Besonders viel zu diskutieren gab es im Zugerland über Bojen und Bojenfelder, über die alarmierende, bereits erwähnte Phosphat-Belastung, deren Altlas-
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ten bis heute die Politik umtreiben und leider ungelöst bleiben. Geplante und versunkene Hafenanlagen sorgten öfters für Schlagzeilen. So versenkte der Orkan Lothar 1999 jene von Arth und Zug oder die Stimmbürger taten dasselbe an den Gemeindeversammlungen mit Projekten wie 1996 im Ägerital. Auch Schilfgürtel und die Unterschutzstellungen von Uferpartien standen und stehen auf der politischen Agenda. Ein Motorbootverbot auf dem Zugersee scheiterte 1973 relativ knapp (Ja-Anteil 47 %). Eine vom Regierungsrat 1984 bewilligte Wasserski-Anlage stoppte das Bundesgericht 1988 und gab Bedenken von Fischern und Ruhesuchenden Recht. Hohe Wellen schlug eine Wakeboard-Verordnung des Regierungsrates, die 2004 ebenfalls vor dem Bundesgericht landete und dann aber in Kraft trat. Mitte der Zehnerjahre wurde am Ägerisee über Fischereirechte gestritten. Jahre zuvor sehnte sich ein Teil der Bevölkerung nach Schwänen auf dem Ägerisee; Ansiedlungsversuche scheiterten allerdings, denn die weissen Langhälse flogen jeweils im Herbst zurück auf den Zugersee oder sind gestorben. Die Autoren müssen und wollen diesbezüglich sich Grenzen setzen; der Fokus liegt auf der Entwicklung der Fahrgastschifffahrt auf den beiden Seen, so interessant auch andere Themen im Zusammenhang der Zuger Seen wären. Was sich eindrücklich beim Recherchieren von rund 20 Laufmetern Akten zeigt, ist die immense Bedeutung des Lebensraumes am und auf dem Wasser sowie das Potenzial von Konflikten innerhalb von Interessen- und Benutzergruppen. Dies zieht sich auch in den Schilderungen der Schifffahrtsgeschichte wie ein «Roter Faden» durch die 175 Jahre maschinenbetriebene Schifffahrt auf den Zuger Seen: Die öffentliche Nutzung der Gewässer ist ein politisches Thema, auch wenn es – emotionslos betrachtet – sich bei den Schiffen bloss um «schwimmendes Blech»6 handelt.
Vorwort zum Inhalt
Typische Abendstimmung in Zug; eine Gewitterfront ist verzogen, dahinter blinzelt die Sonne vom Westen her zur Kolinstadt. Foto: A. Busslinger
Zu anderen Schiffen Seegfrörni Zugersee 7 Im 19. Jahrhundert war der Zugersee öfters ganz zugefroren: so 1830, 1838, 1871, 1872, 1880, 1891 und 1895. Im 20. Jahrhundert sind dokumentiert die Winterseegfrörni: 1914, 1918, 1929, 1934 und 1963 die grosse «Seegfrörni». Teilweise zugefroren war der Zugersee, mit nur begrenzten zum Betreten freigegebenen Flächen: 1941, 1947, 1965, 1985, 1997. Im 21. Jahrhundert waren infolge der Klimaerwärmung keine grösseren Vereisungen mehr zu verzeichnen. Seegfrörni Ägerisee 7 Vor 1960 war der Ägerisee sozusagen jährlich, mind. teilweise zugefroren. 1963 dann die letzte totale, grosse «Seegfrörni». In den folgenden Jahren war er teilweise zugefroren: 1965, 1981, 1985, 1997, 2006; seither nicht mehr.
Mit dem Aufkommen der Motorboote waren sowohl Private als auch Restaurants am Zugersee mit Schiffen unterwegs, denen es erlaubt war, «Plaisirfahrten» mit Gästen anzubieten. Anfänglich musste dazu eine eidgenössische Erlaubnis vorliegen, ab 1896 wurde die Aufsicht über den Bedarfs-Schiffsverkehr den Kantonen übertragen. Auch innerhalb der Passagier-Schifffahrt möchten wir Abgrenzungen transparent machen. Wir widmen uns zum einen den eidgenössisch konzessionierten Schiffen, zum andern berichten wir über jene kantonalen Fahrgastschiffe, deren Schiffsführer einen Ausweis brauchen für die Kategorie B (Fahrgastschiffe): Für den gewerbsmässigen Personentransport von mehr als 12 Personen8. Das berühmteste Motorboot war die «Annie» der Familie Bodmer-Abegg vom Schloss Buonas, 1912 gebaut von Bootsbauer Emil Leemann am Pfäffikersee. Das wunderschöne Boot
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Vorwort zum Inhalt
Ein eigenes Buch wert wären die Themen Warentransporte, Nauenwirtschaft, Baggerbetriebe, Steinbrüche und der Abtransport von Baumaterialien über den See sowie die Firmen KIBAG und Risi (heute JMS), die im Wasserbau-Sektor tätig sind. Lastschiffe wurden zuweilen auch für Personentransporte, so z. B. regelmässig für Prozessionen eingesetzt, siehe auch S. 291 Nr. 41 Nauen Winkelried. Last but not least seien die öffentlichen Boote der Polizei und der Feuerwehr erwähnt, oder die «Seechue», die als schwimmender «Rasenmäher» die Algen in der Nähe von Strandbädern «abgrast».
Weiter in Text und Bild
Die Sonnenuntergänge am Zugersee sind legendär. Dieses so spezielle Gegenlicht lässt MS Zug und MS Rigi auf dem goldenen Wasser sehr vorteilhaft hervortreten. Foto SGZ
wurde 1972 verkauft und gelangte dann u. a. auch nach Dresden. Nach einer über 30-jährigen Ruhephase wurde das Boot von Urs Bucher (Kirchdorf LU) aufwändig restauriert und fährt heute bei der Stiftung HZB auf dem Zürichsee. Die Gefahr des Ausuferns und die mangelhafte Quellenlage machte uns den Entscheid leichter, auch dieses Thema «aussen vor» zu lassen. So muss auch das erste und einzige Dampfboot der Neuzeit, die «Don Camillo» von Klaus Bilang, erbaut 1987 in Xanten (DE), das von 2014 bis 2025 auf dem Ägerisee unterwegs war, sich an dieser Stelle mit einem Satz zufriedengeben.
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Das vorliegende Buch soll mit Unterstützung der Webseite www.zuger-seen.ch laufend aktualisiert und ergänzt werden. Denn die Geschichte der Schifffahrt auf den beiden Zuger Seen bleibt mit dem Erscheinen dieses Buches nicht stehen. Es liegt in der Natur der Sache, dass am ersten Tag nach dem Erscheinen eines Sachbuches bereits neue Erkenntnisse «auf den Tisch flattern», resp. im Netz aufpoppen. Auch Sie, liebe Leserin und lieber Leser, sind ermuntert, uns Ihnen bekannte Fakten zur Geschichte der Schifffahrt auf den Zuger Seen zu melden. Auf der Webseite www.zuger-seen.ch finden sich weitere Kapitel, die im Buch keinen Platz fanden wie z. B. über die Entwicklung der Bordgastronomie, über versunkene Schiffe oder über die Nauen. Eine spezielle historische Presseschau aus dem letzten Jahrhundert zeigt das öffentliche Interesse an den beiden Zuger Seen, aber auch grundsätzliche Betrachtungen zum Fahrplan oder ein Bericht über das Projekt, auf dem Zugersee einen Trajektverkehr einzurichten.
Das Duo «Zug» und «Rigi» bestreitet im Jahr des 175-Jahr-Jubiläums der maschinenbetriebenen Schifffahrt auf dem Zugersee (und gleichzeitig dem Erscheinen dieses Bandes) den Kurs- und Extrafahrtenverkehr der SGZ. Foto A. Busslinger
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Vorwort zum Inhalt
Zugersee
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Vorwort zum Inhalt
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Die Schifffahrt auf dem Zugersee vor 1852 Die Schifffahrt auf dem Zugersee reicht – wie anderswo auf den mitteleuropäischen Alpenseen – in die Zeit der ersten Besiedlung der Ufer zurück. Zahlreiche Funde erinnern an die Wohn- und Lebensart jener Menschen, die sich im Laufe langer Zeitperioden in Oterswil und der Insel Eielen bei Oberwil über Zug, den Sumpf gegen Cham Eslen und bei Risch (Zwyern) angesiedelt hatten. Der Zugersee war eine natürliche Verkehrs- und Wasserstrasse, die sich allmählich mit Fahrzeugen belebte: vorerst mit Flössen, ausgehöhlten Baumstämmen – den «Einbäumen» – mit denen menschliche Nahrung aus dem See gesucht wurde.
Die ältesten Funde gehen im Gebiet Cham-Grindel auf das Jahr 9500 v. d. Z. zurück, also auf das Ende der Eiszeit, wo erste Lagerstellen von wildbeuterisch lebenden Menschen am Zugerseeufer gefunden wurden1. Die Ausdehnung dieser Siedlungen in Verbindung mit der allmählich in Erscheinung tretenden Naturalwirtschaft hinterliessen die ersten Spuren des Verkehrs mit Schiffen. Man weiss, dass es bei St. Andreas in Cham in römischer Zeit einen Umschlagplatz gab, wo Waren auf Schiffe geladen bzw. von Schiffen entladen wurden 2. Bereits vor der Stadtgründung von Zug gab es nördlich der heutigen Altstadt, am sogenannten «Stad» eine Anlegestelle für grössere Schiffe, die Personen und allerlei Waren über den ganzen See transportierten3. Die Schifffahrt förderte später die frühmittelalterlichen Grundherrschaften des Landes in natürlicher Weise. Primitive Saum- oder Fusswege stellten allmählich erste landseitige Verbindungen her. Ein erster Weg über den Sumpf nach Cham und den Ennetsee wurde von Zug unter Baumeister Jost Knopfli 1540 erbaut, der schmale und unwegsame Saumweg nach der Vogtei Walchwil und Arth wich erst im Jahre 1829 einer Strasse.
Nach alter Väter Sitte
S. 22/23: Ein seltener Blick auf den Zugersee von Nord nach Süd, fotografiert vom Gleitschirmpiloten Andreas Busslinger; im Hintergrund rechts der Küssnachterarm des Vierwaldstättersees.
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Die Beschreibung dieser vorindustriellen Wasserfahrzeuge ist schwierig. Schriftliche Unterlagen fehlen ebenso wie einschlägige Pläne. Beschreibungen für die einstigen Holzschiffe gibt es bis Anfang des 20. Jahrhunderts keine. «Das kommt daher, dass
Die roten Punkte zeigen Fundstellen von prähistorischen Dörfern am Zugersee mit den Unesco-Weltkulturerbe-Schwerpunkten «Sumpf» (1), «Riedmatt» (2) und «Oterswil/Insel Eielen» (3). Aus «Seesichten Zugersee» doku-zug.ch 2013
die einstigen Schiffs- und Flossbauer buchstäblich ‹nach alter Väter Sitte› arbeiteten – sie erstellten ihre Wasserfahrzeuge so, wie sie es von ihren Vätern gelernt hatten», stellt der Forscher Daniel Vischer fest 4. Machbarkeitsstudien, technische Berichte vor dem Bau und die Archivierung der Ausführungspläne sind Errungenschaften der modernen Zeit …
neuester Zeit eingeschleppte, hoch invasive sogenannte Quagga-Muschel dürfte leider viele unter Wasser liegende Potenziale sehr bald überdecken und der Forschung unzugänglich machen.
Auch in amtlichen Akten lassen sich keine Hinweise auf Konstruktion von Schiffen finden; es ging da mehr um Fragen des Eigentums, der Zölle, der Ladung, Frachtpreise, Mengen – also um rechtliche Fragen, die in der Regel dokumentiert sind. Aufschlussreich sind hingegen Funde von Relikten, die sich unter dem Wasserspiegel befinden. Die Archäologie befasst sich damit vom Altertum über das Mittelalter bis zur Neuzeit. Bemerkenswert ist, dass sich versunkene Schiffe über Jahrhunderte lang erhalten und so mithilfe von Ultraschallsonden geortet, von Tauchern untersucht und in einigen Fällen gehoben, konserviert und ausgestellt werden. Die in
Nach dem Bau des ersten Weges von Cham nach Zug sollte das Flussbett der Lorze in Cham abgegraben werden, um so den Seespiegel um rund 1,7 m zu senken und damit die ständigen Überschwemmungen in der Lorzenebene zu reduzieren5. Kurz nach Beginn der Arbeiten starb der Stadtbaumeister Knop 1542 an der Pest und das Projekt ruhte dann 50 Jahre. Im Jahr 1591 beauftragte der Rat von Zug Jost Knopfli, den Enkel von Jost Knopfli dem Älteren, das Vorhaben fertigzustellen. Ende 1592 waren die Arbeiten abgeschlossen. Der Landgewinn war besonders am Ufer zwischen Buonas über Cham bis Mitte der Stadt
Zwei Seeabsenkungen verändern die Landschaft
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Zug beträchtlich. Der See reichte bislang in Cham bis zur heutigen Autobahn beim Rigiblick Steinhausen. Bei steileren Uferabschnitten aber kam es zu zahlreichen Uferabbrüchen: in Arth versank ein Haus im See und in der Seeliken in Zug rutschten neun Gebäude in die Fluten. Trotzdem war der Reiz des Landgewinnes grösser als die Risiken und so kam es ab 1629 erneut zu einer Seeabsenkung um rund einen weiteren Meter. Untertanen aus der Vogtei Cham und aus den anderen Stadtzuger Vogteien wurden zur harten Arbeit in der Lorze gezwungen. Seither hat der Zugersee die heutige Silhouette, abgesehen von Aufschüttungen aus Häuseraushub- und Strassenbau-Material in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Zu erwähnen ist, dass die beiden Altstadt-Katastrophen in Zug in den Jahren 1435 und 1887, als ganze Häuserzeilen in den See versanken, in anderen Zusammenhängen stehen als mit der Seeabsenkung.
Kriegerische Intermezzi Zurück in die frühe Entwicklung der Schifffahrt auf dem Zugersee. Seit der Zeit der Kelten-Hochkultur (um 1000 v. d. Z.) waren zwei Schiffstypen in der Zentral- und Ostschweiz vorherrschend: die Weidlinge, die auf dem Zugersee Jassen («Jassli») genannt werden, und die grösseren Lastschiffe (auf dem Zugersee Nauen genannt5). Sie dienten zum Transport von Hölzern, Steinen, Nahrungsmitteln, aber auch zur Verbindung mit den Orten um den See. Zug baute seine eigenen Schiffe für den Lokal- und auch den Transitverkehr, aber nicht nur zu friedlichen Zwecken, sondern auch zu seiner politischen Selbstbehauptung: zur Abwehr und zum Angriff in kriegerischen Zeiten6. So berichtet die geschichtli-
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che Überlieferung, wie am Lichtmesstag 1352 (2. Februar) die damals noch österreichischen Zuger in fünf grossen Nauen über den See zu einem Überfall nach Arth gefahren sind. Sie kehrten mit blutigen Köpfen, mit 16 Getöteten und 6 Ertrunkenen auf ihrer Heeresstrasse auf dem See wieder nach Zug zurück. Der See wüsste uns noch mehr von vielen im Laufe der Jahrhunderte von und gegen Zug unternommenen kriegerischen Unternehmungen, Strafexpeditionen nach den Vogteien, Plünderungen und Raubfahrten zu erzählen. Der Chronist Hermann Stadlin-Graf beschreibt aus neuerer Zeit, dass «wir Schulbuben aus der alten Sustumgebung und Seelikon in den 70er- und 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts diese kriegerische Tradition zur See weiterführten, indem wir auf Flössen, in Kommoden-Schubladen und Hasenställen zu Seeschlachten und Überfällen gegen die Vorstädtler oder Oberwiler Buben oder auch auf Raubzüge in die Rebberge von Trubikon fuhren7.»
Der Handel und die Seefahrt Als im 13. Jahrhundert der Gotthardpass erschlossen und im Anschluss daran der Sihl- und Horgener-Weg erbaut wurden, eröffneten sich neue Verkehrsströme über den See. Zug wurde zu einem eigentlichen Markt- und Güter-Umschlagplatz der von Zürich und der Ostschweiz kommenden Handelsware. Diese wurde auf der 1359 erstellten «Sust», in der AltstadtUntergasse, nach genauen obrigkeitlichen Vorschriften eingelagert, aufgezeichnet und verzollt. Sie gelangte, soweit ein Weitertransport nach der Innerschweiz oder nach Italien vorgesehen war, über den See zu den Susten von Immensee und Küssnacht, mit Abzweigung nach Arth.
Oben: Der Einbaum ist ein Schiffstyp, der aus einem ausgehöhlten Baumstamm gefertigt wird. Das Bild zeigt einen seltenen Fund aus dem Mittelalter der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts mit Fundort Bibersee bei Cham, fotografiert anlässlich einer Sonderausstellung der Burg Zug (2026). Foto H. Amstad
Unten: Die schraffierte Fläche zeigt den Landgewinn am Zugersee nach der Seeabsenkung von 1592. Aus Zuger Neujahrsblatt 1993
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Es handelte sich um grosse Mengen von Kaufmannsware, ganz besonders Salz. Umgekehrt gelangten von Immensee und Küssnacht und von der Abzweigung von Arth die Güter aus den Urkantonen und dem Süden nach der Sust in Zug, wo sie auf Pferdefuhrwerke und zum Weitertransport auf der Horgenerstrasse verladen wurden.
Zollschranken. Sie brachten aber auch die Susten, die schon lange an Bedeutung verloren hatten, zum Verschwinden. Damit bereiteten sich ab 1848 rechtlich neue Formen für die Schifffahrt vor; eine politisch wichtige Voraussetzung, die Dampfschifffahrt auf den Seen ihr zu ermöglichen und zum wirtschaftlichen Durchbruch zu verhelfen.
Der Einfluss der 1. Bundesverfassung auf die Schifffahrt Der Schiffsverkehr vom Ennetsee her (und zurück) war seit Jahrhunderten ein Grundrecht der Herrschaft von Buonas. Der Verkehr nach und von Luzern stand dabei im Vordergrund. Im Jahr 1798 ging das mit dem Buonaser-Wirtshaus verbundene Fahrrecht in eigentliches Privateigentum über und blieb grundbuchamtlich bis Ende 1908 bestehen. Bei der Eröffnung der Dampfschifffahrt auf dem Zugersee 1852 machte der damalige Besitzer Gwerder der Schiffsverwaltung Schwierigkeiten und forderte für das Landen eine jährliche Entschädigung von 200 Franken. Die Bestimmungen der Bundesverfassung von 1848 und das Interesse der Dampfschifffahrtsgesellschaft waren aber schliesslich stärker als die verbrieften alten Rechte. Die Schifffahrt nach Cham, die nie von grosser Bedeutung war, weil wie erwähnt seit 1540 eine Strasse dorthin führte, gehörte der Herrschaft St. Andreas, die ebenfalls eine kleine Sust besass. Mit dem Übergang der Vogtei Cham an die Stadt Zug (1477) wurde das Fahrrecht nach Weisungen des Rates von Zug von einem bestellten Sustmeister ausgeübt, der die Zoll- und Fahrgebühren nach Zug abzuliefern hatte8. Die radikalliberalen Revolutionen der 1830er-Jahre und schliesslich die Bundesverfassung von 1848 bewirkten namentlich die verfassungsrechtliche Neugestaltung von Handel und Verkehr und den Fall der
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«Die Bundesverfassung von 1848 beseitigte alte Schranken und ebnete den Weg für die moderne Schifffahrt.»
Oben: Weit bevor die Dampfschifffahrt auf dem Zugersee Einzug hielt, diente der See über Jahrhunderte als Wirtschaftsraum für Fischer, Waren- und Personentransporte. Sammlung O. Rickenbacher
Unten: Kirchliche Prozessionen spielten – ab dem 14. Jahrhundert datiert – hauptsächlich zwischen dem 16. Jahrhundert bis um 1795 auf dem Zugersee in der Stadt Zug eine grosse Rolle: Darstellung der Zuger Fronleichnamsprozession auf einer Ofenkachel aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Aus: «Unsere Kunstdenkmäler» 35. Jahrgang, Band 2, Bern 1984
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